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Web Log Teil 450: 9.2.2016-14.2.2016

9.2.2016: Die Staatsfirma

Den heutigen Blog mache ich primär für mich, um Daten zusammenzutragen, die man als SpaceX-Kritiker braucht. Der Unterschied zum SpaceX-Fan ist ja der, dass man nicht das nachplappert was andere sagen, irgendwelche Spekulationen anstellt, sondern auf Basis von Zahlen argumentiert.

Seit Jahren nervt mich eines: Das die Firma immer von der "privaten Raumfahrt" spricht. Das haben inzwischen ja auch die deutschen Medien übernommen, wo das noch bizarrer ist, weil "privat" bei uns noch einen etwas anderen Klang hat als in den USA.

Auf der Webseite selbst wirbt sie von sich als dem "wourld fastest growing Launch Service Provider", als wäre die Ausrichtung von SpaceX vor allem auf kommerzielle Starts, die frei ausgeschrieben werden ausgerichtet, nicht auf Regierungsaufträge. Da dieser Markt klein ist, es gibt pro Jahr ungefähr 15 bis 20 Satelliten pro Jahr deren Starts frei ausgeschrieben wird, wäre es dumm sich auf diesen zu beschränken. Kein einziger LSP kommt ohne irgendwelche Regierungsaufträge aus. Bei den meisten machen sie mehr als 50% aus. Einzige Ausnahme davon ist Arianespace wo sie deutlich unter 50% liegen. Das verwundert nicht, denn den 15 bis 20 kommerziellen Satelliten stehen viel mehr Starts seitens der Regierung gegenüber, jährlich gab es in den letzten 10 Jahren zwischen 80 und 90 Starts, also vier bis sechs mal so viel.

Privat kann man sehr unterschiedlich sehen. Als Firma die ohne Staatsaufträge auskommt, also sich nur auf kommerzielle Starts konzentriert oder eine Firma die privat Raumfahrt betreibt, also gar nicht auf irgendwelche Aufträge von existierenden Geschäftsfeldern oder der Regierung baut sondern jedem Privatmann Weltraumfahrt in irgendeiner Form ermöglicht. Das trifft wohl eher auf Virgin Galactics und Kopenhagen Suborbitals zu. Noch näher an dem Begriff der privaten Raumfahrt sind reiche Leute die sich als Luxus ein Raumfahrtprojekt leisten ohne Gewinnerzielungsabsicht. Das muss nicht nur Weltraum Tourismus sein, das könnte auch ein eigener Cubesat sein.

SpaceX hat von Anfang an auf Staatsaufträge gesetzt. Man hat gegen den Start von LADEE auf einer Minotaur protestiert, weil diese nach Ansicht von SpaceX den Commercial Space Act verletzt. Man hat Jünger aufgerufen gegen den Block-Buy an Kongressabgeordnete zu schreiben und man hat immer mehr in Lobbyismus investiert, letztes Jahr haben sie ULA in den Ausgaben deutlich geschlagen. SpaceX unterscheidet sich von ULA meiner Ansicht nach eigentlich nur darin dass sie neu sind.

Die Frage die ich mir stelle ist die - wie abhängig sind sie vom Staat. Ich kam drauf, weil SpaceX nach Angaben der NASA der teuerste der drei CRS-2 Gewinner ist. Bei CRS 1 waren sie noch deutlich billiger als Orbital. Daneben gab es ja schon einige Abschlüsse. Ich will einfach mal Zahlenmaterial zusammentragen und vergleichen. Bei kommerziellen Starts gibt es nur wenige Daten über Abschlüsse hier nehme ich die auf der Webseite angekündigten Preise.

US-Regierung Summe Kommerziell Summe
USAF erste zwei Falcon 1 Starts 11 Rakhsat 7,9
COTS 278 Orbcomm 42
COTS Add-On 128 Cassiope ~ 10
CRS-Gelder bis Juni 2014 1400 SES-8 50
CCDev 1 75 Asiasat 8 54
CCicap 460 Thaicomm 6 59
CPC 9,9 Asiasat 8 59
CCdev Entwicklung 50% von 1750 875 Asiasat 6 59
DSCOVR 96 ABS 3A/Eutelsat 59
Jason 3 83 Turmensat 59
Summe: 3415,9 Summe 458,9

Die Firma ist daher zu 458,9 / (458,9+3415,9) * 100 = 11,8 % privat finanziert. Wahnsinn. Ja so sieht private Raumfahrt aus. Doch wie sieht es in der Zukunft aus? Einige Aufträge der Regierung stehen noch aus und da gibt es noch ihr Launchmanifest. Für CRS-2 rechnet Orbital mit 1,2 bis 1,5 Milliarden Dollar für die ersten 6 Flüge. SpaceX ist "notable Higher". Ich setze mal 1,5 Milliarden an. Für jeden zukünftigen Start die angegebenen Preise auf der Webseite (61,2 Millionen Falcon 9, 90 für die Heavy). Ich habe alle Starts genommen obwohl bei einigen Fragezeichen sind so beiden Dragonlabmissionen die es seit ewigen Zeiten auf dem Manifest gibt oder dem Start von Bigelow. Die drei zusätzlichen CRS-1 Starts habe ich mit 475 Millionen Dollar angesetzt.

