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Web Log Teil 637: 5.12.2021 - 31.12.2021

5.12.2021: Die Dezembernachlese von SpaceX

Nachdem ich die Novembernachlese ausgelassen habe – mangels Substanz - reiche ich heute wieder mal eine Nachlese ein. Der Grund für die ausgefallene Novembernachlese war einfach. Es gab zu wenig Neues. Zwei Starts seit Oktober, beide im November. Der Erstflug des Starships wurde auf Januar/Februar verschoben.

Dann kam just heute diese Meldung über Probleme mit den Raptors. Die brannten bei den bisherigen Flügen der Starship-Prototypen ja schon mal durch oder zündeten gar nicht mehr. Beim Booster wartet man noch auf einen Test aller Triebwerke. Dann mailte Musk an seine Mitarbeiter:

„Unfortunately, the Raptor production crisis is much worse than it had seemed a few weeks ago. As we have dug into the issues following the exiting of prior senior management, they have unfortunately turned out to be far more severe than was reported. There is no way to sugarcoat this.

I was going to take this weekend off, as my first weekend off in a long time, but instead, I will be on the Raptor line all night and through the weekend.“

Also was lernen wir daraus. Als erstes, aber das ist nichts Neues, das Außendarstellung und innerer Zustand von SpaceX sehr weit auseinanderklaffen, man fühlt sich an die Propaganda von Diktaturen jeder Art egal ob monarchistisch, kommunistisch oder sonstwie-istisch erinnert. Nach außen hin läuft alles prima, man hat den HLS Kontrakt, baut Starlink auf, hat dort immer mehr Kunden und Kooperationspartner und steht vor dem Jungfernflug des Starships, intern scheint es schon seit Wochen eine „Produktionskrise“ zu geben.

Wen verwundert es – die Krise ist nicht vorüber, nur weil man das Management gefeuert hat. Entlassen wurde Will Heltsleys, weil es zu wenige Fortschritte gab. Dazu zwei seiner Vizepräsidenten, alle drei waren seit Jahren – 2008,2009 und 2013 bei der Firma. Ein Irrtum das man mit dem Feuern von Managern etwas ändert, ist bei Wirtschaftlern jeder Art weit verbreitet. Was es genau an Problemen gibt, bliebt offen. Ob man Probleme bei der Fertigung hat, ob die Stückzahl zu gering ist oder die Qualität nicht stimmt – das geht daraus nicht hervor. Aufgrund eines zweiten Tweets von Musk scheint er mit dem Triebwerk nicht so zufrieden zu sein, ein Redesign das es fundamental ändert, sei nötig:

„Raptor 2 has significant improvements in every way, but a complete design overhaul is necessary for the engine that can actually make life multiplanetary. It won’t be called Raptor. „

In jedem Falle denke ich nichts wird man erreichen, indem der Chef nun sein Wochenende opfert – will er an der Werkbank stehen? Das hat wohl eher den Charakter, auch alle Mitarbeiter zum selben Schritt zu bewegen:

„Unless you have critical family matters or cannot physically return to Hawthorne, we will need all hands on deck to recover from what is, quite frankly, a disaster.

The consequences for SpaceX if we can not get enough reliable Raptors made is that we then can’t fly Starship, which means we then can’t fly Starlink Satellite V2 (Falcon has neither the volume nor the mass to orbit needed for satellite V2). Satellite V1, by itself, is financially weak, while V2 is strong.

In addition, we are spooling up terminal production to several million units per year, which will consume massive capital, assuming that satellite V2 will be on orbit to handle the bandwidth demand. These terminals will be useless otherwise.“

Also es gibt zu wenige zuverlässige Raptors. Eigentlich bräuchte die Firma ja nur 39 Stück, da ja beide Stufen geborgen werden. Selbst wenn das Bergen mit dem Starship nicht klappt gehen nur sechs Treibwerke verloren, für den ersten Flug ist eine Bergung des Starships zum Beispiel nicht vorgesehen. Wenn man bei inzwischen 20 Prototypen des Starships und mindestens 4 sind für den Orbitaleinsatz geplant und 4 Boostern, nicht mal genügend Triebwerke zusammenbekommt, um die zwei für nächstes Jahr geplanten Starts durchzuführen, dann ist nicht nur wenig im Argen. Es scheint, das die Raketen die so öffentlichkeitswirksam präsentiert werden, alles sind nur nicht flugfähig. Es sind Mokups, mit denen man Fortschritte vermelden will. Die Taktik ist nicht neu und wurde schon im 18. Jahrhundert „Potemkinsche Dörfer“ genannt.

