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Web Log Teil 550: 7.4.2019 - 16.4.2019

7.4.2019: Raketen-Vermischtes

Heute ein Blog zu einigen Raketenthemen, die alle etwas kurz sind. Das erste spannt einen Bogen von Trägerraketen zum Brexit (diesmal so geschrieben wie die Medien). Ich bin drauf gekommen, weil ich gerade an einer Neuauflage der Fotosafari durch den Raketenwald arbeite. Ich habe es aufgegeben, das ich bis zur Landung von Apollo 11 es schaffe den Band 2 über Apollo zu veröffentlichen. Da meiner Erfahrung nach (von 2009) dann rapide die Verkäufe runter gehen, ist es eigentlich, egal wann er danach erscheint. Aber bis zum Jubiläum von Apollo 13 sollten alle Bände (es gibt noch einen Dritten über Raumanzüge Ausrüstung, Mondmobil und Experimente) erschienen sein – zumindest nach der Planung.

Ich habe beim Schreiben bemerkt, wie viel sich in den letzten Jahren bei mir getan hat. Heute erscheint mir das Buch für meinen Anspruch fast zu flach, weil es nicht auf die Technik eingeht in dem Maße wie ich es will - es hat auch nur einen Bruchteil des Umfangs meiner beiden Standardwerke. Andererseits, vergleiche ich das mit der Zeit als ich die Raumfahrt für mich entdeckte wäre das Buch eine Offenbarung gewesen. Damals fand man in Büchern über Raumfahrt einige Seiten über Trägerrakete. Die gesamte Delta Familie z.B auf zwei Seiten abgehandelt, bei mir sind es immerhin acht. Gerade andersherum verhält es sich bei den offiziellen Dokumenten. Meine Bücher über Apollo enthalten nur einen Bruchteil der Informationen, die damals öffentlich waren. Es gibt für alle Systeme von Apollo eine "News Reference", die sehr technisch ist und weiter geht als meine Bücher. Für die aktuellen neun Träger ist es dagegen problematisch, auch nur Basisinformationen oder auch gute Fotos zu erhalten.

Beim Buch habe ich 11 neue Trägerraketen aufgenommen, die in den letzten drei Jahren neu erschienen. Weitere stehen in den Startlöchern. Ich lese aber auch die die alten Beschreibungen nochmals durch durch, und da ich gestern gerade angefangen habe, bin ich erst bei „B“ wie Black Arrow. Frage: Was hat die Black Arrow mit dem Brexit zu tun?

Antwort: die hat genau den gleichen Schlingerkurs durchlaufen wie der Brexit. Die Black Arrow entstand aus dem Vorhaben Englands, dritte Weltraummacht nach den USA und UdSSR zu werden. Der Regierung und dem Parlament waren die Konzepte (die ersten basierten noch auf der Mittelstreckenrakete Blue Streak) immer viel zu teuer. Fünf Jahre lang haben sie eines nach dem anderen abgelehnt. Schließlich konnte das Parlament noch für eine minimalistische Rakete mit nur rund 100 kg Nutzlast erwärmen, trotzdem bekam die Rakete nie besonders hohe Finanzmittel und die Entwicklung dauerte entsprechend lange. Schon vor dem letzten Start (und Einzigem der einen Orbit erreichte) beschloss dann England wieder den Ausstieg und hat sich damit wieder zum Raumfahrtzwerg degradiert. England wurde dann siebte, nicht dritte Nation die einen Satelliten mit eigener Rakete startete. Mit WRESAT hatte sogar die ehemalige Kolonie Australien vorher eine Nutzlast erfolgreich in den Orbit gebracht, allerdings auf einer amerikanischen Redstone-Erststufe.

Das englische Parlament scheint einen Drang zu haben das Land in allen möglichen Belangen möglichst zu verkleinern.

Bei den neuen Raketen sind sieben der elf neue Kleinsatellitenträger. Da habe ich mir gedacht, warum meine Lieblingsfirma PlatzX denn ihre Falcon 1 aufgegeben hat, die doch genau im richtigen Nutzlastbereich war. Ich habe mich mal drangesetzt und eine Falcon 1 Heavy oder LFR (Little Falcon Rocket) mit einem Merlin 1D als Erststufenantrieb und einem Super-Draco als Zweitstufenantrieb modelliert. Die Strukturfaktoren habe ich von der Falcon 1 übernommen. Der spezifische Impuls des Super-Dracos ist mit 235 (Meereshöhe) ziemlich niedrig, daher habe ich die Oberstufe ziemlich klein (5,5 t schwer) gemacht. Diese Rakete könnte etwa 450 kg auf eine sonnensynchrone Umlaufbahn in 600 km Höhe transportieren oder etwa 700 kg in einen niedrigen Erdorbit.

Für SpaceX gäbe es noch einen zweiten Grund diese Rakete zu entwickeln. Angebracht an eine Falcon 9 würden die ersten Stufen, wenn sie genauso lange brennen wie die Falcon 9 Erststufe, also ähnliche Mengen an Resttreibstoff in den Tanks hinterlassen, die GTO-Nutzlast bei Seebergung von 5,5 auf 6,7 t anheben. Das würde dann wieder für den Transport auch größerer Satelliten reichen und mit der Bergung sinken die Kosten der Stufe (bei der LFR macht, da die Super-Dracos einen miserablen spezifischen Impuls haben, die Bergung der ersten Stufe aufgrund der starken Nutzlastabnahme keinen Sinn).

Zuletzt habe ich mir Gedanken gemacht wie man die direkte Landung auf dem Mond – anders ist eine bemannte Landung die Pence ja schon in 5 Jahren haben will – nicht möglich mit der SLS durchführen kann. Es ginge relativ leicht, wenn man die SLS upgradet, z. B. sechs SRB einsetzt, davon vier am Boden gezündet, das wäre sogar mit einer relativ geringen Spitzenbeschleunigung von 3 g verbunden. Doch da ich nicht damit rechne, versuchte ich es mit der derzeitigen SLS und der geplanten EUS hinzubekommen. Die Schwierigkeiten:

Nach den Fakten nun die Erklärungen: 108 t bekommt man nicht mit der SLS zum Mond. Selbst mit der EUS benötigt man dazu drei Starts. Dann schlagen aber gleich zwei Probleme zu: Die EUS kann keine schwere Nutzlast in den Erdorbit befördern. Sie ist zu schubschwach mit einer extrem langen Brennzeit. Man müsste die 108 t also schon in zwei Flüge aufteilen, z.B. Abstiegsstufe (70 t) und Aufstiegsstufe (38 t). Die dann in elliptischen Erdorbits gelangen, dort ankoppeln und dann mit einem dritten Start zum Mond gelangen. Mit einem Startpad liegen aber Monate zwischen diesen Starts. Die beste Lösung, die mir noch einfiel, wäre es zuerst die Abstiegsstufe in einen elliptischen Erdorbit zu schicken, dann sie mit der EUS in einen Mondorbit zu bringen und dann die Aufstiegsstufe direkt in einen Mondorbit. Sie liegt noch unter den 45 t für einen direkten Start. Das würde funktionieren und erfordert nur einen Start mit Besatzung an Bord, also kein Warten über Monate im elliptischen Erdorbit. Nur gibt es ein Problem: Die Aufstiegsstufe muss sich oberhalb der Abstiegsstufe befinden. Wenn sie im Mondorbit ankoppelt, so geht das nur mit dem Kopplungsadapter am Kopf der Kapsel, sie würde also kopfüber landen. Man müsste einen völlig neuartigen Kopplungsmechanismus entwickeln, der ein zuverlässiges Ankoppeln mit dem Servicemodul erlaubt.