US-Regierung Summe Kommerziell Summe
CRS-1 Rest 675 Iridium 492
TESS 86 24 x Falcon 9 1468,8
CCdev Entwicklung 50% von 1750 875 3 x Falcon Heavy 270
CCDEV Testflüge 850    
STP-2 162    
CRS-2 erste 4 Jahre 1500    
Summe 4148 Summe 2530,8

Es ist also Besserung in Sicht es nähert sich 60% Regierungsanteil. Aus Verdienstsicht sind die Regierungsgeschäfte viel profitabler. Zum einen sind die Erlöse höher (83-96 Millionen für eine Falcon 9, 162 Millionen für eine Falcon Heavy). Zum anderen sind die meisten Starts mit der Dragon. So stehen insgesamt 12 Regierungsstarts für 2648 Millionen Dollar 34 kommerzielle Starts für 2530,8 Millionen Dollar gegenüber. Jeder Start für die Regierung bringt auch den dreifachen Umsatz und sicher auch den dreifachen Gewinn. Insgesamt überwiegt aber auch in der Zukunft der Regierungsmarkt obwohl nur zwei Satellitenmissionen gebucht wurden, also der Großteil der Starts für NASA und DoD noch fest in den Händen von ULA ist.

Wie die Tatsache zeigt, das SpaceX nun der teuerste CRS-Anbieter ist, wird damit zu rechnen sein, dass SpaceX teurer wird. Sobald eine Abhängigkeit da, ist wie bei CRS, wird der Preis kräftig erhöht und gibt es noch Konkurrenz wie bei den Starts so bleibt man wahrscheinlich knapp unter dem Preis von ULA. Bei kommerziellen Starts sieht man das schon. Die Falcon 9 kostete 2013 noch 54 Millionen, nun ist sie bei 61,2 Millionen, also 13,3% teurer in drei Jahren. Angekündigt wurde sie mal für 27 bis 35 Millionen .... Ich wage zu prognostizieren, dass wenn SpaceX es mal hinkriegt auch so viele Starts abzuwickeln wie sie buchen (2015: neun neue kommerzielle Aufträge aber nur drei kommerzielle Starts) sie mit dem Preis auch deutlich höher gehen werden. Derzeit müssen sie noch Kunden locken, denen es nichts ausmacht einige Jahre ihre Satelliten einzulagern. Derzeit stehen 47 Starts im Manifest, bei 12 Starts pro Jahr also genug bis Ende 2019.

Manchmal habe ich aber auch meine Zweifel ob SpaceX überhaupt kommerziell denkt. Ich bin ja freier Programmierer und ich richte mich nach den Wünschen des Kunden. Ich komme wann er es will, Ich meine so was ist im Dienstleistungsgewerbe üblich und Satelliten starten ist eine Dienstleistung. Nun hat Elon Musk den nächsten Start erst für Ende März angekündigt. Man hätte in der geborgenen Stufe was gefunden was das nötig macht. Nun hat SES protestiert und plötzlich ist der Start am 24.2 möglich. Wie dann bei den Nachrichten rauskommt, war der Grund assoziiert mit der Wiederverwendung und die wollte man erneut angehen. Hallo? ihr habt einen Nutzlaststau die Leute haben einen Startvertrag abgeschlossen und wahrscheinlich den Start längst bezahlt (üblich ist Vorkasse) und zwar unabhängig davon ob ihr nach Abtrennung der Stufe Experimente durchführt. Dafür gab es aber sicher definierte Termine. 2014 stand der Start zumindest noch für 2015 in dem Launch Manifest gelistet und anstatt das ihr hurtig mal die Satelliten startet, ist die Bergung der Stufe wichtiger? Nicht gerade professionell. So sieht es auch SES:

“Maybe in the future we will say, ‘Elon, we need to forget [stage recovery] for a certain mission because for me the opportunity cost will be too much – either for BIU [bringing-into-use regulatory deadlines] or contractual agreements,” Sabbagh said. “This is good for the industry.”

Beim Nachschauen über die Wayback Maschine in das Launch Manifest von 2014 (inzwischen ist es ja ohne Jahresangaben) zeigte sich auch das etliche Kunden von damals inzwischen abgesprungen sind. Ja auch so was kann passieren, wenn man nicht startet sondern experimentiert. Wenn man da nicht aufpasst kommt man bald in die Situation von ILS: sie hat das Vertrauen der Kunden verloren. Bei ILS durch Fehlstarts, bei SpaceX könnte es dazu kommen, wenn der Stau anhält. Ein Satellit der am Boden steht kostet Geld, Geld das er einbringen kann wenn er im Orbit ist und das kann sich eine Firma nur so lange leisten wie sie die Summe bei den Startkosten einspart. SES scheint zumindest am Ende der Geduld zu sein.

