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Web Log Teil 583: 10.2.2020 - 25.2.2020

10.2.2020: Land of Confusion

In den letzten zwei, drei Tagen gab es so viele Neuigkeiten rund um die Wahl des MP in Thüringen, dass ich anstatt Kommentare zu Kommentaren zu schrieben das nochmals zusammenfassen möchte, auch weil ich denke, dass ein Lehrstück über die Politik ist.

FDP

FDP Chef Lindner hat von der Kandidatur von Kemmerich gewusst und man hat in einer Präsidiumssitzung auch darüber beraten, dass er mit den Stimmen der AfD gewählt werden könnte. Das FDP-Präsidium war über die bevorstehende Kandidatur von Kemmerich informiert und die hat diese gebilligt, auch wenn er nur mit AfD Stimmen Ministerpräsident werden konnte. Entsprechend war Lindners erstes Statement vor der Presse auch – vom Blatt abgelesen, vorformuliert und ohne die Möglichkeit Fragen zu stellen. Konsens des Statements: Wir teilen nicht die Überzeugungen der AfD, aber wenn sie unseren Kandidaten wählen ist, das in Ordnung. Lindner hat dann angeblich noch die Vertrauensfrage gestellt, aber natürlich nur im Vorstand, also denen die ihn schon vorher immer gewählt haben, nicht der Basis gegenüber.

CDU

Ganz anders war es bei der CDU. Dort gibt es auf Bundesebene einen Beschluss nicht mit den Linken und nicht mit der AfD zusammenzuarbeiten. Entsprechend hat man auch der thüringischen CDU das mitgeteilt und vorgeschlagen sich im dritten Wahlgang zu enthalten. Dort sah man das anders und hat Kemmerich gewählt. Das findet man auch nach der Wahl noch in Ordnung denn zur Wahl standen ein Kandidat links, einer rechts und ein „Bürgerlicher“ denn man wählen kann. Der CDU Landesvorsitzende bekam dann auch in einer Abstimmung im Vorstand 12 von 14 Stimmen, als er die Vertrauensfrage stellte. AKK flog dann auch mehrmals nach Thüringen um die CDU „auf Kurs“ zu bringen, mit nur wenig Erfolg Möhrung will zwar sein Amt abgeben aber erst im Mai, und während die Bundes-CDU für sofortige Neuwahlen ist, ist die Thüringen-CDU gegen Neuwahlen. Immerhin will man bei einer erneuten Wahl sich der Stimme enthalten. Aktuell (Montag 10.2) will AKK nicht als Kanzler kandidieren und nächsten Sommer den Parteivorsitz abtreten. Das ist konsequent, wenn man die Pannen der letzten Monate sah. Sie sah sich ja schon genötigt beim letzten Parteitag zu fragen, ob die CDU mit ihr noch weiter machen möchte (natürlich nur rhetorisch, einen formellen Antrag hat sie nicht gestellt). Nun ist offensichtlich das der thüringische Landesverband macht was er will und das wirft ein schlechtes Licht auf AKK. Ich denke Merkel hat diese Tendenzen schon vorhergesehen und sich rechtzeitig von dem Amt abgeseilt.

Linke / SPD / Grüne

Ramelow will noch mal antreten, immerhin ein vernünftiger Mensch. Er könnte ja auch den Bettel hinschmeißen bei der Situation. Nun versuchen SPD und Linke einige CDU Abgeordnete dazu zu überreden, für Ramelow zu stimmen. Denn natürlich kann die AfD das gleiche Stück auch bei ihm abziehen und man will vermeiden, dass er dann ein Ministerpräsident von AfD-Gnaden wäre. Da sich aber trotz des Rummels der letzten Woche nichts daran geändert hat, dass Linke/SPD/Grüne keine Mehrheit haben sind sie für Neuwahlen, auch weil erste Blitzumfragen zeigen das CDU und FDP unter ihrer Aktion leiden und Stimmen verloren haben. Die FDP, die mit gerade 73 Stimmen über die 5 Prozent Hürde kam wird es wohl nicht erneut ins Parlament schaffen.

Kemmerich

Kemmerich erinnert mich eher an eine Figur aus Shakespeares Dramen und gewisse Parallelen zu einem Schauspiel gibt es offensichtlich. Es fängt schon damit an das er sich zur Wahl stellt und das er dann die Wahl annimmt. Die FDP hat 5 Sitze, selbst wenn sie mit der CDU koaliert sind, es 26 von 90, also keine stabile Regierung. Selbst wenn man noch das zur Wahl Stellen als überschießendes Ego ansieht: Wie kann man unter diesen Umständen die Wahl annehmen? Es muss einem doch klar sein, das er so nicht regieren kann. Nach Linderns Stippvisite kündigt er nach 24 Stunden 34 Minuten nach der Wahl an, zurückzutreten, tut das aber nicht sofort, sondern will warten, angeblich weil die Juristen des Landtags das ihm geraten haben, um nach weiterem Druck seitens Lindners dann doch noch zurückzutreten. Getan hat er seitdem nichts, nicht mal Koalitionsgespräche geführt, wie ich es erwarten würde, wenn er ernsthaft Ministerpräsident sein will.

Was kommt?

Sicher ist nun nur, das am 17.2. wahrscheinlich erneut gewählt wird und es wohl Ramelow wird, mit oder ohne AfD Stimmen. Ob der Landtag dann aufgelöst wird, wird sich zeigen. Die CDU ist ja dagegen aber ich denke auch dann wird die AfD Schützenhilfe leisten, denn sie rechnet wohl mit mehr Stimmen, angesichts des Rummels, den sie verursacht hat. Was für mich auch wundert, ist das ein Bundesland mindestens zwei Wochen ganz ohne Regierung auskommt.

Die Sache demokratisch angesehen

Es ist, auch wenn die Empörung relativ groß ist, eine demokratische Wahl gewesen, nur war das Ergebnis nicht das, was erwartet wurde. Klar will keiner von der AFD legitimiert sein, aber niemand kann sie daran hindern für Kememrich oder Ramelow zu stimmen. Nur wenn man sich über das aufregt, macht man sich lächerlich. Im Bundestag gibt es regelmäßig Abstimmungen, bei denen die AfD mit der CDU stimmt. Da macht auch keiner einen Rummel draus. Das man mit Stimmen der AfD gewählt wird, heißt ja nicht das man für sie Politik macht. Da übrigens wieder die Anekdote „Mit einer Stimme Mehrheit gewählt worden – seiner eigenen“ kam: Alle Stimmen sind gleich, es gibt nicht die Stimme von Kemmerich, die als letztes abgegeben wird und dann für die Mehrheit sorgt. Vor allem ist das nicht beweisen. Ich glaube kaum das er gegen sich selbst gestimmt hat, aber es gab eine Enthaltung und bei vielen Demokraten ist es guter Brauch das man, wenn man über sich selbst abstimmt, sich der Stimme enthält.

