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Web Log Teil 573: 5.11.2019 -

5.11.2019: Die schwere Suche nach NEOs

Derzeit läuft immer noch die Studie für NeoCam. Sie ist die aktuelle weltraumbasierte Mission der NASA zur Suche nach Near Earth Objects (NEOs). Der Kongress hatte 2005 der NASA 15 Jahre Frist gegeben, 95 % der NEOs über 140 m Größe innerhalb der nächsten 15 Jahre zu finden. Die Frist läuft nächstes Jahr ab. Bisher hat man 30 % gefunden. Also so richtig ernst scheint man das Thema nicht zu nehmen. Selbst wenn NeoCAM startet übrigens nicht vor 2025 und braucht 10 Jahre um das Kongress-Ziel zu erreichen. Das heißt anstatt 15 Jahren wird die NASA 30 Jahre zur Umsetzung brauchen. Nicht das man es niucht versucht hätte: Seit 2006 gab es nicht weniger als sechs Vorschläge die Mission umzusetzen (die letzten fünf im Discoveryprogramm), doch selektiert wurde sie nie.

NEOs sind Planetoiden, die die Erdbahn kreuzen. Damit können sie potenziell auf der Erde einschlagen und wie man an über 100 großen Einschlagskratern sieht, tun sie das auch. Dabei sind dies nur die prominentesten und unumstrittensten Krater. Es gibt drei Datenbanken die noch mehr Krater erfassen und 190, 375 bzw. 1140 Einträge haben. Dabei sind dies nur die Krater, die nicht durch Plattentektonik, Wind und Wetter eingeebnet sind und die, die auf dem Meer einschlugen sind durch die laufende Erneuerung des Meeresbodens nur relativ kurzlebig.

Die Auswirkungen eines Einschlags

Kleine Körper, in etwa 10 bis 20 m Durchmesser, je nach Zusammensetzung, zerfallen mit Sicherheit beim Durchqueren der Atmosphäre. Die anderen erzeugen einen Kater, typisch von 10 bis 20-fachem Durchmesser des Körpers (ebenfalls von der Dichte und Geschwindigkeit abhängig). Mit der Untergrenze von 140 m würde man so alle Körper erfassen, die einen Krater von etwa 2 km Durchmesser erzeugen. Dort ist mit Sicherheit alles Leben zerstört. Das gilt auch noch für den Umkreis, wo es eine Druckwelle, ausgeworfenes Material und Hitze gibt. Je weiter man sich vom Einschlagszentrum entfernt, desto geringer werden die Auswirkungen. Die Temperatur klingt am schnellsten ab, dann folgt die Druckwelle und zuletzt die seismischen Wellen, die einem Erdbeben gleichen. Allerdings steckt die meiste Zerstörungskraft in der Druckwelle und dem Auswurfmaterial. Mit einem Programm errechne ich für einen typischen Steinmeteoriten von 140 m Durchmesser und Dichte 2,2 bei einer Geschwindigkeit von 17 km/s in einem Winkel von 45 Grad km/s folgende Effekte: (nach Earth Impact Programm

Das heißt, ein 140 m großer Gesteinsbrocken hat eine Zone, in der die Wirkung mit einem starken Erdbeben oder einem Hurrican vergleichbar ist, von etwa 30 km Durchmesser. Das hängt natürlich stark von den genauen Parametern des Körpers wie Dichte, Winkel, Geschwindigkeit aber auch dem Einschlagsort ab.

Obwohl dieser Körper in der Atmosphäre zerfällt, und so 4/5 seiner Energie verliert, ist er also nicht harmlos. Je nachdem, wo er runterkommt ist eine Zone mit einem Durchmesser von 30 km verwüstet und das können bei einer Großstadt Millionen Tote sein. „Harmlos“ sind nur deutlich kleinere Körper. Beim Meteor von Tscheljabinsk handelte es sich um einen nur 19 m großen Körper, also viel kleiner und er trat sehr flach in die Atmosphäre ein, was das Auseinanderbrechen noch forcierte. Trotzdem gab es an Tausenden von Gebäuden Beschädigungen.

Nun gibt es seit Jahren Suchprogramme für NEOs. Früher nutzte man dazu ausgemusterte Teleskope, die zu klein für viele anspruchsvollere Forschungsprojekte waren. Inzwischen hat man spezialisierte Teleskope dafür gebaut wie Pan-STARRS. Bodengestützte Teleskope sind immer billiger als eine Raumsondenmission. Pan STARRS hat vier Teleskope mit je 1,8 m Durchmesser und kostet 100 Millionen Dollar. Neocam wird mit einem 50-cm-Teleskop auf Suche gehen und die Kosten werden auf 500 bis 600 Millionen Dollar geschätzt.

Warum eine Raumsondenmission

Es gibt zwei wesentliche Gründe warum man eine Raumsondenmission anstrebt. Der erste sind die Bahnen von NEOs. Ein NEO kann die Erdbahn kreuzen, er kann sie aber auch nur touchieren. Wenn er z.B. einen sonnenfernsten Bahnpunkt von 161 Millionen km hat und die Erdbahn an der Stelle 150 Millionen km von der Sonne entfernt ist, dann ist er auf der Nachtseite der Erde nur sichtbar, wenn er diesen Punkt erreicht. Sonst – die meiste Zeit seiner Umlaufbahn – befindet er sich von der Erde aus gesehen innerhalb der Erdbahn und damit nahe der Sonne. Dann kann aber kein erdgebundenes Teleskop ihn aufnehmen, da er dann nur am Taghimmel sichtbar ist.

Eine Raumsonde kann sich der Sonne mehr nähern und diesen Nachteil ausgleichen. Daneben überstrahlt ohne Atmosphäre die Sonne nicht die Umgebung. Man kann einen Asteroiden dann auch aufnehmen, wenn er nahe der Sonne, aber nicht vor ihr ist. Das Blickfeld in dem Neocam Aufnahmen machen kann. verdeutlicht dies. Man hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Körper entdeckt, nachdem sie die Erde nahe passierten – aber erst danach. Wären sie nicht an der Erde vorbeigeflogen, sondern aufgeschlagen, man hätte sie nicht bemerkt, bevor es einen Aufschlag gab. So war es auch beim Meteor von Tscheljabinsk.

Das zweite ist das viele dieser Körper recht dunkel sind. Sei reflektieren wenig Licht. Das ist eine typische Eigenschaft von Felsen, auch unser Mond reflektiert nur 14 % des Lichts. Zusammen mit der kleinen Größe – die größeren Körper mit 1 km Durchmesser und größer - sind wahrscheinlich zu 90 % bekannt, macht das die Entdeckung schwierig.

