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Web Log Teil 487: 9.1.2017 - 13.1.2017

9.1.2017: Ich sollte Fernsehtester werden

Ich habe mir überlegt, ob ich eine Rubrik mit Fernsehkritiken bringen sollte. Fernsehen ist neben Lesen so ziemlich das Einzige was ich an passivem Vergnügen habe, also ich bin niemand der sich sonst berieseln lässt sei es im Kino oder auf Konzerten. Es ist ja auch populär eigene Kritiken zu verfassen. Schon lange gibt es Fernsehkritik.tv. Aber ich habe es dann doch verworfen, weil wahrscheinlich das die meisten Blogleser nicht interessiert. Zudem werde ich nie mit der Gründlichkeit wie Fernehkritik.tv schreiben können, recherchiere also nicht nach, sondern gebe eben nur meine Eindrücke wieder.

Doch eine Fernsehkritik will ich doch loswerden, weil mir der Film ausgesprochen gut gefallen hat. Er ist aber auch ein Aufhänger, zu zwei anderen Themen und so wird vielleicht doch ein längerer Blog draus.

Es handelt sich um die Actionkomödie „Eva über Bord“ die am Freitag in der ARD lief. Die Story ist schnell erzählt: Eine Journalistin wird über Bord geworfen, damit sie nicht entdeckt, dass der Kapitän gemeinsame Sache mit Piraten macht. Sie wird von einem Mann aufgefischt, den sie für einen Schmuggler hält. Kurz darauf kapern die Piraten dann auch seinen Kahn, und weil sie die Nerven verliert und sagt, das sie Journalistin ist kidnappen die Piraten sie. Sie können entkommen und es beginnt eine Hetzjagd durch einen Fluss und später durch den Dschungel. Die Journalistin kann per Heißluftballon entkommen. Der angebliche Schmuggler wird angeschossen und von den Piraten geschnappt. Im Schlussteil recherchiert sie und bekommt so die wahre Story raus. Am Treffpunkt des Kapitäns mit den Piraten kann sie den Schmuggler, der sich dann als Versicherungsdetektiv herausstellt, befreien, aber auch nur weil sie schon vorher das Gelände durch die Polizei abriegeln lässt.

Wie schon der Plot zeigt, ist das so eine Actionkomödie wie in den Achtzigern. Ich wurde an Indiana Jones oder auch Kathleen Tuner/Michael Douglas erinnert, die mal den grünen Diamanten oder das Juwel vom Nil suchten. Doch Kathleen Turner war tough. Eva Kaminski, gespielt von Julia Hartmann ist zu 90 % des Films kreischender und heulender Ballast. Noch nie habe ich einen Film gesehen, in dem Frauen so viel geschrien haben. Lediglich am Ende, wieder in der Zivilisation, kann Eva ihre Qualitäten als Journalistin zeigen. Ansonsten wirkt sie eben, wie eine Großstadtpflanze die man in den Dschungel gebeamt hat. Julia Hartmann hat dies exzellent gespielt inklusive Deutsche-Bahn-Pidigin Englisch (sie sitzt im Treibsand fest und will das die Piraten sie retten, fasst sich unbeholfen an Brüste und fragt „Do you like it, you can have it“). By the way – ist es eigentlich Einstellungsvoraussetzung bei der Deutschen Bahn, dass man kein Englisch kann? Ich habe noch nie eine Durchsage mit korrektem Englisch gehört, dabei sind es doch nur eine Handvoll fester Formulierungen, welche die Reisebegleiter können müssen und was machen sie bei Fahrgästen aus dem Ausland, die Fragen haben?

Stephan Luca, der den männlichen Gegenpart spielt, wirkt dagegen etwas farblos. Er ist einfach zu gutmütig. Bei dem Ärger, den Eva macht, wäre Indy Jones längst der Kragen geplatzt. Nicht so bei Luca. Da es ARD-typisch, ja mit Happy-End enden muss, (die beiden kriegen sich am Ende, das war bei Indy Jones nie der Fall) darf wohl der Mann nicht zu sehr ausrasten.

Gut, mit Indy Jones kann sich ein Film im Abendprogramm nicht wirklich messen. Der Vergleich ist sowohl vom Budget wie auch Anspruch unfair. Er ist auch mehr eine Komödie als Actionfilm. So bringt es der Pirat fertig, mit einem Scharfschützengewehr aus 20-30 m Entfernung die beiden zu verpassen und wie beim A-Team wird viel aus Schnellfeuerwaffen gefeuert und keiner verletzt. Aber es ist gute Unterhaltung. Der Film kommt in mein Langzeitarchiv.

Ich habe mir dann die Kritiken angesehen. Wie ich mir schon dachte, sind die Pressestimmen weitestgehend negativ. Erstaunlich wurde bei keinem das angesprochen was mir als Erstes auffiel: das Frauenbild. Wir haben ja heute „Political Correctness“ und das muss sich auch im Fernsehen widerspiegeln. Man kann gerne Frauen ausgebeutet als Opfer darstellen wie z.B. als Zwangsprostituierte oder als starke Ermittlerin in Krimis, aber als hilflose Eva im Dschungel? Die Eva (schon der Name ist Programm!) hinkt in ihrer Passivität und ihrem Können sogar den relativ farblosen Frauen von Indy Jones oder Prinzessin Lea von Star Wars hinterher und erinnert mich irgendwie an die Tarzanfilme aus den Fünfzigern, wo Jane auch andauernd gekreischt hat und gerettet werden musste. So hätte ich einen Aufschrei der Frauenbewegung erwartet. Doch nichts passiert. Beim Nachdenken wird mir klar, das es eigentlich auch kein neues Bild ist. Denn sonst laufen auf diesem Sendeplatz oder sonntags auf dem ZDF immer Liebesschnulzen, die verfilmte Rosa Pilcher Romane sind, (oder von anderen Schriftstellerinnen des Genres). Die Frauen dort sind auch nicht gerade selbstständig. Sie warten auf ihren Märchenprinzen und sonst nichts. Es fällt nur nicht so auf, weil sie allesamt nicht arbeiten müssen, also entweder reich sind oder vom Adel. Würde man diese in den Dschungel verpflanzen – das Resultat wäre das gleiche. Und gegen diese Filme, die ja vor allem von Frauen angeschaut werden, würde wohl die Frauenrechtsbewegung nicht Sturm laufen.

