Home Site Map Sonstige Aufsätze Weblog und Gequassel counter

Web Log Teil 558: 15.6.2019 - 19.6.2019

15.6.2019: Treibhauseffekt – mal physikalisch gesehen

Ich schaue mir gerade das Video, das AfD-Klimaquiz für Schüler | Harald Lesch an und da geht es um Suggestivfragen und der angeblichen Harmlosigkeit von Kohlendioxid, weil es ja doch so wenig ist. Es gibt ja sogar, welche die schlichtweg bestreiten, dass es Treibhausgase gibt. Zeit mal den Effekt zu erklären.

Fangen wir mit der Sonne an. Die Sonne strahlt auf die Erde, wobei unbedingt durch ihre Oberflächentemperatur von rund 5500 °C ihr Strahlungsmaximum im sichtbaren Bereich liegt. Jeder Körper, der eine Temperatur über 0 Kelvin hat, gibt Strahlung ab, und um so mehr je wärmer er ist. Das ist als Stefan-Boltzmann Gesetz ein Naturgesetz. Dabei verschiebt sich auch das Maximum, also wo am meisten Strahlung abgegeben wird, in den immer kurzwelligen Bereich. Das sieht man, wenn man noch eine alte Herdplatte aus Eisen hat. Schaltet man sie ein, so spürt man zuerst die Infrarotstrahlung als Wärme, auch wenn sie noch grau aussieht. Dann wird sie erst dunkelrot, dann hellrot und schließlich Orange, da sich das Strahlungsmaximum in den kurzwelligen Bereich verschiebt, sodass ein kleiner Anteil auch im sichtbaren Bereich ist (bei den Temperaturen die eine Eisenplatte erreichen kann wird das Maximum aber nicht im sichtbaren Bereich liegen).

Die Sonnenstrahlung wird zum Teil reflektiert, so durch Wolken aus Wasserdampf, aber auch den Boden und Eis. Je heller eine Oberfläche ist desto mehr Licht reflektiert sie. Schnee und Eis haben hohe Reflexionswerte, Meere sehr niedrige, weil der größte Teil des Lichts vom Wasser geschluckt wird. Dazu kommt noch die Streuung in der Atmosphäre durch Lichtbrechung. Die Oberfläche erwärmt sich und gibt nach obigem gesetzmäßigem Vorgang selbst Strahlung ab.

Nach dieser Tatsache kann man leicht die Temperatur von Himmelskörpern errechnen, wenn man die Strahlung der Sonne (oder eines Sterns bei anderen Sonnensystemen), sowie die Entfernung und die mittlere Albedo, also Reaktionsfähigkeit kennt. In der Praxis muss man noch die Rotation berücksichtigen, denn es dauer eine gewisse Zeit, bis sich die Oberfläche auf die Gleichgewichtstemperatur erwärmt hat. Tut man dies für unser Sonnensystem so kommt man auf folgende Tabelle:

Planet

Merkur

Venus

Erde

Mars

Jupiter

Saturn

Uranus

Neptun

Theoretische Körper

448

328

269

225

110

81

59

47

Effektive Temperatur

440

730

290

227

124

95

76

72

Zuerst einige Erklärungen. Die Gasplaneten haben keine Oberfläche, deren Temperatur man messen könnte und die Temperatur wird um so höher, je tiefer man in die Atmosphäre eintaucht. Die angegebene Temperatur ist die auf dem 1 Bar Niveau, wo die Atmosphärenschicht denselben Druck hat wie die Erdatmosphäre auf Meeresniveau.

Die Temperatur ist zudem die Temperatur gemittelt über die ganze Planetenoberfläche, das ist korrekt, wenn der Planet rasch rotiert, sodass es die Nachtseite nicht stark abkühlen kann. Bei Merkur habe ich die Mitteltemperatur genommen. In Wirklichkeit ist es so, dass die Nachtseite bis zu -173 °C kalt ist und die Tagseite bis zu +426 °C heiß. Und natürlich sind das Mitteltemperaturen über alle Breiten- und Längengrade. Auf der Erde kann es bis zu 60 Grad heiß und -50 Grad kalt sein.

Es fällt auf, das alle Planeten mit einer nennenswerten Atmosphäre (alle außer Merkur und Mars) wärmer sind als berechnet um 11 bis 17 °C. Das ist eine Folge des Treibhauseffekts. Besonders auffällig ist der Effekt bei der Venus, wo die Temperatur über 400°C höher ist als berechnet. Die Venus hat eine Atmosphäre aus 95 % Kohlendioxid und hoher Dichte.

Dieser Effekt ist auch nicht theoretisch er ist durch Experimente überprüft. Füllt man beispielsweise einen Glasbehälter mit Gasen verschiedener Art und Konzentration, leitet Licht durch so wird die Temperatur je nach Gas ansteigen. Das kann man inzwischen sogar als Experiment für den Schulversuch durchführen.

Doch worauf beruht er und warum ist das Kohlendioxid so bedeutsam, obwohl es doch nur 0,04 % der Gesamtatmosphäre ausmacht?

Der Treibhauseffekt beruht darauf, dass jede Strahlung Moleküle zum Schwingen anregen kann. Auf diesem Prinzip basiert die Mikrowelle, die mit einer Frequenz arbeitet, die Wassermoleküle besonders gut zum Schwingen anregt. Schwingen bedeutet Bewegung und Bewegung entspricht Energie, das Medium erwärmt sich. In der Mikrowelle ist es das Lebensmittel, in der Atmosphäre die Atmosphäre selbst.

Physikalisch gesehen hat jedes Molekül (also mindestens zwei Atome) drei mögliche Arten zu schwingen.

