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Web Log Teil 588: 3.4.2020 - 22.4.2020

3.4.2020: Bigelow ist pleite

...und das ist nicht gerade überraschend. Bigelow gehört zu den wenigen US-Unternehmen, denen ich auf der Website einen Artikel gewidmet habe. Inzwischen mache ich das nicht mehr, weil es von den Newcomern kaum fundierte Informationen gibt und die meisten von ihnen nicht überleben. So auch Bigelow, auch wenn es ziemlich lange gedauert hat.

Bigelow wollte eine eigene Raumstation für kommerzielle Zwecke starten. Recht schnell wurde auch ein Prototyp in den Orbit gebracht. Das war es dann aber auch. Dann geschah lange nichts. Bigelow schloss zuerst mit SpaceX einen Vorvertrag für den Start ab, dann wechselte man zu ULA, weil die Atlas V mehr Platz für die Raumstation bot. Nur gestartet wurde sie nie. Zwischendurch wurde in Zusammenarbeit mit der NASA auch ein kleines Modul (BEAM) ins All gebracht, das seit einigen Jahren als Stauraum auf der ISS genutzt wurde. Das es kriselt konnte man vor einigen Monaten erfahren, als Bigelow sich von einer NASA-Ausschreibung zurückzog. Diese bot 561 Millionen Dollar für ein Modul, das sowohl an der ISS angedockt werden konnte, wie auch eigenständig eingesetzt werden könnte. Das wäre „zuviel verlangt“ sagte Robert Bigelow in einem Interview, einen Tag nachdem die NASA stattdessen Axiom Space ausgewählt hatte.

Schon vorher hat Bigelow seine Belegschaft stark reduziert, nun alle entlassen.

Das wäre die Kurzzusammenfassung der Firmengeschichte und nimmt man Bigelows eigene Veröffentlichungen, so ist es auch nicht viel mehr. Von der experimentellen Prototyp Raumstation „Genesis 1“ gibt es z. B. nur einen kurzen Videoclip. Etwas wenig für eine Raumstation die ja einige Zeit betrieben werden soll.

Das die Firma scheiterte hängt nicht so sehr an der Technologie – die „aufblasbare“ Raumstation basiert auf NASA Technologie und Axiom Space nutzt die gleiche Technologie. Sie liegt vielmehr daran, das es meiner Ansicht nach keinen nachhaltigen kommerziellen Markt für Raumstationen gibt. Wie groß der Kundenkreis ist, werden wohl nur Firmen wissen, die Weltraumtourismus anbieten. Die Beurteilung ist schwer, weil die Flüge bisher limitiert waren. Bis zur Fertigstellung der ISS war die Regelbesatzung auf 2 Personen beschränkt. Da eine Sojus drei Sitze hat konnte so ein Tourist mitgenommen werden, der dann etwa eine Woche im All blieb und dann mit der letzten Besatzung wieder heimkehrte. Das war eine Beschränkung des Angebots. Mehr als einen Touristen pro Jahr konnte es nicht geben, denn der dritte Sitz wurde auch für kurze Aufenthalte anderer Astronauten genutzt. Ein zweiter Aspekt war, das Roskosmos darauf bestand das alle Weltraumtouristen auch das Kosmonautenbasistraining durchliefen. Das dauerte Monate und wer einen zweistelligen Millionenbetrag zahlt, hat vielleicht anderes zu in der Zeit vor.

Es war aber die einzige Möglichkeit und sie endete mit der Fertigstellung der ISS und Anheben der Regelbesatzung auf 6 Personen, also zweimal drei mit zwei Sojusflügen.

Mit den nun entwickelten neuen Vehikeln Starliner und Crewed Dragon gäbe es wieder mehr Startgelegenheiten. Zum einen, weil Russland nun nur noch seine Kosmonauten startet – das heißt von jährlich vier Starts mit je drei Sitzen belegt es gerade mal die Hälfte, hätte also 6 Sitze jährlich zu vergeben. Das Zweite ist, dass die beiden US-Vehikel genug Platz für sieben Astronauten bieten, aber nur mit vier Astronauten fliegen werden. Ich weiß nicht, inwieweit die NASA da mitmacht, aber man könnte ja hier zumindest theoretisch noch einen oder mehrere Touristen mitnehmen.

Auch die Forderung der NASA nach einem frei fliegenden Labor finde ich daher sehr vernünftig. Denn so könnte das zuerst an der ISS angedockt sein, dort ausführlich getestet werden, eventuell muss man nachbessern, die Inneneinrichtung wie bei der ISS erweitern oder Probleme lösen. Und ist es dann erprobt, kann abdocken und rein kommerziell genutzt werden, aber in der Nähe der ISS bleiben. So könnte ein US-Vehikel bei einem Flug zuerst die Touristen in der kommerziellen Station absetzen, dann an die ISS andocken. Nach einer Woche kehrt die letzte Besatzung zur Erde zurück und nimmt den oder die Touristen wieder mit, genauso wie das vorher mit den Sojus lief. Bei der gleichen oder ähnlichen Umlaufbahn benötigt das wenig Treibstoff und man kommt so auch auf die kurzen Aufenthaltszeiten die für Touristen attraktiver sind. Wenn der Aufenthalt zu lange dauert, dann müssen sie nämlich viel Sport treiben und zudem gewöhnt man sich wohl auch an die Erde als Ausblick recht rasch. Millionäre werden zudem wohl kaum an Bord der Station große Forschung betrieben.

Für kommerzielle Forschung denke ich wird es keinen Bedarf geben, denn die ist heute schon an Bord der ISS möglich und dort betreut von Astronauten, die trainiert und erfahren sind. Es ist viel billiger nur das Experiment zur ISS zu schirken und dort die Untersuchung durchführen zu lassen, als einen eigenen Astronauten dafür abzustellen. Daneben müsste man alle Experimente aufwendig zur kommerziellen Raumstation bringen, dort installieren und Materialproben etc. wieder zur Erde zurückführen, was einen eigenen Transporter mit zusätzlichen Kosten bedeutet.

Ich meine das dieses Konzept des „Mitnehmens“ der einzige einigermaßen bezahlbare Weg für Privatpersonen ins All ist. Ein Platz könnte „vergleichsweise“ preiswert sein, denn die Kapsel startet sowieso, ob er belegt ist oder nicht. Ebenso kann für den kurzen Aufenthalt von etwa einer Woche noch in der Kapsel Verbandsmaterialien (Nahrung, Wasser, Gase) mitgeführt werden. Eine eigenständige Raumstation würde einen eigenen Start erfordern – der kostet für die ersten beiden Crew Transporte zur ISS die NASA rund 300 Millionen Dollar pro Flug. (Boeing: 90 Millionen Dollar pro Sitz, SpaceX: 55 Millionen Dollar) Dazu müsste ein eigener Transporter kommen, der die Station mit Versorgungsgütern versorgt, auch das sind, wenn man die CRS-Preise nimmt rund 250 Millionen Dollar pro Start. Die ISS benötigt etwa sechs bis acht dieser Transporte pro Jahr. Während bei der Mitfluggelegenheit der Passagier reiner Tourist sein kann – es bietet sich der Vergleich zum Payload Specialist in der Shuttle Ära an, der auch keinerlei Astronautenausbildung durchlaufen musste – müsste eine eigene Raumstation einen, besser zwei professionelle Astronauten als Piloten und Stammbesatzung haben, die nicht nur in Notsituationen eingreifen können, sondern auch die Station am Laufen halten und sich mit dem Transporter auskennen. Sie verursachen weitere Kosten, vor allem reduzieren sie die Zahl der verfügbaren Sitzplätze und benötigen Ressourcen – bei der ISS rechnet man mit rund 20 bis 30 t Fracht für 6 Personen pro Jahr. Bei 70.000+ Dollar pro Kilogramm Fracht ist das nicht ganz billig.

Vor allem aber erlaubt diese Konstellation den Flug einzelner Personen. Schon wegen der Kosten wird ein Anbieter danach streben, mehrere Passagiere auf einmal zu befördern. Damit halst man sich aber neue Probleme auf. Wer sich das leisten kann, will sicher nicht warten, bis sich mehrere andere Milliardäre einen gemeinsamen Termin für einen Flug gefunden haben.

