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Web Log Teil 511: 26.9.2017 - 15.10.2017

26.9.2017: Jamaica-Koalition und die Wahl, bei der es nur Gewinner gibt

Ja ich hinke mit dem Blog etwas hinterher. Aber inzwischen habe ich mich in das Buch über Raumsonden reinvergraben und aktualisiere nebenbei die Webseiten, weil ich vor allem bei den nun anstehenden sowjetischen Missionen noch einiges nachtragen kann. Ich habe ein gutes Gefühl, auch wenn es nicht so ausführlich wie die Webseiten wird, doch sicherlich besser als Wikipedia oder die Bücher des Plagiators. Auf das heutige Thema kommt nach der Wahl zwangsläufig: Die Jamaica-Koalition. Ehrlich gesagt, ich sehe wenig Gemeinsamkeiten zwischen Grünen und FDP. Die Grünen, so hat es mal Erhard Eppler von der SPD gesagt seien ja eigentlich nicht links, sondern „wertkonservativ“, sprich sie wollen die Welt so erhalten, wie sie ist, auch wenn das etwas kostet. Die FDP vertritt inzwischen eine Politik, die nur drauf aus ist eine bestimmte Klientel mit hohem Einkommen zu bedienen. Daher der Ruf nach weniger Staat (weniger Steuern, weniger Sozialausgaben). Mein Bruder, der vermögensmäßig zu der Gruppe gehört, meint ja sie vertritt den Mittelstand. Na ja der schrumpft ja, nur die FDP legt bei den Wahlen zu.

Kommentatoren sehen aber erst den Knackpunkt in der CSU, die ja inzwischen sogar nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit der CDU hat. Genützt hat es ihr wenig. Ihre fremdenfeindliche Politik hat sie in Bayern genauso viele Stimmen gekostet wie die Haltung der CDU im Bundesgebiet. Das Anbiedern an Positionen der AFD hilft wenig, denn die Leute wählen das Original. Das war schon früher so. Die AFD ist ja nicht die erste Partei, die mit solchen Parolen kommt. Es gab ja schon NPD, Republikaner und DVU. Doch dazu noch mehr.

Zurück zur Jamaica-Koalition. Wenn es gut läuft, bekommen wir das Beste aus allen Parteien:

Ich befürchte nur es wird wie die letzte CDU/FDP Regierung enden – es kommt nichts zustande. Denn die CDU alleine ist unter Merkel ja in etwa so beweglich wie die Zugspitze. Und wie die wird sie immer kleiner und bröckelt unter dem Klimawandeln langsam ab. Trotzdem habe ich mir auf die kommende Jamaica-Kolation schon wegen des schönen Begriffs gestern einen Haschkeks gegönnt.

Zum Zweiten: Bei Tatsachen kommt es ja immer drauf an, wie man diese sieht. In Anlehnung an ein Rhetorikbuch, dass ich mal gelesen habe hier eine Lektion wie man die Wahl so deuten kann, dass es nur noch Sieger gibt:

Zur AFD: Die Wähler dürfen sich freuen, so wie es aussieht bekommen sie für eine Stimme bald zwei Parteien, nämlich die AFD und die AZA (Alternative zur AFD). Die Wähler haben da doch dann gleich doppelt gewonnen!

Verwundert hat mich Petry nicht. Wenn ich mich an bisherige "Protestparteien" erinnere, so ist eines ziemlich konstant. Sobald die einen prominenten Kopf haben, wird der von den eigenen Leuten abgesäbelt. Das ging Franz Schönhuber von den Republikanern so, bei DVU haben sich Leute abgespalten und nicht zuletzt hat Perty ja selbst Bend Lucke aus der AFD geworfen. Mein Tipp. Als Nächstes erwischt es Alexander Gauland. Ich gebe dem keine 12 Monate mehr und ich prophezeie, dass er von Alice Weidel gestürzt wird. Wetten dass?

So gesehen mache ich mir keine Sorgen um die AFD. Protestparteien (dazu gehören auch Schill-Partei und Piraten) kommen und gehen. Das schlimme sind zwei Dinge. Das eine ist, das es 13% der Bevölkerung gibt, die diese Leute wählen die die „Regierung jagen“ oder „rückstandslos tilgen wollen“ (ich vermute mit Salpetersäure, sonst fällt mir nichts ein mit der man die Regierung rückstandslos beseitigen kann). Besonders schlimm ist, dass die meisten im Osten sind. Die haben doch 40 Jahre antifaschistische Erziehung hinter sich und wurden dann mit 1 Billion Euro aus dem gesamtdeutschen Haushalt finanziert. Das Geld hätten wir uns sparen können. Achtspurige Autobahnen, damit man die Zone schneller durchqueren kann, hätten es auch getan.

Die etablierten Parteien haben zwei Grundfehler gemacht. Sie sind zum einen auf diese 13 % eingegangen die der unzufriedene Bodensatz der Bevölkerung sind. Besonders die CSU mit ihrer Obergrenze. Sorry, aber nach dem Krieg konnte man Millionen von Flüchtlingen aufnehmen, die alle hier blieben und da ging es uns nicht gut. Nun haben wir eine boomende Wirtschaft, stabile Preise, geringe Arbeitslosigkeit und ein paar Hunderttausend machen Probleme? Nein machen sie nicht. Und ich spreche aus Erfahrung, 100 m von mir wurden rund 70 in einer alten Schule untergebracht. Wenn ich anfange zu unterscheiden zwischen Deutschen und Ausländern, wenn jemand Hilfe braucht, dann sollte man überlegen ob man nicht auch zwischen Westdeutschen und Ostdeutschen unterscheiden sollte. Ich kenne Flüchtlinge die sind gebildeter und sprechen besseres Deutsch, als der Mob der Merkel im Osten auf Wahlkampfveranstaltungen begegnet ist. Warum schieben wir die nicht ab in östliche Nachbarländer die auch keine Flüchtlinge wollen wie Ungarn, Polen. Dort würden sie sich sicher wohler fühlen.

Der zweite Fehler war, dass die Parteien zuließen, das dieses Thema die Wahl diktierte. Dauernd Auseinandersetzungen um Flüchtlinge, Abschiebungen, Obergrenzen und natürlich mit der AFD. (Alterative für Dumpfbacken). Damit hat man die wichtiger gemacht, als sie ist. Tatsache ist: Den großen Zustrom haben wir 2015 gehabt, 2016 ebbte er ab und 2017 weiter. Die angesprochene Schule wurde dieses Frühjahr abgerissen, weil sie nicht mehr als Flüchtlingsheim gebraucht wurde. Die meisten, die damals geflohen sind, sind inzwischen wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt. Man hat sich also ein Thema diktieren lassen, das gar nicht mehr aktuell ist. Ich habe dagegen wenig von den etablierten zu den wirklichen langfristigen Problemen wie bezahlbare Krankenversicherung für Alle, Rentenfrage, Ausgaben für Bildung und gleiche Chancen für alle, Leben vom eigenen Einkommen, und Vereinbarkeit von Beruf und Kinder bekommen gehört. Alle diese Fragen halte ich für gesellschaftlich wichtiger aber kamen die im Wahlkampf vor? Fehlanzeige.

Noch peinlicher wirkt auf mich das man extra die Wahlordnung abändert, nur damit Naziopa Gauland nicht mehr der Alterspräsident ist. Also ehrlich. Glaubt ihr wirklich die Demokratie, hält einige Stunden Gauland nicht aus? Also die USA haben seit 8 Monaten Donald Trump und sind immer noch nicht untergegangen. Und der ist noch eine Nummer schlimmer. Das ist doch die beste Gelegenheit das er sich öffentlich blamiert. Es war mal Stefan Heym Alterspräsident und der war mit seiner Glorifizierung der DDR auch in der Kritik. Erinnert sich heute noch jemand daran?

