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Web Log Teil 465: 1.7.2016 - 14.7-2017

1.7.2017: Massenaussterben durch einen Gammablitz?

Bei der Nebenunterhaltung auf dem zweiten Monitor habe ich mir die Serie "Apokalypse Urzeit" heruntergeladen und angeschaut. Die Serie beschäftigt sich mit Massenausstreben zum Ende des Ordoviziums, Devon, Perm und der Kreide. Die Serie ist recht schlecht gemacht, mit grob auflösenden Grafiken aber dem Anspruch, dass man ganz genau weiß, wie sich Tiere damals verhalten haben und was passierte.

Eine Folge habe ich als Aufhänger für den heutigen Blog genommen: Tödliche Strahlen, die sich mit dem Aussterben am Ende des Ordoviziums beschäftigt. Obwohl in dem Film mehrmals gesagt wird "Aufgrund einer umstrittenen Theorie" wird genau diese Theorie im ganzen Film breitgetreten, inklusive der angeblichen Folgen. Fangen wir mal mit den Fakten an.
Zu Ende des Ordoviziums starben tatsächlich 85% der Arten aus. Damit ist es das zweitgrößte Massenaussterben nach dem Perm, wenn auch weitestgehend unbekannt.
Es gibt Gammstrahlenausbrüche, die sehr viel Energie freisetzen, diese sind durch Satellitenmessungen belegt.

Doch gehen wir ins Detail. Gammastrahlenblitze heißen so. Weil sie erstmals 1967 von den Vela-Überwachungssatelliten registriert wurden, die mit ihren Gammasensoren eigentlich Atomexplosionen registrieren sollten. Es handelt sich um hochenergetische Photonen mit Energien von 1 keV bis in den MeV Bereich. Das Maximum der Energie x Teilchenmenge liegt nach Satellitenmessungen bei 250 keV. Höherenergetische Teilchen werden seltener. Als kleine Faustregel: sichtbares Licht hat eine Energie von etwa 2-3 eV. ein einziges Photon eines GRB (Gamma Ray Burst) hat also 100.000-mal mehr Energie als sichtbares Licht.

Die Vermessung von Satelliten zeigt, dass die GRB gleichmäßig am Himmel verteilt sind. Das ist typisch für extragalaktische Ereignisse. Der Grund liegt darin, dass man GRB noch aus enormer Entfernung nachweisen kann. Der leuchtkräftigste war das Objekt GRB 080319B. Er war 7,5 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt, als er ausbrach. Damit ein Objekt aus dieser Entfernung noch nachweisbar ist, muss es enorm viel Energie freisetzen. GRB gehören zu den Objekten, die am meisten Energie freisetzen. Sie sind sogar energiereicher als Quasare - ein typischer GRB setzt 1045 W/s frei, 100.000-mal mehr als ein Quasar. Nach E=mc² entspricht dies wenn man Masse komplett in Energie umsetzen kann rund 1900 Erdmassen die in Energie umgesetzt werden und diese Masse jede Sekunde. Die meisten GRB dauern weniger als eine Minute.

Nach derzeitiger Erklärung stammen die GRB aus einer Hypernova, das ist, wenn ein extrem massereicher Stern von 100 bis 150 Sonnenmassen direkt zu einem schwarzen Loch kollabiert. Die Masse kann gar nicht so schnell in das schwarze Loch fallen und heizt sich auf und bildet eine Aggregationsschreibe. Bedingt durch die Verringerung des Radius von Millionen Kilometern des Sterns auf wenige Kilometer des schwarzen Loches wird die Rotation beschleunigt, es entsteht eine abgeplattete Scheibe und an der Aggregationsscheibe wird durch die zusammengepresste fusionierende Materie Strahlung nur entlang einer Achse freigesetzt. Wir sehen daher nur die GRB, deren Blitze auf uns gerichtet sind. Die extragalaktische Natur der meisten GRB hat ihre Ursache, dass sie extrem selten sind. Eine Hypernova bildet sich nur bei den massereichsten Sternen. Diese sind extrem selten und so sehen wir nur Ereignisse in anderen Galaxien. In unserer Galaxie gibt es eine Supernova nur alle 100 Jahre, eine Hypernova ist noch seltener. Vor allem gibt es große Unsicherheiten, wie oft diese überschweren Sterne vorkommen. Sie hängen eng mit dem Gehalt an höheren Elementen, die in der Galaxis vorkommen ab.

Doch selbst ein GRB muss sehr nahe an der Erde vorkommen, damit er uns beeinflussen kann. Nach einer Studie weniger als 3000 Lichtjahre. Dabei ermittelte die Studie aber auch das das Vorkommen eines GRB bei unserer Galaxie kleiner als 0,15% ist. Es gibt etwa 100 Milliarden Galaxien, aber nur alle paar Jahre wird ein GRB detektiert, das vermittelt schon einen Eindruck das die Abschätzung in die richtige Richtung ist. Unsere Galaxie hat einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahre. Ein Radius von 3000 Lichtjahre ist davon nur ein Bruchteil: wäre sie flach so besteht eine Chance von 0,54% das der Ausbruch in weniger als 3000 Lichtjahren Entfernung stattfindet. Multipliziert mit der Chance von 0,15% für einen GRB wird es noch weniger und das bezieht sich auf die ganze Geschichte unserer Galaxie, nicht nur die letzten 450 Millionen Jahre. Unsere Galaxie wird wie die meisten anderen mindestens 10 Milliarden Jahre alt sein. Kurzum: das muss doch sehr viel Zufall sein das es gerade ein GRB während des Ordoviziums ausbrach.

Die Abschätzung ist aber sehr subjektiv, eine andere Studie kommt auf ein Ereignis alle 170 Millionen Jahre, allerdings in der ganzen Galaxie. Bei einem Radius von rund 50.000 Lichtjahren und maximal 6.000 Lichtjahren Abstand bedeutet das aber das ein Blitz in unserer Nähe nur alle 9,5 Milliarden Jahre Auftritt.

Wie sieht es nun mit den biologischen Folgen aus? Eine Studie hat das untersucht und sie hat zwei GRB mit einer Emission von 5 x 1044 Watt, einer Blitzdauer von 10 s und Distanzen von 2282 und 6520 Lichtjahren modelliert (die krummen Zahlen kommen daher, dass Astronomen gerne mit Parsec = 3,26 Lichtjahren rechnen). Ein GRB emittiert dann, wenn er auf uns zeigt, 10 kW/m² bzw. 80 kW/m² an Leistung. Die Energie selbst ist nicht das Problem - bei Nacht bekommt man von der Sonne 0 kW, und wenn die Sonne 7 Sekunden lang scheint, sind es auch schon 10 kW. Die Energie wird ja  nur einmal und nicht dauernd transferiert.

