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Web Log Teil 54 : 14.2.2008-21.2.2008

Donnerstag 14.2.2008: Computer-Krimskrams

Heute mal ein Eintrag weg von wichtigen Dingen, zu den banalen Sachen des Alltags. Ich möchte einfach ein paar Sachen ansprechen, die mich umtreiben. Gestern Abend durfte ich bei meinem Bruder wieder mal Pannenhilfe leisten. Sein Computer wurde immer langsamer und so bracht er ihn zu dem Verkäufer zurück mit der Bitte um Abhilfe. Was hat man dort gemacht? Eine 40 GB Festplatte eingebaut und dort Windows XP ein weiteres mal installiert.

Waahnsinn. Natürlich ist jetzt der Computer schnell, aber natürlich ist nix installiert, was mein Bruder einsetzt. Das habe damals alles ich erledigt. Also kein OpenOffice, kein Messenger, keinerlei Einstellungen bei Outlook, keinen konfigurierten Internetzugang eben absolut nix - damit konnte er dann auch nix anfangen. Also habe ich in die Boot.ini das alte Windows eingetragen und dann konnte er wenigstens wieder arbeiten. Woher die Firma eine 40 GB IDE Platte herbekommen hat würde mich auch interessieren. So was hatte mein letzter PC im Jahre 2001 eingebaut. Im Handel gibt es solche Platten schon lange nicht mehr zu kaufen.

Das grundlegende Problem ist, das mein Bruder jeden Sch.... installiert hat oder irgendwelche Tools dies getan haben. Dabei sind es Sachen die sich tief ins System einhängen wie z.B. eine Hotbar die nun an jedem geöffneten Ordner hängt und das Öffnen dessen verzögert. Einen Teil konnte ich deinstallieren, Die penetrante und Performance fressende HOTBar nicht, denn sie taucht dauernd wieder auf. Nun steht eben noch eine längere Sitzung an, in der die Reste entfernt werden müssen, wahrscheinlich mit Hilfe des neu installierten zweiten Windows, (dann kann man das Programmverzeichnis löschen ohne eine Meldung zu bekommen, das die Datei in Benutzung ist).

Dann habe ich vorgestern, auf der Suche nach einem Lied, von dem ich lange Zeit den Künstler nicht wusste, lastfm.de entdeckt. Das ist ein neues Web 2.0 Portal, das wohl als Business Ziel den Sinn hat Lieder zu verkaufen. Man kann sie dort einige Male anhören und kaufen. Web 2.0, weil die Community Empfehlungen gibt, nach dem Motto, wenn Dir X gefällt, dann könnte dir Y auch gefallen. Die Empfehlungen sind nicht schlecht. Ich bin z.B. Beatles Fan. Da gibt es als Empfehlung neben den Gruppenmitgliedern als Solo-Interpreten auch die Rolling Stones, Pink Floyd, Led Zeppelin und Who - Bis auf Rolling Stones auch Gruppen die ich gerne höre.

Nun ja, ich dachte mir, das ist doch schön, wenn man das Lied sich anhören kann, dass muss man sicher auch abgreifen können. Da gibt es ja das Programm N23Recorder, das vereinfacht gesagt, die Ausgabe abgreift und als Wave oder MP3 neu aufzeichnet. das klappt ganz gut, auch wenn der analoge Umweg, etwas dumpf im Bassbereich klingt, was natürlich auch an meinem einfachen OnBoard Sound liegen kann. Aber es ist umständlich, denn man kann nichts nebenher machen was Prozessorlast zieht oder einen Ton erzeugt und muss trotzdem mit Aussetzern durch Meldungs-Beeps und Prozessen rechnen muss, die kurzzeitig viel Systemlast ziehen.

