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Web Log Teil 434: 27.8.2015 - 2.9.2015

27.8.2015: Wunschlos Glücklich - Neues von der Bücherfront - der Arduino MP3 Player

Nach längerer Zeit mal ein neuer Blog, aber es gibt wirklich nicht so viel neues auf das man eingehen könnte außer Gossip oder die inzwischen schon den Senat erreichten Diskussionen um die Sonderbehandlung von SpaceX (Abgeordnete fragten an warum die NASA im Inquiry Board von Orbital beteiligt sind aber nicht bei SpaceX). Aber selbst mir wirds zu viel um SpaceX und man muss ja nicht alles was die Firma macht kommentieren. fortschritte bei der Aufklärung des Fehlstarts und was er für Folgen hat gibt es ja auch kaum. Nur ein Kunde hat weil auch Arianespace bis 2017 ausgebucht ist einen Start auf einer Atlas gebucht.

Ich will zuerst mal schreiben, was ich so mache - erstaunlich wenig. Irgendwie gehen die Tage rum ohne das ich viel mache. Allerdings muss man gerechterweise sagen dass ich seit ich Rückenprobleme habe jeden Tag zwei mal 3,7 km gehe/laufe, das ist eine Strecke die von meinem Zuhause durch den Wald/Weiler Berg nach Mettingen und zurück führt. So sind schon mal 1:30 h vom Tag weg. Daneben bin ich ziemlich müde, was auch von dem Wechsel des Wetters herrührt, bzw. wenn es heiß ist bin ich eh den ganzen Tag Müde. Ich arbeite aber etwas und zwar an der Neuauflage der europäischen Trägerraketen. Ich habe aber auch hier nicht vor viel zu machen. Ich habe das Manuskript schon letztes Jahr aktualisiert als ich eine Gesamtausgabe bei Amazon veröffentlicht habe (Europäische Trägerraketen: Von der Diamant zur Ariane 6). So kommt nur noch etwas zur Ariane 6 und Vega dazu. Angesichts dessen dass in dem Jahr seit der letzten Auflage deren Konfiguration sich schon wieder geändert hat und erst im nächsten Juli das CDR ansteht will ich da nicht zu viel Arbeit investieren, auch weil inzwischen auch von Raumfahrtagenturen kaum noch Datenmaterial zu bekommen ist. Ich habe mal einen Kontakt beim DLR angeschrieben (die ESA kann man ja eh vergessen).

Immerhin hat man so wenig zu tun. Bisher hatte ich vor allem viel Arbeit das Seitenformat von Letter wieder auf 17 x 22 umzustellen und die vielen Abbildungen und Tabellen wieder zu verkleinern. Wie bei den anderen Büchern hat die Neuauflage weniger den Sinn viel neues zu schreiben - so viel neues gibt es über die Ariane 6 und Vega C schlichtweg nicht - als vielmehr die günstigeren Druckkosten in günstigere Endpreise umzusetzen, so wird das Buch trotz knapp 50 Seiten mehr nur noch 25 anstatt 30 Euro kosten. Danach stehen noch einige andere Neuauflagen an, von den Ernährungsfragen, den internationalen Trägerraketen, den Zusatzstoffen und E-Nummern. Zwei Bücher müssen noch beendet bzw. weitgehend geschrieben werden. Da erste werde ich wohl noch machen, es hat noch keinen Titel soll aber eine Einführung in die Ernährungslehre für Nicht-Ökotrophologen sein, d.h. ohne medizinische Begriffe und chemische Formeln. Das ist weitgehend fertig was den Textteil angeht, aber noch nicht redigiert, was auch Monate dauert. Das zweite ist eine Geschichte des Computers - anders als meine PC-Geschichten aber mehr eine Geschichte der Technik und eine Erklärung der Technik, denn es gibt nicht so viele Einzelpersonen und noch weniger persönliche Geschichten um diese als bei den PC-Pionieren. Ob ich das jemals fertigstelle, darüber hängt noch ein Fragezeichen, derzeit wohl eher nicht. Geschrieben ist erst ein Kapitel über Konrad Zuse.

