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Web Log Teil 60 : 6.4.2008

Sonntag 6.4.2008: Der Ärger mit dem OTR

So, heute fange ich den 60 sten Teil des Weblogs an - ich führe das ja immer noch als HTML Seite weiter, zum einen weil ich mit meinem HTML Editor eine bessere Rechtschreibprüfung habe als in dem Wordpress Online Editor (und das ganze Editieren auch einfacher ist). Zum anderen weil ich ein Backup habe, falls mal Wordpress den Geist aufgibt. Die Nummer 60 hat jetzt nicht so einen großen Bezug zu der Anzahl der Artikel, weil ich immer eine neue Seite mache, wenn die alte so etwa 30 K groß ist. doch ich schätze es sind sicherlich so um die 250 Einträge.

Zuerst einmal zum Gästebucheintrag von D. zum ATV: (Besser wäre ein Kommentar im Blog, den kann ich dann direkt als Kommentar beantworten!) Die Solarpanel braucht das ATV für die eigene Stromversorgung. Schließlich ist es schon vor einem Monat gestartet und braucht Strom für die Bordsysteme.

In einem früheren Beitrag habe ich auf Pläne der ESA hingewiesen das ATV besser zu nutzen, darunter war auch einer eines eigenen Labors. Ich räume dem aber nicht so große Chancen ein. Da wäre es einfacher Columbus nochmals nachzubauen und zu starten. ein Ankopplungspuinkt ist ja durch Wegfall des russischen Moduls frei. Die Ariane 5 wäre stark genug um ein Columbus Modul mit dem Antriebsteil des ATV zu starten, das wäre kein Problem (nicht voll bestückt, doch das ist das im Februar gestartete Modul ja auch nicht gewesen).

Eine rotierende Raumstation wird von niemanden favorisiert. Zum einen bringt sie Größe Probleme bei der Materialbeanspruchung mit sich (die künstlich erzeugte Schwerkraft wirkt ja auch auf das Material und dies nicht gleichmäßig) zum anderen ist der einzige Vorteil der Arbeit im Weltraum heute noch die Schwerelosigkeit und die fiele dann komplett weg.

So, nun zu meinem heutigen Thema, dem OTR. Der OOTR oder ausgeschrieben OnlineTVRecorder ist ein Dienst der es einem ermöglicht Fernsehsendungen aufzunehmen und dann im DivX oder MP4 in verschiedenen Auflösungen runter zu laden. Damit dies nicht jeder machen kann, sondern nur registrierte Anwender sind diese verschlüsselt und zum Entschlüsseln baut ein Programm eine Verbindung zur Website des OTR auf.

Man muss sich dort registrieren und durch Klicks auf Banner bekommt man Punkte. Hat man einen bestimmten Durschnitt und eine bestimmte Höhe angesammelt, so ist man Premium User, das erlaubt es einem im Nachhinein alle Sendungen runterzuladen und zu dekodieren. Neben dem OTR gibt es viele Mirrors welche die Sendungen hosten und die ich bevorzuge, weil sie oft schneller sind und man keine Punkte verbraucht für das Runterladen wie wenn man es bei OTR direkt tut.

Das war bisher sehr praktisch. Ich konnte Sendungen ansehen die ich zeitlich nicht daheim ansehen konnte oder die ich normalerweise nie sehe, weil ich den Sender nicht empfangen kann. Seit März machen sie nun aber Änderungen an ihrem Bewertungssystem mal kleine, mal größere und die abschließende ist nun wirklich mies ausgefallen. Grund dafür waren die zu geringen Klicks auf die Banner. Ich habe nichts dagegen damit diesen Dienst zu finanzieren. Doch nun ist es so: Vor der Reform konnte man maximal 50 Klicks pro Monat als Premium User anrechnen lassen, damit man nicht die Werbeeinnahmen durch viele Klicks ruiniert und sich Leute schnell "hochklicken". Das habe ich praktisch 1 Jahr lang auch so gemacht. Damit kann man seinen Status halten, aber keine Punkteguthaben ansammeln. Nun führten sie ein, das alle Dekodierungen davon abgezogen werden, was mich praktisch sofort ins Minus gezogen hat. Vorher hatte 40 % mehr Punkte als ich für einen Premium Account brauchte, nun sind es 75 % zu wenig. Logisch - ich habe in 15 Monaten 232 Dateien dekodiert. Rechnet man es sich genauer aus, so kann man - wenn man jeden Tag klickt, mehr als 10 Klicks pro Tag gehen nicht - maximal 20 Dateien pro Monat dekodieren und das eben auch nur wenn man dies wirklich jeden Tag tut. Wer mal ein paar tage weg ist oder Urlaub macht, kommt da leicht in die Bredouille, zumal an dann ja gerade Sendungen verpasst hat.

