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Weblog Teil 538: 28.10.2018 - 6.11.2018

28.10.2018: Rüstungswahnsinn

Ich habe mal irgendwo gehört, das Leute tendenziell eher dumme Leute in die hohen Posten wählen wie als Kanzler oder Präsident. Daran soll die Psychologie schuld sein, da man von intelligenteren Leuten unterschwellig annimmt, dass sie einen bzw. das Volk betrügen oder austricksen würden. Das würde einiges erklären. So die Führungsspitze der CSU und AFD oder Trump.

Wir haben in der Politik ja oft den Fall, dass sie nicht rational ist. National sieht man das an der Protektion der Autoindustrie. Obwohl klar ist, dass diese ihre Käufer und das Kraftfahrzeugbundesamt beschissen haben, werden sie nicht bestraft oder wenigstens dazu verdonnert den Zustand herzustellen, den eigentlich ihre Fahrzeuge haben sollten. Ähnliches sehen wir in Nordrhein-Westfalen mit dem sklavischen Festhalten am Braunkohletagbau, obwohl jeder weiß, dass die Kohle ein dreckiger Energieträger ist und man schon wegen der Kohlendioxidbilanz aus ihr aussteigen muss. Anstatt zukunftsorientierte Arbeitsplätze aufzubauen, schützt der Staat private Firmen, die keine Zukunft haben und auch nicht in ihre Zukunft investieren mit enormen Polizeiaufwand vor den eigenen Bürgern.

Doch die absolute Spitze sind die Kernwaffen. Da scheint regelmäßig der Verstand abzuschalten. Mir fiel das schon Anfang der Achtziger Jahre auf. Da begann die Nachrüstungsdebatte, nachdem der Beschluss zur Stationierung von Marschflugkörpern und Pershing Raketen 1979 fiel, übrigens auf Druck von Helmut Schmidt.

Obwohl ich damals noch nicht in dem politischen Lager angekommen war, in dem ich in den letzten 30 Jahren war, sondern bei der Wahl von 1983 eine Partei gewählt habe, die den Nachrüstungsbeschluss vertrat, habe ich das damals schon nicht verstanden. Damals gab es noch mehr Atomsprengköpfe bei den Supermächten. Zehntausende auf jeder Seite, in allen Größen (sprich Sprengkraft) mit dem unterschiedlichsten Einsatzzweck, vom Abwurf vom Flugzeug auf dem Schlachtfeld aus, bis zur ICBM die eine ganze Region auslöscht. Russland stellte neue Mittelstreckenraketen in Dienst und das war die berüchtigte „Lücke“. Das Wort hat schon Kubrick in seinem Film „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ auf die Schippe genommen. Es ist eines der Wörter der Militärs wo deren Verstand komplett abschaltet. Eine „Lücke (Gap)“ suggeriert, das der Gegner auf einem Gebiet weit überlegen ist und sich daraus eine Gefahr ergibt. Es wird weder hinterfragt ob es überhaupt sinnvoll ist diese Lücke aufzufüllen, noch die Konsequenzen bedacht. Denn das Füllen der Lücke bedeutet ja das man dann in diesem Gebiet besser gerüstet ist als der Gegner, was diesen wiederum zur Aufrüstung bringt – mit einer neuen Lücke. Das hat ja erst zu so vielen Atomsprengköpfen geführt. Der Sinn wurde auch nicht hinterfragt. Es gab ja schon vor der „Nachrüstung“ genügend Atomsprengköpfe in Europa. Auf älteren Mittelstreckenraketen der USA und durch Flugzeuge abwerfbare Sprengköpfe. Vor allem läuft ein atomarer Konflikt anders als ein nicht atomarer. Nehmen wir an eine der beiden Seiten würde nur eine Atombombe auf dm Gefechtsfeld einsetzen, also nicht mal gegen die Zivilbevölkerung. Dann würden so viele Soldaten auf einmal sterben, das die Gegenseite wahrscheinlich sofort mit einem weiteren atomaren Gegenschlag antworten würde, denn würde sie das nicht tun, dann würden weitere Atomschläge folgen und die eigene Armee vernichten. Das wäre dann aber wahrscheinlich mehr als eine Bombe. Das schaukelt sich dann bald auf und der Konflikt bliebe auch nicht auf Europa beschränkt, denn damals hatten die USA um die 500.000 Mann in Europa stationiert, wenn da auch nur ein Teil getötet wird, dürfte es sehr wahrscheinlich sein das man auch ICBM abfeuern würde und dann hat man einen atomaren Konflikt. Wie es in der Schlussszene von „War Games“ zu sehen war, als der Computer alle möglichen atomaren Szenarien durchspielte und zum Schluss kam, das keine Seite gewinnen kann, und der einzig gewinnbringende Zug des „Spiels“ ist es gar nicht erst zu beginnen.

Nun hat Trump angekündigt, den INF-Vertrag zu kündigen, weil Russland neue Mittelstreckenwaffen entwickelt. Die Mittelstreckenraketen waren, die ersten Atomwaffen die abgerüstet wurden. Eben aufgrund der Problematik, dass man einen Konflikt nicht auf Europa beschränken kann. Zudem haben Raketensprengköpfe eine so große Sprengkraft, das man im dicht besiedelten Europa gar keine zivilen Opfer ausschließen kann, was die Brisanz des Einsatzes noch erhöht. Ich habe in den Achtzigern „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen“ von Hoimar von Ditfurth gelesen. Er malte nicht nur die Folgen eines Atomkrieges aus (Stichwort: Nuklearer Winter“ sondern deckte auch die Unsinnigkeit auf. Eine Organisation wollte die Folgen bestimmen. Sie verteilte zuerst die Atomsprengköpfe auf alle militärischen Einrichtungen. Doch es waren zu viele. Dann bekamen auch noch Städte der beiden Päkte einen Sprengkopf – die meisten saßen auf Raketen und die kleinsten hatten eine Sprengkraft von 300 kt, zwanzigmal mehr als die Hiroshima Bombe mit entsprechendem Radius, wo alles zerstört ist. Die machen bei verhältnismäßig kleinen Zielen wie Kasernen sowieso keinen Sinn nur um das Militär anzugreifen. Doch auch das reichte nicht aus, um alle Sprengköpfe zu verbrauchen. Schließlich verteilten sie Sprengköpfe auf alle Städte der Welt. Das Ergebnis: Es gab damals so viele Atomsprengköpfe, dass man pro Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern mindestens einen einsetzen würde, bei mehr Einwohnern entsprechend mehr. Auf meinen Wohnort bezogen bedeutet, dass ich 5 km vom nächsten Ziel entfernt wohne und 12 km vom nächsten Ziel, auf das gleich sieben Sprengköpfe entfallen wären. Erobern kann man da dann nichts mehr. Denn man beginnt ja, wenn man nicht wahnsinnig ist und Lebensraum im Osten sucht keinen Krieg um Land zu gewinnen, das dann menschenleer ist und jegliche Infrastruktur aber auch Wohnungen und Industrie zerstört. Man will ja die Menschen, ihre Arbeitskraft und die industrielle Kapazität. Aber ich schweife ab.

Das Grundlegende ist, dass man beim Einsatz von Atomwaffen keine Gegenrechnung aufmachen kann wie bei konventioneller Rüstung. Also wie viel Militär brauche ich, um mit dem Gegner mithalten zu können. Daher streben ja viele Länder an Atommacht zu werden, die sich von den USA bedroht fühlen. Es ist ein wirksamer Schutz, mehr als jede Armee, denn selbst Nordkorea bei der ein großer Teil der Bevölkerung in der Armee ist hätte konventionell keine Chance gegen die USA. Dazu reichen aber wenige Sprengköpfe. Nach der Statistik liegen die USA und Russland mit jeweils rund 6500 Atomwaffen weit vor dem nächsten Land, China mit 300 Sprengköpfen. Diese Erkenntnis scheint sich aber nicht zu Puttin und Trump herumgesprochen zu haben. Nehmen wir mal an, beide Nationen würden auf die 300 Sprengköpfe abrüsten, die China heute hat. Jeder hat die mehrfache Sprengkraft eines Hiroshima Sprengkopfs. Der tötete in einem Kreis von 2 km Druchmesser 59 Prozent der Menschen. 70.000 waren es in Hiroshima. Ein 300 kt Sprengkopf dürfte einen Kreis von 12 km Durchmesser genauso zerstören wie der 2-km-Kreis der Hiroshimabombe. Man muss nur mal 300 Kreise mit 12 km Durchmesser über die Großstädte USA legen und man wird darauf kommen, das so ein Großteil der Bevölkerung stirbt,, schlussendlich haben die Metropolen der USA eine höhere Besiedlungsdichte als Hiroshima, wo es keine Wolkenkratzer gab. New York hat eine Bevölkerungsdichte von 10.800 Einwohner/km. Ein 300 kt Sprengkopf würde dann rund 720.000 Opfer erfordern. Aber auch die industrielle Kapazität würde auf nahezu Null sinken, von den Folgen für das System ganz zu schweigen. Gesundheitssystem, Versorgung, alles würde zusammenbrechen.

