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Web Log Teil 44 : 13.11.2007-22.11.2007

Dienstag 13.11.2007: Arianespace geht es gut

Ja, anders kann man es kaum formulieren. Das Geschäft mit dem Transport von Satelliten läuft wieder. Mitte der neunziger Jahre gab es einen richtigen Run nach Trägern: Internet, Satellitenfernsehen und Handyboom machten mehr Satelliten notwendig. Damals bekam praktisch jeder, der einen Träger anbieten konnte, einen Startauftrag, selbst die Chinesen. Damals war Arianespace nicht gut positioniert. Zwar gab es die Rekordzahlen, von bis zu 12 Starts pro Jahr, aber die Ariane 5 welche die große Entlastung bringen sollte, war 2 Jahre hinter dem Zeitplan hinterher und der Fehlstart beim Jungfernflug addierte ein weiteres Jahr.

Damals träumte jeder davon, Arianespace ein Stück vom Kuchen abzujagen, schließlich verfügte die Firma über einen Marktanteil von 50-60 %. Doch auch die Konkurrenz hatte Probleme. Die Delta III hatte gleich zwei Fehlstarts und der dritte verlief so wie Ariane 5 zweiter Start: Mit einer Demonstrationsnutzlast wurde zwar ein Orbit erreicht, aber erheblich niedriger als erwartet. Anstatt nun dies zu fixen, buchte man schon gewonnenen Starts auf das Nachfolgemodell Delta 4 um, welches 2 Jahre später starten sollte. Lockheed konnte bei der Atlas III zwar die Kosten senken, aber nicht die Nutzlast steigern. Auch hier wartete man auf das Nachfolgemodell Atlas V.

China musste lernen, dass nicht nur Startpreise zählen, sondern auch westliche Standards erwartet werden. Dazu gehört bei einem Fehlstart diesen zu untersuchen und die Ursache offen zu legen, anstatt - wie geschehen bei dem Fehlstart eines Optus Satelliten - zu sagen dieser wäre defekt, wenn Sensoren melden, dass sich die Nutzlasthülle vorzeitig gelöst hat und dadurch der Satellit beschädigt ist. Noch schlimmer war ein Fehlstart eines INTELSAT Satelliten als die Rakete außer Kontrolle geriet und wenige Sekunden nach dem Start nahe eines Dorfes einschlug und es viele Tote bei der dortigen Zivilbevölkerung gab. Danach war keine Versicherungsgesellschaft mehr bereit das Risiko eines Starts von China aus abzusichern, was der Tod für Chinas kommerzielle Pläne war.

Japan gelang es nicht die H-2 international zu vermarkten und der Nachfolger H-2A lies auf sich warten. Grund dafür war nicht die mangelnde Zuverlässigkeit, sondern der hohe Preis des Trägers und Beschränkungen in den Startfenstern auf wenige Monate im Jahr.

Die Proton und Zenit hatten in dieser frühen Phase auch einige Fehlstarts zu beklagen. Arianespace hatte Glück, weil man noch rechtzeitig Ariane 4 nachordern konnte, so war zwar der Profit geringer, aber man blieb im Geschäft. Kurz darauf begann die Nachfrage zu sinken, es wurden deutlich weniger Satelliten gestartet und es begann ein Verdrängungswettbewerb. Die neuen Träger Atlas V und Delta 4 konnten sich nicht auf dem Markt durchsetzen. Boeing zog sich zuerst zurück und bot nur noch Starts für die US Regierung an, wohl auch um das geschädigte Renommee, nachdem bekannt wurde, dass man beim Konkurrenten Lockheed Industriespionage betrieb, aufzubessern. Lockheed versuchte im Gemeinschaftsunternehmen ILS Launch durchzusetzen, dass die Proton teurer wird, um die eigene Atlas konkurrenzfähiger zu machen. Scheiterte und verkaufte daraufhin seine Anteile und zog sich ebenfalls aus dem Markt zurück. die H-2A wird angeboten, aber hat noch keinen Startauftrag ergattert.

Erstaunlicherweise war für Arianespace selbst der Fehlstart der Ariane 5 ECA kein Hindernis bei der Kundenaquisition, obwohl es eine Verzögerung gab, weil man die ECA Versionen stornieren und weitere schon erprobte "Generic" Versionen bauen musste.