Unter dem Aspekt war der Hauptfehler von Robert Bigelow eine Raumstation zu planen, bevor es überhaupt die Möglichkeit der ISS-Kooperation gab, geschweige denn eine Startmöglichkeit. Bigelow hat aber genau das getan. Ich würde sogar noch weiter gehen: finanziell attraktiver wäre es sicherlich, wenn es gar keine eigene Station gibt, sondern die in die ISS integriert wäre. Das wäre weitaus einfacher und risikoärmer, man müsste diese Station nicht extra anfliegen. Die gesamte Lebenserhaltung würde von der ISS gestellt werden, ebenso die Kommunikation, Bahnaufrechterhaltung und Missionskontrolle. Anbieter müssten sich nur an den Kosten beteiligen. Bei den Versorgungsgütern wahrscheinlich proportional dem Verbrauch, bei Kommunikation, Missionskontrolle wird es deutlich preiswerter, weil die Systeme (Satelliten, Kontrollzentren) schon existieren und man nur einen Teil der Maximalkapazität nutzt oder eben einige Ingenieure mehr baucht. So ist für mich unverständlich, warum Bigelow die NASA-Ausschreibung nicht annahm, zahlt die NASA doch dafür ein vielfaches dessen, was sie für das kleine BEAM Modul ausgab.

Auch SpaceX beweist, dass es keinen Markt für Einzelflüge gibt:

Ich vermute in einem Jahr wird auch das wieder beerdigt. Angeblich soll der Flug aber zu John Glenns 60-sten Jubiläums des ersten US-Orbitflugs, also am 20.2.2022 stattfinden. Also spätestens in zwei Jahren wissen wir mehr.

7.4.2020: Raketenkonstruktion für Anfänger am Beispiel des Starships

Zuerst mal eine Erklärung: Unter Raketenkonstruktion verstehe ich die Ermittlung wesentlicher Daten einer Rakete, die man für Berechnungen benötigt, wenn diese nicht bekannt sind oder nicht bekannt sein sollen. Das meiste davon hat nichts mit Mathematik zu tun, sondern Erfahrung und einer guten Bibliothek: Da die Physik und Chemie überall die gleiche ist, wird eine neue Rakete sich nicht so stark von existierenden oder mal existenten unterschieden. Das ist bei anderen technischen Geräten auch so. Das heißt, man zieht vergleiche. Wenn ich z. B. die Masse einer Stufe zu 100 t schätze und es eine Treibstoffkombination mit einer mittleren Dichte von etwa 1 ist dann kann ich die Trockenmasse auf 5 bis 8 t schätzen. Am unteren Bereich liegen Konstruktionen mit innendruckstabilisierten Tanks, leichten Legierungen und einem Integraltank, am oberen Bereich Konstruktionen mit Edelstahl, ohne Innendruckstabilisierung und zwei getrennten Tanks. Kennt man da noch einige Details, so kann man das weiter einkreisen. Auch die Stufenverhältnisse, also wie sich die Startmasse auf die Stufen aufteilt, kann man so gut abschätzen.

Wenn man Abbildungen hat, kann man die Stufen ausmessen und abschätzen, wie viel Volumen die Tanks haben, und damit in etwa wie viel Treibstoff vorhanden ist.

Ich habe das in den Achtzigern erstmals angewendet und so relativ genau russische Raketen rekonstruiert, von denen man damals kaum etwas wusste. Dann benötigte ich das lange nicht mehr, bis vor einigen Jahren mit den neuen „kommerziellen“ Entwicklungen es üblich wurde, fast nichts mehr zu publizieren. Das gilt inzwischen auch für Starts durch NASA, ESA und Co, die früher Pressemitteilungen gespickt mit vielen Daten herausgaben.

Am 1.4. kam nun das „Users Manual“ zum Starship online. Ich dachte, als ich das 6 Seiten dünne Pamphlet las, es handele sich um einen Aprilscherz handelt, denn über die Rakete steht eigentlich nichts drin. Okay, das wird auch woanders seltener, im Ariane 6 User Manual findet man auch keine Stufendaten mehr, aber für die Benutzer sind wie für sie wesentlichen Daten noch enthalten und selbst diese sind auf das Minimum heruntergestrippt. Was man eigentlich über die Rakete erfährt, ist das die Nutzlastverkleidung 17,24 m lang ist bei 8 m Durchmesser und sie 100 t in LEO und 21 t in den GTO transportiert. An Letztem will ich einhaken und zeigen, wie man mit etwas Mathematik zumindest einen Wert ermitteln kann – die Trockenmasse des Starships.

Basis

Um das Problem zu vereinfachen, gehe ich im Folgenden davon aus, das wir die erste Stufe außen vor lassen und zwei Fälle haben:

Die 79 t Treibstoff werden benötigt, um das Starship mit Nutzlast von der Geschwindigkeit eines LEO in den GTO zu befördern.

Als erstes sollte man also die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen LEO und GTOP ermitteln. Das ist eine profane Anwendung der Vis-Viva Gleichung, deren Ausführung ich mir schenke. Man errechnet:

Bahn

Geschwindigkeit in 200 km Höhe

Differenz zu 200 km Kreisbahn

200 km hohe Kreisbahn

7.784 m/s

0 m/s

200 x 35.790 km GTO Bahn

10.239 m/s

2.455 m/s

Für diese 2455 m/s Geschwindigkeitsänderung werden also 79 t Treibstoff verbraucht. Nach der Raketengrundgleichung kann man für eine Geschwindigkeitsänderung ansetzen:

v = Vspez * ln (Startmasse / Endmasse)

Der spezifische Impuls des Raptors ist nicht bekannt. Ich habe die 3.700 m/s, welche die Wikipedia angibt, angesetzt.. So sind noch Endmasse und Startmasse unbekannt. Immerhin wissen wir aber das im GTO-Fall die Endmasse 79 t kleiner als die Startmasse ist. Wenn wir also die unbekannte Endmasse mit x benennen, dann kann man ansetzen:

2455 m/s = 3.700 m/s * ln (x+79 / x )

Nun muss man nur noch nach x auflösen. Zuerst ziehen wir alle Konstanten nach links:

2455 / 3700 = ln (x + 79 / x)

dann muss der Logarithmus weg. Dazu exponentieren wir beide Seiten:

e(2455 / 3700) = (x + 79 / x)

Nun rechne ich die linke Seite aus:

1.941 = (x+79/x)

Die rechte Seite kann ich auch anders ausdrücken:

x+79 / x = (79 / x) +1

Und dann kann ich x direkt berechnen und komme auf ~ 84 t.

Gegenprobe:

3700 * ln (84+79 / 79) ergibt 2453 m/s – die kleine Differenz kommt durch Runden bei den Massen und Faktoren zustande.

Mit 21 t Nutzlast wiegt das Starship also 84 t, ohne 21 t Nutzlast sollte es also 63 t wiegen.

Erfahrungswissen

Bisher ging ich davon aus, das die Differenz zu 100 t nur Treibstoff ist. Das ist aber nicht der Fall. Vielmehr wiegt das Starship vom Start weg 79 t weniger. Die erste Stufe muss also 79 t weniger beschleunigen und hat daher bei Brennschluss eine höhere Geschwindigkeit. Das gilt auch für die zweite Stufe. Der Gewinn an Nutzlast ist ähnlich wie beim obigen Fall, nur laden wir eben nicht 79 t mehr Treibstoff zu, sondern haben eine um 79 t kleinere Startmasse, das ist wegen des Logarithmus in der obigen Gleichung nicht dasselbe. Es ist von anderen Trägern bekannt, wie viel mehr Nutzlast durch die erste Stufe erreicht wird, wenn die Oberstufenkombination um x kg leichter wird. Das dürften bei der der Super Heavy 25 % sein, also wenn die Oberstufe um 79 t leichter wird, dann kann die Erststufe ein Viertel davon abfangen. Die Nutzlasteinbuße würde also neu bei 80 % * 79 t liegen. Auf der anderen Seite ist der obige Ansatz von mehr Treibstoff in den Tanks ja auch nicht real. Sie sind nur zu 100 % füllbar. Das kostet wieder Nutzlast und das muss man abschätzen. Für 1200 t Startmasse des Starships komme ich auf 7 % zu viel Nutzlast.

