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Web Log Teil 572: 28.10.2018 - 3.11.2019

27.10.2019: Die Lösung für ein überflüssiges Problem – reichen Dachflächen aus, um die BRD mit Solarstrom zu versorgen?

Die Anregung für den heutigen Blog gab mir der Kommentar von Ralph mit Z. Ein Riesennachteil von Solarzellen ist ja das sie Verhältnis zur Stromerzeugung viel Fläche verbrauchen. Wenn man von 1500 kWh/Jahr pro Person ausgeht – im Durchschnitt: Singles mehr, Familien weniger, dann braucht man rund 8 m² pro Person und Jahr. Wenn dann noch ein Elektroauto hinzukommt (gerechnet: 20 kWh/100 km, 10.000 km/Jahr) dann sind es weitere 11 m² für die Familie.

Schon dies zeigt aber auch, die Fläche ist zwar groß aber nicht riesig, denn noch dominieren bei uns Häuser mit wenigen Geschossen und da haben die Leute ja auch mehr als 8 m² Wohnfläche pro Person.

Es gibt aber eine Studie wo sich die Autoren die Mühe gemacht haben nicht nur die Siedlungsfläche zu untersuchen, sondern insgesamt 3754 Gebäude in verschiedenen Regionen und Typen (Dorf, Kleinstadt, Vorstadt) zu vermessen und sie kamen auf ein Potenzial von 161 GWP für Deutschland.

Im Jahresmittel produzieren PV-Anlagen ungefähr das 1000-fache in KWh des Peaks bei optimaler Ausrichtung. Meine beiden Anlagen nicht ganz nach Süden ausgerichtet und mit stärkerer Dachneigung kommen auf das 850-fache, das nehme ich mal als Basis. Das sind dann 136 TWH pro Jahr. Im ersten Halbjahr wurden 245,1 TWh benötigt. Das würde also etwas mehr als ein Viertel des Bedarfs decken. Konkret lieferten PCVAnlagen schon 2019 im ersten Halbjahr 25,1 TWh, also ein Zehntel des benötigten Stroms und dabei sind PV-Anlagen noch nicht die Regel auf Dächern.

Klar ist aber auch, das dies nur ein Teil im Strommix sein kann, einfach, weil die Sonne nachts nicht scheint und im Winter erheblich schwächer. Die Verteilung ist sehr ungleich. Schon am Tag – meine Anlage liefert unter besten Bedingungen rund 7 kWh, mein mittlerer Tagesverbrauch liegt aber bei 6 kwh und der Tag hat 24 und nicht eine Stunde. Selbst mit Begrenzung (lt Gesetz) sind es über 40 Kwh an einem Sommertag. Doch das schwankt. Im Dezember erwartet man z.B. nur ein Fünftel der Produktion vom Juni. So lag im ersten Halbjahr 2019 der mittlere Anteil der Photovoltaik an der Stromerzeugung bei 10,2 %, der höchste Tagesanteil am 29.6.2019 bei 26,5 % und der höchste Stundenanteil an diesem Tag um 13:00 mit 52,1%.

Ergänzung lokaler Stromspeicher

Neben anderen Quellen für den Strom muss man eben speichern. Für den Privathaushalt würden sich (wenn die Preise sich, denen die KFZ-Hersteller für ihre Batterien zahlen annähern würden) kleine Speicher, im Prinzip Blei oder Lithiumbatterien anbieten. Man rechnet mit einer Solaranlage mit einem Autarkiegrad von 30 bis 40 %, je nach Familiengröße, Konsumverhalten und Größe der Solaranlage. Diesen auf 100 % zu bringen nur mit Speichern ist extrem teuer, man denke mal an Wetterlagen wie im Winter, wenn es tagelang nur bedeckt ist. Aber schon eine kleine Anlage die nur so viel Strom mehr liefert, wie man über eine Nacht benötigt hebt die Autarkie auf 70 % an. Dazu reicht ein Speicher, der 1/1000 des Jahresverbrauchs speichert, bei einem Single also eine 2 kWh und bei einer Familie ein 5 kWh Speicher. Der ist verglichen mit den Batterien, die in einem Elektroauto verbaut sind (50 bis 85 kWh) klein und würde das Problem der unsteten Solarstromerzeugung deutlich verringern. So ein Gerät ist dann auch nicht riesig und passt in jede Ecke. So ein Speicher würde nicht nur die Stromnetze entlasten, sondern auch die Schwankungen der Einspeisung verringern. Leider sind diese Speicher derzeit noch so teuer, das es sich nicht finanziell lohnt (kann man berechnen, indem man über die Lebensdauer des Speichers die Kilowattstunden mit der Differenz zwischen dem Geld das man für eingespeisten Strom bekommt und das man für bezogenen Strom bezahlt und die Summe mit den Kosten des Speichers vergleicht).

Elektroautos als Speicher

Falls es übrigens wirklich mal viele Elektroautos geben würde, sodass sie die Anzahl der heutigen Benziner und Dieseln entsprechen, wären diese die idealen Speicher, man müsste nur eben sie dafür auslegen. Es gibt 47 Millionen PKW in Deutschland. Wenn jeder nur jedes zweite elektrisch fährt, davon die Hälfte an einer Steckdose hängen (insgesamt 12 Millionen Elektroautos verfügbar) und jeder eine 50 kWh Batterie hat, die zur Hälfte voll ist, dann können die knapp die Hälfte des Stroms speichern, der täglich benötigt wird. (44 % um genau zu sein). Damit können sie locker die Nacht abfedern und es bleibt nur noch der Rest von Dauer-Trübwetter im Winter. Allerdings sehe ich Elektroautos nicht als die Problemlösung für die Mobilität an, sondern eher das Umgehen des Problems. Man macht eben weiter so wie bisher, nur mit einer anderen Energieversorgung.

Ansonsten gäbe es wirklich genug Fläche. Mir fallen da zuerst mal die Parkplätze ein. Gefühlt stehen nämlich 90 % der Autos auf der Straße herum und blockieren in den Stellen, wo ich durchkomme ganze Fahrbahnen. Bei 3 x 6 m Parkplatz pro Auto sind das bei 40 Millionen geparkten Autos 720 km² Fläche, die wenn man sie mit Solarzellen belegt, und eine mittlere Leistung von nur 800 Kuh/ 1 kwP Peak annimmt, weitere 122 Twh pro Jahr liefern – schon hätte man genügend Fläche, um den ganzen Strom den wir heute brauchen, nur aus Solarzellen zu gewinnen. Nebenbei kann man so auch die Autos die darunter parken zumindest teilweise aufladen. (18 m² Fläche liefern eine Spitzenleistung von 3 kWh und je nach Jahreszeit zwischen 4 und 18 kWh am Tag).

Umweltschutz und Solaranlagen

Wenn ich ins Allgäu fahre, komme ich immer an mehreren Solarfarmen vorbei, wo größere Weideflächen nur mit Solarzellen belegt sind. Eine Satellitensicht eines Parks lege ich mal bei. Man vergleiche die Dimension mit dem Dorf oben links oder der dreispurigen Autobahn unten. Wir reden ja immer von naturnaher Landwirtschaft. Wenn man 50 % der Fläche unter den Paneelen frei lässt, gibt es noch genügend Licht für den Bewuchs (die Farm ist dichter belegt, und trotzdem wächst darunter Grass, das dann übrigens von Schafen ökologisch verträglich abgeweidet wird) dann würden rund 2.600 km², das sind 1,3 % der landwirtschaftlichen Fläche, ausreichen um den ganzen Strombedarf Deutschlands zu decken. (Aber es gibt wie schon gesagt ja noch die Dachflächen und Parkplätze zusätzlich) Nebenbei würde man was für den Naturschutz tun, denn die Flächen wären ja aus der intensiven Nutzung raus, würden nicht mit schweren Maschinen bewirtschaftet und damit auch was für den Gewässerschutz (Wasserrückhalt, Nitratbelastung).

