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Web Log Teil 64 : 28.5.2008-2.6.2008

Mittwoch: 28.5.2008: Mars um die Statistik

Ich kann es nicht mehr hören: Die Benutzung von Statistiken bei der NASA um ein Risiko vorzutäuschen das es in Wirklichkeit nicht gibt. Ich rede von den gescheiterten Marsmissionen die von der NASA aus dem Hut gezaubert werden wenn es um Publicity geht. So auch bei der Landung des Phoenix Mars Scout am Sonntag/Montag (je nachdem auf welcher Seit der erde sie ich befinden). Ich war mir sicher, das Phoenix erfolgreich landen wird. Warum auch nicht? Es gibt eine Reihe von Gründen warum dem so ist:

Phoenix verwendet die gleiche Landestrategie wie der Mars polar Lander aber auch Viking. Diese ist erprobt und sicherer als das Verwenden von Airbags.  Nachdem der Mars Polar Lander bei der Landung verloren ging. Man darf sich sicher sein, dass dieser Teil der Mission seitdem ganz genau durchgecheckt wurde.

Anders als beim Climate Orbiter hat man die Bahn genauestens vermessen. Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass man den Eintrittskorridor  verpasst. . Bleibt noch als Unsicherheitsfaktor die Landestelle: Als Mars 2+3 landeten gab es keinerlei Informationen über die Landestelle. Die Sonden landeten denn auch in einem Gebiet das man heute als unwegsam und zu riskant ansehen würde. Doch Phoenix profitiert von der leistungsfähigsten Kamera an Bord einer Planetensonde. Die Kamera HiRISE kann aufnahmen mit einer Auflösung von 0.35 m pro Pixel anfertigen - Damit ist man unterhalb der Grenze ab der Ein Stein dem Lander gefährlich werden würde, indem er ihn zum Umfallen bringt.

Doch reden wir einmal Klartext: Wie sieht es wirklich mit den Erfolgen aus? Nun vor allem bei den russischen Raumsonden isst es schwierig. Inzwischen gibt es aber Informationen über die wissenschaftlichen Zeile und gemessen an dienen war keine erfolgreich. Am besten schnitt noch Mars 5 ab, welcher 3 Monate im Mars Orbit arbeiten sollte aber nach einigen Wochen ausfiel. Nach Nationen aufgeteilt sieht die Bilanz so aus:

Nation Starts erfolgreich Erfolgsquote
UdSSR 18 0 0 %
USA 17 12 70.5 %
ESA 1 1 100 %
Japan 1 0 0 %
Gesamt 37 13 35.1 %

Schon dieses Beispiel zeigt also wie man eine Statistik zu seinen eigenen Gunsten interpretieren kann. Während die USA also eine Erfolgschance von über 70 % aufweisen können, liegt sie bei allen Missionen bei der Hälfte. Man kann dies noch weiter aufteilen, z.B. nach Jahrzehnten, doch wird es dann immer sinnloser, weil es z.b. den achtziger Jahren nur zwei Missionen gab. Es fehlt dann eigentlich die statistische Grundlage - eine ausreichend hohe Zahl an Werten.

Vor allem - und das weiß die NASA selbst besser - geht es ja nicht um die Zahl alleine, sondern hinter jedem Scheitern (aber auch jedem Erfolg) steckt ein Grund. Bei den US Verlusten gibt es z.B. folgende Ursachen:

Nachdem Phoenix auf dem Weg war, konnte man Fehlerquelle 1 ausschließen. Der Verlust von 2 Missionen 1998/99 durch zu geringe Finanzierung und fehlende Tests auf der Erde und beim Flug hat zu einer Veränderung der Politik bei Planetenmission geführt - Phoenix kostet 3 mal mehr als die Raumsonde die er war als er 2001 eingelagert wurde.

