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Web Log Teil 63 : 20.5.2008-26.5.2008

Dienstag 20.5.2008: 3 Millionen Besucher

Ein paar Dinge bewegen mich heute mal etwas mehr über die Website zu schreiben. Zum einen kommen nun ein paar Jubiläen. Der Blog wird am 14.6. also in knapp 3 Wochen genau 2 Jahre alt. Etwa um den gleichen Dreh herum wird die Website den 3 Millionsten Besucher (und ich rede von Besuchern im Sinne von unterschiedlichen IP's, nicht PageViews) begrüßen können und in weiteren 2 Monaten, so ende August wird die Website 10 Jahre alt.

Hätte mir jemand vor 10 Jahren gesagt, dass ich solchen Erfolg damit habe, ich hätte es sicherlich nicht geglaubt. Inzwischen gehen auch die meisten Besucher auf den raumfahrtteil, vor 2 Jahren war der Computerteil noch der meist besuchteste.

Ich habe mir nun etwas überlegt. Der 3 Millionste Besucher der Webpage bekommt von mir ein Exemplar "Das Gemini Programm. Technik und Geschichte" umsonst. Wahlweise entweder original verpackt oder mit persönlicher Widmung. Bei GoWeb, von denen ich den Counter seit Anbeginn habe, habe ich ein Event hinterlegt, das ausgelöst wird, wenn die Zahl 3000000 erreicht wird. Der Besucher bekommt dann ein Passwort angezeigt, das er mir mailen muss.

Das nächste ist, das ich nun weniger Werbung auf der Seite habe: Die Layer Werbung bleibt, aber die Banner Werbung ist nun  beschränkt auf maximal 2 Banner pro Seite.  Der Grund ist dass die Preise pro Klicks rapide gesunken sind. E-Bay lohnt sich bei einem Cent pro Klick (vorher 15) nicht mehr. An dieser Stelle auch die Bitte, bei Interesse auch mal die Layer Werbung anzuklicken. Man kann mit ihr derzeit recht gut DSL Angebote vergleichen.

Bei Amazon schaue ich nicht nur rein, um zu sehen ob jemand was bestellt hat (seit meinem eigenen Buch sogar noch öfters) sondern auch was die Leute bestellt haben, und was Sie so sonst noch angeschaut haben. Da kommt man Links auf gute Produkte und Bücher die ich so nicht so schnell gefunden hätte. Bislang kann ich den Besuchern meiner Webseite, die etwas bestellt haben, auf jeden Fall einen exquisiten Geschmack und fachliches Wissen bescheinigen.

Eines machte mich aber stutzig:  Das Raketentypenbuch von Eugen Reichl. Es soll auf 300 Seiten eine ausführliche Beschreibung aller Trägerraketen sein. Nun ja, ich habe eine Website darüber und ich weiß wie mühsam es ist, die Informationen dazu zusammenzutragen. Da wundert es einen schon wenn da so aus dem Nichts so ein Buch erscheint. Insbesondere macht mich der erste Kommentar beider Besprechung stutzig, der von vielen Rechtschreibfehlern spricht. Wie allgemein bekannt ist, gehört Rechtschreibung und Grammatik nicht zu meinen Stärken. (Einige Leute schließen daraus auch auf mangelnde fachliche Qualifikation und nicht vorhandene Intelligenz. Ich hätte die Aufgabe ja gerne an einen Deutschlehrer übertragen, nur habe ich keinen Germanisten gefunden, der etwas von Raumfahrt versteht). Das erweckt in mir den Eindruck als hätte sich da jemand an meiner Website bedient. Es wäre nicht das erste Mal. Ich habe schon einmal einen Ausschnitt aus einem Buch zugesandt bekommen, der weitgehend ein umgeschriebener und gekürzter Beitrag von mir war. Die Spitze des Plagiats war aber die identische Übernahme von Artikeln in ein Buch der Fachhochschule Aachen: das Lehrbuch "Raumfahrtantriebe". (Ich hätte nie gedacht dass ich ein Lehrbuch für ein Fach schreiben könnte, das ich nie studiert habe).Aber zurück zu dem Raketentypenbuch: Hat das jemand gelesen? Ich wäre über eine Rückmeldung dankbar, wenn hier kopiert wurde.

