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Web Log Teil 586: 22.3.2020 - 1.4.2020

22.3.2020: Corona – Epidemiologie

Eines vorweg, ich bin kein Virologe und auch kein Experte, ich will nur mal zusammentragen was ich so an Erkenntnissen gewonnen habe. Und auch ein paar Fragen aufwerfen. Ich ziehe dazu gerne den Vergleich zur Grippe, auch weil diese periodisch auftritt und trotz möglicher Schutzimpfung ziemlich viele Todesopfer fordert. Der Vergleich bietet sich auch an, weil beide Erreger primär die Lunge befallen, ähnliche Symptome haben und die Verbreitung durch Tröpfcheninfektion geschieht und daher die Ansteckungsgefahr groß ist.

Bei Grippe haben ein Drittel der Infizierten schwere Krankheitssymptome, ein weiteres Drittel mittlere und das letzte Drittel leichte Symptome. Grippe selbst ist nicht tödlich, zerstört aber die Lungenschleimhaut wodurch es zu einer bakteriellen Sekundärinfektion kommt. Es sterben vor allem die, die ein geschwächtes Immunsystem haben, also Alte oder Kranke. Das sind 0,1 bis 0,2 Prozent, woraus man ableiten kann, das sbei auf 10.000 Tote pro Jahr man von 5 bis 10 Millionen infizierter pro Jahr alleine in der BRD ausgehen kann. Ich denke an den Zahlen stimmt etwas nicht. Entweder ist die Wahrscheinlichkeit für einen Todesfall zu niedrig angesetzt – könnte sich z. B. nur auf Gesunde beziehen – oder die geschätzten Toten sind zu hoch – gemeldet wurden letztes Jahr nur 954 Fälle. Denn ich hatte in meinem ganzen Leben noch keine Grippe und in meinem Bekanntenkreis gibt es etliche die einen grippalen Infekt (also Schnupfen) bekommen, aber ich kenne nur einen der auch einmal eine Grippe hatte, aber nach der Statistik müsste es jeden alle 8-16 Jahre erwischen. Gemäß dem offiziellen Bericht für die Epidemie 2018/19 waren es auch 182.000 durch Tests nachgeweisene Fälle, 18.000 Einlieferungen ins Krankenhaus und geschätzt 2,3 Millionen die arbeitsunfähig waren – das passt nicht zu 0,1 – 0,2 % Mortalitätsrate und 20.000 geschätzte Tote für die Saison 2018/19.

Corona ist deutlich tödlicher – zur Diskussion komme ich noch. Auch der Krankheitsverlauf ist schwerer, nach den (immerhin 1 Monat alten) Angaben des Robert Koch Instituts haben 81 % nur gelinde Symptome, 15 % schwere Symptome und 2 % sterben daran. Wie bei Grippe vor allem Alte und Kranke. Die Gefahr für uns und der Grund für die rigiden Maßnahmen, die ja nicht nur die Bewegungsfreiheit einschränken, sondern die Wirtschaft massiv schädigen, sind nicht die Toten – es wird zwar niemand zugeben, aber wenn Leute sterben die Rentenempfänger sind oder sowieso die Krankenkassen viel Geld kosten, weil sie krank sind, dann ist das nicht so schlimm.

Das Problem sind die 15 % die dann intensiemedizinische Maßnahmen erforderlich machen und das überfordert unser Gesundheitssystem. Dagegen muss man auch bei schwerer Grippe in der Regel nicht ins Krankenhaus. Nach der obigen Statistik sind das weniger als 1 % derer die bei Grippe arbeitsunfähig sind.

Relevant ist natürlich die Ansteckunsgrate. Bei Grippe kann man – wenn die obigen Zahlen stimmen, eine Infektionsrate von 1: 8 bis 1:16 abschätzen. Nimmt man die geschätzten 2,3 Millionen für die Arbeitsunfähigkeit so sind es 2,7 %. Da Grippeviren dauernd mutieren, kann man sie im Prinzip jedes Jahr neu bekommen. Der Saisonbericht des Robert-Koch Instituts nennt 3,8 Millionen zusätzliche Arztbesuche. Die Zahl derer die nur arbeitsunfähig sind,wurde für die Saison 2018/19 auf 2,3 Millionen geschätzt. Das dürften alle mit mittleren bis schweren Symptomen sein. Relativ genau bestimmt ist die Zahl, derer die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, das waren 18.000. Ebenso die der positiv getesteten von 182.000. Die Zahl der Todesopfer wurde für diese Saison auf 20.000 geschätzt. Nehme ich diese Daten als Basis, dann hat auch eine Grippe in etwa eine Mortalität, die näher an 1 % als an 0,1 % liegt. Der Unterschied zu Corona, weniger als 1% der Infizierten benötigen eine intensivmedizinische Behandlung.

Bei Corona ist die Quote mindestens zehnmal höher, was logischerweise unser Gesundheitssystem bei gleicher Infektionszahl überfordern würde.

Die Todesrate ist auch so ein Punkt der diskutiert wird. Das Robert Koch Institut stufte diese vor einem Monat auf 2 % ein, hat inzwischen diese Prognose auf 0,3 bis 0,6 Prozent reduziert, während die WHO von 3,4 Prozent spricht – das ist also ein Unterschied in der Größenordnung einer Magnitude. Da bei Corona aber getestet wird, wer infiziert ist, sind die Zahlen wohl etwas verlässlicher. Woher kommt diese Schwankungsbreite? Nun ich denke sie kommt aus dem Verhältnis der Fallzahlen, die man betrachtet. Bei uns waren es nach dem täglichen WHO Report vom 19.3. 10.899 Infizierte und 20 Tote, das sind 0,2 Prozent. Weltweit sind es 234.073 Infizierte bei 9.840 Toten, also 4,2 Prozent Tote oder zwanzigmal mehr. Daher sieht die WHO fas Todesrisiko anders. Bleibt es bei diesen niedrigen Fallzahlen in Deutschland, sie sind auf der Liste neben Schweden die besten bei den Ländern über 1.000 Infizierten, dürfte Spahn sicher gute Chancen haben, wenn er sich als Kanzlerkandidat aufstellen lässt.

Erstaunlich ist, welche Schwankungsbreite es gibt: In Italien als beschreckendes Beispiel hat 41.039 Infizierte bei 3.407 Toten, also jeder zwölfte stirbt (8,3 %). Das Risiko ist also vierzigmal höher als bei uns. Dabei ist Italien nicht gerade ein Entwicklungsland und dürfte eine gute medizinische Versorgung haben.

Als mögliche Abschätzung für den Worst Case Fall dürfte wohl die „Diamond Princess“ gelten. Das Schiff wurde vor Japan unter Quarantäne gestellt, weil die Regierung aber die Olympischen Spiele 2020 in Tokio nicht gefährden wollte, kamen keine Ärzte an Bord geschweige denn das die infizierten in Krankenhäuser kamen. Einen viel engeren Kontakt kann man sich kaum vorstellen. Etwa 700 der über 3.700 Passagiere haben sich infiziert, etwa die Hälfte davon hatten keine Krankheitssymptome, erfuhren nur durch den Test von ihrer Infektion. Sieben Passagiere starben. Unter Berücksichtigung der Umstände kommt eine Studie zu einem Infektionsrisiko von 0.91 % und einem Letalitätsrisiko von 1,9 %, allerdings mit einer hohen Obergrenze des 95%-Wahrscheinlichkeitsintervalls in beiden Fällen von über 4 %. Damit wäre eine Infektion mit Corona in etwa so wahrscheinlich wie mit Grippe, die Letalität aber deutlich höher. Wie bei der Grippe ist das Risiko für Ältere deutlich höher: 7,3 % Infektionsrisiko und 14 % Todesrate bei über 70 Jährigen. Wie bei einer Kreuzfahrt üblich (nur im Traumschiff sind die Passagiere jünger als der Bevölkerungsschnitt, bei der Diamond Princess lag der Altersschnitt bei 58 Jahren, es waren 1015 der 3711 Passagiere 70 bis 79 Jahre alt, von ihnen starben 6. Von den 215 über 80 Jährigen starb ein Passagier. Keiner der rund 2500 jüngeren Passagiere starb.

