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Web Log Teil 575: 20.11.2019 -

30.11.2019: Inhaltlich insolvent – Teil 2

Heute nun die Fortsetzung meines Blogs über die CDU. Die CDU sieht sich ja selbst als die letzte noch verbliebende Volkspartei, doch in meinen Augen nach dient sie weniger dem Volk als vielmehr den Interessen der Industrie, und dort vor allem den großer Konzerne. Ansonsten glänzt sie durch Untätigkeit. Das ist das Resümee dieses Blogs.

Fangen wir mit dem Letzten an. Es ist ja nicht so, als das wir nicht einige Probleme haben. Derzeit ist die Klimapolitik wieder in den Fokus gerückt, wo sich Merkel schon früher als „Umweltkanzlerin“ profiliert hat. Nur: geschehen ist nichts. Im Gegenteil. Merkel versprach im Wahlkampf 2005, die von Rot/Grün eingeführte Ökostromumlage wieder abzuschaffen. Was herauskam ist, dass das EEG-Gesetz nach wie vor Gültigkeit hat, die Umlagen wurden nur für Industriebetriebe abgeschafft, wobei der Passus "energieintensive Betriebe“ praktisch bei jedem Betrieb anwendbar ist, nicht nur bei einem Betrieb mit hohem Energieverbrauch wie z. B. einer Aluminiumhütte oder einer Großdruckerei. Das EEG-Gesetz erreicht nächstes Jahr aber eine andre Grenze: die 52 GW-Peakleistung, bis zu der die Förderung gilt, ist dann erreicht. Das heißt, ab dann gibt es für den eingespeisten Strom nicht die (wenn auch laufend gesenkte) Vergütung nach EEG, sondern man müsste auch als Betreiber einer Dachanlage den Preis akzeptieren, den der Netzbetreiber einem anbietet, ich vermute das sind deutlich weniger. Also wäre es jetzt an der Zeit dafür eine Regelung zu treffen, wenn man diese Energieform weiter unterstützen will. Vor allem da nun ja ein Klimapaket beschlossen wurde. Doch tut sich da was?

Umgekehrt hat Merkel in der Koalition mit der FDP den unter Rot/Grün beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie widerrufen. Dumm nur, das ein Jahr später ein Atomkraftwerk in Fukoshima in die Luft flog und Atomenergie bei uns nun so beliebt ist wie Pest und Cholera. Also hat man flugs wieder eine Wende von der Wende gemacht, musste für die inzwischen zugestandenen Laufzeiten von Atomkraftwerken (viele über 50 Jahre) nun an deren Betreiber Geld zahlen. Geld, das diese gar nicht benötigten. RWE hat 2018 die Dividende auf 11 % erhöht – sie haben die erhaltenen Gelder an die Aktionäre ausgeschüttet. Wahrscheinlich nicht mal komplett, denn RWE hat die Energiewende völlig verschlafen und dem Unternehmen geht es nicht gut.

Anderes Beispiel: Elektroautos. Ich glaube persönlich nicht, dass die die Lösung der Energieproblematik sind, sondern eher das man ein Verkehrsmittel am Leben erhalten will, das ich als äußerst ineffizient sehe. Aber wenn die Politik Elektroautos als eine Lösung ansieht, so sollte sie sich auch drum kümmern. Merkel hat schon 2007 als Ziel ausgegeben, bis 2020 1 Million Elektroautos auf die Straße zu bringen. Nicht nur das bis 2020 sollten erneuerbare Energien 20 % der Gesamtenergie ausmachen, die Energieeffizienz 20 % höher sein und der Ausstoß an Treibhausgasen um 20 % sinken. Was wurde draus? Nichts. Unter Merkel gab es keine Vorstöße durch Gesetze auch dieses Ziel einzuhalten, solange bis 2020 nur noch ein Jahr entfernt ist und Jugendliche auf die Straße gehen. Dann kommt ein Klimapaket, das die Empfehlungen der eigenen Berater vollständig ignoriert, man will die Industrie und die Verbraucher ja nicht verprellen. Besonders angetan hat es ihr die Automobilindustrie. Schon als die 2008/9 in die Krise geriet, obwohl das eigentlich eine Bankenkrise war, gab es Abwrackprämien, andere Industrien wurden nicht unterstützt und zahlreiche Traditionsmarken gingen damals Pleite. Dann hat sich Merkel auf EU Ebene immer gegen strengere Grenzwerte für den Ausstoß an Kohlendioxid und anderen schädlichen Stoffen ausgesprochen und beim Dieselskandal kamen VW & Co auch gut weg, vergleichen mit den USA. Nicht das ich es für gerechtfertigt halte, das jeder Besitzer eines Diesel-PKW eine üppige Prämie erhält, aber die nach deutschem Recht eigentlich selbstverständliche Nachbesserung sollte klappen. Wenn ein PKW Grenzwerte, die er als Eigenschaft zusichert, nicht einhält, muss der Hersteller nachrüsten, und wenn er es nicht per Software erreicht, dann per Hardware. Stattdessen erhält nun jeder Käufer eines Elektroautos eine staatliche Prämie. Wenn ich das Klimaziel ernst nehme, dann läuft das anders und zwar darüber, klimaschädliche Dinge teurer zu machen. Sprich: wenn jemand den Luxus haben will das er 2 t Stahl bewegt um 100 kg Nutzlast zu transportieren, dann kann er auch etwas mehr bezahlen. Luxus ist eben teuer. Analog würde sich der Braunkohleausstieg ganz schnell erledigen, wenn man auf den Strom noch eine kräftige Kohlendioxidabgabe drauf schlägt, so hoch das Kohlestrom teuer ist als Strom aus regenerativen Quellen. Gerade die Kohle zeigt aber das es der CDU nicht um das Volk geht – betroffen sind wir alle ja nicht nur durch das Klima, sondern es werden ganze Landschaften durch den Bergbau zerstört. Es geht nur darum, einflussreiche Industrien nicht zu verprellen. Der Kohleausstieg ist ein Paradebeispiel wie das läuft: Beschlossen wurde, dass dies mit 40 Mrd. Euro subventioniert wird. Betroffen sind insgesamt 20.000 Beschäftigte. Jeder Arbeitsplatz, der verloren geht, lässt sich die Bundesregierung also 2 Millionen Euro kosten – Firmen rechnen normalerweise das die Schaffung eines Arbeitsplatzes etwa 100.000 Euro, also ein Zwanzigstel davon kostet. 2018 gingen aber durch mehr Bürokratie (siehe erster Teil des Blogs) 26.000 Arbeitsplätze in der Windenergiebranche verloren, im ersten Halbjahr dieses Jahres weitere 6.000 und bis Jahresende werden es nach Prognosen zusammen mit 2018 40.000 Arbeitsplätze sein. Das sind doppelt so viele wie im Kohleberbau wegfallen, in zwei, nicht zwanzig Jahren und diese Unternehmen bekommen kein Geld. Im Gegenteil: im Klimapaket ist auf Druck von Bayern auch eine Abstandregelung von 1000 m zu einer Ortschaft drin, was den Ausbau weiter behindert. Nur mal eine kleine Gegenrechnung: Letztes Jahr kostete 1 MW installierte Leistung 740.000 €. Derzeit macht Windenergie 20,4 % der Stromerzeugung aus bei 59.313 MW installierter Leistung. Für die 40 Mrd. Euro hätte man also den Anteil um 54 GW auf 114 GW oder 39 % der Stromproduktion erhöhen können. Kohlestrom macht derzeit noch 29 % aus. Allerdings entstehen die Anlagen ja nicht aus Jux und Dollerei. Sie liefern auch Strom und der muss gegengerechnet werden. Braunkohlenstrom kostet zwischen 4,69 und 7,78 ct/kwh, Steinkohlenstrom zwischen 6,27 und 9,86 ct/kwh. Demgegenüber sank die Erstattung nach EEG für neue Anlagen bei Inbetriebnahme 2018 auf 7,5 ct/kwh und für Neuauschreibungen Ende 2018 auf 3,8 ct/kwh (wohl auch in Grund, warum immer weniger Ablagen gebaut werden). Das heißt, eine neue Anlage ist jetzt schon billiger als Strom aus Kohlekraftwerken. Berücksichtigt man das man, hätte mit weniger Geld in dieser Branche weitaus mehr erreicht.

