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Web Log Teil 472: 29.8.2016 - 3.9.2016

29.8.2016: Aktionismus

Auf das heutige Thema kommt man ganz schnell, wenn man oder zumindest ich, an die Terrorismuspolitik denkt. Seit dem 11.9.2001 gab es zahllose Gesetze, die uns vor Terrorismus schützen sollen, besonders nachdem es in den Nachbarländern Anschläge gab. Vor allem wenn es einen solchen direkten zeitlichen Bezug gibt, liegt der Bezug zu Aktionismus nahe. Bei de Maizière habe ich noch dazu den Verdacht, dass er in einem Denken verhaftet ist, das vielleicht vor 40 Jahren gegen die RAF half, aber nicht heute. Anders kann ich mir Medienauftritte wie diesen nicht erklären, in dem er den IS „verbietet“. Als ob der sich darum scheren würde. Wahrscheinlich muss man so was aus Gesetzesgründen machen, um gegen Sympathisanten die eine IS-Fahne im Zimmer hängen haben vorgehen zu können (auch wenn ich nicht denke, dass dies dann das einzige Gesetz ist, wogegen der Sympathisant verstößt). Doch würde ich das still und leise in einem normalen Erlass machen, anstatt das vor laufender Kamera auf einer Pressekonferenz zu verkünden. So wirkt das irgendwie lächerlich.

Was mich vor allem besorgt, ist das de Maizière, er steht aber nur stellvertretend für die Bundesregierung, die ihn ja nicht ausbremst, in einem Denken verharrt die nichts an Sicherheit bringt und die Maßnahmen vielleicht früher erfolgreich waren, doch nicht heute.

Zur Zeiten der RAF führte man erstmals Methoden ein, wie die Datenauswertung mittels Computern nutzten, um die Mitglieder der RAF inmitten der Bundesbevölkerung zu finden. Sie wollten ja unerkannt im „Untergrund“ arbeiten. Das war damals die Rasterfahndung. Sie führte Daten verschiedener Behörden zusammen. Was man wusste, war das RAF Mitglieder kein Konto besitzen konnten, weil sie bei der Eröffnung einen Personalausweis vorlegen mussten. Also bezahlten sie alles Bar oder durch Postüberweisung. Mittels der Rasterfahndung durchsuchte man dann den Datenbestand auf Personen, auf die dies zutraf und die nicht gemeldet waren. Das war erfolgreich. Der Schlag am 1.6.1972 bei dem Meins, Baader und Raspe verhaftet wurden, beruhte auf Eingrenzung der Zahl der Verdächtigen mit der Rasterfahndung.

Nun haben sich die Zeiten aber geändert. In den Siebzigern hätte man vielleicht alle Telefone abhören können und auch so zu der RAF kommen können. (Wenn man geenügend Personal gehabt hätte). Heute geht das nicht mehr. Sicher Telefongespräche wird man noch abhören können, doch wenn der Sympathisant ein Prepaid Handy benutzt, das einmal benutzt nützt das nichts. Man kennt dann immer noch nicht den Anschlussinhaber.

Noch idiotischer ist die Totalüberwachung mittels gesetzlich verordneter Vorratsdatenspeicherung. Es gibt seit Jahren zuverlässige und einfach einsetzbare Verschlüsselungsmethoden für Inhalte. Warum sollten die Terroristen nicht einsetzen? Schon die Verschlüsselung alleine reicht, das man den Inhalt nicht einfach durch einfache Überprüfung auf „Buzzwords“ durchsuchen kann, um ihn aus dem Riesenberg an Daten die täglich durch das Internet rauschen heraus zuholen. Also erst mal festzustellen, ob er überhaupt relevant ist. Stattdessen setzt man die gesamte Bevölkerung unter Generalverdacht. Würde man das Gleiche woanders machen, würde die Bevölkerung aufschreien. Im Prinzip ist es ja so: Wir überwachen alle, um einige schwarze Schafe zu erwischen. Nehmen wir mal an, wir machen das beim Straßenverkehr. Dot gibt es viel mehr Verstöße als durch Terroristen. Dazu braucht man heute nicht mal überall „Blitzer“. Wenn in jedem Auto ein Navi steckt und die neuen Autos auch alle Internet haben, dann muss man nur gesetzlich verordnen, das das Auto alle Geschwindigkeitsüberschreitungen meldet. Die Daten über die Geschwindigkeit liefert das Auto selbst, die Daten über Einschränkungen das Navi. Das kann man auch erweitern um das Ignorieren von Verbotsschildern, wie "Einbahnstraße" oder "Parken verboten“. Was wäre los, wenn viele Autofahrer mehrmals im Monat automatisch einen Strafzettel bekommen würden? Auch hier kann man argumentieren: Wenn ich mich an SVO halte, dann kann mir nichts passieren. Das sagen ja oft unbedarfte, wenn man sie zum Thema Vorratsspeicherung befragt.

Das Gleiche zeigt sich bei der Totalüberwachung. In England gab es ja schon eine gute Überwachung von öffentlichen Plätzen und belebten Straßen durch Kameras. Trotzdem konnte man die Anschläge dort nicht verhindern. Nachher entdeckte man die Terroristen auf den Aufnahmen. Zwei wesentliche Argumente gibt es gegen die Totalüberwachung. Das erste ist, dass jemand nur auffällt, wenn er auch sich auffällig bewegt oder was macht, also vielleicht eine Waffe aus einem Rucksack herausholt. Wer mit einem Sprengstoffgürtel unter der Jacke herumspaziert ist gar nicht auffällig. Das ganze ist auch eine zweischneidige Sache. Zum einen kann natürlich jemand mehr Monitore parallel kontrollieren, als jemand der auf dem Gelände ist. Allerdings glaube ich nicht das mehr als zwei bis drei Monitore wirklich aufmerksam konzentriert werden können, zumindest wenn dort viele Leute sind. Aber egal wie: man braucht in jedem Fall Leute, die dann schnell vor Ort sind und dann wäre es besser gleich mehr Personal an Brennpunkten oder belebten Orten zu haben. Aber das kostet viel mehr Geld. Die Polizei hat man ja in den letzten Jahren abgebaut. Dabei würde das auch andere Straftaten vor Ort, wie Taschendiebstahl, Schlägereien etc. eher bekämpfen von denen mehr Gefahr für die Allgemeinheit als von Terroristen ausgeht. Wenn ich dann noch die Bilder sehe, die bei bisherigen Anschlägen von Überwachungskameras geschossen werden, dann frage ich mich was die Leute da überhaupt erkennen können. Deren Qualität ist oft sehr bescheiden. Dabei kosten wetterfeste, Full-HD fähige Netzwerkkameras heute nun wirklich nicht mehr viel Geld. Ich würde also erst mal die vorhandene Ausrüstung modernisieren, bevor ich noch mehr aus der Ferne überwachen lassen würde. Doch das klingt eben nicht so gut. Mehr Überwachung = mehr Sicherheit.

Und wenn mal Sommerloch ist und unser Minister sich langweilt, kommt er mit weiteren Vorschlägen wie der 10 Tagesvorratsidee. Ich komme ohne Probleme mit dem was ich zu Hause habe 10 Tage aus, nur soll das ja als Absicherung für einen Stromausfall sein und weder Konservendosen noch Fertiggerichte (Spaghetti Miraculi etc.) kann man ohne Strom zubereiten oder zumindest schmeckt es nicht besonders. Das Gleiche gilt für eigenes Brot, das man ja aus Mehl (gut lagerbar) machen kann und Tiefgefrorenes verdirbt, auch wenn die Gefriertruhe keinen Strom hat. In der Praxis würde das drauf hinauslaufen, dass man von den nicht so lange haltbaren Waren, die aber 10 Tage noch ohne Kühlung überstehen und nicht erhitzt werden müssen, dauernd einen Vorrat hat der 10 Tage reicht, z.B. Vollkornbrot, Wurst etc. Ich möchte aber nicht wissen wie viele dann nach einigen Tagen trotzdem das Brot und die Wurst wegschmeißen, weil es dann nicht mehr so gut schmeckt. Dabei wird doch schon beklagt, dass die Deutschen zu viel wegwerfen.