Wie lange dauert es bis die Sache ausgestanden ist? Die spanische Grippe tobte über Monate, damals konnte sie sich aber auch nicht so schnell verbreiten. Bei uns dauert eine Grippewelle auch Monate. Es gibt immerhin eine tröstliche Grafik aus dem WHO-Report: In China (West Pazifik Region) ist die Epidemie, die Ende Dezember entdeckt wurde, wieder am abflauen, also nach rund 3 Monaten, bei uns steigt sie dagegen gerade erst an. Bei 30 % Anstieg pro Tag dürften nach 14 Tagen 746.000 infiziert sein, was ziemlich genau 82 Millionen x 0,91 Prozent Ansteckungsrisiko entspricht. Das wäre das Worst Case Szenario, aber danach müsste es wieder bergab gehen.

Was für mich ein Rätsel ist, ist die unterschiedliche Ausbreitung in verschiedenen Ländern. Das Virus trat ja zuerst in Wuhan auf. Also nehme ich an, verbreitet es sich am schnellsten in Ländern in denen viele Leute aus Wuhan einreisen. Da das nicht eine Touristenregion ist, dürften es Länder mit wirtschaftlichen Beziehungen sein, eine zweite Quelle wären chinesische Touristen, die im Ausland Urlaub machen. Nur passt das nicht. Die intensivsten wirtschaftlichen Beziehungen haben die USA zu China. Trotzdem haben die im Gesamten so viele Fälle wie Deutschland, obwohl man dort weitaus weniger tut, um die Ausbreitung einzudämmen und sie fünfmal so viele Einwohner haben. Dagegen hat Italien viele Fälle. Zudem vor allem im Norden, es kann also nicht an chinesischen Touristen liegen, die Rom oder Neapel besuchen, es passt aber wenigstens zu der Theorie der wirtschaftlichen Verflechtung. Nur wie passt dann der Iran da hinein (über 18.000 Fälle)? Eine Erklärung – die bauen, nach dem US Embargo eben Beziehungen zu chinesischen Firmen auf die ihnen das liefern, was sie von Europa und den USA nicht bekommen. Man kann es aber auch so machen wie Japan – einfach nichts tun. Wenn man nicht testet, gibt es auch keine Fälle und die Rentenkassen werden nebenbei auch saniert … (Japan hat 950 Fälle, Südkorea, genauso nahe an China dagegen 8.652 Fälle. Das an den japanischen Zahlen etwas nicht stimmt sieht man aber daran das es dort dreimal so viele Tote bezogen auf die Fallzahl wie in China oder Korea gibt).

29.3.2020: Krankheiten vor acht

Heute ist mir wieder mal ein Thema für einen kleinen Blog eingefallen, ich habe mich nicht wegen des Covid-19 Virus rargemacht, sondern weil mir einfach nichts eingefallen ist. Doch dann kam ich noch auf einen Aufhänger. Denn egal ob es tägliche Updates zu Corona gibt, in der Werbung dominieren die kleinen Wehwehchen. Ich schaue nicht viel Fernsehen, und da ich nur DVB-T habe, nur öffentlich-rechtliche Sender. Die einzige Werbung, die ich mitbekomme, läuft daher zwischen 7 und 8 abends. Ich habe mich ja schon abgefunden, das die Werbung den durchschnittlichen Zuschauer der Sender zu dieser Zeit für einen Senior hält (Werbung für Hörgeräte oder Treppenlifte) oder eben chronisch krank, denn dort laufen lauter Werbespots gegen verschiedene Beschwerden:

Okay, wenn ich mal das Erkältungen ausblende, wo sich gleich verschiedene Anbieter tummeln, dass im Frühjahr auch wieder aufhört, scheinen enorm viele Leute unter den obigen Beschwerden zu leiden. Aber die Werbung verspricht Abhilfe durch ihre Mittelchen. Einige sind sogar ganze Wundermittel, denn eines wird sowohl gegen Vergesslichkeit wie auch gegen Ohrgeräusche empfohlen.

Allen gemeinsam ist, das es verschreibungsfreie Medikamente sind. Klar ein Arzt wird das billigste Präparat aufschreiben, wenn überhaupt. Wahrscheinlich wird er aber einen guten Rat geben, dazu später noch mehr.

Die Klassiker sind ja Schmerzmittel. Da gibt es durchaus verschiedene Wirkstoffe. Zum einen, weil es unterschiedliche Schmerzen gibt mit unterschiedlichen Ursachen. Ein Mittel gegen Muskelschmerzen, die man bei einer Zerrung oder Belastung zugezogen hat, hat andere Inhaltsstoffe als eines gegen Kopfschmerzen. Kopfschmerzmittel greifen vor allem in die Weiterleitung des Schmerzreizes in den Nervenbahnen ein, Präparate gegen Muskel- oder Gelenkschmerzen bekämpfen oft die Ursache: eine Entzündung. Zudem kann man sie direkt auftragen oder als Pille nehmen und ein Hersteller empfiehlt auch Wärmepflaster gegen Muskelschmerzen – die helfen auch, nur geht das auch einfacher mit einer ordinären Wärmflasche. Was man dann nimmt, hat auch viel damit zu tun, was man glaubt, was hilft. In dem Sinne steigert die Werbung dann sogar die Wirkung. Wer wie ich an Wirkstoffe glaubt und nicht an Markennamen, wird in der Apotheke das billigste Präparat kaufen. Was mich erstaunt hat, ist das eine Firma, die schon lange ein Kombinationspräparat im Angebot hat, nun ein neues bewirbt – Ibuprufen mit Coffein, das sich auch im anderen Präparat findet. Coffein weitet die Blutgefäße, und da ein Teil der Schmerzen, sowohl bei Kopf wie Muskelschmerz auf eine zu geringe Blutzufuhr zurückzuführen ist, wird das wohl zugesetzt. Kombinationspräparate sind aber in Verruf geraten, da sich auch die Neben- und Negativwirkungen der Wirkstoffe verstärken. Zudem: nicht jeder will Coffein zu sich nehmen, immerhin ein Vielfaches des Koffeins in Kaffee stecken in einer Tablette.

Immerhin: Schmerzen sind echte Beschwerden, die man auch genau lokalisieren kann. Bei den anderen Krankheiten in der Liste handelt es sich jedoch mehr oder weniger um unspezifische Beschwerden. Es gibt mindestens zwei Präparate, die beworben werden, um Schmerzen in den Beinen zu kurieren. Der eine Anbieter meint es wäre ein Magnesiummangel, beim anderen ist es ein Vitamin B-Mangel. Das kann es geben, nur halte ich das für unwahrscheinlich. Man muss sich heute schon ziemlich einseitig ernähren, um von beiden Stoffen zu wenig aufzunehmen. Vitaminmangel gibt es zumindest nach Ansicht der DGE nur bei erhöhtem Bedarf und bestimmten Bevölkerungsgruppen wie Schwangeren. Echte Mangelkrankheiten sind heute unbekannt. Das verwundert nicht: ernähren wir uns nicht nur vielseitiger als die Leute vor 100 Jahren, sondern auch vielseitiger. Selbst industriell gefertigte Nahrung wird vitaminschonender zubereitet als vor Jahrzehnten noch die normale Hausmannskost. Dazu kommt, dass man heute Obst und Gemüse das ganze Jahr zur Verfügung hatte – ein Luxus, den selbst Reiche vor einem Jahrhundert nicht hatten und selbst die hatten damals kaum Vitaminmangel, der war mehr in den ärmeren Schichten verarbeitet, die sich fast nur von Getreide und Kartoffeln ernährten. So gesehen sind solche Ergänzungspräparate mehr dazu da, das Gewissen zu beruhigen. Noch mehr als bei Schmerzmitteln gibt es aber preiswerte Alternativen bei Vitaminen und Mineralstoffen und noch mehr sind die Preisunterschiede zwischen den Vitaminen im Discounter und beworbenen Präparaten enorm.