SpaceX wird aktuell mit 100 Mrd. Dollar bewertet und bringt es nicht mal fertig genügend Triebwerke für eine wiederverwendbare Rakete zu fertigen, die also nicht bei jedem Start verloren gehen? Immerhin scheint das Auffordern von Arbeitern darauf hinzudeuten, dass man weiß wie es richtig geht, denn sonst würde das Mobilisieren des Großteils der Belegschaft nichts nützen und man bräuchte nur einige Konstrukteure die sich mit dem Triebwerk auskennen und nicht einen großen Teil der Belegschaft. Wenn für nächstes Jahr nach Musks eigenen Worten nur zwei Starts geplant sind, frage ich mich wofür die Leute dann am Wochenende arbeiten müssen, da scheint doch eine Verzögerung aufholbar.

Das Starlink und Starship so eng verbunden sind, verwunderte mich nicht. Während man bei der Falcon Heavy sich Zeit bis zum Einsatz lies, nachdem sie angekündigt wurde, weil sich raus stellte das es zu wenige zahlende Kunden gab und man sie auch nicht bei der zweiten Generation der Starlink Satelliten einsetzen kann, hat man das Starship gepusht. Für das gibt es noch weniger Bedarf – eben außer dem Firmeninternen. Das ergibt sich aus einer einfachen Rechnung. Insgesamt sollen es rund 42.000 Satelliten werden, rund viermal so viele wie es bisher in mehr als 60 Jahren Raumfahrt gibt und da ein Falcon 9 Start bisher maximal 60 davon befördert hat, bräuchten sie 700 Starts dafür. In drei Jahren haben sie gerade mal 4 % der 42.000 Satelliten gestartet, bei dem gleichen Tempo – und das scheint, da wir zwar einen neuen Rekord dieses Jahr haben, aber nur noch leicht besser als der bisherige Rekord, nicht groß steigerbar zu sein – bräuchte man so über 70 Jahre um das Netz aufzubauen. Bei der rund vierfachen Kapazität eines Starships geht das erheblich schneller.

Aus der Äußerung von Musk leite ich ab, dass das Nutzlastvolumen der Punkt ist, der Probleme macht, denn sonst könnte man ja die Flacon Heavy einsetzen die schon die dreifache Nutzlast hat. Aber die Nutzlasthülle ist eben deutlich kleiner als bei der Konkurrenz und die ist bei beiden Falcons dieselbe. Da allerdings nun eine neue kommt die man für große Satelliten des DoD und der NRO braucht, frage ich mich, warum man dann nicht diese nutzt und die existierende Falcon Heavy einsetzt.

Ich sehe das auch mit Starlink V2 etwas anders als Musk. Die Satelliten mögen pro investierter Million Dollar mehr Benutzer bedienen können als die erste Generation. Doch das entscheidet nur zum Teil über die Wirtschaftlichkeit. Erst einmal benötigt man überhaupt erst mal so viele Abonnenten, das man den Break-Even Point erreicht und das ist bei noch 96 Prozent der zu startenden Satelliten und damit auch erheblich höheren Investitionen als bisher, noch offener als die Wirtschaftlichkeit der aktuellen ersten Stufe. Das Musk ein Projekt, das noch entwickelt werden muss an ein zweites bindet, das ebenfalls noch nicht existiert, sodass die Firma bei einer Verzögerung in auch nur einem der beiden Projekte bankrott geht, zeigt wie man bei Musks Firmen wirtschaftet. Wenn schon bei dem Bau der Raptors Probleme durch den Zeitverzug den Bankrott ermöglichen, wie wird das dann erst bei Verzögerung in der Erprobung werden? Von den Hoppertests verlief auch nur der letzte erfolgreich und die Falcon 9 brauchte auch etliche Anläufe, bis sie erfolgreich landete. Wenn da Musk genauso optimistisch geplant hat, wie beim Termin des Erstflugs („im erbst 2019“) dann sehr ich schwarz für die Firma.

Das ist auch ein Beispiel, warum ich meine, dass Wirtschaft keiner Logik folgt, denn die Firma soll ja 100 Milliarden Dollar wert sein, da dürfte es doch kein Problem sein einfach einen Kredit zum Auffangen der Verzögerungen zu bekommen …

Zuletzt noch etwas anders – eine Brücke zu meinen Blogs über das Klima. Ich habe mir mal überlegt wie – ich glaube nicht daran, aber Musk schon – es sich auf die Klimabilanz auswirkt, wenn jemand die suborbitalen Reisen ausnutzt.

Was ist bekannt?