Ein Trugschluss ist es zu glauben, dass nun die Erde mit Gammastrahlen überschwemmt wird. Die Atmosphäre schützt uns und sie tat es auch im Ordovizium. Würde man die Atmosphäre kondensieren so entspricht sie einer 10 m dicken Wasserschicht (was die Masse angeht) und eine solche Schicht schirmt vor Gammastrahlen ab, das macht man sich bei Kernreaktoren zunutze, wo die Brennelemente ja auch unter Wasser liegen und die Gammastrahlen werden durch das Wasser abgeschirmt. Was passiert ist, dass jedes Gammaquant mit etlichen Atmosphärenmolekülen zusammenstößt und jedes Mal Energie verliert. Anfangs ist es so energiereich, dass die Energie, die übertragen wird, nicht nur das Molekül beschleunigt, es reicht aus, es zu ionisieren oder ein Radikal zu bilden. Erst wenn die Energie auf unter 35 eV (von 1000 eV bis 1.000.000 eV) abgesunken ist reicht die Energie nicht mehr zur Ionisation aus. Der Effekt ist jedoch ohne dauernden Fluss nur temporär: Die Ionen und Elektronen oder die Atome finden wieder zusammen. Auf der Erde kommen noch UV-B Strahlen (280 bis 320 nm Wellenlänge) an. Beim fernern GRB sind das noch 20 W/m², etwa 5-mal mehr als bei einem sonnigen Tag. Das wird ohne Effekt eingestuft. Dagegen sind es beim näheren GRB 160 W/m² und das hat dann durchaus einen Effekt. An Land würde das Verbrennungen bewirken. Pflanzen und Tiere könnten daran sterben. Heute, so sagen Berechnungen wäre das für die Menschheit verheerend, da auf der betroffenen Erdhälfte (die andere merkt nichts von dem Ereignis) mit massiven Ernetausfällen zu rechnen ist. Es würde zu Hungersnöten kommen und als Folge zu kriegerischen Auseinandersetzungen um die Nahrung. Doch für das Ordovizium gilt das nicht. Da gab es Leben nur im Wasser. Wasser absorbiert aber UV-Strahlung genauso wie Licht. Die Durchlässigkeit ist abhängig, wie klar das Wasser ist. Gelöste organische Stoffe absorbieren UV noch stärker als Wasser. Genannt werden als Extremwerte 20 m in kristallklaren Bergseen und wenigen  Zentimetern in humusreichen Tümpeln. Nimmt man den geometrischen Mittelwert von 1 m, so würde eine Schicht unterhalb 1 m nichts von dem GRB mitbekommen.

Die Dokumentation beschreibt als eine der Wirkungen, dass die Ozonschicht zu 30% abgebaut wird. Ein GRB wird durch die Ionisation der Luft auch neue Moleküle bilden darunter NO. NO katalysiert den Abbau von Ozon, es soll aber auch Sonnenlicht absorbieren und so einen Abkühlungseffekt haben. Auf der anderen Seite ist NO zu reaktiv, um lange in der Atmosphäre zu bleiben. Es bildet rasch Salpetersäure, die dann ausregnet. Wenn 30% der Ozonschicht abgebaut werden wie groß sind die Folgen? Die Ozonschicht absorbiert heute 98% der solaren UV-Strahlung, das bedeutet, es kommt nun mehr UV-Strahlung zur Erde. Im Film tötet dies das Phytoplankton. Da dies die Nahrungsgrundlage der anderen Tiere ist, bewirkt, das im Prinzip das Aussterben aller arten, da alle vom Phytoplankton abhängen. Der Bericht postuliert auch das Korallen von den Pflanzen verlassen werden die sich in ihnen befinden. Gerade die sind aber mit Sicherheit in einer Tiefe, die sicher ist, denn nahe der Wasseroberfläche sind sie auch Wellen ausgesetzt und die waren im Ordovizium, als der Tag nur 21,5 Stunden lang war und der Mond viel näher bei der Erde war viel stärker.

Die Argumentation hat aber zwei Schwachpunkte. Das eine ist, dass das auch die solare UV-Strahlung abgeschwächt wird. Die intensivere UVA sogar noch stärker als die UVB und unter 185 nm Wellenlänge ist Wasser sogar undurchsichtig für UV. Auch hier wäre also nur die oberste Wasserschicht betroffen. Leben, auch das von Phytoplankton, gibt es aber nicht nur im obersten Meter des Wassers. Das zweite ist, dass es damals noch keine dichte Ozonsicht gab, es gab viel weniger Sauerstoff. Die Stärke der Ozonschicht lag zwischen 1% des heutigen Levels, die im Kambrium erreicht wurden und 10% die im oberen Silur erreicht wurden, also nach dem Ordovizium. Dieser Pegel ermöglichte erst die Besiedlung des Landes. Das bedeutet aber: es kam schon solare UV-Strahlung in die Ozeane, und die oberste Wasserschicht war schon vorher tödlich. Daran sind die Lebewesen sicher angepasst gewesen.

Der Film wird dann noch abstruser und nun fehlen auch die Erklärungen: Schon nach 10 Jahren soll die Temperatur im Wasser um 10 Grad gesunken sein. Ich vermute, man nimmt einen Rückstreuungseffekt durch NO an. Doch dass müsste enorm viel sein. Selbst wenn heute Wolken die ganzen Ozeane bedecken würden, dann würde die Temperatur nicht so rasch um 10 Grad sinken, dafür ist ihre Masse zu groß. Zudem ist das Molekül nicht stabil, es wird rasch aus der Atmosphäre entfernt. Vor allem enthalten die Ozeane so viel Wasser, dass sie nicht in 10 Jahren um 10 Grad auskühlen. Als Folge sollen sich nun Gletscher bilden und das ganze Meer mit Eis bedeckt werden, was natürlich die Temperaturen noch weiter senkt.

Man weiß, dass es wirklich am Ende des Ordoviziums sehr kalt wurde. Diskutiert werden Schwankungen der Sonnenstrahlung, der Erdbahn und die Tatsache das es damals nur einen Superkontinent, Gondwana gab. Er überquerte durch die Plattentektonik am Ende des Ordoviziums gerade den Südpol. Wie heute bei der Antarktis kann die große Landmasse dann sich viel stärker abkühlen und vergletschern und damit auch das umliegende Meer. Heute ist die Antarktis kälter und es gibt Eisberge in niederen breiten als bei der Arktis ohne Land am Pol. Umgekehrt schaffte bei den Eiszeiten das Packeis den Sprung bis nach Kanada und Russland und mit dieser großen Landmasse wurde die ganze nördliche Halbkugel vergletschert bis etwa zum 45 Breitengrad. Das gab es auf der Südhalbkugel nicht. Der Effekt bei Gondwana muss noch stärker gewesen sein. Zudem verändern sich die Meeresströmungen, wenn die ganze Landmasse nur am Pol ist.

