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Web Log Teil 61 : 17.4.2008-25.4.2008

Donnerstag 17.4.2008: Bachelores und Master

Das deutsche Bildungssystem ist vielfältig aber auch kompliziert. Es gibt die beiden Hauptlinien Fachhochschulen und Universitäten und dazu noch zahlreiche andere Wege, einen akademischen Abschluss zu bekommen. Manche sind auf Fächer beschränkt, andere auf bestimmte Personengruppen und wieder andere auf Bundesländern, wie z.B. hier in Baden-Württemberg die Berufsakademien.

Das führt dazu dass es in Deutschland eine Menge von verschiedenen Abschlüssen gibt: Diplom Uni oder FH, Diplom-Ingenieur, Magister, Ingenieur BA usw., und das ganze ist ziemlich komplex und schwer mit der Situation in anderen Ländern zu vergleichen. Unser System hat aber auch Vorteile. Es gibt die Möglichkeit, wenn man kein Abi hat aber einen technischen Beruf ergriffen in einer Fachhochschule ein Studium zu beginnen, es gibt in den Berufsakademien, eine enge Verzahnung mit der Wirtschaft. Für Fachhochschulen und eine Reihe von Universitäten braucht man auch keine Hochschulreife.

Nun gibt es das Bologna Protokoll, in dem man in Europa die Ausbildung vereinheitlichen möchte, nach internationalem Vorbild. Das heißt es soll nur noch 2 Abschlüsse geben, den Master und den Bachelor. Der Master ist der Regelabschluss für eine Universität und der Bachelor der Abschluss für eine Fachhochschule. Der Bachelor orientiert sich auf eine schnelle Ausbildung, Praxis- und wirtschaftsnah und der Masterabschluss konzentriert auf eigenständiges Arbeiten und Forschung. Im wesentlichen könnte also alles beim alten bleiben: FH haben als Regalabschluss Bachelor und Unis einen Master.

Ich habe beide Systeme durchlaufen und kenne sie recht gut (und nicht zuletzt arbeite ich ja an einer Hochschule, die aus zwei Fachhochschulen hervorging). Bei meinem Uni-Studium in Chemie war Selbstständigkeit gefragt: Es gab keinen Stundenplan sondern nur einen Aushang was angeboten wurde. Daraus musste man sich seine Veranstaltungen zusammensuchen. Manche Vorlesungen und Übungen gab es auch nicht jedes Semester. Labore waren ebenso ausgerichtet: Es gab Eingangsprüfungen um die Zahl der Studenten zu begrenzen, Kolloquium, also mündliche Prüfungen, und die Aufgaben mussten gelöst werden - bekam man eine Analyse nicht fertig, bekam man eben eine neue - bis die ermittelten Resultate stimmten. Jedes Fach baute auf dem vorher erlernten Wissen auf und es konnte recht frustrierend sein, vor allem aber konnte man leicht viel länger als die Regelstudienzeit brauchen. Die angegebene Studienzeit, war denn auch ein Idealwert, denn außer einigen Überfliegern die meisten nicht einhalten konnten. Am Schluss hatte man aber nicht nur wissen sich angeeignet sondern auch Methodik, man konnte das erlernte kombinieren und neues integrieren und man konnte selbstständig Probleme lösen und eigenständig arbeiten.

