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Web Log 468: 27.7.2016 - 1.8.2016

27.7.2017: Unter 32-16-8  herrscht Konjunktur die ganze Nacht

Das Buch von Eugen Reichl habe ich genutzt meine Daten der N-1 mal abzugleichen. Schließlich hat der Autor zwar meine Daten übernommen, aber nicht alle. Vor allem fiel mir auf, dass die angegebene Nutzlast so niedrig ist: Die N-1 war dreistufig und sollte 95 t in den Erdorbit bringen. Dabei hat sie höhere spezifische Impulse als die Falcon Heavy und ein günstigeres Stufenverhältnis, trotzdem wäre bei dieser der prozentuale Nutzlastanteil höher. Die N-1 bin ich auch bei der Neuauflage der Trägerraketen übergangen, weil ich eigentlich gedacht habe bei einer so alten Rakete wären die Daten eindeutig. Sie sind es aber nicht. Schon innerhalb einer Quelle differieren sie. So geben Ptrzybilski / Wotzlaw als Trockenmasse 277 t an, wenn man die drei Stufen aber addiert kommt man auf 182 t und auch die Startmasse von 2750 bis 2820 t passt nicht mal mit Maximalnutzlast (2707 t).

So habe ich milch mal auf der Suche nach Daten gemacht und hier mal eine Zusammenstellung:

Quelle N-1 Herkules Entwicklung und Absturz einer Trägerrakete The Sowjet Reach for the Moon Russian Spaceweb Astronautix.com B14643 .de
Vollmasse Block A 1870 t / 1934 t 1870 t   1880 t 1875 t
Leermasse Block A 120 t / 193,4 t   180,8 t 130 t 131,8 t
Spez. Impuls Block A 3180 m/s 3247 m/s   3237 m/s / 3119 m/s 3059 m/s
Brenndauer Block A 120 s 110 s 113 s 125 s 113 s
Vollmasse Block B 540 t / 557,5 t 540 t   560,7 t 540 t
Leermasse Block B  52,5 t   52,2 t 55,7 t 35,4 t
Spez. Impuls Block B 3250 m/s 3394 m/s   3394 m/s / 3188 m/s 3187 m/s
Brenndauer Block B 130 s 130 s 108 s 130 s 122 s
Vollmasse Block V 188,7 / 185 t 185 t   188,7 t 185 t
Leermasse Block V 13,7 t   13,7 t 13,7 t 9,9 t
Spez. Impuls Block V 3120 m/s 3453 m/s   3462 m/s / 3335 m/s 3334 m/s
Brenndauer Block V 288 s 400 s 375 s 370 s 363 s
Startmasse 2750 - 2820 t 2700 t 2783 - 2820 t 2692 - 2753 t 2747 t
Nutzlast in LEO 95 t 92 t 82 - 95 t 71 t 95 t

Leider bekommt man von den Leuten die dabei waren kaum brauchbare Infos. Tschertok nennt nur den Impuls der Erststufentriebwerke (294/331). Vor allem letzterer erscheint mir angesichts des geringen brennkammerdrucks gering, vor allem verglichen zum Nachfolger NK-33. Ich vermute er hat den des NK-33 angegeben, ein Fehler den viele Autoren machen auch Reichl. Bei Energija und Kusnezow findet man keine Angaben über die Rakete oder nur sehr spärliche ohne Zahlenangaben-

Bei "N-1 Herkules Entwicklung und Absturz einer Trägerrakete" findet man zwei Treibstoffangaben. Ich vermute die höhere gilt für die N-1F die etwas mehr Treibstoff zulud (1750 zu 1870 t, 540 zu 505 t, 185 zu 175 t). Eine andere Möglichkeit ist das die Autoren das mit der Trockenmasse verwechselt haben. Dann passen aber die im vorherigen Fließtext publizierten Leermassen von 5,25 und 13,7 t für zweite und dritte Stufe nicht.

"The Sowjet Reach for the Moon gibt als Triebwerke die zweite Generation und die haben höhere spezifische Impulse.

Astronautix.com halte ich da auch Massen für Stufenadapter angegeben werden, für die beste Quelle. doch auch hier gibt es Fehler. So sind die spezifischen Impulse beim Datenblatt der N1 die der zweiten Generation, ich habe sie durch die der Orginaltriebwerke auf derselben Webseite ergänzt. Die Nutzlastangabe ist gering, doch handelt es sich um die reale der Testvehikel (andere angaben: bis 83 t) und die wurden in einen elliptischen Orbit (200 x 700 km) entlassen.

B14643 verwendet die realen Impulse der Nk-Triebwerke, aber auch die niedrigen Trockengewichtangaben.

Russian Spaceweb nennt deutlich höhere Trockenmassen die auch besser zu der niedrigen Nutzlast passen. Leider fehlen die restlichen Daten.

Besonders auffällig ist neben den unterschiedlichen Impulsen auch die unterschiedliche Brennzeit, vor allem bei der dritten Stufe, selbst wenn man den Wert von Wotzlaw als Ausreißer ansieht (er korrespondiert auch mit dem sehr viel geringeren spezifischen Impuls. Macht man die Gegenprobe: Brennzeit x Schub / Treibstoffmasse = spez. Impuls so gibt es auch deutliche Abweichungen, außer bei B14643 von Norbert Brügge.

Relativ konstant scheint die Treibstoffzuladung von 1750 / 505 / 175 t zu sein. Bei der ersten Stufe fällt die hohe Trockenmasse von Russiand Spaceweb aus dem Rahmen. Für mich ist sie allerdings die einzige die ich für sinnvoll halte. Wenn ich bei 500 t Treibstoffzuladung der zweiten Stufe und 5,25 t Leermasse auf 1750 t hochskaliere komme ich von den 52,5 t auf 181 t. Zudem enthält die Masse auch den Zwischenstufenadapter und die nach Block A Betrieb abgeworfene Nutzlastverkleidung, dazu kommen 30 Triebwerke die jedes 1,5 t wiegen. Vor allem kommt man nur so auf die angegebene Trockenmasse der Rakete von 277 bis 281 t (würde man sie sonst addieren wäre man bei 175,4 - 196,2 t ohne Nutzlastverkleidung).