Klar wird es in Wirklichkeit nicht dazu kommen das nur Solaranlagen Strom liefern und natürlich gibt es Verluste beim Speichern von Strom, egal ob in Batterien oder in Pumpspeicherwerken. Ich sehe die Lösung für den Strom auch nicht so sehr in einer nationalen Lösung als vielmehr einer internationalen. Ebenso gibt es ja noch Windkraft als weitere Quelle. Aber anders als geunkt haben wir die Fläche um den Strom nur aus Photovoltaik zu decken.

Fazit

Was mich an der Klimadiskussion stört, ist aber das sie sich nur um Strom dreht. Die Politik konzentriert sich auf den Sektor, weil sie hier am besten lenkend eingreifen kann wie über die Ökostromumlage oder den Kohleausstieg. Der Strom macht aber bei den meisten nur wenig bei der Kohlendioxidbilanz aus. Im deutschen Durchschnitt macht der Strom 0,76 t von 11,61 t Kohlendioxid pro Einwohner und Jahr aus, also nicht mal 7 %. Der Hauptverursacher ist der Konsum (4,56 t), dann kommt das Heizen. Bei beiden ist klar, dass ein Umstieg erheblich folgenreicher für jeden ist. Den Konsum einschränken wollen wohl wenige und so viel regenerierbare Ressourcen, die man verbrennen könnte, also Biomasse oder Holz, damit sie für die ganze BRD reichen gibt es nicht.

28.10.2019: Politiker und Weltraumfahrt

Ich habe es nicht primär mitbekommen, erst als es Michael Khan in seinem Blog aufgriff und dann kam es noch bei Extra 3. Der BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) will einen Weltraumbahnhof für Deutschland und Altmaier lässt das „prüfen“.

Das ist schon das zweite Mal in einem Jahr das die Politik was größeres in Sachen Weltraumfahrt ankündigt. Ein Logo mit ihm für „Bavaria One“. Viel passiert ist seitdem nicht. Natürlich kommt die Weltraumfahrt nicht ohne Politik aus. Trägerraketen werden staatlich finanziert – zumindest bei uns und das wird auch so bleiben, denn anders als in den USA gibt es bei einer kommerziell entwickelten Rakete nicht die Garantie von Staatsaufträgen – im Gegenteil, als Nicht-US Unternehmen haben europäische oder deutsche Unternehmen keinen Zugang zu diesem Markt, dem größten weltweit, und so ist es auch in Russland, Indien, Japan und China. Nur mit europäischen Nutzlasten hat man, aber einen viel zu kleinen Markt für einen eigenen Träger. Dasselbe gilt natürlich für Forschungssatelliten, aber auch Anwendungssatelliten die vornehmlich volkswirtschaftlichen Nutzen haben wie Navigationssatelliten, Wettersatelliten und Erdbeobachtungssatelliten. Und natürlich gehört die gesamte bemannte Raumfahrt zu den Gebieten die nur mit staatlicher Finanzierung laufen.

Was beide Vorschläge eint, ist das sie viel Blätterrauschen verursachen, aber es nichts Konkretes ist und das sie überflüssig sind und das auch jeder erkennt der etwas von Weltraumfahrt versteht.

Zum Weltraumbahnhof verweise ich auf den Artikel von Michael Khan, der die Problematik genau erklärt. Es geht nicht um Deutschlands mangelnde Äquatorlage, denn was boomt, sind ja Starts in sonnensynchrone Umlaufbahnen von Klein- und Kleinstsatelliten und für deren Start ist die geographische Breite eigentlich egal. Das Hauptproblem ist das man von Deutschland aus nicht nach Süden oder Norden starten kann ohne ein Nachbarland – im Westen England, im Osten Dänemark und Norwegen – zu überfliegen und das verbietet sich, wenn die Stufen dort niedergehen müssen – außer der BDI hat gleich die Wiederverwendung und weiche Landung mit eingeplant, was ich aber eher nicht glaube.

Ebenso braucht Bayern nicht eine Raumfahrtiniative. Nicht das ich gegen eine wäre. Aber wenn der Staat hier etwas tun möchte, dann doch eher im nationalen Konsens. Deutschland hat schon ein kleines nationales Raumfahrtprogramm, verglichen mit Frankreich oder Japan. Das meiste Geld geht direkt an die ESA. Bayern könnte hier darauf dringen mehr zu investieren oder selbst Geld aufbringen, im Gegenzug für Aufträge. Aber Bayern alleine ist für ein eigenes Weltraumprogramm zu finanzschwach und es gibt auch nicht alle Ressourcen vor Ort. OHB als größte bayrische Firma hat z.B. einen ebenso großen Firmenstandort in Bremen wie in Augsburg.

Ebenso dumm ist der Vorschlag des Weltraumbahnhofes, selbst wenn es ein Offshore-Bahnhof wäre (wie Sealaunch oder von Helgoland aus). Es gibt ja schon genügend. Derzeit werden zwar sehr viele neue Trägerraketen entwickelt, aber die am weitesten gedrungenen Projekte sind in China und werden von dort aus starten. Dann folgen die USA, die auch schon genügend Weltraumbahnhöfe haben und der US-Markt ist so wichtig das Rocketlab für ihre Electron, die bisher von Neuseeland aus startete, eine Rampe auf Wallops Island baute. Es würde also an Kunden fehlen. Doch das man einen Hafen in Norddeutschland baut, den niemand braucht, hat ja schon Tradition (JadeWeserport).

Diese beiden Punkte stehen stellvertretend für die heutige Politik. Groß was ankündigen und nichts dahinter. Das ist der Unterschied zu früher. Denn schon früher hat sich die Politik in die Raumfahrt eingemischt. Es begann mit Aeros 1+2 als Entwicklungsprogramm für eine Raumfahrtindustrie. Es folgte zur Verbesserung der Zusammenarbeit das Heliosprojekt, das zusammen mit der NASA angegangen wurde. Die Sonden waren außerordentlich langlebig und ihr Minimaldistanzreport wird erst jetzt von der Parker Solar Probe unterboten – nach 45 Jahren. In den Achtzigern kam dann der Beschluss, das Deutschland das Spacelab baut – zwar ein ESA Projekt, doch Deutschland finanzierte es zu mehr als die Hälfte. Deutschland war auch dann das einzige Land, das zwei nationale Missionen durchführte.

Meiner Ansicht nach gäbe es durchaus Möglichkeiten wie sich Bayern und Deutschland mehr in der Raumfahrt profilieren könnten:

Mehr nationales Engagement. Es wäre ja schön, wenn das nationale Raumfahrtprogramm so groß wie der Beitrag für das europäische wäre. Doch wenn es da Pläne gab, die viel Geld kosteten wie eine Mondmission würden die schnell wieder von dem Kabinett abgebügelt. Doch soweit muss es gar nicht kommen. Es gäbe durchaus auch die Möglichkeit an dem Kleinsatellitenboom zu partizipieren. Zum einen, indem man mehr Geld in die staatliche Raumfahrt steckt, mit dem Ziel zum einen weitere Forschungssatelliten zu bauen, aber auch Universitäten und Forschungsinstitute wie die Max-Planck-Gesellschaft unterstützt mit dem Ziel, dass dort Studenten und Forscher eigene Kleinsatelliten entwickeln, Erfahrungen gewinnen, neue Technologien erproben, die dann der Industrie als ganzes zugute kommen.