10.2.2016: Fasten

Heute ein Beitrag der nichts mit Raumfahrt zu tun hat. Mit Aschermittwoch beginnt ja die Fastenzeit. Ich habe mir vorgenommen, diesmal auch wirklich zu fasten. Nicht weil ich besonders religiös bin, sondern weil ich mal sehen will ob ich es durchhalte und ob es mir was bringt in der Hinsicht, dass man danach bewusster geniest oder den eigenen Willen stählt. Ich habe mir mal überlegt auf was ich verzichten könnte und bin auf vier Dinge gekommen:

Im christlichen Glauben verzichtet man ja auf Fleisch und Eier, daher auch der Brauch der Ostereier. Seit ich mir letztes Jahr vorgenommen habe, maximal die Hälfte des Bundesdurchschnitts an Fleisch zu essen gibt es ganze Wochen an denen ich überhaupt kein Fleisch esse. Das wäre also keine richtige Einschränkung. Etwas komplizierter wird es mit den Eiern. Ich mag keine Eier für sich, also als Frühstücksei oder Spiegelei, sie stecken aber als Zutat in einer meiner Lieblingsspeisen Reisauflauf und auch in einigen Kuchen. Trotzdem, das wäre ohne größere Probleme machbar, also als zu leicht verworfen.

Das Gegenteil ist bei Süßigkeiten der Fall. Ich lutsche gerne nebenher Bonbons, vor allem  wenn ich konzentriert am Computer arbeite. Ohne Schokolade geht wenig. Einen Tag drauf verzichten ginge noch, aber 40? Selbst als ich 2006/2007 über ein Jahr lang abnahm und 33 kg verlor habe ich mir am Ende des Tages ein Stückchen Schokolade gegönnt - als Belohnung (wenn ich über die Strenge geschlagen habe lies ich es natürlich weg). Also 40 Tage ohne Schokolade, das war mir dann doch zu schwer. Vielleicht eine Überlegung als Steigerung nächstes Jahr.

Kaffee ist für mich auch mehr oder weniger unverzichtlich. Morgens sollte man besser erst nach dem ersten Kaffee ansprechen, ich bin ein typischer Morgenmuffel. Tagsüber trinke ich Kaffee zum Genuss, aber auch wenn ich spüre das die Konzentration nachlässt oder ich müde werde, aber nicht so müde um mich mal hinzulegen. Am Tag in der Regel 6-7 Tassen.  Das ist eine typische Folge der Gewöhnung an den Kaffee. Man weiß von Versuchen, dass dies keine Abhängigkeit ist. Verzichtet man zwei Wochen auf Kaffee, dann geht es genauso ohne. So gesehen wäre es nur ein Verzicht auf zwei Wochen, dann wäre es keine große Einschränkung mehr, außer vielleicht das ich gewohnt bin, morgens zum Frühstück Kaffee zu trinken und es etwas befremdlich finde da was kaltes zu trinken wie Orangensaft aber dann gäbe es ja noch (Früchte)tee.

Ich habe mich dann für den Alkohol entschieden. Seit ich vor knapp 10 Jahren abgenommen habe, trinke ich schon wenig Alkohol, weil er viel Energie enthält - fast so viel wie Fett. Seitdem trinke ich keinen wein mehr, eigentlich nur Liköre und Schnaps. Ab und an nach dem Essen oder Abends. In der Summe liege ich sicher unter der Empfehlung des Gesundheitsministeriums von maximal 20 g Alkohol pro Tag. Das wäre eine 0,5 l Flasche Schnaps alle acht Tage, bei mir hält sie knapp zwei Wochen lang. Aber es ist doch eine Angewohnheit und ich will mal sehen ob es nicht auch ohne sie geht.

Ihr könnt ja mal in 40 Tagen nachfragen ob ich es durchgehalten habe.

Neu ist ja eine Übertragung des Begriffs Fasten auf andere Verzichtsformen. So der Verzicht auf Smartphones oder Handys. Tja das kann ich leider nicht machen. Nicht weil ich so abhängig von den Dingern bin, sondern weil ich kein Handy und kein Smartphone habe. Das fing mit den Handys an. Ich verstand nicht wofür sie nützlich sein sollten. Wofür muss ich ich überall und immer erreichbar sein? Wenn ich arbeite oder in der Ausbildung stehe stört es, es wird meistens auch verlangt das die Dinger aus sind. Wenn ich daheim bin, bin ich über Festnetz erreichbar und was übrig bleibt ist eine kleine Zeit des Tags wo man unterwegs ist, einkauft oder etwas mit anderen unternimmt. Da möchte ich nicht gestört werden. So habe ich schon den Schritt zu den Handys nicht mitgemacht und wenn ich surfe will ich mich nicht mit handtellergroßen Bildschirmen rumärgern.

Aber man kann es übertragen. Was für andere das Smartphone ist für mich der Computer. Es geht ohne Computer - zweimal im Jahr fahre ich in unser Ferienhaus und mache dort die Arbeit die jenseits der Reinigung nach den Gästen anfällt (es wird vermietet), also so was wie Großputz, Gartenarbeiten, Renovierungsarbeiten die man selbst machen kann. Da benutzte ich bis vor einem Jahr keinen Rechner, seitdem habe ich immer einen Raspberry Pi mit. Das hilft sich auf die Arbeit zu konzentrieren denn Ablenkung fehlt. Doch von 7-10 Tagen auf 40 Tagen ist es ein schöner Sprung. Daheim hätte ich sicher nach einigen Tagen alles erledigt was so an Arbeit ansteht, obwohl ich sonst Haus- und Gartenarbeiten gerne von mir herschiebe.