Noch esoterischer wird es bei den Mitteln gegen mangelnde Leistungsfähigkeit, Vergesslichkeit oder den „störenden Ohrgeräuschen“. Also wenn ich Letztere nicht mit Tinnitus gleichsetze, sondern die normalen altersbedingten Ohrgeräusche, die man mehr oder weniger im Alter bekommt. Gegen die hilft nichts. Das einzige, was an machen kann, ist sich abzulenken und sie versuchen, nicht bewusst wahrzunehmen. Da das mit der Psyche zu tun hat, wirken die Mittel wie Homopathie – über den Placebo Effekt. Wer also glaubt, das die Mittel helfen, der wird weniger auf die Ohrgeräusche achten und so wirken sie auch. So verwundert es nicht, das das gleiche Mittel auch gegen Vergesslichkeit empfohlen wird, wobei dieser Markt heiß umkämpft ist, es tummeln sich vor allem etliche Präparate mit Ginko-Extrakten. Einen von der Medizin akzeptierten Nachweis ihrer Wirkung gibt es nicht, doch gerade beim Gehirn wirkt ja die Einbildung besonders gut. Zudem ist „Vergesslichkeit“ ein Symptom, das man schwer fassen und quantifizieren kann.

Eine eigene Abteilung betrifft das Magen-Darm-System. Es ist für Präparate ein lukratives Gebiet. Es gibt natürlich echte Magen-/Darmbeschwerden. Die beiden häufigsten sind der Durchfall und die Verstopfung. Durchfall kann zum einen mikrobiologische Ursachen haben, die berühmte Magen-Darm-Grippe, aber auch durch die Nahrung bedingt sein, wenn sie zu viele Ballaststoffe enthält oder Stoffe, die den Darmtrakt überfordern, das können auch Nährstoffe sein, wenn es sie im Überschuss gibt – nimmt man zu viel Milchzucker oder Fruchtzucker auf so kann dieser nicht komplett im Dünndarm aufgenommen werden, gelangt in den Dickdarm und die dort angesiedelten Bakterien vergären ihn, produzieren dabei Gase und senken den pH-Wert im Darm ab. Beides führt dann zum Durchfall. Heute häufiger ist aber die Verstopfung, die zumindest nach der Werbung primär eine Frauenkrankheit ist. Die Ursache ür die Verstopfung ist relativ einfach – man nimmt zu wenig Ballaststoffe auf. Der Dickdarm hat dann einen zu festen Stuhl, den er kaum noch bewegen kann. Mich hat immer gewundert, warum das eine Frauenkrankheit ist, gelten Frauen im Allgemeinen doch als ernährungsbewusster als Männer. Aber ich denke es ist auch nur eine Krankheit für einen bestimmten Typ. Ballaststoffe sind auch verantwortlich für die Gasproduktion im Darm und damit für unangenehme Geräusche und Gerüche. Will man die unbedingt vermeiden, dann isst man wenig ballaststoffreiche Nahrung und leidet dann unter Verstopfung.

Das Magen-Darmsystem ist aber eine Fundgrube für Verkäufer von Medikamenten, und zwar weil es ein eigenes, autonomes Nervensystem hat und das reagiert wie das Gehirn auf äußere Einflüsse, die nicht direkt vom Darm kommen. Das liegt an den Hormonen, die im Körper zirkulieren. Das war mal nützlich, als der Mensch noch realen Gefahren ausgesetzt war wie wilden Tieren. Wenn die auftauchten, war es nützlich, nicht Energie in die Verdauung zu stecken, sondern ins Weglaufen, auch wenn sich dabei der Darminhalt entleerte. Nur wird dasselbe Hormon auch bei Stress heute ausgeschüttet und der Darm reagiert eben wie vor Zigtausend Jahren. Je nach Hersteller sind die Ursachen für die Beschwerden dann „Reizmagen“ oder „Luftbläschen“ oder „Reizdarm“. Im Prinzip wirken die Produkte daher auch nicht über ihre Wirkstoffe, sondern die Beruhigung des Anwenders und sie senken so die Ausschüttung von Adrenalin und Co.

Die absolut besten Präparate sind aber Präparate gegen etwas, was es gar nicht gibt. Vergessen sie mal was? Sind Sie manchmal müde oder abgespannt? Gegen so normale Alltagsphänomene oder den Hinweis des Körpers sich doch mal auszuruhen, gibt es Mittelchen. Ebenso wenn man dann zwar ausruhen will und nicht abschalten kann und dann nicht einschlafen kann. Klar, es wäre jetzt ja auch einfach an sich was zu verändern, wenn es überhaupt eine Maßnahme gibt – man kann gegen Vergesslichkeit eigentlich nichts machen, ebenso wenig wie man durch ein bestimmtes Vitamin plötzlich körperlich und geistig „leistungsfähiger“ wird. Man kann aber sein Gedächtnis genauso wie den Körper trainieren, doch erfordert natürlich Anstrengung. Da ist es einfacher, etwas einzuwerfen. Ich glaube die Hochpreispolitik eines Anbieters dient gerade dem Placeboeffekt – wenn ich pro Dosis mehrere Euro zahlen muss, dann muss das ja was nutzen! Auch Stress kann man ohne Mittel abbauen, z. B. durch autogenes Training oder einfach Entspannen.

Die Parade von Medikamentenwerbung ist das Symptom einer Vorstellung, die sich eingebürgert hat. Leute akzeptieren nicht das der Körper ab und an mal Probleme macht, im Alter immer mehr. Da ist es eben gleich eine Krankheit. Der Mensch hat eben zu „funktionieren“. Als Zweites: Gegen die meisten echten Probleme kann man was tun: die Ernährung umstellen, sich mehr bewegen oder das Gehirn fordern. Aber das erfordert ja eine Eigeninitiative, ist oft sogar anstrengend. Da ist es doch einfacher etwas einzuwerfen, vor allem, wenn man dadurch das gute Gefühl hat, tatsächlich etwas gegen die „Beschwerden“ zu tun.

30.3.2020: Zeit für ein letztes Selfie

Vor einigen Wochen lief eine Dokumentation über Voyager auf Arte. Meiner Ansicht nach hat man dort zu viel Wert auf die Goldene Schallplatte gelegt, aber sei es drum. Die Sendung hat mich aber inspiriert. Denn erwähnt wurde, dass Voyager 1, als die Mission schon vorbei war, am 14.2.1990 ein letztes Fotomosaik aufnahm. Voyager 1 Kameras waren schon seit 1981 nicht mehr aktiv gewesen, nun waren auch die letzten Daten von Voyager 2 übertragen und die beiden Sonden begannen ihre Heliosphärenmission. Das bedeutete, das man alle Instrumente endgültig abschalten würde, die nicht für diese Mission gebraucht wurden und, da nun nur noch Teilchen und Felder gemessen würden, waren dies auch die Kameras an beiden Raumsonden. Das diente zum einen zum Einsparen von Strom – selbst wenn die Instrumente nicht aktiv waren so waren aber Heizelemente aktiv und zum Zweiten wurden die wissenschaftlichen Teams der Instrumente aufgelöst, um Kosten zu sparen.