Jede Bindung hat diese drei Möglichkeiten, die man nochmals unterteilen kann, ob die Schwingung symmetrisch ist oder nicht. Das bedeutet: aus je mehr Atomen ein Molekül besteht, desto mehr Möglichkeiten hat es zu schwingen. Man spricht daher von Freiheitsgraden. Die Energie ist dabei nicht gleich. Zweiatomige Moleküle wie Stickstoff und Sauerstoff, aus denen 99 % der Atmosphäre bestehen haben nur wenige Möglichkeiten zu schwingen und die Energie die nötig ist diese Schwingung anzuregen, ist so hoch, dass sie für den Treibhauseffekt keine Bedeutung hat. Einatomige Moleküle – in der Erdatmosphäre Argon – haben per Definition gar keine Möglichkeit um eine Bindung zu schwingen und tragen so auch nicht zum Treibhauseffekt bei. So sind über 99 % der Atmosphäre nicht relevant für den Treibhauseffekt. Daher ist der Treibhauseffekt auch bei den Riesenplaneten nicht so stark, wie man sich dies bei ihrer großen Atmosphäre annehmen würde, da auch hier der Großteil aus Wasserstoff (zwei Atome) und Helium (ein Atom besteht) und nur Verunreinigungen wie Methan, Ammoniak, Schwefelwasserstoff und Phosphin als Treibhausgase wirken.

Bei anderen Molekülen kommt es auf die Form an (Kohlendioxid ist ein lineares Molekül, Wasserdampf dagegen ein gewinkeltes) und vor allem die Zahl der Bindungen an. Tendenziell wird der Treibhauseffekt aber mit zunehmender Atomzahl immer stärker.

Der Molekülaufbau ist auch wesentlich für den Wellenlängenbereich, in dem die Moleküle Strahlung absorbieren. Ideal für den Treibhauseffekt ist, wenn das Absorptionsmaximum nahe bei dem Bereich ist, bei dem die Erde die meiste Strahlung abgibt. Das kann man mit dem Wienschen Verschiebungsgesetz berechnen. Es liegt bei 269 K Oberflächentemperatur mit einem Strahlungsmaximum bei 10,36 µm. Hier mal eine Tabelle von Gasen und ihr Treibhauseffekt gemessen an der mittleren Oberflächentemperatur der Erde von 269 K.

Treibhausgas

Treibhauspotenzial im Laborversuch mit CO2=1

Kohlendioxid

1

Methan

21

Lachgas

290

Ozon

2000

FCKW F11

3500

FCKW F12

7000

Für den Gesamteffekt auf das Klima betrachtet man das Kohlendioxid, weil es zwar den kleinsten Effekt pro Masseeinheit hat, aber eben auch die höchste Konzentration von rund 400 ppm. Bei den anderen Gasen liegt die Konzentration um mindestens den Faktor 1000 kleiner, was dann den Gesamteffekt reduziert. Betrachtet man das Reflexionsspektrum der Erde und die Absorptionsspektren der Gase, so sieht man deutlich die Lücken durch die Absorption von Strahlung durch die Gase. Die Energie, die in der Strahlung steckt, wird von den Gasen aufgenommen und macht die Atmosphäre wärmer. In der obigen Liste fehlt übrigens das wichtigste Treibhausgas, Wasserdampf. Der Grund ist relativ einfach: Seine Konzentration ist zu variabel und von der Temperatur abhängig. Die anderen Gase haben Verweildauern von minimal einigen Monaten (Ozon) bis 130 Jahren (FCKW F12), Wasserdampf kann innerhalb von Stunden sich durch Erhitzen von Meeren und Seen bilden, oder als Regen wieder auskondensieren.

Das es einen Treibhauseffekt gibt wird ja nicht mal von den „Experten“ bestritten, die die AFD anführt. Bei einem Video, das hier mal gepostet wurde, bin ich beim durchklicken (es ist 90 Minuten lang) just gerade an eine Stelle gelangt, wo der Mann eine Erhöhung um 1,1 Grad Celisus pro Verdoppelung des Kohlendioxidgehalts nach einem Laborexperiment vorhersagt und bemängelt das die WHO mit einem wesentlichen höheren Wert arbeitet.

Das Grundproblem ist, das das Klima nicht nur vom Kohlendioxid alleine beeinflusst wird und dieses auch in einen Kreislauf eingebunden ist. Daher sind Laborexperimente nicht sehr hilfreich. Sie zeigen nur das Potenzial auf. Derzeit läuft ein Experiment denn der Mensch emittiert ja so viele Treibhausgase, dass der Kohlendioxidgehalt um ein Drittel angestiegen ist. Das Problem sind Wechselwirkungen. Hier mal einige Faktoren:

Kurzum, die Vorgänge sind komplex, sie sind miteinander verzahnt und sie wechselwirken. Daher stammen die Vorhersagen aus Computermodellen. Doch diese werden ja mit der Wirklichkeit und der Vergangenheit verglichen. Zudem sind es die gleichen Modelle, mit denen die Wettervorhersage erstellt wird und diese ist durch immer mehr Computerleistung immer zuverlässiger geworden und deckt immer größere Zeiträume ab.

Völlig wirklichkeitsfremd ist die Forderung nach einem Beweis im Realexperiment. Wie soll das gehen. Man möge mir bitte die zweite Erde zeigen, wo man im Experiment mal alles ausprobieren kann, inklusive Zeitmaschine, denn wir benötigen die Resultate ja gleich und nicht erst wenn es zu spät ist. Im sonstigen Alltag akzeptiert man ja auch Resultate, die nicht aus dem Realexperiment stammen. Bei keinem Medikament wird die tonische Dosis bestimmt, indem man Menschen damit vergiftet, alle Werte stammen aus dem Tierversuch. Ebenso werden Crash-Tests mit Dummys durchgeführt und nicht mit Menschen. Ich schlage vor, das alle die beim Klimaschutz ein Realexperiment fordern einen Bogen machen um alles, was nicht mit Realexperimenten getestet wurde, also allen Geräten mit CE-Zeichen (überall nur technische Prüfungen), Medikamente oder viele Fortbewegungsmittel.