Da dachte ich mir, "Schau mal in den Cache" und siehe da- dort findet man schon ein mit 128 KBit/s kodiertes MP3 File. Das kann man (nun kommt die Schleichwerbung!) mit meinem Programm BSE extrahieren - das ist zwar für Videos konzipiert worden, aber wenn man die Option "Auto-Detect" Movies abwählt und den Filter auf "*.mp3" abändert, dann kann man es auch dazu verwenden. Na das ist doch mal ein echter Sekundärnutzen. Nutzbar ist es bei Opera und Firefox. Beim IE wird die MP3 sofort nach dem Abspielen wieder aus dem Cache gelöscht. Beim Firefox muss man die Endung "*." belassen und bei Opera "*.mp3". Was noch bleibt ist das versehen der Dateien mit einem sinnvollen Namen - die Streams haben leider keinerlei Tag Informationen enthalten. Nach 3 oder 4 maligem Abspielen eines MP3 verweigert lastfm das erneute Abspielen, das kann man umgehen wenn man dann die Cookies der Webseite löscht.

Inzwischen ist auch die zweite Folge der Bruce Show gelaufen. Es ist wie bei der ersten. Bruce denkt sich Lösungen für Probleme aus, die Leute wohl seit Jahren haben und innerhalb von Stunden will er diese lösen. Eine Frau die sich als "graues Mäuschen sieht das sich verstecken will" muss laut "Jaaa" schreien und über eine wackelige Hängebrücke gehen. Natürlich wird sie dann wieder gedresst wobei sowohl Haarschnitt und Augen-Makeup eine verblüffende Ähnlichkeit zu vorgestern haben - haben seine Stylistinnen nicht mehr drauf? Mich würde wirklich mal interessieren ob er selbst dran glaubt, das dies WIRKLICH hilft.

Heute noch ein Musiktipp: Das Lied das ich suchte und nun gefunden habe. Interpret immer noch etwas schwammig. Beim Youtube Video steht "U2", wobei ich von U2 ganz anderen Sound gewöhnt bin und bei lastfm "Passenger". Ich dachte lange Zeit, das es David Bowie wäre, weil die Stimme mich an David Bowie erinnert. Egal, wer es gemacht hat, es ist ein tolles Lied: "Your blue Room"

Video auf Youtube:

Titel bei Lastfm.de

Freitag 15.2.2008: Besser machen und Besser wissen

Ich lese gerade wieder mal ein Buch über die Geschichte der Raumfahrt. Das auch die Ursprünge des Raketenbaus behandelt. Wie vielleicht der eine oder andere Blogleser weiß war die A-4 (oder V-2) die erste moderne Rakete und dem was in die USA oder UdSSR zu dieser Zeit fertig gebracht hatten.

Aber die A-4 war auch das Kind Wernher von Brauns und des Krieges. Das hatte zwei entscheidende Konsequenzen: Das eine war von Brauns Hang zu konventionellen, robusten Lösungen. Die A-4 hatte zum Beispiel eine tragende Hülle mit eingebetteten Ranks aus Edelstahl. Die Brennkammer verwandte 18 Einspritzköpfe, weil ein einziger großer Probleme bei der Entwicklung machte und erst vor Kriegsende fertiggestellt wurde.

Sie war auch ein Kind des Krieges was Folgen bei der Auslegung hatte. Der größte Teil der Konstruktion bestand aus Stahl, anstatt aus Aluminium, weil dieses unter Kriegsbedingungen einfacher herzustellen war. Der Treibstoff war 75 % Alkohol anstatt Kerosin. Wo es mehrere Lösungen für ein Problem gab strebte man zuerst die schneller erreichbare. So verwendeten die Triebwerke Strahlruder zur Lenkung, anstatt das man das Triebwerk schwenkte, was 17 % mehr Schub ergeben hätte. Man erprobte zuerst die Lenkung per Funkstrahl bevor man auf die zuverlässigere, aber länger in der Entwicklung brauchende Inertialsteuerung überging.