Ich habe nun mal die Gegenprobe gemacht und die Nutzlast mit den am häufigsten gerannten bzw. wahrscheinlichsten Werten berechnet.. Die Gesamtbrennzeit der drei Stufen ist vergleichbar zur Proton K. Daher habe ich mit dem aktuellen Muster die Aufstiegsverluste berechnet. Sie betragen 1684 m/s. Nun habe ich die für die N-1 übernommen und die wahrscheinlichsten Daten eingesetzt. Ich komme dann auf eine Nutzlast von 89,5 t in den Erdorbit. Würde man die höheren spezifischen Impulse der NK-33/43/21 nehmen so wäre selbst bei den hohen Trockenmassen die ich genommen habe die Nutzlast deutlich größer als der maximal publizierte Wert von 95 t. Die 17 t schwere Nutzlastverkleidung ist immer bei der Erststufe mit enthalten. Sie wird nach deren Brennen abgetrennt.

Rakete: N-1

Startmasse
[kg]
Nutzlast
[kg]
Verkleidung
[kg]
Geschwindigkeit
[m/s]
Verluste
[m/s]
Nutzlastanteil
2762920859200780216843,11 %
StufeAnzahlNameVollmasse
[kg]
Leermasse
[kg]
Spez.Impuls (Vakuum)
[m/s]
1119308001808003118
21557500525003188
31188700137003334

Da schon diese N-1 die geforderte Nutzlast erreicht denke ich braucht man nicht die extrem niedrigen Strukturfaktoren (120 t / 35 t / 10 t) anzusetzen und auch nicht die hohen spezifischen Impulse der zweigen Generation die oft fehlerhaft für die N-1 genannt werden, auch bei Reichl, der in diesem Falle nicht von mir abgeschrieben hat und damit wieder neue Fehler produziert hat. Ich habe sogar noch FCEA2 bemüht, das selbst im optimistischen Fall eines freien Gelichgewichtes nicht auf die Vakuumimpulse der zweiten Generation kommt. Unverständlich warum sie trotzdem immer wieder publiziert werden.

Über die N-1F ist wenig bekannt. Sie soll zum einen die leistungsgesteigerten NK-33/43 Triebwerke einsetzen, zum anderen etwas mehr Treibstoff mitführen. Die Startmasse von 2950 t bis 3020 t lässt darauf schließen, dass sie etwa 200 t mehr Treibstoff zugeladen hat. Zumindest bei Wotzlaw gibt es den Hinweis, das dies durch unterkühlte Treibstoffe erreicht wurde, die Tanks also die gleichen sind. Das passt auch zum etwas oxidatorreichen Mischungsverhältnis der neueren NK-Triebwerke. Sei soll 105 t Nutzlast erreichen. Wenn man die rund 200 t mehr Startgewicht gleichmäßig auf die drei Stufen verteilt und die Impulse der neueren Triebwerke nimmt kommt man auf folgende Werte:

Rakete: N-1F

Startmasse
[kg]
Nutzlast
[kg]
Verkleidung
[kg]
Geschwindigkeit
[m/s]
Verluste
[m/s]
Nutzlastanteil
29928581126580780216843,76 %
StufeAnzahlNameVollmasse
[kg]
Leermasse
[kg]
Spez.Impuls (Vakuum)
[m/s]
1120748001808003247
21602200557003394
31203200137003452

Der Verlust ist für die angegebene Nutzlast von 105 t recht hoch. Mit gleichem Verlust wie die N-1 müsste die N-1F auf 112 t Nutzlast in den Erdorbit kommen. Allerdings wurden die Trockenmassen beibehalten. Sie werden wahrscheinlich etwas höher sein.  Nimmt man an, dass die N1F dagegen nur bessere Triebwerke hat so kommt man auf 101 t Nutzlast. Irgendwo dazwischen wird die Wahrheit liegen.

Rakete: N-1F (nur neue Triebwerke)

Startmasse
[kg]
Nutzlast
[kg]
Verkleidung
[kg]
Geschwindigkeit
[m/s]
Verluste
[m/s]
Nutzlastanteil
27751941011940780216843,65 %
StufeAnzahlNameVollmasse
[kg]
Leermasse
[kg]
Spez.Impuls (Vakuum)
[m/s]
1119308001808003247
21557500525003394
31185700137003452

Zuletzt noch ein Punkt: warum habe ich die beiden Oberstufen Block G und D nicht miteinbezogen? Das liegt an der Auslegung des Mondprogramms. Um mit der deutlich geringeren Mondnutzlast ein Mondprogramm durchführen zu können hat man optimiert wo es nur ging. So entließ die N1 Block G/D mit Mondlandekomplex in einer elliptischen Erdumlaufbahn anstatt einer kreisförmigen um das letzte bisschen Treibstoff der Stufe auszunutzen. Block G reichte trotzdem nicht aus die Geschwindigkeit zum Mond zu erreichen (er hatte nur 55 t Treibstoff bei einer Restmasse von 41,4 t. Daher wurde Block D noch im Erdorbit gezündet und brachte den Rest der Geschwindigkeit auf. Man kann also mittels einfacher Modellierung nicht die mondnutzlast berechnen. Ich habe mir das dann für einen späteren Zeitpunkt aufgehoben.

28.7.2017: The line that's drawn between Good and bad

Ich erlaube mir es ja, nur noch wenig zu arbeiten, gerade mal so viel, dass ich in den Einkünften unter der Grenze liege, wo ich Mehrwertsteuer abführen müsste. Das meiste mache ich in Delphi. Da habe ich von meinem Hauptkunden eine Mitteilung bekommen, dass der neue Eigner der Entwicklungstools 80 Leute in der größten Niederlassung in Spanien freigesetzt hat. Schon vorher hat der Chefentwickler die Firma verlassen und eine Webseite online gestellt, in der er Delphi in Open Source überführen will. Klar, Kunden beunruhigt das, schließlich stecken in dem, was ich für die Firma entwickelt haben 15 Jahre Arbeit, wenn ich auch im Durchschnitt nur einen Monat pro Jahr arbeite (man muss ja noch ein bisschen Zeit für die Bücher und Blogs haben) und entsprechend eine höhere 5-stellige Summe an Honoraren.

Nach einem Interview bleibt Delphi erhalten, dafür will der neue Eigentümer Idera die Arbeit vor allem in Billiglohnländer wie Russland, Ukraine und Indien auslagern. Zeit mal das Thema aufzugreifen.

