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Web Log Teil 541 : 8.12.2018 - 11.12.2018

8.12.2018: Einsatzmöglichkeiten für Miniraumsonden

Mit den beiden Marcos, die die Daten von Insight bei der Landung übertrugen, hat nun auch der Kleinbau die NASA erreicht. Bei normalen Satelliten, welche die Erde umrunden, gibt es ja schon seit Jahren eine Explosion der Startzahlen: in einer Woche hob eine PSLV 31 Satelliten in den Orbit und eine Falcon 9 weitere 64. Letztes Jahr wurden insgesamt 467 Satelliten gestartet, das ist das 1,5-fache des bisherigen Rekordjahrs 1983 (damals dank zahlreicher GAS-Kanister an Bord der Space Shuttles, die aber nicht im Orbit blieben) und dieses Jahr sind es bis zum 3.11, also ohne diese beiden Starts, auch schon 306 Nutzlasten.

Die meisten Satelliten sind Mini-, Mikro und Nanosatelliten. Die Begriffe sind etwas schwammig. Ein Minisatellit wiegt zwischen 100 und 500 kg, ein Mikrosatellit zwischen 10 und 100, ein Nanosatellit zwischen 1 und 10 kg, das sind typischerweise Cubesats. Es gibt noch darunter Picosatelliten, doch die haben mehr emotionalen Wert als das sie nützlich sind. Doch wer weiß. Vor wenigen Jahren hätte man auch die Leute von PlanetE für verrückt gehalten die mit 3U-Cubesats Erdbeobachtung durchführen. Vielleicht klappt das in einigen Jahren auch mit Picosatelliten.

Bei Raumsonden liegen die Dinge anders. Ein Cubesat kann das Magnetfeld der Erde oder einfach das Massenträgheitsgesetz ausnutzen, um richtig orientiert zu sein, also rein passive Methoden. Sie umrunden die Erde in niedriger Entfernung, da ist selbst mit leistungsschwachen Sendern noch eine hohe Datenrate möglich. Bei den „Flock“ Satelliten von PlanetE überträgt ein X-Band Sender mit 2 Watt Sendeleistung 12,5 bis 100 MBit je nach Position relativ zur Bodenstation, die eine 5-m-Antenne hat. Das ist eindrucksvoll, doch rechnet man diese Werte aus 435 km Entfernung auf die 1000-fache Distanz, das ist Mondentfernung so sinkt die Datenrate auf 100 Bit/s. In Marsentfernung, nochmals 200-mal mehr, beträgt sie dann weit unter 1 Bit/s.

Kurzum: Raumsonden sind komplexer. Sie müssen in der Regel ihren Kurs und ihre Lage korrigieren können, sie brauchen ein leistungsfähiges Sendesystem mit einer großen Antenne und starken Sendern. Das wiegt viel. Junos gesamtes Sendesystem mit einer 3-m-Antenne wiegt 83,2 kg, davon macht die 3 m große Antenne nur 21,3 kg aus. Der Großteil entfällt auf die Sender und Verstärker. Die haben aber auch die 50-fache Leistung der Sender des Flock-Satelliten.

Man kann den Zugewinn an Datenrate auch an den Marsorbitern sehen. Odyssey wurde 2001 gestartet, wiegt trocken 376 kg und der 2005 gestartete MRO 1.032 kg. Ersterer überträgt minimal 14 kbit/s, letzterer 500 kbit/s. Also dreimal größere Masse, 30-mal höhere Datenrate. Entsprechendes sieht man beim Vergleich Mars-Express mit dem Nachfolger Trace Gas Orbiter: Die Trockenmasse ist von 680 auf 1.432 kg gestiegen. Die Datenrate bei maximaler Entfernung von 10,7 auf 150 Kbit/s. Es gibt also eine sehr starke Abhängigkeit von Masse zu Datenrate. Die beiden Marcos hatten daher außer der Empfangs- und Sendeantenne auch keine Nutzlast mehr an Bord.

Ich habe mir daher gedacht, was man sinnvoll mit kleinen Raumsonden machen kann – ich habe mir die Kategorie der Mikrosatelliten ausgesucht, so um 100 kg. Es gab ja in der Anfangszeit der Raumsonden gab es auch so kleine Sonden. Man denke an die Pionier-Serie. Keine der Sonden wog bis Pioneer 10 mehr als 65 kg. Es gibt mehrere Einschränkungen. Das eine ist wie beschrieben die Kommunikation. Diese Nutzlasten werden als Sekundärnutzlasten gestartet und dürfen daher nicht groß sein. Bei der ASAP-5 für Ariane sind es für Mikrosatelliten von maximal 120 kg Gewicht bei Abmessungen von maximal 60 x 60 x 71 cm. Bei der Vega für maximal 200 kg Masse darf die Nutzlast 120 x 80 x 80 cm groß sein. Von dem Volumen geht dann noch die Antenne ab, die so sicher nicht mehr als 60 bis 80 cm Durchmesser hat. Mit 5 Watt Sendeleistung kann man aus 100 Millionen km Distanz mit einer 60-cm-Antenne dann gerade noch 1.147 Bit/s zu einer 35-m-Empfangsantenne, wie sie die ESA einsetzt, übertragen. Das ist die Marsentfernung bei einer Annäherung. Bei maximaler Marsentfernung kann die Sonde noch 4-mal weiter entfernt sein.

Eine Lösung sind entfaltbare Antennen. Nicht nur wegen des Gewichts, sondern auch wegen des kleinen Volumens: Typischerweise werden solche Satelliten als Sekundärnutzlasten an einem Ring befördert, der am Adapter zwischen Satellit und Oberstufe befestigt wird. Die Höhe ist auf die des Adapters beschränkt und die Breite auf den Raum zwischen Adapter und Nutzlasthülle. Typisch haben größere Raumsonden eine Nutzlast (Instrumente) von einem Fünftel bis einem Sechstel der Trockenmasse. Das sind dann bei 100 kg nur 17 bis 20 kg. Diese Maximalmasse muss man dann noch auf eventuell mehrere Instrumente aufteilen. Auch hier gibt es Lösungen. Eines ist es Instrumente zu kombinieren – Spektrometer und Kameras brauchen beide eine Optik. Man kann diese zwischen den Instrumenten aufteilen und nur eine Optik für mehrere Instrumente nutzen und mit einem Spiegel zwischen den Detektoren umschalten. Daneben kann man verkleinern – bei den meisten Instrumenten wiegen die Detektoren wenig. Eine Kamera kann so kleine sein wie beim Raspberry-Pi: Eine Linse auf einem CCD Chip oder es kann ein Detektor an einem 50-cm-Teleskop wie bei der Kamera HiRISE sein, das dann 65 kg wiegt. Die Erste erreicht nicht mal die Auflösung des menschlichen Auges, die zweite sieht aus 300 km Höhe noch 30 cm große Details.