Mich selbst hat das Ergebnis nun nicht so überrascht. Zum einen sagten es Umfragen schon Wochen vor der Wahl voraus. Nur das die CDU und SPD noch etwas mehr bröckelten war anders. Aber auch nicht überraschend. Wenn man eine große Koalition hat, erwartet man die Lösung von großen Problemen. Welche? Siehe oben. Aber passiert ist nichts. Die einzige Partei, die ihr Nonsensprogramm in der letzten Regierung völlig durchgesetzt hat und mehr gegen die Regierung war, als die beiden Oppositionsparteien, war die CSU. Schade das Jamaica eine so kleine Mehrheit hat. Sonst würde ich Merkel wirklich raten auf die CSU zu verzichten. Leider fehlen dann 8 Sitze. So befürchte ich werden die 46 Abgeordnet der CSU (nur knapp halb so viele wie die FDP und 10 weniger als 2013) wieder die Politik bestimmen.

Wie wird die nächste Wahl werden? Nun die CDU wird die Grünen und FDP runterregieren wie schon die FDP 2013 und SPD 2009/2017. Aber auch selbst verlieren. Die SPD könnte in der Opposition zulegen. Es wird wieder zur Großen Koalition 2021 kommen, nur mit zwei von der Abgeordnetenwahl fast gleich großen Parteien.

30.9.2017: Wer hat Angst vor dem bösen Lebensmittel-Erpresser.

Gestern ging durch die Presse, das jemand Discounter und andere große Ketten erpresst. Er würde vergiftete Nahrungsmittel ins Sortiment geben. Ein Polizeisprecher sprach von großer krimineller Energie und das verwendete Gift könne tödlich wirken. Wie immer wenn ich so was höre, gehe ich im Geiste, durch was der Mensch wohl verwendet haben könnte. Klar Gifte gibt es viele. Doch so einfach ist die Sache nicht. Das Lebensmittel soll ja auch gegessen werden. Es sollte also nicht geschmacklich auffällig sein. Das engt die Auswahl ein. Viele pflanzliche Gifte, die man einfach selbst aus Auszügen produzieren kann, wie z.B. aus dem blauen Eisenhut schmecken ziemlich bitter. Andere Gifte, die in kleiner Dosierung Medikamente sind, werden heute extra ekelig schmeckende Dinge zugemischt oder Tabletten in knalligen Farben eingefärbt, damit man sie nicht aus Versehen nimmt. Zumischen wird dann schwierig. Beim Nachdenken hat sich bei mir die Auswahl auf Insektizide und andere Gifte eingeengt die man sonst verwendet um „Schädlinge“ loszuwerden, mit dem Favorit Rattengift, denn das darf nicht auffällig sein, schließlich sollen es die Ratten ja fressen.

Große Enttäuschung als dann gestern im Radio kam, das es Ethylenglykol ist. Die AFD-ler und andere Anhänger von Verschwörungstheorien, die es auch zum letzten Blog verschlagen hat. (Vielen Dank übrigens das ihr als die Kategorie des Blogs überlesen habt) reden ja gerne von der Lügenpresse. Ich würde es eher als „Aus einer Mücke einen Elefanten machen“ Presse nennen. Ethlyenglykol gäääääähn. Schon wieder. Oder immer noch? Vom Ethylenglykolskandal habe ich schon gehört, da war ich noch nicht mal Lebensmittelchemiestudent. Das ist jetzt sicher 30 Jahre her. Damals hat ein österreichischer Weinbauer das Zeug kanisterweise unter den Wein gekippt. Kanisterweise, weil das eine relativ billige Zutat ist, die süß schmeckt und die Viskosität erhöht. Alles Dinge um aus einem durchschnittlichen Wein eine Edelbeerenauslese zu machen. In Reinform gibt es das als Flüssigkeit für Scheibenwischanlagen oder Zusatz zum Kühler, damit das Wasser nicht gefriert. Schon die Menge sollte auch dem Laien klar machen das Ethylenglykol nicht so giftig sein kann.

Ethylenglykol ist ein Stoffwechselzwischenprodukt und damit nicht giftiger oder ungiftiger als andere Stoffwechselzwischenprodukte wie Zitronensäure oder Oxalsäure. Die „Giftwirkung“ beruht darauf, dass er zu letzterer abgebaut wird und die ist schwer löslich. Bei zu viel Oxalsäure im Blut kann sie in den Nierenkanälchen auskristallisieren und sie dauerhaft verstopfen. Die Folge ist eine Niereninsuffizienz.

Nach Paracelsus macht nur die Dosis, ob etwas ein Gift ist oder nicht. Und das gilt auch beim Ethylenglykol. Nach Wikipedia beträgt die letale Dosis je nach Tierart, wo man testete, 4,7 bis 10,1 g pro Kilogramm Körpergewicht.

Okay, Babys wiegen wenig und mögen empfindlicher sein. Aber der kleinere Wert, das sind bei einem 5 kg schweren 25 g Ethylenglykol. Ehrlich gesagt ich glaube nicht das man diese Menge in einem Fläschchen unterbringen kann ohne das das auffällt. Die Substanz ist weniger giftig als Salz. Würden sie 350 bis 700 g Salz auf einmal zu sich nehmen sie wären auch tot, und zwar ziemlich schnell. Das geht wegen einem Schutzreflex nicht, weshalb man auch Salz als Brechmittel nimmt.

Oder nehmen wir Alkohol. Bei 4,7 g/kg Körpergewicht sind das bei 4,7g/kg 352 g bei einem 75 kg schweren Mann. 352 g reiner Alkohol stecken in 440 ml. Das wären bei 40% Schnaps 1,1 l die man auf einmal trinken muss. Man hätte dann 7,3 Promille und die sind auch tödlich. Nach der Wikipedia liget der LD50 von Alkohol bei 7,05 g/kg Körpergewicht und damit ist er genauso toxisch wie Ethylenglykol. Der Erpresser hätte also auch stinknormalen Alkohol in der gleichen Menge zusetzen können, der wäre dann genauso giftig. Nur hätten dann die Medien wohl nicht so viel Theater gemacht.

Bei mir fangen Gifte da an, wo man weniger als 1 g für eine letale Dosis benötigt. Das läuft dann auf ungefähr 10 mg/Kilogramm Körpergewicht raus. In der Kategorie sind dann Substanzen wie Arsen oder Blausäure. Die meisten „richtigen“ Gifte liegen weit drunter. Je spezifischer eine Substanz wirkt, desto weniger baucht man. Substanzen, die die Nervenweiterleitung blockieren wirken im Mikrogrammbereich. Dazu gehören Substanzen wie Cuare oder E605. Trotzdem gibt es Leute, die sich solche Ultragifte Botulinus-Toxin in Gesichtsmuskeln spritzen lassen …

Was bleibt ist ein Rauschen im Blätterwald.

 

2.10.2017: Lügenpresse, selektive Wahrnehmung das Internet

Nein, der heutige Blog geht nicht über SpaceX. Ich arbeite derzeit fleißig am Raumsondenbuch, und weil ich im Oktober dafür wenig Zeit habe, will ich Russlands Missionen vorher fertigstellen. Da stehen noch 1F und 5VK aus. SpaceX Artikel brauchen viel Zeit, schließlich will ich mir meinen Ruf nicht mit unqualifizierten Aussagen ruinieren, wie es der SpaceX CEO tut, dessen Aussagen die Halbwertszeit von Po-210 haben. Aber in etwa einer Woche, wenn ich in Nesselwang bin, denke ich komme dazu.

