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Web Log Teil 548: 15.3.2019 - 27.3.2019

15.3.2019: Die SLS-Schnappsidee

Die SLS, noch hat sie ja keinen besseren Namen bekommen, wird sich trotz Rekordzuwendungen im nächsten NASA-Budget weiter verspäten. Verwundern tut das keinen Experten, denn das Modell der gleichmäßigen Finanzierung anstatt des typischen Anstiegs bis zum Ende der Entwicklung hat noch nie funktioniert. Es kam unabsichtlich öfters zum Einsatz, wenn man die beantragten Summen nicht bekam und sich so die Entwicklung verlängerte. Immer wurde es teurer als geplant.

Nun hat die NASA eine wirkliche Schnapsidee. Anstatt das erste Orion mit einer SLS zu starten sollen es nun kommerzielle Raketen richten. Das Dumme nur: es gibt keine die die notwendige Nutzlast hat. Die NASA gibt die Masse eines voll befüllten Orion mit 57.000 US-Pfund, 25.848 kg an. Das ist das Maximum, das man je nach Mission aber nicht braucht. Die unterste Grenze ist ein Umfliegen des Mondes, wofür man nur wenig Treibstoff braucht. Rechnet man 200 m/s für Kurskorrekturen, so kommt man bei einer Kapsel von 10.387 kg und einem Trockengewicht des Servicemoduls von 8000 Pfund (3.630 kg) auf eine Startmasse von etwa 15 t, so viel wogen auch die Apolloraumschiffe im Erdorbit. Schwenkt man in eine Mondumlaufbahn ein, so braucht man meiner Rechnung nach, aber das volle Gewicht.

Die 15 t müsste eine Falcon Heavy gerade noch wuppen können, glaubt man der SpaceX Webseite. Nimmt man dagegen die von Führungspersönlichkeiten herausgeleakten Daten, dann kommt die Falcon Heavy ohne jede Bergung, gerade auf 15 t in den GTO, das würde also auch nicht reichen. Jede andere Rakete benötigte in jedem Falle mehrere Starts.

In Frage kämen sowieso nur leistungsfähige Raketen, denn selbst wenn man das Servicemodul im Orbit nicht auftankt, muss die Minimalnutzlast in einen Erdorbit 14,1 t betragen, wenn man es aufgetankt startet, sind es dann 26 t, was derzeit nur die Falcon Heavy transportieren kann. Doch das reicht nicht. Dann muss es ja den Erdorbit verlassen. Also müssen weitere Starts folgen, mit denen es zum Mond gelangt. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie eine die letzte Stufe an der Orion belassen und dann aufzutanken oder sukzessive neue Stufen an das Orion ankoppeln, zünden und den Orbit schrittweise ausweiten. Da die Nutzlast für einen Mondorbit typisch ein Drittel bis ein Viertel der Nutzlast in den Erdorbit ist, macht das mindestens zwei, eher drei Starts nötig.

Dabei muss man dann Dinge beherrschen, die man noch nie gemacht hat, wie das Andocken einer Stufe an ein Servicemodul. Das ist etwas komplett anderes als das Andocken an die ISS. Dort gibt es Kopplungsadapter mit Anschlüssen und einer Führung des Sporns, der sich dann verhakt. Hier müsste man an den Abschluss der Tanks des Servicemoduls ankoppeln, ohne die Führung die es bei Kopplungsadaptern gibt und mit der Düse des Triebwerks als Hindernis. Wenn die Stufe angekoppelt bleibt und mehrfach aufgetankt werden soll müsste man an diese ankoppeln, und sie auftanken. Ebenfalls etwas was man noch nie gemacht hat. Zudem müsste sie ziemlich lange ihren Treibstoff kalt halten – die letzten Stufen aller US-Raketen haben ja keine lagerfähigen Treibstoffe mehr.

Kurzum: ich halte das für eine ausgesprochene Schnapsidee. Es fehlen die Verfahren das durchzuführen. Die müssten erst entwickelt werden, was ebenfalls Zeit kostet und vor allem kostet es auch Geld. Das Geld fehlt dann bei der SLS. Dadurch verzögert die sich dann noch weiter. Vor allem sehe ich keinen Grund zur eile. Es gibt ja keine Deadline wie bei Apollo, die Mission ist wissenschaftlich sinnlos, eine reine Testmission. Wann sie stattfindet, ist also egal. Die NASA will dagegen die Lösung schon in 15 Monaten haben – man kann froh sein, wenn man nur eine Trägerrakete bestellt und die ist nach 15 Monaten verfügbar. Üblich sind Vorlaufzeiten von 24 Monaten. Ich halte das technisch und zeitlich für fast unmöglich und zudem überflüssig. Eben eine Schnapsidee.

