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Web Log Teil 53 : 5.2.2008-13.2.2008

Dienstag 5.2.2008: Vom Mond zum Mars?

Bekanntlich hat Bushs Space Initiative ja das Ziel "Zurück zum Mond". Das Wurde von vielen Journalisten kritisiert. Das nächste Ziel sollte ja nun der Mars sein, und Flüge zum Mond bringen recht wenig bei der Vorbereitung auf einen Marsflug. Meiner Meinung nach liegt verbirgt sich eher ein Missverständnis wie Politiker denken dahinter. Diese denken nicht logisch (Bush schon gar nicht), sondern überlegen wohl eher, was zu finanzieren ist und was sie noch zu Lebzeiten sich als Ruhmesblatt anrechnen lassen können. Unter diesem Aspekt isst der Mond natürlich viel verlockender als der Mars, der ungleich längere Vorbereitungen und erheblich größere finanzielle Mittel nötig macht.

Doch betrachten wir es einmal logisch: Was kann man mit Missionen zum Mond simulieren? Nun es gibt einiges was man simulieren könnte:

Der fehlende Schutzschild der Sonne: Der Mond ist schon soweit von der Erde entfernt, dass unser Magnetfeld Astronauten nicht mehr schützt, außer der Mond taucht durch den Magnetfeldschweif der Erde. Würde man also Astronauten in eine Mondumlaufbahn senden so könnte man eine Reise zum Mars simulieren, während die über Monate hinweg Fernerkundung auf dem Mond betreiben können. Trotzdem hätte man sie bei nicht ausreichender Abschirmung innerhalb von 3 Tagen wieder zurück auf der Erde.

Am besten kann man die Arbeit auf dem Mars simulieren. 1/6 g auf dem Mond oder 1/3 g auf dem Mars - das sind fast dieselben Bedingungen. Auch Techniken zur Minimierung der Strahlung wie das Eingraben der Station könnten erprobt werden und die extremen Temperaturgegensätze sind gegeben - mit einer Ausnahme: Der Tag und Nachtzyklus beträgt auf dem Mond 28 Tage und auf dem Mars 24.7 Stunden. Selbst die Funkverzögerung kann man simulieren: Befindet sich eine Station auf der Mondrückseite, so hat sie nie direkten Funkkontakt zur Erde. Bewerkstelligt man dies über einen Satelliten in einem nahen Orbit, so hat dieser auch keinen gleichzeitigen Kontakt zur Erde und zum Mond, sondern muss die Daten zwischenspeichern und dann senden wenn die Erde in Funkreichweite ist (und umgekehrt).

Was man naturgemäß nicht simulieren kann ist die Landung, die beim Mars aerodynamisch gebremst erfolgen muss. Auch eine aerodynamische Bremsung zum Einschwenken in den Orbit kann man auf dem Mond nicht simulieren. In der Tat könnte man aber auf dem Mond mit einer permanenten Station und vorher und nachher mit einigen Monaten im Orbit einen Marsflug simulieren, ohne das Risiko zu haben, dass man bei einem Problem Monate auf die Besatzung warten muss. Vom Mond kann man in 3 Tagen zurück zur Erde kommen.

Es steckt also etwas Logik hinter dieser Idee, zumindest mehr als die Idee, die die NASA in den achtziger und frühen neunziger Jahren hatte, wo man meinte die ISS wäre notwendig um alle Bestandteile einer Marsexpedition im Erdorbit zusammenzubauen. Das war schlicht und einfach falsch und diente mehr dazu einen Nutzen für die ISS zu finden.

Ob es aber notwendig ist, ist eine andere Frage - Wir haben heute nach 40 Jahren bemannter Raumfahrt so viele Erfahrungen mit Langzeitflügen, dass wir recht gut Bescheid wissen, welche Risiken es gibt und wie man ihnen begegnen kann. Das ist anders als zur Zeit von Apollo wo man sich über langsam immer komplexeren Missionen an die erste Mondlandung herangetastet hat. Interessanter ist wohl eher ob die Mondlandung in 2 Jahren noch Ziel der NASA ist. (Im nächsten Jahr um diese Zeit hat die USA zwar einen neuen Präsidenten, aber den ersten Haushalt den er beeinflussen kann ist der von 2010).