Was mir bei den Kritiken zu Fernsehsendungen auffällt, ist aber eines, was ich schon früher entdeckt habe. Ich sollte Fernsehtester werden. Man kann wirklich zu 100% sagen, wenn mir etwas gefällt, dann fällt es beim allgemeinen Publikum durch und die Quoten sind schlecht. So die tollen Vorabendserien „Dating Daisy“ und „Unter Gaunern“. Vielleicht sollte mich das öffentlich-rechtliche Fernsehen (Privatfernsehen schaue ich wegen der nervenden Werbeunterbrechungen schon lange nicht mehr) als Fernsehtester einstellen. Also falls das ein Verantwortlicher liest. Ich wäre gerne bereit dazu.

Für alle, die mal ihren Geschmack mit meinem abgleichen wollen: Der Film in der Mediathek.

10.1.2017: Warum ich ein Newton-Teleskop empfehle

Ich hatte euch ja schon mal von meinem Mailaustausch mit einem angehenden Sternfreund geschrieben, der sich als erstes Teleskop ein 2.000 Euro Gerät rausgesucht hat. Nun hat er sich wieder gemeldet. Gekauft hat er noch keines, doch nun soll es ein Apochromat eines Spitzenherstellers mit individuellem Interferogramm mit 115 mm Öffnung sein. Da kostet alleine der Tubus 5.500 Euro, mit Montierung und Okularen kommt er, wenn das Qualitätsniveau des Apochromaten auch bei diesen Teilen halten will, dann leicht auf 7.000 Euro Gesamtpreis.

Bislang bin ich mit der Argumentation erst mal ein Zwanzigstel der Summe auszugeben, Erfahrungen zu sammeln und dann ein zweites Teleskop zu kaufen nicht durchgerungen. Mein letzter Hinweis, dass die Fixierung auf höchste Qualität in Duisburg wohl rausgeschmissenes Geld ist, weil dort Lichtverschmutzung und Turbulenz die Grenze setze, scheint vielleicht zu fruchten, aber auch nur vielleicht. Er erinnert mich an jemanden der sich als erstes Auto einen Porsche kauft aber nur auf Straßen fahren darf die maximal 30 km/h erlauben.

Aber ich greife das mal auf, für einen Blog, kürzer als meine ganzen Aufsätze über Teleskope. Und zwar welchen Teleskoptyp ich Einsteigern am ehesten empfehle und warum.

Grundlagen

Es gibt viele Subtypen aber vom optischen Prinzip nur drei Bauformen:

Der Refraktor oder das Linsenteleskop besteht aus zwei oder drei Linsen an der Front, die das Licht bündeln. Hinten sitzt dann der Okularauszug. Alle anderen Typen sind Spiegelteleskope oder Reflektoren.

Das Newton-Teleskop hat hinten einen parabolischen Hauptspiegel, der das Bild bündelt und auf einen planen, 45-Grad zur Achse geneigten, Fangspiegel wirft. Dort (also vorne) ist der Okularauszug an der Seite.

Katadioptrische Teleskope haben einen hyperbolischen Hauptspiegel und eine Linse mit einem hyperbolischen Fangspiegel als Frontabschluss. Das Licht wird durch ein Loch im Hauptspiegel geworfen und dort ist (wie bei Linsenfernrohren) der Okularauszug.

Nun eine persönliche Beurteilung nach einigen Kriterien:

Bild

Linsenfernrohre haben aufgrund des fehlenden Fangspiegels ein schärferes und kontrastreiches Bild als Reflektoren. Dafür brechen Linsen die verschiedenen Wellenlängen von Licht unterschiedlich, was sich in Farbsäumen um helle Objekte bemerkbar macht. Das kennt mancher auch von billigen Objektiven für Spiegelreflexkameras. Man kann dies mit zwei Linsen (Achromat) minimieren und mit drei Linsen (Apochromat) fast eliminieren.

Newtons haben meist einen kleineren Fangspiegel als die katadioptrischen Typen. Das Bild ist daher etwas besser als bei diesen.

Die meisten katadioptrischen Typen haben Fangspiegel die 35 bis 40% des Durchmessers ausmachen. Da ist der Kontrastverlust schon hoch und man verliert auch Lichtsammelleistung.

Handhabung

Anders, als in den Abbildungen im Web, schaut man meistens mit dem Teleskop schräg oder fast senkrecht in den Himmel. Bei Typen, wo der Okularauszug hinten ist, muss man dann unangenehm in die Hocke gehen. Nicht so beim Newton. Die Position vorne erlaubt in jeder Lage einer komfortable Position beim Beobachten. Der Grad der Unbequemheit hängt auch von der Länge des Tubus ab. Je kürzer desto besser. Vor allem billige Linsenteleskope haben für ihre Öffnung lange Tuben, weil man mit einer längeren Brennweite die Farbfehler minimieren kann. Kurze Linsenfernrohre sind für die Fotografie mit langen Belichtungszeiten gedacht, nicht für die visuelle Beobachtung. Bei den Linsenfernrohren kommt noch erschwerend dazu, dass man aus unerfindlichen Gründen das Sucherfernrohr an der Seite am Okularauszug anbringt und noch an einem Prisma spart. So ist es meiner Ansicht nach, wenn man nicht gerade horizontnah beobachtet, vollkommen unbrauchbar.

