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Web Log Teil 67 : 17.6.2008-21.6.2008

Dienstag 17.6.2008: Shuttle Verbesserungen und Versäumnisse

Beim Stöbern im Netz wie oft wohl die SSME eingesetzt wurden bin ich über die Info gestoßen das die Block II AHMS Triebwerke nun doch noch eingesetzt werden, bzw. schon ihren ersten Flug hinter sich haben.

Die Space Shuttle Triebwerke sind die Teile die am häufigsten verändert wurden. Ursprünglich waren 3 Phasen gedacht bei denen man nach und nach den Schub steigern wollte auf 109 % und damit die Nutzlast wieder anheben, da die Space Shuttles zu schwer waren. Nach Challenger wurde dieser plan modifiziert und es ging nun weniger um die Erhöhung des Schubs (das 109 % Ziel wurde z.B. gestrichen) sondern vielmehr um die Erhöhung der Sicherheit. Das letzte Ziel war die Einführung eines Systems aus Sensoren und Computern an den Triebwerken, die die Funktion überwachen und eine gravierende Fehlfunktion etwa 1 Sekunde vorher erkennen - genug Zeit um das Triebwerk abzuschalten.

Ichdachte eigentlich dass man dies auslassen würde, nachdem dieser Schritt eigentlich gedacht wurde um die Space Shuttle noch ein weiteres Jahrzehnt betreiben zu können und sie ja nun bald ausgemustert werden. Doch es wurden 4 der 5 ursprünglich bestellten Triebwerke geordert.

Dies ist nur eine der Verbesserungen des Space Shuttles in den letzten 20 Jahren. Der Hitzeschutzschild wurde erneuert und durch einen leichteren ersetzt, die Computer wurden ersetzt und die Displays durch moderne TFT ersetzt, und der Tank wurde durch den leichtgewichtigen und später durch den super-leichtgewichtigen ersetzt - letzterer wiegt etwa 7 t weniger als das Original.

Doch betrachtet man sich alle Veränderungen so haben diese aber nur einen Sinn: Das Space Shuttle sicherer zu machen. Die Zuverlässigkeit eines Triebwerks, gemessen an einem Ausfall sollte z.B. rechnerisch von 1/404 auf 1/2123 sinken. Man hat bei den Triebwerken sogar Leistungseinbußen in Kauf genommen um dies zu erreichen. Der SLWT war z.B. schon 1982 in Planung wurde aber erst eingesetzt, als das Space Shuttle mit den MIR Kopplungsflügen begann und bei der höheren Bahnneigung und höhere Umlaufbahn die Nutzlast rasch abnahm.

Will man die Nutzlast steigern so gäbe es andere Verbesserungsmöglichkeiten. Ein grundsätzliches Problem des Space Shuttles war z.b. die Energiebilanz. Konzipiert war der Orbiter für einen Stromverbrauch von 8 kW - Apollo kam noch mit 1.5 kW aus. Doch schon vor dem Erstflug war klar, dass er 14 kW brauchen würde und Nutzlasten konnten dies noch erhöhen, z.B. wenn ein Spacelab mitflog. Das Space Shuttle nutzt Brennstoffzellen für die Stromversorgung, das bedeutet dass man für mehr Leistung mehr Wasserstoff und Sauerstoff mitführen muss. Dies geschieht in Paketen mit Tanks für Sauerstoff und Wasserstoff. ein Packet wiegt 940 kg und liefert etwa 884 kW Strom und 560 l Wasser. Bei einer 30 Tages Mission mit dem Spacelab braucht man so 15.6 t an Packs für die Brennstoffzellen. Da die leeren Packs (die immerhin noch 380 kg wiegen) die maximale Landenutzlast reduzieren kann das Raumlabor dann nur noch 6.5 t schwer sein.