Jetzt wird es also richtig kompliziert, denn wir haben zwei gegenläufige Faktoren, die noch dazu voneinander abhängen. Man müsste also in einer Schleife ausgehend von 84 t iterativ sich den wahren Massen nähern. Aber ich denke man kann das Schenken. Wenn man als Differenz von 25 und 7 % etwa 18 % ansetzt, dann dürfte die Startmasse des Starships um 18 % höher sein, also anstatt 163 t wären es 192 t. Damit wäre das Starship ohne Nutzlast 92 t schwer.

--- und Wirklichkeit

Ich habe mir ja schon mal die Mühe gemacht, die Kombination zu simulieren und ich bin auf rund 140 t Masse für das Starship gekommen. Einen Monat später bestätigte dies Musk: Elon musk schreibt „Mk1 ship is around 200 tons dry & 1400 tons wet, but aiming for 120 by Mk4 or Mk5. Total stack mass with max payload is 5000 tons.“ Also man erstrebt 120 t Trockenmasse, was ziemlich nahe an den 140 t ist ,die ich errechnete, aber deutlich mehr als die obigen 92 oder gar 63 t ist.

Das Problem dabei: setzt man eine Rakete an, welche die obigen Grenzwerte hat (5.000 t Startmasse, 1200 t zweite Stufe alleine und nimmt man noch die Informationen der Wikipedia hinzu, dann findet sich keine Lösung, die gleichzeitig 21 t in den GTO und 100 t in den LEO bei dieser Stufenmasse hat. Wenn eine modellierte Rakete 21 t in den GTO transportiert, dann sind es deutlich mehr als 100 t in den LEO und wenn es 100 t in den LEO sind, dann erreicht sie keinen GTO oder mit fast keiner Nutzlast. Mit den Wikipedia Eckwerten (3 aktive Triebwerke im Starship) komme ich z.B. auf 14 t GTO und 130 t LEO. Also im GTO deutlich weniger und im LEO deutlich höher. Das ist auch nicht verwunderlich, denn wie schon gesagt, die Physik gilt auch für SpaceX, und wenn wir oben 63 t für das Starship errechnen, dann können die anderen Faktoren, die ich im ersten Schritt weggelassen habe, daran noch etwas ändern aber nicht so viel, das ein doppelt so schweres Starship immer noch diese hohe GTO-Nutzlast hat. Das ergibt sich einfach daraus, das die 79 t Treibstoff und ihr Energiegehalt fix sind und die lassen eben nur eine bestimmte Geschwindigkeitsänderung zu.

10.4.2020: Gute Aprilscherze, Quiz Shows und die Ewigkeit in Deutschland

Da ich in den Medien dauernd höre, wie schlimm die Maßnahmen zur Eindämmung des Covid-19 Virus doch sind und jeden Tag Sondersendungen kommen, will ich euch nicht auch noch mit einem Blog zu dem Thema nerven. Stattdessen ein kleiner Mischmasch-Blog mit drei Dingen, die für sich alleine zu kurz für einen Blog wären.

Ich habe ja dieses Jahr keinen Aprilscherz gemacht, auch weil mir kein guter Scherz eingefallen ist, doch mir kam einige Tage später die Erinnerung an einen wirklich guten wieder ins Gedächtnis. Es ist schon lange her, über 30 Jahre, aber weil mich das damals beeindruckte, habe ich ihn noch gut in Erinnerung. Es war nicht der Aprilscherz selbst, sondern ein Zeitungsausschnitt über den Scherz, denn ich damals an der Chemikalienausgabe las. Ich glaube sogar ich habe ihn wiedergefunden. Eine Zeitschrift veröffentlichte zum 1. April die Meldung man habe in Bier Ethanol gefunden. Dann wurde ein Fachmann zitiert der beschrieb das Ethanol eine entzündliche Flüssigkeit sei, die unter anderem als Lösungs- und Desinfektionsmittel und Raketentreibstoff genutzt wird. Die gefundene Menge an Ethanol im Bier wäre nach dem Experten durchaus so hoch, dass es giftig sein könnte. Der Scherz lief aber aus dem Ruder, er wurde für ernst genommen. Gaststätten und Getränkeläden verzeichneten Umsatzeinbußen, Brauereien versicherten, ihr Bier enthalte kein Ethanol (und das vor Erfindung des alkoholfreien Biers). Das war denn auch der „Zeit“ dann die obige Meldung wert.

Das ist ein echt gelungener Aprilscherz. Denn dort erfindet man meistens etwas. Habe auch schon getan und verkauft das relativ ernst als Tatsache. Was die Zeitung aber tat, war nichts anderes als Tatsachen zu bringen. Klar, aufgebauscht durch das Urteil des Fachmanns. Er gelang, weil die wenigsten Leute in Chemie aufgepasst haben oder das Fach mögen. Ethanol ist ja jetzt nicht gerade ein unbekannter chemischer Name, anders als die chemischen Bezeichnungen für Kohlenhydrate oder andere komplexe Moleküle. Trotzdem gelang er und die Reaktion von Brauereien zeigen, dass man dort wohl auch nicht viel über die Chemie der eigenen Produkte weiß.

Ich habe das übrigens damals selbst ausprobiert und damit es fair ist, bei einer Berufsgruppe die von Berufs wegen eigentlich ein bisschen Ahnung von Chemie haben müssten: als ich mal ein Lösungsmittel für das Entfernen von Flecken brauchte, fragte ich in der Apotheke nach Propanon. Die Apothekenhelferin wusste nichts davon und holte den Chef, der immerhin einen Doktor im Namen hatte. Der meinte, sie verfügen nicht über Propanon. Ob ich nicht Isopropylalkohol meine? (Immerhin erkennt er das Kohlenstoffgrundgerüst). Selbst als ich insistierte, das Propanon eine Allerweltschemikalie ist die jede Apotheke hat, ging ihm kein Licht auf. Erst als ich nach Aceton fragte. Scheint er begriffen zu haben, das dasselbe ist, nur ist eben Aceton der Trivialname. Das Beschämende ist, das es sich um einen Apotheker mit Doktortitel handelt, da sollte man zumindest Grundkenntnisse in der chemischen Nomenklatur (hier eigentlich nur, das die Endsilbe „-on“ für ein Keton steht) erwarten.

Das erinnert mich auch an eine Quizshow, die nur kurz im ZDF lief. Es trat damals ein Team aus vier Leuten an und die Fragen waren, welche die man mit Schulwissen beantworten konnte. Eine war welches von vier Antwortmöglichkeiten nicht zur Gruppe der Halogene gehört. Die Frage war schon relativ hoch dotiert. Trotzdem scheiterten alle vier, wobei es nur einer hätte wissen müssen. Ich bin nicht ganz sicher, wie die Anforderungen in der Schule sind, aber ich glaube das man die der bekanntesten Perioden (Alkalilelemente, Halogene, Edelgase) noch in der Realschule vermittelt bekommt, ein Abiturient sollte sie auf jeden Fall kennen. Die Show wurde bald abgesetzt, ich glaube aber eher, weil die Regeln etwas zu kompliziert waren.

