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Web Log Teil 6 : 24.7.2006 - 10.8.2006

Montag 24.7.2006 : Die Rente ist sicher!

So titelte Norbert Blüm 1986. Doch sie war es damals nicht noch ist sie es heute. Vielleicht einmal für alle die sich auf ihre Rente verlassen eine kleine Belehrung. Unsere Rente geht zurück auf die Bismarckschen Sozialgesetze, verabschiedet Ende des 19.ten Jahrhunderts um der SPD den sozialen Nährboden zu entziehen. Das Grundprinzip ist das gleiche wie heute : Man zahlt in eine Rentenkasse ein wenn man arbeitet und aus dieser werden die Renten der Rentner finanziert.

Zu Bismarcks Zeiten war das kein Problem. Die Lebenserwartung war geringer als heute. Weniger Arbeiter erreichten das 65.ste Lebensjahr, und wenn wurden sie nicht so alt wie heute. Dagegen stieg die Bevölkerung vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 bis zum ersten Weltkrieg von rund 80 auf 100 Millionen Deutsche. Es gab daher eine typische Bevölkerungspyramide : Viele Junge und wenige Alte.

Doch die Rentner hatten es bis Mitte der fünfziger Jahre schwer, denn die Renten waren nicht an die Inflation und die Steigerung der Arbeitnehmergehälter gekoppelt. Sie waren klein und reichten gerade für ein bescheidenes Leben.

Um mehr Wähler für die CDU zu gewinnen führte Konrad Adenauer 1953 die Angleichung der Rente an die Entwicklung der Arbeitslöhne ein. Dazu musste der Staat einen Zuschuss leisten um diese Differenz aufzuwenden. Dies war 1953 noch 1 Milliarde DM. Doch Experten warnten Adenauer - Aufgrund der schon damals leicht rückläufigen Bevölkerung würde dieser Zuschuss immer größer werden und das System ohne Reform kollabieren. Als er fragte wann dies sei "So in 30, 35 Jahren" soll er nur geantwortet haben "Dann regiere ich nicht mehr" - Typische Einstellung eines Politikers. Alles was über einen 4 Jahreszeitraum hinaus geht wird ignoriert.

Seitdem ist der Staatszuschuss laufend angestiegen und auch die Rentenbeiträge für den Arbeitnehmer. Mehrfach hat man versucht das System zu reformieren und kann doch an den Grundtatsachen nichts ändern:

Gerade angesichts dessen ist eine Erhöhung des Eintrittsalters von 65 auf 67 Jahre eine Idee die nur Politiker haben. Weniger als die Hälfte aller Rentnern ist heute 65 wenn sie in Rente gehen. Schuld daran sind nicht nur die Frührentner sondern vor allem die Firmen. Sie trauen alten nichts mehr zu und schicken die in Rente welche die größte Erfahrung im Betrieb haben.

Gibt es eine Lösung ? Wenn ich eine wüste, ich hätte meinen Job verfehlt. Einerseits gibt es viele die Jahrzehnte lang Rentenbeiträge gezahlt haben und die nun Anspruch auf Rente anmelden - zu Recht ! Andererseits kann nicht ein Arbeitnehmer 2 Rentner finanzieren und man kann die Beiträge für die Rentenversicherung laufend erhöhen.

Ich denke der Staat muss es fertig bringen, einen Wechsel einzuleiten : Weg von einem Modell bei dem alle einzahlen um die Rentner heute zu finanzieren zu einem in dem jeder individuell vorsorgen muss. Die "Riester Rente" ist da ein erster Schritt. Im Prinzip sollte man einen Teil des Einkommens steuerfrei in eine Wertanlage investieren können. Die Riester Rente leistet dies, aber in der Praxis ist es ziemlich kompliziert und die 3 % des Einkommens reichen nie aus um später damit den Lebensunterhalt zu finanzieren. Es müsste viel mehr sein, etwa 20-25 % des Einkommens, entsprechend dem was heute zusammen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber in die Rentenkasse eingezahlt wird. Dieser Anteil wird dann nur noch ausreichen um eine Grundrente zu gewährleisten. Weniger als man zu leben braucht, aber zu viel zum Sterben.