Klima ist ein Aspekt, der heute gerade aktuell ist und die Unfähigkeit der CDU zeigt, dieses Problem zumindest national zu lösen. Ganz einfach weil das nicht nur die Bürger betrifft, sondern die Industrie und die einflussreichsten Industrien sind, eben auch die mit einem hohen Ausstoß an Klimagasen oder sie produzieren Produkte, die diese freisetzen. Die Kohleindustrie ist das Paradebeispiel, denn sie ist ja halbstaatlich. An den großen Konzernen wie RWE, EON oder EnBW halten Länder oder Kommunen Anteile und entsprechend war der Druck beim Kohlegipfel auch von den Bundesländern, in denen die Kohle gefördert wird, da. Ein anderes Bundesland, das immer querschiesst ist, Bayern, das zwar Strom haben will, aber keine Trassen und obwohl es in Bayern keine Windkraft gibt, die Abstände, für die Anlagen festlegt. Das geht in der Regierung besonders gut, weil die CSU ja eine reine Bayernpartei ist und so in der Regierung nur Politik für Bayern macht. Als Ramsauer Verkehrsminister war, gingen mehr als die Hälfte aller Mittel für den Straßenbau nach Bayern. Die CSU ist eine Sache für sich und auch schon Thema hier im Blog. Meiner Meinung nach sendet die CSU nicht das beste Personal nach Berlin. In der Energiewende kommt dem Verkehrsministerium eine große Bedeutung zu, denn alleine mit Prämien für Elektromobilität wird die nicht gemacht. Vielmehr muss man den Individualverkehr auf das Mass beschränken, das notwendig ist und den jahrzehntelangen Abbau des öffentlichen Personenverkehrs stoppen und umkehren. Das leisten aber die Verkehrsminister der CSU der letzten vier Legislaturperioden nicht, vielmehr schützen sie die Automobilindustrie. Mehr noch: Die CSU war es die 2013 diese unselige Maut in ihr Wahlprogramm aufnahm und durchsetzte. Scheuer unterzeichnet Verträge, sogar bevor überhaupt klar ist, ob die Maut EU-konform ist, ohne die entsprechenden Gremien zu informieren oder einzubinden. Selbst der CSU Chef Seehofer bricht im Sommer 2018 einen völlig überflüssigen Asylstreit vom Zaun, der die Regierung monatelang lähmt, droht den Rücktritt an, ohne dann zurückzutreten (hätte mich auch verwundert). Ehrlich gesagt: die CSU schadet der Regierung mehr als die gesamte Opposition zusammen.

Nach diesem Teil komme ich zum zweiten Teil: was hat die CDU in 14 Jahren Merkel für Deutschland getan? Klimawende? Absicherung des Sozialsystems? Krankensystem ohne zwei Klassen? Sicherung des Wissenschafts- und Technologiestandorts? Das wären einige Dinge, die zu machen wären. Nichts davon wurde angepackt. Nicht mal die eigenen Wahlversprechen wurden eingehalten: 2005 versprach Merkel, dass die Harz IV abschaffen würde. Das hat sie nicht getan, auch nicht als sie 2009 mit der FDP koaliert hat die ja dasselbe Ziel vertritt. Stattdessen wurden von der CDU/FDP die Maßnahmen mit Streichung eingeführt, wenn man Termine verpasst oder sich weigert, bei völlig sinnfreien Maßnahmen mitzumachen. 2013 kündigte Merkel im Fernsehen laut und deutlich an „Mit mir wird es die Maut nicht geben“ und sie ist trotzdem gekommen, obwohl sie jeder außer der CSU für eine Schnapsidee hielt. Analog kündigte sie 2005 an die Ökologiegesetze von Rot/Grün wieder abzuschaffen und hat das nur beim Atomstieg angegangen (siehe oben). Praktisch alles, was an erinnerbaren Gesetzen der letzten Koalitionen rauskam, kam vom Koalitionspartner. Sowohl negativ (Steuersenkungen für Branchen von der FDP) wie positiv (Mindestlohn, Mindestrente, mehr Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Beziehungen). In anderen Punkten mauert sie nach wie vor wie bei der Legalisierung von Cannabis oder der Einführung eines Mindestlohnes, der so hoch ist, das man nicht noch Harz-IV Zuschüsse benötigt um zu leben, obwohl das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Probleme werden seit Jahren geschoben. Nicht nur die großen oben Aufgaben, sondern auch kleine wie der Trassenbau für Transport der durch Windenergie erzeugten Strom nach Süddeutschland oder dem was – daran sieht man die Inkompetenz der Regierung – als „Digitalisierung“ bezeichnet wird. Digitalisierung bezeichnet die Überführung von Analogem in von Computer verarbeitbares Material. Das können Gegenstände wie Dokumente oder Fotos sein, aber auch Prozesse wie der Ablauf in Verwaltungen oder Betrieben. Das haben wir längst hinter uns. „Digitalisierung“ damit meint die Regierung vielmehr einen Breitnetzausbau. Den hätte sie längst haben können. Es gab genügend Auktionen für Mobilfunkfrequenzen in Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten. Wenn man als Auflage gemacht hätte, das alle Gewinner zuerst ein flächendeckendes Netz mit einer Mindestdatenrate oder Verfügbarkeit errichten müssen bevor sie die ersteigerten Frequenzen nutzen können und wenn sie das nicht leisten bei der nächsten Auktion ausgeschlossen werden, dann wäre das Thema längst erledigt. Nun will die Regierung selbst 5.000 Masten aufstellen und redet nur noch von 5G. Das viele Landstriche aber schon zufrieden wären, wenn sie nur mal schnelles Festnetz hätten, geht völlig vorbei. Nebenbei, verstehe ich, nicht warum 5G für Firmen so wichtig sein soll. Angeblich ja wegen der kurzen Ping-Ping-Zeiten, die man für die Produktion braucht, doch die erreicht man viel einfacher durch ein firmeneigenes WLAN Netz, dass man auch selbst verschlüsseln kann und so sicher sein kann das nicht Huawei die Daten mitliest. Kurz: Am Ziel vorbeigeplant und so wenig Ahnung das schon der Begriff nicht stimmt. Inzwischen will ja Scheuer ein eigenes „Digitalisierungsministerium“.

Das Erstaunlichste ist aber: die Bürger strafen in jeder Koalition den Koalitionspartner ab, obwohl der für die meisten Ergebnisse steht. Also entweder sind sie mit denen nicht zufrieden und wollen eine Regierung, die am besten gar nichts macht oder die CDU kann machen was sie will und die negative Publicity schadet immer den anderen. Immerhin es gibt eine Chance das sich das ändert, denn Merkel tritt ja nicht mehr an. Die Leute unterscheiden ja zwischen Merkel als Kanzlerin und der CDU. Zu Unrecht meiner Meinung nach denn sie hat ja dafür gesorgt, dass niemand unter ihr in eine Position aufrückte, in der er ihre Macht gefährden könnte, also steht sie auch für die CDU-Politik und die CDU wird ja auch als Kanzlerwahlverein bezeichnet.

Die von Merkel vorgesehene Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat aber in einem Jahr vor allem durch Negativschlagzeilen und gebrochene Versprechen von sich Reden gemacht. Bei ihr weiß man noch weniger, wofür sie steht. Ihre Rede beim letzten Parteitag war nur über Zukunft, aber nicht wie sie die Zukunft gestakten will. Selbst in der CDU ist sie so unbeliebt das man keine Urwahl des Kanzlerkandidaten beschlossen hat, sie könnte ja dabei verlieren … Mit Sicherheit hat sie aber nicht die Popularität in der Bevölkerung von Merkel und entsprechend wird es Verluste für die CDU geben.

1.12.2019: Die Novembernachlese zu SpaceX

… fällt diesmal kurz aus. Es gab ja kaum was Neues. Einen Start, den Ersten seit August und eine Bodenverpuffung, das war es im Wesentlichen. Doch der Reihe nach.

