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Web Log Teil 513: 30.10.2017 - 5.11.2017

30.10.2017: Auch einfach ist nicht immer besser

Nachdem ich mich im letzten Aufsatz mit den Raumsonden Russlands beschäftigt habe, heute nun der Schwenk auf die Raketentechnik.

Wie sicherlich bekannt, basierten die ersten Raketen sowohl der USA wie auch Russlands auf der deutschen A-4. Russland baute sie sogar unter der Bezeichnung R-1 nach, analog, wie man die B-29 als Tupolew 4 nachbaute.

Während die rund 100 Raketenspezialisten um Wernher von braun dann in die amerikanische Industrie wanderten (wer nicht bei der NASA arbeitete, kam bei North american, Douglas und anderen Firmen unter), verbreitete Russland lange Zeit die Mär, man habe danach alles selbst weiter entwickelt. Das stimmt so nicht, man band die deutschen Spezialisten nur nicht so ein und verstand es trotzdem ihr wissen abzuschöpfen. Später kam raus, das so ziemlich alles was Russland in den Fünfzigern entwickelte auf deutschen Entwürfen basierte, sogar die R-7, auf die sie ja so stolz sind.

Die Entwicklung verlief dann in den USA und der UdSSR zuerst parallel. Man baute Mittelstreckenraketen, wobei man die A-4 Technologie nur verbessern musste – leistungsfähiger Treibstoff, bessere Kühlung, mehr Schub. Dann ab Mitte der Fünfziger Jahre ICBM. Auch hier löste man beiderseits des Atlantiks das Problem, das nun auftrat gleich: Eine ICBM erreicht mit einer Stufe nicht die nötige Endgeschwindigkeit, zumindest nicht, wenn die Nutzlast nicht zu klein werden soll. Man braucht zwei Stufen. Doch die Zuverlässigkeit war damals gering. Vor allem erreichten bei der Zündung nur 50 % der US-Träger den Nennschub. Kein Problem bei einer Stufe. Man schaltet dann ab, doch bei zwei Stufen ist das ein Totalverlust. Also muss man die zweite Stufe schon beim Start zünden. Irgendwann muss man dann aber die Masse reduzieren, also erste Stufe abwerfen. Die Lösungen waren ähnlich, aber nicht gleich.

Die Atlas warf die zwei größeren, äußeren Triebwerke ab. Damit die Reststufe die zu diesem Zeitpunkt zu 80 % leer war nicht zu viel wog, hat man die Tanks aus hauchdünnen, innendruckstabilisierten Stahlblechen gefertigt. So erreichte man ein hervorragendes Masseverhältnis. Die R-7 bestand dagegen aus einer zentralen zweiten Stufe und vier daran angebrachten Boostern, die man nach Verbrauch des Treibstoffs abtrennte.

Ein weiterer Unterschied war, dass die R-7 und Atlas beide zwar nur fünf Triebwerke hatten. Doch unterschiedlich wurde es, wenn man Brennkammern zählt: drei bei den Haupttriebwerken und zwei bei den Verniertriebwerken bei der Atlas gegenüber 20 bei den Haupttriebwerken und 12 Verniertriebwerken bei der R-7. Der Grund war, dass man die Turbopumpe zwar skalieren konnte, die Brennkammer jedoch nicht. Jede Brennkammer einer R-7 hat nicht mal den Schub der A-4 Brennkammer. Der Grund dürfte sein, dass damals jedes neue Triebwerk unter dem Problem der Verbrennungsinstabilität litt. Das konnte bis zur Selbstzerstörung des Triebwerks gehen. Dem Problem konnte man nur durch intensive Tests begegneten bei dem man immer wieder etwas änderte, bis das Triebwerk stabil lief. Das scheint Russland zu umständlich gewesen zu sein. Dem Konzept, das eine Turbopumpe mehrere Brennkammern steuert, blieb man treu. Auch die folgenden Interkontinentalraketen, wie die Zyklon setzen es ein. Noch in einem zweiten Punkt war die R-7 rückschrittlich: ihr Gasgenerator verwandte wie die A-4 Wasserstoffperoxid, das man extra mitführen musste, während man in den USA bald dazu überging, einen Teil des Treibstoffs dafür zu verwenden. Das spart Gewicht ein und ist effizienter. Das letzte Relikt der A-4 wurde erst um die Jahrtausendwende beseitigt: die Steuerung. Die A-4 hatte dazu eine vorgeladene Batterie, die durch einen Strom, abgeleitet von der Beschleunigung entladen wurde. War ihr Strom Null, so löste das den Brennschluss aus. Die Proton hatte noch 1996 diese Steuerungsmethode. Erst als sie kommerzialisiert wurde, bekam sie eine digitale Steuerung,

Zurück zur Raketenentwicklung. Die nächsten Schritte beiderseits des Atlantiks verliefen die nächsten Schritte dann auch identisch. Den Parallellstufen folgten zuerst zwei echte Stufen, aber noch mit LOX/Kerosin, dann mit lagerfähigen Treibstoffen. Auch hier drückte man sich bei beiden Nationen um das Problem: Zünden der zweiten Stufe in der Schwerelosigkeit und zündete einfach, bevor die Erste überhaupt ausgebrannt war. Entsprechend haben beide Raketen diesseits und jenseits des Atlantis dann durchbrochene Stufenadapter damit die Abgase entweichen können.