Doch sehen sie einen Politiker der dies durchsetzen will? Nein, das wäre ja vielen Wählern unbequeme Wahrheiten zu sagen. Vor allem wäre es ein Abschied von der Vorstellung, das Geld dass ich in der Lohntüte habe kann ich ausgeben. Schließlich sind Beiträge für Rentenversicherung, Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung schon abgezogen. Ich kenne viele die wirklich jeden Monat bei 0 rauskommen. Kinder des Konsums, auch wenn sie schon etwas älter sind. Der Autor legt etwa ein Drittel seines Einkommens auf die hohe Kante - Er hat Arbeitslosigkeit kennen gelernt und seine Lebensplanung geht von keiner staatlichen Rente aus. In 25 Jahren sehen wir, wer die bessere Lebensplanung hatte.

Neben dem normalen Rücklagen, also jeden Monat Geld für die Rente zurückzulegen (und nur für die Rente und nicht den nächsten Urlaub oder das neue Auto) kann man, wenn das Einkommen es zulässt auch daran denken anstatt in Miete zu wohnen eine Eigentumswohnung zu erwerben. Die Versuchung ist groß, weil die Zinsen derzeit gering sind. Rechnet man zusammen was man in 30 Jahren an Miete zahlt so kommt da leicht eine Eigentumswohnung zusammen. Allerdings ist es nicht ohne Risiko. Selbst bei niedrigen Zinsen muss man Zinsen zahlen und bei der Summe ist das nicht wenig. Man sollte daher die Hälfte des Kaufpreises schon haben. Des weiteren bindet man sich für Jahrzehnte. Ein Einschnitt im Leben wie längere Arbeitslosigkeit oder Berufsunfähigkeit und man kann den Kredit nicht mehr bedienen und steht früher oder später vor einem Schuldenberg der in der Zwangsversteigerung enden kann. Dies muss also gut überlegt und noch besser durchgerechnet werden und dürfte nur für die besser Verdienenden in Frage kommen.

Dienstag 25.7.2006 : Wissenschaft im Fernsehen

Wenn Sie auf meiner Website herumgestöbert haben, wissen sie das es auch einen Aufsatz von mir über dieses Thema gibt. Warum also schreibe ich hier noch mal ? Nun den Artikel, in dem ich Wissenschaftssendungen bespreche habe ich seit Jahren nicht aktualisiert. Grund ist zum einen weniger Zeit und zum anderen das sinkende Niveau.

Es gibt viel mehr Wissenssendungen als früher, vor allem wenn man nicht nur die regelmäßigen Magazine nimmt sondern das Dokutainment, wo Wissen mehr als Spielfilm vermittelt werden soll. Dokutainment gibt es vor allem im Bereich Geschichte oder wo man Trickeffekte gut einsetzen kann wie z.B. bei Spielfilmen über Dinosaurier oder technische Katastrophen.

Das ist sicher gut anzuschauen, doch was wissen Sie am Schluss noch von dem erklärenden Beitext (der sowieso recht kurz ist) ? Nichts gegen moderne Technik, ich kann mir auch eine antike Stadt besser in einer Computeranimation vorstellen als beim Filmen der Ruinen, aber wenn in Spielfilmart das Leben eines Kaufmannes in Athen erzählt wird tritt die Wissensvermittlung in den Hintergrund. Zudem scheinen solche Sendungen immer mehr "persönlichen" Touch zu bekommen. Es zählt weniger die Fakten als der Forscher. Manche Magazine präsentieren ihn gar als Mischung von Indiana Jones und Einstein.

Eine Sendung die sich "Wissenschaftsmagazin" nennt sollte Wissen vermitteln und dies geschieht immer mehr in Form von "interessant zu wissen, aber gleich wieder vergessen". Kleinen Beiträgen die eigentlich nichts bringen. Dass man die 45 Minuten einer Sendung benutzt Wissen über nur ein Thema zu vermitteln ist selten und wenn dann meistens in unterhaltsamer Form, bei der aber zu wenig vermittelt wird.