18.3.2019: Ein Mondprogramm mit der SLS

Mein letzter Blog über die SLS bringt mich auf die heutige Idee. Wie kann man ein Mondprogramm durchfuhren, wenn die Trägerrakete nicht die benötigte Nutzlast hat? Die SLS muss anfangs ohne Oberstufe auskommen. Selbst wenn man dann eine entwickelt, dauert es Jahre, bis sie zur Verfügung steht. Nicht zuletzt gibt es ja mit der New Glenn bald eine Rakete mit in etwa der Leistung einer Falcon Heavy. Diese Träger sind noch keine Schwerlastträger aber schon deutlich größer als die kommerziellen Vehikel, die man für den Satellitentransport braucht.

Schon früher hat man verschiedene Konzepte evaluiert. In der Frühphase des Apollo-Programms die Konzepte der direkten Landung, des EOR und LOR-Verfahrens, das man schließlich genutzt hat. Beherrscht man das LOR-Verfahren so gibt es weitere Möglichkeiten, die ich hier erläutern will. Sie alle gehen von 25 t in eine Mondtransferbahn (TLI) aus, die von der NASA genannte Mindestnutzlast der SLS mit Delta Zweitstufe als Oberstufe.

26 t wiegt alleine die Orion, wobei ich bei den angegebenen Trockenmassen das dV Budget ziemlich gering einschätze, verglichen dem was Apollo hatte. Die einfachste Lösung ist es, einen Mondlander separat zu starten. Er schwenkt dann in eine Mondumlaufbahn ein. Dafür benötigt er größere Tanks in der Abstiegsstufe. Es gibt auch stabile Mondumlaufbahnen. In einer befindet sich der LRO seit 2009. Er kann so Monate vor der Besatzung gestartet werden. 26 t Startmasse und 1000 m/s ΔV für das Einschwenken in eine Umlaufbahn und Bahnkorrekturen entsprechen bei einem Voll-/Leermasseverhältnis von 8:1 für die Zusatztanks einem Mondlander von 17,8 t Gewicht der in die Umlaufbahn geschleppt wird, also schwerer als der von Apollo (wobei ich aber auch denke, dass er heute schwerer sein würde, die Orionkapsel wiegt ja auch fast doppelt so viel wie das Kommandomodul von Apollo).

Wenn man eine länger auf dem Mond bleiben will, braucht man auch eine bessere Unterkunft. Die Mondlander hatten ja nur das Innenvolumen einer Telefonzelle. Ein Behausung würde man aber direkt landen, ohne erst in eine Umlaufbahn einzutreten. Bei einem ΔV von 3000 m/s (600 m/s mehr als die Fluchtgeschwindigkeit) und einem Voll-/Leermasseverhältnis von 6 (beim LM lag es bei der Landestufe bei 5, dort befanden sich aber auch Batterien, Wasser und andere Verbrauchsmaterialen und sie war kleiner). Könnte man 6,6 t auf dem Mond landen, die Apollo LM Aufstiegsstufe wog 4,4 t.

Das ist nicht viel, reicht aber für eine kleine Behausung. Nimmt man das Flächengewicht eines ISS-Moduls, dann reicht das für ein Raumvolumen von 41 m³, das wären bei 2,30 m Deckenhöhe z.B. eine Fläche von 17,8 m². Nicht viel aber gut über einige Tage aushaltbar. Wegen der Mondnacht wird man sicher nicht länger als 14 Tage auf dem Mond bleiben. Man könnte natürlich auch ein 6,6 t schweres bewegliches Labor wie ein Mondmobil landen. Solche Vehikel hat man in der frühen Phase des Apolloprogramms auch geplant.

Doch denken wir weiter. Geht es noch kleiner?