Und die Großmächte haben aber nicht 300, sondern zwanzigmal so viele Sprengköpfe. Da erneut aufzurüsten macht keinen Sinn. Doch kapieren tun dies wohl weder Trump noch Puttin. Die Antwort des Kremls war ja das Trump Russland in einen Rüstungswettlauf zwingen will, der zum Staatsbankrott führt – wie in den Achtzigern Reagan. Man muss nur so dumm sein, drauf einzugehen. Wenn Puttin schlau ist, geht er nicht drauf ein, denn schon durch die bestehenden Atomsprengköpfe ist Russland geschützt, selbst wenn sie konventionell unterlegen sein sollten, was nach der Abrüstung nach Ende des Kalten Kriegs ja auch der Fall ist. Das Spiel geht ja nicht nur in eine Richtung. Die Rüstung zur Reagan Zeit hat auch die Staatsverschuldung der USA in die Höhe getrieben. Sie hat sich in seiner Regierungszeit verdoppelt und die ist seitdem noch angestiegen. In den letzten Jahren gab es mehrere Situationen, in denen Staatsangestellte in unbezahlten Urlaub geschickt wurden, weil durch Gesetz sonst der Staatsbankrott drohte und sich Demokraten und Republikaner sich gegenseitig blockierten. Rosig stehen die USA also nicht da.

Ein intelligenter Präsident, egal auf welche Seite, würde wohl abrüsten – atomar und konventionell. Aber das führt zum Eingang zurück: Die Leute wählen keine intelligenten Menschen in Führungspositionen. Ein besonderes Misstrauen scheint da die Bevölkerung der USA zu haben, denn wenn ich mir die letzten 50 Jahre anschaue, so haben sie vier Präsidenten gewählt, die für dieses Amt völlig ungeeignet waren oder von ihm intellektuell überfordert waren: Nixon, Reagan, George W. Bush jun., Trump. Schlimmer noch: Die ersten drei wurden jeweils wiedergewählt! Trump toppt aber alles. Sein letzter Spruch, heute nach dem Anschlag auf die Synagoge in Pittsburgh: Man sollte bewaffnete Männer in Gottesdienste bringen. Muss ich dazu noch was sagen?

30.10.2018: Die Space Force

Ich habe es zuerst nur zur Kenntnis genommen, die Ankündigung von Donald Trump eine Space-Force einzurichten, ein eigenständiger Teil der Streitkräfte. Fast alle ersten Reaktionen waren negativ, nicht nur von den Demokraten, sondern auch von Parteikollegen, ja selbst von den Streitkräften selbst. Das änderte sich als Trump sagte, „na gut, wenn die Air Force sich nicht dabei beteiligen will, dann werden sich andere finden...“. Da war dann die USAF dann doch interessiert.

Ich dachte mir, ich warte mal ab, was draus wird. Vieles hat ja Trump angekündigt und nicht umgesetzt so die Mauer zu Mexiko. Allerdings stationiert er jetzt 5.200 Soldaten an der Grenze, was angesichts von 3.144 km Grenze rund ein Soldat alle 600 m ist. Da war der Limes in der Antike besser bewacht: ein Turm alle 600 m mit 8 Mann Besatzung und dazu noch in regelmäßigen Abständen Kastelle mit 500 bis 1000 Mann berittener Eingreifstruppe.

Auf der anderen Seite hat er viele seiner blödsinnigen Ankündigungen umgesetzt, wie die Strafzölle gegen China und die EU. Also eine Chance, das die Space Force kommt bestand.

Einige Monate später ist man schlauer: Sie kommt und sie wird 12,9 Mrd. in den den ersten fünf Jahren kosten. Die Space Force ist zuerst mal in der ersten Phase vor allem eine Streitkraft, die am Boden arbeitet. Also dazu gehören Dinge, die es schon lange gab wie Weltraumüberwachung, Raketenabwehr. Es gibt allerdings ein Proposal, das weitaus weiter geht und offensichtlich mehr nach Trumps Geschmack ist. Demnach kann man den Begriff Space Force wirklich wörtlich nehmen. Es soll eine im Weltraum stationierte Streitkraft entstehen. Konkretes gibt es noch nicht aber eine Auflistung der Aufgaben:

Vieles ist noch nicht konkret, aber einige Punkte sind schon relativ sicher. So wird es eine militärische Station im erdnahen Raum geben, wahrscheinlich auf einer sonnensynchronen Umlaufbahn. Später vielleicht eine zweite im geostationären Orbit. Dafür spricht, das Bigelow nun wieder anfängt, Personal einzustellen. Die aufblasbaren Stationen von Bigellow bieten vor allem viel Raum. Den braucht man, wenn man die Experimente in festen Racks hat, wie bei der ISS nicht, aber in dieser Raumstation sollen Satelliten zusammengebaut, repariert und umgerüstet werden. Da ist viel Platz nötig. In der ersten Phase sollen bestehende Satelliten „gehärtet“ werden. Dazu werden sie mit Schutzschilden gegen Laser ausgestattet werden, sofern möglich. Daneben stehen Wartungen und Reparaturen für die Space Force an, wie das Auffüllen des Treibstoffs, Ersetzen von Elektronik und Batterien. So soll die Betriebsdauer verlängert werden, es könnten auch Satelliten „upgraded“ werden z.B. bessere Sender mit höherer Datenrate oder neue Instrumente erhalten.

Langfristig denkt das Militär daran, Satelliten in der Station zu montieren. Verlockend sind vor allem Kostenersparnisse: Derzeit muss ein Satellit so konstruiert werden, dass er die enormen Belastungen beim Start, das ist, nicht nur die Beschleunigung, das ist auch das Durchschütteln beim Start und der Lärm von bis zu 140 db aushalten und das auch bei empfindlichen Strukturen wie Optiken. Eine Montage im Weltraum würde mit einem Raketenstart nur noch den Grundkörper starten und Ausleger und empfindliche Teile mit der Besatzung zur Station bringen und dort montieren. Selbst die Fertigung vor Ort wäre mit 3D-Druckern nicht undenkbar. Das könnte die Entwicklung deutlich preiswerter machen und wenn ein Satellit nicht richtig funktioniert, kann er immer noch repariert werden.

Bei sich verschlechternden Beziehungen könnten die „Astronauten“ dann auch fremde Satelliten kapern. Da sich selbst bei Russland und China etabliert hat, dass man Bussysteme die von der USAF entwickelt wurden, übernimmt wie das MIL-STD 1553 Busprotokoll und Steckersysteme, die kommerziell genutzt werden, wie PCI kann man heute einen chinesischen Satelliten übernehmen, indem man z.B. die Platine mit dem Verschlüsselungsmodul auswechselt. Dann kann die eigene Bodenkontrolle weder die Daten des Satelliten entschlüsseln, noch ihn steuern. In der Praxis wird es nicht so einfach gehen, dazu wird man wohl über Spionage etliche Details noch herausfinden müssen, aber die Space Force behält das Thema im Auge.

Zumindest machen in der Hinsicht etliche Ankündigungen der letzten Monate Sinn. Blue Origin mit der Ankündigung der Entwicklung der „New Armstrong“, obwohl ja schon die „New Glenn“ zu groß für die meisten heutigen Nutzlasten ist. Dann SpaceX mit der Aufgabe der Falcon heavy, die gerade erst geflogen ist zugunsten einer BFR mit 1.000 m³ Raum für Fracht und Passagiere – das ist in etwa der Raum, den ein Jumbo-Jet in der Kabine hat – also viel zu viel für nur einige Passagiere. Wenn man allerdings viele Soldaten ins All transportieren will, sieht es anders aus.

