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Web Log Teil 457: 14.4.2016 - 21.4.2017

14.4.2016: Zucker und die Zuckersteuer

Ein sehr beliebtes Thema in den Medien ist der Zucker, vor allem der versteckte Zucker. Zucker gilt als Inbegriff der "leeren Kalorie". Darunter versteht man einen Nährstoff oder ein Nahrungsmittel, welches Energie liefert, (Kalorie) aber keinerlei Bestandteile, die der Körper zum Aufbau von Gewebe braucht oder einfach nur laufend essenziell zu sich nehmen muss "Leer". Ich lasse Mal mein Lieblingsthema weg, dass man eine (noch dazu nicht mehr gesetzliche) Einheit mit der Messgröße verwechselt, und konzentriere mich auf den Zucker.

Ernährungsphysiologisch ist es ganz einfach: Zucker ist nicht essenziell, auch wenn Glucose als Energielieferant im Blut zirkuliert und das Gehirn nur auf Glucose als Nährstofflieferant angewiesen ist. Die Glucose kann aus anderen Kohlenhydraten wie Stärke gebildet werden, notfalls auch aus Eiweiß. Die DGE empfiehlt daher den Zuckerkonsum zu reduzieren, maximal 65 g sind nach der DGE erlaubt. Die Menge wurde nicht irgendwie berechnet, sondern entspricht der Menge an Einfach- und Doppelzuckern, die natürlicherweise in den Nahrungsmitteln vorhanden sind, wenn sie nicht verarbeitet wurden oder Zucker zugesetzt wurde, also Fruchtzucker in Obst, Milchzucker in Milchprodukten. Das entspricht dem Idealbild „kein zugesetzter Zucker“.

Die GDA-Empfehlungen, die Grundlage für die Prozentangaben auf den Fertigverpackungen sind, liegen deutlich höher bei 90 g Zucker/Tag und gelten als "industriefreundlicher". 90 g entspricht bei dieser Energiemenge von 8400 kJ/Tag schon 18,4% der Gesamtenergiemenge oder ein Drittel der Kohlenhydratmenge. Das entspricht auch nicht zufälligerweise dem aktuellen Zuckerverbrauch in Deutschland von 31,3 kg/Jahr also 85,7 g/Tag, obwohl die Richtlinie aus den USA stammt. Er ist übrigens gesunken und lag 2005/6 noch bei 35,9 kg. Allerdings denke ich ist diese Angabe des Statistischen Bundesamtes der zugesetzte Zucker, man muss also den noch in Früchten und Milch enthaltenen hinzuaddieren.

Für mich war das Lange Zeit ein von den Medien gerne aufgegriffenes und bedingt auch gepushtes Thema. Die Berichterstattung ist immer die gleiche: Es gibt überall Zucker, der Verbraucher weiß das nicht und wird von der Industrie getäuscht, zum Beispiel indem sie nicht Zucker zusetzt, sondern ein Gemisch vieler süßender Substanzen. Das sind vor allem Starkspaltprodukte, die süß schmecken wie Glucosesirup, Glucose-Fructosesirup, Fructosesirup, Maltose etc. Zumal ist mein persönlicher Verbrauch an reinem Haushaltszucker gering: Letztes Jahr waren es 4 kg, also 12 g pro Tag. Ich brauche ihn eigentlich nur für die Herstellung von Marmelade und fürs Backen. Ich könnte noch etwas sparen, wenn ich Gelierzucker nehme, aber da ich alleine bin und weil ich Vielfalt mag, immer zwei Marmeladengläser parallel offen sind nehme ich normalen Zucker, weil dadurch die Marmelade länger hält, auch wenn sie offen ist. So dachte ich tangiert mich das Thema nur peripher.

In der letzten Zeit hat sich das geändert. Ich habe wie viele meiner Berufskollegen die Angewohnheit, wenn mir langweilig ist oder man am Tisch auf etwas wartet, die Zutatenverzeichnisse zu lesen. Da stellte ich fest, dass die Roten Beeten im Glas mit Zucker versetzt sind. Natürlich sind sie süß, doch ich ging davon aus, weil die Einlegeflüssigkeit ja nicht verwendet wird, dass man wie bei Essiggurken dafür Süßstoffe nimmt. Süßstoffe sind auch billiger als Zucker und in der dort eingesetzten Konzentration hat Zucker auch keine weiteren technologischen Eigenschaften wie, dass er konservierend wirkt. Er ist also einfach durch Süßstoff zu ersetzen. Die Auswirkung ist enorm: Ein Glas Rote Beete enthält 520 g Rote Beete mit 15,3% Zucker, die 318 kJ/100 g haben. 82% der Energie steckt nur im zugesetzten Zucker. Macht man die Rote Beete an und rechnet noch 20 g Öl hinzu, so ist man bei 2431 kJ - das ist fast eine Hauptmahlzeit. So schaute ich mich im heimischen Regal um und siehe da - auch der "Genießerrotkohl" hat den Namen wohl vor allem von 11,8% zugesetztem Zucker.