Das leitet mich zum zweiten Thema der Überschrift: ich bin durch "Quarks und Du" (auch dazu später mehr) gekommen. Da ging es um das erste Mal. In einer Szene wurden Leute interviewt und eine Frage war "welche unerfüllten Wünsche haben sie". Ich habe sie mir selbst gestellt und bin auf keine gekommen. Klar, ich habe auch Wünsche von denen ich aber weiß das ich sie nicht umsetzen könnte, weil ich nicht das Geld dazu habe oder man sie alleine gar nicht umsetzen kann. Einer wäre eine Raumsonde um Uranus, die anscheinend jedoch nun von der NASA ernsthaft diskutiert wird. Aber Wünsche in dem Sinn, dass man noch irgendetwas im Leben machen will, das man bisher noch nicht getan hat habe ich nicht. Das erinnert mich irgendwie an einen Film mit Nicholson/ Freemann die beide krebskrank sind und dann nach und nach eine Liste abarbeiten von Dingen die sie noch machen wollen. So was könnte ich nicht aufstellen. Vielleicht erklärt das auch die mangelnde Motivation, denn irgendwie sind Wünsche und Sehnsüchte doch ein Antrieb.

Die Sendung hieß "Das erste Mal" und da kann ich auch eine Brücke zu meinen Büchern schlagen: So viele "Erste Male" hat man ja mit 50 nicht mehr. Mein erstes Buch "Das Gemini Programm" war vor 7 Jahren so ein "erstes Mal" an dass ich mich noch gut erinnere. Ein eigenes Buch in der Hand zu halten das war schon toll. Damals habe ich auch noch einige mehr bestellt und an die Verwandtschaft verteilt. Gelesen hat die wohl kaum einer, denn ich bin weit und breit der einzige in meinem Bekanntenkreis der sich für Raumfahrt interessiert. Noch schöner wurde es ein Jahr später, als im Sog von 40 Jahren Mondlandung rund 500 Exemplaren im Jahre 2009 verkauft wurden - das ist wie ich inzwischen weiß eine enorme Ausnahme, Raumfahrttitel haben sonst durchschnittlich 50 Verkäufe pro Jahr, Ernährungstitel schaffen den Sprung über die 100. Wie bei anderen Dingen auch schleift es sich ab und so seit einem Jahr frage ich mich eigentlich warum und für wen ich das mache. Rational betrachtet weiß ich das die potentielle Kundschaft die vor allem an technischen Aspekten interessiert ist klein ist. So dominiert als Motivation nun eher die Einstellung etwas sauber abzuschließen, Änderungen nachzuziehen, was aber nicht heißt das es 2019 wenn die Ariane 6 kommen soll eine Auflage 3 erscheint. Eher das nach Ende der obigen Projekte das Kapitel Bücher abgeschlossen ist.

Quarks und Co durchmacht auch eine Wandlung. Seit längerem gibt es en Ableger Quarks und Caspars. Da geht es mehr um "7 Dinge die sie wissen müssen", mit etwas flapsigerem Moderator, aber im wesentlichen Beiträgen im alten Format. Nun gibt es "Quarks Street Science" und "Quarks und du". Es dominieren dort Experimente, Umfragen aber nicht mehr wie bisher das tiefergehende Eingehen auf Aspekte. Auch die Fragestellungen werden trivialer. Wenn interessiert es schon, warum das Marmeladenbrot immer auf die beschmierte Seite fällt? Wer in Physik in der Schule aufgepasst hat oder nur gut beobachten kann, kann es auch ohne Befragung und Experiment erklären - es kommt in eine Drehbewegung beim Schubsen vom Tisch und schafft bei 75 cm Tischhöhe eine halbe Umdrehung - damit landet es auf der beschmierten Seite. Einfach, aber daraus macht sie Sendung einen 5 Minuten Beitrag. Von Wissenschaftsfernsehen kann man heute kaum noch reden. Nun hat es auch Quarks und Co erreicht, die bisher noch positiver hervorragten. Das was als Wissenschaftsfernsehen verkauft wird ist nicht mal mehr "Wissensfernsehen". Es geht um Verbraucherberatung, das sind also Themen wie Medizin, Ernährung, Technik (angewandte). Über Astronomie, Physik, Chemie oder ähnlichem vor allem wenn es nicht angewandt ist etwas zu erfahren ist selten und wenn auf einfachstem Niveau. Das erinnert mich an die Quizshows die es inflationär gibt, immer mit 4 vorgegebenen Antworten, immer mit Fragen, die überflüssig sind.

