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Web Log Teil 420: 7.4.2015 - 12.4.2015

8.4.2015: Alternativen zur Rundtour im Sonnensystem

Als im Januar 1986 die Challenger über dem Kennedy Space Center explodierte stand auch die US-Raumfahrt still. Es gab nur noch wenige Trägerraketen, und es dauerte Jahre bis wieder neue gebaut waren. für die meisten Nutzlasten gab es eine Lösung. Ihr Start verschob sich oder sie mussten auf eine andere Trägerrakete umziehen. Doch eine hatte es schwer erwischt: Galileo.

Galileo wurde entworfen, als man das Space Shuttle plante und er war an der Nutzlastgrenze des Shuttles. Nur die beiden modernsten Shuttles hätten überhaupt die Galileo-Centaur Kombination transportieren können. Wegen Finanzierungsproblemen der Shuttle-Version der Centaur hat man sogar mehrmals andere Startoptionen erwogen auf die man später zurückgriff.

Galileo startete bekanntlich mit einer VEEGA-Trajektorie: Einem Venus und zwei Erdorbeiflügen. Eine IUS brachte den 2,2 t schweren Orbiter zuerst auf einen Venus Kurs, dann holte er durch drei Swing-Bys Schwung. Das ganze bedeutete eine Reise zum Jupiter über 5 Jahre anstatt rund 2 Jahren und es verteuerte die Mission. Schon vorher hatte man eine Reihe von Möglichkeiten erwogen die Mission anders durchführen zu können. Ich will heute mal diese diskutieren.

Die Fakten

Die erste denkbare Möglichkeit wäre ein Start mit einer Titan 34. Weder mit den beiden Standardoberstufen Transtage noch IUS wäre Galileo startbar gewesen. Die Nutzlast liegt bei nur wenigen Hundert Kilo für diesen Jupitertransferorbit.

Es reicht also knapp, aber nicht ganz. Daher ist die sinnvollste Möglichkeit der Erweiterung eine weitere Oberstufe. Eine feste Oberstufe wurde schon bei Voyager 1+2 ebenfalls auf der Titan-Centaur eingesetzt. Eine solche Oberstufe bringt nicht automatisch etwas. Zum einen reduziert sie die Leermasse die transportiert werden muss und die bei der Centaur 1860 kg beträgt. Zum anderen ist der spezifische Impuls viel geringer als die der Centaur. Vom Gefühl her würde ich sagen: eine kleine Oberstufe bringt etwas, zu schwer darf sie nicht sein. Daher habe ich zwei verbreitete Oberstufen damaligen der Zeit mal getestet, das eine ist die Burner 2 mit dem Star 37 Antrieb, die zweite ist das PAM-D mit dem Star 48 Antrieb.  Es zeigt sich, das die kleinere Star 37 etwas effektiver ist. Sie erhöht die Nutzlast auf 1984 kg, die PAM-D nur auf 1937 kg. Nun kann man mit dem spitzen Stuft rechnen:

Galileo Orbiter - Kurskorrektur VEEGA-Tour + Atmosphärensonde: wiegen zusammen 1902 kg. Das lässt wenig Spielraum für den Adapter zur Stufe. Nimmt man den von Voyager so sind es 1853 kg Nutzlast der Titan 34-Centaur-Star 37 Kombination. Es fehlen also genau 50 kg. Etwas könnte der Übergang von einer dreiachsenstabilsierten Plattform beim Star 37 zu der normalen Burner 2 bringen die durch schnelle Rotation stabilisiert ist. Doch nicht die vollen 50 kg.

Doch da gibt es noch eine zweite Möglichkeit: Galileo kann die 321 kg Treibstoff, die man wegegelassen hat ja aufnehmen und direkt nach dem Start verbrennen. Das erhöht die Trockenmasse um kein Kilo, reduziert die Geschwindigkeit die man erreichen muss. Bei dem spezifischen Impuls von 3098 m/s des S400-1 Triebwerks würde dies die Sonde um 473 m/s beschleunigen, entsprechend die Zielgeschwindigkeit auf 13830 m/s reduzieren. Entsprechend die Nutzlast für die Kombination mit Star 37 auf 2267 kg, deutlich mehr als die Sonde wiegen würde (2223 kg). Das würde also reichen

... aber nur wenn das Triebwerk in Erdnähe gezündet wird und so die Gravitationssenke der Erde ausnutzen würde. Das ist doch sehr unwahrscheinlich, es müsste praktisch nach der Abtrennung sofort arbeiten. das wird man ohne vorherigen Check der Sonde und Kontrolle der Ausrichtung nicht machen.