CDU und Abgrenzung

Ein Problem, das ich nicht verstanden habe, liegt in der CDU. Die will auf Bundesebene kategorisch nicht mit den Linken und der AfD zusammenarbeiten und das sollen auch die Landesverbände. Die thüringische CDU tut das auch und nennt Ramelow einen „Sozialisten“. Also nach Wikipedia ist Ramelow in Westdeutschland aufgewachsen und erst 1994 in die PDS (heute Linke) eingetreten. Sein gesamter beruflicher Lebenslauf liest sich nicht für mich wie die eines Sozialisten. Vor allem hat er ja schon vier Jahre regiert, und wenn es in Thüringen in der Zeit rapide bergab gegangen wäre, ich hätte das sicher mitbekommen. Die Linken haben auch 2,8 Prozent dazugewonnen und die CDU 11,8 Prozent verloren, was für mich eigentlich ein klares Votum für Ramelow und gegen die Blockadepolitik der CDU ist. Das erinnert mich an die Prophezeiungen, welche die CDU für die grün-rote Koalition 2011 in BW machten, das das ganze Land vor die Hunde gehen würde, wenn Grüne an der Regierung sind. Ist auch nicht passiert und seit 2016 regieren sie sogar mit. Ohne diese künstliche Abgrenzung wäre es übrigens gar kein Problem gewesen, eine Regierung zu bilden: CDU und Linke hätten mit 50 Sitzen die absolute Mehrheit gehabt. Vor allem finde ich ist die Linke in den Ländern nicht die Linke im Bund. Deren Parteiprogramm ist auf Bundesebene unverträglich mit dem der CDU, das ist klar. Aber in den Ländern geht es weder um Außenpolitik noch Verstaatlichung noch Grundeinkommen. Vor allem kommt man an den Linken in Ostdeutschland praktisch nicht vorbei. Wenn man hier nicht mit den Linken zusammenarbeiten will, dann ist man eigentlich politisch genauso isoliert wie die AFD.

Auf der anderen Seite gibt es die erzkonservative „Werteunion“ und die möchte durchaus mit der AfD zusammenarbeiten. Ich halte diese aber für erheblich schlimmer als die Linken. Immerhin steht der „Flügel“ der AfD unter Beobachtung. Ich zitiere aus dem Bericht des Verfassungsschutzes:

„Auch hinsichtlich der Sammlungsbewegung der AfD „Der Flügel“ um den Thüringer AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke liegen dem BfV stark verdichtete Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei ihr um eine extremistische Bestrebung handelt. Das durch den „Flügel“ propagierte Politikkonzept ist primär auf die Ausgrenzung, Verächtlichmachung und weitgehende Rechtlosstellung von Ausländern, Migranten, insbesondere Muslimen, und politisch Andersdenkenden gerichtet. Es verletzt alle Elemente der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, die Menschenwürdegarantie sowie das Demokratie- und das Rechtsstaatsprinzip. Die Relativierung des historischen Nationalsozialismus ist zudem prägend für die Aussagen der „Flügel“-Vertreter.“

Und gerade diese geben in Thüringen den Ton an. Höcke darf nach einem Gerichtsurteil sogar als „Faschist“ bezeichnet werden, das sei zweifelsfrei erwiesen. Wie die Werteunion meint mit so einer Partei zusammenarbeiten zu können ist mir ein Rätsel.

Die AfD

Es gab ja seit Monaten immer wieder Äußerungen der Spitzen wie von Gauland, das man an ihnen die CDU nicht mehr vorbeikommen werde und es gab auch Angebote eine Minderheitsregierung in Thüringen unter der CDU zu dulden. So was lehnt man natürlich ab, schließlich ist man dann von der AfD abhängig. Nicht verhindern kann man solche „Spaßabstimmungen“ wo man nicht für den eigenen Kandidaten stimmt, sondern für Kemmerich. Nur wenn man sich darüber aufregt, wertet man so was auf. Die Stimmen mitnehmen und nichts dazu sagen und das Ganze läuft ins Leere raus. Selbst diese Wahl von Kemmerich wäre nur eine Episode gewesen, wenn er nicht so dämlich gewesen wäre, sie anzunehmen.

Parteiengezänke

Was sich nicht geändert hat, ist das es seit dem 27.10 es keine stabile Mehrheit für eine Regierung gibt. Die CDU fing ja schon an, Ramelow die Schuld zu geben. Er hätte ja weiter geschäftsführend im Amt bleiben. Für mich ist das ein sehr fragwürdiges Demokratieverständnis – denn an den Mehrheitsverhältnissen ändert sich ja bis zu einer Neuwahl nichts. Sollte Ramelow dann 4 Jahre lang geschäftsführend im Amt bleiben? Wie ich bei der Diskussion um Kemmerich, der nun ja geschäftsführend im Amt bleibt, entnehme, ist das keine Lösung. Denn er kann praktisch nichts machen. Kein Kabinett ernennen, keine Gesetzesvorlagen einbringen. Man braucht offenbar nur einen der, wenn die nächste Oderflut ansteht, oder andere Katastrophen, dann entscheiden kann was zu tun ist.

Daher bin ich für Neuwahlen, denn auch wenn Ramelow gewählt wird, hat er keine Mehrheit. Vor allem denke hat sich so viel getan, das der Bürger das Recht haben, sollte zu entscheiden, wem er seine Stimme geben wird. Sie wissen nun das die CDU nicht mit Linken und AfD koalieren will. Keiner mit der Afd regieren will (okay das war schon vorher klar) und die FDP eine Chaostruppe ist. Umgekehrt aber Linken/SPD/Grünen genau drei Stimmen für eine Regierung fehlen.

Nach der letzten Umfrage hat innerhalb von einer Woche die CDU 7 Prozent verloren, die FDP 3 %. Die Linken haben 5 % gewonnen, die SPD 1% und die Grünen 1 %. Damit gäbe es eine Mehrheit von 53 für rot-rot-grün. Auch die AFD hat 1 % gewonnen. Letztes wundert mich nicht. Wer diese Partei wählt der hat kein Verantwortungsbewusstsein und solche Leute honorieren auch solche Scherze.

11.2.2020: Raketen die es geben könnte – Atlas Varianten

Ich möchte mal die Retrocomputing Serie unterbrechen und wieder mal zwei Ergebnisse meiner Simulationen vorstellen. Die USA haben zwar etliche Träger für kleine Nutzlasten, aber wenige für kleine. Die Taurus, nun Minotaur C genant ist weitestgehend aus dem Rennen. Von den eingeführten bleibt für die NASA nur die Pegasus, die aber sehr teuer ist und daher nicht mehr eingesetzt wird. Das Militär kann die Minotaur-Serie einsetzen, die bis knapp 3 t Nutzlast geht. Doch preiswert scheint nur das Basismodell die Minotaur 1 zu sein. Die NASA darf wegen des Commercial Space Acts diese Rakete mit militärischen Stufen ohne Ausnahmegehmigung nicht einsetzen. In jedem Falle gibt es zwischen knapp 3 und knapp 9 t Nutzlast in den LEO eine riesige Lücke was schon dazu führte dass man so kleine Sonden, wie den TESS (365 kg) mit einer Falcon 9 startet. Das ist dann auch nicht mehr preiswert, ein Start mit einer Sojus oder Vega wäre günstiger gewesen.