Das ganze läuft wahrscheinlich drauf hinaus, dass der Dienst nur noch durch Bezahlung attraktiv ist. Schon die Klicks bringen immer weniger ein. 10 Klicks nun nur noch 2 Punkte (es waren mal 10). eine Dekodierung kostet einen 0.6 Punkte und wenn man vom OTR Server runterlädt kommen nochmals 16 Punkte pro Gigabyte hinzu. (1 Stunde sind etwa 600 MByte). Ich versuche mal ob es mit mehreren Accounts geht um die Last zu verteilen (was natürlich dann auch mehr Klicks bedeutet, die man tätigen muss). Alternativ komme ich vielleicht wieder ins Plus wenn sich wahnsinnig viele Leute unter diesem Link registrieren, denn pro geworbenem Benutzer gibt es auch 10 Punkte.

Ich finde das schade. Nicht dass der Service wahrscheinlich in einiger Zeit kostenpflichtig wird. Solange sich die kosten im Rahmen halten, ist dagegen nichts zu sagen. Service kostet etwas und das Aufnehmen von TV Programm ist ein Service. Man kann sich selbst Hardware beschaffen und dies selbst tun, aber dann wird es bei mehreren Sendern auch recht schnell teuer. Was mich und wahrscheinlich viele andere verärgert ist die rückwirkende Veränderung der Bewertung. OTR spricht von Leechern die nur saugen und nichts als Gegenleistung bringen. Doch das war ich nie. Ich habe das was ich pro Monat erklicken konnte genutzt. Es gab ja eine Zeitlang sogar Warnungen wenn man darüber hinaus geklickt hat. Nun führt man eine neue regel ein und plötzlich werden Dekodierungen die vorher nie negativ gezählt wurden auf der Sollseite angerechnet. so springt man nicht mit seinen Usern um. so verdirbt man es sich eigentlich nur mit allen. Wenn man Geld braucht und es nicht mehr durch Klicks hereinbekommt (wie denn auch, wenn man den Dienst durch Klicks finanziert - wer im Ernst schaut denn dann auf die Banner die er anklickt?), dann sollte man das auch so weitergeben und nicht irgendwie die Regeln rückwirkend ändern.

Mal sehen wie lange es den OTR noch gibt....

Sonntag 6.4.2008: Musik

Heute mal zwei Blogs an einem Tag. In letzter Zeit beschäftigt mich wieder mal Musik. Zum einen weil ich gestern den Fehler beging, wieder mal Samstags morgens in unser Hallenbad zu gehen. Ich habe das ziemlich lange gemacht. Samstags wird immer eine Wasserrutsche aufgebaut, und da habe ich geholfen. Vor allem aber danach Musik gespielt wird und ich immer eine CD mitbrachte die dann abgespielt wurde. Nun ja irgendwann im Winter, mit spätem Aufstehen, machte es mehr und mehr Probleme mit dem Tagesablauf und vor allem wurde dann immer öfter eine der CD's des (jugendlichen) Personals gespielt. Das hat mich dann dazu gebracht, den Termin auf Freitag abends zu verlegen. Diesen Freitag war ich spät dran, also bin ich wieder Samstags vormittags gekommen, bewaffnet mit einer CD: "Queen Greatest Hits". Doch schon nach der Mitte des ersten Liedes (Wer Bohemian Rhapsody abbricht hat ja eigentlich seinen schlechten Musikgeschmack schon geoutet) kam eine CD des Personals dran "Mit von allem was drauf". Ja von allem - Roxette, Genesis, Abba, Belinda Carlisle, Wham. Alles Sachen die ich gerne höre, doch alle von einer Band gecovert oder besser gesagt: geschändet, verunstaltet, zerstört. Unter jedes Lied ein einheitlicher Bumm-Bumm Schlagzeug Klangteppich gelegt. Das einzige Lied das neu war, war dieses unselige "Dragostea din tei ". Achten Sie nur mal auf das Schlagzeug dort und nun stellen sie sich das als Unterlage zu "Land of Confusion" vor, und sie verstehen, warum ich weitgehend unter Wasser, oder auf dem Rücken geschwommen bin.  (Ich vermute deswegen die CD kam von dieser Band. Echt grausam!)