Den kommerziellen Sektor kann man durch Aufträge fördern, aber auch, indem Startups in den Genuss von Bürgschaften und Krediten kommen. Bei genügend Erfolgsaussichten auch mit einer Finanzierung, z. B. einem Kredit den man nur zu 70 % zurückzahlen muss.

Stattdessen gibt die Politik enorme Summen für Nonsenseprojekte aus. Die gescheiterte Maut kostet 500 Millionen Euro. Würde man diese in die nationale Raumfahrt investieren so würde sich das nationale Programm verdreifachen (bisher 285 Millionen Euro/Jahr) und zu dem von Frankreich (726 Millionen) aufschließen. Dabei ist das noch wenig. Für gerade mal 20.000 Beschäftigte in der Braunkohleindustrie gibt die Politik 40 Mrd. Euro aus – 2 Mrd. pro Arbeitsplatz.

Aber auch innerhalb von Europa sehe ich Chancen für Deutschland. Anstatt einen Weltraumbahnhof zu propagieren, könnte sich Deutschland mehr in der Vega einbringen. Für diese ist ja seit langem eine neue dritte Stufe geplant, die LOX/Methan einsetzt. Diese könnte doch Deutschland entwickeln.

Ebenso würde ich mehr Raumsonden sehen. Die Mondmission wäre sogar national möglich, dafür braucht man keine Deep Space Antennen. Allerdings denke, ich muss es kein so ambitioniertes Projekt sein wie der gescheiterte Mondlander, sondern ein Mondorbiter wäre angemessen. Deutschland hat sich durch militärische und zivile Satelliten Kompetenz in der Radartechnik erworben, mit Radar ist der Mond bisher nur wenig erkundet worden. Das wäre doch also eine sinnvolle Lösung.

Ganz pervers ist, dass Deutschland bei der Entwicklung der Ariane 6 beteiligt ist und dann deutsche Raumfahrtfirmen Starts bei SpaceX buchen. Wohlgemerkt nicht für kommerzielle Satelliten wie Eutelsat oder SES, sondern staatliche Aufträge. Zwei gibt es im Launch Manifest, einen von OHB (SARAH) und einen von Airbus Defence and Space. Der letztere ist der von PAZ, einem spanischen Satelliten, also nicht in der Verantwortung der deutschen Regierung.

Mehr nationale Satelliten auf Ariane 6 und Vega würden auch die Startzahlen dieser beiden erhöhen. Gerade bei Ariane 6 gab es ja eine Vereinbarung über die Abnahme von Ariane 6 durch europäische Regierungen. Die Aufträge sind aber deutlich geringer als die Zusage. Dabei ist dies Bestandteil des Konzepts: der niedrige Preis entsteht auch durch die Fertigung von mehr Trägern und dadurch Reduktion der kosten pro Träger. Man könnte z.B. alle zwei Jahre einen Satelliten wie den Viasat-3 finanzieren und starten (erfordert rund 300 Millionen Euro/Jahr). Dies ist meiner Kenntnis nach der derzeit leistungsfähigste Satellit mit einer Kapazität von 1 Terabit/s, das wären z.B. 100.000 gleichzeitige Verbindungen mit 10 MBit, bei dem üblichen Teilen einer Verbindung zwischen mehreren Usern – außer bei Downloads braucht man die Spitzengeschwindigkeit ja nicht – sind es sicher erheblich mehr. Wegen der großen Latenz eignet sich der nicht für die „Industrie 4.0“ (wobei ich nie verstanden habe, warum ein Industriebetrieb anstatt einem eigenen WLAN Netz ein 5G-Netz für die Produktion braucht). Aber wenn man Horrostories aus einigen Gebieten hört, scheint es ja schon mit eine adäquaten Geschwindigkeit zu mangeln. Das wäre zumindest ein Beitrag um in den Flecken die zu abgelegen oder geographisch benachteiligt sind, Internet nach heutigem Standard anzubieten.

Im Prinzip stehen diese Meldungen für das was heute gang und gäbe ist. Politiker haben einen ausgeprägten Hang in der Öffentlichkeit zu stehen. Meist mit völlig idiotischen Vorschlägen wie Veggie-Tage oder neuen Siegeln für Kleidung, Fleisch oder ähnliches. (Als gäbe es nicht schon genug davon). Aber sie tun nichts mehr, was eigentlich ihre Aufgabe wäre. Wenn sie was tun, dann kostet das den Steuerzahler Unsummen, der Nutzen ist aber gering – wie eben die Maut oder der Braunkohleausstieg.

2.11.2019: 2019 oder 1932?

Zuerst etwas Persönliches. Den heutigen Blog wollte ich eigentlich schon früher publizieren. Doch dann erfuhr ich vorgestern Abend vom plötzlichen Tod von Thomas Schmidt. Thomas Schmidt war 35 Jahre Radiomoderator beim SDR / SWR. Das hat mich sehr getroffen. Ich habe mir überlegt ob ich einen Blog verfassen sollte, aber wegen des Ewigkeitscharakters und vor allem, weil soweit ich es mitbekommen keiner meiner Blogleser SWR1 hört, habe ich es gelassen. Trotzdem hat es mich tief getroffen. Thomas Schmidt hatte nicht nur eine sofort erkennbare Stimme, er hatte eine Art von Moderation die einen mitnahm. Eine Mischung aus Freundlichkeit und leichter Ironie. Mir hat er schon gefehlt, als er im letzten Herbst ziemlich lange Urlaub machte und es an seinem Stammsendeplatz eine Vertretung gab. Zuletzt hat er nicht nur moderiert, sondern hatte seine eigene Sendung mit Gästen und Rubriken die von überflüssigen Fakten aus der Welt des Sports bis hin zu Insektenkunde reichten. Zumindest von der letzten habe ich auch einiges in Erinnerung gehalten.

Obwohl ich schon damit rechnete, dass er bald nicht mehr im Radio zu hören sein würde – Schmidt starb mit 62, und andere Moderatoren, die ich von Jugend an kannte, wie Stiller und Schneidewind gingen in den letzten Jahren schon in Rente, traf mich das sehr. Ich habe mich gefragt, warum so viel mehr als der Tod etlicher Polgrößen die in den letzten Jahren starben wie David Bowie, Prince oder Whittney Houston. Schließlich höre ich deren Musk immer wieder und ein Radiomoderator moderiert sie eben nur an. Aber die Musik von Prince & Co bleibt und da keiner der Künstler etwas in den letzten Jahren produziert hat, das ich wahrgenommen habe, macht es eigentlich für mich keinen Unterschied. Aber Thomas Schmidt hat mich über mein Leben begleitet. Man lernt dann auch aus kurzen Moderationen doch jemanden kennen und lieben. Auch wenn man ihm niemals antworten kann gewöhnt man sich an ihn und dann fehlt er mir. Ich bin nicht so toll im Ausdrücken meiner Gefühle, aber ich kann vieles teilen was andere SWR1 Hörer geschrieben haben. Die Bestürzung war im Radio schon am Donnerstag bemerkbar, als nur Musik kam ohne Moderation dazwischen. Das hat sich auch am Freitag fortgesetzt, wobei man den ganzen Tag „Pop und Poesie“ gespielt hat – eine Rubrik wo vor einem Lied während das Intro im Loop läuft, der deutsch übersetzte Text vorgelesen wird. Hätte man auf die fröhlichen Eigenwerbungs-Jingles verzichtet, es wäre noch besser gewesen. Allerdings habe ich das nicht lange durchgehalten und nach spätestens einer Stunde wieder abgeschaltet. Thomas Schmidt fehlt mir.