In der Summe: es reicht knapp nicht, außer man kann noch etwas Gewicht einsparen z.B. etwas weniger Treibstoff zutanken. Eine zweite Möglich ist der Einsatz der moderneren Centaur D-1A der Atlas G/H, die 160 kg trocken weniger wiegt., Damit reicht die Kombination Titan 34D + Centaur D-1A + Star 37 aus um 1968 kg zu befördern, Galileo würde ohne den Treibstoff für die VEEGA Tour 1902 kg wiegen.

Damit gibt es eine Lösung. Die erst später verfügbare Titan 401 würde es übrigens nicht richten. Ihre Centaur G hat ein um 1 t höheres Trockengewicht, das kann durch die anderen Leistungssteigerungsmaßnahmen nicht kompensiert werden, nur die letzte Version der Titan die 401B wäre leistungsfähig genug.

Was gäbe es noch an Alternativen? Eigentlich ist die verwendete IUS nur für einen Venustrip schon etwas zu leistungsfähig. Sie hätte 655 kg mehr Nutzlast befördern können. Dies kann genutzt werden um einen kleinen Feststoffantrieb mitzuführen. Ein Star 30C/BP wiegt z. B. 631 kg und hat einen Gesamtimpuls von 1,7 MN, genug um die Raumsonde um 700 m/s zu beschleunigen.

Wozu dies? Nun eigentlich reichen unter optimalen Anfluggeometrien zwei Vorbeiflüge an den erdnahen Planeten aus um zu Jupiter zu gelangen, so z.B. bei Cassini. Galileo bekam von der Venus 2,23 km/s bei den beiden Erdvorbeiflügen 3,1 und 3,7 km/s. Aufgrund des Energieerhaltungssatzes wirkt sich eine Steigerung der Energie in einer Gravitationsmulde (nächster Punkt zur Erde) stärker aus als fern der Erde. Hätte man den Venusvorbeiflug weggelassen und beim ersten Vorbeiflug an der erde dieses Feststofftriebwerk gezündet, so hätte die Sonde nicht 3,1 sondern 5,1 km/s an Geschwindigkeit gewonnen - also fast so viel wie der Venusvorbeiflug lieferte. Somit hätte man das Verbleiben auf der interplanetaren Bahn verkürzen können.

Was folgt: Galileo hätte rund drei Jahre früher bei Jupiter ankommen können, abhängig vom Starttermin. Es wäre auch billiger gewesen. Galileo verschlang in acht Jahren 462 Millionen Dollar an Kosten und war über fünf Jahre in der interplanetaren Reise. Setzt man die missionskosten nur mit 30 Millionen Dollar pro Jahr an, so hätte man damit den Start mit der Titan schon zu zwei dritteln finanziert. Würde die NASA "ehrlich" rechnen nämlich die wahren Kosten des Shuttles, die damals bei etwa 280 bis 322 Millionen Dollar ohne Oberstufe lagen, so hätte man sogar deutlich gespart (die NASA gab kurz vor dem Challenger Unglück die Mietkosten für die komplette Nutzlastbucht mit 71,4 Millionen Dollar an, doch dies war ein subventionierter Preis, die wahren Kosten waren deutlich höher).

7.4.2015: Eine Erfindung die ich nicht erkannt habe

Wenn man von den Anfängen der PC-Industrie spricht, so erwähnt fast jeder Beitrag die Erfindung des Mikroprozessors. Der erste verfügbare war der Intel 4004 der im November 1971 erschien. er war nicht der erste, Texas Instruments hatte das Prinzip vorher patentiert, ihr TMS 1000 Mikroprozessor erschien aber später auf dem Markt. Frei verfügbar war er erst ab 1974, doch schon 1972 verbaute ihn TI in ihren Taschenrechnern, sodass die Firma kommerzielle erheblich erfolgreicher als Intel die Erfindung umsetzte.

Ich sah das lange Zeit anders und habe in der ersten Auflage meines Buchs Computergeschichte(n) die "Erfindung des Mikroprozessors" nicht als Erfindung bezeichnet und mich dabei auf den Erfinder Ted Hoff bezogen, der selbst sagte das die CPU nicht besonders leistungsfähig war und sich schlecht verkaufte. Man konnte durch eine Handvoll MSI-integrierter Schaltkreise einen zehn bis hundertmal schnellen Prozessor erstellen, vor allem im Systempreis war dieser dem 4004 haushoch überlegen - der Prozessor verlangsamte das System enorm, sparte am Gesamt System aber nur wenig Geld ein.