Voyager 1 war immer die weiter entfernteste der beiden Sonden und sie entfernt sich auch schneller von der Sonne als Voyager 2. Das liegt daran, dass sie sich näher an Jupiter und Saturn näherte und so „mehr Schwung“ bekommen hat. Das konnten die beiden Vorbeiflüge von Voyager 2 an den kleineren Planeten Uranus und Neptun nicht aufholen, zudem bremste einer der beiden Vorbeiflüge die Sonde sogar leicht ab. Da zudem Voyager durch den Saturnvorbeiflug die Ekliptik verlassen hat, gab es so einen einmaligen Blick von schräg oben auf das Sonnensystem. Voyager machte 60 Aufnahmen, da die Kamera während des Schwenks von einem Planeten zum anderen aktiv war. Von den damals noch neun Planeten lichtete die Sonde sechs ab. Merkur war zu sonnennah, Mars stand in einer ungünstigen Beleuchtungsstellung und Pluto war zu lichtschwach, um aufgenommen werden zu können.

Das „Familienportrait“ war wissenschaftlich nutzlos, aber wie die Apollo 8 Aufnahmen der aufgehenden Erde über dem Mondrand zeigten sie etwas Bekanntes aus einer anderen Perspektive, die vielleicht bei dem einen oder anderen einen Denkprozess auslöst. Die Erde ist auf dem Bild (theoretisch) 0,12 Pixel groß, dabei ist die Kamera an sich nicht schlecht, würde man sie von der Erde auf den Mond richten, so füllt der mehr als das ganze Blickfeld aus.

Zwanzig Jahre später nahm Messenger ein zweites Porträt auf, diesmal aus dem Merkurorbit. Das ist eine weitere Perspektive, denn von innerhalb der Erdumlaufbahn hat noch nie jemand die Erde gesehen. Inzwischen ist New Horizons weiter von der Sonne entfernt, als es Voyager 1 damals war. Voyager 1 machte die Aufnahme aus rund 6 Mrd. km Distanz, New Horizons ist mittlerweile 7 Mrd. km entfernt. Die NASA feierte schon Aufnahmen der Sonde als die aus der bisher größten Distanz. Sie zeigen allerdings nicht das Sonnensystem, sondern andere KBO, auch wenn man die nicht auflösen kann, so kann man über die Aufnahme aus einem anderen Blickwinkel mehr über sie und ihren Orbit erfahren.

Es wäre also Zeit das New Horizons, bevor auch diese Sonde abgeschaltet wird, ein letztes Porträt aufnimmt. Eine höhere Auflösung darf man sich nicht erhoffen. Zwar ist die Kamera LORRI von New Horizons rund 45 % höher auflösend, aber die Sonde ist auch weiter entfernt und bis auf Jupiter und Saturn dürften die meisten Planeten nur etwa 1 Pixel oder kleiner sein. Die Kamera ist aber lichtempfindlicher. So dürften die Verschmierungseffekte, die man auf den Voyager Bildern sieht, deutlich kleiner sein.

Kann die Sonne die Kamera blenden oder gar zerstören? Nun, wenn es die letzten Aufnahmen sind., spielt das keine Rolle, dann würde man von Außen bei Neptun (oder Pluto – ist ja kein Planet mehr) beginnen und die Sonne mit den innersten Planeten (aus der Distanz bildet 1 Bild rund 35 Millionen km ab) zuletzt aufnehmen. Ich glaube aber nicht das es Probleme gibt. Die Sonde ist mittlerweile 47 AE von der Sonne entfernt. Die Helligkeit der Sonne nimmt im Quadrat zur Entfernung ab, sie ist also 47² = 2.209 mal dunkler als bei uns. Das entspricht wenn die Sonne bei uns maximal 160.000 Lux erreicht rund 80 Lux und damit ist sie nur etwa so hell wie ein schlecht beleuchtetes Zimmer. Selbst wenn man die Kamera direkt in die Sonne richtet, reicht das nicht aus sie zu schädigen. Astrofotografen, welche die Sonne durch ein Teleskop aufnehmen, verwenden üblicherweise dafür Filter mit einer Abschwächung um den Faktor 1.000 bis 10.000, dass liegt in derselben Größenordnung. Man wird die Belichtungszeit anpassen müssen, aber das war es auch schon.

Ich meine das wäre ein würdiger Abschluss der Mission. Was meint ihr?

31.3.2020: Corona Epidemiologie 2

Ein weiterer Blog zur Corona (Covid-19) Epidemie. Wie schon bei meinem letzten Blog betont – ich bin dafür kein Experte, aber ich habe auch eine eigene Meinung und es mag zwar die Versammlungsfreiheit, aber nicht die Meinungsfreiheit abgeschafft worden sein.

Es geht um die Kontakteinschränkungsmaßnahmen und ihre Dauer. Die Kanzlerin hat ja betont, dass die über den 20. April hinaus verlängert worden können. Ziel sei es die Verdopplung der Fallrate auf 10 Tage zu beschränken, um das Gesundheitssystem vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Erst mal ein paar Grundlagen. Epidemiologen sind sich einig, das die Epidemie erst zum Stillstand kommt, wenn 60 bis 70 % der Bevölkerung infiziert sind. Das klingt erst mal nach einem Horrorszenario, ergibt sich aber aus den Grundlagen der Epidemiologie. Eine Epidemie kommt zum Stillstand, wenn jeder Kranke einen Gesunden neu infiziert. Dann ist die Belastung des Systems konstant. Ist sie höher, so wird es überlastet, ist sie kleiner so nimmt die Epidemie ab. Das hängt von der Wahrscheinlichkeit ab, mit der ein Virulenter einen neuen ansteckt. Für Covid-19 hat man aufgrund der bisherigen Befunde herausgefunden, das dies im Durchschnitt drei Personen sind. Wer es genau erklärt haben will: Leschs Kosmos erklärt das in der letzten Folge recht gut.

Nehmen wir Merkels Szenario von einer Verdopplung alle 10 Tage und heute etwa 62.000 Fälle (etwa doppelt so viel wie seit meinem letzten Blog) so sind das rund 10 Verdopplungen oder 100 Tage, bis man die 60 bis 70 % Fallzahl bei 82 Millionen Bundesbürgern erreicht, also etwa bis Ende Juli. Allerdings ist eine Verlangsamung der Verdopplungsrate auf konstant 10 Tage nicht das, was man haben will, das muss die Kanzlerin falsch verstanden habe. Denn es würde in der letzten Konsequenz heißen, dass bei der letzten Verdopplung in 10 Tagen es rund 30 Millionen neue Fälle gibt – nur mal zum Vergleich bisher haben wir in zwei Monaten 62.000 Fälle erreicht, was jetzt schon zu den restriktiven Maßnahmen geführt hat.