Was mich immer wider erstaunt ist der fehlende gesunde Menschenverstand der Klimaleugner. Selbst wenn man mal die nur in Deutschland spürbaren Folgen wie immer neue Rekordtemperaturen und Rekordfluten ignoriert, muss man wenn man etwas verstand hat doch auf folgende Überlegung kommen:

„Es mag sein, dass es keinen Treibhauseffekt gibt, aber wenn, dann sind die Folgen dramatisch. Also wäre es am besten, wenn wir die Umwelt wie sie jetzt ist, erhalten, indem wir kein Kohlendioxid in die Atmosphäre pusten. Wenn es einen gibt, so haben wir die Folgen verhindert, wenn nicht dann haben wir früher eine Technologie die wir sowieso entwickeln müssen, denn dass fossile Brennstoffe endlich sind, ist ja unbestritten. Wir müssen also sowieso die Emissionen irgendwann senken, und tun wir das jetzt, so erhalten wir mehr dieser Rohstoffe, die wir für zahlreiche Produkte wie Plastik, Medikamente usw. brauchen“.

Mich erinnert das irgendwie an Raucher. Die wissen eigentlich auch alle, das Rauchen schädlich ist, warten aber meist auf das Ergebnis des Realexperiments am eigenen Körper.

16.6.2019: Was wäre wenn – es Wernher von Braun nicht gegeben hätte?

In fünf Wochen jährt sich das 50-ste Jubiläum von Apollo 11. Dann laufen wieder viele Dokus über den Wettlauf im All und auch wieder welche um Wernher von Braun. Um ihn kommt man ja nicht herum. Denn er hat nicht nur die Saturn V entwickelt, sondern auch die Raketen, die den ersten US-Satelliten, die erste US-Mondsonde und den ersten Amerikaner ins All brachten. In deutschen Produktionen hebt man in den letzten beiden Jahrzehnten meist die Negativaspekte hervor. Ich habe das schon mehrmals thematisiert. Daher will ich mal das Pferd andersrum aufzäumen und Überlegungen anstellen, was passiert wäre wenn:

  1. es Wernher von Braun nie gegeben hätte.

  2. er den NS-Staat nicht zur Verwirklichung seiner Träume genutzt hätte, sondern aktiv Waffen entwickelt hätte, die wirklich nützlich gewesen wären.

Fangen wir mit Ersterem an. Man muss sich nur mal vergegenwärtigen, was die Raketenentwicklung im Zweiten Weltkrieg außer der von Braun entwickelten A-4 hervorbrachte: Das waren in der Regel ungesteuerte Feststoffraketen. Sie steckten sowohl in Artelllerieersatzwaffen wie der russischen Katjuscha oder dem deutschen Nebelwerfer wie auch Infanteriewaffen gegen Panzer wie die deutsche Panzerfaust oder die amerikanische Bazooka, also auch in Starthilferaketen auf US und deutscher Seite, wenn z.B. eine Startbahn zu kurz oder ein Flugzeug überladen war. Bei einem solchen Projekt arbeitete auch Robert Goddard auf der US-Seite mit. Dort interessierte sich keiner für seine vorherigen Forschungen.

Feststoffraketen waren billig und ausgereift und auch ohne die Entwicklung des Antriebs mit flüssigen Treibstoffen wurden sie nach dem Krieg weiter entwickelt. Mit Polymerbindern bekam man Ende der Fünfziger Jahre die heutigen Treibstoffmischungen hin mit höherem Impuls und verlässlicheren Verhalten. Man lernte bald den Schubvektor zu steuern und ab Anfang der Sechziger Jahre ersetzten feststoffangetriebene Raketen die vorher mit flüssigen Treibstoffen angetriebenen Raketen. Poseidon und Polaris wurden auf U-Booten stationiert. 1000 Minuteman ergänzten die lediglich 54 flüssig angetriebenen Titan. Schon das Zahlenverhältnis zeigt: das Militär setzte schon damals auf Feststoff.

Meiner Ansicht wären ohne die Vorentwicklung flüssige Antriebe auf kleine Antriebe beschränkt geblieben, mit geringen technischen Herausforderungen, wie druckgeförderte Antriebe mit ablativer oder passiver Kühlung. Sie braucht man um die Genauigkeit zu erhöhen, da der Gesamtimpuls einer Feststoffrakete konstant ist. Noch heute stecken solche Antriebe in den MIRV-Köpfen. Diese wären aber auch entwickelbar gewesen ohne die Vorentwicklung Wernher von Brauns, ebenso wie man in Deutschland den Walther Antrieb der z.B. in dem Raketenjäger Me-163 genutzt wurde unabhängig und mit viel geringeren Mitteln entwickelt hat. Ich denke diese Schiene wäre so weiter gelaufen. Wenn man nach dem Krieg Großraketen entwickelt hätte – ich schreibe bewusst hätte, denn ich bezweifele, dass jemand die teure Entwicklung finanziert hätte, wenn es nicht schon eine fetzig entwickelte Rakete als Vorlage gegeben hätte, dann wären das, wie bisher Raketen mit festen Treibstoffen gewesen.