Ich habe erst mal meinen Kunden beruhigt: Da mein Kunde relativ konservativ ist, nutze ich schon immer nicht die neuesten Features. Erst vor zwei Jahren habe ich eine Reihe von neuen Dialogen eingeführt, die bedeuten, dass die Programme nicht mehr mit Windows XP liefen. Vorher war die Kompatibilität zu Windows XP ein "Must have" Feature. Das Zweite ist die Systemarchitektur von Windows. Die hat sich ja seit Windows 95 nicht so groß geändert. Ich habe mal aus Jux und Tollerei die ersten Versionen der Programme, die 2001 erstellt wurden gestartet - sie laufen unter Windows 10 einwandfrei und das gilt auch für die IDE - nach Auskunft des Herstellers läuft Delphi 7 aus dem Jahr 2002 noch unter Windows 10. Die Versionen vorher haben nur deswegen Probleme, weil sie ihre veränderlichen Daten im Programmverzeichnis ablegen. Installiert man sie in einem eigenen Verzeichnis und nicht unter Programme, so würden wahrscheinlich noch ältere Versionen laufen. Da Microsoft nur wenig an Windows ändert, wird sich daran auch wahrscheinlich nichts ändern und so sehe ich das entspannt.

Trotzdem kann man einiges bei Delphi verbessern. Das Erste ist mal das die Releasezyklen kleiner werden. Inzwischen dauert es kein Jahr, bis eine neue Version erscheint. Die Änderungen sind mehr inkrementell zu nennen. Alle zwei bis drei Jahre eine neue Version reicht. Auch Microsoft aktualisiert sein Visual Studio nicht so oft.

Hinsichtlich Produkt hat sich einiges getan. Inzwischen kann man mit Delphi auch Programme für IOS-Geräte wie Ipad und Android entwickeln. Spielt nun für mich nicht die Rolle, aber erweitert den Kreis der potentiellen Kunden beträchtlich. Mit der nächsten Version soll Linux Server hinzukommen. Eine IDE für Linux wird es nicht geben aber man wird Programme für Serveranwendungen (ich vermute ohne Oberfläche) erstellen können. Wie bisher als Cross-Compile von Windows aus. Schade, eine IDE für Linux wäre mein größter Wunsch. Delphi und die damit erstellten Programme sind die einzigen Programme, für die ich unter Linux keinen Ersatz habe. Ansonsten finde ich inzwischen alles, was ich nutze, auch unter Linux. Spiele könnte man in einer virtuellen Maschine laufen lassen, da habe ich eh nur Abgehangene in Benutzung. Borland hat mal mit Kylix einen Schritt auf Linux gemacht, das aber später wieder eingestellt.

Das wichtigste ist aber die Preispolitik. Delphi basiert auf Objekt Pascal und die Firma ist der einzige Anbieter von noch aktuellen Entwicklungswerkzeugen der Sprache. Der Firma sollte es also gelegen sein eine große Basis an potenziellen Kunden zu haben und nicht noch von der alten Basis welche an C++, Java, Python oder Ruby zu verlieren. Alle diese Sprachen haben eines gemeinsam: Einsteiger oder auch Leute mit kleinem Budget können eine kostenlose IDE bekommen. Es gibt nicht kommerzielle IDE's wie Eclipse, die Compiler (also die nackten Übersetzungsprogramme ohne IDE = Oberfläche) werden verschenkt oder sind Bestandteil der Sprache und nicht zuletzt verschenkt Microsoft Express-Versionen von Visual Studio, beschränkt auf eine Sprache.

Bei Delphi können Schüler und Dozenten eine Version für 115 Euro kaufen, das ist eine Nicht-Kommerzielle Version des Professional Produkts. Alle anderen haben als Neueinsteiger 599 € zu berappen, selbst Updates kosten 399 Euro. Also das nenne ich ein großes Hindernis. Meiner Ansicht nach sollte es eine bezahlbare Version für alle geben. Bezahlbar wäre bei mir ein Preis unter 100 Euro. Möglichkeiten gibt es dazu viele. Denn Delphi kann enorm viel. Man kann Programme für drei Betriebssysteme entwickeln, Windows  auch noch für 32 und 64 Bit, es gibt viele Unterprojektoptionen wie z.B. für Serveranwendungen oder Webservices. Die auch nicht jeder (vor allem nicht Einsteiger) macht. Dazu kommt der umfangreiche Datenbankteil, der schon immer Bestandteil von Delphi war. Wenn man das auf das verkleinert was Kernfunktionalität ist und den meisten Benutzern nicht weh tut, wenn es fehlt, sollte so was möglich sein. Ich benutze z.B. nicht die Delphi-Datenanbindung, sondern lieber SQllite, auf Subversioning und Teamfunktionen kann ich verzichten und auf Crosscompiling für andere Betriebssysteme ebenfalls.

Es gibt immerhin schon neu eine kostenlose "Starter-Version" des C++-Compilers, vielleicht folgt so etwas auch für Delphi. 2006 gab es schon mal so was. Doch leider hat man damals verhindert, dass man die IDE um neue Komponenten erweitern. Doch genau das war ein tolles Feature. Es gibt für alles Komponenten, das sind Erweiterungen, die man einfach in eigene Programme einbinden kann. Von ganz einfach (Editfeld das nur Zahlen akzeptiert) bis zu komplex (kompletter Windows-Explorer Ersatz). Ich hoffe den Fehler begeht man nicht noch mal. Ich setze viele Fremdkomponenten ein, auch in dem Projekt für den Kunden. Dort läuft die Kommunikation z.B. über die Modbus-Schnittstelle, die Komponente dafür ist nicht in Delphi enthalten.

Mein Kunde hat dann noch gefragt ob Lazarus keine Alternative ist. Für mich nicht. Das liegt am Konzept. Das Projekt ist inzwischen erwachsen geworden, in dem Sinne das man es produktiv nutzen kann. Vor ein paar Jahren noch stürzte der Debugger reproduzierbar ab. Der Ansatz von Lazarus ist aber der plattformunabhängige Ansatz. Das bedeutet, dass das Programm nur das enthält, das in allen Betriebssystemen gleich ist. Dadurch fehlen schon viele Standardkomponenten, die es bei Delphi gibt und die Anwendungen sehen relativ altbacken aus und unterstützen nicht das native "Theme" des Betriebssystems. Vor allem laufen Delphi Komponenten nicht unter Lazarus, weil beide Sprachen doch unterschiedliche "Dialekte" sind. Spätestens bei der Benutzung der Windows API (und die brauche ich in fast jedem Programm) ist Schluss mit den Gemeinsamkeiten. Die gibt es bei einem plattformunabhängigen Produkt wie Lazarus nicht. Dafür ist die Anwendung auch unter einem Raspberry Pi lauffähig oder unter Linux.