Nun wir komme ich zu dieser Meinung? Die bisherige Hardwareentwicklung war von einigen Sprüngen geprägt. Nach der Erfindung des frei programmierbaren Computers durch Zuse war die erste Verbesserung die Einführung der Röhrentechnik die viel schneller schalten konnte. Mechanik wurde durch Elektrik ersetzt: Röhren schalten durch beschleunigte Elektronen die von einer Kathode emittiert werden. Auf Röhren basierten die meisten Rechner der Vierziger und fünfziger Jahre. Röhren wurden von diskreten Transistoren verdrängt, die robuster, kleiner und energiesparender waren. Da kein Hochspannungsfeld aufgebaut wurde schalteten sie auch schneller. Transistoren steckten von Ende der Fünfziger Jahre bis Ende der sechziger Jahre in den Rechnern. Vom Prinzip her arbeiteten auch integrierte Schaltungen nach demselben Prinzip wie Transistoren. Doch sie erlaubten es die Schaltungen flächig anzulegen, zu verkleinern (das war bei Transistoren, die verlötet werden mussten, bald nicht mehr möglich) und in Serienbauweise zu bedrucken. Gerade diese Entwicklung machte Computer entscheidend billiger.

Den Mikroprozessor sah ich nur als Folge der integrierten Schaltung. Sie war 10 Jahre vorher auf den Markt gekommen und die Integrationsdichte war von wenigen Elementen auf über 1000 in diesem Jahrzehnt angestiegen. Irgendwann war die Integrationsdichte so hoch, das es für die Elemente einer einfachen CPU reichte. Ein Mikroprozessor hatte keine Elemente an Bord, die nicht auch eine größere CPU hatte, nur waren sie dort auf Hunderten von Bausteinen verteilt. Das war meiner Ansicht nach nur eine folge des Moorschen Gesetzes, nicht aber eine Erfindung.

Doch als ich mich immer mehr mit Crays Rechnern beschäftigte und schließlich mit dem Scheitern an der Cray 3 dämmerte mir die eigentliche Bedeutung. Was Cray zum Verhängnis wurde, aber auch der Grund ist warum es heute keine Computern mehr mit Prozessoren gibt, die nicht in einem Chip stecken, waren die Wege im Computer. Je höher der Takt war, desto mehr mussten die Komponenten zusammenrücken. Schon bei Crays erstem Supercomputer der CDC 6600 gab es bei der Entwicklung Probleme das durch den hohen Takt lange Leitungen wie Antennen und Sender wirkten und sich Störungen ausbilden konnten. Es gab aber noch keine Probleme den Rechner auf viele Schränke zu verteilen. Bei der Cray 1 mit 80 MHz Takt musste Cray schon zu einer Anordnung in einem Kreis übergehen um die Wege zu minimieren. Das Resultat war formschön und unterschied sich von den üblichen Schränken in denen sonst die Rechner steckten.

Bei der Cray 2 musste bei 250 MHz der Rechner noch kleiner werden und er passte nun in ein Kabinett, nicht größer als ein US.-Kühlschrank. Dank Inmersionskühlung war dieser aber einige tonnen schwer. Diese Kühlungsmethode war die Innovation die den Rechner schneller machen. Bei der Cray 3 gab es keinen weiteren Trick, man packte die Module dreidimensional zusammen um die Wege zu verkürzen, sodass die CPU nur in den obersten 20 cm des Rechners steckte. trotzdem gelang es Seymour Cray in 10 Jahren den Takt nur zu verdoppeln.

Das war das Ende. In den 500 MHz mit denen die Cray 3 lief, legt ein Signal in einer elektrischen Leitung etwa 40 cm zurück. (Elektrische Signale legen etwa 200.000 km/s in Kupferleitungen zurück). Nun muss jedes Element in einem Computer während dieses Taktes erreicht werden, dabei durchlaufen die Signale nicht nur Leitungen sondern auch Gatter um zu Schalten und diese Gatter verursachen weitere Verzögerungen. Der Computer muss also kleiner als 40 cm sein und da er nach wie vor aus vielen Chips bestand limitierte das den Takt.

Ein Mikroprozessor ist kleiner, typisch ist eine Kantenlänge von 10 bis 25 mm. Damit kann er einen viel höheren Takt erreichen. Dadurch konnten Mikroprozessoren schließlich alle anderen Prozessoren (aus vielen Chips) verdrängen. Sie konnten viel schneller werden. Das Problem wurde aber nur verschoben, denn heute gibt es keine Prozessoren mit einem Takt größer als 3 bis 5 MHz, ein Takt der eigentlich schon 2003 erreicht wurde. Das beruht auf der gleichen Tatsache: Bei 5 GHz darf das Signal dann eben nur noch 4 cm zurücklegen und dfa ist man bei dem Weg den eine verwinkelte Leiterbahn auf einem Chip hat.