Extrem kurze Tuben haben aufgrund zwei vergrößernder Spiegel die katadioptrischen Teleskope. Daher wirkt sich hier der Okularauszug hinten nicht so negativ aus wie bei Linsenfernrohren. Zudem erlaubt die kleine Länge eine Gabelmontierung, die ich persönlich für die stabilste Montierung halte. Bei Newton-Teleskopen kann man auch die Tubuslänge verkürzen, indem man die Brennweite reduziert. Dann wird aber der Fangspiegel größer (Kontrastverlust) und es tritt eine Bildfeldwölbung (Koma) auf. Allgemein gilt bei allen Typen: Je kürzer die Brennweite desto höher die Anforderungen an die Optik (wird teurer) oder desto stärker werden Bildfehler. Daher sollte man wenn möglich bei allen Typen eher ein langbrennweitiges Instrument wählen sofern noch praktikabel und finanzierbar. (kurzbrennweitige sind wegen der Gewichtsersparnis meist günstiger als langbrennweitige).

Linsenteleskope sind anfängerfreundlich, weil man nichts verjustieren kann. Bei Newtons und katadioptrischen Teleskopen muss man dagegen Position von Hauptspiegel und bei Newtons auch des Fangspiegels regelmäßig kontrollieren und anpassen.

Universalität

Die Lichtsammelleistung wird vom Durchmesser der Optik bestimmt, die Vergrößerung, also den Ausschnitt den man sieht dagegen durch die Brennweite und die verwendeten Okulare. Im allgemeinen verwendet man kurzbrennweitige Instrumente eher für die Fotografie und langbrennweitige für die Beobachtung, da bei allen Typen die Bildfehler mit kürzerer Brennweite (bei gleicher Öffnung) zunehmen. Bei Langzeitbelichtungen wirken sich diese nicht so stark aus. Okulare über 32 mm Brennweite werden relativ teuer, Okulare unter 7 mm Brennweite haben meiner Erfahrung nach oft ein schlechtes Einblickverhalten. Will man den Bereich abdecken, der sinnvoll ist so sollte man also keine Okulare mit zu kleiner oder zu großer Brennweite kaufen. Da kann man leicht mit Dreisatz berechnen, dass man unter dem Gesichtspunkt am besten mit einem Instrument von einem Verhältnis 6 zwischen Brennweite/Öffnung fährt. Dieses Verhältnis erreichen bei Linsenfernrohren nur teure Apochromaten ohne Farbfehler. Katadioptrische Systeme erreichen es systembedingt nie. Sie liegen bei 10-13. Das ist bei der Bauart schon „kurz“. Astronomische Teleskope liegen bei 20 bis 30, das Hubble Space Telescope z.B. bei 24. Es ist aber ein gängiges Verhältnis bei Newtons.

Folgekosten

Der Tubus ist nur ein Teil des Teleskops. Es kommen mindestens noch hinzu:

Optional:

Der Hauptposten ist zumindest bei größeren Instrumenten die Montierung, denn die anderen Teile sind immer gleich teuer, egal, für welches Teleskop man sie kauft. Die Montierung muss das Teleskop sicher tragen, und zwar unter allen Umständen, also auch mit einer schweren Digitalkamera am Okularauszug und sie sollte steif sein, also das Teleskop sollte nicht durch Wind schwanken, und wenn man mal an das Stativ ranrempelt, sollte die Schwingung schnell auslaufen.

Gerade dabei spart man bei Komplettangeboten. Die Belastung der Montierung hängt nun von Tubusgewicht und Hebelwirkung ab. Refraktoren haben hier durch die langen Tuben die Arschkarte gezogen. Die Tuben sind schwer und verursachen einen starken Hebelarm. Anstatt einem 80-mm-Linsenfernrohr kann man oft ein um 30% größeres Newton Teleskop auf derselben Montierung anbringen. Am besten schneiden hier katadioptrische Systeme ab, deren Tuben nur ein Drittel der Brennweite lang sind. Das minimiert Gewicht und verringert die Hebelwirkung.

Preis

Nimmt man nur die Tuben, also das Fernrohr ohne Montierung, so kommt man bei etwa 130 mm Öffnung und langbrennweitigen Instrumenten auf folgende Daten:

Das Maksutov ist eine Ausnahme da explizit als Teleobjektiv angeboten. Im Allgemeinen sind Maksutov genauso teurer oder teurer als Schmidt-Cassegrains. Es kommen in dem Beispiel noch die kosten für einen Sucher, Okulare und Rohrschellen hinzu.

Nun wird relativ deutlich, warum ich zu Newtons rate. Sie sind nicht nur am preiswertesten, sondern auch die Folgekosten halten sich in Grenzen. Ein Refraktor erfordert bei fast dem doppelten Gewicht eine viel stärkere Montierung. Das geringere Gewicht von katadioptrischen Systemen wirkt sich erst kostensparend bei großen Instrumenten aus, Newtons mit 300 mm oder mehr Durchmesser werden dann auch unhandlich. Dann sind selbst bei kurzer Bauform die Tuben 1,2 m lang oder noch länger. Allerdings ist man dann bei Kosten von mehreren Tausend Euro und hat das Einstiegslager längst verlassen.

Zuletzt noch ein Tipp: Ein kleines Teleskop und hier muss es ein Linsenfernrohr sein, reicht für die Sonnenbeobachtung. Das ist eine gute Alternative für alle, die nicht so gerne nachts in der Kälte stehen und wegen der Luftturbulenz reicht da ein 60 mm Refraktor, ein größeres Instrument bringt kein besseres Bild. Zusammen mit einem Objektiv-Sonnenfilter ist man je nach Montierung bei einer Summe von 130 bis 180 Euro. Damit kann man auch Mond und helle Sterne beobachten. Für Planeten und Nebel ist es zu klein.

11.1.2017: Fake News

Der Begriff der „Fake News“ wurde ja populär durch den umstrittenen Wahlsieg von Dagobert Trump, äh Donald Trump. Doch es gab das schon früher. Nur hieß es eben anders wie „übertriebene Selbstdarstellung“ oder Propaganda, Kriegsberichterstattung oder Wahlversprechen. Ich dachte ich schreibe mal was zu dem Thema.