Woanders ist es noch schlimmer, so sah ich eine Sendung über Weltraummüll. Da hat ein Experte gesagt, dass wenn ein ISS-Modul getroffen wird es zerplatzen würde wie ein Luftballon, es wäre ja ein "Druckmodul". Also soweit ich weiß, sind die Hüllen so stabil, das es zwar ein Loch gibt aber sie nicht reißen. Bei rund 60 kg Flächengewicht pro Quadratmeter wäre alles andere auch erstaunlich. Der gleiche Experte räumte irgendwelchen Maßnahmen Satelliten einzufangen oder abzubremsen auch keine Erfolgschance ein sie hätten ja eine Relativgeschwindigkeit von rund 8 km/s. Das stimmt bei einer mission in einer bestimmten Umlaufbahn (gezeigt wurde Enivsat) eben nicht. Immerhin diese US-Sendung tröstet den Zuschauer: Die USAF kümmert sich um das Problem, aber sie setzt (Wortlaut) "keine unerprobten Techniken ein". Was darunter zu verstehen ist erläuterte ein US-Militär: Der "Space Fence" der nichts anderes als eine bessere Radarüberwachung ist, die nun auch kleinere Teile erfassen kann. Ich hoffe ihr konntet darüber so lachen wie ich. Ja "Space Fence" als Bezeichnung für Radarüberwachung die kein Bruchstück entfernt.

Zuletzt noch zum letzten Teil der Überschrift. Da ich bald beim Creative Zen (siehe letzter Blogeintrag) überboten wurde habe ich mir einen neuen MP3 Player von AGPTek (AGPTek MP3-Player) gekauft. Nach den Kundenbewertungen bei Amazon war ich ja schon auf eine schlimme Menüführung gefasst. Aber das Produkt hat mich dann doch überrascht. Es gibt insgesamt 5 Knöpfe für Vorspulen, Play, Rückspulen, Down und "M". Das ist eines der Probleme. Beim Abspielen braucht man eigentlich alle 5 (M und Down für Lautstärke). Eine Menütaste wäre die Lösung um auch ins Menü zu gelangen. in vielen Menüs bleibt man aber stecken, weil M, Down und Play für das Scrollen bzw. Aufrufen belegt sind, "zurück" und "vor" aber dann nicht die Ebenen wechseln sondern wie beim Abspielen den Song wechseln - das ist definitiv falsch programmiert. Ich könnte das noch fortsetzen, doch darum geht es nicht. Als Softwaretechniker komme ich da sofort auf die Idee "Also so was kann ich besser machen". Nur kann man wohl kaum ein solches Gerät neu bespielen. Da ich gerade eine Wetterstation erstellt habe, die nun auch weitgehend störungsfrei arbeitet (ich vermute vor allem Wlan Probleme, aber da sie draußen ist kann ich schlecht eine Monitor anschließen um nachzusehen) läge als neuer Hardwarehack ein MP3 Player an. Einfaches Nachdenken zeigt dass man einen Raspberry nicht nehmen kann obwohl er im Gehäuse noch portable ist und schon SD-Karteneinschub und Kopfhörerausgang bietet. Er verbraucht zu viel Strom. 4 AA Akkus wären bei 700 mA und 5 V in weniger als 4 Stunden leer genuckelt. Ein Arduino wäre wohl geeignet, es gibt sogar Shields mit Chips mit integriertem Encoder und Kopfhöreranschluss, teilweise auch mit Sd-Kartenanschluss aber da hat man dann das Problem des Gehäuses. Alle Projekte die ich sah waren entweder Gehäuse wie bei einem Radio also nicht portabel oder haben das Problem umschifft. Mit 3D Druckern wird man wohl selbst eines herstellen können, doch hatte ich eigentlich nicht vor mich in die Erstellung einer Druckvorlage einzuarbeiten. Also mal im Hinterkopf als nächstes mögliches Projekt abgespeichert.

So, das war ein langer Blog, als kleiner Ausgleich für eine Woche ohne. Doch eventuell gibt es ja in nächster Zeit mehr.

28.8.2015: Der ESA-Skandal

Seit Snowden im letzten Jahr den NSA-skandal aufdeckte rieeen ja die Negativ-Schlagzeilen nicht ab. Unsere Regierung scheint ja kein Interesse an der Aufklärung zu haben. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass der kürzlich entlassene Generalbundesanwalt nicht mal das Abhören der Kanzlerin verfolgen wollte. Schön, das er dafür über seinen Diensteifer Journalisten zu verfolgen, gestolpert ist.