Nun laufen die Entwicklungen aber auseinander. Vor allem in der Raumfahrt. In den USA konzentriert man sich auf die Nutzung von Wasserstoff, der macht bei einer ICBM keinen Sinn, er erhöht nur die Explosionsgefahr enorm. Aber er steigert die Nutzlast bei Trägerraketen. Russland wird ihn erst viel später nutzen und nach der Episode Energija alle Entwicklungen wieder einstampfen. Bei militärischen Raketen gehen die USA bald zu Feststoffraketen, über die noch schneller startbar als Raketen mit lagerfähigen Treibstoffen sind, zudem weitaus ungefährlicher. Russland greift auch diese Technologie erst ein Jahrzehnt später auf. Bei zivilen Raketen hat man Feststoffbooster bis heute nicht eingesetzt.

Stattdessen entwickelt man das Hauptstromtriebwerk – es treibt die Proton und Zenit an. Aber so richtig beherrschen tut man es nicht, wenn man an die vielen Fehlstarts dieser Raketen denkt. In der Raumfahrt fallen vor allem aber die zahlreichen Fehlstarts bei Planetensonden auf. Anders als bei vielen Satelliten muss man für viele Planetenmissionen erst eine Parkbahn erreichen um dann wenn man den optimalen Punkt erreicht hat erneut das Triebwerk zünden. Russland hatte für die R-7 wieder eine Lösung parat mit der man sich um das Problem herummogelte.

Bei der Molnija wurde die letzte Stufe, Block L, zusammen mit der Nutzlast in einen Erdorbit befördert. Dann würde sie zünden. Wiederzündbar musste sie damit nicht sein, ebenfalls etwas, was Russland lange Zeit nicht beherrschte. Für die Freiflugphase gab es ein eigenes System BOZ, das kurz nach der Zündung abgeworfen wurde. Es stabilisierte die Stufe solange und sammelte den Treibstoff vor der Zündung. Das dumme nur. Es hatte einen Designfehler. Vor der Zündung der eigentlichen Stufe sollte die Stromversorgung von diesem System auf die Stromversorgung der Stufe umschalten. Sie schaltete aber nur die Stromversorgung des Systems BOZ ab und etwa 20 -30 s war es ohne Strom. In der Zeit konnte eine Fehlausrichtung geschehen, und wenn das der Fall war, schaltete die Stufe gleich wieder ab. Das war die Regel. Von den ersten 24 Starts der Molnija scheiterten 18. Mein Buch ist voll mit Sonden, die im Erdorbit strandeten: von Sputnik 5 bis Kosmos 60. Gemäß Russlands Philosophie, dass alles vorausgeplant war, gab es dann auch keine Chance mehr die Stufe durch Funkkommando zu zünden. In den USA entwickelte man wiederzündbare Stufen wie die Agena oder Centaur. Aus heutiger Sicht verrückt wirkt, warum man nach den ersten Fehlstarts nicht das Problem analysierte, sondern munter weiter startete. Erst nach 16 Starts kam man auf die Idee doch eine Einheit zu installieren die Telemetrie, über die stufe sandte und konnte als Kosmos 27, eigentlich eine Venussonde, im Erdorbit verblieb, beim ersten Umlauf dann die Telemetrie auslesen. Vorher hatte man keine Telemetrie, da die Stufe über dem Südpazifik zündete und dort gab es keine Bodenstationen.

Bei der Proton hatte man das Problem gelöst. Block D der von der N-1 stammte, war wiederzündbar. Dafür hatte Block D oft das Problem, das er falsch orientiert war und so scheiterten auch viele frühe Proton Flüge. Immerhin nahm man sich eine Pause und ging das Design erneut durch. Einen Fehler hat man aber übersehen und der kam erst vor einigen Jahren raus. Elektronisch war man nicht viel weiter. Ein Start einer Raumsonde scheiterte, weil jemand vor dem Start ein 8-stelliges Wort falsch eingetragen hatte – er hatte die Ziffern in verkehrter Reihenfolge eingegeben. So sollte Block D erst nach 1,5 Jahren anstatt 1,5 Stunden zünden. Korrigieren konnte man es nicht mehr. Wie schon gesagt, alles verlief vom Abheben an vollautomatisch.

Machen wir einen Sprung zu heute. Moderne Raketen, wie die Angara sind symptomatisch für Russlands Können und Defizite. Auf der einen Seite gibt es die leistungsfähigsten Triebwerke die mit LOX/Kerosin arbeiten mit den höchsten spezifischen Impulsen. Auf der anderen Seite wird das egalisiert durch höheres Gewicht. Während SpaceX von Strukturfaktoren von 30 spricht, erreicht die Angara nur 16. Selbst die Titan II, 50 Jahre älter kommt auf 24. Große Feststoffbooster werden bei zivilen Raketen nicht eingesetzt, Wasserstoff auch nicht und Kohlefaserverbundwerkstoffe nur selten.

Was funktioniert, ist das Starten von seit Jahrzehnten unveränderten Raketen. Das kann positiv sein, aber auch negativ. Positiv, wenn die Rakete funktioniert, weil sie A-4 Know-How einsetzt wie die R-7. Negativ wenn Russland, was Eigenes entwickelt hat, man aber seit Jahrzehnten sich nicht die Mühe gemacht hat auch alle Fehler zu eliminieren wie bei der Proton. Raus kommt das eigentlich nur, wenn andere betroffen sind. So gelangten die ersten Galileosatelliten auf eine falsche Umlaufbahn. Die ESA leis untersuchen und es kam raus, das bei einem Viertel aller Fregatstufen das Hydrazin durch superkaltes Helium in den Leitungen einfrieren konnte. De Fehler kam vorher nur nie raus, weil die Missionen zu kurz waren. Nur beim Galileo-Orbit gab es die nötige lange Freiflugphase. Das es ein Viertel ist, lässt drauf schließen, dass man es wohl mit einer Schicht verknüpfen kann, denn wäre es ein Designfehler so wären ja alle Stufen betroffen. So was sollte eigentlich nicht vorkommen und kommt woanders auch nicht vor. Aber es kommt vor, wenn man es sich einfach macht – es fliegt, wozu also noch weiter testen?