Es sollte ein Gesetz geben,  das es verbietet gute Musik zu verhunzen. Angesichts der vielen Gesetze die wir haben, mit oftmals geringem Sinn und Verstand von unseren Volks-Vertretern beschlossen (Mögen sie Vertreter?) wäre das mal ein sinnvolles.

Das zweite ist eine Kombination die sich ergab nach dem Befüllen meines MP3 Players. Da kamen direkt nacheinender "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann" von 1984 und "Anyplace, Anywhere, Anytime" von 2004. Nebenbei bemerkt: "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann" jagt mir immer noch einen Schauer über den Rücken, und es zählt meiner Meinung nach zu den besten Liedern in deutscher Sprache. Bei vielen alten Liedern kommt so ein komisches Gefühl auf. Es ist so ein bisschen eine Mischung aus Wehmut und eine blase Erinnerung, wie man sich gefühlt hat als man etwa 20 Jahre jünger war, und das Lied aktuell war. Manche Lieder erinnern einen an bestimmte Situationen. An eine Klassenfahrt nach Berlin, erinnert mich z.B. Captain Sensibles Wot - nicht weil das Lied so was besonderes ist, sondern weil wir es damals immer gesungen haben - Der Text ist nicht besonders kompliziert.

Alte Lieder hören ist ganz nett, aber es sind eben alte Lieder - es ist viel Sentimentalität dabei. Doch man hat sich weiter entwickelt. Natürlich gibt es Lieder die immer gut sein werden (Boehmian Rhapsody z.B. !!!!) doch vieles ist eben nicht so gut. Ich bedaure da Künstler, die einen oder mehrere Hits haben, und nun nach 10,20 oder noch mehr Jahren diese immer noch spielen müssen. Man kann sich streiten ob Mick Jagger immer noch "I can't get no Satisfaktion" spielen sollte, jetzt wo er sich dem Rentneralter nähert. Viel peinlicher sind aber Lieder, die mal Zeitgeist waren, und die man mangels populärer Nachfolgehits heute immer noch spielen muss. Vor einigen Monaten kam UKW mit dem Hit "Sommersprossen" in einer Wunschkonzertsendung. Die Herren von "UKW" sind 25 Jahre nach ihrem Hit mit dem Nonsens Text nun grauhaarig oder haben einen Bierbauch. Toppen kann man das nur noch, wenn man Schlager aus den siebzigern wiedergeben muss wie Michael Holm ("Tränen lügen nicht" oder Howard Carpendale. Jeder Mensch möchte doch weiter kommen, sich weiter entwickeln, besser werden. Wie kommt man sich vor, wenn man Jahrzehnte lang dieselben Lieder singt, die nicht mehr in die heutige Zeit passen, und was man neues macht nicht ankommt? So gesehen sind die vielen Schlagersänger, die heute noch mit ihren alten Liedern im Fernsehen auftreten doch ziemlich arme Schweine. Auch wenn sie vielleicht ganz gut davon leben können.

so zum nachschauen auf YouTube einige Lieder die ich heute erwähnt habe:

Dienstag: 8.4.2008: Hurra, wir haben eine Raumfähre!

Nun müssen wir sie nur noch in den Orbit bekommen. Wie sicher jeder, durch Meldungen zur Hauptsendezeit, mitbekommen hat, fährt derzeit eine Raumfähre vom Typ Buran in das Technikmuseum Speyer. Die 10 Millionen, welche die Buran mit der Seriennummer 2 (mit ihr wurden Testflüge in der Erdatmosphäre durchgeführt, sie wäre aber auch fähig in den Weltraum zu fliegen) kostete, wurden privat von dem Verein aufgebracht oder von Spenden finanziert.