Nun hat die NSA ihr Tun ja nicht eingestellt. Aber sie bemüht sich, das Verhältnis zu europäischen Regierungen zu normalisieren indem sie den Regierungen einige Ergebnisse des Abhören zukommen lässt. Leider sind darunter fast keine Erkenntnisse in Sachen Terrorismus. Auch die letzten Attentate sei es im Zug oder auf die Redaktion der Satirezeitschrift konnten nicht durch das Abhören verhindert werden. Stattdessen gewann man sehr viele Erkenntnisse über illegale Machenschaften europäischer Unternehmen. Diese umfassen vor allem Kartellverstöße wie Preisabsprachen, aber auch Subventionsbetrug und andere Vergehen. Einige Fälle wurden im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags präsentiert und ein Abgeordneter muss die wohl der Presse zugespielt haben. Ein Fall dürfte auch für Raumfahrtinteressierte interessant sein. Es ist die Absprache zahlreicher Firmen in der Raumfahrtindustrie um der ESA Geld aus der Tasche zu ziehen für Entwicklungen die völlig unnötig und überteuert sind.

Alles fing vor fast 20 Jahren an, als der Jungfernflug der Ariane 5 scheiterte. Sehr bald stand die Unglücksursache fest: man hatte Software von der Ariane 4 unverändert auf die Ariane 5 übernommen. Ein Wert erzeugte einen Überlauf und die Computer schalteten sich ab. Das war grob fahrlässig, zudem hatte man bezahlte Tests wie die Simulation des Aufstiegsprofils auf einem 3D-Tisch durch kostengünstigere Computersimulationen ersetzte. Das war Betrug. So war die Überraschung groß das die ESA nicht nur keine Regressansprüche anmeldete obwohl 4 Forschungssatelliten nachgebaut werden mussten sondern sogar für die Maßnahmen zur Fehlerbeseitigung und einen weiteren Teststart zahlte. Dabei kostete die Ariane 5 Entwicklung schon mehr als geplant und war mehr als dreimal so teuer wie die Gesamte Entwicklung von der Ariane 1 bis 4.

Bei Aerospatiale, damals Hauptkontraktor des Entwicklungsprogrammes, kam man zu dem Schluss das man so viel Inkompetenz und mangelnde Kontrolle des Programms ausnutzen muss. Man verabredete sich mit den anderen beteiligten Firmen und offerierte seitdem der ESA nur noch Vorschläge für den Ausbau die teuer waren, aber die Nutzlast nur inkrementell steigerten.

Das erste war die Sylda-5. Für die Ariane 5 hatte man eine neue Doppelstartstruktur die Speltra entwickelt. Doch anstatt dass man diese einsetzte, ersetzte man sie durch eine gestreckte Form der Ariane 4 Doppelstartstruktur. Das einfache Strecken ließ man sich gut bezahlen. Der nächste Vorstoß scheiterte allerdings. Um die Nutzlast weiter zu steigern schlug man die EPS 14 vor: Anstatt 10 t sollten 14 t Treibstoff mitgeführt werden. Für wenige Hundert Kilo mehr Nutzlast hätte man die Tanks neu konstruieren müssen, damit die Struktur anpassen und die Brennkammer des Triebwerks neu konstruieren müssen - viel Aufwand für einen kleinen Effekt. Nur die deutsche Regierung war dafür zu begeistern, weil die EPS in Bremen gebaut wird.

Ein voller Erfolg war dagegen der Vorschlag der Industrie für die ECS-A. Es gab schon als man die Ariane 5 konzipierte einen Plan für eine kryogene Oberstufe, damals H10 genannt. Die ESA hatte allerdings die dumme, weil kostengünstige und stark die Nutzlast anhebende Vorstellung, einfach die Ariane 4 Oberstufe auf die Ariane 5 zu setzen und die Nutzlastverkleidung anzupassen. Das hätte 3 t mehr Nutzlast gebracht und kaum Kosten verursacht. Astrium (so hieß inzwischen der Raumfahrtkonzern, in dem die meisten europäischen Raumfahrtfirmen die an der Ariane beteiligt waren angehörten) hatte eine viel bessere Idee: Die neues Stufe würde denselben Durchmesser wie die Zentralstufe haben: 5,4 m. (die H10 der Ariane 4 dagegen einen von 2,6 m). Dadurch sind zum einen Neukonstruktionen der Tanks und des Schubgerüstes notwendig, vor allem aber ergeben sich eine ungünstige Geometrie. Der Wasserstofftank hatte so eine Linsenform und weil dann das Treibstoffschwappen viel stärker war, erfolgten Maßnahmen um seine Struktur zu verstärken. Der Erfolg war genau der den Astrium anvisierte: Man hatte einen lukrativen Auftrag, die Nutzlast stieg aber nur wenig an, weil das Trockengewicht um 200% anstieg, die Treibstoffmenge aber nur um 30%.