Russland kann es besser – wenn es bezahlt wird. Es fällt auf das das RD-180, das exportiert wird und ein halbes RD-170 ist bisher keinen Ausfall hatte. Das RD-170, das aber die Zenit antreibt etliche ausfälle hatte. Auch bei der Proton fällt auf, das die Fehlstarts in den letzten Jahren vor allem Träger betreffen, die nicht von ILS bestellt worden sind. Offenbar hat man wohl in Russland die Rechnung gemacht, was kostet uns ein Start mehr, wenn wir penibel prüfen und testen und was kostet uns die Versicherung mehr, wenn es weiterhin so viele Fehlstarts gibt. Das Letztere muss wohl billiger sein. Wie wir bei den Verlusten der letzten Jahre wissen wir ja, das russische Regierungsnutzlasten, wie Progress oder Phobos Grunt versichert sind.

30.10.2017: Gedanken zum Reformationstag

Heute ist ja Reformationstag, und damit ausnahmsweise mal bundesweiter Feiertag. Die erste Überraschung: Damit endet das Reformationsjahr. Ich dachte es beginnt dann. Wer kommt denn auf die bescheuerte Idee am 499-sten Jahrestag mit dem Jahr zu beginnen, anstatt mit dem 500-sten also während des 499 sten Jahrs anstatt 500 sten zu feiern.

Ich muss sagen ich habe zum Thema nicht so viel zu sagen. Ich hoffe aber ihr diskutiert eifrig mit. Ich habe mal die 95 Thesen überflogen – 95 Stück sind ehrlich zu viel, da haben die schwäbischen Bauern in Memmingen mit ihren 12 Artikeln es wirklich besser hinbekommen. Die gelten ja als erste Form der Erklärung der Menschenrechte. Die 95 Thesen gehen wirklich nur auf einen Missstand ein, nämlich die Ablasshandelei, die es schon eine Weile gab, bei der man nun aber nachlegte: Nun konnte man sich nicht nur selbst von Süden freikaufen, sondern auch seine Verstorbenen Vorfahren aus dem Fegefeuer retten. Eigentlich eine tolle Geschäftsidee. Bei einer Ausstellung war denn auch ein „Ablassautomat“ (ein umfunktionierter Reiswolf) ein Publikumsmagnet. Tipp: an die katholische Kirche: Macht eine App und bucht das Geld gleich vom Konto ab. Man muss dies schon sehr verbocken, wenn ein Streit über eine Geldbeschaffungsmaßnahme so weit eskaliert das eine Kirchenspaltung draus wird. Luther wollte ja zeitlebens nur eine Reformation der Kirche, auf Missstände hinweisen und sie beseitigt sehen, bis heute heißt es ja Reformation. Aber irgendwie hat die katholische Kirche wohl die Zeit verpasst, denn es kam ja kurz darauf auch der Bruch mit England, wo dann Heinrich der VIII einfach seine eigene Kirche gründete.

Martin Luther hat ja immer betont, es käme nur auf die Schrift an und hat deswegen auch die Bibel übersetzt, damit dies alle lesen können. Revoluzzer war er nicht. Das fängt damit an, dass er die Existenz des Fegefeuers nie bestritt. Das taucht in der Bibel nicht auf, die Hölle und das Fegefeuer wurde erst im Mittelalter „erfunden“. Genauso hat er sich zeitlebens vor dem Teufel gefürchtet. Immerhin, der taucht in der Bibel auf. . Wenn man sich nur auf die Schrift bezieht, dann kann man Revoluzzer werden. Denn in der Bibel steht ja gar nichts von den Strukturen, die es damals schon seit 1000 Jahren gab. Luther hat weder den Papst als Kirchenoberhaupt angezweifelt, noch überhaupt das System, also das es überhaupt Kirchen, Priester, Mönche, Klöster gibt. Auch davon gibt es nichts in der Bibel. Nur von einer Glaubensgemeinschaft ist die Rede. Entsprechend hat er ja auch, als die Bauern, die nun die übersetzte Bibel erstmals lesen konnten und nichts vom Zehnt und Leibeigenschaft fanden diese nicht unterstützt, sondern meinte sie sollten sich in ihr Schicksal fügen und es gäbe irgendwann göttliche Gerechtigkeit. Ich glaube er wollte nur einiges reformieren und die Überreaktion der katholischen Kirche hat erst zur Spaltung geführt. Wobei natürlich auch die Politik mitspielt. Ohne Schutz von seinem Fürsten wäre es nicht möglich. Ohne den Buchdruck und damit die Möglichkeit zur Verbreitung seiner Schriften wäre es aber auch nie so ein Flächenbrand geworden.

Die katholische Kirche hat nichts hinzugelernt. Ich kenne mich mit Erneuerungsbestrebungen innerhalb der Krieche nicht aus, aber in der Wissenschaft. Kopernikus hat es erst auf dem Todesbett gewagt, seine Theorie über das Sonnensystem zu publizieren. Giordano Bruno wurde 1600, also über 80 Jahre nach Luther hingerichtet, weil er behauptete das Universum sei räumlich und zeitlich unendlich und Galileo Galilei wurde auch ein solcher Prozess angedroht und er erhielt (nachdem er abschwor) lebenslang Hausarrest, weil er dem heliozentrischen System anhing. Daran verwundert zweierlei. Das Erste ist, das es ja um eine naturwissenschaftliche Erkenntnis ging und die hat nichts mit Religion zu tun auch nichts am Papsttum oder seiner Art Einkommen zu generieren anzweifelt. Das Einzige was über Naturwissenschaft in der Bibel steht ist die Schöpfung der Welt und die wurde ja nicht bezweifelt. Noch schlimmer ist, dass man noch 100 Jahre nach Luther „Ketzer“ die nur eine wissenschaftliche Erkenntnis hatten, umbringen konnte. Geht nur weil damals, wie heute die Leute wenig über Wissenschaft lesen, kurzum es hat keinen interessiert. Galilei und Bruno wurden übrigens 1992 und 2000 rehabilitiert. Das zeigt, wie langsam die katholische Kirche arbeitet, und zwar heute noch.