HörenSagen als Tatsache

Auf das heutige Thema bin ich durch die Diskussion über den vorletzten Blog gekommen. Ich habe mir nicht erst die Mühe gemacht, nach der verlinkten Webseite ins Impressum zu sehen. Wenn dort nur Zitate von Grünen-Politikern zu nur einem Thema auftauchen dann weiß ich schon das diese nicht neutral ist. Das Gleiche zu den Aussagen in den Posts. Viel Hörensagen. Ich gehe jede Woche ins Schwimmbad. Dort gab es aber keine sexuellen Belästigungen von Frauen. Aber ich habe dort aber nette Asylanten kennengelernt. Leider ist das schon einige Zeit her, denn die Schwemme war 2015 und seitdem ist der Zustrom weniger geworden und viele, die damals kamen, sind in ihr Land zurückgekehrt die meisten übrigens von sich aus. Daher zu sagen das irgendetwas seitdem zugenommen hat passt nicht zu den Beobachtungen, die ich gemacht habe und auch den offiziellen Zahlen. Sowohl in Ostfildern wie auch woanders. Die Erstaufnahmestelle in Meßstetten in BW wurde inzwischen mangels Bedarf geschlossen.

Der Neidergang der klassischen Medien

Warum dauernd das Gegenteil behauptet wird? Weil das Internet die Wahrnehmung verändert hat. Die AFD spricht ja immer von der „Lügenpresse“. Dabei glaube ich nicht, das die Leute die sie wählen überhaupt die klassischen Medien nutzen. Geschweige den Printmedien. Das ist alles viel zu anstrengend. Im Internet findet man doch die Antwort viel schneller und vor allem das Internet ist wie ein bunter Blumenstrauß – jeder kann sich das raussuchen, was er will. So Gauland eine Statistik über den Nachzug von Familienangehörigen, bei der er von einer Million ausging. Ja da hat er sich eine schöne Zahl aus Syrien rausgesucht, wo jeder seine komplette Familie nachholen kann – inklusive Bruder, Schwester, Opa, Oma, Tante und Onkels. Nur geht das beim deutschen Recht nicht. Da kommen maximal Kinder und Ehefrau, und als Redakteure beim Ministerium anriefen, kam raus, das die gestellten Anträge auf Familiennachzug nicht mal ein Viertel von Gaulands Zahlen umfassen.

Als ich nach dem Faktum gesucht hab, fiel auf das die AFD inzwischen sogar eigene Websites nur mit ihren Nachrichten betreibet wie opposition24.de oder bundesdeutsche-Zeitung.de. Da bekommt der Begriff „Lügenpresse“ eine neue Bedeutung.

Doch darum geht es gar nicht in dem Blog. Das ist nur ein Nebenschauplatz. Das Hauptproblem ist doch das die klassischen Medien gegen das Internet verloren haben. Da nützen auch noch so viele Tagesschau-Apps und Hinweise „Mehr finden sie in unserem Online-Angebot“. Mir persönlich würde ja schon reichen, wenn die Medientheken das komplette Programm online hätten. Da fehlen nämlich nicht nur alle nur lizenzierten Formate wie ausländische Serien, sondern auch viel Selbstproduziertes, vor allem von den Dritten. Nur mal als Tipp: das man die Inhalte nur im Senderaum abgerufen kann, ist leicht durch Geolocation der IP zu bereitstellen. Mit dem Mediathek-Viewer bekomme ich ja auch oft nur einen 10-s-Film „Das Angebot ist nur für Zuschauer aus Österreich verfügbar“, wenn ich was runterlade und was gesperrt für andere Länder ist. Setzt lieber das Mediathekkonzept mal so durch das es gleichwertig mit dem Fernsehen ist, also man alles dort abrufen kann, was es auch im Fernsehen gibt, anstatt irgendwelche Apps zu erstellen.

Doch wer Fragen hat und Antworten sucht, der wird weder eine Mediathek noch Tagesschau-App konsultieren, sondern das Internet. Und da gibt es zwei Dinge die dann zu solchen Posts, wie im vorletzten Blog führen.

Die Gruppenbildung von Gleichgesinnten

Es ist ja nun nicht so das im Internet Personen miteinander diskutieren die entgegengesetzte Meinungen haben, sondern es finden sich diese zusammen die schon der gleichen Meinung sind und die geilen sich dann gegenseitig auf beziehungsweise versorgen sich gegenseitig mit weiteren nicht nachgeprüften „Fakten“. Die werden dann bald als Wirklichkeit anerkannt.

Wer sich bei Facebook rumtreibt, ist nicht besser dran. Facebook wird News höher ranken, wenn man nicht nur den Herausgeber des Posts öfters besucht und „likt“, sondern auch wenn andere seinen Post "liken", denn er muss, ja dann bedeutender sein. Ein Beitrag hat mal gezeigt wie Facebook so Ängste schüren kann, indem es die Posts so gewichtet.

Die verfälschte Websuche

Doch damit nicht genug. Schon die Websuche ist nicht unabhängig. Zum einen kann man natürlich durch SEO-Optimerung dafür sorgen, dass Suchergebnisse verfälscht werden. Der Aufwand ist heute deutlich höher als vor einigen Jahren, aber es ist immer noch möglich. Viel bedeutender ist aber die „personalisierte Suche“. Goggle (und ich denke auch die anderen Suchmaschinen) merken sich, auf welche Links man geklickt hat. Diese Domains (und wahrscheinlich andere mit ähnlichem Inhalt) tauchen dann bei weiteren Suchen häufiger auf. Das ist toll, wenn man nach seltenen Infos über Raumfahrt sucht und es bei den Ergebnissen schon zuverlässige Webseiten gibt, die man zuvor besucht hat. Wenn es aber um politische Ereignisse geht, bei dem es weniger um Fakten als Einschätzungen geht, wird man so bald nur noch in der eigenen Meinung bestärkt. Mich würde interessieren, in wie weit die "Vervollständigen" Funktion die Suchen beeinflusst, sprich man eine Vervollständigung akzeptiert um weniger tippen zu müssen und ob auch diese personalisiert ist.

Die Folgen

Was kommt ist das die Leute in einer Blase leben. In der Blase werden sie von ihren eigenen Vorurteilen bestärkt und nehmen die Realität gar nicht mehr wahr. Man sollte mal untersuchen, inwieweit das an dem Erfolg der AFD mit schuld ist. Den Medien würde ich die Schuld nicht geben. Sie haben natürlich aufgegriffen, was die AFD von sich gab, aber wenn die CDU meint, sie kann einen Wahlkampf bestreiten, ohne sich irgendwie programmatisch festlegen zu müssen – bitteschön, das ist die Quittung. Dann legen eben andere das Wahlkampfthema fest.

Ich sehe in dem Phänomen eine enorme gesellschaftliche Sprengkraft. Früher hat man sich über „Bild“ und die anderen Springer-Blätter aufgeregt. Doch wer Bild nie las, bekam von der einseitigen Berichterstattung nichts mit. Das Fernsehen und Radio war unabhängig und zu kritisch (das Privatfernsehen wurde von Kohl gefördert, weil er es als Alternative, bei dem es keine kritischen Fragen gibt, etablieren wollte). Vor allem waren es aber Massenmedien. Heute werden Zeitungen immer weniger gekauft. Der Fernsehkonsum ist zwar seit Jahrzehnten gesteigen, doch ich vermute nicht der Anteil von Dokumentationen, Nachrichten und Reportagen. Wenn das Angebot geistig zu anstrengend ist, gibt es genügend Kanäle zu zappen. Wer früher in einer Blase leben wollte, musste Aufwand betreiben. Seltene Blättchen wie vom Verleger und DVU-Chef Frey abonnieren, um ein Beispiel zu nennen. Da musste man erst mal wissen, wie man da dran kam. Heute muss man nur bei den Suchergebnissen sich die raussuchen, die einem in den eigenen Kram passen und innerhalb weniger Tage wird man nur noch Suchergebnisse finden, die einen bestärken. Dabei machen sich die meisten gar keine Gedanken, das sie so manipuliert werden, schließlich können sie ja jeden Link anklicken, der dort erscheint.