Die Lösung wäre es die Prozessoren weiter zu verkleinern, was auch kein Problem wäre. Das Pentium-Design basiert auf rund 5-6 Millionen Transistoren, es ist ein recht gutes Design das Intel für den Xeon Phi wieder aufgriff. Bei heute bis zu 7 Milliarden Transistoren könnte man so 1000 Prozessoren auf der Fläche unterbringen die ein großer Prozessor heute belegt mit der Folge das jeder nur noch 1 mm² groß wäre - zehn bis dreißigmal höherer Takt wäre möglich. Man macht es aus einigen einfachen Gründen nicht: Da man um jedes Die einen Abstand halten muss beim Zersägen des Wafers steigen die Verluste deutlich an wenn die Chips kleiner werden und vor allem kann man die Anschlüsse (Pins) nicht beliebig verkleinern. Bei 1000 Prozessoren müsste man viel mehr Pins unterbringen und das wird schwierig.

Wir brauchen also eine neue Erfindung. Vielleicht eine deren Bedeutung ich auch sofort erkenne.

9.4.2015: Nur für Erwachsene

Kürzlich sah ich eine Sendung über die Werbung im Laufe der Zeit. Da kamen einige Spots so der berühmte Afri-Cola Spot (muss ich doch mal kaufen, wehe wenn sie wie andere Colas schmeckt) und einer der mich inspiriert hat:

https://www.youtube.com/watch?v=Vvj-W-OHs-U

"Die Schokolade ab 18". Im Internet fand ich nichts was diese Schokolade nun "jugendfrei" macht. Es gibt zwar Spekulationen über Pheromone drin, aber wer daran glaubt glaubt sicher auch an Fluorid im Trinkwasser und die daraus steigende Anzahl an impotenten Männern (Dr. Seltsam lässt grüßen). Ich glaube vielmehr dass sie nicht so süß ist weil sich mit dem Alter das Süßempfinden ändert. Kinder brauchen viel mehr Zucker um etwas als süß zu empfinden.

Aber ich fand den Spruch "Für alle ab 18" so gut, dass ich ihn für den Blog übernommen habe. Okay, im Internet davon zu reden, das etwas nur "ab 18" ist ist ziemlich weit gegriffen. Jugendschutz gibt es da ja nicht. Pornografie, Gewalt das alles gibt es für alle im Netz ohne Altersbeschränkung. Manche Pornowebseite schaltet eine Alibi-Seite vor "Ich bestätige, dass ich 18 bin - Eintreten" und "Ich bin noch nicht 18 - verlassen". Uhhh da wird mir ganz bange und sicher klicken dann alle Teenager auf die zweite Option ... das ist genauso wirklichkeitsfremd wie die PKW-Maut.

Aber ich denke es passt trotzdem, denn man braucht doch eine gewisse geistige Reife für den Blog. Zumindest die häufigeren Kommentatoren sind auch deutlich über 18.

Ich spiele ja ab und an mit dem Gedanken auch hier mal "über 18 Themen anzuschneiden", bin bisher aber der Versuchung wiederstanden obwohl das sicher den Besucherzahlen gut getan hätte. der Grund ist recht einfach: oben steht mein Name und die Themen sind dann doch persönlich gefärbt oder lassen zumindest Rückschlüsse auf den Verfasser zu.

Themenwechsel: Griechenland kommt ja seit einigen Wochen nicht mehr aus den Schlagzeilen raus. Wenn ich den Medien glaube hat die Regierung ja ziemlichen Rückhalt in der Bevölkerung, welche die Maßnahmen von EU, WWF und IMF als Gängelung und falsch ansieht. Nun verstehe ich nichts von den Maßnahmen der Trioika. Aber anscheinend treffen sie nur die Armen und ein Hauptproblem, dass die Reichen so gut wie keine Steuer zahlen scheint nicht gelöst oder nicht angegangen worden sein. So kann ich den Unmut verstehen. Es scheint sich auch sonst nicht viel geändert zu haben: So war Griechenland im letzten Jahr auf Platz 4 der deutschen Rüstungsexporte - das Land leistet sich ein Heer das seinesgleichen sucht. So hat Griechenland die größte Panzerarmee Europas, 1.800 Stück, nur zum Vergleich: die Bundeswehr hat von 4.500 Panzern nach der Wiedervereinigung auf 220 abgerüstet. Meiner Ansicht nach wäre es sinnvoll mal zu sehen, dass die Reichen auch mal zur Abwechslung Steuern zu zahlen und kosten zu senken z.B. durch Abrüstung.