Berechnung

Relevant ist für den Kohlendioxidabbdruck nur das Methan, egal ob es vollständig verbannt wird oder in der Atmosphäre nachoxidiert. Aus einem Molekül Methan entsteht ein Molekül Kohlendioxid. Daher erhalten wir als erstes den Massenkorrekturfaktor MKF:

MKF = 44 / 16 = 2,75

Die Gesamtmasse an Treibstoff T erhält man durch Addition der Treibstoffmenge beider Stufen:

T = 3500 t + 1200 t = 4.700 t

Den Methananteil durch das Mischungsverhältnis (3,8). Es gilt:

MMethan = T / (1+3,8) ) = 4.700 t / 4,8 = 979,17 t

Multiplizieren wir Mmethan mit dem MKF so erhalten wir die Gesamtkohlendioxidmenge die ein Start verursacht

MCO2 = Mmethan * MKF = 979,17 t * 2,75 = 2692,71 t

Pro Passagier wird 1/100 davon emittiert, also 26,92 t pro Person.

Doch das Einordnen in die Kohlendioxidbilanz ist schwer. Schon beim Flugzeug nimmt man die Menge mal drei, weil die meisten Emissionen in großer Höhe freigesetzt werden, was viel klimawirksamer ist. Wie das dann bei einer Rakete ist, wo die Emissionen in noch größerer Höhe erfolgen? Schwer zu sagen. Eine Begründung sind ja die Kondensstreifen, die sich bei einem Flugzeug bilden, diese wären bei einer Rakete viel geringer, weil sie schon nach etwa 80 Sekunden zu hoch ist, als das sich noch nennenswerte Wassermengen zum Kondensieren in der Atmosphäre befinden. Immerhin, ist die reine Kohlendioxidemission bei Langstrecken mit dem Flugzeug noch kleiner als bei einem Starship. Bei einem von Frankfurt nach Sydney – das ist die längste sinnvolle Strecke - sind es 4.665 kg Kohlendioxid pro Person, also ein Sechstel der Emissionen die ein Starship verursacht. Erst wenn man 93.000 km mit dem Flugzeug fliegt, wäre die reine Kohlendioxidbilanz gleich hoch. Absolut ist die Emission genauso hoch wie die eines Bundesbürgers über 2 ½ Jahre,

Das passt doch irgendwie zu einem Mann, der die Lösung für die Klimaprobleme darin sieht, auf den Mars auszuwandern. Tja sobald man in der Arche (interplanetare Starship) ist darf die Sintflut kommen und wie heißt es so schön für ein soclhes Verhalten - „Nach mir die Sintflut“.

7.12.2021: Der König der Coverversionen

Cover sind beliebt. Viele Interpreten, auch durchaus Künstler mit eigenen berühmten Songs haben ihre ersten Platten mit Covern gefüllt, so die Beatles. Andere versuchen sich auf der Spitze ihres Erfolges in Neuauflagen wie Bowie/Jagger an Dancing in the Street und wenn es gut läuft, ist das Cover erfolgreicher als alle anderen Titel wie Madonnas Hang Up (Original: Gimme Gimme von Abba). Bei vielen Titeln habe ich erst durch das Internet erfahren, dass die Lieder, die ich seit Jahren kannte, nicht die Originale waren. Gerechterweise waren die Originale aber auch nicht so gut. Bei neueren Covers gehe ich dagegen gerne in Deckung. Ganz schlimm ist eine CD, die ich ab und an zwangsweise höre, weil ich wochentags immer nach einem Aquajogging-Kurs schwimme und da läuft die Musik des Kurses noch. Eine der CD‘s ist eine Coverversion von mir bekannten Titeln aus den Achtzigern wie „Nothing can break my stride und „Nothing Gonna Stop Me Now“, bei denen man vor allem einen extrem basslastigen Beat heruntergelegt hat.

Auf das heutige Thema bin ich aber durch Frank Farian gekommen. Von einigen Dokus wusste ich schon, das der erste Erfolg von Milli Vanilli und Eruption, beides Künstler die Farian produziert hat, nicht von ihm sind. Nachdem ich mal auf einer Reggae Platte das Original von Rivers of Babylon fand, habe ich mir mal vorgenommen die Titel von Farian auf Coverversionen abzuklopfen und ich bin tatsächlich auf einige Covers gestoßen:

Titel

Orginal

Frank Farian

Baby Do You Wanna Bump

Prince Buster (1960)

Boney M.

Sunny

Bobby Hebb (1966)

Boney M.

Rivers of Babylon

The Meloidans (1969)

Boney M.

Marys Boy Child

The De Paur Chorus /(1955)

Boney M.

Dancing in the Streets

Martha & the Vandellas (1965)

Boney M.

Painterman

The Creation (1967)

Boney M.

Hooray! Hooray! It's a Holi-Holiday

Kinderlied: Polly Wolly Doodle

Boney M.

Gotta Go Home

„Bimmelbahn“ von Nighttrain (1973)

Boney M.

I See a Boat (On the River)

Gilla

Boney M.

My Friend Jack

The Smoke (1967)

Boney M.