Ich wage mir nicht vorzustellen, wie das erst in 10 Jahren sein wird... Einen kleinen Vorgeschmack vermittelt und Trump mit seiner Weltsicht.

3.10.3017: Zwei Jahrestage

Kommen nun heute und morgen. Zuerst einmal ist das der 75-ste Jahrestag des ersten erfolgreichen Starts einer A-4 am 3.10.1942. Dann morgen, am 4.10. der 60-ste Jahrestag des Starts von Sputnik 1. Viel ist zu beiden geschrieben worden. Schwer ist es da noch Neues beizutragen, doch ich will es mal probieren. Bei der A-4 wurde bei Skyweek 2.0 die Diskussion erwähnt, ob sie nun die Grenze zum Weltraum erreicht hat. Der erste Schuss ging in 84,5 km Höhe. Nach der landläufigen Definition ist die Grenze zum Weltraum in 100 km Höhe. Doch das ist eben nur eine Definition. Man kann auch anders definieren. Die USA haben mal sie auf 50 Landmeilen runtergesetzt, dass ihre X-15 Flieger auch den Weltraum erreichten. Da wäre sie drüber. Ich will mal diskutieren, was man als Kriterium nehmen könnte.

Kriterium 1: Weltraum ist da, wo die Luft zu dünn für andere Gefährte ist.

Ein Kriterium das man nehmen kann bezieht sich auf die Technologie. Wir kommen ja nicht so in den Weltraum wir brauchen ein technisches Gerät und da kann man nun einfach sagen: Geräte, die irgendwie von der Luft abhängig sind, sind eine Kategorie und Geräte die auch im Weltraum arbeiten, eine andere. Das erste wären Flugzeuge, sowohl mit Propeller wie Strahlantrieb und Ballone. Das zweiet wären Raketen. Flugzeuge stoßen schon bei 30 km an ihre Grenzen, weil dann die Luft zu dünn wird, um als Verbrennungsträger für Düsentriebwerke zu dienen. Mit RAMJets sollte man höher kommen. Leider gibt es hier wenige Versuche große Höhen zu erreichen. Ballone erreichen mit Nutzlast ohne Problem 30-35 km Höhe. Ein NASA-Ballon hat 2006 schon 49 km erreicht. Eine Mig 25 hat im Parabelflug immerhin 37,65 km erreicht. Regulär liegt der Rekord (ohne Parabel) bei 26,32 km.

Diese Höhen liegen also weit unterhalb der normalen Grenze zum Weltraum. Ich rechne aber damit, dass man wenn man Ramjets baut, noch deutlich höher kommt. Denn sonst machen die keinen Sinn. Bei nur 50 km Höhe müsste eine Oberstufe noch sehr viel Arbeit leisten. Nach Wikipedia soll bei Scramjets sie Maximalhöhe bei 75 km liegen, was ziemlich nahe an der heutigen Definition ist.

Kriterium 2: Weltraum ist da, wo die Luft in den Weltraum übergeht.

Okay, ich gebe zu das Kriterium ist weich. Es ist ja nicht so das unsere Atmosphäre bei 100 km abrupt aufhört. Sie wird vielmehr immer dünner. Satelliten werden noch in 200 km Höhe so stark abgebremst das innerhalb weniger Wochen verglühen. In 400 km Höhe liegt man bei über einem Jahr und bei 600 km Höhe im Bereich von Jahrzehnten, natürlich stark abhängig von der Form eines Satelliten. Zudem ist die Dichte sehr stark abhängig von der Sonnenaktivität – bei hoher Aktivität strömen viele Protonen und Elektronen auf die Atmosphäre und übertragen durch Zusammenstoß Energie und sie dehnt sich aus. Aber ich denke man kann trotzdem ein Kriterium anwenden. Nämlich die Zusammensetzung. Am Erdboden besteht die Luft aus Molekülen. In der oberen Atmosphäre aus Radikalen und Ionen. Deswegen wird sie auch Ionosphäre genannt. Diese beginnt bei 70 bis 90 km, stark abhängig von der Sonnenaktivität. Nimmt man die Mitte, so liegt man bei 80 km. Das wäre auch eine gangbare Definition.

Kriterium 3: Der Weltraum beginnt da, wo ein Satellit mindestens einen Umlauf schafft.

Was mich an den Definitionen stört, die es bisher gab, ist das man allesamt versucht, kleine Hopser zu Weltraummissionen umzudefinieren. Für mich beginnt Weltraumfahrt da, wenn man einen Orbit erreicht. Alles andere ist suborbital. Da ist es dann wurst ob eine Rakete 80 oder 100 km Höhe erreicht. Höhenforschungsraketen die leicht über 100 km kommen (die meisten weitaus höher) heißen ja auch nicht Weltraumforschungsraketen.

Die Untergrenze ist da, wo das Auseinanderbrechen eines Satelliten beginnt. Das ist bei 80 km Höhe der Fall, sofern der Satellit nicht eine spezielle form hat (die Keyhole 1-7 in Form einer Gewehrpatrone kamen bis auf 90 km an die erde heran). Solarzellen und andere leichte, große Flächen, könne schon vorher abgehen. Vor allem aber ist die Abbremsung ein sich selbst beschleunigender Prozess. Verliert der Satellit höhe, so sinkt er weiter ab, was zu noch schnellerem Absinken führt. Daher mein Kriterium: Die Mindesthöhe ist die, bei der ein Satellit nach einem Umlauf auf 80 km Höhe abgesunken ist. Denn dort beginnen fragile Satelliten auseinanderzubrechen.

Das ist natürlich auch abhängig von der Art des Satelliten und der Sonnenaktivität. Eine Kugel aus Uran (Geodäseisatelliten) sinkt langsamer als ein Ballon. Wenn man einen 1U Cubesat als Referenz nimmt (im Vergleich zu größeren Satelliten ungünstiges Oberfläche/Masse Verhältnis) und eine mittlere Sonnenaktivität von 160 SFU und einen AP-Index von 12. so kann man simulieren, aus welcher Ausgangshöhe man nach einem Umlauf auf 80 km Höhe gesunken ist. Mit einem einfachen Modell komme ich auf 88 km Ausgangshöhe.

Wenn man als Kriterium einen Tag nimmt, so sind es 153 km. Physikalisch macht ein Umlauf eher Sinn. Denn wenn man nicht mal einmal die Erde umrunde, dann könnte man den Satelliten auch als suborbitale Nutzlast z.B. einer ICBM ansehen. (Gab es auch mal). Technisch macht wohl ein Tag mehr Sinn, denn im Orbit muss man den Satelliten ja in Betrieb nehmen und zumindest eine kleine Mission durchführen.

Sputnik und seine Folgen

Kommen wir zum Sputnik. Ich will nicht auf das Ereignis selbst eingehen, sonder um die Auswirkungen. Den Sputnikstart musste Koroljow ja noch der militärischen Führung als Testflug verkaufen. Das Medienecho vor allem im Westen führte dazu, dass man bald nachlegte. Sputnik 2 folgte zum Jahrestag der Oktoberrevolution. Der Sputnikschock folgte eigentlich mit Sputnik 2. Man wusste im Westen ja nicht, mit welcher Trägerrakete der Satellit gestartet wurde. Die USA planten Explorer und Vanguard. Die waren maximal 20 kg schwer. Sputnik 1 war 80 kg schwer, also deutlich schwerer, doch 80 kg wären mit den Trägern und optimierten Oberstufen auch möglich. Sputnik 2 wog über 500 kg und Sputnik 3 im Mai 1958 dann 1.500 kg. Damit war klar, das Russland eine ICBM hatte, die die USA erreichen konnte. Das war die eigentliche Bedeutung des Satellitenstarts.