Dann würde Langweile einsetzen. Der Computer ist für mich Beschäftigung. Die Zeit wo ich mich passiv berieseln ließ (Fernsehen, Radio hören) ist längst vorbei. Ich arbeite viel am Computer, schreibe Blogs, Bücher, arbeite an Programmen oder wenn mir mal langweilig ist spiele ich auch mal. Sicher ich könnte dann viel lesen, doch meistens mache ich das nicht einfach so. Ich lese etwas um etwas für mich herauszuholen, also Fachbücher und Sachbücher und meistens verarbeite ich das Gelesene auch in eigenen Büchern, Artikeln oder Programmen. Das ist mein weg den Sachverhalt zu verarbeiten. Den zweiten Schritt könnte ich dann nicht machen. Das wäre sehr frustrierend.

Was denkbar wäre und eine Überlegung wert, wäre ein Verzicht auf Internet. Internet bedeutet Möglichkeiten für die Recherche aber auch Ablenkung. Für vieles brauche ich es, aber nicht für alles. Wenn ich an einem Buch über Ernährungslehre arbeite, dann stütze ich mich vor allem auf andere Bücher elektronisch oder als Druck vorliegend. Fachinformationen gibt es auch im Internet doch sie kosten meistens Geld, deswegen greife ich auf echte Bücher zu bzw. als ich als Dozent Zugang zu dem Springer Angebot habe, habe ich mir auch etliche Lehrbücher als PDF lokal heruntergeladen.

Ich könnte auch einige Bücher über Raumfahrttechnik mit den Grundlagen durcharbeiten und die Berechnungen in meine Programme einbauen. Da wäre fehlendes Internet wohl ein Segen . man hat mehr Zeit und wird nicht so abgelenkt. Okay, einige Leute müssten 40 Tage auf eine Antwort auf eine Mail warten, aber wer mich wirklich dringend erreichen muss hat meine Telefonnummer. Vielleicht probiere ich das mal nächstes Jahr aus. Im Prinzip hatte ich die letzten knapp zwei Monate ja partiellen Internetverzicht - ich wollte meine beiden Lexika über Trägerraketen fertigstellen bzw. aktualisieren. Die Blogs habe ich daher schleifen lassen, genauso wie die Webseite. das hole ich in den nächsten Tagen nach, so werde ich nun aus den Büchern einige Seiten auskoppeln und als Aufsatz auf die Webseite stellen. Das betrifft aber nur neue Träger für die es noch keine Infos auf der Webseite gilt, schließlich soll sich der Kauf lohnen.

Soviel zu dem Thema. Was wäre für euch ein Verzicht? Und würde er eher schwer oder leicht fallen?

11.2.2016: Ein kleines Raumfahrträtsel

Nachdem es in den letzten Tagen nach Fertigstellung des zweiten Buchs in wenigen Wochen einige Blogs gab, heute ein kurzer, damit ihr Verschnaufen könnt und  die letzten Blogs lesen könnt. Es ist nur ein Rätsel auf das ich durch das Tarrah um SpaceX und ihre Wiederverwendung in den Sinn kam. Ist das so was besonderes? Das fragte ich mich und das ist auch die Frage an euch:

Gab es schon mal den Fall das eine Rakete startete, landete und wiederverwendet wurde?

Wenn ja, wann war das erstmals der Fall?

Wiederverwendet bedeutet: ein erneuter Start nicht die Inspektion oder ein ein Hot Fire nach dem Bergen.

Mal sehen auf welche Antworten wir kommen.

12.2.2016: Neutrale Medien und Nordkoreas Raketenstart

Am 6.2.2016 startete Nord Korea erfolgreich seinen zweiten Satelliten. Eigentlich eine Nachricht wert, schließlich kommt das nicht so oft vor (der zweiet Start in vier Jahren) und mit Nummer 2 auch noch in einem Bereich wo es auffällt, anders als vielleicht der 60 Start einer Atlas V. Während die und der gerade erfolgte Delta 4 Start in den Newsportalen Spaceflight now und Spacenews gleich mehrere Beiträge mit Vorstartberichterstattung, Startberichterstattung, Nachberichtserstattung und Fotostrecke bekamen, gab es von dem nordkoreanischen Start nur die Wiedergab von Regierungsmeinungen von Südkorea, Japan und den USA vor dem Start, nichts über ihn selbst. Jetzt nach vier Tagen einige Nachrichten aber auch allesamt negativ. So das es die gleiche Rakete wie beim letzten Mal war und die veraltet ist und zwei Kurzmeldungen das der Satellit taumelt und kurz darauf das er nicht mehr taumelt.

Nun sind diese Websites natürlich von US-Konzernen betrieben. Das bemerkt man an dem Ungleichgewicht in der Berichterstattung über aktuelle Ereignisse z.B. dem Tara bei einem Atlas und dem verhaltenen Echo bei einem Ariane Start aber auch bei den Rückblenden. Man erinnert an alte Shuttle Starts oder 30 Jahre Fertigstellung von SLC 6 für die Shuttles. Ich kann mich nicht erinnern, das man 50 Jahre der ersten unbemannten Mondlandung durch Luna 9 erinnert hat, doch das die Portale nun auch die politische Richtung der US-Regierung vertreten und den Start lange Zeit totschweigen, nachdem klar ist das es kein ICBM-Test was wohl nicht in den Kram passt. Ich habe dann mal in Raumfahrer.net reingeschaut doch auch da findet sich nichts. Schade, aber da weiß ich wenigstens warum Skyweek einer meiner Startseiten ist - Daniel Fischer ist anders als die vorher genannten drei Portale absolut unabhängig und unparteiisch und hat über den Start berichtet. (Und das obwohl er es alleine macht ohne einen ganzen Mitarbeiterstab wie die obigen Portale).

