Home Site Map Sonstige Aufsätze Weblog und Gequassel counter

Web Log Teil 581: 7.2.2020 - 9.2.2020

7.2.2020: Kemmerich, die FDP und AFD

Nun ist also das Debakel da – Kemmerich wurde in Thüringen mit Stimmen der AfD gewählt. Und natürlich hat jeder dazu etwas zu sagen, so auch ich.

Zuerst einmal – war das abzusehen? Ja es war abzusehen. Zum einen gibt es seit Langem Äußerungen der AFD, das sie mitregieren wollen, und sei es auch nur als Juniorpartner. Sowohl auf Bundesebene durch Gauland wie auch auf Landesebene, wo es etliche Angebote von Höcke gab eine Minderheitsregierung unter der CDU zu unterstützen. Das wurde bisher immer abgelehnt und zu Recht. Dann muss man aber auch damit rechnen, dass die AfD strategisch wählt und nicht ihren eigenen Kandidaten wählt, sondern eben Kemmerich. AfD Abgeordnete aus Thüringen sagten vor der Kamera auch mehr oder weniger Schadenfroh, das es geklappt habe Kemmerich zu überreden im dritten Wahlgang anzutreten. Denn die CDU hatte ja ihren Kandidaten im dritten Wahlgang zurückgezogen. Hätte sie einen eigenen Kandidaten gehabt, so wäre Ramelow im Amt bestätigt worden, da ja eine relative Mehrheit dann genügt.

Die FDP und Kemmerich muss sich fragen und zwar vor der Wahl, was für einen Sinn es macht wenn die kleinste Partei einen Kandidaten ins Rennen schickt. Natürlich ist das das Recht jeder Partei, doch sollte man vorher alle Konsequenzen bedenken, wenn man tatsächlich gewählt wird – mit wem will man koalieren? Wie will man eine Mehrheit zusammenbekommen? Wären die anderen Partner überhaupt zufrieden in einer Regierung zu sitzen, in der die kleinste Partei den Ministerpräsidenten stellt? Wenn man auf diese Fragen keine zufriedenstellenden Antworten hat, dann tritt man nicht an.

Die CDU muss sich ebenfalls die Frage gefallen lassen, warum sie im dritten Wahlgang ihren eigenen Mann zurückzieht und stattdessen Kemmerich wählt. Wäre ein CDU-Kandidat da gewesen, so wäre auf den mindestens eine Stimme (seine eigene) entfallen und diese Situation hätte es nicht gegeben. Wenn ich schon zurückziehe, warum enthalte ich mich nicht der Stimme? Es gibt ja einen demokratischen Konsens, das man sich nicht unnötigerweise das Leben schwer macht und die Regierung stellen kann die CDU ja in keinem Fall, außer sie will mit FDP und AfD koalieren.

Ich halte ja nicht viel von der FDP, aber sie schafft es immer wieder meine Negativerwartungen zu unterbieten. So gestern Lindner, der auf seiner Pressekonferenz sinngemäß sagte: „Wir teilen keine der Positionen der AFD, aber wenn die unseren Mann wählen, dann sind die Stimmen willkommen.". Nein, wenn einen die Falschen wählen, dann ist das nicht gut. Das ist wie Applaus von der falschen Seite. Genauso wie man sich zu 90 % drauf verlassen, kann das man auf dem Holzweg ist, wenn die AfD eine Position von einem lobt.

Zuletzt zu Kemmerich. Ich wünschte er hätte sich an das Wort seines Gurus Lindner erinnert: „Es ist besser nicht zu regieren als falsch zu regieren.“. Man muss keine Wahl annehmen. Er hätte einfach ablehnen können, dann wäre seine Wahl eine Politposse geblieben, hätte auch Schlagzeilen gemacht, aber er hätte bewiesen das die FDP es ernst meint, wenn sie sagt, das sie nicht mit der AFD zusammenarbeiten will. So aber hat er beweisen das die FDP (und ich denen das kann ich auch auf die anderen Parteien übertragen) korrumpierbar sind, wenn sie so an die Macht kommen können, aber dazu die AfD brauchen. Gewonnen hat er nichts. Denn wie will er bei den Mehrheitsverhältnissen eine stabile Regierung hinbekommen? Würde die CDU zufrieden sein, unter dem Juniorpartner in der Regierung zu sein? Entsprechend gab es kein Kabinett, Thüringen ist nun paretisch ohne Regierung. Natürlich fehlte es nicht an gegenseitigen Schuldzuschieben, so an Ramelow gerichtet, ohne neue Mehrheit hätte er ja geschäftsführend im Amt blieben können. Hallo? Ist die CDU nun völlig durchgekohlt? Den Wählerwillen einfach ignorieren und vier Jahre so weitermachen als gäbe es keine neue Wahl? Ist das euer Ernst oder übt ihr schon für 2021?

Wie soll es nun weitergehen? Es gibt natürlich die Forderungen nach Neuwahlen. Ich halte nichts davon, wenn Parteien sich nicht einigen können, neu zu wählen. Aber in der verfahrenen Situation, die alte Regierung ist nicht mehr im Amt, die neue hat keine Mehrheit ist es wirklich das Beste. Die zweite Alternative ist, dass die demokratischen Parteien sich noch mal zusammensetzen und eine mehrheitsfähige Regierung dabei herauskommt, vielleicht hat der AfD-Schock ja was bewirkt. Denn eines ist klar: wer sagt, dass er nicht von der AFD abhängig sein will, aber keine Mehrheit mit seinem Lieblingskoalitionspartner hinbekommt, ohne die AfD muss sich eben in anderer Weise politisch bewegen. Da müssen eben auch mal Linke mit der CDU zusammenarbeiten, ansonsten ist nicht nur die AFD nicht wählbar, sondern auch nicht die CDU, wenn die meint, sie müsse die Linken genauso kategorisch ausschließen, dann lebt sie im Wolkenkuckucksheim und ist nicht mehr wählbar: in Thüringen haben Linke und AFD zusammen 51 von 90 Sitzen, also die absolute Mehrheit. Man kann nicht regieren, ohne eine der beiden Parteien in der Regierung zu haben. Das ist rechnerisch unmöglich. Aber wenn Politiker gut in Mathe wären, dann hätten wir auch nicht eine so immense Staatsverschuldung...