Ich glaube nicht das Idera als neuer Eigentümer Delphi freigeben wird. Bei anderen Produkten wie StarOffice und Mozilla hat das zu erfolgreichen Open-Source Produkten geführt. Doch Delphi ist das Kernprodukt von Embaccadero gewesen und wird sicher auch bei Idera wichtig sein. Es fällt schwer sich vorzustellen das man diese Cash-Cow aufgibt.

31.7.2016: Money, it's a gas

Otto Piffel: Ich werde dort gebraucht ich bin Raketen Techniker!

Ex-Kommissar: "Ah, das ist eine Sache wo wir sind weit voraus Amerika. In Cape Canaveral wenn geht falsch Rakete sie drücken auf einen Knopf und Pow - futsch geht Rakete. Aber in Russland haben zwei Knöpfe."

Otto Piffel: Zwei?"

Ex-Kommissar: "Einen zu sprengen Rakete und einen zu sprengen Spezialist!"

Ja in Russland ist alles irgendwie besser und doppelt vorhanden. An diese Stelle aus dem Film Eins-Zwei-Drei musste ich denken, als mir das Thema für den heutigen Blog durch den Kopf ging. Es geht um das russische Mondprogramm. Ich bin daran erinnert worden als ich das Buch von Reichl über die N-1 gelesen habe.

Russland hatte in der Tat mehrere Mondprogramme nämlich:

Das klingt zuerst einmal ambitioniert. Doch wenn man es im historischen Kontext sieht, kann man auch für die USA eine solche Liste machen:

Der wesentliche Unterschied ist das das amerikanische Programm mit der Mondlandung endete, also keine bemanten Mondorbiter (heute würde man Mondraumstationen) geplant waren und auch keine Rover. Allerdings gab es auch das im Kleinen. Das Mondauto, das ab Apollo 15 mitgeführt wurde kann man als Rover" bezeichnen und es war auch mal an eine Mondorbitmission gedacht, die nur den Mond aus dem Orbit mit Kameras und anderen Instrumenten erkunden sollte (Apollo I). So gesehen gibt es eigentlich nur den Unterschied das im Apolloprogramm keine Mondumrundung geplant war. Aber so ganz stimmt das auch nicht: Nach der Erdorbiterprobung von Apollo mit Apollo 7 wurde für Apollo 8 tatsächlich diskutiert ob diese nicht eine Mondumrundungsmission sein sollte. Man entschied sich dagegen. Die Mission würde fast gleich lange dauert. In einer Mondumlaufbahn wäre zum einen der PR-Effekt viel größer, zum anderen konnten die Astronauten mit ihren Handkameras die Landeplätze überfliegen und fotografieren und man hätte das SPS-Triebwerk getestet, das in die Umlaufbahn einbremsen sollte und benötigt wurde ums ei wieder zu verlassen. So finden wir eigentlich alle Elemente von L1 bis L5 auch im amerikanischen Programm.

Doch es gibt zwei entscheidende Unterschiede. Der erste und wichtigste ist der Zeitpunkt. Der offizielle Startschuss für Apollo fand mit Kennedys Rede statt. Noch 1961 wurden die Ausschreibungen für die Komponenten von Apollo gestartet und die meisten Aufträge Anfang 1962 vergeben. Ranger lief damals schon als Programm. Lunar Orbiter war damals schon in der Definitionsphase und Surveyor folgte 1962. Gemini war ebenfalls schon beschlossen, bekam aber die neue Zielsetzung als Apollo-Vorbereitungsprogramm. Vorher sollte es einfach nur zwei Astronauten in den Orbit bringen und eine längere Flugzeit als Mercury ermöglichen, nachdem schon die zweite Wostokmission die maximale Missionsdauer von Mercury überboten hatte.

1962/63 waren so alle zu Apollo gehörenden Projekte gestartet oder schon im fortgeschrittenen Stadium. Dagegen ist der Projektplan datiert vom 23.9.1863. Wohlgemerkt nur der Plan. Das musste noch ausgearbeitet werden und es musste genehmigt werden. Man hat also Zeit verloren. Die N-1 die man für die Mondflüge brauchte wurde zwar schon seit Ende der Fünfziger Jahre geplant, jedoch ohne konkrete technische Auslegung. Die fand erst statt als man am 3.8.1964 den Bau genehmigte und auch hier "haben drei Raketen. Eine zum Fliegen zum Mond, zwei zum Verpulvern von Geld" wurden zwei weitere Mondraketen, die R -56 und UR-700 in Auftrag gegeben, es könnte ja sein, dass die N1 scheitert, dann hätte man immer noch zwei weitere Raketen gehabt. Erst 1966/67 wurden die R-56 und UR-700 eingestellt. Die N1 wurde später noch substanziell modifiziert, denn die 1964 genehmigte Version hatte eine Startmasse von 2.200 t und eine Nutzlast von 75 t. Die geflogene dagegen eine Startmasse von 2.700 t und eine Nutzlast von etwa 90 bis 95 t.