Ich glaube dieser Aktionismus hat eher den gegenteiligen Effekt: das die dauernden Nachrichten über Maßnahmen, die man durchführen sollte oder die Diskussion darüber das Thema im Gespräch hält und man daher eher eine Gefahr vermutet, auch wenn es keine gibt.

Mal ein ketzerischer Gedanke: Es sterben 3,7 Personen/100 Millionen im Jahr durch Blitze. Beim Untersuchen der Liste der Terroranschlägen seit 2000, also 15 Jahren fand ich nur einen Anschlag bei dem es zwei Tote (außer dem Attentäter) gab. Bei 82 Millionen Einwohnern müsste es statistisch in den 16 Jahren 48 Tote durch Blitze geben. Blitze sind also 24-mal gefährlicher als Terrorismus. Tut man was dagegen? z.B. Ausgehverbote bei Gewittern? Nein! Dabei ist dieses Risiko wie Terrorismus nicht eines das man durch eigenes Verhalten verhindern könnte (die Liste führt z.B. Bergsteigen auf, das Sterben kann man vermeiden, wenn man gar nicht erst auf Berge kraxelt).

Ich halte es im Gegenteil für sehr gefährlich Leute mit einer Bedrohung zu verunsichern, die von de Faktenlage her gar nicht existiert. Mal von den psychischen Folgen ganz abgesehen tut das auch nicht der Reputation von de Maizière und der Regierung gut. Vor allem ist es ja auch nicht ohne Risko: Ich möchte nicht wissen, wie viele daran schon an den Folgen der Aufregung über die Terrorgefahr gestorben sind ...

31.8.2016: Nicht immer ist alles neue besser / warum darf ich nichts testen?

Am Sonntag kam ich vom täglichen Schwimmen aus dem Freibad und stelle fest das mein MP3 Player aus der Fahrradtasche verschwunden ist. Ich habe mich ziemlich drüber geärgert. Den Player (Creative Zen 100) habe ich seit vielen Jahren, ich habe ihn 2011 gekauft. Weil er so alt ist, das Display verkratzt, dachte ich eigentlich immer der wird nicht geklaut. Schließlich hat heute jeder ein Handy oder Smartphone und hört damit Musik.

Im letzten Jahr habe ich ja weil der Akku langsam nachlässt er auch ab und zu mal abgestürzt ist nach einer Alternative umgeschaut. Das Ergebnis war ernüchternd. Der Verkaufsschlager bei Amazon ein AGPTrek ist schwer zu bedienen, vor allem kommt man nicht schnell an einen bestimmten Titel ran. Beim Zen kann man mit den Pfeiltasten zwischen einer alphabetischen Liste aller Titel wechseln und eine Liste mit dem Alphabet, wo man viel schneller zwischen den Anfangsbuchstaben wechseln kann. Nach wenigen Monaten gingen erst die Tasten nicht (wahrscheinlich weil ich hunderte Mal draufgedrückt hatte um an einem Titel zu kommen) und dann streikte der ganze Player. Ersatz war ein Intenso. Der ist noch beschränkter, die Shuffle Funktion ist unbrauchbar (nach wenigen Titeln wiederholt sich alles, egal ob man 100 oder 500 Titel auf dem Player hat) und auch hier nach 6 Monaten geht die Einschalt/Vorspultaste nicht mehr. Ebenfalls Technikschrott.

So habe ich am Sonntag/Montag versucht alte Create Zen bei E-Bay zu steigern. Mehr als 30 Euro wollte ich wegen der Akkuproblematik nicht ausgeben, wurde aber zweimal überboten, dabei hat er neu um die 34 Euro gekostet. Offensichtlich wissen auch andere den Player zu schätzen.

Bei der Suche nach Alternativen bei neuen Playern fand ich nichts brauchbares. Ich schaue bei Amazon dann gerne die negativen Bewertungen durch. Und wenn ich da schon was von schlechter Bedienung lese oder das ein Gerät schnell kaputt geht, ist es draußen. Mein Zen hat schon mehrere Stürze überstanden und dabei ist auch schon mehrmals das Gehäuse aufgesprungen. Wiederzusammensetzen und er geht wieder. Schließlich habe ich dem Bereich den ich für ein neues Gerät ausgeben wollte (50 Euro) nichts gefunden.

Am Dienstag habe ich es dann mal im Bad versucht. Meine Überlegung: So einen alten Player klaut kein Erwachsener oder Jugendlicher. Ohne Ladekabel ist er bald nutzlos, man sieht wie alt er ist und heute hat wie schon gesagt jeder ein Handy. Das kann nur ein Kind gewesen sein und vielleicht haben die Eltern das gemerkt und den Player abgegeben. Ich hatte Glück. Er war tatsächlich da. Nach Auskunft der Kassiererin meinte es ein Badegast zu gut und wollte ihn vor Diebstahl "schützen" indem er ihn bei der Kasse abgibt. Das ich (und ich schätze die meisten anderen) dann eher davon ausgehen das er gestohlen sein könnte, hat er wohl nicht bedacht.

Aber das leitet mich zu meinem Thema über. Wir sind es eigentlich gewohnt das Produkte immer besser werden. Zumindest wenn wir das gleiche Preissegment betrachten. Vor allem bei Elektronik wo die Bausteine immer billiger werden. Trotzdem ist das schon der dritte Fall wo das nicht so ist. Der erste ist meine Digitalkamera. Als meine erste Canon 1S kaputt war habe ich mir eine neue gekauft - mit 5 anstatt 3 MP. Ergebnis: viel unschärfere Fotos, viel lichtunempfindlicher. Ich habe dann bei Ebay eine gerauchte Canon 1S erstanden und die benutze ich immer noch. Da ich mich auch für Astronomie interessiere weis ich: je mehr Pixel um so schlimmer ist das Rauschen und desto geringer die Lichtempfindlichkeit. Als ich vor zwei Jahren dann mal Lust hatte, mir wieder eine Spiegelreflex zuzulegen habe ich denn auch keine neue gekauft, sondern für 120 Euro eine EOS 300D mit Zoomobjektiv (18-125 mm). Die 6 Megapixel reichen mir vollkommen aus.

Das letzte Beispiel ist nicht aus dem Gebiet Elektronik, es ist mein elektrisches Rührgerät. Da habe ich seit den Achtzigern eines von Severin. Es funktioniert, auch wenn inzwischen zwei Plastikstege um die Rührbesen kaputt sind. Aber es ist schwer und wenn man es lange in der Hand halten muss, geht das schon in die Arme. Also kaufte ich mir Ende der Neunziger ein neues, das funktionierte einige Jahre dann war es kaputt. Seitdem ist das alte Rührgerät wieder in Betrieb. In einer Sendung habe ich mal gehört die neuen haben zum Antrieb der Besen Zahnräder aus Plastik die bald kaputt gehen und die alten welche aus Metall. Konnte auf meines zutreffen, zumindest erklärt es das Gewicht.