Nun kann man das System aus Brennstoffzellen sicher nicht ersetzten, während des Starts und bei der Landung und bei Spitzenbelastungen braucht man Brennstoffzellen um den Strom zu gewinnen. Die 100 kWh die man für Start und Landung braucht, kann man schlecht in Batterien speichern. Doch im Orbit hätte man den Strom solar gewinnen können. Die DLR hatte Anfang der achtziger Jahre für eigene Spacelab Missionen den Versuchsträger DORA entwickelt, ein entrollbares Solarpanel, das man zusammengerollt kompakt im Nutzlastraum unterbringen hätte können. Die Spitzenleistung von 25 kW hätte ausgereicht um eine Dauerleistung von 14 kW zu liefern. Für den Betrieb auf der Schattenseite hätte man den Überschuss in Nickel-Cadmium Batterien gespeichert. Das Gewicht dafür hätte man schon bei 7 Tages Missionen durch die Einsparung von Treibstoff für die Brennstoffzellen hereingeholt.

Warum kam es nicht dazu? Deutschland konnte keine Spacelab Missionen mehr finanzieren und die USA haben nie ein analoges System entwickelt. Das ist um so unverständlicher als das Space Shuttle ja anders eingesetzt wurde als geplant. konzipiert war er für den Aufbau und Versorgung einer Raumstation. Dann koppelt er bald nach dem Start an diese an und wird von ihr mit Strom versorgt. Die Raumstation wurde aber gestrichen, die NASA konnte sich nur ein Großprojekt leisten. Auch für den geplanten Einsatz als Transportmittel für Satelliten war das keine große Einschränkung: Das Aussetzen eines Satelliten erfolgte meist am ersten Tag. Doch nach Challenger wurden alle kommerziellen Transporte gestrichen.

Was blieb waren einige wissenschaftliche Nutzlasten und eben die Flüge mit dem Spacelab und später Spacehab. Nutzlasten bei denen lange Aufenthalte die Ausbeute an Ergebnissen steigerten und die selbst viel eigenen Strom benötigen. Aber vielleicht war es ein neues System mit einem neuen Risiko, z.b. dem dass man das Panel nicht entfalten kann oder nicht mehr zusammenrollen. Das ist der Gedanke hinter allen Veränderungen: Nur kein Risiko oder noch besser das Risiko senken. Paradebeispiel sind die Triebwerke. Beim 109 % Schubniveau sollten sie 55 Flüge überstehen können. Doch kein Triebwerk flog solange. Den Rekord hält Triebwerk Nummer 2041 mit 19 Flügen. Die durchschnittliche Anzahl an Flügen liegt sogar bei nur 6, weil für 5 gebaute Orbiter über 50 Triebwerke gebaut wurden. Anstatt mit 112 % Schubniveau die bei Tests problemlos möglich waren arbeiten sie mit 104 % - das bedeutet eine Einbuße von 4-5 t Nutzlast.

Ich denke das Umdenken in der NASA begann nach Challenger. Vorher galt das Bestreben die Transporte zu maximieren. 1985 flogen die Shuttles 9 mal, und dies obwohl der vierte Orbiter Atlantis erst im Herbst 1985 in Dienst gestellt wurde. Für 1986 waren 13-16 Starts geplant. Die Nutzlast sollte durch die 109 % Triebwerke auf 31.7 t steigen. Ein modifizierter Space Shuttle mit höherer Nutzlast war für SDI geplant. Challenger zeigte, dass man für diesen ehrgeizigen Plan die Sicherheit der Besatzung aufs Spiel gesetzt hatte. Bei der Untersuchung der Explosion der Challenger kamen auch Versäumnisse bei früheren Missionen zur Sprache und die gesamte NASA Philosophie beim Space Shuttle System wurde kritisiert.