Trotzdem erscheinen auf den ersten Blick L1 und L2 als folgenrichtige Vorbereitungsprogramme. Doch das waren sie nicht. L1 sollte mit der Proton starten. Doch deren Nutzlast war rund fünfmal kleiner als die der N1. Das war zu wenig. Man konnte nicht einfach die Sojus die für das L3 Programm nehmen, den Treibstoff weglassen und sie zum Mond schicken. Sie war dafür zu schwer. Also baute man eine zweite, leichtere Version, die man auf eine Mondumrundung schicken konnte (für Erdorbitmissionen, die später die Sojus durchführen sollte, entstand noch eine dritte Version). Das band auch zusätzliche Ressourcen. Das L1 Programm scheiterte an zwei Punkten. Das eine war der Zeitplan. Das L1-Programm begann wie L3 zu spät, sodass man erst am 27.9.1967 der erste Start statfand. Zu dem Zeitpunkt hatten die USA schon Lunar Orbiter abgeschlossen und hätte es nicht den Brand an Bord von Apollo 1 gegeben, wäre auch die erste Mondmission von Apollo vor dem Start gestanden. So bestand noch eine Chance die USA zu schlagen auch wenn die Mondumrundung wissenschaftlich und als Vorbereitungsmission der Mondlandung weitestgehend wertlos ist. Nun machte die Proton einen Strich durch die Rechnung. Die ersten Exemplare der Proton hatten eine erschrecklich niedrige Zuverlässigkeit. Von den ersten 18 Starts der Proton-K scheiterten nicht weniger als 13. Da man einige unbemannte Flüge erfolgreich absolvieren wollte, bevor man bemannt startet verlor man so Zeit. Erst 1970 steigerte sich die Zuverlässigkeit der Proton nachdem man die Trägerrakete einem genauen Review unterzog. Da war Apollo 12 schon gelandet. Auch die unter der Bezeichnung Zond 4-8 gestarteten Kapseln versagten teilweise. So fiel das Fallschirmsystem aus oder entwich der Kabinen druck. Am 20.101.1970 wurde mit Zond 8 das Programm beendet. Von 14 Starts waren nur 4 Sonden überhaupt auf eine Mondtransferbahn gelangt. Nur eine war voll erfolgreich.

Auch L2 erscheint als Vorbereitungsprogramm. Dazu kam es aber nicht. Die frühen Mondsonden Luna 1-15 waren vornehmlich konstruiert worden um Erstleistungen zu erbringen. Die große Zahl täuscht über die wahren Erfolge hinweg. So waren Luna 4-9 Landeversuche von denen nur der letzte klappte. Ein zweites Exemplar wurde dann unter der Berechnung Luna 13 gelandet. Luna 10-14 waren umgebaute Landesonden die anstatt dem Lander eine Instrumentensektion trugen. Sie können aber nicht mit den US-Sonden verglichen werden. Die Sonden waren nur batteriebetrieben und machten wenige Fotos mit einer Auflösung von 15 bis 20 m. Damit konnte man die Fotos nicht nutzen, um Landeplätze zu finden. Das sollten nun die Kosmonauten im Mondorbit kurz vor der Landung selbst tun. Diese ersten Sonden gehörten noch nicht zu L2. Die nun als L2-Sonden geplanten Sonden wurden als man sah, das man im Rückstand war neu geplant. Hauptziel war es automatisiert Bodenproben zu entnehmen, darauf entfielen die meisten Sonden. Es diente als Alibiprogramm, denn später beteuerte Russland immer, das man nie ein bemanntes Mondprogramm habe und die unbemannte Bergung nur einen Bruchteil der Apollomissionen koste, so nach dem Motto: Die dummem USA verballern die Kohle und wir machen das intelligent und preiswert unbemannt. Einige Sonden wurden zum Mitführen eines Rovers (Lunochods) und als schwere Orbiter umgerüstet. So wurde aus dem L2-Vorbereitungsprogramm ein L3 Konkurrenzprogramm, denn viel mehr als Bodenproben sammeln sollten auch die Kosmonauten nicht tun. Das Mondprogramm war schon mit der heißen Nadel gestrickt. Für Experimente gab es keinen platz und es gab auch kein Budget. L2 war, auch wenn einige Sonden bei Fehlstarts verloren gingen und nicht jede Landung klappte ein Erfolg, dreimal gelang es Bodenproben zu gewinnen und zwei Rover waren über Monate auf dem Mond unterwegs und legten bis zu 37 km zurück.

Das Mondprogramm L3 selbst scheiterte schon nach spätestens 108 Sekunden. Das ist die längste Zeit die eine N1 nach dem Abheben funktionierte. Selbst wenn die N1 den Erdorbit erreicht hätte, gab es noch genügend was qualifiziert werden musste. Die beiden oberen Stufen für das Verlassen der Erdumlaufbahn, Einbremsen in die Mondumlaufbahn und der Start der Landung auf dem Mond. Die Sojus in der LOK Konfiguration, der Mondlander der in 2-4 km Höhe sich von der letzten Stufe trennen sollte und erst jetzt sein Triebwerk einschalten sollte. Das alles hätte etliche unbemannte Tests erfordert und so hat man das Programm folgerichtig 1974 eingestellt. Zu dem Zeitpunkt lag die letzte bemannte Mondlandung der USA schon mehr als ein Jahr zurück.

Manchmal ist eben weniger doch mehr.

1.8.2017: Doch aus den Joints, da wurden Trips 

Ich habe in meinem Bücherschrank auch ein Buch über Murphys Gesetze. Klar, die Kurzform "Was immer schiefgehen kann, wird auch schiefgehen" kennt jeder, aber es gibt in dessen Umfeld gibt es noch eine Reihe anderer wahrer empirisch erwiesener "Gesetze" oder Regeln. Manche sind auch nur skurril, wenn auch war. So lautet eine der Regeln:

Wenn Du ein Glas Wein in ein Fass Jauche gießt erhältst Du ein Fass Jauche. Wenn Du ein Glas Jauche in ein Fass Wein gießt erhältst Du ebenfalls ein Fass Jauche.

Will meinen: Der Kontakt mit bestimmten Dingen verdirbt andere Sachen. Ich kam da drauf als ich auf WDR eine dieser Chartshows "Ab in die Siebziger" sah. Ihr kennt das: Ein Lied wird präsentiert und einige mehr oder weniger Prominente geben ihren Senf dazu. Diesmal war es ganz okay, weil sie die Lieder weitestgehend ausgespielt haben und nicht nur kurz angespielt. Es gab so auch genügend Material von den Songs anstatt nur von den Promis.

Dabei waren auch einige deutsche Leider und ein Cover von Cindy und Bert erinnerte mich an etwas was mir schon auffiel als ich die Wiederholungen von Disco im Fernsehen sah: Meine Erinnerung an die Siebziger und Schlager ist eigentlich positiv. Doch was ich hatte, war eine selektive Wahrnehmung. Die guten Schlager waren die Spitze des Eisbergs. Der große Rest waren vor allem Coverversionen und für die gilt das was die obige Regel besagt: Das Übernehmen von Musik von anderen Stilen kann die Musik verbessern, ja ganz neue Musikstile hervorbringen. So war der erste Disco Titel "Rock me Baby" als R&B gedacht und brachte mit dem neuen Rhythmus die Disco Welle ins Rollen. Der bekannteste Rapper-Titel "Rappers Delight" verwendet die Musik von "Good Times" von Chic. Doch wenn Schlager etwas übernimmt, dann wird es zu Schlager. Man spült Melodien weich oder platziert einen so belanglosen Text darüber dass man sich wundert das überhaupt jemand die Platte kauft. Das bildete aber den Großteil dessen was die Schlagersänger produzierten, wohl mangels eigener Kreativvtät, oder einfach weil man meinte man könnte den internationalen Erfolg wiederholen könnte. Das gelang auch manchmal, wenn man die Musik übernahm und einen guten Text darüberlegte, doch meistens spülte man die Musik solange weich bis sie nach Schlager klang. Bino hat "Mama Leone" auf italienisch und deutsch veröffentlicht und die deutsche Version ist die hierzulande weitaus bekanntere - auch vielleicht weil es der Originalsänger ist.