So waren weitere Maßnahmen nötig um die geplanten 10 t Nutzlast der Ariane 5 zu erreichen. Astrium schlug eine "einfache" Anpassung des Vulcains vor. Das Vulcain 2 sollte 20% mehr Schub entwickeln und damit die 10 t Nutzlast die man für die Evolution Variante plante erreichen. Als man mit der Entwicklung begann, stellte man "urplötzlich fest" dass man dafür die beiden Turbopumpen neu konstruieren musste und aus dem einfachen Upgrade war ein Millardenauftrag geworden. Wie bei der ersten Ariane 5 Version sparte man sich aber viele Tests und übersah so, dass man auch die Kühlung der Brennkammer verstärken musste - die Folgen sind bekannt, auch die erste Ariane 5 ECA scheiterte weil die Düse durchbrannte.

Wieder zahlte die ESA 700 Millionen Euro für Rettungsmaßnahmen und weitere Arbeiten am Triebwerk. Das musste Astrium dazu gebracht haben nun ins volle zu gehen. Man hob die Herstellungspreise an, und plötzlich brauchte Arianespace bei vollen Auftragsbüchern Subventionen der ESA um eine schwarze Null zu schreiben.

Als Nachfolge der ECA hatte man schon lange die ECB vorgesehen. Hier hatte man bei Astrium schon das Design richtig gemacht - nämlich genauso ungünstig wie bei der ECA. Sonst wäre ja der Nutzlastgewinn zu groß gewesen und man träumte schon von weiteren Aufträgen für das Vulcain 3 und neuen CFK-Boostern. Doch nun hatte man eine noch bessere Idee: Viel besser als eine neue Stufe ist ein komplett neues System, da viel mehr Arbeit anfällt. Man schlug Hopper vor. doch so wenige Jahre nach dem Erstflug der Ariane 5 wollte selbst die ESA nicht einen zweistelligen Milliardenbetrag in einen Raumgleiter investieren.

Nachdem so die Industrie 2008 beim ESA Gipfel erstmals mit ihrer Selbstbedienungsstrategie scheiterte und keine der beiden Entwicklungen die politische Mehrheit bekam bearbeitete vor allem Astrium und Snecma die französische Regierung. Ariane 5 wäre nicht mehr konkurrenzfähig, man bräuchte eine neue Rakete. SpaceX sollte mit seinen Preisen Arianespace und die europäische Raumfahrtindustrie in den Ruin führen. Damit hatte man Erfolg und Frankreich investierte eigenes Kapital in eine Konzeption der Ariane 6. Gleichzeitig wirkte die deutsche Industrie auf die deutsche Regierung ein. Das Ziel: 2011 sollten Ariane 6 und ESC-B Entwicklung gleichzeitig genehmigt werden: der finanzielle Doppelschlag denn beide Entwicklungen spülen Geld in die Kasse. Es gelang auch, doch anders als geplant. Der Ariane 6 Entwurf war zwar ökonomisch überzeugend, aber er bot wenig Spielraum Deutschland zu beteiligen weil die Feststoffbooster in CFK-Bauweise nicht zu der Technologiekompetenz deutscher firmen gehören. Umgekehrt meinte die französische Regierung man brauche nur eine neue Rakete, aber nicht auch noch eine neue Stufe. So gab es keine endgültige Zusage sondern nur eine vorläufige in der man weiter beide Konzepte untersucht.

Nachdem man so einige Hundert Millionen Euro für weitere Studien lockergemacht hatte, machte man das was man seit langem vorhatte: man veränderte den Entwurf so, dass auch die Deutsche Industrie was zu tun hat. Anstatt einem Feststoffbooster als erste Stufe wurde wieder eine kryogene Stufe eingeführt - mit dem Vulcain 2, nur mit 140 anstatt 188 t Treibstoff und 4 m Durchmesser. Was herauskam war eine gestreckte Ariane 5G mit doppelt so vielen Boostern und jeweils halber Treibstoffzuladung und der ESC-B Oberstufe, nun auf eine nutzlastbringende 4 m Durchmesser angepasst. Der Umweg über eine reine Feststoffrakete war nötig, weil sich sonst jeder gefragt hätte was der Unterschied zwischen Ariane 5 und 6 war. Gleichzeitig hob man die Startkosten von 91 auf 112 Millionen Euro an änderte aber nichts am Versprechen dass die neue Rakete viel billiger als die Ariane 5 sein würde.