Gadda-Da-Vida

Iron Butterfly (1968)

Boney M.

Felicidad (Margherita)

Pino Massara

Boney M.

Malaika

Fadhili William & The Malaika Boys (1960)

Boney M.

Kalimba de Luna

Tony Esposito (1984)

Boney M.

Little Drummer Boy

Trapp Familiy Singers (1941)

Boney M.

The Carnival Is Over

The Seekers (1965)

Boney M.

Going Back West

Jimmy Cliff (1971)

Boney M.

Jambo – Hakuna Matata

Gallo (1983)

Boney M.

Happy Song

Babys Gang (1983)

Boney M.

My Chérie Amour

Stevie Wonder (1969)

Boney M.

I can‘t stand the Rain

The Peebles (1973)

Eruption

One Way Ticket

Neil Sadaka (1959)

Eruption

Runaway

Del Shannon (1961)

Eruption

Girl You Know It's True

Numarx (1987)

Milli Vanilli

All or Nothing

Blood Sweat and Tears: Spinning Wheel (1968)

Milli Vanilli

Das ist eine ganze Menge. Bei Eruption habe ich nur die bekanntesten Singles genommen, bei Milli Vanilli kam ja der Lip-Sync Skandal nach zwei Jahren, sodass es wenige veröffentlichte Singles waren. In allen Fällen habe ich die anderen Lieder einer LP nicht untersucht. Aber bei Boney M. Ist es schon auffällig. Von den großen Erfolgen bleiben nur noch Daddy Cool, Rasputin, Belfast und Ma Baker übrig. Insbesondere in den späten Jahren von Bonay M. (ab 1980) hat Farian viel recycelt. Bei Eruption ist keiner der drei erfolgreichen Singles von ihm und bei Milli Vanilli sind es zwei von fünf Singles.

Was aber Farian auszeichnet, ist, das er bei vielen Liedern das Potenzial erkannt hat, denn nur wenige wie Sunny kannte ich vorher und hört man sich die (weitestgehend unbekannten) Originale an, so sind Farians Kompositionen schon flotter und ich finde auch besser.

8.12.2021: Weltraumtourismus im Klimacheck

Nachdem ich schon in meiner Dezembernachlese von SpaceX die Bilanz des Suborbitalhopsers durchgerechnet habe und nun wieder der Start einer Sojus mit zwei Weltraumtouristen ansteht, mache ich mich mal an die Kohlendioxidbilanz des Weltraumtourismus.

Zuerst einige Klarstellungen. Es geht nicht um die gesamte Klimabilanz des Flugs. Diese müsste auch den Effekt berücksichtigen, das die Emissionen nicht am Erdboden oder nahe dem Erdboden, sondern in unterschiedlichen Höhen entstehen. Weiterhin ist in der Bilanz auch nicht enthalten, wie viel Kohlendioxid benötigt wird, um die Raketen zu produzieren, die ja auch mehrstellige Millionenbeträge kosten. Auch bei den Raumschiffen geht ein Teil verloren, der vor dem Wiedereintritt abgetrennt wird, bei der Sojus ist das sogar der größte Teil und selbst bei der Wiederverwendung entstehen Emissionen für die Bergung und Reparatur.

Es geht nur um eine Bilanz des Treibstoffs, also wie viel Kohlendioxid durch Verbrennung des Treibstoffs frei wird.

Es gibt derzeit drei einsatzfähige Raumschiffe:

Alle drei Raketen verbrennen Kerosin mit Sauerstoff, die Atlas V in der Oberstufe auch Wasserstoff der kein Kohlendioxid emittiert. Kerosin ist ein Kohlenwasserstoffgemisch, also gilt es zuerst einmal festzustellen, wie viel Kohlendioxid bei einer Verbrennung emittiert wird. Gemäß dieser Website sind dies 3 kg Kohlendioxid pro Kg Kerosin.

Als Nächstes muss man die verbrannte Treibstoffmenge kennen. Bekannt ist bei Atlas und Sojus die Gesamttreibstoffmenge der Stufen und das Mischungsverhältnis. Aus diesen Werten kann man den Kerosinanteil berechnen. Bei der Falcon 9 ist die Treibstoffmenge unbekannt, kann aber aufgrund der (angeblichen) Strukturkoeffizienten von 30 für die erste Stufe und „nahezu 25“ für die Oberstufe abgeschätzt werden. Ich bin von einem Voll-/Leermasseverhältnis von 24 für die ganze Rakete ausgegangen, da man bei Musk sicher sein kann, das er Stufenadapter, Avionik und bei seiner Betrachtung weggelassen hat.