Eine gute Gelegenheit etwas über Buran zu schreiben, vielmehr über die Intension Buran zu entwickeln. Wie vielleicht bekannt absolvierte Buran nur einen orbitalen Testflug und diesen unbemannt, Dazu kam ein weiterer Testflug der Buran Trägerrakete. Danach gab es keine weiteren Flüge. Die Berichterstattung sprach wegen dem Geldmangel in der zusammenbrechenden Sowjetunion.

Das mag mit ein Grund gewesen sein. Doch schaut man sich das sowjetische Weltraumprogramm an, so lief dies noch einige Jahre ohne Probleme weiter. Der Einbruch kam später, etwa ab 1991 also 3 Jahre nach dem Erstflug der Buran.

Der wesentliche Grund, warum man Buran nicht mehr startete ist, dass es nicht in das sowjetische Weltraumprogramm passte. Nehmen wir einmal die Fakten die vorliegen. Die meisten sowjetischen Starts waren (und sind) militärischer Natur. Ein Großteil entfiel auf die Zenit Serie. Zenit, das ist der Name von umgebauten Wostok-Raumschiffen, mit einer Kameraausrüstung im Rückkehrteil. Praktisch unverändert, starteten diese Satelliten seit 1961, in großer Zahl, mit bis zu 34 Starts pro Jahr.

Dazu kamen andere militärische Satelliten wie Kommunikationssatelliten, RADAR Ozeanüberwachungssatelliten und elektronischen Lauschern, welche den Funkverkehr aufzeichneten. Alle diese kamen mit kleineren Trägerraketen aus. Die meisten starteten mit einer Sojus. Die neueste Generation, auch auf einer Zenit mit 14 t Nutzlast. Die Proton setzten die Sowjets nur für Starts von Saljut und Mir Modulen und planetare Flüge ein.

Die Nutzlast einer Buran wäre nicht größer gewesen, als die einer Proton und sicherlich ist auch der Start einer Energija nicht preiswerter - einfach weil die Rakete 3 mal größer ist und es zwar Pläne für eine Wiederverwendung gab, sie jedoch bei den Testflügen nicht durchgeführt wurden. Die Sowjets bauten nach wie vor, 1988 als Buran startete, ihre MIR Station aus und entwickelten schon das Kernmodul für die Mir-2.

Es gab also nicht den Bedarf einer Fähre um Nutzlasten zu befördern. Bleibt noch der Transport von Personen. doch auch hier setzen die Sowjets heute, wie damals die Sojus Kapsel ein - sicherlich in den Möglichkeiten sehr beschränkt, doch das sowjetische System mit dem Transport von Fracht mit Progress Transportern und Personen mit der Sojus funktioniert. Die MIR lies sich damit über 15 Jahre lang betreiben. Das also kann es auch nicht gewesen sein.

Was war der Antrieb für die Entwicklung von Buran und Energija ? Es waren sicher mehrere Dinge. Das eine ist der "Ich kann es auch" Gedanke. Das Space Shuttle galt als technologisch fortgeschritten, als progressiv und dies führte dazu, dass man sicherlich zeigen wollte, das man dies auch kann. Ähnliches gab es ja schon in den Woschod Flügen oder der Entwicklung der N-1.

Das zweite war schlicht und ergreifend die Befürchtung der Militärs, die USA könnten mit ihrem Space Shuttle eigene Satelliten einfangen oder zerstören. Dies war nicht unbegründet. Das Space Shuttle, in der heutigen Form, erfüllt vor allem Forderungen der US Luftwaffe. Sowohl Größe und Nutzlastkapazität, wie auch die enorme Querreichweite, gehen auf Air Force Forderungen zurück. Die US Air Force baute eine eigene militärisch genutzte Startrampe in Vandenberg und wollte 1-2 Shuttles exklusiv für militärische Flüge nutzen. In den siebziger Jahren gab es sogar Bilder, die einen Space Shuttle beim Einfangen einer Saljut Station zeigten (die bei gekappten Solarzellen in den Nutzlastraum passen würde).