Das Resultat bei allen die, die A-4 sahen war die gleiche: Zuerst ein Erstaunen, dass andere diese Rakete bauen konnten, die doch meilenweit von dem entfernt war, was man selbst konnte. Dann aber gleich folgend: Eine Liste was man besser machen könnte wie selbstragende leichte Tanks, andere Treibstoffe, einen Gasgeneratorzyklus und schwenkbare Treibwerke.

Das ist irgendwie menschlich: Man sieht zuerst mal die Fehler bei anderen Dingen und Designs, seltener die Qualitäten. Das Buch enthüllt dann auch wie es auf beiden Seiten des Atlantiks weiter ging: Beide Nationen hatten erst mal Probleme überhaupt eine Rakete vergleichbar zur A-4 zu entwickeln. Der Weg zu noch leistungsfähigeren Raketen war gepflastert mit Rückschlägen und vielen Entwicklungsmustern. Es dauerte etwa 10 Jahre bis USA und UdSSR die V-2 Technologie deutlich übertrafen und wer sich Startlisten aus den ersten Jahren der Weltraumfahrt anschaut sieht wie viele Starts damals misslangen - 10,15 Jahre nach der A-4.

Das macht den angekündigten Start eines iranischen Satelliten so besonders. Technisch gesehen ist es heute nicht so schwierig einen kleinen Satelliten (20 kg soll er wiegen) zu starten. Der Iran verfügt über Mittelstreckenraketen die von Lorea stammen. Dazu braucht er dann noch eine oder zwei Oberstufen und eine Lenkung.

Wenn einen die Startmasse nicht kümmert kann man das sogar machen indem man einige Boden-Luft Raketen aneinander flanscht und nacheinander zündet, man muss dann nur die Lenkung so programmieren, dass die erste zuerst senkrecht startet und dann langsam in die Horizontale schwenkt. Die anderen beschleunigen dann noch geradlinig. (Man sollte nicht vergessen: Die ersten Raketen hatten keinen Computer, sie flogen ein einfaches vorgegebenes Profil).

Die Schwierigkeit besteht darin, dass selbst die einfacheren Dinge schwierig sein können, wenn man sie nicht kann. Das Starten eines eigenen Satelliten ist daher auch ein großer Schritt für en Iran, wenn auch nur ein kleiner für die Raumfahrt. Er wäre noch größer wenn die Raketen die benutzt werden vom Iran selbst stammen würden. Das ist auch die Crux in der Welt in der wir leben, die sich nicht so viel von der vor 100 Jahren unterscheidet. Damals hatten westliche Mächte Afrika und Asien unter such aufgeteilt, weil sie mit Gewehren, Kanonen und Kriegsschiffen technologisch den kolonisierten Nationen überlegen waren. Heute scheint dies nicht so zu sein. Computer, Internet gibt es auf der ganzen Welt, Waffen modernster Art können sich Ölstaaten auf dem freien Markt kaufen. Doch welcher Staat produziert diese? Was ist das modernste technologische Produkt welches Iran und andere Staaten selbst entwickelt haben? Der Iran soll wie Korea an Atomwaffen arbeiten. Ich möchte nicht den geneigten Leser enttäuschen: Aber eine Atombombe zu produzieren ist wirklich nicht so schwer. Es ist nur saumäßig teuer, wenn man dies über Gaszentrifugen macht anstatt über einen Kenreaktor der Plutonium erbrütet. In einem 1000 Euro Notebook steckt mehr moderne Technik als man für eine Atombombe braucht. Nach wie vor gibt es ein enormes Gefälle zwischen erster Welt und dritter Welt. Selbst wenn nun einige Staaten durch Bodenschätze reich geworden sind, so haben sie noch nicht den Stand erreicht mit dem sie auf dem Weltmarkt konkurrieren können. einige bemühen sich nun eine solche Industrie aufzubauen - für die Zeit nach dem Öl. Kriege wie der Irakkrieg zeigen aber auch dass in dieser technologischen Lücke eine Gefahr liegt, denn natürlich kann man von den USA nicht die neuesten Spielzeuge wie Tarnkappenbomber, GPS gelenkte Bomben und ferngesteuerte Kampfdrohnen kaufen. Es verführt dazu einen Krieg zu beginnen, bei dem die vorrausichtlichen eigenen Verluste gering sind. Den Fehler begingen die Sowjets 1978 in Afghanistan und die USA 2003 im Irak. Mal sehen ob sie was draus gelernt haben.