Die Erkenntnis ist nicht neu: Zucker verbessert den Geschmack nicht nur von süßen Dingen, sondern auch herzhaften wie Soßen. Balsamico Essig lebt vor allem durch die Versetzung mit Traubenmostkonzentrat. Die Frage, die sich mir stellt, ist, warum überall Zucker zugesetzt wird. Wenn es nur die Funktion als Süßungsmittel ist, dann wären Süßstoffe eine gute Alternative. Sie sind weitestgehend energiefrei und haben in Limos ja schon einen Siegeszug gehabt. Damit könnte man den Zucker in Würzen oder obigen Gemüseprodukten ersetzen, aber auch in Essig. Schwerer wird es, wo andere Eigenschaften genutzt werden, vor allem das Wasserbindungsvermögen, so in Ketchup, Soßen, Eis oder Desserts. Hier kann man mit einem Verdickungsmittel das Wasser binden. Trotzdem gibt es fast keine Joghurts mit Süßstoff oder Eis mit Süßstoff. Der Grund ist für mich der, dass Zusatzstoffe und das sind, alle Süßstoffe und Verdickungsmittel einen schlechten Ruf haben und viele Verbraucher sie per Se ablehnen, oder zumindest skeptisch werden, auch weil sie als chemischer Namen oder unbekannte Bezeichnung im Zutatenverzeichnis auftauchen. Da klingt Zucker doch viel besser. Dabei sind z.B. im Eis meistens eh schon 3-4 Dickungsmittel drin, man könnte also leicht den Zucker durch Süßstoff ersetzen und einfach mehr Dickungsmittel zusetzen.

Nun will die Politik darauf reagieren mit einer Zuckersteuer. So ganz dafür begeistern kann ich mich nicht. Es ist ein typisches Politikvorgehen. Wenn man was bewegen will, dann durch Verbote, Steuern oder Warnhinweisen. Ich glaube, dass die Industrie sogar gerne in vielen Produkten weggehen würde vom Zucker, denn Süßstoffe sind billiger und so ist die Verdienstspanne höher. Das Problem für die Industrie ist nicht, dass es keine Alternativen gibt, sondern der schlechte Leumund der Alternativen. Zusatzstoffe und chemische Bezeichnungen haben eben einen schlechten Ruf. Da würde es helfen, wenn man eine standardisierte Ersatzmischung unter einem Eigennamen vermarkten könnte, z.B. eine Mischung aus einem Dickungsmittel und einem Süßstoff wie Guarkernmehl/Aspartam oder Johannisbrotkernmehl/Saccharin/Zyklamat. Ein Name könnte z. B. "Freesweet" sein. So was ist ja nicht neu. Als "Nutrasweet" wurde ja mal Aspartam auf den Markt gebracht. Da im Zutatenverzeichnis aber der Wirkstoff steht, wird man dort diese Bezeichnung nicht finden, höchstens vorne auf dem Etikett. Solange die Verbraucher nicht wissen, dass Süßstoffe ungefährlicher als Zucker sind und die meisten Dickungsmittel natürliche Pfanzeninhaltstoffe sind, wird das allerdings nur ein Wunschtraum bleiben.

Eventuell könnte hier tatsächlich die Ampel etwas bringen. Ich halte im Allgemeinen nichts von diesem System, weil es für alle Nahrungsmittel gilt und diese wegen der unterschiedlichen Zusammensetzung so über einen Kamm schert und oft falsch beurteilt, auch natürliche Lebensmittel, die mehr Fett enthalten oder energiereicher sind. Aber die Ampelkennzeichnung scheint Hersteller wirklich dazu zu bewegen ihre Rezepturen zu verändern, damit sie die rote Ampel vermeiden können.

Immerhin eines hat sich schon bewegt. Wenn man mit "zuckerreduziert" wirbt, muss man nach der EU-Health Claims Verordnung alle süß schmeckenden Mono- und Disaccharide als Zucker zählen. Früher konnten Hersteller einfach den Zucker durch Glucosesirup ersetzen, der ja umgangssprachlich kein Zucker ist und so den Käufer hinters Licht führen. Der Trick so den Zuckergehalt zu verschleiern wird zwar immer noch betrieben, aber spätestens wenn man in die Nährwertkennzeichnung schaut, sieht man wieder den Zucker.

Mein Resümee: Balsamico Essig habe ich durch Essig + Süßstoff ersetzt. Die Rote Beete lege ich erst mal einige Stunden in Wasser ein um ein den Zucker zu reduzieren und anstatt "Genießerrotkohl" kaufe ich nun normalen Rotkohl und setze Süßstoff zu.

15.4.2016: Sollte man Bargeld abschaffen?

So ähnlich war der Titel eines Beitrags der "Wissenschaftsdoku" von 3SAT. Er beginnt damit, dass man in Schweden in den letzten Jahren immer mehr bargeldlosen Zahlungsverkehr eingeführt hat, weil man die Zahl der Banküberfälle reduzieren wollte. Geldautomaten wurden abgeschafft, man kann dort selbst Kleinigkeiten wie eine Zeitung mit Kreditkarte oder Smartphone App zahlen, selbst Bettler haben nun ein Kartenlesegerät (für den Verkauf der Obdachlosenzeitung).

Warum sollte man das Bargeld abschaffen? Nun der Beitrag liefert gleich am Anfang eine Antwort: es ist viel zu viel Bargeld im Umlauf, mehr als normalerweise für das Zahlen im Alltag benötigt wird. Pro EU-Bürger etwa 3.500 Euro, pro US-Amerikaner sogar 5.000 Dollar. So viel Bargeld haben die meisten nicht zuhause oder im Portemonnaie.  Die Antwort nach den Experten in der Sendung ist einfach: Das ganze Geld steckt in illegalen Geschäften. Kriminelle lieben Bargeld, weil Konten überwacht werden können, Bargeld nicht. Es wird das Bild eines mexikanischen Drogenbosses gezeigt, der einen ganzen Raum voller Dollarscheine hat. Neben "richtig" kriminellen Geschäften wie Drogenhandel, Hellerei, illegalen Waffengeschäften, Menschenhandel etc. ist dann noch der zweite Aspekt der Schwarzarbeit. Auch diese arbeitet natürlich vor allem mit Bargeld, weil sonst bei einer Steuerprüfung der Handwerker erklären müsste, warum diese oder jene Zahlungen nicht in der Steuererklärung auftauchen. Das sollen in Deutschland alleine 370 Milliarden Euro sein, was dann schon, wenn das auch dem Umlauf an Bargeld entspricht, einem Großteil der Fehlmenge entspricht. Die Umrechnung ist allerdings nicht einfach: Denn die Umlaufmenge ist ja nicht der Umsatz an Schwarzarbeit. Dazu müsste der Verdienst nicht ausgegeben werden. Prinzipiell kann der Umsatz an Schwarzarbeit um ein Vielfaches höher sein als die Bargeldmenge im Umlauf, wenn das eingenommene Geld nur gleich wieder ausgegeben wird, was ja meist der Fall ist. Es wird dann eben für Einkäufe oder Anschaffungen nichts vom Konto abgehoben.

