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Web Log Teil 584: 28.2.2020 - 14.3.2020

28.2.20202: Nicht mehr wählbar

Gestern ging das Kasperletheater bei der CDU in eine neue Runde. Ich schreibe zuerst mal die letzten Ereignisse wieder auf die ich mich beziehe, weil der Blog ja auch noch nach Jahren einsehbar ist, ich habe ja gelernt – alle paar Monate zieht jemand einen SpaceX Blog von 2009, 2010 oder 2011 heraus um zu meinen, wie unrecht ich doch hätte. Das der Kurs der Firma und technische Daten der Falcons sich seitdem massiv geändert haben, völlig ignorierend. Mal als Diskussion – sollte ich so was wie ein „Vergessen“ einführen, das ein Blog nach einer bestimmten Zeit nicht mehr online ist?

Aber zurück zur Zusammenfassung.

Nachdem Thüringens Wahldebakel immer noch nicht ausgestanden ist – die CDU von Thüringen hatte sich zuerst mit Linken, SPD und Grüne darauf geeinigt, das sie Ramelow wählen und eine Minderheitsregierung unterstützen – dann aber noch am selben Tag zurückgerudert. Dabei kamen diese der CDU ziemlich entgegen so soll es erst im nächsten April Neuwahlen geben, weil wenn es nun jetzt gleich Neuwahlen gäbe, würde die CDU nochmals verlieren würde.

Die Bundes-CDU hat das zuerst auch abgelehnt, dann, weil es eben doch keine Alternative gab, nun partiell zugestimmt, was immer das heißen mag. Damit scheint Thüringen erst mal kein Krisenherd mehr zu sein, zumal der CDU Chef Mike Mohring auch seinen Rücktritt angekündigt hat.

Den hat Annegretchen schon angekündigt, immerhin folgerichtig, nachdem was ihr in den letzten eineinhalb Jahren so alles widerfahren ist. Von Fettnäpfchen-Fasnachstreden über den Vorschlag einer Medienzensur bei Videoblogs, über nicht gehaltene Versprechen (will nicht im Kabinett sein), als Verteidigungsministerin macht sie auch keine gute Figur und Durchsetzungsvermögen scheint sie ja auch keines gehabt zu haben.

Nun geht das Rennen um die Nachfolge los. Nachdem Laschet, Spahn und Merz sich schon innerparteilich als Nachfolger ins Gespräch brachten, was natürlich beabsichtigterweise nach außen dran, fühlte sich auch Norbert Röttgen für das Amt berufen. Anders als die obigen Drei hat er es aber offiziell angekündigt. Das gipfelte nun gestern darin, dass auch Merz eine Pressekonferenz ankündigte, die dann von Laschet/Spahn um knapp 2 Stunden unterboten wurde. Sorry, aber so was nenne ich wirklich Kasperletheater nach dem Motto „Wer ist der erste“.

Ich halte von den vier Kandidaten gleich viel – nämlich nichts. Laschet sagt mir als Lokalpolitiker nichts, verständlich, man bekommt von der Landespolitik anderer Bundesländer eigentlich nur, was mit, wenn es entweder besonders gut oder besonders schlecht läuft. Beides scheint nicht der Fall zu sein. Immerhin kann er so auf einen Bonus aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland hoffen. Laschet soll für den Kurs von Merkel stehen, was für mich schon eine Disqualifikation ist, denn die Politik von Merkel ist es, sich durchzumogeln. Wesentliche gesellschaftliche Veränderungen werden nicht gemacht, so eine dauerhafte Finanzierung der Renten- und Krankenversicherung, ein einheitliches Bildungswesen oder auch mal eine einfachere Steuererklärung ohne Ausnahmen die nur Reichen nützen. Stattdessen gibt es immer Geschenke, damit man gewählt wird oder nicht aneckt, so bei den Rentnern, dem Kohleausstieg und den Elektroautos.

Merz ist ein völlig unbeschriebenes Blatt. Er hat nie ein Regierungsamt innegehabt, hat es maximal bis zum Fraktionsvorsitzenden gebracht. Es gibt noch seinen Vorschlag der Steuererklärung auf dem Bierdeckel, für den ich etwas übrig hätte – seit zwei Jahren muss sich drei Steuererklärungen machen, weil ich drei verschiedene berufliche Tätigkeiten mit Einnahmen habe (Programmierer, Buchautor, Betrieb der Webseite), wenn es auch zusammen gerade mal für die Steuerfreigrenze reicht. Es wird immer schlimmer und immer komplizierter. Aber das Konzept ist 20 Jahre her und es gibt keinen Anhaltspunkt, dass er dazu noch steht. Wäre zumindest für ihn als Spitzenverdiener auch eher nachteilig. Meiner Erfahrung nach setzen Leute aber selten etwas durch, was sie selbst benachteiligt.

Für Spahn spricht, dass er noch jung ist und trotzdem schon Regierungserfahrung hat. Ich traue ihm eher zu dann Probleme anzupacken, die unpopulär sind, aber die gelöst werden müssen. Seine Bilanz als Gesundheitsminister ist für mich durchwachsen. Gesetze, die ich begrüße, wie die Spenderpflicht stehen Vorstöße gegenüber, die halbherzig waren, wie bei der Impfpflicht und einiges lehne ich auch ab so die gesetzliche Regelung für die Sterbehilfe, die nun auch vor dem Verfassungsgericht steht oder das Spahn allen Ernstes meint, man müsse für die Legalisierung von Cannabis warten, bis es erst in anderen Ländern Erfahrungen gäbe - dabei gibt es genügend Länder, bei denen es schon vor Jahrzehnten legalisiert wurde. Röttgen dürfte zumindest von der Art her der beste Merkelnachfolger sein, denn er kommt immer ziemlich hochnäsig daher und scheint wie Merkel beratungsresistent zu sein. Immerhin hat er anders als andere Wahlverlierer 2012 sein Amt in NRW zur Verfügung gestellt und wurde als Belohnung von Merkel auch noch aus dem Kabinett geschmissen, während viele andere mit aller Macht an ihrem Amt klammern.

Immerhin will die CDU sich einen Marathon wie die SPD ersparen und die Nachfolge bei einem Bundesparteitag am 25.4. beschließen. Laschet und Spahn haben sich geeignet. Immerhin etwas: Spahn wird Stellvertreter. Okay, das heißt, im Prinzip er hat verloren, denn der Stellvertreter hat in der CDU nichts zu sagen. Ich halte auch nichts von einer Doppelspitze, denn es kann ja nur eine Richtung geben. Als langjähriger Grünen-Wähler habe ich das schon bei den Grünen nie verstanden. Warum musste es da immer einer von dem Fundi-Flügel und ein Realo sein? Es gibt ja nur immer eine Richtung, man kann um das extremste Beispiel zu nehmen eben nur für einen NATO-Einsatz im Kosovo sein oder eine pazifistische Grundhaltung haben. Beides geht nicht. Dann musste es bei den Grünen immer eine Frau sein, was aber nicht automatisch heiß das der zweite Vorsitzende ein Mann ist, denn da konnte sich auch Frauen stellen und es gab etliche Doppelspitzen mit zwei Frauen.

Aber zurück zur CDU. Merz will alleine antreten, wundert mich bei den Äußerungen von ihm nicht. Röttgen zusammen mit einer Frau, wahrscheinlich als politischer Schachzug. So wie die CDU aber derzeit an der politischen Meinung der Bevölkerung vorbeischrammt, denke ich wird er die falsche aussuchen. Die für mich absolut ungeeignetste wäre Julia Klöckner. Seit sie Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft ist, fällt sie nur durch Anbiederung an die Industrie auf und ihre Initiativen bestehen entweder im Verhindern von Regelungen wie Kastrierungsverbot ohne Betäubung bei Schweinen oder Tötung männlicher Küken oder unverbindlichen Absprachen. Gleich schlimm wäre Anja Karliczek. Sie fiel bisher nur durch Untätigkeit im Bildungsministerium auf, bzw. wenn sie mal etwas sagt, dann zeugt das nicht gerade von Verständnis wie ihre Äußerungen über gleichgeschlechtliche Partnerschaften oder zum Ausbau des 5G Netzes. So kann ich bei der Fähigkeit von CDU-Politikern, immer genau die falsche Entscheidung zu treffen, darauf wetten, dass es eine der beiden Damen sein wird.