Das man die Kombination erst mal ohne Treibstoffe in einen Erdorbit transportiert (die 108 t sind zu viel für einen Einzelstart der SLS in einen Erdorbit) und dann auftankt ginge. Solange könnte man die Kombination auch an die ISS ankoppeln. Dann bräuchte man wieder zwei Starts eine für die Kombination mit teilweise leeren Tanks und einen für eine Auftankstufe. Doch dann erst hätte man die Kombination vollbetankt in einem Erdorbit um diese von diesem in einen Mondorbit zu befördern bräuchte man weitere zwei SLS Starts und da die Oberstufen keinen lagefähigen Treibstoff haben, wäre auch diesmal nach dem ersten Start nur eine elliptische Erdumlaufbahn möglich, dann müsste man weitere Monate warten, bis ein zweiter Start die Kombination dann zum Mond bringt.

Kurzum: Mit der derzeitigen SLS wäre kein Mondprogramm möglich, auch nicht mit einem Mondlander wie bei Apollo. Der wäre zwar viel leichter, doch die SLS hat nicht mal die Nutzlast um ein Apollo-Raumschiff zu starten. Schon dazu fehlen rund 4 t Nutzlast. Da die Orion aber 10,1 anstatt 5,6 t wiegt, wäre eine Kombination mit Mondlander sogar noch schwerer als Apollo. Diese 10 t Gewicht sind auch das grundlegende Problem. Die Startmasse ist bei der direkten Landung praktisch linear von der Kapselmasse abhängig. Würde die Orion nur 5,6 t wie das Apollo-CM wiegen, so würde die direkte Landung mit 60 t in den TLI möglich sein – das schaffen sicher zwei SLS-Starts mit EUS und knapp zwei SLS mit IPCS.

12.4.2019: The Neverending Story

Derzeit arbeite ich mit Hochdruck an einer Neuauflage der Fotosafari durch den Raketenwald. Eigentlich nur als kleines Update und etwas Abwechslung nach Monaten Beschäftigung nur mit dem Apolloprogramm gedacht, hat es sich doch zu etwas größerem Update gemausert: Es werden 224 anstatt 176 Seiten werden, 102 anstatt 75 Träger. Wahrscheinlich erscheint das Buch dann auch regelmäßig neu denn mindestens 10 weitere Träger stehen derzeit vor dem Jungfernflug.

Trotzdem will ich mal einen Blog einstreuen, auch wenn ihr das Thema sicher so wenig wie ich noch hören könnt der Brexit (in meiner Schreibweise Breakxit, war für mich immer logischer). Nun hat man nochmals verlängert zum 31.10.2019. Wie zu hören vor allem, damit man nicht alle paar Wochen einen neuen Sondergipfel abhalten will. Aber wird er was ändern?

Also ich schildere das mal wie ich die Situation sehe, nur nach der Berichterstattung. Die Brexit-Befürworter de ja die Volksabstimmung gewonnen haben, haben ihrem Volk alles mögliche versprochen was der Austritt aus der EU an Vorteilen bringen soll und eine größere Fraktion unter diesen sind Hardliner, die wollen raus aus der EU, egal wie. Ich habe mal bei Phoenix beim Zappen eine Debatte des englischen Parlaments verfolgt, da sagte der Redner der Konservativen wirklich, England habe Europa in 100 Jahren zweimal vor dem Untergang gerettet und würde nun von Europa regiert. Der Ministerrat würde alle Entscheidungen treffen. Wer so was glaubt ist unbelehrbar. Schon die Prämisse stimmt nicht – der Erste Weltkrieg ging vor mehr als 100 Jahren zu Ende und wurde erst durch den Kriegseintritt der USA entschieden und der Zweite Weltkrieg hat primär die Rote Armee gewonnen. Durch die Landung in der Normandie ging es schneller, aber auch da waren die Engländer nur mitbeteiligt.

Man hat wohl gedacht, das es so läuft wie bisher in Europa. Ansonsten ist man sich bei 27 Staaten ja nie einig und vieles wird blockiert, auch von uns z. B. Strengere Abgasgrenzwerte. Aber wenn es darum geht das einer raus will und sich die Sahnehäubchen raus sucht, also alle Nachteile weg haben will, aber alle Vorteile wie freier Warenverkehr oder Wegfall von Grenzen und Grenzkontrollen nutzen will. So hat May erst mal eineinhalb Jahre gepokert um zu sehen ob die Front nicht bröckelt. Aber das war nicht der Fall und bei der dann schwachen Position und dem Zeitdruck was rauskam ist eben nicht das was die Brexit-Befürworter haben wollen.

Der Vertrag ist nun viermal im britischen Parlament abgelehnt worden. Viermal! Genauso oft ist May durch Europa getingelt um nachzuverhandeln, ebenfalls ohne Erfolg. Also nach vier Versuchen sollte man doch eingesehen haben, das es so nicht mehr geht. Selbst ein Affe der einen Elektroschock bekommt wenn er nach einer Banane greift, macht das nicht viermal. Noch schlimmer: das Parament hat ja dann über acht unterschiedliche Anträge für den Brexit abgestimmt. Keiner kam durch! Dabei wären diese Anträge auch nur als „Wünsche“ zu interpretieren und nicht als Vertrag den die anderen 27 Staaten akzeptieren. Aber dann wüsste man wenigstens wofür es eine Mehrheit im dortigen Parlament gibt.