Inzwischen fliegt die Ariane 5 ECA wieder und die Konkurrenz hat Probleme. Die Proton hat dieses Jahr und im letzten Jahr zwei Starts verloren. dies führte zumindest zu einem Startverlust der an Arianespace ging. Die Explosion einer Zenit auf ihrer Startplattform führte wegen der notwendigen Reparaturen sogar zum Verlust von 3 Starts. So ist Arianespace ausgebucht. Dieses Jahr wird es einen Start mehr geben als letztes Jahr. Nächstes Jahr sind es sogar zwei mehr als noch 2006. Damit man überhaupt die Nachfrage decken kann, ist man auf Schützenhilfe angewiesen. Diese kommt von der ESA: Eigentlich sollte die Rakete die heute Nacht startet, den ersten ATV starten, also den europäischen Versorgungstransporter zur ISS. Eigentlich heißt: Der ATV ist seit einem Jahr fertig und der Start wurde mehrfach verschoben. Grund ist nicht dass man nicht will, nur muss man den ATV als europäischen Beitrag für die ISS erst einsetzen, wenn auch die Amerikaner ihre Vorleistung, sprich den Start des Columbus Moduls erbracht haben. Dieser ist aber genauso immer weiter nach hinten gerutscht und nun für den Dezember bei der nächsten Shuttle Mission geplant.

Das sind doch gute Aussichten und man sollte nun allmählich mal dran denken die Entwicklung der ECB Stufe anzugehen, bis diese verfügbar ist dauert es selbst wenn man es gleich angeht mindestens 3 Jahre und die Konkurrenz schläft nicht..... Interessant wird es sein wie SpaceX sich entwickelt. Sollte die Falcon 9 erfolgreich fliegen und der derzeit angekündigte günstige Startpreis bestehen bleiben so könnte sich daraus ein neuer Konkurrent entwickeln.

Mittwoch: 15.11.2007: Eine deutsche Mondmission - zum zweiten!

Nachdem sie schon vor einigen Monaten vor dem Fachpublikum propagiert wurde, hat sie nun auch ihren Weg zur Öffentlichkeit gefunden. Die deutsche Mondmission. Kosten soll sie 250-350 Millionen Euro. Es soll ein Satellit sein, der den Mond mit RADAR und visuell untersucht. Noch immer fehlt ein politisches Okay, wie man es bei einem solchen Projekt braucht. Die Chancen angesichts nun etwas besser gefüllter Staatskassen, dass es zu der Mission kommt, stehen jedoch vergleichsweise gut, zumal ja nun auch China und Indien eigene Mondsonden planen, dazu Japan und die USA - da kann man sich doch nicht lumpen lassen.

Ich denke nach wie vor, dass eine europäische Mondmission der bessere Weg ist: In Europa gibt es Erfahrungen in den verschiedensten Bereichen. Frankreich und Italien sind führend beim Bau von Infrarotspektrometern, sowohl abbildenden wie auch spektral hochauflösenden. Italien und Deutschland haben die Radartechnik voran getrieben. Deutschland hat Erfahrungen in Kamerasystemen auf Mars Express und Rosetta.

Eine europäische Mission wäre bei diesem Kostenrahmen daher sicher die bessere Lösung, denn 250-350 Millionen Euro- das ist ein Kostenrahmen wie bei Mars Express oder Venus Express. Dollinger, DLT Vorsitzen meint das man bei der ESA zu unflexibel wäre und Deutschland dies alleine stemmen sollte.

Nun ja, braucht man eine weitere Raumsonde ? Oder geht es nur um nationales Prestige? In der Tat werden die Mondsonden die nun starten die Forschung weit voran bringen. Der LRO wird hochauflösende Aufnahmen liefern und multispektrale Aufnahmen. Selene hat dieselben Zielsetzungen, dazu kommen Untersuchung des Strahlenhaushalts sowie mittelauflösende Aufnahmen, sowie die Erprobung von Landetechniken. Chandrayaan wird die spektral hochauflösende Kartierung angehen und Chang'e-1 wird eine 3D Kartierung mit niedriger Auflösung starten. Dazu kommen Experimente die auf den Sonden praktisch identisch sind wie RADAR Kartierungen, Höhenmessungen oder die Kartierung von radioaktiven Elementen.