Während man das eine vielleicht noch verstehen kann, schließlich will man nach einigen Jahren ein neues Gerät verkaufen kann ich MP3-Player mit miserablen Bedienungskonzepten oder nicht richtiger Shuffle-Funktion nicht verstehen. Ich würde nach dem Reinfall nie wieder ein Gerät von AgpTrek oder Intenso kaufen. Dagegen wäre ich gerne bereit einen neuen Creative Player zu kaufen - leider fertigt die Firma keinen mehr.

Da ich inzwischen bei zahlreichen Amazon-Kritiken als letzte Zeile lese "Das Gerät wurde mir für Tests zur Verfügung gestellt ...." frage ich mich: Warum kommt keine Firma auf mich als Tester zu? Da könnte ich mal viele MP3-Player  testen und der der wirklich gut ist, den würde ich dann auch gerne bezahlen (den Rest bekommt der Hersteller gerne zurückgeschickt). Ich höre am Tag etwa 1 Stunde Musik auf dem Player. (Gerne auch wasserdicht, denn ich schwimme viel). Etwa genauso lang fahre ich mir Fahrrad. Fahrräder könnte ich also auch testen. Mit Höhenunterschieden von 80 m in meiner Umgebung wäre auch das anspruchsvoll. Bei mehr als 7 Gängen könnte ich auch mal einen Versuch nach Esslingen machen. Die nächste Kreisstadt liegt zwar direkt vor meiner Haustür aber über 2 km Straße geht es 167 m runter ins Neckatal. Das war mir bisher immer zu steil. Gerne würde ich auch mal einen Tablett-PC testen  Vielleicht taugen die Dinger ja doch was. Ich glaube die besten Tests könnte ich bei Raumfahrtbüchern und Astronomie Büchern machen. Nur rechnet nicht mit Lobhudeleien, sondern einer ehrlichen Kritik. Aber wahrscheinlich muss man sich bei den Firmen melden und nicht umgekehrt. Dazu ist aber dann doch mein Ego zu groß. Schade, denn ich denke ich wäre ein guter Tester. (außer vielleicht wenn der Autor von mir abgeschrieben hat, da bin ich eigen).

Meiner Ansicht nach sollten so persönliche Tests schon fundiert sein oder von "Experten" durchgeführt werden also Leuten die sich auskennen, anspruchsvoll sind oder Schwachstellen finden Mein Bruder wäre z.B. ideal geeignet die Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit von Software zu testen. Obwohl er seit 23 Jahren einen Computer hat und seit 10 Jahren Internet hat er keine Ahnung davon. Er installiert jede Toolbar und jedes nervige Tool mit. Er fliegt auf jede "Ist Umsonst" Masche rein und bekommt jeden Tag gefühlte 200 Spam-Mails weil er seine persönliche Adresse überall zum Anmelden nutzt. (eine von mir angelegte Wegwerfadresse hat er dagegen nie benutzt, wozu auch was neues lernen?) Jetzt ist es etwas besser aber eine Zeitlang durfte ich auch alle 6 Monate Viren vom Computer herunterputzen (trotz installiertem Virenschutz), mindestens dreimal hat er sich den BKA-Trojaner eingefangen, der den Rechner mit einem Sperbildschirm verriegelt. Also wenn eine Software Firma DAU-User Tests machen möchte, ich stelle gerne den Kontakt her.

Im Prinzip wären solche "Privattests" sinnvoll, denn es erscheinen ja immer mehr Produkte und zwar in allen Bereichen. Die können Institutionen wie "Stiftung Warentest" oder Zeitschriften gar nicht alle testen. Das merkte ich auch als ich dann mal über Google nach MP3-Player Tests sichte. Entweder es sind kommerzielle Seiten oder die Tests waren uralt oder gut schnitten nur Geräte über 100 Euro ab. An den letzten Test von MP3-Playern in der ct kann ich mich schon nicht mehr erinnern. Smartphones werden inzwischen in jeder Ausgabe getestet. Wenn das so weitergeht werde ich mir wohl noch ein Handy zulegen müssen - als MP3.Player. Wahrscheinlich wird das aber nicht ohne Sim-Karte gehen oder noch umständlicher zu bedienen sein.

Sicher Privatpersonen können nicht alles testen, aber sie können einen realitätsnahen Blick auf das Produkt werfen und seine Alltagstauglichkeit überprüfen. Nur sollte es dann auch ein reeler Test und kein Test in der Art "Ich bekomme was geschenkt und lobe es dafür über den Klee" sein.

1.9.2016: Die Hitler-Tagebücher

Als ich vor einigen Wochen eine Dokumentation über den Skandal der Hitler-Tagebücher gesehen habe, tat sich mir eine Frage auf: Was ist mit den 9,3 Millionen Mark passiert, die der Stern an Heidemann gezahlt hat. Der Beitrag lieferte nur die Antwort eines Bekannten von Kujau, der als persönliche Meinung sagte, das hätten die beiden "verprasst". Mir kam das bei der Summe und dem kurzen Zeitraum von 2 Jahren doch etwas komisch vor und weil auch die ganze Geschichte so abstrus klang habe ich mir zuerst ein Buch, dann zwei weitere zu dem Thema gekauft und will die mal hier besprechen.

Das erste Buch war von Manuel Seufert "Der Skandal um die Hitler Tagebücher". Manuel Seufert war nach eigenen Angaben von Henri Nannen beauftragt, den Skandal aufzuklären. Der Stern wollte das Ergebnis veröffentlichen, hat das aber ne getan (wenn man sich das Buch durchgelesen hat, weiß man auch warum) und aus diesem Material ist dann das Buch entstanden. Da Seufert damals Stern-Redakteur war, konzentriert sich die Sache auf den Stern, man bekommt viele interne Details mit auch Schriftstücke zwischen dem Verlag und Heidemann. Es ist das neueste Buch, erschienen 2008. Das hat den Vorteil, dass auch der Prozessausgang und die Vita der Betroffenen danach mit dabei ist.

Es ist ein sehr lesenswertes Buch, sehr spannend beschrieben. Was mich ein bisschen gestört hat, ist das man schnell den Überblick, man schnell den Überblick verliert von den vielen Namen, und wer welche Funktion im Verlag hat und welche Befugnisse. Zudem neigt er dazu wichtige Dinge zu wiederholen wie "Da dieses Dokument sich als falsch erweisen hat, hätte man doch nachdenken müssen". Das kam einige Male vor. Nach Lektüre des Buchs konnte ich allerdings die Aussage einer Stern-Redakteurin aus dem Film bestätigen. Als der Film "Schtonk" erschien, wurde sie von Bekannten gefragt: "War es denn wirklich so grotesk?" Sie antwortete darauf "Noch viel grotesker". Ja Schtonk als Film ist noch viel zu harmlos. Man findet den Hinweis das zumindest die reale Fundgeschichte bei der Absturzstelle so bizarr war (die Stasi fuhr die Stern-Reporter nach Börnersdorf) das Dietel sich eine eigene ausdachte, weil sie ihm zu unwahrscheinlich vorkam.