Unterhaltung und Vermittlung schließen sich nicht aus. Wer älter ist wie ich kann sich noch an Hoimar von Ditfurth erinnern und Volker Arzt, der heute mehr redaktionell arbeitet, aber auch noch gute Reportagen im alten Stil abliefert. Wissen Sie wie ein Massenspektrometer funktioniert ? Die Geräte sind technisch komplex, aber das physikalische Grundprinzip ist einfach. Hoimar von Ditfurth vermittelte es mit einem Fön und Pingpong Bällen. Die Pingpong Bälle hatten unterschiedliche Farben für unterschiedliche Massen und wurden vom Fön aus der gerade Bahn gelenkt und in Taschen aufgefangen - Genial und eine genaue Übertragung der Massentrennung über ein elektrisches oder Magnetisches Feld bei einem echten Massenspektrometer. So etwas finden Sie heute nicht. Sie bekommen nicht einmal die Technik erklärt sondern es gibt nur die Respektvolle Ehrfurcht "Mit der DNA Polymerase Kettenreaktion können aus winzigen DNA Spuren Täter identifiziert werden" Tja nur wie funktioniert Sie denn nun ?

Ich finde das ist wie bei PISA : Es ist Wissenschaft für Leute die sich durchmogeln wollen, im Mittelfeld, ja nicht zu anstrengendes bringen. Ja nicht den Zuschauer mit zu vielen Daten überfrachten. Vor allem eben gibt es mehr Masse als Klasse. Ich will gar nicht von den Privaten Sendern reden, bei denen Wissenschaftssendungen darin bestehen zu erklären wie man etwas technisch herstellt oder Lebenshilfe im Bereich Elektronik und Internet zu vermitteln. Bei den öffentlich rechtlichen sollte man sich überlegen ob man nicht weniger bringt und dafür besseres Fernsehen.

Ob ich eine Empfehlung habe ? Schwer, sehr schwer. Ich denke Nano ist wenn man es häufig anschaut eine Sendung die fast alles abdeckt und die dann die anderen Sendungen erspart. Bei BR-Alpha gab es noch regelmäßig die Sendung Alpha Centauri, bei der Harald Lesch kompetent und unterhaltsam Astronomiewissen vermittelt.

Dienstag 1.8.2006 : Die Rolle der Bundeswehr

EurofighterSorry, ich habe gerade Urlaub und das auch von der Website....

Vor einigen Tagen wurde der erste Eurofighter stationiert. Stückpreis: 75 Millionen Euro, die gesamten 183 Stück, welche die Bundeswehr anschafft kosten mit allen Zubehör 13.5 Milliarden Euro. Doch wozu braucht die Bundeswehr diesen Jäger ? Er soll als Jagdflugzeug die Phantom ersetzen. Nun frage ich mich als Laie, wer uns denn mit Jagdflugzeugen angreifen kann. Ich entdecke in ganz Europa keine uns feindlich gesinnten Staaten.

Manch einer mag einwenden, dass dies jetzt so sei, aber als man den Eurofighter begann zu entwickeln, es noch den Ostblock gab. Das ist falsch. der Eurofighter ist der Nachfolger des Jäger 90, und über dessen Anschaffung wurde ab 1991 diskutiert - zu diesem Zeitpunkt war die Sowjetunion schon zerfallen, der Ostblock in einzelnen Staaten aufgeteilt. Natürlich muss man die Phantom ersetzen, das Flugzeug ist völlig veraltet, doch schon damals hätte man für ein Drittel des Geldes eine Mig 29 oder Su-27 kaufen können, russische Maschinen die den Vergleich mit westlichen Produkten nicht scheuen müssen und diese mit zeitgemäßer Elektronik ausstatten können.

Die Bundeswehr soll nach dem politischen Willen der Bundesregierung mehr bei friedenssichernde Maßnahmen mitmachen. Ich verstehe, dass sich Deutschland hier nicht der internationalen Verantwortung entziehen kann. Doch dafür ausgerüstet scheint sie nicht zu sein. Dann bräuchte sie kein schweres Gerät wie Leopard 2 Panzer, Tornado Kampfflugzeuge und Eurofighter. Das sind Waffensysteme mit denen man Krieg gegen eine ebenso gut ausgerüstete Armee führt, nicht gegen Warlords, Terroristen oder Plünderer. Sie bräuchte mehr leichte und bewegliche Fahrzeuge, Hubschrauber, Ausrüstung für die unterschiedlichsten Klimazonen (was nützen im Kongo Klimaanlagen, wenn es an Verlängerungskabeln fehlt oder die Ausrüstung nach 10 Jahren im Schrank nicht mehr einsatztauglich war). Die einzige Neuanschaffung welche dafür tauglich ist, ist der Transport Airbus 400.