Der Umgang mit dem „kreativen Umgang mit der Wahrheit“ (in Analogie zur kreativen Finanzbuchhaltung = Steuerbetrug) gibt es schon lange. Eigentlich immer schon. Es wurde nur die Wahrheit weiter gegeben die man selber sah. Das älteste Beispiel, das mir spontan einfällt, ist die Schlacht von Kadesch. Rames der II trat kurz nach seinem Regierungsantritt 1274 vor Christus an, die ägyptische Macht einige Jahrzehnte zuvor anzuknüpfen. Ramses wollte den Machtbereich weiter im Norden ausdehnen. Er machte einen Feldzug gegen die Hethiter, die nördliche Großmacht. Beim Feldzug geriet er in eine Falle und konnte nur knapp einer Umzingelung entkommen. Die Schlacht endete mit einem Patt oder einem knappen Sieg der Hethiter, die ihn aber nicht ausnutzten, sodass die ägyptische Armee sich zurückziehen konnte. Ramses, der vor allem durch seine rege Bautätigkeit bekannt ist (kein anderer Pharao errichtete mehr Tempel und Obelisken als er), stellte sie dagegen als einen grandiosen Sieg dar. Einige Jahre später schlossen er und die Hethiter einen Freidensvertrag, den ersten der erhalten ist.

Das setzt sich überall fort im alten Testament findet man zahllose Stellen, wo die Israeliten als überlegendes Volk dargestellt werden. Vom Sieg von David über Goliath bis zu den Psalmen, wie Psalm 72, wo Tarsis, Seba und Saba erwähnt werden, also Orte in Spanien, Sudan und Jemen. Deren Könige bringen alle Geschenke zu Israel. In Wahrheit war Israel niemals mehr als eine kleine Regionalmacht. In besten Zeiten unabhängig, meist aber unter ägyptischer, assyrischer, babylonischer, persischer, griechischer und römischer Herrschaft.

Rom selbst hat auch eine eigene Darstellung der Wahrheit. Die Republik stellte ihre Kriege immer als gerecht dar. Es gab offiziell keine Angriffskriege, vielleicht waren die damals schon verpönt. So stellte man es immer dar das Rom in einen Krieg gezogen wurde. Oftmals war das auch der Fall. Es kam immer wieder vor das ein kleinerer Stadtstaat oder regionaler Fürst die Römer als Hilfe gegen einen Angriff einer größeren Macht rief. Das Ergebnis war aber nicht nur, dass der Angreifer besiegt und ins Reich eingegliedert wurde, sondern auch der, der die Römer zu Hilfe rief. Es gab aber auch genügend Angriffskriege. Der letzte Punische Krieg wurde von den Römern begonnen, nachdem die Karthager ohne ihre Einwilligung keinen Krieg mehr führen dürften, sich aber gegen die Übergriffe eines numidischen Herrschers auf ihr Gebiet zur Wehr setzten. Nachdem die Karthager allen Forderungen Roms nachkamen, setzte man als letzte Forderung fest, dass sie ihr ihre Stadt erlassen und sich 20 km landeinwärts erneut ansiedeln sollten. Kurzum: Man hat sie in den Krieg getrieben.

Auch sonst war der Umgang der Römer mit der Wahrheit seltsam. In ihren Augen waren alle anderen Barbaren und an anderen Völkern ließen sie so nichts Gutes. Sie selbst waren in allen Belangen überlegen: technologisch, kulturell und moralisch. Im Kaiserreich schlug das gleiche wie bei Ramses zu: Nun waren die Cäsaren Götter und Götter verloren keine schlachten. Das war aber ein Problem, dann nach 117 v. Chr. Wurde das römische Reich nur noch kleiner. Würden die Römer aber immer siegen, es müsste ja eigentlich anwachsen.

Kurzum: wenn es um Krieg geht hat man schon immer gelogen. Entweder haben ihn die anderen angefangen der Gräueltaten begangen. Das ist bis heute so. Bei Beginn des Ersten Weltkriegs hielt Kaiser Wilhelm II eine Rundfunkrede die begann mit den Worten „Mitten im Frieden greift der Feind uns an“. Eines meiner persönlichen Highlights in dieser Sparte. Sofort stellt sich mir die Frage, wo dann der Beginn des Friedens und das Ende ist? Wenn Frieden die Zeit zwischen zwei Kriegen ist, dann kann es maximal das Ende des Friedens sein. Dabei war der Krieg abzusehen, es gingen ihm ja einige Wochen der Spannung voraus und Wilhelm selbst versuchte ihn noch abzuwenden, nachdem die Serben Forderungen der Österreicher nachgaben. Schlussendlich wollte Österreich den Krieg. Das hinderte die Sieger 1919 nicht daran dem Deutschen Reich die alleinige Kriegsverantwortung zuzusprechen auch eine Art Fake News.

Man kann dies nun weiterführen: Hitler beginnt den Zweiten Weltkrieg wegen eines angeblichen Überfalls von Polen auf Deutsche, inklusive fingiertem Angriff auf den Sender Gleiwitz. Roosewelt gibt sich überrascht über den Überfall auf Pearl Harbor. Dabei berichtete sein Geheimdienst von Vorbereitungen und die Politik der USA mit einem Embargo das Japan von Rohstoffen abschnitt trieb Japan in den Krieg und das wusste man schon damals. Japans Hauptinteresse galt auch der Invasion von asiatischen Ländern. Pearl Harbor griff man nur an, damit die USA im Pazifik nicht eingreifen konnten. Er verschweigt in seiner Rede auch das er eine offizielle Kriegserklärung von Japan bekam. Nur leider wegen Probleme bei de Dechiffrierung erst nach dem Angriff anstatt wie geplant kurz vorher.

60 Jahre später: Bush postuliert eine Zusammenarbeit Husseins mit Al Quaida und der Produktion von Chemiewaffen, um Krieg zu beginnen. Hier sind es „Fake-Zeichnungen", die als Beweis herhalten müssen.