Aber zur genaueren Begründung. Versetzen wir uns zurück ins Jahr 1950. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, die USA haben fünf Jahre lang abgerüstet, doch nun beginnt der Koreakrieg. Russland hat nun auch die Atombombe und es wird wieder aufgerüstet. Damals war die Rakete nur eine von vielen Entwicklungen, mit denen man die strategischen Streitkräfte aufrüstete. Es wurden neue Bomber entwickelt, in der Zeit entstand z.B. die B-52, die bis heute im Dienst ist, es wurden Marschflugkörper entwickelt. Man hätte auf US-Seite sicher mehr in diese Entwicklungen gesteckt und sich auf sie gestützt. Es gab ja eine Reihe von Entwicklungen, die zwischen den langsamen Bombern großer Reichweite und den schnellen, aber kostspieligen Raketen lagen wie Überschallbomber und eben Ramjetangetriebene Marschflugkörper wie die Navaho. Sicher wären dann auch irgendwann die Interkontinentalraketen entstanden, aber vielleicht eben, erst als die Feststoffraketen ausgereift waren und auch die Sprengköpfe kleiner wurden. Ich denke man hätte den Zwischenschritt der ersten Mittelstreckenraketen Redstone, Thor Jupiter und die ersten ICBM Atlas und Titan ausgelassen. Doch genau diese waren die Basis für die Weltraumfahrt. Man hätte sicher mit Feststoffraketen auch einen Satelliten starten können, das bewies ja die Scout wenige Jahre nach Explorer 1. Aber sie wären zu klein für ein bemanntes Raumfahrzeug gewesen. Ich glaube das das gesamte Rennen im Weltall wäre nicht erfolgt, denn hier waren die USA eindeutig weiter. So wäre man auch nie auf die Idee gekommen, ein Mondlandungsprogramm durchzuführen. Es war ja politisch motiviert, weshalb wir auch 50 Jahre später keine Wiederholung dessen haben.

Gehen wir zur anderen Seite Russland. Auch hier sehe ich dieselbe Entwicklung. Sicherlich war in Russland der Druck für eine strategische Flotte größer. Das war ja auch der Grund, warum sie zuerst ICBMs bauten. Russland ist eingekreist von Staaten mit US-Luftwaffenstützpunkten. Doch dann hätte man eben mehr in andere Systeme investiert. Im Koreakrieg war die Mig-15 lange Zeit den amerikanischen Jägern überlegen. Russland Konstrukteure konnten also ein Flugzeug bauen das Amerika Paroli bieten konnte, so glaube ich nicht das sie es nicht auch fertiggebracht hätten einen strategischen Bomber zu entwickeln, der die USA erreicht hätte. Ohne die Investitionen die die Raketen R-3 bis R-7 (die R-1 war ja eine umbenannte R-1 und die R-2 eine leicht verbesserte A-4) hätte es aber auch keinen Sputnik gegeben.

Kommen wir zu Teil 2: Selbst in den kritischsten Veröffentlichungen wird Wernher von Braun attestiert, dass er kein Nazi war und seine A-4 zwar eine riesige Rakete war, aber nicht als effektive Waffe gelten konnte. Erstaunlicherweise nimmt man anderen, die in er derselben Zeit effektive Waffen entwickelten wie Willy Messerschmitt, Claude Dornier oder Ernst Heinkel das nicht so übel. Aber nehmen wir mal an, Wernher von Braun hätte sein Genie dazu genutzt für das dritte Reich effektive Raketenwaffen zu entwickeln. Was hätte dabei rauskommen können? Es entstand zu Kriegsende die Wasserfall. Das war eine A-4 verkleinert um den Faktor 3. Sie war die erste Luftabwehrrakete, die es gab. Aus ihr wurden später die ersten Luftabwehrraketen der USA (Hermes) und Russland (R-101) entwickelt, das bedeutet, die Waffe funktionierte, wurde eben nur nicht rechtzeitig fertig. Auf der anderen Seite startete Wernher von Braun schon 1939 die A-5 als Modell der A-4 für Tests der Aerodynamik und Steuerung, die nur wenig kleiner als die Wasserfall war. Man kann also annehmen, wenn man gezielt eine solche Waffe entwickelt hätte, sie irgendwann zwischen 1939 und 1944 operativ geworden wäre, ich würde mal auf das Mittel 1942 tippen. Damit aber vor einem Zeitpunkt, wo die schlimmste Phase der Bombardierung begann. Bomberschwärme zu treffen, ist wegen ihres starren Formationsflugs relativ leicht, die Steuerungsmöglichkeiten entweder per Funk oder Radar gab es auch schon. Ich denke eine Wasserfall wäre eine effektive Abwehrwaffe gewesen. Mit ihr hätte man sicher nicht den Krieg gewonnen aber verlängert.

Die gleiche Rakete hätte man auch anders einsetzen können. Die deutsche Marine war bei Beginn des Krieges viel zu klein um sich nur mit der englischen Marine zu messen, ganz zu schweigen, wenn dann noch die US-Navy hinzukommt. Aber schon ein kleines Schiff wie ein Zerstörer hätte mehrere dieser Raketen mitführen können. Die Wasserfall hatte eine Maximalhöhe als Luftabwehrrakete von 16 km und eine Querreichweite von 26 km. Übersetzt man das in eine Wurfparabel, so entspricht das eine Reichweite von mindestens 52 km. Ebenso betrug die Nutzlast rund 700 kg TNT, das ist das Gewicht einer 38-cm-Granate. Das heißt, mit einem Schlag wäre ein Zerstörer in der Lage gewesen, ein Schlachtschiff anzugreifen und da er kleiner und viel schneller ist als dieses kann er sich selbst dem Beschuss entziehen.

Das ist nur ein Beispiel. Die Expertise von Braun hätte man auch woanders einbringen können, Flugzeuge erhielten damals ungesteuerte Raketen – mit gesteuerten Raketen hätte man diese weit vor dem gegnerischen Bomberschwarm absetzen können und dann abdrehen. IR-Sensoren zur Zielerkennung und Radar wurden auch schon im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Ebenso wäre denkbar, dass man aus ungesteuerten Gleitbomben wieder HS-293 aktiv gesteuerte Flugkörper macht. Bomber könnten sie so lange vor einem Ziel ausklinken und abdrehen, ohne in die Gefahr zu kommen beschossen zu werden. Aktiv gesteuerte Panzerabwehrraketen (mit Drahtsteuerung) wären genauso möglich gewesen. Sie hätten vor allem die Panzerfaust viel effizienter gemacht. Die litt darunter, dass die Reichweite viel zu kurz war und man einen Panzer nur aus nächster Nähe bekämpfen konnte.

