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Web Log Teil 45 : 28.11.2007-7.12.2007

Mittwoch 28.11.2007: Regelungswut

Nach einer längeren Pause heute mal wieder einen Blog. Neben der Arbeit die mir wenig Zeit lies, auch an der Überarbeitung der Galileo Artikel ist es auch, dass mir irgendwie ein Thema fehlt. Heute mal meine Gedanken zu einem "Dauer" Thema: Die Deutschen und die Regelungswut.

Seien wir ehrlich: Die Deutschen sind dafür bekannt, dass alles geregelt werden muss. Nicht nur grundsätzlich, sondern bis ins kleinste Detail. Das ist eine der schlechten Angewohnheiten der Deutschen. Ich will es mal an ein paar Beispielen festmachen.

Fangen wir an im Straßenverkehr. Kennen Sie alle Verkehrsschilder? Wohl kaum! Sie können das mal auf der Wikipedia nachprüfen. Das Problem ist es aber nicht nur, dass es so viele Schilder gibt, sondern diese auch kombiniert werden, der berühmte Schilderwald. Es gibt eine Untersuchung wonach die Verkehrssicherheit sich erhöht, wenn man die Zahl der Schilder reduziert. Die Schilder erfordern Aufmerksamkeit. Selbst das beste Schild ist ein abstraktes Symbol, das geistige Arbeit und Aufmerksamkeit erfordert um seinen Inhalt zu begreifen. Daher sind weniger Schilder besser: Sie lenken weniger vom Verkehr ab. Doch machen sie das mal einer Gemeinde klar....

Beispiel 2: Ich weis nicht ob es stimmt, aber in einem Beitrag über das deutsche Steuersystem kam, dass es das komplexeste in der Welt ist. Ein Interview mit dem ehemaligen Präsident des Bundesfinanzhofes endete in dem Geständnis, das auch er es nicht wirklich versteht, und Zweifel hat, das seine Beamten alle Regelungen kennen. Warum ist es so komplex? Nun die Antwort ist einfach: Lobbyismus. Es gibt zahlreiche Vertreter von Interessenverbänden, Berufsgruppen, Branchen die Sonderregelungen für ihre Mitglieder herausschlagen wollen. So regelt das Steuerrecht besonders die Nacht- und Feiertagsarbeit, obwohl eigentlich eine höhere Bezahlung eine Frage des Tarifvertrages ist. So gibt es Sonderregelungen für Investitionen in den neuen Bundesländern und natürlich auch für Abgeordnete. Diese Pfründe werden verteidigt und so ist das Steuerrecht niemals einfacher, sondern immer nur komplexer geworden. Daran ist Merz gescheitert und daran wird jeder andere scheitern. Das einzige was sicher ist, ist das irgendwelche Steuervereinfachungen, nur die wenigen Vorteile betrifft die man als Arbeitnehmer hat wie die Pendlerpauschale oder der Freibetrag bei den Kapitaleinkünften der mal bei 6100 Mark, also 3100 Euro lag (jeder Politiker redet ja davon, man müsste für sein Alter privat vorsorgen, doch wer wirklich Geld anspart wird bestraft). An den wirklichen Großsubventionen für Bergbau oder Landwirtschaft traut sich aber keiner heran.

Beispiel 3: Die deutsche Sprache: Ander als Englisch oder Französisch, welches über Jahrhunderte praktisch unverändert ist, müssen wir andauernd unsere Sprache verändern. Besser gesagt: Verkomplizieren. Nach der Rechtschreibreform kam die Reform der Reform und nun wieder neue Korrekturen. Der Effekt? Wer bitte kann alle deutschen Rechtschreibregeln? Alle Sonderschreibweisen von Worten? Nicht einmal die Redakteure des Duden Verlages, die nichts anderes tun als sich damit zu beschäftigen, können das von sich behaupten. Und dies obwohl man die Duden Redakteure gegen Gebühr online oder per Telefon konsultieren kann. Natürlich gibt es Deutschlehrer, die das von sich behaupten, doch ich halte das für persönliche Selbstüberschätzung. Sie entdecken zwar die Fehler bei anderen die sie kennen, wissen aber auch nicht über alle Sonderfälle bescheid. Wer jedoch Rechtschreibfehler macht, wird schief angeguckt "Der kann doch nicht Deutsch" oder wie ich schon gehört habe: "Wenn ihr Deutsch so falsch ist, kann es mit der fachlichen Genauigkeit nicht weit her sein". Schade nur, dass Deutschlehrer von Raumfahrt keine Ahnung haben, dann könnte ich mir eine Menge Arbeit sparen.