Davon unabhängig ob es nun ein „Weiter-So“ oder eine neue Politik sein wird, die vermutlich eher gegen Rechts geht, um die AfD zu schwächen und dann eher eine Politik für Besserverdienende sein, dazu noch mehr. Was mich aber wirklich entsetzt hat, waren die Äußerungen der Bundes-CDU vor allem aber auch der ersten drei Kandidaten zu Thüringen. Ungeachtet des Faux-Pases der Kemmerich-Wahl und ungeachtet, dass es keine Mehrheit in Thüringen, egal in welcher Konstellation ohne die Linken oder AfD gibt, auf diesem Parteitagsbeschluss herumzureiten. Hey, was kümmert mich, ob ein Bundesland im Chaos versinkt, wenn ich doch beschlossen habe, dass wir nicht mit den Linken zusammenarbeiten, egal, um welche Personen und politische Standpunkte es geht. Damit hat die CDU auch Ramelow mit Björn Höcke gleichgesetzt denn der Beschluss gilt ja auch für die AfD. Eine Partei, die sich prinzipiell weigert, mit bestimmten anderen Parteien zusammenzuarbeiten ist in einer Zeit, wo sechs Parteien im Parlament sitzen, für mich regierungsunfähig, weil es kaum noch möglich ist, mit einem Partner eine stabile Regierung zu bilden, außer es ist eine große Koalition, die aber auch immer kleiner wird und stand heute würden CDU und SPD keine große, keine Kleine Koalition, sondern gar keine Mehrheit mehr haben. So ein Verhalten konnte sich noch kohl erlauben als es CDU und SPD mit beide über 40 Prozent waren und dann noch FDP und Grünen mit jeweils unter 10 Prozent. Heute sind die Grünen zweitstärkste Kraft im Parlament, die anderen kleinen Parteien haben auch zugelegt und die Volksparteien sind zusammengeschmolzen. Die FDP ist ja auch nicht viel besser. Sie haben ja die Verhandlungen abgebrochen, weil sie zu wenig ihrer Positionen (als kleinste der drei Parteien) durchsetzen konnten. Die Logik, dass ich in die Opposition gehe, wo ich Null Prozent durchsetzen kann, anstatt in der Regierung zu sein wo ich zumindest etwas durchsetzen kann erinnert mich auch eher an das Verhalten eines Kindes im Trotzalter.

Dann waren ja noch Wahlen im Hamburg. Erwartungsgemäß haben FDP und CDU nach Thüringen kräftig verloren. Was ich erstaunlich fand, war, dass auch die AfD verloren hat, dabei hatte sie dort nie den Rückhalt wie in anderen Bundesländern. Das war das erste Mal, dass sie bei einer Landtagswahl verloren haben seit ihnen 2014 der Sprung in den Landtag von Sachsen gelang. Man kann also diese Partei bekämpfen. Ich hoffe mal, das vielleicht der eine oder andere Protestwähler nachdenkt, ob ihm sein "Protest" so viel wert ist, dass ein Land unregierbar wird und ob es auch seine Meinung ist, dass die AfD nicht mal ihren eigenen Kandidaten wählt, sondern um eine Krise hervorzurufen Kemmerich von der FDP.

Ich glaube auch das kaum, einer der Wähler im Osten sich mal das Parteiprogramm dieser Partei angesehen hat. Klar, die Positionen zu Asylpolitik sind bekannt. Aber die haben eigentlich recht wenig mit dem Einfluss der Politik auf das tägliche Leben zu tun. Man möge mal einen Blick in das Partieprogramm werfen, und man wird in der Wirtschaftspolitik die FDP wiederfinden: Spitzensteuersatz von 40 %, Abschaffung von Harz-IV (wohlgemerkt ohne Ersatz). Teilweise noch extremer. Bis zur Europawahl war auch der Austritt aus der EU Bestandteil, das hat man als die Stimmung wegen des Brexits kippte, dann schnell entschärft. Unter Lucke war sogar noch die Einführung der D-Mark ein Programmpunkt. Die AfD begann als wirtschaftsliberale Partei und das ist sie immer noch. Nur die Erfolge im Osten kamen mit dem Ruck zu den Naziparolen. Im Westen, wo „der Flügel“, der für diese Ideologie steht, auch weniger einflussreich ist, ist ihr Stammklientel das der Besserverdienenden, Selbstständige, gehobener Mittelstand, also die typische FDP/CDU Wählerschaft und entsprechend hat auch die FDP massiv Wähler an die AfD verloren. Ich glaube aber im Osten wählen sie eher weniger die Reichen, als die einkommensschwachen Schichten, die sich durch Asylanten bedroht sehen, die könnten ihnen ja die Jobs (die es nicht gibt) wegnehmen. Nur ob die so erfreut sind über den Wegfall von HARZ-IV? Ich denke eher nicht. Außenpolitisch ist die AfD pro USA und für eine kräftige Aufrüstung, würde ich meinen ist jetzt auch nicht gerade eine Position die viele vertreten. Mit der AfD würde es auch keine Subventionen geben, von denen der Osten am meisten profitiert, nur mit weiteren Milliarden aus dem Kohleausstieg und AfD / FDP waren letzte Woche die einzigen Parteien, die gegen die Verlängerung der Mietpreisbremse gestimmt haben, klar geht auch gegen ihre Stammwähler.

Ich würde die AfD schon deswegen nie wählen, weil mir das Führungspersonal völlig unsympathisch ist. Da gibt es Proleten die andere nur beschimpfen und verleumden in einer Art, die vielleicht noch in bayrischen Stammtischen zieht, aber nicht bei Menschen mit Verstand. Da wird es peinlich, wenn Weidel sich mit schweizerischem Schwarzgeld bei Facebook Likes kaufen muss – wer im Recht ist kümmert sich nicht drum ob andere die Meinung gut finden. Oder Gauland im Sommerinterview 2019 auf 17 von 33 Fragen keine Antwort weiß (weil die die Außen-, Gesundheits-, Sozial-, Klima- und Wirtschaftspolitik betreffen und nicht das einzige Thema. zu dem er schwadronieren kann) und da gibt es Dumpfbacken, anders kann man es nicht nennen. wie Beatrix von Storch und ihr Vorschlag der Bekämpfung des Klimawandels – lass die Sonne einfach mal weniger scheinen. Wörtliches Zitat „wir sollten sie Sonne verklagen“. Wohlgemerkt. Storch ist die „Klimaschutzexpertin“ der AfD.

Es gibt ja die Theorie, dass die Leute vor allem Politiker wählen, die nicht so intelligent sind. Vor allem in den USA scheinen wie Wähler Angst zu haben, das intelligente Politiker das Volk betrügen, ausbeuten oder sonst was machen, in den USA gibt es ja eine gewisse Paranoia gegenüber der Regierung. So gesehen können wir uns in Deutschland noch glücklich schätzen, dass die AfD nicht die absolute Mehrheit hat, denn ich schätze deren Spitzenpersonal (vielleicht mit Ausnahme von Meuten) als erheblich dümmer, als den Durchschnitt der Bevölkerung ein.

1.3.2020: Der 29.ste Februar und der Kalender

Eigentlich wollte ich den Blog schon gestern schreiben, doch ich kam nicht dazu. Wie auch immer, ich denke er ist auch ganz nützlich außerhalb des Schalttages. Es geht um den Kalender, bzw. wie man zu unserem heutigen Kalender kam. Das Thema ist natürlich komplex, hat doch praktisch jede Kultur einen Kalender entwickelt, und ich bin weit davon weg in dem Thema Experte zu sein, aber ein paar Grundlagen kann ich doch vermitteln.