7.2.2020: Der BASIC Interpreter

Ich habe mir heute mal vorgenommen, die Geschichte eines Teils der frühen Computer aufzurollen, das in vielen Geräten verbaut wurde, bei den Tests damals enorm wichtig war und das heute auch im Zechen von Reto Computing fast vergessen ist – der obligate BASIC Interpreter.

Wer zuerst kommt, setzt den Standard

Eng verknüpft mit BASIC ist die Geschichte von Micro-soft (den Bindestrich haben sie erst später gestrichen) deren erstes Produkt das Altair BASIC war. Als im Januar 1975 der Altair 8800 von der Zeitschrift „Popular Electronics“ angekündigt wird sehen Paul Allen und Bill Gates dies als die Chance an, ihren Traum umzusetzen. Sie rufen den Hersteller MITS an und bieten ihm an BASIC zu programmieren, das MITS dann mit ihrem Rechner verkaufen könnte. Sie waren wohl nicht die einzigen, aber die Einzigen, die es schließlich auch schafften. Da der Altair der erste Microcomputer ist, fällt damit auch eine Vorentscheidung, nämlich welche Programmiersprache auf diesen Rechnern laufen soll. Warum hat sich Bill Gates für BASIC interessiert? Nun ich denke, es waren zwei Gründe. Zum einen ist BASIC eine Programmiersprache, die sehr kompakt ist. Der Altair kam in der Basisausführung mit nur 256 Byte RAM. BASIC benötigte mindestens eine 4 KByte Speichererweiterung für das Minimalbasic und 8 KByte für das normale BASIC, das auch mit Fließkommazahlen rechnen konnte und mehr Befehle hatte. Verkauft wurden die Speichererweiterungen auch im Bundle mit BASIC und einem ziemlichen Rabatt – 60 Dollar für BASIC, das sonst einzeln 175 Dollar kostete. Das Zweite war das BASIC als Lehrsprache konzipiert wurde. Die Sprache ist ziemlich einfach, die Einstiegshürden für jemand der von Computern keine Ahnung hat, sind relativ gering. Man muss eigentlich nur wissen das BASIC in Zeilen organisiert ist und es nur drei Typen von Variablen gibt, die man mit den Sodnerzeichen %,! und § kennzeichnet. Bei Pascal ist mit den vielen Typen, dem Blockkonzept und dem Konzept von Prozeduren und Funktionen mit Parametern, Rückgabewert und lokalen Variablen die Einstiegshürde erheblich größer, bei vielen anderen Sprachen auch. Hinsichtlich des Speicherplatzverbrauchs wäre Foth noch eine Alternative gewesen. Allerdings ist bei Forth die Einstiegshürde deutlich größer, man muss sich das Konzept des Stapels und der umgekehrten polnischen Notation für mathematische Ausdrücke aneignen, beides Kernelemente von Forth. Forth war dann auch noch in den Achtzigern populär und es gab sogar einen Computer, den Jupiter Ace, der Forth anstatt BASIC im ROM hatte. BASIC war aber populärer, auf Minicomputern verbreitet, und schon damals programmierte man damit Spiele. Der erste Bestseller unter den Computerbüchern war „101 BASIC Computer Games“ aus dem Jahre 1973 (die Spiele waren natürlich alle textbasiert und damals tippte man wirklich Listings aus Zeitschriften oder Büchern ab).,

Damit war ein Standard gesetzt und wer einen BASIC Interpreter brauchte, wandte sich an Microsoft. Der Version für 8080 folgten weitere für andere Prozessoren. „Microsoft-BASIC“ wurde sogar zu einem Standard. Nicht unbedingt für Komfort oder Geschwindigkeit, als vielmehr dafür, dass Programme leicht portiert werden konnten. Denn obwohl BASIC standardisiert war, war es so, das viele Hersteller ihr eigenes Süppchen kochten. Klar war das im Standard Befehle fehlten die Grafik oder Sound betrafen, aber auch die Standardausgabemöglichkeiten in Textform waren bescheiden. Diese wurden mit jeweils eigenen Befehlen erweitert. Eine Funktion zum Abfragen eines einzelnen Buchstabens konnte inkey, key$ oder readkey heißen. Aber auch die Syntax von Standardbefehlen war dehnbar. Mal heiß es GOTO, mal GO TO. Einige Dialekte verlangten ein LET für eine Variablenzuweisung andere nicht. Daneben gab es noch zahlreiche Details in der Implementierung z.B., wie viele Zeichen eine Variable umfassen dürfte (bei manchen Dialekten nur zwei). So gab es in Zeitschriften ganze Listen welches Kommando auf welchem Rechnern verfügbar war und wie es dort hieß oder was es machte.

Ready

Die Blütezeit von BASIC begann mit der zweiten Generation von Minicomputern. Die erste Generation wie der Altair war nicht viel mehr als die CPU mit etwas RAM. Alles andere musste man dazukaufen, von der Tastatur über einen Lochkartenleser bis hin zu einer Karte um auf dem Monitor überhaupt etwas darstellen zu können – die Standardein/-ausgabe beim Altair erfolgte mit einem Fernschreiber. Ab 1977 erschienen Rechner, die standardmäßig einen Fernseher oder Monitoranschluss hatten, eine Tastatur und die auf Kassette speichern konnten wie der Apple II, Tandy TRS 80 oder Commodore Pet. Wenig später kamen noch die Diskettenlaufwerke dazu und man hatte eine Kombination, die für über ein Jahrzehnt Bestand hatte. Alle diese Rechner hatten nun einen BASIC-Interpreter im ROM, damit war er direkt nach dem Einschalten verfügbar und begrüßte einen mit einem „Ready“. Warum BASIC? Weil BASIC zugleich das Betriebssystem war und das Betriebssystem war wegen der Zeilenorientierung von BASIC ganz einfach. Da eine Zeile eine Einheit ist, musste das Betriebssystem nur eine Zeile editieren können. Es war kein Bildschirmeditor nötig, der ja sonst schon fast eine Textverarbeitung ersetzt hätte. Auch die gesamte Ein-/Ausgabe geschah durch BASIC Kommandos sei es zum Drucker (LPRINT) oder Kassettenrekorder (SAVE/LOAD). Damit sparte man sich das Betriebssystem ein.