Fangen wir mal mit einer Analyse an. Natürlich hat Nordkorea das Recht Satelliten zu starten. Nach einer UN Resolution 1718 muss Nord Korea seine ballistischen Waffen vernichten. Also deuten die USA, Südkorea und Japan das als ballistischen Test und Nordkorea eben als Satellitenstart. Japans Protest kann man schon mal als Schaumschlägerei vergessen. Die Bahn der Rakete ging in einen sonnensynchronen Orbit, d.h sie startete fast genau nach Süden, damit ist aber Japan nicht betroffen. Die Rakete passierte selbst die vorgelagerten Inseln wie Okinawa. Süd Koreas Küste wird überflogen, doch bei der Bahnneigung nicht das Land.

Auf der einen Seite ist die Rakete mit ihren langen Brennzeiten eine Trägerrakete, keine ballistische Rakete. Das ist keine Ausweichlösung, denn gerade die oberen Stufen haben lange Brennzeiten. Würde man keine leistungsfähigen Triebwerke haben, so würde das die erste Stufe betreffen. Das hindert natürlich die USA nicht daran das Gegenteil zu behaupten. Im Suchen von Begründungen für Sanktionen und Krieg sind die USA ja erfinderisch. Ich sage nur Irak und Massevernichtungsmittel.

Dann könnte man noch auf die Idee kommen, das die Nordkoreaner eine Trägerrakete entwickeln und als Trägerrakete testen aber sie als ICBM einsetzen. Das ist ja auch das was ihnen vorgeworfen wird. Es gibt einen Hinweis darauf, das dies nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, denn der Satellit sendet bisher keine Daten. Das ist schon sehr seltsam. Wenn er etwas beobachten will, dafür spricht eine sonnensynchrone Umlaufbahn so würde er Daten zum Boden senden. Er dürfte zu klein sein um eine Rückführkapsel abzuwerfen. Auf der anderen Seite hat das Taumeln aufgehört, er scheint also auf Kommandos zu reagieren, das tut ein Sprengkopf eher nicht und wenn er nichts beobachten soll, warum dann eine sonnensynchrone Umlaufbahn in 500 km Höhe? Bei einer niedrigeren Bahnhöhe und niedriger Inklination wäre die Nutzlast größer.

Allerdings - wenn ich einen Satelliten nur als Alibi starte, dann wäre es viel besser ihn nach Osten zu starten, dass maximiert die Nutzlast. Umgekehrt, wenn es eine Langstreckenrakete wäre würde man die USA über die Pole angreifen und auch Südkorea liegt im Süden, dann wäre eine sonnsynchrone Bahn eine bessere Simulation der Bahn. In beiden Fällen braucht man aber keine 500 km hohe Bahn zum ICBM Testen, das kostet nur Nutzlast und die dürfte bei der eingesetzten Technik rasch zunehmen wenn man nur auf etwas Geschwindigkeit verzichtet.

Meiner Ansicht nach gibt es aber zu wenige Hinweise dafür das es ein ICBM Test ist.. Zum einen setzt das enorm viel Finesse voraus, die angesichts der bisherigen grobschlächtigen Verlautbarungen Nordkoreas kaum vorstellbar ist. Wenn man eine Wasserstoffbombe testet trotz Verbots (anscheinend ist nur die Atombombe als Zünder explodiert, für eine H-Bombe ist die Sprengkraft zu gering gewesen), warum soll  man bei den Raketentests dann so umständlich vorgehen? Ein echter Test er Aufstiegsbahn würde auch viel mehr Daten liefern die brauchbar sind. Nimmt man eine angestrebte Kreisumlaufbahn an, so sind die 20 m/s Geschwindigkeitsunterschied viel zu hoch um als ICBM ein Ziel genau zu treffen, das kann nun jeder sehen, bei einer ballistischen Bahn weiß nur Nordkorea ob der Zielpunkt genau getroffen wurde oder nicht. Immerhin: der letzte Satellit hatte eine noch elliptischer Umlaufbahn. Unbestritten kann man aus dem Start auch einiges ableiten, unter anderem auch das die Rakete funktioniert, vorher scheiterten ja einige Startversuche. Doch wenn ich eine Rakete als ICBM einsetzen will, dann teste ich sie auch so. Das schüchtert auch die USA mehr ein als ein Satellitenstart. (Wenn überhaupt)

Wie aber schon gesagt: Das "Verkaufen" eines ICBM Tests als Satellitenstart halte ich für zu raffiniert für die Nordkoreaner. 2012 durfte James Oberg vor einem Test nach Nordkorea. Im Hotel gab es in Stockwerk bei dem die wände voller anti-amerikanischer Propaganda war. Damit die Journalisten nicht dahin kamen, hat man den Knopf im Fahrstuhl ausgebaut. Es gab dort keinen 5.ten Stock, so musste das jedem Trottel auffallen... Das ist die Art von Täuschungsmanövern die Nordkorea betreibt.

13.2.2016: Finito!