Kalender in jeder Form sind ja eine künstliche Einteilung der Zeit. Natürlicherweise gibt es nur drei Vorgaben, von denen zwei Bedeutungen für das tägliche Leben haben:

Das Jahr ist mit 365 Tagen ziemlich lang und so haben alle Kulturen noch ein kürzeres Zeitmaß zwischen Tag und Jahr eingeführt und das war der Monat. Der Name klingt nicht nur nach Mond, er leitet sich direkt davon ab. Der Mond umrundet die Erde in 27.322 Tagen. In allen Kulturen ist der Monat aber länger. Man orientiert sich nicht nach der Umlaufperiode des Mondes (siderischer Monat), sondern den Mondphasen (synodischer Monat). Der synodische Monat ist 29,53 Tage lang. Der Unterschied liegt darin, das Erde und Mond sich drehen. Nach einem Tag hat sich der Mond in der Bahn etwas weiter gedreht, das heißt die Erde muss sich noch etwas weiter drehen (das dauert rund 53 Minuten) damit er für einen Beobachter wieder an derselben Position am Himmel steht, das gilt auch für die leicht zu bestimmenden Zeitpunkte des Aufgehens und Untergangs. Wer mal Lust hat, kann das selber beobachten – jeden Tag geht der Mond etwa eine Stunde später auf bzw. ist an einem bestimmten Punkt am Himmel eine Stunde später. Das summiert sich über eine Bahnperiode eben zu eineinhalb Extratagen. Dazu kommt, und das ist auffälliger, das der Mond ja nach Stellung von Erde und Sonne Phasen zeigt, also in einem Monat einen Zyklus von Vollmond zu Neumond und wieder zu Vollmond durchläuft. Auch dieser folgt dem synodischen Monat. Der siderische Monat gibt dagegen die Periode wieder, in der Erde und Mond relativ zu einem Fixpunkt wie den Sternen die gleiche Position haben. Während die siderische Periode bei allen anderen Himmelskörpern außer Sonne und Mond die wichtigere ist, spielte sie bei der Kalenderfindung keine Rolle, denn ohne Teleskop ist das beim Mond relativ schwer zu beobachten, weil der Mond die Umgebung überstrahlt. Wichtiger aber noch: da die Mondachse zum Erdäquator um 5,2 Grad geneigt ist steht der Mond für einen Beobachter nicht nach 27,32 Tagen wieder bei denselben Sternen, sondern man sieht durch den schrägen Blickwinkel andere Sterne.

Die Phasen sind auffällig. Auch wenn es für einen Laien schwer ist, zu sagen ob an einem Tag Vollmond ist oder es schon ein Tag danach (oder davor ist), so gibt es noch ein zweites Indiz für diesen Tag – an diesem Tag sind Sonne und Mond auf entgegengesetzten Seiten der Erde, d.h. der Mond und Sonne sind nie gleichzeitig zu sehen. Der Mond geht am anderen Horizont auf, wenn die Sonne untergeht und umgekehrt und das ist leicht beobachtbar.

Etwas schwerer ist es mit dem Jahr. Die Position der Sonne relativ zu den Sternen ist nur bei einer Sonnenfinsternis beobachtbar und da haben die Leute meistens anderes zu tun. Allerdings variiert innerhalb eines Jahres der Verlauf der Sonne über das Firmament, und damit auch der Punkt wo sie am Horizont auf oder untergeht,also ihn schneidet. Viele Kulturen bauten daher Einrichtungen, um diesen Zeitpunkt zu bestimmen. Stonehenge diente dazu, ebenso Maja Tempel. Das Prinzip: Man benötigt zwei Fixpunkte der dritte Punkt ist der Beobachter. Nur an einem Tag ist die Sonne vom Beobachter dann nur in Verlängerung der beiden Fixpunkte zu sehen. Geht bei Stonehenge die Sonne also zwischen zwei Steinen auf oder unter oder fällt das Licht in einem Mayatempel durch einen schmalen Spalt direkt auf eine Markierung an der entgegengesetzten Wand, dann ist der Tag gekommen. Ihn kann man nutzen um einen anderen Kalender zu korrigieren z.B. Extratage einzuführen. Genutzt wurden als Fixtage meist die Sommer- oder Wintersonnenwende. Oft wird ja gesagt, man habe diesen Aufwand getrieben, um den Aussaatzeitpunkt zu finden. Ich bezweifele dies. Zum einen würde man dann die Tag- und Nachtgleiche am 21.3. nehmen. Die Sommersonnenwende ist zu spät und um die Wintersonnenwende macht man garantiert keine Landwirtschaft. Zum anderen ist die Abhängigkeit der Landwirtschaft von den Jahreszeiten, die ja immer als Argument angeführt wird, gerade in den Zivilisationen wie als erste hoch entwickelt waren viel geringer als man denkt. In Mesopotamien waren drei Ernten pro Jahr möglich, relativ unabhängig vom Wetter. Selbst bei uns wo die Jahreszeiten viel stärker ausgeprägt sind geht es einfacher. So treiben bestimmte Pflanzen relativ zuverlässig zu einem bestimmten Zeitpunkt aus. Bei uns wird seit Jahrzehnten z.B. die Apfelblüte also so ein Biomarker protokolliert. Auf entsprechenden Karten kann man nicht nur sehen wie die in Deutschland von Tag zu Tag nach Norden fortschreitet, sondern auch, wie sie durch die Klimaerwärmung immer früher kommt.

So hatten viele frühe Kulturen auch keinen Kalender auf Basis des Sonnenjahres, sondern einen auf Basis des Mondjahres. Da in ein Jahr nicht ohne Rest zwölf oder gar dreizehn Mondmonate passen, laufen diese Kalender auseinander. Reine Mondkalender, die abwechselnd 29 und 30 Tage haben, sind selten, der islamische Kalender ist aber so einer. Ramadan fällt daher fast jedes Jahr in einen anderen Monat da ein Kalander aus je 6 Monaten mit 29 und 30 Tagen um 11 Tage zu kurz ist. Verbreiteter waren die Lunarsoalren Kalender also Kalender, die Mond und Sonne zusammenbrachten. Das ging entweder über einen sehr langen gemeinsamen Zyklus, so sind 19 Sonnenjahre in etwa genauso lang wie 235 Mondmonate oder man schob einfach zum Jahresende Schalttage ein.

Das heutige Kalendersystem, der solare Kalender ist damals nicht so populär gewesen, aber es war in Ägypten verbreitet denn die Ägypter waren von den Jahreszeiten abhängig. Schon mehrere Tausend Jahre vor Christus bauten sie das Nilometer, eine Messvorrichtung in einem Tempel an der Grenze zu Nubien, dem heutigen Sudan. Deutete sich die Nilflut an, so wurden Boten mit einer Prognose zum Pharao geschickt, damit der diese offiziell einläuten konnte, denn er war ja Gottkönig. Der Nil überschwemmte nicht nur die Felder, sorgte also für Wasser er lies auch fruchtbaren Schlamm zurück und war so für die Fruchtbarkeit wichtig. Später bekamen die Ägypter heraus, das dies ein periodisches Ereignis war, die Nilflut hat ihre Ursachen in der Frühjahrsschmelze in Äthiopien. Daraufhin entwickelten sie ein Kalendersystem, das auf astronomischen Beobachtungen basierte und eben die 365 Tage mit einem Schalttag alle vier Jahre umfasste. Die Beobachtungen betrafen übrigens nicht die Sonne, sondern die Auf- und Untergänge von markanten Sternen. So war Sirius dann nachts sichtbar, wenn die Nilflut zu erwarten war.

Julius Cäsar weilt in Ägypten, wo ihn Kleopatra bezirzte. Sie versuchte ihn aber auch mit der ägyptischen Kultur zu beeindrucken, militärisch hätte das Land ja keine Chance gegen Rom und seine Expansionsgelüste gehabt. Und den Kalender hat Julius Cäsar übernommen. Vorher hatte Rom einen lunarsolaren Kalender mit 355 Tagen, dem alle zwei Jahre Schaltmonate von 22 bis 23 Tagen Länge eingefügt wurden. Der julianische Kalender hat 365 Tage und alle vier Jahre einen Schalttag, eben den 29 Februar. Ihm zu Ehren wurde ein Monat in Juli umbenannt. Die Priester haben die Regel aber falsch verstanden und führten einen Schalttag alle drei und nicht alle vier Jahre ein. Das hat Augustus korrigiert und dreimal den Schalttag ausfallen lassen, weshalb man auch nach ihm einen Monat benannte.