Montag 18.1.2008: Was ist normal?

Der Begriff "Normal" scheint etwas recht einfaches zu sein. Ein jeder scheint ein Gespür dafür zu haben, was "normal" ist und was nicht. Dennoch: Zum einen bin ich mir sicher, dass man wenn man sehr viele Leute zu einem Thema befragt, was sie als "normal" und was nicht halten, dann wird man ein deutlich breiteres Spektrum bekommen und wenn man sich bestimmte Vorstellungen im Laufe der Zeiten und über Kulturen hinweg ansieht, so sieht man, dass es hier gravierende Unterscheide gibt.

Nehmen wir einmal das Schönheitsideal. Das ist seit einigen Jahrzehnten bei uns "Schlank" mit schankenden Ausschlägen zwischen Twiggy Figur und etwas mehr Speck auf den Rippen. Bei Männern geht der Trend nun zu deutlich sichtbaren Muskeln und Six-Pack, die man so selbst bei Bauarbeitern nicht sieht, sondern sich nur im Bodybuilderstudio erarbeiten kann.

Nach den Krieg war dagegen Fülle angesagt, man wollte zeigen, dass man sich nun leisten kann, mehr zu essen. Interessanterweise gibt es heute mehr Übergewichtige als damals obwohl das allgemeine Schlankheitsideal ja genau in die andere Richtung geht. Schaut man sich Bilder aus vergangenen Jahrhunderten an, so gibt es vor allem bei den Frauen extreme Schwankungen zwischen "Rubens-Figur" und Wespentaille.

Schaut man dann andere Völker an, so sieht man dort ebenso unterschiedliche Ansichten. In Polynesien ist z.B. sowohl bei Männern wie auch bei Frauen Fülle angesagt. Je dicker man ist, desto reicher oder mächtiger ist man.

Das Schönheitsideal ist eine Sache. Doch wir sehen dies auch in anderen Bereichen. Beispielsweise beim Essen. Wovor wir uns ekeln ist weitgehend davon abhängig, was wir als normale Kost empfinden. Das mag irgendwie noch verständlich sein, bei dem Essen von Insekten oder fauligen Eiern. Doch auch "normale" Tiere machen Probleme. Jenseits von religiösen Verboten gibt es auch hier Ressentiments. Wer isst hier gerne rohen Fisch, der in Japan eine Delikatesse ist? Man muss nicht einmal weit gehen: In Italien werden Singvögel gegessen. Einige Gerichte in der englischen Küche sind für kontinentale Geschmäcker recht seltsam. Umgekehrt essen de meisten Chinesen zwar Schlangen, Hunde und Katzen, aber keine Schweine. Gerade beim Essen von Hunden und Katzen sieht man sofort, wo die ethnischen Grenzen unserer Normalität liegen: Für die meisten von uns ist es erheblich schwieriger Tiere zu essen, die für uns Haustiere sind als Dinge, die jenseits unserer üblichen Nahrung liegen wie z.B. Schlangen. Für mich ist dies z.B. ein Grund warum ich nie chinesisch essen würde. Eine Kultur in der Katzen gegessen werden, ist für mich so was unzivilisiert, dass ich mich vor dem Essen dort ekle, auch wenn es nur Huhn süß-sauer ist.