Die Lösung von Neocam ist, dass die Kamera im Infraroten arbeitet. Da die Körper die sie suchen soll sich alle innerhalb der Erdbahn befinden sind sie relativ warm und ihr Absorptionsmaximum liegt im Infraroten.Das zeigt die untere Abbildung. Die Detektoren arbeiten bei 4 bis 5,2 und 6 bis 10 Mikrometern Wellenlänge. Das entspricht einer Temperatur von 17 bis 450 K (10/4 mm Wellenlänge). Es gibt auch Infrarotkameras an irdischen Teleskopen, doch arbeiten die im nahen Infrarot. Das Problem: Natürlich strahlt die ganze Umgebung des Teleskops Wärmestrahlung aus. Mann kann zwar das Instrument aktiv Kühelen, z. B. mit flüssigem Stickstoff, doch bei den großen Spiegeln und dem Teleskopgebäude ist das nicht möglich. VISTA und SPHERE die neuesten IR-Instrumente des VLT arbeiten im nahen Infrarot bei 1 bis 2,5 Mikrometern Wellenlänge. Durch das Ausweichen in den infraroten Strahlungsbereich erhofft man sich eine bessere Detektion von NEOs.

Die Orbitwahl

Da es um die NEOs geht, die den größten Teil ihres Aufenthalts innerhalb der Erdbahn verbringen, ist ein Orbit um so günstiger je sonnennäher er ist. Die Kamera kann zwei Zonen nicht beobachten: die Erde selbst und die Sonne. Um beide herum gibt es eine Sicherheitszone, weil die Körper selbst IR-Strajhlung aussenden, die intensive Strahlung der Sonne kann sogar das Instrument beschädigen. Der erste Vorschlag war daher auch eine Sonde in einer Umlaufbahn zwischen Erde und Venus. Das ist sonnenahe genug, um mit Ausnahme einer kleinen Zone um die Erde 180 Grad des Himmels auf der sonnenabgewandten Seite zu beobachten, dazu käme dann noch die sonnenzugewandte Seite mit Ausnahme der Region um die Sonne. Wenn man um diese einen 90 Grad Bogen zieht – in Anlehnung an die Grafik oben – sind 270 Grad von 360 Grad zugänglich.

Neocam wird im L1-Librationspunkt stationiert. Das ist ein Punkt 1,5 Millionen km von der Erde entfernt, in der Verbindungslinie Erde-Sonde-Sonne. Genauer gesagt, sie macht einen komplexen Bogen um diesen Punkt. Wie die Grafik zeigt, muss man hier die Erde aussparen, sodass man auf weniger als 180 Grad Beobachtungsfeld kommt. Der Orbit hat andere Vorteile. So ist er mit weniger Energie zu erreichen – die Geschwindigkeit für einen Orbit zwischen Erde und Venus ist zwar nicht viel höher, doch damit die Sonde nicht wieder zur Erde zurückkehrt, muss dieser später zirkularisiert werden, was ebenfalls Energie und damit Treibstoff benötigt. Der Hauptgrund für diesen erdnahen Orbit ist aber, dass man in der Fertigung von IR-Sensoren große Fortschritte gemacht hat. Vor 20 Jahren hatten die 256 x 192 Pixel, vor zehn Jahren erreichten Sie 1 MPixel und NeoCam wird 4 MPixel Sensoren, davon 4 pro Kanal (acht insgesamt) einsetzen. Das sind 32 MPixel pro Bild. In einem Orbit zwischen Erde und Venus – sagen wir mal in 125 Millionen km Distanz, schwankt die Distanz zur Erde stark zwischen 25 und 275 Millionen km. Entsprechend sinkt die Datenrate ab und eine Sonde benötigt ein sehr leistungsfähiges Sendesystem. Im L1-Punkt ist die Sonde ständig etwa 1,5 bis 2 Millionen km von der Erde entfernt, also 10 bis 20-mal näher und die Datenrate entsprechend höher. Die Sonde kann daher viel kleiner und kostengünstiger sein.

Mein Senf

Ich weiß nicht, ob das Geld in eine Raumsonde gut investiert ist oder man vielleicht besser in erdgebundene Teleskope investiert hätte. Die haben 30 % der Neos ab 140 Meter Größe detektiert (die Gesamtzahl beruht auf Abschätzungen basierend auf der Größen- und Orbitverteilung der bekannten Körper). Pan-STARRS, das in den letzten Jahren die meisten Entdeckungen machte, kostet nur ein Fünftel der Sonde, und wenn man dann fünf weitere baut, müsste es auch gehen, sogar schneller und die Teleskope kann man auch für andere Zwecke nutzen. Klar entdecken diese nur Körper, wenn sie die Erde, schon passiert haben. Doch da man keinerlei Möglichkeiten oder auch nur Konzepte hat, einen Einschlag zu verhindern spielt das eigentlich keine Rolle.

Die NASA hat wohl auch lange Zeit darauf gesetzt, dass sie die Mission nicht benötigt. So wurde spekuliert ob der schon eingesetzte IR-Satellit WISE die Körper findet. Er wird seit dem September als NEOWise dafür eingesetzt und entsprechend umbenannt. Die Detektoren von WISE sind ähnlich empfindlich wie die von NeoCam, aber sein Teleskop bildet eine viel kleinere Fläche ab, sodass man NEOCam wohl doch noch braucht. Ihr Teleskop hat ein 20-fach höheres Gesichtsfeld.

Das Konzept von NEOcam ist für mich stimmig, doch frage ich mich, warum es nur ein Teleskop ist. Die Größe von 50 cm Durchmesser hat man sicherlich genau gewählt – ein größeres Instrument würde zwar schwächere Objekte entdecken, bildet aber auch ein kleineres Feld ab, sodass man in der vorgegebenen Beobachtungszeit eine kleinere Himmelsregion absuchen kann und entsprechend weniger NEOs entdeckt oder für das 90%-Ziel länger braucht. Aber Neocam ist leicht: Die Sonde wiegt 1,3 t. Sie wird mit einer Atlas V oder Falcon 9 gestartet. Selbst die kleinste Version der Atlas V kann aber 3.300 kg auf einen Fluchtkurs bringen. Für eine Falcon 9 errechne ich bei einer Seebergung auch 3 t. Die Sonde könnte also mindestens doppelt so schwer sein. Das würde es erlauben:

Noch ist NeoCam aber immer noch nicht in trockenen Tüchern. 2017 gab es nur 3 Millionen Dollar für weitere Konzeptarbeiten. Die Mission ist aber selbst noch nicht genehmigt.