Startgelegenheiten

Es gibt prinzipiell zwei Startmöglichkeiten, wenn ich keinen eigenen Start buchen möchte, was die Kosten hochtreibt. Das eine ist ein Mitflug in einen niedrigen Erdorbit (zur ISS oder einen SSO) und das Zweite ein Mitflug in einen Übergangsorbit (in den Galileo-Orbit oder GTO). Aus diesen Ausgangsorbits muss die Nutzlast dann eine Fluchtbahn erreichen. Für einen GTO-Orbit spricht, dass der Geschwindigkeitsaufwand gering ist, es fehlen etwa 800 m/s zur Fluchtgeschwindigkeit und 1100 bis 1400 m/s zu einem Transferorbit zu Venus oder Mars. Zumindest bei Starts vom CSG aus ist aber die Anfangsbahnneigung für viele Bahnen zu gering. Beim Start vom Cape aus trifft das nicht zu. Der Navigationsorbit ist 400 m/s ungünstiger, aber dafür ist die Bahnneigung viel größer, was einen Rideshare auch vom CSG aus attraktiv macht.

Die meisten Sekundärnutzlasten wurden bisher in niedrigen LEO oder SSO-Bahnen ausgesetzt. Probleme mit der Bahnneigung gibt es da keine, dafür braucht man rund 3 km/s für eine Fluchtbahn anstatt 800 bis 1200 m/s.

Eine einfache Überschlagsrechnung zeigt, das um 100 kg auf Fluchtgeschwindigkeit zu beschleunigen, ein Antriebssystem mit einem spezifischen Impuls von 3100 m/s und einem Start/Leermasseverhältnis von 8 zu folgenden Anfangsmassen führt:

Orbit

ΔV zur Fluchtgeschwindigkeit

Anfangsmasse

400 km, ISS

3.179 m/s

371 kg

800 km SSO

3.089 m/s

355 kg

200 x 20.200 km (GPS)

1.153 m/s

155 kg

200 x 35.800 km (GTO)

770 m/s

133 kg

Man sieht, dass man mit 100 kg Nutzlast bei einem chemischen Antrieb über die Grenzen von 180 bis 300 kg, die je nach Adapter als Sekundärnutzlast mitgeführt werden können, kommt. Eine Alternative sind Ionentriebwerke. Ein Satellit in einem 800 km hohen Orbit, der eine Anfangsleistung von 1,2 kW für Ionentriebwerke hat, erreicht in 317 Tagen Fluchtgeschwindigkeit, wenn er anfangs 180 kg wiegt. Den Treibstoff und Tanks sowie die Masse die Solarzellen für 1,1 kW Leistung liefern, welche die Sonde sonst nicht bräuchte, bleiben dann noch rund 117 kg Erdmasse. Bei 100 kg Endmasse bleibt genug Treibstoff um die Geschwindigkeit um weitere 3,37 km/s zu ändern, das ist die typische Geschwindigkeitsänderung, um von der Erdbahn aus eine Vorbeiflugbahn zu Venus oder Mars zu erreichen. Das bedeutet, dass man Raumsonden, wenn sie vom erdnahen Orbit aus ihre Reise antreten, mit einem Ionenantrieb ausstatten sollte mit einem Ionenantrieb ausstatten sollte. Anders als bei großen Raumsonden bewegt man sich auch in dem Bereich der technisch beherrscht wird. Man benötigt also nicht Solarzellen mit Zig kW Leistung und Ionentriebwerke mit viel höherem Schub als die bisher eingesetzten für die Lagereglung und Orbitänderungen von Satelliten. Eine Massebilanz würde so aussehen:

System

Masse

Raumsonde

100 kg

Ionentriebwerk (1,2 kW Verbrauch, 0,044 N Schub, spezifischer Impuls 35.000 m/s)

10 kg

Tank Arbeitsgas Xenon

11,16 kg

Arbeitsgas Xenon

44,64 kg

Solarzellen für zusätzliche 1,2 kW Anfangsleistung

14,2 kg

Gesamtmasse

180 kg

Aufgaben

Bedingt durch die geringe Datenrate sollte man die Aufgaben auswählen. Ich sehe im Prinzip folgende drei Lösungsmöglichkeiten:

Entsprechende Konzepte wären:

Kleine Datenrate

In den Sechziger bis Siebziger Jahren wurden zahlreiche Sonden gestartet, die das interplanetare Medium überwachten. Instrumente die Magnetfelder, Strahlendosis oder die Verteilung von geladenen Teilchen messen, liefern nur wenige Daten. Sonden kamen mit Datenraten von 16 bis maximal 2 Kbit/s aus. Zudem sind solche Detektoren leicht und passen so zur beschränkten Nutzlast. Inzwischen hat sich aber der Schwerpunkt von der Erforschung des Mediums zur Anwendung verlagert. Heute untersucht man nicht mehr das interplanetare Medium, sondern betreibt Vorhersage von Sonnenstürmen. Dazu dienen Sonden im L1-Librationspunkt, die von einem Sturm etwas früher als die Erde getroffen werden. Eine solche Aufgabe könnte auch eine Miniraumsonde übernehmen, die zumal so nicht weit von der Erde entfernt ist.

Kleine Entfernung oder Dump-Verfahren.

Eine kleine Entfernung zur Erde hat man bei einem Mondorbiter. Ebenso wäre ein Kommunikationsrelay in einem Librationspunkt des Mondes denkbar. Bei Sonnenumlaufbahnen wären wie schon in Punkt 1 beschrieben, die Librationspunkte noch relativ erdnah. Ich könnte mir aber auch denken, dass zwei Sonden, in einer Sonnenumlaufbahn 90 Grad vor und nach der Erde interessant sein könnten. Sie könnten Sonnenbeobachtung aus zwei anderen Perspektiven betrieben. Bei einer Datenrate im einstelligen Kilobitbereich müssten diese intelligent sein, z.B. die Bilder an Bord auswerten und auf Flares oder Prototuberanzen absuchen und nur diese Bilder senden bzw. den Ausschnitt eingrenzen auf den Bereich, der interessant ist. Die Sonne ist so groß, das selbst ein kleines Teleskop ausreicht, um gute Bilder zu erhalten – es gibt ja genügend Licht, sodass man auch Detektoren mit kleinen Pixeln einsetzen kann, während normalerweise in der Raumfahrt ein Pixel für ein Instrument 6 bis 14 µm groß ist, sind es in einer Konsumer-Digitalkamera 1,3 bis 1,5 Mikrometer und in Spiegelreflexkameras 4 bis 6 Mikrometern. Entsprechend leichter ist dann die Optik.