Die Fachhochschule lief wirklich wie in der Schule. Jedes Semester gibt es Vorlesungen und Übungen die man besuchen muss. Die Übungen werden zu zweit abgehalten, was es leicht macht sich durchzumogeln wenn der andere etwas tut. Es sind Kursübungen die nach nn Terminen eben fertig sind und die Prüfungen sind jede Semester vorgeschrieben. Man kann die Prüfungen durchaus bestehen, wenn man nichts verstanden hat aber einige Tage vorher den Stoff durchgepaukt hat. Zwar baut vieles auf einigen anderen Dingen auf, aber nicht so richtig, denn schließlich will man in 6 akademischen Semestern eine breite Palette an Wissen vermitteln. So viel in die Tiefe kann man da dann nicht gehen. Entsprechend kenne ich auch Studenten die sich hier durchgemogelt haben, und zwar einen Abschluss haben, aber keine Qualifikation. Der große Vorteil ist die Verzahnung mit der Wirtschaft, was sich im alten Studiengang in zwei Praxissemstern niederschlug, in denen man in der Praxis auch das gelernte anwenden konnte, oder vieles erst verstanden hat was vorher nur Theorie war. Wenn man diese nutzte dann waren sie der wertvollste Teil des Studiums. (Man muss es nicht: Wie schon gesagt, man kann sich auch durchmogeln. Extremstes Beispiel war eine chinesische Studentin, die mich bei der Diplomarbeit allen ernstes fragte ob ich ihr nicht erklären könnte was sie tun müsste. bislang wäre das immer so gewesen und nun müsste sie zum ersten mal auch etwas alleine machen..... Bei der Uni wurde dagegen gnadenlos ausgesiebt und dabei blieben auch viele gute Leute auf der Strecke - das ist vielleicht das andere Extrem).

Beide Abschlüsse haben ihre Berechtigungen: Der FH Abschluss als einer der Leute ausbildet, die eine praxisnahe Basisausbildung in dem Fach haben, und die vor in Gebieten gebraucht werden, wo man Techniken praktisch anwenden muss und Techniken sich laufend ändern, eben im Bereich Technologie. Dort wird evolutionär fortentwickelt, aber nicht geforscht. Der Uni Abschluss hat ein anderes Ziel: Die Leute mit einer umfangreichen Basis auszustatten, aber nicht gerade tief auf die praktische Anwendung einzugehen, aber die Befähigung zu vermitteln, sich neues, aufgrund dieser Basis anzueignen, neues zu erforschen. Was ich in Chemie gelernt habe, weiß ich mehr als ein Jahrzehnt nach dem Studiumsende immer noch. Vieles aus den ersten Semestern in Informationstechnik habe ich schon wieder vergessen, obwohl das noch nicht so lange her ist. Daher halte ich den Uni Abschluss in Naturwissenschaften für den einzig möglichen. Chemie oder Physik in 6 Semestern zu lernen? Nahezu unmöglich, wenn man gut ausgebildete Leute haben will.

So gesehen hätte Bologna eine Gelegenheit sein können, Unstimmigkeiten in unserem Bildungssystem zu beseitigen. Zum Beispiel die vielen Abschlüsse auf zwei zu reduzieren und es auch Bachelors einer Fachhochschule zu ermöglichen, mit wenigen zusätzlichen Semestern an einer Uni einen Master zu machen.

Doch wie üblich bei uns, nutzt man keine Chancen sondern vermurkst alles. Universitäten die bisher nur einen Master anboten, fangen nun an einen Bachelor anzubieten, weil jede Hochschule beides anbieten muss. Das läuft dann so ab: Man nimmt aus einem Master Kurs einfach einige Teile raus, oder noch extremer, bei Studiengängen die sehr lange dauern (wie z.B. in den Naturwissenschaften) man einfach das Vordiplom als Bachelor definiert. So soll es natürlich nicht sein. Der Bachelor sollte ein abgeschlossenes Studium sein. Bei dem man nach diesem entweder arbeiten kann oder weiterstudiere, oder den Master in einem anderen Bereich machen kann. Bachelor und Master sollen getrennte Studiengänge sein.