Freitag 9.2.2007: Das NASA Budget für 2009

So nun ist Columbus also endlich gestartet. Ende des Monats folgt nun der erste ATV und damit wird ist nicht nur endlich das erste Forschungslabor oben, sondern auch eine zweite Nachschubquelle ermöglicht nun es weniger Progressraumschiffe einzusetzen und mit mehr Sojus Kapseln die Besatzung von 2-3 sukzessive auf eine Dauerbesatzung von 6 zu erhöhen  Passend dazu hat die NASA ihre Wünsche für das Haushaltsjahr 2009 vorgestellt. so sieht es im Detail aus:

Das Wissenschaftsbudget wird 4441.2 Millionen Dollar betragen, deutlich weniger als die 4706.2 Millionen für 2008. Es macht nun nur noch 25 % des Gesamthaushalts aus. In der Praxis ist es aber gleich groß geblieben, den 258 Millionen aus dem Budget für Heliophysiks wurden dem Space Flights Support zugeordnet. Der Posten umfasst vor allem die Antennen des DSN.

Der Bereich Aeronautics (das erste "A" in der NASA) Es sinkt von 511.7 auf 445.7 Millionen Dollar.

Bushs Space Initiative hat zu dem neuen Punkt "Exploration" geführt: Es steigt von 3143.9 auf 3550.9. Das ist noch moderat. Schon 2011 soll es doppelt so hoch sein.

Der Bereich Space Operations - der aus dem Shuttle Programm und der ISS besteht - steigt wegen es Ausbaus der ISS weiter an von 5262.7 auf 5774.7 Millionen Dollar.

Space and Flight Support, also Bodenstationen, Missionskontrolle umfasst 732.8 - Der deutliche anstieg gegenüber den 441.2 vom Vorjahr beruht auf dem Verschieben von 258 Millionen Dollar vom Heliophysics Posten.

Die allgemeine Verwaltung und der Betrieb der Forschungszentren verschlingt 3299 Millionen Dollar, fast gleich viel wie die 3242 vom Vorjahr.

In der Summe beantragt die NASA 17514 Millionen, 1.8 % mehr als 2008 wo es 17309.4 betrug. Die bemannte Raumfahrt macht mit knapp 8300 Millionen davon den Löwenanteil aus, wissenschaftliche, unbemannte Forschung mit 4412 Millionen nur knapp die Hälfte. Was wird dafür geleistet? Geplant sind für 2009 nominell 5 Shuttle Flüge die schon fertige Teile zur ISS bringen. Daneben eben kostet die Entwicklung von ARES I und Orion Geld. Immerhin, 5 Flüge für 8.3 Milliarden, da weiß man was man hat....

Montag: 11.2.008: Braucht man nukleare Antriebe?

Am Samstag sah ich auf Arte einen Science-Fiction film über eine bemannte Marslandung und danach eine Dokumentation. Dabei trat man den Flug zum Mars mit nuklearen Antrieben an. Das hat schon Tradition: Schon Wernher von Braun propagierte diese Technologie und sie wurde in den sechziger Jahren ausgiebig auf der Erde getestet.

Vielleicht erkläre ich mal in einfachen Worten, wie ein nuklearer Antrieb funktioniert. Wer es genauer wissen will findet mehr darüber in einem Aufsatz von mir. Technisch gesehen unterscheidet einen nuklearen Antrieb nur eines von einem chemischen Antrieb. Anstatt heiße Gase durch eine Verbrennung zu erzeugen, macht dies ein Kernreaktor. In der Brennkammer steckt ein ultrakompakter Kernreaktor. Er erhitzt sich durch den Zerfall des Urans und wird gekühlt durch Wasserstoff, der sich dabei erhitzt und als heißes Gas die Düse verlässt.

Die Temperatur des Gases ist dabei beschränkt auf 2200 K, höhere Temperaturen würden zum schmelzen des Reaktorkerns führen. Damit man damit überhaupt eine höhere Ausströmgeschwindigkeit als der chemische Antrieb erreicht, bei dem man Verbrennungstemperaturen von 4000 K erreicht muss man den Wasserstoff mit seiner geringen Molekularmasse als Treibstoff einsetzen. Es soll nicht verschwiegen werden, dass es auch fortgeschrittene Konzepte gibt, bei denen der Reaktorkern verdampft und durch die höheren Temperaturen höhere Ausströmgeschwindigekeiten erreicht. doch solche Reaktoren sind noch nicht experimentell erprobt 8und man wird dies auf der Erde wegen der enormen Verstrahlung der Umgebung mit dem Antriebsgas, das prinzipbedingt radioaktives Material enthält niemals tun9 und zum zweiten kann man einen solchen Reaktor genau einmal zünden, danach löst er sich nämlich in Gas auf.