Das sind nur einige Beispiele: Gerichte haben sich mit Nachbarstreitigkeiten und dem Auslegender Regeln, wie und welcher Baum geschnitten werden muss, zu beschäftigen. Harz IV Formulare sollen nicht gerade übersichtlich und einfach sein. Das alles nur mit dem Zweck, nur ja alles genau zu Regeln um nichts zu vergessen oder keine Ungerechtigkeit aufkommen zu lassen.

Der Effekt ist aber doch genau das Gegenteil. Es bewirkt einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden. Behörden brauchen viel mehr Personal, um die ganzen Regelungen zu überwachen, Verstöße zu ahnden und Anträge etc. zu prüfen und zu bearbeiten. Steuerberater müssen von Privatpersonen bezahlt werden um die Steuererklärung machen zu können - entweder weil sie sonst alleine nicht mehr machbar ist, oder weil man fürchtet Geld zu verschenken (da der Steuerberater das nicht für umsonst macht, bezweifele ich allerdings an einem Sparpotenzial bei den meisten Privatpersonen). Gerichte müssen sich mit Verfahren herumschlagen die man vermeiden könnte und Privatpersonen müssen Freizeit für das Bearbeiten von Anträgen investieren.

Es wäre also die Zeit alles auszumisten, radikal zu vereinfachen. Doch dies wird nicht geschehen, nicht solange es keinen großen Knall gibt und alle sehen das es so nicht mehr weitergeht. doch selbst dann wird jeder versuchen seine Pfründe zu verteidigen. Schade eigentlich ....

Freitag 30.11.2007: Organspenden

Derzeit läuft eine große Aktion in denen vielen Tageszeitungen und manchen Zeitschriften Organspendeausweise beiliegen, etwa 5 Millionen Stück insgesamt. Ich habe, wie das Foto ausweist seit mehr als 15 Jahren einen, vor einigen Monaten hat ein neuer den alten ersetzt, der zunehmend unleserlicher vom ständigen Tragen in der Brieftasche wurde (er sollte ja schließlich verfügbar sein, wenn mir mal was passiert).

Ich rate jedem sich des zu überlegen, ob er nicht selbst sich dazu entschließt Organspender zu werden. Für mich war die Entscheidung sehr einfach: Wenn ich tot bin verwest mein Körper sowieso, mitbekommen tue ich auch nichts mehr von einer Organspende, aber so kann ich eventuell jemanden helfen zu überleben oder ein besseres Leben zu führen. Anderer hat vielleicht religiöse oder persönliche Vorbehalte und lehnt dies ab, ich denke aber die meisten Menschen in Deutschland haben sich einfach noch keine Gedanken gemacht , oder sind vielleicht dafür, aber auch zu faul sich einen Ausweis zu besorgen.

Den gibt es bei jedem Arzt und wahrscheinlich auch anderswo. Ich habe meinen einfach beim letzten Check-Up mitgenommen und ausgefüllt, das ist eine Sache von 5 Minuten. Er vereinfacht vieles enorm. Denn ohne Organspenderausweis läuft es doch so ab: Nahe angehörige bekommen die Nachricht, dass ein verwandter gestorben ist oder hirntot ist und nur Maschinen seine Organe am Leben erhalten. Darauf kommt dann gleich die frage ob er sich zu Lebzeiten für Organspende ausgesprochen hat oder wie sie drüber denken. Das überfordert jeden und man hat dann in vielen Fällen keine Zeit lange darüber nachzudenken.