Es müssen nicht nur Rechtfertigungen sein. Auch beliebt ist es, sich selbst zu erhöhen. So liesen sich viele Herrscher in Bilder von Sagen einfügen, und zwar als zentrale Figur. Das gab es selbst im 20-sten Jahrhundert noch. Russische Filme zur Stalinzeit zeigen ihn beim Sturm auf das Winterpalais, wo er nicht dabei war und ihm Lenin dankt. Ulbricht berät in einem DDR-Spielfilm Thälmann. In Wirklichkeit tat er alles, um dessen Freilassung zu verhindern, die von Kommunisten im Exil angestrebt wurde, indem Russland die nach dem Hitlker Stalinpakt verbesserten Beziehungen nutzen sollte, um eine Freilassung zu erreichen.

Wir finden es aber auch in anderen Bereichen. In der Raumforschung gab es seitens Russland eigentlich nur Erfolge. Alles andere wurde eben totgeschwiegen, und wenn es nicht verheimlichbar war, z.B. eine Raumsonde im Erdorbit strandete heiß es dann „Am x.x.y startete die automatische Forschungsstation Sputnik 17. Sie hat ihr Messprogramm nach 5 Stunden erfolgreich beendet“. Dabei kann sich schon der Dümmste ausrechnen, dass man keinen Satelliten für einige Stunden Messungen braut. Selbst Fotosatelliten brauchen einige Tage, um ihren Film vollständig zu belichten. So hießen auch alle Satelliten dann kosmos und dienten der Forschung. Das fast alle russischen Satelliten militärische waren kann man so gut verschleiern.

Doch mittlerweile sind die Russen in Fake News längst übertroffen worden, und zwar von SpaceX. Die Firma hat Fake-News zum Geschäftsmodell gemacht, lange bevor der Begriff populär war. Das beginnt mit dem Umgang mit Fehlstarts. Nach dem ersten Fehlstart einer Falcon1 sprach Musk von einem Teilerfolg. Es sei bewiesen worden, dass man eine Falcon 1 innerhalb von wenigen Stunden starten könne. Darum ginge es bei diesem Start. Das die erste Stufe nur 25 s lang arbeitete und es 4 Monate Startverzögerungen gab, wurde ignoriert. Was nützt der Start in wenigen Stunden, wenn der Start selbst 4 Monate verspätet erfolgt? Wann ist es kein Teilerfolg, wenn 25 s Betrieb schon einen ausmachen? Wenn die Rakete auf der Rampe explodiert vielleicht? Beim zweiten Start, diesmal fiel die zweite Stufe aus, sprach EO Elon Musk in einer ersten Stellungnahme von einer 90 %-Qualifikation der Rakete, korrigierte diesen Wert dann auf 95+ % in der offiziellen Verlautbarung an die Presse nach oben. Klingt toll, aber selbst wenn die Rakete 95% der Orbitalgeschwindigkeit erreicht hätte, wäre die Nutzlast verloren gewesen.

Beim dritten Fehlstart gab es dann keine Prozentangabe mehr (er scheitere noch früher als der Zweite, so wäre das schon peinlich gewesen). Dafür eine Aufzählung, was alles schon geklappt hat. Das erinnert so an Fußballspieler im Interview nach einem 0:12 verlorenen Spiel „Ja also die Pässe und das Abspielen hat schon ganz gut geklappt, jetzt müssen wir nur noch Tore schießen“. Außerdem setzte nun etwas ein, was sich in Folge als SpaceX-Typisch erweisen sollte. Als erstes wurde die Schuld an externe Zulieferer abgeschoben in dem Falle an die Hersteller der „Pusher", mit denen die Stufen getrennt wurden und die komischerweise bei anderen Trägern, wie der Delta nie Probleme machten. Es waren ja auch nicht die Pusher, sondern ein zu hoher Restschub des Merlins.

Danach gab es 7 Jahre keine Fehlstarts – zumindest nach SpaceX Angaben. Man deklarierte einfach jeden Start als erfolgreich. Flug 1 hinterließ die Nutzlast um ihre eigene Achse, torkelnd in einem elliptischen Orbit, der weit von den Vorgaben abwich (es gab ja damals den Users Guide mit garantierten Bahnangaben). Als dann ein Triebwerk auffiel wurde der Verlust der Sekundärnutzlast auch heruntergespielt. Es war ein Versicherungsfall und damit nach unabhängiger Einstufung ein Fehlstart. Wäre die primäre Nutzlast keine Dragon gewesen, mit eigenem Treibstoff wäre auch diese verloren gewesen, weil der Orbit zu niedrig war. Beim ersten Teststart der Falcon 1.1 fiel wie beim ersten Teststart der Falcon 9 v1.0 die Wiederzündung der Zweitstufe aus und auch die Bahnen der ausgesetzten Satelliten waren stark abweichend von den vorher veröffentlichten. Auch diesmal: ein 100% Erfolg. Wäre ein Kommunikationssatellit an Bord gewesen, auch er wäre in einem unbrauchbaren Orbit gestandet. Andere LSP sind da ehrlicher, es gibt z.B. Parallelen zu den Starts V502 und V510 von Ariane, bei denen auch zu niedrige Orbits erreicht wurden und die nicht als 100% erfolgreich eingestuft wurden.