Die zweite Möglichkeit ist das Dump-Verfahren das New Horizons schon bei Pluto durchführte und nun erneut beim Vorbeiflug an einem KBO in der Silvesternacht. Das Prinzip: Man gewinnt alle Daten in einem kurzen Zeitraum, speichert sie an Bord, und überträgt sie über Monate zur Erde. Ziele kleinerer Sonden könnten Asteroiden sein, die die Erdbahn kreuzen. Sie erreicht man schnell mit geringem Geschwindigkeitsaufwand.. Allerdings sind diese wirklich klein. Der KBO den New Horizons passiert, hat einen Durchmesser von 25 bis 45 km, genau weis man das erst, wenn es Aufnahmen gibt. Erdbahnkreuzer dieser Größe gibt es keine. Sie sind alle kleiner. Selbst der Körper von 10 bis 20 km Größe, der am Ende der Kreide einschlug, ist schon ein riesiger Asteroid dieser Klasse. Die meisten bekannten Asteroiden, die die Erdbahn kreuzen, haben nur wenige Kilometer Durchmesser oder sind noch kleiner. Das Problem: Es gibt dann wirklich wenig Zeit ihn zu beobachten, weil er so klein ist. Nehmen wir an, eine Sonde hätte die Kamera LORRI von New Horizons, aber mit einem Chip der die beugungsbegrenzte Auflösung der Optik erreicht. Dann hat ein 1 km größer Körper erst in 1817 km Distanz einen Durchmesser von 200 Pixeln – ab etwa dieser Größe finden bisher Vorbeiflugsonden an, Bilder zu machen. Bei einer Relativgeschwindigkeit von 3 km/s hat man dann nur 600 s um Bilder und andere Messdaten zu gewinnen. Bei New Horizons bei Pluto stand dafür ein ganzer Tag zur Verfügung.

Wenn man viel Zeit übrig hat, kann man natürlich die Sonde auch weiter ins Sonnensystem herausschicken. Eine Umlaufbahn von exakt 3 Jahren Dauer führt bis in 471 Millionen km Distanz, bei 2 Jahren Umlaufszeit sind es 324 Millionen km. Das Apohel liegt dann im Asteroidengürtel. Dort könnte ein Objekt passiert werden, und wenn die Umlaufszeit ein ganzzahliges Vielfaches der Erdumlaufszeit ist, führt die Bahn wieder zur Erde zurück, nach zwei bis drei Jahren – dann kann man in Erdnähe die Daten übertragen, vorher eben nur eine Vorschau mit reduzierter Datenrate. Das Konzept hatte die leider verlorene Raumsonde CONTOUR.

Zuarbeiten zu anderen Raumsonden

Die letzte Möglichkeit ist, die das die Raumsonde nicht autonom ist. Denkbar wären z.B. Landesonden für Venus und Mars die ihre Daten über Orbiter übertragen. Diese Orbiter haben dann die nötigen leistungsfähigen Sender und sie sind zudem viel näher an der Sonde und die Datenrate zu ihnen höher. Vor allem beim Mars könnte man so ein Netzwerk aus einfachen Messstationen aufbauen. Die hätten dann wahrscheinlich dann nur eine Panoramakarte und einige Sensoren für metrologische Daten, aber man würde noch mehr Marslandschaften im Bild festhalten. Bei der Venus reichten die 90 kg die die kleinen Pioneer-Landekapseln wogen, nur wenige Sensoren für Atmosphärenmessungen, weil viel Gewicht auf die Druckkapsel entfiel.

Daneben wären Sekundärsonden denkbar. Eine Raumsonde, die Jupiter erreicht oder das Jupitersystem durchfliegt, könnte z.B. eine kleine Sonde abtrennen, die nur batteriebetrieben einen Vorbeiflug an Io durchführt, der zu weit innen ist, als das man heute einen Vorbeiflug an ihm riskieren würde – bei Galileo gab es erst welche in der letzten Missionsphase, die geplanten Sonden von ESA und NASA lassen ihn ganz aus, und die Bilder und andere Messdaten zur Hauptsonde funken solange, wie die Batterie vorhält – da der Abstand durch die unterschiedlichen bahnen an Jupiter zunimmt, ist eine Betriebszeit von maximal wenigen Tagen sinnvoll. So lange reicht auch eine Batterie als Stromquelle. Analog könnte eine Vorbeiflugsonde an Uranus so alle fünf größeren Monde erfassen, himmelsmechanisch bedingt kann sonst eine Raumsonde sich nur einem der fünf Monde stark nähern, da das System um 98 Grad aus der Ekliptik gedreht ist. Ein Zwitter zwischen den beiden obigen Missionstypen wäre ein Titanlander wie Cassini.

Es gint ja eigentlich die Miniraumsonden schon – die Cruise Stages die Insight, MPL und Phoenix zum Mars brachten wiegen unter 100 kg und sind stark in der Funktion eingeschränkt. Nur haben sie eben keine Instrumente. Gerade der Mars wäre meiner Ansicht nach eine gute Möglichkeit die von mir beschriebenen Landesonden mitzuführen. Da die NASA nun alle Starts mit Atlas V durchführt, gäbe es genug Spielraum neben den Hauptnutzlasten auch noch so kleine Landesonden mitzuführen. Ein solcher Marslander wäre sicher einfach aufgebaut, wahrscheinlich würde er nur Fallschirme und Airbags zum Abbremsen einsetzen und vielleicht geht auch der eine oder andere verloren, aber man kann dann, auch wenn er wenig kostet, mehr wagen und nicht nur sichere (und langweilige) Landegebiete wählen, sondern interessante, z. B. den Boden einer der Canyons des Valles Marineris. Aber ich glaube so weit ist die NASA noch nicht, und die ESA scheint ja das Thema komplett zu ignorieren.

12.12.2018: Miniraumsonde zum Uranus

Mich hat das Thema Miniraumsonden weiter beschäftigt, so habe ich mir zuerst mal Gedanken um eine meiner Lieblingsprojekte in diesem Bereich gemacht: die Idee einer Tochtersonde, die bei einem Vorbeiflug abgeworfen wird.

Das Konzept:

Wenn eine Raumsonde die Planeten Jupiter bis Neptun nahe passiert, so kann sie bedingt durch die Vorbeifluggeometrie nur einen Mond nahe passieren. Bei Voyager 1 war dies bei Jupiter der Mond Io in 20.000 km Distanz und bei Saturn Titan in 6500 km Distanz. Bei Voyager 2, bei dem die Bahn bei Saturn und Uranus die Sonde jeweils zum nächsten Planeten weiter führen musste, waren die Distanzen noch größer. Ganymed wurde noch bei Jupiter in knapp 60.000 km Distanz passiert, Enceladus am nächsten von allen Saturnmonden in 87.000 km, Miranda als innerster großer Uranusmonde in 29.000 km Distanz.