Dazu kommt, dass manche Angst haben, die Leiche dann nicht mehr aufbahren zu können, weil sie "vernäht" ist. Meiner Meinung nach ist das Aufbahren nicht so wichtig und es gibt sicher auch Menschen, die alleine durch Unfallfolgen nicht besonders gut anzusehen sind, aber vor allem viele Ältere Leute legen darauf Wert. Da hilft es wirklich wenn man weiß, der Verstorbene hat sich zu Lebzeiten Gedanken darüber gemacht, denn das entbindet die Angehörigen auch von dieser Entscheidung.

Es gibt Länder bei denen die Gesetzeslage umgekehrt ist, z.B. in Österreich. Dort muss man erklären, dass man keine Organspende wünscht, und wer dies nicht tut hat anders als in Deutschland einer Spende implizit zugestimmt. Das bewirkte, dass in Österreich die Situation erheblich besser ist und Patienten dort nicht so lange auf ein Spenderorgan warten müssen. Indirekt profitiert Deutschland auch davon, denn natürlich bekommen auch deutsche Spender Organe aus dem Ausland, wenn der Gewebetyp verträglich ist. Vielleicht wäre das keine schlechte Lösung, zumindest würde sie vielleicht viele dazu bringen, genauer darüber nachzudenken. Man rechnet damit dass dann das Spendenaufkommen sich vergrößert, weil man alle mit erfasst denen es bislang einfach egal ist und das ist wie üblich die große Masse. Gegner dieser Lösung meinen, das dies das Selbstbestimmungsrecht angreift, weil man das Recht haben sollte selbst zu bestimmen was mit seinem Körper geschieht und wenn man nichts sagt, dies eben auch eine aussage ist eben nichts zu tun.

So heute mal eine persönliche Bitte von mir an alle meine Blogleser: Werden Sie Organspender! Füllen Sie einen Ausweis aus und sagen Sie es ihren nächsten Verwandten. Es kostet Sie nichts als etwas Zeit und sie können noch zu Lebzeiten das gute Gefühl genießen, eventuell nach ihrem Tode jemanden das Leben gerettet zu haben.

Samstag 1.12.2007: Astronauten

Wenn man sie nach einem Astronauten fragt, wer fällt Ihnen da ein? Ich denke wenn man die meisten Deutschen fragt vielleicht Neil Armstrong oder auch Juri Gagarin (obwohl der genau genommen ja Kosmonaut war, aber ich sehe das nicht so eng, der Beruf ist der gleiche). Vielleicht in Ostdeutschland erhält man auch die Antwort: Sigmund Jähn und im Westen vielleicht einen Namen der westdeutschen Astronauten, vielleicht am ehesten Thomas Reiter, da er erst kürzlich im All war.

In Amerika sind die Chancen gut von John Glenn oder Al Shepard zu hören oder vielleicht von Buzz Aldrin. Ich würde wahrscheinlich als ersten John Young nennen. Für mich ist von allen Astronauten John Young der, für den ich am meisten Respekt hatte. mir fiel er zum ersten Mal bei einer Tafel der Apollo Astronauten auf, wo er hervorstach, weil er nett lächelte, während die anderen mehr ernst oder seriös schauten.

Meinen Respekt hat er aber vor allem, weil er der NASA nicht nach Apollo den Rücken kehrte. Obwohl jeder Astronaut immer betont, es ginge nur darum die Mission zu erfüllen und nicht um persönlichen Ruhm, spielt doch bei allen so etwas wie Ehrgeiz mit: Mehr zu erreichen, zu einer Elite zu gehören. John Young hatte 1972 alles erreicht was man bei der NASA erreichen konnte: Er hatte zwei Gemini Erdorbit Flüge hinter sich, 2 Apollo Flüge, er war zweimal in einer Mondumlaufbahn und einmal auf der Mondoberfläche. Eine vergleichbare Bilanz konnte nur Eugene Cernan aufweisen. Mehr ging nicht. Die NASA hatte das Apollo Programm beendet und der Space Shuttle stand erst in 8 Jahren zur Verfügung. Für diesen waren bald 50,60 Missionen pro Jahr angekündigt mit bis zu 7 Besatzungsmitgliedern. Dort wäre man dann nur ein Astronaut von vielen, es ist nicht mehr ein kleiner Zirkel, es sind dann hunderte von Astronauten.