Der Starlink-2 Start war dahin gehend interessant, weil er meiner Meinung nach die Performance der Falcon 9 für LEO Bahnen liefert. Die Satelliten waren diesmal etwas schwerer (227 zu 200 kg), aber auch die Orbithöhe ist niedriger (341 zu 445 km). Da es sinnvoll ist, sie möglichst nahe an der Zielorbithöhe auszusetzem gehe ich davon aus das die 13.620 kg (+ Dispenser) die maximale Nutzlast der Falcon 9 bei LEO-Bahnen und Bergung ist. Schon die 13.270 kg beim letzten Start wurden ja nicht in der Zielbahnhöhe ausgesetzt. Angeblich um den Ionenantrieb zu testen – wer‘s glaubt. Den braucht man sowieso um die Satelliten in der Bahnebene gleichmäßig zu verteilen, sonst würden sie ja immer wie am Anfang in kleinem Abstand auf einem Bogen die Erde umkreisen. Das meine Vermutung die richtige ist zeigt auch das die Falcon 9 für einen nur 341 km hohen Orbit ein Zweiimpulsmanöver benötigte – den erreicht man eigentlich auch im direkten Aufstieg, doch das kostet mehr Treibstoff sprich weniger Nutzlast. Die Satelliten sind zwar schwerer und sollen verbessert sein, sind aber immer noch so hell und haben jetzt schon etliche prodessionelle Himmelsaufnahmen ruiniert. Hobby- und Profiastronomen sind nicht erfreut. Immerhin SpaceX hat etwas geschafft was weder massive Straßenbeleuchtung noch Disco-Scheinwerfer hinbekommen haben, nämlich die völlige Lichtverschmutzung des Himmels, auch in Gebieten, die vorher noch frei von menschlichen Einflüssen waren.

Immerhin, für Dezember sind gleich vier Starts (nach dem US-Freundlichen Portal SpaceFlight Now vier Starts geplant:

Aber nächstes Jahr wird alles besser. Dann gibt es alleine 24 Starlink Satellitenstarts, genauso wie es dieses Jahr sieben Starlinkstarts gibt (so viele wurden zumindest zu Jahresanfang angekündigt) und Zeit für andere Kunden hat man dann eh nicht mehr. Das Konzept, das man sich selbst aus dem Sumpf zieht, hat ja schon vor 200 Jahren ein Deutscher erfunden: Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von M. Die Geschichten um ihn haben auch sonst einige Ähnlichkeiten zur Pressearbeit von SpaceX. Auch er wurde von seinen Zeitgenossen vollkommen missverstanden und sie machten sich über ihn lustig, dabei erfand er die Genkanone und Überschallreisen. So macht es auch nichts aus, wenn man SpaceX keine neuen Kunden gewinnt. In 200 Jahren wird Musk dann wohl genauso wie Hieronymus M. gefeiert werden...

Dann hat man die erste „Super Heavy“, so heißt die erste Stufe des kommenden Gefährts, bei einer Probebefüllung in die Luft gejagt – die Story erschien bei SpaceFlight Now übrigens nie als Headline, was neben der US-freundlichen Berichterstattung einen weiteren Hinweis auf die Neutralität dieses Portals gibt, ebenso wie es einen Bericht übner die Explosion gibt, aber zwei über die Probezündung einer Falcon 9. (Hier und Hier)

Es handelt sich bei dem explodierten Teil um das Gefährt das Ende September vorgestellt wurde. Ich hatte es immer als Mockup angesehen, aber es ist das erste operationelle Gefährt, „Mark I“. Den Orbit will man mit Mark 4 erreichen – oder Mark 3, so genauso weis er das selbst nicht „that the orbital flight would be done with the Mark 3 prototype, he said a few minutes later that first orbital flight would be done with a Mark 4 or Mark 5 prototype“. Ich nahm immer an das wäre ein zusammengeschustertes Modell, ein Mockup. Ähnliche kennt man ja auch von anderen Raketen in Ausstellungen oder Flugschauen. Weil man auf den Aufnahmen Beulen sieht, erkennbar an der ungleichmäßigen Reflexion der Sonne und Nieten – Nieten werden in der Luftfahrt schon lange nicht mehr eingesetzt (ich glaube seit den Dreißiger Jahren) und im Raketenbau wurden sie noch nie bei den Tanks genutzt, nicht mal bei der A-4. Entsprechend muss man sich nicht wundern, wenn das Ding in die Luft fliegt. Aber wir wissen ja, mit Mark 2 bis 5 wird alles besser und die Dinger sind nicht nur besser, sondern haben oh Wunder auch eine von 200 auf 120 t absinkende Masse. Musk sollte das mal bei der Tesla-Produktion umsetzen, dann käme das bei größerer Reichweite mit einer kleineren Batterie aus und wäre wohl auch billiger. Tesla baut ja jetzt in Brandenburg eine Fabrik, wichtig scheint wohl gewesen zu sein, dass der BER der einzige Flughafen auf der Welt ist, auf der ein Starship landen darf – zumindest solange bis dort auch Flugzeuge landen …

A-9 / A.10Immerhin gibt es einen neuen Rekord den SpaceX aufgestellt hat: sie sind die erste Firma/Raumfahrtagentur, die mehr Raketen auf dem Boden verloren haben als im Flug. Vorher hielt Brasiliens VLS den Rekord mit einer Bodenexplosion und einem missglückten Start.

Mittlerweile habe ich ja den Eindruck, dass meine Glosse von 2011 über SpaceX und die Benutzung von A-4 Technologie gar nicht mal so falsch war. Super-Heavy/Starship sehen der A-9/A-10 Transatlantikrakete von Wernher von Braun sehr ähnlich. Wie dort wird Stahl als Werkstoff eingesetzt und wichtiger als der Energiegehalt des Treibstoffs ist, dass er billig ist.

Was SpaceX nicht geschafft hat – eine immer weiter steigende Starfolge haben die Chinesen geschafft. Seit Jahren steigt die Startanzahl laufend an. 29 Starts waren es bisher dieses Jahr. Die USA haben mit SpaceX gerade mal 16 geschafft, Russland 20. Dabei wird keine einzige Rakete wiederverwendet.

Derzeit überlege ich – das neue Jahr nähert sich ja – was meine SpaceX Wette 2019 werden soll, also meine wette gegen eine offizielle Ankündigung von SpaceX, Shotwell oder Musk. Derzeit schwanke ich zwischen einer Wette, dass es nächstes Jahr 24 Starlink Starts geben soll (Ankündigung von Shotwell am 10.9) oder das 2021 das Starship nicht in den Orbit startet („in the next six Months“ allerdings mit einer Unsicherheit „a schedule he estimates to be “accurate to within a few months.”“. Also wenn „a few“ nicht mehr als neun Monate sind, müsste es 2021 noch klappen. Oder habt ihr Vorschläge für eine Wette?

3.12.2019: Das Mondprogramm mit der SLS – wie es meiner Ansicht nach laufen könnte

Die NASA will ja zurück zum Mond, aber so wie es aussieht mit der SLS, wie sie heute ist, nur noch ergänzt um eine neue Oberstufe, die EUS. Ursprünglich war die Sache ja so gedacht: Wir bauen jetzt erst mal die erste Version der SLS, genannt Block I, noch ohne Oberstufe, sodass sie nur Erdorbitmissionen durchführen kann. Einfach weil das Budget für eine normale Raketenentwicklung nicht die Mittel hergibt. Die steigen nämlich an, bis zu einer Spitze vor dem Abschluss der Entwicklung. Die Fertigung ist dann deutlich preiswerter – bei der Saturn V kostete die Entwicklung und die produzierten Exemplare zusammen über 9 Mrd. Dollar, die 15 gefertigten Raketen machen davon aber nur 3 aus. Bei der SLS sollte die Finanzierung über viele Jahre dagegen konstant belieben. So kam man zum einen auf das Konzept der Resteverwertung und zum anderen hat man den Kostenfaktor Oberstufe erst mal weggelassen.

Später sollte eine Oberstufe hinzukommen und dann sollten neue Booster die derzeitigen ablösen. Die erste Version fliegt mit einer umgebauten Delta 4 Zweitstufe und kann 28 t zum Mond transportieren. Das wiegt netterweise eine Orion mit Servicemodul und Treibstoff. Die nächste Version mit neuer Oberstufe wird das dann auf 37 bis 40 t anheben.

Beides ist aber weniger, als die Apollo-Hardware wog, das waren zwischen 46 und 48 t. Schon die Orion mit Servicemodul ist so schwer wie das Apollo-CSM, kann anders als dieses aber keinen Mondlander noch in den Mondorbit mitführen. Die Lösung für die NASA ist es, die Starts aufzuteilen: einen für die Orion und einen für den Mondlander. Dazu gibt es das Lunar Gateway, eine Miniraumstation im Mondorbit, in der die Astronauten dann wohl warten müssen, bis auch der Mondlander da ist.