Im Allgemeinen hat sich das Kopieren von Webinhalten sehr verbessert. Nachdem das früher gang und gäbe war, bekomme ich nun praktisch jede Woche eine Anfrage ob man Material von mir für Facharbeiten, Seminararbeiten oder Vorträge nutzen kann. Diese bejahe ich auch immer. Ich habe nur etwas gegen Webseiten, die Inhalte kopieren oder Buchautoren die sich die Schreibarbeit ersparen. Ich denke dass inzwischen auch bei Lehrern und Dozenten das Wissen vorhanden ist, eine kopierte Arbeit zu erkennen: Man muss in der Regel nur einen markanten Satz mit Anführungszeichen in Google eintippen. Sie können das leicht mit einem beliebigen Satz aus meiner Website ausproben. Ab 4 Worten müssten sie praktisch nur meine Website als Antwort bekommen. Eintippen von "Ihren Namen erhielt die Rakete von den Satelliten" wird z.B. den Proton Aufsatz hervorzaubern.

Ansonsten zeigt meine neue Politik: "Weniger Ablenken lassen" mehr Früchte, und nachdem ich letzte Woche den Energija Aufsatz online stellte, folgte bald darauf die Kritik der neuen Calgon Werbung. Ende der Woche ist mit einem Aufsatz über TDRSS zu rechnen und nächste Woche vielleicht über die OSO Satelliten. Dazu kommt noch ein Aufsatz über die Gewinnung von Bodenproben auf dem Mond mit zeitgemäßen Mitteln, praktisch als Alternative zu Ares/Orion, denn ich aber nicht extra angekündigt habe, weil er in die Rubrik "technische Spinnereien", ein Hobby von mir zu überlegen was möglich wäre, fällt.

Was es nicht geben wird: Ein Redesign der Website. Ich habe zwar immer wieder mal drüber nachgedacht, doch es scheitert im wesentlichen an der Menge der Artikel. Es sind derzeit 767 mit den Index Seiten (also den Seiten die nur Links auf Untergruppen enthalten) und die Artikel sind natürlich miteinander verknüpft und Bilder sind eingebaut. Das kann man zwar alles konvertieren, doch die Frage ist wie viel Zeit man dafür braucht. So müssen Besucher eben auch weiterhin mit dem Design leben. Ansonsten bin ich recht zufrieden. Als ich vor nahezu 10 Jahren anfing nahm ich mir vor im Mittel eine Seite pro Woche neu zu machen. Das wären nun etwa 510 und bei 767 liege ich gut drüber. Ich glaube das nächste Jubiläum feiere ich bei Seite 800.

Ach ja, warum ich heute die Website als Thema genommen habe. Ursache war folgende Mail die ich bekam:

"Hallo Herr Leitenberger,

Ich möchte Sie um einen Gefallen bitten, und zwar, bei dem Eintrag, den ich am 26. März 2004 in Ihrem Gästebuch gemacht habe, den Link auf die nicht mehr existierende Homepage zu löschen."

Wau! Was für ein Gedächtnis! Der Link ist übrigens gelöscht....

Donnerstag 22.5.2008: Toleranz

Seit ich vor ein paar Wochen mit einer Erkältung für eine Woche außer Gefecht war, schaue ich regelmäßig die Sendung "Frauentausch" auf RTL2 an. Das ist eine dieser "Doku" Soap Sendungen: Zwei Familien tauschen für 10 Tage ihre Mütter oder Frauen. Es gibt dann noch ein paar Dinge um das ganze etwas komplizierter zu machen aber das ist es im wesentlichen.

Das eigentlich nichts besonders. Das Besondere liegt darin, dass sich die Redaktionen völlig unterschiedliche Familien aussuchen. Da tauscht eine arbeitende Frau die sich von ihrem Ehemann bekochen lässt und im Luxus lebt mit einer Hartz alleinerziehenden IV Empfängerin und 5 Kindern. Eine Frau aus einem bürgerlichen Haushalt tauscht mit einer Zirkusfamilie. Ein Putzteufel mit einer Familie die in einem Bretterverschlag in nicht gerade hygienischen Verhältnissen lebt. Dazu gibt es noch die Variationen mit dem Alter, wenn z.B. eine Junge Mutti in einen Haushalt kommt in dem alle Kinder älter sind als sie.