Nukleare Antriebe mit Festkernreaktoren erreichen Ausströmgeschwindigkeiten von 8100 m/s. Das war der Grund warum sie so attraktiv erscheinen, denn Wasserstoff/Sauerstoff erreicht maximal 4500-4600 m/s. (4550 m/s sind bislang erreicht worden).

Doch dem stehen einige Nachteile gegenüber. Zuerst einmal das Risiko bei einem Fehlstart, Der Reaktorkern ist nicht abgeschirmt, er sitzt in der Brennkammer einer Rakete. Bei einem Fehlstart würde radioaktives Material in großer Menge freigesetzt werden. Das wird wohl nicht so akzeptiert werden. Die einzige akzeptable Möglichkeit dürfte es sein, dass man den Reaktor schützt, zum Beispiel. indem man die Brennkammer in einem Schutzmantel in den Orbit bringt, dort montiert und dann erst zündet. Das macht die Technologie deutlich teurer. teuer ist sie sowieso, denn ein Kernreaktor ist teurer als eine einfache Brennkammer.

Das zweite ist, dass ein Nuklearantrieb deutlich schwerer als ein chemischer antrieb ist. Zum einen wegen des Reaktors, vor allem aber weil der Wasserstoff enorm voluminöse Tanks braucht. Das sind die Daten einer Stufe die man in den sechziger Jahren für einen Marsflug propagierte:

Parameter Größe
Höhe (gesamte Stufe) 43.69 m
Durchmesser 10.55 m
Leistung 4500 MW
Gesamtgewicht 178321 kg
Leergewicht 34019 kg
nutzbarer Wasserstoff 128600 kg
Schub 867 kN
Ausströmgeschwindigkeit 8090 m/s
Ausströmgesch. Boden 3720 m/s
Brennzeit: 1200 sec

Vergleichbar in der Startmasse ist die H170 Stufe der Ariane 5:

Parameter Größe
Höhe (gesamte Stufe) 30,50 m
Durchmesser 5,40
Gesamtgewicht 188600 kg
Leergewicht 14100 kg
nutzbarer Wasserstoff 170000 kg
Schub 1350 kN
Ausströmgeschwindigkeit 4248 m/s
Ausströmgesch. Boden 3020 m/s
Brennzeit: 540 sec

Gegenüber dem nuklearen Antrieb ist die H170 viel kleiner, weil der Wasserstoff nur 1/8 des Treibstoffs ausmacht. Trotzdem ist der Schub höher und das Voll/Leergewichtsverhältnis günstiger. Dabei ist das Triebwerk nicht für den Betrieb im Vakuum optimiert. Würde man dies tun so wäre der spezifische Impuls noch etwas höher. Für eine Geschwindigkeitsänderung von 4000 m/s wie man sie zum Start zum Mars braucht erreichen sich folgende Nutzlasten:

Dieser Gewinn von 50 % ist auch gegeben, wenn man dann in den Marsorbit einschwenkt und von dort zurückkehrt. Da ein Großteil der Startmasse auf den Treibstoff entfällt, reduziert sich die Startmasse im Orbit so um etwa 50 %. (Ein Ingenieur sprach im Film von 7 anstatt 11 Starts einer Schwerlastrakete, was in etwa die gleiche Größe ist). Die Frage ist ob diese 50 % es rechtfertigen. Ich meine nicht und die meisten Experten ebenfalls. Wenn überhaupt, so hat nukleare Energie vielleicht eine Chance als Stromversorgung - Irgendwo muss ja der Strom für die Besatzung herkommen und Solarzellen im Bereich von Dutzenden Kilowatt auf der Marsoberfläche aufzubauen dürfte etwas schwierig werden. Dann könnte man mit dem Strom auch Ionentriebwerke antreiben um die Reisezeit zu reduzieren.