Nun wird es sicher keine weitere Vorbeiflugsmission an Saturn geben – Cassini hat das System über 14 Jahre erkundet. Bei Neptun gibt es nur einen großen Mond, Triton, da gäbe es auch keinen Bedarf für eine Vorbeiflugmission. Bleiben noch Jupiter und Uranus.

Zu Jupiter sind derzeit zwei Missionen geplant. Die europäische JUICE Mission erkundet die Monde Europa, Kallisto und Ganymed und schwenkt schließlich in einen Orbit um Ganymed ein. Die noch nicht endgültig bewilligte Europa-Mission der NASA führt dagegen sehr viele Vorbeiflüge am Jupitermond Europa durch. Beide Missionen halten sich von Io fern und auch die aktuelle Mission Juno wird ihn nicht erkunden. Zum einen ist ihre Bahn dazu nicht geeignet, sie führt über die Pole, der Mond umrundet den Planeten aber am Äquator. Zum anderen ist die Kamera dafür mit einem Weitwinkelobjektiv nicht geeignet.

Vorbeiflug Voyager an UranusIo liegt etwa auf der halben Distanz von Europa und damit schon in einer Region in der die Strahlung sehr hoch ist. Galileo näherte sich beim Einschuss in den Orbit Io, konnte wegen des Bandrekorderproblems aber keine Daten gewinnen. Während der Primärmission und erweiterten Mission blieb die Sonde auf Distanz, um die Strahlenbelastung zu senken. Erst in der letzten Missionsphase, als klar war, dass die Sonde danach abgeschaltet wird, flog sie Io an. Doch wegen der Strahlenschäden gab es viele Ausfälle gerade, wenn sie sich Io näherte, eben aufgrund des höheren Strahlungslevels. Daher hielt ich es für interessant, eine Tochtersonde abzuwerfen, die nur den Zweck hat Io zu kartieren, ihre Daten zur Hauptsonde funkt und diese überträgt sie dann zur Erde. Das erlaubt es, die Sonde einfach zu gestalten. Eine zweite Möglichkeit dieses Konzept anzuwenden, ist bei einer Vorbeiflugsonde zu Uranus. Uranus Rotationsachse ist um 98 Grad zur Ekliptik gekippt. Das bedeutet, das über ein Uranusjahr es nur zwei Zeitpunkte gibt, bei denen eine Raumsonde alle Monde nacheinander passieren kann, wie dies bei den anderen Planeten möglich ist. Das ist jeweils zur Tag- und Nachtgleiche, die Zeitpunkte liegen 42 Jahre auseinander. Zu jedem anderen Zeitpunkt kann eine Raumsonde nur einen Mond nahe passieren, die anderen sind immer weit entfernt. Man sieht dies anschaulich bei der Bahngeometrie, die die Voyager 2 Raumsonde hatte. Hier wären dann sogar mehrere Tochter-Raumsonden sinnvoll.

Abschätzung Datenrate

Das Erste was ich tat, war eine Abschätzung. Es ist klar, dass sich durch die unterschiedliche Distanz beide Sonden (Haupt- und Tochtersonde) sich voneinander entfernen. Die erste Überlegung war, wie lange man die Tochtersonde betrieben sollte. Ich nahm an, dass die Distanz sehr bald so groß sein würde, dass die Datenrate dann niedrig ist. Dann macht es keinen Sinn die Tochtersonde lange zu betrieben. Also setzte ich auf eine Batterieversorgung, die einen Betrieb über einen, maximal zwei Tage gewährleistet. Bei der Berechnung der Datenrate von einer 60-cm-Sendeantenne zu einer 3-m-Empfangsantenne (Juno) mit einem 5-Watt-Sender nach einer Distanz von 1,2 Millionen km kam ich aber auf das erfreuliche Ergebnis, das im Ka-Band bei 32 GHz, das im Weltraum ohne Einschränkungen nutzbar ist, es immer noch 233 kbit/s sind. Und anfangs ist die Distanz noch geringer, maximal 400.000 km. Dann ist eine neunmal höhere Datenrate möglich. Damit meinte ich das das Konzept umsetzbar ist. Doch stimmt die Distanz und wie hoch ist die Gesamtdatenmenge? Das letztere war leicht zu berechnen. Ich erweiterte mein Programm um die variable Berechnung der Datenmenge bei konstant ansteigender Geschwindigkeit mit Rückfallstufen für die Datenrate (z.B. Halbierung bei halbem SNR-Faktor). Das Ergebnis war positiv: Von 400.000 auf 1,2 Millionen km Distanz ansteigend in 80.000 Sekunden, nicht ganz ein Tag ist eine Gesamtdatenmenge von über 48 GBit möglich, das sind 48.000 JPEG-komprimierte Bilder mit 1 Mpixel oder rund 10.000 mit verlustfreier Kompression.

Dabei nahm ich eine Geschwindigkeit von 10 km/s an. Doch stimmt die? Eine weitere Erweiterung der Swing-By-Routine mit der man zwei Bahnen vergleichen kann (eine der Haupt- und eine der Nebensonde) ergab, dass dem nicht so ist. Die Sonden entfernen sich, aber nicht so stark wie gedacht. Das Bild zeigt die Bahnen einer Hauptsonde und einer Nebensonde. Die eine passiert die Bahn von Miranda, die andere die des äußersten Uranusmondes Oberon. Sie passieren rund 4 Stunden zeitversetzt den Planeten. 39 bzw. 35 Stunden nach dem Passieren des planetennächsten Punktes sind sie aber nur 576.000 km voneinander entfernt. Das ist weniger als die Hälfte der angenommenen Distanz bei einer größeren Betriebsdauer.

Eine ähnliche Bilanz gibt es auch bei Jupiter, hier ist der Abstand etwas größer, wegen der stärkeren Umlenkung der Bahn. Damit wäre eine Tochtersonde lange genug nahe der Hauptsonde um viele Daten zu übertragen. Damit konnte ich an ein Konzept gehen. Ich will dieses im Folgenden beschreiben und auch die Annahmen, die ich getroffen habe.

Kamera

Das Erste, was festzulegen ist, sind die Abmessungen. Ich habe die Masse unter 100 kg angesetzt, das heißt, die Raumsonde sollte maximal so groß wie ein Mikrosatellit sein, der typisch 60 x 60 x 80 cm groß ist. Das legte die Größe der Hauptantenne schon mal auf 60 cm fest. Es setzt auch die Größe des einzigen Instruments, eines kombinierten Instruments mit Kamera und Spektrometer, denn es geht ja darum, die Oberfläche eines Mondes zu untersuchen.