Hier einige abschreckende Beispiele:

Was passiert wenn Cindy und Bert, die Perfekte Schwiegertochter mit dem Anhang der eigentlich nie singt, "Paranoid" von Black Sabbath covern? Ja man glaubt es kaum. Die Interpreten von braven Lieder wie "Immer wieder Sonntags" wagen sich an Heavy Metal. Heraus kommt der "Hund von Baskerville". Immerhin, die Hammond Orgel hat was.

Noch extremer dürften die musikalischen Unterschiede zwischen den Rolling Stones und Karl Gott sein. So erkennt man "Paint in Black" auch kaum noch wieder, wenn daraus "Rot und Schwarz" wird. Es klingt nun eher wie ungarische Streichermusik, so in dem Stil der Streicher die als Stehgeiger die Touristen nerven.

Selbst Rapp ist nicht vor Covern geschützt aus "Funky Cold Medina " wird "Funky Cold Medina", nicht mal ganz so schlecht und aus "Pump up the Jam" wird "Pump auf das Bier". angepasst an die Zielgruppe mit über 1 Promille. Immerhin: Rapp ist schon so künstlerisch weit unten angesiedelt dass man nicht mehr viel kaputtmachen kann. (Hip Hop, das ist ja inzwischen vom Bundesverfassungsgericht abgesegnet ist eine Musikrichtung die vom Klauen von Riffs lebt. Also Copy & Paste ist ein neuer Stil. Passt gut zu diesem Jahrtausend .... So gesehen produziert Eugen Reichl Hip-Hop Bücher....

Wenn man schon Heavy Metall und Rock weichspülen kann, dann sind Musikrichtungen die schlagernah sind relativ schutzlos. Das bekannteste Cover ist das des Country Titels: "Let your love flow " von den Bellamy Brothers performt - na von wem wohl? Jürgen Drews "Ein Bett im Kornfeld". Sein größter Hit ein Cover, ich wäre deprimiert wenn ich in 40 Jahren nicht mit eigenen Texten Erfolg haben kann....

Vor nichts macht der Schlager halt. Progressive Musik von Emerson Lake & Palmer? Kein Problem auch das bekommen sie klein "Kein Wort zuviel" wird aus "Don't Answer me"

Manchmal möchte man aber auch die deutsche Übersetzung eines englischen Textes nicht wissen. Einer der ersten Titel der Scorpions war "Fuchs geh voran" - okay fasst 1:1 von "Fox on the run" übersetzt. Die Musik ist auch die gleiche, doch Sweet singen um Klassen besser.

Schlagermusiker bringen es fertig selbst Lieder, bei denen man nun wirklich nicht viel Text hat, und den man wirklich gut 1:1 übersetzen könnt,e zu ruinieren. So die Coverversion von "Whot" von Willem "Wat?"

Klappen tut das eigentlich nur wenn das Original schon so was wie Schlager ist so. der Cover von "The Boxer" von Simon & Garfunkel von Hoffmann & Hoffman "Der Boxer" oder Juliane Werdings Cover von "The Night They Drove Old Dixie Down".  Es ist anders andere Schlager auch rhythmischer und vom Text für die damalige Zeit enorm progressiv. Ihr kennt den Song alle: "Am Tag als Conny Kramer starb".

Ganz beliebt ist Abba bei den Covern. Selbst wie Werbung macht aus "Move on" einen Werbesong für Gard "Schönes Haar ist die gegeben". Aus "SOS" wird "Bring me Edelweis". "Waterloo" wird über Gloria von Laure Brennegan zu "Erna kommt" bei der man dann schon genau auf den Rhythmus hören muss um zu erkennen das man nur den Refrain von Waterloo die ganze Zeit hört. Das Lied hat übrigens zwei Väter, Hugo Egon Balder der inzwischen als Moderator arbeitet und Wolfgang Lippert, der die erste Coverversion machte und sich auch für einen Moderator hält. Gute Schlagersänger waren sie beiden nicht.

Die ungekrönten Cover-Verwerter sind aber die Les Humphrey Singers wobei Les Humphrey es gelang immer nur einzelne Takte zu entnehmen und so zu kombinieren das was neues herauskam (auf den Alben finden sich aber dennoch viele 1:1 Covern neben den "eigenen" Hits". Mama Loo beginnt z.B. wie B Babara Ann von den Beach Boys. Hier hat Jürgen Drews auch gelernt zu covern, er war ja lange Jahre in der Band.

So nun zum interaktiven Teil des Blogs: Was sind heute Vorschläge von guten deutschen Covern und schlechten? Hier mein Tipp:

Gut: Am Tag als Conny Kramer starb

Schlecht: "Rot und Schwarz"

1.8.2017: Neue Krankheiten

Morgens gibts bei uns im Radio so wenige Minuten vor 7 immer so was wie die kirchliche Mini-Predigt zum Tag. Diese Woche hat der Pfarrer neue Krankheiten als Aufhänger genommen, die eigentlich nicht so neu sind : "Burnout-Syndrom" und ADHS. Das hätte es schon früher gegeben nur hieß es eben Erschöpfung oder "hippelige Kinder". Aber erst wenn es eine Krankheit ist meint er, wird es heute ernst genommen. Das dachte ich mir ist doch ein guter Aufhänger für einen neuen Blog: neue Krankheiten. Die beiden sind ja nicht die einzigen. Da gibt es die Winterdepression, die vor ein paar Jahrzehnten noch einfach eine Niedergeschlagenheit bei schlechtem Wetter war und das Borderline Syndrom. Letzteres ist zwar seit etwa 100 Jahren bekannt, doch bis vor einigen Jahren litt kaum jemand dran.