Noch lustiger werden die Begründungen für neue Anschaffungen. So stellt man gerade einige neue U-Boote in Dienst. Nun ist ja bekannt, dass Terroristen selten Boot fahren sondern das Flugzeug bevorzugen und zur Friedenssicherung braucht man auch keine U-Boote. Welchen Sinn haben also die U-Boote die mit Brennstoffzellen ganz leise sind ? Nun man kann damit Terroristen abhören. Ich sehe es schon vor mir: Osama Bin-Laden trifft sich an einem Strand im Jemen mit seinen Vertrauten. Vorher schaut er aber auf die See ob da alles ruhig ist und packt das Richtmikro aus - Kein laut eines U-Boot Diesels. Also jetzt können wir ungestört reden - Wer bitte kommt auf solch dumme Ideen ?

Es ist doch viel einfacher. Es gibt Einflussgruppen die wollen Aufträge für die Rüstungsindustrie. Es gibt Generäle die wollen eine vollwertige Armee, mit modernstem schweren Gerät. Diese reden den Politikern zu solche Waffensystem anzuschaffen. Würde man darauf verzichten würde man nicht nur viel Geld sparen sondern auch nicht von den USA gefragt werden, wenn sie in den nächsten Krieg ziehen (nächster Kandidat: Derzeit Iran). Das hätte also einige Vorteile.

Mittwoch 2.8.2006 : Von Tieren und der Grausamkeit der Menschen

Ich habe gerade einen Bericht im Fernsehen gesehen, in dem erzählt wurde wie unbekannte ein Schaf über Stunden zu Tode geprügelt haben und anschließend ertränkt haben. Immer wenn ich solche Berichte höre, oder auch Videos sehe in denen amerikanische Soldaten im Irak zum "Spaß" Hunde erschießen muss ich weinen und mich überkommt eine dumpfe Wut und Verzweiflung. Warum ? Warum rege ich mich - und auch viele andere - nicht so sehr über Berichte von gequälten Menschen und Morden sei es im Krieg oder im Frieden auf ?

Ich denke es gibt dafür einige Gründe. Das erste ist das Tiere für uns unschuldig sind. Sie haben niemanden etwas getan, sie vertrauen uns. Da läuft ein Hund freundlich sich vielleicht auf einen Leckerbissen freuen zu Soldaten und diese ziehen eine M16 und schießen auf das Tier. Nicht einmal sondern mehrmals, weil der Hund nach dem ersten Schuss noch jault und sich bewegt. Menschen wissen etwas von der Gefahr, oder sie können es zumindest ahnen. Sie können sich in vielen Fällen wehren. Ich glaube wenn man in der Szene aber das Wort "Hund" durch "irakischen Jungen" ausgetauscht hätte, die Wirkung wäre noch schlimmer gewesen. Es ist also nicht so, dass wir mehr Mitleid mit den Tieren haben als den Menschen.

Der Grund ist ein anderer: Wir sehen nur gefilterte Nachrichten. Tote Iraker sieht man nur mit Leichentücher bedeckt. Wie sehen nie die Tötung eines Menschen im Fernsehen und selten die Verletzung die Menschen anrichten. Das alles ist nicht sendefähig, wie es im Jargon heißt. Bei Tieren ist das etwas anderes und daher sehen wir die Bilder, die uns bei Menschen sicher noch mehr bewegt hätten. Manchmal, ganz selten sieht man auch andere Bilder. Vor ein paar Jahren kam eine Reportage über den ersten Golfkrieg (1990) und das Vorgehen der USA und ihrer Koalitionstruppe. Den genauen Inhalt habe ich inzwischen längst vergessen. Aber ein Bild hat sich mir in den Kopf gebrannt: Das eines Irakers in einem Lastwagen, der auf der Flucht von einem Hubschrauber aus in Brandt geschossen wurde. Der Mann war verbrannt, trotzdem konnte man noch das Gesicht sehen, das einen durch die zerborstene Frontscheibe anstarrte.

Nein ich denke nicht, wir sind bei Tieren empfindlicher als bei den Qualen die Menschen erleiden. Ich glaube auch nicht, dass Menschen Tieren mehr antun als seinesgleichen. Vielleicht ist die Hemmschwelle niedriger. Doch schaut man sich die Geschichte an so fallen einem unzählige Gräueltaten ein: Die gezielte Vernichtung der Juden im dritten Reich, die Jagd auf Ureinwohner in Australien, die Eroberung Jerusalems, als alle Einwohner abgeschlachtet wurden, so dass die Kreuzfahrer knöcheltief im Blut wateten, die mittelalterlichen Foltertechniken, die nicht als Strafe, sondern als Mittel der Justiz galten um Geständnisse zu bekommen.