Das zeigt die Krux des Space Shuttle Systems: Wenn die Sicherheit wegen der Besatzung die immer mitfliegen muss (nicht aus technischen Gründen, das Space Shuttle wird sowohl beim Start wie auch bei der Landung komplett vom Computer gesteuert, der Pilot darf in den letzten Minuten vor der Landung selbst steuern, muss es aber nicht). oberste Priorität hat, dann sollte man nicht damit Missionen durchführen, die auch unbemannt möglich sind. Unbemannte Missionen können einem geringeren Sicherheitsstandard genügen und Verluste zwingen meist nicht das ganze Programme über Jahre anzuhalten um nachzubessern. Doch die NASA tat genau das Gegenteil: Sie hat das Space Shuttle als Kernkomponente aufgebaut. Erst für den Satellitentransport und dann für den Aufbau der Raumstation. Und das hat weniger etwas mit Technik als vielmehr mit Politik zu tun. Wie heißt es bei der NASA so passend "No bucks without Buck Rogers"....

Mittwoch: 18.6.2007: Politik und Medien

Am Sonntag sah ich in "Zapp" einen Bericht, nach dem immer weniger Leute Nachrichten schauen. Insbesondere bei den jüngeren Zuschauern ist der Schwund auffällig. ARD und ZDF haben damit am meisten zu kämpfen. Das Durchschnittsalter der Zuschauer der "Tagesschau" ist 60 Jahre, das bei "Heute" sogar 66 Jahre!

Wer meint die Privaten macht es besser: RTL Aktuell liegt bei einem Durchschnitt von 53 Jahren. Alle Nachrichten verlieren Zuschauer. Von den 15 Millionen 14-29 Jährigen schauen:

Nachrichtensendung Zuschauer zur Hauptsendezeit
Heute (ZDF) 70.000
SAT1 Nachrichten 120.000
RTL2 News 280.000
Tagesschau (ARD) 290.000
Pro 7 Newstime 360.000
RTL Aktuell 370.000

Bis auf RTL2, welche im Durchschnitt weniger Zuschauer hat, als die anderen 5 größeren Kanäle, kann damit keiner zufrieden sein. ARD und ZDF überlegen nun vor allem ihr Internetangebot auszubauen. Dort ist das Publikum im Durchschnitt 10 Jahre jünger, obwohl man dort dasselbe ansehen kann, wie im Fernsehen.

Allerdings hat der neue Rundfunk-Staatsvertrag hier wenig Klarheit geschaffen. Was erlaubt ist und was nicht. Doch ich denke es liegt nicht nur an den Nachrichten und ihrem Format selbst. Ich denke es hat sich viel verändert in den Sehgewohnheiten, nicht nur durch das Internet.

Wenn ich von mir mal ausgehe: Wenn ich Nachrichten schaue, dann eher die Tagesthemen oder das Heute Journal. Mich interessiert nicht die knappe Meldung, dass es irgendwo eine Konferenz zum Thema XY gab, oder sich Bush mit Blair trifft: Die Meldung in 20 Sekunden Dauer, hat mehr etwas von Diktat-Vorlesen oder Ankündigungen als das sie Information vermittelt. Mich interessiert dann die gesamte Story, der Hintergrund, und ich höre mir auch gerne die Einschätzung eines Korrespondenten an. Für das ist in den eigentlichen Nachrichten zu wenig Platz. Ich glaube auch nicht, dass man mehr Zuschauer bindet wenn man dann die Nachrichten selbst um Elemente erweitert, die heute in Lifestyle Magazinen kommen, wie einen Bericht von einer Tournee von Tokio Hotel.

Das zweite sind die Nachrichten selbst. Auf verschiedenen Dritten wird die Tagesschau vor 30 Jahren wiederholt. Seitdem hat sich doch vieles geändert und zwar vor allem was es an Nachrichten gibt. Das erste ist, das die Nachrichten breiter waren. Es gab Nachrichten über Entwicklungshilfe, Afrika, Stellungnahmen von Gewerkschaften etc. Das zweite war, dass ich das Gefühl habe, es liegt alles "näher" an uns, wir können es mehr beeinflussen. Heute wird ein Großteil der nationalen Politik von der EU bestimmt, zumindest auf wirtschaftlicher Seite. Die USA sind als letzte verbliebene Supermacht einen Alleingang gegangen und scheren sich einen Scheissdreck um die Meinung ihrer Verbündeten und bei den Problemen haben wir es mit globalen Problemen zu tun wie steigenden Erdölpreisen und Klimakatastrophe.