Damit wäre die Story fast komplett erzählt, leider ist das Jahr aber 365,2422 Tage lang und nicht 365,25. Pro Jahr entsteht so eine Differenz von 11 Minuten, die zu einem Tag alle 128 Jahre zu viel führt. Das fiel zuerst nicht auf, aber über die Jahrhunderte summiert sich das auf und es fiel auf bei der Berechnung von Ostern. Das ist ja astronomisch definiert und rutsche im Jahr immer weiter nach vorne. So hat Papst Gregor der VI die bisher letzte Kalenderreform angestoßen, indem er 1582 die Regel abänderte: nun entfiel jedes Jahrhundert ein Schalttag, und zwar immer dann, wenn ein neues Jahrhundert beginnt. Das hätte die Abweichung auf 3,4 Minuten reduziert, nun aber nicht vorrückend, sondern nacheilend. So wäre alle 423 Jahre wieder ein Schalttag nötig. Als zweite Maßnahme gibt es so bei auf 400 teilbaren Jahrhunderten (so auch im Jahr 2000) trotzdem einen Schalttag. Der Kalender geht nun so genau, dass man erst nach etwa 7200 Jahren einen Schalttag weglassen muss. Der gregorianische Kalender wurde daher auch relativ zügig nicht nur von katholischen Regionen übernommen. Allerdings mögen andere Kirchen gar nicht, wenn man ihnen den Kalender vorschreibt, so blieb die orthodoxe Kirche beim julianischen Kalender, ebenso einige Schweizer, bei denen daher jetzt durch das Corona Virus Fasching ausfällt – bei uns längst vorbei, steht der dort erst an. Denn eine der Folgen des julianischen Kalenders war, dass bis zum Jahr 1582 der Kalender um 10 Tage gegenüber dem Sonnenjahr vorging. So wurden kurzerhand festgelegt, das auf den 4.10.1592 gleich der 15.10.1582 folgte. Wer die Änderung nicht mitmachte, musste nicht nur mit den 10 Tagen mehr leben, nein das wurde auch noch laufend mehr. So fand die russische Novemberrevolution im Oktober im gregorianischen Kalender statt, und nachdem Russland den Kalender übernahm, feiern sie die Novemberrevolution auch heute immer im Oktober.

Der julianische Kalender ist übrigens immer noch in Verwendung: Bahnelemente von Himmelskörpern, die ja sich periodisch wiederholen, werden im julianischen Datum angegeben, wobei hier ein Jahrhundert 36525 Tage hat.

Immerhin ein Trost füe alle – die komplexe Schaltregel müssen sich die meisten Blogleser nicht merken, weil der nächste ausgefallene Schalttag erst 2100 ist. Das dürften die meisten Blogleser nicht mehr erleben.

Auf den Blog kam ich durchs Radio, wo die auf dem Schalttag schon die ganze Woche herumkauten. Weil die Moderatorin meinte, man bekäme so einen „Samstag“ geschenkt, habe ich mir mal den Kalender für 2020 angesehen, wenn dieser Schalttag nicht da wäre, dann muss man in Gedanken immer einen Tag abziehen, also wenn ein bestimmter Termin auf einen Freitag fällt, dann wäre es ohne Schalttag der Donnerstag und siehe da – es gibt positive und negative Folgen. Der 1. Mai rutscht auf einen Freitag, also ein schöner Brückentag. In katholischen Bezirken, in denen man Christi Himmelfahrt feiert, ist der Einfluss aber eher negativ – das rutscht so von Freitag auf Samstag. Ebenso rutscht der dritte Oktober auf den Samstag und der 26.12 ist auch am Samstag. Nur wenig tröstlich ist, dass dann der 6.1.2021 ein Freitag ist. In der Summe hat der Schalttag den Arbeitnehmern, die samstags nicht arbeiten müssen, also zwei freie Tage gekostet, wo Himmelfahrt Feiertag ist, sogar drei und dafür zwei verlängerte Wochenenden beschert, wenn man den Freitag nutzt. Ansonsten läge der am Donnerstag und man müsste den Brückentag freinehmen. Allerdings ist das eben kein weiterer freier Tag, sondern nur ein günstiger gelegener freier Tag.

4.3.2020: Die Januar und Februar Nachlese zu SpaceX

Die Januarnachlese habe ich ja schon weggelassen, aber ich glaube auch die Februarnachlese ist recht kurz, aber sehen wir mal. Nun der Grund ist relativ einfach: SpassX glänzte weder durch Ereignisse, als durch neue Ankündigungen. Es gab bisher drei Starts, alle für Starlink. Ich finde das nett von der Industrie, das sie extra die Falcon 9 nicht mehr buchen, damit die Firma sich voll auf ihre Starlink Starts konzentrieren kann. Spass beiseite: in den letzten zwei Jahren nahm die Zahl der georderten großen Kommunikationssatelliten in den GEO ab und von dem Rückgang ist SpaceX viel stärker betroffen als Arianespace, bei der das Backlog kaum abgenommen hat.

Mit den CCdev Flügen liegt die Firma ja auch zurück, allerdings glänzte auch Boeing nicht im Dezember. Zwar haben sie ihren Starliner nicht gesprengt, aber ein Softwarefehler führte zum übermäßigen Verbrauch an Treibstoff und eine Kopplung an die ISS war nicht möglich. Da die NASA schon vorher weitere Sitze auf der Sojus gebucht hatte, weil sich das Programm verzögert hatte. Aber nun will sie nicht weitere Sitze kaufen. Man überlegt dahe,r zum einen die ISS-Besatzung zu reduzieren und zum anderen die bemannten Demoflüge zu verlängern, also zu normalen Flügen zu machen. Ich finde es erstaunlich, welche Probleme die USA mit ihren beiden Raumschiffen haben. Nur mal zu Erinnerung: das sind einfache Kapseln. Davon haben die USA schon drei Generationen (Mercury, Gemini, Apollo) entwickelt. Dagegen klappte die Ankopplung des ATV, problemlos und das ohne die Programmverzögerungen bei CcdeV. Besonders erhellend fand ich ja die Aussage, das eine Besatzung den Fehler korrigieren hätte können. Stimmt zwar, aber bemannte Raumfahrzeuge sind ja deswegen so teuer, weil sie besonders sicher sein sollen, Fehler viel seltener als bei unbemannten Raumfahrzeugen auftreten sollen, schließlich sind Menschenleben gefährdet. Würde man sich drauf erlassen, das die Besatzung alles korrigiert könnte man viel Geld einsparen.

Dafür kommen die Aufträge für SpassX von anderer Seite. Die NASA hat in den letzten Monaten einige Startaufträge vergeben, nicht ganz freiwillig. Der Letzte kam letzte Woche. Doch das setzte erst ein, nachdem SpaceX nach Vergabe des Starts für Lucy an ULA prozessierte. Den Protest haben sie dann nach zwei Monaten zurückgezogen und – damit man mir keinen Vorwurf machen kann, zitiere ich mal SpaceNews: „. Within a week of dropping the GAO protest, SpaceX won a contract for the launch of the Double Asteroid Redirect Test (DART) spacecraft on a Falcon 9.“.Ich bezeichne das als ein „Angebot das man nicht ablhenen kann“. Ein Kommentator in dem Blog meint, Prozesse wären in den USA normal, das komische ist nur, das ich auch die Nachrichten über andere Raumfahrtfirmen lese und da wird zwar gerne gegeneinander prozessiert, aber SpaceX ist die einzige Firma, die gegen die Regierung prozessiert. Meine Meinung: SpaceX hat wohl deutlich gemacht das durch die ausbleibenden kommerziellen Starts sie in Schwierigkeiten ist und weil man wollte die Firma wohl nicht den Bach runtergehen lassen. Schließlich stammen drei Viertel der Einnahmen aus Regierungsaufträgen.