Entsprechend haben fast alle Astronauten die die NASA damals hatte und die schon einmal geflogen sind ihr den Rücken gekehrt. Manche recht schnell wie Armstrong und Aldrin manche später. Young blieb. Er flog dann noch Columbia bei ihrem Jungfernstart und führte auch den ersten Spacelab Flug durch. Er war noch für den Start von Hubble nominiert, dieser Flug wurde jedoch nach der Explosion der Challenger abgesagt. Danach zog er sich aus dem aktiven Dienst zurück und arbeitete im NASA Management. Er war Mitglied der Untersuchungskommission des Challenger Verlustes und hatte auch schon im Vorfeld Kritik an der Sicherheit des Space Shuttles geübt.

Er arbeitete ab dem Mai 1987 als Assistent des Direktors und später Technischer Direktors an der Konzeption der ISS und vor allem den Sicherheitsaspekten der Station. Erst am 31.12.2004 - nach 42 Jahren Tätigkeit für die NASA trat er im Alter von 74 Jahren von einem Posten zurück und ging in den wohlverdienten Ruhestand.

Er ist der einzige der ersten zwei Astronautengruppen der nicht in die Wirtschaft gewechselt ist, und obwohl er in der NASA blieb hat er niemals darauf gedrängt nochmals einen Raumflug durchzuführen. Darin unterscheidet er sich wohltuend von John Glenn, der nach seinem Heldstatus als erster Amerikaner im Orbit sofort die NASA verließ, seine Berühmtheit nutzte um Senator zu werden und dann dort seine politischen Einfluss nutzte um noch als Rentner nochmal ins All zu fliegen.

Wenn es jemand gibt dem ich glaube, dass die Mission im Vordergrund steht und es nicht um persönlichen Ruhm geht, dann ist es John Young.

Sonntag 2.12.2007: Nicht immer will gut Ding Weile haben

Sie kennen das Sprichwort "Gut ding will Weile haben?". Nun in der Raumfahrt gilt dies nicht immer. Ein einfaches Satellitenprojekt braucht 3 Jahre, größere 4-5. Im selben Zeitraum liegen auch normale Planetensonden. Großprojekte wie Cassini oder Viking kommen schon auf 6-7 Jahren und bemannte Projekte liegen bei 8-9 Jahren. Das liegt zum einen an de Komplexizität der Projekte. Zum anderen gibt es vier definierte Phasen bei dem Projekt die separat abgeschlossen sind und einfach Zeit brauchen:

Je größer ein Projekt ist desto länger braucht es. Weiterhin macht es einen Unterschied ob man schon vorhandene Dinge wie Experimente erneut verwendet oder technisches Neuland betritt. so gab es Missionen die schnell durchführbar waren wie Mars Global Surveyor oder Cluster II, die weitgehend auf Nachbauten basierten und andere wie Viking die völlig neue Entwicklungen wie das Biolabor erforderten.

Am oberen Ende liegen bemannte Projekte. Sie sind am komplextesten. Es handelt sich von der Größe (der Startmasse) wie auch von den Subsystemen um große Systeme (wenn man von den ersten Kapseln einmal absieht). Trotzdem war es bei Apollo möglich in 8 Jahren ein Raumschiff zu entwerfen das auf dem Mrd. landete und für das es keinerlei Vorgänger gab und bei den Saturn Trägerraketen den Schub der Triebwerken um den Faktor 10 zu steigern und dies bei einem sehr hohen Sicherheitsstandard.

Ein lang laufendes Projekt hat einige Herausforderungen zu meistern: Es ist um so schwieriger den Finanzbedarf abzuschätzen je länger es läuft. Es wird meistens alleine durch die Inflation immer teurer. Das zweite ist die Technologie, die sich im Laufe der Zeit verändert. Manche Gebiete ändern sich langsam - Das Space Shuttle Triebwerk wäre auch heute noch Spitzentechnologie - manche schnell, wie z.B. in der Informationstechnologie. Selbst wenn Technologien sich nur langsam wandeln ist es problematisch Bauteile nach einigen Jahren erneut zu bekommen, weil sie durch andere ersetzt wurden.