Die Sicht vom Stern-Redakteur aus hat einen Nachteil: Kujau kommt in dem Buch so gut wie nicht vor. Es dreht sich um Heidemann. Daher habe ich zwei weitere aus den achtziger Jahren, beide als Schnellschuss nach dem Skandal veröffentlicht, gelesen. Die gerichtliche Nachbearbeitung findet man daher nicht in beiden Büchern, aber sonst auch die meisten Details. Sehr schnell weggelegt habe ich "Erich Kuby: Der Fall "stern" und die Folgen". Das dies ein Fehlkauf war, sah ich an einem Stempel innen "Eigentum des Zentralkomitee der SED" (ich kaufe Bücher gerne als Antiquariat, bei gebrauchten Büchern kann man eigentlich nichts falsch machen sie nützen sich nicht ab und haben auch keinen Akku der an Leistung nachlässt). Das Vorwort, in dem der Verfasser schreibt, das man sein Manuskript bei einem anderen Verlag kurz vor dem Druck ablehnte, nachdem man es sich erstmals durchlas (sehr früh!), war auch bezeichnend. Die ersten Seiten zeigten dann, was das Buch war: eine persönliche Abrechnung des Autors mit dem Stern und von Nannen. Um die Hitler Tagebücher ging es nur in einem Kapitel. Schon auf den ersten Seiten kann man dafür Wörter wie "kapitalistisch" finden und weiter hinten sind dann alle Nazis. Das ist kein Sachbuch, das ist die persönliche Abrechnung eines Autors mit Henri Nannen. Zumal er persönliche Theorien spinnt, wie einige Geschichten von Heidemann zusammengekommen sind (die sich nicht mit der recherchierten Wirklichkeit decken) und da er früher mit Heidemann unterwegs war, kommt der auch gut weg. Schuld ist eigentlich nur der Stern. Eine gute Kritik des Buchs findet sich im Spiegel.

Das letzte Buch stammt von Manfred Bissinger "Hitlers Sternstunde". Es wurde ebenfalls kurz nach dem Skandal geschrieben. Obwohl auch Bissinger wie Kuby beim Stern war und dann wie er entlassen wurde, ist das Buch neutral geschrieben, vom Schreibstil das Beste der Drei. Man erfährt einiges über Kujaus Lebenslauf und auch einige Zitate von ihm. Bissinger hat ihn in der Untersuchungshaft zweimal interviewt, aber auch hier konzentriert sich alles auf Heidemann. Immerhin lässt sich Bissinger zu der Aussage herab, das Heidemann ziemlich genau wusste, dass alles gefälscht war. Das belegt er mit einigen Zitaten Kujaus. Bei Seufert muss sich das der Leser selbst zusammenreimen und bei Kuby ist ja der Stern an allem schuld.

Ich glaube ein weiteres Buch kann ich mir schenken (es gäbe ja noch den Fall Kujau), denn die Wahrheit ist so profan wie unglaublich. Bei einem Deal über 9,34 Millionen Mark macht  sich Kujau nicht mal viel Mühe mit den Fälschungen. Man erwartet ja von Fälschen in Zeiten, in denen man Materialen chemisch und physikalisch leicht auf ihr Alter und Zusammensetzung bestimmen kann, dass sie sich etwas Mühe geben, z.B. Bücher aus der Zeit nehmen (Maler die fälschen kaufen z. B. alte Bilder, entfernen die Gemälde und bemalen die Leinwände neu). Bei der NS-Zeit, die damals gerade mal 40-50 Jahre zurück lag, hätte man wohl ohne größere Probleme mit Anzeigen leicht an altes Papier und Tinten kommen können.

Überhaupt liest sich das Ganze wie eine Posse, die man wenn sie jemand als Roman veröffentlichen würde kaum glauben würde. Gerd Heidemann, der einen Nazi-Spleen hat, entdeckt bei einem anderen Sammler einen Band von Hitlers Tagebücher. Konrad Kujau, der sich Fischer nennt, verspricht weitere zu beschaffen und erzählt eine abenteuerliche Story über die Herkunft der DDR. Nun geht Heidemann, eigentlich nur Redakteur direkt zur Verlagsleitung über Chefredaktion und Herausgeber hinweg und bekommt tatsächlich einen Vertrag, der ihm nicht nur das völlige Verwertungsrecht einräumt, sondern ihn auch finanziell bei den Einkünften beteiligt. Er setzt durch das er die Quellen nicht nennen muss und er darf mitbestimmen, wer die Bücher auf Echtheit untersucht. Dann bekommt er 300.000 Mark für die ersten drei Bände. Davon zahlt er 108.000 DM an Kujau und den Rest behält er. Quittungen über das ausgegebene Geld muss er nicht vorlegen! So geht das munter zwei Jahre weiter. Kujau, auf den Geschmack gekommen macht aus 27 Bänden 67 Bände. Er erfindet neue werke wie Abhandlungen über Ludwig den II oder eine Oper "Wieland der Schmidt". Dabei steigen sie Summen für jeden Band immer weiter an. Es fällt nicht mal auf, das Heidemann nun das Geld hat die Jacht von Göring, die er vorher notverkaufen wollte, er mit seinem Gehalt von 9000 DM nicht die Liegegebühren von 6000 DM finanzieren konnte nun aufwendig restaurieren lässt, sich eine zweite Etage in dem Mietshaus anmietet. Als Nannen ihn mal besucht, seien zwei Etagen und das Boot und die Sammlung sieht, ist ihm klar das Heidemann Geld abzweigt, doch als der dies dem Verlagsleiter Schulte-Hillen sagt entgegnet der nur, dass man ach den Erkenntnissen der Psychologie anderen nur das unterstellt was man sich selbst zutraut. Bei den Gehältern habe ich geschlottert. 9000 DM waren damals viel Geld, dabei war das noch wenig. Die Chefredakteure verdienten 500.000 DM/Jahr. Gereicht hat es ihm nicht, obwohl das Gehalt dann auf 10.500 DM hochgeschraubt wurde und er einen Bonus von 380.000 DM bekam. Er betrog den Stern um Millionen.

Es gibt keine Zweifel, als in den Tagebüchern Ungereimtheiten auftauchen. Heidemann der inzwischen mit NS-Prominenz auf Du ist glaubte auch nicht Hitlers Adjutanten und Sekretärin die versichern, das Hitler extrem schreibfaul war und kein Tagebuch führte und auch nicht als andere Dokumente von Kujau, die in einem Buch veröffentlicht werden, sich als falsch herausstellen macht ihn stutzig.

Als man die Echtheit überprüfen will, geht es zuerst nur um Schriftgutachten. Einige Vergleichstücke stammen aber auch von Kujau, nur das Bundesarchiv hat eigene Schriften, die es als Basis nehmen kann. Dieses ist anders als zwei andere Gutachter vorsichtig. Historiker werden nicht hinzugezogen, weil man Angst hat, sie könnten die Sensation patzen lassen, selbst die Verantwortlichen lesen einen Band erst kurz vor der Veröffentlichung. Nannen als Herausgeber findet den Inhalt "platt und voller Nebensächlichkeiten". Materialtechnisch lies man es erst kurz vor der Veröffentlichung untersuchen, was sich als größter Fehler herausstellt. Zumindest ein Sachverhalt lässt sich nämlich in 5 Minuten klären. Es sind die Weißmacher im Papier. Das sind aromatische Substanzen mit zwei oder drei Ringen, die U-Licht absorbieren und sichtbares Licht im blauen Bereich abstrahlen. Sie machen daher gelbstichiges Papier zu weißem Papier und sind auch in Waschmitteln enthalten. Ich kann mich an mein erstes Praktikum beim Chemiestudium erinnern. Gerätschaften gab es kaum welche. Eines war eine UV-Lampe. Unsere Kittel leuchteten leuchtend blauweiß unter dem Licht, normales Schreibpapier ebenso, Umweltpapier dagegen nicht. Einen Bogen unter eine solche Lampe zu halten dauert keine Minute und schon wäre die Sache erledigt gewesen.