So nun zum eigentlichen Blog.

Als ich in der Schule den Nationalsozialismus durchnahm (und das nicht einmal, sondern dreimal – je einmal in Hauptschule, Berufsfachschule und Gymnasium) fragte ich mich immer, wie damals so viele Leute Hitler wählen konnten. Liest man sich seine Texte aus mein Kampf durch, dann muss man schon viel Nachsicht haben für diesen Schreibstil und diese Hasstiraden. Nicht viel anders sind seine Reden, die mit ihrer übertriebenen Gestik heute unfreiwillig komisch wirken – er wird hier aber von Mussolini noch übertroffen.

Mit meinen Eltern konnte ich darüber nicht reden. Meine Mutter war 8 als Hitler gewählt wurde, mein Vater 11. Sie wuchsen schon in einem System auf das jeden in eine NS-Organisation integrierte, auch wenn das bei meiner Mutter nur bedingt klappte. Mein Großvater erlaubte das nicht, konnte später aber den Zwangsdienst in einem Frauenbund nicht verhindern.

In den letzten Monaten bin ich schlauer geworden. Wir haben ja europaweit einen Anstieg der Rechtspopulisten, auch wenn sie bei den letzten Wahlen in Italien und Österreich wieder etwas weniger Stimmen bekommen haben. Aber in Thüringen erzielte die AFD wieder Erfolge. Und man kann durchaus Parallelen sehen:

Im Rückblick finde ich sogar, das die Deutschen 1932 eine bessere „Ausrede“ hatten Hitler zu wählen als die Wähler der AFD heute. Denn damals war die Medienlandschaft eine andere. Internet gab es nicht, Fernsehen auch nicht. Zeitungen waren oft nicht neutral oder wurden von den Parteien selbst herausgegeben. Menschen lebten auch mehr in abgeschotteten Gesellschaften. Wer Arbeiter war, kam kaum mit dem Bürgertum in Kontakt.

Heute haben wir eine solche Isolation wieder in Gruppen auf sozialen Medien die sich selbst bestätigen und „liken“. Suchmaschinenergebnisse, die beeinflusst werden von dem was ,an früher angesehen hat, womit man Vorurteile oder Falschinformationen bestätigen kann. Aber anders als früher kann man diese Abschottung durchbrechen. Unabhängige Information ist daher AFD , PEGIDA und Co ein Dorn im Auge und sie verunglimpfen es als „Lügenpresse“. Sie reden davon das man ihre Meinungsfreiheit beschneide, wobei dies so gemeint ist das man keine anderen Meinungen hören will und strafrechtlich relevante Inhalte wie Beleidigungen

Ein zweiter Grund ist die Ausgangssituation. 1932 gab es über 6 Millionen Arbeitslose, bei einer Arbeitslosenabsicherung die mit heute kaum vergleichbar war. Wer damals arbeitlos war, bekam kein Harz-IV, er bekam gar nichts. Damals bedeutete Armut, um Essen zu betteln, heute bedeutet Armut das Ausgeschlossensein vom gesellschaftlichen Leben. Das ist nicht vergleichbar. Ich vermute, dass wenn man in einer Zeitkapsel jemand von 1932 das Leben eines heutigen Harz-IV Empfängers zeigen würde, er ihn wohl für einen Reichen halten würde, der überhaupt nicht arbeiten muss. Damit will ich nicht die Problematik disqualifizieren, aber der Druck, der durch die Not entsteht und damit auch die Verzweiflung über die Regierung ist eben doch ein anderer.

Ein weiterer Zusammenhang. Die Flüchtlingsschwemme hatten wir 2015/16. Doch die guten Ergebnisse hat die AFD erst seit 2017, als eigentlich die Flüchtlingsproblematik vorüber ist. Auch als Hitler an die Macht kam, besserte sich die wirtschaftliche Situation schon und zahlreiche Maßnahmen, die er sich aufs Heft schrieb, hat schon die vorherige Regierung beschlossen wie den Arbeitsdienst oder Autobahnbau.

Noch in ein anderen Beziehung ist es heute „schlimmer“. Die Führungsriege der NSDAP bestand wenigstens bis auf Hitler aus Deutschen. Aber die Führungsriege der AFD, die ja im Osten so Erfolge feiert, kommt vollständig aus dem Westen: Höcke aus Lünen, Meuten aus Hessen, Gauland wurde zwar in Chemnitz geboren, lebt seit 1959 aber in Darmstadt, Waigel wurde in Gütersloh geboren und lebt in Konstanz, Storch aus Lübeck und Sayn Wittgenstein aus Bad Arolsen. Wie man jemanden wählen kann, der wie Höcke als 17-jähriger vor dem Fernseher die Wende im Westen miterlebte und dann heute von „Wende 2.0“ redet, ist mir ein Rätsel. Vor allem was wollen diese Leute tun, damit es im Osten besser wird? Ich habe von denen noch kein überzeugendes Wirtschaftspolitisches Konzept gehört. Bis kurz vor den Eurowahlen letztes Jahr waren sie ja für einen Austritt aus der EU, haben sich angesichts der Reaktionen hierzulande über den Brexit dann doch anders überlegt.

Noch eine Parallele: kennzeichnend für diese Zeit waren auch politisch motivierte Morde und Hetze. Beides nimmt deutlich zu.

Die wichtigste Parallele ist aber die Regierung. Damals wechselte diese dauernd, weil sie keine stabile Mehrheit hatte, es gab laufend neue Wahlen. Die Bevölkerung hatte nicht das Vertrauen, dass sie die Situation bessern konnte. Die Situation ist heute eine andere. Die wirtschaftliche Situation ist trotz Unkenrufen heute besser als vor einigen Jahren und sie ist auch im Osten besser geworden. Aber die Regierung scheint genauso wenig handlungsfähig zu sein. Es gabt natürlich noch genügend Probleme. Die Schere zwischen Arm und Reich wurde schon erwähnt. Der Rückstand in Sachen Bildung und Infrastruktur wäre noch zu nennen und dann noch die Probleme das wir in der Versorgung mit Internet weltweit nur auf Platz 31 sind – in Europa sogar hinter armen Ländern wie Rumänien. Die Klimaproblematik wäre zu erwähnen. Stattdessen sehe ich Aktionismus. Vorstoße für Siegel, ein Klimagesetz das nicht viel bewirkt, andauernd neue Gesetze gegen irgendwelche Sicherheitsmängel, wie vor wenigen Tagen gegen Hasspredigten. Das steht schon unter Strafe. Mann braucht keine neuen Gesetze, man braucht nur Personal die bisherigen Gesetze durchzusetzen und das sehen auch andere so. Stattdessen gibt es eine neue CDU-Vorsitzende, die nicht mal die Kritik eines Videoblogs toleriert und diese wie Printmedien behandeln will, dann entgegen ihrer Zusage doch ein Regierungsamt einnahm und nun ohne Koalitionsabsprache mit Syrienvorschlägen vorprescht. Merkel glänzt dagegen durch Nichtstun. Die SPD beschäftigt sich monatelang nur mit der Wahl eines neuen Parteivorsitzenden. Das ist ein nachvollziehbarer Verdruss. Nur stattdessen Höcke, Gauland und Co zu wählen ist für mich nicht nachvollziehbar. Die sind noch inkompetenter und sie bieten keine Antwort auf die Probleme, die wir haben. Stattdessen nur Stammtisch-Phrasdendrescherei und Hass predigen. Verbessern tun die AFD-Wähler so nichts. Mit der AFD will keiner koalieren, so verkompliziert sich nur die Suche nach einer Mehrheit. Wenn man allerdings wie die CDU dann kategorisch ablehnt, mit der Linken zu koalieren dann zeigt, man nur das man nichts kapiert hat. Die Linke ist bundespolitisch, wegen ihren Forderungen nach Umverteilung des Vermögens und der Nähe zu Russland nicht als Partner akzeptabel. Aber das tangiert die Landesregierungen, die ja an den Bundesgesetzen nur über den Bundesrat was ändern können, wenig. Und Ramelow hat zumindest - anders als Seehofer - niemals Putin besucht.