Den größten Fehler, den man tun kann ist es ein Projekt wenn es erst mal in Phase C angekommen ist, d.h. man daran gegangen ist Bauteile zu entwickeln, zu bauen oder die Sonde zusammenzubauen die Gelder kurzzeitig kürzen um später sie zuzuschießen oder durch andere Umstände die Mission zu verlängern. Es gibt hier einige prominente Beispiel:

Woran liegt das? Nun sobald ein Projekt erst einmal rollt sind einige Tausend Leute damit beschäftigt. Es gibt Verträge mit den Firmen und diese Personen können nicht einfach mal für ein Jahr irgendwo hin abgezogen werden Wissenschaftler müssen Teams zusammenhalten, in den Weltraumagenturen sind Leute mit der Planung beauftragt etc. Ausfallszahlungen die angefallen wären, wenn die ISS nicht fertig gebaut wird, waren auch ein Grund warum man sie Space Shuttles erst nach deren Ausbau ausmustern will. spannen wir den Bogen zu Bushs "Vision for Space Exploration". (VSE) 3 Jahre sind inzwischen fast vergangen und weitere 8 sind es bis zum ersten bemannten Flug, wahrscheinlich 12 bis zur ersten Mondlandung. Aufträge über Milliarden sind für die Trägerraketenentwicklung schon vergeben worden und trotzdem gibt es neue Schlagzeilen, dass nicht einmal die kleinste neue Rakete Ares I gut konzipiert sei und es offene Fragen im Sicherheitskonzept gäbe. Ich halte Bushs Vision für ein Paradebeispiel wie man es nicht macht - Das Programm läuft zu lange. 16 Jahre zwischen Ankündigung und erster Mondlandung, und dies obwohl es schon Triebwerke und die Erfahrungen mit Apollo gibt - das ist zu lange. das kostet unnötig viel mehr und generiert nur bürokratischen Overhead. Denn was hat man 3 Jahre später vorzuweisen? Nichts! nicht mal einen echten Programmnamen hat es - Die Kapseln heißen Orion, doch es gibt kein "Orionprogramm". 3 Jahre nach Kennedys Rede lief Apollo auf vollen Touren, bis die VSE soweit ist werden sicher noch einige Jahren vergehen....

Mittwoch 5.12.207: Columbus

Was höre ich da heute in "nano": Das Columbus Labor ist zu groß und zu schwer um mit einer Trägerrakete ins all befördert zu werden. Die ESA zittert, ob der Start morgen Abend mit der Atlantis klappt. nun ja vielleicht zittert die ESA, aber der Rest stimmt garantiert nicht. Die Fakten:

Natürlich kann das Space Shuttle mit diesen Leistungsdaten Columbus starten - es wiegt nur 2/3 der maximalen Nutzlast und nimmt nur die Hälfte des Nutzlastraumes ein. (Ursprünglich war Columbus auch doppelt so groß geplant, doch Einsparungen 1994 führten zur Reduktion der modullänge auf die Hälfte). Doch nun kommt die unbequeme Wahrheit: Es gibt mindestens vier Trägersysteme welche das Columbus Labor starten könnten: Die Atlas V, die Delta IV Heavy, die H-2A und die Ariane 5. Sie alle haben Nutzlastverkleidungen von mindestens 5 Durchmesser und der geforderten Länge. Im Gegenteil: Ariane 5 und andere Träger bieten Nutzlastverkleidungen an die weitaus mehr Volumen zur Verfügung stellen als das Space Shuttle. Die Nutzlast dieser Träger ist auch hoch genug um das Columbus Labor zu transportieren. Delta IV Heavy und Ariane 5 liefern sogar deutliche mehr Nutzlast zur ISS als das Space Shuttle.