Für alle SpaceX Fans gibt es jetzt aber die ideale Möglichkeit vom Erfolg zu profitieren: Starlink soll möglichst bald eine eigene Firma werden. Dann wird sie an der Börse gehandelt und jeder kann an dem Erfolg teilhaben. Ich meine das ernst: ich habe mir vor Jahren OHB Aktien gekauft und die haben sich deutlich besser als der Rest meines Porofolios entwickelt, aber gegenüber den Prognosen von SpaceX für Starlink ist das sicher nur ein Rinnsal. Also SpaceX Fans, wenn es euch ernst ist, dann riskiert auch mal was.

Außerdem setzt Musk auf eine neue Physik bei Starlink. Da für das erste Netz die Satelliten noch zu weit voneinander entfernt sind, alsdas Intersatellitenlinks möglich sind, setzt er nun darauf das man die Signale empfängt, die vom Erdboden zurückgeworfen werden. Sehr interessant. Also nach dem was ich von Elektromagnetischen Wellen weis, empfängt man so nur einen Bruchteil der Signalstärke, die man beim direkten Kontakt hat. Einfach mal die Helligkeit einer Glühlampe (Rundstrahler) und der Wand vergleichen, die sie anstrahlt und man kennt den Unterschied und das ist noch ein netter Vergleich, bei einem gebündelten Signal (Bsp Taschenlampe) sieht es noch viel schlechter aus, weil die Bündelung verloren geht. Ich vermute mal die ersten Starlink Kunden werden zu Versuchskaninchen.

Was sich nicht geändert hat, ist das die Satelliten sehr hell sind. Da hat SpaceX zwar Besserung versprochen, getan hat sich aber nichts. Inzwischen ist auch bei mir die erste Frage eingetrudelt, nachdem jemand die Kette am Morgenhimmel gesehen hatte. Bisher gab es rund 300 Satelliten, die astronomische Aufnahmen stören. SpaceX hat innerhalb eines Jahres die Zahl verdoppelt und weil sie so hell sind, stören sie extrem. Die IAU hat errechnet, das schon jetzt 30 % der Aufnahmen von Musterungsteleskopen unbrauchbar sind. Es gibt zwar weitaus mehr Satelliten in erdnahen Bahnen, aber die sind nicht so hell. Außer der ISS kann man normalerweise mit bloßem Auge keinen Satelliten wahrnehmen, dazu sind sie zu lichtschwach doch die Starlink-Satelliten haben nach dem Aussetzen die 2.te Größenklasse und sind selbst im endgültigen Orbit noch mindestens 5 Mag hell, also zumindest abseits der Großstadt noch mit bloßem Auge sichtbar (das kann Sterne bis zur 6 Größe wahrnehmen). Von Onewebs Konstellation, die nun ja auch ihre ersten 36 Satelliten im Orbit hat, hört man dagegen keine Klagen. Im Vergleich zu anderen Problemen ist das sicher ein kleines, aber immerhin werden so Milliardeninvestitionen in Großteleskope die gerade entstehen, wie das ELT zu rausgeworfenem Geld und SpaceX kann sich rühmen in kurzer Zeit das geschafft zu haben, was der Rest der Welt nicht geschafft hat, nämlich die Astronomie zu zerstören. Als Astronom ist man ja schon gewohnt, dass neue Teleskope nur jenseits der bewohnten Gebiete gebaut werden, aber dort war immer noch der Himmel ohne Lichtverschmutzung. Dank SpaceX gibt es auf dem ganzen Planeten keinen Rückzugsort mehr.

Eigentlich wäre diesen Monat ja nach den Ankündigungen Musks der erste orbitale Startversuch des Starships zu erwarten. Bei der Vorstellung im September war von „in six months“ die Rede. Okay, das glauben nun nicht mal Anhänger der Firma, einfach weil bisher SpaceX noch nie Zeitpläne eingehalten hat. Manch einer meint, auch ich sollte nicht so darauf herumreiten. Ich sehe das anders. Denn wo zieht man dann die Grenze, wo man Verlautbarungen glauben kann? Bei der Nutzlast (die Falcon 9 hat nach Koenigsmann, immerhin für die Rakete verantwortlich, maximal eine Nutzlast von 6,5 t GTO und in der Webseite stehen 8,3 t), den Kosten (alle Starts deren Kosten veröffentlicht wurden lagen immer höher als die Website Angaben) oder technischen Daten wie spezifischer Impuls? Ich glaube auch das dies eine Persönlichkeitseigenschaft von Musk ist und das äußert sich ja auch in anderen Ankündigungen wie Verfügbarkeit und Preise von Tesla Modellen, Fertigstellung der Gigafaktory in Brandenburg oder der Einsatzfähigkeit von Mini-U-Booten zur Rettung der thailändischen Fußballer in der Höhle. Ich denke er kann nicht zwischen realistischen Vorgaben und seiner Vorstellung trennen. Leider lebt er aber in der Realität und nicht im virtuellen Raum. Ich fand daher die Idee das erste Starship „Heart of Gold“ zu nennen, ganz gut. In Douglas Adams Roman wird das Schiff von einem Unwahrscheinlichkeitsantrieb beschleunigt und wird der aktiviert, so passieren die unwahrscheinlichsten Dinge in seiner Umgebung, z.B. das einem Dutzende von Affen über ihre Version von Hamlet sprechen wollen. Musk muss auch so was haben, in dem die unwahrscheinlichsten Dinge möglich sind. Immerhin, es gibt ja auch das Gegenteil: unsere Bundesregierung hat bei ihren Programmen absurd lange Zeitvorstellungen: Sowohl beim Kohleausstieg wie auch bei Umstellung der Viehhaltung auf „Tierwohl“ setzt sie 20 Jahre an. Ich denke bei allen drei Vorhaben (Starship, Kohleausstieg, artgerechte Tierhaltung) wären 5 bis 10 Jahre ein vernünftiger Zeitraum.

[Edit]

Eigentlich wollte ich so den Beitrag veröffentlichen, doch netterweise denkt die Firma aber an mich, damit ich doch noch was Neues zu schreiben habe: Sie haben am vergangenen Freitag ihren zweiten Starship Prototyp zerlegt, wie schon die erste Implosion bei einer Druckbeaufschlagung. Betroffen war die erste Stufe also das Super Heavy. Dabei war dies schon das modifizierte zweite Vehikel, nur für solche Tests gebaut. Immerhin, SpaceX strebt ja nach Rekorden, ist das die dritte Explosion/Implosion bei einem Raumschiff innerhalb eines Jahrs, ein Rekord, den so lange keiner überbieten wird, denn mit zwei Explosionen innerhalb eines Jahres waren sie ja schon seit November Rekordinhaber. Ich sehe Analogien zu den frühen Atlas. Da kam es auch häufig zu Versagen der Hülle bei Bodentests, meistens aber keine Implosion, sondern die Hülle „schrumpfte“. Eine Atlas implodierte auch beim Aufstieg, als die Mercury-Testkapsel zu starke Belastungen verursachte. Alle Atlas, die danach als Trägerraketen gebaut wurden, bekamen danach stärkere Hüllen, welche die Tankmasse um 50 % anhoben. Da man bei SpaceX auch auf Stahl als Werkstoff setzt, ist ja viel billiger denke ich werden sie um Gewicht zu sparen auch die Innendruckstabilisierung anwenden, das geht, weil Stahl anders als Aluminium oder CFK, gegenüber Druck sich leicht dehnt und so der Druck eine Wand stabilisiert, die sonst zu dünn wäre. Ohne das wäre wohl die Nutzlast marginal, denn das Material wiegt eben bei gleicher Beanspruchung mehr als Aluminium oder CFK. Ich denke da werden wir auch noch einige Explosionen im Einsatz sehen.

Immerhin verstehe ich jetzt, warum die Firma so begierig darauf ist, alle Häuser in der Umgebung von Boca Chica aufzukaufen, denn veröffentlicht wurde das durch die Anwohner, wie schon bei den letzten beiden Ereignissen. Die niedrige Framerate des Videos deutet drauf hin das es von einer normalen Überwachungskamera stammt, die es nur zufällig einfing. Klar, damit würde so unerwünschtes „Petzen“ aufhören. Erst danach gab es einen Kommentar von Musk. Was es wohl an Rückschlägen gibt, die nicht so offensichtlich sind?