Ich kann mich noch erinnern wie in den achtziger Jahren das Waldsterben aufkam. Wie es die Leute aufrüttelte und es Bestandteil der Nachrichten wurde. Die Grünen profitierten von dem Waldsterben, weil die anderen Partien zuerst nicht drauf reagierten, dann jedoch als sie Wähler verloren, umschwenkten. Das löst nicht das Problem sofort, aber man hat doch das Gefühl noch vor 20-25 Jahren gehabt etwas selbst bewegen zu können, ob man nun gegen die Nachrüstung demonstrierte oder gegen AKW. Es mag offensichtlich nichts damit zu tun haben, aber es hat denselben Ursprung: Die Politikverdrossenheit und das mangelnde Interesse an Nachrichten.

Es ist in beiden Dingen das Gefühl selbst nichts mehr bewegen zu können, oder das es egal ist was man macht. In vielen Dingen stimmt dies auch. Wir können noch so viel an Treibhausgasen einsparen, wenn 1.4 Mrd. Chinesen jedes Jahr 10 % mehr davon in die Luft pusten. Doch neben dem gibt es auch, gemünzt auf unsere Partien, zwei wesentliche Gründe warum die Leute kein Interesse an Politik haben (woraus die Nachrichten ja größtenteils bestehen)

Die Nachrichten sind nur ein Randschauplatz, der von dieser immer größer werdenden Politikverdrossenheit betroffen ist. Das immer weniger Leute wählen gehen und Parteien wie die Linke oder im rechten Spektrum immer mehr Wähler bekommen, trotz ihrer Forderungen, die wirtschaftlich oder politisch nicht möglich sind. Aber es ist wenigstens eine Alternative. Die einzige die noch geblieben ist.

Können die Nachrichten daran etwas ändern? Ich glaube nicht und es gibt kein Patentrezept, wie man es ändern kann. Vielleicht sind die Nachrichten für alle auch ein aussterbendes Modell: Nicht umsonst haben Spartennachrichten ja Zulauf, denn sie bringen dass woran die entsprechende Gruppe interessiert ist. Vielleicht gibt es bald auch einmal Nachrichten für 15-30 Jährige, Nachrichten für 30-50 jährige usw...

Donnerstag: 19.6.2008: Der Shuttle - C

Vor der Challenger Katastrophe hatte die NASA noch hochtrabende Pläne für das Shuttle System. Die Centaur Oberstufe sollte die Nutzlast in den geostationären Orbit gegenüber der IUS verdoppeln. Andere Stufen mit lagerfähigen Treibstoffen für größere Nutzlasten, die weniger Platz im Nutzlastraum brauchten waren angedacht. Das wichtigste Projekt war jedoch der Shuttle-Carrier oder Shuttle-c.

Das Shuttle-c ist nicht ein System, vielmehr eine Idee von verschiedenen Schwerlasttransportern auf Basis der Space Shuttle Komponenten. Das größte System bestand aus 4 Feststoffboostern, einem verlängerten Tanks und 4 Triebwerken. Anstatt einem Space Shuttle hätte dieses System nur eine Nutzlastbucht transportiert. Nur die Booster wären wiederverwendbar gewesen.

Das kleinste System war ein umgebauter Space Shuttle. Triebfeder für diese Projekte war nicht der Bedarf bei einem solchen System, sondern das SDI Programm. Wenn dieses in die Realisierungsphase gehen würde, hätte man hunderte von schweren Nutzlasten in den Orbit transportieren müssen. Die NASA offerierte dafür das Space Shuttle, während die Air Force lieber eine eigene, konventionelle, Schwelastrakete entwickeln wollte.

