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Web Log Teil 620: 20.5.2021 - 5.6.2021

20.5.2021: Buchkritik: Schlachtschiff Bismarck

Mit dem Kauf des Buchs „Schlachtschiff Bismarck“ tat ich mich etwas schwer. Der Autor Burkard Freiherr von Müllenheim-Rechberg war der ranghöchste Überlebende der Versenkung der Bismarck und auf dem Schiff Kommandant des Artellerieleitstands achtern. Immer wenn ich eine Geschichte aus den Worten eines selbst dabei gewesenen höre, befürchte ich das sie geschönt wird oder die in Nazideutschland aufgewachsenen eine gewissen Glorifizierung bringen. Trotzdem bewegte mich seit Langem eine Frage, nämlich die, warum die Bismarck die innerhalb weniger Minuten den Stolz der britischen Flotte die Hood versenkte, bei der anschließenden Schlacht die zu ihrer Versenkung führte, beim Gegner keinen einzigen Treffer landen konnte. Die Frage ist nun beantwortet, doch dazu später mehr.

Wie sich herausstellt sind meine Befürchtungen über Glorifizierung unbegründet. Im Gegenteil: der Autor hält Hitler für einen gefährlichen Irren und sympathisiert ofen mit dem Widerstand. Er versteht es zudem gut, eine historische Schilderung mit einem eigenen Bericht zu kombinieren und dabei sachlich zu bleiben.

Burkard Freiherr von Müllenheim-Rechberg beginnt sein Buch mit seiner ersten Besichtigung der Bismarck, noch auf der Werft, dann folgt kurz die Indienststellung und Übungsfahrten bis dann das gesamte Unternehmen Rheinübung geschildert wird. Doch das Buch endet nicht damit und er schildert auch noch seine Kriegsgefangenschaft, wobei ich die Schilderung der Verhörmethoden der Briten stellenweise interessanter fand als die Berichte von Bord. Das Buch ist neutral geschrieben, ohne Pathos, es finden sich zahlreiche Einschübe über „Was wäre wenn“ Szenarien, so die Diskussion, ob nicht ein anderer Rückweg besser gewesen wäre, oder welche Alternativen es nach dem Ausfall der Ruderanlage gab, dass Schiff wieder manövrierfähig zu bekommen. Das Buch ist also beiliebe nicht das, was ich befrachtete, ja stellenweise zu neutral, unkommentiert bleibt zum Beispiel, dass die Briten noch lange nachdem die Bismark keine einsatzbereiten Geschütze mehr hatten, auf das Schiff schossen, auch wenn die Folgen wie die Todesopfer durch die Einschläge genannt werden.

Für alle, die die Geschichte nicht kennen: Das Schlachtschiff Bismarck und der schwere Kreuzer Prinz Eugen liefen am 18.5.1941 also vor fast genau 80 Jahren, zum Unternehmen Brünierung aus. Ziel war es, Handelskrieg zu führen. Eigentlich war eine größere Streitmacht vorgesehen doch die Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau waren in Reparatur, das Schwesterschiff Tirpitz gerade erst fertig und die Mannschaften noch nicht ausgebildet. Das Unternehmen begann schon schlicht, da Kapitän Lütjens als Aufmarschroute die Dänemarkstraße vorbei durch den Kattegat, an der schwedischen und norwegischen Küste entlang wählte, anstatt über Deutschland in die Nordsee zu stechen. So wurden die Schiffe mehrfach von dänischen, norwegischen und schwedischen Kräften gesichtet und die Briten benachrichtigt, die dann sie abfangen wollten. Bald wurde die Streitmacht auch dem bewusst, denn sie stoßen mit der Norfolk zusammen einer von zwei Kreuzern, die in Folge die Flotte in sicherem Abstand begleiteten und ihre Position laufend zur Admiralität funkten.

Am 24.5.1941 kam ihnen das Schlachtschiff Prince of Wales und der Schlachtkreuzer Hood entgegen. Die Hood war obwohl zwei Jahrzehnte alt, das Flagschiff der britischen Flotte. Sie war bis zur Indienststellung der Bismarck das größte Schlachtschiff. Innerhalb von 6 Minuten versenkte die Bismarck die Hood und landete auch einige Treffer auf der Prince of Wales bevor diese abdrehte. Die Prince of Wales hatte Glück, denn eine Granate der Prinz Eugen schlug in der Munitionskammer der 13,3 cm Granaten ein, explodierte aber nicht. Ein ähnlicher Treffer in die Munitionskammer der Hood führte zur Explosion und das Schiff zerfiel in drei Teile.

Die Bismark hatte drei Treffer erhalten, die die Hauptpanzerung nicht durchschlugen aber dafür sorgten, dass die Sektionen mit Wasser voll liefen und das Schiff so leichte Schlagseite bekam und an Fahrt verlor.

Anstatt nun, da klar war das man entdeckt war und das Ziel Handelkrieg zu führen nicht mehr durchführbar war den direkten Kurs zurück einzuschlagen – der wie sich später herausstellte sicher gewesen wäre, wählte Lütjens den Weg um Irland herum um den französischen Atlantikhafen Saint-Nazaire anzulaufen.

Die Prinz Eugen wurde abgelöst und sollte so die beiden Verfolger Norfolk und Suffolk irreführen, doch das gelang nicht, auch einige Ausbruchsversuche der Bismarck, bis einer gelang. Leider bemerkte Lütjens dies nicht und setzte einen längeren Funkspruch ab, der den Briten eine Funkpeilung ermöglichte. Ohne diesen Funkspruch wäre die Bismarck den Briten wohl entkommen.

Die entsendeten Marinekräfte konnten die Bismarck nicht mehr einholen, so entschloss sich die Admiralität die Bismarck mit Flugzügen anzugreifen um sie zu beschädigen, sodass sie an Geschwindigkeit verlor. Der erste Angriff erzielt keinen Treffer der die Bismarck stark beschädigte, der zweite Angriff hatte mehr Erfolg ein Torpedo traf die Ruderanlage, sodass das Ruder nun in einer festen Position war und dies leider in einer extremen. Die Bismarck war manövrierunfähig. Man versuchte das Problem zu lösen, es gab aber keine Möglichkeit. Danach wurde die Bismarck durch den Wind auf einen Nordwestkurs getrieben, geradewegs auf die Briten zu. Man reduzierte die Geschwindigkeit, soweit möglich, damit das Schiff stabil war.

Am Morgen des 28 Mai begann die letzte Schlacht. Die Briten hatten die Schlachtschiffe King George V und Rodney aufgefahren sowie die Kreuzer Norfolk und Dorsetshire. Schon 15 Minuten nach Schlachtbeginn traf ein Volltreffer den Hauptartilleriestand, der zweite vordere Artilleriestand wurde wenig später getroffen. Ohne Artillerieleitung feuerten die Türme selbstständig weiter, die vorderen Türme wurden aber bald ausgeschaltet. Erst danach umrundeten die beiden Schlachtschiffe, die Bismark und die hintere Artillerie konnte, eingreifen, doch auch hier bekam der achtere Artilleriestand bald einen Treffer und die Szene wiederholte sich. Der Kampf begann um 8:43. Um 9:31 feuerte Turm C der Bismarck die letzte Salve ab, doch erst um 10:22 stellten die Briten das Feuer ein – die beiden Schlachtschiffe rückten ab, sie hatten keine Munition mehr und der Befehlshaber funkte zur Heimat „Kann Bismarck mit Granaten nicht versenken“. Der Kreuzer Dorsetshire bekam den Befehl die Bismarck durch Torpedos zu versenken und kurz nach dem Beschuss sank sie auch. Allerdings hatte die Besatzung schon, um 10:10 die Selbstversenkung in die Wege geleitet und den Befehl erhalten das Schiff zu verlassen. Viele starben, weil zu dem Zeitpunkt die Briten noch auf das Schiff feuerten. Bis heute ist umstritten, weshalb die Bismarck sank. Die Überlebenden sagten weil sie sie selbst versenkten. Beim Untergang drehte sie sich und man sah keine Beschädigung des Schiffs unter der Wasserlinie. Die Briten reklamierten ihre Torpedos als Ursache. Das Wrack wurde mittlerweile auf dem Meeresboden durch U-Boote fotografiert und diese meldeten ebenfalls das man keine Beschädigungen unter der Wasserlinie sieht.

Doch nun zu meiner Frage: es war sicher klar das die Bismarck gegen die Übermacht kein Chance hatte, doch ihre Artillerie war noch intakt, warum gab es keinen einzigen direkten Treffer auf den britischen Schiffen? Die Lösung liegt in der Manövrierunfähigkeit, den frühen Treffern im Artillerieleitstand und der Art wie Seeschlachten ausgefochten wurden.

Fangen wir mit dem letzteren an. Die Entfernung wurde mittels stereoskopischer Entfernungsmesser festgestellt. Bei der Bismarck waren dies bei den Artillerieleitständen zwei Optiken im Abstand von 10 m. Bedingt durch die Parallaxe sieht man das Bild rechts und links leicht verschoben. Auf den Optiken gibt es eine Skala mit Marken, anhand derer man dann die Entfernung bestimmen kann, indem man Punkte auf den beiden Marken vergleicht. Das Funkleitsystem – heute sagt man Radar dazu - war für eine präzise Entfernungsortung nicht nutzbar. Die Bismarck feuerte dann eine Salve aus allen verfügbaren Türmen, deren Zielweite anfangs um 400 m auseinanderlag. Die Einschlagpunkte wurden gemeldet und entsprechend die Entfernung angepasst und die Distanz sukzessive angepasst. Das nannte man „Einschießen“ bis die Treffer „deckend“ waren, das heißt die richtige Entfernung hatte. Ein deckender Treffer muss aber nicht das Schiff treffen, sondern kann auch links oder rechts ins Wasser gehen.