Die ESA kann es - das zeigt der ATV. Er hat ein automatisches Koppelsystem, eine eigene Stromversorgung mit Solarpanels und eigene Triebwerke. Man hätte durchaus Columbus auch so konstruieren können, das es die ISS selbst anfliegt und andockt, so wie es die russischen Module machen die mit der Proton gestartet werden. doch die Shuttle Lösung sparte Geld und deswegen blieb man bei ihr. Das es um die Beziehungen zur NASA nicht gut bestellt ist beweist nicht zuletzt der ATV. Der erste ATV namens "Jules Verne" ist seit fast 3 Jahren fertig gestellt: Es wurde am 20.7.2004 an die ESA übergeben. Gestartet werden sollte es im Februar dieses Jahres, doch genauso wie der Start von Columbus nach und nach sich verschob sich auch der Start des ATV - Arianespace konnte die Ariane 5 GS die man dafür nutzen wollte für den Satellitentransport nutzen und wird damit in diesem Monat zwei Kommunikationssatelliten starten. Es ist eines klar: Die ESA sagt damit unmissverständlich: "Erst startet ihr mal das Columbus Labor und kommt eurer Verpflichtung nach. Dann kommen wir unserer Verpflichtung nach und versorgen die ISS mit dem ATV". Warum auch nicht, Wortbrüchigkeiten seitens der NASA ist die ESA ja gewöhnt....

Donnerstag 6.12.2007: Nikolaus!

Ja es gibt noch nette Leute. Heute morgen steht bei uns in der Eingangshalle ein netter Mann und verteilt Schokoladen Nikoläuse - Nicht vom Supermarkt sondern Ökologisch und faire GEPA Nikoläuse. Der muss von unserer Sozialpädagogik Fakultät sein. Bei uns wird nichts verschenkt und Öko ist den meisten auch Wurst. Schließlich muss das Land und die Hochschule Esslingen im Besonderen sparen....

Doch warum es mir heute geht ist mal was völlig anderes - ich habe mit einem Kollegen drüber diskutiert. Was ist der beste Film und der schlechteste Film den ihr kennt? Das ganze hat enorm viel mit persönlichem Geschmack zu tun. Also ich schau wenig Actionfilme, liebe Komödien und vor allem Verarsch-Filme die gerne in der Liste der schlechtesten Filme aller Zeiten auftauchen.

Ich habe irgendwo mal gelesen "Der Angriff der Killertomaten" sei der schlechteste Film aller Zeiten. Ich muss gestehen ich habe ihn nie komplett gesehen. Ich kenne nur eine Szene wo große herumspringende Bälle Menschen überrollen und das ist so schlecht gemacht, dass vielleicht diese Wertung stimmt. Ansonsten ist es wohl enorm schwer zu sagen was ein "schlechter" oder "guter" Film ist, weil es eben so viele persönliche Vorlieben gibt. Ich hätte Probleme DEN Lieblingsfilm zu benennen, einfach weil ich einige Filme gerne anschaue. Ich freue mich z.B. drauf das garantiert dieses Weihnachten wieder irgendwo die "Feuerzangen" Bowle läuft, sie ist einfach gut gemacht und ich glaube sie erinnert einen jeden irgendwie an die Schule - die - und das weis man erst wenn man sie hinter sich hat - für viele die schönste Zeit im Leben ist.

Heute mal also die Frage an meine Blogleser/innen (liest irgendeine Frau überhaupt diesen Blog?): Was sind eure Lieblingsfilme und welche findet ihr ganz mies?

Also um mal anzufangen: Das schaue ich immer wieder gerne an:

Schlechteste Filme:

Es gibt natürlich offizielle Nominierungen dafür, auch Preise wie die "goldene Himbeere" für die schlechteste Schauspielerische Leistung und man kann noch differenzieren nach Regie, Schauspielerischer Leistung Drehbuch etc. Als provokantes Beispiel: Ich habe nie kapiert was mir Stanley Kubrik bei Space Odyssey 2001 sagen wollte - der Film ist sau gut gemacht von den Effekten, der klassischen Musik, aber die Handlung....?