Woanders wäre das ein Grund zurückzutreten und Neuwahlen auszurufen. Nicht in England. Vorzeitige Neuwahlen sind dort häufig, aber meist aus strategischen Gründen – man lässt neu wählen wenn es nicht mehr lange bis zur nächsten regulären Wahl wäre und man gerade in einem Stimmungshoch ist. Allerdings befürchte ich wird das keine Klärung bringen. Denn was würde eine neue Regierung tun? Nachverhandeln? Den Rücktritt zurücknehmen? Ich weiß, auch in England ist das Thema Brexit durch. Auch dort ist die Stimmung gegen eine zweite Volksabstimmung. Aber es geht ja um etwas was jeden betrifft, nicht irgend einen Mückenschiss. Ich meine man kann so argumentieren: Wir wollten den Breakxit, wussten aber nicht wie er genau aussieht. Nun liegt der Vertrag vor, mehr ist nicht herauszuholen, wollt ihr ihn immer noch? Ich halte das auch für eine Position die man als Regierung vertreten kann, wenn man etwas Verstand hat. Nur glaube ich nicht daran. Es gab ja innerhalb der Regierung die innere Opposition dieser nordirischen Splitterpartei, die immer gegen jeden Entwurf stimmte. Ausgerechnet Nordirland. Wenn eine Region besonders negativ betroffen ist, weil sie anders als Restengland eine Landgrenze zu einem EU-Mitgliedsstaat hat, dann ist es Nordirland. Aber dazu wird es nicht kommen, denn das wäre ja wie Neuwahlen ein Schuldeingeständnis.

Daher mein Vorschlag an alle Briten: macht die Europawahl, an der ihr ja teilnehmt zur Ersatzvolksabstimmung! Wenn ihr nicht Teil der EU sein wollt, müsste ihr auch kein EU-Parlament wählen und wenn ihr Teil sein wollt, dann wählt. Alleine an der Wahlbeteiligung wäre dann der Volkswille zu erkennen. Zumindest relativ, also im Vergleich zur letzten Wahl. Ansonsten ist aber die Situation verfahren. Was soll man denn noch ändern, nochmal viermal abstimmen lassen? Nur weil das britische Parament den Vertrag ablehnt nachbessern, bis sie das haben was sie wollen? Das wäre ein schlechtes Signal an alle anderen Mitgliedsstaaten, ich würde es fast als Erpressung sehen. Oder die Briten ungeregelt aus der EU entlassen?

Mein Tipp an May, er wird sie nicht erreichen, selbst wenn sie Deutsch kann und diesen Blog liest: Denk an deinen Eintrag in den Geschichtsbüchern? Willst Du als die Premierministerin in die Geschichte eingehen, die England in den ungeregelten Brexit führte? Die es nicht fertigbrachte einen Vertrag durchs eigene Parlament zu bringen? Oder als die politische Führerin, die die Größe hatte, das eigene Volk nachdem das Parlament als ihre Vertreter unfähig sind eine Entscheidung zu treffen wieder die volle Souveränität zurückgab, indem es eine neue Volksabstimmung gibt und zwar eine mit einem Ergebnis das man auch umsetzen kann. Das wäre Meiner Meinung nach nur eines:

Übrig den Vertrag selbst kann man ja nicht abstimmen, das kann nur das Parlament, sonst hätte May ihn ja schon unterschrieben können.

Ich habe das Gefühl May ist inzwischen so in dem politischen Alltag verstrickt, das sie die gesamte geschichtliche Rolle des Vorgangs und ihre Rolle in diesem Possentheather schon vollständig aus den Augen verloren hat.

Das wirklich einzig positive daran ist, das wohl einige mehr erkannt haben, was wir an Europa haben. Man hat sich ja so gewöhnt auf die EU zu schimpfen. Über Normen für Bananen und Staubsauger, über eine Regulierung des Alltags. Aber jetzt wird dem einen oder anderen auch klar was das heißt – Reisen innerhalb Europas ohne Reisepass, ohne Grenzkontrollen. Waren die nicht in jedem Mitgliedsland andere Normen einhalten müssen und zollfrei gehandelt werden. Ich persönlich finde es auch gut wenn viele unserer Gesetze die reflektiv als Bedrohung gegen Gefahren einfach verschärft werden ohne nachzudenken vom EU-Gerichtshof gekippt werden, wie die Vorratsdatenspeicherung oder die unbeschränkte Verwahrung ohne Verfahren.

Es ist wie sonst im Leben – man meckert lieber und vergisst was gut läuft.

Zuletzt noch ein Sprung zur Titelzeile. Eigentlich wollte ich ja „Anarchy in the UK“ nehmen, passend zu der Situation, aber den habe ich schon in einem Kommentar zu meinem letzten Beitrag zum Brexit „verbraten“. Aber der einzige Hit von Limal, Titelsong des gleichnamigen Films passt eigentlich auch zur Situation. Denn es endet ja nie. Am 31.10.2019 wird es genauso sein, nur wird das britische Parlament bis dahin den Vertrag eben nicht viermal, sondern neunmal abgelehnt haben.

15.4.2019: Raketenmannia

Gestern habe ich die Korrektur der zweiten Auflage der Fotosafari durch den Raketenwald – da ich plane, das ich sie regelmäßig alle paar Jahre aktualisiere nun mit der Unterschrift „Edition 2019“ abgeschlossen. Es gab in den drei Jahren zehn neue Träger:

Zwei sind Träger für größere Satelliten (Langer Marsch und Falcon Heavy), ein weiterer ein nationaler Träger, doch die anderen sieben sind allesamt Träger für Kleinsatelliten:

Träger

Maximale Nutzlast

SSO Nutzlast

Electron

167 kg

150 kg

KT-2


400 kg

Kuaizhou-1A

430 kg

225 kg

Langer Marsch 11

700 kg

350 kg

OS-M

205 kg

73 kg

SS-520

20 kg


Zhuque-1

300 kg

200 kg

Das sind nur die, die schon geflogen sind. Vor allem aus China sind, nach dem die Regierung 2014 Firmen die Raketenentwicklung erlaubte, einige Firmen aktiv geworden. Zwei der Träger in der Liste stammen von ihnen. Insgesamt 10 Firmen arbeiten an Trägern für Kleinsatelliten. In den USA gibt es die Firefly Alpha und Launcher One und ebenso etliche Startups, die jedoch wenige Fortschritte aufweisen können.

Sicher ist der Markt derzeit am Boomen. Dazu gehören ja im Prinzip auch die Konstellationen an erdnahen Satelliten von SpaceX, Amazon und OneWeb.Doch gerade die zeigen das Problem: Es ist ja nun nicht so, das nur die Satelliten kleiner werden. Sie werden auch zahlreicher. Nehmen wir mal Oneweb, von denen gibt es die zuverlässigsten Zahlen. Onweb hat 21 Starts mit der Sojus und drei mit der Ariane 6 gebucht. Dazu kommen zwar noch 39 mit der LauncherOne – also mehr Starts als mit den größeren Modellen – doch die transportieren eben 39 Satelliten und die anderen Starts die restlichen 609.

Auch bei den kleineren Erderkundungssatelliten macht es die Masse – sie müssen ja einen Mehrwert bieten. Denn naturgemäß ist durch die kleinere Masse auch die Auflösung kleiner, weil das Teleskop kleiner sein muss. Sie gleichen das durch Aktualität aus. Mehr Satelliten überfliegen ein Gebiet öfters und die Daten sind so aktueller – das erschließt neue Einsatzgebiete. Vorher nützten die Bilder für die Verkehrsplanung, Erntevorhersage oder Waldschadensinventur. Wenn man wirklich viele Satelliten hat, damit kurze Revisit-Zeiten und die Daten in Echtzeit automatisch auswertet, kann man so Staus erkennen, Umweltsünder dingfest machen, Waldbrände lokalisieren.