Während der Kurs der Bismarck berechenbar war – man sieht dies deutlich auf der Skizze des Gefechts und sie zudem langsam fuhr, waren die englischen Schiffe beweglich und schnell. Anfangs brauchte eine Granate rund eine Minute bis zum Ziel. Die Bismarck beschoss ausschließlich die Rodney, die 22 Knoten, also 40 km/h schnell war. Zwischen Abschuss und Aufschlag konnte die Rodney so bis zu 670 m zurücklegen und das tat sie – sie wendete nach jedem Schuss und ging wieder auf Distanz, sodass eine Salve die annahm, dass die Rodney weiter auf die Bismarck zulief, zu kurz war. Der Ausfall der Artillerieleitstände früh im Gefecht – um 9:02 der Hauptleitstand – verschlimmerte das, denn die Türme hatten zwar auch Messgeräte, aber mit kleinerer Parallaxe und tiefer angeordnet. Sobald die vordere Artillerie ausgefallen war, kamen die Schiffe näher heran und nun konnten sie aus geringer Distanz gezielt die hintere Artillerie und den achteren Artilleriestand ausschalten. So verwundert es nicht, dass die Bismarck keinen Treffer landen konnte.

Dank der guten Panzerung überlebten die meisten, die nicht im Oberdeck waren, trotzdem den Beschuss. Viele wurden erst getötet als sie das Schiff verlassen wollten, da die Briten weiter feuerten. Selbst als die Bismarck sank, zogen die beiden Schlachtschiffe ab und beteiligten sich nicht an der Rettung, die Dorsetshire und der Zerstörer Maori nahmen 110 von etwa 800 Überlebenden auf, drehten aber auch dann ab angeblich, weil sie ein U-Boot sahen. Es gab aber keines, dafür aber Trümmerteile genug. Ein Offizier meinte zum Autor des Besuchs „Fürs Verhör haben wir genug Leute“. Dieses Vorgehen war kein Einzelfall. Auch bei der Scharnhorst wurden viele Schiffbrüchige in Flößen nicht gerettet, aber alle Offiziere, die für Verhörs wichtig waren. Als der Truppentransporter Laconia versenkt wurde, barg das U-Boot die Schiffbrüchigen, rief weitere U-Boote zur Bergung hinzu und informierte unverschlüsselt über den Tatbestand und legte Rote-Kreuzfahnen aus. Trotzdem wurden die U-Boote angegriffen. Das führte den auch zum Laconia Befehl.

Gibt es auch Kritik am Buch? Ja, man erfährt recht wenig vom Leben auf dem Schiff. Auch wer sich, wie ich, für Technik interessiert, kommt zu kurz. Welchen Sinn die einzelnen Aufbauten haben, wie man eine 800 kg schwere Granate lädt, das alles erfährt man nicht. Nur kurz wird die Einteilung des Schiffs in Sektionen, die Panzerung und die Ausstattung mit Geschützen besprochen, aber nicht tiefer gehend. Heute bietet jede Internetseite über die Bismarck da mehr Informationen. Da das Buch heute antiquarisch recht billig erhältlich ist, gibt es von mir eine eindeutige Kaufempfehlung.

22.5.2020: Warum sank die Hood in 6 Minuten?

Heute erneut ein Blog inspiriert durch das Buch, das ich gerade lese, „Schlschtschif Bismarck“. Ich habe mich ja schon mit dem Untergang beschäftigt, heute geht es um das Islandgefecht, bei dem die Bismarck in wenigen Minuten die HMS Hood versenkte und die Prince of Wales in die Flucht schlug.

Die HMS Hood war das Flagschiff der englischen Marine und es war anders als die meisten anderen englischen Kriegsschiffe ein Einzelstück, während sonst die Schiffe in kleinen Serien, genannt „Klassen“ gebaut wurden. Das war und ist so üblich. So hatte die Bismarck auch ein Schwesterschiff, die Tirpitz und das zweite englische Schiff der Schlacht, die Prince of Wales, gehörte zur „King George V Klasse“, von der fünf gebaut wurden – der Namensgeber King George V als erstes Schiff, die Prince Of Wales, Duke of York, Amson und Howe.

Der Grund war, das die Gegner, für die die Hood gebaut wurden, nach Ende des ersten Weltkriegs nicht mehr existierten und man auch zeitweise überlegte, das während des ersten Weltkriegs gebaute Schiff umzubauen. Als Deutschland dann im Dritten Reich wieder aufrüstete, baute England dann lieber neue dem aktuellen Stand der Technik entsprechenden Schlachtschiffe. Das es das Flagschiff der Royal Navy war und das größte der Britischen Marine mit über 48000 t Verdrängung (die George V Klasse hatte mit 44.000 t weniger) war wohl auch der Grund, warum in Planspielen der Admiralität die Hood als Gegner galt. Ein anderer Grund dürfte die ähnliche Bewaffnung mit acht Geschützen in vier Türmen von je 38 cm Kaliber (genau waren es 38,2 cm, da das Kaliber in englischen Inch bemessen wurde).

Die Hood war ein Schlachtkreuzer, kein Schlachtschiff und damit komme ich zum Wissensteil des heutigen Blogs – den damaligen Schiffstypklassen. Anfang des Jahrhunderts etablierte sich aus dem Linienschiff hervorgehend das Schlachtschiff. Gut gepanzert mit einem einheitlichen Kaliber, auch wenn später Schlachtschiffe meist noch eine Mittelartillerie und Flugabwehrgeschütze erhielten. Sie waren das Rückgrat jeder Marine und sollten gegeneinender die Vormacht auf See auskämpfen. Doch schon der Erste Weltkrieg zeigte das, dem nicht so war. Es gab zwischen dem hochgerüsteten Kaiserreich, aber eben nicht so hochgerüsteten wie die Royal Navy nur eine große Schlacht am Skagerrak. Als man die kaiserlichen Schiffe bei abzeichnender Niederlage in ein letztes aussichtsloses Gefecht schicken, wollte löste das in Kiel den Matrosenaufstand aus, der dann zur Revolution und Abdankung des Kaisers führte. Die kaiserliche Marine hatte auf Schlachtschiffe gesetzt, während England einen neuen Schiffstyp einführte – den Kreuzer. Der Name ist Programm. Der Kreuzer ist ein hochseetaugliches Schiff, aber bedeutend kleiner als ein Schlachtschiff. Seine Aufgabe ist auch nicht die direkte Konfrontation mit Schlachtschiffen, sondern der Handelskrieg. Er sollte gegnerische Frachtschiffe aufbringen oder zerstören. Sollte es tatsächlich zur Konfrontation mit den Schlachtschiffen kommen, so würde er sich nicht dem Gefecht stellen, sondern fliehen, dafür war er erheblich schneller als ein Schlachtschiff. Ein Kreuzer war auch bei der Bismarck dabei, die Prinz Eugen. Sie war 3 Knoten schneller als die Bismarck, die schon für ein Schlachtschiff schnell war, fast 5 Knoten schneller als die King George V Klasse. Das klingt nach wenig, sind nur 5 bzw. 8 km/h bedeutet aber das ein Schiff bei Höchstgeschwindigkeit sich innerhalb weniger Minuten aus dem Bereich bringen kann, den die Geschütze des Gegners treffgenau abdecken, wenn es schnell genug wendet.

Ein typischer Kreuzer hatte anfangs um die 6.000 t Wasserverdrängung, Kanonen mit 15,2 cm Kaliber. Später wurden sie trotz eines Flottenabkommen, das die Tonnage von Kreuzern auf 10.000 t beschränkte, immer größer und es etablierte sich die Klasse der schweren Kreuzer, wie die Prinz Eugen mit 16.000 t Wasserverdrängung und Kanonen mit 20,3 cm Kaliber. Trotzdem hatte ein Kreuzer in der direkten Konfrontation mit einem Schlachtschiff schlechte Chancen. Das kleiner Kaliber konnte nur geringere Panzerstärken durchschlagen, Schlachtschiffe waren aber gut gepanzert. Alliierte sprachen von „5 Minute Cruisers“, anspielend darauf, dass dies die typische Überlebensdauer in einem Gefecht mit einem Schlachtschiff war.

Die Nachteile waren schon während des Baus der Hood bekannt, die ab 1916 erfolgte. So etablierten sich zwei neue Schiffsklassen, die jeweils einen Nachteil der schweren Kreuzer aufhoben. Panzerkreuzer hatten eine stärkere Panzerung, aber noch die ursprüngliche oder nicht wesentlich bessere Bewaffnung. Ein Beispiel war die Deutschlandklasse, die in der Weimarer Republik gebaut wurde. Durch den Versailler Vertrag dürfte Deutschland keine Schiffe mit mehr als 10.000 t Wasserverdrängung bauen, also maximal einen schweren Kreuzer. Die Deutschland Klasse hatte eine Maxime – besser bewaffnet als jedes schnellere Schiff und schneller als jedes besser bewaffnete Schiff. Durch die Panzerung waren sie nur 26 Knoten schnell, also langsamer als gleich große Kreuzer, aber sie hatten anstatt acht 20,3 cm sechs 28 cm Kanonen mit mehr Durchschlagskraft und Reichweite. Sie waren aber noch deutlich unter dem Kaliber von Schlachtschiffen das bei 35,6 bis 40,6 cm lag. Die Idee dahinter war stärkeren Schlachtschiffen durch eine höhere Geschwindigkeit zu entkommen und schnellere kleinere Schiffe schon auf Distanz zu bekämpfen da ijhre Geschütze nicht so weitreichend waren. An und für sich eine gute Taktik, nützt allerdings nichts wenn wie beim ersten Aufeinandertreffen eines Schiffs der Klasse, der Admiral Graf Spee der Gegner gleich drei Kreuzer einsetzen kann, weil seine Flotte um ein vielfaches größer ist als die Kriegsmarine.