Mein Ansatz ist ein anderer – wie viele Fälle könnte das Gesundheitssystem dauerhaft schaffen, ohne zusammenzubrechen. Nach Medienangaben gibt es 15.000 Intensivbetten für die Behandlung. Gottseidank benötigt nicht jeder infizierte ein Intensivbett. Bei 85 % der positiv Getesteten verläuft die Infektion harmlos, wie man durch die Tests jetzt schon weiß, haben die Hälfte der Infizierten gar keine Symptome bemerkt. Bei 15 % aber ist sie schwer. Doch auch „schwer“ heißt nicht, dass jeder ins Krankenhaus kommt und ich denke bei denen wird auch ein guter Teil keine Intensivbehandlung benötigen. Nach der Meldung benötigen ein Drittel der schwer Erkrankten eine Intensivbehandlung. Die Zahl der Betten, die man benötigt ergibt, sich durch Teilen der verfügbaren Bettzahl (15.000) durch die Belegungstage. Nach dem Artikel kann bei Personen, die ins Krankenhaus kommen, die Epidemie drei bis sechs Wochen dauern, während sie bei leichten Symptomen nach 10 bis 14 Tagen beendet ist. Nimmt man nur die untere Schwelle, 20 Tage, so dürfen also pro Tag maximal 750 Personen (15.000 Betten / 20) einer neuen intensivmedizinischen Behandlung bedürfen. Da dies rund 5 % der Infizierten sind, sind das maximal 15.000 neue Fälle pro Tag, mithin würde man bei 50 Millionen, die infiziert werden, dürfen, bis die Epidemie zum Stillstand kommt, 3300 Tage brauchen bis Schluss ist, also rund neun Jahre. Schon jetzt kommt Frankreich ja in Probleme: Nach Berichten werden im Elsass über Achtzigjährige nur noch palliativ behandelt. „Palliativ“ - die Behandlung nur mit Schmerzmitteln, kennt man sonst nur bei Personen, die im Sterben liegen.

Selbst wenn man die Zahl der Betten signifikant erhöht oder alle Krankenhausbetten (rund 497.000 in der BRD) nimmt, würde es rund 110 Tage dauern, bis man alle Personen durchhat. Dann darf aber in der Zeit niemand sonst ins Krankenhaus. Bei 50 % „normaler“ Belegung verdoppelt sich schon die Dauer auf 220 Tage.

Damit ist klar: nur durch die Verlangsamung der Infektion wird man der Epidemie nicht Herr, außer man will über Jahre hinweg die Wirtschaft herunterfahren mit den schon erlassenen Kontaktverboten. Schon die kurze Periode jetzt soll Kosten aufwerfen wie die ganze deutsche Einheit und die fielen über einige Jahre an.

Die Hoffnung liegt daher auf zwei anderen Säulen: Das eine sind Medikamente, die gegen die Krankheit helfen und auch gerade erprobt werden, vor allem Medikamente, die man gegen andere virale Erreger schon entwickelt hat. Sie schützen zwar nicht vor der Krankheit aber im besten Fall benötigen weniger Personen eine intensivmedizinische Behandlung, oder müssen gar nicht ins Krankenhaus. Das erlaubt dann viel höhere Fallzahlen. Die werden auch erst zum Ende kommen, wenn die obige 60 bis 70 % Infektionsrate erreicht ist, man sollte sich also schon mal an Millionen Fälle in Deutschland und weltweit an Milliarden gewöhnen. Die zweite Hoffnung ist, dass es einen Impfstoff gibt, denn ist man geimpft, dann zählt die Person auch zu den infizierten. Es erfolgt die Impfung schließlich mit Bruchstücken von Viren oder inaktiven Viren.

Die grundlegende Taktik dürfte es also sein, die Neuinfektionsrate so lange unter der Kapazitätsgrenze des Gesundheitssystems zu halten, bis eines der beiden Mittel zur Verfügung steht. Wie umkämpft das ist, zeigt sich schon daran, dass Trump, eine Tübinger Firma die an einem solchen Impfstoff arbeitet, aufkaufen wollte. Wie schäbig geht es noch? Ist das die Vorstellung von „America first“? Nichts gegen eine finanzielle Beteiligung der USA bei der Suche nach einem Impfstoff um dies zu beschleunigen, aber ein Impfstoff, der dann nur exklusiv den USA zur Verfügung steht? Wenn es einen gibt, dann sollte er weltweit sofort eingesetzt werden, um die Epidemie zu stoppen. Das dürfte auch im Interesse der USA sein, denn deren Wirtschaft nützt es ja nichts, wenn US-Bürger dann geschützt sind, die Epidemie woanders aber noch wütet. Bei der heute verflochtenen Produktion reißen auch dann alle Lieferketten. Inzwischen sind die USA ja wieder „great again“ - sie führen bei den weltweiten Fallzahlen an. Stand heute Vormittag (30.3, 10:00) 142.000 Fälle. Damit haben sie Deutschland überholt – in einer Woche 120.000 neue Fälle, in Deutschland waren es nur 32.000. Ich glaube das wird angesichts dessen, das es keine Krankenversicherung für 25 Prozent der Bevölkerung gibt, und man die Behandlung in den USA dann sofort bezahlen muss auch noch erheblich mehr werden.

Für mich steht als Folge nur eines fest: die Maßnahmen werden noch erheblich länger aktiv bleiben müssen. Mindestens solange bis man entweder Medikamente oder noch besser einen Impfstoff verfügbar hat und das können Monate sein, vielleicht sogar ein Jahr. Dann wird man wohl abgestuft vorgehen, also zuerst die Beschränkungen dort aufheben, wo die wirtschaftlichen Folgen am größten sind. Beschränkungen für Freizeitaktivitäten werden dagegen länger Bestand haben.

Es kann auch durchaus noch schlimmer kommen. Wenn die Fallzahlen weiter ansteigen, wird man wie in Italien oder Spanien die Maßnahmen verschärfen müssen. Das heißt, alle nicht zur Versorgung der Bevölkerung wichtigen Industrien werden dann zeitweise dichtmachen. Ich warne auch davor, die Maßnahmen schnell wieder einzustellen. Denn nur sie bremsen derzeit das Virus. Bei 62.000 infizierten sind eben 99,9 % unserer Bevölkerung nicht immunisiert und würde man sie aufheben, so würden die Fallzahlen bald wieder ansteigen. Man wird durch Hygienemaßnahmen vielleicht sie lockern können, wenn es mal genügend Atmeschutzmasken für alle gibt, dann wären diese ein rudimentärer Schutz vor Ansteckung. Dann müsste man über eine längere Zeit immer, wenn man aus dem Haus geht, so eine Maske tragen.

Zuletzt noch was zur Öffentlichkeitswahrnehmung. In den Medien wird die Kontaktreduzierung als große Einschränkung dargestellt. Sowohl durch menschenleere Studios wie auch durch Interviews auf der Straße oder Meldungen von Hörern in Radioprogrammen. In allen ist der Tenor: notwendig, aber doch stark einschränkend. Das mag für einige gelten. Aber Tatsache ist auch: es gibt eine Reihe von Personen, die haben von sich aus wenig Kontakt mit anderen, für die ändert sich fast nichts. Daneben gehen die meisten noch zur Arbeit und treffen dort noch ihre Kollegen, was auch bei den meisten die häufigsten sozialen Kontakte darstellt. Richtig einschränken müssen sich die sonst viele Leute treffen oder noch mehr und da wird es auch wirtschaftlich schwierig, die jetzt schon in einem Betrieb arbeiten, der zumachen musste, wie die Gastronomie.

1.4.2020: Die SpaceX-Märznachlese

Ja heute ist der 1. April, aber ich schicke euch nicht in den April. Das ist ein ganz regulärer Blog. Der Grund ist ganz einfach, mir fiel einfach nichts ein, was als wirklich guter Aprilscherz angesehen werden könnte und der müsste sich ja von den normalen Scherzblogs in Münchhausens Kolumne ja abheben.

Heute also wie jeden Monat eine kurze SpaceX-Nachlese. Durch die Corona-Pandemie ist er wirklich kurz, denn viel Neues gibt es nicht, nur einen weiteren Starlinkstart. Immerhin hat die Firma so einen gute Begründung, wenn sie am Jahresende wieder nicht ihre 24 Starlinkstarts vorweisen kann, die sie letztes Jahr angekündigt hat. Sieht auch so ganz gut aus für meine Wette vom Januar.