Ganz ignoriert wird auch, dass es zwei Aussterbewellen im Abstand 1 Million Jahre gab. Wie ist dies mit dem GRB zu erklären. Insgesamt finde ich die Vergletscherung von Gondwana deutlich plausibler. Angesichts der immer geringeren Fossilienbeweise je weiter man in der Vergangenheit kommt wird ein Beweis aber schwer sein.

3.7.2016: Nachlese

Wenn ich dem Radio glaube, gab es gestern offensichtlich und heute nur ein Thema: Das Fußballspiel. Die wichtigste Nachricht in den 16:00 Nachrichten war das einer der Ballschieber wohl für die EM ausgefallen ist. Nun gehöre ich zu den 20% die nicht eingeschaltet haben. Das letzte Fußballspiel, das ich ganz angeschaut habe war glaube ich 2006 und auch nur deswegen weil es in der Uni während der Arbeitszeit übertragen wurde und besser als Arbeiten ist es in jedem Fall, ansonsten aber mir viel zu langweilig. Sport ist zum Machen da und nicht zum Ansehen. Immerhin fiel gestern ein Dauerbrenner, das Deutschland immer gegen Italien in einem turnier verliert. Die Alternative wäre gewesen das der zweite Dauerbrenner, Deutschland gewinnt jedes Elfmeterschießen gerinnt - zumindest seit 1976, damals hat ein gewisser Uli Hoeneß den entscheidenden Elfmeter versemmelt.

Das leitet mich auch schon zum zweiten Thema über: dem Sommer. Ich find den Sommer bisher toll. Ja auch wenn ich damit alleine da stehe, aber man muss nicht gießen und vor allem lohnt sich meine Saisonkarte fürs Freibad. Mit Ausnahme von zwei Tagen, an denen es heiß war, war es schön leer. Die Leute bleiben weg sobald ein paar Wolken am Himmel sind, von Regen oder Kälte gar nicht zu schweigen. Dabei ist das Wasser immer gleich warm/kalt nur bei 10 Grad fühlen sich Kopf und Hände etwas kalt an. Der einzige Nachteil: es ist zeitintensiv. Das nächste Freibad ist 7 km weg und mit Hin/Rückfahrt mit dem Fahrrad bin ich dann 3 Stunden weg und brauche dann noch eine Stunde zum regenerieren. Wer will, kann mich ja mal im Freibad Berkheim treffen zwischen 11 und 13:30 bin ich meist anzutreffen, ich bin der, der jede Viertelstunde Flossen anzieht.

Dann muss die Bundespräsidentenwahl in Österreich wiederholt werden weil, ja das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen Briefwahlstimmen am Wahlabend ausgezählt wurden. Hallo? Die Stimmen wurden doch schon längst vorher abgegeben. Der Inhalt ändert sich nicht und selbst wenn man aus irgendwelchen formalen Gründen sie nicht vor Wahlbeginn auszählen will, ist doch der Wahlabend in jedem Falle nach Wahlende. Zumindest haben die Österreicher die Chance zu beweisen, dass sie nicht auf dem Weg sind das Rechtspopulisten die Macht ergreifen, an der Regierung waren sie ja schon mal. Österreich hat definitiv ein Nationalismusproblem. So was kommt davon, wenn man sich selbst in eine Lüge reinsteigert, nämlich der Nazis gäbe es nur in Deutschland und sie wären die ersten Opfer von Hitler gewesen. Dabei hat man dort genauso gejubelt als es "Heim ins Reich" ging und dort wurden genauso Juden denunziert wie in Deutschland. Aber auf der Lüge hat man sich nach dem Krieg breit gebracht. Fehlt nur noch das sie behaupten, Hitler wäre Deutscher gewesen.

Immerhin sehe ich da eine Möglichkeit für England. Dort sind die Parlamentarier ja ratlos wegen dem Breakxit und ein Teil der Bevölkerung ist auch immer lautstärker dagegen. Wenn Abstimmungen wegen solch kleiner Formfehler scheitern und wiederholt werden, dann muss es doch mit dem Teufel zugehen wenn man da nichts in ganz England findet. Gibt es da nicht irgendwo einen Wahllokal wo man sich nicht an die vorgeschriebenen Zeiten gehakten hat? Der erst nach 8 Uhr aufgemacht hat oder noch ein paar Minuten nach offiziellem Ende zumachte? Was ist mit den vielen kleinen Ortschaften wo man auszählt wenn der letzte gewählt hat anstatt bis Wahlende zu warten - eindeutig ein Formfehler. Also wenn ich die britische Regierung wäre, ich würde nach so was suchen.

Tja und dann habe ich mich doch an ein neues Buch gemacht und zwar gerade weil ich gerade ein Motiviationsproblem habe. Ich habe einfach keine Lust an was längerem zu arbeiten. Seien ex Artikel an der Webseite (der Exomars-artikel ist erst halb fertig, BepiColombo und Osiris-Rex noch nicht mal angefangen) wie auch an längeren Blogs, wie man sicher auch in den letzten Wochen sieht oder gar an Büchern. Vielleicht liegt es auch daran, dass durchs Schwimmen jeden Tag schon mal 4 Stunden wegfallen. Warum ich trotzdem ein neues angefangen habe? Weil es in Buch wie das letzte wird. Es heißt auch so: "Fotosafari durch den Raketenwald". Der Vorteil des letzten Buches (mit ähnlichem Titel) ist das es ich nicht viel recherchieren muss. Es gibt pro Rakete ein vollformatiges, meist farbiges Bild und einen einseitigen Begleittext, denn bekomme ich bei den meisten Trägern aus dem FF hin. Es enthält keine Tabellen, fast keine Zahlen und unterfordert wahrscheinlich die meisten Blogleser. Aber es ist ja auch mehr als buch zum Blättern und Anschauen gedacht, vielleicht als Geschenk zu Weihnachten oder zum Geburtstag. Derzeit bin ich bei "M" wie My oder Minotaur, obwohl ich noch keine zwei Wochen dran bin. Pro Tag schaffe ich im Schnitt drei Einträge und so hoffe ich das es noch im Juli erscheint. Ich denke das ist eine schöne Beschäftigung, auch wenn es sicher kein Verkaufsschlager wird, wie ich schon vom letzten Buch weis. Zudem kann ich dann mal eine andere Gestaltungsoption bei BOD ausprobieren. Wer übrigens die "Fotosafari durchs Sonnensystem" hat sollte mal in der zweiten Hälfte die Seitenzahlen anschauen. Bei meinem Exemplar gibt es da ganz verrückte Seitenzahlen zeitweise über 600 (bei 160 Seiten). Im meinem Manuskript das ich hochgeladen habe sind die Seiten normal durchnummeriert. Ich hoffe das war ein Ausreiser.

25.8.2016: Die Lösung für ein überflüssiges Problem: Wie schnell wäre man mit dem SM bei Apollo 13 zu Hause gewesen?