Doch das ist nur ein Aspekt. Auch moralische Vorstellungen ändern sich im Laufe der Zeit. Nehmen wir die Menschenrechte - Das alle Menschen die gleichen Rechte haben, ist relativ neu. Das Frauenwahlrecht gibt es z.B. bei uns seit nicht einmal 90 Jahren. Sklaverei gab es in den USA bis vor 140 Jahren. Viele Kulturen existierten Jahrhunderte mit Sklaverei - es war einfach gesellschaftlicher Konsens. Dabei verändern sich die Werte nicht immer zum Besseren. Während der ganzen Weltgeschichte waren Kriege immer mit einem Krieg gegen die Zivilbevölkerung verbunden. Im Altertum wurde die Bevölkerung eroberte Städte massakriert, auf dem Sklavenmarkt verkauft oder deportiert - das letzte war ja schon fast noch "human". Im Laufe der Jahrhunderte wurde es besser, auch wenn die Religion wieder Menschen zu Tieren machen kann, wie die Eroberung Jerusalems im ersten Kreuzzug und das massakrieren der Bevölkerung zeigte.

In Mitteleuropa war sicher der 30 jährige Krieg die Wende zur Moderne. Zum einen endete damit die Gewalt aufgrund der unterschiedlichen Religionen und es begann ein Nebeneinander zwischen Katholiken und Protestanten. Zum anderen aber bedeuteten die enormen Opfer unter der Zivilbevölkerung, dass sich Krieg änderte. Nicht dass die Zivilbevölkerung litt - noch immer wurde Vieh und Vorräte requiriert, aber es hörte das Abschlachten der Bevölkerung auf. Krieg war in den folgenden Jahrhunderten nun eine Sache von Armeen. Die Neuzeit änderte dies wieder. Es ging los mit dem Niederbrennen von Atlanta im amerikanischen Bürgerkrieg. Bei den Schlachten im ersten Weltkrieg wurden Städte hinter der Front dann angegriffen. Paris mit einer Kanone, London mit Zeppelinen.

Vor und im zweiten Weltkrieg begann man dann wieder gezielt Krieg gegen die Zivilbevölkerung zu führen. Beim Massaker von Nanking wurden 1937 über 200.000 Chinesen getötet und 20.0000 Frauen vergewaltigt. Deutschland begann mit der Bombardierung von Warschau und Polen und die USA und England bombardierten in der Folge dann Deutschland und Japan. (In diesem Zusammenhang ist es interessante dass es tatsächlich Menschen gibt die das letztere mit dem ersteren rechtfertigen. Dabei bringt man schon kleinen Jungs die sich geprügelt haben bei, dass die Ausrede "Der andere hat aber damit angefangen" keine Rechtfertigung).

Der Krieg endete mit dem Abwurf von Atombomben auf Städte anstatt Militärbasen und seitdem geht der Trend eher wieder zurück. Ethnische Konflikte, wie auch "normale" Kriege führen zu Ermordungen und Vertreibungen. Großmächte wie kleinere Nationen entwickeln chemische und biologische Waffen, gegen die sich die Militärs gut, die Zivilbevölkerung aber kaum schützen kann. Es gibt Bomben in Spielzeugform, Napalm und Tretminen und diese werden auch eingesetzt wie der Vietnamkrieg, erste Afghanistankrieg und die Invasion in den Irak zeigen.

Mittwoch: 20.2.2008: Der mündige Verbraucher

Am Freitag bekam ich mal wieder einen Anruf vom Fernsehen, ob ich nicht in einer geplanten Serie über Ernährung und Werbung etwas sagen könnte. Ich habe, wie bislang immer, abgelehnt. Bisher mehr, weil mir die Sender und ihre Konzepte nicht gefielen (Pro7, RTL, SAT1)  Diesmal weil ich seit 8 Jahren eben als Programmierer arbeite und weitgehend nicht mehr vertraut bin, mit dem was aktuell so diskutiert wird. Daneben habe ich keinen besonders großen Drang im Fernsehen aufzutauchen. Das sollen andere machen für die es wichtiger ist, dass sie jeder kennt.