Was spart man ein? Nun mit einem chemischen Antrieb rechnet man heute so etwa 800-1000 t die man in einen Erdorbit bringen muss (passend dazu auch die Anzahl von 11 Flügen einer 80 t Schwerlastrakete in dem Beitrag). Durch nuklearen Antrieb würde man also den Transport von 350 t einsparen. Nimmt man die Nutzlast von Ariane 5 (25 t) und ihren Startpreis (etwa 135 Millionen Euro), so würde man so Transportkosten von knapp 1.9 Milliarden Euro einsparen. Vorausgesetzt die Schwerlastrakete wäre genauso teuer wie eine Ariane 5 (in der Praxis wohl eher preiswerter). Ob man allerdings für 1.9 Milliarden Euro einen funktionierenden Nuklearantrieb nach 40 Jahren ohne Entwicklung bauen kann? Ich bin da skeptisch.

Zum Schluss noch die Mutter aller Fragen - Warum war man damals so viel mehr überzeugt von diesem Antrieb? Nun zum einen hat sich seitdem die Haltung zur Kernenergie gewandelt. Seit Ende der Entwicklung von SERT und NERVA gab es Harrisburg und Tschernobyl. Inzwischen baut man kaum noch neue Reaktoren, obwohl diese sicher sicherer sind als die alten und erst recht als diese weltraumtauglichen Reaktoren.

Das zweite ist, das man damals an andere Missionen dachte. Heute plant man Marsexpeditionen die sich über 3 Jahre hinziehen, mehr als ein Jahr sind die Astronauten alleine unterwegs zum und vom Mars, 500-700 Tage müssen sie dort ausharren, bis sich wieder ein Startfenster öffnet um mit geringer Geschwindigkeit zurück zur Erde zu starten.

In den sechzigern dachte man an andere Bahnen. Man wäre schnell zum Mars geflogen, lange vor dem günstigsten Termin. Etwa 20-30 Tage dort geblieben und dann wieder zurück geflogen. Diese Bahnen gehen nur, wenn man nicht die energetisch günstigsten nimmt und jeder Tag auf dem Mars ist kostbar, da die Startenergie dann recht rasch ansteigt. Als Preis für diese Kurzeitmissionen von 400 Tagen Dauer steigt die Startenergie an, sowohl von der Erde zum Mars wie auch zurück. Je größer diese aber ist, desto mehr wirkt sich der höhere spezifische Impuls von nuklearen Triebwerken aus.

Heute ist man technologisch weiter. Man baut heute Module für die ISS, die 15 Jahre lang betrieben erden sollen. Es gibt Langzeitflüge von bis zu 400 Tage in der Schwerelosigkeit. Die Zuverlässigkeit und Lebensdauer von Technologien hat in den letzten Jahrzehnten enorm zugenommen - 1970 plante man für Viking eine 180 Tages Mission und für Mariner 8+9 eine 90 Tages Mission. Heute sind Messenger und New Horizons auf Missionen die sich über 9 Jahre erstrecken. Der Mars Global Surveyor hat 10 Jahre im Marsorbit gearbeitet, andere Raumsonden wie Cassini oder Galileo haben auch die 10 Jahresgrenze geknackt. Es ist heute nicht notwendig Zeit zu sparen auf Kosten der Startenergie.

Gut was gibt es sonst noch so neues? Hinsichtlich Web nicht viel. Ich habe mich in der letzten Zeit vor allem mit meinem (Mini) Büchlein beschäftigt. Der Text ist geschrieben, die Abbildungen sind eingefügt. 64 Seiten sind es geworden. Kosten wird es wahrscheinlich 5-5.50 Euro. Nun muss ich es nochmals genau durchgehen bevor ich es veröffentliche. Das wird es aber dann auch erst mal gewesen sein, denn der Arbeitsaufwand ist schon enorm, obwohl ich hier auf vieles zurückgreifen konnte, was ich schon vorher recherchiert habe. Das heißt allerdings noch keine Entwarnung für alle die mehr neue Aufsätze haben wollen - Auch sonst ist es derzeit zeitlich sehr knapp. Normalerweise sind die Semesterferien eher ruhig, aber diese Ferien muss ich mein Labor komplett neu einrichten, das bedeutet bei unserer Software 13 PCs individuell installieren, da Images wegen Lizenzgründen nicht gehen und zudem muss die Software für die Verwaltung der PCs angepasst werden. Danach steht dann noch eine Woche an, in der ich bei einer anderen Firma etwas programmiere.