Für die kleinste Version des Shuttle-C gab es immerhin konkrete Planungen: Es war im wesentlichen ein normales Space Shuttle, bei dem man nur alle ausgebaut hatte, was für eine Besatzung notwendig war, also Kabineneinrichtung, Lebenserhaltungssystem, Vorräte, Gase etc. Der Space Shuttle sollte unbemannt in den Orbit starten und unbemannt landen. Technisch gesehen ist das kein Problem, den das Space Shuttle braucht keine Besatzung um einen Orbit zu erreichen und zu landen. Sofern man nur Nutzlasten aussetzt, hat die Besatzung auch nicht mehr zu tun als auf einen Knopf zu drücken, der den Behälter öffnet und die Verbindungen zur Fixierung im Nutzlastraum durchtrennt. Durch Federn wird dann der Satellit sanft weggedrückt. Eine Besatzung braucht man wenn man wie heute eine Raumstation aufbauen will und Außenmontagen anstehen

Nach NASA Schätzungen hätte ein solches Shuttle etwa 45 t Nutzlast befördern können. Also 50 % mehr, bei wahrscheinlich geringeren Startkosten. Denn die Besatzung ist ja nicht an Bord, das macht die Mission schon billiger, dazu kommet, dass man geringere Sicherheitsstandards anlegen kann. Aber ich will es mal genauer berechnen.

Basis sind die 31.1 t welche die Space Shuttles mit dem Lightweight Tank und 109 % Schubniveau erreichen sollten. (Nach den Planungen von 1982) Basierend auf diesen Daten kommt man zu folgenden Verbesserungen:

Da fehlt aber noch einiges: Zusammen sind dies 9.1 t. Das liegt darin, dass man das Cockpit so nur ausgeweidet hat, die gesamte schwere Struktur des Cockpits, das ja der einzige teil unter Druck steht und absolut dicht sein muss. Das eine 70 m³ große Kabine natürlich einiges wiegt ist klar. so kommt man auf die 45 t, wenn man die Struktur entsprechend leichter macht.

Wahrscheinlich könnte man sogar noch mehr Nutzlast transportieren: Das Space Shuttle erreicht normalerweise nach der Abtrennung vom Tank keinen Orbit. Mit den beiden OMS Treibwerken bringt es erst die Geschwindigkeit auf um einen niedrigen Orbit zu erreichen. Zwei Zündungen führen zu einem niedrigen Orbit. vor dem Wiedereintritt muss dann gegen die Flugrichtung gezündet werden um einen Wiedereintritt zu ermöglichen. Dazu braucht man etwa 2/3 der knapp 10 t Treibstoff die das Space Shuttle mitführt. Der Rest dient für Kurskorrekturen. Wer nur Satelliten aussetzt braucht das nicht. Der Satellit müsste dann nach dem Aussetzen (direkt nach Abtrennen des Tanks) ein eigenes Triebwerk zünden und selbst einen Orbit erreichen. Zumindest wenn nur eine Nutzlast ausgesetzt wird ist dies gangbar. Bei 4 oder 5 Satelliten die in unterschiedliche Bahnen gelangen ist das schwer möglich. Dann brauchte man aber nicht die OMS Triebwerke mit ihren Tanks - 2.5 t für die Triebwerke und die Tanks und 9.7 t für den Treibstoff - Die Nutzlast stiege um weitere 12 t. Für Veränderungen der räumlichen Lage gibt es immer noch das unabhängige RCS System mit weitere 3 t Treibstoff.

So bekäme man einen Space Shuttle der einen Orbit erreichen kann mit 45 t Nutzlast und einen der eine suborbitale Bahn erreicht mit 57 t Nutzlast. Mit dem Risiko, dass dies nur geht wenn die Nutzlast praktisch sofort nach dem Aussetzen ihren eigenen Antrieb zündet - aber das unterscheidet sie nicht sehr von Planetensonden bei denen das nach 90 Minuten der Fall ist und dem Space Shuttle, der dies auch tun muss um einen Orbit zu erreichen.

Allerdings nur theoretisch. Die Struktur des Nutzlastraumes ist für maximal 35 t ausgelegt, das kostet dann wieder etwas von der Nutzlast um diese zu verstärken, jedoch nicht viel, der Rumpf rund um die Nutzlastbucht ist der leichteste Teil des Orbiters.