Ich habe nie das Konzept eines „Denkzettels“ verstanden. Ich wähle die Partei deren Konzept und Überzeugungen mir am nächsten sind. Ich würde niemals eine Partei wählen, die Positionen vertritt die mir so fern sind oder die keine Antworten auf echte Probleme hat, sondern nur Parolen zu einer Problematik die ich nicht als dringlich ansehe. Schlussendlich möchte ich ja das diese Partei an die Regierung kommt, und so eine Chance hat das umzusetzen was sie plant. Ich glaube nicht das die meisten AFD-Wähler deren Positionen und Wahlprogramm teilen. Sie bauen wohl darauf das sie sowieso nie an die Regierung kommt – alle anderen Parteien haben ja gesagt sie koalieren nicht mir ihr. Aber auch so haben sie doch nichts verbessert.

Was uns von 1932 aber unterscheidet, ist das wir eine Gesellschaft haben, die stabil ist. Gerichte die prominente AFDler verurteilt haben. Aber auch ein Bundesverfassungsgericht, dass der Regierung nicht alles durchgehen lassen. Wir haben eine Medienlandschaft, die man nicht einfach gleichschalten kann und der größte Teil der Bevölkerung lehnt rassistische Parolen ab. Vor allem aber scheint man nur als Dumpfbacke es in der AFD zu was bringen. Man kann von Hitler und Co ja sagen was man will, aber die waren zumindest schlauer als die AFD-ler. Sonst hätte es mit der Gleichschaltung auch nicht geklappt.

3.11.2019: Eine Rakete für Deutschland?

Wenn schon ein nationaler Raumfahrtbahnhof in Gespräch ist, dann braucht man auch eine Trägerrakete. Denn das die zahlreichen Firmen die schon neue Raketen entwickeln zu uns umziehen, darauf sollte man nicht bauen. Ich persönlich finde es auch eine Schande, das es in 60 Jahren deutscher Raumfahrt keine eigene Trägerrakete gab. Selbst Weltraumfahrt-Aussteigernationen wie England (Parallelen zum Brexit drängen sich auf) hatten mal eine eigene nationale Trägerrakete. Unter den Industrieländern ist Deutschland das wirtschaftsstärkste das keine Trägerrakete hat. Inzwischen hat uns ja sogar Neuseeland überholt.

Also habe ich mich daran gemacht eine Rakete zu konzipieren. Das ist nicht leicht und trotzdem ganz leicht. Nicht leicht, weil sich Deutschland in der Entwicklungen bei denen wir dabei waren immer mit der Systemintegration oder einer kleinen Oberstufe hat abspeisen lassen. Deutschland hat nie ein eigenes großes Triebwerk komplett entwickelt, sondern nur Teile davon. Die größten selbst entwickelten Stufen sind die Astris der Europa mit 3,5 t Masse und die EPS der Ariane 5 mit 10 t Masse. Die dazugehörigen Triebwerke sind schubschwach. Das Aestus Triebwerk habe ich daher als Basis für die Oberstufe genommen.

Die Freiheit hat man dadurch bei der ersten Stufe. Derzeit entwickelt Europa das Prometheus Triebwerk. Die Entwicklung geschieht in Frankreich. Die sind schlauer und entwickeln bei neuen Trägern immer die Triebwerke. Doch es ist in einem frühen Stadium und ich gehe davon aus, das man wenn man es finanziert, in Deutschland entwickeln kann. Für das Prometheus habe ich nach Literaturrecherche folgende Daten aufgestellt:

Parameter

Wert

Vakuumschub:

1.000 kN

Schub auf Meereshöhe:

940 kN

Spezifischer Impuls im Vakuum:

3410 m/s

Daraus ergibt sich eine Startmasse von etwa 77 t. In meinem ersten Ansatz habe ich die Erststufe auf 65 t Masse angesetzt, die Oberstufe in Anlehnung an die EPS auf 11,4 t bei 1,4 t Leermasse (1,2 t Stufe, 0,2 t VEB) und ein Aestus Triebwerk. In der Simulation zeigte sich aber, dass es zu schubschwach ist. Diese Rakete hat einen zu geringen Schub in der Oberstufe. Also habe ich die Zahl der Triebwerke verdoppelt. Alternativ könnte man das Aestus, das druckgefördert ist, mit einer Turbopumpe ausrüsten. EADS untersuchte dies als Upgrade für die Ariane 5. Beides verdoppelt den Schub, die letztere Option auch den spezifischen Impuls. Ich habe aber mit dem originalen gerechnet. Diese Version kommt auf 1.070 kg Nutzlast in eine sonnensynchrone Umlaufbahn in 700 km Höhe (Bahnneigung 98,2 Grad), gestartet von 52 Grad nördlicher Breite, Azimut 15 Grad). Mit der Turbopumpe sind es 1.200 kg

Bei nur 1 bis 1,2 t Nutzlast ist die Trockenmasse der dritten Stufe von 1,4 t zu hoch. Daher war der nächste Ansatz die Stufe um 4 bis 5 t zu verkleinern und dafür die erste Stufe um 5 t schwerer zu machen. Diese Version kommt auf 1.230 kg Nutzlast in den gleichen Orbit.

Für die Vega wurde eine ähnliche Stufe L5.4 allerdings mit dem Aestus II Triebwerk entwickelt. Diese hat nochmals eine leicht höhere Nutzlast von 1.360 kg.

Zuletzt habe ich noch eine Variante mit einer zweiten Oberstufe für die Vega der L1.7 mit der BERTA Engine, einem neu zu fortentwickelnden Antrieb mit 8,1 kN Schub. Doch wegen der hohen Leermasse von 864 kg erreicht diese nur eine geringe Nutzlast.

Die dritte Lösung ist heute unüblich aber aus Performancesicht die beste. Sie besteht darin eine dritte Stufe einzufügen aber mit einem Feststoffantrieb ohne eigene Steuerung. Die beiden Unterstufen mit flüssigen Treibstoffen haben die Fähigkeit die Bahn anzupassen, sodass die letzte Stufe ein Apogäum in 700 km Höhe erreicht und dann zündet. Aufgrund der kleinen Trockenmasse des Feststoffantriebs ist dies viel günstiger als die VEB mitzuführen. Vor der Abtrennung die eine Freiflugphase einschließt würde man die dritte Stufe in Rotation versetzen. Ich habe dies mit der Variante mit Aestus II und 10 t Treibstoff durchgespielt und als Oberstufen den Star 37 FM, Star 48 und Star 63 simuliert.