Zeitgleich begann sich eine zweite Linie zu etablieren, bei denen die Geräte schon mit Floppys ausgeliefert wurden und dann auf einer Diskette das Betriebssystem, damals vor allem CP/M untergebracht war. Das ROM enthielt dann nur die Routinen um die Hardware anzusprechen und ein Bootprogramm, das nach dem Einschalten den ersten Sektor der Diskette lass und das dort befindliche Programm ausführte, das dann das Betriebssystem lud. Diese Systeme hatten kein BASIC, doch sie konnten es auch laufen lassen, wenn man einen, BASIC Interpreter als Programm in den Arbeitsspeicher lud. Einige Anbieter wie Digital Research nutzen dies und brachten ein BASIC heraus, das ganz auf Zeilennummern verzichtete. Neu ist das nicht, das gab es schon bei den Minicomputern.

Ich würde sagen die folgenden Jahre waren die Hochzeit von BASIC. De Faktor konnte man mit diesen „Heimcomputern“, so hießen sie damals, nicht viel mehr machen als in BASIC programmieren. Für die Programme reichte auch ein Kassettenrekorder als Medium aus. Die Rechner hatten wenig RAM und um dieses einzusparen, waren sie meist auch nicht grafikfähig (in dem Sinne, dass man beliebige Grafiken und keine Blockzeichengrafik erstellen konnte). Eine Ausnahme in der Grafikfähigkeit war der Apple II, der aber auch preislich eher bei den PCs lag, mit denen man arbeitete.

Zocken statt programmieren

Meiner Ansicht nach wendete sich das ab 1982/83. Nach wie vor – und das noch für weitere Jahre - wurden die Rechner mit einem BASIC Interpreter ausgeliefert. Das ROM wurde sogar immer größer, es kamen immer mehr Befehle hinzu. Man blieb aber bei dem System mit Zeilennummern. Ab 1982 tauchten aber die ersten Geräte auf die 32 KByte oder mehr Speicher hatten und nun konnte man einen größeren Bereich davon nur für die Bildschirmdarstellung opfern. Es begann die Ära der grafikfähigen Heimcomputer. Die konnte man zwar auch in BASIC programmieren. Doch bald kauften die meisten sie wegen etwas anderes – Spielen. Die Rechner hatten eine höhere Leistung als die damals aktuellen Videospielkonsolen, noch dazu mehr Speicher. Es erschienen immer mehr Speile in immer besserer Qualität und diese waren – ohne dass man Lizenzen an Atari & Co zahlen musste und mit billigen Kompaktkassetten als Medium anstatt ROM billiger als deren Spiele. Es kam sogar zum Video Game Crash der Atari an den Rand der Insolvenz brachte. Viele Jugendliche – die ja technikaffiner als Erwachsene sind und mehr spielen, leierten ihren Eltern die Kohle für einen Computer aus dem Portemonnaie. Azur dem Rechner wurde dann gezockt und auf dem Schulhof Spiele getauscht. Der BASIC-Interpreter mag noch da gewesen sein., sein Nutzen beschränkte sich aber darauf, ein Spiel von Kassette zu laden. Das dies nicht aus der Luft gegriffen ist sieht man bei vielen Rechnern dieser Zeit am Missverhältnis der verkauften Rechner und Floppies, die man, wenn man wirklich ernsthaft programmierte, brauchte – schließlich müssen ja auch Daten verarbeitet und dann geladen oder gespeichert werden. Beim Sinclair Spectrum wurden nur 15 % der Geräte mit Floppys verkauft.

Daneben sanken die Preise der Rechner, die man für "echte" Anwendungen brauchte wie CP/M Rechner oder später IBM Kompatible weiter. Dort konnte man mit mehr Speicher und einem echten Betriebssystem dann aber jede Programmiersprache lernen und war nicht auf BASIC festgelegt.

Ab Mitte der Achtziger Jahre kamen dann die ersten 16 Bit Heimcomputer auf den Markt der Sinclair QL, Atari ST und Amiga. Sie leiteten über in die heutige Ära. Sie hatten nun eine grafische Oberfläche und waren mehr mit einem PC vergleichbar. Auf ihnen arbeitete man kreativ (vor allem auf dem Amiga) oder schrieb Texte. BASIC Interpreter waren nicht mehr an Bord oder mussten von Diskette geladen werden. Die 8 Bit Rechner mit BASIC wurden noch lange produziert – C64, Spectrum und die CPC-Serie bis in die frühen Neunziger, aber sie waren jetzt eben die Einstiegsspielkonsolen.

END

Bei den „echten“ PC, mit einem von der Diskette geladenen Betriebssystem, hat sich BASIC nie so durchsetzen können. Zuerst mal waren die PCs teurer. Wer einen solchen Computer kaufte, wollte ihn ernsthaft nutzen, er war teuer genug. Dann ist man aber auch eher bereit gleich eine richtige Programmiersprache zu lernen, mit mehr Möglichkeiten und weniger Fehlermöglichkeiten wie Pascal oder C. Zum anderen gab es auch für diese Rechner lange Zeit nur BASIC Interpreter. Neben dem Geschwindigkeitsnachteil – ein interpretiertes Programm ist immer langsamer als ein Kompiliertes – musste man so den Quellcode mit ausliefern, ein No-Go für professionelle Softwarentwicklung. Erst relativ spät erschienen BASIC Compiler, die dann auch die Hauptnachteile von BASIC beseitigten, wie die unübersichtliche Programmstruktur mit GOTO / GOSUB, die fehlende Überprüfung nicht verwendeter Variablen (meist Tippfehler) und das Fehlen von lokalen Variablen, Parametern, Funktionen und bis auf die For Schleife die meisten Kontrollstrukturen. Bis dahin hatten sich die meisten, die ernsthaft programmieren wollten, aber anderen Sprachen zugewandt.

Kenemy und Kurtz, die Erfinder von BASIC waren übrigens sehr unglücklich über BASIC und vertraten in Interviews die Ansicht, das Microsoft mit ihrem Interpreter der als Standard erhoben wurde, den Ruf von BASIC nachhaltig geschädigt hatte. Sie gründeten 1982 die Firma TrueBASIC und brachten 1983 auch einen gleichnamiges BASIC heraus, das sich völlig von der Zeilenstruktur löste, wie auch zahlreiche Interpreter der 16 Bit Ära wie GFA BASIC oder Superbasic. Aber das war eben eine Anwendung für den PC und sie änderte nichts an der Praxis das Heimcomputer nach wie vor mit einem zeilenorientierten BASIC ausgeliefert wurden. Einen anderen Weg ging Gary Kildall der ebenfalls BASIC für völlig ungeeignet hielt um damit programmieren zu lernen. Er schuf eine auf CP/M Rechnern einsetzbare Version der Programmiersprache Logo die für Kinder gedacht ist. Sie bietet zum einen schnelle Erfolge durch die „Turtle Graphic“ zum anderen ist Logo eine durchaus anspruchsvolle Sprache mit Funktionen und Rekursion als prägendes Stilmittel. Beide Ansätze konnten sich aber nicht durchsetzen.