In der Raumfahrt gibt es viele Statistiken und manchmal wird man an den Spruch "Lügen, Verdammte Lügen und Statistiken" erinnert. Warum? Nun zum einen hapert  es bei den meisten Statistiken an der Grundvoraussetzung: Dem Gesetzt der großen Zahl. Eine Erfolgsstatistik für eine Rakete mit 10 Starts aufzustellen ist möglich aber nur bedingt aussagekräftig. Noch schlimmer ist das gezielte Manipulieren von Statistiken. so vermeldete vor einiger Zeit Lockheed Martin, das die Atlas die Ariane 4 geschlagen habe, gemessen an der Anzahl der erfolgreichen Starts in Folge. Ariane konnte bis zur Ausmusterung 78 davon aufweisen. Das ganze hat nur einen Haken: Es ist eine Statistik über die Atlas 2,3 und V. Das sind aber technologisch unterschiedliche Raketen, bei denen z.b. bei dem Übergang von der Atlas II zur III der Erststufenantrieb ausgetauscht wurde und bei der Atlas V neue Booster und andere Abmessungen bei der Rakete eingeführt wurde. Der Vergleich macht so überhaupt keinen Sinn. Doch wen kümmert das schon?

Zuletzt noch zu einem meiner Lieblingsthemen: Der Verflachung von Fernsehen, insbesondere Wissenschaft im Fernsehen. Da lief am Montag auf 3 Sat eine Dokumentation über den Jupitermond Europa und Pläne für eine Landemisssion. An und für sich interessant, doch haben sich die Produzenten in meinen Augen selbst disqualifiziert: Sie haben eine US Produktion genommen und synchronisiert. Das isst nichts schlimmes, wenn man etwas davon versteht oder vielleicht nur englisch versteht oder wenn man kein englisch versteht vielleicht lesen kann. So musste ich aber während des ganzen Beitrags von einem Jupitermond namens "Juuurowpah" hören. Wie dumm muss man denn sein, wenn man dieses Wort mehrmals pro Minute in englisch ausspricht ? Es steht zwar nicht im Titel "Jupiters geheimnisvoller Eismond" aber in der Beschreibung und bestimmt auch im Transskript das man übersetzten musste. Sollte da nicht der Groschen fallen, das Jupiters Mond Europa nach derselben Sagengestalt benannt wurde wie unser Kontinent. Wenn nicht, sollte man vielleicht das Wissen anwenden, dass man in Deutsch identisch geschriebene Wörter gleich ausspricht? Bei Jupiter haben sie ja auch die deutsche und nicht englische Sprechweise "Juowpidder" genommen.

Hitec hielt ich bislang für eine der besseren 3SAT Produktionen, doch ich muss wohl das revidieren

Freitag: 30.5.2008: Al Gores Vorschlag

Al Gore hat ja letztes Jahr den Friedensnobelpreis bekommen für seine Aktivitäten im Bereich Klimaschutz. Über den Sinn dessen, oder ob es nicht bessere Kandidaten für den Nobelpreis gab, will ich mich nicht groß auslassen. Aber über eine Idee, die er einmal hatte, zu den Zeiten als er noch Vizepräsident war und gegen Bush um das Amt des Präsidenten kandidierte. Um einer breiten Öffentlichkeit klar zu machen, dass wir nur eine Erde haben, und nicht auf eine andere wechseln können, wenn es hier unbehaglich ist, schlug er damals vor eine Raumsonde in dem Librationspunkt L1 zu stationieren. Sie sollte dauernd Bilder der Erde aus dieser Perspektive nach Hause funken. Diese sollten als Film vor den Nachrichten kommen und die Öffentlichkeit sensibilisieren. Ich will das mal nutzen, um die Librationspunkte oder Lagrangepunkte zu erklären.

In einem System aus zwei unterschiedlichen schweren Körpern, wie Sonne und Erde, oder Erde und Mond stellt sich die Frage nach den Bahnen kleinerer Körper wie Raumsonden oder Asteroiden um diese. Die meisten werden den schwereren Körper umkreisen, so wie die Sonne von zahllosen Asteroiden und ein paar Planeten umkreist wird. Nahe des kleineren Körpers sind Bahnen um diesen stabil, so wir dieeErde von dem Mond und künstlichen Erdsatelliten umkreist wird.