Es gibt also heute schon Synergien und Experimente die doppelt und dreifach vorhanden sind. Die Frage die man sich ernsthaft stellen muss ist, was kann Deutschland da noch zusätzlich leisten?

Nun ich denke wir haben 2 Kompetenzen einzubringen:

Erfahrungen in der Herstellung von hochauflösenden 3D-Farb Kameras. Chandrayaan hat eine solche, doch mit niedriger Auflösung und nicht in Farbe. Chang-E'-1 versucht es mit Aufnahmen unter unterschiedlichen Blickwinkeln bei verschiedenen Orbits.  Die HRSC könnte dagegen aus einem 100 km Orbit den Mond mit 5 m Auflösung kartieren. Anders als die amerikanischen Raumsonden in 3D und in Farbe und den ganzen Mond.

Erfahrungen im Bau von modernen Abbildenden RADAR Geräten: Der LRO und Chandrayaan werden niedrigauflösende Radaraufnahmen rund um die Pole machen. Das Radar an Bord von TerraSAR und SARLupe kann aus der 6 mal größeren Höhe 10 mal höher aufgelöste Aufnahmen anfertigen.

Weiterhin wäre es an der Zeit zwei Technologien einzuführen: Die optische Datenübertragung, da man bei den RADAR und 3D Aufnahmen sehr große Datenmengen hat und Ionentriebwerke um eine längere Missionszeit zu ermöglichen. Mondorbits sind per se instabil. Die Sonne und die Erde ziehen an ihnen und weiten sie aus. Bei einem 100 km hohen Orbit dauert es nur 3 Monate bis dieser zu einem 0 km x 200 km Orbit geworden ist - und dann schlägt der Satellit auf dem Mond auf. Beim amerikanischen LRO rechnet man damit, dass man zweimal pro Monat den Orbit stabilisieren muss, mit einem Gesamtgeschwindigkeitsbedarf von 150 m/s. Keine Raumsonde war daher länger als 2 Jahre aktiv. Mit einem Ionentriebwerk ist dies kein Problem, ihr Treibstoffverbrauch ist 10 mal kleiner als bei chemischen Triebwerken. Bei einer Investitionssumme von 250-350  Millionen Euro würde ich auch eine längere Mission erwarten.

Doch dies wären nur 2 Experimente mit Kernkompetenzen von uns. Vielleicht könnte man es noch durch einen Nachbau des VIRTIS Multispektralimagers und einem Nachbau des PFS ergänzen und so eine bi- oder trilaterale Mission machen. Doch wenn wir wirklich zu viel Geld haben, so wäre es an der Zeit sich stärker bei Exomars zu beteiligen. Der Lander ist ja schon weitgehend an Italien vergeben, doch will man nun ja eine kombinierte Lander/Orbiter Mission und da wäre sicher eine Möglichkeit deutsche Kompetenzen einzubringen.

Nicht das ich gerne eine deutsche Mission sehen würde, aber vielleicht nicht zum Mond, sondern vielleicht zu Merkur order Jupiter oder einem Planetoiden  - Körper über die wir noch relativ wenig wissen, verglichen mit dem Mond.

Freitag 16.11.2007: Die Saturn 5 XL

Erst mal eine Nachlese zu den Kommentaren in den letzten Tagen.

Gestern flog Rosetta an der Erde vorbei und ich habe es doch glatt verpennt. Sorry, aber ich habe derzeit wenig Zeit und arbeite gerade auch an der Verbesserung der Feriendorf Website. Immerhin ist Cassinis Aufsatz nun wieder aktuell und Rosettas nun auch. Wo ich allerdings geschrieben haben soll, dass dieser am 7.11. stattfindet ist mir ein Rätsel - ich habe nichts gefunden. Es gibt aber in der Tat kleine Verschiebungen im Flugplan von 1-2 Tagen und größere in der Distanz (5295 anstatt 430 km). Diese sind bedingt durch Feinoptimierungen der Bahn. Die Asteroidenvorbeiflüge wurden erst nach dem Start selektiert und die neue Bahn muss diese berücksichtigen. Rosetta verfügt über einiges an internen Treibstoffvorräten die auch schon für größere Kurskorrekturen genutzt wurden. Rosettas Aufsatz habe ich nun auch gespalten um die aktuelle Berichterstattung von der Sonde zu trennen. Sie finden dort auch eine Übersicht was sich zu den Planungen geändert hat.