Das außergewöhnliche an dem Start war nur, das ein Triebwerk der Falcon 9 ausfiel. Mehr gibt es von SpaceX aus nicht an Details. Auch nicht wann das war. Klar ist, dass ein Triebwerk ausfallen kann. Dafür wurde zum einen die Rakete ausgelegt, zum anderen werden die Triebwerke zu Brennschluss heruntergefahren auf 40 % Schub (früher wurden zwei Triebwerke vorzeitig abgeschaltet), sodass die Rakete, wenn ein Triebwerk nicht zu früh ausfällt, dessen Schubverlust „ausgleichen“ kann, wenn dieses Herunterfahren später stattfindet oder ausbleibt. Wenn der Ausfall erst stattfindet, wenn die Triebwerke sowieso gedrosselt werden, etwa 20 s vor Brennschluss dann ist er wahrscheinlich ohne irgendeine Auswirkungen.

Zwei weitere Ereignisse, die mit dieser "Anomaly" in Beziehung stehen können, aber nicht müssen ist, dass der Start schon beim ersten Versuch abgebrochen wurde, wegen der Abweichung eines Triebwerks von den Sollparametern und die Stufe ihr Landungsschiff verpasst hat – das Letzte halte ich für eine mögliche Folge, da, wenn die Stufe mehr Treibstoff verbraucht hat, um den Ausfall zu kompensieren, er natürlich in der Landephase fehlt. In dem Sinne wäre die Bergung eine Sicherungsmaßnahme gegen Triebwerksausfälle.

Inzwischen sind NASA und DoD in die Untersuchung des Vorfalls einbezogen. Schöner wäre eine geborgene Stufe gewesen, da hätte man sicher mehr herausfinden können.

Spekuliert wird nun ob der Ausfall mit der Wiederverwendung zu tun hat – es war der fünfte Einsatz dieser stufe, ebenfalls ein Rekord. Klar ist, dass ein Triebwerk verschleißt. Aber selbst wenn SpaceX die Stufen in Zukunft nur noch viermal einsetzt, dürften sie so ¾ der Herstellungskosten wieder hereingeholt haben. Da die Bergung und Inspektion auch Geld kosten denke ich wird man nicht viel mehr sparen, wenn man die Stufe fünfmal oder zehnmal wiederverwenden kann. Dafür spricht auch die Preispolitik, nach der ein Start mit Wiederverwendung der Stufe 50 Millionen Dollar kostet, ohne 62, also nur ein Fünftel billiger, obwohl nach Musks Angaben drei Viertel der Herstellungskosten auf die erste Stufe entfallen.

Eine kleine Meldung, die fast unterging, war, das SpaceX auch zwei experimentelle abgedunkelte Starlink-Satelliten „Darksats“ gestartet hat. Sie sind um 55 % dunkler als die bisherigen Starlink Satelliten, was vielen Astronomen nicht genügt. Astronomen finden, das ist zu wenig.

Ich sehe einen Hoffnungsschimmer, dass wir auch in Zukunft noch einen Himmel haben werden, in dem die meisten Lichtpunkte Sterne und nicht Starlinksatelliten sind, und das ist die Corona Krise. Oneweb konnte im März noch die zweite Ladung an Satelliten starten, hat nun 68 im Orbit (deutlich weniger als SpaceX, aber ihr Netzwerk kommt ja auch in der ersten Phase schon mit einem Achtel der Satelliten aus, sodass der Anteil am fertigen Netz höher ist). Da gab es aber schon Gerüchte über eine Krise und nun hat sich Oneweb unter „Chapter 11“ geflüchtet. Das ist eine Regelung im US-Gesetz die es bankrotten Firmen erlaubt, in geschützter Umgebung sich konsolidieren und eventuell neu zu beginnen. So was machte auch Sealaunch vor einigen Jahren. Die Firma kam wieder dann aber ohne US-Beteiligung. SpaceX hat keine Finanzierungsprobleme, es gab im März eine neue Finanzierungsrunde, in der sie weitere 500 Millionen Dollar Kapital akquirierten. Aber ein Internet aus dem All zähle ich mal als Luxusprodukt – es mag zwar schneller als das bisherige Netz in bestimmten schlecht erschlossenen Regionen sein, aber wenn wie man das erwarten kann, viele Firmen durch die Coronakrise in Schieflage geraten oder gar pleitegehen, Leute entlassen werden oder nur Kurzarbeitergeld bekommen, dann wird man zuerst mal daran sparen zumal man ja auch ein eigenes Terminal kaufen muss. OneWebs Terminals, die einfacher aufgebaut sein sollen als die von SpaceX, weil die Abdeckung der Satelliten eine andere ist, sollen 1.000 bis 1.500 Dollar kosten, da werden SpaceX Terminals sicher nicht billiger sein. Dazu kommen die monatlichen Kosten von 80 Dollar die Shotwell als Vorgabe nannte – das sind Summen die, wenn man wenig Geld hat, durchaus relevant sind und SpaceX konzentriert sich ja auf den US-Markt und dort gibt es nicht so was wie eine Arbeitslosenversicherung.

Immerhin, es gab zwei neue Aufträge für SpaceX: zum einen seit Längerem wieder einen kommerziellen Start, zum Zweiten einen Auftrag, der von vorneherein fest stand: Einen Versorgungsauftrag für das „Lunar Gateway“, eine Miniraumstation in einer Mondumlaufbahn. Fest stand der schon vorneherein wegen der Anforderungen: „Companies had to propose spacecraft capable of carrying at least 3,400 kilograms of pressurized cargo and 1,000 kilograms of unpressurized cargo to the Gateway, and be able to dispose of at least as much cargo from the Gateway“. (Quelle Spacenews)

Also rund 4.400 kg zum Gateway, das in einer Mondumlaufbahn ist. Um in die zu kommen muss man zuerst Fluchtgeschwindigkeit erreichen, dann in eine Mondumlaufbahn einschwenken, was die Masse um etwa ein Drittel reduziert. Bisherige Transporter zur ISS, egal von welcher Nation hatten maximal ein Drittel der Startmasse als Nettonutzlast. Das bedeutet, das man rund 13 t in einen Mondorbit befördern muss. Dazu dürften nur die SLS und die Falcon Heavy fähig sein und da es eine Ausschreibung an Firmen ist, fällt die SLS weg und was bleibt dann übrig? Lohnen tut es sich, denn Planungen sehen 7 Milliarden über 15 Jahre vor, also fast so viel wie SpaceX bisher erhalten hat (Bridistine rechnete im letzten September vor, das dies bisher schon 7,8 Milliarden Dollar waren).

Dafür kann man noch ein bisschen länger auf die Crewed Dragon warten - wie bekannt wurde, gab es erneut Probleme mit dem Fallschirm, aber wir wissen ja, die nächste Generation die „Zehnmal stärker“ ist als die bisherige wird’s richten. Diesmal wurde der Fallschirm gar nicht erst geprüft, der Hubschrauber hatte beim Aufstieg Probleme und klingt so Testmodell (nicht spezifiziert) mit Fallschirm aus, jedoch unter der geplanten Höhe, sodass die Fallschirme gar nicht erst auslösten und das „Testmodell“ (früher oft ein Dragon Mockup) zerstört wurde. Das gefährdet nach NASA angaben den Zeitplan aber nicht. Der dürfte jetzt auch wohl eher von Codi-19 bestimmt sein. Dafür werden nun vier Astronauten beim ersten bemannten Flug an Bord sein – folgerichtig, denn durch die Verzögerungen werden nun auch die zusätzlich gebuchten Sojussitze zuerst direkt von Roskosmos, dann von Boeing die diese wiederum von Roskosmos bekommen hatte (Kompensation für Kosten von Sealaunch, deswegen prozessieren die beiden ja schon) knapp. Und wenn etwas passiert dann dürften, die Konsequenzen dieselben sein egal ob zwei oder vier Astronauten betroffen sind.