So wie es viele Unis machen, bekommt man Bachelors ohne fundierte Ausbildung. Noch schlimmer: Da nun Bachelors an den Unis und den FH gleichberechtigt sind, aber man an einer FH nicht zum Master weiter studieren kann, fangen viele FH an die Studenten durch kürzere Studienzeiten anzulocken. Das führt zu Bachelor Studiengängen mit 6 Semestern Dauer. 6 Semester! Das ist genauso lange, wie eine Handwerkerausbildung, bei einem akademischen Beruf. Das führt entweder zu Studiengängen mit enormen fachlichen Mängeln oder zu vollgestopften Stundenplänen. Das führt zu "Bulimie Lernen". Also den Stoff auf die nächste Prüfung lernen, und dann schnell wieder vergessen weil die nächste Prüfung ansteht. Der Begriff ist mir neu, aber das Phänomen kenne ich von einigen unseren Studenten. Die sich mit dem Lernen kurz vor der Prüfung, schon jetzt durch das Studium mogeln.

Dabei muss es nicht so sein: Bei uns wurde das Studium um 1 Semester verkürzt. Wir hatten bislang 2 Praktikumssemester bei 8 Semestern Gesamtdauer und nun ist es nur ein Praxissemester, das frühere zweite. Der Verlust des ersten ist nicht so schlimm, weil es nach dem zweiten Semester war, und man noch nicht so viel Ahnung zu diesem Zeitpunkte hatte um produktiv etwas in der Industrie zu tun. So hatten unsere Studenten auch Probleme einen Platz zu finden als die Konjunktur nicht so gut wie jetzt war. Ansonsten bleiben die Inhalte erhalten. Masterstudiengänge müssen wir jetzt auch anbieten. Doch davon gibt es eben nicht so viele wie Bachelors, sondern nur 3 an der ganzen Hochschule und sie sind Aufbaustudiengänge, die man auch studieren kann wenn man von einer anderen Hochschule kommt.

Das wäre doch auch ein Konzept für viele Unis: Bietet ein paar (und nicht jeden Masterstudiengang) Fächer als Bachelor an, und gestaltet eure Studieninhalte so, dass jemand quer einsteigen kann nach einem Niveau das dem Bachelor entspricht. Es zwingt niemand die Unis, die Leute nach dem Vordiplom eine Bachelorurkunde in die Hand zu drücken, obwohl sie keine abgeschlossene Ausbildung haben. im Gegenteil: Auf einer guten fundierten Ausbildung zu bestehen, und die Leute nicht mit halbgarem Wissen in die Welt hinaus zu schicken, zeigt wie gut eine Hochschule ist, und wie ernst sie ihre Aufgabe und Verantwortung bei der Ausbildung nimmt.

Sonntag 20.4.2008: Das verspielte Potential der Energija

Derzeit arbeite ich an einer Erweiterung des Energija Aufsatzes, nachdem ich letzte Woche einen neuen Aufsatz über die Buran ins Web gestellt habe. Was mir dabei auffällt ist die geringe Nutzlast von Energija. Das Datenmaterial ist nicht sehr gut. Es gibt weitaus mehr Infos über Buran als über Energija, und so liegen Nutzlastangaben zwischen 88 und 105 t. Das verwunderte mich etwas, denn se gibt einige Gründe warum sie höher ein sollte:

Nach diesen Fakten sollte die Nutzlast höher liegen, auch wenn man die Rakete z.B. mit der Saturn V vergleicht, die in etwa dieselbe Technologie einsetzt, allerdings mit noch schlechteren Werten bei den spezifischen Impulsen, also der Energieausbeute.

Der Schlüssel liegt in der Leermasse die in den Orbit befördert wird. Bei den Space Shuttles sind dies (LWT Version):

In Wirklichkeit ist also Energija, wie zu erwarten leistungsfähiger. Das Problem liegt in der Leermasse des Zentralblocks (Block A) und die ist bei etwa 905 t Vollmasse zu hoch. Man kann es mit dem Space Shuttle als direktem Gegenstück vergleichen: 29 t für den LWT und 14.2 t für die Triebwerke (die Treibstoffmenge ist fast dieselbe). Selbst wenn man sie S-II als Gegenstück nimmt, ist die Zentralstufe sehr "massiv".