Oberstufe 2 x Aestus, 10 t Treibstoff

1.070 kg

Oberstufe Aestus II, 10 t Treibstoff

1.200 kg

Oberstufe 1 x Aestus, 5 t Treibstoff

1.230 kg

Oberstufe 1 x Aestus, 6 t Treibstoff

1.290 kg

Oberstufe 1 x Aestus II, 5,4 t Treibstoff

1.360 kg

Oberstufe Aestus II, 10 t Treibstoff + Star 48

1.370 kg

Oberstufe Aestus II, 10 t Treibstoff + Star 63

1.090 kg

Oberstufe Aestus II, 10 t Treibstoff + Star 37 FM

1.390 kg

Diskussion

Je nach Auslegung wäre eine Nutzlast von 1 bis 1,4 t möglich. Diese Rakete würde daher unterhalb der Vega liegen, bei etwa der halben Nutzlast der Vega C. Da ich diese für die zahlreichen Klein und Kleinstsatelliten schon für zu groß halte, wäre sie eine Ergänzung im europäischen Arsenal. Die Varianten mit Feststoffoberstufe haben eine höhere Nutzlast, zumindest mit Star 37 und 48 Antrieb, aber nur wenig. Dafür handelt man sich andere Probleme ein wie das die Stufe zu Brennschluss rotiert (heute eher unüblich) und wegen des Prinzips die Bahngenauigkeit klein ist. Da dies eine weitere Stufe mit weiteren Kosten addiert, denke ich, lohnt es sich nicht. Allerdings wäre noch etwas mehr Nutzlast denkbar, wenn man aktuelle Technologie einsetzt – die Zefiro 9 Stufe hat einen höheren spezifischen Impuls als die alten Stars. Lohnen würde es sich auch, wenn diese Stufe als Oberstufe der Vega zum Einsatz kommt. Mit der Masse des Star 48 Antriebs kann dies eine Vega problemlos in einen Erdorbit bringen. Eine solche Stufe könnte 800 kg auf eine Fluchtbahn bringen oder 1.450 kg in einen Übergangsorbit für das Galileo-System (entspricht dann ungefähr 900 kg im Galileo-Orbit, also mehr als ausreichend für die derzeitigen Satelliten). Damit wäre die Vega als Träger für kleine Satelliten auf Fluchtbahnen einsetzbar oder zum Starten von Ersatzsatelliten des Galileosystems, die sonst eine Ariane 62 oder Sojus brauchen.

Von den anderen Versionen gibt es vier mit 1,2 bis 1,29 t Nutzlast. Welche die günstigste ist, hängt dann von wirtschaftlichen Faktoren ab.

Zuletzt: Was gegen den Weltraumbahnhof in Deutschland spricht, ist ja das die erste Stufe in bewohntem Gebiet niedergehen könnte. Mit einer Ausnahme liegen die Auftreffzonen zwischen 512 und 625 km vom Startort entfernt. Beim Suchen mit Google Maps liegen die Auftreffpunkte alle vor der norwegischen Küste, das kann sich aber ändern. Das hängt vom Azimut ab, und der wird weniger negativ (nähert sich Norden) wenn die Bahnhöhe niedriger wird. Man sollte daher eine Bergung vorhersehen (kostet Nutzlast) oder zumindest ein gezieltes Aufschlagen in einem Gebiet, indem man, wenn die Flugbahn zu Richtung Norwegen führt, die erste Stufe nach der Abtrennung wieder aufs Meer lenkt – kostet auch Nutzlast aber nicht so viel.

Bei dem Kurs der Bundesregierung – nicht nur dieser, sondern auch schon früher – allerdings sich mit Integrationsaufträgen zu bescheiden und technologisch anspruchsvolle Aufträge, die aber auch mehr finanzielle Beteiligung erfordert abzulehnen und dann wenn die Rakete fertig entwickelt ist die Satelliten auf Deltas (Telekom) oder Falcon (SARAH) zu starten, sehe ich allerdings schwarz sowohl für den Weltraumbahnhof wie die deutsche Rakete.

3.11.2019: Die Oktober-Nachlese von SpaceX

Die Nachlese sollte heute kurz werden. Denn so viel Neues gibt es nicht. Im ganzen Oktober keinen Start. Der letzte war am 9.8.2019. Auch von den eigenen Starlink Satelliten hört man nicht viel und im Launch Schedule von Spaceflight Now tauchen bis Jahresende nur zwei gebuchte Aufträge auf. Damit fällt dieses Jahr nicht nur hinter 2019 zurück, sondern auch hinter 2018 nur wenig besser als 2017 als es die Explosion am Boden gab. Doch beim Schreiben wurde es dann doch ein langer Blog.

Kurz vor der letzten Nachlese hat Musk sein letztes Mockup des Starships vorgestellt, mit viel TraRa und optimistischem Terminplan. Das gefiel NASA Administrator Bridenstine gar nicht: „NASA expects to see the same level of enthusiasm focused on the investments of the American taxpayer,” he said then, comments agency insiders said reflected a perception that SpaceX was not focused sufficiently on getting Crew Dragon completed. “It’s time to deliver.”. Wenige Tage später gab es dann einen Besuch von Bridenstine bei SpaceX wo Musk natürlich betonte, dass die NASA Vorrang habe: “Crew Dragon is absolutely the overwhelming priority” at SpaceX, he said, with only about 5% of the company working on Starship.

Tja was soll man da sagen? Mit 5% der Angestellten entwickelt SpaceX also in einem Jahr ein Gefährt, das man in der Komplexität sicher mit dem Space Shuttle vergleichen kann, für das die NASA mit sicher wesentlich mehr Angestellten als SpaceX heute hat neun Jahre brauchte. Auf der anderen Seite brauchen sie acht Jahre, um aus einer Kapsel die unbemannt 2011 zum ersten Mal flog, eine bemannte Kapsel zu machen und dass, obwohl an diesem Projekt die meisten Angestellten von SpaceX arbeiten. Boeing, die ja auch im Terminplan hinterherhinken mussten dagegen ganz bei Null anfangen, hatten also, wenn man COTS und die erste CCDev Runde als Start der jeweiligen Entwicklungen nimmt, drei Jahre aufzuholen und werden so wie es aussieht trotzdem vor SpaceX den ersten bemannten Einsatz durchführen.

Was die Prioritäten sind, scheint innerhalb von SpaceX nicht so richtig klar zu sein. Denn Shotwell sagte über Starlink: „She said Starlink is considered “additive to our business,” meaning that it will not replace space launch services as SpaceX’s primary source of revenue.“. Also auch Starlink wird nur eine kleine Priorität haben. Das verwundet mich doch sehr, ist in dem Artikel doch davon die Rede das sie schon 2020 Services anbieten wollen. Wir lernen daraus: Die beiden größten Projekte, die selbst deutlich größere Firmen als SpaceX vor Probleme stellen, werden mit wenigen Mitarbeitern durchgeführt. Was machen die so anders als die anderen, die bei der Kapsel hinterherhinken und gerade mal 10 Starts dieses Jahr hinbekommen haben? Wie will SpaceX denn die vielen Satelliten starten und die Starts vom Starship abwickeln, wenn dann diese Mitarbeiter für diese verantwortlich sind?

Fasst man das zusammen so gibt es anscheinend die Reihenfolge:

Ich würde da Starlink so auf 10 % der Aktivität einschätzen. Mit Sicherheit weniger als die kommerziellen und institutionellen Starts und das waren dieses Jahr nur zehn. Da jeder nur rund 50 bis 60 Millionen Dollar kostet, frage ich mich wie man mit den Einnahmen daraus Starlink finanzieren will. Selbst wenn man nur einen Teil der 12.000 Satelliten für einen ersten Service braucht der wieder Geld einbringt. Die Zahl könnte noch ansteigen, denn SpaceX hat Anträge für den Start von weiteren 30.000 Satelliten eingereicht. Nur mal zum Vergleich. Jonathan McDowells Launchlog verzeichnet bis heute 11.784 Nutzlasten seit Beginn der Raumfahrt.