Heute gibt es Quiz Shows en masse. Anders als früher, denken wir an den großen Preis, gehört dazu aber nicht Expertenwissen zu einem Hobby, verbunden mit Allgemeinwissen, um erfolgreich zu sein. Vielmehr geht es um überflüssiges Wissen. Also Fragen nach Details, die man nicht unbedingt wissen muss. Wenn ich mal beim Zappen da hängen bleibe und es ist eine Frage aus meinem Fachgebiet, dann habe selbst ich nur eine 50 % Chance, oft müsste selbst ich nachschlagen. Ich wurde auch schon mal von Redakteuren die solche Fragen suchen, nach Rat gefragt, z.B. Warum bestimmte Paprika angeblich süßer schmecken und ich habe davon selbst noch nie gehört. Es ist für mich offensichtlich, warum man so was fragt: Bei Fragen, die man mit Allgemeinbildung beantworten könnte, gibt es einige Nachteile:

Wenn der Quizteilnehmer, heute ja meist ein Prominenter, sie nicht beantworten, kann blamiert er sich

Auf das letzte Blogthema wurde ich durch unser Gemeindeblatt hingewiesen. Am 10.4.1945 wurde jemand bei uns erschossen, weil er angeblich Feindsender gehört hatte, 11 Tage vor Einmarsch der Franzosen. Die Gemeinde regte zum Gedenken an, und das Stadtarchiv erinnerte an anderer Stelle im selben Heft daran, dass dieselbe Person auch die war, die im Mai 1932 als erster Wirt der NSDAP Räume für ihre Kundgebungen zur Verfügung stellte, also nicht so unbelastet ist.

Ich habe heute Morgen nicht nur einen Strauß auf dem Grab meiner Eltern abgelegt (mein Vater hat zufälligerweise auch am 10.4 Geburtstag), sondern auch mal den Teil mit den Gräbern und Gedenktafeln für die Toten aus den beiden Weltkriegen besucht. Das Besuchen von Soldatenfriedhöfen gehört ja auch sonst zu festen Ritualen der Politik wie vor einigen Monaten im Gedenken an die Invasion in der Normandie, ich denke im Mai zum Jubiläum von 75 Jahren Kriegsende wird es das auch geben. Das hat mich daran erinnert, das in Deutschland das Verhältnis des Gesetzgebers zum Tod schon etwas komisch ist. Zum einen gibt es dafür noch relativ restriktive Vorschriften. So gibt es für Vandalismus auf dem Friedhof den eigenen Straftatbestand „Störung der Totenruhe“, ich meine, die normale Sachbeschädigung hätte auch gereicht. Es gibt auch die Friedhofspflicht, selbst für Urnen. Während es bei normalen Leichen logisch ist, dass man die nicht einfach irgendwo verbuddeln darf, ist das bei Urnen in vielen Ländern nicht so. Schließlich ist vom Toten (und dem Sarg) nur noch Asche übrig. Dort dürfen Angehörige die Urne mit nach Hause nehmen. Ist vielleicht etwas makaber, aber ich, bin mir sicher, dort wird mehr dem Toten gedacht, wenn man die Urne täglich sieht, als wenn die Urne in einem „Friedwald“ unter einem Baum bestattet wird und niemand weiß, wo er liegt.

Dieser hohe gesetzliche Schutz der Toten hat aber eine Einschränkung. Nach Ende der „Laufzeit“ eines Grabes, meist 20 oder 25 Jahre, je nach kommunaler Friedhofsordnung, endet dieser. Also 19 Jahre 364 Tage lang ist das Grab geschützt und wer was dran verändert begeht Störung der Totenruhe, wer auf die Idee käme den Leichnam auszugraben sogar „Leichenschändung“ und einen Tag später darf alles dem Erdboden gleichgemacht werden, und wenn beim Neuanlegen eines Grabs noch Knochen auftauchen, dürfen sie in den Müll geworfen werden. Ist doch unlogisch. Die einzigen Ausnahmen sind Kriegsopfer oder jüdische Gräber. Ihre Gräber haben tatsächlich einen „Ewigkeitsstatus“.

Diese paradoxe Einstellung findet man auch bei Mumien wieder. Die meisten Mumien entstanden ja nicht natürlich, sondern weil die Leute so beerdigt wurden, dass sie möglichst wenig zerfallen. Sei es in den Anden oder in Ägypten und das, weil die Leute glaubten, das sie „erhalten“ bleiben müssten im Jenseits. Nach einer Dokumentation wurden im Alten Ägypten Hochverräter verbrannt, damit man als zusätzliche Strafe die Möglichkeit des Weiterlebens in deren Vorstellungen eines Lebens nach dem Tod auf jeden Fall verwehrt. Wenn man diese Mumien dann heute in Museen ausstellt, dann respektiert man die Einstellung dieser Menschen nicht. Mehr noch, auch in unserer heutigen Vorstellung ist das Ausstellen von Menschen, die man so erkennen kann, besonders, wenn sie noch Gesichtszüge zeigen, eine Mischung aus Voyeurismus, Gruseln und Neugier, aber es ist kein respektvoller Umgang mit den Toten.

12.4.2020: Epidemiesplitter

Als kleinen Zwischenblog – aus aktuellem Anlass – mal wieder meine Meinung zur Codiv-19 Epidemie. Das Positive zuerst: ich erlebe zum ersten Mal, das sich Politiker mit kleinen Ausnahmen wie Johnson, Trump und Bolsonaro sich nach den Empfehlungen von Wissenschaftlern richten und das, obwohl diese ziemlich radikal sind. Bei dem Kohleausstieg sah das bei uns noch ziemlich anders aus, obwohl die Forderungen viel kleiner waren.

Doch sobald sich die Situation zu bessern scheint oder wenn die Politik meint, eigene Entscheidungsspielräume zu haben baut sie wieder Mist. In Frankreich gibt es eine totale Ausgangssperre, doch da man ab und an schon das Haus verlassen muss – auch als nicht Hundehalter – so gibt es je nach Bezirk „Freigang“ für einige Stunden, meist morgens oder abends und dann sind eben alle draußen. Da die Polizei das sowieso überwacht, wäre es doch viel einfacher das nach dem Anfangsbuchstaben des Namens zu machen so was wie „von 7 bis 13 Uhr Buchstaben A bis I“ und den Bereich dann täglich zu wechseln, sodass jeder mal zu seiner Lieblingszeit dran ist. Bei uns sind es die Lockerungen, die ab dem 4.5. eintreten sollen. In der Diskussion. Über eine Empfehlung der Experten habe ich mich allerdings gewundert: dass man zuerst die unteren Klassen öffnen soll. Ich bin hier 100 % auf der Linie der Politik: Wenn, dann können eher ältere Jugendliche mit verordneten Mindestabständen oder anderen Maßnahmen wie Desinfektion umgehen als Grundschüler. Zudem haben die ja noch Jahre Gelegenheit den Stoff aufzuholen. Wie das allerdings in der Praxis gehen soll, frage ich mich. Ich glaube nicht, dass in den Schulen es mehr Platz gibt als zu meiner Schulzeit. Wenn ich meine Erfahrung als Basis nehme, dann dürften maximal die Hälfte der Schüler in die Klassenzimmer um die Mindestabstände einzuhalten. Das Problem des begrenzten Platzes in Pausenhöfen, Gängen und Toiletten könnte man mit versetztem Beginn der Schulstunden lösen. Doch wenn sowieso nur die Hälfte der Schüler zur Schule gehen können, wird man sich sowieso beschränken müssen. Von der begrenzten Lehrerzahl mal ganz zu schwiegen.

In der Diskussion sind vor allem die Lockerungen bei Geschäften. Läden bis 800 m² Fläche dürfen öffnen, Gastronomie nicht, dafür Autohäuser und Fahrradläden. Also ich verstehe das nicht. Meiner Erfahrung nach ist es leerer in großen Geschäften, dort hat man viel mehr Platz und es ist viel leichter, den Mindestabstand einzuhalten. Im Supermarkt ist das fast unmöglich, schon alleine, weil die Gänge nicht so breit sind, dass man an jemanden vorbei kann, ohne den Mindestabstand zu unterschreiten, und man kann nicht warten, bis jeder der vor einem ist, sich bedient hat, zumal einem ja auch dauernd andere entgegenkommen. In NRW gibt es nun eine landesspezifische Regelung für Möbelhäuser. Begründung: Diese Industrie sei für NRW so wichtig, wie die Automobilindustrie woanders. Das wurde kritisiert. Doch ich sehe es anders, denn es geht doch darum die Epidemie einzudämmen, nicht um abstrakte Verbote. Ich habe noch nie in Möbelhäusern viele Leute gesehen. Die brauchen viel Fläche für ihre Ausstellungstücke und nicht für Waren, die man mitnimmt wie andere Geschäfte.