Früher gab es zum einen noch die Delta als Arbeitspferd, die auch die meisten Starts hatte. Daneben aber auch die Möglichkeit bei der Atlas die Oberstufe zu variieren. Auf den letzteren Gedanken will ich zurückgreifen. Die Centaur ist eine sehr leistungsfähige Oberstufe. Sie hat ein geringes Leergewicht und einen hohen spezifischen Impuls und kann mit einem oder zwei Triebwerken eingesetzt werden. Aber die Centaur ist auch teuer. ULA hat keine Aufschlüsselung veröffentlicht, aber in Foren heißt es die Centaur sei relativ teuer. Dafür spricht auch das Antares und Atlas V eine ähnlich schwere Erststufe beide mit russischen Triebwerken von in etwa gleichem Schub haben. Die Antares aber rund 90 Millionen Dollar, die Atlas V aber 150 Millionen kostet und sie unterscheiden sich im wesentlichen eben in der Oberstufe.

Der Gedanke: wenn die Nutzlast eh nicht die volle Kapazität ausfüllt, dann setze ich auf der Atlas eine kleinere Oberstfue in und spare so Geld.

Ich habe drei Konfigurationen untersucht:

Der Castor 30 ist noch in der Produktion für die Antares. Die beiden anderen Stufen sind aus dem Delta Programm. Zumindest das Triebwerk der Delta K wird aber noch eingesetzt. Die PAM-D habe ich nicht gewählt, weil sie auch relativ teuer ist.

Alle drei Stufen sind relativ klein, sowohl was die Länge wie den Durchmesser angeht (maximal 2,36 m beim Castor 30) und werden in meinen Überlegungen von der Nutzlasthülle mit umhüllt. Die Nutzlasten dürften ja auch kleiner sein. Ich habe kurz auch überlegt, ob man mehrere Star 37 parallel starten sollte. Platz genug gäbe es, wenn die Nutzlast nicht zu breit ist. Doch Starts in den LEO / SSO – und nur darum geht es sind so selten, dass man diese kaum kombinieren kann.

Bei Star 37 FM und Castor kommt jeweils eine Freiflugphase hinzu, da deren Brenndauer so kurz ist. Die Nutzlast, der Delta ist für einen 600 km hohen Orbit, da durch die lange Brenndauer sie fast zwangsläufig ein hohes Perigäum erreicht. Bei den anderen beiden ein 200 km hoher kreisfömiger Orbit. Nutzlasttechnisch wäre bei den Feststoffantrieben ein elliptischer Orbit günstiger, da dann die Freiflugphase kürzer wird. Die Nutzlast müsste diesen dann noch zirkularisieren. Hier die Nutzlasten, alle von „Cape Canaveral Space Force Station“, so heißt nun das Startgelände – ist soweit ich mitzähle die fünfte Umbenennung:

Startazimut ist 90 Grad also nach Osten. Es wird dann eine Bahnneigung von etwa 28 Grad erreicht. Alle Varianten nutzen nur die Basisvariante Atlas 401, da es meiner Ansicht nach unsinnig ist, erst auf Nutzlast in der Oberstufe zu verzichten und dann wieder Booster anzubringen.

Variante

Nutzlast

Atlas + Star 37 FM

1.100 kg

Atlas + Delta K

4.000 kg

Atlas + Castor 30

6.600 kg

Atlas V

9.050 kg

Die Lösung mit dem Star 37 FM scheidet wergen der geringen Nutzlast aus. Eine PAM-D wäre wohl doch günstiger gewesen bei (geschätzten) 2 t Nutzlast aber finanziell trotzdem sehr unattraktiv. Die anderen beiden bieten eine Alternative für Nutzlasten von 4 und 6 t – also eine gute Abstufung zu den 9 t einer Atlas V. Wenn dem auch ein entsprechender Preisrabatt entspricht, wäre das nicht so schlecht. Hier noch die Daten der Raketen:

12.2.2020: Retrocomputing

Seit ein, zwei Jahren schwappt die Retrocomputing Welle, sprich: alte Computer sind wieder in. In ebay sind die Preise für gebrauchte Computer deutlich angestiegen, mancher kostet heute mehr als damals neu. Die ct‘ hat schon zwei Sonderausgaben herausgebracht, eine mit dem Schwerpunkt C64 / Spectrum, die andere mit dem Amiga / Atari ST. Dort wurde auch berichtet, dass es noch Firmen gibt die alte DOS spiele wieder zum Laufen bekommen, das ist trotz DOSBOx als Emulator anscheinend nicht trivial.

Als ich dann noch zu den letzten Aufsätzen über den C64, C128 und Spektrum recherchierte, stieß ich auf moderne Nachbauten. Den C64 gibt es als Mini-Ausgabe (C64-Mini) und in Originalgröße. Die Miniausgabe ist so klein, dass man Tasten nicht benutzen kann. So bleibt nur der Joystick. Aber es gibt ihn auch noch in Originalgröße (C64 Maxi) in voller Größe. Ähnliches beim ZX Spectrum: den ZX Spectrum Vega, reduziert auf die Tasten die Spiele einsetzen – Joystick Ports hatte der nämlich nicht und in voller Größe dann den Recreated Spectrum als Komplettnachbau. Es gibt sogar neue Hardware, so ein Ersatz für die RAM-Bausteine. 16 KByte für 29,90 Euro – da war RAM in den Achtzigern noch billiger. Bei ebay bekommt man sogar neue RAM-Bausteine aus China in den gängigen Größen also den damals verbauten 4164 und 41256. Bei normalen Halbleiterherstellern geht RAM erst ab 4 MBit los – zumindest wenn man die typischen Gehäuse mit den Beinchen benötigt.

Zu erwähnen wäre dann noch die Flut an Zubehör, mit denen man die alten Computer in die heutige Zeit rüberbringen kann. Das sind vor allem Ersatz für alte Massenspeicher wie Floppy-Emulatoren, die dann einen USB-Stick oder eine SD-Karte aufnehmen – gemessen an den Größen die eine Floppy hatte, ist selbst eine kleine SD-Karte mehr als ausreichend den ganzen Softwareschatz aufzunehmen. Sie wird an den Floppyport angeschlossen. Soweit ich es aber sehe, konzentriert sich die Retrowelle auf die 8 Bit Rechner. Ich habe z.B. noch keinen Recreated Amiga oder Atari ST gesehen, aber selbst die Uraltconsole Atari VCS 2600 wurde nachgebaut und deren Grafikfähigkeiten sind nicht so besonders. Wer keinen Computer mehr bekommt, kann inzwischen eine Emulation auf FPGA laufen lassen – gängige FPGA haben genug Power, um selbst die ersten 16 Bit CPUs inklusive Speicher zu emulieren. Dann kann man die normale PC Tastatur benutzen. Andererseits gibt es auch zig Emulatoren.