An und für sich läuft es bei meinen Konzept genauso, nur das ich das Lunar Gateway für überflüssig halte. Man kann den Mondlander vor der bemannten Mission starten und im Mondorbit parken. Die meisten Umlaufbahnen um den Mond sind durch Störungen von Erde und Sonne, aber auch Massekonzentrationen unter bestimmten Regionen instabil, doch nicht alle. In solchen Orbits befindet sich der LRO und Chandrayaan 1 – die Sonde konnte nach ihrem Ausfall noch nach Jahren durch Vermessung gefunden werden. In einem solchen „frozen Orbit“ kann man den LM parken. Das Ankoppeln im Mondorbit hat schon Apollo demonstriert, nur wäre es hier mit getauschten Rollen. Alternativ gibt es inzwischen genügend sensorische Hilfsmittel, um das automatisch durchzuführen, von Radar über Lasersensoren oder Kameraauswertungen. Die Besatzung würde dann umsteigen (diesmal alle Astronauten) und wie gehabt landen, später zur Orion zurückkehren und den Mond wieder verlassen. Der einzige Unterschied zu Apollo ist, das der Mondlander separat gestartet und in den Mondorbit gelangt, anstatt das er mitgeführt wird.

Bei 37 t Masse ist er auf dem ersten Blick deutlich größer aus als der von Apollo, der unter 16 t wog. Aber nur auf den ersten Blick. Er muss ja auch einen Mondorbit erreichen, und das kostet Treibstoff. Bei einem spezifischen Impuls von 3150 m/s (dem des AJ-10), 1000 m/s für das Erreichen des Mondorbits und wie bei Apollo 2280 m/a für die Landung, beträgt die Landemasse noch 13,06 t. (Apollo: 7 t). Bei dem gleichen Voll/-Leermasseverhältnis der Abstiegsstufe wie beim Apollo LM (4,84) bleiben noch 6,8 t für die Rückkehrstufe übrig. Das sind zwar rund 50 % mehr als bei Apollo (dort wog sie 4,4 t) aber es sind ja auch mehr Astronauten, drei oder vier. Sie muss größer sein und ich glaube die extrem leichte Bauweise des LM entspricht nicht den heutigen Sicherheitsvorschriften.

Die Stromversorgung würde ich solar auslegen. Der Lander kann ja relativ groß sein, die SLS hat eine 8,38 m großen Nutzlastverkleidung, da kann er einen maximalen Durchmesser von 7,6 m haben, der maximale Durchmesser des LM von Apollo betrug nur 4,2 m. Nimmt man eine sechseckige Konstruktion, die Form hatte in etwa (er war ziemlich unregelmäßig aufgebaut) der LM so entspricht dies einer Dachfläche von 35 m², die belegt mit Solarpaneelen maximal 11 kW Leistung abgeben, bei flachem Lichteinfall weniger, doch es würde sicher reichen. Aufladbare Batterien als Absicherung und für die Zeit, wo die Paneele keinen oder zu wenig Strom liefern, wären eine Ergänzung dazu.

Mein Plädoyer wäre das man mit einem Lander die ganze Ausrüstung und das Equipment transportiert und einen Zweiten ohne Aufstiegsstufe, aber als Wohnquartier landet. Beim Ersten gehen von der Wohnfläche nämlich noch die Treibstofftanks und der Antrieb ab. Zudem muss er sehr leicht aufgebaut sein, weil er ja noch in den Orbit startet. Der zweite Lander hätte dagegen 6,8 t für ein Wohnmodul übrig. Die Struktur selbst (nimmt man die Trockenmasse des MPLM als Maß) wiegt relativ wenig, bei einem Zylinder von 7,6 m Durchmesser und 2,5 m Höhe wären das 3,6 t, das lässt noch 3,2 t für Vorräte, Einrichtung, Equipment übrig. Die rund 47 m² Wohnfläche sind zwar nicht üppig, aber es ist ja nicht für dauernd.

Wahrscheinlich wird man nur etwa 14 Tage auf dem Mond bleiben. Das ist bedingt durch die Dauer eines synodischen Mondtags (der Zeit von Sonnenaufgang zu Sonnenaufgang von 29,5 Tagen. Die Hälfte davon entfällt auf die Nacht, sodass wenn man in der Dämmerung landet und wieder startet man maximal 14, eher 12-13 Tage als maximale Aufenthaltsdauer hat. Bei den erweiterten Missionen von Apollo waren es dagegen nur 48 Stunden.

Wenn man länger auf dem Mond bleiben will, benötigt man eine andere Energieversorgung. Schließlich scheint die Sonne fast 15 Tage lang nicht. Es gibt zwei Möglichkeiten. Das eine sind RTG, wie sie auch bei Raumsonden eingesetzt werden. Sie sind erprobt und sicher. Der Nachteil: sie liefern wenig elektrische Leistung, selbst mit der noch nicht qualifizierten Sterling Technologie maximal 20 % der Wärmeenergie als elektrische Leistung. Weiterhin sind sie teuer – das Plutonium 238 ist extrem teuer in der Herstellung. Sofern die elektrische benötigte Leistung nachts niedrig ist, die Besatzung in der Zeit (aus)ruht ist das eine Alternative. Für Marsmissionen will die NASA dagegen kleine Atomreaktoren entwickeln, die 1 bis 10 kW Leistung haben. Kleine Kernreaktoren sind zwar auch ineffektiv, was die Umwandlung von elektrischer Leistung in Strom angeht, aber sie sind billiger zu produzieren. Dafür müsste man sie erst entwickeln. Bei den RTG könnte man diese theoretisch auch wieder zur Erde zurückbringen, was dann allerdings auf Kosten des mitgeführten Mondgesteins geht. Ich wäre daher eher für die kleinen Kernreaktoren, zumal man diese auch in anderen Szenarien z.B. für Raumsonden oder Ionenantriebe nutzen könnte.

Optimierung

Es gäbe einiges zu optimieren. Da die Orion schon mit Block I eine Mondmission (Einschwenken in die Umlaufbahn) durchführen kann, könnte man den nicht benötigten, aber mitgeführten bei der höheren Startmasse von Block IB möglichen Treibstoff (etwa 6 t) in den Mondlander umpumpen. Die NASA stellte diese Forderung auch bei der ersten Ausschreibung auf, verzichtete aber darauf, als die Firmen sagten, das wäre zu schwer umsetzbar.

Anstatt einem druckgeförderten Triebwerk könnte der Mondlander auch pumpengeförderte Triebwerke einsetzen. Das hat gleich mehrere Vorteile: Der spezifische Impuls ist größer, damit die Nettomasse die gelandet wird. Man benötigt keine Druckgastanks, das spart bei diesen Gewicht ein und das Triebwerk ist bei gegebenem Schub ebenfalls leichter. Nimmt man den Gewinn, denn das Aestus mit Turbopumpe hätte, als Maßstab, so würde bei der Landestufe der Gewinn so aussehen:

Zusammen wären das 1,8 t mehr Landemasse - bei 6,8 t Masse für die Oberstufe durchaus ein Gewinn. Das Risiko ist gering, da das Triebwerk ja schon benötigt wird, um in den Mondorbit einzuschwenken – fällt es aus so würde der Lander verloren gehen, bevor die Besatzung überhaupt gestartet ist. Scheitert die Zündung beim Abstieg, dann kann man wieder ankoppeln. Für die Aufstiegsstufe kann man, muss man wegen des geringeren dV aber kein pumpengefördertes Triebwerk einsetzen, aufgrund der kleineren Masse und des kleineren dV ist der Gewinn hier auch kleiner.

Da der unbemannte zweite Lander, (das Habitat) automatisch landet, dürfte er bei der Landung unverbrauchten Treibstoff haben, denn man bei der bemannten Landung für eine Schwebephase vorgesehen hat. Man könnte ihn einsparen und so die Landemasse noch etwas vergrößern oder ihn umpumpen, wenn der zweite bemannte Lander nahe bei ihm landet. Das Letztere erfordert dann aber schon viel Präzision will man nicht 100 m oder längere Leitungen mitführen. So wäre ich für das Erste. Die rund 150 m/s die bei Apollo für den Zweck vorgesehen waren, entsprechen immerhin 630 kg Treibstoff, mithin eine um 10 % höhere Nutzlast.