Dann kommt man auf folgende Tabelle:

Stufe

Treibstoff

Mischungsverhältnis LOX/RP-1

Kerosin

Kohlendioxidäquivalent

Sojus Booster

4 × 40.629 kg

2,47

46.834 kg


Sojus Zentralstufe

93.180 kg

2,35

27.814 kg


Sojus Block I

25.400 kg

2,6

7.056 kg

245.112 kg

Atlas CCB

284.080 kg

2,72

78.368 kg

235.104 kg

Falcon 9 gesamt

527.092 kg

2,32

158.762 kg

476.280 kg

Die Atlas hat die geringsten Emissionen, solange sie mindestens zwei Touristen transportiert, schlägt sie die Sojus. Die Falcon müsste schon mehr doppelt so viele Touristen transportieren wie der Starliner, um ihn zu schlagen. Aus meiner Sicht müsste der Starliner genauso automatisch arbeiten können wie die Crew Dragon. Ob ein ausgebildeter Astronaut mitfliegt und damit einen Sitzplatz belegt, dürfte wie bei SpaceX eher vom Dienstleister des Unternehmens abhängen als vom Raumschiff. Ich nehme im folgenden an, das bei der Sojus jeweils zwei Touristen fliegen und bei Starliner und Dragon je vier, also der günstigste Fall, dann errechnen sich folgende pro Kopf Kohlendioxid-Emissionen:

Vehikel

Kohlendioxid pro Person

Sojus

122.558 kg

Starliner

58.776 kg

Crew Dragon

119.070 kg

Deutschland Gesamtdurchschnitt pro Jahr

11.170 kg

Davon Mobilität

2.090 kg

Wie nicht anders zu erwarten entspricht, ein Flug, selbst wenn man nur die Treibstoffe rechnet und nicht die Fertigung der Hardware, Transport und andere Kosten (um den flüssigen Sauerstoff herzustellen, benötigt man auch Energie) den 5-10 fachen Gesamtemissionen eines Durchschnittsdeutschen beziehungsweise, wenn man es nur mit dem Sektor Mobilität vergleicht, denn dazu gehört es ja, so sind es 29 bis 61-fachen jährlichen Emissionen. Ein Langstreckenflug emittiert für die längste Distanz die auf der Erde möglich ist, rund 4,5 t Kohlendioxid, man könnte also mindestens 13 dieser Flüge (z B. von Frankfurt nach Sydney) durchführen um umwelttechnisch mit einem Starliner Flug gleichzuziehen.

Aber es sind ja nur die Emissionen des Treibstoffs, der typisch ein Prozent der Kosten ausmacht. Man darf annahmen, dass die Fertigung der Rakete und alle Operationen welche die restlichen 99 Prozent der Kosten für den Touristen ausmachen, sicher noch viel mehr zur negativen Kohlendioxidbilanz beitragen, wenngleich ich nicht glaube, dass es linear ist, also das 100-fache. Raketen und Raumschiffe sind weniger deswegen so teuer, weil die Materialien energieintensiv in der Herstellung sind, sondern vielmehr, weil die Produktion aufwendig ist, es noch viel Handarbeit gibt und die von gut bezahlten Technikern und nicht ausgebeuteten Menschen in der dritten Welt erbracht wird.

12.12.2021: Raketen die es geben könnte – die Angara 31- 6- 1

Auf einige Konstanten kann sich der Weltraumfan verlassen, das Elon Musk irreale Terminpläne verkündet und das in Russland alle paar Jahre eine neue Schwerlastrakete konzipiert wird, ohne das es zu einer kommt.

Das Nachdenken über das Starship brachte mich auf die heutige Idee. Im Prinzip haben die Raptors fast denselben Schub wie ein RD-191, das die Angara in der ersten Stufe, den URM einsetzt. Bei der Angara werden schon Erststufen geclustert, bis zu sieben. Erfahrungen mit dem Betrieb von vielen Triebwerken hat Russland auch – mit der N1. Nun ja die Ergebnisse waren nun nicht so überzeugend.

Ich habe mir überlegt, das eigentlich man durch das Clustern von Angara Erststufen die nötige Schwerlastrakete bekommen müsste und nach leichtem Überschlagen im Kopf kam ich auch darauf, dass die Nutzlast ausreichen würde. Hier der Plan:

Russland baut die erste Stufe aus 31 Angara-Erststufen angeordnet in folgender Konfigurationen

Die Oberstufen kommen wie sonst auch üblich auf diese 31 Stufen, es sind sieben Angara Erststufen welche die ersten beiden (inneren) Ringe bilden. Der äußere Ring bildet die erste Oberstufe und die innere Stufe die zweite Oberstufe, das ist im Prinzip eine Angara A7 auf der ersten Stufe.