Auch sonst findet man fake-Nwes. Besonders kreativ: Das Weglassen von Fakten. So bezeichnet sich die Firma als den „fastest growing Launch Service Provider“. Der springende Punkt: SpaceX fängt von 0% Marktanteil an. So kann man nur wachsen. Arianespace kann es nicht, die haben schon 50% Marktanteil, selbst wenn sie ihn auf 90% erhöhen würden, wären das „nur“ 80% Wachstum. Wenn SpaceX aber von 1% auf 2% kommt, sind es 100% Wachstum – also fastest growing Launch Service Provider. Oder: „Highest Thrust LOX-Kerosen Engine new developed in the US since 40 Years“. Klingt toll, aber das Merlin ist auch das einzige neu entwickelte Triebwerk in den 40 Jahren. Das erinnert mich an einen Witz: Um die Spannungen abzubauen beschließen Russland und die USA einen Wettlauf der Botschafter. Der US-Botschafter gewinnt. In den USA steht dann als kleine Notiz in der Zeitung „Gestern gewann unser Botschafter in einem freundschaftlichen Rennen gegen den russischen Botschafter“. In Russland titeln die Zeitungen auf der ersten Seite: „Gestern fand ein Rennen statt bei dem unter anderem auch unser und der US-Botschafter teilnahm. Unser Botschafter wurde Zweiter, der US-Botschafter nur vorletzter“. Genauso so geht SpaceX mit der Wahrheit um. Ich habe mal gerade auf die Updates Seite nachgeschaut, da findet man es weiter: Oben eine Bildergalerie, die aber am 24.8. endet – es gibt keine Fotos von der Explosion, nur Still-Video-Aufnahmen von Dritten. Und die Explosion einer Rakete bei der Befüllung nennt man dort „Anomaly“. Ich sehe schon den Nachruf von SpaceX für Elon Musk vor mir „Yesterday our CEO Elon Musk had an Anomaly“....

Es gibt aber auch echte Lügen wie „SpaceX's testing program demonstrated a ratio of 4:1 for critical engine life parameters such as firing duration and restart capacity to the engine's expected flight requirements. The industry standard is 2:1.“ Das ist eine glatte Lüge. Beim Vinci ist das Testprogramm noch lange nicht abgeschlossen, aber das M5 Triebwerk hat schon 2014 die sechsfache Sollelebensdauer bei Tests überschritten. Bei dem Vulcain war die Lebensdauer zehnmal höher als die spätere Betriebsdauer. In dieser Region liegt die Soll-Lebensdauer der meisten Triebwerke.

Twitter, das bei Trump und Musk so beliebte Medium, ist ideal für Fake-News. Wie beim Sprichwort „Lügen haben kurze Beine“ schon erkennbar, wird eine Lüge um so schwieriger, je mehr man erzählen muss. Man muss sich Fakten ausdenken, diese in das schon bestehende Lügennetz einarbeiten und sie dürfen nicht auffallen. In der Kriminalistik lässt man daher Täter erzählen, bis sie sich in Widersprüche verwirren oder plötzlich sich nicht mehr erinnern können oder man lässt Verdächtige in allen Einzelheiten den letzten Abend wiedergeben, bei dem die Tat passiert. Ist das Alibi erfunden, so muss man auch zahllose Kleinigkeiten wie essen, Zahl dee getrunkenen Biere etc. Absprechen. Ich merke das, auch wenn ich mir für die Münchhausen-Kolumne was ausdenke. Es wird immer schwieriger je länger der Artikel wird.

Bei 140 Zeichen kommt man nicht in die Not, viel erfinden zu müssen.

Viel kritischer sehe ich aber die „personalisierte Wahrheit“. Früher bestimmten Medien, wie Zeitungen, Radio und Fernsehen die Wahrheit die veröffentlicht wurde. Bei rückwärts gewandten Gruppen wie Pegida scheint das ja immer noch so zu sein, daher sprechen sie ja auch von der „Lügenpresse“.

Heute informieren sich die Leute über das Internet. Und hier bekommen sie überall, egal ob es Videos, News oder Suchergebnisse bei Webseiten sind – personalisierte Suchergebnisse. Google, aber auch Bing merken sich was man sucht und sortieren so die Suchergebenisse um, das die Seiten die am ehesten zum bisherigen Verhalten passen weiter oben erscheinen. Das geschieht auch bei der Vervollständigung.

Neben dem Effekt, dass man sowieso nur noch das sucht, was einen interessiert und andere Meinungen so gar nicht mehr wahrnimmt, bekommt man auch ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit zurück, wobei man natürlich diskutieren kann, ob die ersten Suchergebnisse auch ohne personalisierte Suche wirklich auch die wichtigsten sind.

Noch verbreiteter ist aber, dass man in einer Gruppe sich selbst bestätigt. In Facebook melden sich eben die, die sowieso der gleichen Meinung sind oder werden Freunde/Likes zu einer bestimmten Person / Firma oder Verein. Oder man trifft sich woanders. Das ist auch in diesem Blog so. Die Zeit, wo sich hier Pro-SpaceX Personen melden, sind weitestgehend vorbei. Dabei kommentiere ich das meistens schon gar nicht mehr. Muss ich nicht. Wer diesen Blog liest, ist nicht Pro-SpaceX und stutzt seltene SpaceX-Freude dann schon zurück.

Mensch hätte das noch Honecker oder Stalin erlebt. Die hätten sich über solche paradiesischen Zustände gefreut. Wie sagte schon Ulrich: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“.

13.1.2107: Die Lösung für ein überflüssiges Problem: Zu den Trojanern

Letzte Woche hat die NASA zwei neue Discovery-Class Missionen genehmigt: Lucy und Psyche. Beide Raumsonden werden Asteroiden besuchen. Während dies bei Psyche der gleichnamige Asteroid des Hauptgürtels ist, wird Lucy die Trojaner und Achäer besuchen. Ich dachte mir, das ist eine gute Gelegenheit mal wieder etwas Basiswissen zu vermitteln und etwas über die Erreichbarkeit der Körper zu schreiben.

Zuerst einmal zu den Trojanern und Achäer. So werden zwei Gruppen von Asteroiden genannt, welche die Sonne in etwa Jupiters Entfernung umrunden, aber Jupiters Bahn vorauseilen oder nachfolgen.

Dazu noch etwas tiefer gehend in die Bahnmechanik. In einem System aus zwei massereichen Körpern hat ein dritter masseärmer Körper im Normalfall keine geologisch stabile Umlaufbahn. Er wird entweder auf einen der beiden Körper fallen oder aus dem System vertrieben werden. Das ist das klassische Dreikörperproblem. So haben die Planeten ihre Zonen um ihre Entstehung leergeräumt und es gibt im inneren Sonnensystem nur wenige Asteroiden. Beim Hauptgürtel war es sogar so, dass Jupiter die Entstehung eines weiteren Planeten verhinderte.