Dieses Konzept wurde 2014 genehmigt und es ist schon wieder veraltet. Das neueste Konzept setzt nun eine zentrale Stufe mit 5,4 m Durchmesser ein - das ist nichts anderes als die Ariane 5G Erststufe und die Booster sind nun einfach die alten EAP, nur eben mit einem Segment anstatt zwei und dafür doppelter Zahl. Es soll im Juli 2016 abgesegnet werden - dann würde die ESA 3,8 Milliarden Euro für eine Kopie der ersten Ariane 5 Version mit doppelter Boosterzahl ausgeben. Wahrscheinlich feiert man schon seit Monaten in den Chefetagen von Airbus (so heißt inzwischen Astrium) durch.

Die Enthüllungen und die Tatsache das Arianespace letztes Jahr erstmals seit Jahren keinen Zuschuss brauchte und trotz aufgenommenen Flügen von SpaceX 40% mehr Umsatz machte, dürften wohl die Feierlaune trüben. Da könnte vielleicht doch jemand auf die Idee kommen, dass irgendwas in der Argumentation von Airbus nicht stimmen kann. Im Juli 2016 wissen wir mehr.

2.9.2015: Bücher, SpaceX-Lobpreisungen und das NASA Logo

So nach einer Woche will ich mich mal wieder melden. aber mangels Thema mit einem kleinen Mix an verschiedenen Themen. Zuerst mal zu dem was ich getan habe. Ich habe viel an dem zweiten Band zu den europäischen Trägerraketen gearbeitet und bin mit dem Recherchieren weitgehend durch. Wider erwarten fand ich doch ein paar Daten zu Ariane 6, interessanter war dass ich erstmals eine Kostenaufstellung, was was bei der Ariane 6 ECA kostet fand. Zu der Einschätzung des Konzepts hier später mehr, denn ich will das auch im Buch verwenden und so muss ich mir die Gedanken nur einmal machen.

Ich hoffe das ich in ein bis zwei Wochen fertig bin und dann Band 2 mit etwa 400 Seiten (also 50 mehr als in der ersten Auflage) erscheinen kann. Dank günstigerer Druckosten wird er billiger und nur noch 25 anstatt 30 Euro trotz des größeren Umfangs kosten. Was mich in den letzten Tagen etwas stresste war, dass ich auch zwei andere Titel gekündigt hatte und total verschwitzt hatte, dass die Verträge schon vor einiger Zeit ausliefen ohne das ich sie neu auflegte. (BOD hat leider die Angewohnheit von DSL-Providern übernommen, das neue Auflagen alter Verträge eine geringere Marge ergeben als ein neuer Vertag)

Relativ schnell ging das bei dem Band 1 de europäischen Trägerraketen, da ich da nichts ändern musste. Also Auflage 3 ist die gleiche wie Auflage 2, nur eben auch billiger. Etwas komplexer ist es bei der neuen Auflage von "Was ist drin", da ich hier schon mit Änderungen angefangen hatte, aber noch nicht das ganze Manuskript durchgearbeitet hatte. Doch da werde ich dann auch in einigen Tagen fertig sein.

Insgesamt arbeite ich nun mehr an den Büchern als noch vor einiger Zeit, auch weil ich nach und nach mal mit dem Thema Bücher fertig werden will. Von der Logik her wäre das nächste Buch eine Neuauflage der US-Trägerraketen, vor allem weil die Änderungen hier am kleinsten sind. Aber da warte ich noch darauf dass 9 weitere Exemplare verkauft werden - dann sind über 100 und es gibt wenigstens die VG-Wort Ausschüttung. Die sind bei den kleinen Verkaufszahlen ein nicht zu verachtendes Zubrot. Die nächste Auflage wird dann mit 40 Euro deutlich billiger. Aber so wie es sich verkauft wird das noch Monate dauern.