Hätte man die vielen Raketenwissenschaftler die damals die A-4, entwickelten auf diese Teilprojekte verteilt, der Krieg wäre anders verlaufen. Sicher nicht siegreich für Deutschland, denn an einer Regel, die schon im Ersten Weltkrieg Wissenschaftler erkannten – ob ein Krieg gewonnen werden kann hängt primär von der Wirtschaftsleistung ab und die war eben kleiner als die von USA, Russland und England zusammen – hätten sie nichts geändert. Aber vielleicht wären dann die Atombomben auf Pforzheim und Dresden gefallen, die sich die Alliierten ja bis zuletzt als Ziele aufsparten genauso, wie sie dies mit Nagasaki, Kyoto und Hiroshima taten. Der Krieg hätte noch länger gedauert, Deutschland wäre sicher noch mehr zerstört gewesen und es hätte noch mehr Opfer gegeben. Ich denke Deutschland wäre dann nicht nach 10 Jahren schon wieder Exportweltmeister geworden, und ob die Nachkriegsordnung so gekommen wäre und wo dann die Grenze Ost-West verlaufen wäre, ist auch reine Spekulation. Aber eines denke ich ist sicher: Wernher von Braun hat mit der A-4 den Krieg verkürzt, selbst wenn es ihn nie gegeben hätte. Denn die Entwicklung der A-4 band Tauende von Ingenieuren, noch mehr Zwangsarbeiter und es wurden eigene Produktionsanlagen in Stollen angelegt. Es gibt verschiedene Schätzungen, die den Aufwand zwischen 500 und 2000 Millionen Reichsmark schätzen. Alleine die US-Army schätzte die Ersparnis auf bei der eigenen Raketenentwicklung 50 Millionen Dollar, was beim damaligen Umrechnungskurs 400 Millionen Reichsmark entsprachen. Die untere Schätzung ist für die Entwicklung, die obere für das Gesamtprogramm inklusive über 15.000 gefertigter Raketen. Nur mal als Vergleich einige Zahlen, was damals Waffen kosteten:

Für die Summen hätte man viel mehr andere kriegswichtige Waffen fertigen können und so hat das Fehlen dieser Waffen den Krieg aktiv verkürzt. Damit hat er sicherlich viel mehr Menschen das Leben gerettet als durch Produktion und Einsatz der A-4 ums Leben kamen.

17.6.2019: Die Lösung für ein überflüssiges Problem: was wäre, wenn man Skylab B gestartet hätte?

Heute mal ein kurzer Blog mit einer kleinen Berechnung. Die NASA baute auch ein Backupexemplar von Skylab, genannt Skylab B. Es hätte auch noch eine Saturn V gegeben um es zu starten und drei Saturn IB mit Kommandomodulen. Eine davon war reserviert für eine Rettungsmission, doch wenn man darauf verzichtet hätte (bei der ISS gibt es ja so etwas auch nicht), hätten drei Besatzungen die Station besuchen können. Es gab auch Pläne Skylab B in einen 51,63 Grad geneigten Orbit zu entsenden, dann hätte nach der Kopplung an Sojus 16 die Apollo noch weiter zu Skylab B fliegen können.

Nur ganz kurz wurde, erwogen die Station zu starten, als Skylab A beim Start einen Solarzellenflügel und den Mikrometeoritenschutzschild verlor und der zweite Flügel sich nicht entfaltete. Man entschied sich aber für eine Reparatur. Zum einen hätte es Monate gedauert das zwote Labor für einen Start vorzubereiten und zum Zweiten konnte erst die Besatzung im Orbit die genaue Ursache klären.

Skylab A benötigte in ihrer aktiven Zeit folgende Ressourcen:


Anfang

Ende

Wasser:

2.721 kg

775 kg

Sauerstoff:

2.767 kg

1.253 kg

Stickstoff:

698 kg

272 kg

Lagekorrekturgas (Gesamtimpuls):

359 kNs

55,6 kNs

Man sieht sehr deutlich, dass der begrenzende Faktor das Lagekontrollgas war. Solange eine Apollo angekoppelt war konnte diese die Lageregelung der Station durchführen, doch zwischen den Besatzungen und zum Stabilisieren der Lage beim Andocken braucht die Station Treibstoff. Das war schon damals knapp kalkuliert, denn es gab nur Druckgas, keinen chemischen Treibstoff. Er Gesamtimpuls würde gerade mal ausreichen die Station um 4 m/s zu beschleunigen oder abzubremsen. Für jede Besatzung waren 89 kNs vorgesehen. 45 kNs für eine Rettungsmission. Das der Treibstoff so knapp war, lag daran, dass nach dem Start es das Problem der Überhitzung durch den fehlenden Mikrometeoritenschild, der zugleich Sonnenschutzschild war, gab. Dadurch musste man um die Temperatur niedrig zu halten die Station in einer Position halten, die viel Treibstoff zum Aufrechterhalten brauchte. 30 % des Gesamttreibstoffs wurden in den ersten 10 Tagen bis Skylab B ankoppelte verbraucht. Rücksicht man diese Tatsache, so sieht die Tabelle dann so aus:



Anfang

Ende

Verbrauch

Maximale bemannte Dauer

Wasser:

2.721 kg

775 kg

71,5 %

239 Tage

Sauerstoff:

2.767 kg

1.253 kg

54,7 %

312 Tage

Stickstoff:

698 kg

272 kg

61,0 %

280 Tage

Lagekorrekturgas (Gesamtimpuls):

359 kNs

178 kNs

49,8 %

343 Tage

Man sieht, dass das Wasser nun der begrenzende Faktor ist. Skylab A war 171 Tage bemannt. Nimmt man an, dass man bei Skylab B die Wasservorräte vollständig verbraucht hätte – Wasser liefern auch die Brennstoffzellen der Kommandokapsel, und da eine Rückkehr in wenigen Stunden möglich ist, könnte man diese Ressource ausgehen lassen. Das Wasser der Brennstoffzellen als „Abfallprodukt“ reicht für mindestens 12 Tage, während das Ankoppeln und Abkoppeln jeweils in einigen Stunden erledigt war, hätte man die Mission um weitere 10 Tage verlängern können. So wären rund 250 Tage Betriebsdauer möglich, wenn man auf Reserven verzichtet, 213 Tage, wenn man die TACS-Reserven von Skylab A für alle Stoffe ansetzt.