Kurzum: Konflikte sind vorprogrammiert, dazu kommen noch persönliche Animositäten, Eifersucht, Paschatum, Choleriker. Darin liegt der Reiz der Serie, denn jeder wartet dann doch eigentlich darauf das es irgendwann kracht. Ich denke der Schlüssel für die Personen die dort beteiligt sind ist Toleranz. Wenn man die Sendung schon einmal gesehen hat weis man ja was auf einen zukommt. Anders als in vielen anderen Situationen weiß man dass diese 10 Tage lang dauert, man weiß das man mit einem anderen Lebensstil zu tun hat und es sind Fernsehkameras dabei.

Man kommt in eine fremde Familie. Dort gibt es andere Regeln, man hat es mit fremden Personen zu tun und vor allem mit einem anderen Lebensstil, für die vielleicht andere Dinge wichtig sind oder es schlicht und einfach finanzielle Restriktionen gibt. wer realistische Erwartungen an dieses Experiment hat weiß, dass man in so kurzer Zeit nichts in der fremden Familie  bewegen kann. Man kann in der anderen Familie vielleicht vermitteln wie es in der eigenen Familie läuft, Impulse für Änderungen geben, aber man wird die Leute nicht in dieser Zeit ändern. Da dies noch unter Fernsehkameras geschieht würde ich es wohl mit dem Motto halten "Klappe halten und Durch".

Doch das ist leicht gesagt. Ich glaube jeder hat empfindliche und neuralgische Punkte bei denen er persönlich so stark involviert ist, das er nicht mehr objektiv entscheiden kann und sich einfach darüber aufregt. Bei mir ist derzeit etwas was von den Fakten her eine Kleinigkeit ist, bei dem ich nicht einmal direkt betroffen bin. Das Problem das ich habe ist dass ich die Verursacher des Problems gut kenne und ihr Verhalten nicht gut heißen kann und die Person kenne die betroffen ist. So gesehen sitzt man zwischen den Stühlen und die Diskussionen werden dann rasch persönlich. Und ich denke das ist das Problem: Jeder hat einen Punkt oder eine Schwelle, ab der fällt es nur sehr schwer rational mit einem Thema sich auseinandersetzen.

Meine Beobachtung bei Frauentausch ist übrigens, dass viele Familien die man als "bürgerlich" beschreiben könnte erheblich toleranter sind als die Familien die in "Alternativen Lebensformen" leben. Seien es Gruftis, Rocker, Zirkusleute oder Menschen die in einer Holzhütte leben. Sie bezeichnen fast alle die "normalen" Verhältnisse als "spießig" und implizieren damit dass diese zu wenig Toleranz haben und sie ausgrenzen. Doch gerade anders rum wird ein Schuh draus. Nur 10 Tage "spießige" Lebensweise ist zu viel für diese Leute.

Schon jetzt möchte ich auf die Landung von Phoenix am 25.5.2008 hinweisen. Geplanter Landezeitpunkt ist 4:53:52 p.m PDT, das 1:53:52 am 26.5.2008 in Deutschland. Wer also nicht aufbleiben will, wird es am Morgen in den Nachrichten erfahren. Die NASA hat natürlich einen Landezeitpunkt gewählt der publikumswirksam für die USA ist, also Sonntag am frühen bis späten Nachmittag. Das ist durch Wahl der Bahn recht gut möglich. Immerhin: Bis deutsche Zuschauer aufgestanden sind dürfte es bereits erste Bilder geben - wenn die Landung glückt. Bisher ist hier ja die Erfolgsbilanz noch etwas gemischt. Nach den recht schlecht vorbereiten Flügen der Sowjets gab es ja auch in den letzten Jahren zwei Fehlschläge mit Mars Polar Lander und Beagle 2.

Freitag 23.5.2008: Wie es bei der Energiekrise weitergeht

ErdaufgangIch habe an dieser stelle mich schon öfters darüber ausgelassen, wo es möglich ist, fossile Energie durch regenerative zu ersetzen und wo nicht. Ich glaube aber das keines der Szenarien die ich entwickelt habe, eintreten wird. wir leben in einer Marktwirtschaft und weltweit in einer rein kapitalistischen Marktwirtschaft. Das bedeutet, dass man eine Energieform solange nutzt wie sie vorteilhaft ist. Bei steigendem Energiepreisen werden regenerative Energien nur dann eingesetzt werden, wenn sie mit anderen Energieformen konkurrieren können. Was also wird passieren?