Mir fielen dann beim Schwimmen einige Krankheiten ein, die noch auf ihre Anerkennung warten. Ich fange mal mit mir an.

Ich leide wie glaube ich 99% der Bevölkerung an dem Autosuggestions-Defizit. Wissenschaftler haben festgestellt, dass wir 200-mal am Tag lügen, am öftesten lügen wir uns selbst an um das Leben schöner oder erträglicher zu machen. Ich bilde mir z.B. jeden Tag ein, dass dieser Blog andere interessiert und ich etwas sinnvolles tue. Wer weiß vielleicht klingelt mal eine attraktive junge Dame an meiner Tür und will mit mir über Raumfahrt diskutieren? Natürlich ist dem nicht so, daher nennt man es auch Autosuggestions-Defizit. Stattdessen bekomme ich nur Anrufe von Journalisten die am Arbeitsverkürzungs-Syndrom leiden. Anstatt zu recherchieren, meinen sie ihre Arbeit einsparen zu können indem sie jemanden anrufen der Fachmann auf dem Gebiet ist. Das Arbeitsabkürzungssyndrom ist durch das aufkommen des Internets erheblich häufiger in der Bevölkerung geworden, vor allem bei Schülern und Studenten sind viele von dieser Krankheit betroffen.

Die zweite Krankheit unter der ich leide ist die Demotiviationsstörung. Sie drückt sich darin aus, dass ich unangenehme Dinge gerne vor mir her schiebe. Die Steuerklärung habe ich dieses Jahr z.B. am 30. Mai abgegeben. Dabei ist das Ergebnis (die zu zahlende Steuer( über die Jahre fast immer gleich, es geht eigentlich mehr um die unangenehme Arbeit die ganzen Rechnungen und Belege zu sortieren, ordnen und einzutragen.

Viele Leute leiden auch unter Beliebtheitssucht. Sie wollen von allen gemocht werden, oder besser gesagt sie wollen niemanden weh tun. Meine Ex-Schwägerin ist so ein Mensch. Sie sagt jedem genau das was er hören will. Als sie vor einem Monat zu Besuch war fand sie alles toll. Die Katzen, das Haus, die Einrichtung, das Essen. Letzteres sogar bevor es fertig gekocht war, was mich einmal durch das Dauerbabbeln (eine weitere Störung) so ablenkte das die Schupfnudeln fast angebrannt wären.

Bestimmte Berufsgruppen haben spezifische Krankheiten. Politiker leiden z.B. an temporaler Amnesie. Diese Krankheit befällt sie im Abstand von 4 Jahren und sie können sich nach der Wahl nicht mehr an die sogenannten Wahlversprechen erinnern können. Später leiden sie unter dem Entscheidungsdefizit, können also trotz Kenntnis von Problemen wie Staatsschulden, Explosion der Gesundheitskosten und Nichtfinanzierbarkeit der Renten sich nicht aufraffen Entscheidungen zu treffen um die Probleme zu lösen oder wenn sie Entscheidungen treffen nur nachdem ihnen Lobbyisten sehr sehr lange zugeredet haben. Von der obigen Demotiviationsstörung unterscheidet sie das sie bei anderen Dingen durchaus schnell entscheiden können wie z.B. der Verschärfung von Überwachungsmaßnahmen oder der Verlängerung des Solidaritätsbeitrags, nur eben nicht bei wirklich wichtigen Entscheidungen, vor allem wenn diese Kosten bedeuten.

Fußballer leiden an Kopfball-Debilität. Das dauernde Kicken von Bällen mit dem Kopf schädigt ihr Gehirn nachhaltig wie man an den ziemlich geistlosen Interviews nach Spielende erkennen kann. Man kann es auch daran erkennen dass sie nach Vereinswechseln den Verein denn sie vor wenigen Wochen noch beschimpft haben nun ganz toll finden.

Manager (vor allem von Banken) leiden unter progressivem Realitätsverlust. Er drückt sich darin aus, dass sie sich feiern lassen wenn ihr Unternehmen Miese macht und sie sich dafür noch einen großen Bonus genehmigen.

Beamte haben oft einen Hang dazu alles regeln zu wollen und das Große und Ganze und die Betroffenen aus dem Auge zu verlieren. Dieses in der Fachwelt unter der Bezeichnung Scheuklappen-Syndrom bekannte Phänomen ist jedoch nicht auf diese Berufsgruppe begrenzt.

Handwerker und Taxifahrer haben oft eine gestörte Raumwahrnehmung. Sie drückt sich darin aus dass sie zu bestimmten Zeiten ihren Weg nicht mehr finden, z.B. Handwerker beim Anfahrtsweg zum Kunden oder Taxifahrer bei der Beförderung von Kunden. Jeder der die Wegzeit mit der Zeit vergleicht die man normalerweise auf der kürzesten Route braucht wird dies feststellen können.

Wie wir inzwischen wissen ist es relativ einfach das aus einer kleinen Menschlichen Schwäche eine Krankheit wird. Wir haben dies bei der Arteriosklerose und inzwischen auch bei Diabetes gesehen: Man muss nur die Grenzwerte richtig setzen. Nachdem die Grenzwerte für Cholesterin in den letzten 30 Jahren laufend abgesenkt wurden haben inzwischen etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung eine Vorstufe der Arteriosklerose. In den USA hat man das nun auch mit den Grenzwerten für Glucose im Blut gemacht und nun haben 60% der US-Amerikaner eine Prädiabetes, also eine Vorstufe von Diabetes.

Kurzum: es gibt noch genügend Krankheiten für die die Pharmaindustrie die richtigen Mittelchen entwickeln kann, man muss bestimmte Verhaltensweisen nur zu Krankheiten erklären ...

Soviel von mir: Was fällt euch noch an neuen Krankheiten so ein?

Etwas überrascht hat mich die Meldung schon. Aber die Überraschung wäre am 7. November 2017 noch größer gewesen, wo das Ereignis stattfinden soll, zum 100-sten Jahrestag der russischen Oktoberrevolution. Das Datum hat geschichtliche Bedeutung und so wurde z.B. Sputnik 2 mit der Hündin Laika bewusst zu diesem Datum  gestartet. Knapp verfehlt hatte das Datum ein Zond Flug am 22.11.1967, der wegen technischer Verzögerungen verschoben wurde und als erste Sonde den Mond umrunden und zur erde zurückkehren sollte. Die Sonde ging dann aber trotzdem bei einem Fehlstart verloren.