Siegfried Marquardt ist ja ein untriebiger Bursche. Bei mir landen seine Troll-Kommentare auf der Genehmigungsseite, doch woanders scheint er damit noch Erfolg zu haben. In diesem Fall beweis er das Apollo 13 nicht mit dem Servicemodule zur Erde zurückkommen konnte. Das inspirierte mich zur heutigen Fragestellung - wäre ein Abbruch möglich gewesen und wie schnell wäre man wieder zur Erde zurückgekommen.

Wie immer verrechnet sich Marquard, bzw. geht von Annahmen aus, die schlicht und einfach falsch sind. So soll z.B. bei dem Punkt wo Erd- und Mondgravitation sich die Waage halten die Geschwindigkeit 0 sein. Das ist falsch. Bei keiner Umlaufbahn um die erde ist die Geschwindigkeit 0. Das ist nur gegeben bei Parabeln und dort auch nur in unendlicher Entfernung. Das kann man mathematisch leicht anhand der Bahngleichung (siehe unten) nachweisen. Es reicht aber auch ein bisschen Verstand. Wäre die Geschwindigkeit an einem Punkt der Bahn 0 so wurde durch die Erdgravitation der Körper dann beginnen senkrecht auf den Erdmittelpunkt zu fallen, anstatt eine Kurve um die Erde zu beschrieben. Beim erdfernsten Punkt der Bahn kann die zur Erde gerichtete Komponente 0 sein, doch die Komponente senkrecht dazu nicht.

Apollo flog bei den ersten Missionen auf freien Rückkehrbahnen, das heißt Bahnen die den Mond umrundeten und wenn es keine Zündung gab zur erde zurückführten. Für Apollo 13 habe ich keine Bahnelemente gefunden, doch für Apollo 11 und zwar folgende:

Ich bekomme mit meinem etwas unterschiedlichen Erdradius von 6371 km in meinem Programm für die Bahn eine Geschwindigkeit von 10832 m/s bei Brennschluss in 340 km Höhe heraus, in guter Übereinstimmung mit den errechneten Daten von Apollo 11 von 10834 m/s.

Die einfachste Möglichkeit das Geschwindigkeitsvermögen in einer Bahn zu berechnen ist die Vis -Viva Gleichung:

v = Quadratwurzel ( GM * ( 2 / r - 1/a))             [1]

a ist die Halbachse der Bahn, also der Mittelwert aus Apogäum und Perigäum (vom Erdmittelpunkt aus gerechnet)

r der momentane Abstand.

Nimmt man die obere Bahn auch für Apollo 13 an und einen Abstand von 321860 km bei der Explosion so resultiert eine momentane Geschwindigkeit von 1019 m/s.

Die erste Nöglichkeit die ich untersuche ist die sofortige Bahnänderung durch eine Zündung des CSM. Die neue Bahn sollte nun das r haben, also den gleichen Abstand, aber die Halbachse sollte eine andere sein. Idealerweise beträgt das Perigäum dann -6371 km. Es liegt dann beim Erdmittelpunkt. Für eine solche Bahn erhält man die kürzeste Flugzeit auf einer Ellipse von etwas unter 2 Tagen 2 Stunden. Nicht viel weniger als die normale Reisedauer von 2 Tagen 5 Stunden.

Jedoch habe ich das mal simuliert und man bekommt in der Praxis keine Bahn hin, die so ist. Eine Zündung bei fast mehr als der Hälfte der Distanz zum Apogäum erlaubt es nicht eine Bahn zu erreichen bei der das Apogäum konstant bleibt. Nach meinen Untersuchungen rutscht es wenn das Perigäum sinkt auch auf die Höhe der Zündung, also rund 330.000 km Entfernung ab.  Allerdings muss man nicht den Mond umrunden und kann selbst mit einer kleinen Geschwindigkeitsänderung in einer Zeit unter 3 Tagen wieder zurück auf der Erde sein. Dafür braucht man nicht mal eine große Geschwindigkeitsänderung

Nun zur spannenden Frage - wie schnell hätte Apollo 13 zu Hause sein müssen. Nun dazu braucht man erst mal die Masse, Treibstoffzuladung des SM und den spezifischen Impuls des Haupttriebwerks um die Geschwindigkeitsänderung auszurechnen. Nach Wikipedia hat es 18.410 kg Treibstoff. Das CSM+LM wog nach Apollo 13 Presskit zusammen 96.946 Pfund, umgerechnet 43.974 kg. Der spezifische Impuls des AJ!0-137 Triebwerks beträgt nach dem Handbuch des SM 314 s = 3079 m/s.

Daraus kann man nach der Ziolkowski-Gleichung folgende Geschwindigkeit berechnen:

v = 3079 m/s * ln(43974/(43974-18410)) = 1.670 m/s.

Die Wikipedia gibt 2800 m/s an, doch die Angabe bezieht sich auf eine normale Mondmission bei der nach der Hälfte der Mission das LM abgetrennt ist. Ich halte sie trotzdem für zu hoch. Maximal benötigte Apollo nur 2000 m/s für einen Orbit und zurück. Da es schon vorher einige Geschwindigkeitskorrekturen gab wie Anpassung der Bahn, Ziehen des LM aus dem Adapter und man noch eine Reserve haben muss bin ich im folgenden von 1500 m/s nutzbarer Geschwindigkeitsänderung ausgegangen.

Bei einer Simulation kommt man auf die kürzeste Bahn auf eine mit einer Zündung von 175 Grad zur Bewegungsrichtung (also nahezu gegen die Flugrichtung) und erhält eine -5684 x 375.236 km bei der man nach knapp 2 Tagen 18 Stunden wieder landet.

Apollo 13 könnte also sehr viel schneller bei der Erde sein. Der Unfall geschah bei knapp + 56 Stunden. Nimmt man 2 Stunden Vorbereitungszeit, so wäre die Besatzung nach 124 Stunden zurück auf der Erde. In Wirklichkeit umflog man den Mond und zündete danach das Triebwerk. Dies reduzierte die Gesamtdauer auf knapp 143 Stunden also rund 60 Stunden oder zweieinhalb Tage später. Das Servicemodul hat zu wenig Geschwindigkeitsänderungsvermögen um die Bewegung weg zur Erde umzudrehen zu einer "hin zu Erde". Es geht, doch die Geschwindigkeit ist danach kleiner als vorher, woraus eine Ellipse resultiert mit einem niedrigen Apogäum die langsamer durchlaufen wird. Der Gesamtzeitgewinn beruht auf der Tatsache, dass man nicht den Mond umrundet.

Nun gibt es ja die Fotografien des Servicemoduls nach der Havarie und meiner Ansicht nach tat die NASA gut daran das Triebwerk nicht zu zünden. Doch was wäre außer der Taktik die eingeschlagen wurde noch möglich gewesen?