Nichts dazugelernt ist auch das man an den Dingen, die damals den Bruch versursachten nichts geändert hat. Noch immer gibt es den unfehlbaren Papst, noch immer der Zölibat und das man viel Geld für Prunk rausschmeißt anstatt den Armen zu helfen hat sich auch nicht geändert: Stichwort Tebartz van Elst.. Ebenso scheinen alle die in der Kirche sind keine Strafen befürchten zu haben, wie die Missbrauchskandäle der letzten Jahre zeigten. Die reformierten Kirchen haben es nicht viel besser gemacht: Calvin und Zwingli haben beide eine Religion heraufbeschworen, in der alle fleißig arbeiten und sparsam sein sollten und, besondern bei Calvin und damit in anglizistischen Ländern verbreitet – der persönliche Reichtum ein Indiz sei, wie gut Gott es mit einem meine. Damit kann man leicht auf alle heruntergucken, die es nicht so weit gebracht haben, und „selbst schuld“ sagen. Genauso wenig wie von dem Prunk etwas in der Bibel steht, steht aber auch davon nichts drin.

Was sich auch nicht geändert hat, ist die Kluft zwischen den beiden Religionen.

In einer Radiosendung hat man gefragt was Leute heute an die Tür nageln würden, als Warnruf an die Kirche. Mir fallen spontan drei Dinge ein. Das eine ist, dass die Kirche ihre Stimme laut erheben muss, wenn es gesellschaftliche Strömungen oder Dinge gibt, die unchristlich sind. Das tut sie viel zu selten und zu leise.

Das Zweite ist, das die Kirche inzwischen wieder genau den Sonderstatus hat wie damals. Nur Kirchen können ihren Angestellten – auch denen die nichts mit Gotttestdienst und Co zu tun haben wie z.B. einer Putzfrau – kündigen, wenn sie ihren Glaubensgrundsätzen nicht entsprechen, so bei Katholiken, wenn diese sich scheiden lassen. Dazu kommen verschiedenste Privilegien beim Arbeitsrecht. Sie gehören samt und sonders abgeschafft.

Der größte Sonderstatus ist die Kirchensteuer. Woanders sind Kirchen auf Spenden angewiesen. Bei uns bekommen sie automatisch 8,5 % der Steuern als Ausgleich für enteignetes Eigentum (von Napoleon um 1800). Sorry, aber das verstehe ich nicht. Damals gab es auch noch jede Menge Fürsten und andere Grundbesitzer, die haben irgendwann in den letzten 200 Jahren durch einige Kriege, Revolten und Staatsgründungen ihren Besitz verloren und nur die Kirche wird bis heute entschädigt? 200 Jahre lang 8,5% der Steuern? Das Vermögen ist längst abbezahlt. Kirchen sollten auch bei uns sich über Spenden finanzieren. Echte Christen spenden auch gerne. Wenn man nun argumentiert, dann würde viel wegfallen was heute Pflege oder Kinderbetreuung angeht – das kann der Staat dann gerne mit den zusätzlichen Steuereinnahmen umsetzen, ohne seine Mitarbeiter mit eigenen Vorschriften zu gängeln.

Das Letzte sind die Feiertage. Heute ist ja Reformationstag. Ist eigentlich nur mir aufgefallen, dass es nur gemeinsame und katholische Feiertage gibt, aber keine Evangelischen? In Zeiten, wo immer weniger Mitglied einer Kirche sind, sollte man die rein katholischen Feiertage genauso abschaffen die die evangelischen Feiertage. Übrig bleiben die gemeinsamen, wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten.

3.11.2017: Es ist ermüdend…

Heute habe ich das erste Durchlesen des Manuskripts über das Buch „Roboter erkunden das Sonnensystem“ beendet. Ich denke es ist ganz gut geworden. Es kann nicht die Fülle der Infos der Website bieten, ist aber viel besser zu lesen, mit weniger Informationen sogar oft besser weil man auch mit Details überfrachtet werden kann und es gibt ein einheitliches Datenblatt, eine kommentierte Startliste und Erfolgsstatistiken nach Ländern und Zielen.

Ganz zufrieden bin ich nicht. Der Anfang ist etwas schwer zu lesen. Das ist ein -kapitel über die Funktionsweise von Instrumenten. Doch da ich die bei den Raumsonden kaum bespreche denke ich ist es nötig. Es ist eben da ein Fachbuch, während der Rest mehr Geschichtsbuch ist. Der zweite schwerer lesbare Teil ist über Russlands Sonden. Obwohl der Teil über Russland länger ist als über die USA (153 zu 147 Seiten) ist er doch kompakter. Denn Russland hat 103 Sonden gestartet und die USA nur 59. Besonders machen mir zwei Dinge zu schaffen. Das eine ist das man bis heute recht wenig über die russischen Programme weiß. Auch Russian-Spaceweb, das für aktuelle Projekte eine gute Informationsquelle ist, bringt wenig über diese Missionen. Besonders schlimm sieht es bei dem Programm 3MV aus, da ist bei einigen nicht mal sicher welche Sonde welche Mission hatte. Besonders in der Diskussion ist Zond 2. Das zweite ist, das es viele Fehlschläge gab. In der Gesamtbilanz hat Russland bei mir 30 % erfolgreiche Missionen, vergleichen mit 61 % bei den USA (bei denen schlagen vor allem die frühen Programme Pioneer 0-5, Pioneer P und Ranger mit nur 4 Erfolgen bei 18 Starts auf die Statistik durch). Dauernd über Fehlstarts oder noch häufiger im Erdorbit gestrandete Sonden zu schreiben zieht einen nach unten. Beim Schreiben wie beim Lesen. Damit habe ich aber auch den Aufhänger für den heutigen Blog.