Was er ausgelöst hatte, war ein Wettlauf. Nicht nur ein Bemannter zum Mond, sondern auch ein unbemannter. Er ist mir beim Schreiben meines Buches über die Raumsonden wieder vergegenwärtigt worden. Es ist frustrierend Dutzende von Raumsonden aufzuführen, die nicht ihr Ziel erreichten, weil man sie überhastet oder mit unerprobten Trägern startete. Seitens der USA waren dies die ersten Jahre. Auch hier versuchte man mit den frühen Pioneers und Ranger die UdSSR zu übertrumpfen. Auch Mariner 1+2 als Schnellschuss aus Ranger gebaut kann man dazuzählen. Doch das wich dann sorgfältig vorbereiteten Missionen, die auch wesentlich erfolgreicher waren. Russland behielt das Streben unbedingt Erster zu sein bis 1973 bei. Bedingt durch zahlreiche Ausfälle von Sonden und dem Erfolg der Amis machte man dann oft den zweiten Schritt vor dem Ersten - obwohl keine russische Sonde erfolgreich den Mars erreicht hatte, plante man mit Mars 2+3 gleich einen Orbiter und die Landung. Eine dritte Sonde sollte die benötigten Daten über Position des Mars und Atmosphäre liefern, die man für die weiche Landung benötigte. Natürlich ging eben diese (nach Murphys Gesetz) verloren. So erreichten nur die Orbiter einen Orbit, davon einer einen unplanmäßigen.

Noch verrückter war es 1974. Diesmal flog gleich eine Armada zum Mars: je zwei Orbiter und zwei Lander. Nur hatte man vier Monate vor dem Start entdeckt, dass Transistoren im Stromverteilungssubsystem ausfielen. Eine Nachfrage bei der Fabrik ergab, dass man dort vor zwei Jahren die Produktion umgestellt hatte: Kontakte waren aus Alu anstatt Gold um Kosten zu sparen. Etwa 1,5 bis 2 Jahre nach Herstellung würden durch interkristalline Korrosion sich die Ausfälle häufen. Das Stromversorgungssystem war „gefüllt“ mit den Transistoren. Man errechnete, dass es nur eine 50% Wahrscheinlichkeit gab, dass auch nur eine Raumsonde heil den Mars erreichte. Daher plädierte man für eine Verschiebung des Starts um zwei Jahre, doch dann wären die Sonden zeitgleich mit Viking gestartet, mit dessen ambitionierten Messprogramm konnte man nicht mithalten. Also wurde von oben befohlen, die Sonden 1973 zu starten. So kam es, wie es kommen sollte. Nur ein Orbiter erreichte en Mars funktionsfähig. Ein Lander lieferte zwar einige Atmosphärendaten zerschellet aber bei der Landung..

Die einzige Ausnahme war die Erforschung der Venus. Da hier die USA nach Mariner 5 kein Interesse mehr hatte, konnte man hier eine Mission, auf der letzten aufbauend, Erfolge bei den Landungen erzielen. Allerdings waren hier die Bedingungen auch günstig. Der enorme Rückschritt in der Elektronik spielte keine Rolle, wenn eine Sonde nur eine Stunde lang arbeitete und so praktisch nur ein festes Programm abarbeiten konnte.

Die negative Seite der Medaille ist das es in Russland niemals so was wie ein Forschungsprogramm in der Raumfahrt gab. Es gab viele militärische Satelliten, dazu kamen Anwendungssatelliten für die Wettervorhersage oder Kommunikation. Aber die Zahl der Forschungssatelliten kann man an den Händen abzählen. Wie auch, da konnte man ja selten Erstleistungen vollbringen, weil die USA sehr bald begannen, Forschungssatelliten für verschiedenste Untersuchungen der Erde, des Weltraums oder des Kosmos zu entwickeln. Zudem wurde das in der Öffentlichkeit kaum verfolgt. Ich glaube allerdings nicht das sich daran was geändert hätte wäre Russland beim Wettlauf Zweiter gewesen. Man muss nur auf China sehen. Die haben jahrelang auch nur militärische und anwendungsorientierte Raumfahrt betrieben. Erst in den letzten Jahren haben sie auch begonnen, Forschungsmissionen zu entwickeln. In Russland hatte das Militär zu viel Macht. Alle Starts wurden von den Raketenstreitkräften durchgeführt. Was nicht irgendwie militärisch nützlich war, wurde nicht genehmigt. Selbst die Proton war mal eine ICBM mit 25 t Nutzlast für eine riesige H-Bombe. Selbst das Mondprogramm, von der Führung politisch gewollt hatte damit zu kämpfen und immer zu wenige Mittel. Der Ausfall der Sonden ist so auch nicht so verständlich. Die meisten Projekte wurden schnell durchgezogen, meist in weniger als zwei Jahren und gemessen an der Größe mit geringen Mitteln. Zwar ist es schwierig, den Rubel in US-Dollar umzurechnen, doch selbst bei den höheren Umrechnungskursen kommt man auf erschreckend niedrige Zahlen. Phobos 1+2 sollen 200 Millionen Pfund, damals etwa 300 Millionen Dollar gekostet haben. Das war in etwa ein Drittel dessen, was der Mars Observer kostete – mit weniger Experimenten ohne Landesonden und als Einzelsonde. Russland machte schon 30 Jahre vor der NASA die Erfahung: Fast, Cheaper und Better geht nicht. Es sind immer nur zwei Ziele umsetzbar. Beide Mal blieb das „Better“ auf der Strecke...

8.10.107: Das Marsprogramm für Trump

Als kurz nach seinem Amtsantritt Trump eine Konferenz mit ISS Astronautin Peggy Whitson hatte, zeigte sich wie wenig der neue Präsident von Raumfahrt und den US-Plänen verstand:

Trump: “Tell me, Mars, what do you see a timing for actually sending humans?”

Whitson: “Well, I think as your bill directed it would be in the 2030s,.Unfortunately spaceflight takes a lot of time and money, so getting there will take some international cooperation.”

Trump: “Well, I think we want to do it in my first term or at worst in my second term,” Trump said, “so I think we’ll have to speed that up a little bit.”

Bedenkt man das der bisherige Plan eine Landung für 2033 vorsieht, zeigt das doch eine gewisse Unkenntnis. Selbst wenn man Januar 2029, den Termin wo wieder ein neuer Präsident vereidigt wird, anpeilen würde, wäre der Zeitplan enger als beim Apolloprogramm.

Ich habe das für eine Randnote gehalten. Schließlich hat Trump eine ganze Menge angesprochen und nicht mal bei seinem Kernprojekt der Rücknahme von Obamacare ist er gescheitert. Geschweige denn, dass er andere neue Dinge angepackt hätte.

Doch mit dem Mars scheint es ihm ernst zu sein. Am Dienstag will die NASA ihre neue Marspläne vorstellen. Sie sollen nun kompatibel zu Trumps Vorstellungen sein. Offenbar hat, wenn das erfüllt ist, Trump eine entsprechende Finanzierung zugesagt. So periodisch aktualisierte Planungen sind an und für sich nichts Neues. Unter dem sperrigen Titel „Human Exploration of Mars Design Reference Architecture“ gibt es alle paar Jahre ein großes Werk. Das enthält eine Übersicht, wie eine Marsmission aussehen würde, wenn man jetzt die Mittel bekommen würde, und wird entsprechend dem technischen Fortschritt laufend aktualisierst. Das letzte stammt von 2009 mit einer Ergänzung 2013. es wäre also Zeit für ein Neues.