Dazu brauchen wie die Massen des Lunar Modules. Das Apollo 13 Presskit weist aus:

Abstiegsstufe trocken:  2.109 kg

Abstiegsstufe Treibstoff: 8.319 kg

Aufstiegsstufe trocken: 2.118 kg

Aufstiegsstufe Treibstoff: 2.371 kg

Dazu käme noch RCS-Treibstoff, denn ich hier nicht betrachte. Wikipedia gibt den spezifischen Impuls des Aufstiegstriebwerks mit 311 s (3050 m/s) und denselben Wert für das Abstiegssystem an.

Mit der Ziolkowski-Gleichung kommt man bei spezifischem Impuls = 3050 kg, Startmasse 43.974 kg, Endmasse 35.655 kg auf eine Differenzgeschwindigkeit von 639 m/s und wenn man dann die Abstiegsstufe abwirft (-2109 kg) und die Aufstiegsstufe zündet kommt man zu der zweiten Geschwindigkeit mit Startmasse 33.546 kg, Endmasse 31.175 kg um eine zweite Geschwindigkeitsänderung von 223 m/s.

Eine Simulation ergibt folgende Ergebnisse:

+639 m/s: (Nur Abstiegsstufe): Vektor 178 Grad zur Position, Bahn: -5.017 x 346.907 km, Rückkehr in 5 Tagen 12 Stunden

+862 m/s (Abstiegsstufe + Aufstiegsstufe): Vektor 180 Grad zur Position  Bahn -5.914 x 331.935 km, Rückkehr in 4 Tagen 9 Stunden

Das Geschwindigkeitsvermögen ist in beiden Fällen kleiner als die momentane Geschwindigkeit. Es reicht also nicht eine Sturzbahn zu erreichen wie es das Servicemodul schafft. Daher durchläuft man noch das Apogäum, das allerdings bei höherer Geschwindigkeitsänderung auch stärker absinkt. Die Rückkehr wäre so nach 190 bzw. 163 Stunden möglich. Das wäre also länger als die eingeschlagene Strategie den Mond zu umrunden, was diese bestätigt. Warum ist diese besser? Ein kleiner Effekt ist der das man das Schwerfeld des Mondes nutzt. Es sind aber zwei andere Effekte bedeutsamer. Das erste ist das der Mond schon selbst die Bahn abändert. Er wird das Apogäum auf die Mondentfernung senken, zudem auch das Perigäum deutlich absenken. Bedeutsamer ist aber dass nun die Geschwindigkeitsrichtung zur Erde hinzeigt. Vorher musste man rund 1000 m/s abbauen um zu einer Bewegung hin zur erde zu kommen, nun liegt das von alleine vor. Zündet man nun das Triebwerk so ist man auf einer hyperbolischen Bahn mit einer viel kürzeren Reisezeit.

10.7.2016: Einstufig in den Orbit

Eigentlich wollte ich heute etwas über die Möglichkeiten von Apollo 13 zur Erde zurückzukehren scheiben. Doch bei dem Schreiben stellte ich fest, dass ich mein Programm noch um die Berechnung der Reisezeit auf einem Hyperbelabschnitt erweitern muss. Da der letzte Blog nun schon eine Woche alt ist heute mal ein kurzes Zwischenspiel. Das Thema ist nicht neu, ich habe es schon mal im Blog durchgekaut, doch ich möchte mich damit beschäftigen wie viel Nutzlast man mit einer einstufigen Rakete maximal in den Orbit bringen kann.

Ich war nicht faul, das Manuskript des nächsten Buches "Fotosafari durch den Raketenwald" abgeschlossen und kann daher darüber etwas mehr sagen. Wie schon angekündigt, ist es kein technisches buch, sondern eines mit Farbfotos: 82 Stück bei insgesamt 90 Seiten mit Fotos. Mehr als die Hälfte des Buches mit 176 Seiten umfang sind damit Abbildungen. Anders als das letzte aber nicht auf Fotopapier sondern Normalpapier. Bedingt durch das Druckverfahren bei BOD, nicht mit Druckmaschinen sondern großen Laserdruckern, kostet jede Farbseite extra. Daher gab es bisher keine in meinen Büchern. Das Buch wendet sich nicht an mein übliches Publikum sondern ist mehr eines zum Erfreuen an den schönen Bildern. Eines das man sich vielleicht als Geschenk wünscht oder jemanden schenkt um sein Interesse an der Raumfahrt zu wecken. Kosten wird es 19,99 Euro, ich denke das ist ein reeler Preis. Ich bin mit meiner Marge stark runtergegangen, das spiegelt auch weniger Arbeit für das Schreiben wieder. Zum Vergleich: Die im Format um 30%  kleineren Bücher des Motorbuchsverlags über Träger haben 144 Seiten und kosten 14,95.  Mal sehen wie es wird. Gerade für solche Bücher bei denen ich mich nicht so arg in die Recherche reinknien muss habe ich derzeit noch am ehesten Zeit. Zwei weitere Bände der Reihe "Fotosafari" über den Mars und das Universum schweben mir vor.

Doch zum heutigen Thema. Wie viel Nutzlast bringt man mit einer Stufe in den Orbit? Nun wenn man sich das leistungsfähigste System sucht, dann kommt man zwangsläufig auf das Space Shuttle. Der Tank des Shuttle wiegt leer 27.264 kg und voll 748.364 kg. Seit der ersten Version konnte die Leermasse um  7000 kg gesenkt werden. Bei einer einstufigen Rakete sind das 7000 kg mehr Nutzlast.

Doch man braucht auch Triebwerke. Das Space Shuttle hatte drei Triebwerke. Die Masse der Gesamtstruktur mit Schubrahmen ist vom jetzigen Shuttle nicht bekannt, doch geplant waren mal 12.812 kg. Dazu kämen noch 1.320 kg fürs Heck, der Schubrahmen muss ja auch beim Tank irgendwo befestigt werden. Die Shuttles wurden um 10% schwerer als geplant, addieren wir also 10% dazu so ist man bei 15.500 kg für drei Triebwerke mit Subsystemen. Doch mit drei Triebwerken kann man nicht abheben. bei 100% Schub liefern die 510 t Schub, aber die Konstruktion wiegt 763,9 t ohne Nutzlast. Mit fünf Triebwerken und 109% Schub, dem höchsten getestet Level, sind es 926 t Schub bei dann 774,2 t Masse- das reicht knapp aus - allerdings noch ohne Nutzlast. Ich bin dennoch von 6 Triebwerken ausgegangen das lässt eine schwere Nutzlast zu und man muss nicht im 109% Schubniveau starten.