Die Spitze ist für mich der Spectrum Next. Das ist kein Nachbau des Spectrums, sondern eine erweiterte Version mit 1 bzw 2 MB Speicher, 28 MHz Z80 CPU (als FPGA, kein eZ80), Hardware Erweiterungen wie Sprites, DMA, drei Soundchips. Die Spitze ist ein „GPU Accelator Module“ - eigentlich nur ein Raspberry Pi Zero. Das ist zwar der kleinste Raspberry, verglichen mit dem Spectrum Next ist der er aber um ein Vielfaches schneller. Offiziell zu kaufen gibt es ihn anscheinend nach der Website nicht, sondern nur die welche ihn über Crwodfunding mitfinanziert haben bekommen ihn.

Die Frage ist: was fange ich mit dem Spectrum Next an? Okay, ich kann die alten Spiele laufen lassen. Doch das geht billiger auch mit dem Recreates Spectrum. Er offeriert ja mehr Speicher und eine schnellere CPU. Doch was nützt die ohne Software? Die alten Spiele nutzen sie ja nicht aus. Ich glaube kaum das jemand heute in BASIC auf dem Spectrum Next programmiert – die Beschränkungen bleiben ja. So das der Bildschirm eben nur 32 x 24 Zeichen darstellt. Für neue Spiele dürfte die Plattform zu klein sein. Zumal bei einer Standard Z80 ohne MMU man dann schon viel Grips in einen Bankswitching Mechanismus investieren muss. Das wäre bei einer eZ80 anders. Allerdings stimmen bei der die Zykluszeiten für die Befehle nicht überein, was für die Emulation entscheidend ist.

Emulation ist eine andere Sache. Ich hatte ja gehofft, dass meine Leser die Benchmarktabelle vervollständigen. Schlussendlich hat jeder Heimcomputer seine Eigenheiten. Das geht schon damit los, das Basic Programm zu laden. Aber wie immer im Leben: ein Kommentar ist schnell geschrieben, aber was zur Webseite beitragen, also Arbeit … Den Sinclair QL habe ich noch schnell emulieren können. Beim Spectrum scheiterte ich. Der Grund ist wie bei dem Amstrad Emulator, den ich vorher benutzt habe: man hat die Tastatur auch emuliert. Praktisch jeder Rechner hatte aber damals Abweichungen vom QWERTY Standard, zumindest rechts und bei der obersten Reihe, die mit Shift erreichbar ist. Ganz zu Schweigen von eigenen Tasten wie Funktionstasten oder bei der Amstrad Serie die Copy-Taste. Was ich nicht verstehe – warum emuliert man nur die nicht vorhandenen Tasten auf einer PC Tastatur und die normalen Tasten werden eben gemappt? So sitzen eben Sonderzeichen nicht da, wo man sie sieht und man ist nur beim Suchen, indem man jede Taste durchprobiert.

Beim Spectrum ist das noch schlimmer, weil man über die Tastatur auch BASIC-Schlüsselworte eintippt. Ich halte trotzdem einen Emulator für die bessere Möglichkeit, anstatt den ganzen PC nachzubauen. Mit ihm kann man viel schneller Software auf Diskettenimages wechseln. Man benötigt keine neue Hardware und kann schnell nach einem Spiel wieder auf den PC wechseln. Vor allem aber sieht man das die Hardware eben doch veraltet ist. Die Auflösung ist klein, Farbzahl auch und die meisten Spiele sind ganz schön für zwischendurch aber nichts was einen heute auf Dauer bindet. Ein Spiel, das in den Achtzigern revolutionär war, ist heute grafisch eher schlicht gemacht. Wir haben uns einfach an anderes gewöhnt. Als es rauskam, hat man es dagegen mit dem verglichen, was es damals gab. Einen ähnlichen Effekt hat man, wenn man alte Fernsehserien anschaut. Verglichen mit heute passiert da relativ wenig in einer Folge. Sie wirken etwas langweilig. Auf der anderen Seite: ich verstehe bei den alten Serien noch den ganzen Text. Bei heutigen Serien geht es nicht ohne permanente Musikuntermalung, und zwar nicht dezent, sondern so laut das man Problem hat vielen Dialogen zu folgen.

Was geblieben ist, sind Spielideen. Da gibt es zum einen Spiele, die ganze Genres initiierten. Ich denke da an Elite für die Weltraumsimulation oder Civilization für die Aufbausimulation. Da ist auch der Ego Shooter zu erwähnen. Nur weiß ich nicht, was da das erste Programm war, ich tippe mal auf Wolfenstein 3D. Die Genres verändern sich. Arkadespiele, die damals dominierten, sind heute eher selten. Sie hatten den Vorteil, dass man gleich loslegen konnte und in der Regel auch nichts speichern musste – wichtig, wenn es nur einen Kassettenrekorder als Massenspeicher gab. Aber auch eher gemächliche Spiele wie das Textadventures oder das Grafikadventure mit den Klick-Befehlen wie Indiana Jones oder Monkey Island sind heute weitestgehend ausgestorben.

Meine Meinung: ich spiele lieber eine Neuauflage eines alten Spiels als das Original in reduzierter Auflösung und Farben, ohne smoothe Bewegungen. So gibt es Elite heute als Oolite. Es gibt auch zahlreiche Neuauflagen von Arkanoid / Brickbuster, Defender oder Donkey Kong.

16.2.2020: Parallelstufen oder Serienstufen?

Es gibt ja prinzipiell zwei Arten Stufen zu zünden – nacheinander oder gemeinsam. Korolow hat angeblich beide Konzepte für die R-7 untersuchen lassen und die Serienstufenrakete war nur wenig leichter. Genau anders herum reklamiert SpaceX ihr Cross-Feeding Konzept, was im Wesentlichen auch eine Parallelstufung ist. Sie sollte 53 anstatt 45 t Nutzlast in den Orbit bringen. Später hat man das Konzept aber wieder fallen lassen. Was ist also das bessere Konzept?

Nun es gibt zwei Aspekte zu berücksichtigen. Das eine ist die Geschwindigkeit die man nach der Raketengrundgleichung erreicht. Hierbei sind die Massenverhältnisse entscheidend. Im Therm steckt der Logarithmus und damit ist das Verhältnis nicht linear. Bei einer Parallelstufung wird viel mehr Treibstoff in der ersten Stufe verbraucht und die zweite Stufe hat eine höhere Leermasse, weil sie auch Treibstoff verbraucht, bis die erste Stufe ausgebrannt ist. Es gelangt so eine schwerere zweite Stufe in den Orbit. Da die Nutzlast aus Satellit und zweiter Stufe besteht, wird bei gleicher Gesamtmasse die Masse des Satelliten kleiner sein.

Der zweite Aspekt ist ein anderer: Die Rakete startet ja vom Boden aus. Zündet eine Stufe mehr, so ist die Startbeschleunigung größer. Damit sinken die Gravitationsverluste. Im Allgemeinen ist es immer von Vorteil, so schnell wie möglich Masse zu verlieren – nicht nur Leermasse, sondern auch Treibstoff, denn dieser wird ja bei der Serienstufenrakete die ganze Zeit mitgeschleppt.