Donnerstag 3.8.2008 : Die Vergänglichkeit von Informationen

Eine der Paradoxien unserer Zeit ist, dass die Informationsmenge die wir produzieren immer größer wird, Wissen immer schneller veraltet, wir aber diese Informationen immer vergänglicheren Medien anvertrauen.

Die ältesten Gemälde der Menschheit sind etwa 30000 Jahre alt - Sie sind heute noch in den Höhlen zu sehen in denen sie entstanden. Bewerten wir mal die Materialen die man verwendet um Informationen auszuzeichnen nach Vergänglichkeit und Unempfindlichkeit gegenüber Zerstörung so sind Gemälde an Felswänden und Ritzzeichnungen sicher das haltbarste was man kennt. Man muss schon einigen Aufwand treiben dies zu zerstören. Das gilt auch für die Bildinschriften (Hyroglyphen) im alten Ägypten und die Inschriften in Triumphbögen bei den Römern.

Doch für die tägliche Kommunikation, Verträge, Korrespondenz, Erlasse, Rechnungen, Bilanzen oder das Aufschreiben von Wissen benutzten schon damals die Völker vergängliche Materialen: Papyrus, fein geklopfte Faserbündel der Papyrus Staude bei den Ägyptern, Tontäfelchen bei den Sumerern, Pergament (dünn gespaltene Tierhaut) in Vorderasien. Tontafeln haben als einziges dieser Medien die Chance dauerhaft Informationen zu speichern - wenn sie gebrannt werden, wie dies durch Zufall einmal bei einer Tontafelbibliothek passiert, als diese in Brand geriet. Zudem sind sie anders als Papyrus und Pergament wieder beschreibbar. Sie sind jedoch genauso wie Papyrus leicht zerstörbar - durch Zerbrechen.

Die Erfindung des Buches ist im Sinne der Permanenz der Information kein Fortschritt, jedoch in der Informationsdichte. Dazu trug auch das Papier bei, welches die Chinesen erfanden. Damit konnte man viel dünnere Blätter anfertigen als mit Pergament. Gleichzeitig stieg die Anfälligkeit gegenüber Zerstörung.

Papier ist zudem empfindlicher gegenüber Umwelteinflüssen. Zahlreiche wertvolle handschriftliche Dokumente des 17.ten und 18.ten Jahrhunderts müssen heute aufwendig restauriert werden, weil die Tinte säurehaltig ist, bzw. das dort enthaltene Eisen Säure bildet.

Die Säure ist auch heute noch ein Problem. Seit man die industrielle Gewinnung von Papier durchführt hat man mit ihr zu kämpfen. Papier besteht weitgehend aus Cellulosefasern, die man aus Holz gewinnt. Dazu muss der eigentliche Kit rund um die Cellulosefasern, das Lignin aufgelöst werden. Das geschieht unter Einsatz von verschiedenen Chemikalien, wobei das Kochen mit Sulfiten sich als Verfahren weit verbreitete. Dadurch bleiben aber kleine Restmengen an Sulfit zurück und dieses oxidiert zu Schwefelsäure. Schwefelsäure hat eine sehr unangenehme Eigenschaft: Sie entzieht der Umgebung Wasser um ihre Konzentration zu senken, dieses Wasser verdampft aber und so bleibt die Säure konzentriert. Jeder der mal einen Tropfen Schwefelsäure auf seine Kleidung bekommen hat kennt den Effekt: Man sieht zuerst nur ein kleines Loch. Die Schwefelsäure entzieht jedoch der Umgebung weiter Wasser, dies geht bei Cellulose Fasern indem diese aufgebrochen werden. Wenn man das Kleidungsstück dann in die Waschmaschine steckt halten die geschwächten Fasern nicht mehr der mechanischen Belastung stand und man hat ein Handtellergroßes Loch im Mantel. Genau das gleiche passiert auch bei säurehaltigem Papier, es löst sich sprichwörtlich selbst auf.

Davon betroffen sind ein Großteil der Papiere die seit Mitte des 19.ten Jahrhunderts hergestellt werden. Erst seit 1980 wird säurefreies Papier für wertvollere Publikationen eingesetzt.