Der erste Ansatz sieht also so aus:

Bei einem spezifischen Impuls von 4437 m/s und einem dV von 1700 m/s zu einem LEO-Orbit für Aufstiegsverluste (Zielgeschwindigkeit 9500 m/s) kommt man so auf 37,7 t Nutzlast. Das ist eine ganze Menge, bedenkt man das das Trägersystem in etwa so viel wiegt wie eine Ariane 5 mit nur 21 t Nutzlast. Selbst die Falcon 9 mit den Rekordwerten für Strukturfaktoren hat einen kleineren Nutzlastanteil: hoch gerechnet wären es 32,4 t bei dem gleichen Strukturanteil. Dabei ist dies noch pessimistisch gerechnet. Mit nur einer Stufe müssen die Aufstiegsverluste deutlich sinken, da am Schluss die Beschleunigung hoch ist. Zudem hatten frühe Versionen der SSME einen etwas höheren spezifischen Impuls. Man hat während der Weiterentwicklung auf Performance verzichtet um mehr Sicherheit zu bekommen.

Doch man kann das optimieren. Beim Space Shuttle Tank hat man, als der letzte leichtgewichtige Tank eingeführt wurde, nur den großen LH2 Tank mit einer moderneren Legierung gefertigt. Überträgt man die erzielte Gewichtsersparnis auf den Sauerstofftank so wiegt dieser 657 kg weniger, das sind bei einer einstufigen Rakete 657 kg mehr Nutzlast. Bedeutend mehr holt man heraus wenn man die Zwischentanksektion einspart. Sie ist beim Space Shuttle notwendig, weil hier die Feststoffraketen angebracht werden, doch die Triebwerke unserer Raketen wären am Heck. Diese wiegt 5.217 kg, weil sie die ganzen Kräfte der SRB überträgt. Sie kann ersatzlos gestrichen werden. Zusammen sind dass 5.874 kg, die Nutzlast steigt so auf 43,6 t.

Doch der Shuttle-ET bestand noch aus Metall. Inzwischen arbeitet die NASA an CFK-Werkstoffen. Die ersten Tanks sollen in der SLS Oberstufe eingesetzt werden. Testexemplare mit 2,40 m Durchmesser haben 30% Gewichtsersparnis. Das wären nochmal 6.427 kg weniger und die Nutzlast klettert auf 50 t. Ob man so weit kommt habe ich meine Zweifel, der Tank darf nun nur noch 15 t wiegen. Vorher waren es noch 27,3 t. Aber SpaceX hat ja auch in wenigen Wochen die Nutzlast ihrer Falcon 9 von 16,1 auf 22,2 t erhöht und die Rakete ist nur um 9 t schwerer geworden. Da ist meine Rechnung eher bescheiden. Vielleicht setzt ja auch SpaceX inzwischen auf CFK-Tanks.

Das nächste sind die Haupttriebwerke. Sie sind effizient, an ihnen kann man kaum noch was verbessern. Der einzige Ansatz den ich habe. sind ausfahrbare Düsen die mittlerweile im Einsatz sind. Sie werden eingesetzt. wenn die Rakete in der Stratosphäre angekommen ist so etwa 70-80 s nach dem Start. Sie steigern die Schubausbeute, weil das Gas mehr Zeit hat Schub zu übertragen, aber sie können nicht beim Start eingesetzt werden, weil sonst der Mündungsdruck zu gering ist. Erhöht man das Expansionsverhältnis auf 250 so kommt man auf einen spezifischen Impuls von 4594 (nach FCEA). Bei 150 sind es immerhin noch 4532 und bei 200 sind es 4568 m/s. 250 halte ich für etwas groß, das ist ein typisches Maß für Oberstufen.  Natürlich werden die Triebwerke auch schwerer. Nimmt man die Werte des RL10B ohne und mit Düse so würde ein Triebwerk beim Expansionsverhältnis von 150 um 540 kg schwerer,  beim Verhältnis von 200 sind es 720 kg und bei 250 sind es 900 kg. Das muss man mit 6 Triebwerken multiplizieren. Man kommt auf folgende Tabelle

Expansionsverhältnis 77 150 200 250
Zusatzgewicht pro Triebwerk 0 540 720 900
Bei 6 Triebwerken 0 3240 kg 4320 kg 5400 kg
zusätzliche Nutzlast 0 5050 kg 6999 kg 8341 kg
Gewinn: 0 1810 kg 2679 kg 2941 kg
Mit einer ausfahrbaren Düse mit dem Expansionsverhältnis 200 käme man so auf 52.572 kg. Die müsste man noch um die Nutzlasthülle reduzieren, die bisher nicht in der Berechnung drin ist. Basierend auf Daten anderer Hüllen wird das die Nutzlast wahrscheinlich um 2 t absenken. Immerhin wären so 50 t in den LEO möglich.

Doch lohnt es sich? Nun den Preis für ein SSME kennt man. Die neu produzierten für die Ares kosten 40 Millionen Dollar pro Stück, mithin 240 Millionen Dollar für 6 Stück. Der SWLT Tank kostete 2008 32,9 Millionen Dollar. Rechnet man die 25% niedrigeren Produktionskosten für CFK-Tanks gegen die Inflation seit 2208 auf so wäre man bei 273 Millionen Dollar pro Start - nicht schlecht bei 50 t Nutzlast, aber nur günstig wenn man 50 t in den LEO transportiert, denn mit nur einer stufe sinkt die Nutzlast in den GTO auf 9,2 t ab - weniger als ein Fünftel und damit wäre der Träger teurer als eine Ariane 5 bei kleinerer GTO-Nutzlast.

Die Triebwerke sind das teuerste an der Rakete. Hier sind sie extrem hoch, doch auch bei normalen Trägern machen sie 66% der Gesamtkosten aus. Das nächstliegende wäre sie mit einem aerodynamischen Konus zu hüllen, den gesamten Block vom Tank abzusprengen und zu bergen. Dazu benötigt man noch einige Manövriertriebwerke zum Abbremsen und ausrichten für den Weidereintritt, ein Fallschirmsystem und Airbags für die Landung. Bei dem Gewicht von über 31 t ohne Wiedereintrittssysteme kann man sie nicht wie die Vulcan-Triebwerke in der Luft durch Helikopter bergen. Die Abschätzung des Gewichts ist schweig. Aber auch hier eine Extrapolation vom Space Shuttle. Addiert man hier das Gewicht der Rumpf+Tragflügelstruktur und setzte sie im Verhältnis zur Gesamtmasse so würde dies 13.900 kg addieren. Dazu kämen noch Manövriertriebwerke, Treibstoff, Fallschirme, Airbags etc. die das Gewicht sicher auf 20 t hochtreiben. Die 20 t gehen von der Nutzlast ab

Das ist das eine. Doch wenn man die Kosten der Triebwerke nur auf 50% senken kann, z.B. indem man sie dreimal verwendet (zweimal reicht wegen Zusatzkosten für Bergung nicht) so spart das 44% der Kosten ein bei 40% Nutzlasteinbuße (Berechnung ohne ausfahrbare Düsen, da diese den Konus sta´rk vergrößern würden). Das klingt zuerst nach einem Nullsummenspiel, doch man hätte dann einen Träger mit 30 t LEO-Nutzlast bei 153 Millionen Dollar Kosten und 30 t LEO-Nutzlast sind eher eine Größenordnung die man heute braucht.