Daher sehe ich sehr große Entwicklungsmöglichkeiten. Die Zentralstufe der Energija ist so etwas, wie die erste Ausgabe mit einer neuen Technologie. Für die sowjetische Raumfahrt war der Einsatz von Wasserstoff als Treibstoff neu und es gab auch nicht wenige Probleme eine Stufe zu bauen, welche den Treibstoff kühl hält. Das auch die USA nicht aus dem Stand so etwas entwickelt haben, zeigt recht deutlich die Entwicklung der S-II und des Space Shuttle Systems. Die S-II Stufe wurde nach der S-IVB entwickelt und bei Apollo war sie der Hauptangelpunkt bei den Bemühungen die Nutzlast zu steigern. Das zeigt der Vergleich von der Saturn V von Apollo 8 und der von Apollo 15..

Das STS unterscheidet sich natürlich von der S-II. Schon alleine die Unterbringung der Triebwerke im Orbiter und das veränderte Mischungsverhältnis von Wasserstoff und Sauerstoff ergeben eine andere Massenbilanz. Doch auch hier sieht man die Tendenz zur Gewichtsreduktion, in den Schritten normaler Tank, Leichtgewichtiger Tank (ab STS-7) und Superleichtgewichtiger Tank. Die Tabelle informiert über die Verbesserungen des Masseverhältnisses bei beiden Trägern und stellt Energija als Vergleich an die Seite

S-II Apollo 8 S-II Apollo 15 STS normaler Tank STS LWT STS SLWT Energija Block A
Vollmasse 469,686 kg 499,413 768000 kg 761175 kg 768180 kg 905000
Leermasse 40188 kg 35381 kg 46.600 kg 43795 kg 40660 kg 85000
Sauerstoff: Wasserstoff 5.2:1 5.2:1 6.0:1 6.0:1 6.0:1 6.0:1
Schub/Gewicht 1.09 1.05 0.823 0.839 0.823 0.882
Voll/Leermasse 11.86 14.11 16,45 17,47 18,89 10,64

In ihrer technischen Auslegung ist der Block A mit dem Space Shuttle vergleichbar, er wiegt jedoch 40-45 t mehr als der externe Tank und Triebwerke. Es sollte möglich sein, davon 30-40 t einzusparen, was voll der Nutzlast für einen Orbit zu gute käme, die dann auf 130-140 t ansteigen würde. Was würde dies an Nutzen bringen?

Nun für Buran primär nicht so viel. Es ist davon auszugehen, dass Buran wie das Space Shuttle ausgelegt ist eine bestimmte Nutzlast zu transportieren und man nicht einfach diese beliebig steigern kann. Beim Space Shuttle sind etwa 5 t mehr möglich, nimmt man dies auch bei Buran an, so kann man Energija nur dazu nutzen die Bahn anzuheben. Die MIR befand sich auf einer erdnahen Bahn um die Nutzlast für die Sojus Raumschiffe zu maximieren. Bei der ISS war es eher die rasch absinkende Nutzlast des Space Shuttles. Sobald man eine Raumstation aber aufgebaut hat, ist diese niedrige Bahn von Nachteil, man muss laufend Treibstoff zur Station befördern um sie anzuheben. ohne sie würde die ISS in einem Jahr 100 km an Bahnhöhe verlieren und nach 2 Jahren wieder in die Atmosphäre eintreten. Nur 100 km mehr Höhe hebt die "Überlebenszeit" auf 5 Jahre an, und weitere 100 km steigert sie auf mehr als ein Jahrzehnt. Man kann die zusätzliche Nutzlast von Energija nutzen um Buran in eine elliptische Bahn zu bringen die in der gewünschten Höhe liegt. Die Treibstoffreserven des Orbiters werden dann nicht benötigt um die Bahn auf diese Höhe anzuheben. Eine 500 km hohe Bahn mit 35 t Nutzlast wäre so möglich. Die zweite Möglichkeit wäre es die Anzahl der Booster zu reduzieren. Mit 2 Boostern wäre die heutige Nutzlast startbar. Das würde die Kosten natürlich senken.