Mehrere Satelliten eines Typs startet man aber besser zusammen mit einem Träger, als jedes Mal einen eigenen Start zu buchen. Dafür sind diese Träger aber meist schon zu klein. Sie haben sich auch schon auf die kleinsten Satelliten spezialisiert. Je nach Definition wird ja schon ein Satellit unter 500 kg als Kleinsatellit angesehen – meine persönliche ist es die, das die Masse unter 200 kg liegen sollte, das ist das Maximum, was größere Träger als Startgelegenheit für Sekundärnutzlasten anbieten. Für den SSO-Orbit sind da einige Träger schon nicht leistungsfähig genug und nur einer der obigen die könnte zwei dieser Kleinsatelliten transportieren. Die NL-520 eignet sich sogar nur für Cubesats.

Es verwundert daher nicht, wenn viele der Firmen schon Pläne für eine leistungsfähigere Version in Petto haben. Allerdings eben nur Pläne. Die muss man auch finanzieren. Daneben machen die schon etablierten Trägern, den kleinen Konkurrenz. Eine PSLV hat schon 104 Satelliten auf einmal gestartet. Mit der Vega-C wird auch ein neuer Dispenser eingeführt, der mehrere Mikrosatelliten und Cubesats erlaubt. Beide Träger haben 1.000 bis 2.000 kg Nutzlast, das erlaubt dann schon mehrere Kleinsatelliten pro Start.

Meine Prognose: Der Wettbewerb wird hart. Die besten Chancen sehe ich derzeit bei der Electron. Sie hat schon 5 Flüge hinter sich. Die beiden privat entwickelten chinesischen Träger OS-M und Zhuque-1 sind beide gescheitert. Besser sieht es bei den staatlichen oder halbstaatlichen wie KT-2, CZ-11 oder Kuaizhou aus. Doch die sind wahrscheinlich auf chinesische Nutzlasten beschränkt. Gerade bei den chinesischen Trägern wird es interessant sein zu sehen, ob die Exporteinschränkungen der USA für Elektronik von Satelliten auch für diese kommerziellen chinesischen Firmen gelten oder nur für die staatliche CGWIC. Wenn ja, dann dürfte sicher sein, das von diesen chinesischen Startups nicht viele übrig bleiben.

Was für mich als Autor problematisch ist: für alle diese neuen Träger gibt es kaum Fakten. Bei den chinesischen Trägern sind schon Abmessungen und Masse nur noch geschätzt. Der Trend, der eigentlich schon seit Jahren nach unten geht, hält an. Ich will nicht mal die Saturn ansprechen, wo es durch den NTRS wirklich viel Material gab, übrigens auch für die Presse deutlich technischer als heute. Man muss sich nur mal ansehen, was es von der ESA offiziell zu Ariane 1-4, Ariane 5 und Ariane 6 gibt. Auch hier der Trend dramatisch nach unten. Und da es eine Raumfahrtagentur ist, kann man auch nicht mit dem Argument kommen, es wären Firmengeheimnisse.

Stattdessen setzen die Agenturen eben auf Videos, doch die können schriftliche Informationen eben nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Für mich macht es den Job nur schwerer.

16.4.2019: Arbeitsplätze

Letzten Freitag kam in der Heute Show eine Kabaretteinlage von Nico Semsrott. Er beschäftigte sich auch mit dem absoluten Totschlagargument in der Politik: Arbeitsplätze. Man kann jedes Vorhaben mit einem einzigen Satz zum Fall bringen: „Fas kostet Arbeitsplätze“. Das Argument ist ein Totschlagsargument. Dann werden Wähler arbeitslos. Die wählen einen nicht mehr. Auch ihre Familien nicht. Und sie haben viel freie Zeit und sagen das noch anderen, die dann wieder einen nicht wählen. Arbeitsplätze sind wichtig, oder wie Nico Semsrott erkannte: „wichtiger als Menschen, denn jeder Arbeitsplatz hat einen Menschen, aber nicht jeder Mensch einen Arbeitsplatz“.

Das führt dann zur heutigen Politik. Merkel feiert sich als „Klimakanzlerin“, dabei hat sie eigentlich nichts gemacht, seit sie nun seit 13 Jahren im Amt ist. Sie hat nur das Weiterlaufen lassen, was Rot-Grün vorher gestartet hat. Den Atomausstieg wollte sie sogar rückgängig machen. Dumm nur das dann in Japan ein Atomkraftwerk in die Luft flog.

Sie beklagt die mangelnde Elektromobilität. Aber was tut man für sie? Baut man die Infrastruktur aus? Oder sorgt man durch strengere Abgasnormen dazu, dass auf die Automobilindustrie ein Druck ausgeübt wird, denn alleine wird man dort nichts tun. Nein im Gegenteil: Deutschland verhindert regelmäßig die Verschärfung der Normen. Auch im Abgasskandal werden deutsche Hersteller mit Samthandschuhen angefasst. Denn beides kostet Arbeitsplätze. Elektroautos sind weniger komplex als mit Kraftstoffen betriebene und benötigen weniger Personen für die Herstellung. Warum allerdings strengere Abgasnomen, die sich ja auf Flotten beziehen, Arbeitsplätze kosten sollten, entzieht sich meiner Kenntnis. Denn man kann sie auch durch weniger PS einhalten, müsste dann natürlich die Autos neu konstruieren, oder einfach langsamer fahren, was mich dann schon zu meinem nächsten Totschlagargument bringt, dem Tempolimit auf Autobahnen. Aber das ist eine andere Baustelle.

Wie verrückt das wird, zeigt der Braunkohlegipfel. Jeder weiß die Braunkohle ist höchst ineffizient. Sie enthält Wasser, das bei der Verbrennung mit verdampft wird und die Ausbeute steigert und sie besteht sonst aus reinem Kohlenstoff, mehr Kohlendioxid pro Kilogramm Masse kann man folglicherweise nicht produzieren und zusätzlich zerstört sie die Landschaft, Dörfer (da sind dann die Arbeitsplätze komischerweise egal) müssen weichen, und wenn es gut läuft, hat man dann nach 40 Jahren eine Seenlandschaft. Also wir sollten raus, auch wenn man uns international noch beim Klimaschutz ernst nehmen soll. Aber was macht man? Man zahlt Bundesländern und Energiekonzernen 40 Milliarden für den Ausstieg der auch 20 Jahre dauern soll. 40 Milliarden bei gerade mal 20.000 Beschäftigten in der Branche!