„Entsprechende Finanzierung“ heißt nun allerdings nicht das das Budget radikal ansteigt. Als Zahl im Raum sind 40% mehr, rund 8 Milliarden Dollar vorgesehen. Das Geld ist aber nur ein Aspekt. Das Zweite ist der Zeitrahmen. Apollo war für die heutigen Verhältnisse „schnell“. Raumfahrtprojekte dauerten im Laufe der Zeit immer länger. Mercury brauchte drei Jahre von der Genehmigung bis zum ersten Flug, Gemini vier, Apollo sieben und das Space Shuttle schon neun Jahre. Bei der ISS waren es schon 14 Jahre. Selbst beim laufenden CCDev sind es für einfache Kapseln 11 Jahre. Dabei beruhen die auf Technologie, die es schon seit den Sechziger Jahren gibt. Wie sollte man da ein Marsprogramm in nicht viel mehr als 7 Jahren (Ende zweite Amtszeit) durchziehen? Zumal dieses Jahr es kein verändertes Budget gibt. Das Neue wird im Oktober bewilligt für 2018. Das bedeutet, vor Anfang 2018 geht es nicht los, was den Zeitraum auf weniger als 7 Jahre einengt.

Ein paar Details sind aber schon rausgerutscht in allgemeinen Pressemitteilungen. So will die NASA nach den Erfahrungen im CCdev und CRS Programm weitere Teile des bemannten Programms „privatisieren“. Sprich, die NASA gibt nur noch die Vorgaben vor, nimmt aber nicht wie bisher Einfluss auf die genaue Konstruktion. Das soll nicht nur Kosten sparen, sondern auch die Dinge beschleunigen. Bei CCdev sieht man davon nichts. Schuld daran ist nicht nur die Kleckerles-Politik mit mehreren Runden, in denen Vorentwicklungen verschiedenster Dinge finanziert wurden. Das kostete vor allem Zeit. Schuld ist auch das CCdev nun die Mittel erhielt, die es brauchte, weshalb man den ganzen Zeitplan streckte. Allerdings liegen SpaceX und Boeing schon 2017 nach einem GAO-Report um 5 Quartale hinterher. Und dies beim an die Finanzierung angepassten Zeitplan. (Nach dem Ursprünglichen hätte ja schon 2016 der erste Erprobungsstart erfolgen sollen).

Ein Marsprogramm, das ist man sich sicher, wird man auch mit vielen Mitteln (und da reichen die 8 Milliarden pro Jahr sicher nicht aus) in der derzeitigen Architektur mit einem Habitat, Aufenthalt über fast zwei Jahre auf dem Mars nicht bis zu Trumps Ende der zweiten Amtszeit, erst recht nicht bis zum Ende der ersten Amtszeit durchfuhren können.

Man hat sich nicht nur auf Trumps Zeitvorstellungen eingelassen, sondern auch auf die maximale Finanzierung. 8 Milliarden ist nicht so viel, wenn man bedenkt, dass man die Kosten 1989 noch auf 400 Milliarden schätzte. Man mag es heute effizienter machen, aber rund 60 bis 70 Milliarden? Das neue Marsprogramm wird ein Flug mit einer Konjunktionsbahn sein. Das bedeutet: Man fliegt relativ schnell hin. Bleibt dort maximal 30 Tage, und fliegt dann wieder zurück. Das ist der erste Hammer. Der zweite ist, dass man nicht auf dem Mars landet. Zum einen ist alles, was mit der Landung zu tun hat, noch entwickelt werden muss, während eine reine Orbitmission auf schon entwickelter Technologie aufbauen kann. Zum anderen ist man wohl zu dem Schluss gekommen, dass man in der kurzen Zeit die ja noch Reserven für Verzögerungen und Vorbereitungen für Landung und Rückstart beinhalten muss, nicht viel am Boden machen kann. Stattdessen werden die Astronauten aus einer synchronen Marsumlaufbahn die Bodenprobenentnahme von Robotern steuern. Das Konzept soll zuerst mit Robotern erprobt werden, die Wartungsarbeiten an der Außenhülle der ISS durchführen. Es werden im selben Startfenster, aber auf einer schnelleren Route mehrere Roboter zum Mars geschickt. Dazu kommt noch mindestens ein Gefährt, das die Bodenproben von der Oberfläche in den Orbit bringt. Dies soll genauso effizient sein wie, wenn der Astronaut dies Selbst macht, vor allem wenn man berücksichtigt, dass er sich sonst für jede EVA umziehen muss und im Anzug auch nicht gerade beweglich ist. Auch die Roboter können auf schon entwickelte Konzepte aus der Industrie aufbauen.

Es wird im bemannten Teil nur drei Starts einer SLS Block I geben, die es bis dahin geben soll. Eine startet eine reine Treibstoffstufe, die auch als Kommunikationsequipment für einen dauernden Funkkontakt zum Boden fungiert. Zwei andere koppeln schon im Erdorbit. Eine ist ebenfalls eine Treibstoffstufe, die zusammen mit der Kapsel gestartet wird, das Zweite ist die Behausung, mit einem abkoppelbaren Modul, das nur Vorräte aufnimmt und vor Rückkehr der Erde im Marsorbit abgekoppelt wird, um die Masse zu reduzieren.

Nach einem Diagramm soll die Expedition am 14.11.2028 aufbrechen, am 18.8.2029 beim Mars ankommen und am 11.9.2029 zurückfliegen. Auf der Erde am 14.4.2030 ankommen. Die Mission dauert also nur knapp eineinhalb Jahre. Bei Oppositionsflügen sind es in der Regel 33 Monate. Mindestens eine weitere Mission ist für 2030 geplant.

Wie es dann weiter geht, ist offen. Ich vermute die NASA hat begriffen, dass Präsidenten zwar immer gerne neue Projekte zur bemannten Raumfahrt versprechen, so ja auch bei beiden Letzten, Bush und Obama, es aber keine gibt und nutzen nun die Gelegenheit wenigstens ein Minimalprogramm durchzusetzen. Vielleicht gibt es die Hoffnung, dass man, wenn der erste Start ansteht und die Finanzierung abnimmt man den dann amtierenden Präsidenten (der ja wohl nicht Trump sein wird, wenn er so weiter macht wie bisher) überreden kann eine zweite Stufe zu finanzieren, der dann eine Landung auf dem Mars folgt, vielleicht auch erst mal nur für 30 Tage. In einer dritten Stufe würde man dann zu einem Oppositionsflug übergehen und nicht nur 30 Tage, sondern über ein Jahr dort blieben. So hat man es bei der ISS gemacht die ja zuerst auch lange Zeit nur geplant wurde. Da gab es zuerst ein amerikanisch-russisches Kernsegment und in der zweiten Phase dann einen Ausbau zur internationalen Station.

Ich denke die NASA hat auch aus der Erfahrung mit Constellation gelernt. Das wurde 2005 angekündigt, sollte aber erst 2010 an Fahrer aufnehmen wenn die Shuttle eingemottet sind und dadurch Mittel frei werden. Der Mondlander würde erst ab 2016 entwickelt werden, wenn auch die ISS (nach den damaligen Planungen) ebenfalls deorbitiert würde. So konnte es Obama einige Jahre später relativ unkompliziert einstellen, weil man kaum was bisher entwickelt hatte. Das dürfte, wenn man schon drei Jahre mit größerem Mitteleinsatz entwickelt hat, eher nicht der Fall sein,

Der Plan scheint wie damals bei der ISS (als Japan und Europa von dem bilateralen Vertrag zwischen USA und Russland überrascht wurden) nicht international abgesprochen worden zu sein. Zumindest findet man davon nichts in den Diagrammen. Bei dem Stand der Robotik in Europa und Japan wäre eine Beteiligung an den Landerobotern denkbar. Ebenso an den Stufen, die man für den Flug braucht. Die wesentlichen Kernbestandteile dürfte die NASA selbst bauen wollen. So wäre ein heißer Kandidat für die schon angesprochene Umsetzung durch die Industrie Bigelow, die ja die Technologie der aufblasbaren Module von der NASA übernommen haben und weiterentwickeln. Russland lasse ich in den Überlegungen außen vor. Zum einen, weil Russlands Raumfahrt bei einem Projekt dieser Größenordnung nichts beitragen kann und zum Zweiten weil die Beziehungen derzeit ziemlich angespannt sind.