6.11.2019: Warum tut man sich so schwer auf etwas völlig überflüssiges zu verzichten?

Gestern war erneut das „Klimakabinett“ aktiv. Sie haben den Ausbau der Ladeinfrastruktur und des Netzes an Wasserstoffnetzen beschlossen. Mal abgesehen davon das dies nicht in den Verantwortungsbereich der Bundesregierung, sondern der Betreiber der entsprechenden Stationen fällt, ist das wieder ein Beispiel für Aktionismus. Genauso wie die nun erhöhte Elektroautoprämie.

Wer meinen Blog regelmäßig liest, weiß ich halte sehr wenig vom Auto. Ich sehe es heute eher als Hindernis denn Vorteil an. Hindernis, weil es so viele davon gibt und es in Städten schwer ist einen Parkplatz zu bekommen und man auf den Straßen nur langsam vorwärts kommt. Trotzdem hält die Politik eisern an dem Auto fest, wegen der 813.000 Arbeitsplätze, die in der Automobilindustrie samt Zulieferern sitzen. Das ist ein typischer Fall von Betriebsblindheit. Anfang des Jahres hat die Groko ein Paket beschlossen, das 40 Mrd. Euro kostet, um den Braunkohleausstieg zu finanzieren. Aber alleine im ersten Halbjahr fielen in der Windkraftbranche durch umständlicher Genehmigungsverfahren und größere Schutzabstände 26.000 Arbeitsplätze weg, weil der Ausbau dramatisch zurückging. Die Bundesregierung zahlt also viel Geld, um Arbeitsplätze langsam abzubauen, die sowieso keine Zukunft haben und behindert aktiv eine alternative Energieform die weitestgehend emissionsfrei ist und nimmt in Kauf das dort innerhalb eines Jahres mehr Arbeitsplätze verloren gehen als man mit 40 Mrd. Euro woanders abbaut. Analog sollte die Bundesregierung mal nachrechnen wie viele Arbeitsplätze im öffentlichen Nah- und Fernverkehr entstehen, wenn alle Autofahrer Bus und Bahn nutzen müssen. Alleine die DB hat 318.000 Mitarbeiter. Dazu kommen sicherlich noch mindestens genauso viele in zahllosen regionalen Verkehrsverbünden und wenn die 27,2 Millionen PKW-Besitzer (siehe unten) alle nicht mehr mit dem Auto fahren, wage ich zu prognostizieren, wird es in dem Sektor mehr neue Arbeitsplätze geben als es heute in der Automobilindustrie gibt.

Doch kommen wir zurück zum Auto. Das die Bundesregierung da ihre schützende Hand auf die Industrie hält, ist ja nicht gerade neu. Während in den USA VW & Co Milliardenstrafen zahlen müssen, müssen Verbraucher bei uns einzeln klagen, wenn sie auch nur den Wertverlust der Diesel ersetzt bekommen wollen, die nun nahezu unverkäuflich sind. Es wäre dann auch die Weigerung ein allgemeines Tempolimit einzuführen zu erwähnen, als wäre das was Unerhörtes und nicht etwas, was es in jedem anderen europäischen Land gibt.

Die Automobilindustrie ist auch nicht schlauer. Da (ich verrate mal ein Geheimnis, das sich in deren Managementetagen anscheinend noch nicht herumgesprochen hat) Akkus viel weniger Energie speichern als in Benzin oder Diesel steckt, sollte man als schlauer Konzern die Konstruktion des Wagens anpassen, wenn die Batterie nicht enorm schwer sein soll. Und eine schwere Batterie macht das Auto schwerer, erfordert mehr Masse auch bei den Restsystemen (die Struktur muss das Gewicht ja aushalten, das Fahrwerk ebenso etc. und steigert so durch den höheren Rollwiderstand wiederum den Verbrauch. Daher sollte man, als schlauer Automobilbauer versuchen, wieder Gewicht einzusparen. Zum Beispiel, indem man von Stahl als Hauptwerkstoff auf leichtere übergeht. Kohlefaserverbundwerkstoff ist wohl nicht finanzierbar aber der deutlich billigere Glasfaserverstärker Reinststoff und nach den Datenblättern 2,1 mal leichter bei der gleichen Zugfestigkeit ist. Flugzeugrümpfe werden schon seit Jahrzehnten aus dem Material gefertigt.

Daneben könnte man die Autos auch wieder kleiner bauen. Sie wurden nicht nur schwerer, sondern auch größer. Hier ein Vergleich vom ersten mit dem aktuellen Golf:


Golf 1

Golf 7

Länge:

3705 mm

4255-4799 mm

Breite:

1610 mm

1799 mm

Gewicht:

705 – 820 kg

1205 – 1610 kg

Motorisierung: (Ottomotor)

37 – 82 kW

63 – 285 kW

Wie man sieht, ist der Wagen doppelt so schwer geworden, die Motorisierung auch. Würde man ein Elektromobil nur mal so fertigen, dass es so viel wiegt wie der erste Golf, man hätte schon viel für die Reichweite getan.

Das zweite ist das die Modelle der größeren Automobilhersteller (Sparteehersteller wie e.Go sind da schlauer) ausgelegt ein normales Auto zu ersetzen – mit der großen Reichweite und Übermotorisierung für hohe Spitzengeschwindigkeiten. Beim Tesla Modell S wiegt die Batterie alleine 600 kg, die Motoren für 562+ PS weitere 158 kg und das macht auch den Rahmen 362 kg schwer. Zusammen sind dies 1120 von 2109 kg Gesamtgewicht. Nur mal angenommen, Motor und Batterie würden halb so viel wiegen (immer noch 281+ PS und 200+ km Reichweite), dann wäre auch der Rahmen leichter, wenn es hier ein Drittel weniger wäre, so wäre das Auto um ein Viertel leichter, was die Reichweite dann auch wieder um ein Viertel erhöhen würde. Dabei wird dieses von Musks Firma gefertigte Auto wenig innovativ genauso aus Edelstahl hergestellt wie woanders auch. (Ja die DDR hat es mit dem Trabi besser gemacht….).