Es gibt von der Regel jedoch einige Ausnahmen. Das sind 5 mathematisch stabile Zonen, genannt Lagrangepunkte oder Librationspunkte. Nennen wir den massereichsten Körper1 und den zweitmassereichsten Körper2, dann liegt L1 auf der Verbindungslinie Körper1 – Körper2, zwischen Körper1 und Körper2, L2 auf derselben Linie, aber außerhalb von Körper2. Der Punkt L3 ist auf der gleichen Bahn wie Körper2 180 Grad von Körper2 entfernt und L4 und L5 jeweils auf der Umlaufbahn von Körper2, aber 60 Grad vorauseilend oder nachfolgenden.

Bis auf L3 hat man im System Erde-Sonne-Raumsonden schon Sonden stationiert:

Die Griechen waren die ersten Himmelskörper, die man entdeckte, die sich in einem Librationspunkt befanden. Später kamen dann noch die Trojaner hinzu, die hinter Jupiter fliegen. Voyager entdeckte in den Achtziger Jahren des letzten Jahrtausends dann im Saturnsystem noch Minimonde in den L4 und 5 Punkten. Himmelskörper, die sich in den anderen drei Librationspunkten befinden, hat man bisher nicht entdeckt, dafür aber Körper in den Librationspunkten L4 und L5 um Mars, Uranus und Neptun.

Man benannte die beiden Gruppen nach den beiden Parteien in Homers Ilias. Sie erhalten auch die Namen nach den Akteuren aus der Ilias. Anders als diese kommen sie sich aber nie in die Quere. Der größte Planetoid, Hektor ist immerhin 190 x 370 km groß.

Lucy ist nun die erste Sonde die zu beiden gruppen aufbricht. Viel ist über die Mission bisher nicht bekannt. Das Diagramm des Orbits zeigt einige Ungewöhnlichkeiten. Anstatt Ellipsen sieht man Slingshot- und Abbruchbahnen. Ich denke, dass es mindestens einen Erdvorbeiflug gibt. Dafür spricht die erneute Passage der Erde. Davor gibt es ein Deep-Space Manöver, erkennbar an der Spitze des Diagramms kurz nach dem Start im Südosten. Der Slingshot nach Passage der Trojaner kann auf eine Jupiterpassage oder ein weiteres Antriebsmanöver hindeuten.

In der folgenden Berechnung will ich mal die Erreichbarkeit der Trojaner anhand eines der besuchten Zeile erläutern. Der Asteroid 3548 Eurybates umkreist die Sonne in einer Bahn mit einem Perihel von 707 und einem Aphel von 845 Millionen km. (Charakteristisch für die Bahnen um die Librationspunkte ist, das es keine Kreisbahnen sind, sondern die Körper dort in Bögen, den Lissajous-Kurven den Punkt umkreisen.

Von der Erde aus würde eine Sonde gestartet nach der Vis-Viva Gleichung folgende Geschwindigkeitsänderungen:



[ Mill. km]

Kreisbahn-V1

Kreisbahn-V2

Reale Geschwindigkeit 1

Reale Geschwindigkeit 2

ΔV

Bemerkung

150,00 × 150,00 × 0,00 °

29.749,41 m/s

29.749,41 m/s

29.749,41 m/s

29.749,41 m/s

 

Ausgangsbahn

150,00 × 845,00 × 0,00 °

29.749,41 m/s

12.534,17 m/s

38.771,29 m/s

6.882,48 m/s

9.021,87 m/s

Apopunkt geändert

150,00 × 845,00 × 0,00 °

29.749,41 m/s

12.534,17 m/s

38.771,29 m/s

6.882,48 m/s

5.081,47 m/s

Peripunkt geändert

707,00 × 845,00 × 0,00 °

 

 

 

 

14.103,34 m/s

Gesamtänderung

Umlaufdauer Ausgangsbahn

1 Jahre

1 Tage

10 Stunden

20 Minuten

26,2 s

 

Umlaufdauer Zwischenbahn

6 Jahre

23 Tage

7 Stunden

59 Minuten

1,2 s

 

Umlaufdauer Endbahn

11 Jahre

296 Tage

21 Stunden

3 Minuten

56,8 s

 


Zusammen sind das 14,1 km/s. Das ist praktisch nicht heute chemisch zu machen. Für den ersten Teil kann man noch den Bonus der Erdgravitation ausnutzen, sodass es nur 14,3 km/s relativ zur Erdoberfläche sind. Doch die folgenden 5 km/s muss man chemisch oder durch Ionenantriebe aufbringen. Ionenantriebe gehen selbst mit modernsten Solarzellen heute noch nicht in Jupiters Entfernung. Die Leistung sinkt bei Eurybates um den Faktor 25 bis 30 gegenüber der erde ab, sodass ein Ionentriebwerk dort die Bahn nicht wesentlich ändern kann.

Was man mit Ionentriebwerken machen könnte, wäre von der Erde aus zu Jupiter starten. Dazu würde man die Raumsonde in einen Sonnenorbit bringen und diesen mit Ionenantrieben anheben. Da diese lange arbeiten, steigt auch das Perhel an. Wie genau das hängt von der genauen Auslegung eines Ionenantriebs ab. Bei einer konservativen Auslegung komme ich z.B. bei 4 Jahren Betriebszeit auf eine Endbahn von 437 × 805 Mill. Km, bei 2 Jahren sind es noch 257 Millionen km. Dadurch reduziert sich die Geschwindigkeitsdifferenz auf 3,3 und 1,6 km/s. Das Letztere wäre mit chemischem Antrieb aufbringbar. Doch der Preis ist eine Missionsdauer von 5 ½ Jahren, bis man Eurybates erreicht. Lucy wird sogar 6 Jahre 3 Monate brauchen. Das wäre also eine Möglichkeit (Lucy, das zeigt das Diagramm, wird allerdings nicht in die Umlaufbahn um einen der beiden Körper einschwenken).