Mein Vorschlag. Gebt jedem dort Beschäftigten 500.000 Euro. Gerne auch geteilt in Form von Einzahlungen in die Rente um den Verdienstausfall zu kompensieren, Einmalprämie und monatlichen Zuschlag über eine bestimmte Zeit und ich denke jeder ist zufrieden. Die restlichen 30 Milliarden kann man nutzen, um woanders Arbeitsplätze zu schaffen. Wobei ich daran denke, dass man für die Ansiedlung neuer Betriebe gute Bedingungen schafft. Wie den Ausbau des Internets vor Ort, Senkung der Gewerbesteuer oder bessere Infrastruktur allgemein. Auch für diesen Aufbau braucht man Leute, und wenn man langfristig Unternehmen ansiedeln kann, kommen weitere Arbeitsplätze dazu.

Ich halte das Konzept, das die Regierung hat, Arbeitsplätze zu erhalten, indem man sie subventioniert, für falsch. Natürlich muss es Subventionen geben, wenn ich ein politisches Ziel habe. Das betrifft für mich öffentlichen Nah- und Fernverkehr. Wenn ich will das die Leute vom Auto weggehen muss die Alternative preislich attraktiv sein. Aber wenn ich sowieso nicht die gesamte Energie im eigenen Land erzeugen kann, wie das bei der BRD eben der Fall ist, dann macht es keinen Sinn mit Milliarden dann noch einen Industriezweig zu subventionieren, der sowieso nur einige Prozent des gesamten Energiebedarfs decken kann. Stattdessen sollte man in erneuerbare Energie investieren. Dann nähme man auch Deutschland noch als Vorreiter oder zumindest Triebkraft in der Umstellung auf den Klimawandel wahr. Die meisten Energiekonzerne sind ja zumindest teilweise staatlich wie RWE oder EnBW. Warum investiert in diesen nicht der Staat dann in Windkraftanlagen oder andere regenerative Energien und nutzt dazu die Milliarden, die man sonst für den Braunkohletagebau ausgegeben hätte?

Letztendlich ist es relativ einfach: Wenn man das Argument „Das kostet Arbeitsplätze“ nehmen muss, hat man meiner Ansicht nach schon verloren. Denn wenn ein Arbeitsplatz nur bestehen kann, indem die Politik sich einmischt, dann ist er schon verloren. Industrien wandeln sich. Wir hatten mal eine große Textilindustrie, auch die Stahlindustrie war mal größer – das produzieren heute andere Länder billiger. Dafür gab es vor 30 Jahren praktisch keine Informationstechnologie in Deutschland. Und die hat nie nach Subventionen geschrien. Die Politik täte besser den Industrien, die am Wachsen sind zu helfen anstatt mit Subventionen, Gesetzen oder Ähnlichem sterbende Industrien am Leben zu erhalten wie einen Patienten im Wachkoma.

18.4.2019: Der Weltraum als Werbefläche

Heute stieß ich auf diesen Artikel in dem Pepsi, in dem die Brausewassermarke nun ein Vorhaben eingestellt hat den Weltraum als Werbefläche zu nutzen. In der Grafik wird klarer, wie man sich dies denken muss. Ein Satellit hat mehrere kleine Flächen, die einzeln gedreht werden können, sodass sie entweder aufleuchten oder nicht. In der Abbildung steht so ein Satellit für vier Bildpunkte.

Das hat zwar Vorteile, so kann man im Prinzip jedes Pixelmuster erzeugen, aber ich denke die Nachteile überwiegen. Nehmen wir mal nur Schrift: Das schlechteste Schriftbild, das ich kenne, war die 5 x 7 Punktmatrix der ersten Nadeldrucker. Das sind 35 Pixel pro Buchstabe. Das reicht schon nicht für Unterlängen. Buchstaben wie das „g“ oder „q“ waren nach oben verschoben. Mein Heimcomputer zeigte 8 x 8 Pixel. Die damals üblichen 9 Nadeldrucker 9 x 9 Pixel und auf einem Textmonitor eines IBM PC bestand ein Buchstabe sogar aus 10 x 14 Pixeln. Nehme ich 4-5 Pixel pro Satellit an, so brauche ich für einen Buchstaben dann in diesen Normen schon 7, 16, 18 oder 28 Satelliten. Für die kurze Botschaft „Pepsi-Cola“ mit 10 Buchstaben dann schon die zehnfache Menge. Das heißt ich komme auf eine Satellitenflotte, ich würde pro Satellit wohl einen 6U Cubesat ansetzen der im Orbit dann auseinandergehen wird. Für „Pepsi-cola“ wären es dann bei 6 kg für einen 6U-Sat eine Startmasse von 420 (70 Satelliten) bis 1.680 kg (280 Satelliten). Das wäre zwar noch von einer PSLV zu starten. Die Zahl der Satelliten dürfte aber ein Problem sein.

Doch es ist das kleinste Problem. Schon nach dem Aussetzen fängt das nächste an. Diese vielen Satelliten müssen ja in enger Formation fliegen und der Abstand muss aufrechterhalten werden. Das setzt eine Genauigkeit voraus, die vielleicht ein Raumschiff bei der Ankopplung an die ISS mit einer Reihe von Abstandsensoren und GPS-Navigation erreicht wird, doch diese Ausrüstung dürfte kaum in einen Cubesat passen. Immerhin kleine Ionentriebwerke, die man braucht um den Abstand zu halten, werden derzeit entwickelt, bzw. sind sogar verfügbar:

Das nächste Problem ist, das der Abstand auch gehalten werden muss. Je nach Stellung werden die Flächen aber unterschiedlichen Luftwiderstand verursachen und damit wird die Abbremsung unterschiedlich sein. Sicher man kann das umgehen, wenn man die Satelliten relativ hoch aussetzt. Doch das ist zum einen Wegen des Problems des Weltraummülls nicht erwünscht zum anderen nimmt die Sichtbarkeit (Helligkeit) mit steigendem Abstand ab. Kurzum. Ich halte es technisch für zu aufwendig. Für das folgende bin ich von einer Bahnhöhe von 400 km ausgegangen, auch wegen des Weltraummülls. Ich sehe solche Reklame auch als etwas vorübergehendes an.

Helligkeit

Ich will mal eine Abschätzung machen, wie hell das wird. Eines ist klar. Man wird die Punkte nicht direkt erkennen können. Dafür sind sie zu klein. Das klappt nicht mal mit der ISS und die hat wirklich große Solarzellenflächen.

Wenn ich 20 % der Masse eines Cubesats für das Segel ansetze, das aufgebaut wird ein Sonnensegel ist und für dieses ein Flächengewicht von 30 g/m² komme ich auf rund 7 m². Mit Aluminium bedampfte Mylarfolie für Solarsegel wiegt rund 10-14 g/m², dann kommen aber noch die Streben dazu. Ich benutze im folgenden mal die Magnitudeskala, wie sie in der Astronomie üblich ist, da wir von kleinen Helligkeiten reden und man dann mit Himmelskörpern vergleichen kann.