Ich habe mir vorgenommen die beiden Typen zu simulieren und zwar, damit sich keiner beschwert, und nicht zig Fragen zu anderen Optionen kommen mit einer synthetischen Rakete. Sie besteht aus sehs gleichen Stufen mit jeweils folgenden Daten:

Im einen Fall bilden fünf Stufen die erste Stufe und eine weitere die zweite Stufe. Im zweiten Fall, der Parallelstufung zündet die zweite Stufe parallel mit den Ersten, aber mit halbem Schub, den sich auch danach beibehält und so doppelt so lange brennt.

Bei dieser Rakete ist die Antwort relativ deutlich: die Serienstufung ist die günstigere Variante. Sie transportiert vom Cape Canaveral aus 6900 kg in einen 200 km hohen Orbit, die Parallelstufung dagegen nur 5.500 kg. Das sind 20 Prozent weniger. Eine Ursache zeigt das Diagramm für den Luftwidderstand: er ist höher, da bei der Serienstufung eine Stufe weniger vorhanden ist. Die Nutzlast ist sogar noch erhöhbar. Sie steigt auf 7.400 kg, also nochmals 500 kg mehr wenn die zweite Stufe, wie bei der Parallelstufenrakete mit nur halbem Schub arbeitet. Sie arbeitet so länger in der Orbithöhe, was günstiger ist. Das verrät das Höhendiagramm.

Ingenieurtechnisch hat die Parallelstufenrakete aber einen Vorteil: alle Triebwerke zünden am Boden. Man kann sie bei einer Fehlfunktion, die oft schon beim Hochlaufen erkennt, wird wieder abschalten. Triebwerke, die später gezündet werden, müssen entsprechend zuverlässiger sein und es wird auch eine Stufentrennung weniger benötigt mit den entsprechenden Trennraketen, Zwischenstufenadapter etc. Das addiert Kosten und Masse – das ist im Beispiel nicht berücksichtigt, senkt die Nutzlast aber nur um etwa 100 kg ab.

19.2.2020: Von den Linken lernen …

Könnten alle, besonders aber die CDU. Ich schließe mit diesem Blog an den letzten über das Thüringen-Debakel an. Die Situation war ja bis vor einigen Tagen, die das Kemmerich seinen Abschied als Ministerpräsident genommen hat, aber noch geschäftsführend im Amt bleiben muss. Irgendjemand muss ja verantwortlich sein. Aber eine echte Regierung mit Ministern gibt es nicht.

Bei der CDU hat die Verweigerung des thüringischen Landesverbandes der Bundes-CDU zum Rückzug von AKK geführt und mittlerweile gibt es vier Bewerber um das freiwerdende Amt und Markus Söder mahnt schon mal an, das die CSU beim Kanzlerkandidat auch noch mitredet – wie ich schon Anfang des Jahrs angedeutet habe.

Doch auch Thüringen – mancher wird das ja nicht mal als vollwertiges Bundesland ansehen – braucht eine Regierung. Das grundsätzliche Problem ist ja nicht gelöst: Ramelow hat keine Mehrheit, braucht also Stimmen der Opposition, um gewählt zu werden. Die CDU als zweitgrößte Oppositionspartei will aber nicht. Auch wenn sie die anderen Anweisungen der Bundes CDU ignorierte, hält sie an dem Ausschluss der Zusammenarbeit mit den Linken fest. Gut es gäbe noch die fünf Hansel der FDP die man in die Regierung holen könnte, aber selbst das wäre dann nur eine hauchdünne und nicht beständige Mehrheit. Ramelow will nach mehreren Durchgängen in denen er nicht gewählt wurde, nun die Gewissheit haben, das er gewählt wird und zwar mit einer Mehrheit ohne die AfD (das die ihn wählen, kann er nicht verhindern, er kann aber dann darauf verweisen, das er auch ohne die AfD eine Mehrheit hätte). Dies ist verständlich. Der Kurs wäre dann, das diese Regierung baldmöglichst Neuwahlen anstrebt, schlussendlich hat sie keine stabile Mehrheit. Dafür bin ich auch. Doch wegen der CDU geht das nicht, die verweigert sich Neuwahlen.

Nun hat die Linke einen genialen Schachzug gemacht: wenn Ramelow für die CDU nicht tragbar ist, dann soll eben Liebermann, bis 2013 Ministerpräsidentin den Interimschef machen. Sie kommt ja von der CDU und dürfte so kaum abzulehnen sein. Bedingung ist eben, dass es Neuwahlen gibt, denn die CDU hat selbst mit FDP zu wenige Stimmen.

Ich halte das für genial. Zum einen ist so die CDU ausmanövriert mit ihrem Dogma der Nicht-Zusammenarbeit. Daneben dürfte sie ein Interesse haben den Ministerpräsidenten zu stellen. Aber sie hat auch keine Mehrheit und muss daher Neuwahlen zustimmen, außer sie will jede Abstimmung im Parlament verlieren.

Es ist auch genial, weil die Ergebnisse einer Neuwahl prognostizierbar sind. Die CDU schnitt ja schon durch die Kemmerich-Wahl in den Umfragen danach schlecht ab. Das Theater danach hat ihr noch mehr geschadet. Vor allem aber verstehen die meisten dieses Dogma nicht. Im Osten kommt man an den Linken schwer vorbei. Das ist ein Punkt. In diesem Landtag hätte es nach der Stimmverteilung nur eine Regierung mit Linken oder AFD gegeben, selbst wenn sich FDP, Grüne und SPD mit der CDU zusammengetan hätten. Da ein Dogma hochzuhalten und das Land so praktisch unregierbar zu machen, verstehen viele nicht. Vor allem hat Ramelow ja fünf Jahre lang regiert. Thüringen ging es in der Zeit nicht schlechter als vorher unter der CDU. Ich denke das ist wie bei uns in BW, wo die CDU 2011 als Kretschmann zum Ministerpräsident gewählt wurde, den Untergang des Landes vorhergesagt hat. Vier Jahre später hat sie nochmals an Stimmen verloren und ist inzwischen als Juniorpartner mit Kretschmann in der Regierung. Untergegangen ist BW nicht und ich denke die Politik von Ramelow hat genauso viel mit Linker Politik zu tun, wie die von Kretschmann mit Grüner Politik.

Ramelow hat also beweisen das er kein dogmatischer Linker ist der nun alles verstaatlicht. Die Linke hat auch bei der letzten Wahl 2,8 Prozent hinzugewonnen, die CDU aber 11,8 Prozent verloren. Wenn man als Wahlverlierer so ein Dogma beibehält dann lebt man nicht in der Realität. Vor allem wundere ich mich über das Bild das CDU-Abgeordnete von Ramelow zeichnen: ungeachtet seiner Arbeit bezeichnen sie ihn als „Sozialist“. Dabei stammt er nicht mal aus der DDR, sondern aus Hessen, dort gibt es eher wenige Sozialisten aber viele Kapitalisten.