Die Besatzungen waren bei Skylab A immer länger an Bord:

spinnt man dies weiter, Verlängerung um je 28 Tage, so würde man auf folgende Reihenfolge kommen:

Ich habe nur zwei Besatzungen angesetzt, weil man natürlich die Aufenthaltsdauer verlängern würde. Der Rekord wäre erst am 1.11.1978 gebrochen worden, würde man 140 Tage bei der letzten Besatzung erreichen sogar erst am 15.7.1979. Dann gäbe es die Hardware für eine Rettungsmission.

Ein zweiter Nutzen wäre, das Skylab B später gestartet worden wäre. Geplant war ein Start im Juni 1977. Damit wäre die Station etwa drei Jahre nach Skylab A verlassen worden und auch mindestens drei Jahre länger im Orbit gewesen (es war auch ein höherer Orbit von 445 x 574 anstatt 435 km kreisförmig) geplant. Berücksichtigt man dies, so hat die zweite Station eine viel längere Lebensdauer. Ich errechne, basierend auf einer Simulation, die die richtige Lebensdauer von Skylab vorhersagt, eine Lebensdauer von mindestens 19 Jahren. Das ergibt genügend Zeit die Station mit dem Space Shuttle zu besuchen, da wären die ersten Flüge längst abgeschlossen und das Shuttle operationell. Es gab ja Pläne Skylab aufzurüsten. Man hätte ein europäisches Spacelab dauerhaft angekoppelt und die Station vorwiegend als Wohnquartier benutzt, da die Experimente an Bord natürlich veralten. Skylab wäre nach und nach zum Kernstück einer neuen Raumstation geworden. Ich glaube, wenn es dazu gekommen wäre, heute hätten wir keine ISS, denn die entstand auch als Reaktion auf die Langzeitaufenthalte an Bord von Saljut 6 und 7 und Mir.

Selbst wenn man diese Option nicht genutzt hätte, Skylab B hätte die lange Lücke ohne bemannte Starts reduziert. Skylab B ist ein zweites Beispiel für die Apollo-Müdigkeit die nach der ersten Mondlandung sich einstellte. Wie bei den letzten drei gestrichenen Apollomissionen hatte man die Hardware schon produziert, den größten Kostenfaktor. Es wären nur die Kosten für die Missionsdurchführung angefallen, die vergleichsweise überschaubar waren. Man spart zwar so Geld, aber man verschenkt auch viele Möglichkeiten. Klar man hat die Raketen zum Anschauen auf der Erde und ein Skylab-Modell, in dem man Science Fiction Serien drehen kann (Kampfstern Galactica), aber dafür hätte man nicht Milliarden ausgeben können, dafür hätten auch Modelle gereicht.

19.6.2019: Dorftrottel, Blase, Trump und die Weimarer Republik

Halt! Bevor Du weiterliest, halt mal einen Moment inne und überlege, was diese Begriffe gemeinsam haben. Es ist nicht schwer und man kann drauf kommen...

Es geht um selektive Wahrnehmung, entweder bewusst oder unbewusst oder von fremden gesteuert. Wer einen Blog hat, oder sich im Internet bewegt, wird sehr bald auf Leute stoßen die die absurdesten Theorien haben. Sie sind sehr untriebig und posten massenweise, einen besonders renitenten Siegfried Marquard habe ich für den Blog sogar gesperrt, weil er permanent, ohne auf das Thema einzugehen, seine seitenlangen Behauptungen zum Mondprogramm veröffentlichte, identisch auf mehreren Artikeln (offenbar meint er, durch Kopieren seine Position zu verstärken). Ich sehe mehrfache Posts dagegen als SPAM an und daher hat er es zumindest zu einem Rekord gebracht: er ist die einzige Person, die ich in 12 Jahren des Blogs gesperrt habe.

Solche Leute gibt es überall. Sie meinen, ihre Meinung wird bedeutender, wenn sie mehrfach vorgetragen wird und sie haben einen kleinen Geduldfaden, wenn sie auf andere Meinungen treffen, und fangen dann oft an, die welche die „etablierte“ Meinung vertreten zu beleidigen.

Dorftrottel aller Länder vereinigt euch!

Das ist nicht neu. Früher hatte jedes Dorf einen Dorftrottel, der mit seinen abstrusen Ideen allen auf die Nerven ging und seine Ansicht auch ungefragt aufdrängte. Beim Saufgelage mit erhöhtem Alkoholgehalt noch lustig, ging das sonst allen auf den Nerven. Was in Zeiten des Internets neu ist und seit jeder Trottel auch ins Internet reinkommt, wie Boris Becker in seiner AOL-Werbung auch demonstrierte, ist das sich die Dorftrottel organisieren können, na ja organisieren in dem Sinne, wie es eben Dorftrottel tun. Für sie ist das Internet das Paradies. Waren sie vorher alleine mit ihrer Meinung, finden sie nun Tausende von Gesinnungsgenossen. So wird man für fast jeden Wirren Gedanken, den es gibt, findet man Tausende, die dran glauben. Egal ob impfen gefährlich ist, die Erde hohl oder wahlweise flach ist, die CIA das 911 verursachte oder die Mondlandung im Filmstudio gedreht wurde. Wenn man danach bei Google sucht, findet man Tausende wenn nicht Millionen von Treffer. Ein Dorftrottel hat ein bipolares Weltbild und Paranoia. Das bipolare Weltbild bedeutet, es gibt wenige, die alles durchschauen, darunter natürlich er und alle anderen sind doof oder Büttel des Systems, die einen vorgefertigten Standpunkt vertreten müssen, vor allem die sind es natürlich die sich in der Materie auskennen. Und natürlich Paranoia, denn es muss ja einen Grund haben, warum die Erkenntnis die sie gewonnen haben, nicht von allen verstanden wird und sich nicht in Medien oder Wissenschaft wiederfindet. Daran ist die Regierung schuld. Jawohl die Regierung, denn die ist für alles verantwortlich, was es an staatlichen Stellen gibt, die sind ja nicht unabhängig. Also als ich noch zur Uni ging, kam auch jeden Tag Seehofer, der damals als Gesundheitsminister tätig war, in unser Labor vorbei und hat genau geschaut, ob wir das richtige erforschen.