Der beste Vergleich in der Helligkeit ist der Irdium Flash: Die Antennen sind auch mit Aluminium belegt und eine Antenne eines Irdiumsatelliten der ersten Generation ist 1,88 x 0,86 m groß und der Satellit hat eine Erdentfernung von minimal 780 km. Die Antenne leuchtet, wenn sie das Sonnenlicht reflektiert, maximal -9 Mag hell. Eine 7 m² große Antenne in 400 km Höhe wäre dann 16,4-mal heller oder -12 Mag. Der Mond hat eine absolute Helligkeit von -12,5 mag. Schon 2 Pixel wären also heller als der Vollmond, was sicherlich nicht erwünscht ist, bestehen doch schon kleine Schriftzüge aus Hunderten bis Tausend Pixeln. Damit ist auch klar das man entweder weiter von der Erde weggehen kann, oder die Fläche verkleinern. Wenn 1000 Pixel so hell wie der Vollmond sein sollen, käme man mit 0,011 m² Fläche aus – allerdings nur, wenn man eine direkte Reflexion hat. Soll der Schriftzug nicht nur von einem Ort aus gut sichtbar sein, so müsste die Fläche größer sein. Auch in der Realität wird ein Segel nie eine so glatte und straffe Oberfläche wie die Antenne eines Irdiumsatelliten haben, sodass ich in der Praxis von größeren Flächen ausgehe. Trotzdem bietet der absolute Unterschied von 7 m² zu 0,011 m² genügend Spielraum, als das selbst ein kleiner Satellit die benötigte Fläche hat, um ein helles Pixel zu erzeugen.

Auflösung

Damit man in 400 km Entfernung noch Buchstaben erkennen kann, dürfen die Pixel keinen kleineren Abstand als die Auflösung des menschlichen Auges haben. Bei Nacht sind dies 120 Bogensekunden, da man mit den Stäbchen sieht. Am Tag wäre es günstiger, da sind es 60 Bogensekunden. Bleibe ich bei den 7 m² großen Flächen (2,6 x 2,6 m) so wird diese Grenze von 120 Bogensekunden in schon 4,5 km Entfernung erreicht. Anders ausgedrückt: schon in 400 km Höhe müsste man den Abstand der Flächen pro Pixel auf mehr als 200 m erhöhen. Das zeigt das eigentliche Grundproblem. Wenn mal wieder die ISS Deutschland passiert, versuchen sie mal sie als flächiges Objekt zu erkennen – es wird nicht gehen. Obwohl die ISS riesig ist. Selbst mit Teleskopen sieht sie schlecht aufgelöst aus. Wie bitte soll dann aber eine Schrift lesbar sein? Zumindest für jedermann ohne ein Teleskop.

Wenn man nun pro Pixel einen Satellit nimmt, z.B. einen Cubesat dann wäre der Abstand von 200 m kein Problem, man hätte dann aber noch das Problem wie man Hunderte oder Tausende von Cubesats in Formation fliegen lassen soll.

Stabilität

Es reicht ja nicht einmal, eine Konstellation aufzubauen. Sie muss auch gehalten werden. Nach der Grafik stehen die Flächen wenn sie nicht sichtbar sein sollen senkrecht zur Fläche, wenn sie sichtbar sein soll. Egal wie der Satellit orientiert ist, verursachte das eine unterschiedliche Abbremsung. Eine Fläche in Bahnrichtung bremst ihn schneller ab als eine senkrecht dazu. Bei 4 Flächen pro Satellit wie in der Abbildung kommt noch dazu das eine unsymmetrische Anordnung der Flächen ihn in eine Rotation oder Taumeln bringt. Gegenüber den Anforderungen Hunderte von Satelliten in Formation fliegen zu lassen sind die Konstellationen von Oneweb und Konsorten einfach aufgebaut. Dort reicht es jeweils den Nachbarn im Auge zu behalten und der Abstand ist nicht so kritisch, wie bei einem Pixelmuster wo ein leicht verschobenes Pixel leicht auffällt. Dabei sind die Satelliten größer und damit auch die Möglichkeit der Lageregelung.

Bei kurzen Abständen reicht in der Tat wie in der Abbildung ein fester Abstand zwischen den Segmenten einer Spalte. Das wäre durch ausklappbare Streben erreichbar. Doch bei dem oben berechneten Abstand von 200 m sind die schon vom Gewicht her nicht tragbar.

Fazit

Kurzum: ich halte es für eine Schnapsidee. Ich denke auch in der Form ist es technisch nicht umsetzbar. Ob man so etwas haben will oder braucht, ist eine andere Sache. Ich denke dann noch an die PR-trächtige Mitführung von Getränkeautomaten von Coca- und Pepsi-Cola bei einer Space Shuttle Mission. Das war damals schon eine lustige Schlagzeile, aber dann auch wieder schnell vergessen,

19.4.2019: Kohlendioxid einsparen

Seit gestern läuft meine PV-Anlage, noch ist nicht mal Mittag und sie hat schon 16,4 kWh erzeugt, was nach dem Webbrowser 11,5 kg Kohlendioxid entspricht. Da für mich die Minimierung meines eigenen CO2-fussabdrucks ein Grund für die Anschaffung war, habe ich mich mal des Themas angenommen.

Denn es gibt ja mehrere Zahlen dafür. Ich rechne jetzt mal, damit man eine einheitliche Rechengrundlage hat in Kilogramm Co2 (Kohlendioxid) pro 1000 kWh.

Ich habe bei einem Anbieter mit dem Kostenvoranschlag eine Berechnung bekommen, nach der ich 636 kg CO2 pro 1.000 kWh einsparen. Der Wechselrichter rechnet im Webinterface sogar mit 701 kg/1000 kWh. Benutzter man den CO2-Rechner des Umweltbundesamts so sind es nur 457 kg/1000 kWh. Wie kommen die verschiedenen Werte zustande?

Nun primär, welche Berechnungsgrundlage ich nehme.

Best-Case im Sinne von Kohlendioxideinsparung ist, wenn ich Braunkohle als Basis nehme. Also meine Anlage ersetzt ein „Braunkohlekraftwerk“. Braunkohle hat mehrere Nachteile. Bei ihr ist der Verkohlungsprozess noch nicht abgeschlossen, sodass sie noch organische Substanzen enthält – der Sauerstoffanteil liegt noch bei 21 bis 56 % und sie enthält auch Wasser. Sie ist so eine Zwischenform zwischen Holz und Kohle. Da sie so teiloxidiert ist, ist ist ihr Brennwert gering. Sie produziert also viel Kohlendioxid pro Kilogramm Kohle. Daneben enthält sie noch 4 bis 8,5 % Wasser und das wird mitverdampft. Das kostet nicht nur Energie es senkt auch die Abgastemperaturen ab und jedes Kraftwerk kann nur so viel Nutzenergie aus thermischer Energie gewinnen, wie der Temperaturunterschied zwischen Abgas beim Start und nach Passieren der Turbine ist, im Verhältnis zur Ausgangstemperatur. Je höher die Gastemperatur ist desto höher ist der Wirkungsgrad.