Meine Ansicht: man sollte die Aufhebungen und Einschränkungen regional und vor Ort entscheiden. Das heißt: im Prinzip darf jeder öffnen, der bestimmte Regeln einhält, wie Mindestabstand, Desinfektion, Schutzmasken. Das wird immer noch Einbußen bedeuten – in der Gastronomie dürften sich wohl die Zahl der zur Verfügung stehenden Platze halbieren, aber es generiert immerhin Umsatz und es bedeutet für mehr Menschen wieder etwas Normalität. Die Psychologie ist ja auch wichtig. Die Umsetzung der Maßnahmen kann man durch das Ordnungsamt und die Polizei vor Wiedereröffnung kontrollieren und über die spätere Einhaltung muss man sich keine Sorgen machen – die Epidemie hat zu einer rapiden Zunahme von „Hinweisen“ an die Polizei über angebliche und echte Verstöße gegen die Maßnahmen geführt. Die Maßnahmen wurden ja jetzt über die Länder hinweg koordiniert. Vorher hatten sich Medien über die unterschiedlichen Regelungen in verschiedenen Bundesländern lustig gemacht. Aber was dabei vergessen wird: es sind die Bundesländer auch unterschiedlich stark betroffen. BW und Bayern am stärksten, weil über die Faschingsferien viele in Südtirol waren, wo sie sich mit dem Virus infiziert haben. Das macht eben die örtliche Nähe zu Österreich aus. Je weiter man nach Norden kommt, desto entspannter wird die Situation.

Ganz unverständlich ist für mich das nun Automobilfirmen ihre Produktion hochfahren wollen. Also wenn ich die Bilder von der Produktion vergegenwärtige, dann arbeiten dort Hunderte bis Tausende eng zusammen und die können bei der Fließbandfertigung kaum den Mindestabstand einhalten. Unter den Umständen kann sich eine Epidemie schnell ausbreiten. Die Branche fordert übrigens wie 2008 eine Abwrackprämie, nun „ökologische Abwrackprämie“ genannt. Meine Meinung: eine Industrie, die es 30 Jahre nach dem Kyotoprotokoll nicht fertigbringt ihre Produkte ökologisch zu gestalten, die seit Jahren es schafft, das EU-Grenzwerte nicht gesenkt werden, (vor allem durch deutsche Vetos) und die bei jeder Krise Staatssubventionen braucht, sollte man den Bach runter gehen lassen. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Fass ohne Boden (ja das abwandelte Sprichwort ist so gemeint) und das bei einem Klimaziel von Null Kohlendioxidemissionen es ein Unding ist Unmengen an Energie zu verbraten um 1,8 t zu bewegen die nur 0,1 t echte Nutzlast haben, dürfte jedem klar sein.

Eine andere Sache ist, dass bei dieser größten Krise, die wir jetzt haben, jeder Verband meint, noch Pfründe verteidigen zu müssen. So Verbände von Lehrern und Eltern, die sich sorgen über die Abschlussprüfungen und ihre Qualität machen. Nichts gegen die Sorgen und Forderungen, aber das ist jetzt ehrlich ein kleines Problem, zumal die Schulnote auf dem Abizeugnis nur wenig über die Qualifikation aussagt. Ich finde das auch unter dem Gesichtspunkt das man es trotz Globalisierung und vermehrter Mobilität der Bevölkerung man es immer noch nicht fertiggebracht hat, die Standards der Bildung und Prüfungen in den Bundesländern anzugleichen ziemlich frech. Oder andres ausgedrückt: ich denke, wenn jemand komplett ohne Prüfung nach der 13 Klasse in Bayern oder BW die Schule verlässt er sicher mehr in den 12 Jahren gelernt hat als in 13 Jahren mit Abiprüfung in NRW oder Berlin.

Immerhin: die Situation ist bei uns noch gut. Wenn ich in den Nachrichten Bilder aus den USA und Brasilien sehe, wo Menschen in Schlangen anstehen, um Lebensmittel abzuholen, weil beide Länder kein System etabliert haben die Menschen auffängt, wenn sie keine Arbeit mehr haben, dann muss ich mir nicht ausmalen, wie sich dort die Infektion schnell weiter ausbreitet.

Was alle gerne vergessen ist: so gern wir uns angesichts immer weniger neuen Fällen pro Jahr und steigender Verdopplungszeit und sinkender Neuansteckungsquote auf die Schultern klopfen: damit ist das Problem zwar in Griff aber nicht gelöst. Es heißt nur, dass wenn wir so weiter machen, das medizinische System mit der Epidemie zurechtkommt. Doch das heißt auch, das wir diese Maßnahmen so lange aufrechterhalten müssen, bis es eine Herdenimmunität gibt, das soll bei 60 bis 70 % geimpften oder Infiktierten der Gesamtbevölkerung der Fall sein, wir reden also von rund 50 Millionen Menschen, das bedeutet, dass es bei 3.000 neuen gemeldeten Fällen pro Tag so rund 45 Jahre dauern würde. Daher liegen ja auch die Hoffnungen auf einem Impfstoff, doch der soll nach Experten erst in einem Jahr zur Verfügung stehen. Sollte es Medikamente geben, die den Krankheitsverlauf mildern, dann könnten es mehr Fälle geben und die Maßnahmen gelockert werden. Von beidem sind wir aber weit entfernt und so sollte man sich nicht auf weitere Wochen, sondern eher weitere Monate der Einschränkungen vorbereiten, wenn die Politik nicht irgendwann nervös wird und diese wieder herunterfährt und eine zweite Pandemiewelle riskiert.

Was mich persönlich wundert, ist das die Wissenschaft so spät die „Dunkelziffer“ ermittelt. Erst letzte Woche habe ich von einer wissenschaftlichen Untersuchung gehört, in der man 4.500 Personen zufällig ermittelt über ein Jahr auf Infektionen untersuchen will. Wer heute als infiziert erfasst ist, der wurde erfasst, weil er entweder Kontakt zu einem Infizierten hatte oder weil er Symptome hatte und sich gemeldet hat. Wir wissen nicht, wie viele die Infektion durchgestanden haben, ohne erkrankt zu sein, noch bedeutsamer: Der Test erfasst nur Viren im Blut. Er erfasst nicht Antikörper. Die werden gebildet, wenn man die Infektion überstanden hat, als Immunantwort auf die Infektion. Ein Antikörpertest würde informieren über eine überstandene Infektion. Beide Zahlen sind wichtig. Wenn man weiß, dass es (nur als Zahlenbeispiel, die echten Werte sind ja unbekannt) nicht 130.000 infizierte gibt, sondern es 500.000 sind und es 1 Million gibt, die schon genesen sind und sich nie gemeldet haben, dann reden wir von anderen Skalen. Vor allem Zeitskalen, denn die 50 Millionen, ab denen die Herdenimmunität greift, sind dann viel schneller erreicht. Für die zeitliche Befristung der Maßnahmen sind diese Daten unabdingbar und man hätte sie schon viel früher ermitteln sollen. Vielleicht nicht in Deutschland, aber in China.

Was klar ist: die Büchse der Pandora wird man nicht mehr schließen können. Selbst wenn man immer weniger neue Fälle hat und sie irgendwann gegen Null gehen, wie dies China anstrebt. In einem freien Land wird man nie verhindern können, das das Virus dann aus dem Ausland nicht hereingeschleppt wird, außer man will jeden Grenzverkehr über Jahre komplett einstellen.