Doch was nun kommt ist schon ein starkes Stück. Also man kennt es ja, dass nach einem Krieg der Verlierer Reparationszahlungen leisten muss. Das war sowohl nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 so, wie auch nach dem ersten Weltkrieg und gerade der zeigte ja, das dies (mit anderen Faktoren) nur letztendlich zum zweiten Weltkrieg führte. Nach dem zweiten Weltkrieg war man zumindest im Westen schlauer und verzichtete auf Reparationen und half sogar beim Wiederaufbau. Russland dagegen holte was nicht niet- und nagelfest war, verständlich nach den Zerstörungen durch die Wehrmacht, aber auch mit Auswirkungen auf die ostdeutsche Wirtschaft und als Folge zu einem Exodus nach Westen.

Das ein Staat nach 70 Jahren erneut Forderungen in höhe von 278 Milliarden aufstellt ist mir neu. Das hat einige Aspekte. Zum einen scheint der Großteil auf zerstörter Infrastruktur zu beruhen. 9,1 Milliarden stammen sogar noch aus dem ersten Weltkrieg, als Griechenland auf der Seite der Sieger stand. Also egal ob man verloren hat (zweiter Weltkrieg) oder gewonnen (erster Weltkrieg) man will Geld. Der grundlegende Ansatz (zumindest beim zweiten Weltkrieg, im ersten stand ja kein Deutscher in Griechenland, sondern man wollte bloß die eigenen Ausgaben ersetzt haben, nachdem man Deutschland den Krieg erklärt hatte) ist es ja die durch die Besatzung entstandenen Kosten ersetzt zu bekommen, bzw. das meiste sind verursachte Schäden. Den Ansatz halte ich im Prinzip für legitim. Doch was passiert wenn man das durchsetzt? wenn ich mir die Schäden ansehe die im zweiten Weltkrieg entstanden sind, und ein Großteil verursacht von Deutschland dann müssten wir über Jahrzehnte zahlen. Sicher wir bekämen dann auch vieles ersetzt, dann müssten England und die USA für die Zerstörungen durch den Bomberkrieg bezahlen.

Interessant ist ja der kleine Posten "9,1 Milliarden Forderungen aus dem ersten Weltkrieg" stammen. Das sieht so aus, als könnte man praktisch Forderungen ewig lang stellen. Man stelle sich mal die Wirkung vor, wenn das so wäre. Nicht nur das Deutschland dann mit Forderungen (aus dem zweiten Weltkrieg) aus anderen Staaten wie Polen und der Tschechei/Slowakei rechnen kann. Man stelle sich vor, man könnte Forderungen nach beliebiger Zeit noch einklagen. Die Indianer könnten die USA verklagen, afrikanische Staaten aus denen Sklaven entführt wurden ebenso. Die meisten ehemaligen Kolonialstaaten könnten Frankreich, England, Italien und Belgien verklagen. Wenn man weiter zurückgeht wird es für Italien eng: man rechne mal die Zerstörungen aus der Zeit des römischen Reiches auf die heutige Währung hoch und wie viele Staaten davon betroffen sind. Israel kann von Ägypten, der Türkei und dem Irak Kompensationen fordern, schließlich stand das Land immer im Weg wenn Ägypter, Hetiter und Assyrer/Mede/Babylonier gegenseitig Krieg führten.

Von der Logik her müsste es eine Verjährungsfrist geben, auch um die Beziehungen zwischen den Staaten nicht zu vergiften, denn das das Deutschland von 2015 ein anders als das von 1941 ist, dürften selbst die Griechen nicht leugnen. Also bei allem anderen gibt es Verjährungsfristen, außer bei Mord. Bei Steuerbetrug sind es 10 Jahre, selbst bei einem Kapitalverbrechen wie Totschlag sind es 30 Jahre. Das ist meiner Ansicht nach eine gute Ausgangsbasis für eine Regelung. 30 Jahre wären nach dem Ende des zweiten Weltkriegs 1975 gewesen. Zu dem Zeitpunkt war in Deutschland nichts mehr von den Folgen des zweiten Weltkriegs zu spüren. Angesichts des Wirtschaftswunders hätte man wahrscheinlich schon Ende der fünfziger Jahre Kompensationen leisten können. Das hat die BRD auch getan, aber relativ wenig verglichen mit dem was heute gefordert wird. Wenn nach 30 Jahren, das ist mehr als eine Garantien ein Land nicht fähig ist zu zahlen, dann sollte man es lassen, denn dann glaube ich kommt das Land nicht mehr auf die Füße. Umgekehrt: wenn ein Land nach 30 Jahren keine Forderung stellt, dann hat es seine Chance vertan, genauso wie ein Verbrecher nicht mehr belangt werden kann wenn man ihn nicht mehr findet. Die Verjährung ist bei Verbrechen im normalen Leben eine sinnvolle Sache, irgendwann sollte eben etwas vergeben und vergessen sein, sonst könnte man noch eine Oma für einen Kaufhausdiebstahl als Teenager verklagen.