Viel mehr Sinn würde die Energija als Schwerlastrakete für Marsunternehmen machen. In der Tat gab es in NASA Plänen von 1997 auch die Idee, sie dazu einzusetzen. Heute ist davon keine Rede mehr. Nicht nur weil die NASA mit der Ares V selbst eine Rakete in diesem Nutzlastbereich entwickelt. Sondern auch weil es heute illusorisch ist die Produktion der Energija wieder aufzunehmen. 20 Jahre Produktionsstipp haben ausgereicht, um die Fertigungsanlagen zu demontieren und die Startanlagen verfallen zu lassen. Vor allem haben sich die Russen in den letzten Jahren als sehr wackeliger Bündnispartner erwiesen. Die ersten zwei russischen Module - von der NASA bezahlt - wurden zu spät geliefert und mussten bald gewartet werden, weil Teile schlecht gefertigt waren. Eigene Module Russlands wurden gestrichen und stattdessen nutzte man die Sojus Kapseln um Touristen oder Astronauten von Drittnationen wie jetzt die südkoreanische Astronautin gegen Bares zu starten.

Eine andere Frage ist es, wie es mit der Zuverlässigkeit der Energija aussieht. Schließlich werden beim Start 8 Triebwerke mit 12 Brennkammern gezündet. Da es nur zwei Starts gab, kann man darüber nur spekulieren. Zum einen zeigte das geplante Buran Testprogramm mit zahlreichen unbemannten Testflügen die sowjetische vorsichte Haltung. Zum anderen sind leicht modifizierte Triebwerke der Booster bis heute im Einsatz bei der Zenit Trägerrakete und dort die Ursache zahlreicher Fehlstarts. doch auch dies ist nicht 1:1 übertragbar, denn wiederum modifizierte Triebwerke der Zenit trieben seit einigen Jahren die amerikanische Atlas an - bislang ohne einen Fehlstart, Aufgrund meiner Erfahrungen mit Triebwerkstechnologien würde ich dazu tendieren die Zuverlässigkeit niedriger anzusetzen als beim Space Shuttle. Feststofftriebwerke sind nach dem Start nicht mehr abschaltbar, aber sie sind recht zuverlässig. Viel häufiger gab es das Versagen der komplizierten Maschinerie von Gasgeneratoren, Turbinen, Turbopumpen, Brennkammern bei Trägern mit flüssigen Treibstoffen. Oftmals kann man rechtzeitig reagieren - das war auch der Hintergrundgedanke bei der Konzeption der Energija, aber nicht immer. Man denke nur an die Explosion einer Zenit auf der Startrampe im Januar letzten Jahres.

Energija konnte nicht zeigen wozu sie fähig ist, positiv oder negativ. Schade eigentlich.

Donnerstag 24.4.2008: Der Space Shuttle und nicht eingehaltene Versprechen

So, heute wieder mal einen Blog. Die lange Pause war keine Absicht, sondern ich lag die letzten Tage mit der schlimmsten Erkältung mindestens seit Jahrzehnten im Bett. Heute Nachmittag geht es mir soweit gut, dass ich mich wieder mal an einen Blog heranwagen will.

Der eine oder andere wird vielleicht beim stöbern im Web oder eher noch in alten Büchern nach der Liste der geplanten Space Shuttle Starts in den siebziger Jahren gestoßen sein. Nach NASA Planungen sollte dieser 48-60 mal pro Jahr starten, ein Orbiter alle 4 Wochen. Im Hebst 1972 gab der NASA Chef Fletcher bei einer offiziellen UA Kongressanhörung den Abgeordneten mit, dass das NASA Budget zwischen 1978 und 1990 insgesamt 581 Shuttle Flüge zuließe und sich dadurch 5.2 Milliarden Dollar einsparen ließen. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Diese enorme Zahl der Flüge auf der einen Seite und gleichzeitig noch Geld dabei eingespart! Später gab man an, man hätte ja noch die Spacelab Flüge vergessen, mit diesen wären es sogar 779 Flügen mit 16 Milliarden Dollar Einsparungen. Das hört sich doch toll an, ein System das um so mehr einspart je öfter man es benutzt... Das ganze hat ziemliche Ähnlichkeiten mit der Bahncard 100 die es für einige Tausend Euro gibt: Mit der fahre ich ein ganzes Jahr umsonst weil ich einen Pauschpreis zahle. Je öfter ich also fahre desto mehr spare ich - Aber nur wenn ich nicht die die Gegenrechnung aufmache was mich eine alternative gekostet hätte).