Für mich zeigt sich aber auch ein anderer Punkt, der in der Diskussion gerne untergeht: Die Covid-19 Epidemie, wie auch zuvor SARS und der Ebola Ausbruch in Zentralafrika entstanden, weil Wildtiere auf heimsichten Märkten angeboten wurden als „Wildfleisch“ und die Viren sind vom Tier auf den Mensch übergesprungen. Wir reden gerne von dem Schutz der letzten noch nicht vom Menschen zerstörten Regionen, doch gerade diese Beispiele zeigen: das greift nicht: Menschen beuten diese Reservate aus, selbst wenn sie nicht abholzt, werden, so werden Tiere gefangen. Angesichts der weltweiten Folgen der Covid-19 Epidemie gibt es für mich nur eine Folgerung: Wenn die Regierungen in den Ländern wo diese Epidemien entstanden nicht gegen diese Praxis vorgehen, dann muss man rigide Kontrollen machen bei jedem, der von dort kommt, egal ob nur dorthin gereist oder Einheimischer: Es wird getestet und es muss ein Test vorgelegt werden, der die Inkubationszeit abdeckt, sodass man sicher sein kann, dass derjenige nicht infiziert ist. Und das müsste noch im Ursprungsland geschehen, sonst darf er kein Flugzeug besteigen.

20.4.2020: Ein Jahr mit der PV-Anlage und Energiewahnsinn

Am 18.4. ist es genau ein Jahr her, das meine Fotovoltaikanlage in Betrieb ging. Die Bilanz des ersten Jahres: 7.370 kWh Leistung, bei 7,1 kW Peakleistung. Erwartet hätte ich nach den Prognosen, die Teil der Angebote waren um die 6.000 kWh. Selbst wenn man berücksichtigt, das diese den langfristigen Ertrag widerspiegeln, der ja abnimmt, ist das deutlich mehr. Nicht ganz so toll lief es bisher bei der PV-Anlage in Nesselwang, die von Oktober bis Februar der Erwartungshaltung hinterherhinkte. Ich denke vor allem durch Abschattung – im Profil ist ein deutlicher und täglich wiederkehrender Einbruch um die Mittagszeit erkennbar und im Allgäu gibt es auch Tage komplett ohne Leistung, wenn es geschneit hat und das Dach mit Schnee bedeckt. Gottseidank sorgen die dunklen Solarzellen dafür, dass der in ein bis zwei Tagen verschwindet. Mittlerweile spiele ich mit dem Gedanken, bei meinem Haus die etwas ungünstigere Hausseite auch noch mit einer Anlage aufzurüsten, aber wenn, dann erst nächstes oder übernächstes Jahr.

Wie viel man erreicht, interessiert einen ja schon, bevor das Jahr um ist. Daher habe ich versucht, schon vorher eine Prognose zu erstellen. Das Resultat seht ihr hier als Grafik. Es basiert auf den Berechnungen des PVGIS der EU. Leider hat dieses System vier Datensätze, die unterschiedliche Datenquellen als Ausgang haben. Je nach Datenbank kommt es zu anderen Ergebnissen. Zudem kennt es die bundesdeutsche 70 % Kappung nicht. Je nach Datenbank sollte ich zwischen 6.935 und 8.110 kWh pro Jahr erlösen. Ich habe den Monatsertrag jeweils mit dem Mittelwert der Monatsprognosen der vier Datensätze verglichen und so eine Prognose auf das Jahr erstellt, wobei die vergangenen Monate natürlich immer dazu genommen wurden. So wird das Ergebnis immer genauer. Den größten Sprung gab es so im regenreichen Mai, obwohl der größte Unterschied zu jeder Prognose eigentlich im November war, aber da wirkte sich der Monat bei schon sieben Werten weitaus weniger stark aus. Wie man sieht, liegen mit Ausnahme des Mai-Ausreisers aber alle Werte zwischen 7000 und 7400 kWh, also nahe am späteren Endwert und zum Ende hin ist auch klar, das dieser erreicht wird.

Es war übrigens nicht so, das eine Datenbank in der Prognose besonders gut lag und die anderen nicht. Im Winter waren die Prognosen von ERA5 am besten, im Sommer SARAH und in Herbst und Winter lagen CMSAF und COSMO gleichauf. In der Jahresprognose liegt SARAH mit 7.115 kWh etwas zu niedrig und ERA5 mit 7.550 kWh etwas zu hoch.

Ein zweites Thema, das mich seit Jahren umtreibt, ist die Modernisierung der Ölheizung. Sie ist über 30 Jahre alt, aber sie funktioniert problemlos, hat kaum Störungen und man musste in der Zeit nur einen kleinen Tank und den Brenner erneuern. Ganz so einfach ist die Sache aber nicht. Wir haben hier in BW ja eine grüne Regierung, und wenn ich die Heizung erneuere, muss ich 15 % Energie einsparen. Allerdings hat da der Amtsschimmel zugeschlagen. Es gibt mehrere Möglichkeiten das umzusetzen. Die für die meisten naheliegende Maßnahme ist das Dämmen. Allerdings nicht für mich. Nachdem meine Eltern gestorben sind, bewohne ich das Haus alleine, das bedeutet ich habe eine große Wohnfläche, bewohne aber nicht jedes Zimmer und so im Vergleich zu der Wohnfläche einen kleinen Verbrauch an Heizöl, auf den Quadratmeter umgerechnet rund 100 kWh pro Jahr. Würde ich das ganze Haus dämmen, dann würde das sicher 20.000+ Euro kosten und bei 20 % Energieeinsparung etwa 300 l Heizöl einsparen die unter 200 Euro kosten, sich also erst nach 100 Jahren rentieren. Von den den negativen Folgen, wie erhöhter Gefahr der Schimmelbildung und Brandgefahr mal ganz zu schweigen.

Eine neue Brennwertheizung ist auch keine Lösung. Der wesentliche Unterschied zu meiner Heizung ist, das das Abgas nach Passage der Heizung noch genützt wird, um Wasser zu erwärmen, Verglichen mit der normalen Heizung steigt so der Wirkungsgrad auf 98 %, ich habe derzeit 91,5 %. Meine Bedenken: Dieser Wirkungsgrad wird bei mir direkt nach der Heizung gemessen. Dann geht das 170 Grad heiße Abgas aber noch durch den ganzen Kamin. Der ist bei mir immer handwarm. Räume am Kamin heize ich nie und sie sind im Winter immer noch 14 bis 15 Grad warm. Kurz: der Gewinn im Realen ist kleiner als auf dem Papier, was primär an der Messmethode liegt – für die Abgasmessung ist es eben einfacher direkt nach der Heizung zu messen als im Schornsteinausgang. Echt Energie sparen und nicht nur auf dem Papier, würde ich damit nicht. Dagegen rät mein Schornsteinfeger von den Brennwertheizungen sogar ab. Sie seien viel anfälliger als die normalen Heizungen und würden viel mehr Wartung benötigen. Über dreißig Jahre wie die Derzeitige würden sie nicht halten.

Die dritte Möglichkeit sind Solarkollektoren. Sie erzeugen durch Sonnenstrahlung direkt warmes Wasser, das dann für die Brauchwasserversorgung genutzt werden kann. Sie können eine Heizung nur unterstützen (vor allem im Winter gibt es ja tagelang nur bedeckten Himmel) und sind vor allem sinnvoll, wenn es um das Warmwasser geht, das ja nicht so heiß sein muss, wie das Wasser fürs Heizen. Nur alleine habe ich einen kleinen Warmwasserverbrauch. Mir reicht ein kleiner 30 l Boiler an der Wand den ich wenn ich Duschen will kurz anstelle und dann wieder aus. Im Sommer, wenn ich täglich schwimmen, gehe brauche ich ihn fast nie. Also auch viel Aufwand für wenig Nutzen.

Dann gäbe es noch den Einsatz von regenerativen Energiequellen. Also Pellets oder Heizöl mit Biologischem Ölersatz wie Fettsäureester. Eine Pelletheizung benötigt Platz, der in der Menge nicht vorhanden ist und ist ziemlich teuer. Hauptgegenargument für mich ist aber das dass Heizen mit Holz zwar 100 % regenerative Energie erzeugt, selbst aber ziemlich schmutzig ist. Dabei entstehen Stickoxide und jede Menge Reaktionsprodukte die giftig bis krebserregend sind von PAK bis Dioxinen. Da graust mir als Chemiker davor. Zudem dürfte es gar nicht so viel Wald geben, das jeder damit heizen kann und ich befürchte dann wird in der Dritten Welt wieder Wald gerodet, nur um für mich Pellets herzustellen.