Die zweite Sonderform war der Schlachtkreuzer. Er war so groß wie ein Schlachtschiff und auch so bewaffnet. Beides bedingt sich, denn die gepanzerten Geschütztürme haben ein enormes Gewicht, das vom Schiffskörper getragen werden muss und sie verschieben den Schwerpunkt nach oben – jeder Geschützturm der Bismarck wog 1.000 t, das ist ein Drittel der äquivalenten Wasserverdrängung eines Zerstörers. Das Gewicht der Türme war auch ein Grund, warum die Deutschlandklasse nur zwei Türme anstatt der damals üblichen drei bis vier hatte. Der Schlachtkreuzer war aber weniger stark gepanzert und dafür schneller – die Hood erreichte 29 Knoten. Die Taktikvorstellung dahinter war, dass man durch die höhere Geschwindigkeit auf Distanz dem Geschützfeuer besser ausweichen kann, dafür muss die eigene Artillerie natürlich weitreichend sein. Beim Beginn der Gefechtsdistanz, die bei den Gefechten der Bismarck bei etwa 24 km lag, brauchte eine Granate eine Minute vom Abschuss bis zum Aufschlag. Genügend Zeit um in Schlangenlinien von der Position wegzufahren, die der Gegner bei Abschuss erwartete.

Die Panzerung der Hood war über drei Decks verteilt und hatte eine Stärke von (pro Deck) von minimal 25 und maximal 78 mm. Bei der Bismarck waren es zwei Decks mit minimal 50 und maximal 120 mm Stärke. Die Idee dahinter ist die das eine Granate mit Aufschlagszünder bei Kontakt mit dem obersten leicht gepanzerten Deck explodiert und dann durch die Explosion vielleicht noch die darunterliegende Panzerung beschädigt, aber nicht mehr die Dritte. Nun hatte die kaiserliche Marine aber schon damals Granaten mit Verzögerungszündern, die bei der Skagerrakschlacht auch zur Versenkung eines Schlachtschiffs führte. Daher erwog man nach Kriegsende (1918) – das Schiff war noch nicht fertiggestellt, es umzubauen. Die Mittel dafür gab es jedoch nicht. Aus dem Schiffsrumpf hätte man z.B.. einen Flugzeugträger machen können. So endeten auch andere Schlachtkreuzer der britischen Marine.

Technisch gesehen war die Hood, als sie 1941 auf die Bismarck trat zwar in Bewaffnung und Größe vergleichbar, aber technisch unterlegen, denn sie war zu dem Zeitpunkt schon zwanzig Jahre alt. Unverständlich für mich ist, warum der britische Vizeadmiral Holland sie und nicht das moderne, besser gepanzerte Schiff als Flagschiff wählte.

Als sich die vier Schiffe am 24 Mai 1941 begegneten, sprach zuerst einmal mehr für die Briten. Zum einen wussten sie anders als die Deutschen, wo der Gegner war – seit Tagen wurden Bismarck und Prinz Eugen von zwei britischen Kreuzern Norfolk und Suffolk mit Radar beschattet und ihre Positionen laufend durchgegeben. Zum anderen waren auf beiden Seiten je ein modernes Schlachtschiff, auf britischer Seite aber noch ein Schlachtkreuzer, auf deutscher Seite der schwere Kreuzer Prinz Eugen mit einem viel kleineren Kaliber und schwächerer Panzerung.

Das Gefecht

Ganz unvorbereitet war man auf der Bismarck allerdings nicht. Die Beobachtung durch die Kreuzer gab es seit Tagen und sie legte nahe, dass der Gegner weitere Kräfte heranführte. Um 5:00 hatte man verdächtige Schiffschraubengeräusche über das „Horchgerät“ ausgemacht. Um 5:45 tauchten in 30 km Distanz die Rauchwolken und dann zwei Mastspitzen auf. Zuerst dachte man es wären zwei Kreuzer. Sie liefen spitz auf die beiden deutschen Schiffe zu. Das verwunderte Müllenheim, denn so konnten beide deutsche Schiffe alle ihre Türme über die Breitseite einsetzen, die Briten aber nur ihre vorderen. Dahinter lag aber eine Taktik. Da Vizeadmiral Holland die Schwäche der Panzerung der Hood kannte, war seine Überlegung die Distanz schnell zu verkürzen, sodass ab etwa 11 km Distanz die Granaten nur noch unter flachem Winkel aufschlagen würden. Die Distanz sank auch schnell, da die Briten mit 28 Knoten auf die deutsche Flottille zuhielten. Um 5:53 war sie schon unter 21 km gesunken, als es die erste Salve von der Hood gab – die sich auf die Prinz Eugren richtete, die vorne fuhr und als Spitzenschiff wohl für die Bismarck gehalten wurde. Angesichts der großen Mündungsblitze war klar, dass es sich nicht um zwei Kreuzer handeln konnte, auch wenn der Schiffstyp noch nicht bekannt war.

Die Bismarck schoss aber noch nicht. Warum das hat Admiral Lütjens mit ins Grab genommen. Viele seiner Entscheidungen in dem Unternehmen Rheinübung können im Nachhinein kritisiert werden. Dis Bismarck antwortete erst nach zwei Minuten und die Prinz Eugen, die zuerst auf das hintere Schiff, die Prince of Wales feuerte, wechselte nach 6 Salven auf Kommando von Lütjens auf die Hood. Eine für mich schlüssige Erklärung ist das er wohl wartete, bis die Schussentfernung auf die Reichweite der Prinz Eugen - rund 20 km sank. Inzwischen hatte die Hood beigedreht um auch eine Breitseite abfeuern können und in der Silhouette konnte man den Schiffstyp erkennen. Das Anvisieren eines Schiffs auf größer Distanz und dabei berücksichtigend, dass es sich selbst und man sich bewegt, ist nicht einfach. Die Vorgehensweise war auf beiden Seiten gleich. Es gab Entfernungsmesser, optische Systeme, allerdings mit unterschiedlichem Prinzip. Anfangs legte man die Entfernungen der Salven der vier Türme um 400 m auseinander, rückte sie nach den Ergebnissen eines Aufschlags näher zusammen. Wobei ein Analogrechner die Geschwindigkeit und Flugzeit berücksichtigte. Wie bei anderen Gefechten beobachtet, erlaubte das deutsche System ein schnelleres „Einschießen“ auf den Gegner. Schon nach der ersten Salve um 5:55 sah man Brände an Bord der Hood ausbrechen, dann um 6:01 gab es eine Explosion mit einem 300 m hohen Feuerball und die Hood zerbrach in zwei Teile – Inspektionen des Wracks durch ein Tauchboot zeigten sogar drei Teile an, und sie versank praktisch sofort. Nur drei Mann der Besatzung wurden später gerettet.

Was war passiert? Genau das, was Holland vermeiden wollte. Eine 38-cm-Granate der Bismarck hatte die Panzerung durchschlagen und war in der Munitionskammer zwischen den beiden vorderen Türmen explodiert und hatte dort die gesamte Munition zur Explosion gebracht.

Doch das Gefecht war noch nicht zu Ende. Die Prince of Wales hatte Parallelkurs zur Hood, praktisch dieselbe Entfernung und Richtung, sodass man sich hier nicht einschießen musste und die Bismarck und Prinz Eugen ihr Feuer nun auf die Prince of Wales konzentrierten. Als die Hood explodierte, war sie 18 km entfernt, die Prince of Wales drehte ab, doch so schnell kann man nicht wenden, sodass die Entfernung bis auf 14 km sank, dann machte sie einen Rauchvorhang, damit man die genaue Position nicht erkennen konnte und als sie 22 km weit weg war stallte Lütkens das Feuer ein.

Die Schäden

Die Prinz Eugen war nicht getroffen worden, doch Bismarck und Prince of Wales erhielten Treffer. Die Prince of Wales hatte Glück gehabt. Die Bismarck landete vier Treffer. Eine Granate traf den vorderen Leitstand für die Mittelartillerie, der so außer Gefecht gesetzt wurde, eine zweite Granate die Brücke, wo mit Ausnahme des Kommandanten und eines Signalmeisters alle getötet wurden, eine dritte Granate den Flugzeugkran. Eine vierte drang unter der Wasserlinie nahe des Dieseldynamoraums ein, detonierte aber nicht.

Die Prinz Eugen hatte drei Treffer zu verzeichnen. Zwei Granaten trafen achtern unter der Wasserlinie, sodass 600 t Seewasser in die Räume einliefen und eine Granate drang in den Geschossbeladeraum für 13,3 cm Geschütze ein, detonierte aber nicht. Insgesamt hatte die Bismarck 93 Geschosse im Gefecht und die Prinz Eugen 179 Geschosse abgefeuert.

Die Bismarck hatte von der Prince of Wales drei Treffer erhalten. Der erste drang oberhalb der Wasserlinie aber noch unterhalb der Bugwellenlinie im Bereich der Sektion XXI ein. Sie riss ein 1,5 m² goßes Loch und beschödigte die Schotten zu den beiden Nachbarsektionen XX und XXII. So liefen nach und nach 3.000 t Seewasser ins Schiff. Der zweite Treffer drang in Sektion XIV unterhalb des Gürtelpanzers ein, detonierte dann am Torpedolangsschott. Betroffen war ein Kraftwek dort, das aufgegeben werden musste und wie man später feststellte, auch einige Heizölbunker, deren Treibstoff nun nicht mehr nutzbar war. Der dritte Trffer zerstörte ein Beiboot, was zuerst als ein kleiner Schaden erschien. Erst am Tag der Versenkung ,als man wenigstens das Kriegstagebuch mit einem der vier Bordflugzeuge ans Festland überstellen wollte, stellte man fest, dass auch das Katapult für den Start beschädigt war und die Flugzeuge nicht mehr gestartet werden konnten.

Die Folgen war das die Bismarck durch das eingedrungene Wasser zuerst eine Neigung nach vorne um 3 Grad und um 9 Grad nach Backbord hatte. Später flutete man andere Räume um die Schräglage auszugleichen, dadurch sank die Höchstgeschwindigkeit aber auf 28 Knoten und diese konnte, da nun Heizöl fehlte, auch nicht dauerhaft aufrechterhalten werden. Die Heizölspur, die das Schiff hinter sich herzog machte, es zudem leichter von Flugzeugen aus entdeckbar.