Neben Verbindungen der Stufen zueinander, Sprengvorrichtungen und Abtrennraketen damit die Abtrennung sauber geht (wäre bei der ersten Stufe nicht mal nötig) braucht man nur einen angepassten Stufenadapter. Wenn dieser so ausgelegt ist, dass er die Lasten der beiden Oberstufen nicht auf die unteren sieben sondern alle 31 Stufen (oder nur den 24 äußeren) verteilt, muss man an den Strukturen überhaupt nichts ändern. Für den Stufenadapter habe ich bei jeder Erststufe 1 t in der Leermasse addiert.

Dann braucht man, noch eine Nutzlasthülle die drei Stufendurchmesser der Angara hat, so breit ist das Oberstufenbündel, also 3 x 3,35 m = 11,05 m. Sie könnte etwa 25 m lang sein.

Eine solche Rakete könnte vom Start von Baikonur aus 56 t in eine Mondtransferbahn befördern. Das wären 8 t mehr als bei Apollo und würden wahrscheinlich für eine Mondlandung ausreichen.

Das frappierende an der Lösung ist, dass sie zwar nicht technisch optimal ist (man könnte viel Leermasse einsparen, wenn die Stufen jeweils einen gemeinsamen Tank hätten, aber das wäre eben eine Neunkonstruktion) aber die Entwicklungskosten vergleichsweise gering sind und man so auch auf relativ hohe Stückzahlen für die URM kommt, was dann auch die normalen Angara Starts verbilligt.

Die Verwendung von vielen Einzelstufen hat aber auch Nachteile. So sollten alle Stufen möglichst zum gleichen Zeitpunkt Brennschluss haben. Aber zum einen gibt es die Bündelung schon in kleinem Ma0stab bei der Angara 3 bis 7. Zum anderen kann man selbst ohne Maßnahmen mit kleinen produktionsbedingten Abweichungen leben, dann löst eben das Ausgehen des Treibstoffs in einer Stufe den Brennschluss aller aus. Da aber die RD-191 im Schub senkbar sind, kann man die Stufen auch so steuern das alle gleichzeitig Brennschluss haben. Problematisch wird es nur, wenn man eine Stufe vorzeitig abschalten muss. Doch auch damit kann man leben, indem man die volle Nutzlast nicht voll ausnützt und Reserven für den Fall lässt.

Das Problem eines Ausfalls entschärft sich, wenn man mit der Nutzlast nicht auskommt. Dann gibt es die Möglichkeit zwei Starts einzusetzen. Eine voll betankte letzte Stufe kann bei einer zweistufigen Kombination gerade in einen 200 km Erdorbit gebracht werden. Der Mondlander wird dann separat gestartet und dockt an. In diesem Falle läge die Nutzlast bei 70 t. Der zweite Start könnte problemlos einen Ausfall auffangen, der erste, auch wenn die letzte Stufe gezündet wird, um den Verlust aufzufangen. Limitiert ist hier die Nutzlast durch die Treibstoffvorräte der Stufe im Parkorbit. Setzt man eine eigene Stufe zum Einschwenken in den Mondorbit ein, wie dies bei dem Mondprogramm der UdSSR in den Sechzigern der Fall war, dann kann diese auch schon im Erdorbit die Geschwindigkeit erhöhen. In diesem Falle würde die Nutzlast für eine Mondtransferbahn auf rund 90 t ansteigen.

So gesehen wäre es umsetzbar. Angesichts der wenigen Starts der Angara in den letzten Jahren, ja überhaupt wenigen Starts schwerere Raketen in den letzten Jahren – auch die Proton startet kaum noch, der letzte Start war 2019. Sie läuft zwar aus, doch korreliert dies nicht mit einem Ansteigen der Angara-Starts, von denen es nur zwei orbitale bisher gab. Wie es um Russlands Raumfahrt steht, zeigt auch die Mitteilung das Anna Kikina, die einzige Frau im Kosmonautencorps nun im Herbst 2022 zum ersten Mal ins All fliegen wird. Kikina ist seit 2012 Kosmonautin, es vergingen also mangels Flügen zehn Jahre, bis sie zum Einsatz kommt.

23.12.2021: Corona Dauerzustand

Okay, ihr könnt es nicht mehr hören, Corona hier, Corona da. Unser neuer Gesundheitsminister Lauterbach ist da noch präsenter in den Medien als sein Vorgänger Spahn – wen wundert das, war er doch vorher gefühlt in jeder zweiten Talkshow. Wir sind gerade in der vierten Welle, auch wenn die derzeit etwas abklingt, komischerweise genau an dem Tag wo wir eine neue Regierung hatten, sanken die Fallzahlen … schon werden Beschlüsse für die fünfte noch kommende Welle beschlossen und wen wundert es – es sind die gleichen Maßnahmen, wie vor einem Jahr!