Mit der Ukrainekrise hat Putin Russland einen nationalen Kurs verordnet. Die Militärausgaben wurden gesteigert und inzwischen wird auch unverhohlen an Ereignisse aus der kommunistischen Vergangenheit erinnert, als Russland noch den USA die Stirn bieten konnte. So soll es wieder kommen.

Auch die Raumfahrt profitiert davon. Nachdem der Ausbau der Angara und des neuen Kosmodroms Wostotschny über Jahre hinweg stockte wird nun beides zielstrebig verfolgt. Die ersten Anlagen in Wostotschny sind fertiggestellt und mit einem Sojusstart auch eingeweiht. Nach langem Stillstand gibt es seit diesem Jahr die erste Anschubfinanzierung für die kryogenen Oberstufen der Angara und das URM-3 ebenfalls mit LOX/LH2 als Treibstoff. Auch der Bau neuer Module für die ISS ist beschlossen. Sie werden später (ab 2028) der Kern einer eigenen russischen Raumstation werden. Bis dahin wird auch ein neues Raumschiff, das die Sojus ablösen soll, entwickelt sein.

Das größte Projekt ist aber das Gegenstück der SLS, die nun nach einer Indiskretion bekannt wurde. Sie soll wie schon gesagt am 7.11.2017 ihren Jungfernflug absolvieren. Die Nutzlast steht noch nicht fest. Putin will wohl eine Sojus mit einer zusätzlichen Stufe zum Mond schicken und dort in einen Orbit einbremsen. Nach vier Tagen soll sie wieder zur Erde zurückkehren und nach 12 Tagen landen. Er wird diesen Wunsch wohl durchsetzen können. Die Sojus wird dazu mit einer Fregat-Oberstufe kombiniert die für das Einbremsen und Verlassen des Mondorbits zuständig ist. Noch auf starken Widerstand steht Putins Wunsch, dass dieser erste Einsatz schon bemannt sein soll. Die Raketenexperten plädieren aber für den ersten Flug für einen unbemannten Einsatz, auch wenn die Sojus ihr Rettungssystem SAS mitbringt. Ein nicht namentlich genannter Wissenschaftler lies sich zur Äußerung hinreisen "Die einzigen Menschen die ich beim Jungfernflug starten lassen würde wären Putin und Medwedew". Eine Woche später hatte er seinen Schreibtisch geräumt.

Über die Rakete gibt es noch wenige Details. Man weiß nur, das die erste Stufe 24, die zweite sechs, die dritte ein Triebwerk einsetzt. "Wir haben das SpaceX-Prinzip übernommen und perfektioniert". da die Entwicklung erst nach der Krim-Annektierung 2014 begann, halten viele Experten es aber für unwahrscheinlich, dass man die komplette Rakete neu entwickelt hat. Als Triebwerke kommen eigentlich nur die RD-191 in Frage. Bei einem Bodenschub von 1.922 kN hat die Rakete einen Startschub von 46.120 kN. Bei einem Schub/Gewichtsverhältnis von 1,2 entspricht dies einer Startmasse von maximal 3700 t. Man wird wegen der Übernahme des Konzepts der Engine-Out Capability aber wahrscheinlich eine leichtere Rakete starten. Doch schon das Gewicht und die Abmessungen sind nicht bekannt.

Doch man kann sich dem Thema auch anders nähern. Wie gesagt reicht die Zeit von knapp 4 Jahren nicht aus um die Rakete komplett neu zu entwickeln. Nun gab es schon in den Siebzigern ein Nachfolgeprojekt der N-1 das bald wieder eingestellt wurde. Gluschko wollte sein RD-270 in der Vulkan einsetzen, als Nachfolge der N-1. Die Mittel bekam er nicht, so baute der die N-1 um und installierte die RD-270 Triebwerke. Um sich bei der Führung einzuschleimen nannte er die neue Rakete "Lenin". Mockups wurden von Aufklärungssatelliten fotografiert und tauchten dann auch in Lehrbüchern aus dieser Zeit auf. Ich habe einen Scann aus dem Buch "Weltraunfahrt" von Steinhof/Zimmer aus dem Jahr 1978 beigelegt. Dieses erschien in mehreren Auflagen, in der vorherigen von 1973 ist die Lenin noch nicht vorhanden. Vieles spricht dafür, dass man die Stufen der Lenin übernommen hat. Dank des höheren Schubs (das RD-270 hatte einen von 1560 kN) konnte ,man aber die Triebwerkszahl reduzieren und man hat in der dritten Stufe nun ein einzelnes Schwenkbares Triebwerk installiert.

Die "Lenin" wird nur eine Rakete einer Familie sein. Schon vorher wird die "Breschnew" ihren Jungfernflug absolvieren. Sie entspricht den beiden oberen Stufen der Lenin mit einer zusätzlichen Oberstufe, anfangs ein URM-2 der Angara, später die KVRM sein. Sie soll 25 bis 30 t in den LEO und mit der Breeze M 7-8 t in den GTO, später mit der KVRM 4 t in den GEO transportieren. Mit ihr wird auch der schwerere Nachfolger der Sojus zu den Weltraumstationen ISS und dem russischen Nachfolger gestartet.  Die Nutzlast der Lenin wird auf 150 t geschätzt. Dann gibt es noch die kleinere Variante der "Chruschtschow", die verwendet nur die letzte Stufe, ergänzt um ein URM-2 und die Fregat Oberstufe und soll 6 t in den Orbit bringen. Sie wird die Sojus ersetzen, wenn man die Leistung der beiden oberen Stufen durch verlängerte Tanks gesteigert hat. Zusammen mit der Angara wird man dann auch die anderen russischen Träger ausmustern können. In allen Erststufen werden dann nur noch RD-191 eingesetzt, was eine hohe Stückzahl ergeben soll. 

Meiner Ansicht nach sollte man skeptisch sein. In den letzten Jahren gab es so viele russische Raketenprojekte die großspurig angekündigt wurden und nie umgesetzt wurden. Andererseits sind die Fortschritte bei Wostotschny nachweisbar. Sie können aber auch nichts mit der "Lenin" zu tun haben. Schlussendlich wird man erst mehr wissen, wenn der 7.11.2017 gekommen ist.

 


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