Die deutsche Argumentation mit dem "2+4" Vertrag zieht in dem Ansatz Griechenlands Falle nicht, denn der war ja zwischen Deutschland und den Siegermächten. zumindest wenn man dem Ansatz "Kompensation von Kriegsschäden" folgt. Nimmt man den anderen Ansatz "Der Verlierer zahlt" der ja der Forderung aus dem ersten Weltkrieg zugrunde liegt, als es keinerlei direkte Konfrontation mit Griechenland gab, dann wären allerdings die 2+4 Gespräche das Ende der Forderungen. Griechenland hat nun mal den Balkanfeldzug verloren. Es gab britische Truppen in Griechenland weswegen ja auch der Einmarsch erfolgte. So gesehen gehört es zu den Verlierern. Die Siegermächte hotten dann stellvertretend für die besetzten Gebiete handeln müssen und die waren beim 2+4 dabei. Wenn man den 3+4 Vertrag als Schlussstrich unter den zweiten Weltkrieg ansieht, dann kommt man zur selben Einschätzung, was meiner Meinung nach auch vernünftig ist, denn sonst könnte man wirklich auf die Idee kommen nach beliebig langer Zeit Forderungen zu stellen.

12.4.2015: Ach ja die Bundeswehr

Kürzlich sah ich die Reportage "Die Frontfrau" in der ein Fernsehteam Ursula von der Leyen begleitet hat und da kam sie auch im Interview zu Wort. Es ging um die neue Rolle der Bundeswehr. Von der Leyen will nach eigenen Aussagen einen Mittelweg zwischen der alten Haltung "Nur Landesverteidigung" und den neuen "Aufgaben im internationalen Bereich", kurzum Krisen- und Auslandseinsätzen. Glauben kann ich ihr aber nicht, denn die erste Position sagte sie, wäre nicht vereinbar mit einer Mitgliedschaft in der UN, der NATO und dem europäischen Verteidigungsbündnis. Dann ist sie also nicht neutral und sucht wohl auch nicht nach einem Mittelweg. Vor allem aber stimmt die Aussage nicht: die BRD war schon in der NATO und UN als die Bundeswehr nur die Aufgabe der Landesverteidigung hatte. "Europäisches Verteidigungsbündnis" klingt auch eher nach Verteidigung (wohl mit Auslandseinsätzen, aber sicher nicht im Hindukusch sondern in Europa). Zudem ist auch Japan mit einer reinen Landesverteidigungsarmee Mitglied der UNO. Wie immer wenn mich ein Politiker offensichtlich anlügt schaltet mein Hirn dann auf Durchzug bei den weiteren Aussagen.

Aber befassen wir uns mal mit der Frage. Ich muss sagen, ich bin mit einer reinen Landesverteidigungsarmee aufgewachsen und fand das nicht schlecht. Aber natürlich ist die Zeit eine andere. Wenn es vor dem Ende des kalten Kriegs Konflikte außerhalb der beiden großen Pakte NATO und Warschauer Pakt gab, dann wurden sie oft von der einen oder anderen Seite unterstützt und Stellvertreterkriege. Da machte die Beschränkung auf reine Landesverteidigung Sinn.

Nun haben sich die Zeiten geändert. Staaten zerfallen und sind im Bürgerkrieg, islamistische Organisationen heizen diese an oder beginnen Kriege. Ethische und religiöse Konflikte gibt es überall auf der Welt. Die vergangenen Jahren haben aber auch gezeigt, das wenn internationale Streitkräfte versuchen diese Konflikte zu entschärfen, sie entweder machtlos sind oder es eben keine Befriedung gibt. So gesehen bleibe ich bei meiner Meinung: reine Landesverteidigung wäre ausreichend.