Ja. Technisch kann man den Mondlander nochmals in Aufstiegsstufe und Abstiegsstufe trennen. Auch das Servicemodul brauchte erst mal nur die Treibstoffe, um in einen Mondorbit einzuschwenken. Man könnte ein zweites Servicemodul mit einem Kopplungsadapter in einem Mondorbit parken und dann vor dem Rückstart ankopplen. Bei der aktuellen Architektur mit einer 13,7 t schweren Orion mit leerem Servicemodul braucht man eine Startmasse von 19 t, wenn man den Treibstoff zur Rückkehr separat startet. Eine Mondlandestufe wäre bei einem Voll/Leermasseverhältnis von 8 für die Zusatztanks dann 12,8 t schwer, etwa 2,5 t schwerer als die von Apollo. Im Prinzip kann man das dann noch weiter optimieren: Die Aufstiegsstufe, die viel kleiner als die Abstiegsstufe ist, könnte ebenfalls Treibstoff enthalten die man vor der Landung in die nun teilweise entleeren Tanks umpumpen kann. Die Kombination wäre dann 38 t schwer, nach Einschwenken in den Mondorbit noch 27,2 t und ohne Tanks, die man dafür braucht, 25,6 t. Das ist immerhin 50 % mehr als bei Apollo. Es würde für ein knapp 9 t schweres Labor reichen, also nochmals ein Drittel mehr als in der obigen ersten Berechnung. Analog könnte man für längere Mondorbitmissionen ein 13 t schweres Labor in eine Mondumlaufbahn einschwenken lassen, an das die Kommandokapsel ankoppeln könnte. Ich halte nichts davon, weil die Erforschung aus dem Orbit besser durch Satelliten erfolgt. Für die kosten des LRO bekommt man nicht mal einen SLS-Start. So könnte man ein Mondprogramm mit vier bis sechs Starts einer Rakete die 19 t zum Mond oder 60 bis 70 t in eine Erdumlaufbahn bringt, durchführen. Vier Starts wäre eine Wiederholung von Apollo, sechs ein zusätzliches Labor auf Mondoberfläche und in der Umlaufbahn.

Natürlich ist das reine Fiktion, denn es wäre viel preiswerter eine Oberstufe für die SLS zu entwickeln, vor allem verglichen mit den Kosten, die man für den Mondlander aufwenden muss, ist das ein Pappenstiel. Doch wenn man kommerzielle Firmen das angehen, könnte es so kommen, insbesondere wenn man noch andere Einsatzgebiete für die Rakete hat.

Zuletzt noch eine gute Neuigkeit: ich habe endlich die erste Lesung meines Saturn-Buchs durch. 325 Seiten sind es geworden, noch ohne Abbildungen, mit den Bildern dann eher in Richtung 400 Seiten, was ich auch anpeile, dann zu einem Preis von etwa 25 Euro. Im Textumfang ist es mit 594.0000 Seiten genauso umfangreich wie das Buch über das Mercuryprogramm und nur wenig kürzer als das Buch über Skylab mit 658.000 Zeichen, den Rekordhalter bei den Raumfahrtbüchern. Ich hoffe die zweite Lesung nächste Woche fertig zu haben, dann geht es an Mario. Mit etwas Glück, abhängig von den Korrekturlesen, erscheint es vielleicht noch im Juli.

22.3.2019: „National Security Space Launch“ - die gleiche Misere unter neuem Namen

Am 3.3.2019 hat man das EELV-Programm umbenannt in „National Security Space Launch“. Wie überall in der Welt meint man in den USA, dass wenn man etwas neu benennt, man die schlechten Assoziationen mit dem vorherigen Begriff vergessen machen kann.

Aber ich will nicht ungerecht sein, da nun neue Träger entwickelt werden, hat sich zumindest etwas geändert. Dazu weiter unten mehr. Das EELV Programm ist nun 25 Jahre alt. Es begann mit eine Direktive von Clinton 1994, auch wenn der Startschuss für die Entwicklung erst später begann.

Ich denke ich kann mich hier in dem Blog kurz fassen, was das EELV-Programm bisher angeht.