Meine Meinung: Das Auto ist das ineffizienteste Verkehrsmittel, das es gibt. Selbst wenn man fliegt, braucht man pro Kilometer weniger Kerosin als ein Auto Sprit. In meiner Vorstellung setzt man für kurze Strecken wie zum Pendeln zur Arbeit ein Fahrrad, E-Bike oder für ganze Faule einen E-Roller ein. Die gibt es auch in Versionen mit 45 km/h Spitze (analog Moped/Mofa) für Führerscheininhaber und schneller kommt man eigentlich bei uns in den Städten eh nicht vorwärts.

Für längere Strecken nimmt man dann Bahn / Bus. Das setzt aber ein Umdenken in der Politik voraus, die zum einen den Teil fördern sollten, der noch öffentlich ist wie Bahn, aber auch viele Verkehrsbetriebe mit Buslinien. Zum anderen würde es ja reichen, wenn alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt wären. Das heißt z. B. Autos dürfen nicht auf öffentlichem Grund parken. Das dürfen Fahrräder ja auch nicht, das heißt auch Straßen werden zugunsten von Wegen für Fußgänger und Zweiradfahrer aufgegeben. (Gleicher Platz für andere Verkehrsteilnehmer) Dann würden auch bald die Autofahrer umsteigen.

Doch das ist alles nicht neu, solche Anmerkungen finden sich auf meinen Blogs schon an verschiedenen Stellen. Neu ist, dass ich mir mal den Gedanken gemacht, was so ein Auto kostet – ich habe ja noch nie eines besessen. Also habe ich eine Seite besucht, die garantiert nicht als „autokritisch“ verrufen ist, die des ADAC. Da kann man errechnen, was einen ein Auto mit allen Zusatzkosten und Abschreibung des Werts kostet. Bei einem VW Golf VII als „Volkswagen“ kommt die Webseite beim günstigsten Modell auf monatliche Kosten über die Lebenszeit von 577 Euro. Was dann Kosten von 47,2 ct/km entspricht. Die Abschreibung (Wertverlust) macht dabei den Löwenanteil von 357 Euro aus, das entspricht einer Nutzungsdauer von 80,5 Monaten. Ich halte das für etwas wenig, aber ich denke, das ist mit Verzinsung gerechnet. Laut Focus wird ein Auto bei uns im Durchschnitt 8 Jahre lang genutzt und hat eine Lebensdauer, begrenzt durch Verschleiß von 12 Jahren (ich nehme an bei durchschnittlicher Fahrleistung, denn wenn es in der Garage steht dürft es wesentlich länger halten).

Nun mal eine Gegenrechnung. Das Jahresticket für zwei Zonen kostet bei mir 865 Euro. Damit kommt man nach Esslingen, Stuttgart und alle Vororte von Stuttgart. Damit käme ich zu allen Orten in denen ich in meinem Leben gearbeitet oder studiert habe. Daneben kann man damit auch Einkäufe erledigen, Veranstaltungen besuchen etc. Nehmen wir an es gäbe dann noch 10 Fahrten über 200 km (jeweils hin und zurück) im Jahr und man schafft sich eine Bahncard 50 an, dann kommen nochmals 400 Euro drauf. Mit (nach oben gerundet) 1300 Euro jährlich = 110 Euro pro Monat, ist man ohne Auto mobil. Das Auto ist also ein teurer Luxus.

Ich habe mir mal gedacht „wenn man das über die Lebenszeit macht, kommt man ja auf enorme Summen“ und bin auf folgende Idee gekommen: Ein hypothetischer Automobilbesitzer muss ja auch wohnen. Was wäre, wenn er in dem Alter in dem er sein erstes Auto selbst finanziert auf die Idee kommt sich eine Eigentumswohnung anzuschaffen und auf das Auto zu verzichten? Er spart ja 470 Euro pro Monat ein und wenn er dann noch die Miete einspart, dann sind das – wenn es 600 Euro sind, darunter wird man zumindest hier nichts bekommen – über 1000 Euro im Monat die man zur Tilgung verwenden kann. Ich habe bei der Kreissparkasse einen Baufinanzierungs-Rechner gefunden und den voreingestellten Zinssatz von 2,5 % so gelassen wie er ist und bin von 25.000 Euro Eigenkapital (das Auto will ja auch abzahlt werden) ausgegangen. Bei insgesamt 1.070 Euro Gesamtbelastung im Monat und einem Immobilienwert von 144.000 € (entspricht ungefähr dem Preis einer Eigentumswohnung. die die 600 Euro Miete einbringt) ist man nach weniger als 11 Jahren Besitzer der Immobilie. Ab da zahlt man keine Miete mehr (sollte aber mit Instandhaltungskosten von etwa 1.500 Euro/Jahr rechnen). Das heißt ab da spart man nicht nur 460 Euro pro Monat, sondern auch noch die Miete - fast 950 Euro pro Monat. Im Laufe des Lebens – sagen wir mal 40 Jahre, (mit 18 wird man ja noch kein Auto mehr finanzieren können und hoffentlich hört man mit 75 auf zu fahren) könnte man sich also drei weitere Eigentumswohnungen dieser Preisklasse kaufen oder ein eigenes Haus mit Grundstück kaufen (340.000 € - da man bei steigendem Kredit immer mehr für Zinsen zahlt, würde der schlaue Nichtautofahrer erst sich eine kleine Eigentumswohnung kaufen, dann diese verkaufen und dann erst das Haus mit mehr Eigenkapital bauen).

Wir haben 47 Millionen PKW Besitzer – sicher nicht alle Besitzer von neuen Wagen, aber immerhin werden pro Jahr 3,4 Millionen Autos neu zugelassen und bei 8 Jahren durchschnittlicher Nutzungsdauer sind das 27,2 Millionen Automobilbesitzer die sich ein neues Auto kaufen. Das sind dann auch 27,2 Millionen Menschen, die sich eigentlich eine Eigentumswohnung leisten können wenn sie auf das Luxusgut Auto verzichten würden. Diese müssten sich nicht über steigende Mieten aufregen.

Ja Autos sind ein Luxus, das ist eine Binsenweisheit. Doch wie luxuriös sie sind, das man anstatt dessen sich im Leben drei Eigentumswohnungen kaufen könnte war auch mir nicht klar. Ab der zweiten Eigentumswohnung spart man ja nicht nur, sondern verdient, wenn man sie vermietet und bei der dritten (nach 36 Jahren, also zum Rentenalter) hat man dann 1200 Euro zusätzlich zur Rente (brutto, realistischer weise noch 800 Euro netto).