Als Vorlage diente das Instrument LORRI von New Horizons. LORRI ist eine Kamera mit einem 20,8-cm-Teleskop und einer Auflösung von 1,02 Bogensekunden. Sie wiegt 8,8 kg und hat einen Stromverbrauch mit der assoziierten Elektronik von 5,8 Watt. LORRI setzt ein Cassegrain-Teleskop ein. Bei dem Cassgrain-Typ ist die Länge des Teleskops typisch 1/3 der Brennweite. Wenn die Kamera in der Längsrichtung der Sonde eingebaut wird, kann man mit etwas Platz für den Detektor und Elektronik und Abschirmung einen Tubus von maximal 70 cm Länge unterbringen. Das legt die Brennweite auf maximal 2,1 m fest.

Die Vergrößerung und der Durchmesser des Teleskops werden vom Detektor bestimmt. Bei LORRI war dies ein Sensor mit Pixelgrößen von 14 x 14 µm. Doch New Horizons ist ausgelegt für Aufnahmen bei Pluto. Bei Uranus hat man die 2,8-fache Lichtmenge, man kann also die Pixelgröße verkleinern, erst recht gilt das für Aufnahmen bei Jupiter. Ich wollte einen möglichst großen Sensor mit vielen Pixels, da er ein größeres Feld aufnimmt und so die Sonde vor allem bei nahen Distanzen nicht so viel bewegt werden muss. Das kostet Zeit und die ist dann knapp. Ich habe mich für den Kodak KAF-09001 Sensor entscheiden, ein 9 Megapixelsensor mit 12 µm großen Pixeln und einer Ausleserate von 2,2 kompletten Frames/s. Er hat eine Größe von 36,3 x 36,3 mm. Zusammen mit einer Belichtungszeit von 100 ms, abgleitet aus den Daten von LORRI sind so 1,8 Aufnahmen bei Uranus pro Sekunde möglich. Mehr wäre angenehmer. So habe ich mir noch den KAF-0373 angesehen mit fast gleichen großen Pixeln. Er liefert zwar 30 Frames pro Sekunde, doch da die Chipfläche viel kleiner ist, sind es doch weniger Megapixel pro Sekunde.

Mit dem KAF-09001 liegen dann auch die Anforderungen an das Teleskop vor:

Die Pixelgröße von 12 µm ergibt ein Öffnungsverhältnis für eine beugungsbegrenzte Abbildung bei F/D von 21,48. Mithin müsste das Teleskop bei 2100 mm Brennweite mindestens 98 mm Durchmesser haben. Mehr ist wie bei LORRI wünschenswert: für die Auflösung von 1,02 Bodensekunden hätte auch ein Teleskop mit dem halben Durchmesser ausgereicht. Cassegrain-Teleskope haben sehr große Öffnungsverhältnisse. LORRI hatte eines von 13. Für Amateure gibt es kleine Cassegrains mit Öffnungsverhältnissen von 12. Der Fangspiegel, der eine Obstruktion verursacht, liegt dann noch bei erträglichen 25 % des Optikdurchmessers. Nimmt man ein F/D von 13 wie bei LORRI an, so ergibt sich ein Optikdurchmesser von 160 mm für die Brennweite von 2,1 m. Das ist 70 % größer als die Forderung und gibt auch genügend Reserve für die Obstruktion von etwa 30 % die durch den Fangspiegel entsteht. Eine Alternative wäre ein Schiefspiegler, der ist noch kompakter, hat keinen Fangspiegel, der die Schärfe herabsetzt, aber ich hatte, keine passende Vorlage in passend zu der Masse von 5 bis 10 kg. Mit rund 77 % der Größe von LORRI sollte die Masse des Teleskops auch absinken. Ich berechne bei gleicher Masse für die Elektronik (3,2 kg der 8,8 kg Gesamtmasse) ein Gewicht von 6,7 kg für ein 160-mm-Cassegrainteleskop. Das hat dann in der Zusammenfassung folgende Eckdaten:

Parameter

Wert

Gewicht:

6,7 kg

Stromverbrauch im Mittel

5,8 Watt

Abmessungen:

70 cm Länge, 16 cm Durchmesser

Brennweite:

2100 mm

F/D

13,1

Sensorgröße

36,3 x 36,3 mm

Pixels:

3072 x 3072

Pixelgröße

12 x 12 µm

Belichtungszeit

100 ms Uranus, 12 ms Jupiter

Bilder

1,8 Bilder/s Uranus, 2,1 Bilder/s Jupiter

Maximale Datenrate

19 Mpixel/s

Gesichtsfeld

1 x 1 Grad

Aus rund 208.000 km Distanz ist Io formatfüllend, Oberon aus 92.000 km und Miranda aus 28.000 km. Für große Himmelskörper, bei denen man nach Erreichen dieser Distanz die Sonde nach jeder Aufnahme drehen muss, was weitere Zeit erfordert, um die ganze Oberfläche und nicht immer dasselbe Gebiet abzulichten, wäre dann ein anderer Sensor auch überlegenswert. Kodak hat auch einen Hochgeschwindigkeitssensor mit 500 Auslesevorgängen pro Sekunde im Programm, den LUPA1300-2. Er hat nur 1280 x 1024 Piyxel, doch diese sind größer (14 x 14 Mikrometer) und vor allem ist die Ausleserate viel höher: 630 MPixel gegenüber 20 MPixel (ohne Berücksichtigung der Belichtungszeit). Mit Berücksichtigung der Belichtungszeit von 72 ms bei Uranus (abgeleitet von den Plutodaten von LORRI, die Pixelgröße beider Detektoren ist identisch) ergeben sich aber dann nur 17,5 Mpixel pro Sekunde. Bei Jupiter ist wegen der viel kleineren Belichtungszeit von 10 ms aber der Sensor fähig 108 Mpixel pro Sekunde zu übertragen. Man könnte für eine Jupitermission also diesen Sensor wählen oder ein Zweisensorsystem einsetzen.

Stromversorgung

Vorbeiflug an UranusZuerst dachte nur an Batterien als einzige Quelle. Die Überlegung war, dass die Tochtersonde nur etwa einen Tag lang betrieben wird. Da reichen Batterien als Stromquelle, die bei kurzen Zeiten auch noch weniger wiegen als andere Alternativen: Lithiumionen- oder -polymerakkus haben Energiedichten von 120/140 bis 210/(260 Ah. GPS-RTG kommen auf 5,6 W/kg. Junos Solarzellen nur 1,34 W/kg – allerdings dauerhafte Leistung. Nach 30 Stunden überholen so Thermolemente Akkus, nach 120 Stunden auch Solarzellen. Bei einer genaueren Analyse sind Akkus dann doch nicht so gut:

Ich habe daher zuerst einmal den Strombedarf untersucht. Rund 6 Watt benötigt das Experiment. Ein Bordcomputer mit einer sparsamen CPU wie ein Raspberry PI etwa 5 Watt. Ein 5-Watt-Sender hat typischerweise den dreifachen Strombedarf der Sendeleistung also 15 Watt. Das sind dann zusammen 26 Watt. Dazu käme noch die Leistung für die Heizung.