Zu der miesen Werbung. Mein "all Time" Favorit ist die Calgon Werbung, mit diesen unsympathischen Darstellern und den Prolo Sprüchen "Da steht die ganze Hütte unter Wasser". Im selben Stil gab es eine Satire von Extra 3. Ich habe nach dem Kommentar von Paolo Pinkel auch nach “Ceresit” geschaut aber kein Youtube Video gefunden. Schade, hat sich recht lustig angehört (solche miese Werbung ist ja noch lustig wenn man sie nur einmal ansehen muss.

Doch kommen wir mal langsam zum Thema meines heutigen Blogs, das ich vielleicht mal bei dem Saturn V Artikel später einpflegen werden: Die Pläne für größere Saturn V Raketen.

Wernher von Braun plante weiter als die Mondlandung. Dieser sollte eine Raumstation folgen, größer als Skylab für 12 Astronauten, später sogar mehr. Danach eine permanente Mondbasis und später eine Expedition zum Mars. Wir wissen - das alles fand nicht statt. Dafür wären aber größere Raketen nötig gewesen. der logischste Schritt lag darin die Saturn V zu nehmen, und zu sehen, was man an ihr noch verbessern konnte.

Für Marsmissionen dachte man z.B. daran die S-IVB Oberstufe durch eine nuklear angetriebene Oberstufe zu ersetzen. Ein Kernreaktor erhitzt Wasserstoff und dieser tritt mit hoher Geschwindigkeit aus. Entsprechende Forschungen gab es seit Ende der fünfziger Jahre. Bis Mitte der siebziger Jahre hoffte man eine flugfähige Version zu haben. Eine geplante Stufe wäre 10.55 m breit, 43.69 m lang, also wirklich riesig. Von 178.3 t Startgewicht wären nur 128.6 t nutzbarer Wasserstoff. Bei einer Ausströmungsgeschwindigkeit von 8200 m/s. Mit der Nutzlast wäre die Stufe dann 336 t schwer gewesen und hätte 157.7 t Nutzlast zum Mars befördert. Eine gleich große chemische Stufe würde etwa 119 t zum Mars transportieren. So groß wäre der Gewinn also nicht. Das liegt vor allem daran, das Nuklearreaktoren sehr schwer sind und man viel größere Tanks für den Wasserstoff braucht - 6/7 der Treibstoffmasse bei den heutigen chemischen Stufen entfällt auf den Sauerstoff mit einer viel größeren Dichte. (Beim Space Shuttle macht der Sauerstofftank 1/4 des Volumens aus, in ihm sind aber 6/7 der Treibstoffmasse).

Doch auch diese nukleare Oberstufe muss erst mal in einen Erdorbit befördert werden und sie ist erheblich schwerer als die maximale Nutzlast einer Saturn V für einen erdnahen Orbit von etwa 130 t. Es gab eine Reihe von Ideen für eine Leistungssteigerung - Einige weniger sinnvolle wie z.B. den Austausch des Sauerstoff durch Fluor. Das bringt nur einige Prozent mehr Performance, ergibt aber zahlreiche Probleme durch den nun toxischen Treibstoff.

Eine zweiter Weg war die Evolution der Triebwerke und Stufen. Die NASA wird für die Ares Raketen z.B. das J-2X einsetzen, eine etwas modernisierte Variante des J-2S einsetzen. Das originale J-2 wurde recht früh entwickelt, schließlich musste es ja für die S-IVB Oberstufe einsatzbereit sein, welche die kleinere Saturn IB antreibt. Es ist daher eine relativ konventionelle Konstruktion mit dem Nebenstromverfahren. Demgegenüber ist das kleinere RL-10 schon moderner, mit dem Expander-Cycle Verfahren und einem höheren spezifischen Impuls. Das J-2S war eine Weiterentwicklung des J-2 mit dem Expander-Cycle Verfahren, höherem Schub, besserem spezifischen Impuls, aber den guten Eigenschaften des J-2 wie der sehr hohen Zuverlässigkeit wie sie bei bemannten Einsätzen notwendig ist. Der Austausch hätte die Nutzlast für Erdorbits auf 151 t angehoben.