IF BASIC<>Zeilenorientiert then

Ich habe mir Gedanken gemacht, wie die Story wohl weiter gegangen wäre, wenn man ein solches BASIC in ein ROM in einen der Heimcomputer mit 32 oder mehr RAM gepackt hätte. Turbo Pascal als Pascal Compiler mit mehr Fähigkeiten als BASIC passt in 32 KByte inklusive Bildschirmeditor. Ein nicht zeilenorientiertes BASIC ist fast zwangsläufig auch ein kompiliertes. Damit verbindet man die Einfachheit von BASIC mit den Möglichleiten anderer prozeduraler Programmiersprachen, wie man sie für größere Programme benötigt. Zudem ist so der umstieg auf diese Sprachen wie Pascal, Algol oder C einfacher. Dann ergibt sich aber ein Problem: da der Speicher der Rechner immer noch klein war, wird man nicht gleichzeitig Quellcode und Programm im Speicher haben, sondern wird wie bei anderen Compilern ein Binärfile erzeugen, das man abspeichern muss. Damit benötigt ein solches System ein Floppy. Die hebt den Preis für eine Einstiegskonfiguration aber auf das doppelte an. So gab es das, auch erst als die erwähnten 16 Bit Heimcomputer erschienen, die ohne Massenspeicher nicht arbeiten konnten. Daneben – und das schrieb ich ja – wollten wohl die meisten Käufer gar keinen Heimcomputer, sondern eine Spielkonsole. Da ist es dann Wurst, welche Fähigkeiten der BASIC-Interpreter hat, man muss nur mal die Kommentare zu meinem C64 Artikel von C64 Fans lesen und man ahnt das kaum einer von ihnen auf dem Rechner programmiert hat. So denke ich hätte sich wohl nichts geändert.

8.2.2020: Sir Clive Sinclair und die Computer

Ich habe letzte Woche einen neuen Artikel über den Sinclair ZX Spectrum und QL geschrieben und veröffentlicht. Zur Recherche sah ich auch den Film „Micro Men“, der Titel ist angelehnt an das Adventure Micro Man für den Spectrum. Er hat zum Thema den Aufstieg und Fall von Sinclair Research in der ersten Hälfte der Achtziger und die Konkurrenz von Christopher Curry der später Acorn mitgründete. Er dreht sich vor allem um den BBC Mikro Vertrag. In dem Film wird Clive Sinclair als ziemlich aufbrausserisch dargestellt und bei seinen Produkten fokussiert auf einen niedrigen Preis.

Ich habe über Sinclair schon einen Artikel auf der Website und ich habe mich für mein Buch über Computergeschichte nochmals näher mit ihm befasst. Von allen Porträtierten blieb er mir immer am fernsten. Ich fand kaum Interviews von ihm und Äußerungen anderer über ihn. Man konnte ihn dagegen mehr über seine Produkte charakterisieren als andere Computerpioniere.

Für alle, die sich mit der Computergeschichte befassen: Clive Sinclair hat schon vor den Computern Elektronik entwickelt wie miniaturisierte Radios, einen flachen Taschenrechner oder eine LED-Uhr. Ins Computerbusiness stieg er 1980 ein, mit dem ZX80. Der war der billigste Computer bis dahin. Sinclair gab seinen Ingenieuren vor, das er für weniger als 100 Pfund, das waren damals rund 498 Mark produziert werden sollte. Dem wurde alles untergeordnet. Das RAM war nur 1 Kilobyte groß – damit konnte man kaum was anfangen, die Tastatur war nur eine Folientastatur, die Ausbaumöglichkeiten minimal. Ein Jahr später folgte die aktualisierte Version ZX81. Sie hatte dieselben Nachteile, nur wurden 16 TTL-Bausteine in ein ULA zusammengefasst. Erneut ein Jahr später, erschien der ZX Spectrum, ursprünglich unter der Bezeichnung ZX 82. Er wurde entwickelt, um bei einer Ausschreibung der BBC mitbieten zu können. Damals ohne Privatfernsehen, war die geplante Fernsehserie der BBC mit der Computerkenntnisse und das Programmieren vermittelt werden sollten für jeden Computerproduzenten wichtig: sie garantierte eine enorme Aufmerksamkeit und so auch eine Nachfrage nach diesem in der Serie eingesetzten Computer, darüber hinaus würden später die Computerkurse in den Schulen den Rechner einsetzen. Sinclair unterlag in der Ausschreibung dem Acorn. Dem kommerziellen Erfolg des Spectrum tat das keinen Abbruch, denn er kostete nur die Hälfte des Acorn, der später nur „BBC Micro“ genannt wurde. Erneut, wieder nur ein Jahr später, erschien der Sinclair Ql. Gegenüber den vorherigen Rechnern, die nur eine Z80 CPU hatten, setzte er die 68008 CPU ein. Der QL war der erste bezahlbare 16 Bit Rechner mit dieser CPU und das mehr als ein Jahr vor dem Atari ST und Amiga (und trotzdem billiger als diese). Trotzdem geriet die Firma mit diesem Rechner in die Schieflage. Innerhalb eines Jahres wurden nur 150.000 Sinclair QL verkauft, die Produktion eingestellt. Sinclair Research schrieb rote Zahlen und wurde an Amstrad verkauft. Soweit die kurze Geschichte von Sinclair Research, übrigens nicht die einzige Firma die Clive Sinclair gründete und mit der er Schiffbruch erlitt.