Oder freundlicher gesagte: Es ist geschafft - und es ist gut so. Seit heute ist es lieferbar und ich hoffe in ein paar Tagen auch bei Amazon, Libri & Co gelistet: die zweite Auflage der US-Trägerraketen. Ich habe an dem Buch drei Wochen lang redigiert und es ein bisschen erweitert. Ich war erstaunt das es gar nicht so viele Formulierungsfehler gab und weniger als 10 Sachfehler habe ich entdeckt. Trotzdem, vieles habe ich in der Sprache geändert, vor allem die von mir so häufig benutzten Füllworte "aber" und "auch" gelöscht.

Da es nur um 16 Seiten länger ist und nur zwei neue Träger (Vulcan und Super Strypi) und zwei neue Subversionen (Falcon v1.2, Antares 2XX) gibt, gibt es für den 106 Eigentümern des ersten Bandes keinen Grund die Neuauflage zu kaufen. (Ich weiß die Zahl so genau, weil man nach 100 Exemplaren bei der VG Wort Ausschüttungen beantragen kann und die erreichte das Buch im Januar nach 33 Monaten...) Für den Inhalt verweise ich daher auf die Vorstellung der ersten Auflage. Es gibt, wie ich schrieb nur einen Grund, warum ich mich dran gemacht habe das Buch neu zu schrieben: Die Druckkosten sind seit der ersten Auflage 2013 deutlich gesunken und die Ersparnis gebe 1:1 an die Leser weiter, so kostet es nur noch 39,90 Euro anstatt 54,90. Mal sehen ob es einen "Kaufrausch" auslöst. Ich bin skeptisch, denn schon der erste Band war sein Geld wert. Sicher 54,90 sind nicht billig, doch die im Format kleineren, Typenkompasse des Motorbuch Verlags kosten auch 14,95 für 144 Seiten. Pro Seite also nochmals deutlich teurer. Nachdem ich mal die europäischen Trägerraketen in drei Einzelbände aufgespaltet habe (dort war das wegen der getrennten Programme auch gut möglich) habe ich festgestellt, das diese sich eher schlechter als der Gesamtband verkaufen.

Leider läuft die Kündigungsfrist für Auflage 1 noch bis zum 28.3.2017, d.h für ein Jahr wird es beide Bände im Handel geben. Der neue Band hat ein Super-cover von Norbert Brügge mit einigen US-Trägern, der alte zeigt einen Saturn V Start. Inzwischen habe ich mein Exemplar von "Internationale Trägerraketen" bekommen und bin sehr zufrieden. Das Cover von Norbert sieht toll aus. Auch die Abbildungen sind nicht zu dunkel geworden und meine erstellten Grafiken sind gut erkennbar. Ich hoffe die US-Trägerraketen werden genauso, die erste Auflage war mir etwas zu dunkel im Druck.

Das war es dann auch. Zum einen habe ich noch zwei Bücher die im Manuskriptstadium sind, eines über Computer, eines über Ernährung und bei beiden Gebieten werden die Bücher die ich dort veröffentlicht habe deutlich besser verkauft als die Raumfahrtbücher. Zum zweiten habe ich nicht so viel Lust viel zu recherchieren und zu schreiben. Irgendwo ist die Luft raus. Das einzige was mir in der Raumfahrt vorschwebt und was ich mal zur Diskussion gestellt habe wäre ein Buch für die Liebhaber von Fotobänden wie "Full Moon" - eine "Reise" durchs Sonnensystem mit eindrucksvollen Bildern der Planeten und Monde. Vorne immer ein Bild, hinten ein Begleittext der sagt was man da sieht. Auch das ist erst durch die niedrigeren Druckkosten möglich. Vorher waren viele Farbseiten einfach zu teuer. Aber da ich keine Rückmeldung bekommen habe denke ich mal gibt es kein Interesse.

So wars das mit den Raumfahrt Büchern für längere Zeit, aber ich denke auch, das was mir wichtig ist habe ich beackert. Das sind Trägerraketen, vor allem europäische. Mein zweites Interessengebiet sind die Raumsonden. Doch über die gibt es ja noch viel mehr zu schrieben. Technik, Mission, Ergebnisse alleine auf meiner Webseite gibt es weitaus mehr über Raumsonden als über Trägerraketen. Eine Kopie der Website, nur eben besser geschrieben will ich nicht machen und noch mehr zu recherchieren ist mir zu aufwendig. So bleibt es dabei. Das wesentlichste ist für mich - wie bei allen Büchern - der eigene Antrieb. Reich wird man mit keinem. "Verkaufsschlager" verkaufen sich vielleicht 300 mal im Jahr, Raumfahrtbücher deutlich schlechter. Ich mache es weil ich mit jedem Buch mich auch in etwas einarbeiten muss und mein Wissen erweitere, auch wenn ich vieles dann wieder vergesse, das habe ich gerade wieder beim Durchlesen des Buchs gemerkt - aber ich kann ja wieder darin nachschlagen...

Wie immer: wer eines online gekauft hat möge bitte eine ehrliche Kritik verfassen. Ich denke ich muss mich nicht vor Kritiken fürchten.

14.2.2016: Am deutschen Raketenwesen ...

... kann die Welt genesen. Ja Kaiser Wilhelm hatte schon recht. Ohne uns Deutschen würden die Russen immer noch an Katjuschas basteln, die Amis wären auch in 50 Jahren noch nicht auf dem Mond gelandet und Inder und Chinesen hätten nichts zum Kopieren. Auf den Blogbeitrag kam ich schon vor einigen Wochen, als ich die Einleitung über die Trägerentwicklung bei den internationalen Trägerraketen geschrieben habe. In der Tat stehen hinter den meisten ersten Trägern vieler Staaten Deutsche. Hier mal eine kurze Rekapitulation.