1.4.2020:Wissenschaftler, Politiker, Masken und Hamstern

Da es die Nachrichten beherrscht heute mal (oder schon) wieder ein Blog zur Corona-Krise, Epidemie, Pandemie oder wie immer man es nennen möchte.

Gestern kam die Diskussion um die Atemschutzmasken auf. Innerhalb eines Tags habe ich dazu sechs Meinungen gehört:

WHO und Experten sind sich einig: die einfachen Atemschutzmasken, die man auch vom "normalen" Klinikpersonal her kennt, schützen nur die anderen vor einer Infektion, wenn jemand das Virus hat. Die teureren mit Filter sollten wegen der Knappheit für das medizinische Personal vorbehalten werden. Dem Rat schloss sich auch Kretschmann an. Einfach weil es schon zu wenige Masken gäbe. Kurz hat dagegen eine Maskenpflicht verordnet. Dem ist auch der Bürgermeister von Jena gefolgt, der das für Jena verordnet – nur um dann ohne Maske ein Interview zu geben...

Spahn und Dreyer stehen dazwischen, zeigen Verständnis oder wägen ab, ob Privatpersonen die einfachen Masken tragen sollten.

Warum erwähne ich dies? Wenn ich die Nachrichten höre oder sehe, dann höre ich immer was Politiker sagen, meinen oder tun. Okay, ohne das letzte geht es nicht, aber ansonsten halte ich Politiker für den absolut ungeeigneten Personenkreis sich zu einem medizinischen Problem, egal ob es der Schutz vor dem Virus, der Ausbreitung, Krankheitsverlauf und Auswirkung auf die Versorgung geht. Sie mögen wie jeder eine Meinung dazu haben, aber sollte es nicht Aufgabe der Medien sein, Tatsachen zu verbrieten und nicht Meinungen? Das verwirrt doch, wenn es wie oben drei verschiedene Ansichten gibt, nur. I

ch habe gerade mal die „Maskenfrage“ aufgegriffen. WHO und Wissenschaftler sagen übereinstimmend: OP-Masken schützen nicht vor Eigenansteckung, sondern der Ansteckung anderer, haben also den gleichen Sinn wie der Schutzabstand. Da im Normallfall die Leute sich aber nichts selbst anstecken wollen, würde das zu einem Run auf die echten Schutzmasken führen, die ja nicht nur in der Medizin, sondern auch Landwirtschaft (Pestizideinsatz) oder beim Lackieren zum Einsatz kommen. Masken mit der höchsten Schutzklasse FFP3 kosten mittlerweile 18 bis 20 Euro – und das sind Einwegartikel! Im Sinne, dessen das widersprüchliche Informationen, die meisten nur verwirrt oder noch schlimmer verängstigt, sollten Medien nicht jede Politikermeinung veröffentlichen. Im obigen Fall wäre das so:

Dann sieht man das sich Kurz vergaloppiert hat. So sind eben Politiker: sie orientieren sich selten nach den Ratschlägen von Experten. Das sieht man auch bei Schweden – dort gibt es kaum Einschränkungen im öffentlichen Leben, man setzt auf Freiwilligkeit. Lediglich Ansammlungen von mehr als 50 Personen sind verboten.

Das Politiker nicht dem Rat von Experten folgen, sieht man auch am Klimaschutz: da bastelt die Bundesregierung einen Kohleausstieg der 20 Jahre dauert und ein Klimaschutz-Paket, das weit hinter den Ratschlägen der eigenen Kommission zurückbleibt (und die hat schon einen Kompromiss zwischen Wirtschaft und wirksamen Klimaschutz angestrebt und bleibt weit hinter dem eigenen Klimaziel). FDP Chef Lindner meint, die Demonstranten von Fridays for Future sollten den Klimaschutz den „Profis“ überlassen und im FDP-Programm steht dazu der Emissionshandel als Allheiminstrument. Klar virtuelles Kohlendioxid kann ich handeln, nur reduziert as nicht das echte Kohlendioxid. Wir haben eine Medienlandschaft, die sich nur noch in den Nachrichten aus der Politik konzentriert. Wann schafft es mal eine Meldung aus den Naturwissenschaften in die Nachrichten? Nur wenn es eine Nobelpreisverleihung ist oder so was Spektakuläres wie die Entdeckung von Gravitationswellen oder einer zweiten Erde um einen entfernten Stern. Dagegen wird jede Äußerung eines Politikers, die dieser ja täglich absondert, wiedergegeben. Sollte es gerade jetzt, wo es um die Gesundheit von Millionen, der Existenz von Firmen und einer anstehenden weltwirtschaftlichen Krise nicht so sein, das Medien mal nur das wiedergeben, was die Wissenschaft zu der Epidemiologie und Maßnahmen zu sagen hat? Ich sehe das ja an mir selbst. Ich habe für den letzten Blog versucht zu ermitteln, wie viele Neuinfektionen es pro Tag geben kann, damit unser Gesundheitssystem an die Grenze kommt. Man kann zwar Google mit Suchergebnissen füttern, wird in News oder Google selbst aber dann hauptsächlich Medieninformationen finden von Zeitungen, Fernsehsendern oder Nachrichtenagenturen und die geben fast ausschließlich politische Aktionen und Meinungen wieder.

Ehrlich gesagt, ich halte von Politikern recht wenig. Meiner Einstufung nach stehen sie zusammen mit Anwälten und Drogendealern bei den drei Tätigkeiten, die ich am meisten verabscheue. Man sollte mal ein Experiment machen und einen Monat lang mal einfach den Empfehlungen von Experten folgen und sehen, ob die Politik nicht eine bessere ist als die, die wir jetzt haben, die z.B. extrem wirtschaftsfreundlich ist. Mich würde nicht wundern das, wenn man ein Programm entwickelt, dass auf Basis von KI, die alle verfügbaren Datenquellen, sowohl vom Bund wie auch von internationalen Organisationen auswertet, dann untersucht, welche Maßnahmen zur Lösung verschiedener Aufgaben und Probleme die effektivsten sind, z.B. indem sie bisherige Maßnahmen untersucht, inwieweit sie sich auswirkten, was man ja an Zahlen, die es in jedem Sektor gibt, leicht nachvollziehen kann, es um Längen besser wäre als unsere (und wahrscheinlich jede andere) Regierung.

Zuletzt noch eine Bemerkung zum Hamstern und dem Abstand. Ich finde es drei Wochen nach Beginn der Krise immer noch erstaunlich, das sich die Situation bei bestimmten Artikeln nicht gebessert hat. Konkret: Trotz Schildern, dass man nur beschränkte Mengen kaufen kann, sind die Regale für Mehl, Nudeln, Reis und Klopapier immer noch leer. Ich habe in den letzten Wochen wohl in einem Dutzend Einkäufe kein Mehl bekommen, Reis und Haferflocken bekam ich immerhin nach einigen Anläufen. Ich brauche nicht viel Mehl, eigentlich nur für Kuchen und Spezial-Plätzchen, aber wenn ich wochenlang keines bekomme, dann verunsichert mich das schon etwas. Das Verrückte: Bei Obst und Gemüse, Milch und Eiern, also typischen Produkten, die man nicht lange lagern kann, gibt es keine Verknappung, obwohl ich hier als erstes mit einer Knappheit aufgrund Krankheit oder Wegfall von Mitarbeitern rechnen würde, dagegen ist Weizen und auch Mehl jahrelang lagerbar und ich stehe vor leeren Regalen (die, nach den Politikern, ja angeblich täglich nachgefüllt werden).