Doch wie sieht es bei der Zone aus, bei der sich die Anziehungskräfte aufheben? Der Mathematiker Joseph-Louis Lagrange fand heraus, dass die meisten Bahnen instabil sind: Ein Körper in dieser Zone wird entweder in einer stabilen Umlaufbahn um einen der beiden Körper gezogen, oder fällt auf einen der Körper, oder wird aus dem System herauskatapultiert. Es gab jedoch 5 Punkte die stabil sind. Nehmen wir an, wir sprechen vom Sonne-Erde System

Es sind dies:

Al Gore hatte die Idee, im Punkt L1 eine Raumsonde zu stationieren. Da dieser Punkt immer vor der Erde auf der Linie zur Sonne ist sieht eine Raumsonde von dort aus die Erde immer als Vollerde, anders als geostationäre Satelliten, die je nach Tag einen wechsel zwischen "Neu-Erde", zunehmender Erde, Vollerde abnehmender Erde wahrnehmen. (Man sieht im Fernsehen meist das Vollerdebild, das mittags aufgenommen wird, doch das dem nicht so ist kann man sich bei Eumetsat überzeugen. Eine Raumsonde hätte aus dieser Perspektive aus dann laufend Bilder machen können, die man wie die Bilder von Wettersatelliten zu einem Film zusammenschneiden kann.

Soweit die Idee, an und für sich ganz gut. Nur braucht man dafür eine Raumsonde? Mal eine erste Abschätzung: Die Erde ist etwa 3.5 mal größer als der Mond. 1.5 Millionen km Entfernung sind etwa die 4 fache Entfernung des Mondes von der Erde. Das bedeutet, dass aus dieser Perspektive die Erde in etwa so groß ist, wie der Mond von der Erde aus. Dafür braucht man aber dann kein riesiges Teleskop. Schon kleine Amateurteleskope können den Mond formatfüllend ablichten. Eine Raumsonde für diesen Zweck wäre dann unnötig, es würde reichen eine Kamera auf einem Körper zu stationieren, den man sowieso in dem L1 Punkt positioniert, wie z.B. Satelliten zur Sonnenbeobachtung.

Aber machen wir doch mal eine genaue Rechnung auf. Zuerst einmal muss man sich für eine Auflösung entscheiden. Da Al Gore an tägliche Filme im Fernsehen dachte, wäre wohl das modernste TV Format gerade das richtige. DSoas wäre Full HD mit 1920 x 1080 Punkten das richtige. Die Erde hat einen Durchmesser von 12742 km. Will man noch etwas Weltraumhintergrund zeigen, dann sieht es eindrucksvoller aus, so wäre ein Bildausschnitt von 15000 km in der Vertikalen passend. Das entspricht 1080 Punkten oder 13.9 km/Pixel. Abgebildet wird ein Gebiet von 26700 x 15000 km.

Die Auflösung eines Teleskops bestimmt man über zwei Zusammenhänge. Für ideale Optiken gilt:

Anders ausgedrückt: In 202650 km Entfernung hat ein 1 km großes Objekt eine Größe von 1 Bogensekunde. Um dieses Objekt gerade noch mit einem Teleskop detektieren zu können muss dieses einen Optikdurchmesser von 122 mm oder mehr besitzen.

Mit diesen Daten kann man über Dreisatz berechnen, dass 13.9 km aus 1.5 Millionen km Entfernung 1.9 Bogensekunden entsprechen und ein Teleskop mit 60 mm Durchmesser ausreicht um diese Auflösung zu erreichen. Sinnvoll ist jedoch eine etwas größere Optik, da die Abbildung dann besser, ist und das Gesichtsfeld ohne Bildfeldwölbung größer. Ein Teleskop mit 80 mm Öffnung wäre ausreichend - hier wiegt die Optik unter 3 kg.