Selbst wenn man nicht über die Mondnacht bleibt, könnte man ein Habitat, aber auch die Ausrüstung mehrmals nutzen. Eine zweite Mission, die bei dem Habitat landet, könnte neue Ausrüstung mitbringen, die beim ersten Flug aus Gewichts- oder Platzgründen nicht mitführbar war und damit die Forschungsmöglichkeiten erweitern. Prinzipiell würde man bei dieser Option einen SLS-Start und einen Mondlander einsparen, ich schätze, basierend auf den Kosten von Apollo, das die etwa 25 % der Mittel einspart. Auf der anderen Seite denke ich wird man möglichst viele verschiedene Regionen besuchen wollen.

Apollo landete ja nur auf der Mondvorderseite. Das lag daran, dass die Missionen eng mit der Missionskontrolle verzahnt waren. Sie waren mehr als Backup, viele Dinge wurden am Boden berechnet und zu den Astronauten durchgegeben. Daneben gab es zahllose kleinere und größere Probleme, die man mit Hilfe von Experten in den hinteren Räumen löste. Heute ist zum einen die Hardware zuverlässiger und die Computerpower alles an Bord zu berechnen steht zur Verfügung. Sie würde auch für Marsmissionen benötigt werden, bei der eine Funkverbindung lange Verzögerungen aufweist. Daher denke ich wird man auch auf der Mondrückseite landen. Man würde dann, wie dies die Chinesen taten, einen Satelliten für die Kommunikation platzieren. Entweder in einem lunaren Librationspunkt oder als Satellit um den Mond, der bei einer elliptischen Umlaufbahn auch gleichzeitig Kontakt zur Erde und zur Mission hat.

10.12.2019: Die schwäbische Hausfrau der SPD

Neuerdings muss „die schwäbische Hausfrau“ für so vieles in politischen Reden herhalten. Ich habe diese Anspielung schon ein paar Mal in der letzten Zeit gehört. Aber den Vogel schießt der neue SPD-Co-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans ab: bei einer Rede auf dem Parteitag sagt er, dass die „Schwarze Null“ fallen müsste und begründet das, damit das die Schwäbische Hausfrau ja auch nicht erst das ganze Geld zusammensparen würde, bevor sie sich ein Haus kauft und einen Kredit aufnimmt. Co-Vorsitzende Saskia Esken gefällt das Beispiel so gut, das sie ins gleiche Horn bläst „Die schwäbische Hausfrau würde sich schämen, wenn sie ihren Haushalt so verkommen lassen würde!“.

Ah ja. Zu erst zur zweiten Aussage: Eine schwarze Null, hinter der übrigens Parteikollege Olaf Scholz steht, der trotz dessen, das er Bürgermeister eines der meistverschuldeten Bundeslandes war, seinen Job recht gut macht ist ein solider Haushalt. Unter einem „verkommenen Haushalt“ wurde ich zuerst mal an Schmutz und Dreck denken, wenn man aber die zweite Bedeutung im Sinne von Finanzplanung nimmt, wäre für mich „verkommen“ eher, wenn man Schulden aufnimmt, als wenn man das vermeidet.

Am meisten hat mich aber das erste Beispiel verärgert. Grundsätzlich kann man einen öffentlichen mit einem privaten Haushalt nicht vergleichen. Hätte eine Privatperson so hohe Schulden im Vergleich zum Nettoeinkommen wie die Bundesrepublik, sie würde in die Schuldnerberatung gehen oder Privatinsolvenz beantragen, weil sie dann nach einigen Jahren schuldenfrei wäre, aber niemals in der Zeit die Schulden abtragen könnte. Der Bund ist derzeit mit 1211 Mrd. Euro verschuldet (dazu kommen noch Länder und Gemeinden, doch um deren Haushalt geht es nicht). Der Haushalt für 2020 beträgt 362 Mrd. Euro. Die Verschuldung beträgt also 334 % des Einkommens. Würde man dies auf ein einen Privathaushalt übertragen bei dem das Nettoeinkommen 40.000 €/Jahr beträgt, so wäre das eine Verschuldung von 133.800 €. Jemand der so viele Schulden hat, würde bestimmt nicht neue aufnehmen und erst recht nicht einen Kredit für ein Haus, den er sowieso nie bekäme, denn dafür muss man genügend Eigenmittel und keine Schulden vorweisen. Ich weiß, der Vergleich mit Privatpersonen hinkt, was man schon daran sieht das die meisten Länder verschuldet sind, die meisten Privatpersonen aber Vermögen haben. Doch genauso wie eine Privatperson pleitegehen kann, tut das auch der Staat. Das ist in Deutschland zweimal nach den letzten beiden Kriegen 1923 und 1948 passiert und es passiert heute noch immer wieder Ländern. Das Grundprinzip ist doch immer das gleiche: es werden immer mehr Schulden gemacht. Entweder um eine Krise zu überwinden, so 2008, als die Verschuldung der BRD innerhalb eines Jahres von 1694 auf 2011 Mrd € (Gesamtverschuldung) kletterte oder eben zu investieren oder Steuern zu senken, das soll ja auch die Wirtschaft ankurbeln. Bis 2012 gab es aber nur einen Trend und zwar den nach oben, man hat nie Schulden zurückgezahlt, selbst wenn die Wirtschaft brummte. Aber jeder muss Schulden begleichen, nicht nur Privatpersonen. Seit 2012 sinkt die Gesamtverschuldung der BRD (die des Bundes stagniert, die Schulden zurückzahlen tun vor allem die Gemeinden sie nur mit 133 Mrd verschuldet sind, obwohl sie den Großteil der Ausgaben schultern). Ich bin auch für mehr Investitionen, aber dann bitte ohne Schulden. Stattdessen soll man aufhören ganze Industrien wie die Kohleförderung oder den Automobilbau zu subventionieren und den Spitzensteuersatz wieder auf 50 % anheben – er war sogar mal höher, dann hat man genügend Geld zum Investieren. Alleine die Subventionen des Bundes machen 31 Mrd. Euro aus. Und die sind 2019 sogar auf Rekordniveau. Um auf das Beispiel der ominösen „schwäbischen Hausfrau“ zurückzukommen: die würde sicherlich nicht 1/12 ihres Nettoeinkommens für Millionäre spenden.

Norbert Walter-Borjans ist übrigens meiner Ansicht nach der denkbar schlechteste Kandidat für das Thema Finanzen. Eine von ihm als NRW-Finanzminister eingeführte Abgabe auf Übernachtungen in Hotels wurde als verfassungswidrig vom Gericht einkassiert. Die Haushalte von 2010,2011 und 2012 verstießen ebenfalls gegen die Landesverfassung.

11.12.2019: Das unbemannte Mondprogramm

Gerade läuft ja Artemis an, wird um die Gelder gefeilscht, die NASA möchte 1 Mrd. Dollar im nächsten Haushaltsjahr, der Kongress hat nur 770 bewilligt. Doch das ist erst der Anfang. Gerade beim Mond sehe ich den Nutzen von Menschen besonders kritisch, weil man hier unbemannt viel mehr machen als bemannt. Was würden Menschen auf dem Mond machen? Sie würden wohl wie die Apollo-Astronauten Experimente auf der Mondoberfläche platzieren oder in ihr verankern, wie Sonden, die man zum Teil in den Boden rammt. Daneben würden sie Bodenproben sammeln und zur Erde zurückbringen und die Umgebung fotografieren.

Nichts davon könnte man nicht auch unbemannt erledigen und das wurde auch schon in den vergangenen Jahren demonstriert.

Was beim Mars für eine bemannte Landung spricht, ist das dort mit Robotern alles sehr lange dauert oder unselektiv ist. Das liegt aber auch zum Teil an der Vorgehensweise. Heute wird eine Route, die ein Rover auf dem Mars zurückgelegt genau geplant und er fährt dann eine kurze Strecke dann wird die neue Umgebung aufgenommen, festgelegt, was als Nächstes gemacht wird, eventuell folgen Untersuchungen oder es wird das nächste Wegstück geplant. So kommen die Rover nur langsam vorwärts. Curiosity ist heute 2610 Sols (Marstage) aktiv und hat 21,53 km zurückgelegt, also nicht mal 10 m im Durchschnitt pro Tag. Wir haben auf der Erde aber schon autonom fahrende unbemannte Geräte, die in Wüsten unterwegs sind und dann viel größere Strecken zurücklegen. Mit etwas mehr Autonomie und mehr Vertrauen in die Rover würde man auch beim Mars mehr Strecke zurücklegen können. Woran man leider nichts ändern kann, ist die Funklaufzeit. Wenn man einen Stein mit den Instrumenten untersucht und die Daten „sofort“ sendet (was wegen der Transfers der Daten über die Marsorbiter auch nicht der Fall ist) sind die Ergebnisse erst nach Minuten bei der erde und selbst wenn man dann sofort sagen kann, das man den Stein nicht weiter untersuchen will geht die Laufzeit noch mal drauf, bis der Rover das erfährt. Bei Aktionen die diffizil sind, wie das Nehmen von Bodenproben, wird man diese daher in viele Teilschritte zerlegen, mit Halts dazwischen und das dauert dann Tage.