Wenn der Erdölpreis weiter steigt, so wird man einfach auf andere Energieformen umsteigen. Gas ist noch preiswerter und bei einem genügend hohen Preisunterschied kann es lukrativ sein, aus Erdgas synthetisches Erdöl durch katalytische Dehydrierung herstellen. Das ist energieaufwendig und so keine gute Lösung. Der einzige Vorteil dabei ist, dass man als Nebenprodukt Wasserstoff gewinnt, den man in vielen Bereichen einsetzen kann. doch dazu später mehr.

Es dürfte aber nur eine kurzzeitige Lösung sein, denn auch der Erdgaspreis steigt und das Vorkommen von Erdgas ist auch begrenzt. Begrenzt ist auch Kohle. Allerdings gibt es davon viel mehr als Erdöl. Kohle könnte über mehrere Hundert Jahre, je nach Schätzung sogar Jahrtausende reichen. Bis vor einigen Jahrzehnten war Kohle verbreitet für die Heizung. Das könnte wieder kommen. Strom wird heute schon zu einem guten Teil aus Kohle gewinnen. Es werden zwar neue Kernkraftwerke propagiert, doch auch Uran wird schwerer abbaubar. Die erzreichen Vorkommen sind schon weitgehend erschöpft. Die Aufarbeitung von Uran ist sehr energieintensiv und Strom wird sich bald nicht mehr so preiswert wie bisher mit Uran erzeugen lassen. Natürlich gibt es noch die Lösung Brennstoff mit einem Brutreaktor zu erzeugen. Doch anders als moderne Hochtemperaturreaktoren haben Brutreaktoren nach wie vor Probleme: Sie sind nicht so sicher und es entstehen noch mehr radioaktive Abfallprodukte.

Kohle kann Strom erzeugen und verfeuert werden. Doch wie kommt man zu Benzin, Kunststoffen, den ganzen Vorprodukten der petrochemischen Industrie? Nun man kann Kohle hydrieren und damit synthetische Kohlenwasserstoffe erzeugen. das Verfahren der "Kohleverflüssigung" ist nichts neues. Die gesamte deutsche Treibstoffproduktion im zweiten Weltkrieg erfolgte so. Es hat nur einen Nachteil: Es ist ineffizient. Um zum Beispiel den einfachsten Kohlenwasserstoff Methan zu erzeugen muss man glühende Kohle mit überhitztem Wasserdampf umsetzen. Nach zwei weiteren Schritten erhält man:

2C + 2 H2O -> CH4 + CO2

Man verbrennt also die Hälfte der Kohle um Methan zu erzeugen. Hat man den Wasserstoff schon aus einer anderen Quelle, so vereinfacht sich das Verfahren, man braucht aber in jedem Fall viel Energie, da alle Reaktionen nur bei hohen Temperaturen stattfinden. Das Verfahre emittiert also mindestens die doppelte Kohlendioxydmenge wie eine direkte Nutzung von Erdöl. Nicht gerade das was man sich von einem Ersatz erwartet. Nach einer Abschätzung ist die Kohleverflüssigung attraktiv, wenn der Erdölpreis langfristig über 70 Dollar/Barrel liegt. das ist heute gegeben. Es ist daher zur rechnen dass man bald anfangen wird solche Anlagen zu bauen. das dürfte dann immerhin den Preisanstieg bei Erdöl bremsen.

Heute schon lukrativ ist es Pflanzenöl zu tanken. Pflanzenöl hat 80 % der Energie von Diesel, kostet mit 76 ct/l beim Supermarkt aber weniger (ich nehme an in größeren Mengen noch weniger). Ältere Diesel vertragen es ohne Probleme, größer Diesel (wie bei Schiffen oder Maschinen) sowieso. Sofern unsere Bundesregierung nicht auf die Idee kommt dann auch 90 ct Steuer draufzuschlagen werden mehr und mehr Leute  Öl tanken. Das Problem: Es gibt viel zu wenig Anbaufläche. die ganze Agrarfläche Deutschlands wird nicht ausreichen um den Ölbedarf für Diesel zu decken. So wird man in der Dritten Welt noch mehr Urwälder roden um noch mehr Ölpalmen für die Treibstoffproduktion anzubauen - also genau das Gegenteil von dem was für das Klima gut wäre.