Man wollte ein eigenes System, mit denselben Fähigkeiten haben, sozusagen ein Wettlauf im All - nicht der erste, aber wahrscheinlich der letzte. Die Entspannung zwischen den beiden Supermächten machte ein militärisch genutztes Shuttle System überflüssig, zumal auch die US Air Force nach dem Verlust der Challenger auf die militärische Nutzung der Space Shuttles verzichtete. In gewisser Weise, waren die Sowjets sogar schlauer als die Amerikaner - sie erkannten, das ihre Raumfähre überflüssig war und sie nur Geld kostete und stellten diese ein - nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Erwägungen, aber auch weil der Nutzen gering war.

Die US hatten diese Einsicht lange nicht. Das Space Shuttle wurde im Verbund mit einer Raumstation vorgeschlagen. Es diente dazu diese aufzubauen. Geld bekam die NASA nur für das Transportgerät, dem so die wichtigste Anwendung fehlte. Es stellte sich dann heraus, das das Space Shuttle auch nicht dazu geeignet war Satelliten zu transportieren - zumindest nicht kostengünstiger als eine Trägerrakete. 15 Jahre nach dem Erststart hatte man die Nutzanwendung - zuerst mit Flügen zur Mir und Versorgung dieser mit Frachtgütern, dann mit dem Aufbau der ISS. Folgerichtig wird das Space Shuttle ausgemustert, wenn diese vollendet ist - nur 20 Jahre nach Buran - bei der man diese Einsicht früher hatte.

Mittwoch: 9.4.2008: China und die olympischen Spiele

Wo immer die Fackel derzeit rund und en Globus reist, begleiten sie Proteste. Proteste gegen die Annektion Tibets und die Verletzung der Menschenrechte in China. Nun sind alle überrascht. Warum eigentlich?

Tibet wurde 1949 annektiert. Seitdem wird es mehr und mehr "chinaisiert", sprich, nicht nur die Religion der Einheimischen Bevölkerung und ihr Bestreben nach Unabhängigkeit wird unterdrückt, vielmehr versucht man durch Ansiedlung von Chinesen diese zur Minderheit zu machen. Nach der Wikipedia gibt es inzwischen mehr Chinesen als Tibeter in Tibet und durch den Bau einer Eisenbahnlinie durch Tibet wird dies sicher noch weiter gehen.

Das China selbst ein totalitärer Staat ist, der die Menschrechte mit Füßen tritt, bei dem kritische Stimmen schnell einige Jahre hinter Gittern wandern - egal ob sie sich zur Tibetpolitik oder Umweltverschmutzung äußern - ist auch bekannt. China kontrolliert den Internetverkehr seiner Bürger, hat einen Deal mit Google, das bei chinesischen IPs bestimmte Suchergebnisse nicht zeigt und schert sich weder um Menschen noch um die Umwelt. Der Empfang des olympischen Feuers wurde mit einigen Minuten Zeitverzögerung übertragen. Die Zeremonie fand vor ausgelesenen, linientreuen Gästen statt und ausländische Berichterstatter waren nicht zugelassen.

Sind sie überrascht? Ich bin es nicht. China erlaubt zwar nun mehr Marktwirtschaft, aber ist weder demokratisch noch achtet es fundamentale Menschenrechte. Hat man das Massaker am Platz des himmlischen Friedens schon vergessen? Das alles ist nichts neues. Als man China die olympischen Spiele übertrug, gab es das alles schon. Eine Veränderung der politischen Führung war nicht zu erwarte und wirtschaftlicher Aufschwung hat nicht unbedingt etwas mit Freiheit zu tun, wie man ja auch bei Russland sieht. Man hat also gewusst, wer die Spiele ausrichtet. Nun vor den Spielen kommen nun die Bedenken, ob man nicht der Eröffnungsfeier fern belieben wollte. Von den Spielen selbst, wird wohl keiner wegbleiben.