15.10.2017: Noch ne Raketenfirma

Bei all dem Trubel um SpassX ist einiges bei der letzten AIAA Tagung im September untergegangen, unter anderem auch die Präsentation vom George Ford. Seines Zeichen CEO der Industrial Rocket Company (IRC). Wie man am Namen schon erraten kann – wieder eine Firma die Raketen bauen will. Allerdings mit einem komplett anderen Ansatz als SpassX oder Blaue Ursprünge. Während die immer größere Träger entwickeln, fängt die Firma klein an. Sie will zuerst den Markt kleinerer bis mittlerer Nutzlasten adressieren. Zumindest was den US-Markt angeht, ist das nicht so doof, denn da fehlt ein Träger. Zumindest ein zuverlässiger und finanzierbarer Träger.

Alles was es gibt, ist entweder teuer wie die Minotaur 4-6 oder unzuverlässig wie die Taurus, inzwischen in Minotaur C umbenannt. So bucht inzwischen die NASA für 1 t schwere Satelliten die Falcon 9 wie für Jason-3 oder Tess. International ist die Situation anders. Rockot, PSLV und Vega konkurrieren in dem Segment von 1-2 t Nutzlast. Nur bei rund 4 t Nutzlast gibt es auch international eine Lücke (die Dnepr, die es da gibt, lässt Russland auslaufen).

Die Firma entwickelt als erstes nur eine Stufe. Es gibt nur wenige Daten von dem (wie bei Musk nur mündlich und per Projektor vorgetragenen Präsentation). Sie soll 1,524 m Durchmesser (5 Fuß) haben, 16 m hoch sein , Lox und Kerosin einsetzen. Ein Triebwerk mit 445 kN Schub (1000 lbf) treibt sie an. Sie wiegt rund 27 t.

Noch ist sie nur in der Planung. Derzeit laufen nur Komponententests des Triebwerks. Doch der Entwicklungsplan sieht so aus: Nach der erfolgreichen Triebwerkszertifikation wird die Stufe isoliert getestet. In dieser Phase wird IRC suborbitale Starts anbieten, allerdings nicht für Menschen, sondern wissenschaftliche Nutzlasten, also als Höhenforschungsrakete.

Danach folgt die erste Rakete, noch ohne Bezeichnung. Bei ihr umgeben sechs der Stufen eine siebte Stufe in einem Kreisring. Die äußeren sechs Stufen bidlen zusammen eine erste Stufe, die in der Mitte befindliche Stufe die zweite. Die rund 190 t schwere Rakete soll dann eine Nutzlast von 2,3 t (4000 lbs) haben. Jede Stufe hat einen eigenen Triebwerkskontroller, der das Triebwerk steuert und überwacht. Gemeinsam für die sechs äußeren Stufen ist ein über dem äußeren Ring angebrachter Druckgastank. Die zweite Stufe hat einen zweiten, daneben angebrachten. Beide Stufen gemeinsam haben dann noch eine Nutzlastverkleidung und gemeinsame Steuerung.

Die Abkürzung Industrial Rocket Company ist nämlich Programm: auch diese Firma will die Startkosten senken, aber mit einem komplett anderen Ansatz. Im Vortrag wird verweisen auf Oneweb, die ihre Satelliten für 500.000 bis 700.000 Dollar bauen wollen. Der Schlüssel dazu ist eine hohe Stückzahl. In der Raumfahrt lohnt sich aufgrund der kleinen Stückzahlen keine Automatisation. Man muss ja spezialisierte Werkzeuge und Roboter entwickeln. Es dominiert ein Zwischenschritt: montiert wird vorwiegend von Hand. Es gibt dafür zahlreiche spezialisierte Kleinwerkzeuge, um das zu erleichtern. IRC will auch Raketenstufen in Serie fertigen. Danach werden diese Module zu größeren Raketen gekoppelt.

Man habe viele Konzepte geprüft. Relativ schnell war klar, dass man als Treibstoffe LOX/Kerosin einsetzen würde. Die Kombination liefert eine hohe Energieausbeute und ist am besten erforscht. Der einzige Nachteil von LOX-Kerosin ist das LOX dauernd vor dem Start nachgefüllt werden muss. Das ist bei sehr vielen Stufen sehr aufwendig. Im Vortrag erläutere Ford, das dieser Umstand die Parameter der Rakete am stärksten beeinflusst hat. Geplant waren ursprünglich kleinere Stufen von 11 t Masse. Damit hätte man im Businessmodell eine Produktionszahl von 1.000 Stufen pro Jahr erreicht, eine magische Zahl, ab der sich Vollautomatisierung lohnt. Doch größere Raketen für heutige GTO-Satelliten hätten dann aus 150 Stufen bestanden und da war das Nachfüllen von LOX einfach nicht mehr möglich. Die größeren Stufen sind so konstruiert, das der LOX-Tank 10 % mehr Volumen hat, als er braucht. Der erste wird zwei Stunden vor dem Start ganz voll gefüllt, der nächste nicht mehr ganz so voll, bis 30 Minuten vor dem Start der letzte Tank gefüllt ist. Man lässt dann Sauerstoff verdampfen. Trotzdem verbleibt ein Überschuss, um Verzögerungen abzufangen, der wird dann nach dem Start verbrannt – in den ersten 30 s arbeitet das Triebwerk mit einer sauerstoffreichen Mischung, was auch den Schub erhöht. Wegen der Verdampfungsverluste sei deswegen auch Methan und Wasserstoff ausgeschieden. Zudem hätte sich dann ein explosives Gasgemisch bilden können.

Schwerer fiel die Entscheidung, für einen gemeinsamen Druckgastank. Geplant war zusammen mit der Betankung jeden Tank unter Druck zu setzen und dafür nur ein Teilvolumen zu nutzen. Die Triebwerke wären dann rein druckgefördert gewesen. Der Vorteil wäre, das die Technik sehr robust und wenig fehleranfällig ist. Der Nachteil war eine um 40 % höhere Trockenmasse und ein um 10 s niedriger spezifischer Impuls. Schlussendlich überwogen die Nachteile. Die separaten Druckgastanks beeinträchtigen den Raum, den die Nutzlast einnehmen kann. Allerdings ist dieser sowieso relativ groß. Bei der ersten Version hat die Rakete einen Durchmesser von 5,2 m bei einer Höhe von nur 23 m.