Dann hat die Air Force 2,2 Mrd für die Entwicklung von drei Raketen ausgegeben. Deren Nutzlast weit über dem ist, was heute benötigt wird: 967 Millionen für die Vulcan mit 35 t LEO Nutzlast, 791 Millionen für die Omega mit 10,1 t GTO Nutzlast, was auch auf 30+ t in den LEO rausläuft und 500 Millionen für die New Glenn mit 45 t in den LEO. Die Falcon Heavy wird nur deswegen nicht gefördert, weil es sie schon gibt. Zwei der Träger will man dann auch weiter fördern. Die Dritte wird wohl auch gebaut werden, so haben es die drei Firmen zumindest gesagt. Es muss also den Bedarf für diese Träger geben und der kommt nicht aus dem Bereich Forschung oder kommerzielle Nutzung des Weltraums. Eine militärische Raumstation die sog groß ist das man Satelliten dort reparieren und zusammenbauen kann, aber schon. Wenn SpaceX ihre Falcon Heavy aufgibt, obwohl sie von den vier Trägern der mit der höchsten Nutzlast ist und dafür die BFR mit noch höherer Nutzlast und vor allem Manschaftstransportkapazität entwickelt, dann sieht man, wohin die Reise geht.

Ob sich das China gefallen lässt? Es gibt ja auch dort Pläne für größere Raketen. Eine Lange Marsch 9 auf Basis der Module der Langen Marsch 5 mit kryogener Zentralstufe und 130 t LEO-Nutzlast soll als nächstes entwickelt werden. China hat in den letzten Jahren immer mehr gestartet. Dieses Jahr schon 31, die USA inklusive kommerzieller Starts nur 25 und Russland gar nur 12. Russland hat wohl nicht die Kapazitäten da dagegen zu halten. Zudem lobt Trump ja auch Puttin über den Klee.

Es gibt trotzdem noch etliche offene Fragen. Die offensichtlichste – ob der Vorschlag nach den nächsten Präsidentschaftswahlen 2020 nicht wieder in der Versenkung verschwindet. Schon die Trägerentwicklungskontrakte laufen bis 2024 zum Space Segment wird es erst danach kommen, das setzt voraus das Trump wiedergewählt wird. Selbst dann könnte der nächste Präsident diesen Teil, der erheblich teurer als das terrestrische Segment werden soll, das bis 2020 stehen soll, wieder einkassieren. Die Sinnhaftigkeit ist eine andere Sache. Man wird zwar vielleicht beim Bau von Satelliten Geld sparen, aber dem stehen die kosten für die Station, Starts und deren Betrieb entgegen. Das dürfte sich meiner Meinung nach nur lohnen, wenn es viel mehr militärische Satelliten als heute gibt. Aber vielleicht wird auch da noch aufgerüstet.

Ronald Reagan hat, so seine Berater praktisch nicht gelesen, weshalb man überging im Sachverhalte per Film beizubringen. Ob Trump auch so tickt? Wenn ja dann wette ich hat er die Idee aus James Bond – Moonraker. Dort gibt es ja auch Astronauten im Weltall, die Krieg führen ….

1.11.2018: Hitparadennachlese und was prägt meine Zugehörigkeit?

Ich hatte ja mal aufgerufen, den Titel Telstar in die SWR1 Hitparade zu wählen. Ganz geschafft habe ich bzw. die Blogleser es nicht. Es ist Platz 1121 geworden, ab 1030 wurden die Titel fünf Tage lang gespielt. Ich bin trotzdem zufrieden. Dahinter sind etliche bekanntere Titel wie Bad von Michael Jackson oder Super Trouper von Abba.

Mir wurde schon klar, das diese Hitparade, wie zum Teil schon die Letzte, anders läuft als die vorherigen. Bedingt durch das Internet können sich Fangruppen absprechen bestimmte Titel zu pushen oder Gruppen zu pushen. Die Hitparade war schon immer rockiger als das SWR-Programm, das zumindest zu der Zeit, in der die meisten Radio hören, also tagsüber bei der Arbeit, beim Nachhausefahren oder Frühstück vor allem weichgespülten Pop spielt. Musik, die man nebenbei hören kann und die einen nicht ablenkt. Aber diesmal war schon auffällig, wie viel Hardrock und Heavy Metall drin war. Selbst in den Top 100 habe ich Titel zum ersten Mal gehört so Suppers Ready auf Platz 53. Ich finde das nicht schlecht. Dauernd wäre es mir zu eintönig, aber 5 Tage lang ist es okay. Meine gern gehörten Musikrichtungen Disco und Reggae waren kaum vertreten.

Das Pushen war erlaubt. Es gab ja sogar die Initiative vom Sender das Gruppen gemeinsam eine Liste abgeben und so ihre Stimmen sammeln. Mit Facebook-Gruppen, die nach einem Interview zufolge mehrere Tausend Posts pro 24 Stunden haben, kann man dann natürlich viel mehr Leute mobilisieren, als ein kleiner Blog, den nur Hardcore-Raumfahrtkenner besuchen. Der Sender hat selbst einen Titel gepusht und in den Wochen vorher die Nummer 14 „Zu Asche zu Staub“ dauernd gespielt immer mit den Hinweis, dass man ihn in die Hitparade wählen kann. Mein Geschmack ist es nicht, klingt mit dem Akzent irgendwie nach Zarah Leander.

Vielleicht probieren wir es nächstes Jahr noch mal und wer bei Facebook & Co aktiv ist, macht vielleicht dort Werbung und wir schaffen die Top 1000, vielleicht sogar die Top 500. Den Titel können wir gemeinsam festlegen. Er sollte etwas mit Raumfahrt zu tun haben, und nicht von alleine in den TOP 1000 sein, also nicht Space Oddity (Platz 201) oder Major Tom (277). Aber Fly me to the Moon (1647) ginge. Postet mal hier Vorschläge. Ich sammele die und stelle sie im nächsten September zur Wahl.

Mein zweites Thema habe ich auch aus der Hitparade. Dort kommen auch Titel, die sonst nie kommen. Titel mit Dialekt. Irgendwie ist der unbeliebt, außer vielleicht der Dialekt von Niedeken. Platz 52 war die inoffizielle Württemberger Hymne „Preisend mit viel schönen Reden“. Das vertone Gedicht von Eduard von Mörike stammt aus einer Zeit, die gar nicht mal so lange her ist. Es spielt zwar 1495 doch auch, als er 1818 es schrieb, war Schwaben noch das Armenhaus Deutschlands. Die Böden geben nicht viel her. Nicht umsonst wird auf den Fildern, auf denen ich lebe, traditionell Filderkraut angebaut. Zwei Gebirge belegen einen guten Teil der Fläche des Landes und Bodenschätze gibt es auch keine. Der Rhein war vor seiner Begradigung auch erst nach der Landesgrenze schiffbar. Aber der Schwabe war schon damals loyal. Daran hat sich nicht mal so viel geändert. 1848 gab es in Baden Revolution, aber nicht in Württemberg.

Baden hat auch seine Hymne die schaffte Platz 20. Sie Badener sind deswegen höher platziert, weil es in den Top 10 nämlich noch zwei inoffizielle Schwabenhymen gab: Platz 9 „Mir im Süden“ und Platz 5 „Der Hafer und Bananenblues“. Das Letzte ist eigentlich kein echtes Lied, sondern ein Song aus dem Werbefernsehen, als es da zwischen den Spots noch kleine Sketche gab. Aber der Blues passt zu den Schwaben. Er hat so klagende Töne und passt zu einem Volksstamm, der immer meckert und ein eigenes Wort „Bruddeln“ dafür hat. Nicht umsonst hat Wolle Kriwanek der als erster mit schwäbischen Songs in den Siebzigern Erfolg hatte vor allem Bluessongs gemacht. (Herbertstroß, Straßaboah). Auch im aktuellen Glücksatlas belegt Württemberg Platz 11, das daneben liegende Baaden dagegen Platz 6. Dabei geht es den Schwaben objektiv nicht schlecht. Hier gibt es die höchsten Pro-Kopf-Einkommen, die nach Bayern niedrigste Arbeitslosenzahl, aber der Schwabe ist per Se unzufrieden, sonst hätte er ja keine Antriebskraft, die für seinen sprichwörtlichen Fleiß nötig ist. Nicht überraschend – schaut man sich die Subcharts an so sieht es bei „Wohnen und Freizeit“, „Einkommen“ und „Arbeit“ viel besser aus – Platz 2+3. Auch bei der Aufteilung gibt es Überraschungen. Die Männer sind wesentlich zufriedener (7) als die Frauen (14) und beim Alter wird es immer schlimmer je älter man wird. Bei den über 65-Jährigen kommt man auf Platz 16 – da gibt es wohl noch die meisten Schwaben und die wenigsten Zugewanderten.