Es hatte zwei Gründe. Der eine war, dass man mit den Kostensteigerungen der Träger nicht einverstanden war. Vor allem die Titan erreichte Startkosten von über 400 Millionen Dollar. Sie sollte primär ersetzt werden. Das zweite war, das 1987 Ronald Reagan beschloss, das die NASA nicht mehr, wie bisher kommerzielle Starts im Auftrag durchführen sollten, sondern dies US-Firmen selbst tun sollten. Es dauerte etwa 3 Jahre, bis die Firmen sich dieser neuen Lage angepasst hatten und 1997 war das Ergebnis schon ernüchternd. Die Titan konnte nur anfangs einige Aufträge abgreifen, da Arianespace gar nicht mal alles starten konnte, sie waren ja als einzige Firma übrig geblieben. Die Atlas war im Einsatz, hatte aber zunehmend durch die russische Konkurrenz zu leiden. Anders als Arianespace konnte man nicht zwei Satelliten bündeln und die Satellitenmasse war deutlich kleiner als bei einer Proton oder Zenit. Die Delta II war einfach zu klein und der Nachfolger Delta III ein Rohrkrepierer.

Im Prinzip ging es also dazu die US-Hersteller quer zu subventionieren, damit sie wieder erfolgreich wurden.

Es klappte nicht Delta IV und Atlas V blieben teuer. Die Atlas V hat inzwischen einige kommerzielle Starts abgewickelt, meistens dann, wenn Zenit und/oder Proton für längere Zeit gegroundet waren. Dazu kamen einige LEO-Starts nachdem die Delta II nicht mehr zur Verfügung steht. Zeitweise hat die Regierung den Firmen sogar die Verluste durch ausbleibende kommerzielle Aufträge ausgeglichen. Seit Jahren finanziert sie einen Fixkostenanteil mit, damit die Firmen nicht qualifizierte Mitarbeiter entlassen, wie dies sonst üblich ist.

Zwischendurch haben sich dann Lockheed-Martin und Boeing zu ULA zusammengeschlossen, sodass zumindest der Konkurrenzgedanke, sofern es ihn mal gab, sich erledigt hat.

Die Preise für die Trägerraketen stiegen zuerst stark an, und blieben dann auf dem hohen Niveau. Bewegung kam erst durch das Auftauchen von SpaceX. An der kommerziellen Vermarktung änderte das nichts, doch nun gab es auch einen US-Konkurrenten. Kur bevor SpaceX 2014 die kommerziellen Flüge aufnahm hat die USAF dann noch schnell einen Block Buy gemacht, angeblich um Kosten zu sparen. SpaceX hat sich vor allem durch den Klageweg inzwischen einige Aufträge verschafft, vor allem aber welche für „preiswerte“ und nicht sicherheitsrelevante Nutzlasten wie die in Serie gebauten GPS Satelliten oder das X37B. Der Firma nicht gut getan hat auch der Verlust von ZUMA letztes Jahr. Wie viele Aufträge des Militärs die bisher erfolgten, wurde dieser von Grumman gebaucht, die Auftagnehmer für as Militär waren, also als „Schlüsselfertig im Orbit“. Es dürfte dem Dod egal sein ob Grumman oder SpaceX am Verlust schuld sind. Tatsache ist, dass es so was noch nie vorher gab und das natürlich problematisch ist, wenn die "neue" Firma, wenn sie mit einer "alten" zusammenarbeitet, es einen Totalverlust gibt. Gerechterweise muss man dazu sagen das SpaceX mit der Falcon 9 auch viele DoD-Missionen nicht bedienen kann – militärische Satelliten in den GEO oder höhere Orbits haben in der Regel keinen integrierten Antrieb. Dann sinkt die Nutzlast aber stark ab, weil die 4 bis 5 t schwere Oberstufe auch noch den Orbit erreicht. Eine Centaur wiegt nur 2,2 t und hat zudem einen höheren spezifischen Impuls was sich bei höheren Geschwindigkeiten in einer geringeren Nutzlastabnahme.

Erst jetzt wo die Konkurrenz da ist, tut sich bei ULA was. Die Delta wird eingestellt, die Produktion der Atlas umstrukturiert um sie billiger zu machen, was man auch an den sinkenden Startkosten in den letzten Jahren sieht.

Nun ist EELV in National Security Space Launch umbenannt und letzten Oktober gab es mehr als 2 Milliarden Dollar an Lockheed Martin, ATK/Grumman und Blue Origin. Wieder sollen neue Träger entwickelt werden. Wobei zumindest eines sich geändert hat: drei Firmen bekommen die Fördergelder, aber nur zwei Raketen werden übernommen, die dritte (ich tippe auf ATK/Grumman) geht leer aus und muss die Fördermittel sogar zurückzahlen. Ansonsten bleibt aber alles beim Alten:

Braucht man neue Raketen?