Selbst die Sache mit dem „FH" auf den Kladden kam erst raus, als die Bild am 6.Mai damit aufmachte, also mehr als eine Woche nach der ersten Veröffentlichung durch den Stern. Warum fiel das keinem vorher auf? Weil kein Experte sich einen ganzen Band ansehen durfte. Die lagerten alle in einem Safe einer Züricher Bank. Als der Skandal platzt, schickt die Stern-Redaktion einige Reporter los um die Herkunft zu erfahren. Innerhalb weniger Stunden haben sie mit der Telefonauskunft Kujaus Adresse rausgefunden und waren dort, in der DDR suchen sie nach den angeblichen verwandten die Museumsdirektor und Volksarmee-General sind (in Wahrheit Hausmeister und Gepäckträger) ausgemacht.

Wie man aber jemanden von dessen Nazi-Spleen man wusste und der damit schon allen in der Redaktion auf die Nerven ging ohne Quittungen 9,34 Millionen Mark in die Hand drückt, ihm solche Rechte einräumt und zutraut, ohne Historiker alleine über 60 Tagebuchbände alleine auszuwerten, das bleibt schon einmalig. Ebenso das die Ausgaben (alleine 2,1 Millionen Barausgaben in zwei Jahren) von keinem bemerkt werden wollen. Nach dem Gerichtsurteil hat Kujau, der sich abgerackert hat um 50 Bände in zwei Jahren, also einen alle zwei Wochen zu produzieren 2,71 Millionen DM bekommen, Heidemann hat 4,39 Millionen veruntreut. Kujau hat vor allem investiert in Immobilien, Heidemann vor allem seine Nazisammlung vergrößert.

Kujau ist nach dem Prozess auch so ein gemachter Mann. Nun kann er offiziell "fälschen". Er malt Bilder nach signiert sie aber mit Kujau und damit sind es keine Fälschungen und er verdient gut daran. Nach seinem Tod kommt noch heraus, das eine Verwandte chinesische Fälschungen mit seinem Namen versah und als “echte Kujaus" im Internet verkauft und über 550.000 Euro verdient hat. Heidemann, der wohl das veruntreute Geld vollständig in Nazi-Devolutionalen umgesetzt hat, ist dagegen beruflich erledigt und lebt heute von Sozialhilfe. Er ist auch der Einzige, der von der Affäre negativ betroffen ist. Die Chefredaktion, die eigentlich übergangen wurde, wurde ausgetauscht, bekommt aber millionenschwere Abfindungen. Andere werden eine Leiter hochgelobt. Nur Nannen zieht selbst die Konsequenz und gibt 1984 den Stab beim Stern ab. Insgesamt hat die Affäre den Stern 18,6 Millionen DM gekostet, was den Reingewinn des Verlags in dem Jahr aber um weniger al 10% minderte.

2.9.2016: Hab ich es nicht immer gesagt?

Eigentlich habe ich für heute schon einen Blogeintrag für SpaceX vorgehabt, das sich als Nachlese mit dem geplanten "Reflight" einer Erststufe und mit einem Interview vor 13 Jahren beschäftigt an dem schon erkennbar ist, wie realitätsfern Musk damals war. Dazu komme ich aber weiter unten, denn SpaceX sorgt ja derzeit für andere Schlagzeilen.

Wie bekannt ist die Falcon 9 beim Betanken bei einem Test vor dem Start explodiert. Nach dem Video begann die Explosion in der Mitte der Oberstufe nahe der Trennebene zwischen beiden Tanks und zwar urplötzlich. Auch Musks Tweed gibt nicht viel mehr her. Die Ursache ist auch für SpaceX unbekannt.

Ziehen wir mal Bilanz. Bisher gab es folgende Anomalitäten bei SpaceX-Starts:

Man kann nun über Erfolg und nicht Erfolg debattieren. Für SpaceX sind alle erfolgreich. Für mich ist ein Start erfolgreich, wenn die Missionsziele voll erreicht wurden. Gerade bei Kommunikationssatelliten haben wir ja in den letzten Jahren oft den Fall, das eine Bahn erreicht wurde aber nicht die gewünschte. Die Starts galten alle als Fehlstarts. Ich erinnere mal an den zehnten Ariane 5 Start, als das Apogäum 10.000 km zu niedrig war. Da braucht man nur etwa 100 m/s mehr, eine Geschwindigkeit, die auch der Kommunikationssatellit noch als Reserve hatte. Trotzdem wurde er als Fehlstart deklariert. Die japanische Nutzlast wurde zum Versicherungsfall, die europäische erreichte mit ihren elektrischen Triebwerken noch die Bahn und arbeitete über ihre geplante Betriebsdauer.

Doch, wenn ich das ausblende, so sind zwei Dinge auffällig. Das eine ist, das die ersten Fehlstarts den Erfahrungswerten gehorchen: Die Rakete ist neu. Es gibt Kinderkrankheiten. Es treten Dinge auf, die man nur im Flug beobachten kann, wie die taumelnde Stufe (Parallele: zu geringes Rollkontrollsystem beim Zweiten Ariane 5 Start führt zum vorzeitigen Brennschluss der EPC) oder die Wiederzündung der Oberstufe scheitert durch ausgefrorenen Treibstoff. So was beobachtet man vielen Trägern bei den ersten Starts, das ist mehr oder weniger Normal.

Nicht normal ist aber das wir in den folgenden 20 Einsätzen nun wieder zwei Verluste haben, von Fehlstart kann man beim Zweiten ja schon nicht mehr sprechen. Das ist heute schon ungewöhnlich. Vor allem finde ich die Ursachen für heutige Verhältnisse sehr seltsam. Wenn man sich die letzten Fehlstarts Revue passieren lässt, dann sind das meist Triebwerksausfälle. Die Triebwerke sind die teuersten und hochgezüchteten Teile der Rakete. Sie haben bewegliche Teile und bestehen aus zahlreichen Komponenten. Strukturen sind dagegen relativ einfach und bei LOX/Kerosin auch nicht gewichtskritisch. Beide Explosionen beruhen aber auf dem Versagen von Strukturen. Man muss wirklich lange zurückgehen, bis man auf solche Fälle in der Raumfahrtgeschichte der USA kommt. Beim der Explosion im Flug bin ich mir nicht sicher, aber ich komme auf die erste Atlas Centaur die 1962 startete und bei der Explosion auf der Startrampe auf eine Atlas Able.

Mich wundert nicht, das man hier auf diese frühen Termine kommt, denn wenn man sich die frühen Atlas und Titan ansieht so sieht man deutlich, wie das Strukturgewicht bei den späteren Trägern der zweiten Generation zunahm. Man hat wohl gelernt und diese strukturell verstärkt. Ich kann mich noch an einen Kommentar erinnern, als ich das Strukturmassenverhältnis von 30 bei der Falcon 9 bezweifelt habe. Da verwies der Kommentator darauf das die frühen Titan und Atlas (ICBM Versionen) tatsächlich in diese Region kamen (erreicht wurde etwa 24). Heute ist eher 18-20 üblich.

Die beiden Explosionen lasen für mich zwei Schlüsse zu. Zum einen, dass SpaceX es mit der Leichtbauweise etwas übertrieben hat und vielleicht einen Schritt zurück machen muss. Das zweite ist, das das Konzept die nötigen Reserven hat, man aber bei der Qualitätssicherung schlampt. Das habe ich schon vor sechs Jahren prognostiziert, schon bevor die Falcon 9 geflogen ist. Dazu gehört ehrlich gesagt nicht viel. Man muss nur von anderen Trägern die Kostenstruktur kennen und wissen das die Qualitätssicherung der größte Kostenfaktor ist. Wenn man dann noch eine realistische Einstellung hat und nicht annimmt, dass alle Konkurrenten seit 40 Jahren alles falsch gemacht haben aber ein Neuling alles richtig macht, dann kommt man fast automatisch drauf. Woanders kann man nicht so viel sparen.