Dienstag 12.2.2008: Der Traum vom offenen Himmel

Lange Zeit war Detailaufklärung eine Domäne der Supermächte, welche riesige und teure Spionagesatelliten dafür starteten. Zivile Modelle wie Landsat und SPOT setzten mehr auf eine hohe multispektrale Auflösung denn auf eine hohe räumliche Auflösung.

Vor allem die US Medien wollten einen eigenen Zugang zu hochauflösenden Bildern haben und erwogen Ende der achtziger Jahre einen Satelliten zu bauen und starten zu lassen. Ein solcher privater Aufklärungssatellit hätte von Lockheed für f150 Millionen Dollar gebaut werden können. Doch aus diesem Projekt wurde schlussendlich nichts.

Heute scheint dies nicht mehr notwendig zu sein. Gibt es doch einige privat betriebene Detailaufklärer die vornehmlich hochauflösende Bilder liefern und keine, oder nur wenige Spektralkanäle aufweisen. Der neueste Satellit, Wourldview 1 hat eine Auflösung von 0.41 m. Die drei Satelliten von Dgiglobe sollen 1 Million Quadratkilometer pro Tag abbilden können. Sie könnten also in weniger als einem Jahr die gesamte Landfläche der Erde (etwa 170 Millionen Quadratkilometer) erfassen.

Trotzdem glaube ich wird in einigen Jahren die Mondoberfläche besser bekannt sein als die Oberfläche der Erde. Im Oktober soll der Lunar Reconnaissance Orbiter starten. mit an Bord ist eine Kamera von 0.5 m Auflösung die in einem Jahr etwa 10 % der Oberfläche erfassen soll. Ihm sollen weitere Satelliten folgen, die wahrscheinlich noch bessere Kameras besitzen. wer dagegen Google Earth benutzt, die ja auf freien Quellen basiert und dann mal jenseits von Europa und Nord Amerika seinen Blick schweifen lässt, entdeckt das große Teile unseres Planeten noch nicht genau bekannt sind.

Warum ist dem so? Sollte nicht nach fast 10 Jahren in denen sich Detailaufklärer im Orbit befinden inzwischen jeder Flecken der Erde erfasst sein? Nein! Zum einen gibt es natürlich Wetter, Wolken verhindern wirkungsvoll das Anfertigen von Fotos - und in einigen Gebieten ist es dauernd wolkig. Aber viel wichtiger: Die Satelliten nehmen das auf, wofür bezahlt wird. Sie machen Aufnahmen von Gebieten die von Kunden gewünscht werden.

Da kommen wir zu den Kunden dieser Satelliten. Nun ja eher gesagt, DEM Kunden. Denn alle Firmen haben einen Rahmenvertrag mit der NGA, einer militärischen Behörde, welche zivile Quellen nutzt um militärisch nutzbare Informationen zu gewinnen. Im Falle der Satelliten ist es so, dass alle Bilder erst an die NGA gehen und nur dann an andere Kunden wenn sie nicht mit nationalen Interessen kollidieren. Die Bilder der neuesten Satelliten Wiruldview 1+2 werden sogar künstlich verschlechtert, weil die Auflösung sonst zu hoch ist. Gerade wenn aber die Medien an Bildern wirklich interessiert sind, greift meist der Passus der militärischen Interessen. so gab es weder vom Afghanistan noch vom Irakkrieg Bilder.

Auffällig ist, dass in etwa zur gleichen Zeit auch die Starts der militärischen Satelliten der USA zurückgingen. Es erscheint als hätte das Militär zivile Satelliten benutzt um militärische Satelliten zu ersetzen.

Dabei ist es kein Problem heute einen Satelliten technisch zu bauen. Im Prinzip braucht man nur ein Teleskop, angeschlossen an eine Kamera. Das Problem liegt nur in zwei Bereichen. Das eine ist das Übertragen der Daten - je höher die Auflösung ist, desto mehr Daten fallen pro Quadratkilometer an. Will man nicht die Fläche verkleinern, so braucht man entweder ein größeres Netz an Bodenstationen oder muss teuer Kanäle auf Satelliten anmieten.