Für den Service von Starlink gibt es inzwischen ein Preisschild: Shotwell said millions of people in the U.S. pay $80 per month to get “crappy service.”. Das heißt zwar nicht das nun Starlink 80 Dollar pro Monat (71,69 € nach heutigem Umrechnungskurs) kostet, legt aber nahe, das es in dieser Region liegt. So günstig finde ich das nicht. Nimmt man die Tarife der Telekom als Referenz, (wenn auch teuerster Anbieter, ich zahle z.B. für 50 MBit 24,99 Euro). So zahlt man (ohne Rabatte):

Was nun ein „crappy service“ ist weiß ich nicht, aber 100 Mbit/s würde ich als Stand der Technik ansehen, wenn man die Daten der Durchschnittsgeschwindigkeit in den USA (117 Mbit/s) nehme. Ich sage dies, weil der eine oder andere Starlink ja auch als Lösung für den schleppenden Ausbau des Netzes in ländlichen Regionen bei uns preist. Würde ein Provider bei uns nicht einen für alle geltenden Standardtarif anbieten müssen, sondern bei der Neuerschließung die obigen 72 € verlangen dürfen, wir hätten längst keine Lücken mehr, denn bei 24 Monaten Standardlaufzeit sind das 648 € mehr pro Anschluss, dazu käme noch, was ein Nutzer für das Terminal zahlen müsste, die Hardware für den Anschluss gibt es bei uns ja umsonst. Internet über Satellit gibt es ja bereits. Sie sind (aber das wird bei Starlink nicht anders sein) aber volumenbegrenzt. Für 50 Mbit/s und 100 GB/Monat – ausreichend, selbst wenn man wie der Autor viel Fernsehen über das Internet konsumiert zahlt man derzeit 60 Euro. Demgegenüber punktet Starlink nur durch die kürzere Laufzeit, was beim Browsen oder Fernsehgucken keine Rolle spielt. Aber ich denke Spieler, bei denen es ja auf jede Millisekunde ankommt, werden auch mit Starlink nicht glücklich. Denn so geht das Funksignal erst mal 1000 km hoch, dann eventuell zu einem anderen Satelliten, von dort wieder in eine Bodenstation und von dort aus ins Internet. Das addiert selbst, wenn die Signale nicht verarbeitet werden (was auch Zeit kostet) alleine 10 ms. Wenn die Bodenstation dann ungünstig liegt kommen noch weitere Verzögerungen durch den längeren Weg über Kabelstrecken dazu.

Es sieht so aus, als wäre das Militär ein wichtiger Kunde für Starlink. SpaceX hat im Dezember einen Auftrag über 28 Mill. $ für die Demonstration von Verbindungen bekommen und Tests ergaben bis zu 610 MBit/s zu einem Flugzeug. Anders als bei Verbrauchern spielen die Kosten beim Militär keine Rolle, dafür sind die Vorteile sofort sichtbar:

Ich sehe hier neben „normaler“ Kommunikation sofort die Anwendung das man aus sicherer Entfernung unbemannte Kriegsgeräte steuern kann. Das wird schon mit fliegenden Drohnen gemacht, doch die eignen sich derzeit nur für die Bekämpfung von langsamen, sich nicht wehrenden Zielen wie Autos), nicht für Gegner die zurückschießen können oder hoch beweglich sind. Vor allem aber hat das Militär Geld en Masse und könnte das ganze Projekt finanzieren. 

Gestern startete übrigens eine Cygnus zur ISS. Was das mit SpaceX zu tun hat? Nun sie ist ein gutes Beispiel, wie bei SpaceX die Entwicklung läuft, oder besser gesagt, wie sie bei Musk läuft. Cygnus und Dragon entstanden beide auf die COTS Ausschreibung der NASA. Die Dragon wurde von SpaceX zwar schon vorher angekündigt. Doch zu diesem Zeitpunkt – wir schreiben 2006 und SpaceX war damals klein, schaffte gerade mal einen Falcon 1 Start pro Jahr, war sie sicherlich nicht mehr als ein Modell im Rechner. SpaceX hatte zwei Vorteile. Der erste war das sie eineinhalb Jahre Vorsprung hatten – den zweiten COTS-Auftrag bekam zuerst Rocketplane/Kistler. Erst als sich herausstellte, das diese Firma keinerlei Fortschritte in der Entwicklung vermelden konnte, wurde ihr der Auftrag entzogen und neu ausgeschrieben. So startet SpaceX am 18.8.1006, Orbital erst am 22.1.2008. Der zweite Vorteil war, das die Gelder die Rocketplane/Kistler verbraten hatte, wegfielen. SpaceX bekam so 108 Milionen Dollar mehr.

Seitdem haben beide Firmen ihre Fähigkeiten erweitert. Die erste Cygnus konnte maximal 2 t Nutzlast transportieren, die Cygnus, die gestern gestartete transportierte ein neues Rekordgewicht von 3,8 t. Dazu reichte es, das die Rakete rund 2,5 t mehr Nutzlast transportieren konnte.

Die Leistungssteigerungen sind bei der Falcon 9 noch beeindruckender. Die aktuelle Version der Falcon 9 kann sogar mehr als doppelt so viel Nutzlast in den LEO transportieren, wie die die 2011 ihren Jungfernflug hatte. Doch 3,8 t Fracht wird eine Dragon nie transportieren, obwohl SpaceX bis zu 6,6 t Nutzlast reklamiert. Der Grund: Sie ist als Frachttransporter eine Fehlkonstruktion. In der kegelförmigen Kapsel bringt man einfach viel zu wenig unter, das Volumen ist zu klein. Das kann auch der Zylinderstumpf am Ende für Fracht, die nicht in einer Atmosphäre transportiert werden muss, nicht ausgleichen, weil die Menge dieser Güter viel kleiner ist als Ladung im Druckmodul.

Doch dafür ist sie ja wiederverwendbar und mittlerweile werden sowohl Rakete wie Kapsel wiederverwendet. Lohnt es sich wenigstens? Nein. Nach einem Report des US-Rechnungshofs (GAO) ist SpaceX mittlerweile der teuerste Anbieter im CRS-Programm. Man sollte eigentlich annehmen, das bei einer wiederverwendbaren Kapsel das Gegenteil der Fall sein müsste. SpaceX begründet das damit, das man nur einen Raumschiffstyp produzieren will und die Dragon 2 für bemannte Einsätze wäre eben viel teurer. Hallo? Ihr entwickelt eine Kapsel, bei der ihr von Anfang an sagt, dass ihr sie bemannt einsetzen wollt. Dann bekommt ihr, nachdem das Ding schon im Routineeinsatz zur ISS ist, den Auftrag für eine bemannte Kapsel und dann dauert das Jahre, so lange das Boeing, die von Vorne anfangen müssen, euch überholen und zum Schluss ist es trotz Wiederverwendung teurer als eine Wegwerfkapsel? Also effizientes Arbeiten, das noch dazu lange dauert und teurer als die Konkurrenz. So was kommt raus, wenn der Firmenchef sich selbst einmischt. Unverständlich ist für mich, warum die NASA sich das gefallen ist. Wenn die Crewed Dragon viel teuer als die „Frachtdragon“ ist, dann würde ich drauf bestehen, das diese weiterhin für die Fracht zum Einsatz kommt. Schließlich ist sie ja bewährt und billiger.