Mit drei „regionalen“ Liedern verteilen sich natürlich die Stimmen. Es gäbe noch mehr inoffizielle Schwabenhymnen. Auf Platz 351 hat sich noch die „Schwabenhymne“ von Rock und Rollinger platziert. Ich kenne noch zwei weitere. Sei alle haben eine Gemeinsamkeit: sie brechen regionale Identität auf zwei Dinge herunter, die ich niemals als wichtig einstufen würde. Die Erfolge eines regionalen Fußballvereins (VfB) und die Qualität von im Land gebauten Automobilen.

Es gibt ein Buch aus den Siebzigern Jahren, das zumindest hier ein regionaler Bestseller war „Deutschland deine Schwaben“. Da hat der Stuttgarter Schriftsteller Thaddäus Troll in zahlreichen Kapiteln das Thema aufgerollt. Also was zeichnet den Schwaben aus, was unterscheidet ihn von anderen Deutschen? Er hat das umfassend getan über Geschichte, Geografie, Charaktermerkmale, Erziehung, Religion und Sprache. Im wesentlichen sind es aber nichts anderes als die Unterscheidungsmerkmale eines Volkes. Nur eben regional heruntergebrochen. Ich glaube kaum, das jemand, wenn er gefragt wird, was ihn als Deutscher auszeichnet die Erfolge der Nationalmannschaft oder die Qualität deutscher Automobile zitieren würde. Das zeigt schon, wie sich die Zeit verändert hat.

Ich bin Schwabe und ich habe viele schwäbische Eigenschaften. Ich dachte zumindest sprachlich wäre ich, nachdem ich in den letzten Jahren ja vor allem in Unis und großen Betrieben unterwegs war, inzwischen beim Hochdeutsch angekommen, doch die Originaltöne von mir im Interview des Deutschlandfunks haben mich eines besseren belehrt. Dabei hat mich in meiner Jugend mein Onkel immer getriezt, weil ich angeblich hochdeutsch gesprochen habe. Andererseits bescheinigte mir noch vor einigen Jahren, als ein Professor mal meine Entwürfe für Bewerbungsschreiben durchsah, das ich „schwäbisch schreibe“. Ich weiß allerdings bis heute nicht, was er damit meinte.

Was sind Abgrenzungsmerkmale zu anderen Volksgruppen? Das Auffälligste ist ja der Dialekt. Wobei es ja nicht den Dialekt gibt. Auf der schwäbischen Alb wird wieder etwas anders gesprochen als hier im Stuttgarter Raum und er endet nicht an den Landesgrenzen. Schwyzerdütsch klingt wie eine Karikatur des Schwäbischen, ich verstehe es aber immerhin noch, während man bei 3SAT Original-Schwyzerdütsch-Ton mit deutschen Untertiteln unterlegt. Ebenso spricht man im Allgäu, wo ich mein Ferienhaus habe, Schwäbisch mit leichten Lautverschiebungen. Der Dialekt ist verräterisch und an ihm kann man Schwaben erkennen, selbst wenn sie sich bemühen Hochdeutsch zu sprechen. Daher hat die Landesregierung ja mal vor einem Jahrzehnt bei iner PR-Kampagne den Slogan ausgegeben „Wir können alles außer hochdeutsch“. Der Spruch ist heute noch gegenwärtig und ist der bekannteste Länderslogan. Eine Eigenheit, das "St" oft als "scht" auszusprechen, ist kaum zu verlernen. Niemand den ich kenne sagt „Stuttgart“, sondern „Schtuttgart“. Echte Schaben übrigens „Schtugert“. Damit fällt der Schwabe in fremden Umgebungen auf und dann meist auch seine anderen Charaktereigenschaften. Die Vorliebe für Reinlichkeit, die berühmte Kehrwoche, die vor allem in Berlin unangenehm auffällt, wo alles verdreckt sein muss. Der Fleiß, der wohl darin begründet ist das, wie schon geschrieben das Land früher nicht reich war. Man musste hart arbeiten und (dritte Eigenschaft) sparen. Seit der Industrialisierung gilt das nicht mehr und der Fleiß ist zur Quelle des Reichtums geworden. Seitdem hat er nichts mehr mit Armut zu tun sondern mit Erziehung, wozu auch der hier ansässige Protestantismus gehört der von Calvin mitgeprägt ist und bei dem man anhand des wirtschaftlichen Erfolgs erkennen kann, wie gottgefällig jemand gelebt hat. Ich denke aber diese „typisch schwäbischen“ Eigenschaften schleifen sich ab genauso wie die „Typisch deutschen“ in dem Maße, in dem sich die Bevölkerung vermischt. Sowohl innerhalb Deutschlands wie auch international. Sie sind im Prinzip anerzogen und auch die Erziehung ändert sich. Schon der Dialekt findet man bei Jugendlichen allenfalls noch im ländlichen Raum, von der schwäbischen Alb. Das Gleiche gilt wohl auch die anderen Eigenschaften. Genauso werden schwäbische Gerichte von Pizza und Co verdrängt. Es gibt ja in jeder Volksgruppe mindestens ein Gericht das gewöhnungsbedürftig ist in dem Sinne, das es nicht einfach schmeckt, sondern man durch Erziehung den Geschmack lieben lernen muss. Bei uns wären das wahrscheinlich saure Nierle, wahrscheinlich wären für die meisten Bundesbürger auch Linsen mit Spätzle gewöhnungsbedürftig. So was gibt es auch woanders wie im Norden der Labskaus oder in Rheinland-Pfalz der Saumagen.

Was signifikant länger Bestand als Eigenschaften eines „Volksstamms“ hat, sind Vorurteile. Das sieht man auch z.B. dass nach fast 30 Jahren noch nicht der Gegensatz Deutschland-Ost ↔ Deutschland West aus den Köpfen verschwunden ist. Auch Katzelmacher beweist das, indem er den Dialekt als piefkig bezeichnet. Johann Gottfried Piefke war ein für die damalige Zeit relativ großer (1,90 m) Militärmusiker der die Siegesparade nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg anführte. Seitdem nannten die Österreicher alle Preußen Piefkes und haben das später auf ganz Deutschland ausgedehnt. Ich vermute mal Katzelmacher kommt aus Österreich. Klar, wenn man eine etwas laschere Einstellung zu Eigenschaften wie Pflichtbewusstsein, Fleiß, Sparsamkeit hat, dann fallen die Schwaben schon auf und wenn man sie schon nicht beim wirtschaftlichen Erfolg schlagen kann, dann assoziiert man eben andere negative Eigenschaften mit ihnen.

3.11.2018: Kanzlerin auf Abruf – Keine Zukunft für die Volksparteien

Nun hat ja Merkel endlich reagiert und tritt nicht mehr als Parteivorsitzende an und will 2021 auch nicht mehr als Kanzlerin antreten. Manche sagen na endlich, bedauern tut es außer Horst Seehofer keiner. Das sagt eigentlich schon alles. Ich denke er bedauert das, weil er wohl keinen Nachfolger/in bekommen wird, mit dem er so verfahren kann wie mit Merkel. Wie hat er sie vorgeführt. Nicht nur in den letzten Monaten mit angedrohtem Rücktritt, Ankerzentren, Obergrenze, Abkommen über Rückführung und zuletzt die Affäre über Maaßen. Aber das war nur der Abschluss. Er hat in der Vergangenheit immer durchgesetzt, was er wollte. 2013 die Maut von der Merkel in einer Fernsehdiskussion, dem typischen Duell kurz vor der Wahl, sagte das sie, das es die Maut mit ihr nie geben würde und er steht nur stellvertretend für die CSU-Minister, die allesamt sich durch Inkompetenz oder industriefreundliches Verhalten auszeichnen.