Fachleute konnte man damit nicht so leicht blenden. H.O. Ruppe schrieb schon 1980 in seinem zweibändigem Werk, die grenzenlose Dimension, dass der Raumtransporter es schwer haben dufte mit einer auf den Transport in den geostationären Orbit optimierten Rakete wie Ariane zu konkurrieren und er äußerte auch Kritik an den optimistischen NASA Plänen.

Nun die Geschichte zeigte das er und die meisten anderen Kritiker der Space Shuttles rächt behielten. Schon vor der Explosion der Challenger musste die NASA auf Anweisung von Präsident Reagan die Transporte mit dem Space Shuttle nicht kostendeckend anbieten um mit Arianespace zu konkurrieren. Und nur mit der Verletzung fundamentaler Sicherheitsregeln wie sie sich bei Challenger rächten waren in einem Jahr vielleicht ein Dutzend Flüge möglich, aber auch sicher so keine 48 Flüge.

Dabei hätte man das ganze auch anders angehen können. Im Jahre 1971 starteten die USA folgende Trägerraketen: (Erzeugt mit meinem Programm Launchlog converter)

Launch Vehicle Launches
Saturn 2
Scout 6
Atlas 6
Thor 8
Thorad 6
Titan 8
Summary 36

Das sind 38 Starts, wobei ein Space Shuttle mehr Nutzlast hat als jeder Typ, mit Ausnahme der Saturn 5. Ein Space Shuttle Flug hätte mehrere Thor oder Atlas Flüge ersetzen können. Dabei waren die Startzahlen seit 1966, als die USA die Spitze erreicht hatten rückläufig und dies sollte sich auch weiterhin fortsetzen, weil zum einen weniger Mittel zur Verfügung standen und zum anderen die Satelliten immer langlebiger wurden. Man musste nicht mehr so viele von ihnen starten.

Es gab also keinen Bedarf bei den bestehenden Nutzlasten für einen Space Shuttle. Dazu wurde er aber auch nicht entwickelt - eigentlich sollte er ja zusammen mit einer Raumstation entwickelt werden und diese aufbauen und versorgen. Nur deswegen musste er überhaupt bemannt sein, es gab keinen technischen Grund dafür. (Ein weit verbreiteter Irrtum ist, das nur Menschen ihn weich landen können, doch leider ist das genaue Gegenteil der Fall- Das Space Shuttle landet von den Computern gesteuert und in den letzten 1-2 Minuten sobald es in den niedrigen Überschallbereich kommt dürfen die Piloten steuern - sie müssen es aber nicht. Das ist auch das einzige Mal während des Starts und der Landung, dass Menschen irgend etwas am Shuttle selbst steuern dürfen).

Ohne die Raumstation machte das Space Shuttle keinen Sinn, es fehlte einfach an den Nutzlasten. Selbst wenn es preiswerter sein sollte als eine Rakete, so musste man auch bedenken, dass niemals der ganze Nutzlastraum ausgefüllt werden würde. Was nutzte z.b.. die 10 fache Nutzlastkapazität einer Thor-Delta in der Praxis? Man konnte ja nicht waren bis 10 Satelliten dieser Klasse startbereit waren und diese dann auf einmal starten. In der Praxis hat die NASA in als sie noch kommerzielle Nutzlasten transportierte niemals mehr als 2 dieser Satelliten gestartet.