Die Brennweite ist vom verwendeten CCD Chip abhängig. Zum einen gilt: Je kleiner der CCD Chip, desto kurzbrennweitiger kann die Optik sein, damit spart man Gewicht. Zudem gibt es weniger Verzeichnungen am Bildrand. Allerdings steigen die Farbfehler bei langbrennweitiges Optiken an. Katadioptisches Systeme haben Prinzip bedingt lange Brennweiten. Astronomische CCD haben heute Pixelgrößen von 5-14 µm. Handelsübliche Digitalkameras welche von etwa 1.5-2 µm. Die Brennweite errechnet sich nach:

oder hier:

Das sind 540 mm bei 5 µm und 1080 mm bei 10 µm Pixelgröße. Ein guter Kompromiss zwischen Abbildungsleistung und Farbfehlern  liegt bei einem Öffnungsverhältnis von 8, also 8 x 80 mm = 640 mm Brennweite. Ein CCD Chip mit 6 µm Pixelgröße ist also geeignet. Das ist für ein astronomisches CCD eine kleine Pixelgröße, doch diese Kamera soll ja auch keine Langzeitbelichtungen machen oder bei Mars oder Jupiter arbeiten (wo es weitaus weniger Licht gibt). Immerhin ist sie schon ohne Kühlung 9 mal lichtempfindlicher als eine Digitalkamera vom Elektronikdiscount.

Damit hat man alles zusammen, was man braucht, um die Kenndaten eines Instruments anzugeben: Es ist ein Refraktor oder ein katadioptisches Fernrohr von 80 mm Durchmesser und 640 mm Brennweite mit einem CCD Chip von 11.52 x 6.48 mm Größe, entweder als 3 Chip Modell (ein Chip pro Spektralfarbe, Aufspaltung des Lichts über einen Strahlenteiler) oder Einchipmodell wie bei heutigen Digitalkameras (Eine Grün/Rot/Blau Maske liegt über den Sensoren). Ein solches Instrument wiegt um die 5 kg und kann zusätzlich auf einer Raumsonde untergebracht werden, eine spezielle Sonde ist nicht nötig.

Es werden auch nicht viele Daten erzeugt. Zwar hat ein Full HD Bild  2073600 Bildpunkte - Bei 8 Bit pro Farbe sind dies etwa 50 MBit pro Bild. Aber der Zweck ist es ja einen täglichen Film zu erstellen. Wenn die Nachrichten diesem 10 Sekunden einräumen (schon viel, meiner Ansicht nach), so braucht man 240 Bilder pro Tag, also eines alle 6 Minuten. Um in 6 Minuten 50 MBit zu übertragen, reicht eine Datenrate von 50.000.000/600 = 83 KBit/s. Das ist nicht sehr viel. Das können heute locker Raumsonden aus Mars Entfernung also 100 mal größeren Distanzen übertragen. Der im Oktober 2008 startende LRO wird aus Mondentfernung (also 4 mal geringerer Distanz) 100 MBit/s über 1 m Antenne zur Erde senden. Man benötigt also auch nicht gerade eine zusätzliche schwere Parabolantenne oder einen starken Sender, man könnte es in den normalen Datenstrom mit einbringen.

Wenn man eine Raumsonde bauen würde, dann sicherlich eine mit mehr Anspruch: Denkbar wäre z.B. ein Multspektralscanner der viel mehr Spektralkanäle abtastet und dann auch die in dieser geringen Entfernung von der erde noch hohe Datenrate ausnützt. Ich sehe allerdings keine direkten Zusatznutzen, den man nicht einfacher mit einem geostationären Satelliten gewinnen könnte, der etwa 40 mal näher an der Erde ist - mit kleineren Anforderungen und höherer Datenrate. Weiterhin sieht dieser immer dieselbe Region auf der Erde. Das erleichtert Vergleiche über Jahreszeiten und Jahre erheblich, denn schließlich hat Wasser und Land unterschiedliche spektrale Eigenschaften, bilden sich Wolken anders etc.

Kurzum: Es ist machbar, sogar relativ einfach. Wenn man nur wöllte. Doch leider ist derzeit keiner der US Kandidaten an der Umweltproblematik oder Raumfahrt besonders interessiert.

Samstag: 31.5.2008: And the Winner is ....