Diese Leistung könnte man komplett mit RTG erzeugen. Die RTG der Sonden erstehen aus einzelnen Modulen, von denen eines 1,44 kg wiegt und 250 Watt thermische Leistung und 15,8 Watt elektrische Leistung liefert. Basierend auf den Kosten, die der RTG von Curiosity kostete, würde ein solches Modul 4,5 Millionen Dollar kosten. Solarzellen wären auch eine Alternative. Sie würden aber groß werden. Junos Solarzellen hatten eine Fläche von 59 m² bei nur 450 Watt Leistung. Um ebenfalls 16 Watt Leistung zu bekommen, benötigt man also Solarzellen mit einer Fläche von 2,1 m². Das wäre sogar noch zu machen. Bei 80 cm Höhe würden zwei Paneele von je 1,32 m Breite ausreichen.

Warum habe ich mit nur 16 Watt gerechnet, wenn es oben doch 26 Watt waren? Weil man die zusätzliche Leistung nur bei Betrieb des Senders braucht. Die neue Strategie ist es, Batterien mit einer Dauerstromquelle zu bündeln. Die Batterie wird aufgeladen und liefert, wenn man den Sender braucht, den Strom. Eine 2 kg schwere Batterie mit 200 Ah/kg Leistung reicht aus, um 40 Stunden lang die zusätzlichen 10 Watt zu liefern. Ich würde zum einem RTG-Modul und nicht Solarzellen tendieren. Denn neben dem geringeren Gewicht hat es den Vorteil Abwärme zu erzeugen, damit benötigt man nicht weiteren Strom zum Heizen. Die 4,5 Millionen Dollar, die es kostet, sind bei Mikrosatelliten eine hohe Summe, für ein Raumsondenprojekt aber eher ein kleiner Betrag.

Die Bilanz für die Stromversorgung sähe dann so aus:

Lageregelung

Für eine kurze Betriebszeit reicht eigentlich eine Lageregelung nur durch Triebwerke, ohne Schwungräder aus. Einen Antrieb benötigt die Sonde in jedem fall, da sie nach der Abtrennung ihre Geschwindigkeit ändern muss, sonst würde sie ja den gleichen Kurs wie die Hauptsonde haben. Würde man die viel größere Hauptsonde abbremsen so benötigt man viel mehr Treibstoff. Bei Galileos Atmosphärensonde waren das rund 60 m/s. Rechnet man noch 40 m/s für Drehungen hinzu, kommt man auf 100 m/s Korrekturvermögen. Dazu reichen rund 3,1 kg Hydrazin (ausgehend von einer Gesamtmasse von 50 kg). Nimmt man 4 kg Hydrazin und Druckgas an, sowie 2 kg für die Triebwerke und den Tank, so ist man bei 6 kg Gesamtmasse für das Antriebssystem

Jupter TochtersondendiagrammTelekommunikation

Ich habe als Vorlage das X-Band Sendesystem des Rovers Curiosity als Massenbasis genommen, das wiegt 17,4 kg und hat ebenfalls eine Hochgewinnantenne. Die macht aber nur 8 kg davon aus. Es ist aber schon eine Nummer größer und hat einen Stromverbrauch von 62,9 Watt. Nimmt man die 8 kg für die HGA und skaliert die Verstärker und Sender entsprechend dem kleineren Stromverbrauch herunter, so müsste das Sendesystem mit 5 Watt Sendeleistung bei 15 Watt Verbrauch eine Masse von 10,3 kg haben

Computer

Computer wiegen heute nicht mehr viel. Man könnte als Bordrechner einen RAD750 nehmen, ich tendiere aber eher zu einem Kleincomputer wie einem Raspberry-Pi oder der Elektronik, die in einem Smartphone steckt. Das ist trotzdem noch um ein vielfaches leistungsfähiger als der RAD750. Solche Elektronik ist nicht weltraumqualifiziert, doch bei Abmessungen von 85 x 56 x 17 mm (Raspberry PI) würde selbst ein 1 cm dicker Titanblock (105 x 76 x 37 mm Volumen) die Masse nur um 1 kg erhöhen – und 1 cm Titan ist die Abschirmung für Juno, die der Strahlung über zwei Jahre und nicht wenige Trage ausgesetzt ist. Für die Datenspeicherung reicht eine herkömmliche SSD aus, die es heute in Kapazitäten bis zu 1 TByte gibt. Selbst wenn man die Daten dort mehrfach redundant speichert. Bei einer Datenrate von maximal 108 Mpixel/s dürfte der RAD 750 mit 200 MHz aber mit der Datenverarbeitung überfordert sein. (er entspricht der Prozessortechnolohie von 1997).

Strukturen, Kabel etc.

Der Rest der Sonde, vor allem die Struktur für die anderen Komponenten mag weitere 11 kg wiegen. So kommt man auf rund 35 kg für die ganze Sonde. Es können auch 50 kg sein, das lässt etwas mehr Spielraum und dann könnte man für das Spektrometer ein zweites Teleskop nutzen, das eine kürzere Brennweite hat – Spektrometer teilen das Licht, das bei einer Kamera auf ein Pixel fällt auf 256, 480, 640 oder gar 1024 Pixel, je nach Detektor auf, da entfallen trotz größerer Pixel (40 x 40 µm anstatt 14 x 14 µm sind üblich) weniger Licht pro Pixel.

Missionsablauf

Ich habe für zwei Missionen mal die Ergebnisse, die man erhalten könnte, durchgerechnet. Zuerst habe ich für die Angaben des Teleskops die Mindestzahl der Bilder berechnet, die man ausgehend von einem minimalen Abstand machen muss, um den Mond monochrom zu kartieren. Diese ergeben sich aus dem Abstand, der Geschwindigkeit, der Dauer für eine Aufnahme (inklusive Speichern) und der Geschwindigkeit. Die Letztere ist bei Io die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Sonde und Io, bei Oberon die Geschwindigkeit absolut, da man sich praktisch senkrecht zur Bewegungsrichtung des Monds bewegt. Für beide Simulationen gilt:

Parameter

Io (9 MPixel)

Io WXGA

Oberon

Geschwindigkeit:

8,7 km/s

8,7 km/s

11,3 km/s

Bilder:

2,958

110.825

1.444

Minimale Auflösung

40 m

13 m

27 m

50 % Auflösung

50 m

15 m

34 m

Datenmenge:

37,2 GByte

139 GByte

19,5 GByte

Die nächste Frage wäre, ob diese Datenmenge auch zur Hauptsonde übertragbar ist. Bei Uranus ist dies relativ unkritisch: In 34 Stunden steigt die Distanz nur von 434.000 auf 576.000 km an. In den 34 Stunden sind 1210 Bilder übermittelbar. Die Datenrate nimmt dabei kaum ab. In weiteren 8 Stunden bei nur wenig größerer Distanz wären alle Bilder übertragen.