Auf dem Mond ist es anders. Er ist immer in Empfangsbereich einer der Antennen des Deep Space Networks. Er ist so nahe, dass die Funklaufzeit von (hin und zurück) von 3 s so klein ist, das man den Rover auch direkt von der Erde aus steuern kann. Das wurde schon in den Siebzigern von Russland demonstriert. Die geringe Distanz würde es zulassen, das man die Daten sogar als Videostream überträgt und nicht nur als Standbild. Das erlaubt die Steuerung in einer VR-Umgebung wenn man zwei Kameras für das Stereosehen montiert. Bisher gab es nur die beiden Lunochods als Vorbild. Obwohl die in ihren Fähigkeiten recht eingeschränkt waren, legten sie 10,5 und 37 km zurück. Das zweite Lunochod schaffte trotz kürzerer Lebensdauer viel mehr Strecke, weil ein Nachteil des Ersten war, das die Kameras auf Kniehöhe waren, sodass man nicht weit sah und immer nur kurze Strecken fahren konnte. Beim zweiten Lunochod waren sie höher, aber auch noch nicht auf dem Niveau das sie bei den Marsrovern haben, wo sie sich in Augenhöhe oder sogar noch höher befinden und so sieht man viel weiter, kann Hindernisse rechtzeitig vorher erkennen und umfahren. Die Planung ist viel einfacher, die Geschwindigkeit kann höher sein. Ich denke ein von der Erde gesteuerter Rover wäre in etwa so schnell unterwegs wie ein Mensch. Technisch wäre das auch kein Problem, zumindest am Tag liefern Solarzellen auf dem Mond genügend Strom und nachts wäre er dann inaktiv, ein RTG wie bei Curiosity würde genügend Strom und Abwärme für das Überleben liefern.

Ich halte Curiosity für eine gute Vorgabe für einen Mondrover. Die Anforderungen sind ähnlich. Auch die Fernerkundungsinstrumente sind einsetzbar, nur auf die Untersuchungen in Situ würde man verzichten bzw. auf Instrumente, die lange Analysenzeiten brauchen wie DAN oder die mit der Atmosphäre zu tun haben, wie REMS würde man verzichten. Ziel eines solchen Mondrovers wäre es primär, Bodenproben zu sammeln. Um die Interessanten zu finden, nutzt man die Instrumente, die schon Curiosity hat und die per Spektrum oder Plasmaanalyse die chemische und mineralogische Zusammensetzung eines Felsens bestimmen. Mit neuen Werkzeugen an der Hand entnimmt man dann Proben, die man in Behälter bringt, die es auf dem Deck oder im Innern gibt. Durch die Möglichkeit der Vorauswahl ist ein Rover sann sogar einem Menschen überlegen, der sich auf den augenscheinlichen Eindruck verlassen muss.

Sofern die Mission genügend Masse übrig hat, die man landen kann, könnte man mit dem Arm, der auch eine Greifhand tragen müsste, Experimente auch auf der Mondoberfläche platzieren oder im Boden versenken, z. B. mit einem Bohrer. Alternativ landet eine zweite Mission diese Experimente und der Rover fährt zu diesem zweiten Lander, lädt sie aus und platziert sie.

Was man dann noch braucht, ist eine zweite (oder dritte) Sonde, welche die vorher gesammelten Bodenproben zur Erde zurückbringt. Schon wegen des Gewichts würde ich eine eigene Mission vorschlagen. Daneben spricht auch der verfügbare Platz (auf einer Landeplattform hat entweder ein Rover oder eine Rückkehrstufe platz) dafür sprechen, die beiden Missionen zu trennen. Zuletzt kann der Rover lange Bodenproben sammeln, ein großes Gebiet durchqueren, das Menschen wegen der zeitlichen Begrenzung nicht können und man muss die Bergungsmission erst starten, wenn man alle Proben hat. Diese hat aber Treibstoffe, die nicht während der Mondnacht ausfrieren sollten. Die Proben werden wohl – das ist der Nachteil einer robotischen Mision – eher klein sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Roboter große Felsbrocken platzsparend in einer engen Rückkehrkapsel verstauen kann. Für die Analyse, die aber mit Staub auskommt, ist das aber nur bedingt von Nachteil. Immerhin: es gibt heute Roboter die haben eine Greifhand wie ein Mensch und mit zweien dieser Arme und Fernlenkung könnte ich mir vorstellen, dass auch das Handling mit größeren Brocken klappt. Auf der Erde würde dann jemand mit einer VR-Brille die Szene sehen und mit seinen Bewegungen die Hand steuern. Wenn er langsam genug ist – alles dauert ja 3 Sekunden, bis man die Rückmeldung hat, dann klappt das sicher. Vielleicht dauert das Verstauen eines Felsens so 1 Stunde anstatt einer Minute, doch Zeit hat man ja. Diesselbe Technik würde man auch beim Fahren und dem sonstigen Handling einsetzen. Zumindest von der ISS aus hat man schon einen Roboter in einem Labor auf der Erde aus gesteuert und das noch ohne VR-Umgebung. Die Technik funktioniert also.

Kurz: ich denke alles was Astronauten tun könnten geht auch mit Robotern. Nicht so schnell, aber Zeit ist bei Robotern nicht das Problem, davon hat man mehr als genug. Anders als bei Menschen die nach einigen Stunden wieder in eine Atmosphäre müssen und dann ausruhen. Bei Robotern könnte man Tag und Nacht abreiten, wobei sich die Kontrolleure im Schichtsystem abwechseln. Zudem können sie problemlos mehrere Mondtage auf dem Mond arbeiten.

Ich will die Mission nicht genau durchplanen, aber eine Massen- und Kostenabschätzung machen. Unter Annahme der Vulcan als Trägerrakete – sie dürfte aktuell sein, wenn man jetzt mit den Planungen beginnt, die Delta 4 wird dagegen ausgemustert und die Falcons sind ja dann durch das Starship mit unbekannter Mondnutzlast ersetzt – komme ich auf folgende TLI-Nutzlasten:

Da die Stufenmassen unbekannt sind und ich von den GTO-Nutzlasten extrapolieren musst,e gehe ich im folgenden von 5 t bzw. 10 t Masse aus. Fliegt der Lander das Apollo-Profil, so braucht er ein dV von 3200 m/s. Beim einem Voll-/Leermasseverhältnis von 5, das hatte auch der Apollo LM beträgt die Nutzlast dann auf dem Mond (spezifischer Impuls des Haupttriebwerks: 3150 m/s) :

Das ist der Worst Case. Schon 200 m/s kann man einsparen, wenn man die energieärmste Bahn zum Mond nimmt, anstatt wie bei Apollo eine mit einem hohen Apogäum aber kürzerer Reisezeit. Weiterhin waren 7 % des Treibstoffs bei Apollo für die Interaktion der Besatzung reserviert, die bei einer automatischen Landung wegfallen würde. Berücksichtigt man beide Faktoren, so würde die Nutzmasse auf 1,4 t bzw. 3 t ansteigen. Bei einer direkten Landung sieht es nicht besser aus. Mit dem AJ10 Triebwerk würden 1,2 bzw. 2,1 t landen – das AJ10 ist einfach zu schubschwach für eine direkte Landung. Bei der Landung aus einem Orbit aus muss man während des größten Teils der Landung dagegen nicht gegen die Schwerkraft ankämpfen und der Schub kann geringer sein.

Selbst 1 t wäre aber ausreichend für einen gut bestückten Rover. Curiosity wog bei der Landung 900 kg, man könnte also 100 kg mehr landen, was ein Polster für Änderungen ist, umgekehrt fallen auch Experimente weg, die das Gewicht dann verringern.