Ich hätte schon längst die Nullen gefeuert, den Seehofer als allerersten. Aber Merkel feuert nicht. Ich kann mich an keine Regierungsumbildung erinnern, die bei Kohl noch so häufig waren. Wenn jemand gehen musste dann tat er das selber, wie Guttenberg.

Seehofer hat es fertiggebracht, dass man praktisch vom Beginn der Koalition bis jetzt nach außen hin nur von internen Diskussionen gehört hat und die Groko nur noch als Dauerstreit wahrgenommen hat. Wenn Merkel es nicht fertigbringt, so jemanden aus dem Kabinett zu schmeißen, dann sollte sie selbst gehen. Denn dann hat sie ihr Kabinett nicht mehr im Griff.

Schade ist es nicht, denn mein Eindruck von Merkel ist, das sie in den 13 Jahren eigentlich nur Tagespolitik gemacht. Krisen bewältigt, Kompromisse gesucht. Das ist wichtig und auch das tägliche Geschäft. Ich erwarte aber von einem Kanzler das er auch die Dinge angeht, die nicht aktuell anstehen, aber für die Zukunft wichtig sind. Da gäbe es einiges. Noch immer wurden, seit es die Bundesrepublik gibt, nur Schulden gemacht. Nun wäre es Zeit, mal auch welche zurückzuzahlen. Das Gesundheitssystem muss dauerhaft finanzierbar bleiben und es muss Schluss sein mit dem Zweiklassensystem von privat- und gesetzlich versicherten. Schlussendlich bleibt die Rentenproblematik erhalten, nämlich das es zu wenige Einzahler und zu viele Bezieher gibt. Schröder hat ja schon mal einen Versuch unternommen, dass man privat vorsorgen soll. Es wäre an der Zeit das Probleme anzugehen. Mit „privat“ Vorsorgen erreicht man ja nur die Besserverdienenden. Mein Vorschlag wäre ein Staatsfond der breit investiert und der auch Gewinne erwirtschaftet. So was soll es in den skandinavischen Ländern geben und dort soll es auch funktionieren. Dann gäbe es noch die Klimawende, die typisch für Merkels Politik ist: Versprachen und nicht ahlten. Als sie 2005 gegen Schröder antrat, kündigte sie an die Ökoumlage abzuschaffen. Hat sie nicht gemacht. Aber weitere Schritte zum Klimawandel auch nicht. Noch immer wird die Kohle protegiert, die Automobilindustrie hat sie als treuen Verbündeten, wenn es um die Festlegung niedriger europäischer Grenzwerte geht. Dann gäbe es noch das Dauerproblem Bildung das sich nicht nur auf die „Digitalisierung2 beschränkt, sondern weiter geht. Schön wäre es, wenn man mal bundesweit Abschlüsse und Mindestanforderungen vereinheitlicht, sowohl bei der Schule wie auch im Studium. Viele Wege zum Abschluss sind ja schön, aber die müssen die gleichen Standards erfüllen.

Kurzum: ich brauche keine Kanzlerin, die die Industrie vertritt und nichts tut. In einem Beitrag über Lindner auf Phoenix ging es auch über die Sondierungsgespräche, die ja dann platzten. Merkel wird beschrieben, als jemand der keinen Plan hat, was sie eigentlich möchte und meinte, wenn man einen Satz umformuliert, der ein Wort enthält, das FDP oder Grünen nicht passte, das Problem wäre gelöst, aber in der Sache eben keine Kompromisse machte.

Was die Entscheidung Merkels allerdings brisant macht ist, dass sie den Parteivorsitz abgeben möchte, aber Kanzlerin bleiben möchte. Das hat bisher noch nie geklappt. Helmut Schmidt hat es bedauert, das er nicht den Partievorsitz hatte, denn die Wende kam ja nicht nur durch die FDP, sondern auch Teile der SPD waren nicht mehr von seiner Politik überzeugt und Willy Brand war die Opposition in der eigenen Partei – und Parteivorsitzender. Sie selbst hat ja Schröder kritisiert, als er 2004 den Parteivorsitz abgab. Und in der Tat hat Schröder nur eine Neuwahl gemacht, weil die eigene Partei ihn nach verlorenen Landtagswahlen aufgrund der Harz-IV Reformen dazu gedrängt hat. Als Kanzler hätte er sich ja auf seiner Mehrheit im Bundestag ausruhen können.

Wenn man demokratisch denkt, so ist es sinnvoll, wenn verschiedene Personen verschiedene Ämter haben, schon alleine wegen der Arbeitsbelastung dieser Spitzenämter. Sonst weiß man auch nicht ob Merkel nun gerade Politik als Kanzlerin oder Partievorsitzende macht. Das sollte getrennt sein. In der Praxis funktioniert es aber nicht, weil man dann noch einen mehr am Tisch hat, der mitentscheiden will. Dann muss CDU Politik also nicht zwingend das sein, was Merkel will. Vor allem wenn sich Spahn oder Merz als Nachfolger durchsetzen.

Stand jetzt wird es sicher keine Neuwahlen geben. Zu viel haben CDU und SPD in den letzten Monaten verloren, bei zwei Landtagswahlen jeweils 10 Prozent. Es würde vielleicht nicht mal mehr für eine neue Koalition reichen, die dann auch nicht mehr eine große wäre. Aber mit jemanden als CDU-Parteivorsitzenden, der ja dann wahrscheinlich auch der nächste Kanzlerkandidat werden möchte, im Nacken wird das Regieren schwierig, denn der wird sich profilieren wollen und das geht am besten, wenn man sich von Merkel politisch distanziert. Ich glaube daher nicht, dass Merkel einmal die Vertrauensfrage stellen wird oder sich einem Misstrauensvotum stellen muss, aber ich glaube nicht, dass sie die drei Jahre noch übersteht und vorher zurücktritt. Auch um aus Parteidisziplin dem Nachfolger den Weg freizumachen, der dann mit dem Kanzlerbonus starten kann.

Was die letzten Wahlen aber auch zeigten ist das das System Volkspartei verfällt. Wir hatten ja schon mal eine Demokratie. Die Weimarer Republik. Die war von zwei Dringen geprägt. Zum einen von Parteien mit ideologisch verfestigtem Programm, ohne das es Kompromisse geben kann, wie KPD auf der einen Seite und NSDAP auf der anderen. Zum anderen von Parteien, die nur bestimmte Bevölkerungsgruppen vertreten. Es gab eine Partei für Katholiken, für die Bauern und – das hat sich bis heute erhalten – eine nur für Bayern. Im ersten Parlament der Bundesrepublik gab es noch neun Parteien und einige sonstige Abgeordnete. Das hat sich durch die 5-Prozenthürde und immer weniger Direktmandaten dann reduziert und 1953 waren es noch fünf und seit 1957 drei Parteien. Das war das System der Volksparteien, die nicht mehr krass links oder rechts ausgerichtet waren, sondern eben gemäßigt und mit dem Bestreben, möglichst große Gruppen zu vertreten. Die SPD mit der Ausrichtung „mehr links“, also Politik, die mehr ihrem klassischen Klientel den Arbeitern und sozial nicht so gut gestellten entspricht und die CDU, die wie ihr Klientel das Bürgertum vor allem konservativ denkt. Dazwischen die FDP, die nominell dann für mehr Freiheit steht.

Das ging so fast 30 Jahre gut, bis die Grünen einzogen. Die Grünen etablierten sich als neue Spartenpartei, für alle, denen Umweltschutz wichtig war. In den ersten Jahren ziemlich radikal, auch wenn sie nun ziemlich bürgerlich geworden sind. 1990 dann zuerst die PDS als Nachfolge der SED, dann die Linke als Sammelpunkt aller, denen die SPD inzwischen nicht mehr links genug war. Sara Wagenknecht reicht das ja nicht und sie hat nun ja schon wieder eine neue Sammlungsbewegung gegründet. Nun haben wir noch die AFD als Sammelbewegung für alle, die intolerant sind und meinen mit dem Wählen von Denkzetteln gibt es eine bessere Politik (in der Praxis wird nur das regieren und das finden einer handlungsfähigen Regierung schwieriger). Ein Programm, das über Wirtschaft und Flüchtlinge herausgeht, haben sie nach vier Jahren ja noch nicht, wie Gauland im Sommerinterview zugeben musste. Die AFD ist auch so stark, weil sie in der Wirtschaft fast die gleichen Positionen wie die FDP vertritt, die sich seit 1983 zu einer Partei entwickelt hat, in der Liberalität nur noch als Wirtschaftsliberalität interpretiert wird, also eine Politik für die Besserverdienenden macht. So gesehen wäre noch Platz für eine liberale Partei, die für mehr Freiheit steht. Mehr Freiheit bedeutet weniger Staat und zwar nicht nur im wirtschaftlichen Sinn, sondern auch bei Vorschriften im Alltag, weniger Überwachung der Bürger.