Man könnte das Geld auch ansparen, doch da es leider dafür keine Zinsen mehr gibt, ist das etwas hypothetisch. Immerhin. 470 Euro pro Monat angespart, würden bei nur 1 % Zinsen (netto, nach Abzug der Inflationsrate und Kapitalertragssteuer) nach 36 Jahren auch fast 245.000 Euro einbringen. Bei 2 % Zinssatz wären es schon 298.000 Euro. Man kann zwar in Aktien investieren und das ging die letzten Jahre auch gut, aber es ist eben keine langfristig sichere Anlage und sehr schwer eine Rechnung über Jahrzehnte zu machen.

Eines ist mir zumindest klar geworden – das ich nie ein Auto hatte, hat maßgeblich dazu beigetragen, das ich mich schon mit 45 weitestgehend aus dem Erwerbsleben zurückziehen konnte.

12.11.2019: Nachtragende und leichtgläubige Wähler

Die SPD ist in der Krise und das nicht erst seit jetzt. Bei der letzten Landtagswahl in Thüringen wurde sie nur noch einstellig. Seit über einem Jahrzehnt geht es bergab. Hier mal am Beispiel der Bundestagsergebnisse:

Man sieht nach einem niedrigen Start eine Zunahme bis Ende der Sechziger Jahre. Dann eine Stabilisierung über die nächsten Jahrzehnte zwischen 35 und 45 Prozent. Zwei Ereignisse sind dabei bemerkenswert. Das eine ist der Einzug der Grünen ins Parlament 1983 und die Wiedervereinigung mit Auftreten der PDS (heute die Linke) 1990. Beide Partien sind im politischen Spektrum eher links angesiedelt, auch wenn die Grünen inzwischen mehr in die Mitte angekommen sind, und nagten somit an dem Wählerreservoir, auf das die SPD zugreifen kann.

SPD WahlergebnisseDie Zeiten, wo eine Partei über 40 % der Stimmen erreichen kann, sind vorbei, nicht nur für die SPD sondern auch CDU. Bei mittlerweile sechs Partien im Bundestag und rund 20 anderen, die zur Wahl antreten, ist das kaum noch möglich. Das klappte noch als es drei oder vier Parteien waren. So ist auch die CDU mittlerweile auf 30 bis 35 % abgesackt. Doch bei der SPD ist der Abstieg besonders dramatisch. Seit drei Wahlen krebselt sie um 20 bis 25 % herum. Nach den aktuellen Umfragen wäre sie derzeit sogar unter 20 Prozent.

Was sind die Uhrsachen dafür? Eine Erklärung ist, dass die SPD-Stammwählerschaft der SPD immer noch übel nimmt, das Schnöder Harz IV beschlossen hat. Ich meine das kann es alleine nicht sein. Zum einen ist das nun mehr als ein Jahrzehnt her. Kohl hat sich viel mehr geleistet. In den Jahren seiner Regierung sank die Arbeitslosigkeit kaum. Die Deutsche Einheit wurde mit einer Verdopplung der Bundesschulden (die vorher in 40 Jahren aufliefen) in nur acht Jahren finanziert. Harz IV ist nicht populär, ist aber auch dafür mitverantwortlich das seit der Einführung 2003 die Arbeitslosigkeit kontinuierlich gesunken ist. Nicht zuletzt hat Schnöder ja, nachdem er 2004/2005 reihenweise Landtagswahlen verloren hatte, vorzeitige Neuwahlen angesetzt um die Reformen vom Wähler bestätigen zu lassen. Wie man an den Ergebnissen sieht, hat er damals 34,2 % bekommen, also 10 % mehr als die SPD danach, die sich ja von ihm distanziert hat. Die CDU hat die Reformen auch nie zurückgenommen. Im Gegenteil: Alles, was den Leuten an Harz-IV so aufstößt, wurde danach von der CDU/FDP Regierung beschlossen. So die Sanktionen die letzte Woche vom Bundesverfassungsgericht kassiert wurden: 2011 von der CDU/FDP Koalition eingeführt. Trotzdem hat die SPD von der CDU/FDP Koalition nicht profitiert. Obwohl ich noch mit Grausen an diese Zeit zurückdenke, beide Parteien waren sich nicht einig und es kam nichts richtig vorwärts außer die Steuervergünstigungsgesetze der FDP, die gleich am Anfang beschlossen wurden. Aber nach vier Jahren CDU/FDP bekam die SPD nur wenig mehr Zuspruch. Sie konnte von dem Verdruss über die Regierung nicht profitieren. Selbst bei der FSP sind die Wähler vergesslicher. Nachdem sie 2013 zu Recht aus dem Parlament flog, ist sie 2017 wieder drin und das sogar mit einem guten Ergebnis. Dabei ist die Partei immer noch die gleiche wie damals. Das Parteiprogramm ist seit etwa 20 Jahren das gleiche: weniger Sozialstaat, weniger Steuern (vor allem für die, die viel Steuern zahlen). So ziemlich alles, was bei der letzten und aktuellen großen Koalition für Arbeitnehmer herauskam, wie Mindestlohn oder Mindestrente stammt von der SPD. Die CDU glänzt dagegen mehr durch die Fokussierung auf Sicherheit und Erhaltung von Industrien, die nicht wettbewerbsfähig sind. Das gipfelt derzeit in der Auseinandersetzung um die Grundrente. Obwohl im Koalitionsvertrag eine Prüfung der Bedürftigkeit vorgesehen ist, bestand die SPD ja lange Zeit auf einer Rente ohne Bedürftigkeitsprüfung, was bei Millionen von Rentnern die 35 Jahre lang eingezahlt haben den Zuschuss verzehnfacht hätte, denn die Zahl, derer die 35 Jahre lang einzahlen und trotzdem nicht auf die Grundsicherung kommen, ist nicht so riesig. Das klingt schon nach Verzweiflung und das ist es auch. Die SPD kann machen was sie will, sie legt nicht zu. Der deutsche Wähler straft immer den Koalitionspartner von Merkel ab, die als Teflonkanzlerin glänzt. An ihr bleibt nichts kleben, und weil sie fast nie zu irgend etwas sagt, nimmt man ihr völlig verrückte Aktionen anderer Regierungsmitglieder wie Maut, Ankerzentren, Bundeswehr Einsatz in Syrien etc. nicht übel. Aber zwischen 2009 und 2013 hat sich die SPD in der Opposition nicht erholt.