Haben die olympischen Spiele etwas mit Politik zu tun? Ja und Nein. Zuerst einmal Nein. Die Spiele sollten nicht für politische Intrigen missbraucht werden, wie dies schon zweimal mit dem Boykott von Moskau 1980 durch den Western - und folgerichtig den Boykott 1984 in Los Angelos, durch den Osten geschah. Wenn die Annektion Tibets im Jahre 1949 ein Grund ist, in China keine Spiele zu veranstalten. Wie ist das dann bei den USA? Diese annektierten viele Gebiete im Laufe ihrer Geschichte, so Texas und New Mexiko von Mexiko - nur etwas länger her. Wenn der Afghanistan Krieg ein Argument gegen Moskau ist, dann dürften angesichts der vielen Kriege rund um den Globus, viele Nationen keine Spiele ausrichten. (Allerdings sind die meisten auch zu arm dazu).

Trotzdem können die Spiele nicht unpolitisch sein. Ich denke bei China aber weniger an Tibet, als vielmehr an die Einschränkung der Meinungsfreiheit und anderer Grundrechte. Das betrifft auch die Touristen und die Berichterstatter die dort sind. Wenn es so läuft, wie jetzt bei der Willkommensfeier für das olympische Feuer, das es eine geschlossene Gesellschaft ist, mit Zeitversatz bei der Ausstrahlung, um schnell auf eine andere Kamera umzuschalten, wenn es doch eine Demonstration gibt, dann werden die olympischen Spiele instrumentalisiert und sie sollten nicht stattfinden. Das ist in meinen Augen, das Problem bei olympischen Spielen in absolutistischen Staaten. Das wir heute darüber diskutieren, hat wohl auch damit zu tun, dass es zwar eine ganze Menge Länder auf der Welt gibt, bei der es nicht so weit her ist mit Freiheit und Gerechtigkeit. Nur können die meisten Länder sich das Austragen von olympischen Spielen nicht leisten - diese sind zwar insgesamt profitabel, aber erst mal muss man Unsummen in die Infrastruktur stecken, bevor man diese wieder als Erlöse über Werbungseinnahmen rein bekommt.

Was gibt es sonst noch an Neuigkeiten? Burans Reise über den Rhein hat mir eine Reihe von Besuchern eingebracht. Es hat mich aber auch inspiriert, den Buran Aufsatz zu überarbeiten und zu ergänzen. Wenn es soweit ist, erfahren sie es hier. Seit einem Monat habe ich nun auch eine neuen Werbungspartner. Mal abgesehen, dass er etwa 50 % mehr Einnahmen einbringt habe ich bei meinem persönlichen Besuchen auf der Homepage das Gefühl, die Werbung ist nicht ganz so aufdringlich und kommt nicht so oft. Was meinen Sie? Den "Spenden" Button habe ich nun weggenommen. Wie ich es mir gedacht habe war es mit 15 Euro Gesamterlös nicht ausreichend um die Werbung zu ersetzen.

Samstag 12.4.2008: Pirates!

Haben sie gestern die Nachrichten gehört? Da wurde eine Luxusjacht nach 30 Tagen von Piraten wieder frei gegeben. Offen ist noch ob ein Lösegeld bezahlt wurde. Man glaubt es kaum: Piraterie ist wieder auf dem Vormarsch. Das entnahm ich auch einem Bericht beim ZDF vor einigen Wochen. so begleitet die deutsche Marine das Kreuzfahrtschiff "Deutschland" bei einem Trip rund um den Golf von Aden um es vor Überfällen durch Piraten zu schützen. Einem amerikanischen Kreuzfahrtschiff ist ein solcher schon passiert. noch schlimmer ist es bei Handelsschiffen die gerne bei der Straße von Malakkka aufgebracht werden. Da werden Ladung und Schiff verkauft.

die heutigen Piraten haben keine Fregatten mit Kanonen sondern schnelle Boote und sind bewaffnet mit Sturmgewehren, MP und leichten Maschinengewehren. Seit Anfang der neunziger Jahre hat die Piraterie weltweit zugenommen. Ursache soll die weltweite Abrüstung sein, die auch nicht vor der Marine halt macht.

Das wäre doch eine Aufgabe für unsre Bundesmarine, die sich ja nun wie die ganze Bundeswehr neu definieren muss. Schließlich werden uns die neuen U-Boote mit Brennstoffzellen ja auch für Abhörmissionen gegen Terroristen verkauft. Dabei könnten diese doch zur Abwehr von Piraten viel nützlicher sein. Sie könnten Piratenboote versenken oder bei gekaperten und entführten Schiffen leise sich an diese heranschleichen und nachts eine Einsatzgruppe der GSG-9 oder Bundeswehr zur Befreiung absetzen.