Abstandsmarkierungen gibt es zwar inzwischen überall, mal geklebt, mal als Kette vor der Theke. Was sich nicht geändert hat, ist das Verhalten. Gut an der Kasse stehen nun alle ordentlich mit Abstand, doch in den Gängen? Manch einer macht sich immer noch breit, wenn er vor dem Regal steht. Gut in den Gängen kann man sowieso nicht die 2 m Abstand einhalten, dafür sind sie einfach zu eng. Aber ein bisschen Ausweichen könnte man doch erwarten. Das stelle ich auch bei meinem täglichen Fitnessgang (einmal Esslingen-Weil und zurück) fest. Wenn ich da Gruppen begegne, hat sich bei denen wenig geändert. Feldwege sind ja nicht breit. Da wird es schon schwer, wenn man sich normal begegnet, eineinhalb Meter Abstand einzuhalten (2 m gehen gar nicht), aber fast alle Paare oder Gruppen laufen nebeneinander, können sie auch, solange, bis jemand entgegenkommt, aber selbst dann wird nicht ausgewichen.

2.4.2020: Versuchs mal mit Logik, oder Okams Messer

Letzte Woche bekam ich wieder mal einen Brief von einem Anhänger des Moon Hoax. Da ich aus der Vergangenheit (und ich habe solche Konversationen hier schon im Blog wiedergegeben) weiß, das mit solchen Leuten zu diskutieren unfruchtbar ist habe ich ihm höflich geschrieben, dass ich auf solche Mails nicht mehr eingehe, weil es sich um eine Verschwörungstheorie handelt und diese sind nicht mit Fakten zu bekämpfen, sondern wurzeln in der Psychologie und haben damit mehr Ähnlichkeit zu Religionen, von denen es ja auch einige gibt und von denen jede weiß, dass sie die richtige ist.

Das scheint geholfen zu haben, denn eine Antwort habe ich seitdem nicht bekommen. Aber, was mir auffiel, bei der Mail war folgender Passus:

Ich bin ein solcher Anhänger der Gruppe, die exakt weiß, dass noch nie ein Mensch den Mond betreten hat.

Dazu braucht man Treibstoff, der in der Menge nicht vorhanden ist.

Die Strahlung ist so stark, dass das niemand abhält.

Diese angeblichen Landefähren waren Spionagesatelliten. Apollo war ein streng geheimes Spionageprogramm.

Die Medien und auch ich gehen ja zu gerne auf die vielen Argumente der Moon Hoaxer ein. Sei es ein tödlicher Strahlengürtel, gefälschte Fotos ohne Sterne, fehlender Krater unter der Mondlandefähre etc. Dies alles kann man mit wenig Recherche widerlegen. Doch das nützt ja nichts, weil es sich um eine Verschwörungstheorie handelt und die ist eben nicht durch Fakten widerlegbar. Aber für jemanden der nicht in ihrem geistigen Gespinst gebunden ist, der kann eine einfache Entscheidung einfach mit Logik treffen. Er muss dafür gar nichts über das Mondprogramm wissen.

Ich nehme mal das obige Zitat als Aufhänger. Apollo war also ein streng geheimes Spionageprogramm. Nun wurde in den Sechzigern zur Zeit des kalten Kriegs viel mehr Geld in die militärische Raumfahrt gesteckt als in die zivile, zeitweise war der Etat doppelt so hoch wie der der NASA, wenn auch nicht während der Hochphase von Apollo (wegen der Ausgaben für das Programm). Die Frage, die sich mir aber stellt, ist: wenn das Militär schon das Geld für dieses enorme Programm hat, warum setzt sie nicht dafür ihre militärischen Basen ein? Dort wurden Raketen mit für heute enormer Frequenz gestartet und das völlig abgeschottet von der Öffentlichkeit. Da gab es nicht eine halbe Million Zuschauer beim Start und eine Ausstrahlung des Starts in die ganze Welt.

Das Nächste ist dann was man mit diesen riesigen Spionagesatelliten – eine Saturn V konnte ja zehnmal so viel Nutzlast transportieren, wie größte militärische Rakete (Titan 3C), angefangen hat. Es gab ja schon Spionagesatelliten und die reichten für die Bedürfnisse vollkommen aus. Vor allem warum sehen die Spionagesatelliten so komisch aus wie die Mondfähren? Wo sind die wesentlichen Teile eines Spionagesatelliten wie Kamera oder Rückführkapsel für den Film? Warum sehen die Mondfähren nicht aus wie die anderen Spionagesatelliten aus den Programmen Corona, Gambit, Lanyard und Hexagon? Alle dortigen Satelliten waren stromlinienförmige Objekte und nicht so eckig und unsymmetrisch wie das Lunare Module.

Daneben gibt es ja etliche Dokumente aus der Zeit Videos, Fotos, aber auch ganze Baupläne, technische Handbücher des Apolloprogramms, vom Aufbau der Systeme über Flugpläne bis hin zu Details, die soweit gehen, das Leute den AGC heute nachbauten (im Link mit 74xx TTL Bausteinen, heute noch einfacher mit FPGA-Logiken) und der funktioniert nicht nur, sondern arbeitet auch das entwickelte Landeprogramm korrekt ab! Ist das nicht etwas viel Aufwand für ein Täuschungsmanöver, wenn man es doch so einfach gehabt hätte und einfach alles in US-Militärbasen entwickeln, bauen und starten könnte – das klappte doch woanders auch. Man hätte nicht nie gebaute Hardware dokumentieren müssen, weil diese Pläne ja erst Jahrzehnte später veröffentlicht wurden. Das es mal ein Internet geben würde, konnte in den Sechzigern ja keiner wissen und hätte man damals Pläne für nicht existierende Hardware, Vorgehensweise für nicht durchgeführte Landungen und Handbücher für die Bedienung nicht vorhandener Raumfahrzeuge erstellt, dann stellt sich mir die Frage – wozu? Wenn ich das so realitätsnah machen kann, das das auch funktioniert, warum sollte ich dann das ganze nicht wirklich bauen und damit auf dem Mond landen?

Über die damaligen Spionagesatelliten wissen wir erst genaueres, nachdem die Dokumente aus dieser Zeit zum Teil freigegeben wurden (das gilt z.B. immer noch nicht für die KH-11 Kennan Serie, weshalb schon die Auflösung der Satelliten nur spekulativ ist, erst recht ihr Aufbau. Also bei militärischen Satelliten klappt die Geheimhaltung über Jahrzehnte bis heute und dann kommt das Militär auf die Idee Spionagesatelliten zu bauen die nicht wie Spionagesatelliten aussehen, dazu eine zivile Trägerrakete, die sie vor der Öffentlichkeit mit Astronauten startet, die man ja für Spionagesatelliten gar nicht benötigt und dazu werden Zigtausende von Dokumente, Filme, angefertigt und so gelagert, dass man sie veröffentlichen kann, alles nur zur Täuschung?

Also entweder das oder es war schlicht und einfach ein Mondprogramm, das klingt weitaus weniger unglaubwürdig. Nicht ganz neu, schon Ockham kam im 14-Jahrhundert zu folgendem Schluss: (zitiert nach der Wikipedia):

Und demnach ist sowohl die „konventionelle Vorstellung Apollo wäre ein nationales Unternehmen zur Mondlandung einfacher, sie ist auch logischer.

Aber es ist wohl menschlich, das man die eigenen Schwachpunkte nicht erkennt, denn wie sagte schon vor 2000 Jahren ein gewisser Jesus von Nazareth: „Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?“ - wie ich bei der Recherche feststellte, steht das übrigens zweimal in der Bibel, ich kannte nur das Zitat aus der Bergpredigt. Mich würde mal interessieren ob Moon Hoaxer im Alltag auch so umständliche Erklärungen bevorzugen. Also wenn ein Moon Hoaxer morgens mit seinem Auto wegfahren will und eine Beule und rote Lackspitter entdeckt. Dafür gäbe es ja auch zwei Erklärungsmöglichkeiten:

Welche Erklärung wird er wohl wählen?

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