... "der K.". Er war der dreimillionste Besucher meiner Webseite und bekam folgerichtig auch ein Exemplar von Das Gemini Programm zugeschickt,. Es ging heute morgen auf die Reise. Viel Spaß beim lesen. Vielleicht wiederhole ich das mal, wenn ich mein zweites Buch fertig habe, so beim 3.333.333 Besucher - das dürfte in weniger als einem Jahr der Fall sein.  Aber momentan ist es noch im Anfangsstadium. Vielleicht wird es im Sommerurlaub Gestalt annehmen. Vielleicht schreibe ich auch einen Roman über unsere Hochschule, der BAFH ist ja auch schon ein Bestseller geworden.

Ansonsten bin ich in einem ziemlichen Stimmungstief. Privat bin ich entsetzt von den moralischen Vorstellungen einiger Leute, die ich kenne entsetzt. Im Beruf habe ich mir mal erlaubt unseren Dekan beim Wort zu nehmen, der bei jeder passenden Gelegenheit betont wie viel Wert auf Mitarbeiterqualifikation er legt und man die 6 Jahre, die man maximal an unserer Hochschule arbeiten kann (weil man sonst dauerhaft angestellt werden müsste) nutzen soll. Wie schon gesagt betont er immer, dass man neben der Arbeit noch den Master in Zusammenarbeit mit der TAE machen kann. Doch man sollte nicht auf die Idee kommen das in Anspruch zu nehmen. Das kostet nämlich 9700 Euro. Zwar ermäßigt sich dies auf 6850 Euro für Hochschulangehörige. Doch das ist nicht für mich finanzierbar, nicht mit dem TVL Gehalt. Als ich dann nach einem Zuschuss fragte, den es ja angeblich geben sollte, dann bekommt man Antworten wie "Sie sind ja nun schon mehr als 4 Jahre da, und wenn es einen Zuschuss geben soll müssten sie noch 2 Jahre arbeiten". Würde ich ja, nur verstößt das ja gegen das Gebot niemand mehr als 6 Jahre einzustellen. (Das es nur an unserer Fakultät gibt, an anderen Fakultäten der gleichen Hochschule ist es problemlos möglich). Einem Kollegen, der noch nicht so lange da ist, haben sie dann 2000 Euro angeboten. Das reduziert es zwar auf 5000 Euro, aber auch ihm war es zu wenig. Er hat seine Schlüsse gezogen: Damit geht wieder jemand in einigen Wochen. Das reduziert die Anzahl der Assistenten auf 4 und erhöht die Zahl der freien Stellen auf 6. Eigentlich sollte das ja den Verantwortlichen zu denken geben, aber solange noch einer da ist, der die 3000 Euro Luxus-Notebooks für die Professoren bestellt wird's wohl kein Umdenken geben. Dafür ist übrigens jede Menge Geld da, wie z.b. die 3D Cave für 100.000 Euro, die seit 2 Jahren mangels Assistenten unbetreut herumsteht.

Zuletzt steht dieses Wochenende die Fertigstellung meiner Steuererklärung an. Das ist jedesmal so viel Papierkram. Bei der Steuererklärung sehe ich auch jedesmal warum es keine Steuerreform gibt: Meine Haupteinnahmequelle - die Einnahmen als Arbeitnehmer und was ich da absetzen kann, ist in weniger als einer Stunde erledigt, denn mangels Pendlerpauschale bekomme ich da gerade mal 200 Euro zurück. Für die Einnahmen aus Kapitalvermögen brauche ich dagegen ewig. Das liegt daran dass ich Konten bei 3 Banken habe. Seit ich Aktien und Fonds habe, bekomme ich dann noch mehr Jahresaufstellungen, weil jede Bank für diese Anlagen noch eine eigene Unterbank hat und eine davon sogar pro Fond einen Auszug schickt, sitze ich nun vor 6 Jahresaufstellungen die ich eintragen muss. Unser Steuerrecht unterscheidet sehr genau zwischen Sparbüchern, festverzinslichen Wertpapieren, Aktien und weiß was ich noch alles. Von jeder Art gibt es Einnahmen, Kap-Steuer und Soli und da einige Fonds ausländische Aktien haben, gibt es noch die Anlage AUS und für vorzeitige Verkäufe noch die Anlage SO. Dabei geht schon überall 30 % Steuer ab, im Endeffekt habe ich einen Riesenaufwand zum Erstellen von Aufstellungen vom Ausfüllen von Formularen für fast keine Steuer die zusätzlich fließt (eher in die umgekehrte Richtung). Das verrückte daran: Die Banken müssen das dem Finanzamt melden. Die haben also die ganzen Daten schon. Trotzdem soll ich jedesmal diesen Wust an Formularen ausfüllen.