Was bei allen "Erfindungen" von ihm auffällt, sind drei Aspekte:

Die Anführungszeichen um „Erfindungen“ erkläre ich später. Fangen wir mit dem Ersten an. Nicht nur die Computer waren relativ klein. Bei den ersten drei gab es nicht mal Platz für eine vollwertige Tastatur, die etwa 60 Tasten benötigt. Als Folge waren Tasten bis zu siebenfach belegt. Sinclair hatte vorher auch einen Minifernseher erfunden, ein Radio, das man am Handgelenk tragen konnte und einen extrem flachen Taschenrechner. Es scheint als wäre das seine Handschrift oder seine Mannie. Nun ist das bei Computern, wo man auch noch Schnittstellen und eine Tastatur unterbringen, muss eher schlecht, abgesetzte Tastaturen gab es in der Preisklasse ja nicht. Besonders klein mussten sie auch nicht sein, sie mussten ja nicht portabel sein und benötigten einen Fernseher für den Anschluss, der ein vielfaches wog und viel größer war.

Die Ausrichtung auf den minimalen Preis ist eine zweite Sache. Irgendwo muss ja gespart werden. Nach der Serie und Augenzeugen soll er als Preisziel für den ZX80 99 Pfund ausgerufen haben. Er meinte, wenn der Computer unter 100 Pfund kostet, dann kaufen ihn die Leute, ohne zu fragen, wofür er gut ist. Wir kennen das ja mit den „99“ Endziffern, die einem suggerieren, dass etwas billiger ist weil die erste Stelle dann um eins niedriger ausfällt. Bei „99“ fällt sie sogar ganz weg. Er behielt aber recht. In der Zeit kannte keine Privatperson einen Computer. Man wusste nicht, was man damit machen konnte und wofür das Gerät gut war oder wie dieses “Programmieren“ überhaupt ging. Geschweige denn das die Leute die Fachbegriffe wie MHz, RAM, ROM kannten und sie einordnen können (sind 1 Kilobyte Speicher viel oder wenig?). Kann man den ZX80/81 noch verbuchen unter „Computer, mit dem man erste Erfahrungen machen kann, um zu wissen, was der nächste Computer dann wirklich können muss“, so war das beim Spectrum schon eine andere Sache. Der schickte sich an mit den vielen anderen Heimcomputern, die grafikfähig waren, in Konkurrenz zu treten, als er im April 1982 erschien, war sein Arbeitsspeicherausbau auf 48 K schon was Besonderes. Aber auch hier: Minimalismus mit Gummitastatur, gewöhnungsbedürftiger Trennung von Bitmap und Farbspeicher um Speicherplatz zu sparen, fehlenden Schnittstellen. Beim Sinclair QL setzt sich das fort. Einerseits ein 68000-er Prozessor, auf der anderen Seite keine echte Schreibmaschinentastatur sondern eine aufgemotzte Folientastatur und keine Anschlüsse für Floppys stattdessen Mikrodrives. Das waren Bandlaufwerke, die man schon beim Spectrum einführte – übrigens 18 Monate später als angekündigt und die sich anfangs als äußerst unzuverlässig erweisen, von den Beschränkungen im Zugriff (kein wahlfreier Zugriff, neue Inhalte können alte überschreiben) mal ganz zu schweigen. Dies war sicher ein Grund, warum der Ql nicht der Verkaufsschlager war, den sich Sinclair erhoffte.

Bleiben die Qualitätsmängel. Bei allen Computern von Sinclair findet man, wenn man sich näher beschäftigt, Qualitätsmängel. Beim ZX81 sprachen britische Händler von Rücklaufquoten von einem Drittel, was Sinclair Research selbst dann dementierte und von 3-4 % bei den Fertiggeräten und 13 % bei den Bausätzen sprach. Als der Spectrum+ erschien, mit etwas besserer Tastatur, wenngleich immer noch keine Schreibmaschinentastatur, schnellte auch die Rückläuferquote von 5-6 % auf 30 % herauf. Selbst offizielle 3-6 % sind enorm viel, vor allem wenn man bedenkt, dass diese Rechner elektronisch und mechanisch relativeinfach aufgebaut waren. Die Qualitätsmängel zogen sich bei der Peripherie fort. Die Microdrives habe ich schon erwähnt (selbst das Handbuch warnt, dass das Band nicht lange hält), bei den Erweiterungen war es oft so, dass sie sich vom Bus lösten und so einen Reset verursachten. Das Paradebeispiel für ein Sinclair Produkt mit Qualitätsmängeln war die Black Watch. Nach Werbung jeder mechanischen Uhr überlegen, da nur elektronische Teile vorhanden waren die sich nicht bewegten mit einer Batterielebensdauer von einem Jahr. In der Realität ging die Uhr bei leichten Temperaturschwankungen schon falsch und die Batterie (die nicht vom Anwender wechselbar war) hielt eher 10 Tage durch. Sie war extrem empfindlich für statische Elektrizität. Sinclair erhielt so viele Rückläufe, das noch zwei Jahre später nicht alle repariert waren und die Uhr brachte Sinclair Radionics in die Verlustzone. Ohne einen Kredit von der Regierung wäre die Firma bankrottgegangen.

Kann ich die ersten Punkte noch verstehen, so wundere ich mich, das die Ingenieure oder auch Clive Sinclair selbst nicht mehr auf die Qualität achteten. Das erzeugt nicht nur Kosten für die Reparatur, sondern so was spricht sich rum und kann ein Produkt vom Markt fegen. Stephen Wozniak schreibt in seiner Autobiografie, das er sehr viel Wert darauf legte, dass der Apple II sehr zuverlässig war und vermeldet stolz das ein heute bei ebay gekaufter Apple II immer noch funktioniert.

Nun zu den Anführungszeichen. Clive Sinclair war nicht der Erfinder, als den er sich gerne selbst darstellte. Er war vielmehr Ideengeber. Er hatte eine Idee, von der er meinte, dass Sie erfolgreich sein konnte und er beauftragte seine Ingenieure, sie umzusetzen. Sicher redete er beim Produkt noch mit, aber er ist in der Rolle eher vergleichbar Steve Jobs oder Jack Tramiel. Ich glaube aber auch das er ziemlich ungeduldig ist. Vielleicht eine Folge des Ersteren: Ideen kann ich viele haben, doch sie in ein Produkt umzusetzen, braucht Zeit. Das ist viel Arbeit. Zwischen der Markteinführung des Z80 und Sinclair QL liegen nur vier Jahre. In diesen vier Jahren hat Sinclair Research drei neue Computer auf den Markt gebracht, also praktisch jedes Jahr einen neuen. Es ist klar, das dies keine ausgereiften Produkte sein konnten. Bei Commodore lagen zwischen dem VC20 und C128 (mit nur dem C64 als Zwischenglied) dagegen fünf Jahre. Schneller als die Konkurrenz zu sein war wohl wichtiger als ein ausgereiftes Produkt. Dafür spricht auch das er den Sinclair QL am 12.1.1984 ankündigt mit einer Lieferzeit von 28 Tagen, die ersten Rechner aber am 30.4. die Fabrik verlassen.