Nach den beiden letzten Fehlstarts würde ich SpaceX raten, für die Flüge mit den schon gelandeten Stufen nicht 30% abzuziehen, sondern 25% aufzuschlagen. Denn seit gestern macht der scherzhafte Ausdruck "flight proven" für die wiederverwendete Stufe bei SES-10 richtig Sinn. Ja wenn die Stufen mal geflogen sind, dann sind sie sicherer. Hätte nie gedacht, dass die Wiederverwendung bei SpaceX Sinn macht, aber es ist so. Das ist wohl das Gegenstück zum früher bei PC‘s üblichen „Burn-in Tests“.

Das leitet  mich zum nächsten Thema über. Die Wiederverwendung. Auch hier: Es freut mich, Recht zu haben! Die erneut eingesetzte Stufe wird den Start bei SES-10 um 30% verbilligen. Auch das habe ich schon vor Jahren so berechnet. Auch dazu: Es gibt alle Daten im Netz. Man weiß, was bei anderen Trägern der Start (nur Durchführung) kostet, man kennt den Anteil der ersten Stufe an den Produktionskosten und so kann man leicht eine Abschätzung machen, was die Wiederverwendung bringt, ich bin auf etwa 25 bis 30% gekommen. Auch Musk hat vor einigen Jahren mal 25% als Ziffer genannt, dann aber zu dem Thema geschwiegen. SpaceX Fanboys haben hier ja viel höhere Zahlen "durchgerechnet". Man muss einfach nur die Start und Bergungskosten auf Null setzen und mit 50 oder 80% Gewinn rechnen schon kommt man auf bessere Werte (aber auch nur wenn die Firma dann auf die hohe Gewinnspanne verzichtet ...).

Da SES auch beim ersten kommerziellen Start nur 450 anstatt 54-59 Millionen Dollar mit denen die Falcon 9 damals auf der Webseite stand, zahlte denke ich sind die jetzigen 30% auch die Obergrenze und langfristig werden es eher 25% sein. Dafür das ganze TamTam? Alleine die Verlagerung der Produktion bei dem Übergang von der Ariane 5 auf die 6 soll diese von 160 auf 90 Millionen verbilligen, also viel stärker, und die Ariane 6 ist technisch nur eine recycelte Ariane 5.

Bleibt noch die Frage zu den Auswirkungen. Es sind einige. Die unmittelbare Folge für SpaceX ist, das es nun deutlich schwerer wird, neue Aufträge zu akquirieren. Die gingen ja schon zurück nach dem letzten Fehlstart. Lediglich drei verzeichnet ihre Webseite seit Jahresanfang. Neben dem Vertrauensverlust durch den letzten Fehlstart war das primär die Auswirkung dessen auf das Startmanifest zudem konnte man bis dahin auch schon sehen das SpaceX in 6 Monaten etwa 6 Starts schaffte, aber nach ihrem Manifest 24-mal pro Jahr und nicht 12-mal starten soll. Inzwischen haben alle kommerziellen Kunden die Falcon heavy verlassen bzw. Back-up-Optionen gebucht. Der Fehlschlag ist noch gravierender als der Letzte. Zum einen kommen Schäden an der Startanlage hinzu, die bezahlt werden müssen. Nach der Sprengung der Antares vor dem Aufschlag wurde das Pad beschädigt das kostete 15,2 Millionen Dollar. Die Falcon 9 ist doppelt so schwer und die Explosion geschah näher am Boden. Mal sehen, wie teuer das ist. Bezahlen wird es SpaceX, auch wenn die Startanlage nur gemietet ist. Zudem fällt die Startanlage so für Monate aus. Von ihrem Weltraumbahnhof bei Brownsville wurden in den letzten zwei Jahren kaum Fortschritte gemeldet und ob Pad 39A schon bereit für Starts ist? Lediglich die wenigen polaren Starts in Vandenberg könnten durchgeführt werden.

Das Zweite ist, das dieser Start ein kommerzieller war. Beim letzten Fehlstart ging eine Dragon verloren, der war nicht versichert. Nun werden die Versicherungsprämien deutlich steigen, alleine der Satellit war 200 Millionen Dollar wert. Rechnet man Rakete, Inbetriebnahme hinzu, kommt man in die Nähe von 250 Millionen Dollar und Versicherungen haben nun eine Hausmarke für die Zuverlässigkeit der Falcon 9 von 90%. Bei durchschnittlich 250 Millionen Dollar pro Start macht das, wenn die Versicherung eine Prämie von 25 Millionen also 10% der versicherten Summe verlangt, einen schönen Aufpreis und die Falcon 9 ist nicht mehr so billig.

Freuen wird das ILS. Arianespace musste schon beim Fehlstart letztes Jahr Kunden abweisen, weil sie ausgebucht sind, auf Jahre schon durch den OneWeb Deal mit über 30 Starts. Die Proton hat in den letzten Monaten einige Aufträge ergattern und auch die Atlas, obwohl Kunden sie für viel zu teuer halten, doch wenn es keine andere Alternative gibt?

Ich persönlich würde mir wünschen das man vielleicht noch mal über die Ariane 6 nachdenkt. Sie ist zwar formell beschlossen, aber seit dem Beschluss hat sich das Konzept nun doch gravierend geändert, was meist einen zweiten Beschluss nötig macht. Zudem ist nach zwei Fehlstartes nun nicht mehr so viel Angst mit dem Buzzwort SpaceX zu machen. Wie man heute weiß ist SpaceX das China im Raketenbau – billig, aber nicht zuverlässig. In einem Business, in dem gerade das letzte wichtiger als Performance oder Kosten ist, ist das eigentlich ein gravierendes Gegenargument.

Das betrifft auch den anvisierten Regierungsmarkt den Musk schon 2003 (s.u) anstrebte. Die Chancen das SpaceX ULA bei Aufträgen des DoD und NRO verdrängen kann stehen nach zwei Fehlstarts schlecht. Bisher gingen von über 60 EELV Starts keine einzige Nutzlast verloren und die sind extrem teuer. Das gleiche wird für wissenschaftliche Missionen der NASA gelten. Anders sieht es bei den CRS-Missionen aus. Hier ist SpaceX nur eine von drei Firmen und Orbital hat auch einen Fehlstart auf der Liste und der Dreamchaser fliegt noch nicht. Bei den bemannten Flügen denke ich werden wie aber nach zwei Fehlstarts wohl eher mehr Starts des Boeing Raumschiffs sehen, denn die Atlas steht bisher makellos da. Unterperformance konnten durch Reserven aufgefangen werden.

Die Frage ist natürlich auch wie glaubhaft jemand ist der einerseits dauernd von Flügen zum Mars redet und Riesenraketen, die er ganz alleine ohne staatliche Finanzmittel entwickeln will und andererseits nicht mal eine zehnmal kleinere in der Auslegung ganz konventionelle Trägerrakete für Satellitentransporte auch nur betanken kann. Aber ich denke SpaceX Fans wird es nicht stören. Sie treiben sich eben in ihrem Forum rum wo nur sie posten. Dort glaubt man alles, was anonyme Leute, die man nur von einem Nickname kennt, posten sofern es Pro-SpaceX ist. Erinnert mich irgendwie an die Anhänger der AFD. Auch die haben ein völlig anderes Bild von der Situation als der Rest der Bevölkerung.

Autosuggestion ist doch was Faszinierendes.