Das Regieren wird daher nicht einfacher. Denn die „Volksparteien“ hatten ja auch einen Vorteil: sie hatten relativ gemäßigte Positionen, denn der Großteil der Bevölkerung ist eben nicht extremistisch. Da fällt es leichter, Kompromisse zu schließen. Das wird mit den Linken oder AFD zumindest auf Bundesebene kaum möglich sein und entsprechend hatten in der Weimarer Republik Bündnisse auch kurze Halbwertszeiten.

Ich glaube allerdings nicht, dass es wieder zu Volksparteien kommen wird. Im Gegenteil. Es ändert sich ja auch die Gesellschaft. Es gibt immer weniger Arbeiter und das Bürgertum ist auch nicht mehr das was es wahr. Damit fallen bei SPD und CDU/CSU auch viele Stammwähler weg

Ich wage zu prognostizieren, dass langwierige Verhandlungen wie bei Jamaica die Regel sein werden. CDU/SPD mögen vielleicht noch bei der nächsten Bundestagswahl noch über 50 Prozent kommen, aber die letzten vier Wahlen zeigen, dass sie dabei laufend verlieren und das dürfte keine der beiden Partien wollen. Die SPD wollte ja in der Opposition bleiben bis Steinmeier der Führung ins Gewissen geredet hatte. Für sie selbst wäre es sicher besser gewesen, denn obwohl es den Streit in den letzten Monaten nicht um sie ging. Aber die SPD hat eben auch nicht Stellung bezogen und war für den Vorschlag Seehofers Maaßen zu befördern.

Ich glaube allerdings kaum, das mit den neuen Kandiaten für den Parteivorsitz es besser wird. Kramp-Karrenbauer vertritt die Politik Merkels. Mein Kommentar zu der Politik: siehe oben. Merz steht für radikale wirtschaftsliberale Positionen und war ja Aufsichtsratsvorsitzender bei Black Rock. Damit wäre er besser in der FDP aufgehoben als in der CDU und Spahn steht ebenfalls für Konservativismus. Waherscheinlich werden alle drei Kandidaten versuchen, am rechten Rand von der AFD Stimmen abzufischen. Mein Rat: lasst es. Zum einen zeigt die Historie, dass es nicht klappt. Das zeigte sich nicht nur bei der CSU und ihrer verlorenen Landtagswahl, das zeigte sich auch seit 1983 in dem Versuchen der SPD diie Stimmen von Grünen und Linken wieder zurückbekommen. Es hat nie geklappt. Zum Zweiten würde ich auch mal nachdenken: Ob ihr Wähler von der AFD haben wollt, die so intolerant sind, dass man sie durchaus rassistisch und fremdenfeindlich nennen kann und noch dazu so dumm, das sie diese Dumpfbacken, die nun im Bundestag sitzen, wählen nur weil sie meinen einen Denkzettel aussprechen zu müssen. Dann müsst ihr auch so hirnrissige Politik für die machen. Ihr könnt aber drauf wetten, das es dann so kommt wie in Bayern: für jeden den ihr da rechts hinzugewinnt verliert ihr zwei oder drei Wähler aus der Mitte, für die ihr nun zu radikal seid.

4.11.2018: By Bye Quarks & Co

Inder Anfangszeit meines Internets habe ich mal die Seite „Wissenschaft im Fernsehen“ verfasst. Das war so 1999. Von den Sendungen, die dort stehen, gibt es etliche nicht mehr und viele sehe ich nicht mehr. Zum einen gab es den Bruch durch mein zweites Studium, als die Zeit dann knapp wurde. Zum anderen hat sich mein Sehverhalten geändert und ich informiere mich heute mehr im Internet. Übrig geblieben ist von den sogenannten „Wissenschaftsendungen“ eigentlich nur eine Sendung: Quarks & Co. Der bin ich auch treu geblieben, selbst als der WDR das Sendekonzept geändert hat. Zuerst mit Quarks und Caspars, dann mit „Street Science“, das sie auch schnell wieder eingestellt haben. Das war im Prinzip das Befragen von Leuten in der Fußgängerzone und dann Vorführen von Experimenten, die natürlich bei dieser Umgebung auf dem Niveau von Schulversuchen bleiben. Schulunterricht als „Science“ zu verkaufen, das klappte wohl nicht.

Das Aushängeschild der Sendung war die Moderation von Ranga Yogeshwar. Auch wenn er nur stellvertretend für eine ganze Redeaktion stand, nahm man ihm ab, dass er was von dem Thema versteht und sich darin eingearbeitet hat. Nun hat Quarks & Co eine neue Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim. Ich habe mir einige Sendungen angeschaut und danach steht für mich fest, dass ich diese letzte Wissenschaftsendung nicht mehr ansehen werde. Es sind zwei wesentliche Gründe. Das eine ist, das sich die neue Moderatorin viel mehr in den Vordergrund stellt. In einer Sendung über Landwirtschaft extrem hat sie viele Hintergrundmoderationen, die sonst nur als Ansagen aus dem „Off“ kamen selbst gemacht und sich damit zum Experten über alles erklärt. Mai Thi Nguyen-Kim weiß alles. Über jede Pflanze, jede Witterung, jeden Boden. Das finde ich schon nervig. Aber wenn sie sich eingelesen hat, noch vertretbar, denn natürlich deckt Quarks & Co alles ab, nicht nur Chemie, das sollte sie als Chemikerin beherrschen. Aber zu diesem Stilwechsel kommt eben, das damit offensichtlich die Genauigkeit, die man bisher gewohnt war, verloren gegangen ist. Mir kamen schon erste Zweifel als in der Sendung parallel zur Berichterstattung über den extremen Sommer 2018 sie einen medizinischen Hanf aufgezogen. Okay, selbst sich als Laie weiß, dass man in Deutschland nur THC-freien Hanf als Nutzhanf mit einer Ausnahmegenehmigung anpflanzen darf, auch wenn man wie bei Quarks dann die Pflanze vernichtet. Schon das Aufziehen ist strafbar. Medizinischer Hanf soll dazu kommen, doch das Genehmigungsverfahren für Firmen die sich darum bewerben, läuft noch. Die ersten Genehmigungen wurden erst nach dem Sommer ab Ende September vergeben. Das bedeutet dass diese Aktion von Quarks illegal war, sie es aber als Legal verkauft haben.

Dann kamen aber die Äußerungen der „Ich weiß alles“-Expertin Mai Thi Nguyen-Kim. Demnach sollte man, wenn man drei Wochen lang täglich 300 g Möhren isst, durch das aufgenommene β-Catorin eine gelb-orange Einlagerung in die Haut bekommen, die vor Sonnenstrahlen schützt. Meines Wissens nach ist dem nicht so, und das fällt in ein Gebiet von dem Ich was verstehe. Die Aufnahme von Beta-Carotin ist gering und sie hängt eng mit dem Vitamin-A Vorräten im Körper ab, sinkt also, wenn diese gefüllt sind. Aber ich bin ja auch Wissenschaftler. Also machen wir ein Experiment, oder wie Quarks es nennen würde „Street Science“. Ich habe drei Wochen lang Möhren gegessen, insgesamt 8 kg, das sind 381 g/Tag, also mehr als die Vorgabe von 300 g. Ich habe alles getan, was ich aufgrund meiner Ausbildung als Lebensmittelchemiker über die Resorption von Beta-Carotin weiß, um die Aufnahme zu erhöhen, das heißt, die Möhren zerkleinert – größere Oberfläche, gekocht (Aufschluss der Zellwände) und zu fetthaltigen Mahlzeiten gegessen – ohne Fett keine Aufnahme des fettlöslichen Farbstoffs. Das Ergebnis: keinerlei Farbveränderung der Haut.

Also Falschbehauptung zwei.