Ich habe auch das Gefühl, das Clive Sinclair nie mit den Rechnern gearbeitet hat. Der Spectrum wurde beworben um damit Programmieren zu lernen, ja sogar als „Personal Computer“. Eines ist verbürgt: Clive Sinclair wollte nicht, dass man mit dem Spectrum spielt und so hatte der Rechner auch keinen Gameport Anschluss, der sonst bei jedem anderen Computer verbaut war, selbst bei denen von Commodore, bei denen sonst kein anderer Anschluss gängigen Normen entsprach. Die Tragik: Aufgrund des günstigen Preises und der miserablen Tastatur wurde der ZX Spectrum hauptsächlich gekauft, um damit zu spielen. Gerade deswegen verkaufte er sich ja so gut. Ein Journalist meint, dass Clive Sinclair nur Computer entwickelte, und verkaufte, um seine anderen Erfindungen zu finanzieren – nach den Computern vor allem das Elektrofahrzeug C5, ebenfalls ein völliger Flop. Er meinte auch, das Clive Sinclair ein miserabler Geschäftsmann war, in dem Sinne, das er keine Ahnung hatte warum die Leute seine Produkte kauften. Das führte zu Produkten die an den Bedürfnissen der Anwender vorbeigingen wie dem Sinclair QL oder 7 Millionen Pfund teuren einer Werbekampagne für das offene (ohne Verdeck) C5-Elektroauto in England im Januar! Das war schlussendlich auch verantwortlich warum er mit den beiden Produkten enorm viel Geld versenkte und zwei Firmen in den Ruin trieb.

Sinclair blieb auch weiterhin aktiv. Nun aber auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Er brachte noch einen Computer heraus, den Z88 Handheld. Er konzentrierte sich aber mehr auf andere Produkte wie Mobiltelefone, Satellitenreceiver oder ein faltbares Fahrrad. 1990, vier Jahre nachdem er die rechte an den Computern an Amstrad verkauft hatte, hatte Sinclair Research nur noch zwei Angestellte, 1997 war Clive Sinclair alleine. Immerhin: 1983 in der Hochzeit des Erfolgs bekam er einen Ehrendoktor und wurde von der Queen geadelt (wegen der Einnahmen für das Königreich) und darf sich seitdem Sir Clive Sinclair nennen.

9.2.2020: Der Kassettenrekorder und die Heimcomputer

Was den typischen „Heimcomputer“ der Achtziger Jahre auszeichnet, war das er ohne viel Peripherie auskam. Sicher, man konnte die meisten um einen Drucker, Monitor und ein Diskettenlaufwerk erweitern, aber anders als ein echter PC kam er auch ohne aus. Er wurde an einen Fernseher angeschlossen, weshalb die Auflösung der meisten Modelle klein war, typisch 256 × 192 bis 320 × 200 Pixel – mit etlichen Formaten dazwischen. Als Massenspeicher fungierte der Kassettenrekorder. Die Datenraten waren klein. Hier mal einige Datenraten, die ich bei der Recherche zu meinen Artikeln fand:

Gerät

Standarddatenrate (Baud)

Hohe Datenrate (Baud)

Mit Tricks

Sinclair ZX81

300



Sinclair ZX Spectrum

300

1500


C64

384

1157


Acorn

300

1200


Alphatronic PC

300



Atari 400/800

600

1200


MSX

1200

2400


Amstrad CPC 464

1000

2000

3900

Apple I

1200



Falls ihr noch weitere Datenraten kennt, insbesondere die mit Tricks, bitten in den Kommentaren posten, ich ergänze dann die Tabelle.

Bei durchschnittlich 11 Bits pro Byte (mit Start/Stop und Prüfbit) liegt die Datenrate in Byte bei weniger als einem Zehntel der Baudrate (1 Baud = 1 Bit/s). Als ich mich mit den Microdrives des Spectrum und QL beschäftigte, die ja auf einem Magnetband viel höhere Datenraten erreichten habe ich mich gefragt, ob man nicht mit dem Kassettenrekorder deutlich höhere Datenraten erreichen konnte.

Speicherformat

Um zu wissen wie die Daten auf einer Kassette gespeichert wurden sollte man das Format kennen. Die meisten Rechner nutzen das Kanas City Standardformat, das schon 1975 verabschiedet wurde. Es sah zwei Frequenzen vor, nämlich 1.200 und 2.400 Hz. Eine „0“ wurde durch einen Ton mit einer 1200 Hz Frequenz gespeichert, eine „1“ durch einen Ton mit 2400 Hz. Zuerst waren es vier bzw. acht Wellen pro Bit (300 Baud) dann eine bzw. zwei (1200 Baud). Logischerweise konnte man mit der Vorgehensweise nicht mehr als 1200 Baud erreichen, den weniger als eine vollständige Welle pro Bit geht nicht.

Höhere Datenraten setzten daher andere Verfahren ein. Gemeinsam war aber das man von dem gesamten Frequenzumfang und Lautstärkeumfang den eine Kassette wiedergeben kann nur einen Teil der Frequenzen und meist auch nur eine Lautstärke nutzte.

Datenrate bei Musik

Nun speichern Kompaktkassetten aber normalerweise Musik. Selbst billige konnten Töne bis 12 KHz Frequenz abspeichern und das in variabler Lautstärke. Rein technisch kann man alle Töne als Frequenzen mit unterschiedlicher Lautstärke ansehen, die wenn man sie aufsummiert eine gemeinsame Frequenz bilden. Unser Gehör reicht bis 20 KHz, nimmt aber im Alter ab, sodass selbst teure Kopfhörer meist nicht mehr als 16 KHz wiedergeben, weil kein Erwachsener die ganz hohen Frequenzen noch hören kann.