Das zweite ist die Belichtungszeit. Führt man das Teleskop nicht nach, so sinkt  bei steigender Auflösung die Belichtungszeit. Ein Satellit bewegt sich mit 7000 m/s relativ zum Boden. Will man Aufnahmen mit 1 m Auflösung machen. So muss die Belichtungszeit deutlich unter 1/7000 Sekunde liegen, weil in dieser Zeit sich das Bild um 1 Detektorelement weiter bewegt. Selbst CCD Detektoren haben dann aber ein sehr großes elektronisches Rauschen,

Es gibt zwei Lösungen für das Problem: Das eine ist es sogenannte TDI Sensoren zu verwenden. Das sind mehrere CCD Scanzeilen hintereinander, die synchron zur Bewegung ausgelesen werden. Im gleichen Maße bewegt sich ein Bilddetail über die Zeilen. so addiert man die Signale von 5 oder mehr Elemente und reduziert so das elektronische Rauschen. Über Wahl der Ausleserate kann man auch Aufnahmen schräg zur Flugrichtung anfertigen.

Das zweite ist es das Teleskop synchron zur Bewegung zu bewegen. Diese Technik wurde zumindest bei den ersten Aufklärungssatelliten der USA eingesetzt, es ist offen ob dies heute noch so ist. Solange man nur senkrecht nach unten schaut und eine nahezu kreisförmige Bahn hat ist dies kein Problem, dann reicht eine Geschwindigkeit aus. Ein Satellit muss aber um zeitnahe Bilder anzufertigen auch zur Seite schauen und dann hat man eine ganz andere Relativgeschwindigkeit.

Riesig muss ein Teleskop dazu nicht sein. Die Kamera HiRISE an Bord vom Mars Reconnaissance Orbiter macht Aufnahmen von 0.35 m Auflösung aus 250 km Höhe - das wäre für die Erde eine etwas zu nahe Bahn, aber 0.5 aus 375 km Höhe wären denkbar - sie wiegt dabei nur 65 kg - Keine große Nutzlast. So wäre ein unabhängiger Satellit denkbar, der hochauflösende Bilder für Medien und Jedermann anfertigen könnte. Nur will ihn anscheinend keiner.

Mittwoch: 13.2.2008: Bruce, die Styling Show

Eigentlich schaue ich das nicht an, doch heute morgen kam ein kurzer Bericht darüber im Radio, der mich neugierig gemacht hat. Also habe ich mir die Sendung von gestern runter geladen (Wer es noch nicht weis: Es gibt den Dienst OnlineTVRekorder bei dem man Sendungen mitschneiden kann. Hat man sich durch fleißiges Klicken auf die Werbung (oder Einzahlung von Geld) einen Premium Account verschafft geht dies sogar im Nachhinein. Sofern man die Dateien dann von Mirrors runterlädt belastet dies auch nicht das Konto beim OnlineTVRecorder und man bleibt im Premium Account).

Aaalso: Da wird Bruce, offensichtlich ein bekannter Stylist, von einem 22 jährigen Mädchen um Hilfe gebeten, welches sich als "hässlich" empfindet. Sie findet ihren Körper unproportioniert und insbesondere ihren Busen zu klein. Schaut man sie so an, so ist dies objektiv nicht nachzuvollziehen. Sie hat ein schönes, strahlendes Gesicht, ist schlank und der Busen ist "normal" und (da streiten sich nun sicher die Meinungen) zumindest für mich nicht zu klein.

Der Meinung ist auch Bruce und sagt es ihr in einem Gespräch und da kommt dann raus, dass sie 22 jährige schon an eine Brustvergrößerung gedacht hat (vielleicht auch diese Show mit einer dieser "Doku-Soaps" verwechselt hat wo Fernsehsender Schönheits-Ops bezahlen und die Patienten sich dabei filmen lassen). Im Gespräch versucht Bruce ihr klar zu machen, dass man einen Menschen nicht auf die Größe seines Busens reduzieren sollte, indem er ihr ein Kissen unter die Bluse stopft. Bis dahin fand ich die Show gut. Dann verspricht er der Mutter, dass sie sich keine Sorgen mehr um Christina machen muss. Ein Styling soll alle Probleme lösen, denn das eigentliche Problem sei "Das Mädchen braucht einfach Spaß am Leben". Sie soll zu ihrem Körper stehen, dann hätte sie wieder Spaß am Leben.