Nach Wikipedia liegt ein Braunkohlekraftwerk bei 980 – 1230 kg Co2 pro 1000 kWh. Also noch deutlich höher als die obigen Werte

Steinkohle liegt besser. Sie enthält mehr Kohlenstoff, bis zu 70 % (wenn man die restlichen organischen Bestandteile verbrennt, indem man die Kohle unter Sauerstoffabschluss pyrrolisert dann erhält, man Koks). So ist die Bilanz besser nämlich 790 bis 980 kg Co2 pro 1000 kWh

Erdgas liegt um einiges besser. Zum einen fehlen hier die anderen organischen Substanzen fast völlig. Daneben enthält es von den Kohlenwasserstoffen maximal Wasserstoff pro Kilogramm Masse und Wasserstoff erzeugt kein Kohlendioxid beim Verbrennen und hat einen hohen Brennwert. 1 kg Wasserstoff liefert 134 MJ/kg. Steinkohle nur 29 MJ. Erdgas liegt bei 25 % Wasserstoffanteil bei 46 MJ/kg. (Benzin zum Vergleich mit geringem Wasserstoffanteil bei etwa 38 MJ/kg). Entsprechend liegt ein Gaskraftwerk bei 640 kg Kohlendioxid/1000 kWh, und wenn man noch die Wärme nutzt, kommt man auf Werte von 410 bis 430 kg/1000 kWh. Fotovoltaik ist auch nicht emissionsfrei. Die Herstellung kostet ja auch Energie. Sie liegt bei 80 bis 160 kg/1000 kWh. Windkraftanlagen und Atomkraftwerke liegen deutlich besser.

Doch das sind nur die reinen Energieträger. In der Realität hat man einen Strommix. Wir haben ja schon einen großen Anteil an regenerativen Energiequellen und das senkt den Durchschnitt ab. Je nachdem was ich also als Anteil der regenerativen Energieträger oder Anteil an Braunkohle / Gas nehme, komme ich auf unterschiedliche Werte. Ich habe für mich den Wert des Bundesumweltsamts genommen, denn dessen CO2-Rechner habe ich als Basis genommen, meine Bilanz zu senken. Ich lag vorher bei 10,01 t Co2 pro Jahr – unter dem Bundesdurchschnitt, aber höher als ich wollte. Was mir meine Bilanz verhagelt, ist das ich nun alleine in einem Haus wohne, das früher für meine ganze Familie Platz bot. Selbst wenn ich intelligent heize, brauche ich 1500 Liter Heizöl pro Jahr. Als meine Mutter noch lebte, waren es nu 300 bis 600 Liter mehr. Das zeigt die Problematik: man heizt indirekt Räume mit die man nicht bewohnt. Mit der PV-Anlage habe ich 2,45 t eingespart, wenn sie die Jahresleistung bringt, die der Anlagenbauer errechnet hat (rund 6070 kWh).

Das nächste was ich angehe, wäre die Umstellung auf reinen Ökostrom. Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen hat einen miserablen Wirkungsgrad. Das kommt nur wenig teurer in der Stromrechnung und spart eine weitere Tonne Kohlendioxid ein. Dann wird es schwierig. Es scheint relativ umständlich zu sein sich als Privatperson einfach nur mit Kapital an einem Windpark oder Ähnlichem zu beteiligen, ohne gleich Gesellschafter zu werden. Die Bürgerenergie vor Ort hat eine Obergrenze von 1.000 Euro als Beteiligung, weil es eine Genossenschaft ist. Aber ich behalte das Thema im Blick. So nun ist der Artikel geschrieben. Kleiner Blick auf die Anlage: 20,9 kWh – rund 5,5 kWh mehr als beim Start (hat auch etwa eine stunde gedauert die Seiet zu schreiben). Es macht richtig Spaß zuzuschauen.

20.4.2019: O tempora, o mores

Auf das heutige Thema bin ich durch den Blog und seine Reaktionen gekommen. Es geht um das Netz und seine Umgangsformen und die haben sich verschlechtert. Das Klagen, das alles schlimmer wird, ist nicht neu. Das obige Zitat stammt von Cicero und ist fast 2.100 Jahre alt. Wie man weiß, war ja früher alles besser, was auch schon Sokrates festgestellt hat, der sich über die damalige Jugend ähnlich geäußert hat wie Erwachsene in meiner Jugend über mich und andere und heute viele Politiker über Friday for Future. Und „Früher war alles besser“ ist ja ein geflügeltes Wort. Allerdings nicht von mir: Mir geht es im Allgemeinen (trotz einer momentanen Margen-Darmgrippe) noch nie so gut wie heute.

Es geht um die Umgangsformen, im Netz, aber nicht nur dort. Es wird ja allgemein beklagt, dass die zu wünschen übrig lassen. Besonders betroffen sind vor allem Prominente. Der psychologische Mechanismus ist so einfach wie verständlich: Wenn man nicht die unmittelbare Reaktion seines Gegenübers, auf etwas was man sagt, mehr als Kontrolle hat, ob man jemanden verletzt, ob das, was man sagt, vielleicht übers Ziel hinausschießt, dann wird man ausfallender. Das ist nicht neu. Das gab es schon vor Jahrhunderten, wie jeder weiß, wer eine Leserbriefspalte in einer Zeitung betreut. Was die meisten Leute von sich geben, wenn sie im stillen Kämmerlein einen Beschwerdebrief scheiben und sich dann nur mit dem Thema befassen, alle ihre Gedanken sich um dies dreht und sich oft in Rage schreiben ist schon erstaunlich. Da hilft nur als Tip: Mal mit jemanden anderen darüber reden oder zumindest eine Nacht drüber schlafen – das Gehirn bewertet vieles neu, wenn man ihm Zeit lässt, nachts alle Informationen zu verarbeiten.

Okay, im Blog nicht so ein toller Rat, der lebt ja von zeitnahen Kommentaren, aber sich alles noch mal durchzulesen und zu überlegen, ob man das auch so scheiben würde, wenn man es dem Gegenüber auch ins Gesicht sagen würde, soviel Zeit sollte man sich nehmen.

Bisher war ich hier von solchen Kommentaren verschont. Es ist sogar besser geworden. Seit ich mal erwähnt habe, das man Threads aus dem Raumfahrer.net Forum in diesem Forum und nicht hier diskutieren soll, ist Ruhe. Früher gab es hier viel mehr Kommentare von SpaceX Fanboys mit grenzwertiger Sprache und wenig Respekt. Aber es ist ein Phänomen an sich. Hier schadet sich ein solcher Kommentator meist selbst, weil er im allgemeinen Umfeld mit sachlichen Kommentaren nur negativ auffällt. Woanders ist das wesentlich schlimmer. Da zieht ein Negativ-Post den nächsten nach sich, inzwischen ja auch bei politischen Themen durch bezahlte Kommentare oder Trollbots unterstützt. Ich fand in diesem Blog in knapp 12 Jahren nur einen Kommentar, den ich löschen musste, weil er persönlich beleidigend war. Von so was können Prominente nur träumen.