Inzwischen gibt es bei der anstehenden Wahl zum Parteivorsitzenden-Duo ja auch eines das aus der großen Koalition aussteigen will. Nur sehe ich nicht was das bringen soll. Wenn man die Regierung aufkündigt, hat diese keine Mehrheit mehr und es müsste entweder eine neue geben (z.B. die zuerst als „Jamaikakoalition“ verfolgte aus CDU-Grüne-FDP) oder Neuwahlen. In beiden Fällen würde ich annehmen, dass die Wähler dafür die SPD verantwortlich machen würden. Wobei ich angesichts des derzeitigen „Klimapäckchens“ und der nach wie vor bestehenden Forderungen der FDP nach weniger Sozialstaat (in den letzten Jahren gab es ja eher mehr Sozialstaat) kaum glaube, dass man zu einer Jamaikakoalition kommt. Schon 2017 scheiterten ja die Gespräche.

Diese Kandidatensuche für den Parteivorsitz über Monate zeigt auch ein anderes Problem: Die SPD hat keine Führungspersönlichkeiten mehr. Es gibt nicht mehr die herausragenden Leute, die man als Kanzlerkandidat präsentieren kann und die, die sie hatten, haben sie verschlissen, alle paar Jahre ein neuer Parteivorsitzender. Gut das Problem hat die CDU auch zum Teil, da Merkel aktiv verhindert hat, dass jemand zu mächtig wird. Aber da rückt die zweite Reihe nun langsam auf, nachdem sie selbst den Parteivorsitz abgegeben hat. Aber monatelang nur einen Parteivorsitzenden zu suchen, das ist niemanden vermittelbar.

Anders läuft es bei der CDU. Da wird einfach jemand von Merkel zum Parteivorsitzenden bestimmt, egal ob es das Geschick eines Elefanten im Prozellanladens hat oder nicht. Ich kann mich nicht entsinnen, dass ein anderer Politiker sich in so kurzer Zeit so viele Fettnäpfchen und Affronts geleistet hat wie Annegret Kramp-Karrenbauer.

Während die Wähler bei der SPD sehr nachtragend sind, sind sie bei uns und woanders bei anderen Politikern sehr vergesslich. Die AFD glanzt im Bundestag durch Pöbeleien und Lügen, hat eine Parteispendenaffäre am Hals (mit dem Geld wurden unter anderem „Likes“ gekauft – armseliger geht’s es kaum noch) und trotzdem erzielen Leute wie Höcke, bei denen nicht mal seine Parteigenossen sagen können ob ein Zitat von ihm oder aus „Mein Kampf“ stammt Wahlerfolge. In England sieht es gut für Boris Johnson aus, der mit Lügen die Brexit-Abstimmung beeinflusst hat, in seiner kurzen Amtszeit wenig getan hat einen neuen Vertrag auszuhandeln und sich Aktionen wie das Ausschließen von Abgeordneten und Beurlauben des Parlaments leistete. In den USA ist seit 3 Jahren Trump Präsident, der fortwährend lügt, offen seine narzisstische Natur zelebriert (alles was er macht, ist besser als alles was es vorher von den letzten 40+ Präsidenten gab) aber nicht gerade durch intelligentes Handeln auffällt. Derzeit versuchen die Demokraten ein Amtsenthebungsverfahren zu erreichen, dürften damit aber im Senat, der eine Republikanermehrheit hat, scheitern. Ich kann mich noch an Bill Clinton erinnern, wo man auch ein Amtsenthebungsverfahren anstrebte. Damals, weil er log, weil er eine sexuelle Affäre mit Monica Lewinski ableugnete. Trump lügt am Stück, es geht nicht um etwas mehr oder weniger privates wie Oralsex mit einer Praktikantin, sondern Innen- und Außenpolitik und er schadet dem Land, z.B. mit dem Handelskrieg mit China. Aber das reicht nicht aus ihn, des Amtes zu entheben. Ich bin mal gespannt ob die Republikaner mit ihm in die Wahl für die zweite Amtszeit gehen und wenn ja, wie die dann auffällt. Ich habe dann noch überlegt, ob ich etwas zum neuen ukrainischen Präsidenten schreiben soll, der Schauspieler ist und vorher einen Präsidenten spielte. Aber das ist ja eigentlich nichts Neues mehr, denn einen Schauspieler der einen Präsidenten nur spielt haben die USA schon vor 30 Jahren gehabt.

Die Zeiten haben sich verändert. Aber nicht zum Besseren.

13.11.2019: Russland nennt es Sojus 5, ich nenne es Zenit-R

Vorgestern gab Russland bekannt, das die neue Trägerrakete "Sojus 5" nicht vor Mitte des nächsten Jahrzehnts in Dienst gestellt hat. Sojus 5? Kannte ich vorher nicht und die nächste Frage die ich habe ist dann was ist mit der Sojus 3 und 4? Schon beim lesen des SpaceNews Artikels beschlich mich das Gefühl, das dies nur eine veränderte Zenit ist. Die Wikipedia bestätigt das.

Die Zenit als Rakete wird in der Ukraine gefertigt, die Triebwerke stammen aus Russland. Das war ein Problem, weshalb der Einsatz der Zenit seitens Russland nach Zerfall der GUS dauernd abnahm. Es gab dann eine Phase in der sich die Situation entspannte und Russland weitere Zenit kaufte. Mit ihnen wurden beispielsweise Phobos Grunt gestartet. Was aber dann durch die Ukrainekrise endgültig aufhörte.

Die erste Stufe der Sojus 5 hat fast die gleiche Masse wie die der Zenit, aber einen etwas größeren Durchmesser von 4,1 m um die Maschinen der Proton (mit ebenfalls 4,1 m Durchmesser nutzen zu können. Das Triebwerk RD-171M ist das gleiche wie in der Zenit. Die zweite Stufe ist kleiner. Das liegt daran, dass man ein RD-120 durch zwei RD-124B ersetzt hat, die selbst zusammen einen kleineren Schub haben. Die Stufe drei ist dann der Block DM, der auch schon auf der Zenit zum Einsatz kam, aber in der heutigen Proton Variante. Da die Zweitstufe der Zenit eine hohe Leermasse aufweist, ist die Nutzlast der Sojus 5 mit 17,3 t in denen LEO höher. In GTO-Bahnen ist sie mit 5 t kleiner, als die der Zenit SLB, da diese von einer geografisch günstigen Position aus startet.

Die Sojus 5 ist der letzte Punkt einer Chaospolitik in der Trägerentwicklung. Eigentlich könnte es ja gut laufen. Die Angara halte ich in der ursprünglichen Konzeption für eine gute Rakete:

Die Sojus kann so nicht ersetzt werden, doch da sie eng an die Sojus-Raumschiffe und Progress Transporter gekoppelt ist, stand das sowieso nie zu Debatte.