Eine logische Weiterentwicklung der Saturn V wäre der Anbau von Feststoffboostern gewesen. Von Braun war ein Gegner dieser Technologie und wandte sich vehement gegen den Einsatz beim Space Shuttle. Doch haben Feststoffbooster einen Vorteil: Sie sind preiswert und sie haben einen sehr hohen Schub. Eine paar der Titan 3 Booster kostete z.B. nur 6.29 Millionen USD bei 70 % der Startmasse der Rakete. Die ganze Trägerrakete dagegen war 5 mal teurer. Durch den hohen Schub sinken zudem die Gravitationsverluste: Eine Rakete muss ja nicht nur die Nutzlast horizontal beschleunigen, sondern auch in mindestens 200 km Höhe bringen. Dazu beschleunigt sie vertikal gegen die Erdbeschleunigung. Das dumme nur: Dabei hebt sie auch den Treibstoff mit an. Diese zusätzliche Arbeit ist verloren und man nennt dies Gravitationsverluste. Je schneller die Rakete Geschwindigkeit aufnimmt desto geringer sind sie. Die Saturn V beschleunigte recht langsam und ihre Gravitationsverluste sind daher recht hoch. Feststoffbooster senken diese und erhöhen so die Nutzlast.

In den sechziger Jahren fanden Tests des größten jemals gebauten Feststoffmotors statt. Er hatte einen Durchmesser von 6.60 m, eine Länge von 24.5 m. Der Schub betrug 16000 kN bei 124 Sekunden Brennzeit. Der Treibstoffblock wog 760.000 t. ein solcher Booster ist also 4 mal größer als die damals eingesetzten Titan 3 Booster des Typs UA-1205. Mit vier dieser Booster hätte eine Saturn V 363 t in den Orbit bringen können - auch weil man die Stufen verlängern konnte.

Das war die größte Lösung, doch gab es durchaus Ideen für kleinere Versionen. Mit 4 der Titan 3 Boostern UA-1205 und leicht verlängerten Stufen kam man auf 150 t Nutzlast, mit den 7 Segment Versionen UA-1207, die damals schon für die Titan 3M gedacht (und später für die Titan 4 benutzt wurden) auf 170 t. Der Vorteil ist, dass man praktisch mehr Nutzlast bei einem nur wenig gestiegenen Startkosten erhält, denn die Booster sind relativ preiswert. 4 Booster erhören die Startkosten nur um etwa 5 %.

Wernher von Braun favorisierte Booster mit jeweils zwei F-1 Triebwerken, wie sie auch in der ersten Stufe eingesetzt wurden. Das F-1 Triebwerk - bis heute das am längsten und intensivsten getestete Triebwerk - passte natürlich besser zu seiner Vorstellung des Sicherheitskonzeptes eines bemannten Trägers. Ich denke aber er hätte sich damit anfreunden können, wenn man die schweren Module und Treibstofftanks für eine Marsexpedition unbemannt mit den preiswerten Versionen mit Feststoffboostern gestartet hätte.

Heute nimmt die NASA Sicherheitsaspekte wieder ernster und gibt Wernher von Braun posthum recht, bei seinen Bedenken die er am Space Shuttle hatte. Kurioses Detail der Raumfahrtgeschichte: Das Space Shuttle Triebwerk SSME wird nicht die neuen Ares Raketen antreiben, aber das 40 Jahre alte, von Braun entwickelte J-2 Triebwerk. Wenn das nicht so viel über die Probleme aussagt in der die NASA sich heute befindet wäre es ja fast schon komisch....

Mittwoch 21.11.2007: Zu viele Köche verderben den Brei

Sorry Leute, das ich etwas hinterherhinke, doch daheim hat beim PC die Festplatte einen Defekt gehabt und im Geschäft war ich voll eingespannt mit den Vorbereitungen des Studi-Info Tages bei dem wir unseren Fachbereich zukünftigen Studienanfängern präsentieren. Der ist nun seit ein paar Minuten vorbei und so kann ich mich mal wieder an den Blog machen, als Ausgleich für die deswegen ausgefallene Mittagspause.