Warum unser Steuerrecht so kompliziert ist, und wenn man es reformiert, warum wird dann zwar die Pendlerpauschale gestrichen, aber nicht die Sonderregelungen für Abgeordnete und Grenzgänger? Weil sobald jemand das Thema Steuerreform anspricht, er es mit einer Division von Lobbyisten zu tun. Jeder hat dort Vertreter: Ärzte, Krankenschwestern, Forstwirte, Landwirte, vor allem die, welche Kapitaleinkünfte haben, nur einer nicht: Der Arbeitnehmer. Deswegen ist das Steuerrecht so komplex und die Steuerklärung so aufwendig.

Zuletzt noch etwas aus Hessen. Dort gibt es die Firma K&S - „Kali und Salz“. Die leiten ihre salzhaltige Abwasserlauge in die Werra und Weser. Bei der Einleitungsstelle ist dann die Weser mit 25 g Salz/l belastet - das ist fast so salzhaltig wie Meerwasser. Selbst 100 km weiter in Niedersachsen, sind es noch 500 mg/l, was Geschwüre bei den Fischen hervorruft. Pro Jahr sind es 2.5 Millionen Liter Lauge. Gibt es mal Probleme bei der Werra, dann wird das ganze per Tanklastwagen zur Weser gebracht.

Ein Pressesprecher: "Wir halten uns an genehmigte Grenzwerte und den Stand der Technik". Toll! Vor allem, wenn die Genehmigung vom 16.7.1943 stammt und "längstens bis zum Ende des Krieges" befristet ist. Aber Krieg ist ja immer irgendwo, und in Hessen ist man eben immer noch auf dem Stand der Technik von 1943. Im 5 Jahres Rhythmus gibt es auch Prüfungen und Gegengutachten und nichts passiert - wegen der 6000 Arbeitsplätze bei K&S. Immerhin will nun die Behörde selbst messen, anstatt wie bisher die Firma messen zu lassen. Das erinnert mich an die Zeit als Joschka Fischer erster Umweltminister in Hessen war, und er erstaunt feststellte, das man bei Chemiefirmen oberhalb der Einleitungsstelle die Wasserbelastung maß. Da es ab und an auch Berichte über gelbe Wolken von Höchst über Frankfurt gibt, glaube ich ist es mit dem Umweltschutz in Hessen nicht so weit her. Mich wundert es nicht, dass gerade Frankfurt Hauptbörsenplatz in Deutschland ist. In einem Bundesland, bei dem Arbeitsplätze und Kapital so wichtig sind und die Umwelt einen Dreck wer ist, muss sich die Börse doch zuhause fühlen. Und war nicht die einzige Fabrik für die Aufarbeitung von Atommüll in Hanau? Hessen ist ein komisches Bundesland. Die CDU Politiker sind dort am Radikalsten (Siehe Dregger und Koch) und Regierungen können dort ohne Mehrheit im Amt bleiben. Das ist ja fast wie in Bayern, nur dass in Bayern mehr auf die Umwelt geachtet wird - wegen der Touristen. Was macht man in Hessen eigentlich mit Bären?

Montag 2.6.2008: Auch kleine Geschäfte können Schlagzeilen machen.