Das gilt auch für die Nutzung von Pflanzen als Energiequelle im Allgemeinen. Will man es nachhaltig betreiben, dann kann man nur so viel entnehmen wie nachwächst. Das limitiert den Einsatz von Holzpellets genauso wie den Anbau von Pflanzen zur Treibstoffproduktion oder (besser, da viel höherer Flächenertrag) Pflanzen die man thermisch verwertet also verbrennt). Das geht nur auf einem Teil der Nutzfläche, weil man wie bei anderen Kulturen die Probleme von Monokulturen und Auslaugung des Bodens hat wenn man nicht öfters die Fruchtfolge wechselt.

Doch selbst mit optimaler Ausnutzung von nachhaltigen Rohstoffen wird man niemals den heutigen Energiebedarf decken können. Dazu verbrauchen wir einfach zu viel. vergleichen wir unseren Energieverbauch mit Regionen in denen es noch kaum Industrie auf der Erde gibt, so ist es mindestens das 10 fache was diese Regionen verbrauchen. Jeder sollte nur einmal vergleichen wie viel Heizöl und Benzin er im Jahr verbraucht und wie viel Öl er zum Braten und Kochen braucht.

Ich denke aber das wir einfach wechseln werden. Bei der Heizung von Gas und Öl auf Pellets oder Kohle - Kohle ist zwar durch Chinas Energiehunger auch teurer geworden, kostet aber im Welthandel 4 mal weniger als heute Öl. Es wird eben wieder die Kohleheizung Einzug halten. Wahrscheinlich wird man nun auch mehr dran denken Energie effizient zu nutzen durch gekoppelte Strom/Wärme Erzeugung. Vielleicht wird man dann endlich mal daran gehen den öffentlichen Personennahverkehr konkurrenzfähiger zu machen und Bahnstrecken ausbauen anstatt zu schließen. Solarkraftwerke werden gebaut werden, aber nur die vorhandenen Raftwerke ergänzen. Aber ich rechnen nicht mit einem grundlegenden Wandel.

Sonntag: 25.5.2008: Flash Speicher

Jeder der eine Digitalkamera hat oder einen USB stick weiß es: Flash Speicher wird rapide billiger, anders als normales RAM. Zuletzt sah ich bei ALDI eine SD-Karte mit 2 Gigabyte für 7,99 Euro. Es gibt inzwischen auch Laufwerke mit Flash Speicher in einem normalen 1.8 Zoll oder 2.5 Zoll Gehäuse und SATA Schnittstelle. Doch diese sind mit Preisen von 500-700 Euro für 32 GByte und 2650 Euro für 128 GByte noch sehr teuer.

In der Raumfahrt wo der Preis keine Rolle spielt ist Flash Speicher schon lange im Einsatz. Die Vorteile waren einfach zu naheliegend. Bei bemannten Missionen kann man ja eine Festplatte mitführen, da diese in einem Labor bei 1 Bar Druck und einer gut geschützten Außenhülle arbeitet. Bei unbemannten Sonden kam dies aufgrund der Gefahr des totalen Datenverlustes bei dem Einschlag eines Mikrometeoriten (und bei älteren Typen auch wegen der damals zu geringen Lebensdauer) nicht in Frage. Dort wurden Bandrekorder eingesetzt. Doch diese vertragen nur eine begrenzte Menge an Umspulvorgängen. Bei den meisten OSO Satelliten war der Ausfall des Bandrekorders die Ursache für das Einstellen des Betriebs.

Flash Speicher brauchen wenig Strom (eine 128 GB Solid Disc z.B. nur 2 Watt), sie sind mit hoher Kapazität verfügbar und vertragen höhere Strahlendosen als RAM Speicher, denn man auch als Massenspeicher nutzen kann. So findet man seit Ende der neunziger Jahre immer mehr Flash Speicher in Raumfahrzeugen. Moderne Satelliten haben über 100 Gigabyte Speicher an Bord.