Kommen wir zum Thema. Als kürzlich mal durch das Fernsehen zappte fiel mir der Boom an Kochsendungen auf. Ich habe letztes Jahr mal eine Zeitlang "Das perfekte Diner" auf VOX angesehen, wobei es nicht so interessant ist was die Leute kochen, sondern die Reaktion der Gäste. Da gibt es den Typ "Meckerfritze" der anscheinend gar nichts mag und noch weniger verträgt. Andere sind recht unkompliziert. Manche sind anstrengend oder belehrend. Wieder andere vorne immer freundlich und bei der geheimen Wertung kommt dann die Masche "Punktabzug muss ich machen für ....". Wie im richtigen Leben gewinnen diese Meckertypen aber in der regel nicht, sondern die umgänglichen und freundlichen Leute. Nach einiger Zeit hatte ich mich aber an diesen Sozialpsychologischen Studien im kleinen satt gesehen. Das ganze gibt es ja auch noch als XXL Version "Das perfekte Promi-Diner" bei der ich mich immer Frage ob ich gravierende Bildungslücken habe oder woran es liegt, das ich keinen der "Promis" da kenne.

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Bei Vox kochen dann auch noch andere Köche, dann gibt es Shows mit Duellcharakter entweder von "Das Perfekte Diner" - Gewinnern untereinander oder gegen Profiköche. In den Dritten läuft auch dauernd eine Kochsendung, ob es Lafer, Schubeck oder Mälzer ist - immer ist einer auf Sendung (Wann sind die eigentlich in ihren Restaurants zu sehen?) und dann gibt es noch Biolek und die Kochrunde bei Kerner.

Wer hat den Interesse an solchen Sendungen? Ich finde sie zutiefst langweilig, zumal die interessantesten Teile ja im "Das haben wir schon für sie vorbereitet" verschwinden. Als ehemaliger Lebensmittelchemiker staune ich auch über die Aussagen warum welches Lebensmittel gesund sein sollte. Irgendwie deckt sich das meistens nur zum Teil mit meinem Fachwissen, aber vielleicht haben die Köche ja auch spezielle, genetisch veränderte Lebensmittel zur  Verfügung.....

Das ganze ist wieder ein Beispiel für einen Trend der aufkam, erfolgreich war und dann solange von anderen Sendern aufgenommen wird, bis es keiner mehr sehen kann. ein anderes Beispiel ist diese CSI Masche. Ich schaue gern den "Letzten Zeugen" an. Weil die Personen mir dort gefallen, auch wenn mein chemischer Sachverstand diverse Zweifel an einigen Todesursachen hat. Aber das ist ja nur eine von zahllosen Sendungen in denen der Gerichtsmediziner heute die Hauptrolle spielt.

Das ganze zeigt, dass es offensichtlich beim Fernsehen an Kreativität mangelt. Meiner Meinung nach hat dies auch seine Ursache in den viel zu vielen Kanälen, die es gibt. Das verschärft den Kampf um Marktanteile, denn von den Einschaltquoten hängen wiederum die Werbeeinnahmen ab. Das hat primär eine Folge: Das das Niveau immer weiter sinkt. Es gilt möglichst viele Zuschauer mit möglichst geringen Kosten an den Fernseher zu bannen. Da sind Kochsendungen ideal: Man braucht nur ein Studio, einen Koch und eine Kamera. Fertig ist die Sendung!

Meiner Meinung nach wären weniger Sender, jeder mit höherem Marktanteil und dann qualitativ besserem Programm die bessere Lösung. Doch da heute Hinz- und Kunz leicht ihren eigenen Sender aufmachen können und die großen Gesellschaften meinen mit einem neuen Spartensender doch noch der Konkurrenz noch ein paar Promille abjagen zu können sehe ich da keine Besserung. Anders als bei der Politik hilft aber Enthaltung: Es zählt nicht nur die "Quote" alleine, sondern die absolute Zuschauerzahl und wenn diese sinkt so bewirkt dies ein Nachdenken. Ich schaue bewusst seit einigen Jahren nur noch Wissenschaftssendungen. Unterhaltung läuft bei mir so nebenher bei der Arbeit am Computer auf dem zweiten Monitor, seit ich den OnlineTVRecorder nutze. So verliere ich keine Zeit und wenn es mir nicht gefällt muss ich es nicht anschauen. Eigentlich bräuchte ich gar keinen Fernseher. Vielleicht schaffe ich ihn mir auch mal ab, nach dem Reform der GEZ Gebühren spart man dann aber sich nicht die GEZ Gebühren, solange man noch einen PC hat.