Nun noch ein Ausblick: Addiert man eine ECS-A Oberstufe mit VEB, so wird der Träger um 35 Millionen Euro (rund 40 Millionen Dollar) teuer, transportiert aber 15,2t in den GTO. Das wäre verglichen mit den heutigen Trägern günstig (193 Millionen Dollar bei 15,2 t Nutzlast, allerdings ohne Startdurchführung).

Was ich vergessen habe ist aber der Serieneffekt. Die 40 Millionen pro Triebwerk gelten für die SLS. Die fliegt alle zwei Jahre und braucht vier Triebwerke. Nehmen wir für den Träger nur 4 Starts pro Jahr an, dreimalige Verwendung der Triebwerke, so kommt man auf eine Stückzahl von 16 Stück pro Jahr. Das ist viermal mehr. Bei einer normalen Lernkurve mit dem Faktor 0,8 müsste dies die Triebwerke um 32% verbilligen auf 30,4 Millionen Dollar. Das ergibt dann Startkosten von 124,2 Millionen Dollar für 30 t LEO-Nutzlast oder 164,2 Millionen Dollar für  15,2 t in den GTO.

12.7.2016 Der skurrilste Panzer

Im zweien Weltkrieg entstanden eine Reihe von Panzern, die man heute als skurril bezeichnen würde. Viele waren Improvisationen um schnell eine Lösung zu haben oder besonders auf deutscher Seite um auf die Bedrohung des T-34 zu reagieren bzw. veraltete Modelle weiter verwenden zu können. In Deutschland führte das zu eine Reihe von Sturmgeschützen und Jagdpanzern, wie dem Marder, Hetzer, dem Sturmgeschütz III und IV und diese alle noch in mehreren Versionen. Im Krieg hat man nicht die Zeit einfach die Produktion eines veralteten Modells runterzufahren und dann eine neue Fertigungsstraße für ein neues Modell zu bauen. In der Zeit würde die Produktion stillstehen. So baute man die alten Panzer um und verwendete zumindest die Wannen wieder. Anstatt einem Turm bekamen sie ein nur wenig schwenkbares Geschütz auf einem flachen Aufbau, dafür mit höherem Kaliber. Von diesen Jagdpanzern gab es daher eine Menge. Nach dem zweiten Weltkrieg sind sie aber wieder weitestgehend verschwunden, obwohl auch Russland solche Modelle baute.

Im zweiten Weltkrieg entstand aber auch eine Waffengattung die bis heute bestand hat: die Artillerie auf Selbstfahrlafetten oder Panzer-Artillerie. Der Blitzkrieg brachte den Nachteil mit sich, dass die Artillerie nur langsam den Panzerverbänden folgen konnten. Doch auch diese benötigten Artillerieunterstützung und motorisierte Infanterie ebenso. Ein Bewegungskrieg hatte auch den Nachteil dass die Artillerie dauernd ihre Stellung wechseln musste, selbst wenn sie dem Vormarsch folgte. Sehr bald gab es daher Versuche die Artillerie mobil zu machen. Ich beziehe mich hier auf die Wehrmacht, weil ich mich hier ein bisschen auskenne.

Den Anfang machte der Sturmpanzer I. Er entstand schon 1940 indem man das schwere Infanteriegeschütz 33 auf die Wanne des völlig veralteten Panzer IB gesetzt. Der einzige Schutz waren kleine Panzerplatten links und rechts. Das Geschütz war die Standardwaffe der Artillerieabteilungen der Infanterie und wurde beibehalten, doch nach und nach setzte man es auf andere Wannen, bis schließlich der Sturmpanzer IV entstand, der nun das Gestell des Panzers IV einsetzte und völlig geschlossen war. Er konnte auch das schwere Geschütz aufnehmen, beim leichten Panzer IB überforderte das noch das Fahrwerk.

Die zweite Entwicklungslinie setzte nicht die relativ kurzen Infanteriegeschütze sondern die Kanonen mit langen Rohren (Feldhaubitzen) ein. So entstanden die Wespe und Hummel mit 10,5 und 15 cm Kanonen auf dem Gestell des Panzers IV. Diese konnten wegen der Größe der Kanone nicht vollständig geschlossen werden und waren wie die ersten Jagdpanzer oben offen.

Das skurrilste Geschützt kommt jedoch aus der Gattung der Stumgeschütze. Der Begriff ist nicht genau definiert. Ursprünglich verstand man darunter großkalibrige Geschütze mit kurzen Rohren die auf stark gepanzerten Fahrzeugen der Infanterie Feuerunterstützung im Nahkampf gaben aber auch bei Panzer unterstützen konnten wenn Infanterie verschanzt war oder in Häusern Schutz suchte. Nur in Filmen kommen Panzer dann auf die Idee das Haus einzureisen. In Wirklichkeit wäre die Gefahr beschädigt zu werden oder durch Panzerfäuste angegriffen zu werden zu groß. Die Kanaonen haben eine zu geringe Wirkung, man braucht viele Schüsse um so ein Gebäude einzureisen und gegen stärkere Befestigung waren sie wirkungslos. Unter der Bezeichnung Sturmgeschütze findet man aber auch Jagdpanzer mit langen Kanonen so das Sturmgeschütz IV das nur wenig von dem Jagdpanzer IV unterschied.

Die sowieso schon vorhandenen Infanteriegeschütze hatten den Vorteil das die Rohre kurz waren. Die Reichweite war es auch, doch das war kein Nachteil. So war die Länge und Größe der Kanone aber ebenfalls niedrig und es konnte noch mit veralteten, leichten Panzern transportiert werden.

Nach der Schlacht von Stalingrad befand man, das die bisherigen Geschütze im Kaliber von maximal 15 cm nicht reichen. Hier fielen viele Deutsche und Russen im Häuserkampf. Es wurde nun ein Panzer mit einem möglichst großen Geschütz gesucht. Was herauskam war ... der Sturmtiger.

Man nahm den leistungsfähigsten Panzer, den Tiger bzw. von diesem nur die Wanne und das Fahrwerk. Darauf setzte man einen vollständig geschlossenen Kasten wie bei dem Jagdtiger, nur noch mit abgeschrägten Wänden. Da er nicht direkt in Kämpfe eingreifen sollte gab es so mehr Platz im Innenraum. Doch das ungewöhnlichste ist die Waffe, weshalb er für mich auch der skurrilste Panzer ist. Es ist ein 38 cm Geschütz.

Ja 38 cm. Für alle die keine Ahnung haben: Das Kaliber 38 war das Standardgeschütz der Schlachtschiffe Tirpitz und Bismarck, das größte Kaliber bei Schiffsgeschützen in Deutschland. England hatte einige Schlachtschiffe mit etwas größerem Kaliber, aber auch dort waren 38 cm der Standard. Bei der Hood wog eine 38 cm Kanone 100 t, eine Granate rund 800 kg. Wei soll das ein Panzer transportieren?