Was danach kommt, ist bis heute ungeklärt. Klar war das das Ziel „Handelskrieg führen“ - ich schreibe es absichtlich in Anführungszeichen, weil man dafür kein Schlachtschiff und einen schweren Kreuzer braucht, nun nicht mehr durchführbar war, man war ja entdeckt und alle Frachtschiffe würden sich von der Position entfernen. Ziel war es nur noch, in die Heimat zu gelangen. Der kürzeste und am wenigsten gefährliche Weg war im Nachhinein der Rückweg wie man bisher nach Island gekommen war also an Norwegen und Schweden vorbei, wobei die Bismarck ja nur bis zum deutsch besetzten Norwegen gelangen musste. Ich vermute Lütjens dachte daran, dass die gesamte britische Flotte aus Scapa Flow (Shetland Inseln) ihm nun diesen Weg abschneiden würde und entschloss sich für den längeren Weg um Irland herum. Wie wir heute wissen, hatte England seien Kräfte aber im Atlantik zusammengezogen und so wurde dieser Weg zu dem gefährlichere. Praktisch wirkte sich hier aus das England mitten im Operationsgebiet der Kriesgmarine war, mit jeder Menge Flugzeugen die Luftaufklärung ain alle Richtungen leisten konnten, während die Deutschen nur von Norwegen aus operieren konnten. Nicht umsonst betrachtete Amerika England primär als riesigen Flugzeugträger.

Der Verlust der Bismarck, drei Tage später, genau heute vor 80 Jahren, führte dazu das die Kriegsmarine noch weniger mit den größeren Schiffen riskierte. Sie blieben aber weiterhin Ziele der USAF und wurden daher meistens aus der Luft in den Häfen versenkt. Eine Ausnahme war ausgerechnet, die Prinz Eugen die den ganzen Krieg überlebte und erst 1946 bei einem Atomwaffentest versenkt wurde.

Die Prince of Wales überlebte die Bismarck nur wenige Monate, sie wurde am 10.12.1941 durch japanische Trägerflugzeuge versenkt, als sie die Force Z im Pazifik als Absicherung gegen einen japanischen Angriff verstärken sollte. Anders als bei der Hood und Bismarck gelang es aber, 1.285 von 1.612 Besatzungsmitgliedern durch Begleitzerstörer zu retten. Es war auch das Signal, dass das Ende der Ära der Schlachtschiffe gekommen waren – wenige Tage hatte Japan schon Pearl Harbor angegriffen. Aber die Prince of Wales und der 36.800 t große Schlachtkreuzer Repulse wurden auf hoher See angegriffen und versenkt. Also ohne Überraschungsmoment und in Bewegung. England stellte denn auch den Bau weiterer Schlachtschiffe ein, Amerika komischerweise erst 1943. Deutschland baute seit Kriegsbeginn keine neuen Großschiffe mehr, zu naheliegend war es, dass die Werften dann bombardiert werden würden.

28.5.2020: Die Tricks der Lebensmittelindustrie

Den Aufhänger für meinen heutigen Blog lieferte eine Sendung, die ich gestern sah, „Die Tricks mit Wurst und

Schinken“. Es gibt eine Reihe dieser Sendungen, in fast allen findet man das Wörtchen „Tricks“ im Titel. Ich bin nun ja von der Ausbildung her Lebensmittelchemiker, arbeite aber seit 20 Jahren nicht mehr aktiv. Man sollte also meinen, ich könnte bei den Sendungen angesichts dieser Zeit weg vom Beruf noch was hinzulernen, aber dem war nicht so. Der einzige neue Trick in der obigen Sendung, den ich nicht kannte, war der das man durch Hochdruck Lebensmittel entkeimen kann. Das gab es zu meiner Studienzeit noch nicht. Gut andere Tricks gab es auch nicht, aber die chemischen Grundlagen dafür gab es schon zu meiner Zeit, so dass man durch Eiweiß Wasser binden kann und so mehr Wurst aus einer bestimmten Menge Fleisch herausbekommt.

Ich habe ursprünglich begonnen Chemie zu studieren, nicht weil es mein Wunschfach war, sondern weil ich in ihm einen guten Kompromiss sah zwischen Interessen und Arbeitsmarkt. Am liebsten hätte Ökotrophologie studiert, also Ernährungslehre. Ich wusste aber schon durch meine Lehrerin, die das studierte und weil sie keinen Job fand, dann noch Lehramt dran gehängt hatte, das es da mau auf dem Arbeitsmarkt aussah. Lebensmittelchemie hatte ich außen vor gelassen, weil es als NC-Fach nicht sicher war, ob ich dann nicht woanders hinziehen müsste. Als ich zwei Jahre studiert hatte, war ich ernüchtert. Die Chemie, die ich kannte, hatte mit Natur zu tun, mit Stoffwechsel mit Biologie. Die Chemie, die gelehrt wurde, war industrielle Chemie. Um die Zeit herum häuften sich erste Lebensmittelskandale – ich kann mich an den Ethylenglykolskandal und das Clenbuterol erinnern (wie sich später herausstellte, mästete man damit nicht nur Kälber, sondern auch Sportlerinnen) und die Kombination von besseren Berufsaussichten in dem Fach und Frustration im Chemiestudium führte dazu das ich auf Lebensmittelchemie wechselte – an der gleichen Uni, was ich dem Einsatz eines Professors zu verdanken habe, der einen Trick ausnutzte: Die Studienplätze werden für Sommer- und Wintersemester gleichermaßen vergeben, die meisten Studenten wollen aber im Wintersemester anfangen, sodass ich mit einer Rückstufung in der Semesterzahl auf dem Papier im Sommersemester angefangen habe.

Den Wechsel habe ich nie bereut, auch wenn das Studium und vor allem die einjährige Praxisphase an der „Anstalt“ (Chemische Landesuntersuchungsanstalt Stuttgart) stressig waren. Doch damals war die Mediensituation eine andere, aber auch der gesamte Markt. Es gab nicht so viele Produkte und es erschienen auch nicht in einer solchen Häufigkeit Produkte. Schon damals war ein Problem, das Werbeaussagen grenzwertig formuliert sind. Es ist im Prinzip verboten bestimmte Dinge über ein Lebensmittel zu sagen, für den Verbraucher am relevantesten wohl die gesundheitsbezogene Werbung. Also man darf nicht damit werben, das ein Lebensmittel irgendeine Krankheit bekämpft. Das wird umgangen, indem die Aussagen allgemein gefasst sind. An der Problematik hat sich auch nicht wirklich fundamental etwas geändert, obwohl inzwischen die EU durch die Health Claim Verordnung etwas getan hat. Zumindest bei Nahrungsmitteln ist es durch die Verordnung aber besser geworden. Gängig ist aber immer noch die Werbung mit Selbstverständlichkeiten, so etwas wie „ohne xxx“, wobei das Lebensmittel auch bei anderen Herstellern kein xxx enthält.

Die Werbung ist das eine, das nächste ist ein Dauerknackpunkt nämlich Produktname und Verkehrsbezeichnung. Der Produktname kann vom Hersteller frei gewählt werden. Die Verkehrsbezeichnung muss informieren, was das für ein Lebensmittel ist. Gut werden sie sagen, das ist doch leicht unterscheidbar. Da heißt das Produkt „Mars“ und Verkehrserziehung ist dann „Schokoriegel mit Cremefüllung“. Ja dann gibt es aber Hersteller, die haben als Produktname „Himbeergrütze“ und als Verkehrserziehung „Aromatisierte Fruchtzubereitung“. Für Grütze gibt es Vorschriften, wie viel Frucht enthalten sein muss, für Fruchtzubereitungen nicht.

Der Hauptteil der diesen „Tricks Sendungen“ Stoff liefert ist das heute die meisten Lebensmittel nicht mehr im Handwerk produziert und verkauft werden, sondern industriell gefertigt und über Handelsketten verkauft. Gemäß der deutschen Mentalität beim Essen Geld zu sparen wird dann eben bei der Produktion überall an Geld gespart. Dass dann vermehrt Zusatzstoffe zum Einsatz kommen oder teure durch preiswerte Zutaten ersetzt werden, ist doch logisch. Doch ist das dann ein „Trick“ oder doch nur eine Folge des Preisdrucks, den der Verbraucher selbst auslöst? Der Verbraucher ist ja an allem Schuld, meint auch unsere Verbraucherministerin Glöckner. Sie spricht von der „Abstimmung an der Kasse“. Ganz so einfach ist es nicht. Denn zum einen kann der Gesetzgeber ja Vorschriften erlassen. Er muss ja nicht reglementieren, wie Lebensmittel produziert werden. Er kann aber Begriffe schützen, wie die EU dies schon seit Jahrzehnten macht und das hat Lebensmittelproduzenten, die traditionell produzierten, sehr geholfen. Nur ein Beispiel: wir haben seit Jahren eine Flut von Bezeichnungen die eine bessere Qualität suggerieren wie „Premium“, „First Class“, „Edel“ etc.. Keiner dieser Begriffe ist an eine bestimmte Zusammensetzung gebunden. Der Gesetzgeber könnte vorschrieben das bestimmte Stoffe dafür verboten sind, oder einfach die handwerkliche Zusammensetzung als Standard für diese „xxx“-Produkte definieren. Doch heute ist ja durchaus nicht immer so, das man, wenn man etwas kauft, was als qualitativ hochwertig beworben wird auch qualitativ hochwertig ist. Ein Beispiel, das auch in einer dieser „Tricks“ Sendungen kommt, ist der Unterschied zwischen „Schoko“ und Schokolade. Die Kakaobohne, von der beides gewonnen wird, ist ein Samen und wie jeder Samen enthält sie Fett als Nährstoffvorrat für das Wachstum der jungen Pflanze und Eiweiß, das vitale Gewebe. Das Fett nennt man Kakaobutter und die fettfreie Masse Kakao, je nach Restanteil des Kakaos noch ergänzt um „schwach entölt“ oder „stark entölt“. In Schokolade sorgt die Kakaobutter für das Gefühl auf der Zunge, sie schmilzt gerade bei der Temperatur die menschliche Haut hat. So kommt der „Schmelz“ zustande. Sofern in einem Produkt nun aber nur der Kakoageschmack vorhanden sein muss, ist die Kakaobutter nicht nötig, denn wie jedes Fett schmeckt sie isoliert nach nichts. Für die zahlreichen Produkte angefangen von Schokoladeneis über Schokopudding bis hin zu Glasuren oder Füllungen (Doppelkeks) reicht Kakaopulver für den eigentlichen Geschmack und das Fett kann man durch ein anderes ersetzen, ja manchmal ist das sogar nötig, wenn die Glasur z.B. nicht schon bei Zimmertemperatur weich werden soll, kann man keine Kakaobutter nehmen und wenn eine Füllung eines Doppelkeks cremig sein soll, ebenso wenig. Kakaobutter ist gefragt denn aufgrund des Schmelzpunktes verwendet ihn auch die kosmetische Industrie und er ist schon aufgrund der geringen Menge im Kakao daher teuer. So wird er gerne ersetzt. Dass ist dann ein „Trick“ und die Sendung mokiert, dass der Begriff „Schoko“ und Variationen dessen wie „choco“ nichts mit dem Vorhandensein von Schokolade (mit Kakaobutter) zu tun hat. Das ist ein weiteres Problem in dem Dunstkreis Produktname – Vekehrsbezeichnung. Warum ich aber auf das Beispiel kam – auch bei Schokolade, die ja Kakaobutter enthalten muss, ist nicht vorgeschrieben wie viel, sondern nur wie viel Kakaobestandteile insgesamt. So ist gängige Praxis, dass ein Teil der Kakaobutter durch ein billigeres Fett wie Butterreinfett ersetzt wird und dies ist eben auch bei Marken so, sogar bei Edelmarken, die wirklich teuer sind wie Lindt. Wenn ich mich also nicht einmal bei diesen „Premiummarken“ die ein Vielfaches von anderen Marken oder gar Non-Nameprodukten kosten auf eine qualitativ hochwertige Zusammensetzung verlassen kann, so braucht sich Frau Glöckner nicht wundern, wenn die Abstimmung immer zum billigeren Produkt geht.