Das schwierigste war das Sicherheitskonzept. Schlussendlich kann jedes Triebwerk ausfallen. Eine Rakete für GTO-Missionen kann 16 bis 50 Triebwerke haben, je nach Satellitengröße. Besonders problematisch: Fällt bei einer anderen Rakete ein Triebwerk aus, so kann dies, wenn sie genügend Triebwerke hat, sogar aufgefangen werden, zumindest einige Zeit nach dem Start. Bei dem Konzept von IRC können die Treibstoffe eines Triebwerks aber nicht von anderen genutzt werden. Man habe Cross-Feeding untersucht, aber befunden, das es für den Mehrnutzen, den es bietet, zu komplex und damit teuer ist. Stattdessen werden die Stufen nicht direkt verbunden, sondern an drei Seiten mit je zwei Verbindungen die einen Zwischenraum von etwa 18 cm (6 inch) lassen. Die Kopplungselemente verbinden zwei Module eines Rings miteinander (links und rechts) und mit dem inneren Ring (hinten). Das besondere ist das die Elemente auf Zug auskoppeln. So muss man nur ein Triebwerk abschalten und die Kopplungen öffnen sich, weil dann die Stufe mit ihrem Eigengewicht zieht. Sie fällt nach unten weg. Der Zwischenraum soll vermeiden, dass sie dabei mit den Nachbarmodulen kollidieren kann. So erfolgt auch die Stufentrennung. Dazu werden alle Module einer Stufe simultan abgeschaltet und lösen sich dann durch Zug von der nächsten Stufe. Auf eine Nachfrage hin, bestätigte Ford, dass sie nicht ausbrennen dürfen, sonst könnte wegen leicht unterschiedlicher Brennzeiten ein asynchroner Schub entstehen. Die Stufe hat dann den Aufbau einer Zwiebel: ein äußerer Ring umgibt einen inneren und der wiederum eine einzelne Stufe. Der äußere Ring kann auch aus zwei Ringen bestehen und der ganz äußerste muss nicht geschlossen sein. Innen können bei großen Raketen auch Ringe fehlen. Man kann die Rakete nach IRC-angaben skalieren in vielfachen von 400 kg EO-Nutzlast. Die kleinste Konfiguration aus 5 Modulen hat 1,5 t Nutzlast.

Damit dieses Sicherheitskonzept funktioniert, muss es möglich sein, ein Triebwerk rechtzeitig vor Auftreten von Ereignissen, die es zerstören können, abzuschalten. IRC stehe derzeit in Verhandlungen mit der NASA, um die Software zu erhalten, die diese für das AHS entwickelt hat. Das war ein System, dass die Triebwerkskontroller der Shuttletriebwerke ersetzen sollte. Es wurde nach dem Verlust der Columbia eingestellt. Das AHS war ein System aus FPGA und Signalverarbeitungsprozessoren das mehrere tausend Mal das Schwingungsspektrum des Triebwerks analysiert. Dieses verändert sich schon einige Sekunden vor eine Havarie, die vor allem von der Turbopumpe ausgeht. Es hätte die Sicherheit der Triebwerke von 1:275 auf 1:2000 angehoben. Jedes Triebwerk erhält so einen Kontroller der den gesamten Betrieb überwacht und auch steuert. Bei einem sich anbahnenden Vorfall bringt er das Triebwerk zuerst in Neutralstellung, damit keine seitwärts gerichtete Schubkomponente eine Kollision verursacht. Zudem wird dies dem Bordcomputer gemeldet. Danach wird es auf okay des Bordcomputers abgeschaltet. Offen ist ob es wie beim AHS des Shuttles vorgesehen, die Triebwerke auch nur im Schub zu reduzieren. Sobald der Schub ein bestimmtes Niveau unterschreitet löst sich das Modul von alleine ab. Wie Ford eingestehen musste, ist das aber bisher nur ein Plan. Es seien aber Testflüge geplant bei dem man genau das erproben will.

Der springende Punkt ist, das man so aber viele Module am Fließband produzieren kann, das würde nicht nur die Kosten senken. Es bedeutet auch, dass man relativ kurzfristig einen Start anbieten kann. Man muss nur eine Rakete aus den Lagerbeständen zusammenbauen. Prinzipiell wäre der Größe keine Grenze gesetzt, die größte Rakete, die man anstrebe habe aber 128 Module, so viele Steuerkanäle soll der Bordcomputer aufweisen.

Preise wollte Ford nicht nennen, aber „in most cases better than our Competitors“. Ich vermute, daher das die Rakete dann billiger ist, wenn man bei einem Konkurenzmodell nicht die volle Nutzlast ausnutzt, z.b. hat SpaceX dieses Jahr einen 3,5 t schweren Satelliten in den GTO gebracht, aber auch einen 6,5 t schweren. Beide Kunden buchen aber dieselbe Rakete.

Nun meine Meinung: Das Konzept ist nicht neu. Man fühlt sich sofort an das OTRAG-Konzept erinnert. Anders als dieses basiert es aber nicht auf absoluter Low-Tech und dem Verwenden von Dingen aus anderen Bereichen wie Scheibenwischermotoren. Stattdessen scheint es normale Raketentechnik zu sein. Die Kostenreduktion kommt dann durch die Serienbauweise. Ob das Modultrennungskonzept funktioniert, wird sich zeigen. Verbindungen die sich auf Zug lösen, haben sich schon bewährt. So werden seit 60 Jahren die Außenbooster der R-7 abgetrennt. Allerdings haben die auch genügend Platz, wenn sie nach außen wegfallen. Ob 18 cm Zwischenraum reichen, das Module „durchfallen“? Man wird es erproben müssen. Ich bin da eher skeptisch.

Beim Nachdenken komme ich auf andere Knackpunkte. So werden ja alle Raketen gleich hoch sein (16 m ohne Nutzlastverkleidung) aber unterschiedlich breit. Will man dann zig verschiedene Nutzlastverkleidungen anfertigen? Wohl kaum. Ich vermute, es wird einige Modelle geben, jeweils kreisförmig im Durchmesser um jeweils eine Stufendurchmesser ansteigend.

Eine andere Sache ist die Startplattform. Man braucht dort zum einen ein System das so flexibel ist das man 5 Stufen aber auch bis zu 128 Stufen betanken kann. Beim Kerosin geht das noch sequentiell lange vor dem Start, aber bei LOX selbst mit dem Verdampfungskonzept wohl nicht sequentiell. Wie will man sonst 128 Module bei einem Zeitfenster von 2 Stunden befüllen?

Ebenfalls ungelöst wie die Rakete festgehalten werden soll. Normale Raketen werden vor dem Start von Klammern festgehalten, bis der Bordcomputer den Start frei gibt. Reine Feststoffraketen werden nicht festgehalten, da sie ihren Schub innerhalb von Millisekunden entwickeln. Doch hier sind es Triebwerke mit flüssigen Treibstoffen bei denen der Schub langsam ansteigt und ob alle Triebwerke simultan zünden und genau den gleichen Schubanstieg habe, dass man darauf verzichten könnte? Ich glaube, dass ist doch sehr unwahrscheinlich.

Der für mich logische Schritt wären mehrere Startrampen oder zumindest mehrere Starttische, z.b. für 2-Ringe, 3-Ringe, 4-Ringe etc... Für maximal 128 Module bräuchte man 7 Ringe. Mithin sechs verschiedene Plattformen und Nutzlastverkleidungen.

Offen ist auch das Konzept, ob das Abschalten einzelner Triebwerke so funktioniert. Vor allem muss man dann auch Reserven vorsehen. Man verliert ja einen Teil der Raketenmasse. Ob es diese Reserven gibt, wurde nicht gesagt. SpaceX hatte die ja mal nicht vorgesehen. Nach dem ersten Triebwerksausfall kürzte man dann die Nutzlast von 5,5 auf 4,5 t GTO. Jetzt nach rund 30 Starts ohne weiteren Ausfall steigt sie laufend an, wahrscheinlich, weil man nun keine Reserven mehr vorsieht.

Also ich bin skeptisch. Derzeit drängen ja viele neue Firmen auf den Markt. Am unteren Rand die Elektron, am oberen die New Glenn. Während hinter Blue Origin immerhin ein Milliardär steht, weiß man nicht mal über wie viele Finanzmittel IRC verfügt. Nicht zuletzt wird ja bald mit der BFR eine Rakete zur Verfügung stehen, die zehnmal billiger als eine Falcon 9 ist, bei der zehnfachen Nutzlast. Ob damit IRC mithalten kann?

 


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