Man kann das bei der Falcon 9 fortsetzen. Die erste Version war zu klein für geostationäre Transporte und auch für die Dragon. Die heutige Version hat eine höhere LEO Nutzlast als jede Delta 4 und Atlas V Variante mit Ausnahme der Delta 4H. Trotzdem kann sie diese nicht ersetzen. Schon für GTO sinkt die Nutzlast auf maximal 6,5 t ohne Bergung ab und die gelten nur für einen 1800 m/s ΔV GTO, sind also mit Starts von Arianespace oder ILS die einen 1500 m/s GTO erreichen nicht vergleichbar. In den GEO, wichtig für das US-Militär, sinkt die Nutzlast auf fast Null ab. Das liegt an der zweistufigen Auslegung mit einer zu großen Oberstufe, damit die Erststufe besser bergbar ist. Für das US-Militär braucht die Firma die Falcon Heavy, die sie fünf Jahre nach vorgesehenem Startdatum fertig hatte. Das Feature Crossfeeding fiel dabei weg. Trotzdem ist die Falcon Heavy nicht qualifiziert für schwere US-Militärmissionen: Sie wird nicht vertikal integriert, was eine Forderung ist, die aber lösbar ist. Vor allem aber ist ihre Nutzlasthülle mit 13,9 m Länge viel zu kurz. Sie ist sogar kürzer als die Verkleidungen der Delta 4M und Atlas V. Die Delta 4H für große Nutzlasten hat eine von 20 m Länge. Auch hier: Am Markt vorbeigeplant. Zwischendurch versuchte SpaceX sogar die Verkleidung der Atlas von Ruag Space zu kaufen, was ULA dann mit dem Hinweis auf geistiges Eigentum verhindert hat.

Nun wird aber alles besser. Die Firma entwickelt ein Raumschiff das auch suborbital Passagiere befördern kann (natürlich freuen sich die Flughäfen, wenn sie bei einem Start/Landung weiträumig den Luftraum sperren dürfen und Passagiere warten gerne 14 Tage auf einen Start – vom KSC aus sind 24 Starts pro Jahr geplant, mehr dazu hier) und klar, in einer Welt in der es immer mehr Leichtsatelliten von 1 bis 100 kg Masse gibt, wartet jeder auf das Starship, das 100 t in den Orbit bringt …

Das spannendste Thema war eine Veröffentlichung von Wallstreet. SpaceX ist ja nicht börsennotiert und muss so keine Bilanzen veröffentlichen. Die Entwicklungen finanziert die Firma, indem sie Aktien an Investoren verkauft. Da gab es wieder eine Runde bei der 2,7 Millionen Anteile zu 185 Dollar verkauft wurden. Der Gesamtwert der Firma war (gemessen an den Anteilen) 30,5 Mrd. Dollar. Das ist der immer wieder zitierte „Wert“ der Firma. Er soll nur wenige Wochen später nun schon auf 33,3 Mrd. Dollar angestiegen sein. Wer meine Blogs regelmäßig liest, weiß das ich von der Wirtschaftswissenschaft nichts halte, obwohl es für die Disziplin sogar Nobelpreise gibt. Einfach aus der täglichen Beobachtung, dass Börsenkurse die letztendlich ja auch den Wert einer Firma angeben, nichts mit dem Wert gemessen an Aufträgen, Schulden, Immobilien, Anlagen oder Guthaben / Krediten zu tun haben. Tesla, Musks zweite Firma ist da ein gutes Beispiel. Geht es nach dem Börsenwert, so ist die Firma mehr wert als General Motors, obwohl General Motors viel mehr Autos produziert, mehr Mitarbeiter hat und dabei sogar Gewinne macht – Tesla hat bisher nie in einem Jahr Gewinn gemacht und einen riesigen Schuldenberg.

Es funktioniert aber wegen des Schneeballsystems, das ich schon vor Jahren für SpaceX prognostiziert hatte. Damals bezogen auf die Startpreise. Mittlerweile bin ich schlauer. Das bezieht sich auf den Firmenwert. Der steigt ja dauernd an. Vor wenigen Jahren war er noch bei einem Zehntel des heutigen. Das heißt ein Investor, der damals einstieg, hat, wenn er nun die Anteile verkauft, einen Riesengewinn. Das funktioniert so lange, bis die meisten Anteile verkauft sind. Und es funktioniert nur, solange wie es Nachfrage nach diesen Aktien gibt.

Das zweite wichtige im Beitrag ist, das SpaceX 2018 einen Gewinn von 270 Millionen Dollar gemacht hat, was 10,8 % der Einnahmen von 2,5 Mrd. Dollar sind. Die Marge ist kleiner als die von Boeing (13 %) und Lockheed (13,5%). Ich hätte angenommen, wenn keiner die Preise von SpaceX erreicht, dass die Marge höher ist, weil sie so den Preis bestimmen können. Wichtiger ist aber: Eine Firma mit einem „Wert“ von 30.5 Mrd. Dollar macht 270 Millionen Dollar Gewinn. Wäre SpaceX börsennotiert und würde den ganzen Gewinn ausschütten, es wäre so nur eine Rendite von 0,88 %. Das ist ziemlich mager. Und mit 270 Millionen Dollar pro Jahr kann man auch nicht 12.000 Starlinksatelliten und eine 4500 t schweres Shuttle finanzieren.

Nun gibt es nach drei Monaten am 11.11. wieder einen Starlinks-Start. Diesmal soll erstmals eine Nutzlastverkleidung wiederverwendet werden. Die kostet nach SpaceX Angaben 6 Millionen Dollar. Da die Erststufe ebenfalls nach Musk Angaben 75 bis 80 % der Rakete kostet, bleibt nicht viel für die Oberstufe und Avionik übrig, nämlich 10 bis 15 %. Das verwundert, Oberstufen sind Verhältnis zu ihrer Masse meist recht teuer, alleine durch die Avionik und anderen Sicherheitssysteme die dort angesiedelt sind. Demgegenüber ist bei SpaceX dann die Oberstufe billig, sogar wenn man die Masse berücksichtigt billiger als die Erststufe. So verwundert es übrigens nicht das der „Preisbrecher“ von Ruag Space eine Nutzlastverkleidung kaufen will. Denn die Firma fertigt auch die für die Ariane 6 und die kostet, obwohl sie doppelt so viel Fläche hat gerade mal die Hälfte: 2,97 Millionen Euro.

Übrigens wer es schon immer geahnt hat: SpaceX Fans sind eine Liga für sich. JB Wagoner kam von Kalifornien nach Texas um die Enthüllung des Mockups mit verbeulten Blechen und dicken Nieten beizuwohnen, wurde aber nicht eingelassen. Am Tag darauf ging er zum Mockup und fotografierte es und wurde danach verhaftet. Er sagte, der Zaun um das Gelände wäre heruntergekommen und es gäbe keine „Betreten verboten“ Schilder. Mal von der Gedankenwelt dieses Fans, der übrigens das Lebenserhaltungssystem für die Marssiedler mitentwickeln will abgesehen, gibt das tiefen Einblick in das Sicherheitskonzept von SpaceX. Glaubt jemand in irgendeinem Weltraumbahnhof auf dieser Welt, könne jemand einfach mal so rein spazieren (egal ob es einen Zaun gibt oder nicht) und bis zur Rakete gelangen, um Fotos zu machen? Woanders wäre er spätestens, wenn er das Gelände betreten hätte, geschnappt worden. Bei solchen Sicherheitsvorkehrungen wundert es mich nicht das es damals bei der Explosion der Falcon 9 mit Amos 6 auf der Startrampe Spekulationen gab, ob jemand auf die Rakete geschossen hat...

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