Mein Hauptkritikpunkt ist aber die prinzipielle Machart dieser Sendungen. Wenn es um Tricks geht, dann wird das meist nachgestellt und zwar meist übertrieben. Im ZDF stellt Sebastian Lege in einer Fabrikhalle mit selbst gebauten Utensilien das nach, im WDR besucht man Leute, die sich auskennen (Lege ist kein Lebensmitteltechnologe, sondern Koch, der sich nach Wikipedia sein "Wissen autodidaktisch beibrachte“. Beiden ist gemein, dass sie übertreiben. In der Sendung ging es um die Möglichkeit Fleisch in einer Fleischwurst durch Proteinpulver zu ersetzen, das Wasser bindet. Dann wurden aus drei Würsten vier (Herstellerempfehlung), 7 oder gar 10. Das Ganze wurde dann auch verkostet, ebenfalls ein typisches Element dieser Sendungen, wobei man nur Kommentare sieht, bei denen die Leute drauf reinfielen. Es gab auch das Statement eines Experten, der sich beruflich damit beschäftigt und der meint, dass so seiner Erfahrung nach einige Prozent Fleisch eingespart werden – schon bei der Herstellerempfelung waren es ja nicht einige Prozent, sondern 33 %, aber das geht dann unter. Der Eindruck des „Tricksens“ durch diese Übertreibung bleibt.

Neutral sind diese Sendungen nicht, wenn eine Meinung noch vertreten ist, dann von Verbauchvereinen, wobei diese aber wenigstens fundiert sind oder schlimmer man sucht irgendjemanden als Experten aus. Im obigen Beispiel war, das ein Feinkosthändler der Salamis beurteilen sollte. Seiner Ansicht nach sollten diese süß schmecken und die Salami aus dem Discounter schmeckten seiner Ansicht nach nur sauer im Abgang.

Schön, aber das ist eine Meinung. Wer sich die „Salamis“ anschaut, die der Händler selbst herstellt und verkauft, hat dünne, lange Würste mit großen Fettbrocken vor sich, nach Art einer Kaminwurz, auch spanische Salami sieht so aus. Nur hat das mit der Salami, die man sonst kauft, nichts zu tun. Die hat einen viel größeren Durchmesser, das Fett ist viel feiner verteilt. Damit eine solche Wurst nicht innen, wo kein Sauerstoff mehr herankommt und wo sie aufgrund des großen Durchmessers auch nicht schnell trocknet, sich gefährliche anaerobe Keime ansiedeln wie Clostridium Botulinum werden sie mit Starterkulturen versetzt und im anaeroben inneren Bereich bauen diese Bakterien den Restzucker zu Säure ab, die gleichzeitig vor Fremdbakterien schützt. Die Säure ist bei größeren Durchmessern also notwendig. Wenn so jemand der nicht mal vom Fach ist, (Feinkosthändler nicht Metzger) als Experte herangezogen wird, dann gute Nacht. Das ganze ist symptomatisch für die Sendungen, die offensichtlich davon ausgehen, das Lebensmittel selbsterklärend sein sollten, damit selbst der Dümmste sofort erkennt, warum es sich handelt oder noch besser sie so produziert werden, wie er sich das denkt.

Nur: Blogleser ich muss euch enttäuschen im deutschen Gesetz ist nirgendwo verankert das Lebensmittel so produziert werden müssen wie „der Verbraucher“ das wünscht. Nur für einige Gruppen gibt es Eckwerte, das sind die Leitwerte im Lebensmittelbuch. Sie definieren die Mindestanforderungen, meist bezogen auf einige wenige die Qualität prägende Inhaltsstoffe. Wer definiert diese? Es ist die Lebensmittelkomission und die aus Vertretern der Bereiche Lebensmittelüberwachung, Wissenschaft, Verbraucherschaft und Lebensmittelwirtschaft besteht. Man beachte: Der Verbraucher ist einer von fünf beteiligten. Entsprechend sind die Leitsätze auch praktisch die Minimalanforderung, weil die Wirtschaft natürlich versucht, die Anforderungen zu klein wie möglich zu halten. Das ist auch der Grund warum wenn diese Sendungen mal etwas in ein Labor einschicken es trotz „Tricks“ als rechtskonform eingestuft wird. In dem Falle war es die Fleischwurst. Im Labor wird bestimmt, wie hoch der Flesichanteil ist und wie hoch der Anteil an Magerfleisch ist. Bei einer Fleischwurst sind das 7,5 % gemessen als Eiweißgehalt. Nur mal als Vergleich: Ein Schnitzel natur hat 21 % Eiweißanteil. Es ist auch ohne Proteinpulver möglich der Flesichwurst viel Wasser zuzusetzen, das man ebenfalls ohne Proteinpulver relativ einfach mit Phosphaten binden kann. So fielen denn auch die mit Proteinpulver hergestellten Würste erst auf, als extrem viel davon zugesetzt wurde.

Das Lebensmittelgesetz hat eine Vorstellung vom Verbraucher, ähnlich wie unsere Gesetzgebung eine vom Bürger hat. In beiden Fällen ist die Vorstellung die eines intelligenten Menschen, dem „mündigen Verbraucher“. Das gerät so langsam ins Wanken, wie selbst Heiko Maas 2014 (damals noch für Verbraucherschutz zuständig) einräumt. Es ist aber auch logisch. Lebensmittel werden immer komplexer die Leute können aber nicht jedem Trend folgen und von der Chemie zahlreicher Inhaltsstoffe, die heute ausgenutzt wird, haben sie keine Ahnung. Interessanterweise haben viele Vorstöße den Verbraucher zu informieren den gegenteiligen Effekt. So ist anders, als zu meinen Studienzeiten heute verpflichtend das man allergene Zutaten angibt, wertgebende Bestandteile hervorhebt und oft findet man auch eine Nährwertdeklaration oder eine Ampel. Damit werden die Angaben auf jeder Verpackung aber immer mehr. Man wird also besser informiert, aber hat immer mehr zu lesen und wer kann das schon? Eine Lösung sehe ich nicht, aber mir würde es ja schon mal reichen, wenn die Sendungen neutraler werden. Man kann einen Sachverhalt weniger aufreißerisch präsentieren, ohne Hexenküche in einer Fabrikhalle, ohne Verkostungen und Präsentation von geschockten Verbrauchern. Man kann echte Experten befragen und auch mal welche von der Industrie, anstatt immer nur gekürzte Stellungnahmen der Firmen vorzulesen.

2.6.2021: Die Lösung für ein überflüssiges Problem – eine Alternative zu MMX

Als Laie denkt man ja, dass bei dem Forschungsanteil der Raumfahrt die Wissenschaft im Vordergrund steht. Doch das Gegenteil ist oft der Fall. Es werden Missionen genehmigt, wie populär sind oder bestimmte „Buzzthemen“ bedienen. Ein Beispiel ist die Venus – rein technisch ist sie der am schnellsten und mit am wenigsten Aufwand erreichbare Planet. In der Realität ist es aber so, das durch die Unmöglichkeit von Leben und den Aufwand für Sonden, die landen oder nur in der Atmosphäre verbleiben sollen, es kaum Missionen zur Venus gibt. Die letzte US-Mission war Magellan, gestartet 1990. Seitdem gab es nur je eine europäische und Japanische Mission. Selbst China und Indien, Newcomer bei der Raumfahrt jenseits der Erde haben zuerst einmal den Mond und Mars ins Visier genommen,

Mars hingegen wird dauernd besucht, bei diesem Startfenster sogar von drei Sonden aus drei Nationen – hätte der Exomars Rover „Rosalindt Franklin“ seinen Zeitplan einhalten können, wären es sogar vier Sonden gewesen, was ein neuer Rekord gewesen wäre. Es ist auch kein Problem für Marsmissionen sehr hohe Mittel genehmigt zu bekommen, so kostet Perseverance über 2 Mrd. Dollar und damit in etwa dreimal so viel wie eine der Orbitersonden der USA um denselben Planeten, wie MAVEN oder MRO. Ein ähnliches Beispiel ist OSIRIS-REx. Als die Sonde vor einigen Wochen ihren Heimweg antrat, berichteten die Medien den Asteroid Bennu habe man als Ziel ausgesucht, weil er mit der Erde kollidieren könnte. Diese Information stammt sicher von der Presseabteilung der NASA. Nun kreuzt Bennu die Erdbahn, aber der nächste nahe Vorbeiflug ist 2060 in fast doppelter Mondentfernung und erst in über 100 Jahren gibt es nahe Vorbeiflüge mit einem Kollisionsrisiko von etwa 1 zu 3.000. Es gäbe sicher andere Kandidaten mit höherem Risiko und das war auch nicht das primäre Kriterium für die Auswahl, sondern die leichte Erreichbarkeit.