Bei der Rückkehr fällt in etwa dasselbe dv an, wie viel Gastein man dann zur Erde transportieren kann, hängt mehr von der Masse ab die das restliche System wiegt, also die Avionik und Landekapsel. Die Kapsel von OSIRIS-REx wiegt 46 kg, rechnet man dann noch 54 kg für die Avionik hinzu und einen Faktor von 6 für das Antriebssystem so erhält man bei einem dV von 3100 m/s das man mindestens 100 kg zusätzlich zuladbare Masse hat – so viel Gestin gehen in die kleine Kapsel gar nicht rein. Eine größere Kapsel wiegt aber mehr und reduziert dann wieder die Restmasse. Nimmt man ein Drittel der Kapselmasse als „echte Nutzlast“ sprich Gestein in Behältern, so kommt man auf etwa 30 bis 50 kg die so pro Mission zurückgeführt werden können. Anders als beim Mars müsste man keine Kopplung im Orbit durchführen, man könnte direkt zur Erde starten, allerdings Wahrscheinloch über einen Mondorbit als Zwischenstation, da direkte Rückstartbahnen die Zone, wo eine Landung möglich ist, stark einschränken.

Ein solches Programm wird nicht preiswert sein. Vergleiche mit den Lunas die auch Gestein bargen sind wenig sinnvoll, weil deren Auslegung doch ziemlich primitiv war. Sie konnten nur direkt an der Landestelle unselektiv Bodenproben entnehmen, immerhin mit einem Bohrer aus deutlicher Tiefe. Aber selbst wenn das Programm mehrere Milliarden kostet, ist das billig gegenüber einem bemannten Programm. NASA‘s erste Schätzung für ARTEMIS liegt bei 20 bis 30 Mrd. Dollar, Bridistine schätzt, dass man durch „kommerzielle Zusammenarbeit“ unter 20 Mrd. kommt. Ich halte das für viel zu wenig. Es kostete den US-Steuerzahler alleine 10 Mrd. Dollar, zwei kommerzielle Vehikel für den Kurzzeit-Mannschaftstsransport zur ISS zu entwickeln. Die Technologie dafür hat sich seit Mercury nicht wesentlich geändert. Nun soll man mit dem doppelten Geld nicht nur einen Mondlander, sondern das Gateway, Experimente, Anzüge und eine Oberstufe für die SLS entwickeln? Alleine die SLS könnte 1,6 bis 2 Mrd. Dollar pro Mission kosten. Curiosity kostete 2,5 Mrd. Dollar, allerdings auch wegen Zeitüberschreitungen, der Nachbau, der nächstes Jahr startet, ist daher (trotz Inflation da 10 Jahre später gebaut) billiger mit 2,1 Mrd. Dollar, die Kosten kommen auch durch die vielen neuen Experimente zustande. Im Allgemeinen ist der identische Nachbau einer Sonde für weniger als die Hälfte des ersten Exemplars zu haben. Die Rückkehrstufe ist dagegen einfacher aufgebaut. Sie besteht im Prinzip nur aus zwei Raketenstufen, einer kleinen Kapsel und Avionik. Sie müsste für den Preis einer Mittelklasse-Raumsonde zu haben sein. Ich würde 800 Mill. Dollar für das erste Exemplar und 400 Millionen für das nächste ansetzen. Dazu käme noch der Start (beim Rover schon mit drin). So sähe meine Gegenrechnung aus:


Unbemannt

Artemis

Erste Mission

3100 Mill. Dollar

3000 + Mill. Dollar (alleine 2000 für SLS)

Folgemission

2000 Mill. Dollar

3000

Entwicklungskosten

Oben mit enthalten

20.000 bis 30.000 Mill. Dollar

In der Summe erhält man die nicht ganz neue Weisheit, das wenn man etwas bemannt durchführt, es erheblich teurer ist als unbemannt (auch für CCDeV gab die NASA mehr als zehnmal so viel Geld für COTS aus). Einen Unterschied vom Faktor 10 für das Gesamtprogramm würde ich auch hier ansetzen. Klar man hat dann noch hübsche Bilder von herumführenden Astronauten. Aber Apollo lehrt auch: die sind nur beim ersten Mal interessant, dann verschwindet das Publikumsinteresse rasch und die NASA strich daher die letzten drei Missionen, obwohl sie die Hardware dafür bezahlt hatte.

Aber das Problem ist ja das alte: „You get no bucks without Buck Roger“. Sprich: Die Politik ist gerne bereit Milliarden für ein bemanntes Programm auszugeben, aber nicht einen Bruchteil der Summe für ein unbemanntes Programm, das dasselbe leistet. Man muss sich nur ansehen, was die NASA seit Ende des Apollo-Programms für Mondmissionen durchführten – da hat inzwischen sie sogar China überholt, obwohl die erst 2007 mit ihrer ersten Mission begannen.

12.12.2019: Gedanken zum Weihnachtsrummel

Es sind noch 12 Tage bis Weihnachten. Und schon jetzt geht mir der Rummel auf den Senkel. Zeit für einen Blog bei dem ich mich bei meinen Bloglesern „beliebt“ mache. Um es vorwegzusagen: ich bin nicht religiös. Ich habe Respekt vor jedem, der es ist. Nur was derzeit los ist, hat nichts mir Religion zu tun. Rund um Weihnachten haben sich Bräuche eingebürgert, die weil sie übertrieben werden, nach kurzer Zeit einfach nur nerven.

Das geht mit der Musik im Radio los. Nun werden natürlich „Weihnachtslieder“ gespielt. Die Anführungszeichen zeigen gleich: es sind keine echten Weihnachtslieder. Es sind einfach nur Pop-Songs die irgendwie einen Bezug zu Weihnachten haben. Ab und zu ganz okay, aber in der Summe eben kaum zu ertragen. Vor allem wenn das Lied so nervig ist, wie „Rudolph the Red Nosed Reindeer“. Wenn nun jemand meint: das gehört zu Christfest dazu dann meine Gegenfragen: Warum hört das mit den Liedern genau an Weihnachten auf? Als Kind musste ich Weihnachtslieder nur an Weihnachten singen und auch in der Kirche gibt es die Weihnachtslieder erst an Weihnachten. Im Radio immer vorher, aber nie an Weihnachten. Und wenn es dazugehört, warum wird nie auch nur ein deutsches Lied gespielt? Es gibt ja etliche deutsche Weihnachtslieder, nur eben keine Popsongs. Wahrscheinlich, weil man dann den Text verstehen würde. Das erfolgreichste deutsche Weihnachtslied ist übrigens „Oh Tannenbaum“. Das ist nicht nur ein Weihnachtslied, sondern eine Hymne. Und zwar der US-Bundesstaaten Maryland, Michigan, Iowa und Florida, Hymne der internationalen Arbeiterbewegung und englischen Labour Party sowie Hymne für das Nankai Gymnasium/Universität und von FC Chelsea. Besonders nervig finde ich auch die gesungene Werbung zur Melodie von Leidern wie von ALDI oder dem Optiker Binder.

Weihnachten wird auch immer früher – zumindest im Supermarkt. Vor etwa 10 Jahren gab es die ersten Lebkuchen Ende September zu kaufen, nun schon Mitte September. Ebenso rückt Verkauf von Osterleckereien (da nur Schokolade) immer weiter nach vorne. Ich denke ich werde es noch erleben, wenn nach Weihnachten gleich die Ostersachen ins Regal eingeräumt werden. Die Vorweihnachtszeit beginnt für mich am 1. Advent. Kann man nicht bis dahin warten, bis man das anbietet? Vor allem ist was es gibt, ja Gebäck das weniger einen Bezug zu Weihnachten hat, als vielmehr zu unseren veränderten Essgewohnheiten im Winter. Im Winter geht auch eher Schokoladen- oder Haselnusseis anstatt Erdbeere- und Heidelbeereis und bestimmte Gewürze, die man in Lebkuchen findet, wie Zimt, passen eben gut zu unseren Vorlieben im Winter. Meiner Ansicht nach sind Lebkuchen ein Wintergebäck, kein Weihnachtsgebäck. Man hat nur deswegen von Lebkuchen und Co die Nase voll, weil man in den Wochen vorher so viel davon isst. Ich habe mich davon abgeseilt. Ich fing an vor einigen Jahren wieder an, selbst Gebäck zu machen, als ich mir Vanillekipferl kaufte und die mir nicht schmeckten. Aber man darf es nicht übertreiben. Ich habe jetzt noch eine halbe Dose, die ist vor Weihnachten leer und dann ist erst mal Ruhe. Nach einigen Wochen habe ich wieder Lust auf Kipferl und mache neue und dann eben wieder Pause. Das Spiel setzt sich fort, bis es im März zu warm für diese Art von Gebäck wird. Genauso könnten die Supermärkte die ganzen Weihnachtsnaschereien den ganzen Winter über anbieten aber eben im normalen Sortiment, nicht als riesen Haufen direkt vor der Kasse und im Winter, nicht schon im Herbst.