Donnerstag 22.11.2007: Moonhoaxer und Konsorten

Ich habe heute einen Artikel über die Strahlungsbelastung von Satelliten fertiggestellt und bin beim Recherchieren auch darüber gestolpert, dass man sich in der Wikipedia damit befasst, dass die Moonhoaxer, also Personen die glauben das gesamte Apolloprogramm wäre ein Scherz (Hoax) und niemand wäre wirklich auf dem Mond gelandet behaupten, die Passage durch den Van Allen gürtel hätte die Astronauten töten müssen. In Wirklichkeit bekamen die Apollo Astronauten eine Dosis von 6.1 mS ab, etwa 1/60 dessen was man nach der deutschen Strahlenschutzverordnung während der beruflichen Laufbahn aufnehmen sollte, oder so viel wie eine Besatzung in 10 km Höhe in 3 Monaten Flug abbekommt.

Das erinnert mich erneut an meine Korrespondenz mit derartigen Anhängern und deren Auftreten im Fernsehen. Meine persönlichen Erfahrungen ist dass man meistens persönlich beleidigt wird, von manchen schon bei der ersten Mail. Das zweite ist, dass sie offensichtlich im Besitz der absoluten Wahrheit sind. Es ist erstaunlich das Menschen die fachlich keinerlei Wissen vorweisen können ein derartige Selbstüberschätzung an den Tag legen können. Aber vielleicht geht es nur in der Kombination, denn vorhandenes wissen hätte zu Nachdenken geführt.

Zurück zum Moonhoax. Es gibt tatsächlich einige Fragestellungen für die ist Detailwissen der Apollomissionen oder auch ein Wissen nötig, das man nicht in der Schule vermittelt bekommt. Beispielsweise, warum ein Raketentriebwerk bei der Landung keinen Krater verursacht. Die Erklärung ist einfach, wenn man von Raketentechnik eine Ahnung hat: Die Abgase verteilen sich im Vakuum schlicht und einfach sofort. Auf der erde prallen sie auf Luft und übertragen so die Energie. Auf dem Mond reicht es nur dazu staub in nächster Bodennähe aufzuwirbeln.

Viele Behauptungen der Moon Hoaxer sind aber so einfach zu wiederlegen, dass man dazu kein Spezialwissen braucht. Wenn zum Beispiel behauptet wird, man hätte auf den Fotos vom Mond Sterne sehen müssen, dann muss man um dies widerlegen zu können keinerlei Wissen über den Mond oder die Kamera besitzen. Es reicht völlig auf der erde in einer nachts gut beleuchteten Stadt ein Foto zu machen und dann nach den Sternen darauf zu suchen - Obwohl die Stadt sicher dunkler sein wird als der Mond (wenn die Astronauten landeten herrschte dort Vormittag) wird man keine finden, weil kein film der Erde den Kontrastumfang hat um Sterne bei hellem Vordergrund abzubilden.

auch der Van Allen Gürtel kann nicht tödlich für Astronauten sein. Wenn er es wäre, dann würden auch Satelliten bald ausfallen wenn sie ihn durchqueren. Natürlich ist die Elektronik von Satelliten robuster als der menschliche Körper, aber die Abschirmung ist auch geringer als in der Apollokapsel mit einer massiven Außenhülle und es handelt sich ja nicht um eine Passage sondern viele über Jahre hinweg. Hipparcos hat in 5 Jahren den Van Allen Gürtel über 9000 mal passiert. Man muss doch eigentlich mit Scheuklappen durch die Gegend laufen, wenn man das Postulat aufstellt Menschen würden bei der Passage sterben, aber vollständig ignoriert, das z.B.. seit Jahrzehnten die GPS Navigationssatelliten in Orbits kreisen die nahe dem Intensitätsmaximums des äußeren Van Allen Gürtels liegen. Das man sich mit vielen dieser Behauptungen bei allen die etwas mehr denken entsetzlich blamiert scheint vielen Hoaxern egal zu sein.