Wenn es zwei Himmelskörper gibt, die exemplarisch zeigen, dass die Auswahl von Zielen sich nicht daran richtet, wie man möglichst viel Wissenschaft für eine bestimmte Summe bekommt, dann sind es die Marsmonde Phobos und Deimos.

Die Monde umkreisen den Mars in etwa 6.000 und 20.000 km Distanz zur Oberfläche auf äquatorialen Bahnen. Damit sind sie extrem leicht erreichbar. Sie gelten als eingefangene Asteroiden, das heißt, wenn man sie untersucht so sollte, man auch mehr über die Asteroiden in dieser Region erfahren. Vor allem aber liegen sie am „Wegrand“. Jede Marssonde könnte sie mit nur geringem Zusatzaufwand erforschen. Trotzdem ist die Zahl der Vorbeiflüge an diesen Monden klein. Die Viking Orbiter führten einige nahe Vorbeiflüge an Phobos und Deimos durch, dafür wurde ihre Bahn gezielt abgeändert. Für Deimos sind die dabei gewonnenen Bilder bis heute die einzigen Nahaufnahmen, die es gibt. Phobos wurde einmal von Mars Global Surveyor bei seiner Aerobraking Bahn passiert. Mars Express, der einzige künstliche Marssatellit, dessen Bahn Phobos kreuzt, hatte einige nahe Vorbeiflüge ohne gezielte Bahnänderungen und führte auch einige Vorbeiflüge mit Bahnanpassungen durch, um der Phobos Grunt Mission zu assestieren. Das war es in 50 Jahren Marsforschung mit Raumsonden! Selbst die Hope Mission der arabischen Emirate, die sich zumindest in der Distanz Deimos mehr nähert, wird aufgrund des Bahndesigns ihm nicht wirklich nahe kommen.

Zu erwähnen wären natürlich die beiden Phobos Missionen Russlands und Phobos Grunt. Sie scheiterten aber alle, bevor sie wirklich Daten lieferten, die man nicht vorher schon von anderen Missionen hatte.

Nun plant Japans Raumfahrtagentur JAXA die Mission MMX (Martian Moons Exploration), die im wesentlichen eine Wiederholung von Phobos Grunt ist. Von Phobos werden Bodenproben genommen und zur Erde zurückgebracht. Deimos wird nur durch nahe Flüge passiert. Der Treibstoffvorrat lässt eine Bodenprobenentnahme dort nicht zu.

Ich möchte heute mal versuchen zu evaluieren, ob mit Ionentriebwerken nicht auch ein Besuch von Deimos möglich wäre.

Ich habe mir zum Ziel gesetzt, das diese Mission mit Ionentriebwerken durchgeführt werden soll. Meiner Ansicht nach spricht viel dafür. Die mission ist ja auch so schon lange beim Mars. Würde man diese Phase um ein Startfenster verlängern so hätte man 26 monate Zeit um die Bahnänderungen durchzuführen. Dafür sollte dann auch der Besuch Deimos möglich sein.

Leider ist über die MMX Mission wenig bekannt, sowohl was Bahndesign wie genaue Massebilanz angeht. So gibt es zwar ein Propulsion Module dessen Treibstoffmenge bekannt ist. Aber auch die beiden anderen Module haben jeweils einen Antrieb, sodass ich davon ausgehe, das dieses Propulsion Modul nur genutzt wird, um zu Phobos zu kommen, also für das einbremsen in den ersten Marsorbit und Anpassung der Bahn an die von Phobos. Ähnlich war der Plan ja auch bei Phobos Grunt. Was ich aber machen kann: ich habe die Startmasse und kann die Geschwindigkeitsänderungen berechnen und damit den Treibstoffanteil, wenn ich nichts abtrenne – das Abtrennen von Teilen als Option habe ich ja auch bei Ionentriebwerken.

Um beim derzeitigen Stand des Einsatzes zu bleiben und die Mission nicht übermäßig zu verändern, beschränke ich den Betrieb von Ionentriebwerken auf den Marsorbit, nutze sie also nicht, um in diesen einzubremsen oder ihn zu verlassen. Das hat den Vorteil, dass man sich mit der Kalkulation der Bahnen zwischen den Planeten einfacher tut, denn die bewegen sich ja dauernd relativ zueinander. Ein kurzer Impuls wie beim Chemischen Antrieb erzeugt eine neue Bahn, während ein längerer Betrieb wie bei Ionentriebwerken eine Bahn laufend verändert.

Basis ist die Startmasse von MMX von 3030 kg. Ich gehe davon aus, das MMH/NTO Triebwerke mit einem spezifischen Impuls von 3.000 m/s eingesetzt werden. Gravitationsverluste soll es keine geben. Als dV für das Verlassen der Planeten habe ich die Optima des NASA Trajektory Browsers genommen. Schon hier gibt es eine Diskrepanz der bestimmten Startfenster zur realen MMX Mission wegen des seit Jahrzehnten Bestenden Startverbots aufgrund der Fischereiindustrie startet MMX im August 2023, etwa zwei Monate vor dem optimalen Startfenster, das im Oktober liegt. Zudem liefert der NASA Trajektory Browser als Rückflugroute die erste verfügbare, also nach zwei Jahren, während MMX erst nach vier Jahren zurückkehrt.

Die optimale Route hat nach dem NASA Trajektory Browser ein dV von 1,25 km/s über Fluchtgeschwindigkeit für Einbremsen in den Marsorbit und verlassen dessen.

Ich gehe für den chemischen Weg den gleichen wie MMX, nur das ich deren genaue Orbitdaten nicht kenne:

Hier die minimalen dV für diese Manöver

Bahn

dV

Sonnenumlaufbahn → 24 h Bahn

806 m/s

24 h Bahn → Phobos Transferbahn

218 m/s

Phobos Transferbahn → coplanare Bahn

556 m/s

Phobos Erkundung

100 m/s

Coplanare Bahn → 24 h Bahn

622 m/s

24 h Bahn → Sonnenumlaufbahn

911 m/s

Summe

3113 m/s

Bei 3030 kg Startmasse, dem spezifischen Impuls von 3.000 m/s errechnet sich so eine Endmasse von 1062 kg.

Zur Erklärung: es ist vom Energieaufwand günstig aus einer Bahn mit einem marsnächsten Punkt zur erde zurückzukehren, anstatt dies direkt aus dem Orbit von Phobos zu tun, auch wenn ein Zusatzaufwand nötig ist. Daher habe ich dieselbe 24 Stunden bahn wieder angestrebt. In ihr könnte man dann Deimos durch nahe Vorbeiflüge passieren. Bei dieser Mission ist der Gewinn mit 33 m/s aber gering, Alternativ könnte man auch eine Transferbahn einschlagen, die nur bis zu Deimos führt, das ändert an dem Treibstoffverbrauch nichts. Aus Erkundungssicht wäre eine Bahn, die mit der Umlaufdauer von Deimos (1,26 Tage) synchronisiert ist am besten, also eine 1,26 oder 0,615 Tage Umlaufbahn.

Nun zu den Ionentriebwerken. Hier ist es schwieriger, weil es mehr Parameter zu verändern gibt. Der Missionsverlauf ist weitestgehend gleich. Das Einbremsen und Verlassen des Orbits soll rein chemisch erfolgen, sodass hier das chemische dV 1.707 m/s beträgt, entsprechend 1.314 kg Treibstoff. Das lässt nur noch 654 kg für den Ionenantrieb übrig.

Die Ionentriebwerke von Hayabusa sind die einzigen von Japan bekannten. Diese haben folgende Eckdaten:

Parameter

Wert

Schub:

8 mN

Treibstoffverbrauch

0,3 mg/s

Strombedarf

350 Watt

Spezifischer Impuls

30.000 m/s

Für die Ionenantriebsmission habe ich eine komplexere Route selektiert, die auch zu Deimos führt. Sie hat folgende Eckpunkte:


Bahn

dV

Sonnenumlaufbahn → 24 h Bahn

806 m/s (chemisch)

24 h Bahn → Phobos Transferbahn

< 1.805 m/s

Phobos Transferbahn → coloplanare Bahn Phobos

coloplanare Bahn Phobos → Deimostransferbahn

< 786 m/s

Deimostransferbahn → coloplanare Bahn Deimos

coloplanare Bahn Deimos → 24 Stunden Bahn

~ 700 m/s

24 Stunden Bahn → Sonnneumlaufbahn

901 m/s (chemisch)

Summe

1792 m/s chemisch, ~ 3500 m/s Ionenantrieb

Bei Ionentriebwerken verändert sich die Bahn komplex, deshalb habe ich bei den beiden Transferbahnen den Worst Case aufgeführt. Das ist die Energiedifferenz zwischen den Bahnen. Mehr kann man nicht an Energie verbrauchen. Typisch wird man etwa 10 % davon einsparen können. Lediglich beim Übergang der Deimosbahn in eine 24 Stunden Bahn finden alle Manöver in so großer Entfernung statt, dass man die Abhebung der Periapsis vernachlässigen kann.