Meiner Ansicht nach gibt es noch eine andere Erklärung, die von den Finanzexperten im weißen Anzug die von sich ausgehen nicht in den Sinn kommt: Es gibt viele alte Leute, die horten Bargeld. Immer wieder hört man, dass unter der Matratze riesige Summen gefunden werden, bei Betrügern sind Rentner aufgrund der hohen Summen im Haushalt sehr beliebt, mein Vater hatte immer mindestens 1.000 Mark in der Schreibtischschatulle. Ist auch eine Einstellungssache. Wenn mein Bruder für sich und mich Heizöl bestellt, wir machen das immer zusammen, weil mein Verbrauch relativ gering ist, mein Bruder aber Verwalter eines 6-Parteien-Hauses ist. Da bekam ich immer einen Umschlag mit mehreren Tausend Euro Bargeld, wenn er zu dem Termin nicht da war und ich ihn übernehmen musste.

Meine Position zum Abschaffen von Bargeld ist klar. Ich will es beibehalten. Wenn ich etwas bestelle, zahle ich gerne per Lastschrift, da sind auch Bestellen, Liefern und Zahlen entkoppelt. Doch beim täglichen Einkauf sehe ich nur Nachteile. Es dauert länger die Karte rauszukramen, Pin einzugeben und dann gibt es noch eine Pause, bis die Transaktion abgewickelt ist. Mit einer Smartphone-App geht es auch nicht schneller. Die Gefahr, dass wenn man in Eile ist, die Karte vergisst ist auch gegeben. Vielleicht nicht beim Discounter mit der großen Schlange, da fällt das spätestens beim nächsten Kunden auf, doch beim kleinen Laden, wo man der Einzige im Laden ist und vielleicht abgelenkt, weil man gleich den Artikel in der neu gekauften Zeitschrift lesen will? Wer nur eine Karte hat, wäre dann auch ziemlich aufgeschmissen, bis er die Karte als verloren gemeldet hat und eine neue  bekommen hat. Das dauert dann Tage und solange kann man ohne bargeld nichts kaufen.

Für mich der Grund, warum ich nicht so gerne mit Karte bezahle, ist aber die Übersicht. Sonst würden in meinem Kontoauszug enorm viele Abrechnungen von Käufen auftauchen, die man kontrollieren muss und die von den anderen Abbuchungen ablenken. Zuletzt kann ich bei Bargeld immer kontrollieren, wie viel ich ausgegeben habe. Ich hebe zu Monatsanfang einen Betrag ab, und wenn der vor Monatsende aufgebraucht ist, gehe ich in Gedanken noch mal, durch was ich diesen Monat Teures gekauft habe.

Erschreckt hat mich aber, was Banker der Notenbanken machen wollen, wenn man mal das Bargeld abschafft: Sie wollen einen negativen Zins einführen. Die EZB hat einen von 2-3 Prozent, die US-Notenbank sogar einen von 4-5% errechnet der der ideal wäre, die Wirtschaft zu stimulieren. Derzeit geht das nicht, weil jeder sein Geld vom Konto als Bargeld abheben könnte. Die Idee dahinter: Wenn es negativen Zins gibt, man also für einen Kontostand Zinsen zahlen muss, geben die Leute ihr Geld aus, die Wirtschaft wird angekurbelt. Die Idee steckt ja schon hinter der Nullzinspolitik, die wir heute haben.

Das ist so ein typischer Fall, wo ich mich frage, ob fehlendes logisches Denken eine er Grundvoraussetzungen für das Studium von Wirtschaftswissenschaftlern und Bankern ist. Das sehe ich auch an anderen Gebieten wie der Chartgläubigkeit, als gäbe es Naturgesetze hinter diesen Zahlen und Grafiken. Wenn die Leute ihr über Jahre gespartes Geld jetzt ausgeben und nichts mehr sparen (und das auch in Zukunft tun) dann mag die Wirtschaft eine Zeit lang florieren, bis die Ersparnisse aufgebraucht sind, dann gerät sie wieder auf das Normalniveau, wo man nur so viel ausgeben kann, wie man einnimmt. Doch die Folgen kommen dann, wenn die Leute arbeitslos werden, oder in Rente gehen. Dann sind keine Rücklagen mehr da. Das Rentenniveau sinkt immer weiter und immer mehr Personen werden als Rentner verarmen oder auf staatliche Zuschüsse angewiesen sein. Wenn nun diejenigen, die noch Rücklagen haben, diese verpulvern, so wird das verheerend. Das ist typisch Banker: Hauptsache die Wirtschaft läuft kurzfristig, die langfristigen Folgen kann dann der Staat berappen. Doch dann sollte man weiter denken: Der Staat muss die Renten finanzieren, dann wird er bei immer mehr Zuzahlungen die Steuern erhöhen und das bremst ja (angeblich) auch die Wirtschaft.

Zugegeben: Nicht alles wird in den Konsum fließen. Man wird nach anderen Anlagemöglichkeiten suchen. So wie derzeit im Aktienmarkt und Immobilienmarkt. Zumindest Letzteres wird dazu führen dass Wohnen immer unbezahlbarer wird, weil dann die Immobilienpreise steigen. Auch das ist sicher nicht gewünscht und treibt noch mehr Menschen in die Armut. Auch Gold, Diamanten, Kunstwerke oder ähnliche Wertanlagen werden noch teurer als heute werden.