Was kam war das man praktisch alles auf eine Karte setzte: Nicht nur, das man öffentlich von unrealistischen angaben sprach, man beschloss auch die Trägerraketenproduktion herunterzufahren sobald das Space Shuttle startet, weil diese ja überflüssig waren und zudem viel zu teuer. (Irgendwie musste man natürlich auch das Space Shuttle wieder finanzieren). Dabei setzte man alles auf eine Karte - ein bemanntes Gefährt. wie riskant dies war hatte schon die US Air Force erfahren. einige Jahre vorher wurde ihr MOL Projekt eingestellt. Neben den ausufernden Kosten gab es vor allem einen Kritikpunkt an dem Programm: Was würde passieren wenn ein Start einer Besatzung scheitert? Würde die langwierige Untersuchung nicht einen Start für lange Zeit verhindern und damit vitale Sicherheitsinteressen der USA gefährden? Bei der Air Force führte dies zur Entwicklung des KH-9 Satelliten und es zeigte sich, dass dieser MOL hervorragende ersetzen konnte zu einem Bruchteil der kosten. Die NASA musste aber ihre eigenen Erfahrungen machen - Mit Challenger und Columbia.

Freitag 25.4.2008: Pantone 144 C

Pantone 144 C ist die orangene Farbe der CDU und wie ich gestern bei dem Satiremagazin "Extra 3" erfahren habe, Grund eines Streits: In einem Landkreis bewerben sich zwei Kandidaten um den Posten des Landrates. Der eine ist langjähriges CDU Mitglied, aber nicht CDU Kandidat. Der zweite ist CDU Kandidat, aber kein Mitglied der CDU. Nun will die CDU die Verwendung der Farbe Pantone 144C, das Orange welches sie für Flächen benutzt ihrem CDU Mitglied verbieten. Wohlgemerkt nur die Farbe, die Plakate haben natürlich nirgendwo ein CDU Partei Logo.

Das ist doch mal eine lustige Sache. Da kann man gut gegeneinander prozessieren. Da könnte die SPD auf die Idee kommen, dass die CDU seit Jahr und Tag das reine Rot (RGB (100,0,0) für ihren Text insbesondere für das "CDU" nutzt und auch mal mit prozessieren anfangen. und die FDP dürfte sich sicher an dem Blau das als zweite Farbe für Hintergründe benutzt wird Anstoß nehmen. es bleibt nur eine frage der Zeit bis die CDU dann jeden verklagt der in schwarzer Schrift schreibt sofern er nicht auch schwarze Kassen wie die CDU aufweisen kann....

Überhaupt bekommt man durch die so gewonnene politische Farbenlehre neue Einsichten. Was ergibt die Kombination von dem SPD Rot und dem FDP Gelb? Richtig - Ein DU Orange. Anstatt der CDU könnte man also sich auch eine sozialliberale Politik vorstellen.

Nein im Ernst: Keine der Farben welche die Parteien verwenden ist geschützt. Es sind normale Farben die nicht geschützt sind Die Telekom hat sich Magenta schützen lassen. Doch kann sie das natürlich nicht generell, sondern sie konnte nur einen Schutz vor Mitbewerbern wie anderen Telekommunikationsfirmen erreichen. Dahinter stehen wirtschaftliche Gründe. Analog lässt man sich ja auch Warennamen, Logos und Grafiken schützen. doch ich habe meine Bedenken ob eine politische Partie sich ebenfalls eine Farbe schützen lassen kann (und die CDU hat dies meines Wissens nach nicht versucht9. Denn wie schon gesagt, dann könnte man sich schnell gegenseitig die Farben abspenstig machen. Bis vielleicht gerade noch Braun übrig bleibt...

Apropos braun... Meine Mutter die noch andere Zeiten miterlebte, hat eine ziemlich Abneigung gegen eine orange-braune Lederjacke die ich mal hatte. Die war im Farbton so etwa wie das CDU-Orange. sie sagte immer zu mir "Mit der Nazi Jacke gehst Du mir nicht aus dem Haus" und das bezog sich auf die Farbe....