Das man isoliert zu einem andere Resultat kommt als in einer Diskussion und das Netz das verstärkt, ist ein zweites Phänomen, das ich hier nur streifen kann – das man im Netz in seiner eigenen Blase leben kann. Google bewertet schon bei den Suchergebnissen das bisherige Suchverhalten. Hat man z.B. zu einem Thema wie „Verschwörungstheorien“ vor allem auf Ergebnisse geklickt die diese wiedergeben, anstatt welche die sich damit kritisch auseinandersetzen, so werden die „Pro-Ergebnisse“ höher in den Suchergebnissen geführt werden und wenn man einen bestimmten Autor oder Website häufig besucht dann diese ebenfalls höher. In sozialen Medien gewinnt man leicht Freunde oder Likes von Leuten, die die gleiche Meinung haben, und natürlich besucht man dann auch diese eher als andere die eine andere Meinung haben. Das eigne Weltbild wird also verstärkt.

Wie schon geschrieben. Das Phänomen ist nicht neu. Was neu ist, das diese Unhöflichkeit und Respektlosigkeit nun auch ins tägliche Leben einzieht. Seit die AFD im Bundestag ist, kann man es sogar in Debatten beobachten. Aktuell die Auseinandersetzung um „Friday for Future“. Durch die meisten Parteien hört man fast unisono. Das man doch gefälligst am Freitagnachmittag nach Schulschluss demonstrieren soll, wenn alle Politiker schon im Wochenende sind. Schulschwänzen geht ja gar nicht. Leute: Wir haben zwar eine Schulpflicht, aber es geht doch darum, etwas fürs Leben zu lernen. Oder um erneut meine Asterix-Lateinkenntnisse anzuzapfen „Non vitae sed scholae discimus“. Der Spruch hat auch schon fast 2.000 Jahre auf dem Buckel. Es kann ja nicht der Sinn sein, Zeit auf der Schulbank abzusitzen. Da ich nicht annehme das man inzwischen die Klassenarbeiten abgeschafft hat gibt es ja immer noch die „Lernkontrolle“. Wenn sich die Schüler also nicht verschlechtern wollen, müssen sie den Stoff später nachholen. Damit ist eigentlich die Sache erledigt, außer man sieht das hocken im Klassenzimmer als Selbstzweck an. Das dies nicht alles sein kann wusste schon Goethe:

SCHÜLER:
Aufrichtig, möchte schon wieder fort:
In diesen Mauern, diesen Hallen
Will es mir keineswegs gefallen.
Es ist ein gar beschränkter Raum,
Man sieht nichts Grünes, keinen Baum,
Und in den Sälen, auf den Bänken,
Vergeht mir Hören, Sehn und Denken.

Oder wie ich sagen würde (übrigens aus derselben Szene):

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,
Und grün des Lebens goldner Baum

Aber die Jugendlichen lernen sich für ihre Überzeugung einzusetzen und das mit urdemokratischen Mitteln. Es wird bei uns sowieso viel zu wenig demonstriert. Wenn, dann gehen immer die Leute auf der Straße die sich gegen die Mehrheitsmeinung wenden und inzwischen sich durch das Netz zusammenfinden, wie eben die Wutbürger von Pegida und Co. Das „Gutbürger“ inzwischen fast ein so schlimmer Begriff wie „Wutbürger“ ist, liegt ja auch an dem allgemeinen Verfall der Sitten (ist ironisch gemeint). Es ist an der Zeit wieder mal zu demonstrieren und zwar in der Art wie vor 30 Jahren. Da gingen die Bürger der DDR auf die Straße und riefen nur „Wir sind das Volk“. Wenige Wochen später fiel die Mauer. Denn richtige Menschenmassen kann man nicht ignorieren. Wen bei jeder Pegida und AFD-gelenkten Demonstration eine Gegendemonstration stattfindet, die nur die Aussage hat: ihr seid eine Minderheit und wir die Mehrheit, und die entsprechenden Zulauf hat. Diese Organisationen würden bald damit aufhören, zu protestieren.

Ich gebe es gerne zu: ich bin gerne Gutbürger und ich bin gerne grün. Nicht erst seit heute. Mein Konsum ist spärlich. Dinge nutze ich solange, wie sie funktionieren. Ich habe keine Smartphones, die ich alle zwei Jahre durch neue auswechsle und wenn ich nach Statistiken gehe, liege ich auch bei Bekleidung unter dem Durchschnitt. Soweit es geht, lege ich alles per Fuß oder Fahrrad zurück. Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind rund 500 km pro Jahr und meine letzte Flugreise machte ich mit 12.

Ich habe mir jetzt das Ziel gesetzt meinen Kohlendioxidausstoß auf Null zu bringen. Nicht in 20 Jahren, sondern bald. Der Weg ist nicht der günstigste und er ist nicht der sinnvollste, aber es ist mein Weg. Der Günstigste wäre es, Co2-Zertifikate zu kaufen. Die schwanken zwar stark im Preis, aber für meinen Jahresverbrauch wären das nur rund 50 bis 300 Euro pro Jahr. Die beiden Solaranlagen die 20 bis 25 Jahre lang etwa 5 t Co2 vermeiden, kosten zusammen dagegen 27.000 Euro. Reiner Ökostrom (denn ich auch noch nutzen werde) kostet auch nur 1,5 ct/kWh mehr (nein Kay, keine 1 bis 1,6 Euro). Dazu noch eine um 20 Euro höhere Grundgebühr pro Jahr – verschmerzbar. Aber es ist mir wichtig selbst etwas zu tun und mich nicht einfach „freizukaufen“.

Klar, das kann nicht jeder. Ich denke zusammen wird es mich 50.000 Euro kosten. Die haben die wenigsten und wer eine Familie hat muss diesen Betrag pro Person ansetzen. Das ist also für andere finanziell unmöglich. Aber womit ich nicht gerechnet habe, ist das es tatsächlich Leute gibt die meinen, wenn sie nichts tun, sie moralisch auf einer höheren Ebene stehen und das man überhaupt etwas tut kritisieren. Wie schon gesagt: den Weg kann man kritisieren. Konsequenter wäre: ich verkaufe mein viel zu großes Elternhaus und ziehe in eine Eigentumswohnung in einem Nullenergiehaus. Würde mir sogar einen Gewinn einbringen. Ist mit mir aber nicht zu machen. Ich bin hier verwurzelt, hier will ich bleiben.

So bleibe ich dabei oder um ein letztes Zitat zu bringen: I did it my Way. (Aber hoffentlich ist das Ende noch nicht nahe).

 


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