Die Zumischung von 10 % „Bioheizöl“ zu Heizöl scheint die beste Lösung zu sein um die Forderungen zu erfüllen. Aber derzeit ist dieser Kraftstoff, obwohl nur 10 % regenerativer Anteil drinnen sind, 17 ct teurer als normales Heizöl. Wie soll es erst bei 100 % aussehen, dem langfristigen Ziel?

Ein Hintergedanke denn ich bei der Installation der PV-Anlage hatte, war das ich meinte das ich so die Forderungen erfülle, ja sogar übererfülle. Heizöl hat einen Energiegehalt von 9,8 kWh pro Liter, ich benötigte in den letzten 6 Jahren relativ konstant zwischen 1500 und 1600 l pro Jahr, verbrauche also rund 15.000 kWh für die Wärmerzeugung. Nun habe ich in einem Jahr 7.370 kWh Strom produziert. Das entspricht fast die Hälfte der Leistung, also deutlich mehr als die 15 % die ich bei einer Sanierung einsparen müsste. Zudem ist Strom „höherwertiger“ - will man ihn aus fossilen Brennstoffen gewinnen, so gibt es hohe Verluste. Wie mir mein Schornsteinfeger bei einer Nachfrage sagte, kann eine PV-Anlage aber zu maximal 5 % angerechnet werden – da wiehert wieder der Amtsschimmel! Stattdessen, kein Witz, wurde mir vorgeschlagen mit einem Energieberater einen Energieplan aufzustellen, wie mein Haus bis 2050 komplett Kohlendioxidneutal wird. Damit hätte ich alle Anforderungen erfüllt, aber ich habe effektiv nichts gemacht. Es gibt nur einen Plan und der ist irreal, denn ein Haus, das nicht neu gebaut wurde, mit dem Ziel wenig oder gar keine Energie zu verbrauchen (das Letztere ist eine Illusion, nur stammt die Energie dann nicht von der Heizung, sondern der Abwärme der beim Stromverbrauch entsteht, das entspricht bei einer vierköpfigen Familie auch rund 500 l Heizöl), wird nie auf null Emissionen kommen.

Was ich für ideal halte, wäre es die Abwärme anderer Prozesse besser zu nutzen. Was es schon gibt, allerdings nur für größere Häuser, ist es die bei Servern nötige Abwärme durch die Kühlung als Heizung zu nutzen. Anstatt einer Heizung steht dann ein Serverrack mit Kühlung im Keller. Ideal wäre so was sicher für viele öffentliche Gebäude wie Schulen, Ämter und vor allem Schwimmbäder. Mein Haus ist leider zu klein dafür.

Für mich ist die derzeit beste Lösung auch noch die zweite Dachfläche mit einer PV-Anlage zu belegen. Das entspricht dann zwar nicht den Amtsschimmelvorgaben, dürfte in Wirklichkeit aber dann die ganze Heizenergie kompensieren, nur spare ich eben keine Heizenergie ein, sondern erzeuge Strom, den dann andere verbrauchen, das ist aber auch Energie, die benötigt wird. In der Gesamtbilanz von Deutschland ist es, egal ob dafür ein Kohlekraftwerk wegfällt und ich (und etliche andere) dafür noch fossile Brennstoffe nutzen. Alternativ – in ferner Zukunft – könnte der Solarstrom ja Strom aus Biogas (anstatt aus Kohle) ersetzen.

22.4.2020: Verschwörungs-Hirngespinste

Auf das Thema meines heutigen Blogs brachte mich eine Radiosendung vor einigen Wochen. Da war ein Autor zu Gast der sich mit Verschwörungstheorien beschäftigt. Ich habe schon meine Probleme mit dem Wort: „Theorie“ ist für mich als Naturwissenschaftler ein definierter Begriff. In der Naturwissenschaft ist eine Theorie eine vereinfachte Vorstellung eines Phänomens, meist verknüpft mit einem Modell. Eine Theorie macht Vorhersagen, die sich durch Experimente belegen lassen und eine Theorie beschreibt somit in den Grenzen des Modells die Natur.

Als Beispiel aus der Astronomie: Nehmen wir die Newtonsche Gravitationstheorie, die geht davon aus, das sich Körper aufgrund ihrer Masse anziehen, sie sieht diese Masse aber in einem Punkt konzentriert, und es ist, egal wie sie in Wirklichkeit verteilt ist. Trotzdem kann man damit Raumsonden steuern, nur wenn man ganz nah ist und über längere Zeit misst, sieht man Abweichungen zu der Theorie die sich darin äußern, dass die Bahnen von Satelliten gestört werden durch die ungleiche Verteilung der Masse auf der Erde. Dass sie in ihren Grenzen richtig ist, das kann man auch nachprüfen, heute eigentlich selbstverständlich, denn ohne die Theorie könnte man keine Raumfahrt betreiben, weil es unmöglich wäre, die Bahnen der Satelliten und Sonden zu berechnen. Sie folgen aber den Berechnungen genau.

Eine Stufe darunter ist die Hypothese. Auch hier haben wir eine modellhafte Vorstellung eines Vorgangs, aber man kann dies (noch) nicht experimentell nachweisen. So was war die Relativitätstheorie für kurze Zeit, bis man vor etwas mehr als 100 Jahren die Beugung des Raums durch verschobene Sterne bei einer Sonnenfinsternis nachweisen konnte.

So gesehen müsste man von Verschwörungshypothesen sprechen, doch das klingt für mich immer noch zu hochtrabend für das, um was es sich handelt, nämlich Hirngespinste.

Das Grundlegende an einem Verschwörungshirngespinst ist wohl nach dem Autor, die Frage nach dem „Cui bono“ - wem nützt es? Kling zuerst logisch, doch Menschen sind nicht logisch. Der Gedanke stammt ja aus der Kriminalistik und ist jetzt auf anderes nur bedingt übertragbar. Einige Beispiele aus der letzten Zeit? Wem nützt es das man zur Coronabekämpfung in NRW nicht alleine auf einer Parkbank ein Buch lesen kann? Wem nützt es das ein Laden mit 800 m² Fläche aufmachen darf und eienr mit 801 m² nicht? Auch auf die Dinge, die von den Verschwörungs-Wirrköpfen aufs Korn genommen wurden, kann man nicht immer einen Nutzen für irgendjemanden erkennen. Nehmen wir die Mondlandung – es nützt weder einem sie durchzuführen (weshalb man es in 50 Jahren auch nicht wiederholt hat) noch sie nachzustellen? Denn wenn sie unmöglich ist, und das wird ja behauptet, dann weis das nicht nur die NASA, dann wissen das auch die Russen und alle anderen, die sich mit der Thematik befassen. Ein Postulat ist ja das der Van Allen Gürtel tödliche Strahlung enthält. Dann würde das sehr bald jedes Projekt, bei dem Satelliten diesen Gürtel häufig durchqueren (und da gab es etliche, alleine von der ESA wären da Exosat, Geos-2, Hipparcos, Integral, XMM und Cluster zu nennen) dies bemerken denn die würden dann auch ausfallen. Elektronik ist zwar widerstandsfähiger als Menschen, aber die Abschirmung eines Satelliten ist viel schwächer als die dicke Außenhülle der Kapsel und wir reden bei Satellitenmissionen ja nicht von zwei Passagen bei Hin- und Rückflug, sondern mehreren pro Tag und das über Jahre hinweg. Kurz: wenn es unmöglich ist, warum das nicht sagen, schließlich können dann auch die Russen nicht auf dem Mond landen.

Die neuesten Verschwörungstheorien drehen sich natürlich um Covid-19. Die auf den ersten Blick glaubwürdigere: das Virus soll aus einem Labor in Wuhan entkommen sein, das biologische Waffen entwickelt, wahrscheinlich sollte es in den USA als Antwort auf Trumps Chinaboykott eingesetzt werden. Wenn man weiß, dass es auch biologische Waffenforschung gab und einige Militärlabors die letzten Orte sind, wo es noch Pockenviren gibt, dann ist das zuerst inmal nicht so weit hergeholt.