Für alle, die so viel von SpaceX halten, hier eine eigene Einschätzung ihres CEO Shotwell: „“We started scrappy,” Shotwell said in December. “We’re going less scrappy.“. Möchtet ihr euer Leben einer Firma anvertrauen sie „scrappy“ (schäbig, lückenhaft, bruchstückhaft) arbeitet? Ich bin ja nun froh das ich nicht gewettet habe, das die Firma 2020 auch nur einen suborbitalen Startversuch wagt. Selbst das erschien mir als zu billig, zu 99 % gewinnbar. Ich glaube wir können froh sein, wenn sie ihre ersten Tests die ja nur auf 20 km Höhe gehen, wie damals die Tests des „Grasshoppers“, dieses Jahr absolvieren. Von den iterativen Verbesserungen (Mark II für diese Start/Landetests, Mark III für Suborbitaltests und erst Mark IV kann einen Orbit erreichen) mal ganz zu schweigen.

 

11.3.2020: Einsatzmöglichkeiten für Kernreaktoren bei Raumfahrzeugen

Wenn heute radioaktives Material bei Raumfahrzeugen (sowohl bemannt wie unbemannt) eingesetzt wird, dann meist in RTG, dabei wird die beim Zerfall freiwerdende Wärme in Strom umgewandelt, meist über die Eigenschaft bestimmter Metalle bei einem Temperaturgradienten Strom abzugeben. (thermoelektrischer Effekt, steckt auch im Kürzel RTG). Eingesetzt wird fast ausschließlich Plutonium-238 ein relativ seltenes Isotop, das aufwendig zu produzieren ist und in normalen Kernreaktoren kaum anfällt, bzw. wieder zerstört wird.

Kernreaktoren wurden bisher kaum eingesetzt. Die USA hatten einen Test mit SERT Mitte der Sechziger, Russland hat für eine bestimmte Satellitenklasse, die einen hohen Strombedarf hatten, kleine Kernreaktoren gebaut. Dies aber auch vor zwanzig Jahren eingestellt.

Ich will heute mal die Einsatzmöglichkeiten diskutieren.

Vom Aufbau her unterscheidet sich ein kleiner Kernreaktor – er kann ja nicht so groß sein, wie einer in einem Kraftwerk, nicht so stark von dem eines Kernkraftwerks. Hier wie da haben wir Brennstäbe aus angereichtem Uran, Moderationsstäbe aus Substanzen die Neutronen verlangsamen, damit sie möglichst viele Kernreaktionen durchführen und nicht entweichen und Kontrollstäbe die dafür sorgen, dass die Reaktion konstant bleibt. Nur ist das Uran in kleinen Kernreaktoren stärker angereichert, damit die Neutronen auch noch genügend Uranatome treffen, um die Kettenreaktion am Laufen zu halten. Der Unterschied beginnt im Kühlkreislauf. Der US-Reaktor bei SERT hatte kein aktives Kühlsystem, er nutzte wie RTG den thermoelektrischen Effekt und produzierte so aus 45 kW Wärmeabgabe lediglich 650 Watt elektrische Leistung. RTG erreichen heute etwas höhere Wirkungsgrade von 5 bis 6 %, aber das hängt auch von der Temperaturdifferenz ab. Der Reaktor war bei SERT nur 585 °C heiß. Die folgenden US-Entwicklungen, die es seitdem gab, setzen auf Heatpipes, die die Wärme nach außen abführen. In diesen verdampft Natriumdampf am Reaktor und kondensiert in der Kälte wieder, der Dampf kann dann eine Turbine antreiben, die Strom erzeugt. Derartige Reaktoren haben einen höheren Wirkungsgrad der bei Leistungen von 100 kW und mehr 25 Prozent erreicht.

Die russischen Reaktoren setzten in der ersten Generation auf Cäsiumdampf, die Zweite auf eine Natrium-Kaliumlegierung. Sie wird als Kühlmittel wie bei einem „normalen“ Kernreaktor eingesetzt also ohne Heatpipes. Der Wirkungsgrad war auch eher gering: von 150 kW thermischer Leistung blieben bei Topaz-2 noch 6 kW elektrische Leistung übrig.

Solange der Wirkungsgrad so gering ist, wie bei RTG gibt es nur wenige Gründe einen Kernreaktor anstatt RTG einzusetzen. Einer kann die Kostenfrage sein. Auch wenn die Kernreaktoren hochangereichertes Uran einsetzen, damit sie möglichst kompakt sind, sind die Kosten dafür doch deutlich niedriger als für Plutonium-238, dessen Kosten bei rund 10 Millionen Dollar pro Kilogramm liegen. Zudem sind sie sicherer – Plutonium 238 hat eine Halbwertszeit von 87 Jahren und strahlt entsprechend stark. Selbst wenn die Reaktoren aus reinem Uran-235 beständen so hat dieses doch eine Halbwertszeit von 700 Millionen Jahren und entsprechend strahlt es weniger stark. Richtig radioaktiv werden die Reaktoren erst, wenn die Kontrollstäbe zurückgefahren werden und die Kettenreaktion ermöglicht wird, dann entstehen die Transurane wie Neptunium, Plutonium und die kurzlebigen Spaltprodukte wie Isotope des Cäsiums, Strontiums und Iod. Das ist aber erst der Fall, wenn sie einen stabilen Orbit erreicht haben. Es gab den Vorfall mit Kosmos 954, einem Satelliten mit einem Kernreaktor. Diese Satelliten waren in niedrigen Umlaufbahnen und wurden zu Missionsende dann in eine höhere Umlaufbahn gebracht, doch bei Kosmos 954 verlor man vorher den Kontakt, sodass er in der Atmosphäre auseinanderbrach und in Kanada niederging. Später bekamen russische Satelliten ein System, das sie automatisch in eine höhere Umlaufbahn bringen sollte, doch auch das scheint mindestens einmal versagt zu haben.

Auf der anderen Site hat man bei RTG noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, so hat die NASA die Forschung an RTG die einen Sterling-Motor nutzen eingestellt, dieser hätte den Wirkungsgrad um den Faktor 3-4 erhöht, allerdings und das war sein Manko, hat er bewegliche Teile, die ausfallen können.

Bei Reaktoren ist es so, dass je größer sie sind, desto effizienter werden sie, wenn man die Leistung auf das Gewicht bezieht. Die UDA haben zuletzt zwei Studien gemacht. Das eine war SAFE, ein Reaktor der 400 kW thermische Leistung hatte und der Kilopower Reaktor mit 10 kW Leistung. Nicht nur der Wirkungsgrad war unterschiedlich (25 und 10 %) sondern der kleine Reaktor (allerdings mit Stirling-Technologie und Radiatoren da für eine bemannte Marsmission vorgesehen) wiegt mit 750 kg mehr als SAFE mit 512 kg.

Für praktische Einsatzgebiete ist ein wichtiger Wert die Leistung pro Masse. Weniger bei normalen Satelliten, als vielmehr bei Raumsonden, die auf eine viel höhere Geschwindigkeit beschleunigt werden und die daher leichter sind, als auch für Ionenantriebe, hier in Konkurrenz zu Solarzellen. Für bemannte Missionen ist die Abwärme ein Vorteil, allerdings wird sie bei den derzeitigen Konzepten für die Marsmissionen nicht genutzt. Vor allem aber ist die Leistung konstant, anders als bei Solarzellen die bei steigender Entfernung von der Sonne an Leistung verlieren. Hier einige Werte für die elektrische Leistung pro Masse bei etablierten Systemen:

Stromversorgung

Leistung bei 1 AE Sonnendistanz

RTG (HPHS)

5,6 W/kg

Konventionelle Solargeneratoren

85 W/kg

Flexible Solargeneratoren

120 bis 170 W/kg (je nach Größe)