Das Vermitteln von "Spaß am Leben" geht durch Herumtollen und Zureden, dass sie gut aussieht. Dann geht es zum Einkauf von Dessous und zum Foto-Shooting. Natürlich in Dessous. Und natürlich sieht Christina aufgestylt und ins rechte Licht gerückt noch besser aus. Anschließend kommt dann noch eine neue Garderobe, jenseits der Jeans und Rollkragenpullover und eine Session im Schminkstudio - wobei sie mir ungeschminkt weitaus besser gefiel, als danach mit den stark betonten Augen (Stil: Altes Ägypten)

Nun ist Christina so attraktiv wie sie immer sein wollte - auch ohne Schönheitsoperation und es geht zur Demonstration in die Disko.

Ein schönes Happy-end oder etwa nicht?

Ich denke nicht. Denn einige Sätze von Christina gehen mir nicht aus dem Kopf und ich kenne sie von Leuten die ein wirkliches psychologisches Problem haben - Mädchen die unter Annorexia nervosa leiden. Nun ja, Christina will mehr Busen, das ist etwas anderes. Aber was dahinter steckt, ist doch das gleiche: Man empfindet sich subjektiv anders, als man objektiv ist: Hässlich, sieht im Spiegel nicht das, was man sehen will.

Und da habe ich meine Zweifel, dass man so etwas mit 1-2 Tagen bei einem Stylisten ändern kann. Das ist eine über Jahre gewachsene innere Einstellung, bei manchen Personen sogar eine richtige Psychose. Das ändert sich nicht so einfach. Man kann daran etwas tun, selbst oder mir fremder Hilfe, aber das dauert sicher Monate.

Was bleibt ist dass die junge Frau einige Tage das Gefühl genossen hat, dass sie im Mittelpunkt steht, dauernd gesagt bekommt wie toll sie ist und gesehen hat, dass sie sich kleidungsmäßig durchaus verbessern kann. (Wie schon gesagt, von der Schminke bin ich nicht so überzeugt). Vielleicht bringt sie dies zum Nachdenken und stößt eine Prozess an, der aber sicher mühevoller ist als es die Show vermittelt. In einem hat Bruce recht, auch wenn er es anders ausdrückt: Wichtig ist nicht das Aussehen, das sich ändern kann und ändern wird, sondern der Charakter, oder wie der Volksmund sagt: "Gutes Aussehen vergeht, ein schlechter Charakter besteht".

Ich halte diese Show für keine gute Idee, weil sie doch genau das Gegenteil vermittelt. Im Prinzip lautet doch die Botschaft, dass man mit einem Styling und den richtigen Klamotten effektiv etwas gegen Minderwertigkeitsgefühle und Probleme mit dem eigenen Körper machen kann. Diese Botschaft ist aber gerade die Falsche. Anstatt zu sagen: Jeder Mensch ist anders, die einen sehen gut aus und die anderen nicht, man sollte lernen damit zu leben wie man ist, vermittelt sie die Botschaft: Du musst dich nur Stylen und alle Probleme die Du mit deinem Aussehen hast sind gelöst. Und das ist natürlich nicht der Fall, denn jenseits von Schminke und Gucci Klamotten sieht sie ja noch so aus wie vorher. Vor allem reduziert dass den Menschen wirklich aufs Aussehen. Das ist aber kein Fundament für irgendeine Art von Beziehung. Da geht es um andere Dinge, um den Charakter, Zuneigung, gemeinsame Interessen. Ich würde aus meiner Erfahrung her sagen, dass gut aussehende Menschen gerade hier ein Problem haben: Jeder von uns hat Macken, Egosimen, schlechte Eigenschaften. Die meisten lernen recht bald, wo ihre Grenzen sind und andere ein verhalten nicht mehr tolerieren. Diese Schwelle ist deutlich höher wenn jemand gut aussieht. Insbesondere jungen Frauen lässt man da vieles durchgehen, was sich dann im "Zickentum" bei einigen manifestiert. Das dies seit einigen Jahren geradezu normal geworden ist, zeigt auch wie sich unsere Gesellschaft auf Äußerlichkeiten fixiert hat. Dazu tragen solche Shows oder andere wie "Germanys next Top-Modell" und die Werbungsflut im Fernsehen und Presse ihren Teil bei. Promis die Schönheitsoperationen durchführen sind da auch kein gutes Vorbild.

Ich wüsche Christina, dass ich unrecht behalte und sie in der Tat nun keine Probleme mit ihrem Erscheinungsbild mehr hat. Ich fürchte allerdings so einfach wie es die Show andeutet ist es nicht.


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