Neu am Internet ist nicht nur die Möglichkeit, die sich früher die Kommunisten wünschten: die riefen jahrzehntelang „Arbeiter der Welt vereinigt euch“, heute ist das zu einem „Dorftrottel der Welt vereinigen sich“ geworden. Denn in den letzten Jahren hat sich mit der Optimierung der Suchalgorithmen einiges geändert. Fand man früher bei einem Suchbegriff eine Ordnung vor, die die Suchstellen nach Relevanz und Besucherzahlen ordnete, so ist es heute eine Reihenfolge, die von dem eigenen Profil bzw. den Ergebnissen anderer Personen mit ähnlichem Surfverhalten abhängt. Kurzum: Suchergebnisse auf Websites, die ich schon mal besucht habe, tauchen weiter oben auf, andere weiter unter. Damit wird man vor allem Ergebnisse finden die die eigene Position bestätigen und man lebt in der Blase, abgeschottet von der Wirklichkeit. Noch besser geschieht dies auf sozialen Netzwerken, wo man sich in Gruppen organisieren und gegenseitig den Daumen hoch versichern kann. Da entstehen dann schnell abgeschottete Gruppen in denen andere kaum rein gehen, weil sie gleich mit Kontra überhäuft werden und sie sind das Evangelium für Dorftrottel: alle sind dort ihrer Meinung, anders als im täglichen Leben. Also muss ich doch recht haben! Ich nenne so was eine Blase. Die ist auch abgeschottet von allem, was außen ist.

Dorftrottel Trump

Seit wir Trump haben, der offensichtlich vor allem durch Twitter kommuniziert, hat das eine neue Dimension erreicht. Ich will gleich betonen, das folgende kann das Verhalten von Trump nur zu einem Teil charakterisieren. Wenn ich mir seine Verlautbarungen anhöre, scheint es da auch noch andere Punkte zu geben. Aber er scheint auch in einem abgeschotteten Weltbild verhaftet zu sein, denn etliches was er von sich gibt ist blanker Unsinn. Damit hat ein Dorftrottel erstmals das wichtigste Amt in den USA erreicht und er bestätigt meine Vermutung, wonach US-Amerikaner bevorzugt, Kandidaten wählen, die ihnen geistig unterlegen sind, wahrscheinlich, weil sie befürchten, das geistig überlegene dann eine Politik machen, die sie benachteiligt. In den USA gibt es die ja bei Dorftrotteln so populäre Ansicht „Die Regierung bescheißt das Volk“ ja als allgemeine Paranoia.

Die Weimarer Republik

Ich sehe aber auch eine Parallele zur Weimarer Republik. Was diese von der Bundesrepublik unterscheidet, war das die Parteienlandschaft aber auch die Presse viel mehr polarisiert war. Es gab Partien mit einer engen ideologischen Ausrichtung und extremen Ansichten, viele auch antidemokratisch. Entweder um die Monarchie wieder zu etablieren oder einen autoritären Staat oder eine kommunistische Republik und es gab auch entsprechende Medien, damals vor allem Zeitungen, die alle Ereignisse unter diesem ideologischen Gesichtspunkt interpretierten und dann eben eine kommunistische Ausrichtung, monarchistische oder faschistische haben. Ich denke das war neben vielen anderen Punkten ein Fakt, der die Weimarer Republik destabilisiert hat. Heute kennt man das kaum noch. Lediglich die von Axel Springer verlegten Medien waren für ihre rechte Gesinnung und ihren Pro-Israelismus bekannt. Wenn es heute Meinung in einer Zeitung gibt, dann vor allem in den Kommentaren. Nicht umsonst achtete man im Dritten Reich darauf, dass die Meinung systemkonform war. Die Presse und der Rundfunk wurden schnell „gleichgeschaltet“ und der Volksempfänger wurde so konstruiert, das man ohne Manipulation keine Fremdsender mehr empfangen konnte, was technisch wegen der damals verwendeten Lang- und Mittelwellen damals noch über Ländergrenzen funktionierte.

Dorftrottel als Gefahr für die Republik

Dieses Jahr jährt sich das Grundgesetz zum siebzigsten Mal. Steinmeier und andere haben darauf hingewiesen, das man Demokratie in jeder Generation neu erkämpfen oder verteidigen muss und ich denke er hat recht. Wir gehen meist auf die Straße, wenn uns etwas an der Regierungsarbeit stört. Zu meiner Zeit gegen die Nachrüstung. Also meistens gegen die Regierung. Heute gehen die Dorftrottel und Konsorten auf die Straße. Mich stören Demonstrationen wo Tausend AFD und Pegida Anhänger schreien „Wir sind das Volk“. Nein das seid ihr nicht. Ihr seid 1000 Dorftrottel zusammengekarrt aus der ganzen Republik an einen Platz. Den Spruch haben die Demonstranten in Ostdeutschland erfunden, doch da gingen bis zu 500.000 auf die Straße, bei 16 Millionen Einwohnern, da war das auch so, das dies ein größerer Anteil des Volkes war und es wären sicher mehr gewesen, wenn die Demonstrationen nicht illegal gewesen wären. Heute werden die rechten Demonstranten sogar noch von der Polizei geschützt, damit sie nicht von einer viel größeren Menge von Gegendemonstranten vermöbelt werden.