Natürlich nicht. Jeder der neuen Träger ist mindestens im oberen Drittel der bisherigen Träger angesiegelt, teilweise geht es sogar noch hinaus. Die Minimalnutzlasten für den GTO liegen bei 4,9 t, 11 t und 13 t. (OmegA, Vulcan, New Glenn) Die Atlas V 401 dagegen bei 4,9 t und die Delta 4M bei 4,2 t. Wenn schon jetzt vor allem diese kleinen Versionen fliegen, dann braucht man keine neuen Raketen entwickeln. Zumal es ja noch die Falcon 9 und Heavy von US-Anbietern gibt und die New Glenn wird auch ohne Subventionierung kommen. Dann gibt es schon genug Auswahl.

Fehler im System

Wer den Blog regelmäßig liest, weiß: ich halte nichts von der Ariane 6. Sie ist im Prinzip eine Ariane 5 ECB, nur eben um 2,5 Milliarden Euro teurer. Man hat die Geldgeber damit rumbekommen, dass man so konkurrenzfähiger wird, weil man die Produktion rationeller gestalten kann. Für mich eine Schnapsidee, weil Ariane zu 70 % kommerzielle Satelliten startet. Aber für die US-Regierung, die ja zu 100 % die Raketen selbst nutzt wäre es eine sinnvolle Investition, wenn die Hersteller ihre Produktion umstellen, um sie billiger zu produzieren. Wenn man 2,3 Mrd. $ ausgibt dann dafür. Natürlich nicht ohne Gegenleistung und das wären für X Flüge garantierte Preise, ansonsten Rückzahlung oder nie wieder Aufträge.

Wenn man sparen will, dann sollte man auch das System überdenken. Klar Behörden wollen immer Extawürste. Sie müssen ja nicht über die Verwendung des Gelds Rechenschaft ablegen. Aber bei Startservices? Bei Arianespace gibt es keine Extrawurst für die ESA. Die meisten Nutzlasten sind kommerziell, trotzdem hat Ariane 5 eine Erfolgsbilanz, die besser als bei jedem US-Träger ist. Diese Vorschriften, die die US-Starts nur verteuern, so etwa um 20 bis 30 Millionen Dollar pro Start, bringen also nichts.

Doppelt hält nicht besser

Was mich schon beim EELV störte, war das man zwei Träger mit denselben Möglichkeiten finanzierte. Lockheed Martin hatte sogar eine Atlas V Heavy mit Boosterbündelung im Angebot für den Fall, dass die Regierung sich für diese Version entschlossen hätte.

Wie sich zeigte, ist das keine Garantie, dass die Startpreise niedrig sind. Als Absicherung gegen Fehlstarts ist es ebenso untauglich. Alle anderen Nationen kommen mit einer Rakete pro Nutzlastklasse aus. Gibt es einen Fehlstart so untersucht man ihn und einige Monate später, startet die Nächste. Nur bei bemannten Flügen gibt es sehr lange Pausen. Doch selbst dann nützt einem ein zweiter Träger nichts. Es ist ja nicht so, dass diese auf Halde produziert werden. Es dauert rund 24 Monate von der Bestellung bis zum Start. Da kann auch dann der zweiter Träger nicht die Lücke füllen. Ebenso werden Nutzlasten rechtzeitig gestartet, man wartet nicht, bis eine ausfällt, geht die neue beim Fehlstart verloren, so ist die alte immer noch funktionsfähig.

Es hilft auch, in die Vergangenheit zu blicken. 1962 starteten 38 Thor-Deltas, es gab alleine für die Corona-Aufklärungssatelliten 5 Startrampen in der VAFB, auf einer stand immer eine Thor Agena startbereit. 1966 starteten 33 Atlas, vor allem mit GAMBIT Aufklärungssatelliten. Damals hatte man mehr Starts als heute, auch mehr Fehlstarts und keine kam auf die Idee „Huuh da ist was schiefgegangen, jetzt brauchen wir ein zweites Trägersystem“. Das ist die typische Haltung einer Warmduscher-Behörde.