In der Auslegung sah ich schon Schwächen. Man hat nur die erste Stufe, das URM neu konstruiert. Die zweite Stufe URM-2 war nur ein vergrößerter Block I, der für die größeren Varianten zu klein war, da er aber sowieso nicht bei der kleinsten Version zum Einsatz kam, hätte man gleich die zweite Stufe der Sojus 5 mit 65 anstatt 40 t Masse einsetzen können. Anstatt der Breeze M und Fregat hätte man auch Block DM3 nehmen können, der etwas größer und schubkräftiger ist, er wäre dann die zweite Stufe bei der kleinsten Variante ohne Seitenbooster. Stattdessen setzt die Angara anstatt drei Stufentypen derzeit vier ein und vier weitere Versionen mit Wasserstoff als Verbrennungsträger sind geplant, wozu es meiner Ansicht nie kommen wird. Wenn Indiens ISRO Geld auf den Tisch legt, bekommt es von Russland eine funktionsfähige LOX/LH2 Stufe, aber fähig dieselbe Stufe auf der Angara einzusetzen, sind sie nicht.

Das Angara-Konzept ist schon etwas verwässert, aber es ist sinnvoll. Es könnte drei Träger ersetzen. Doch es tut sich nichts. Es gab bisher zwei Testflüge und der letzte liegt auch schon fünf Jahre zurück.

Stattdessen gibt es neue Varianten anderer Träger. Wie eben die obige Sojus 5. Warum sie neu entwickeln, wenn man die Angara 3 hat? Die Angara 3 wurde stattdessen gestrichen. Als Konkurrenz zur Angara 1 gibt es die Sojus 2.1v „Volga“, bei der man die vier Seitenbooster wegließ und das zentrale Triebwerk durch ein altes NK-33 aus den Siebziger Jahren ersetzt. Da es starr eingebaut ist und immer noch zu wenig Schub hat, übernimmt ein RD-0110 (aus der vierten Stufe der Molnija ergänzt. Auch eine Paralellentwicklung noch dazu ohne Zukunft, denn die NK-33 werden nicht mehr gebaut – nun erwägt man das RD-191 der Angara zu nutzen, womit man im Prinzip zwei Stufen um dasselbe Triebwerk herum baut.

Meine Alternative

Ich habe das zum Anlass genommen, mal meine Angara-Alternative zu konstruieren. Bei einer Rakete, die über viele Konfigurationen einsetzbar sein soll, muss man Kompromisse machen. So verändert sich je nach Anzahl der Booster das Stufenverhältnis: Eine Angara mit einem URM braucht eine kleinere Zweitstufe als eine mit sieben Boostern. Ich habe daher für 5 Boostern die Zweitstufe ausgelegt. Sie ist dann bei sieben Boostern etwas unterdimensioniert und für drei Booster etwas überdimensioniert, man kann dann aber noch Treibstoff weglassen, das ist bei LOX/Kerosin relativ unkritisch, weil die Trockenmasse nicht zu hoch ist. Für einen Booster ist sie zu groß, dann würde man direkt die dritte Stufe als zweite Stufe nehmen. Die dritte Stufe benötigt man für GTO Missionen oder Fluchtbahnen.

Ausgehend von 5 x 135 t für ein URM und etwa 25 t Nutzlast würde man die zweite Stufe in der geometrischen Mitte platzieren. Das wären 112 t Masse. Mit zwei RD-0124, die auch ich als Triebwerke bevorzuge (das RD-120 der Zenit Zweitstufe war Ursache der meisten Fehlstarts und ist auch Basis der Kerosinbooster der Langer Marsch 5-7 und bei denen ist derzeit nach einem Fehlstart ein Neudesign der Turbopumpe anhängig). Reicht der Schub aber nicht aus für eine solche Stufe. Ich habe ihre Masse daher nur auf 80 t festgesetzt. Block DM würde ich neu konstruieren. Der originale Block DM wurde bewusst kompakt konstruiert um in die Nutzlastverkleidung der Proton wenig Platz wegzunehmen. Da inzwischen die Proton sowieso eine längere Nutzlastverkleidung einsetzt ist die Konstruktion mit ringförmigen Tanks um das Triebwerk herum nicht nötig. Ich habe trotzdem nur die Leermasse um 400 kg gesenkt. Auch würde ich die schubstärkere alte Version des RD-56 einsetzen, sonst wird es bei der dreistufigen Variante schwer einen stabilen Orbit zu erreichen und man könnte ihn nicht bei der einstufigen Variante einsetzen. Trotzdem muss man auch hier etwas Treibstoff ablassen und erreicht zwar eine Umlaufbahn, aber mit einem zu niedrigen Perigäum. Die Alternative wäre es wie bei der Angara dann Block I oder die Fregat als Zweitstufe zu nehmen, da die Sojus in Produktion bleibt, wären diese stufen ja verfügbar. Das heißt die Angara 1 wäre dann auch identisch zur heutigen Angara 1.1 / 1.2. Weitere Stufen wie im Angara-Programm sehe ich nicht vor. Trotzdem kommt man zu einer schönen Reihe:

Version

Nutzlast

Orbit

Angara 1 (Block DM nur 19 t Masse)

3,7 t

134 x 200 km x 42 Grad

Angara 3 (Stufe 2 nur 70 t Masse)

4,8 t

190 x 35.800 x 45,2 Grad GTO

Angara 5

10,5 t

251 x 35.800 x 37,5 GTO

Angara 7

12 t

320 x 35800 x 44,1 GTO

Zu den Inklinationen: Sie berücksichtigen die erlaubten Flugkorridore, und sind für einen Azimut von 80 Grad berechnet. Da ich nur direkte Einschüsse berechnet habe, steigt wegen der längeren Brennzeit der Angara 7 (das zentrale URM wird erst nach Brennschluss der sechs äußeren URM gezündet) die Bahnneigung wieder an, da man dann schon wieder den Äquator passiert hat. Realistisch würde man zuerst eine Parbahn (Bahnneigung 44 Grad) anstreben und dann Block DM zünden. Das alleine senkt die Bahnneigung auf 33,5 Grad ab. Das ist zwar immer noch schlechter als bei einem Start vom Cape aus (rund 28 Grad) aber viel besser als die Ausgangsbahn. Ein Ariane-5 kompatibler GTO kostet dann noch mehr Nutzlast. Ein Super-GTO mit einem Apogäum in 80.000 km Höhe ist nur um 100 m/s ungünstiger als ein Ariane 5 GTO. Die Nutzlast für diesen Orbit liegt bei 9 t bei der Angara 3 und 10 t bei der Angara A5

Das niedrige Perigäum bei der Angara 1 liegt an Block DM. Für russische Nutzlasten, die einen integrierten Antrieb haben und das Perigäum selbst anheben, ist das kein Problem. Ansonsten müsste man einfach zwei Brennperioden von Block DM vorhersehen, indem man die Bahn zirkularisiert.