Ja zur abwehr von Piraten machen einige neue Systeme erst richtig Sinn: Das System aus RADAR Beobachtungssatelliten SARLupe (der vierte von fünf) startete vor wenigen Tagen. Diese Satelliten sind viel besser geeignet Boote aufzuspüren als Landoberflächen zu beobachten. Dann der Airbus 400 zum Transport von Material - oder eben kleinen Booten und Fallschirmjägern für Befreiungsaktionen rund um die Welt. Fehlen nur noch einige schiffe mehr zur Überwachung der Weltmeere. Allerdings sind dazu Fregatten und Korvetten einfach zu groß und zu teuer. Viel besser wäre es die Ideen aus dem ersten Weltkrieg aufzunehmen. Damals gab es "Hilfskreuzer", umgebaute und getarnte Handelsschiffe die eine Kanone an Bord hatten und die Jagd auf Handelsschiffe des Gegners machten. Man sollte schnelle Kutter oder Jachten kaufen, mit einer modernen Telekommunikationsausrüstung und Empfangshallen für SARLupe ausrüsten und einem oder zwei kleineren Geschützen (Die 30 mm Bordmaschinenkanone des Puma und ein MG dürften dafür ausreichen) könnte man eine reihe von Schiffen erwerben ohne das es zu teuer wird.

Denn nichts gegen die Piraterie zu tun ist noch teurer. Mich wundert das da noch keiner drauf gekommen ist, wäre das doch eine Aufgabe für die Bundeswehr die ja gerade händeringend nach neuen Aufgaben sucht. Allerdings hat unsere Bundeswehr glaube ich das Problem, das sie gerne alten Pfaden folgt, wie man an den neuen Orders von U-booten sieht. In einem Beitrag über den Leopard wurde am Schluss auch die nächste Version vorgestellt: Mit Telefon an der Seite für die Infanterie bei der Bekämpfung von Terroristen in Städten. Dann kann die Infanterie durchgeben wo diese sind und eine ferngesteuerte Maschinen Kanone feuert dann dorthin (die eigentliche Hauptwaffe eine 120 mm Kanone kann man oftmals nicht schwenken und in die oberen Geschosse von Hochhäusern kann man damit auch nicht schießen). Für mich zeigt das eher eine totale Unkenntnis der Anforderungen. Für Friedensmissionen wird man wohl eher leichte Schützenpanzer brauchen als eine neue Version des Leo. Das gleiche gilt für andere Bestellungen wie den Eurofighter oder die U-Boote.

Nun ja da sind sie ja nicht die einzigen. Derzeit wird alles mögliche gekauft und mit den "neuen" Anforderungen hat das meist recht wenig zu tun. Die USA bauen nicht-nukleare Bomben mit enormer Sprengkraft, Anti-Raketen Raketen, zwei neue Stealth Flugzeuge (F-22 und F-35), Russland baut neue Interkontinentalraketen und Nuklearsprengköpfe (weil die USA ja direkt vor ihrer Haustür die Abwehrraketen stationieren) usw. und natürlich alles um Terroristen abzuwehren.

Montag 14.4.2008: Wikipedia

Die Wikipedia gilt inzwischen bei vielen als der Standard bei den Lexikas. Wann immer man eine Meinung bekräftigen will schickt man einen Link zur Wikipedia, oder man zitiert daraus.

Was dabei vergessen wird: Die Wikipedia ist immer nur so gut wie ihre Autoren. Ich bin da in der letzten Zeit kritischer geworden. Zum einen weil ich öfters in der englischen Wikipedia und der deutschen simultan suche. Manchmal wegen Infos zum Thema Raumfahrt (was nicht amerikanische Raumfahrt angeht ist hier komischerweise die deutsche meist ausführlicher). Zum zweiten weil wenn ich mit jemanden diskutiere, der English als Muttersprache habe, ich natürlich die englische Wikipedia als Referenz angebe.