Doch dieser Informationsverlust ist nichts gegenüber dem digitalen Zeitalter. Hier gibt es eine neues Problem: Die Information ist noch vorhanden, kann aber nicht mehr gelesen werden. Doch betrachten wir zuerst einmal die digitalen Medien. Lochstreifen und Lochkarten sind relativ robuste Medien. Die Informationsdichte ist sogar geringer als bei bedrucktem Papier. Die Anfälligkeit ist in etwa dem von Papier gleichzusetzen. Magnetbänder sind auch sehr robust. Ihre Informationsdichte ist sehr gering. Reist es an einer Stelle, so ist nur dort die Information verloren. Als die Challenger im Jahre 1986 explodierte fand man nach Monaten die Magnetbänder des Bordcomputers im Ozean, inzwischen war die Eisenbeschichtung korrodiert und die Bänder mit einem Magnesiumchloridüberzug überzogen - trotzdem gelang es den größten Teil der Daten zu restaurieren.

Wesentlich empfindlicher sind Floppy Disks oder Festplatten. Bei diesen reicht eine kleine Beschädigung des Gehäuses um den Headcrash zu verursachen. Bei diesem zerstört der Schreib-Lesekopf sogar dann selbst die Daten.

CD-ROMS und DVD leiden unter Kratzern und der Alterung des Kunststoffes. Unter optimalen Bedingungen sollen sie 25 Jahre halten, man vergleiche diese Zeit mit einer Gutenberg Bibel. Jeder kennt jedoch den Effekt, wenn man eine zerkratzte CD nicht mehr lesen kann und dafür muss man sie nicht einmal besonders schlecht behandeln. Selbst gebrannte, also nicht gepresste DVD und CD sind noch empfindlicher. Der Farbstoff wird durch Licht zerstört. Lassen sie einfach mal eine beschriebene CD mit der Leseseite nach oben in der prallen Sonne liegen und sie sehen den Effekt. Heute wird selbst gebrannten DVD nur eine Lebensdauer von 5 Jahren gegeben.

Etwas besser scheinen die Flash Speicher zu sein, zumindest was die Empfindlichkeit gegenüber Umgebungseinflüssen und Zerstörung angeht. Doch auch sie verlieren langsam ihre Ladung und halten diese nur einige Jahrzehnte.

Doch das ist heute nicht das Problem, sondern wie komme ich an die Information heran ? In den letzten 25 Jahren in denen der Autor PC Erfahrungen hat sah er eine Menge Speichermedien kommen und gehen sehen: 8" → 5.25 → 3.5 Zoll Disketten (heute haben viele PCs schon kein Diskettenlaufwerk mehr) Festplatten in MFM → RLL → ATA → S-ATA Kodierung oder Anschlüssen. Was nützt ihnen eine 20 GB Festplatte aus einem IBM AT, wenn sie nicht mehr anschließen können ?

Selbst wenn sie das Medium lesen können, zum Beispiel alte Disketten aus den neunziger Jahren. Haben Sie auch noch das Programm um die Daten auszuwerten und läuft es heute noch ? Was machen Sie mit Texten von Wordstar oder Wordperfekt, in den achtziger und frühen neunziger Jahren sehr populäre Textverarbeitungsprogramme, was mit Tabellen von Lotus 1-2-3?

Das ist heute das eigentliche Problem, Daten gehen verloren, weil man die Datenträger nicht mehr auswerten kann. Es gibt Institute die lagern neben den alten Daten auch die PCs mit ein, mit denen man diese lesen kann - kein gangbarer Weg, denn technische Geräte altern auch wenn sie nicht benützt werden. eine Initiative will das Wissen der Menschheit in einem Stollen einlagern - doch nicht digital, sondern wie zur Steinzeit auf Siliziumwürfeln in welchen die Buchstaben eingraviert sind. Natürlich wegen der Informationsdichte sehr klein, doch mit einem Lichtmikroskop zu lesen. Silizium ist sehr hart und daher unempfindlich gegenüber Beschädigungen.