Natürlich kann nicht alles wissen, aber ich denke es gibt einen Unterschied zwischen Mutmaßungen und Überlegungen die man begründen kann und die vielleicht trotzdem falsch sind. Dazu mal ein aktuelles Beispiel. Ich bekam vor einigen tagen eine Mail wo man mich fragte warum auf einem Startfoto einer Proton ein verlöschendes Triebwerk zu sehen ist, obwohl der Start erfolgreich war.

Die Frage die der Fragesteller hatte war: Sind die Außentanks untereinander verbunden oder nicht? Nun ich schaute in meinen Unterlagen nach und fand nichts darüber. Auch im neuesten Mission Planers Guide von ILS Launch findet man nichts darüber. Für eine Zuordnung der Tanks pro Triebwerk spricht aber neben der einfachen Konstruktion (das Verteilen von Treibstoff aus 6 Tanks in 6 Triebwerke ist nicht gerade einfach und die Gefahr das dadurch POGO Effekte übertragen werden ist groß) zeigt die einzige Schnittzeichnung die ich von der Proton habe nur eine Leitung pro Tank und die Bilder vom Heck der ersten Stufe zeigen ebenfalls abgeschirmte Leitungen pro Tank.

Fragt sich warum das Triebwerk aus ging? Vielleicht ist es ein Ausrutscher, der aufgefangen erden konnte weil die Rakete noch Reserven hatte? Doch dann wäre dies beim Start angemerkt worden. Wenn man aber Startphotos der Proton ansieht entdeckt man immer mehr Fotos bei denen man einen Braunen Schweif unter einem Triebwerk sieht. so bin ich durch Nachdenken zu dieser Erklärung gekommen. Die Proton arbeitet - das ist gesicherte Tatsache - mit einem Hauptstromverfahren, bei dem das Stickstofftetroxid mit einem Teil des Hydrazins in einem Vorbrenner verbrannt wird. Der Rest des Hydrazins wird dann in der Brennkammer zugesetzt. Die braune Fahne ist ungebranntes Stickstofftetroxid, diese besitzt braune Farbe (das weiß der Autor noch aus seinem Chemiestudium). Also liegt in diesem Triebwerk eine unvollständige Verbrennung vor. Es läuft aber noch mit reduzierter Leistung wie das Foto zeigt. Warum verzichtet man aber auf Triebwerksleistung und riskiert wertvollen Treibstoff ungenützt in den Tanks zurückzulassen ? Nun weil eine Rakete zur Seite rollen muss und die Proton hat weder schwenkbare Triebwerke noch Steuerdüsen wie die Sojus oder in den oberen Stufen. Wie also will man es bewerkstelligen? Ganz einfach indem man den Schub eines Triebwerks herunterfährt, dadurch neigt sich die Rakete zur Seite. Jede Rakete muss nach dem Start aber eine langsame 90 Grad rolle machen, weil sie vertikal startet und horizontal, parallel zur Erdoberfläche beschleunigen muss.

Dazu passen die Meldungen, das Protonstarts durch Resttreibstoff schon in der Vergangenheit größere Gebiete verseucht haben. Man fragt sich, warum man nicht den Treibstoff effizient ausnutzt - nun bei dieser Methode bleiben in dem einen Tank zwangsweise Reste übrig. Weiterhin ist der giftige Teil der Treibstoffmischung das Hydrazin. Alles in allem ist das eine gute Erklärung. Natürlich kann sie völlig falsch sein, aber ich denke der Unterschied zu einer Behauptung eines Moon Hoaxers liegt darin, dass:

Ich denke das ist eine Vorgehensweise die man vieleicht nicht wissenschaftlich, aber zumindest überlegt nennen könnte. Ich denke eine solche Vorgehensweise unterscheidet eine Spekulation von einer Hypothese. Eine Spinnerei von einem einer Möglichkeit die wahr sein könnte. Als Nebeneffekt konnte ich mich aber weiter über die Proton informieren und den Artikel ergänzen um die Optimierungen die man durchführte um die Nutzlast auf 6.3 t für einen GTO Orbit anzuheben. So gesehen habe ich etwas dazu gelernt, selbst wenn ich mich geirrt haben sollte,


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