Zu Ende des zweiten Weltkriegs fahndeten beide Siegermächte nach den Schöpfern der A-4. Nicht nur die USA, sondern auch die UdSSR boten denjenigen die sich ihnen stellten hohe Belohnungen. Wie bekannt landeten die meisten bei den USA. Die Entwickler wurden vor Ende des Krieges nach Bayern gebracht wo der Krieg von der Alpen Festung aus weitergehen sollte. Von Braun stellte sich aktiv den Amerikanern, die auch zuerst im Mittelbau Dora ankamen und dort demontierten was nur brauchbar war. Etwa 100 A-4 waren fertig oder fast fertiggestellt die wurden dann in die USA verschifft, den Mittelbau Dora lag in Thüringen und damit in der russischen Besatzungszone. Bevor man die den Sowjets übergab, verschiffte man alles in die USA was man Geheimwaffen oder Waffenentwicklungen fand. Es gab dann noch, als sich die Besatzungsmächte nach dem Krieg noch verstanden zu Starts der A-4 durch die Siegermächte von Deutschland aus. Bei einem war auch Koroljow dabei.

In den USA wurden die deutschen in Fort Blizz erst mal kaltgestellt. Sie dürften alte A-4 aus starten und weihten damit auch Cape Canaveral ein. Sie wurden als Höhenforschungsraketen eingesetzt und später durch kleine US-Raketen ergänzt und zweistufig. Sie lieferten die Erkenntnis, das die Sonne die stärkste Röntgenquelle im All ist und lieferten den ersten Film der Erde aus dem All. Verwendung hatte die Regierung für das Fachwissen erst, als die Russen 1949 ihre eigene Atombombe testeten und der Koreakrieg entbrannte. Nun schienen Raketen doch eine tolle Sache zu sein. Wernher von Braun bekam den Auftrag für eine Mittelstreckenrakete die eine Wasserstoffbombe transportieren konnte, die man auch gerade entwickelte und bei der wegen der Sprengkraft die noch mangelnde Treffgenauigkeit nicht so wichtig war. Die Redstone war eine Weiterentwicklung der A-4. das Triebwerk A-6/A-7 war eine verbesserte Version des letzten A-4 Triebwerks vor Kriegsende, wie man auch am Namen sieht. Die Redstone wurde später benutzt um den ersten US-Amerikaner ins All zu schicken und sie war die erste wiederverwendbare Rakete.

Danach wurde die Redstone weiterentwickelt. Mit einer neuen Treibstoffkombination stieg der Schub und der spezifische Impuls an. Die größere Version, "Jupiter C" wurde mit kleinen US-Raketen ausgestattet und zum Test der Materialien für Wiedereintrittsköpfe der Atlas ICBM genutzt. Damit sie ja keinen Orbit erreichte, musste Ballast mitgeführt werden, denn die USA wollten unbedingt mit einem zivilen Satelliten den Orbit erreichen. Leider hatte  die von den Amis selbst entwickelte Vanguard beim ersten Start einen kapitalen Fehlstart und explodierte auf der Startrame. Mit der deutschen Redstone wäre so was nicht passiert...

Eerst danach durfte von Braun Explorer 1 starten. Eine Jupiter-C (in Juno umbenannt) transportierte so auch den ersten US-Satelliten in den Orbit. Von Braun hatte inzwischen auch eine zweite Rakete entwickelt die Jupiter. Auch sie wurde für das Raumfahrtprogramm wichtig und es wiederholte sich die Geschichte. Erst wollte die USAF mit einer Thor den Mond erreichen. Drei Versuche - drei Fehlstarts. Erst danach durfte die Jupiter ran, die im zweite Anlauf erfolgreich war. Schon vorher hatten aber auch hier die Russen die Amis geschlagen. Selbst schuld wenn ihr immer alles selbst machen wollt und nicht könnt ... Wie heißt es so schon in "Eins zwei Drei": "Sowjetische Raketen - schttt zur Venus! Amerikanische Raketen fft-fft Miami Beach!"

Danach bekam von Braun den Auftrag die Saturn zu entwickeln. Zuerst die Saturn 1 die als kleine Version erprobt wurde. Sie testete einige neue Techniken wie die Bündelung vieler Triebwerke und erlaubte die IU und letzte Stufe der Saturn V zu testen. Ab 1967 wurde die Saturn V erprobt. Sie brachte die Astronauten zum Mond - rechtzeitig und mit 100% Zuverlässigkeit. Daneben startete sie auch die für 25 Jahre größte Raumstation Skylab. Die Triebwerke H-1, die für die Saturn I entwickelt wurden dann als RS-72 auf der Delta eingesetzt. 2017 wird die letzte Delta 2 starten - ich glaube nicht mal Wernher von Braun hätte geglaubt, dass ein von ihm entwickeltes Triebwerk über 50 Jahre ohne größere Veränderungen eingesetzt wird. Übrigens in der ganzen Zeit ohne einen einzigen Ausfall beim H-1/RS-72.