Solargeneratoren mit Solarkonzentratoren

170 bis 300 W/kg

Klar ist, dass kleine Kernreaktoren mit ihren schlechten Werten in Erdnähe und auch noch beim Mars deutlich schlechter als selbst konventionelle Solarzellen liegen. Ein Reaktor also bei gleicher Leistung mehr wiegt. Der SAFE Reaktor liegt deutlich höher in der Region von flexiblen Solarzellen und ist daher ihnen, selbst im Erdorbit überlegen – von dem fehlenden Problem sehr große Solarzellen zu entfalten mal ganz abzusehen. Auf der anderen Seite liefern die kleinen Reaktoren für den Betrieb der Raumsonden zu viel Leistung, für einen Ionenantrieb aber zu wenig – Dawn, um eine Diskussionsgrundlage zu haben, hatte 11 kW Leistung bei etwas über 1 t Gewicht. Für eine Raumsonde ist SAFE aber schon überdimensioniert, immerhin kann man die hohe Leistung aber nutzen, um mit dem Ionenantrieb gleich aus einem Erdorbit zu starten, das addiert bei dieser Leistung kaum Extrazeit, erhöht die Nutzlast aber deutlich. Umgekehrt ist SAFE für den Antrieb einer bemannte Marsmission schon wieder zu klein, denn dann reden wir nicht über 1 oder 2 t Masse, sondern 30 bis 50 t. Ich sehe für Reaktoren der SAFE-Klasse (oder noch mehr Leistung) folgende Einsatzmöglichkeiten:

Unbemannter Transport von Ausrüstung einer Marsexpedition

Anders als bei Apollo wird eine Marsmission aus verschiedenen Teilen bestehen, die getrennt gestartet werden . Nur beim bemannten Teil kommt es darauf an, die Reisezeit zu minimieren, die unbemannten Teile könnte man auch Monate oder sogar ein oder zwei Startfenster vorher auf den Weg bringen, man sollte das sogar tun und erst die Besatzung losschicken, wenn alles andere bereit ist. Folgende Elemente könnte man problemlos unbemannt starten:

Das wären vier Starts, die unbemannt erfolgen könnten, der einzige bemannte Start würde dann chemisch erfolgen, wäre aber auch deutlich aufwendiger als die obigen. Man könnte das sogar noch auf die Spitze treiben und die Besatzung gar nicht erst in eine Marsumlaufbahn einschwenken lassen, sondern direkt mit einer Kapsel landen. Dann würde ein weiterer unbemannter Start ein Habitat für die Rückkehr zur Erde in die Marsumlaufbahn bringen. Das Habitat für die Hinreise würde den Mars passieren und in eine Sonnenumlaufbahn eintreten. Nur dafür braucht man erheblich größere Reaktoren: bei 50 t Startmasse,14 km/s Gesamtgeschwindigkeitsänderung, 500 Tagen Betriebszeit und Ionentriebwerken mit 40 km/s Ausströmgeschwindigkeit ergibt sich als Abschätzung eine Leistung von etwa 400 kW, soll es schneller gehen entsprechend mehr.

Zumindest, was die Masse angeht, sind diese Optionen besser. Mit einem Kernreaktor wird man etwa 50 % der Startmasse in einen Erdorbit in einen Marsorbit bringen können, chemisch wären es nur 20 %. Bei der direkten Landung sieht es mit 33 zu 50 % nicht so gut aus. Der grundsätzliche Nachteil sind die langen Reisezeiten bedingt durch den Ionenantrieb. Das ist nur bei unbemannten Missionen tolerierbar.

Raumsonden

Für Raumsonden ergeben sich dagegen neue Möglichkeiten. Missionen zu Jupiter und alle anderen äußeren Himmelskörper profitieren besonders stark. Man könnte vom Erdorbit aus starten, was die Nutzlast für Jupiter verfünffacht. Jenseits von Saturn hat man das Problem das, wenn man schnell zu Uranus und Neptun gelangen will, (schnell heißt hier auch 8 bis 12 Jahre) man chemisch die Überschussgeschwindigkeit, mit der man ankommt, nicht abbauen kann. Mit einem 100 kW Reaktor ist das aber kein Problem. Auch Missionen zu den Monden der Planeten würden profitieren. Anstatt über Jahre nach und nach die Bahn durch Vorbeiflüge anzupassen, könnte man mit dem Reaktor einen Ionenantrieb zusätzlich hinzunehmen und so die Zeit deutlich verkürzen. (siehe dieser Artikel)

Da allerdings keine größeren Missionen ins äußere Sonnensystem geplant sind und auch Europa Clipper sich mit Vorbeiflügen an Europa begnügt wird man wohl keine größeren Reaktoren zur Einsatzreife entwickeln. Die Problematik der Nachfrage zeigt sich ja auch bei den schon erwähnten Stirling-Motoren für RTG: obwohl sie den Bedarf an Plutonium-238 mit seinen hohen Kosten deutlich senken könnten, hat man vor Jahren die Entwicklung eingestellt, einfach weil es zu wenige Missionen gibt, die noch RTG einsetzen. Bis Jupiter kommt man noch mit speziellen Solarzellen – Juno setzt solche ein, Juice auch und wahrscheinlich auch die Lucy Mission, zumindest was die Abbildungen angeht. Solarzellen sind dann zwar herblich schwerer als RTG, aber eben in der Herstellung auch viel preiswerter. Erst ab Saturn wird man RTG oder Kernreaktoren benötigen.

14.3.2020: Erfahrungsbericht Fischer cita 5.0i

Seit einigen Monaten habe ich ein e-bike. Es gab zwei Gründe dafür. Zum einen war mein bisheriges Fahrrad in die Jahre gekommen – ist inzwischen acht Jahre alt und dürfte um die 25.000 km auf dem Buckel haben. Ein Neukauf stände also an. Der Punkt der den Ausschlag für ein e-bike gab war der Umstand, dass ich seit 2016 während der Freibadsaison täglich ins Freibad gehe. Mein Stammbad in Berkheim, etwa 6,5 km von Ruit entfernt schließt dieses Jahr aber für Renovierungsarbeiten. Die beiden nächsten Alternativen in Esslingen oder Denkendorf liegen aber beide in Flusstälern. Esslingen im Neckartal und Denkendorf im Körschtal mit Höhenunterschieden von 170 und 130 m. Das ist mit dem normalen Fahrrad machbar, aber wenn es heiß ist und dann auch noch Gegenwind herrscht (in meiner Umgebung steigt überall das Gelände in Richtung Westen an und von Westen kommt auch meist der Wind) dann ist es schon auf der bisherigen Strecke mit 60 m Höhenunterschied anstrengend, vor allem wenn man vorher schon eineinhalb Stunden geschwommen ist. Das war der Grund warum ich mir ein e-Bike anschaffen wollte.

Erleichtert hat mir das der Fahrradshop Ruit, der mich als Kunden nicht mehr haben wollte, nachdem ich über 25 Jahre dem Laden die Treue hielt. Billig ist der Laden nicht, beim letzten Fahrrad zahlte ich 799 anstatt 749 Euro dem Listenpreis des Herstellers. Dagegen ist im Versandhandel ein Fahrrad deutlich unterhalb des OVP zu haben, nur weigert sich dann der Fahrradshop Ruit, es zu reparieren. Ich habe inzwischen beim Fahrradstudio Berkheim eine neue Heimat gefunden, mit dessen Service ich auch sehr zufrieden bin.

Billig wird es nicht, auch wenn es e-bikes schon für 1.000 DM gibt. Aber wenn ein „normales“ Citybike schon ab 600 DM kostet und ein Ersatzakku um die 400, kann man sich leicht ausrechnen, was da für das Fahrrad übrig bleibt. Auf der anderen Seite wollte ich auch nicht mehr als 2.000 Euro ausgeben. Ich habe nicht alle Typen durchgesehen, das ist auch unmöglich mich aber für drei Räder, zwei von Centurion die auch im Einzelhandel verkauft werden und eines von Fischer, die nur noch über Internet / Versand verkaufen als Bookmarks bei idealo gelegt.

Mein Bruder hat für seine Frau ein gebrauchtes e-Bike gekauft und das habe ich auch eine Woche lang getestet, auch auf den beiden Strecken, auf denen es später eingesetzt wird. Das beruhigte mich schon. Ich dachte, bei einem e-bike wird man automatisch fauler. Aber man kann genauso in die Pedale steigen wie bei einem normalen Fahrrad.