Ich hatte dann eine längere Diskussion mit dem Redakteur, Es drehte sich vor allem um die Werbung von Firmen im Lebensmittelbereich. Das diese suggestiv und falsch wäre. Nun ja, man kann von mir nicht gerade behaupten, ich würde gutheißen, wie manches beworben wird, doch das ganze wird durch unser System gedeckt.

Einen Schock den jeder Lebensmittelchemiker durchmacht ist, wenn er von der Uni kommt und dann in einer staatlichen Untersuchungsbehörde tätig ist. Jahrelang bekommt man auf der Universität ein naturwissenschaftliches Denken vermittelt, bei dem harte Fakten zählen, die man nicht zerreden und missdeuten kann. Dann ist man mit dem Lebensmittelrecht konfrontiert, bei dem es um Paragraphen und viel schlimmer noch um Kommentare geht. Also für jeden der es nicht so genau kennt: Es gibt das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz bei uns als zentrales Recht zum Verbraucherschutz. Das wird ergänzt durch EU Verordnungen die entweder direkt gelten oder als Richtlinie in nationales Recht gegossen werden und dann noch einigen Verordnungen für besondere Lebensmittel. Die Gesetzte alleine sind als Loseblattsammlung dicker als das Standardwerk über Lebensmittelchemie.

Das alleine reicht aber nicht. Abgesehen von den echten Verstößen, die eindeutig sind, geht es meist um Aussagen und ihre Bewertung und da geht es weniger um naturwissenschaftliche Korrektheit als um Kommentare in Rechtsbüchern zu schon erlassenen Urteilen. Das ganze geht dann in der Richtung "Die Aussage X klingt ähnlich oder ist vergleichbar mit der Aussage Y, zu der das Gericht Z in dem Urteil vom .... folgendes sagte".

Eigentlich sollte die rechtliche Würdigung die Sache der Anwälte und Staatsanwälte und Richter sein und der Lebensmittelchemiker sich auf seine Kompetenz beschränken, die eben in der naturwissenschaftlichen Würdigung besteht. Doch da die Juristen keine Ahnung von Naturwissenschaft haben, läuft es meist darauf hinaus, dass die Lebensmittelchemiker sagen nach welchen Paragraphen sie es beurteilen würden und warum.

Umgekehrt gibt es in größeren Firmen nicht wenige Juristen die nichts anderes zu tun haben als Urteile zu studieren und Kommentare zu lesen um Werbeaussagen so zu gestalten dass sie eben haarscharf nicht unter ein Verbot fallen. Der häufigste Fall ist die gesundheitsbezogene Werbung, wobei man sagen sollte, wohl eher Krankheitsbezogene Werbung. In der Kernaussage bedeutet es, dass man Lebensmittel nicht so bewerben darf, dass der Eindruck entsteht, sie könnten Krankheiten lindern oder als Arzneimittel dienen. Was macht man dann mit Aussagen wie "Hilft Ihnen sich besser zu fühlen" oder "Über längere Zeit genommen reguliert es die Verdauung"? Solche Aussagen sind so lange zulässig bis es ein Gerichtsurteil für oder gegen sie gibt, wobei die staatlichen Behörden eine gewisse Scheue vor großen Firmen haben. Nehmen wir beispielsweise das Gebot der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung, nachder die Kennzeichnung gut lesbar sein soll und dann schauen sie sich Schokoriegel an, bei denen das in Gold auf Schwarz in kleiner Schrift auf einer Falzkante geschrieben steht. Das ist so seit ich denken kann und keiner macht etwas dagegen.