Aber betrachten wir beide Positionen mal aus einem anderen Blickwinkel: wie gut ist die Bundeswehr für beide Aufgaben gerüstet? Die alte Bundeswehr hatte eine Ausrüstung die weitgehend auf die Situation passte. Man erwartete einen Angriff der UdSSR und verbündeten Staaten vom Boden der DDR/CSSR aus und um diesen aufzuhalten hatte man eine starke Panzerarmee (4500 Leopard II), Jagdflugzeuge, Jagdbomber, Hubschrauber zur Panzerbekämpfung und Korvetten und Fregatten zur Sicherung der Hoheitsgrenzen. U-Boote sollten größere Schiffe angreifen, wobei die Marine nie besonders stark war, schließlich kam wenn die Bedrohung aus dem Osten kam sie aus der Ostsee, das ist kein weites Meer und Flugzeuge sind hier nützlicher als viele Schiffe und wenn eine Konfrontation mitten auf dem Atlantik drehte war das wohl kaum noch Landesverteidigung.

Welche Anforderungen hat eine Armee, die überall auf der Welt in Bürgerkriege eingreifen soll oder es mit bewaffneten Milizen oder Piraten zu tun hat? Nun fangen wir mit der Marine an. Da wir es nicht mit anderen Kriegsschiffen zu tun haben sondern Piraten auf schnellen Booten braucht man andere Ausrüstung. U-Boote sind da völlig nutzlos, trotzdem hat man erst vor wenigen Jahren begonnen, eine neue Klasse in Dienst zu stellen. Die Korvetten als kleinste hochseetaugliche Schiffe die nun am Horn von Afrika im Einsatz sind, haben vor allem eine Rolle: sie haben Hubschrauber an Bord die schnell bei einem Notruf reagieren können. So gesehen wäre unsrer Marine mit einem reinen Hubschrauberträger eher besser gedient, dann könnten ständig einige Hubschrauber ein großes Gebiet abfliegen und so vielleicht für mehr Sicherheit sorgen. Flug- oder nur Hubschrauberträger hatten wir nie, weil man diese normalerweise zur Unterstützung von Operationen zu Land oder beim Seekrieg mitten im Ozean braucht und das war ja keine Landesverteidigung. Statt der Fregatten und Korvetten sollte man dann vielleicht für die Sicherung der Schifahrtswege kleinere Schiffe entwerfen, großer als ein Schnellboot und Hochseetauglich. Also die Marine ist nicht besonders gut auf die "neuen" Aufgaben eingestellt. Wobei ich ehrlich gesagt auch wenig Sinn darin sehre wie das derzeit läuft: Da Piraten kein Militär sind muss die Marine sich wie die Polizei verhalten: die Piraten festnehmen an die regionale Polizei übergeben und da sind sie dann bald wieder frei.

Die Luftwaffe hat es bei den Bürgerkriegen meistens nicht mit Gegnern zu tun, die eine eigene Luftwaffe haben, wohl aber Luftverteidigung vom Boden aus. Reine Jagdflugzeuge nützen da wenig, weshalb man beim Eurofighter, der ja mal "Jäger 90" hieß, das Flugzeug als Jagdbomber umkonzipierte. Noch sinnvoller wäre wohl ein reines Flugzeug zur Erdbekämpfung wie der Tornado oder noch besser die amerikanische A-10. Dazu natürlich auch Hubschrauber. Diese sind wegen des begrenzten Einsatzradius nützlich, wenn man im Land ist, Flugzeuge dagegen eher für die Luftangriffe von Nachbarstaaten aus. Beide Kategorien könnten langfristig wohl durch Kampfdrohnen ersetzt werden. Als deren Nachteil wird ja immer angeführt das der Mensch nicht die Szene sieht, doch dem Argument kann ich nicht folgen. Wenn jemand mit 800 km/h in einem Eurofighter die Szene überfliegt wird er genauso wenig Details am Boden sehen, eher weniger und der medienwirksame Angriff auf Journalisten im Irak die angeblich Kalaschnikows trugen (in Wirklichkeit ein Stativ) fand ja auch von einem Hubschrauber aus statt und die Besatzung verlies sich auf die vergrößernde Fernsehkamera im Helikopter. Daneben hat die Luftwaffe die Aufgabe Equipment zu transportieren. Dies ist viel wichtiger geworden, als wie bei der Landesverteidigung, wo man ein ausgebautes Straßen- und Schienennetz hat und keine Front weiter als 400 km von der Grenze zu Frankreich entfernt ist. Die neuen A-400 sind dafür nicht die Lösung die ich favorisiert hätte. Er ist gedacht für provisorische Pisten, aber ohne Raketenabwehrsystem kann er nicht in Kampfgebiete fliegen. Wenn ich aber nur Ausrüstung zu dem nächsten regulären Flugplatz transportieren will, mehr kann der A.400 ja derzeit auch nicht leisten, dann wäre eine umgebaute Mittel- oder Langstreckenmaschine besser geeignet. Eine A-350 hat die doppelte Nutzlast und doppelte Reichweite.