Als dann kurzzeitig der Preis für das Fischer cita 5.0 von 1.699 auf unter 1.450 DM sank (inzwischen kostet es wieder 1.599 DM und es ist das Nachfolgemodell erschienen) habe ich zugeschlagen. Heute mal ein kurzer Erfahrungsbericht, auch wenn ich im Winter nicht so viel mit dem Fahrrad gefahren bin.

Gegenüber dem Fahrrad meines Bruders ist der Motor leistungsfähiger, das war auch Grund für die Selektion. Das maximale Drehmoment im billigen Preissegment (dem Bike meines Bruders) liegt bei 25 Nm, Edelbikes kommen auf 90 Nm oder mehr. Ich habe einen Motor mit 50 Nm. Der schafft auf dem steilsten Teilstück, wo ich mein normales Bike nur schieben kann und es auch beim e-Bike meines Bruders in der höchsten Stufe sehr schwergängig war, die Steigung in der dritten von vier Stufen. Auf der normalen Strecke, die auf den Fildern auch nicht eben ist, sondern hügelig reicht mir die erste Stufe, bei dem Teil der beiden Strecken die gleichmäßig ansteigen die zweite Stufe.

Die Reichweite ist natürlich kleiner als angegeben, doch das ist ja schon bekannt. Konsequent ist die Angabe nicht. Auf der Website ist von 100 km die Rede, neu aufgeladen zeigt das Display bei Stufe 1 aber knapp unter 80 km an. Ich habe den Akku nie ganz leer laufen lassen, würde die Kapazität aber bei meiner normalen Strecke, leicht hügelig, auf etwa 60 km abschätzen. Sie scheint recht starr zu sein. Als ich mal die Stufe verstellt hatte war die „Restanzeige“ beim vollen Akku eine andere und auch beim Fahren orientierte sich die Restanzeige nach diesem Anfangsstand. Ich würde erwarten, dass sie sich am Verbrauch orientiert, wenn also 25 km gefahren wurden und die Akkuladung ist zur Hälfte aufgebraucht, dann müsste sie 25 km anzeigen. So orientiert sie sich an dem Startwert nach dem Aufladen, bei 80 km bei voller Ladung würde sie also 40 km anzeigen.

Wie fährt es sich denn nun? Eigentlich sehr bequem. Gerade wenn das Gelände nicht eben ist. Schon in der Brühlstraße geht es in 100 m um 8 bis 10 m hoch. Auf der Geraden komme ich problemlos auch beim e-bike über die 25 km/h bei denen der Motor abschaltet. Was mir als Informatiker aber negativ auffällt, ist die gewählte Art der Regelung. Es sind eben konstante Stufen. Das heißt je weniger man selber tritt, desto höher ist der Anteil, den der Antrieb bringt. Das Display zeigt auch an, wie viel man selbst leistet. Ganz interessant diese Anzeige. Auf den steilsten Strecken komme ich über 200 Watt, trotz Antrieb. Wenn es diese Erfassung gibt, dann fände ich es aber besser, wenn die Regelung dynamisch ist, sich der Anstrengung anpasst. Meiner Erfahrung nach sind 100 bis 130 Watt eine Leistung, die ich dauerhaft ohne mich zu verausgaben bringen kann und die ich als angenehmes Fahren empfinde. Wen die Regelung nun so wäre, dass die Unterstützung sich nur daran orientiert und so wenn es steiler wird, stärker eingreift und wenn es eben ist eben herunterregelt, so wäre, dem Benutzer mehr gedient. Ich würde die Stufen 75, 100, 125 und 150 Watt empfehlen. Die erste ist rentnertauglich, die letzte ist sportlich.

Das zweite und anfangs für mich sehr verwirrende und fast zu Unfällen führende, ist die Unterstützung beim Anfahren. Wenn man also steht oder langsam fährt, dann ist sie relativ stark und man beschleunigt schnell, viel schneller als normal. Das ist angenehm, wenn man anfährt, z.B. von einer Ampfel. Aber es gibt auch Situationen, wo man stak abbremsen muss, so wenn ein Auto ausparkt und die ganze Straße blockiert oder diesen Z-förmigen Absperrungen, bei der Überquerung von Straßenbahnschienen, wo man jeweils auf kleinem Radius um 180 Grad drehen muss. Anfangs habe ich da vor solchen Kurven sogar den Antrieb abgeschaltet, inzwischen komme ich damit zurecht. Auch hier fände ich eine Regelung, die heute mit einem billigen Mikrocontroller kein Problem sein sollte besser. Sie könnte die Leistung bei niedriger Geschwindigkeit z.B. in einer Sekunde langsam von Null auf voller Leistung hochfahren, das schont ach den Akku.

Die Knöpfe der Steuerung von BROSE sind auch gewöhnungsbedürftig. Während der Joystick auch mit Handschuhen gut bedienbar ist, sind die tieferliegenden Knöpfe mit Handschuhen unbedienbar, zum einen fehlt das Feedback, zum andern scheint man mit Handschuhen nicht den Druck aufzubringen, um sie runterzudrücken. Da ich im Winter eigentlich nur mit Handschuhen fahre, habe ich daher auch die Stufe nie verstellt. Ansonsten fährt es sich bequem. Mein altes Fahrrad benutze ich trotzdem noch, für kleine Strecken und im Winter wegen der Witterung sowieso, damit das neue länger hält.

Der Hauptnachteil: zum ersten Mal habe ich Angst um den Fahrraddiebstahl. Bei meinen Citybikes hatte ich die Befürchtung nicht, in der Hoffnung das der Fahrraddieb wohl eher teure und schicke ATB oder Mountainbikes stehlen. Ich werde mir wohl ein Schloss zulegen müssen, zusätzlich zum Rahmenschloss, das das Fischer Cita 5.0i hat.

Wünschen würde ich mir auch eine Rücktrittbremse. So was bin ich bei Nabenschaltungen gewohnt, scheint bei e-bikes aber eher selten der Fall zu sein. Aber ich habe mich schnell an die fehlende Bremse gewöhnt.

Wenn ich der Gesetzgeber wäre, ich würde um die Akzeptanz zu erhöhen die Gesetze ändern. Derzeit haben e-bikes wie Mopeds eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 25 km/h. Dann schaltet der Motor ab. Darüber hinaus, (Analogie zum Mofa benötigt man für S-Pedelecs, die bis 45 km/h erreichen, einen Kleinradführerschein. 25 km/h sind aber nicht viel. Das schafft ein normaler Fahrradfahrer auch ohne Spitzenbike bei ebener Straße leicht, ich problemlos selbst mit dem doppelt so schweren e-Bike. Ich würde die Grenze leicht anheben auf 30 km/h. Das ist etwas mehr, erhöht also die Unfallgefahr kaum, aber eine physiologische Grenze. 30 hat eine 3 als erste Stelle und ist die Spitzengeschwindigkeit in verkehrsberuhigten Zonen. Wer langsamer fahren will, der kann es ja. Zusammen mit meinem Vorschlag einer Regelung nach Anstrengung auszulegen, würden die meisten der gemütlichen Fahrer wohl die 30 km/h nur wenn es bergab geht, überschreiten.

Das zweite was ich mir wünschen würde, wäre wenn man auch Energie zurückgewinnt. Wie schon gesagt, hier ist es hügelig. Ein Elektromotor kann, auch wenn er keine Leistung liefert, durch seine Bewegung Energie in den Akku abgeben und bremst dabei das Fahrrad ab. Das schon die Bremsen und als Nebeneffekt hält der Akku länger. Das muss nicht viel Energierückgewinnung sein, mir wäre der Bremseffekt wichtiger, denn ein Grund warum ich mich für Denkendorf als Bad und nicht Esslingen entschlossen habe ist, das es nach Denkedorf mehr oder weniger (mit einem steilen Teilstück) gleichmäßig bergab geht. Bei Esslingen sind es 150 m Höhenunterschied auf 2,1 km Strecke, also eine mittlere Steigung um 7 % oder 4,3 Grad. Da muss ich beim Herunterfahren auf der ganzen Strecke bremsen und wenn ich das 100-mal in einer Freibadsaison machen muss, werden die Bremsen wohl erneuert werden müssen.

 

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