Manche Forscher sprechen sogar schon einem dunklen Zeitalter. Damit ist folgendes gemeint - Wenn wir heute schon Probleme mit der Haltbarkeit der Medien und dem Auslesen haben, wie sieht es dann für folgende Generationen aus. Was wird ein Archäologe von unserem Zeitalter noch mitbekommen, wenn er in 1000 Jahren Ausgrabungen macht ? Nichts wird erhalten sein, außer hochwertigen Druckerzeugnissen und auch diese nur, wenn sie vor Vermoderung geschützt sind. In diesem Sinne - denken sie nicht nur an ein Backup, sondern auch einen Ausdruck jeden wichtigen Dokumentes, denn sie in einem Ordner abheften können.

Donnerstag 10.8.2006: Video killed the Radio Star

Dieses Lied von den Buggles war das erste Video, das MTV ausstrahlte. Und es erwies sich als Wahrheit. MTV und Viva haben den Musikmarkt mehr beeinflusst als alles andere. Es muss heute von jedem Sänger oder Sängerin, von jeder Gruppe ein Video vor der Veröffentlichung geben. Vorbei sind die Zeiten, als eine Platte im Radio einem Moderator gefiel und viele sie hörten und dann kauften und so ein Star geboren war. Das Radio hat nicht nur durch das Fernsehen an Bedeutung verloren. Es gibt auch mehr Sender. Viele spielen die ganze Zeit nur die aktuellen Hits, vorbei sind die Zeiten als sich öffentlich-rechtliche Sender längere Sendungen leisten konnten in denen die Moderatoren mal ihre neuen Lieblinge vorstellten und so etwas zur Verbreitung etwas anderer Musik leisten konnten.

Die Folgen sind meiner Meinung nach nicht positiv:

Ich meine auch die Musik ist dadurch mehr zu einem Einheitsbrei geworden. Vor allem fehlt es an neuen Ideen. Immer öfters werden alte Lieder aus den achtzigern neu interpretiert - Die junge Generation kennt ja die Originale nicht mehr. Ist es eine Altersfrage ? Der Südwestrundfunk, denn ich immer höre hat Spartenprogramme. Ich höre SWR1, bei dem fast nur alte Lieder (60-achtziger) laufen und von den aktuellen Hits nur die so sind wie die alten. Dann gibt es noch SWR3 mit den Hits für die Jungen und SWR4 für die Liebhaber von Volksmusik und Schlager. Wenn ich mal zappe merke ich dass ich eher bei SWR4 hängen bleibe als bei SWR3. Wie war das vor 20 Jahren - da fand ich die Musik grausam. Ich finde Sie auch heute noch schlecht, aber nicht so schlecht wie neues "Bumm-Bumm" oder immer gleiche Arrangements in Girls- oder Boygroups.

Wenn ich mal bei Viva oder MTV hängen bleibe erstaunt mich auch wie die Videos in ihrer Qualität nachgelassen haben. Sie sind austauschbar geworden. Kleine Kunstwerke wie sie Peter Gabriel in den achtzigern herstellte oder das Video zum Genesis Hit "Land of Confusion" sucht man vergebens. Wenn der Sänger Hip-Hop oder Rapp vorträgt kann ich sogar sagen wie das Video aussieht. Man sieht in Großaufnahme den Sänger mit einer schwarzen Brille, einer Baseball Kappe oder sonst einem "coolen" Hut und viel zu großen Klamotten. Das Video besteht dann daraus, dass er mit den Händen vor der Kamera herumfuchtelt.

Wie wird das weitergehen ? Vor ein paar Jahren hätte ich noch darauf getippt, dass irgendwann selbst Teenager diesen Einheitsbrei satt haben und die Labels wieder auf die Suche nach orginellerer Musik gehen. Doch die Ansprüche scheinen gesunken zu sein und Musik wird heute konsumiert und es gibt einen häufigen Wechsel von einem Interpreten zum anderen. Man lädt sich den aktuellen Hit von einem Musikstore herunter, keiner kauft mehr eine LP. Entsprechend ist heute auch kein Sänger mehr saniert wenn er einen TOP 1 Hit hat, wie es noch in den achtzigern war. Es gibt aber noch eine Chance - Das Internet. Das Internet hat schon "Schnappi" zum Hit gemacht - wenn es auch ein fragwürdiger Hit ist. Es ermöglicht aber auch Gruppen oder Sängern die von Labels abgelehnt werden ihre Videos und Musik online zu stellen. Mag sein, dass die eine oder andere Gruppe so entdeckt wird. Vielleicht eine Chance wieder für mehr Vielfalt.

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