Soviel dazu. Dann gibt es Neuigkeiten von SpaceX. Es dauert nun noch Monate bis zum nächsten Start, nachdem Elon Musk ja von einem Start im September sprach. Die Begründung ist interessant:

“Every engineer in the company is having a buddy check their work, and we’re doing deep dives throughout our supply chain to make sure we don’t see what we saw on our last flight,” Shotwell said.

Wenn ich bei einem Fehler durch meine ganzen Lieferketten gehen muss und jeder seine Arbeit überprüfen muss, dann beweist das dass man das vorher nicht getan hat. Es ist kein Geheimnis, dass ich schon vor Jahren aufgrund der bekannt gewordenen Tatsachen und Vorfälle auf meine Überzeugung gekommen bin, warum SpaceX so billig ist: nicht wegen innovativer Technologie oder In-House Fertigung, sondern weil man bei dem spart was bei der Raumfahrt am meisten kostet - den vielen Qualitätssicherungen die es überall im Prozess gibt. Wenn eine Strebe bei einem Fünftel der Nennbelastung bricht und die Nennbelastung wiederum viel größer ist, als die im Flug vorkommende, dann hat man sie niemals auf die Flugbelastung getestet.

Was mich auch nicht verwunder,t ist das man von den SpaceX Befürwortern hier bei den Kommentaren nichts mehr hört. Wo ist den Klakow bei den Kommentaren? Der letzte Kommentar von ihm prognostizierte 12 Starts von SpaceX dieses Jahr und 24 nächstes Jahr. Seitens der "professionellen" Kollegen, also Leuten die über Raumfahrt berichten kenne ich ja nur einen SpaceX Freund und das ist Eugen Reichl. Ich dachte in seinem Blog was über den Fehlstart zu finden. Doch sein vorletzter Beitrag beschäftigt sich nur mit der Proton. Immerhin kündigt er an, eine Lobpreisung auf Elon Musk bei einer Veranstaltung zu machen. Und das nach dem Fehlstart.

Ich finde das schon interessant, vor allem wenn man weiß das er selbst bei einem Konkurrenten von SpaceX arbeitet. Also ich würde mir bei Airbus DV loyalere Mitarbeiter wünschen. Vor allem verstehe ich die Lobpreisungen nicht. Denn zwei seiner Firmengründungen schreiben seit sie existieren Verlustzahlen. Bei Tesla steigt der Aktienkurs trotzdem weil man einen Elektroauto-Hype erwartet, bei Solar-City sinkt er, die Aktie hat um ein Drittel an wert verloren - wie bei anderen Solarfirmen, nachdem es Konkurrenz aus China gibt. Ob SpaceX profitabel ist weiß man nicht, da die Firma ja nicht nur keine technischen Details sondern auch keine Bilanzen veröffentlicht. Nur wenn man so leichtgläubig ist und meint aus kurzen Twitter Meldungen und Pressemitteilungen gut (und objektiv) informiert zu sein kann man wohl so was schreiben:

"Von mir (Astra) könnt ihr einen Vortrag über das Enfant Terrible der Privaten Raumfahrt (und der Elektromobilität, und der Energiewirtschaft, und des zukünftigen Verkehrswesens und.., und..., und...) hören und sehen. Gemeint ist Elon Musk. "

Nun ja, ich bin wohl zu dumm dazu das zu erkennen. Ich schreibe auch keine Bücher die den Anspruch haben eine "Raumfahrt Bibliothek" zu bilden. Vielleicht sollte er den Arbeitgeber wechseln und zu SpaceX gehen.

Dann noch was skurriles. Während Mars One in zwei Monaten es nicht schaffte die 400.000 Dollar zusammenzubekommen die sie brauchen, brachte eine Kampagne, bei der jeder der 79 Dollar investierte, ein Manual über die Verwendung des "worm" Logos der NASA bekam, innerhalb eines Tages mehr Geld zusammen als die 158.000 die man brauchte. Nebenbei verstehe ich nicht, warum man das Logo abschaffte. Es ist noch heute futuristisch, es ist simpel, es ist klar. Ein Logo braucht einen hohen Wiedererkennungswert und es sollte nicht komplex sein. Das "meatball" Logo ist dass genaue Gegenteil davon. Die NASA sollte das alte Logo wieder übernehmen. Sie sollte sich an Firmen orientieren. So hat Apple ihr Logoi mindestens dreimal vereinfacht. zuerst ein verschnörkeltes Logo beim Apple I, dann ein Apfel in Regenbogenfarben und heute ein monochromer Apfel.

 
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