Die Frage die ich mir stelle ist: Hatte Russland jemals so etwas wie ein Forschungsprogramm bezogen auf die planetare Raumfahrt?

Meiner persönlichen Ansicht nach meinte Russland in einem Westlauf zu sein – zumindest bis 1973. Nun ist unbestreitbar, das es einen solchen gab. Zumindest am Anfang. Die USA versuchten ja auch am Anfang vor Russland den Mond zu bereiten und waren zumindest die ersten die eine Raumsonde starteten. Die Phase ist geprägt von schnell vorbereiteten Projekten die dann hohe Fehlerquoten hatten. Ich würde dazu auf amerikanischer Seite Pioneer 0-5, Pioneer P, Ranger 1-5 und Mariner 1+2 zählen. Bei einigen ist es offensichtlich, so strich man die ersten Mariners zugunsten von Mariner R – R für Ranger weil sie davon abstammte. Doch später wich dies einem Programm bei dem man Projekte richtig vorbereitete – mit dem entsprechenden Erfolg. Russland behielt das Bestreben bei, Erster zu sein. Deutlichstes Indiz ist das man eine Sondenserie sofort einstellte, sobald die Erstleistung erbracht wurde oder die USA sie erbrachten. So umfasste das Programm E-6 12 Sonden, darunter die Luna 4-9 und 13. Nachdem Luna 9 als elfte Sonde erstmals erfolgreich landete war Schluss. Luna 13 wurde noch gestartet weil sie wohl in der Fertigung war. Bei Venus und Mars ging Russland, nachdem die USA die ersten bei den Vorbeiflügen waren, sofort zu Orbitern / Landern über, obwohl man noch nicht mal eine Vorbeiflugsonde zu den Planeten erfolgreich gebracht hatte. Entsprechend scheiterten die Unternehmen denn auch. Im Mars Programm kann man keine einzige Sonde als voll erfolgreich ansehen. Lediglich bei der Venus, wo die USA keinerlei Ambitionen hatten gab es so was wie ein auf Erfahrungen aufbauendes Programm. Zuerst mit Venera 4-7 Kapseln die immer tiefer sanken, dann mit Venera 9-14 das Anfertigen von Aufnahmen der Oberfläche und Untersuchungen. Das Gegenteil davon war M73: Man wusste vor dem Start das die Sonden nur eine 50 % Chance hatten den Mars funktionsfähig zu erreichen, weil ein Transistor der oft verwendet wurde vom Hersteller einen Alupin anstatt Goldpin bekam und dadurch etwa 2 Jahre nach Herstellung die Ausfallwahrscheinlichkeit rapide anstieg. Trotzdem startete man alle Sonden, weil wenn man erst 1975 gestartet wäre man mit dem amerikanischen Viking Programm hätte konkurrieren müssen. So vielen drei von vier Sonden auch schon vor Erreichen des Mars aus und eine kurz danach,

Was mich beim Schreiben so bestürzt hat ist vor allem bei Landemissionen die geringe Lebensdauer. Bei den Venusmissionen mag das ja noch angehen, aber auch die Luna-Lander und Marslander waren alle batteriebetrieben. Betriebsdauer maximal einige Tage. Dabei hatten alle Lander Deckel, die sich wie ein Kleeblatt öffneten – zumindest die hätte man mit Solarzellen belegen können, die vielleicht beim Mars nicht voll ausreichen würden aber zumindest die Betriebsdauer erhöhen können. Es ging eigentlich nur darum Erster zu sein. Welchen wissenschaftlichen Wert die Missionen hatten war zweitrangig. Bei Luna 10 verwandte man um vor Lunar Orbiter einen Mondsatelliten im Orbit zu haben z. B. den Landeapparat von Luna 9 ersetzte die Kapsel durch einen kleinen Satelliten (natürlich batteriebetrieben) und den entließ man dann im Mondorbit. Seltsam genug, denn der Bus war mit Solarzellen angetrieben und hatte genügend Treibstoffreserven. Ein batteriebetriebener Minisatellit, der nicht viele Daten lieferte, nur um vor Lunar Orbiter der immerhin 200 selbst für heutige Verhältnisse hochauflösende Bilder lieferte. Es ging also nicht um die Wissenschaft.