Daran musste ich denken als ich die Berichterstattung zum Discovery Start hörte warum es ging. Ich sah das ganze live bei N24,  Warum ist die Discovery zur ISS gestartet? Weil die Toilette kaputt ist! Ohne Toilette kann man die Station nicht halten und man muss sie evakuieren, klärte uns der Sprecher auf, das sehen NASA Vorschriften vor. Ach ja da ist noch dieses japanische Kibo Labor, dass man auch mitführt. Okay, denke ich mir, das Privatfernsehen, nach eigener Erfahrung mit diesen Medien und Redakteuren, die mich ab und an anrufen, ist bei Privatfernsehen die Berichterstattung in diesem Medium ist meiner Ansicht nach das Pendant der BILD im Pressebereich: Doch dann gab es den Start ja auch in den ZDF Nachrichten. Und auch hier die Betonung auf die Toilette.

Okay, wenn die Toilette ausfällt, dann ist das unangenehm, noch unangenehmer als die Benutzung der Toilette. Diese ist nämlich nichts anderes als ein Staubsauger, den man auf die entsprechende Körperöffnung setzen muss, und dem dann eine Trennanlage nachgeschaltet ist. Ausgefallen ist nun ein Teil der Toilette der den Urin abtrennt. So dramatisch ist es aber nicht. Zum einen war die Toilette seit dem 29.5. wieder betriebsbereit. Zum anderen: Wenn die NASA Richtlinien vorsehen, dass die ISS zu räumen ist, wenn die Toilette nicht mehr funktioniert, warum hat man bislang nur eine an Bord? Klar es wird im Endausbau zwei geben. Aber: So klingt dies für mich als ein sicherheitskritisches System. Alle anderen Systeme die Sicherheitskritisch sind, sind aber redundant vorhanden.

Was aber kein Schwein bemerkt: Das ist die dritte Space Shuttle Mission dieses Jahr und drei weitere sind dieses Jahr geplant. Damit fliegt die derzeitige Orbiter Flotte von nur noch 3 Orbitern genauso oft wie bis 2003 die Flotte aus 4 Orbitern, obwohl ein Orbiter fehlt und die Sicherheitsanforedrungen nochmals verschärft wurden, und damit auch das Risiko, dass man einen Start verschieben muss. Wundert sie das? Mich nicht! Schon vor dem Verlust der Columbia waren mehr Flüge möglich, bis zu 8 pro Jahr. Ein Space Shuttle kann alle 3 Monate fliegen, das sind maximal 12 Starts bei 4 Orbitern pro Jahr, etwa alle 10 Jahre fällt ein Orbiter für längere Zeit weg, wenn er zur Generalüberholung 1-1.5 Jahre zum Hersteller geschickt wird. Schon früher waren mehr Flüge möglich, als tatsächlich durchgeführt wurden. Der Ausbau der ISS verzögerte sich vor allem am Anfang durch fehlende russische Teile und Verzögerungen bei der Lieferung dieser.

Auf jeden Fall zeigt es doch, wie wichtig heute die ISS ist: Der nun sich beschleunigende Ausbau und die in 2 Jahren absehbare Fertigstellung interessiert doch keinen. Phoenix scheint eher positive Nachrichten zu machen. Dabei geht es auch hier nicht ohne Probleme. Die Meteologiestation lieferte zuerst unlesbare Daten und die Inbetriebnahme anderer Experimente hinkt dem Zeitplan noch hinterher. (So gibt es z.B. noch kein vollständiges Panorama des Landeplatzes). Immerhin: Man sucht ja nach Eis. Ich war da kritisch und habe dies bei einer Mail so geäußert. Nach einer Presseinformation sollen die Eindrücke der Landebeine im Boden jedoch darauf hinweisen. Die Analysen werden dies noch zeigen. Außerdem gäbe es ja noch die Möglichkeit die Sonde zu bewegen: Wenn man genügend Resttreibstoff hat, so kann man die Triebwerke kurz in Betrieb nehmen und einige Meter weiter entfernt landen. Vielleicht ist dort der Boden interessanter. Zumindest kann man die bisherigen Aktivitäten aus einem anderen Gesichtspunkt aus ansehen und die Landschaft besser stereoskop abbilden. Die Idee ist nicht neu, das hat man schon Beinen Surveyor Sonde so gemacht. Die letzten Lander die erfolgreich landeten, hatten keine Triebwerke, sondern Airbags. Die Viking Lander hätten das auch gekonnt, doch bei deren Umgebung war man froh, dass sie sicher landeten.