Kleiner ist besser

Während Dod und NRO neue Riesenraketen planen, geht woanders der Trend zu kleinen Satelliten. Man muss nicht Cubesats berühmen aber Minisatelliten und Mikrosatelliten, also das Segment unter 1 t Masse boomt. Die zivilen Erderkundungsatelliten von Digiglobe (bei denen das Militär auch der beste Kunde ist) sind alle kleiner als die KH-12 des Pentagons. Frankreichs neue Generation „Plejades“ ist auch leichter als die Helios-Satelliten und das sind beides militärische Satelliten. Die ASI will nun für ihr Militär erstmals Kommunikationssatelliten mit der Vega C starten – die spiralen sich dann selbst vom LEO in den GEO. Nicht zuletzt gibt es Oneweb mit Hunderten von Satelliten, jeder weniger as 200 kg schwer.

Vereinzelte Experimente gibt es ja schon so der S5 Mikrosatellit als Sekundärnutzast beim letzten Falcon-GTO-Start. Was die neuen Träger eher verschlimmern, ist das es dafür keinen US-Träger gibt. Die Pegasus ist zu teuer und läuft aus, ebenso die Minotaur, die ausgemusterte Minuteman nutzt. Die Taurus ist zu teuer und unzuverlässig. Die Delta II gibt es nicht mehr. Das sah als man das EELV auflegte noch ganz anders aus. Da gab es auch noch die Athena.

Die USA haben keinen Träger unterhalb etwa 8,6 t LEO-Nutzlast und so machen kleine Satelliten keinen Sinn, wenn man wie z.B. bei TESS eine Falcon 9 kauft, um einen 365 kg schweren Satelliten zu starten.

Meine Alternative

So nun kommt der Teil, den einige Blogleser als Besserwisserei ansehen: ich habe mich hingesetzt und eine Rakete für kleine Nutzlasten bis maximal zur Nutzlast, der kleinsten Atlas konstruiert und simuliert. Zugegeben das war leicht: Man nehme einfach nur die alte Long tank Thor, nur mit einem etwas kürzeren Tank, sodass sie nur 58 t wiegt (Thor: 48 t, long Tank Thor 70 t). Anstatt des alten Triebwerks kommt aber ein Merlin zum Einsatz. Dazu kommt die Delta Oberstufe in der letzten Version. Deren Daten stehen fest, ebenso Schub und spezifischer Impuls des Merlins. Die Leermasse der ELT habe ich übernommen, obwohl die Rakete 12 t leichter ist, das gibt dann noch 500 kg Reserven für SpaceX, wenn sie mal die Stufe bergen wollen für weiteres Equipment.

Diese Rakete hat 900 kg Nutzlast in eine niedrige Erdumlaufbahn. Nimmt man noch 2,3,4 oder 6 erste Stufen als Booster hinzu und verlängert die Brennzeit der zentralen Stufe (das Merlin ist auf 70 % Schub reduzierbar) so kommt man auf eine zweieinhalbstufige Rakete mit folgenden LEO Nutzlasten:

Bei Sechs Boostern kann man die zentrale Stufe nach der ersten zünden. Sie braucht dann keine Oberstufe mehr. Diese Version kommt auch auf über 3 t in den GTO und 2 t auf Fluchtbahnen. Genug für viele NASA-Missionen zu den Planeten.

Ich meine es gäbe Bedarf bei der NASA und dem DoD für einen Träger dieser Größe. Sicher nicht viele Starts aber so vier bis fünf, und vielleicht wenn der Trend zu kleineren Satelliten auch beim Militär ankommt, noch mehr. Es gäbe nur ein Problem: SpaceX. Die wollen ja nicht mit anderen zusammenarbeiten außer es sind ihre Kunden. Nur als das Geschäft noch nicht so lief, haben sie für Statolaunch eine Zeit lang die erste Stufe gestellt.

Aber wenn ich dran denke wie sie hinter den Startaufträgen der Regierung her sind denke ich, sind diese ein gutes Druckmittel. Schlussendlich kann es in niemanden Interesse sein, wenn einer meint, nur er könne alles. Im Arbeitsleben wird ja auch immer Teamfähigkeit verlangt und wer die nicht hat, der kann noch so gut sein, de bekommt keinen Job. Selbst wenn SpaceX mal die Falcon einstellt und zur BFR wechselt (ich glaube nicht daran), dann könnte man es wie bei den H-1 Triebwerken machen: von denen wurden viel mehr produziert als benötigt und diese dann eingelagert und bis 1992 also 24 Jahre nach Produktionsende „verfeuert“. Dann lässt man die Produktionsstraße noch eine Weile offen. Rechnet man 5 Starts mit 4 Boostern pro Jahr, so bräuchte man für 20 Jahre rund 400 Triebwerke, also so viele wie in 40 Falcon 9 stecken. Die passen problemlos in eine größere Halle.