Nun indem er kein Schiffsgeschütz transportiert. Ein Mörser ist z.B. ein Geschütz mir kurzem Lauf. Auch die Treibstoffzuladung ist kleiner, sodass die Granaten leichter sind. Meiner Ansicht nach wäre wohl der 21 cm Wurfmörder eine adäquate Waffe gewesen. Doch 38 cm ist ein anderes Kaliber. ein 80% größeres Kaliber korrespondiert mit 1,8^3 = fast 6-mal schwerer Kanone wie auch Granaten. Das war auch als Mörder nicht in einen Panzer integrierbar. Was man machte war einen 38 cm Raketenwerfer zu integrieren.

Über den 38 cm Raketenwerfer 61 habe ich leider wenig gefunden. Das meiste fasst auch die Wikipedia zusammen. Es handelt sich um ein Geschütz das ursprünglich auf U-Booten stationiert werden sollte um die Küste zu beschießen. Wie das mit den 345 kg schweren Granaten funktionieren sollte würde mich mal interessieren. Man baute es schließlich in den Sturmtiger ein. Die Rohrlänge war 205 cm, nur wenig länger als eine Granate mit 146 cm. Die Granate hatte nur eine kleine Treibladung die sie gerade mal mit 50 m/s aus dem Rohr brachte. Dann zündete ein Raketenantrieb, der die Granate auf 250 m/s beschleunigte. So hatte das Geschütz eine Reichweite von etwa 4-6 km. Die Sprengladung betrug 125 kg, was beim Aufschlag dann schon einen gewissen Effekt hatte.

Es wurden nur wenige Sturmtiger eingesetzt. Die Effizienz war gering, was aber natürlich auch an den wenigen Einsätzen liegt. Die Primäraffe war wie alle Raketenwerfer im zweiten Weltkrieg zu ungenau. Die Streuung zu hoch so sollten sie die Brücke von Remagen zerstören, verfehlten sie aber. Bei anderen Raketenwerfern dieser Zeit glich man die fehlende Zielgenauigkeit durch Salven aus, so beim deutschen Nebelwerfer oder der russischen Katjuscha. Doch ein Sturmtiger konnte nur ein Geschoss abschießen und bei je nach Literatur 330 bis 382 kg pro Granate wird auch bei 5 Mann Besetzung keine schnelle schussfolge möglich sein. Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen wie man zu fünft eine über 300 kg schwere Granate in dem engen Turm in die Kanone bugsiert. Viel Platz wird es nicht gegeben haben denn 14 Granaten jede 1,50 m lang und 38 cm dick wurden mitgeführt.

In jedem falle kam der Sturmtiger zu einer Zeit zum Einsatz, als es Häuserkämpfe nur noch im Abwehrkampf gab und da war Rückzug angesagt und nicht Eroberung von fremden besetzten Häusern. Er war also militärisch weitestgehend nutzlos.

14.7.2016: Die Artikel

Ich bin gerade beim dritten Lesen des Manuskripts des nächsten Buchs. Eigentlich wollte ich es nur zweimal durchlesen, aber mir fielen dann doch viele Formulierungen und umständliche Sätze auf, sodass ich doch noch mal drüber gehe. Ich nutze die Hilfe der Grammatikprüfung in zwei Versionen von Libreoffice. Einer alten in der noch der Duden Korrektor funktioniert und einer neuen mit dem freien Language Tool. Sie brachten mich auf mein heutiges Thema. Eine Prüfung nutzt nur was wenn nicht in jeder Zeile ein bis zweimal was rot unterkringelt ist. Zahlreiche Fach- und Fremdwörter kann man ja beibringen. Lästig ist das beide Prüfungen Wörter wie "schubstark" oder "schubkräftig" rot unterkringeln und in beiden Fällen kann ich die nicht zum Wörterbuch hinzufügen, das Language Tool liefert nur angebliche Synonyme die mit Schub aber gar nichts zu tun haben. So bleibt viel Rot, und man fängt an die Farbe zu ignorieren.

Häufiger unterkringeln die Tools aber Artikel und das brachte mich auf den heutigen Text. So unterkringeln sie "die Europa", "die Delta" und "die Titan". Klar. Sie gehen wohl von dem Kontinent Europa aus, dem vierten Buchstaben des griechischen Alphabets und der Bezeichnung für griechische Halbgötter. Für mich ist der Artikel immer "die" weil es für mich eine Abkürzung von "die Europa Trägerrakete" ist. Das führe ich bei allen drei Wörtern letztendlich auf die Rakete zurück und die hat einen weiblichen Artikel. Ob es richtig ist weiß ich nicht mal, aber angesichts dessen dass man im Deutschen anders als in vielen anderen Sprachen relativ einfach neue Hauptwörter "erfinden" kann muss es ja eine Regel geben. Vielleicht nimmt man ja auch das zweite Wort, das wäre Träger, dann wäre der Artikel "der" von "der Träger" oder es orientiert sich am ersten Wort und dann komme ich ins Grübeln: ich habe keine Ahnung welche Artikel die Kontinente haben. Bei Europa könnte man noch "die " nehmen von der verführten Sagengestalt, die eine Frau war, doch heißt es "das Afrika" "der Afrika" oder "die Afrika"? Mir fällt spontan kein Satz ein wo ich einen Artikel für den Kontinent Afrika brauche, nur wieder mit zusammengesetzten Wörtern wie "der afrikanische Kontinent" oder "der Zauber Afrikas".

Für mich ist die Sache mit den drei Artikeln ein Minenfeld, denn es läuft darauf hinaus zig Artikel für zig Hauptwörter auswendig zu lernen und es werden ja durch mehr zusammengesetzte Hauptwörter immer mehr. Vor 30 Jahren wusste keiner welchen Artikel eine DVD hat (die) noch welche ein DVD-Spieler hat (der) oder ein Smartphone (das). Schon das Beispiel mit DVD / DVD-Spieler zeigt es gibt ja keine Systematik. Also man kann nicht aus der Kenntnis des Artikels für "DVD" auf den "DVD Spieler" schließen. Genauswenig wie man von dem Computer auf die Computermaus schließen kann.

Wenn es nach mir ginge könnte man ja in der deutschen Sprache viel vereinfachen und die Artikel wären ein Punkt den ich weit nach oben setzen würde. Mein Vorschlag:

Das ist eine einfache Regelung mit zwei leicht merkbaren Regeln - und ich weiß es gibt gleich Kritik. Außer mir scheint wohl jeder zu akzeptieren das Deutsch kompliziert, unlogisch und voller ausnahmen und Auswendig-zu-lernen-Regeln ist. Sprachen die unkomplizierter sind, wie Englisch mögen sich ja weltweit durchsetzen, aber der Deutsche liebt eben einen Wust von Regeln. Sei es bei der Sprache oder der Bürokratie.


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