Das Hauptproblem das Russland hatte war ein enormes Hetzen. Man nutzte praktisch jedes Startfenster aus. Da die bei der Venus alle 584 Tage und beim Mars alle 776 Tage sind hatte man wenig Zeit. Konkret bedeutete das: man musste an die nächste Sondengeneration gehen bevor die aktuelle überhaupt mit der Mission fertig war. Die ersten Sonden der Programme 1M, 1VA, 2MV und 3MV verwandten denselben Bus der inkrementell verbessert wurde. Immer dann wenn eine Sonde ausfiel, besserte man das nach, was den Fehler verursachte, Von diesen Sonden, unter anderem Venera 1-3, Mars 1 und Zond 1-3, gingen alle verloren. Liest man sich die Begründungen durch so kommt man ins Schütteln. Venera 2+3 gingen fast zeitgleich verloren. Ursache war, dass Farbe über den Radiatoren durch UV-Licht nachdunkelte und diese nicht mehr genug Wärme abgaben und die Sonden überhitzten – das man die erdähnlichen Bedingungen herstellen wollte habe ich ja schon in einem Blog erwähnt. So richtig geklappt hat das nicht. Aber die Ursachen wozu auch verunreinigte Ventile, geblendete Sensoren oder ausgefallene Sender gehören, zeigen recht deutlich das man sich auf dieses Konzept 100% verlassen hat. Mehr noch: man hat nie getestet. Mit einem Test einer Vakuumkammer unter Xenon-Beleuchtung auf der einen Seite und Kühlung mit flüssigem Stickstoff auf der anderen, würde man bald sehen ob die Temperaturregelung funktioniert oder nicht, ob die Farbe nachdunkelt oder ob Blenden für Sensoren ausreichend sind Streulicht abzuschirmen.

Der Bus war erst bei Venera 4 ausgereift, die erste Sonde die heil das Ziel erreichte. Dabei spielt auch eine Rolle das man den Bau vom OKB-1 an NPO Lawotschkin abgab, die wesentlich rigide Kontrollen hatten. Auch die anderen Projekte vom OKB-1 wie das Luna Programm E-6 oder das 7K-L1 Programm (Zond 5-8) glänzten ja nun nicht gerade mit zuverlässigen Sonden.

Es wundert nicht das nach Ende des kalten Kriegs die Planetenforschung Russlands praktisch zum Erliegen kommt. Sicher in den ersten Jahren klar, aufgrund des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Aber Nach der Jahrtausendwende verbesserte sich das, auch durch die hohen Rohstoffpreise die viel Geld in Russlands Kassen spülten. Doch geändert hat es nichts. Die genaue Ursache von Phobos Grunts versagen weis man nicht. Aber neben der Verwendung von strahlungstoleranter (für Flugzeuge vorgesehener) anstatt strahlungsresistenter Elektronik sollen vor allem Softwarefehler dafür verantwortlich sein. Es wäre nicht der erste Fall. Schon bei Phobos 1 war der Verlust nur möglich weil man ein Testprogramm vergessen hatte zu löschen. Vor allem aber war Phobos Grunt die einzige Mission in 20 Jahren. Doch etwas wenig für eine Weltraumnation. Auch wenn man nach weiteren Forschungsmissionen sucht, sieht es mau aus. Russland startet immer noch viele militärisch genutzte Satelliten, dazu Anwendungssatelliten wie TV-Satelliten, Glonass-Navigationssatelliten. Aber kaum Forschungssatelliten. Das war schon früher so. In einem gewissen sinne kann man davon sprechen, das Russland niemals ein bedeutendes Forschungsprogramm hatte. Was das Militär brauchte, war problemlos anschaffbar. Ebenso alles was nützlich war wie Wettersatelliten oder Kommunikationssatelliten. Aber das Programm zur planetaren Raumfahrt konnte nur unter dem Konkurrenzgedanken verkauft werden. Entsprechend nahmen die Starts ab, wenn man die Erstleistung selbst oder die USA erbracht hatten.

Ich habe aus dem Blog immerhin eines mitgenommen: ich habe das Buch um eine Tabelle der Erstleistungen ergänzt und um lustigste Fun-Fakts. Ich lese es nochmals mit einer anderen Version von LibreOffice durch (ich benutze im Normalfall eine alte 3 er Version, auf der der Duden Korrektor noch funktioniert) um weitere Rechtschreibfehler zu finden. Dann geht es an die Korrekturleser. Elendsoft hat sich ja gemeldet. Er bekommt es als Erstes und dann Gairon. Als erste Korrektur ist die Zweitkorrektur vielleicht die bessere. Ich denke ein bis zwei Monate wird jeder für die 380 Seiten brauchen, sodass man in 3-5 Monaten mit dem Band 1 rechnen kann. Rechtzeitig zum Jubiläum der ersten Raumsonde überhaupt: Am 17.8.1958 startete Pioneer 0. (damals Null getauft weil man dachte Pioneer 1 wäre dann ein Erfolg. Hätte man das konsequent gemacht dann müsste sie eigentlich Pioneer -3 heißen.

Danach geht es an Band 2 – mit weniger Sonden, so um die 60, dafür aber Einzelsonden und keine Programme und bei den meisten auch mit mehr verfügbaren Infos. Ich habe mir vorgenommen pro Tag eine Sonde zu behandeln, sodass der Band bis Mitte Januar fertig sein könnte.

5.11.2017: Ich bin für eine Minderheitsregierung

Derzeit scheint nichts bei den Koalitionsverhandlungen so richtig gut zu lauen. Gut man hat schon einiges abgearbeitet, vor allem Dinge die keine Probleme machten. So waren sich ja alle Parteien einig das man mehr Geld für Bildung und Digitalisierung ausgeben soll. Doch die echten Streitthemen hat man sich auf den Schluss aufgehoben und da hakt es nun ja. Heute hörte ich in den Nachrichten das Lindner nun schon von Neuwahlen spricht. Er würde gerne in die Opposition gehen.

Ich hatte bisher die Meinung, dass wir eine stabile Demokratie haben. Stabil in dem Sinne, das man sich zusammen sitzt und eine handlungsfähige Regierung zimmert, auch wenn man sein Parteiprogramm nicht 100 % durchsetzen kann. Schlussendlich kennen wir es, nicht das wegen jedem Scheißdreck ein Kanzler die Misstrauensfrage stellt und dann Neuwahlen anstehen, außer es läuft wirklich einiges schief wie 2005 bei Schröder. In anderen europäischen Ländern ist man da schneller dabei. In Italien wechseln die Regierung schneller als die Mode. Den einzigen sonstigen Fall von Misstrauensvotum den ich kenne, war das die FDP zum zweiten Mal ihren Koalitionspartner verlassen hat. Den Bürger neu zur Wahl zu rufen, ist so ziemlich das dümmste was man machen kann. Es zeigt nur das eigene Scheitern auf. Vor allem, wenn die letzte Wahl noch nicht mal zwei Monate her ist.