Dreh- und Angelpunkt ist das unser Lebensmittelrecht von dem "mündigen Verbraucher" ausgeht, das heißt einem informierten Verbraucher. Ich verrate ihnen nun ein Geheimnis: Den gibt es nicht! Meiner Erfahrung nach gliedern sich die Verbraucher in zwei Fraktionen. Die eine hat von Ernährung, den Inhaltsstoffen der Nahrung, ihrer Bedeutung und gesunder Ernährung keine Ahnung und interessiert sich auch nicht besonders dafür. Diese Verbraucher können aber die neusten Geschichten aus dem britischen Könighaus, die Unterschiede zwischen einem AMD und Intel Prozessor oder die Vorzüge eines BMW Coupé im Detail wiedergeben. Die zweite, kleinere Gruppe ist informiert, jedoch verzerrt. Es fehlen Grundlagen, aber jegliche negative Meldung wird aufgesogen weil ein Schwamm. Von dieser Fraktion kommen dann die abenteuerlichsten Unterstellungen an die Lebensmittelindustrie und so Sprüche wie "Es ist ja überall Gift drin"....

Zur Werbung selbst: Es ist doch logisch, dass ein Hersteller eines Lebensmittels dieses so macht, dass er möglichst viel Umsatz damit macht. Es schmecken nun mal Produkte besser mit viel Fett und Zucker, wenn der Verbraucher eine Milchschokolade mit Füllung kauft, die nur 30 % Kakao hat, weil sie süß ist und eine Zartbitter mit 60 % Kakao stehen lässt weil die weniger süß ist, warum sollte er das eigentlich bessere Produkt herstellen? Diesen Grundsatz findet man nur konsequent angewandt bei fast allen Produkten die auf dem Markt sind, und sie basieren auf dem Kaufverhalten der Verbraucher und dieses wiederum auf deren Geschmack.

Die Werbung richtet sich nach den Gesetzen, manchmal am Rand, manchmal vielleicht etwas drüber (und bekommt dann einen Dämpfer wie die Werbung mit der "Süße von Früchten" bei einem Fruchtjogurt) aber es ist eben Werbung und nicht die Wirklichkeit. Wer ernsthaft glaubt, er bekäme durch das Essen von "Du darfst" Wurst die Figur der unterernährten Modells oder eine falsche Ernährung mit Verdauungsproblemen würde sich in Wohlgefallen auflösen, wenn man Milchprodukte mit lebenden Milchsäurebakterien trinkt, der ist naiv. Der glaubt wohl auch, wenn er ein Auto kauft, er bekäme dann die leeren Straßen die man in den Werbefilmchen sieht, als Zugabe hinzu.

Man kann nun eine Verschärfung der Gesetze fordern - vielleicht eine Lösung. Für Alkohol und Zigaretten darf ja auch nur in engen Grenzen Werbung gemacht werden. Aber solange dem nicht so ist, sollte man zuerst sein Gehirn einschalten und den dort eingebauten Werbungsfilter aktivieren.....

So, heute mal wieder ein Musiktipp von mir, für unsere Freunde vom Finanzamt und die Steuersünder

Taxmann von den den Beatles

Donnerstag 21.2.2008: Lügen, verdammte Lügen und der Schutz der Allgemeinheit

Er hat es sogar in die Hauptnachrichten geschafft: Der Abschuss von USA-193 alias NRO-21. Ein Satellit des US-Verteidigungsministeriums. Als er am 14.12.2006 gestartet wurde war er noch keine Meldung wert...

Abgeschossen wurde er zum Schutz der Menschheit, denn dieser Satellit hat etwa 1000 Pfund (453 kg) Hydrazin an Bord. Klar, das glauben wir auch gerne. Es geht natürlich nicht darum zu verhindern, dass von diesem Aufklärungssatelliten der zufälligerweise auf eine Bahn von 58 Grad Neigung gestartet wurde, ideal geeignet um alle Landflächen der erde zu beobachten und besonders viel Zeit über der Sowjetunion zu verbringen, vielleicht irgendwo herunter kommt wo man noch was interessantes aus den Resten herauslesen könnte?