Das Heer hat am stärksten abgerüstet. So die Zahl der Panzer von 4500 auf 220, (nun sollen nach von der Leyen weitere aktiviert werden, dafür hat Griechenland 1.800 Panzer bei einem Achtel der Einwohnerzahl der BRD). Sicher nützen Kampfpanzer recht wenig, wenn man es mit Milizen ohne eigene starke Bewaffnung zu tun hat. Wenn der Gegner Panzer hat so sind diese heute einfache Ziele bei Luftangriffen, das zeigten die beiden Golfkriege mit US-Beteiligung aber auch die Luftschläge gegen Libyen. Dafür muss man mit dem Beschuss rechnen sobald man das Lager verlassen hat oder mit Sprengstoffanschlägen. Die Front ist nicht irgendwo im Land zu der man mit Lastwagen fahren kann, sie ist überall. Die Armee braucht daher mehr gepanzerte, schnelle Fahrzeuge wie Schützenpanzer, gepanzerte Mannschaftstransporter. Da hat die Bundeswehr einige bestellt, aber zu wenig zu sie kommen zu langsam und es sind zu wenige. Eher nützlich als Kampfpanzer sind dagegen mobile Artillerie. Sie können durchaus die Kampfpanzer ersetzen: Eine Einheit sieht einen Feind und die Artillerie kann aus sicherer Distanz das Feuer eröffnen. Heute ist sie treffgenau genug und die Reichweite auch sehr hoch. In Afghanistan brachte die Verlagerung von Panzerhaubitzen 2000 mehr Sicherheit um die Lager - aber eben nur dort wo sie stationiert waren. Artillerie kann schneller reagieren als Flugzeuge und ist zudem billiger.

Dann wäre noch die Struktur der Armee zu nennen. Wir haben heute eine Armee mit einem Fünftel der Stärke von Bundeswehr und Volksarmee zusammen, aber sie soll viel mehr Auslandseinsätze absolvieren und soll mobiler sein. Ich weiß nicht ob die heutige, geringe, Mannschaftsstärke ausreicht, aber bei einer Freiwilligenarmee hat man zumindest ein Motivationsproblem: Warum soll ich ei der Bundeswehr für wenig Geld das Risiko eingehen verwundet oder getötet zu werden, wenn es auch andere bessere bezahlte Arbeiten gibt? Die USA lösen das Problem indem sie vorwiegend in Armenviertel rekrutieren. In einem Land ohne soziale Absicherung und wo Studieren Geld kostet, ist ein sicherer Job oder die Übernahme der kosten eines Studiums wenn man sich zu x Jahren Militärdienst verpflichtet ein Anreiz. Bei uns wäre es wohl nur eine risikogerechte Bezahlung und nicht ein "familienfreundliches Unternehmen". (Wie bitte soll ein Auslandseinsatz familienfreundlich ein? Rückflug zum Wochenende?). Eventuell sollte man auch differenzieren zwischen "Heimatarmee" und "mobilem Kommando". In letztem wird besser bezahlt und jeder der dort ist weiß das er zu einem Auslandseinsatz abkommandiert werden kann und ein entsprechendes Risiko eingeht. So was gibt es ja auch bei der Polizei mit GSG-9, SEK und MEK.

Daneben, das zeigten die letzten Monate, hat die Bundeswehr ganz andere Probleme: sie hat Ausrüstung die nur zum Teil einsatzbereit ist, sie schließt Verträge ab die für sie unvorteilhaft sind, sie z.B. die gleiche Summe zahlen muss, egal wie viele Flugzeuge sie abnimmt (warum man dann die Bestellung trotzdem kürzt und nicht die ursprüngliche Anzahl an Flugzeugen nimmt, wenn sowieso die meisten nicht einsatzfähig sind, ist mir ein Rätsel) und es gibt Verluste weil man nicht rechtzeitig auf Fristen reagiert hat. Eine Armee die nicht mal die Beschaffung richtig hinkriegt, Dinge bestellt, die ihr nicht wirklich nützen oder die Mängel haben, sollte erst mal diese Hausaufgaben abarbeiten bevor sie überhaupt dran denkt ins Ausland aufzubrechen.


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