Die CDU will daher auch keine Neuwahlen weil sich die Wähler, dann wohl zu Recht fragen ob sie eine Partei wählen sollen, die sich gar nicht die Mühe macht, mit anderen Parteien zu verhandeln, selbst wenn anders keine stabile Regierung möglich ist, sondern dogmatisch an Abgrenzungen festhält. Was passiert, wenn es nächstes Mal wieder so eine Situation gibt? Lindner hat sicher seinen Satz „es ist besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren“ inzwischen bitter bereut. Aber wie man sieht, ist die CDU heute nicht viel anders gesinnt. In einer Zeit, in der die großen Partien schrumpfen und es immer mehr Parteien gibt, generell Verbotszonen zu definieren, ist nicht nur weltfremd sondern, sondern liefert nur Steilvorlagen für extremistische Bewegungen wie die AfD.

Anders sieht es bei den Linken aus. Die sind im Aufwind. Ramelow steht als Opfer einer CDU-FDP-AfD Intrige da und mit dem Schachzug, werden sie noch mehr Wählerstimmen gewinnen, denn sie zeigen etwas was man heute fast nicht mehr sieht: sie denken an das Land und nicht an ihre Parteipolitik oder ihre Posten. In kleinerem Maße profitieren auch Grüne und SPD von dem Debakel, sodass, wenn sich die Meinung nicht dreht, es dann für eine stabile Mehrheit reichen würde. Dass die Ergebnisse für die AfD sich kaum verändert haben verwundert nicht. Wer eine Partei wählt, dessen Spitzenkandidat Björn Höcke man nach einem Gerichtsurteil als „Faschisten“ bezeichnen darf, der ist Sachargumenten nicht zugänglich.

Ich komme noch zum Argument, dass dieses Parlament demokratisch gewählt wurde und es ja keine Lösung sein könne so lange zu wählen, bis das Ergebnis „stimmt“. Ja das ist richtig. Aber es ist auch richtig, das die Parteien keine Regierung hinbekommen. Die Wahl war am 27.10.2019, das war schon bis zur Wahl von Ramelow drei Monate her. Drei Monate, in denen man versucht hat, eine Mehrheit zustande zu bekommen. Wenn das nicht geht, weil eine Partei sich verweigert, dann denke ich, sind Neuwahlen das letzte Mittel und ich sehe keine andere Lösung. Das ein Parlament die ganze Legislaturperiode durchhalten muss ist kein Gesetz. Ich habe auf Bundesebene zweimal erlebt, dass dem nicht so war. 1982 wechselte die FDP die Fronten und so wurde Kohl Bundeskanzler. Der hätte nun ja die restlichen zwei Jahre regieren können, hat aber Neuwahlen angestrebt, weil er sich bessere Chancen bei Vogel anstatt Helmut Schmidt als Gegenkandidat versprach mit einem Misstrauensvotum, bei dem die eigene Partei gegen ihn stimmte – Sorry aber das halte ich für viel verwerflicher. Schröder hatte eine stabile Mehrheit, verlor nach Harz IV aber jede Landtagswahl und stellte daher diese Politik 2005 zur Wahl, ebenfalls durch ein Misstrauensvotum. Neuwahlen sind kein Allheilmittel, aber wenn die Situation so verfahren ist, wie sie ist, dann halte ich sie für legitim.

Alternativ kann die CDU ihr Dogma aufgeben. CDU und Linke hätten zusammen die absolute Mehrheit, das wäre dann sogar nur eine Zwei anstatt Drei Parteien Koalition. Dann käme man um Neuwahlen herum. Doch da dies nicht so kommt, denke ich soll der Wähler entscheiden, ob er eine CDU wählen will, die nur mit ihren Lieblingspartnern koalieren will.

12 Stunden später

Den Beitrag bis hierher habe ich am 18.2 bis um 18:30 geschrieben. Ich wollte ihn am morgen eigentlich nur noch durchlesen und Rechtschreibfehler korrigieren. Dann bin ich ins Schwimmen gegangen und hörte in den Nachrichten, das er schon wieder veraltet ist. Da unterbreitet Ramelow und die Linken ein Angebot das heute Seltenheitswert hat, nämlich eines bei dem nicht die eigenen Interessen, sondern die Sorgen um das Land im Vordergrund stehen. Eine Haltung die heute selten geworden ist. Bei der CDU scheint sie völlig unbekannt zu sein. Denn der reicht es nicht, das sie so als 11,8 Prozent Partei den Ministerpräsident stellen kann. Sie will nicht nur eine Übergangregierung bis zu den Neuwahlen (dann wahrscheinlich im Mai) stellen, sondern gleich eine vollwertige Regierung die auch den Haushalt für 2021 aufstellen soll, also praktisch die Nachfolgeregierung in ihrer Handlungsfreiheit beschränken kann. Das Ziel ist offensichtlich: So wären Neuwahlen erst ein halbes Jahr später also im November. Man könnte also zum einen mit einem kleinen Regierungsbonus glänzen und die „dummen“ Wähler hätten ein halbes Jahr Zeit die Angelegenheit zu vergessen. Leute gehts noch? Mit 21,7 Prozent und 21 von 90 Sitzen ist die CDU weit von einer Mehrheit entfernt. Die hatte zwar auch Links-SPD-Grün mit 42 Sitzen nicht, aber da gab es die reelle Chance, dass man den einen oder anderen in der Opposition überzeugen konnte. Es gab ja nach der Wahl von Kemmerich eine Vertrauensabstimmung in der CDU-Fraktion, wo zwei von 14 nicht für Möhrung stimmten. Also als ein monolithischer Block steht die CDU nicht da. Zudem reicht es bei Abstimmungen ja auch einfach, sich zu enthalten oder nicht anwesend zu sein, damit eine Regierung ohne Mehrheit trotzdem beschlussfähig ist. Aber eine Regierung ohne Linke (das Verbietet ja ihr Dogma) hat selbst mit SPD, Grüne und FDP nur 39 Stimmen. Daneben dürfte fraglich sein, ob man vier Partien unter einen Hut bekommt und Grüne und SPD das mitmachen schließlich wollen sie ja nach der Wahl wieder mit den Linken koalieren und es sich nicht verscherzen. Was die Thüringen-CDU bei diesem Vorschlag geritten hat? Ich weiß es nicht. Ich stelle nur fest, dass zum einen mein letzter Blog-Titel zutrifft: Land of Confusion, wobei Mike Möhrung sehr gut die rolle von Ronald Reagan in dem Video zum Genesis Song einnehmen könnte. Zudem scheinen in Thüringen psychedelische Drogen bei der CDU weit verbreitet zu sein. Anders kann ich mir solche Vorschläge nicht erklären. Von der Unverschämtheit, wenn man Wahlverlierer ist eine vollwertige Regierung zu stellen, mal ganz abgesehen. Also ehrlich: wenn schon Minderheitsregierung, dann lassen wir alles wie es ist. Es ist dann ziemlich egal ob Kemmerich mit 5 Stimmen oder die CDU unter Liebermann mit 21 Stimmen die Regierung bildet. Beides ist weit von einer Mehrheit entfernt, bei der CDU liegt die Versuchung sogar nahe, mit Hilfe der AfD (22 Stimmen) zu regieren, denn in der Abgrenzung zu der tut man sich dort offensichtlich nicht so schwer, dabei ist die thüringische AfD noch rechter als der Bundesdurchschnitt mit Höcke als „Flügel“-Gallionsfigur.