Die naheliegendste Möglichkeit ist es, Jupiter als Sprungbrett zu benutzen. Jupiter ist allerdings ein sehr großer Planet. Er beschleunigt die Sonde schon zu stark und über einen längeren Zeitraum, sodass es sehr schwer ist, Bahnen zu finden, bei denen auch das Aphel nicht stark ansteigt.

Es gibt hier viele Parameter zu optimieren. Ich habe mich entschieden, die Startgeschwindigkeit vorzugeben, und zwar 3.8530 m/s solar, das entspricht einer Bahn mit einem Aphel in 780 Millionen km Entfernung, 2 Millionen km hinter Jupiters Bahn. Dann würde eine Passage in 1321.000 km Entfernung die Sonde auf eine 514,97 × 1461 Millionen km Bahn umlenken. Hier ist zwar das Aphel sehr weit draußen (in Saturns Entfernung). Doch dafür sind die Geschwindigkeitsänderungen klein, da das Perihel recht hoch liegt. Ich errechne ein Δv von weniger als 1500 m/s. Aufgrund des hohen Aphels, bei dem wohl auch die solare Stromversorgung (wenn man kein Ionentriebwerk einsetzt), an die Grenze stößt, aber auch der langen Umlaufszeit von über 21 Jahren (die Bahn muss mindestens zur Hälfte durchlaufen werden, um das Aphel zu erreichen) ist diese Lösung aber unattraktiv.

Legt man als Kriterium fest, dass das Aphel nicht über 845 Millionen km Höhe rutschen darf, so kommt man beim klassischen Hohmanntransfer (Perihel in 150 Millionen km Entfernung) nur auf eine 219 × 845 Mill. Km Bahn mit einem ΔV von 3,921 km/s, wenn man die Startgeschwindigkeit absenkt, auf 38.500 m/s.

Es bietet sich an daher das Swing-By mit dem Ionenantrieb zu koppeln, weil er schon das Perihel anhebt. Es resultiert bei einer Passage in großzügigen 25,5 Millionen km Entfernung eine Bahn von 369 × 845 Millionen km. Die große Entfernung ergibt sich bei allen Passagen, denn wir wollen ja das Aphel nicht zu stark anheben. Das ΔV beträgt dann nur noch 2,20 km/s.

Eine zweite Möglichkeit sind Passagen an Jupiter die nicht abbremsen, sondern beschleunigen. Sie heben das Perihel auf Jupiters Bahn an und ergeben dann exzentrische Ellipsen mit hohem Aphel. Diese darf man aber nicht durchlaufen, sondern muss in 845 Millionen km Entfernung das Aphel wieder absenken. Das ist nicht optimal, doch ich habe es auch mal untersucht. Bei einer Passage 3,64 Millionen km vor dem Jupiter erhält man eine 707 × 1908 Millionen km Bahn. In 845 Millionen km Entfernung braucht man nun nur noch um 2620 m/s abbremsen, um in eine Umlaufbahn von Eurybates zu kommen (zumindest in die gleiche Bahn, aber eben nicht 60 Grad von Jupiter entfernt, dazu müsste man dann noch eine Driftbahn einschlagen.

Nachdem ich die grundlegenden Parameter bestimmt habe, habe ich dann noch etwas gefeilt.

Die optimale Route sähe also so aus:

Die gesamte Missionsdauer betrüge bis hierher 1604 Tage, das sind fast 4 ½ Jahre.

Die Masse ist wegen der unbekannten Masse des Ionenantriebs schwer abzuschätzen. Nimmt man dasselbe Verhältnis von Antriebssystem und Treibstoff wie bei Dawn an, so macht dieser rund 30,2% der Startmasse aus. Der chemische Treibstoff macht dann weitere 35,8% aus, dazu kommen noch die Tanks und das Triebwerk für den chemischen Treibstoff. So verbleiben für die Sonde selbst nur rund 29% der Startmasse. Immerhin kann man sich die Solarzellen sparen, da die vom Ionenantrieb genutzt werden können. Die „kleinste“ US-Trägerrakete die Fluchtbahnen erreicht, ist die Atlas V, diese schafft in der 401 Version 3,3 t auf eine Fluchtbahn. Das ermöglicht immerhin eine respektable Sonde von 954 kg Gewicht. Das ist schwerer als Galileo oder Voyager. Klar mit Cassini kann man es nicht vergleichen.

Rein theoretisch gibt es, wenn man genügend Zeit hat, auch eine weitere Möglichkeit: Jupiter kann die Sonde in eine Bahn umlenken die einen ganzzahligen Teiler mit Jupiter Umlaufzeit hat. Da schon die Anfangsbahn die halbe Umlaufszeit von Jupiter hat, wäre die nächste Möglichkeit eine Bahn, bei der man 2/3 von Jupiters Umlaufzeit hat. Dies wäre z.B. eine bei der das Perihel in 410 Millionen km Höhe liegt und das Aphel in 778 Millionen km Entfernung. Das ist mit einer kleinen Bahnkorrektur machbar. Ein weiterer Vorbeiflug an Jupiter würde die Bahn dann weiter anheben. Ich habe diese Möglichkeit nicht untersucht, weil die gemeinsame Periode bei drei Jupiter-Umläufen also über 34 Jahren liegt.

Kurzum: Die Trojaner sind mit vertretbarem Aufwand erreichbar. Lucy hat eine andere Strategie: Sie wird die Trojaner nur besuchen. Wenn man eine Bahn von 150 × 800 Millionen km annimmt, dann beträgt die Relativgeschwindigkeit etwa 5-6 km/s relativ zu den Planetoiden. Das ist relativ wenig, aber die Körper sind auch klein, 4-110 km groß. Da dürfte selbst beim größten die Zeit zwischen Ausfüllen des Blickfeldes der Telekamera (sie soll von New Horizons übernommen werden) nur rund eine Stunde. Die kleineren Planetoiden dürften das nicht mal erreichen, weil man sie wahrscheinlich in sicherem Abstand passieren wird. Der müsste aber beim kleinsten Trojaner auf 800 km sinken, damit er das Blickfeld der Kamera überhaupt ausfüllt.


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