Also erst mal Faktensammeln. Das Startgewicht von NRO-21 ist nicht bekannt. Wikipedia gibt 2200-2300 kg an, doch keine Quelle dafür. Die Trägerrakete Delta 7920 dürfte etwas weniger als 4000 kg in angegebene Umlaufbahn befördern. Das ist die Höchstmaße die der Satellit gehabt haben kann. Beobachter meldeten keine sichtbaren Solarpanel. Der Satellit scheint sie nach dem Start nicht ausgefahren zu haben. Im August 2007 gab auch das Militär den Satelliten als Verlust bekannt. Seit dem Start sank der 353x 380 km hohe 58.8 Grad geneigte Orbit laufend ab um letzte Woche 250 km Höhe zu erreichen.

Nun sorgt sich das Us Militär um die Weltbevölkerung weil der Satellit 1000 Pfund Hydrazin an Bord hat. Ich würde das ja soo gerne glauben. Tatsache ist: Jeder Satellit hat diese Chemikalie an Bord, es ist ein gängiger Treibstoff zur Lageregelung. Mehrere Trägerraketen verwenden Hydrazin, so z.B. die Delta in der zweiten Stufe, die Ariane 5 in der EPS Oberstufe, die russische Proton in fast allen Stufen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Hydrazin den Boden erreicht ist aber gleich Null. Selbst von massiveren Objekten ist beim Wiedereintritt nicht viel übrig geblieben, so von der Columbia, Skylab oder der MIR. Sehr massive Teile oder Bleche kommen noch am Boden an, mit Sicherheit aber kein dünner Titantank mit Hydrazin. Selbst wenn er nicht verglüht bewirkt das Erhitzen des Hydrazins beim Wiedereintritts ein Platzen und Verdampfen der Chemikalie. Sie reagiert dann mit der Luft, lange bevor sie den Erdboden erreicht. Selbst dann braucht man einiges mehr um den Boden zu versuchen. Wie z.B. die 200 t bei einem Fehlstart einer Proton letzten Jahr.

Ich glaube aus diesem Grund auch nicht, dass der primäre Grund für den Abschuss die Geheimhaltung ist, man also vermeiden will, dass der Satellit über bewohntem Gebiet niedergeht und die Finder dann Details über die Elektronik oder Instrumente ableiten können. Was wirklich noch ankommen würde, wären tausende kleiner Fetzen die niemanden etwas nützen.

Ich denke Russland und Chinas Einwand, es sei ein Test des Raketenschutzschilds gewesen ist richtig. Es gibt keinen rationalen Grund den Satelliten abzuschießen. Der Abschuss soll nach Wikipedia Angaben sogar selbst 40-60 Millionen Dollar gekostet haben. Es geht sicher nicht um Revange für den Chinesischen Test vor fast einem Jahr. Sondern mehr darum dass Militärs gerne ihr Spielzeug erproben und der derzeitige Präsident will ja bevor er abtritt auch sehen ob sein mit zweistelligen Milliardenbeträgen aufgebautes System auch funktioniert.

Man hat so lange gewartet bis der Satellit kurz vor dem Wiedereintritt ist. Das hat einen Grund: Die Explosion schleudert die Brocken mit hoher Geschwindigkeit auseinander, so dass sie nochmals einen Schubs bekommen. Beim Chinesischen Test hat dies dazu geführt, dass viele Trümmer sich auf stark elliptischen Bahnen bewegen die eine sehr lange Lebensdauer haben, weil der Satellit sich schon auf einer hohen Umlaufbahn befindet. Wenn man den gleichen Abschuss in niedriger Orbit höhe macht ist der Effekt geringer, weil nur bei wenigen Trümmern der erdnächste Punkt angehoben wird, solange dieser aber tiefliegt verglühen die Teilchen so oder so in kurzer Zeit. Trotzdem wird erst eine Analyse der Trümmerwolke zeigen ob man damit nicht mehr Weltraummüll geschaffen hat.


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