Gemäß dem Shannonschen Theorem muss man für eine Frequenz von n Hz pro Sekunde 2 n Abtastpunkte anfertigen, um diese digital ohne Verlust zu konvertieren. Jeder Abtastpunkt hat dann eine Lautstärke für die man dann auch m Bits für die Digitalisierung benötigt. Für CD-Qualität wird mit einer maximalen Frequenz von 22 Khz und 16 Bits für die Lautstärke digitalisiert. Es sind es so 2 x 22.000 x 16 = 704 KBit/s, bei zwei Kanälen (Stereo) sind es dann sogar 1408 KBit/s. Diese Datenrate liegt also um den Faktor 1000 über dem, was die Hauptcomputer nutzten.

Nun ist es utopisch diese Datenrate auch einsetzen zu können, denn zum einen gibt es ja auch Störungen wie Rauschen, zum anderen waren die verwendeten Kassetten nicht unbedingt die mit den besten Klangeigenschaften.

Telefon als Vergleich

Ein besseres Analogon finde ich ist die Datenübertragung über das Telefon. Auch hier überträgt man digitale Inhalte, indem man sie analog als Töne überträgt. Beim Telefon gibt es kein Stereo und der Frequenzbereich der übertragen wird, liegt beim analogen Telefon zwischen 300 und 3400 Hz, also bei 3100 Hz. Ohne Kompression, die es damals auch noch nicht gab, kann man mit einem Modem maximal 33.600 Baud übertragen werden. (Die 56 kbaud, die analoge Modems zuletzt erreichten, der V90 Standard, kamen mit einem auf 4 KHz erweiterten Band zustande und waren theoretisch – ich habe meist um die 39 bis 42 Kbit/s gehabt). Nach dem Shannonschen Theorem entsprechen 40 Kbit/s bei 4 KHz Bandbreite rund 5 Bit für die Lautstärke, also 32 Abstufungen – es ist utopisch zu glauben, dass man über dem Grundrauschen die 65536 Abstufungen die die Abtastung für die CDs vorsieht auch noch heraushören kann. Das Weglassen leiser Töne, die man sowieso nicht hören kann, ist denn auch Grundlage des MP3 Standards.

Digital wurden bei ISDN auf dem gleichen Medium 64 Kbit, bei Kanalbündelung 128 kbit erreicht – bei Kanalbündelung erfolgt die Übertragung nur in eine Richtung, die Gegenstelle ist also „stumm“, das ist aber beim Einlesen oder Schreiben von Computern immer der Fall.

Gehe ich davon aus, das ein Magnetband eine bessere Qualität, als das Telefon aufweist, so sollte ich also bei der analogen Speicherung mindestens 31 Kbaud erreichen, bei digitaler Speicherung 64 Kbaud, berücksichtigt man das die Kassetten Stereosignale speichern, also zwei Spuren so wären es bei der Übertragung dieses Analogons auf die Kompaktkassette sogar 62 / 128 Kbaud.

Speicherkapazität von Magnetbändern

Das obige Beispiel macht klar, das man, wenn man nur die Möglichkeiten der Ausnutzung des ganzen Frequenzspektrums und der Lautstärke ansieht, man viel höhere Datenraten erreichen kann, als die Aufzeichnung von Kassette damals hatte. Allerdings ist eine Kassette ein anderes Medium als die Telefonleitung. Nun werden aber Magnetbänder schon lange in der Informationstechnik eingesetzt und ich habe mir mal die Mühe gemacht zwei Standards der damaligen Zeit, in denen die Information digital und nicht analog gespeichert wurde umzurechnen. Ich habe zuerst die Bitdichte pro Quadratmillimeter berechnet und dann daraus abgeleitet die Datenrate bei der Kompaktkassette mit ihrer Breite von 3,81 mm und der Standardgeschwindigkeit von 47,6 mm/s.

Gerät

Datendichte

Datenrate

Microdrive

11 Byte/mm²

15.000 Byte/s

QIC-11

23 Byte/mm²

4.000 Byte/s

Der Quarter Inch Standard ist für mich am vergleichbarsten. Ich habe selber einen Streamer mit diesen Bändern gehabt und die Bänder sehen auch aus wie robuste Kompaktkassetten. Sie haben, da sie sehr schnell gespult werden, eine Basisplatte aus Aluminium, auch das Band ist dicker, Aber ich denke die Technologie ist am vergleichbarsten. Das Microdrive ist dagegen ein Endlosband, das relativ kurz ist. Der QIC-11 Standard mit 20 MB auf einem 450 Fuss langen Band erschien 1983, also gerade zur richtigen Zeit. Hier wurde nicht so schnell gespult wie beim Mikrodrive, sodass die Datenrate kleiner war.

Ein QIC-11 Band hatte vier Spuren, war 137,2 m lang bei 6,35 mm Breite, eine Kompaktkassette dagegen 3,81 mm breit und bei 30 Minuten Spieldauer 42,84 m lang. Da bei der Kompaktkassette die Bandstärke mit steigender Kapazität abnimmt und wohl kaum ein Benutzer lange auf seine Programme warten will, gehe ich im Folgenden von 30 Minuten = 2 x 15 Minuten aus.

Eine Kompaktkassette hat zwei Seiten, die entsprechen, da das Band genau halb so breit ist wie ein QIC-Band dann auch genau zwei Spuren. Man würde also wie bei der Tonaufzeichnung pro Seite nur eine Spur haben und nicht am Bandende umspulen, um die nächste Spur zu lesen. Nimmt man die geringere Datendichte der Microdrives, die anders als die ersten QIC Tape Streamer bezahlbar waren, so entsprechen die 4,76 cm Geschwindigkeit pro Sekunde beim normalen Lauf rund 1000 Byte/s, mit Prüfinformationen also 11 kBaud. Nach dem Kansas City Standard wäre dies gleichbedeutend mit einer Frequenz von 11 / 22 Khz.

Voraussetzung wäre nur, dass der Kopf die Daten gleich digital speichert und die umständliche Wandlung, die beim Kassettenrekorder, aber auch den Datasetten die nicht schneller als normale Rekorder, nur teurer waren, wegfällt. Bei dem im CPC 464 verbauten Rekorder konnte man ohne Problem ja schon 3900 Baud erreichen. Die Frage ist dann eher, wie schnell der Computer die Daten verarbeiten kann. Wenn es keine eigene Schaltung dafür gibt, dann hat man in jedem Falle folgende drei Schritte:

Die drei Instruktionen benötigen in jedem Falle bei einem Z80 23 Taktzyklen, an den Byteenden kämen noch weitere Instruktionen hinzu, um ein Byte zu speichern und Zähler / Adressen zu dekrementieren/inkrementieren, doch diese auch beim Schreiben auftreten, würde es auf dem Tape einfach eine kurze Pause geben, in der die CPU beschäftigt ist. Bei 4 MHz Takt einer Z80 wären so problemlos 170 Kbaud möglich. Der Computer bremst also nicht das Auslesen aus.