Freitag 7.12.2007:Columbus - Da haben wir doch mal einen guten Schnitt gemacht

Ja man glaubt es kaum, ich kann was positives zur bemannten Raumfahrt schreiben: Columbus ist ein Vorbild! Zum einen hat man die Kosten eingehalten: 700 Millionen Euro sollte es kosten, als es 1994 geplant wurde, 880 Millionen Euro sind es geworden. Bedenkt man, dass es 4 Jahre lang am Boden stehen musste, das Kontrollzentrum schon längst eingeweiht ist (mit einem beeindruckenden Großbildschirm, wie ich selbst bei einer Besichtigung sehen konnte) so ist diese Kostenüberschreitung fast schon gering zu nennen. Die ISS Hardware dagegen kostet nach den letzten Schätzungen 32 Milliarden Dollar. Geplant waren für die USA einmal 19.3 Milliarden Euro. Diese Summe umfasst nur die ISS Hardware. Nicht die Space Shuttle Flüge und die Kosten für den Betrieb. Addiert man diese dazu, sowie die Kosten die man von 1984-1994 für die Vorplanung aufwendete so kommt man auf Kosten von 100 Milliarden Dollar alleine für die USA über die Betriebszeit.

Columbus hat 10 Racks und über die Belegung dieser und die Arbeitszeit der Astronauten gibt es einen Verteilungsschlüssel. Europa kann 51 % der Arbeitszeit des Moduls nutzen. Dieser Schlüssel ergibt sich aus der finanziellen Beteiligung an den Anfangskosten: Die ISS hat 52 Racks in 4 Labormodulen, es sollten eigentlich 6 sein, doch zwei russische Module wurden gestrichen.

So gesehen stehen wir doch gut da: 5.1 Racks können wir nutzen von 52, das sind 9.8 % - bei einer finanziellen Beteiligung von 880 Millionen Euro ist das sogar noch gemessen an den ursprünglichen Kosten recht günstig.

Teuer wird die Beteiligung am Unterhalt der ISS, die erst erfolgt, wenn man auch mit forschen kann. Dies geschieht in Form von ATV Zubringerflügen. 9 Stück davon wird die ESA durchführen (einer weniger als geplant, weil auch Columbus später startete). Jeder kostet 330 Millionen Euro. Dazu kommen eigene Kosten - für das Raumkontrollzentrum, dien Bau und die Auswertung der Experimente, die Astronautenausbildung etc. In der Summe sind es dann 8 Milliarden Euro, also dann doch einer Summe, die der prozentualen Beteiligung an den Gesamtkosten entspricht. Das wesentliche daran: Wir zahlen anders als zu Spacelab Zeiten nichts an die USA. Wir bezahlen durch ATV Flüge und der ATV wird von einer europäischen Ariane gestartet und in Friedrichshaven gebaut. Das Geld dafür fliest in Arbeitsplätze in ganz Europa und kommt zum Teil als Steuereinnahmen auch wieder herein.

Wenn es um die finanzielle Beteiligung an de ISS geht, ist die ESA so etwa kostenneutral herausgekommen. Der große Verlierer sind die USA. Das hat zwei Gründe. Zum einen sind sie daran selbst schuld: Weil man nie die REALEN Space Shuttle Kosten mit einbrachte, weil diese in einem anderen Budget drin steckten, bezahlten die USA alleine für die Beförderung der Hardware selbst nach den ursprünglichen Planungen fast genauso viel, wie die Module selbst kosteten. Nach Columbias Verglühen stiegen die Kosten nochmals an und der Start von STS-122 wird teurer sein als das Labor das er transportiert. Zum zweiten kostet die ISS etwa 1.3-1.7 Mrd. Dollar jedes Jahr an Unterhaltskosten, selbst wenn kein Space Shuttle Flug stattfindet wie z.B. 2004. Die Verzögerungen im Bau kosten daher auch noch zusätzlich.

Der große Gewinner ist Russland. Geplant waren einmal 5 russische Module, Sarja und Swesda, ein Wohnmodul und zwei Forschungsmodule. Davon ist keine Rede mehr. Sarja und Swesda bleiben die einzigen russischen Module. Jeden Flug zur ISS, der über die 5 vertraglich vereinbarten Sojus Flüge hinaus geht, lassen sich die Russen bezahlen - oder transportieren Weltraumtouristen zur UISS die dann die Flüge bezahlen. Russland hat nun ja wieder Geld und gerüchteweise hört man von einem weiteren Modul das um 2011 gestartet werden soll.


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