Ich dachte kurzfristig, ob das wenigstens die Folge hätte, dass die Superreichen weniger werden, aber die sind ja nicht so reich, weil sie viel Geld auf der Bank haben, sondern das meiste ist angelegt in Unternehmensbeteiligungen oder Immobilien. Vielmehr wird die Mittelschicht die sich ja von den Armen auch durch Ersparnisse unterscheidet noch kleiner werden und es wird vielleicht nur noch Reiche und Arme geben.

Schlimm ist aber das diese Idee nicht von der deutschen Bank kommt, sondern von den Notenbanken. Die sollten als staatliche Organe doch das Wohl des Staates oder der Allgemeinheit als Richtlinie haben und nicht ein kurzfristiges Wirtschaftswachstum. Man kann nur hoffen, dass es nie dazu kommt. Ich habe daran aber nach den Erfahrungen mit der Politik meine Zweifel.

16.4.2016: Nervige Werbung:  Olivenöl Gesichtspflege

Wer werktags das Vorabendprogramm von ARD ansieht, muss gegenüber Werbung abgehärtet sein. Es kommen vor allem Spots mit Medikamenten, sei es gegen Schmerzen oder um besser zu schlafen. Aber auch im Rest der Werbung dominieren Dinge für die Gesundheit (im weiteren Umfeld) wie Nahrungsergänzungsmittel oder hier um eine Pflegecreme.

Die Werbung ist mehr oder weniger immer nervig, was auch an dem Wiederholungsfaktor liegt, es kommen nämlich immer die gleichen Spots. Doch der Heutige ist besonders übel. Es ist der für die Olivenöl Gesichtspflege. Das ist eine Creme, die nur nach der Werbung vorwiegend über Apotheken vertrieben wird. Die Recherche im Netz zeigt aber auch das man sie bei Discountern bekommt.

Präsentiert wird sie aber in einer Apotheke. Der Spot nimmt einen Trend auf, der inzwischen en Voge ist (angeblich) gefragte "normale" Kunden. Fielmann macht das schon lange und da wirkt es auch einigermaßen echt. Man kann davon ausgehen, dass dies natürlich nicht zufällig aufgenommene Kunden sind, sondern entweder gestellt oder man hat Hunderte von Leuten vor die Kamera geholt und nur die besten in den Spot übernommen.

Doch der Spot für die Olivenöl-Creme, die es in verschiedenen Formen gibt, macht nicht mal den Versuch authentisch zu sein. Die "Kundinnen“ (Männer kaufen offensichtlich nicht die Creme) sind perfekt geschminkt, die Szene perfekt ausgeleuchtet. Im Hintergrund ist ein, manchmal mehrere Regal(e) nur mit dieser Creme zu sehen. Wer jemals in einer Apotheke war, weiß, wie unwahrscheinlich das ist. Selbst Renner unter den Medikamenten wie Voltaren oder Aspirin bekommen maximal eine Regalbreite. Bei einigen Spots sieht man dann auch noch vorne eine Reihe dieser Tigel ab und an auch noch ein Werbeplakat im Hintergrund.

Kurzum: Ziel verfehlt. Wenn man den Eindruck vermitteln wollte, dass man zufällige Kunden oder Verkäuferinnen fragt, dann ist das gründlich in die Hose gegangen. Eine Werbeaussage konnte ich bei der Recherche für den Blog schon aufklären: Es soll die meistverkaufte Creme in Apotheken sein. Nun ja Apotheken sind nicht die Hauptstelle, wo man Cremes kauft, sondern eher die Drogerie. Die Auswahl ist so klein und dort gibt es sicher keine No-Name-Produkte. Die Creme ist mit 8,50 bis 10,50 Euro relativ billig und dürfte sich alleine durch den Preis verkaufen.

Wer übrigens meint, dass nur, weil Olivenöl draufsteht, viel Olivenöl drin ist: Es findet sich erst an dritter Stelle im Zutatenverzeichnis nach Wasser und Harnstoff. Es ist also keine Fettcreme, sondern eine mit Wasser als Hauptbestandteil. Das zieht schneller ein, hält aber nicht so lange vor und man braucht auch so mehr der Creme. Harnstoff (in der Modebranche, damit niemand an Harn denkt als „Urea“ deklariert) ist zudem das billigste Mittel, mit dem man heute Feuchtigkeit in die Haut einbringen will. Die Menge ist aber begrenzt, sonst wirkt er hautreizend. Wenn er schon an zweiter Stelle steht, kann man davon ausgehen, dass nicht viel Olivenöl vorhanden ist.

Olivenöl klingt gut, aber für die Haut ist es eigentlich egal, von welcher Pflanze das Öl stammt, außer man ist allergisch gegen bestimmte Pflanzen. Viele, auch teure Marken, verwenden daher lieber Mineralölprodukte, da es dagegen keine Allergien gibt. Für den Hersteller von Vorteil ist, dass weniger essenzielle Fettsäuren vorhanden sind und daher  weniger Zusatzstoffe benötigt werden, um diese vor Oxidation zu schützen. Ob es kaltgepresstes Olivenöl ist, könnte man nur durch eine Analyse nachprüfen. Für die Haut, die ja keine Geschmackssensoren hat, wäre es unerheblich, man könnte sogar das billige Lanpanta-Öl, das ist der Abfall nach Abtrennung des Speiseöls, nehmen. Das wäre mit weniger oxidationsempfindlichen Stoffen und mehr freien Fettsäuren, die den pH-Wert absenken und weniger stark fettlöslich sind, besser geeignet. 