Anders sieht es bei Io aus. Es sind doppelt so viele Bilder und die Relativgeschwindigkeit ist größer. In 46 Stunden steigt die Distanz von 229.000 km auf 1.092.000 km an. Hier sind nur 1008 Bilder übertragbar, also ein Drittel der Menge.

Eine Möglichkeit ist es natürlich, ein kleineres Instrument zu benutzen oder bei größerer Distanz anzufangen. Bei 8.000 km Minimaldistanz ist die Auflösung der letzten Aufnahmen nur um 1 m schlechter, es entfallen eben alle hochauflösenden Aufnahmen, die aber nur wenig Fläche abbilden. Alternativ kann man auch mit einem Filterrad acht Aufnahmen desselben Gebietes machen – in der Zeit, in der die gespeichert werden, hat sich die Sonde viel mehr weiterbewegt und die nächste Aufnahme bildet ein viel größeres Gebiet ab. Das entschärft auch das Problem der Lageregelung.

Immerhin wären selbst 1000 Bilder mit je 9 MPixeln ein Vielfaches der Datenmenge, die man bisher von Io hat, das sind maximal 100 bis 200 Aufnahmen mit einer Auflösung, die den Mond mindestens bildfüllend zeigen und dies von Kameras mit 800 x 800 oder 1024 x 1024 Pixeln.

Folgen für die Hauptsonde

Auch für die die Hauptsonde ergeben sich Folgen. Die erste ist, wenn es sich um eine Vorbeiflugsonde handelt (die Tochtersonde bei Jupiter könnte auch von einem Orbiter aus abgeworfen werden und dann unter günstigen Umständen sogar zwei Vorbeiflüge an Io durchführen, wenn das Gas für die Lageregelung ausreicht), das die Sonde dann eine schwenkbare Instrumentenplattform braucht. Die hatten alle Raumsonden bis Galileo, seitdem sind die Instrumente fest an einer Seite montiert und die ganze Sonde dreht sich für Beobachtungen. Dann kann man aber nicht unabhängig voneinander Daten senden und beobachten. Kurz: solange die Tochtersonde sendet, wäre dann die Hauptsonde inaktiv, das wäre aber gerade während der heißen Phase der Begegnung. Natürlich kann man den Transfer der Daten verschieben, dann nimmt aber die Entfernung noch mehr zu und die Datenmenge noch mehr ab. Für eine Sonde in einem Orbit ist diese Einschränkung weniger wichtig. Die Uranussonde würde in jedem Falle eine Vorbeiflugsonde sein. Für sie ist der Abstand aber nicht so kritisch, sodass hier die Instrumente festmontiert werden könnten. Eine Vorbeiflugsonde an Jupiter benötigt dann aber eine schwenkbare Instrumentenplattform.

Das zweite ist, dass die Hauptsonde die Daten auch zur Erde übertragen kann. Ich habe bewusst die Antenne von Juno als Maßstab genommen, obwohl sie relativ klein ist (3 m Durchmesser: Voyager hatte 3,7 m, Galileo 4,8 m Durchmesser). Juno kann mit 120 kbit/s zu einer 70-m-Antenne des DSN senden. Die Datenmenge von 109 GBit, welche die rund 1000 Bilder haben brauchen also 10,5 Tage reine Sendedauer. Das ist noch erträglich. Bei Uranus würde die Datenrate aber bei sonst gleichen Parametern auf weniger als ein 1/13 sinken, dann braucht eine Sonde über 142 Tage, um nur diese Daten zu übertragen. Andererseits hat New Horizons die Daten auch über mehr als ein Jahr übertragen.

Fazit

Als Resümee kann man daher sagen: Ja eine Tochtersonde ist möglich und sie liefert eine ziemliche Datenmenge. Letztere kann man reduzieren, wenn man die Anforderungen etwas herunterschraubt. Selbst 100 m Auflösung wären vergleichen mit dem, was man heute an Bildern von den Monden hat, bei beiden Sonden schon Spitze. Für Uranus wäre sogar eine kleine Flotte denkbar, denn es gibt ja fünf Monde, also bräuchte man vier Tochtersonden. Bei der nur langsam zunehmenden Entfernung würde man dann jede Sonde einige Stunden abfragen, dann die nächste und so weiter. In der Zeit könnten die RTG dann auch die Batterien aufladen. Die Datenmenge wäre pro Sonde kleiner, aber immer noch besser als nur wenige Bilder aus großer Distanz. Analog wäre das eine Alternative für einen Jupiterorbiter: Io verändert sich ja dauernd. Eine Orbitersonde könnte z.B. drei Sonden mitführen, die sie im Jahresabstand absetzt. Daneben kann man so besser die ganze Oberfläche erfassen, eine Hälfte wird ja immer im Dunkeln bleiben. Bei Uranussonden ist das wegen der fast senkrechten Rotationsachse von Uranus nur möglich wenn die Sonde zur Tag/Nachtgleiche also erst wieder Ende 2049 den Planeten passiert.

12.12.2018: Bye Bye Briten

Gestern hatte Theresa May einen Städtetrip hinter sich. Drei Länder, drei Regierungschefs in einem Tag, eben so die Art von Reisen die Briten lieben. Grund sie wollte noch mal den Breakxit-Vertrag nachbessern. Weil der wohl nicht durchs Parlament kommt.

Ich war mit dem Vertrag nicht zufrieden, nur anders als die Briten. Der Vertrag bedeutet für England, dass sie durch ein Handelsabkommen im Prinzip Mitglied des Binnenmarktes sind, mit allen Vorteilen, aber nicht mehr in der EU. Damit müssen sie keine Beiträge mehr bezahlen die dann bei diktatorischen Staaten in Osteuropa landen, die sich weigern Flüchtlinge aufzunehmen (okay, damit können auch die Engländer nicht glänzen). Sie müssen nicht EU-Vorschriften umsetzen die über nationalem Recht stehen und haben kein Problem mehr mit Feinstaub und NOx. Sie können wieder ihre eigene Regeln für Produkte, Deklarationen und Sicherheit verabschieden. Kurzum, sie haben wieder ihre volle nationale Souveränität gewonnen und müssen auch kein Verfahren der EU befürchten, wenn sie mal gegen Vorschriften verstoßen, wie z.B. Italien, das sich derzeit mehr verschuldet als erlaubt.