Auf der anderen Seite sehe ich die Problematik. FDP und Grüne sind sich programmatisch so weit entfernt wie es fast nur geht (nur mit der AFD gäbe es noch mehr Differenzen). Das beide Partien als Juniorpartner selbst Kernpunkte ihres Parteiprogramms nicht durchbringen können, vor allem wenn sie damit bei vier Partien alleine stehen, ist auch klar. Ich dachte man macht dann Abwägungen. Man kann dann eben damit rechnen einen von fünf Punkten durchzudrücken, wenn man nur ein Fünftel der Abgeordnete in der Koalition stell,t wie dies bei FDP und Grünen der Fall ist. Dann muss man sich verständigen welcher Punkt das ist.

Ich sehe es so das Merkel regieren möchte. Seitens der CDU ist also am meisten Willen da. Programmatisch wichtiges gibt es da eher weniger. Schon bei den letzten beiden Koalitionen war es so das alle wichtigen Gesetze vom kleinen Koalitionspartner kamen. 2009 ging das in die Hose als die FDP im ersten Jahr alles durchsetzte und dann auf einem Parteitag auf dicke Hose machte: Eine Tirade von „Versprochen – Geliefert“. Nur wars das dann und drei Jahre tat sich dann nichts mehr.

Mehr Probleme als bei den beiden kleinen Partnern sehe ich in der CSU. Schon in den letzten Jahren hatte ich das Gefühl die CSU ist die Opposition in der Regierung. Ihr einziger Zweck scheint es zu sein, mit total verrückten Forderungen auf sich aufmerksam zu machen wie Herdprämie, Maut oder ähnliches. Das Problem das Merkel hat: Die CSU ist die einzige Partei, der es gar nicht drauf ankommt in der Bundesregierung zu sein, sie will sich nur bei ihren bayrischen Wählern profilieren. Wie anders kommt eine Partei bei BundesTagswahlen auf die Idee einen BayernPlan aufzustellen? Sei ist auch die einzige Partei, die ihre Ministerien als Selbstbedienungsladen für Bayern sieht und daher sich auch solche raussucht, wo dies möglich ist. 2013 gingen 80 % der Mittel des Bundesverkehrsministeriums für Straßenbau nach Bayern. Noch schlimmer: da Seehofer noch machtbesessener als Merkel ist, sorgt er dafür das auf allen einflussreichen Posten nach ihm nur Nullen sind. Am peinlichsten ist ja Alexander Dobrindt. Nun fordert ja schon die junge Union Seehofers Rücktritt. Dann würde wenigstens das Gepolter aus Bayern weniger werden. Aber ob sich was ändert? Es ist ja nicht mehr die CSU von Strauss, der immer bundesdeutsche Ambitionen hatte, und so auch in den Achtzigern den Milliardenkredit für die DDR eingefädelt hat. Die heutige CSU ist auf Bayern beschränkt und auch Seehofers Nachfolger wollen nur möglichst viel für Bayern rausholen. Am besten wäre eine CDU ohne CSU dran. Nur kommt dann die Koalition nicht mehr auf 50 % der Sitze.

Die FDP hat als einzige schon miterlebt, wie Merkel ihren kleinen Partner alt aussehen lässt. Sie ist schließlich aus dem Parlament geflogen. Auch deswegen scheint die Opposition für Lindner nicht so schlecht zu sein. Das einzige weshalb, sie wohl an den Verhandlungen teil nimmt, ist die Erfahrung die sie bisher gemacht hatte. Als kleiner Partner schaffte sie es immer ihre Kernforderungen durchzusetzen mit der Drohung „sonst gibt es eben keine Koalition“. Das war möglich weil es für die CDU bisher unmöglich war, mit den Grünen zu koalieren. Das ändert sich aber jetzt. Nicht nur bei den Koalitionsgesprächen. Hier in BW klappt das schon ganz gut.

Nominell trennt gar nicht so viel die CDU von den Grünen. Beide sind konservativ – die Grünen sind wertkonservativ. Sie sind damit konservativer als die CDU. In der Klimapolitik will ja auch Merkel was bewegen. Das Problem ist nur: Merkels Position steht nur auf dem Papier. In Wirklichkeit hat sie gar nichts mit dem Klimaschutz am Hut, zumindest nicht, wenn der was kostet oder Anstrengungen von der Wirtschaft, im speziellen von der Automobilindustrie verlangt. So hat man unter Merkel die Ausnahmen von der Ökostromumlage für die Industrie nicht verringert, sondern ausgeweitet. So wird wahrscheinlich es auch hier keine Einigung geben. Dabei haben die Grünen nach der CDU die besten Voraussetzungen. Sie haben die Gefolgschaft die am meisten einsteckt. Selbst wenn man wie unter Schröder einen Kernprogrammpunkt verletzt (Kriegseinsatz in Jugoslawien) oder Demokratie darin besteht das ein Kandidat (Katrin Göring-Eckhard) von der Spitze festgelegt hat und die Basis dann noch über den zweiten bestimmen kann. Warum? Es gibt keine Alternative in der Parteienlandschaft. Wem die SPD zu weit rechts ist, geht zu den linken. Wem die CDU nicht rechts genug ist, geht zu der AFD. In der Mitte kann man zwischen CDU/SPD wählen. Okay, es gibt schon eine Alternative. Wenn man gut verdient ist (also typischer Grünen Wähler) dann kann man noch die FDP wählen. Nur darf man dann eben außer an Geld an nichts Interesse haben. Spaß beiseite – der wichtigste Unterschied zwischen FDP und Grüne ist das ihre Wähler zwar er gleichen Einkommensschicht angehören. Die FDP Wähler aber vom Staat erwarten das siwe wenige Geld an ihn abdrücken und es ihnen noch besser geht, die Grünen Wähler bereit sind für eine Umwelt und die Zukunft der nächsten Generation auch bereit sind mehr zu zahlen. Kurzum Egoisten gegen Weltverbesserer. Mehr Unterschied geht nicht.