Ein weiterer Vergleich wäre mit der Datendichte von Disketten. Hier eine kleine Tabelle:

Standard

Unformatierte Kapazität

Spurbreite

Datendichte

8 Zoll, SD und DD

760

0,33 mm

5.760 Bpi

5,25 Zoll SD und DD

500

0,33 mm

5.922 Bpi

5,25 Zoll QD

1000

0,16 mm

5.922 bpi

5,25 Zoll HD

1600

0,16 mm

9.946 bpi

3,5 Zoll SD

500

0,19 mm

8.717 bpi

3,5 Zoll DD

1000

0,095 mm

8.717 bpi

3,5 Zoll HD

2000

0,095 mm

17.434 bpi

Eine Kassette hätte bei 3,81 mm Breite genug Platz für 7 Spuren in der niedrigsten Datendichte, das würde aber dann das Umspulen der Kassette am Ende mit weiteren Verzögerungen bedeuten. Beschränkt man sich nur auf eine Spur, so ist die Angabe der Datendichte pro Spur (bpi = Bit per Inch) relevant. Berücksichtigt man die Bewegung um 4,76 cm/s also 1,87 Zoll/s, so läge die Datenrate bei 10.794 bis 16.335 Baud, wenn man sich auf die Standards bis 3,5 Zoll DD, der in den frühen 80-ern erreicht war, beschränkt. Also auch hier eine Datenrate, die mit obigem Wert von 11.000 Baud vergleichbar ist.

Schnelles Spulen

Ein digitaler Kassettenrekorder muss ja nicht auf das normale Spulen angewiesen sein. Würde man pro Kassette nur pro Seite ein Programm speichern, dann wären selbst C30 Kassetten überdimensioniert – selbst bei den erreichten 1200 Baud sind dies 108 KByte pro Seite, bei 11 kBaud dann 900 KByte. Nun kann jeder Kassettenrekorder schneller spulen und der Schreiblesekopf kann immer noch aktiv sein – Kassettendecks nutzen das, um eine Pause zwischen zwei Songs zu erkennen und dann anzuhalten. Für das schnelle Kopieren gab es bei besseren Geräten auch die Funktion des High Speed Dubbings mit doppelter Geschwindigkeit. (9,5 cm/s). Schon alleine diese würde die Datenrate auf 2 KByte/s verdoppeln.

Sektorverwaltung

Im Prinzip kann man ein Band wie eine Diskette in Sektoren aufteilen und verwalten. Es gibt aber durch das Spulen immer eine Wartezeit bis ein Sektor erreicht ist. Da das Band auch nicht sofort stoppen kann, und anders, als bei einer Diskette beim Verpassen des Anfangs des Sektors nach einer Umdrehung der Scheibe automatisch der Sektor wieder am Schreibelesekopf vorbeizieht, wird man in diesem Falle aber nur einen Bruchteil der Kapazität nutzen, weil man hinter jedem Sektor dann eine ausreichend lange Lücke lassen muss, um dem Motor Zeit zu geben das Band zu stoppen. Ich denke die nutzbare Kapazität würde sich durch den Puffer nach jedem Sektor für das Abbremsen so halbieren. Sektoren wären wahrscheinlich groß, wenn ich 1 s als Pause zwischen zwei Sektoren ansetze, mindestens 1 KByte. Je größer der Sektor desto weniegr fällt der Puffer ins Gewicht. Bei 2 KByte pro Block wären so 600 von 900 kb Brutto nutzbar und bei 4 KByte sind es schon 720 von 900 KByte. Trotzdem wäre eine Kassette so nicht geeignet, für den wahlfreien Zugriff und das Einlesen eines Programmes, das fragmentiert über die Bandlänge verteilt ist, würde lange dauern und das Band durch das Spulen und Stoppen stark beanspruchen.

Ich würde, wenn man so einen digitalen Rekorder baut, ein anderes Verfahren einsetzen: wenn ich davon ausgehe, dass ein Heimcomputer nur Programme oder Daten als jeweils ein Block speichert und jeder Block nie größer als der Hauptspeicher sein kann, dann wäre es sinnvoll, das Band in gleich große Blöcke zu unterteilen. Die 900 KByte einer Seite z.b. in 20 Blöcke von 45 KByte brutto. Keiner der 8 Bit Heimcomputer hatte eine nutzbare Arbeitsspeicherkapazität die 45 KByte überschritt. (38,9 KB beim C64, 41,5 beim ZX Spectrum 43,9 beim Amstrad CPC). Ein solcher Block würde ausreichen, um 43-44 Kbytes zu speichern und einen Abstandsblock von 1-2 KByte zum Stoppen des Motors beim Vorspulen einzuschließen. Der Benutzer würde dann nur angeben, welchen der 20 Blöcke er lesen oder schreiben will. Zu jedem Block kann man schnell spulen und es gäbe keine Fragmentierung. Wahlfreier Zugriff wie bei einer Diskette wäre so nicht möglich, aber ich denke mit dem Nachteil könnte man leben.

Kosten

Von der Technik her ist es immer noch ein normaler Kassettenrekorder, nur ohne Lautsprecher, dafür mit digitaler anstatt analoger Speicherung, was nicht viel ausmacht. Im Prinzip wäre er also in etwa genauso teuer wie ein einfacher Kassettenrekorder, der damals etwa 80 bis 100 Mark kostete. Ein Microdrive mit weitaus anspruchsvoller Technik kostete anfangs 250 DM. Ich glaube das ein Rekorder mit einer Kapazität von 900 KByte, 20 Speicherplätzen und rund 1 KByte/s Datenrate den Leuten sicher auch 250 Mark wert gewesen wäre, denn er hätte in den meisten Anwendungen (die meisten luden ja nur Spiele von Kassetten) ein Diskettenlaufwerk ersetzt.

 

Sitemap Kontakt Neues Impressum / Datenschutz Hier werben / Your advertisment here Buchshop Bücher vom Autor Top 99