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22.2.2020: Die Lösung für ein überflüssiges Problem: die mittlere Entfernung für eine Kartierung

Heute will ich mich wieder einem Problem widmen, das wohl für niemanden außer mir eines ist. Es geht um die Kartierung eines der erdnahen Planeten. Mit RADAR geht das bei allen, mit Kameras bei Mars und Merkur, wobei ab und an auch das Wetter bei Mars einen Strich durch die Rechnung machen kann. Ich denke dabei an einen polaren Satelliten, der bei jedem Umlauf einen festen Streifen aufnimmt. Jeder Streifen überlappt sich leicht und nach x Tagen ist der ganze Planet erfasst. Das ist zwar auch nicht optimal, denn so überlappen sich die Streifen jenseits des Äquators immer mehr und ab dem 60 Breitengrad vollständig und die Datenmenge entspricht so π/2 also rund 57 % mal mehr als die Fläche.

Das grundlegende Problem: der Abstand der Planeten schwankt und das nicht linear. Ich habe hier mal den Abstand der Venus von der Erde über eine gemeinsame Periode (582 Tage) wiedergegeben. Man sieht nicht nur den variablen Abstand, sondern das dieser sich auch unterschiedlich schnell ändert. Die Venus ist nur kurz in Erdnähe aber erheblich länger in Erdferne.

Für die Datenübertragung ist das Hauptproblem, das die Datenrate quadratisch abnimmt. Das heißt bei unter 40 Millionen km Minimalabstand und bis zu 257 Millionen km Maximalabstand schwankt die Datenrate um den Faktor 41! Ein Tag um den Minimalabstand erlaubt es also mehr Daten zu übertragen als in einem Monat im Maximalabstand (wobei da dann die Sonne zwischen Erde und Venus steht, dann in der Regel sogar gar kein Funkkontakt möglich, da die Radioemissionen der Sonne die Verbindung stören).

Früher musste man damit leben, entweder dann die Breite des Streifens anpassen, oder wenn dies nicht geht, z.B . bei der Venus, weil diese so langsam rotiert, das man einen versäumten Teil kaum aufholen konnte, eben die Auflösung reduzieren. Heute ist das anders. SSD-Platten sind unempfindlich und wiegen wenig. Eine 4 Terabyte SSD fasst die Daten von 46 Tagen, wenn diese mit 1 MByte/s geschrieben werden und das ist schon eine hohe Datenrate für eine Raumsonde. Man könnte also die Breite des Streifens und die Auflösung so anpassen, dass man die mittlere Datenrate über die Mission nutzen kann und mehr Daten nahe der Konjunktion übertragen als nahe der Opposition.

Nun muss man nur noch den mittleren Abstand ermitteln, also den Abstand, den man hat, wenn man weder Daten speichert noch ausliefert. Schon der mittlere Abstand über die Zeit ist nicht einfach zu bestimmen, da er zeitlich so variabel ist. Der Abstand für die Datenrate ist noch dazu ein anderer. Dazu ein Beispiel vom Mars, der zwischen 100 und 400 Millionen km von der Erde entfernt sein kann:

Wenn man die Daten in 100 Millionen km Distanz in 1 Sekunde übertragen kann, dann dauert es in 400 Millionen km (400 /100]²* 1 = 16 Sekunden. Eine Übertragung nur bei diesen Punkten mit einem festen Paket dauert dann zusammen 1 + 16 = 17 s. Im Mittel also 8,5 s. Das entspricht, da die Datenrate quadratisch abnimmt Wurzel(8,5)*100 = 291 Millionen km. Die mittlere Distanz ist dagegen (100 + 400) / 2 = 250 Millionen km.

Das die so ermittelten Distanzen eher weiter entfernt sind zeigt auch das zweite Bild, diesmal bei Mars über eine Periode von 15 Jahren erstellt. Das Balkendiagramm gibt an, wie viele Tage in dieser Zeit für die Entfernung zwischen x und x+10 Millionen km entfallen. Man sieht das die meisten Tage bei der größten Distanz auflaufen und dann kommt die nächste Annäherung. Die Periode dazwischen dagegen eher unterdurchschnittlich ist. Bei Mars habe ich 15 Jahre genommen, weil der Abstand mit einer Periode von abwechselnd 13 und 15 Jahren schwankt. Die Umlaufbahn des Mars ist elliptischer als die der Erde mit minimalen und maximalen Sonnenentfernungen von 206 und 249 Millionen km (bei der Erde nur 147,5 / 151,5 Mill. km). Daher kann der Mars bei der nächsten Annäherung nur 206 Millionen km entfernt sein (Abstand dann unter 56 Mill. km) und bis zu 102 Mill. Km entsprechend schwankt auch der maximale Abstand.

Was heißt das nun konkret?

Nehmen wir einen Radarorbiter, der die Venus in 5 Jahren kartieren soll. Acht Stunden pro Tag wird gesendet, mit durchschnittlich 500 kbit/s (erreichbar mit einer 2 m Sendeantenne, 100 Watt Sender und 35 m Empfangsantenne, bei einem Abstand von 200 Millionen km). Während der 5 Jahre soll die doppelte Venusoberfläche erfasst werden, das lässt Platz für Überlappungen und Wiederholungen.

Die gesamte Datenmenge beträgt 26,28 Tbit. Das sind, wenn man 50 Bit pro Bildpunkt rechnet (Radardaten sind umfangreicher als fotografische Daten) 525 Milliarden Bildpunkte die eine Fläche von 1445 Mill. Km² (wie erwähnt gibt es Überlappungen der Streifen) abbilden, also 363 Bildpunkte pro Quadratkilometer oder eine Auflösung von ~ 52 m pro Bildpunkt. Bei Abtastung über 12 Stunden pro Tag wäre, das ein Streifen von 2,6 x 7 km der kontinuierlich abgetastet wird.

Nimmt man im Worst Case Fall, dass man die gesamten Daten eines halben Umlaufs speichern muss, so benötigt man bei einer gemeinsamen Periode von 582 Tagen einen Datenspeicher mit einer Kapazität von 524 GByte, also ziemlich genau genauso groß wie eine Konsumer-SSD.

Die Vorteile dieses Konzepts sind neben der konstanten Auflösung natürlich die, das man so auch Daten nochmals übertragen kann, wenn sie aus welchen Gründen auch immer nicht empfangen werden. Dann kann man sie einfach nochmals übermitteln und erst dann löschen. So kann man auf das K-Band ausweichen das bisher wegen der Problematik, dass es zwar höhere Datenraten erlaubt, aber die Ausfälle viel öfters vorkommen, wenig genutzt wird. In der Praxis würde man bei Vorliegen eines großen Datenspeichers wahrscheinlich anders vorgehen und um den Zeitpunkt der nächsten Annäherung kontinuierlich senden, eventuell sogar unter Zuhilfenahme der 70 m Antennen und die Sonde bei der größten Entfernung weitestgehend autonom Daten sammeln lassen, um Kosten für das Bodensegment einzusparen. Schließlich ist bei der Venus 1 Tag um den nächsten Abstand herum gleichbedeutend mit 41 Tagen in maximaler Entfernung, was die Datenmenge betrifft, die übertragen werden kann.