Mir fiel da einiges drauf. So steht in der englischen Wikipedia die Aussage, das Natrium den Blutdruck erhöht. Das basiert auf einer nicht repräsentativen Studie an Tieren aus den zwanziger Jahren.die ersten Nachprüfungen dieser These, die zeigten, dass diese Aussage nicht stimmt sind aus den fünfziger Jahren. Seit etwa 20 Jahren hat es sich auch bei den Medizinern und inzwischen schon in der Allgemeinheit bei uns herumgesprochen, das Natrium keinen Einfluss auf den Blutdruck hat.

Da die Wikipedia von Laien geschrieben wird, findet man in der deutschen Wikipedia auch diesen Hinweis. In Amerika scheint man davon noch nichts gehört zu haben und so findet man dort die gegenteilige Behauptung. Das ist ein Hauptkritikpunkt: An der Wikipedia schreiben Laien und die Infos sind nur so gut wie ihre Autoren.

Ein anderes Beispiel: Ich habe gerade für Buran recherchiert und fand da auf der Seite

http://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_von_Buran_und_Space_Shuttle

folgende Aussage:

"Das Verhältnis von Auftrieb zu Luftwiderstand im Gleitflug beträgt bei der Buran 6,5, beim Space Shuttle 5,5. Deshalb hätte die russische Raumfähre 20 Tonnen Nutzlast wieder zur Erde fliegen können, anstelle von 15 Tonnen beim Space Shuttle."

Das ist ein recht typisches Beispiel was ich an der Wikipedia zu bemängeln habe. Es ist eine Kombination einer waren Aussage mit einer falschen Interpretation.

Zuerst zur Aussage: Buran hat eine Flügelfläche von 250 m², verglichen mit 148 m² beim Space Shuttle. Als Folge ist der auftrieb natürlich im Gleitflug größer. Das führt zu einer niedrigen Landegeschwindigkeit und besseren Gleitflugeigenschaften.

Mit der Landenutzlast hat dies aber gar nichts zu tun. Diese wird bestimmt durch die Kräfte die beim frühen Wiedereintritt. Diese sind bei Buran eher größer als beim Space Shuttle, bedingt durch die größeren Flügel. Das zeigt sich an den höheren Temperaturen die erreicht werden und der etwas stärkeren Verzögerung von 1.6 anstatt 1.5 G. Beim Space Shuttle darf das  Gesamtgewicht des Space Shuttles plus Nutzlast einen bestimmten Wert nicht überschreiten und dies definiert die Landenutzlast und nicht die Größe der Flügel. So steig diese inzwischen auch auf 22 t weil das Shuttle leichter wurde. Der gleiche Sachverhalt dürfte bei Buran vorliegen und mehr noch: Das Landegewicht ist nahezu dasselbe wie beim Space Shuttle. Nur ist eben Buran durch die fehlenden SSME einige Tonnen leichter und dadurch eben auch die Landenutzlast höher.

Wenn ich in meinem Fachgebiet - Raumfahrt - nach Infos suche, dann stolpere ich über viele solche Dinge. Ein Gemisch von Fakten und Deutungen oder das Abschreiben von anderen Infos die nicht unbedingt richtig sein müssen.

Es wurde auch schon gesagt, dass die Korrektur der Artikel durch andere dies verbessert, doch dem ist nicht immer so. Vielmehr kann jeder editieren und oftmals werden falsche Teile die ich korrigiert habe dann wieder reaktiviert. Im Prinzip fehlt eben doch so etwas wie eine Kontrollinstanz.

Was bleibt? Nun ein kritisches Auge, nicht einfach übernehmen was dort steht sondern hinterfragen. Vor allem sich aber klar machen, dass die Wikipedia nicht in allen Gebieten das Maß aller Dinge sein kann. Ich denke das gilt sicher für viele Infos die Laien zusammentragen können. Sei es über Stars, Geschichte, Politik, Gesellschaft oder Geographie (z.B. Städte, bei denen die Artikel oft von Bewohnern editiert wurden). Je spezieller ein Gebiet ist, desto weniger Leute gibt es die sich wirklich damit auskennen und desto größer das Risiko, dass die Infos eben nicht ganz korrekt sind.


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