Doch wie sieht es auf der Erde aus? Zugegeben: Flash Speicher haben in den letzten Jahren enorm an Kapazität zugelegt und sind dabei preiswerter geworden. Meinen ersten USB Speicherstick kaufte ich mir vor ziemlich genau 5 Jahren. 128 MByte kosteten damals 43 Euro. Beim gleichen Laden gibt es heute für 30 Euro einen 8 GB Stick. Das entspricht einem Anstieg der Kapazität zum gleichen Preis um 246 % pro Jahr, weitaus mehr als Festplatten oder RAM aufweisen können. Festplatten kleben z.b. seit etwa 1 Jahr an der 1 Terabyte Grenze, werden aber billiger und RAM hat einen Anstieg von 150 % über die letzten 2 Jahrzehnte.

So gesehen werden Flash Speicher sicher noch billiger werden, Prinzip bedingt glaube ich aber nicht, dass sie Festplatten ablösen können. Es sind noch immer Halbleiterspeicher und ihre Herstellung ist teurer als die von Metallscheiben die man mit einem magnetischen Material beschichtet. Die derzeitigen Solid State Disks (SSD) sind auch unverhältnismäßig teuer. Wenn ein 8 GB USB Stick für 30 Euro zu haben ist, so sollte man für 128 GB etwa 480 Euro zahlen - vielleicht 550 wenn man noch eine ausgeklügelte Elektronik dazurechnet die eine SATA Schnittstelle nachbildet und etwas RAM um Schreibzugriffe abzupuffern. Doch nicht 2650 Euro, so viel kostet heute ein 128 GB Exemplar.

Bei diesen ist auch der Vorteil des Flash Speichers nicht voll ausgereizt. Die ct' hat einige Exemplare getestet. Prinzipbedingt ist Flash Speicher langsamer beim Schreiben als beim Lesen. Das lesen erfolgt in etwa so schnell wie bei RAM. Das Schreiben erfolgt dadurch dass man einen ganzen Block einliest, die Daten modifiziert und dann wieder schreib. Das Flashen dauert dabei länger als das normale Lesen. Trotzdem erreicht das getestete Modell beim Lesen und Schreiben die gleiche Datenrate von 100 MByte/s. Das ist zwar genauso viel wie die schnellsten Serverplatten heute liefern, doch bedenkt man dass Flash Speicher schneller werden muss je mehr Bausteine man verbaut (paralleler Zugriff) so ist das vergleichsweise langsam. Die Leserate sollte am oberen Limit der SATA Schnittstelle liegen also bei etwa 300 MByte/s.

Bei den Anwendungsbenchmarks gab es kaum Änderungen, das liegt darin, dass bei den meisten Anwendungen nicht die Festplatte der begrenzende Geschwindigkeitsfaktor ist. 10 % mehr Geschwindigkeit im Alltagsbetrieb sind sicher kein Grund eine SSD zu kaufen. Ein Grund könnte aber die Datensicherheit sein.

Auch wenn Festplatten heute sehr zuverlässig sind, gibt es immer die Gefahr eines Crashs. Bei häufig bewegten Festplatten wie in Notebooks sogar noch eher. (und für diese sind diese SSD gedacht). für den normalen Benutzer ist es aber nicht wichtig die ganze Festplatte zu sichern. Was ist mir wichtig? Es sind zweierlei Daten:

Die erste Gruppe sollte man nach den Windows Richtlinien in dem Verzeichnis "Eigene Dateien" speichern. Die zweite Gruppe landet in "Anwendungsdaten", beides sind vom Benutzer beschreibbare Verzeichnisse im eigenen Profil.

So gesehen ist das schon recht sinnvoll und man kann diese Verzeichnisse heute schon manuell sichern.Nur hat es einen kleinen Haken: Die Struktur unterscheidet nicht zwischen wichtig und unwichtig. Bei den Bildern z.B.: Ich habe sicherlich ein paar Tausend Bilder meiner Digitalkamera. Doch welche sind mir davon wichtig? Ich werde auch gezungen weil es das einzige beschreibbare Verzeichnis ist zusätzliche Komponenten für meine Entwicklungsumgebung die im Quelltext vorliegen dort zu speichern. Im Vergleich zu meinen eigenen Quelltexten machen die en Löwenanteil aus, können aber leicht aus dem Internet wiederbeschafft werden. Bei den Anwendungsdaten: Passwörter, Seriennummern, Verzeichnisse, Optionen, das sind wichtige Einstellungen. Doch ist es der Browser Cache der einige Hundert Megabyte groß sein kann?