Zuletzt noch ein Interview von 2003, das ich von Musk fand. Es zeigt schon, wie er damals völlig abseits jeden Realismus war. Das Interview ist vom Juli 2003 datiert. Elon Musk: „By the end of next year we will do at least two launches and maybe three“. 2-3 Starts, wenn es gerade mal Jahresmitte ist, bei (siehe unten beim Interview) 22 Angestellten in der Firma? Tatsächlich fand der erste Start am 24.3.2006 statt, also fast drei Jhre später. Die versprochenen zwei Starts hat er am 21.3.2007 erreicht, fast vier Jahre später.

Acht Jahre später kündigt er die Falcon Heavy im April 2011 für „Ende 2013“ an. Wenn sie vor Ende 2017 kommt, wäre ich schon überrascht. Kunden hat sie ja ehe keine mehr.

3.9.2016: Die Sabotage

Nach der ersten Explosion einer Rakete auf dem Cape vor dem Start seit 1959 und wahrscheinlich auch der Ersten auf der Startrampe nach nicht viel längerer Zeit, blühen nun natürlich die Spekulationen über die Ursache. Eine der Faszinierendsten ist, dass es Sabotage war. Mir fällt in dem Zusammenhang der Fehlstart der Ariane 4 bei V35 statt. Damals, 1990, zog Arianespace an den US-Anbietern vorbei. Die Startrate nahm laufend zu, erstmals konnte Arianespace zwei mittelgroße Satelliten gleichzeitig transportieren und die US-Anbieter waren nun privatisiert, aber die Atlas vermarktet damals von General Dynamics, hatte anfangs einige Fehlstarts. Da traf es sich doch gut, dass die Konkurrenz einen Fehlstart hatte. Es war damals vor allem zwei Dinge mysteriös. Es gab zwei Defekte in zwei unabhängigen Triebwerken. In einem Booster, gefertigt von Astrium Bremen gab es einen Schubabfall und in einem Haupttriebwerk der Erststufe (gefertigt von Aerospatiale in Les Mureux, Frankreich) fiel der Schub total ab. Beide Triebwerke standen aber über Weihnachten unbewacht in einer Halle in Kourou.

Die Gerüchte über Sabotage wurden weiter angeheizt als man im Haupttriebwerk der Erststufe, das man fand, ein Tuch fand, das zweimal verknotet war, und zwar in einer Treibstoffleitung. Es verstopfte diese, sodass weniger Treibstoff durchfloss und der Schub absank. Die Mission scheiterte, weil die anderen Triebwerke den asymmetrischen Schub nicht mehr ausgleichen konnten. Die Rakete legte sich quer und wurde als die Abweichung zu groß war vom Selbstzerstörungssystem gesprengt. Dabei wurden nirgendwo in der Produktion Tücher verwendet, sondern wenn Oberflächen gereinigt werden müssen Einmal-Lappen, die viel feiner sind.

Man zog die Lehren und inspizierte seitdem alle Leitungen, indem man Bälle durchrollen lässt (Golf- bis Tennisball) und kleinere Leitungen durch Endoskope kontrolliert. Seitdem bewacht auch die Fremdenlegion die Startanlagen.

Nun scheint es als hätten wir dieselbe Situation. Ein Launch Serviceprovider hat in den letzten Jahren viele Starts bekommen und macht den anderen LSP Konkurrenz und er wird von einem nicht richtig erklärbaren Fehlstart zurückgeworfen. Schon der letzte Start, wo man eine Strebe dingfestgemacht hat, die bei nur einem Fünftel der Nennbelastung bricht, war mysteriös. Ein Fünftel der Nennbelastung? Nehmen wir an sie kaufen eine Bücherwand, die pro Boden 15 kg aushalten kann und stellen auf einen Boden 4 Bücher und der Boden bricht durch. Wie wahrscheinlich ist das? Und hätten sie nicht dies schon bei der Montage des Bodens bemerkt?

Sabotage ist also durchaus eine Möglichkeit für den Ausfall. Doch wer könnte sie verübt haben? Nun der anerkannte Terrorismusexperte Alfred Tetzlaff (1925-1999) hat schon 1974 die wesentliche Frage gestellt, die zum Urheber führt: "Wem nützt dies?" Also gehen wir mal die Liste der Verdächtigen durch.

In einem Kommentar wurde ja schon Arianespace als Verdächtiger angesprochen. Doch nützt das Arianespace? Eigentlich nicht. Zum einen ist die Firma schon nach dem letzten Fehlstart auf Jahre ausgebaut, auch durch einen Milliardenabschluss mit OneWeb. Was nützt es, wenn der Konkurrent am Boden liegt, man die Aufträge gar nicht annehmen kann? Das wirkt sich doch eher schädlich aus. Vor allem hat man mit der angeblichen Bedrohung des Geschäfts durch SpaceX bei den europäischen Regierungen die Ariane 6 Entwicklung durchgesetzt. Ich schriebe angeblich weil seit SpaceX Flüge macht Arianespace durch die Abspringer von SpaceX aus den roten in die schwarzen Zahlen gerutscht ist. Noch nie gab es eine solche Auftragsschwemme. Dieses Jahr werden mit acht Ariane 5 mehr Ariane starten als je zuvor dazu kommen noch vier Sojus Starts. Es boomt derzeit und das alles dank SpaceX. Da wäre es doch ziemlich dumm, den Konkurrenten zu sabotieren. Es ist sogar unerwünscht, denn das Ariane-6-Konzept muss noch einmal genehmigt werden, nachdem es substanziell verändert wurde. Da könnten einige Regierungen, allen voran die deutsche, auf die Idee kommen, das SpaceX doch gar keine so große Konkurrenz ist, das man eine neue Rakete braucht.

Anders sieht es beim zweiten Konkurrent aus ILS. ILS hat gut verdient selbst als die Proton eine schlechte Zuverlässigkeit hatte, solange sie Zweiter waren. Damals war Sealaunch durch das Schlüpfen unter Chapter 11 erst mal außer Gefecht und später mussten sie nach einem Geschäft die Starts ganz einstellen. Im Trägergeschäft, das zeigen die letzten 30-40 Jahre gibt es Platz für zwei große Firmen. Die Dritte und vierte bekommt dann immer nur übrig gebliebene Krümel ab. Mit der Aufnahme der kommerziellen Starts durch SpaceX ist nun ILS zu diesem undankbaren dritten Platz gekommen und die Aufträge sind eingebrochen. ILS hat die Proton ILS hat die verfügbaren Kapazitäten und sie werden, das wage ich schon zu prognostizieren einige neue Startabschlüsse in den Nächten Wochen und Monaten ankündigen. ILS hätte also schon das Motiv.

Doch es gibt noch einen zweiten Aspekt: Kann man auch das Attentat durchführen? Die Falcon 9 startete vom CCAF aus, das ist eine US-Luftwaffenbasis (Cape Canaveral Air Force Station). Da hat keiner so einfach Zutritt. Besucher können das nördlich gelegene Meritt-Island besuchen. Dort sind die Startrampen 39A und B, und befinden sich alle Anlagen für bemannte Starts. Meritt Island ist unabhängig vom CCAF und dort kommt man wie in jede Luftwaffenbasis nicht so einfach rein. Die Frage ist also wie dort jemand einen Sprengsatz oder etwas Ähnliches (die Videos zeigen ja eine Explosion, nicht etwa ein langsames Ereignis oder eine gerissene Wand aus der zuerst nur einer der beiden Treibstoffe austritt) platzieren konnte. Zudem muss es dort von SpaceX und Militärpersonal wimmeln. Es fällt schwer zu glauben, dass Agenten von ILS so nahe der Rakete kommen.