Dann kam letzten Dienstag eine Sendung über Brot, oder soll ich sagen eine Lobeshymne über Brot. Bei Ranga Yogeshwar wäre bestimmt auch einiges über die Dinge gekommen, die nicht so positiv sind. Wie die Verbreitung von Allergien bei Bäckern aufgrund (vermutet) Enzymen aus Schimmelpilzen in den Mischungen. Allgemein war das Thema Zusatzstoffe in industriell hergestelltem Brot kein Thema und die inzwischen dort gängige Praxis, Brot zu färben wurde nur in einem Satz mal kurz erwähnt. Stattdessen neue Fehler. Das man für Roggenmehl Sauerteig benötigt erklärt Mai Thi Nguyen-Kim damit, das Roggen mehr Stärke spaltende Enzyme hat, die durch den sauren pH gehemmt werden und sonst durch den Abbau der Stärke den Teig glitschig machen würden. Aha. Das deckt sich aber nicht mit meinem Erkenntnisstand. Ich habe dann in im Belitz Grosch, der aktuellen Ausgabe, nicht der, die ich noch vom Studium habe, (es könnte sich ja tatsächlich was geändert haben), nachgeschaut und siehe da: da steht das Gleiche drin, wie das was ich noch in Erinnerung habe. Roggen hat weniger Glutene als Weizen und diese haben eine andere Zusammensetzung. Die Glutene geben dem Teig die Elastizität, ohne diese kann er die Gasblasen, welche die Hefen bei der Gärung freisetzen nicht halten und er sinkt zusammen. Der Sauerteig hat die Aufgabe, bestimmte Kohlenhydrate, die eine ähnliche, aber schwächere Fähigkeit haben, zu aktivieren, denn bei neutralem pH-Wert liefern sie keine Elastizität. Die Aussage ist also ebenfalls falsch. Mehr noch. Es gibt tatsächlich Backfehler, durch zu aktive Amylose. Dann wird aber der Teig nicht glitschig, sondern es bilden sich große Hohlräume. Ab und an erwische ich beim Einkauf auch Brötchen mit dem Fehler.

Damit hat für mich Quarks & Co die Glaubwürdigkeit verloren. Das waren drei Punkte in zwei Sendungen, die ich nachprüfen konnte. Bei anderen Themen, von denen ich nichts verstehe, kann ich das nicht. Bei Brot kann ich auch beurteilen, was die Sendung nicht erwähnt hat. Man kann ja auch die Unwahrheit sagen indem man Fakten gezielt weglässt. Die letzte Sendung von Quarks war für mich nun auch endgültig die allerletzte.

6.11.2018: Der Wirkungsgrad einer Rakete

Ich greife mal die Frage von Peter Schwarz nach dem Wirkungsgrad einer Rakete auf. Ich halte sie für unsinnig, denn, wenn ich nach einem Wirkungsgrad dahin gehend frage, wie viel Energie der Treibstoff hat und wie viel dann noch in der Nutzlast mit ihrer kinetischen und potenziellen Energie steckt, dann lasse ich eine Menge weg. So, die letzte Stufe, die ja keine Nutzlast ist, aber auch auf Orbitalgeschwindigkeit beschleunigt wird und die Raketenstufen die nicht den Orbit erreichen, aber auch auf hohe Geschwindigkeit beschleunigt werden. Wenn ich so eine Summenbetrachtung mache, kann ich auch ohne viel zu rechnen gleich den Quotient Nutzlast/Startmasse bilden und habe einen Wert, den ich als Vergleich nutzen kann.

Aber ich will mich mal auf das Spiel einlassen. Fangen wir mit der Treibstoffwahl an. Da gibt es ja etliche. Es gibt, wenn ich seltene Kombinationen weglasse als Verbrennungsträger Aluminium, Kohlenwasserstoffe, Hydrazine und Wasserstoff und als Oxidatoren Sauerstoff, Stickstofftetroxid/Salpetersäure und Ammoniumperchlorat. Einige der Substanzen stehen für ganze Klassen so kann ich bei Kohlenwasserstoffen noch zwischen Kerosin, Methan und zig anderen Kohlenwasserstoffen unterscheiden. Kurz die Zahl der Kombinationen ist riesig.

Als Chemiker kann ich es mir aber einfach machen, indem ich auf mein Wissen zurückgreife. Ich muss für eine Reaktion Bindungen aufbrechen und neue eingehen. Die chemischen Grundgesetze lehrt uns das die stärksten Bindungen entstehen, wenn die Elektronen nahe am Kern sind. Also in jeder Periode abnehmen. Weiterhin liefert die neue entstandene Verbindung eine um so höhere Energie bei der Entstehung, je höher die Elektronegativität ist. Die nimmt innerhalb des Periodensystems von oben nach unten ab und von links nach rechts zu. Da die Edelgase ausscheiden, sie sind chemisch inert, ergibt sich so als energiereichster Treibstoff die Verbrennung von Wasserstoff und Fluor. Das ist aber noch nicht technisch erprobt, ich komme aber noch zurück. Technisch erprobt ist die Verbrennung von Wasserstoff mit dem nächsten Element daneben das ist Sauerstoff. Also nehme ich LOX/LH2 als Treibstoffkombination.

Das nächste ist das Mischungsverhältnis. Für Wasserstoff/Sauerstoff habe ich die spezifischen Impulse für ein Triebwerk mit 250 bar Brennkammerdruck und Expansionsverhältnis 180 berechnen lassen. Angegeben ist jeweils das geometrische Mittel aus eingefrorenem und freiem Gleichgewicht. Den höchsten Vakuumimpuls gibt es bei einem Mischungsverhältnis von 4,8. Allerdings verbrennt dann ein Teil des Wasserstoffs nicht. Diesen Teil muss ich später bei der Masse berücksichtigen.

Das nächste in der Planung ist dann die Technik. Ich setze bei den Erststufen ein, was existiert. Das sind die Space Shuttle SSME mit 207 Bar Brennkammerdruck und einem Expansionsverhältnis von 77. Für das Oberstufentriebwerk habe ich obiges Triebwerk mit höherem Brennkammerdruck als das Vinci aber gleichem Expansionsverhältnis genommen. Das nicht nur aus Performancegründen, sondern auch weil das Vinci zu schubschwach ist und dann liegt es nahe, gleich ein Triebwerk mit staged Compustion cycle und dann geringem Gewicht pro Schub zu nehmen. Ich habe den Schub auf 750 kN festgesetzt, in der zweiten Stufe braucht man dann vier, in der dritten Stufe ein Triebwerk.

Das nächste ist die Tankmasse. Der leichteste Tank ist mangels Neuentwicklungen immer noch der Space Shuttle Tank, bei ihm wurde zumindest im LH2-Tank die leichteste bekannte Alumniumlegierung eingesetzt. Er wiegt leer 27,6 t bei rund 721,8 t Treibstoff. Es gibt aber noch Optimierungsmöglichkeiten. Zum einen hat er getrennte Tanks, man könnte einen gemeinsamen Zwischenboden einziehen. Das ist teurer, aber effizienter. Zum anderen wurde die leichte Legierung nur beim größeren LH2-Tank eingesetzt. Beide Maßnahmen bringen nach meiner Abschätzung aufgrund der bekannten Gewichtseinsparungen im LH2-Tank und den Flächen, welche die Tankdome haben, weitere 3,5 t. Dann wäre man leer bei 24 t. Ein Tank aus CFK-Werkstoffen, den man experimentell bei NASA/Boeing gefertigt hat, verspricht eine weitere Gewichtseinsparung von 30 %, dann wäre man bei 16,6 t leer.

Für meine Rakete bräuchte man acht SSME in der ersten Stufe. Jedes wiegt 3,15 t. Dazu kommt noch der Schubrahmen der typisch ein drittel der Triebwerksmasse ausmacht. Zusammen sind das 4,2 t pro Triebwerk. Das sind weitere 33,6 t. Die Treibstoffmasse von 721,8 t orientiert sich am Shuttle-ET, so gesehen modelliere ich einen Shuttle-Tank mit Triebwerken und Oberstufen.