Russland bekam nicht die Führungsspitze, aber einer der Chefentwickler, der Triebwerksspezialist Hellmuth Göttrop ging zu den Russen. Die Russen glichen das aus, indem sie jeden nach Russland deportierten der eine Ahnung von einem Teil der Rakete hatte. Die Amis übernahmen etwa 100 Entwickler - Russland 3500. Sie machten dort das gleiche wie ihre US-Kollegen: Die A-4 nachbauen die Russland als R-1 sogar ins Arsenal übernahm. Auch der weitere Weg verlief ähnlich. Die A-4 wurde nach und nach verbessert. allerdings waren in Russland die Deutschen nicht verantwortlich. Sie durften Pläne machen, wurden bei Detailproblemen konsultiert. Russland verstand es besser das Wissen abzuschöpfen und entlies nach und nach die Deutschen wieder. Was nicht heißt, das die R-7 so russisch ist. Jede Brennkammer hat den Schub einer A-4, nur eben 20 Stück davon,  der Gasgenerator verwendet wie die A-4 Kaliumpermanganat und Wasserstoffperoxyd um Gas zu erzeugen, die Brennkammerwand ist doppelwandig wie bei der A-4 und das ganze Konzept der Bündelrakete hatte Hellmuth Göttop schon 1952 entwickelt. Koroljow musste nur umsetzen was andere schon längst ausgearbeitet hatten.

Viele Führungspersönlichkeiten blieben für Frankreich und England nicht übrig. Doch immerhin ein Fachmann, Karl Heinz Bringer wechselte mit 30 Mitarbeitern von Peenemünde zu den Franzosen. Bringer hatte während des Krieges auch an Raketen gearbeitet doch er hatte Lösungen patentiert die nirgendwo eingesetzt wurden: Ein Gasgenerator der Wasser einsetzte um das Gas zu kühlen und eine radiale Einspritzung in die Brennkammer, anstatt oben. Logischerweise finden wir das dann auch in allen Raketen Frankreichs bis in die Neunziger Jahre. Die erste war die Veronique, eine verkleinerte "Wasserfall" Flugabwehrrakete. Es folgte der Hauptantrieb für die Diamant (Emeraude Stufe), die zweite Stufe der Europa (Coralie) und die Viking Triebwerke der Ariane 1-4. Alle haben eine radiale Einspritzung und führen Wasser mit, das in den Gasgenerator injiziert wird. Die Ariane 4 über 2,7 t Wasser. Das Prinzip der radialen Einspritzung nutzte dann auch die OTRAG, die jedoch keine Rakete bis in den Orbit schaffte, doch jetzt wird auf der Technologie von Interorbital ein Träger entwickelt.

England grabschte sich dagegen die Entwickler des Walther Antriebs, eines Raketenantriebs der die Me-163 und Bachem Natter antrieb. Was machten die Deutschen in England? Dreimal dürft ihr raten. Der Walter Antrieb arbeitete mit Wasserstoffperoxid als Oxydator und einem Gemisch von Aminen als Brennstoff. Die britische Black Knight und Black Arrow die den ersten britischen Satelliten ins All brachte hatte rein zufälligerweise genau dieselbe Treibstoffkombination. Und es ist die einzige Rakete die Wasserstoffperoxyd als Oxydator nutzte.

Gab es ein Land das es ohne Deutsche schaffte? Schwer wird die Suche. Australien nutze eine Redstone für Wresat. China bekam die ersten Raketen von Russland, wahrscheinlich veraltete Exemplare auf Basis der A-4 Technologie. Qian Xuesen, der chinesische Chefentwickler war bei den US-Verhören von von Braun dabei und im frühen Weltraumprogramm involviert und wechselte erst zum Ende des Koreakrieges nach Chiba wo er das Wissen der Deutschen umsetzte. Indiens Vikas sind durch Industriespionage nachgebaute Vikings von Karl Heinz Bringer und die Scud, aus denen die Taepodong, Unha, Safir und Simorgh entstanden, ist ein direkter A-4 Nachkömmling. Man muss sich bei Norbert Brügge nur mal die Triebwerke dieser Raketen ansehen und mit einer Abbildung des Triebwerks der A-4 vergleichen.

Einzig Japan scheint seine Feststofftriebwerke allein entwickelt zu haben, dafür haben sie bei den Flüssigraketen Nachhilfe von den Amis bekommen. Die setzten aber das Triebwerk H-1 von von Braun ein.

Die letzte Firma die die A-4 Technologie einsetzte istm wie wenig bekannt istm SpaceX. Da wir so viel für die Weltraumfahrt getan haben, können wir uns heute ausruhen. Deutschland hat keine Rakete entwickelt, nur zweimal eine komplette Stufe für die Europa und Ariane 5G. Heute kann die deutsche Raumfahrtindustrie Boosterhülsen aus Stahl fertigen, Tankdome oder Strukturteile, auch kleine Stufen mit schubschwachen Triebwerken - sofern sie lagerfähige Treibstoffe verwenden und sie kann die Stufen mit dem schlechtesten Voll/Leermasseverhältnis weltweit entwickeln. Kein Wunder - alle Experten sind ins Ausland abgewandert und was gutes ist nicht nachgekommen. Heute ist man in Deutschland schon Raumfahrtexperte wenn man meine Webseite zusammenfasst und mit eigenen Fehler versehen als eigenes Buch veröffentlicht, wie der Plagiator.


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