Doch ist überhaupt die Rakete das Ziel? Vielleicht ist es auch die Nutzlast. Die war Amos-6, ein Satellit der israelischen Firma Spacecom. Wie alle Amossatelliten ist es ein Dua-Use Satellit. Die meisten Transponder werden vermietet, vier sind aber fest für das israelische Militär reserviert und sie sind auch mit Kryptohardware versehen. Zudem wird schon seit Jahren spekuliert, dass die Amossatelliten nicht nur Daten übertragen, sondern auch Signale abfangen, die sie empfangen und zum Boden schicken. Das israelische Militär ist nicht an internationalen Missionen beteiligt und braucht daher keine Satellitenkommunikation, doch alle Amossatelliten befinden sich nahe anderer Kommunikationssatelliten, die von arabischen Regierungen genutzt oder gestartet werden, wie Arabsat. Angeblich sollen die vier Transponder nur Daten übertragen, die eigentlich für die Arabsat gedacht waren. Für die Theorie spricht auch, dass die Rakete explodierte, bevor der Start passierte. So ist der Satellit nicht versichert und der Schaden für Spacecom maximal.

Doch wie könnte jemand an die Rakete herankommen, in einer US-Luftwaffenbasis? Nun es gibt einen Zeitpunkt da ist dies relativ einfach möglich: sobald der Hot-Fire Test beginnt. Dann wird eine Zone rund die Rakete vollständig geräumt. Ein Attentäter muss sich nur so lange verstecken und dann hat er einige Stunden Zeit einen Sprengsatz zu platzieren ohne das Er bemerkt wird. Alle Kameras zeigen auch nur eine Sicht der Rakete mit dem Blick auf die See heraus. Nähert er sich von Seeseite, so kann er unbemerkt einen Sprengsatz platzieren. Das Ganze ist natürlich riskant, aber es gibt genügend israelfeindliche Gruppen wie Hisbollah oder IS, die genügend freiwillige Attentäter haben, denen es auch nichts ausmacht, dabei zu sterben. Diese könnten die Rakete gesprengt haben oder von arabischen Regierungen wie Saudi-Arabien dafür bezahlt worden sein.

Man muss aber nicht so weit gehen. Auch näher bei SpaceX gibt es Leute, die nicht gerne die Firma erfolgreich sehen. Da ist zum Beispiel die USAF. Ja die US Air Force! Die USAF startet teure Satelliten, bei denen die Startkosten nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten ausmachen. Das Budget von NRO und DoD für "Space" ist doppelt so groß wie das der NASA und das bei weniger als 10 Starts pro Jahr entsprechend rund 2-4 Milliarden Dollar pro Start. Seit einigen Jahren sind vor allem durch Lobbyismus durch SpaceX (die vor einem Jahr ULA in den Ausgaben für Lobbyismus übertroffen haben) und Äußerungen von Musk in die Kritik geraten. Dabei war die USAF mit ihren Trägern sehr zufrieden. Seit 2000 die EELV-Flüge begannen, gab es keinen einzigen Fehlstart. Nimmt man die Atlas und Titan als Vorgängermodelle hinzu so gab es sogar seit 25 Jahren keinen Fehlstart. Das ist was für die USAF zählt. Nun gibt es Druck Kosten einzusparen genauer gesagt von SpaceX gezahlte Politiker wie McCain machend er USAF zu schaffen. So setzte er den Bann gegen die RD-180 durch, wodurch die Atlasstarts beschränkt werden, um seiner Firma mehr Aufträge zu verschaffen. Als die USAF Einblicke in die Arbeitsweise von SpaceX hatte, und die Zertifizierung hinauszögern wollte zog Musk alle Hebel um politischen Druck zu generieren, dass dies schneller geht.

Was passiert wenn nun bei dieser Firma, die man von der Politik aufs Auge gedrückt hat, innerhalb eines Jahres zwei Starts scheitern? Nun man kann nun argumentieren "Atlas und Delta mögen zwar teuerer sein, aber sie sind zuverlässig. Was nützt es uns, wenn wir bei einem Start Geld sparen, wenn das Risiko eine milliardenteure Nutzlast zu verlieren dafür viel höher sind? Zahlt ihr uns dann einen neuen Satelliten für 2 Milliarden Dollar nur um 100 Millionen einzusparen?". Vor allem hat die USAF, da es ihre eigene Luftwaffenbasis ist, alle Möglichkeiten unbemerkt einen Sprengsatz zu platzieren. Die USAF ist also ein heißer Kandidat für den Anschlag.

Doch es gibt noch einen anderen heißen Kandidaten. Was haben die beiden letzten Fehlstarts gemeinsam? In beiden Fällen begann SpaceX immer mehr Starts durchzuführen, und sobald sie eine schnelle Startfolge erreicht haben, kommt es zu einem Fehlstart oder dieser Explosion. Vielleicht gibt es auch eine interne Ursache. Es ist bekannt das bei SpaceX schon normalerweise Arbeitsbedingungen hat, die gelinde gesagt ausbeuterisch sind. Es wird erwartet das die Arbeiter 12-14 Stunden pro Tag arbeiten, und wenn es wichtig ist, auch am Samstag. Wenn nun die Startfrequenz ansteigt, dann steigt auch die Arbeitsbelastung an, sowohl bei der Fertigung wie bei den Startvorbereitungen. Die Leute haben noch mehr zu bewältigen, werden unkonzentrierter und machen Fehler und zusammen mit der bekannten geringen Qualitätssicherung bei SpaceX führt das dann eben zu spektakulären Versagern. Der Hot-Fire Test ist ja heute ungewöhnlich. Alle anderen Launch Service Provider bauen Raketen, die man nicht vorher testen muss, die x-mal vorher getestet wurden. SpaceX schenkt sich das und macht einen Test mit der ganzen Rakete. Die Triebwerke werden gezündet, hochgefahren und dann abgeschaltet. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass die Triebwerke als normalerweise das System mit der höchsten Ausfallwahrscheinlichkeit schon Abweichungen zeigen, wenn sie in Betrieb genommen werden. Danach sind Ausfälle erheblich unwahrscheinlicher. Der Test ersetzt also zahlreiche Qualitätssicherungsmaßnahmen in der Fertigung und soll Probleme aufzeigen - das hat er auch in diesem Fall. Ich hätte ihn eben ohne Nutzlast durchgeführt ...

Neben dem Versäumnis oder den Folgen von Überarbeitung kann natürlich auch hier Sabotage die Ursache sein. Beim letzten Mal ist ja eine Strebe bei einem Fünftel der Belastung gebrochen. Vielleicht hat sie jemand bewusst angesägt, um zu erreichen, dass das Arbeitspensum kleiner wird und man mehr kontrolliert. Geändert hat sich nichts und nun dachte derselbe wohl "Wenn erst mal das Launchpad hinüber ist, dann gibt es mit Sicherheit einige Monate lang Zwangsurlaub". Unwahrscheinlich? Verrückt? Aber nicht unmöglich. Denn wer kommt am einfachsten an das Launchpad und/oder die Rakete heran? Richtig: die SpaceX-Mitarbeiter. Wer anders könnte die Rakete sabotieren?

Wenn es die eigenen Mitarbeiter sind, so wird man dies niemals zugeben. Man wird eine andere Ursache präsentieren, die aber dann wohl nicht so richtig glaubwürdig ist, denn alle offensichtlichen Unglücksursachen bei der Startvorbereitung hat man bei den letzten 4000 Starts der USA schon gefunden und ausgeschlossen. Das sind dann so merkwürdige Ursachen wie Ursachen, wie Streben die bei einem Fünftel der Nennbelastung brechen ...


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