So erhält man in etwa 3300 m/s Zusatzaufwand für den Ionenantrieb. Berücksichtigt man das die Sonde schon leichter ist, wenn sie in der 24 Stunden Bahn angekommen ist, (2319 kg) so kann man die Treibstoffmenge bei dem genannten spezifischen Impuls errechnen und kommt auf 251 kg. Ein einzelnes Triebwerk benötigt um diese Menge zu verbrauchen 270.843 Stunden – weit oberhalb der spezifizierten Lebensdauer von 10.000 Stunden. Das verwundert nicht, denn schon Hayabusa setzte fünf der Triebwerke ein, war aber sechsmal leichter, hatte aber ein kleineres dV zu erbringen und einen um den Faktor 7 kleineren Gesamtimpuls – so viele kleine Triebwerke will man aber nicht einsetzen.

Ich gehe im folgenden davon aus, das Japan ein zehnmal schubstärkeres Triebwerk entwickelt, mit einem Schub von 80 mN, einem Stromverbrauch von 3500 Watt und einem Treibstoffverbrauch von 3 mg/s. Davon werden vier eingesetzt und maximal drei gemeinsam betrieben.

Daraus ergibt sich das die Sonde eine Stromversorgung von zusätzlichen 10,5 kW benötigt. Da sich der Mars bis auf 249 Millionen km von der Sonne entfernt, entspricht dies 29 kW installierte Leistung auf der Erde.

Bei starren Arrays mit einer für große Arrays typischen Leistungsdichte von 80 W/kg entspricht dies 363 kg Masse. Der Tank wiegt bei konservativem Voll/Leermasseverhältnis von 6 weitere 51 kg. Dazu kämen vier Ionentriebwerke, deren Masse ich anhand vorhandener Triebwerke auf 11 kg pro Stück inklusive Hochspannungskonverter abschätze, bei vier Triebwerken also 44 kg. Damit sähe die Massebilanz so aus:


Parameter

Wert

Chemischer Treibstoff

1.237 kg (rein chemisch als Vergleich: 1.968 kg)

Ionentreibstoff:

251 kg

Tank

51 kg

Solarzellen

363 kg

Triebwerke

44 kg

Summe:

709 kg

Optimierungen

Das Gewicht ist größer als die 651 kg die wir durch Einsparen von chemischem Treibstoff gewonnen haben. Allerdings geht diese Rechnung von einem konstanten Gewicht aus. In Wirklichkeit ist es durch Verbrauch des Ionentreibstoffs zu Missionsende um 251 kg kleiner. Das spart 89 kg Treibstoff ein. Weiterhin habe ich nicht berücksichtigt, das natürlich auch beim chemischen Treibstoff Trockenmasse, nämlich die Tanks, eingespart werden. Bei einem Strukturfaktor von 11 spart dies weitere 74 kg ein. So hat man in der Summe noch eine kleine positive Marge von 105 kg.

Dabei ist dabei vieles noch nicht optimiert. Der Wirkungsgrad der japanischen Triebwerke liegt z.B. deutlich unter dem von anderen Typen, die ich kenne. Würde Japan Triebwerke von Boeing oder Airbus einsetzen, dann könnte man an der installierten elektrischen Leistung einiges einsparen die am meisten Masse ausmacht. Auch diese Stromversorgung müsste man nicht so hoch dimensionieren, denn sie ist ja für die maximale Distanz ausgelegt. Arbeitet man dort nicht mit voller Leistung, so kann man sie kleiner dimensionieren. Auslegt auf mittlere Marsentfernung spart man 18 % des Gewichts ein, da der Mars eine sehr elliptische Bahn hat.

Bei drei Triebwerken errechnet sich eine Betriebsdauer von 7.746 Stunden. Das ist deutlich unterhalb der Designlebensdauer von 10.000 Stunden als Minimalanforderung für Ionentriebwerke (es gibt auch Typen die für 15.000 oder 20.000 Stunden Betrieb qualifiziert sind). Da sich die Mission verlängern wird und dies nur um ein Startfenster (26 Monate) geht, stehen 18.720 Stunden zur Verfügung. Die Ionentriebwerke würden also weniger als der Hälfte der Zeit arbeiten. Man könnte so den gleichzeitigen Betrieb auf zwei Triebwerke reduzieren, hätte immer noch rund 3000 Stunden übrig und könnte das Stromversorgungssystem um ein Drittel verkleinern, was weitere 121 kg einspart.

Ideal wäre ein neuer Triebwerkstyp ausgelegt auf die Mission. Für eine Betriebsdauer von 500 Tagen errechnet sich als optimaler spezifischer Impuls etwa 44.500, den weist z.B. das RIT-XT auf. Dann würde (ohne redundante Triebwerke) das Ionenantriebssystem 425 kg anstatt jetzt 709 wiegen. Das erhöht die Marge auf 226 kg.

Weiterhin braucht man auch chemischen Treibstoff für die Probennahme – so klein die Körper auch sind, sie sind noch zu groß, um nur mit Ionentriebwerken zu landen und wieder abzuheben. Bei 100 m/s sind dies aber maximal 106 kg, wenn ich davon ausgehe, das dies rein mit Hydrazin-Kaltgastriebwerken (spezifischer Impuls 2200 m/s) erfolgt. Sofern die Kapsel also nicht mehr als etwa 120 kg wiegt, sollte so eine zweite Bodenprobenentnahme möglich sein.

Fazit

In der Summe wäre es möglich und es brächte mit Proben von Deimos und dessen besserer Erkundung einen Mehrwert. Deimos, der auch bei der MMX Mission ein „Verlierer“ ist, denn er wird nur durch Vorbeiflüge aber nicht wie Phobos aus der Nähe erkundet, von einer Bodenprobenentnahme ganz zu schweigen würde sehr davon profitieren.

Als Nachteil verlängert sich die Mission um zwei Jahre, ein Startfenster zum Mars. Angesichts dessen das Raumsonden heute sehr viel länger leben als ihre Mindestlebensdauer sehe ich dies nicht als Nachteil an. Akatsuki, die japanische Venusmission verpasste z.B. das Einschwenken in den Venusorbit und holte dies fünd Jahre später nach. Die Mission sollte ursprünglich 4,5 Jahre dauern und ist nun seit 11 Jahren in Betrieb, selbst mit der Verzögerung wurden inzwischen die vier Jahre im Venusorbit übertroffen.

Eventuell kann man die Zeit in der die Ionentriebwerke arbeiten auch nutzen um einen Teil der Experimente zu betreiben und den Mars zu beobachten. Das hängt natürlich von deren Auslegung ab. Drei Experimente sind nicht auf die direkte nähere Umgebung von Phobos ausgelegt, sondern Fernerkundungsexperimente zwei Kameras und ein IR-Spektrometer. Sie könnten auch auf den Mars gerichtet werden, wenngleich wegen der Auslegung der Mission auf die Erkundung Phobos aus nächster Nähe die Auflösung bei Mars dann recht grob ist.

5.6.2021: Meinungsfreiheit im Internet

Aufhänger für meinen heutigen Blog war eine Mail, in der ich aufmerksam gemacht wurde, das Posts die in einem Forum auf mich verweisen konsequent gelöscht werden und ob ich das wüsste. Ja weiß ich und auch das die Begründung erlogen ist, denn ich habe nie gesagt, dass man dort nicht auf mich verweisen kann. Vor einigen Jahren war es so das Kommentare in meinem Blog auf Posts dort verweisen und ich zu diesen Posts dazu in meinem Blog sagen sollte und ich sagte das ich das nicht mache, auf jeder Plattform soll man über die dortigen Beiträge diskutieren, also in meinem Blog über meine und dort über die Posts der User dort. Nebenbei steht in diesem Forum an anderer Stelle, dass mein Wille ja völlig irrelevant für dieses Forum wäre.

Bevor nun einer „Zensur“ schreit – das ist ihr gutes Recht und welche Begründung sie haben, ist auch völlig wurst, denn es ist ihre Plattform und ich habe hier auch schon Kommentare gelöscht, wenn sie beleidigend waren. Das waren in der ganzen Zeit des Blogs aber nicht mal eine Handvoll, woraus ich entnehme, das hier sich wesentlich gesittetere Leser tummeln als in anderen Stellen des Internets. Wenn man es genau nimmt, wird in meinem Blog sogar massiv gelöscht – automatisch wird Spam ausgefiltert. Das ist so viel das ich da seit Jahren nicht mal drüber gucke. Bisher gab es 18.715 freigegebene Kommentare, aber über 260.000 automatisch gelöschte.

Websites, Plattformen, Foren oder Gästebücher im Internet sind keine Medien in denen Meinungsfreiheit herrscht, wie sie nach dem Grundgesetz geschützt ist. Denn wie jedes Grundrecht geschützt ist, so gibt es auch Einschränkungen, wie wir bei den Einschränkungen der Grundrechte durch Coronamaßnahmen sehen. Das ist eher vergleichbar einer Zeitung, wo es ja auch keine Verpflichtung gibt, jeden Leserbrief zu veröffentlichen. Nur merkt das dort der Briefschreiber nicht wenn ein Post erst da ist und dann wieder weg und es gibt ja in einer Zeitung auch wirtschaftliche Gründe – es gibt dafür vielleicht eine Spalte und man kann gar nicht alle Leserbriefe veröffentlichen.

Ich habe mal eine Vorlesung Internetrecht besucht und der Dozent dort hatte einen einprägsamen Vergleich. Wer im Internet auf einer Website, die nicht seine eigene ist, etwas veröffentlicht macht in etwa das gleiche, wie wenn er an ein fremdes Haus einen Zettel anheftet. Da muss er sich nicht wundern, wenn der entfernt wird. Im Prinzip ist jede Website eine private Veröffentlichungsplattform und damit hat der Betreiber dort die Meinungshoheit. Gefällt einem die Veröffentlichungspolitik nicht, so muss man eben die Konsequenzen ziehen und dort nichts mehr veröffentlichen. Ich habe in dem obigen Forum noch einen Account, benutze den aber nur für eine bequemere Suche und habe seit Jahren nichts mehr dort gepostet.