18.4.2016: Nachlese zur geglückten Bergung und Bigelow

Es wird mal wieder Zeit die Neuigkeiten von SpaceX aufzuarbeiten. Nun ist ja erstmals eine Landung auf Wasser gelungen. Das ist anders als die Landung auf Land auch der später beschrittene Weg, denn die meisten Starts der Firma gehen in den GTO und da würde eine Landung auf Land die Nutzlast stark absenken. Die Zukunft wird zeigen, ob es eine einmalige Sache war oder man nun den Prozess wirklich beherrscht. Mit Sicherheit ist die Landung auf dem Wasser schwieriger. Ich sehe das Problem nicht so sehr in der Landegenauigkeit (die Plattform oder das Drone Ship hat man ja immer getroffen) sondern im Wellengang. Die frühen Versuche mussten ja auch teilweise wegen zu hohen Wellengangs abgesagt werden. Das dürfte beim Wetter im Atlantik auch später noch eine operative Einschränkung sein.

Etwas verwundert hat mich, dass man die Wasserung anging. Ich vermute mal, man wollte die unbedingt erfolgreich durchführen, denn wenn ich die inoffiziellen Daten, über die Dragon nehme, müsste diese mit der Beladung weit von den 30% weniger Nutzlast bei einer Landung auf der Plattform am Cape entfernt sein, also würde man sie wohl eher dort landen, das spart auch Kosten für das Droneship und die Rückführung.

Was natürlich noch zu erbringen ist, sind zwei Dinge. Das eine wird man als Außenstehender bald feststellen können, das ist, ob es technisch klappt, also die gebogenen Stufen auch wieder eingesetzt werden können. Wie oft, das ist eine andere Frage. SpaceX will dieses Jahr eine Stufe erneut starten, langfristig will man 50 bis 60% aller Starts mit geborgenen Stufen durchführen. Der Rest hat dann zu große Nutzlast um eine Bergung zu ermöglichen und sie klappt vielleicht auch nicht immer.

Das Zweite ist der wirtschaftliche Aspekt, denn  man als Außenstehender kaum beurteilen kann, was ULA nicht davon abhielt, eine Berechnung zu machen, bei der ihr Konzept der Bergung nur des Triebwerksblocks deutlich besser dasteht. Abwarten und Teetrinken, das kommt mit Sicherheit erst nach 2020. Bis dahin kann sich noch viel tun und funktionieren muss auch das ULA-Konzept erst mal.

Immerhin gibt es einige Daten. Wie ich schon mal ausrechnete, spart die Bergung der ersten Stufe nur 30% des Preises, denn 30% will SpaceX bei einem Flug mit einer geborgenen Stufe abziehen. Auf der anderen Seite kostet es Nutzlast. 30% bei einer Bergung an Land und 15% bei einer Bergung auf dem Drone Ship, so Elon Musk bei einer Pressekonferenz. Angeblich sollen diese Zahlen ja schon in den Nutzlastangaben enthalten sein, dass bedeutet, die Bergung an Land wird es eigentlich nur bei LEO Flügen geben, da keine gebuchte Nutzlast auch nur annähernd die derzeitige Nutzlast erfordert (nicht mal die Dragon, die für eine Falcon 9 v1.0 mit 8 t Nutzlast konstruiert wurde) bei den GTO-Starts sind es dann nur 15%. Das würde auch die Diskrepanzen, die ich beim Versuch die Stufendaten zu rekonstruieren finde, erklären.

SpaceX hat nun folgende Optionen:

Es gibt aber auch andere Neuigkeiten. So hat SpaceX einen ihrer langjährigen Kunden verloren, langjährig in dem Sinne, dass die Firma ewig lang schon auf ihrer Liste steht. Ich bin mit der Wayback Machine zurückgegangen bis zum Februar 2007, dem ersten Snaphot von SpaceX Webseite. Schon da stand der Start von Bigelow auf dem Launchmanifest. Damals übrigens für das dritte Quartal 2010 angekündigt … Ja SpaceX Kunden müssen geduldig sein. Inzwischen sind es wohl nicht mehr so viele, denn von neuen Startabschlüssen hört man in den letzten Monaten wenig. Bigelow wollte bzw. will immer noch ihre Raumstation BA 330 starten, ein kleinere Ausgabe wird nun ja an der ISS erprobt und zwei unbemannte Starts von kleineren Prototypen gab es auch schon. Das Konzept ist zwar neu, aber relativ risikolos, es wurde von der NASA entwickelt, die es dann auf Kongressbeschluss nicht weiter verfolgen und an die Privatwirtschaft abgeben musste.

Bisher hatte Bigelow das Problem, das es zwar die Raumstation fertig hatte, aber selbst wenn sie gestartet ist, es keinen Zubringer gibt. Das soll sich nun wenn im nächsten und übernächsten Jahr die bemannte Dragon und der Starliners, so wurde die CST-100 nun umbenannt starten, ändern. Bigelow hat nun einen Startvertrag mit ULA unterschrieben, die für die BA-330 nun die Nutzlastverkleidung um 3 m verlängern. 2020 soll sie im Orbit sein. Wie ich schon schrieb: Die Falcon 9 kann nicht mehr verlängert werden, man musste sogar die Länge der Verkleidung leicht um 80 cm kürzen, weil die Oberstufe länger wurde. Die Atlas wird eine verlängerte Nutzlastverkleidung bekommen. Dies sei die einzige Startmöglichkeit gewesen, SpaceX schied wegen der zu kleinen Verkleidung aus - nicht ganz: die Ariane 5 hat eine noch größere, aber US-Firmen denken patriotischer als SES oder Airbus/Astrium, die zwar gerne Forderungen an die europäische Politik stellen und Gelder haben wollen, aber dann doch da den Start buchen, wo es am billigsten ist.