Doch Phoenix steht in einer glatten Ebene und anders als alle anderen Lander hat man ihn schon nach weniger als einer Woche auf den Bildern der HiRISE Kamera gefunden. (Wo einer der Viking Lander landete war bis vor kurzem z.B. nicht genau bekannt.

Das Wochenende habe ich wie angekündigt mit der Steuerklärung verbracht: Zugegeben ich finde das so ätzend, dass ich es auf den letzten Termin schiebe. Ich würde sie ja gerne früher machen wollen. Im Winter sind die Sonntage ja meist so trüb, das man eher bereit ist sich an dieses Geschäft zu machen. Doch die Banken bringen es ja nicht fertig die Jahreszusammenstellungen vor Ende März zuzuschicken. Eigentlich eine Unverschämtheit, bei den Gebühren die sie dafür abkassieren. Noch unverschämter sind aber die Steuerprogramme der Softwareschmiede Buhl. Ich habe mir T@X 2008 gekauft. Die Software nervt damit einem permanent eine "Aktualitätsgarantie" aufzudrängen. Darunter verbirgt sich ein Software Abo. Bei jedem Update kommen x Fragen ob man das nicht will. Weil man sich dann am Ende trotzdem registrieren muss und ich nicht riskieren wollte so unbemerkt doch ein Abo zu bekommen,. habe ich es vorgezogen, die Updates manuell zu installieren.

Ansonsten: Das Programm hat mir die Eingabe bei den Kapitaleinnahmen erleichtert, doch bei vermieteten Immobilen war es im Formular des Finanzamt besser. Außerdem vergisst die Software ab und an einige Eingaben, wie ich nach der Mittagspause feststellen konnte. Der Hammer kam aber am Schluss: Das Elster Modul weigerte sich reproduzierbar die Daten zu übertragen, weil die Software Daten im falschen Format übertrug. Ich konnte die Eingabefelder korrigieren so oft ich wollte. Eine elektronische Übertragung war nicht möglich. So ging ein dicker Packen Ausdrucke heute morgen zum Finanzamt. Wann gibt es denn endlich die Steuererklärung auf dem Bierdeckel?

Nach dem Erbprinzen von Liechtenstein ist ja das deutsche Steuersystem das schlechteste der Welt, noch nach Haiti. Das belege eine OECD Studie. Nun es fehlt das Kriterium. Was ist schlecht? Die Steuerbelastung? Die Steuergerechtigkeit? Die Komplexeste gemessen an dem Wust der Regelungen? Es gibt in der Tat eine OECD Studie, doch die hat sich mit der Steuerbelastung beschäftigt. Als eines der Ergebnisse ist in Deutschland die

Aber gerade deswegen sollte man doch etwas gegen Länder tun, die als Steuerschlupflöcher dienen und wenn Lichtenstein so die OECD bemüht, dann bitte auch korrekt: Nach Ansicht der OECD Generalsekretärs trägt das Land eine Mitverantwortung "Das Land versuche, von Steuerhinterziehungen von Ausländern zu profitieren. Liechtenstein gehöre neben Andorra und Monaco zu den letzten Steuerparadiesen, die die Zusammenarbeit mit der OECD und ihren Partnern zur Verbesserung der Transparenz ablehnten". Hmm, das klingt doch schwer nach einem Steuer-Schurkenstaat mit Massen-Steuerhinterziehung. Es wird mal Zeit das Merkel den Prinz Alois von und zu Liechtenstein und seine Familie auffordert, dieses Land zu verlassen, ansonsten schicken wir mal ne Bundeswehrkompanie rein. Die Taktik hat ja schon mal bei den Amis und dem Irak funktioniert, und wofür haben wir den  eine Krisen-Eingreiftruppe, wenn Sie bei Finanzkrisen nicht eingesetzt wird. .. Nebenbei hätten wir dann noch ein zweites Land dass uns dann 12 Punkte beim Eurovision song Context gibt. Moment war da in dem Artikel nicht auch noch die rede von Andorra und Monaco?

 


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