Gehört zu Weihnachten ein Tannenbaum? Eigentlich nicht, der Brauch ist sogar relativ jung und außerhalb Deutschlands hat er sich erst seit rund 100 Jahren verbreitet. Das Beleuchten ist da schon ein älterer Brauch. Den Weihnachten ist nicht am 24.12., weil man so genau weiß, wann Christus geboren wurde. (Man kennt nicht mal das Geburtsjahr genau), sondern weil man um die heidnischen Religionen in den germanischen Ländern zu integrieren, es auf dieses Datum legte und dann noch etwas von den Feierlichkeiten übernahm, die es vorher gab. Die Germanen feierten um den kürzesten Tag des Jahres herum, das es von nun an jeden Tag länger hell ist. Die Feierlichkeiten hießen je nach Region Sonnenwendfeier oder Lichterfest. Gemeinsam war, dass man Feuer machte, Strohpuppen verbrannte, oder brennende Strohrollen den Hügel herunterrollte. Als jemand der immer noch eine leichte Winterdepression hat, kann ich diese Feste gut verstehen. Aber zurück zum Weihnachtsbaum: Welcher soll es sein? Muss es einer sein? Die Frage war auch ein Thema im Radio und es gab von den Hörern die verschiedensten Antworten. Von „wegen einiger Tage soll man keinen Baum fällen“ über den Plastikweihnachtsbaum bis hin zu „Bei uns steht er bis März“. Es gibt zumindest eine ökologisch sinnvolle Antwort: Ein Plastikweihnachtsbaum benötigt so viel Energie bei der Herstellung, das er sich erst nach 17 bis 19 Jahren rentiert. So lange sind die aber meist nicht im Einsatz. Die normalen Weihnachtsbäume stammen aus Plantagen, die genauso bewirtschaftet werden wie sonst die Landwirtschaft, inklusive Pestizideinsatz. Sinnvoll sind Öko-Weihnachtsbäume. Die stammen aus nachhaltiger Wirtschaft bei der Schafe das Gras abweiden. Daneben gibt es auch Weihnachtsbäume, die muss man schlagen. Stromtrassen, die durch Wald führen, müssen frei bleiben. Viele Förster bepflanzen diese Trassen mit Tannen, die dann als Weihnachtsbäume enden. Sie müssen sowieso gefällt werden, bevor sie zu hoch sind. Aus eigener Erfahrung rate ich von einem ab: einem „normalen“ Baum. Ich kaufte eine Blautanne mit Ballen 1989. Die ersten beiden Jahre war sie noch im Kübel und klein (anfangs 90 cm hoch). Dann kam sie in den Garten und nach wenigen Jahren brauchte ich eine Leiter für das Aufhängen der Lichter. Danach wurde sie nicht mehr beleuchtet, weil ich nicht mehr an die Spitze herankam und 2004 hatte unsere Kirche den schönsten Weihnachtsbaum, den sie jemals hatte – die Tanne war inzwischen so groß wie unser Haus und ragte bis an die Hauswand, sodass wir sie sowieso fällen mussten.

Der einzige Brauch zu Weihnachten ist es etwas zu schenken. Schlussendlich kamen ja schon die Heilligen drei Könige mit Geschenken. Nicht nur an die Familie, sondern auch andere. So flattern denn auch um Weihnachten die meisten Aufrufe von Organisationen zu Spenden ins Haus. Paketboten haben besonders viel zu tun, weshalb ich drei Wochen vor Weihnachten nichts mehr bestelle und als am Dienstag mein Stammbote mir das letzte Paket für dieses Jahr brachte, hat er auch ein Trinkgeld bekommen, so habe ich Schenken und Stressvermeidung bei anderen kombiniert. Schenken und Gutes tun ist an und für sich immer sinnvoll, daher hebe ich mir immer eine Überweisung auf und die fülle ich dann irgendwann im Frühjahr aus. Mein Geschenk dieses Jahr geht aber an die Natur. Ein weiteres Thema war im Radio die Frage, ob man Vögel im Winter füttern sollte. Die Experten waren sich uneins. Einer war für das Füttern übers ganze Jahr, weil der Mensch den Vögeln ihre Nahrungsgrundlage entziehe und es zu wenig Insekten gäbe, der andere für Zufütterung, wenn es richtig kalt wird. Faustregel: sobald es Frost gibt. Ich habe gelernt, dass ich mit meinem Garten, bei dem kein Laub gerechnet oder gar geblasen wird und dieses Jahr auch mit viel Fallobst (die Äpfelbäume hatten so wenige Äpfel, das ich sie gar nicht erst abgeerntet habe) schon einiges für die Vögel getan habe. Gestern sah ich auch das ein Amselpaar sich in einer Fichte einen Nistplatz eingerichtet haben. Aber ich habe nun auch angefangen zu füttern. Ein altes Vogelhäuschen fand ich noch, gestern habe ich es neu lackiert. Nur die Suche nach Vogelfutter gestaltete sich schwierig. Bei Aldi, Lidl und Bonus Fehlanzeige, erst bei Rossman fand ich welches. Die Elstern nahmen das auch an, bei den anderen Vögeln muss sich das wohl erst herumsprechen. Elstern sind aber auch sonst die Ersten, die sich auch gerne auf Katzenfutter stürzen, das meine Miezen verschmähen.

Der perverseste Weihnachtsbrauch ist aber der Weihnachtsbraten. Das Fest soll ja eigentlich die Geburt Jesu feiern. Für mich ist es ein Widerspruch, wenn man die Geburt eines Menschen feiert, indem man ein anderes Lebewesen tötet. In vielen Familien gibt es ja noch die Alibi-Veranstaltung des Essens zum Heilligen Abend das dann bewusst schmaler ist. Je nach Region Würste mit Kartofellsalat oder bei uns beliebt: Maultaschen, weil offensichtlich Gott ja nicht durch den Teig durchschauen kann …

Für mich selbst ist seit einigen Jahren Weihnachten fleischlos. Dieses Jahr gibt es wahrscheinlich am 24+26 Reisauflauf, das ist wegen der Auflaufform so viel, das ich es auf zweimal esse und am 25.sten wahrscheinlich Kässpätzle. Das fällt mir leicht, weil ich auch sonst fleischreduziert lebe und auch sonst gibt es Wochen ohne Fleisch und Wurst. Aber ich würde mich freuen, wenn ich den einen oder anderen Blogleser mal zum Nachdenken anrege. Es muss ja nicht ganz vegetarisch sein. Aber muss für den Weihnachtsbraten ein Tier sterben? Muss es also eine Ente, Huhn, Gans oder ein Hase sein? Klar muss für einen Schweine- oder Rinderbraten, Schnitzel oder ein Rumpsteak ein Tier sterben, doch das eben nicht nur für diesen einen Braten, sondern ein Schwein, Rind oder Kalb liefert eben genug Fleisch, um eine Person ein ganzes Jahr zu ernähren. Das ist ein bedeutender Unterschied. Und vielleicht denkt der Eine oder Andere mal darüber nach – weil Weihnachten ist, und an Weihnachten macht man doch Geschenke – auch sonst im Jahr dem einen oder anderen Tier das Leben zu schenken, indem er weniger Brathähnchen, Fischstäbchen oder ähnliches isst. Das wenige Fleisch, das ich esse, stammt bei mir seit Jahrzehnten nur von großen Tieren, also Schwein und Rind. Dazu gehört übrigens auch dass, wenn man Fleisch isst, das dann wenigstens richtig: besonders schlimm finde ich, wenn man dann auch noch Fleischreste in den Müll schmeißt. Dann ist das Tier sogar umsonst gestorben. Dann lieber weniger Fleisch zubereiten und das ganz essen. Stattdessen eben etwas mehr Beilage, oder noch einen Nachtisch, wenn man meint, es ist nicht genug.

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