Aber wie immer, es ist nur eine Idee von mir. Das Militär hat ja eine gewisse Abneigung gegen fremde Ideen, vor allem wenn es vernünftige sind ...

23.3.2019: Sieben Wochen ohne Lügen

Zwischen Fastnacht und Ostern liegt ja traditionell die Fastenzeit. Früher wurde da ja noch richtig gefastet. Heute denkt man da eher an eine Einschränkung des Luxus. Vor einigen Jahren habe ich mal probeweise auf Alkohol verzichtet, was für mich keine große Einschränkung war, weil ich eh wenig trinke. Deutlich schwerer wäre es auf Kaffee oder Süßigkeiten zu verzichten. Dieses Jahr hat die evangelische Kirche eine gute Idee, die ich umsetzen will: bis Ostern auf Lügen zu verzichten. Das will ich umsetzen.

Ich denke das macht mir weniger Probleme als anderen. Wer den Blog hier dauerhaft liest, vor allem meine Meinungsartikel, ahnt das ich nicht gerade ein höfflicher Mensch bin. Ich sage auch sonst meist geradeaus meine Meinung, eine schlechte Eigenschaft, die ich von meinem Vater übernommen habe. Immerhin ist es noch meine Meinung, mein Vater hat immer so getan als wäre seine Meinung die Tatsache. Höfflichkeit ist meiner Meinung ja die andere Medaillenseite der Lüge. Wenn man immer die Wahrheit oder sagen würde, was man denkt. Die Welt wäre voller Konflikte. Im Kleinen wie Großen. Man hat eine Ahnung davon, wenn ein Politiker wie Trump mal diese Regel zum größten Teil ignoriert und ausländische und inländische Politiker beschimpft.

Das zweite was mir die sieben Wochen ohne Lügen vereinfacht, ist, das ich alleine bin, und zwar gerne. Ohne viele Kontakte kommt man nicht in die Gefahr, lügen zu müssen. Trotzdem stand als Prüfung gestern meine Schwester vor der Haustür. Sie lässt sich selten blicken, weil Sie und mein Bruder seit Jahren verstritten sind und ich meine das mein Bruder recht hat. Natürlich hat sie auch auf ihn geschimpft und ich habe mich entschlossen, besser gar nichts dazu zu sagen. Wenn ich die Wahrheit gesagt hätte es hätte böse geendet. Denn Sie traute der Abrechnung meines Bruders über die Heizkosten eines 6-Familienhauses, dass sie gemeinsam geerbt haben, nicht und wollte den Heizungstank inspizieren, um festzustellen, wie groß er ist. Auf der Plakette konnte Sie aber die Angabe nicht finden. Sie ging dann in der Überzeugung der Tank fasst 340 Liter. Ich habe mir verkniffen zu sagen, das ich sie für nicht nur paranoid, sondern auch sehr dumm halte, und nur mal drauf verwiesen, dass der Tank 1,5 m hoch ist und einen Raum von mehreren Metern Breite und Länge ausfüllt und erheblich größer als mein Tank ist, dessen Volumen von 7.000 l, ich kenne. Ich habe nur drauf verwiesen, dass ich als Einzelperson 1500 bis 1600 l Heizöl im Jahr brauche, und es sich hier um ein 6-Famileinhaus handelt.

Meiner Ansicht nach entfallen die zwischen 80 und 200 Lügen, die man nach psychologischen Untersuchungen ja pro Tag von sich gibt, auf das sich selbst Anlügen. Ich hätte zumindest Probleme auf die nötige Konversationsdauer zu kommen. An manchen Tagen wechsele ich keinen Satz mit einem Menschen. Und das Leben geht nicht ohne Selbstanlügen, deswegen habe ich das auch ausgeblendet. Wenn ich diesen Blog schreibe, dann lüge ich mich selbst an, denn ich nehme an, dass sich eine größere Anzahl von Menschen dafür interessiert. Ich kann mir aber die Website Statistiken ansehen und da hat der ganze Blog (auch mit allen schon erschienen Artikeln) im Monat rund 23.000 bis 25.000 Aufrufe. Populäre Artikel schaffen im Jahr etwa 2.000. Das reicht noch nicht mal um ihn bei der