Planet

Mittler Abstand

Mittlerer Quadriter Abstand

Merkur

157

162

Venus

169

183

Mars

254

274

25.2.2020: Patient Nummer Null und CORONA-Hysterie

Nachdem es nun auch in Italien einige Todesfälle durch das COVID-19 Virus, das allerdings besser bekannt unter dem ersten Namen Corona Virus ist, gab, sucht man dort nun hektisch nach dem Patienten Nummer Null. Das ist der Infizierte, der die "Seuche" nach Italien geschleppt hat. Mir kamen da unschöne Erinnerungen auf, an die Achtziger Jahre und die AIDS-Hysterie. Da gab es im Spiegel eine Serie über das Virus und die Geschichte bis dahin. Die mahlte ein Schreckenszenario aus, in dem man bei jedem Sex Angst vor Ansteckung haben müsste, einer Epidemie untermauert durch rapide ansteigende Infektionszahlen und auch immer mehr Tote. Eine Artikel widmete sich auch der Suche nach Patient Nummer Null. Man machte den Steward Gaetan Dugas als diesen Patienten Nummer Null aus und las man den Bericht, so hat dieser noch weiter ungeschützten Geschlechtsverkehr praktiziert, als er schon von der Erkrankung wusste und auch das sie tödlich war. Das war fast schon eine Hetze. Passte auch alles in Stereotyp-Bild. Ein schwuler Flugbegleiter, der so durch ganz Nordamerika kommt und in jedem Ort mit unzähligen Sexpartnern Verkehr hat und so das Virus verbreitet. Dugas starb 1984, erst 2016 konnte nachgewiesen werden, das es schon 1969 einen Todesfall durch AIDS gab und er nicht Patient Nummer Null war.

Etwas anderes erinnert mich an AIDS. Damals wollte der damalige bayrische Innenminister Peter Gauweiler Schwule, Fixer und Prostituierte Zwangstests unterziehen, das sogar auf angehende Beamte ausdehnen. Horst Seehofer wollte sogar Infizierte kasernieren, also in abgeschlossene Einrichtungen bringen, „konzentrieren“ wie er es ausdrückte – daran hat sich nichts geändert, nur sind es heute eben Flüchtlinge die man in „Ankerzentren“ unterbringt. Klingt als Abkürzung aber auch nicht viel anders als KZ. Hinzugelernt hat „Crazy Horst“ wie er selbst in der CSU genannt wird also in den letzten Jahrzehnten nichts. China riegelt eine ganze Region ab, Italien ganze Ortschaften. Was man damals nicht tat, obwohl in der allgemeinen Wahrnehmung damals AIDS noch als Schwulenkrankheit galt und die noch Jahrzehnte mit Vorurteilen kämpfen musste, scheint heute ganz schnell zu gehen und das bei der Allgemeinbevölkerung, also nicht nur Infizierten. Betroffen sind so viel mehr Menschen. In Italien Zehntausende, in China über 34 Millionen.

Es ist eine Hysterie. Klar, es sind inzwischen Zig-Tausende mit COVID 19 infiziert und über 1000 an dem Virus gestorben. Aber man sollte das mal bitte im Gesamtkontext sehen. Die ganz normale Grippe hat 2017/2018 alleine in Deutschland 25.100 Menschen das Leben gekostet. COVID-19 hat nach den bisherigen Erfahrungen eine Letalitätsquote von etwa 2 Prozent. Selbst, wenn die ganze Erdbevölkerung infiziert wäre, wären das nicht mehr Tote, als die Bevölkerung in einem Jahr wächst, von wirklichen Seuchen, wie die Pest, im Mittelalter, bei der bis zu einem Drittel der Bevölkerung starben, oder auch nur der spanischen Grippe, die von 1918 bis 1920 nach dem ersten Weltkrieg zwischen 25 und 50 Millionen Menschenleben kostete. Nur zum Vergleich: im Ersten Weltkrieg, der kurz zuvor endete, starben in vier Jahren nur 17 Millionen Menschen und dem wird dauernd gedenkt, in den letzten Jahren besonders oft, weil es 100 Jahre her ist. Die Grippe hat man dagegen eher vergessen. Ein UN-Mitarbeiter war auch überrascht von dem Medienecho, denn am selben Tag, als die erste Meldung über Corona veröffentlicht würde und gleich in die Schlagzeilen kam, obwohl es nur wenige Tote bis zu diesem Zeitpunkt gab, veröffentlichte die UN, das es alleine in Afrika 6.000 Tote durch Masern gab, um auf den Mangel an Impfstoffen gegen eine Erkrankung hinzuweisen, die man anders als Corona recht gut präventiv bekämpfen kann. Auch in Deutschland gab es von 2007 bis 2016 zusammen 280 Tote durch Masern, aber keinen einzigen durch Corona. Trotzdem scheiterte Spahn mit einem Gesetzentwurf, der eine Impfpflicht vorsieht. Dabei sind Masern ja eher ein kleines Problem, weil die nicht geimpften vom Impfschutz der Gesamtbevölkerung profitieren, durch die sich das Virus schwerer verbreiten kann. Aber in dem 10 Jahreszeitraum starben insgesamt 190.000 Menschen in Deutschland durch Krankheiten, gegen die man impfen kann, vor allem Grippe.

Trotzdem werden Impfgegner mit ihren Kindern nicht so isoliert wie China-Heimkehrer, geschweige denn, das man ganze Städte unter Quarantäne stellt. Aktionismus? Kann sein. Wenn man nichts tun kann, dann greift man zu Maßnahmen, deren Wirksamkeit eher umstritten ist. Schlussendlich müssen in die Regionen ja auch Lebensmittel kommen, so richtig isoliert sind sie nicht. Von den vielen Passagieren, die vor der Quarantäne aus dem Ausland kamen und infiziert sein könnten mal ganz zu schwiegen. Die globale Vernetzung führt ja auch dazu das bei uns Autohersteller und Apple ihre Produktion runterfahren müssen, weil eine kleine Region in China die vorher niemand kannte, nun unter Quarantäne steht.

Heute ist aber auch die Politik nicht mehr so selbstbewusst wie ind en Achtzigern. Obwohl man sicher damals viel mehr Verständnis für eine Kasernierung gefunden hätte, betroffen waren von AIDS schließlich vor allem Randgruppen wie Schwule, Fixer und Prostituierte, zudem war die Krankheit absolut und nicht nur zu 2 % tödlich, kam es damals nicht dazu. Damals konnte man auch noch Entscheidungen fällen, die höchst unpopulär waren wie den Nachrüstungsbeschluss. Trotzdem waren die Politiker wohl besonnener und verantwortungsvoller. Heute überbieten sich die Parteien im Populismus. Nur keinen verärgern. Klimakollaps verhindern, aber bitte ohne Kosten für die Leute, ohne Einschränkungen wie Fahrverbote oder Tempo 130. Wenn man aus der Kohle aussteigt, dann mit Milliardenregen. Der Umgang mit Corona sagt mehr über unsere Gesellschaft aus, als über die Gefährlichkeit des Viruses.