Vergleichen mit der Angara A3 hat diese Version 1,1 t mehr GTO Nutzlast und vergleichen mit der Angara A5 (Breeze Oberstufe) sind es 2,5 t (für den gleichen GTO-Orbit).

Warum Russland nicht auf diese Variante kommt? Ich glaube jeder Hersteller postuliert eine Rakete, in der gerade die Teile verbaut sind, die er verwendet. Anders kann man nicht auf die Idee kommen wie bei der Sojus 5 die Zenit nachzubauen, aber mit dem Durchmesser der Proton anstatt (in der Masse fast gleich) drei URM zu verwenden. Ebenso werden uralte Stufen wie Block I oder Block DM weiter verwendet, auch wenn sie zu leicht sind, ober eine hohe Leermasse (wie Block DM) aufweisen. Keiner will wohl in neue Fertigungsanlagen investieren. Das Hauptproblem ist aber eine Verwaltung, die diese Projekte absegnet, anstatt sich auf eine Familie zu konzentrieren. Auch die kann man ja so auslegen, dass jeder Hersteller einen Teil davon fertigen kann. Schlussendlich hat man aber nicht die Finanzmittel für so viele neue Träger und so passiert eigentlich gar nichts.

Rakete: Angara 1 Neu

Startmasse
[kg]
Nutzlast
[kg]
Geschwindigkeit
[m/s]
Verluste
[m/s]
Nutzlastanteil
[Prozent]
Sattelpunkt
[km]
Perigäum
[km]
Apogäum
[km]
Inklination
[Grad]
162.0003.700 7.8471.9312,28 140,00 200,00 200,00 80,00
Startschub
[kN]
Geographische Breite
[Grad]
Azimut
[Grad]
Verkleidung
[kg]
Abwurfzeitpunkt
[s]
Startwinkel
[Grad]
Konstant für
[s]
Starthöhe
[m]
Startgeschwindigkeit
[m/s]
1.9224680 1.500250 901090 0
StufeAnzahlVollmasse
[kg]
Leermasse
[kg]
Spez. Impuls (Vakuum)
[m/s]
Schub (Meereshöhe)
[kN]
Schub Vakuum
[kN]
Brenndauer
[s]
Zündung
[s]
11137.800 9.0003.310 1922,0 2085,0 204,47 0,00
2119.000 2.5003.492 86,3 86,3 667,65 205,00

Rakete: Angara 3 Neu

Startmasse
[kg]
Nutzlast
[kg]
Geschwindigkeit
[m/s]
Verluste
[m/s]
Nutzlastanteil
[Prozent]
Sattelpunkt
[km]
Perigäum
[km]
Apogäum
[km]
Inklination
[Grad]
510.7004.800 10.2952.4990,94 160,00 200,00 35790,00 80,00
Startschub
[kN]
Geographische Breite
[Grad]
Azimut
[Grad]
Verkleidung
[kg]
Abwurfzeitpunkt
[s]
Startwinkel
[Grad]
Konstant für
[s]
Starthöhe
[m]
Startgeschwindigkeit
[m/s]
5.7664680 2.500250 901090 0
StufeAnzahlVollmasse
[kg]
Leermasse
[kg]
Spez. Impuls (Vakuum)
[m/s]
Schub (Meereshöhe)
[kN]
Schub Vakuum
[kN]
Brenndauer
[s]
Zündung
[s]
13137.800 9.0003.310 1922,0 2085,0 204,47 0,00
2170.000 7.0003.521 596,0 596,0 372,19 205,47
3120.000 2.5003.492 86,3 86,3 708,11 578,66

Rakete: Angara 5 Neu

Startmasse
[kg]
Nutzlast
[kg]
Geschwindigkeit
[m/s]
Verluste
[m/s]
Nutzlastanteil
[Prozent]
Sattelpunkt
[km]
Perigäum
[km]
Apogäum
[km]
Inklination
[Grad]
801.50010.000 10.2951.9841,25 160,00 200,00 35790,00 80,00
Startschub
[kN]
Geographische Breite
[Grad]
Azimut
[Grad]
Verkleidung
[kg]
Abwurfzeitpunkt
[s]
Startwinkel
[Grad]
Konstant für
[s]
Starthöhe
[m]
Startgeschwindigkeit
[m/s]
9.6104680 2.500250 901090 0
StufeAnzahlVollmasse
[kg]
Leermasse
[kg]
Spez. Impuls (Vakuum)
[m/s]
Schub (Meereshöhe)
[kN]
Schub Vakuum
[kN]
Brenndauer
[s]
Zündung
[s]
15137.800 9.0003.310 1922,0 2085,0 204,47 0,00
2180.000 7.0003.521 596,0 596,0 431,26 205,47
3120.000 2.5003.492 86,3 86,3 708,10 637,73

Rakete: Angara 7 Neu

Startmasse
[kg]
Nutzlast
[kg]
Geschwindigkeit
[m/s]
Verluste
[m/s]
Nutzlastanteil
[Prozent]
Sattelpunkt
[km]
Perigäum
[km]
Apogäum
[km]
Inklination
[Grad]
1.079.10012.000 10.2952.7171,11 160,00 200,00 35790,00 80,00
Startschub
[kN]
Geographische Breite
[Grad]
Azimut
[Grad]
Verkleidung
[kg]
Abwurfzeitpunkt
[s]
Startwinkel
[Grad]
Konstant für
[s]
Starthöhe
[m]
Startgeschwindigkeit
[m/s]
11.5324680 2.500250 901090 0
StufeAnzahlVollmasse
[kg]
Leermasse
[kg]
Spez. Impuls (Vakuum)
[m/s]
Schub (Meereshöhe)
[kN]
Schub Vakuum
[kN]
Brenndauer
[s]
Zündung
[s]
16137.800 9.0003.310 1922,0 2085,0 204,47 0,00
21137.800 9.0003.310 1922,0 2085,0 204,47 205,00
3180.000 7.0003.521 596,0 596,0 431,26 410,47
4120.000 2.5003.492 86,3 86,3 708,10 842,73
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