Bigelow strebt eine Kooperation mit der NASA an und ein Anbringen des Labors an der ISS. Sinnvoll, weil ich immer noch kein tragfähiges Geschäftsmodell sehe. Es ist ja nicht so, dass die ISS nicht für kommerzielle Services geöffnet ist. Das Problem ist aber, dass es zu wenig Interesse gibt. Derzeit sind nicht mal alle Racks in der ISS bestückt und genutzt. Kommerzielle Experimente innerhalb der Station gibt es fast keine. Etwas besser sieht es bei den Außenanlagen aus, da scheinen sich nun einige Firmen für Erderkundungsexperimente zu interessieren, trotz der ungeeigneten Umlaufbahn und der Umgebung die kaum Aufnahmen unter 1 Bogensekunde Auflösung (rund 2 m) erlaubt. Dafür spart man sich den kompletten Satellitenbus und einen Großteil der Startkosten ein. Für die Arbeit, in einem Labor wie Bigelow sie anstrebt, fehlt aber bei der ISS die Nachfrage. Noch problematischer ist es, wenn man eigene Flüge zu der Station bezahlen muss, die wiederum extra kosten und Versorgungsgüter für die Besatzung und Experimente braucht man auch noch. Eventuell wird man so Arbeitszeit der NASA-Astronauten anmieten oder (da Starliner und Dragon ja sieben Astronauten befördern können, die NASA aber nur vier pro Mission startet) fliegen die Bigelow-Astronauten als zahlende Passagiere mit.

Neben der Nachfrage hat Bigelow noch ein anderes Problem: die Nutzung. Die Technologie wurde entwickelt für kleine Module mit denen Astronauten zum Mars fliegen sollten und die möglichst wenig wiegen sollten. Die Leute sollten da nicht forschen. Durch die dehnbare Außenhülle ist es schwer, an der etwas zu befestigen. Auf den Abbildungen und bei der Beschreibung der Station geht Bigelow daher von einem zentralen Teil aus an dem die Racks mit Ausrüstung, Forschungseinrichtungen und allem anderen was man so braucht angebracht wird, analog der Raumstation. Dort sind vier Racks pro Längeneinheit an den Seiten und oben und unten angebracht, bei Bigelow an den vier Seiten des zentralen Tunnels. Der ganze Rest der Station ist leerer Raum. An der Außenseite kann man dann Ausrüstung anbringen, aber nichts was starr ist. Schön zum Rumschweben, doch wie man seit Skylab weiß, für Arbeit, wo man sich in der Schwerelosigkeit fixieren muss, eher ungünstig. Der kleine Tunnel in den derzeitigen Laboren ist da besser. Da kann ein Astronaut sich auf der gegenüberliegenden Seite abstützen, um bei einer Aktion nicht durch den Rückstoß wegzudriften (nach Newtons Actio = Reactio).

Meine Ansicht: ich glaube nicht an eine Zukunft der BA-330.

20.4.2015: Was fürs Auge

Heute will ich in dem Blog - Premiere - zwei Bücher vorstellen. Schließlich macht ja eine Süßwarenkette seit Jahren Werbung mit "Nimm 2". Kann ich auch. Nur heißt es bei mir nicht "Vitamine und Naschen", sondern "Lernen und Unterhalten". Leider kann ich nicht einfach Vitamine in an sich ungesunde Bonbons pumpen, sondern muss dafür zwei Bücher schreiben. Im Allgemeinen gilt: je unterhaltsamer ein Buch ist desto weniger Information enthält es.

Da erste Buch habe ich euch schon vor drei Wochen angekündigt, es dauerte bis jetzt, bis es auch bei Amazon gelistet ist, das geht sonst schneller. Mit der Fotosafari durchs Sonnensystem habe ich ein ganz neues Buch geschrieben. Eines das sich nicht an Technik interessierte Laien widmet und in denen die Technik im Vordergrund, was sich bei mir vor allem in vielen Tabellen niederschlägt. Es ist vielmehr eine Mischung aus Bildband und populärwissenschaftlicher Einführung ins Sonnensystem. Das soll auch der Titel andeuten. Das Buch besteht knapp zur Hälfte aus Bildseiten, die meisten (64) farbig und seitenfüllend, manche auch aus mehreren kleineren Abbildungen zusammengesetzt, wenn das Bildmaterial nicht für hohe Auflösung reichte. Schon das ist ein Unikum, denn bisher habe ich aus Kostengründen nur S/W Abbildungen genommen. Der Text, der dann hinter dem Bild kommt, beschriebt, was man sieht, bzw. nimmt das Bild als Aufhänger für eine Beschreibung des Himmelskörpers. An den Bildern habe ich auch das Buch aufgezogen. So gibt es auch ein Kapitel für Körper die zwar klein sind aber gut durch Raumsonden abgelichtet wurden wie die Saturnmonde oder Komet 67P "Tschuri".

Es ähnelt so vielen Büchern des Sonnensystems, aber mit einem anderen Schwerpunkt. Anstatt eine Einführung in die Planetologie zu machen und dabei meistens Schwerpunkte bei den Körpern, von denen man am meisten weiß, erhalten bei mir zwar Planeten auch mehr Platz, doch jeder Mond von dem man gute Aufnahmen hat, eben auch eine Seite - während er anderen Autoren vielleicht nur einige Sätze wert ist. So hat das Saturnsystem den größten Umfang - Cassini lichtete nicht nur Saturn und die Ringe sondern auch 10 Monde im Detail ab. Trotzdem denke ich vermittele ich noch einiges an Wissen.