Für die Oberstufen habe ich dann diese Strukturfaktoren einfach übernommen. Ich habe zwei Oberstufen modelliert,weil bei dieser seltsamen Betrachtung des Wirkungsgrads, bei dem man die leere Oberstufe nicht betrachtet, der Wirkungsgrad mit jeder Stufe ansteigt, weil man immer weniger Leermasse außer der Nutzlast in den Orbit transportiert. Man könnte das nun uneidlich weite betrieben, aber schon eine weitere stufe reduziert diese „Totmasse“ um 2/3. Weiterhin steigt das Gewicht der Unterstufen an, weil diese die Lasten der Oberstufen aufwenden müssen und auch mehr Schub aufbringen müssen. Realitätsnah wären daher drei Stufen.

Bahn

Ich habe für die Kombination eine LEO und GTO-Bahn simuliert. Warum GTO? Nun in dem Konzept „Wirkungsgrad der Rakete“ tauchen Verluste auf, die jede Rakete hat und systemimmanent sind. Das sind die Gravitationsverluste. Die tauchen immer auf, egal ob man eine LEO-Bahn oder eine GTO-Bahn hat. Sie machen bei der GTO-Bahn aber aufgrund der höheren Geschwindigkeit aber einen kleineren Teil der Gesamtenergie aus. Andererseits wollte ich sehen, ob die feste Masse der Oberstufe sich negativer als dieser positive Effekt auswirkt. (sie wird ja auch in den GTO transportiert, aber nicht bei der Nutzlast berücksichtigt).

Energiebetrachtung

Nehmen wir zuerst mal die Energie in der Bahn. Ich erreiche eine Bahn von 222,8 x 35.822 km und 199,1 x 200,8 km für LEO. Für die GTO-Bahn errechnet sich nach der Vis-A-Vis Formel eine Perigäumsgeschwindigkeit von 10.228 m/s im Perigäum. Dazu käme noch die geleistete Hubarbeit um 222,8 km Höhe zu erreichen, die sich zu 2,18 MJ/kg errechnet. Die kinetische Energie ist viel größer und errechnet sich nach ½ mv² zu 52,31 MJ/kg. Bei einer Nutzlast von 57.000 kg in GTO und 95.000 kg in LEO sind das dann 3105,7 GJ für den GTO und 3072 GJ für den LEO.

Die Rakete führt insgesamt 1033,6 t Treibstoff mit. Beim Mischungsverhältnis LOX/LH2 = 3,8 nehmen aber nur 876,37 t an der Reaktion teil. 1 Mol Wasserstoff liefert bei der Verbrennung mit 1 Mol Sauerstoff 286,8 kJ und die Mole wiegen zusammen 18 g, daraus errechnet sich ein Energiegehalt von 15.545 GJ. Damit hat das Gesamtsystem Rakete nur einen Wirkungsgrad von 19,7 Prozent und das ist eine echt tolle Rakete mit 57 t in den GTO bei nur 33% höherer Masse als eine Ariane 5 ECA mit einem Fünftel der Nutzlast. Bei fast gleicher Energie ist der LEO gleichwertig. Der „Wirkungsgrad“ sinkt leicht mit höherer Energie ab, da die nicht mitberechnete Oberstufe immer mehr der Gesamtmasse ausmacht. Das zeigt schon, wie zweifelhaft diese Laienbetrachtung ist.

Tune me up

Zum Schluss, außer Konkurrenz das ganze Mal mit Fluor und in einem zweiten Schritt einstufig. Beim Verhältnis 8:1 kommt man auf 4721 m/s als maximalem Impuls. Dann habe ich noch eine Stufe addiert, um die Leermasse zu reduzieren. Gleichzeitig aber den Schub erhöht, um die Brenndauer zu reduzieren.

Ich komme bei 1247,1 t Startmasse 1159,3 t Treibstoff (und 1125,3 t nutzbarem) auf 158 t Nutzlast. Mit der Bildungsenergie von HF (271,3 kJ bei Molmasse 20) errechnet man eine Energie von 15.270 GJ. Das macht bei 158.800 kg Nutzlast in eine 200 x 300 km bahn dann 5,12 GJ für die Energie die in der Nutzlast steckt dann ein Wirkungsgrad von 33,5 Prozent.

Nun zu einer letzten Berechnung. Ich finde den Ansatz von Peter Schwarz nämlich falsch. Den Wirkungsgrad einer Rakte nur auf die Nutzlast zu beziehen, ist in etwa so, wie wenn man den Wirkungsgrad eines Motors nur auf die beförderten Personen bezieht, und das Auto nicht berücksichtigt. Ich habe mit den Daten mit Fluor/LOX eine einstufige Rakete modelliert: Startmasse 771,2 t, Leermasse 49,4 t mit fest montierter Nutzlastverkleidung. Startschub 10.000 kN. Diese Rakete erreicht eine 163,8 x 200,5 km Bahn mit 52177 kg Nutzlast (da die Brennzeit nur 283 s beträgt habe ich drauf verzichtet eine kreisförmige Bahn zu modellieren, da dies bei der kurzen Brennzeit problematisch ist. Die Nutzlast beträgt 50 t. Mit der leeren Rakete sind es dann 99,4 t.

Die Bahn hat eine potenzielle Energie von 1,65 MJ/kg und eine kinetische Energie von 30,63 MJ/lg. Mit hin bei 99.400 kg Gesamtmasse eine Gesamtenergie von 3.200 GJ. Die chemische Energie in 721,8 t Treibstoff beträgt 9.507 GJ. Der Wirkungsgrad beträgt also 33,6 Prozent. Annähernd der gleiche, das hat mich erst verwundert. Doch dann sah ich auf die aufgefallenen Gravitationsverluste von 2122 m/s gegenüber 1460 m/s bei einer vierstufigen Version – bei der kurzen Brenndauer muss die Rakete zuerst sehr steil anstiegen und kann dann erst relativ spät in die horizontale umlenken, was die Gravitationsverluste erhöht. Das ist der Preis des einstufigen Konzepts. Sie sind ein wenig senkbar z.B, indem man im Schub herunterfährt. Macht man dies z.B. nach 224 s bei 4 g Beschleunigung und senkt den Schub auf 30 % des Startwerts so steigt die Masse in den Orbit auf 104,4 t an und die Verluste sinken auf 1928 m/s.

Nebenbei: der effizienteste Treibstoff, wenn er denn stabil wäre, wäre radikalischer (atomarer) Wasserstoff. Bei nur Molekülmasse 2 braucht man 436 kJ um ein Mol Wasserstoff zu spalten, das sind 218 kJ/g. Bei der Verbrennung von LOX mit LH2 werden nur 15,9 kJ/g frei. Er könnte auch genutzt werden, allerdings nur in einer Art von Ionentriebwerken, den Plasmaantrieben. Doch selbst dort greift man wegen der einfacheren Lagerung auf andere Arbeitsgase wie Ammoniak zurück.

Ein Reales Beispiel

Bisher habe ich nur theoretische Raketen verwendet. Ich will zwei reale Raketen noch durchrechnen. Das eine ist die Delta IV Heavy und das andere die Zenit. Das eine ist eine reine LOY/LH2 Rakete, das zweite eine reine Kerosin/LOX Rakete. Kerosin ist ein Stoffgemisch von Alkanen mit 10 bis 16 C-Atomen und einem mittleren Energiegehalt von 43,1 MJ/kg.

Die für die Berechnung wesentlichen Daten zeigt die Tabelle. Bei Kerosin kommt als weiteres Problem hinzu, das der Kohlenstoff auch unvollkommen mit Sauerstoff reagieren kann. Man wird bei dem Kerosinüberschuss den Wasserstoff weitestgehend zu Wasser umsetzen und den Kohlenstoff zu einem Gemisch von Kohlendioxid und Kohlenmonoxid. Das ist aber nicht genau berechenbar. Ich habe daher den Brennwert von Kerosin genommen und um das Verhältnis der unvollständigen Verbrennung (2,63 zu 1, stöchiometrisch wäre 3.477 zu 1) korrigiert.

Parameter

Delta Heavy

Zenit

Treibstoffmasse:

626,16 t

420,14 t

Treibstoffmasse, die völlig verbrennt:

608,7 t

 

Energiegehalt:

9.6723 GJ

3.944 GJ

Nutzlast LEO 200 km

28.790 kg

15.700 kg

Energiegehalt Orbit:

1,9 MJ potenzielle Energie/kg, 30,3 MJ kinetische Energie/kg

Energiegehalt Nutzlast:

928 GJ

505,5 GJ

Wirkungsgrad

9,6 %

12,8 %



© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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