Ansonsten gilt: Demonstrieren gegen die Regierung ist noch immer unerwünscht. Anders kann ich mir das negative Echo zahlreicher Politiker zu den Demonstrationen der Schüler nicht erklären. Sie sollten froh sein, dass diese sich so früh für Politik und ein wichtiges Thema interessieren und auch auf das basisdemokratische Element der Demonstration zurückgreifen. Aber wie immer: Wenn jemand nicht ihrer Meinung ist, wird er heruntergemacht.

Zone der Intoleranz

Mal sehen, wie das weitergeht. Bei der AFD geht es nun ja wieder abwärts, vor allem, aber weil ihr Hauptthema in der aktuellen Gesellschaft keine Rolle spielt. Was mich aber deprämiert ist, dass sie immer noch so stark in Ostdeutschland sind. Wir feiern ja auch 30 Jahre Mauerfall in diesem Jahr. 30 Jahre, das ist eine ganze Generation. Man sollte also erwarten das viele die heute wählen; die DDR nicht mehr kennen und in der Bundesrepublik aufgewachsen sind. Warum trotzdem neben denen, die immer noch die Ideologie der SED wählen, nun „Linke“ genannt inklusive bedingungslosem Grundeinkommen, (die Tatsache das man dort Geld verdiente ohne wirklich arbeiten zu müssen hat die DDR ruiniert) und Für-Gut-Halten alles was Russland tut inklusive Annektion der Krim und Einmischung in den Wahlkampf anderer Länder – geschenkt. Aber das dort so viele eine ausländerfeindliche Gesinnung haben ist bestürzend. Da scheint sich nichts seit den Anschlägen von Hoyerswerda geändert zu haben. Und ich fürchte da wird sich auch nichts ändern. Denn wenn ich ein Unternehmen hätte, würde ich dort Stellen schaffen? In vielen Branchen geht es nicht ohne Fachkräfte aus dem Ausland. Die IT-Branche beklagt den Fachkräftemangel schon seit Schröder in der Regierung war. Will man dann Standorte in einem Land errichten, wo die Menschen und auch potenzielle Mitarbeiter ausländerfeindlich sind? Ich weiß nicht, was dort schief lief oder noch schief läuft. Aber es fällt auf. Im Westen gab es die 68-er, die sich knapp 25 Jahre nach dem Krieg, gegen zu viel Faschismus und zu wenig Meinungsfreiheit gewandt haben, also gegen das, was vorher 12 Jahre lang das Land ruinierte. Im Osten hat man sich offensichtlich rückwärts gewandt. In der DDR waren wenigstens die „Fremdarbeiter“, die es dort auch gab, noch toleriert worden. Heute scheint es gefährlich zu sein, in den östlichen Bundesländern zu sein durch Hautfarbe oder Typus aufzufallen.

Bald sind dort Wahlen, aber ich glaube nicht, dass die AFD große Verluste hat. Manchmal denke ich mir „wenn die nur einmal in einem Bundesland dort regieren würden, dann würden alle sehen, was für ein verein das ist“. In Österreich haben sie das ja schon demonstriert. So in der Art „opfern wir Mac-Pom, damit die anderen Leute dort aufwachen“. Aber dann setzt sich wieder meine demokratische Grundhaltung durch und ich verwerfe den Gedanken und schließlich sind auch in Mac-Pom die meisten Einwohner keine AFD-Wähler.

Ansonsten sehe ich viele Parallelen zur NSDAP. So der Ton, die Übergriffe gegen andere Partien und Formulierungen wie man würde diese „jagen“. Erinnert mich stark an die Polemik Hitlers und Göbbels. Dann die Finanzierung durch das Großkapital und Aktionen wie gekaufte „Likes“ bei Facebook. Wohl das Gegenstück zur Finanzierung Hitlers durch Großindustrielle und herangekarrte Nazianhänger bei Auftritten damals. Und natürlich die offensichtlichste Parallele: die Partei mit nur einer Ideologie. Damals waren die Juden an allem schuld (genauer gesagt: das „internationale Finanzjudentum“), heute sind es die Flüchtlinge. Kein Witz: bei einer Debatte im Bundestag über den Wolf (Abschuss ja/nein) hat der AFD-Sprecher die ganze Zeit nur von Flüchtlingen gesprochen. Erst auf eine Rüge des Bundestagsvizepräsidenten hin hat er dann männliche Flüchtlinge ohne Familie mit herumstreunenden Wölfen verglichen, um dem Thema gerecht zu werden. Oder zur Klimapolitik: man sollte die Flüchtlinge in Afrika lassen, da dies weniger Treibhausgase ausstößt. Dumm nur das die Flüchtlingszahlen seit 2015 laufend sinken, sich bei den Wählern der AFD aber die Situation trotzdem nicht gebessert hat.

Das die Wähler ihr Stimmverhalten trotzdem nicht in dem Maße verändert haben hat dazu geführt, dass ich eine Einschätzung korrigiert habe. Ich dachte seit Jahren, das etwa 10% der Bevölkerung mehr oder weniger einen an der Waffel haben und das am Wahlverhalten festgemacht. Meiner Meinung nach kann man die FDP nicht wählen, außer man gehört zu den Reichen und ist asozial in dem Sinne, dass man von seinem Geld nichts für einen Sozialstaat ausgeben will, denn das ist das Kernprogramm der FDP. Die lag bei den Bundestagswahlen immer so zwischen 5 und 10 %. Das war falsch. Es sind 20 % der Bevölkerung, die so dämlich sind, das sie Partien wählen, die nicht ihre Interessen vertreten: denn die AFD hat ja auch wirtschaftspolitische Punkte im Programm und die sind noch radikaler als bei der FDP und da dürften sich im Osten, wo es eher weniger Millionäre gibt, etliche summ aus der Wäsche gucken, wenn die Wirtschaftspolitik der AFD mal umgesetzt wird.

 

Sitemap Kontakt Neues Impressum / Datenschutz Hier werben / Your advertisment here Buchshop Bücher vom Autor Top 99