Ich habe mir lange überlegt, ob ich ein solches Buch schreiben sollte. Lange Zeit war das Druckverfahren bei BOD einfach zu teuer. Farbdruck ist aber nun günstiger geworden und die Druckkosten sind insgesamt gesunken. Trotzdem war das, was ich gerne hätte - für einen Bildband wäre eine edle Hardcoverbindung das Beste - nicht finanzierbar. Ich entschloss mich für die zweitbeste Möglichkeit, ein Ringbuch. Das ist immer noch robuster als Paperback, hat einen dickeren Karton als Einband und man kann den Rücken nur schwer brechen. Wenig machte es im Preis aus, wenn ich dagegen Fotopapier verwende - ich entschied mich dann für schwere 200 g Fotobrillantpapier. Ein Wehmutstropfen bleibt: Ein Bildband hat normalerweise Großformat. Das ist bei BOD deutlich teurer. Ich habe mal bei Createspace nachgeschaut dort sind alle Formate gleich teuer und es gibt nur die Wahl zwischen Farbe und monochrom. Leider aber auch nur in Paperback. Da das einzige Buch, das ich bei Createspace veröffentlicht habe sich trotz extrem günstigem Preis verkauft war das keine Alternative für mich.

In der Summe bekommt man nun für 24,99 Euro 156 Seiten, davon 64 in Farbe und auf wirklich dickem Papier (so dick wie sonst ein 330 Seiten starkes Buch beim normalen Papier) und stabiler Heftung. Es ist ein Buch zu schmökern, anschauen und verschenken. Wenn es einigermaßen gut läuft, könnte ich mir mehr dieser Bücher vorstellen, weil der Arbeitsaufwand, der von der Textmenge und dem Rechercheaufwand abhängt, geringer ist. Bei diesem Buch waren es nur 2 Monate. Denkbar wäre noch eine Fotosafari durchs Universum (Bilder aus dem Weltraum) und von Erde, Mond, Mars, Jupiter und Saturn gibt es genügend gute Bilder, damit man für diese Planeten jeweils einen eigenen Band herausbringen könnte.

Zum zweiten Buch kann ich mich kurzfassen: Das kennt ihr schon, zumindest die wenigen, die das Buch gekauft haben. Mein umfangreichstes und bestes Buch zum Thema bemannte Raumfahrt, leider für ein Projekt das wenige interessiert aber zu dem es eben daher auch kaum, was gibt: Skylab. Da läuft am 11.5. der Vertrag aus. Ich habe es nun nochmals publiziert, aber nur das Vorwort geändert. Es gab in den letzten 5 Jahren kaum neue Erkenntnisse und ich fand das Buch schon vorher gut genug. Die Neuauflage hatte nur den Zweck, die inzwischen geringeren Druckpreise an den Leser weiterzugeben. So kostet es jetzt nur noch 25 anstatt 30 Euro. Ich rechne trotzdem nicht mit einem Run, denn wer wirklich an der Raumstation interessiert ist für den waren sicher die 5 Euro Unterschied kein Kaufhindernis. Das neue Buch hat die ISBN 9783842338531 und einen neuen Preis, aber denselben Einband und dieselbe Seitenzahl ich melde mich noch mal wenn es verfügbar ist.  Da das alte ab dem 11.5. nicht mehr lieferbar ist, wird es aber nur kurz eine Verwechslungsgefahr geben.

20.4.2015: Swing-By Berechnungen - Teil 2

Ich habe an meinem Programm für die Simulation von Bahnen weiter gearbeitet und will mit ein paar Grafiken einige Ergebnisse zeigen. Das erste ist der Mechanismus des Swing-Bys. Es gibt zwei Möglichkeiten:: Eine Sonde kann sich dem Planeten so nähern, dass der Schnittpunkt ihrer Bahn mit der des Planeten so liegt, das der Planet den Schnittpunkt schon passiert hat. Von der Sonne aus gesehen kommt sie "von hinten". Solche Bahnen addieren einen Teil der Bewegungsgeschwindigkeit des Planeten zur Sondengeschwindigkeit. Die Sonde wird schneller. Genau der andere Fall liegt vor, wenn die Sonde den Planeten passiert bevor er den Kreuzpunkt der Planetenbahn mit der Sondenbahn erreicht hat. Dann wird die Sonde abgebremst. Im Sonnensystem bedeutet eine Abbremsung bei einem der äußeren Planeten eine Verringerung des Perihels, eine Beschleunigung dagegen eine Erhöhung des Perihels. Bei Jupiter erreicht man dann bald Perihel die in Jupiters Entfernung von der Sonne liegen und Aphele die negativ werden - das sind Hyperbeln die aus dem Sonnensystem herausführen. Im inneren Sonnensystem liegt der Planet nahe des Perihels. Eine Abbremsung bedeutet daher eine Verringerung des Aphels - die Sonde kommt nicht mehr zur Erde zurück. Eine Beschleunigung dagegen eine Verringerung des Perihels. So kann die Venus eine Sonde zu Merkur weitersenden.

Periheldruchgang - Zielentfernung

Die Abbildung ist zugegebenermaßen etwa verwirrend. Da ich nur den Abstand als Länge des Vektors zwischen Planet und Sonde bestimme, nicht aber ob die Sonde vor oder nach dem Planeten ihn passiert ergibt sich eine U-förmige Kurve bei der einmal der Minimalabstand erreicht wird und sich die Sonde dann wieder nicht so stark dem Planeten nähert. Die blaue Kurve gibt das Perihel an. Ohne Veränderung liegt das bei 150 Millionen km. Die grüne Kurve gibt die Entfernung nach einer festen Simulationsdauer an. Zusammen machen die Kurven Sinn. Zuerst verändert Jupiter das Perihel kaum, er hebt es aber langsam an.  Bahnen verlaufen noch innerhalb Jupiters Bahn mit einem angehobenen Perihel. Das kann man z.B. nutzen um die Trojaner zu erreichen die bei Jupiter ihre Kreise ziehen. Dann kommt man in den Bereich wo man beschleunigt und die Periheldistanzen nehmen zu und erreichen die von Jupiters Bahn. Nach der Simulation befindet man sich dann auf einer hyperbolischen Bahn jenseits Jupiters. In dieser Simulation die 3 Jahre dauert wird teilweise Saturnentfernung (1430 Millionen km) überschritten.