Allerdings hat man nie biologische Waffen entwickelt, weder im Osten noch im Westen, und zwar aus gutem Grund. Die Engländer haben im zweiten Weltkrieg damit experimentiert und Milzbrandsporen auf einer unbewohnten abgelegenen Insel ausgebracht. Milzbrand ist auch für den Menschen tödlich, nur kommt er damit über den normalen Infektionsweg nicht in Berührung. Vielmehr nimmt Vieh die Sporen übers Gras auf. Verteilt als Aerosole, können auch Menschen sie einatmen und daran erkranken. Die Engländer setzten Schafe aus, die auch alle starben. Der springende Punkt, das war vor fast 80 Jahren. Noch immer darf man die Insel aber nicht betreten sie ist immer noch verseucht. Als Waffe tauglich sind Viren und Bakterien wegen des langsamen Krankheitsverlaufs auch nicht, anders als chemische Waffen wie Cholinesterasehemmer die eingeatmet innerhalb weniger Stunden tödlich sind. Bei Inkubationszeiten von 3 bis 7 Tagen trifft das auch auf das Covid-19 Virus zu. Kurz: es macht keinen Sinn. Vor allem, und das ist allen klar, verbreitet sich ein solches Virus schnell weltweit, wie man ja sieht, warum sollte man also so was züchten, wenn es einen doch dann selbst auch betrifft?

Die krudere Theorie ist, die das das Virus von Bill Gates freigesetzt wurde, denn er will eine globale Impfpflicht durchsetzen. Das einzig Wahre ist, das Bill Gates eine Stiftung betreibt, die sich dafür einsetzt das Menschen nicht an Krankheiten sterben, die durch eine einfache Präventionsimpfung vermeidbar wären und dafür sein eigenes Vermögen einsetzt und Kampagnen vor allem in Afrika unterstützt. Man muss schon einen sehr speziellen Sinn von Logik haben, wenn man jemanden der durch Impfung Leben retten will unterstellt, das er ein Virus aussetzt, das viele tötet, um eine Impfpflicht durchzusetzen.

Aber mit Logik haben es Verschwörungshirngespinste nicht so. Logisch wäre bei einer undurchführbaren Mondlandung das zu sagen und das Projekt einzustellen. Logik fehlt dann auch bei dem Teil, der eine Theorie ausmacht, dem experimentellen Beweis. Alle Verschwörungstheorien können ja nicht einen Beweis für ihre Theorie vorbringen, sondern alle ihre „Beweise“ sind falsch (absichtlich oder mangels Grundlagenwissen) gedeutete Tatsachen. Nehmen wir die Mondlandungsverschwörung, weil ich mich da am besten auskenne. Es gibt niemanden denn sie benennen können der einen Filmdreh gesehen hat oder dort beteiligt war, es gibt keine Requisiten, sie können nirgendwo auf der Erde einen Ort benennen, der so aussieht wie auf den Film- und Videoaufnahmen vom Mond. Alles, was sie haben sind Kritiken an offiziellen Fotos, Filmen. Nur weil ich etwas aber nicht verstehe oder falsch deute, muss es nicht so sein, wie ich mir das denke. Dazu gehört aber Selbstreflexion und ein gewisses Rüstzeug. Jeder der eine echte Theorie ausarbeitet versucht diese zu prüfen, mit schon existierenden Tatsachen zu vergleichen. Das kann man auch mit den zahlreichen Postulaten der Mondlandungsverschwörer tun. Wenn sie behaupten, dass Sterne auf den Aufnahmen fehlen, dann sollten sie einfach mal, wo es hell erleuchtet ist, wie in einem Sportstadium nachts mal eine Szene mit Himmel fotografieren, da müssten ja der Argumentation nach Sterne zu sehen sein. Das ist mit einer Digitalkamera ratz-fatz gemacht aber stattdessen schreiben sie lieber seitenlange Mails und Kommentare.... Aber dazugehört wohl eine gewisse Intelligenz, nicht im Sinne von Wissen über die Sache, das fehlt meiner Erfahrung nach immer, aber in dem Sinne, dass man seine eigenen Gedanken hinterfragt und überprüft. Für mich ist das selbstverständlich. Wie ihr wisst, schreibe ich meine Raumfahrtsimulationen selbst. Doch sind sie auch richtig? Wenn immer ich einen Teil abgeschlossen habe mache ich Tests mit bekannten Fakten, vergleiche z. B. meine Aufstiegskurfen und errechneten Nutzlastangaben mit weichen die ich aus der Literatur habe. Nur weil ich etwas selbst programmiert habe, muss es ja nicht fehlerfrei sein.

Ansonsten kann man als außenstehender auch Okhams Messer ansetzen - wenn es mehrere Erklärungen gibt dann ist meist die die richtige die weniger Stützannahmen benötigt, oder die einfach logischer klingt. Ein unverfängliches Beispiel. In meinen Artikeln gibt es viele Rechtschreibfehler und Kommafehler. Das kann man nun auf zweierlei Weise erklären:

Das sich die Medien damit befassen, sagt glaub ich mehr über die Medien aus als über die Glaubwürdigkeit der Argumente. Denn jeder, der mit einem Verschwörungshirngespinsler zu tun hatte, macht dieselbe Erfahrung. Man bekommt eine Mail, in der einem etwas unterstellt wird, in der es vor Kraftausdrücken wimmelt und manchmal wird man auch beleidigt, so der Journalist in der Sendung, der einige Zitate aus Mails vorlas, in der er unter anderem als "öffentlich-rechtliche Medienhure" beschimpft wurde. Dazu kommt das sich die Leute als im Besitz des Steins des Weisen wähnen, sprich, obwohl sie von der Thematik (Raumfahrt als Beispiel) keinerlei Fachwissen haben, muss ihre Ansicht 100 % richtig sein und sie reagieren sehr allergisch, wenn man auch nur subtil andeutet, das das was sie schreiben falsch ist.

Verschwörungstheorien gibt es ja zu Hauff. Schon Hitlers Antisemitismus basierte auf einer. Detail am Rande: viele Nazis leugnen ja den Holocaust, ist bei uns sogar ein Straftatbestand. Finde ich irgendwie seltsam: Hitler hat in unzähligen Reden keinen Zweifel daran gelassen das er die Juden „vernichten“ will, hat sie ja auch schon vor dem Holocaust entrechtet, enteignet und vertrieben und heute sind ausgerechnet Nazis, die einzigen die das nicht glauben können?

Ich möchte den Blog mal nutzen euch zu bitten sie skurrilsten Verschwörungstheorien hier zu posten. Bis zu der Sendung war meine, das in der Geschichte irgendwann im Frühmittelalter 300 Jahren fehlen. Ich bin nun allerdings belehrt worden, dass es noch viel idiotischere Vorstellungen gibt und mein neuer Favorit für die skurrilste Verschwörungsvorstellung ist, dass wir von Reptiloiden regiert werden. Da ist meine eigene Vorstellung, das die US-Amerikaner immer den größten Trottel zum Präsidenten wählen, den sie finden können, ja fast noch realistisch.

Immerhin ein Hirngespinst wurde widerlegt. Die Chemtrails (Kondensstreifen von Flugzeugen) dienen dazu Substanzen auszuschütten, die die Menschen lethargisch machen, damit sie nicht aufmucken. Nun ist seit 6 Wochen der Flugverkehr eingestellt. Aber werden die Leute nun normal, nicht mehr lethargisch? Nein im Gegenteil. Die Wutbürger, ja selbst die Verbalattacken von AfD-Abgeordneten haben abgenommen. Millionen von Menschen halten sich an mehr oder weniger sinnvolle Einschränkungen. Also wenn die Flugzeuge wohl etwas versprüht haben dann wohl Aufputschmittel oder Mittel die Wahnvorstellungen auslösen - würde die Verschwörungshirngespinste und Wutbürger gut erklären, ist aber auch nur ein Hirngespinst....

 

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