Ich möchte mal einen anderen Gesichtspunkt einnehmen, und zwar einen losgelöst vom aktuellen Geschehen und dessen Bekämpfung. Was unterscheidet die vierte Welle von den vorherigen? Ganz einfach. Nun sind 70 Prozent der Bevölkerung geimpft. Der Prozentsatz steigt wegen Impfgegnern nicht mehr wesentlich an und selbst nach RKI-Informationen sind maximal 77 Prozent Geimpfte möglich, der Rest entfällt auf Kinder, die man nicht impfen kann oder Risikogruppen.

Das heißt aber auch: viel besser wird es mit dem Gesamtschutz der Bevölkerung nicht werden. 90 bis 95 Prozent derer die derzeit auf Intensivstation liegen sind Ungeimpfte, also 30 Prozent der Bevölkerung sorgen für 90 bis 95 % der Belastung, 70 % für 5 bis 10 Prozent. Würden wir nun alle impfen die man impfen könnte, dann würde die Belegung durch Ungeimpfte um 30 % / 23 % = 30 % sinken und die durch ungeimpfte um 77 % / 70 % = 10 % steigen, das wären dann netto immer noch 80 % der heutigen Belastung.

Und das wäre der Dauerzustand, denn das verschweigt uns die Politik. Eine Herdenimmunität gibt es spätestens seit der Delta-Variante nicht mehr. Da sind auch Geimpfte, die nicht erkranken ansteckend. Und schon bei der Delta-Variante kann man sich trotz Impfung anstecken, so ist es einem Bekannten von mir gegangen, der durch die Kinder der Freundin infiziert wurde, viereinhalb Monate nach der zweiten Impfung. Er hatte nur Symptome einer Erkältung, musste aber trotzdem in Quarantäne und hat freiwillig sogar eine Woche dran gehängt. Wie haben jetzt eine weitestgehend durch-geimpfte Bevölkerung, die meisten, da der Großteil der Impfungen im Sommer war, noch keine 6 Monate seit der letzten Impfung. Trotzdem schützt das nicht von der Delta-Variante und wird auch nicht vor der Omikron-variante schützen und wahrscheinlich nicht von weiteren Varianten die kommen werden.

Es ist eben wie bei der Grippe – jedes Jahr eine neue Variante und man versucht der Grippe schon seit Jahren zuvorzukommen, indem man die Variante errät bzw. die Vaccine nach der Variante, die gerade auf der Südhalbkugel aktiv ist, herstellt. Denn wie bei Grippe ist das Coronavirus in der Kälte schlimmer und da abwechselnd auf jeder Hemisphäre mal Winter ist, fährt man bei Grippe seit Jahrzehnten diese Taktik.

Der wesentliche Unterschied zu Corona sind zwei Dinge. Zum einen ist Corona viel gefährlicher. Derzeit bei 70 % Geimpften sterben etwa 1 Prozent der Infizierten, bei der Grippe ist das stark unterschiedlich. Bei der bisher größten Grippewelle 2017/18 wurde die Zahl der Toten auf 25.100 geschätzt was 0,5 Prozent der Infizierten waren. Beides sind aber Schätzwerte, da man bei Grippe lange nicht alle Fälle erfasst und auch nicht bei Toten automatisch auf die Ursache testet, wie man dies bei Corona macht. Die Datenlage ist bei Covid-19 daher belastbarer. Bestätigt sind labortechnisch nur 1.700 Fälle bei der Grippesaison 2017/18, demgegenüber haben wir innerhalb eines Jahres über 180.000 labortechnisch bestätigte Todesfälle durch Covid-19. Die Letalität der Grippe wird bei einer Welle mit 0,5 Prozent vom RKI geschätzt, aber solche Wellen mit erhöhter Letalität treten bei der Grippe nur alle paar Jahre auf, bei Corona sprechen wir ja inzwischen schon von der fünften Welle in nicht mal zwei Jahren. Über viele Jahre hinweg scheint die Grippe eine Sterblichkeit von 0,05 Prozent zu haben, nach Christian Drosten ist Covid-19 16-mal tödlicher. Darüber hinaus scheinen die Langzeitfolgen von Covid-19 sehr häufig und schwerwiegender als bei der Grippe zu sein. Die Grippe ist zwar ein hinkender Vergleich, aber aus dem Erfahrungshorizont der meisten, die anders als Epidemiologen es noch nie mit Ebola oder ähnlichem zu tun hatten, die beste Analogie. Wie bei Grippeviren wird die Lunge getroffen und auch die Ansteckungsgefahr gemessen am R-Wert liegt ähnlich hoch und wie bei Grippe überlebt das Virus in der Kälte länger in der Luft. Doch es gibt wesentliche Unterschiede, so ist die Grippe nach 1-2 Tagen symptomatisch, Covid-19 erst nach einer Woche, sodass Infizierte viel mehr Personen anstecken können.