Eine Besonderheit zeigt die zweite Abbildung. Das ist eine von Jupiter abbremste Bahn, bei der von der Sonne aus mit 40.220 m/s startet (15208 m/s von der Erdoberfläche aus).. Bei einer Annäherung auf 615.000 km über den Wolken bremst Jupiter die Sonde soweit ab, dass sie ein Perihel von 695.000 km hat. Da die Sonne einen Radius von 697.000 km hat wird sie Sonde auf die Sonne stürzen - das wäre wohl die ideale Bahn um Atommüll zu entsorgen. Nach 3 Jahren 175 Tagen ist die Sonde Geschichte. Solche Sonden waren mal geplant um die Korona zu durchfliegen. Die Hitzebelastung ist natürlich groß, doch die Sonde nähet sich der Sonde schnell. Von der Erdbahn bis zum Aufschlag dauert es nur 30 Tage. 6 Tage vor dem Aufschlag ist sie noch in 42,1 Millionen km Entfernung, eine Distanz die man bei den Heliossonden technisch beherrschte. Die Türkise und lila Kurve sind die Bahnen vor und nach dem Vorbeiflug, jedoch ohne korrekte Drehung im Raum, blau der Weg Jupiters während der Simulation die dreieinhalb Jahre dauerte.

Sturz in die Sonne

Eine Zweite Möglichkeit solcher Bahnen mit einem niedrigen Perihel ist Geschwindigkeit aufzunehmen. Das klingt zuerst komisch, doch eine Sonde die ihr Perihel in 1 Million km Entfernung, das Aphel in 778 Millionen km Entfernung hat, hat beim Durchlaufen des Perihels eine Geschwindigkeit von 515 km/s. Zündet man nun ein Triebwerk und addiert man 1 km/s so steigt die Geschwindigkeit in 778 Millionen km Entfernung, dem Aphel von 664 m/s auf 33201 m/s - die Sonde verlässt auf einer hyperbolischen bahn das Sonnensystem und zwar rasant.  Selbst im unendlichen dürften so noch 29,4 km/s übrig bleiben. Das erreicht man mit einem ähnlichen Manöver bei Jupiter nicht. In 218 Tagen ist die Sonde bei Jupiter. Im 19 Jahren 26 Tagen (+3 Jahre 175 Tage um zur Sonne zu gelangen) hat die Sonde 20,07 Milliarden km Entfernung erreicht - dort befindet sich heute Voyager 1, nur brauchte die dafür 38 Jahre.  Sie ist also fast doppelt so schnell unterwegs und wird auch doppelt so schnell weiter sich von der Sonne entfernen.

Will man ohne diesen Trick möglichst schnell ins äußere Sonnensystem gelangen z.B. wie New Horizons zu Pluto. So gibt es zwei Möglichkeiten: Die Passagedistanz zu minimieren oder die Geschwindigkeit beim Start zu erhöhen. New Horizons wählte den zweiten Weg und näherte sich Jupiter nicht sehr nahe. Bei New Horizons hatte das banktechnische Gründe. Es gibt alle drei Jahre ein Vorbeiflugfenster von Jupiter zu Pluto das etwa 3 Jahre Bestand hat. am Anfang des Startfensters muss Jupiter die Sonde stark umlenken, das macht eine nahe Passage und hohe Beschleunigung nötig. New Horizons kam gerade noch rechtzeitig zu Ende des Fensters, nun darf Jupiter die Sonde kaum noch umlenken, die Distanz muss groß sein. In der Summe dauert die Passage so fast 2 Jahre länger, aber nachdem man die Sonde erst entwickelte als man das Vorgänger Projekt PKE schon nach dessen Beginn einstellte, hatte man keine andere Wahl als das letzte Startfenster zu nutzen. 13 Monate früher gestartet hätte die gesamte Reise 8 Jahre gedauert anstatt 9,5 Jahre und man hätte von der erde aus mit kleinerer Startgeschwindigkeit starten können.

Geschwindigkeit - Reisezeit

Die dritte Abbildung zeigt zwei Kurven. Die Sonde passiert auf dieser Simulation Jupiter konstant in 200.000 km Entfernung, die Startgeschwindigkeit wird aber variiert. Die grüne Kurve gibt die Entfernung nach 10 Jahren Flugzeit an. Die blaue den absoluten Geschwindigkeitsgewinn. Variiert wurde die Startgeschwindigkeit von 38,6 bis 41,6 km/s. Das entspricht der minimalen Startgeschwindigkeit und einem Perihel ohne Vorbeiflug in 798 bis in 6587 Mill km Entfernung. Mit 38,6 km/s werden 10 Jahre nach dem Start 3036 Millionen km Entfernung erreicht (etwas über der Bahn von Uranus). Mit 3 km/s mehr sind es mit 6760 Millionen km Entfernung mehr als doppelt so viel. Doch die blaue Kurve zeigt: Der Geschwindigkeitsgewinn ist der gleiche, rund 11,5 km/s. Die große Differenz ergibt sich dadurch, dass ohne Sing-By die Sonde mit 38,6 km/s Startgeschwindigkeit bei Jupiter noch eine Geschwindigkeit von 7,8 km/s hat, mit 41,6 km/s dagegen 17,37 km/s. Die Sonde ist also bei Jupiter schon 10 km/s schneller unterwegs, zu denen dann noch die weiteren 11,5 km/s addiert werden. Immerhin: Zu Neptun in rund 4450 Millionen km Entfernung kann man bei 10 Jahren Gesamtreisezeit mit einer Geschwindigkeit von 39,5 km/s solar (14,72 km/s) kommen.


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