So gesehen ist die Situation vertrackt. Daher wäre ich für eine Minderheitsregierung nur von der CDU. Das hätte Vorteile. Zum einen müsste sich Merkel mal um Zustimmung bemühen, als einfach mit dem Koalitionsvertrag zu wedeln. Und in der Tat gab es bei wichtigen Themen wie Eurorettungsschirm, Afghanistan-Verlängerung oder Gleichstellung Homosexueller auch überparteilich eine Mehrheit. Wenn Merkel was vernünftiges macht, warum sollten die Anderen dann ablehnen? Umgekehrt hätten auch die Oppositionsparteien Chancen Gesetze durchzubringen, wenn sie innerhalb der Opposition eine Mehrheit hin bekommen. Ist das nicht die Aufgabe des Parlaments? Meiner Ansicht sollte es doch Gesetze erarbeiten und nicht nur Regierungsvorlagen abnicken. Die Cannabislegalisierung ist so was. Wie ich erfuhr, ist dafür auch die FDP. SPD und Linke sind dafür, das zeigte schon ein im Frühjahr eingebrachtes Cannabis-Kontrollgesetz der Grünen. Damit gäbe es dafür eine Mehrheit. Warum die CDU dagegen ist, entzieht sich mir. Schlussendlich konsumieren nach dem aktuellen Drogenbericht 9 % der Männer und 5 % der Frauen regelmäßig Cannabis. Das sind 7 % der Bevölkerung. 7 % die nach derzeitigem Drogengesetz Kriminelle sind. (Ja ich weiß, dass in der Regel kleinen Mengen nicht juristisch verfolgt werden, aber an der Einstufung nach Gesetz ändert das nichts – wer aber mit 200 durch eine geschlossene Ortschaft brettert begeht nur eine Ordnungswidrigkeit, aber keine Straftat und das halte ich für weitaus gefährlicher).

Aber zurück zum Thema. Es wird nicht zu einer Minderheitsregierung kommen, denn Merkel will ja nicht überzeugen. Ich kann sie verstehen. Ich bin auch Naturwissenschaftler. Wenn ich etwas als logisch erkannt habe muss ich niemanden überzeugen. Die Fakten kann ja jeder der logisch denken kann nachprüfen und dann zum selben Schluss kommen. Okay, der Vergleich hinkt, denn logisch ist das was Merkel macht ja nicht. Es ist Machtpolitik, aber als Naturwissenschaftler ist sie es nicht gewohnt jemanden zu überzeugen. Naturwissenschaft ist so, da muss man nicht diskutieren. Steine fallen zur Erde, an der Gravitationskraft kann man nichts herum diskutieren.

Wird es Neuwahlen geben? Ich befürchte ja. Es ist ja nichts so das die Parteien die Nachteile einer Neuwahl nicht kennen. Die Verhandlungspartner müssen befürchten, das sie vom Wähler abgestraft werden, weil sie es nicht fertiggebracht haben eine Regierung aufzubauen. (Warum soll ich euch noch wählen. Beim zweiten Mal bekommt ihr es ja dann auch nicht hin…) Umgekehrt dürften die anderen drei Parteien profitieren. Ich befürchte die AFD wird noch mehr Wähler bekommen. Die SPD ist seit Schulz sagt, er geht in die Opposition, im Aufwind. In Niedersachsen gab es einen Erdrutsch. Vor allem ist nun die SPD aus der Regierung raus, was ihr schon 2013 ein besseres Ergebnis als 2009 einbrachte. Die CDU ist im Gegenzug im Abwärtstrend. Die FDP wird allerdings wenn sie wirklich Lindners programmatischen Schwenk zur Opposition mitmacht, Wähler verlieren, denn ein Drittel ihrer Stimmen (Unterschied Erst→ Zweistimmen) sind Leihstimmen von der Union.

Den einzigen Vorteil, den eine Neuwahl hat, ist das nun Schulz sich an sein Wort in die Opposition zu gehen nicht gebunden sein muss. Das galt ja für den alten Bundestag. Man könnte wieder mit der CDU/Seehofer-Partei koalieren und hätte eine Regierung. Aber wollt ihr das wirklich? Den Bürger nach weniger als zwei Monaten wieder an die Wahlurne rufen? Und was passiert wenn das gleiche rauskommt, wie dies die aktuelle Sonntagsfrage zeigt? Ich befürchte ihr wollt es. Daher klebt Seehofer so an seinem Sessel und redet von Klärung der Personalien nach den Koalitionsverhandlungen. Denn wenn die scheitern, dann steht ein neuer Wahlkampf an und wer soll den ausrichten? Sein Schoßhund Andreas Scheuer?

Versucht es erst mal und wenn ihr in ein bis zwei Jahren wirklich nicht miteinander auskommt, dann könnt ihr ja immer noch den Bettel hinschmeißen.

Komisch, warum erinnert mich der letzte Satz irgendwie an Ratschläge den man trotzigen Kindern gibt?

 


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