Samstag 26.4.2008: Lieblingsjahreszeiten und Befindlichkeiten

Man merkt es vielleicht: Die Blogeinträge werden kürzer und seltener. Noch immer bin ich in schlechter gesundheitlicher Verfassung. Die Erkältung ist noch nicht ausgestanden und schon kleinere Tätigkeiten strengen mich sehr an. Dazu ist mein Heuschnupfen gekommen, der seit einigen Jahren wieder viel schlimmer geworden ist, nachdem er über fast 20 Jahre langsam besser wurde. Bedingt durch das Wetter das wir in den letzten 2-3 Jahren haben oder vielleicht auch persönlich bedingt, habe ich das Gefühl, dass es nun sehr stark über kürzere Zeiten kommt. Früher ging es schon ende Februar los und zog sich dann mit Unterbrechungen bis Ende Mai hin. Nun kommt es später, aber hammermäßig. Dieses Jahr zwanglos erklärbar durch das kalte Wetter bisher, bei dem nun einige Sonnentage dazu führten dass nun alles zeitgleich blüht. War es vor ein paar Jahren noch der Niesreiz, so ist in den letzten 2 Jahren nun auch wieder das starke Augentränen, und der zugeschnürte, angeschwollene, raue, trockene Hals dazu gekommen. Nun, als Wechselwirkung mit der Erkältung, ist meine Nase stark geschwollen und bei vielem was ich essen will, habe ich einen penetranten Essiggeruch in der Nase. Angeblich sollen ja Fische mit Essig und Pommes toll schmecken. Ich habe sie zwar heute mit Ketchup gegessen, aber irgendwie roch alles nur nach Essig und was die Engländer und Kanadier an dem Essen finden, ist mir ein absolutes Rätsel.

Früher war der Frühling meine absolute Lieblings-Jahreszeit. Es ist warm, aber nicht heiß, alles blüht auf und treibt frisch aus. Das Grün leuchtet so toll. Ich habe den Frühling immer mehr gemocht, als den Sommer und erst recht als den Herbst und Winter mit denen ich schon wegen der kurzen Tage nicht viel abgewinnen kann. Aber in den letzten Jahren verschiebt sich das langsam. Jeden Frühling geht es mir schlecht. Zum einen wegen des Heuschnupfens, den ich zweimal im Frühling habe, und der wie geschrieben wieder schlimmer wird. Zum anderen weil auch sonst meine gesundheitliche Situation immer in dieser Jahreszeit schlecht war. Vor zwei Jahren hatte ich diese Unzufriedenheit mit dem Leben im Allgemeinen und Unruhe. Letztes Jahr war ich bis in den Juni hinein permanent müde und erschöpft und dieses Jahr nun die Hammererkältung und eine gewisse Niedergeschlagenheit.

Ich fahre am Sonntag für eine Woche in unser Ferienhaus ins Allgäu. Eigentlich lange geplant als "Arbeitsurlaub" weil ich 2 mal pro Jahr nach dem Rechten sehen muss, und Großputz machen muss, freue ich mich diesmal richtig drauf. Nesselwang ist Luftkurort und das verspricht mir Linderung vom Heuschnupfen und Urlaub habe ich derzeit wirklich notwendig. Es wird also einen Woche lang keinen Blog geben. Genug Zeit ihre Meinung mal kund tun: Haben sie auch eine Jahreszeit die ihnen am liebsten ist und warum? Hat sich das geändert? Gibt es auch eine Zeit wo es ihnen immer auffallend gut oder wahrscheinlich (eher zu behalten) schlecht geht?

So, zum Aufmuntern für alle anderen Heuschnupfen, Frühlings oder Sonstwie geschädigte noch etwas Stimmungsmusik: "Dancing Queen" von Abba ist eines der Lieder die mich immer wieder aufbauen:

und gestern entdeckte ich nach einigen Jahren Pause wieder "Extra-3" auf dem NDR. Klaus klärt hier über Tokio Hotel auf:



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