Besser geht es doch nicht: Die wichtigsten Vorteile mitnehmen, dabei volle Souveränität zurückerhalten. Doch das reicht ihnen nicht und nun schlägt sie zu, die britische Überheblichkeit die man am einfachsten so beschreiben kann „Entweder wir machen es so, wie wir es wollen oder gar nicht“. Damit haben sie schon früher dauernd den anderen EU-Staaten Knüppel in die Beine geworfen. Die Debatten, ob man in der EU überhaupt sein sollte, gab es schon in den Sechzigern. Noch heute reden Engländer zwar von „Europa“, meinen den Begriff aber synonym mit „dem Kontinent“, also sehen sich nicht als Bestandteil von Europa. Da ist es folgerichtig, wenn man austritt.

Dabei hat diese britische Haltung sie ein Weltreich gekostet. Es fing 1776 an, als einige amerikanische Kolonien keine Steuern zahlen wollten, wenn von dem Geld nicht auch was bei ihnen ankommt. Eigentlich ein nachvollziehbarer Gedanke und ein Problem, das man lösen kann, ohne Gewalt anzuwenden. Es kam zum Britisch-Amerikanischen Krieg, der mit der Unabhängigkeit der Kolonien von England endete. Dann verbot man den Indern, die auch schon Jahrzehnte eine Kolonie waren, selbst Salz in jeder Form zu handeln oder zu gewinnen und das in einem Land mit subtropischem Klima und dem entsprechenden Verlust von Salz durch Schwitzen. Ein gewisser Ghandi ging zum Strand und hob dort einige Salzkörnchen auf – das reichte aus, um ihn zu verhaften. 17 Jahre später wurde die britische Flagge zum letzten Mal eingeholt und Indien unabhängig, es folgten bald darauf die anderen Kolonien.

Ab und zu habt ihr damit Erfolg gehabt, so im Zweiten Weltkrieg, als ihr am Rande einer Niederlage wart. Aber auch nur weil Hitler so verrückt war und Russland und den USA den Krieg erklärt hat. Ohne deren Hilfe habt ihr überall, wo die deutschen und britischen Streitkräfte aufeinandertrafen, sehr alt ausgesehen: in Frankreich, Griechenland und Nordafrika, wo sich auch erst das Blatt wendete, als die USA eingriffen.

Dieser britische Sturkopf treibt bisweilen bizarre Blüten. Ich kann mich noch an den Falklandkrieg erinnern. Okay, die Annektion dieser Inseln durch Argentinien war nicht okay, aber deswegen eine Flotte an den Rand der Antarktis zu schicken? Wegen einiger Inseln mit ein paar Tausend Einwohnern, auf denen man praktisch nur Schafe züchten kann? Da wäre ich doch froh, wenn mir die jemand abnimmt und ich nicht noch Subventionen dahin zahlen muss. Stattdessen fängt man einen Krieg an, der mit den Folgekosten für das Militär die eh schon hohe Verschuldung noch mal um einen zweistelligen Milliardenbetrag hochgetrieben hat.

Ich wünsche es euch eines: keinen Vertrag. Ihr seid ohne Vertrag in die EU eingetreten, ihr sollt es ohne Vertrag verlassen. Ihr habt ja auch noch eure nationale Währung, das britische Pfund. Ja es war mal ein Pfund Sterling-Silber wert. Gut man wird eine Grenze zu Nordirland ziehen müssen die kontrolliert wird, damit nicht zu viele Wirtschaftsflüchtlinge aus England kommen, aber die kann man ja sicher wieder abschieben, sie kommen ja aus einem sicheren Herkunftsland. Dann könnt ihr auf eurer Insel euer eigenes Süppchen kochen mit Linksverkehr, so komischen Vorstellungen von Demokratie (Mehrweitwahlrecht, Unter- und Oberhaus) und Essen (Fish und Chips, Speck und Bratwüste zum Frühstück, Pfefferminzsoße zu Lamm).

Ich befürchte nur es wird mit euch weiter nach unten gehen. Die Infrastruktur scheint ja schon marode zu sein, weil man auf die glorreiche Idee gekommen ist, Wasser- und Stromanschlüsse und Bahntrassen zu privatisieren. Klar Firmen wollen ja kein Geld verdienen die halten das Netz in Schuss und buttern noch was vom eigenen Geld rein und senken dafür die Gebühren...

Ich prophezeie, dass es nicht mehr lange dauern wird, dann hat die Insel vollkommen abgewirtschaftet. Es geht doch eigentlich seit Jahrzehnten bergab. Aber ihr habt noch eine Alternative: werdet der 52-Bundesstaat der USA. Die sprechen die gleiche Sprache, haben den bei euch erfundenen Kapitalismus à la Holmes zur Staatskultur erhoben, erfreuen sich an verschrobenen Eingeborenen mit noch seltsameren Gewohnheiten – ganz England als Disneyland. Außerdem haben die noch die alten Maße, die ihr aufgeben musstet wie Inch, Yard oder Unzen. Politisch versteht ihr euch ja sowieso mit den USA besser als mit Europa. Ihr wart ja auch die Einzigen, die bei Bush Angriffskrieg 2003 mitgemacht haben.

Es könnte noch schlimmer klommen. Es heißt ja „Vereinigtes Königreich“ und zumindest beim Fußball git es ja vier Mannschaften: Nordirland, Wales, Schottland und England – anscheinend ist das wörtlich zu nehmen und die Schotten wollten ja schon über ihre Unabhängigkeit und damit Zugehörigkeit zu Europa abstimmen. Das könnte noch mal kommen, und wenn es ganz dumm läuft, habt ihr in einigen Jahren nicht mal eine ganze Insel mehr. Gut gemacht: in 80 Jahren vom Weltreich zu einer halben Insel...

Aktuell höre ich das Theresa May, nachdem sie schon die Abstimmung zum Vertrag verschieben musste, nun mit einem Misstrauensvotum aus der eigenen Partei kämpfen muss. Bestätigt voll, was ich von euch denke: wirklichkeitsfremd, bis zum Gehtnichtmehr. Da holt jemand das Beste aus diesem idiotischen Beschluss auszutreten heraus und es reicht euch nicht und ihr säbelt sie noch ab...

Aber auf die einfache Idee, den Austritt zurückzunehmen, das ist ja nach einem aktuellen Beschluss des EuGH möglich kommt keiner, wäre auch gegen die britische Sturheit...

 


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