Toll wäre ein Unterverzeichnis unter Anwendungsdaten mit der Bezeichnung "Important" und vielleicht eines unter eigene Daten mit der Bezeichnung "Backup". dort sollten nur Dinge landen die wichtig sind und die wichtigsten Einstellungen die man macht. Nun müsste man nur noch auf einem USB Stick oder einer SD-Karte einen Bereich definieren können, der Backups dieser Verzeichnisse aufnimmt und das Betriebssystem sollte beim Einstöpseln dann die Daten automatisch aktualisieren und warnen wenn der Platz nicht ausreicht. Warum gibt es das nicht? Wenn ich an die Computerlaien denke die ich kenne - die alle sitzen ganz dumm da wenn die Festplatte abraucht oder man aus irgendwelchen Gründen nicht mehr an das Verzeichnis rankommt. einen USB Stick in den Slot reinstecken können aber alle. An ein Backup denkt keiner.

Nun ja vielleicht liest dies ein Microsoft Mitarbeiter und wir finden es im nächsten Windows. Ach ja, wie ich bei Amazon gerade sehe gibt es den ersten der 42 Käufer meines Buchs Das Gemini Programm, der sich von ihm trennen will (wer ist das, es droht lebenslanges Besuchsverbot für diese Website ). ob er es aber bei einem Preis von 4.99 Euro plus 3 Euro Versand losbekommt, wenn man es neu für 5,40 Euro, ohne Versandkosten kaufen kann, wage ich zu bezweifeln.

Mars 3Sonntag 25.5.2008: Vor der Landung des Phoenix

Wie schon geschrieben wird heute Nacht Phoenix auf dem Mars landen. wie immer gab es im Fernsehen vorher Berichte darüber, wie viele Landungen bislang scheiterten. Dies waren nicht wenige: Geglückt sind bisher die Landungen von Viking 1+2, Pathfinder, Opportunity und Spirit. Missglückt sind die von Mars 2+3,6+7, Beagle, und Mars Polar Lander.

Die Chancen stehen also nur 5:6. Nicht gerade gut oder? Nun ja. Nur wenn man das Resultat ansieht. Vielleicht erkläre ich einmal warum die bisherigen Missionen scheiterten:

Beagle 2 LasndeortDoch zurück zu den Risiken. Die Landung auf dem Mars gliedert sich in 3 Abschnitte:

Das größte Risiko ist meiner Ansicht nach heute eliminiert: Das unbekannte Terrain. Als Viking landete, gab es Fotos vom Landeort mit 40 m/Pixel Auflösung. Das sagte etwas über die großräumige Geographie des Gebietes aus, nichts jedoch über lokale Unebenheiten und in der Tat landete ein Lander auf einem kleineren Felsbrocken und stand schief und der zweite wäre umgestürzt wenn er nur einige Meter weiter auf einem 1.5 m großen Brocken gelandet wäre. Beide Landeplätze sind übersät mit Felsbrocken.

Die Situation hatte sich bei Mars Pathfinder noch grundlegend geändert. Denn Basis waren dafür immer noch die Viking Aufnahmen. Auch hier sieht man nur einige Meter vom Lander entfernt einen 1 m großen Felsbrocken.

Bei den aktuellen Rovern hatte man schon die Möglichkeit mit der Kamera MOC von Mars Global Surveyor die Auflösung auf 1.5-3 m pro Bild steigern. Entsprechend konnte man für die aktuellen Rover sichere, aber auch weitgehend uninteressante Gebiete aussuchen. Opportunity landete in einer Ebene, gefüllt mit Sedimenten. Es gab Probleme dort überhaupt einen Stein zu finden. Spirit in einer ebene ohne größere Steine, doch Hügeln am Horizont die dann wissenschaftlich interessanter sind. Mehr über die Landschaften in denen die bisherigen Lander niedergingen findet man in meiner Seite über Bilder ferner Welten.

Für Phoenix wurde das Landegebiet mittels der Hirse Kamera auf 0.35 m Genauigkeit erfasst. Sie dürfte daher die am besten vorbereitste Mission sein. Ich denke daher wir werden morgen früh Bilder einer Landschaft ohne größere Steine und Felsbrocken sehen. Sicher aber langweilig.


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