Erstaunlicherweise tun sich die großen Plattformen sehr schwer, Dinge zu löschen. Das kam ja schon vor Jahren in die Diskussion. Los ging das, bei der US-Wahl 2016, als massiv bei Facebook sich pro Trump oder besser Anti-Clinton Posts häuften, und sehr bald der Verdacht aufkam, dass sie von russischen Trollen stammten. Das ist sogar schlimmer als die Hasskommentare, die heute bei uns in der Diskussion sind. Denn anders als bei diesen fallen auch vernünftig denkende Menschen drauf herein, wenn viele unterschiedliche Menschen über angebliche Verbrechen Clintons berichten, sofern sie nicht maßlos sprachlich übertreiben.

Inzwischen ist es nicht nur so, dass gängige Medien mit rassistischen, beleidigen oder Hasskommentaren überflutet werden, wenn einer Gruppe, die dort vertretene Meinung oder auch nur Nachricht nicht gefällt, inzwischen können sich diese in eigenen Gruppen organisieren, wo sie unter sich sind und ihre eigene Welterklärung pflegen können. Erst kürzlich hat Youtube einen Kanal der Querdenker gelöscht, nachdem sie ihn zuerst gesperrt hatten. Als dann die Betreiber einfach einen neuen aufmachten kam die Löschung. Zuerst habe ich gedacht „na ja es bessert sich was“. Auf der anderen Seite, seit Ende Dezember wird die Bewegung landesweit (in BW) und seit Ende April auch bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet. Also „schnell“ reagiert ist etwas anderes.

Es tun sich die Plattformen recht schwer Inhalte zu löschen, sodass inzwischen dafür sogar ein eigenes Gesetz verabschiedet wurde, aber das wäre gar nicht nötig gewesen, haben die Betreiber doch das Recht mit dem was fremde auf ihren Plattformen hochladen zu machen, was sie wollen. Man sieht dies an den bei vielen Plattformen eingebauten Filter für „sexuell anstößige Inhalte“. Das sind durchaus keine Filter die Kinderpornografie oder nur Pornografie, egal ob hart oder soft löschen. Da reichen schon zu freizügige Bilder aus. Bekannt ist das plattformübergreifend Fotos mit Nippeln zensiert werden. Ganz egal in welchem Zusammenhang. Auch stillende Mütter werden zensiert. Manchmal geht das noch weiter: Apple kam vor einigen Jahren in die Schlagzeilen, weil es sogar Aldi-Prospekte zensierte, dabei kann ich mich nicht erinnern dort jemals jemand barbusig gesehen zu haben. Aber Achselhöhlen scheinen auch schon auszureichen. Es wurde darüber ja schon gewitzelt das Nippel einfach viel bedrohlicher als Nazis, Verschwörungstheoretiker und Co sind – es gibt schließlich alleine bei Frauen rund 7 Mrd. davon.

Während es also keine Probleme macht, seit Jahren bei Bildern einen recht zuverlässigen Filter einzusetzen, der ja erst die Information, was das Bild darstellt, aus Millionen von Pixeln herauslesen muss, tun sich die Betreiber schwer, Text der vom User eingestellt wurde auf Fehlinformationen oder strafbare Inhalte zu untersuchen. Das sollen angeblich Angestellte erledigen, die sich dann beschweren das die Richtlinien sehr eng gezogen werden.

Warum geht das nicht auch automatisch? DeepL zeigt das heute Übersetzungen recht gut möglich sind, auch bei Fachtexten. Für das Übersetzen muss aber der Sinn der Sprache erkannt werden, das geht nicht einfach wortweise, zumal viele Wörter auch mehrere Bedeutungen haben. In der deutschen Sprache ist das Wort mit den meisten verschiedenen Bedeutungen „Läufer“. Das kann z.B. ein Teppich, eine schnell gehende Person oder eine Schachfigur sein. So müsste man entsprechende oPsts die ja auch immer eine besondere Sprache mit vielen Schimpfwörtern und adjektiven haben, leicht erkennen können. So kann man Hetzposts auch von anderen unterscheiden, in denen ein Thema einfach nur neutral diskutiert wird und in dem dann Begriffe wie „Nazi“ auch vorkommen können. Gegen Tricks wie Abkürzungen oder Zahlenkombis wie „18“ als Äquivalenz zu „Ah“ (Nummer des Buchstabens im Alphabet) das dann wiederum für „Adolf Hitler“ steht helfen relativ einfache Wörterbücher, in denen diese Begriffe abgelegt sind und gegenüber zufälligen Erwähnungen wie eine Diskussion ob das Erwachsenenalter von 18 Jahren herab- oder heraufgesetzt werden sollte hilft der Kontext, der dann ja andere Schlagworte dieser Szene nicht enthält. Kurz: ich sehe durchaus die Möglichkeiten so etwas automatisiert zu löschen und dann können sich Menschen nur um die Posts kümmern, die grenzwertig sind, grenzwertig in dem Sinne das eine Software ja auch feststellen kann wie stark bestimmte Merkmale oder einfach wie oft bestimmte Worte dort vorkommen und die Beiträge, die nahe an einer "natürlichen Verwendung" liegen kann, man dann durch Personen untersuchen lassen.

Allerdings scheint man in der Hinsicht nicht sehr weit zu sein. Diese Seite, in der ich meinen Beitrag zur Diskussion über Prostitution gebracht habe, hat mir einen Monat Blockierung bei Adsense eingebracht. Seitdem deaktiviere ich die Adsense Anzeigen vorbeugend bei fraglichen Seiten. Mal sehen ob die Erwähnung von Adolf Hitler in dieser Seite auch schon ausreicht.

Das Argument das Facebook & co nichts dagegen tun ist ja immer, dass sie an der Werbung mitverdienen und die eben auch bei solchen Threads präsentiert wird. Mir leuchtet das nicht ein. Ich empfinde die meisten dieser Leute als engstirnig und das dehnt sich doch meist auch auf das Konsumverhalten aus. Ich würde erwarten das man solchen Leuten wenig verkaufen kann das jenseits dessen liegt was sie schon bisher kaufen. Daneben verschreckt das sicher auch den einen oder anderen User. Wahrscheinlich aber zu wenige, denn sonst hätten die Plattformen trotz zum Teil sehr fragwürdigem Umgang mit den angehäuften Daten nicht so viele Nutzer und die Zahl der Nutzer wäre rückläufig. Meistens aber sind es nur faule Ausreden. Instragramm redet sich damit raus, das sie gar keine Plattform wären, sondern nur ein Messenger.

Im Prinzip aber liegt es eben doch an den Nutzern. Klar, Leuten, die einer bestimmten Ideologie oder Vorstellung anhängen und den harten Kern dieser Szene bilden, wird man nicht beikommen können, aber alle anderen sollten eben mal ihren Verstand einschalten und auch sich woanders informieren. Im Netz scheint vieles was im Alltag gut als Kontrollinstrument funktioniert, irgendwie außer Kraft gesetzt sein. Es fehlt einfach das soziale Feedback. Da gibt es keinen Menschen, den man kennt und vertraut der sagt „das ist völliger Unsinn“. Es fehlt auch die eigene Selbstkontrolle. Ich habe mal gehört das eine Promi (Name leider entfallen) sich mal die Mühe gemacht hat einige der „Hater“ persönlich aufzusuchen, die bösen Kommentare über sie verbreitet haben. Angesicht zu Angesicht sieht die Sache dann anders aus. Man traut sich im Netz Dinge zu sagen, die man in einem persönlichen Gespräch nie sagen würde.

Idealerweise informiert man sich überhaupt nicht auf Facebook und Co, denn schlussendlich sind das nur Plattformen für Personen und Interessensgruppen. Aber dazu muss man schon mal widerstehen, sich bei diesen sozialen Medien anzumelden. Facebook ist ja als Datenkrake bekannt und das hat trotzdem nur wenige gehindert, sich dort registrieren zu lassen. Mehr noch: selbst Medien, die ja eigentlich deswegen kritisch sein sollen, schreiben öfters „Diskutieren sie bei Facebook mit“. So wertet man den Dienst auf.

Gut ich habe leicht reden, weil ich etwas anders ticke als die anderen. Mir ist die Meinung der meisten Menschen egal, außer denen die ich gut kenne oder die ich respektiere bzw. als wichtig erachte. Ich informiere mich meistens über etablierte Kanäle, suche meistens nach Originalquellen, weil sie weiterführende Informationen haben. Und wenn ich was zu sagen habe dann meistens nicht in einigen Worten und ich publiziere es dort, wo ich die Meinungshoheit habe – auf dieser Website. Entsprechend bin ich nicht bei Facebook, nicht bei Instagram noch sonst wo, außer bei Twitter aber das habe ich auch nur mal ausprobiert und schon seit Langem nicht mehr aktiv.

Ich denke wenn die Leute einen Kompromiss zwischen einem solchen Meiden einer Plattform und dem ausschließlichen Informieren über Kanäle der Plattform finden und eben sich auch woanders informieren, dann ginge von diesen nicht die Gefahr aus die sie heute haben

Die Politik schießt dagegen sehr gerne übers Ziel hinaus in dem Bestreben gerade Leuten den Mund zu verbieten sie sie als bedrohlich ansieht – Wutbürger, Coronaleugner, radikal eingestellte. Ich kann mich noch gut daran erinnern wie vor zwei Jahren Kramp-Karrenbauer nach Rezos Video „Die Zerstörung der CDU“ forderte das Youtuber wie Journalisten behandelt werden müssten. Das Pikante dabei war ja das Rezo alles in dem Video belegen konnte – es war so viel das er alle Quellen nicht mal, wie sonst unten jeweils einblenden konnte und natürlich das gesagte wahr war. Viel mehr kann man von einem Journalisten auch nicht erwarten, nur sind die eben selten so deutlich in der Wortwahl. Entsprechend warten wir immer noch auf Phillips anthors Antwortvideo, das er gedreht hat, aber nie veröffentlicht, weil man ihm davon abriet.


 

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