Der zweite Unterschied ist die schnelle Mutation, die uns ja zu schaffen macht. Die ganze Bevölkerung einmal im Jahr zu impfen scheint ja noch möglich, obwohl das schon jetzt ein Kraftakt ist. Eine jährliche Impfung gibt es nur bei Grippe, alle anderen Impfungen haben größere Abstände und gegen Grippe wird nicht die ganze Bevölkerung geimpft, sondern weil die Impfung freiwillig ist, zwischen 20 und 30 Prozent. Den Impfabstand zwischen zwei Auffrischungsimpfungen cvon Corona hat man kontinuierlich gesenkt. Erst war von jährlichen Impfungen die Rede, dann sechs Monaten, inzwischen ist man bei drei Monaten. Wie soll man das im normalen Betrieb der Arztpraxen gewährleisten? Also wenn ich mal 5 Minuten Zeit für eine Impfung und das bürokratische Prozedere drumherum pro Patent ansetze, bei 57 Millionen Menschen, die schon geimpft sind – viel mehr wird es nicht werden - und das viermal pro Jahr, dann kommt man auf knapp 2,4 Millionen Arbeitstage, oder wenn man nur Ärzte mit dieser Aufgabe beauftragen würde, die also sonst nichts anderes machen, wären es 10.000 Vollzeitstellen die man dafür bräuchte. Nur zum Vergleich: In diesem Sommer haben 6.500 Praxen geimpft, sicher viele Praxen mit mehreren Ärzten, aber die haben eben auch noch anderes zu tun. Ich denke, da gibt es keine Patentlösung. Die Idee auch Apotheken und Zahnärzte mit einzubeziehen halte ich gut. Denn das ist vor Ort, anders als ein Kreisimpfzentrum. Aber man wird mehr geschultes Personal benötigen, das schlussendlich dann nur diese Aufgabe hat.

Ebenso wird man die Kapazität des Gesundheitswesens aufstocken müssen, sowohl bei den Intensivbetten wie auch normaler Behandlung, die Omikron Variante soll ja gerade die normalen Stationen mehr belasten durch den „milden“ Verlauf. Es kann ja nicht sein, das wir bei jeder Welle andere Operationen verschieben, die ja auch nicht aus Spaß gemacht werden. Das bedeutet, dass man sowohl technisch, vor allem aber personell aufstocken muss. Bisher haben die Pflegekräfte aber auch Ärzte zwar viel Lob von der Politik bekommen, aber wenig Hilfe. Ich meine das die Misere es Berufs nicht nur an der Bezahlung liegt, sondern an den Arbeitsbedingungen selbst und auch das die nötigen Stellen geschaffen werden. Bei uns war schon vor Corona eine Pflegekraft für viel mehr Patienten zuständig, als in anderen Ländern.

Die große Hoffnung dürfte wohl die medikamentöse Hilfe sein, ein erstes Medikament wird ja gerade zugelassen. Medikamente verhindern zwar keine Infektion, aber sie verhindern einen schlimmen Verlauf oder mildern die Symptome. Mir fällt in dem Zusammenhang HIV ein. Das war, als es in den Achtziger Jahren aufkam, absolut tödlich, noch schlimmer als Covid-19 und zeitweise wurden damals genauso rigide Maßnahmen wie heute vorgeschlagen, so von Gauweiler, der in Bayern Zwangstests einführen wollte oder Horst Seehofer der Infizierte kasernieren wollte. Damals war man da sogar noch eher bereit als heute, weil die Krankheit ja nur in einem bestimmten Milieu tobte. Anders als bei Corona konnte man sich aber relativ einfach mit Kondomen vor Ansteckung schützen. So das es keine Epidemie unter der Bevölkerung wurde. HIV ist, weil man heute den Ausbruch des Virus mit Medikamenten nahezu vollständig unterdrücken kann, kein Problem mehr.

Was würde ich als Gesundheitsminister machen? Ich würde neben dem „Boostern“ als direkte Maßnahme, Reformen anschieben, die zwar erst in Monaten oder Jahren greifen, aber nötig sind und nicht nur wegen Corona:

Solange wird man wie bisher nur das Virus in Schach halten können, indem man Infektionen vermeidet. Dabei spart man komischerweise immer das Feld aus, wo die meisten von uns die meisten Kontakte, sowohl zeitlich wie auch nach Anzahl der Personen haben: die Arbeitswelt. Warum macht man hier nicht 2G mit nachgewiesener regelmäßiger Boosterimpfung zur Pflicht und zwar gesetzlich? Dann hätte sich auch jede Diskussion über eine Impfpflicht erledigt.


 

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