Nach dem Verlust der Challenger änderte sich die NASA Philosophie vollständig. Die Sicherheit der Besatzung ging nun vor, sie hätte auch vorher schon das wichtigste Kriterium sein müssen. Man begrub aber auch alle Pläne für den Shuttle-C. Ich denke es wäre anders gelaufen wenn man einen der Orbiter zu einem reinen frachtraumschiff aufgebaut hätte für all die Transporte die man ohne Besatzung, ohne große Eingriffe durchführen kann. das sind Satellitentransporte und Transporte von Raumstationselementen bei denen man keine Montagen durchführen muss. (Reine Labormodule z.B.)

Als 2004 die CLV propagiert wurden, die später die Bezeichnung "Ares" bekamen sahen die meisten Planungen die Verwendung der SSME in beiden Raketen vor. Für das SSME sprechen seine Daten. Es ist das zuverlässigste Triebwerk, das es heute gibt, es hat einen hohen spezifischen Impuls und ist eine leichtgewichtige Konstruktion. Und nebenbei: Da 60 Stück davon gebaut wurden und nur 6 beim Einsatz verloren gingen müssten jede Menge Triebwerke nutzbar sein - 55 Flüge sollte jeder überstehen, keines flog mehr als 19 mal. Man entschied sich aus Kostengründen für das J-2X, so wird nicht nur 2010 das letzte Space Shuttle ausgemustert sondern auch jede Technologie die sie eingeführt haben. Mich würde wirklich interessieren was Wernher von Braun sagen würde, würde er heute noch leben und erfahren, das ein im Jahre 1967 entwickeltes Triebwerk, vorgesehen für verbesserte Versionen der Saturn V, 50 Jahre später eine neue Mondrakete antreiben werden, während man das zwischendurch neu entwickelte und mit Milliardenaufwand über 20 Jahre sicherer gemachte SSME in Rente schickt... In den USA ist wirklich alles möglich.

Freitag 20.8.2008: Kritische Auseinandersetzung

Gestern bin ich dem Link von Roman Erstling gefolgt und war erschrocken. Ich hoffe nur keiner nimmt diesen Text als Schulreferat. Man könnte viel zum Moon-Hoax sagen, aber das ist schon von anderen tausendfach getan worden und es ist meiner Erfahrung nach eine Endlos Diskussion. Das ist wie mit einem Kreatonisten über Evolution oder das Alter der Erde zu diskutieren.

Aber ich will einmal annehmen das der Autor nur einen Fehler gemacht hat: Die falschen Quellen genommen und zu naiv an die ganze Sache heranzugehen. Denn die beiden einzigen Literaturquellen sind Gernot Giese und Gerhard Wisnewski . Beide sind dafür bekannt Geld damit zu verdienen dass Sie Bücher über Verschwörungstheorien schreiben. Nach Gerhard Wisnewski z.B. hat die CIA die Flugzeuge in das Wourld Trade Center gelenkt.

Bei einem Referat sollte man vieles lernen, ich glaube das wichtigste ist nicht über ein Gebiet zu referieren. Es ist vielmehr, selbstständig sich ein Thema zu erarbeiten und Informationen aus verschiedenen Quellen zu benutzen. Das Referat ist ja eine klassische wissenschaftliche Arbeit, und in der Wissenschaft ist eben nicht alles schwarz und weiß. Im wesentlichen kommt man bald von Fakten zu Modellen und dann zu Ansichten. Und dann kommt man auch bald zu unterschiedlichen Meinungen. Nehmen wir den Klimawandel: Wir wissen noch zu wenig über die Wirkung verschiedener Spurengasen, bestimmten Prozessen im. Boden und der Wechselwirkung zwischen Atmosphäre und Meer. Wie lange bleibt Kohlendioxid im Meer? Ist es ein Langzeitspeicher oder kann die Erwärmung sogar weiteres Kohlendioxid freisetzen? Das ist der Grund warum verschiedene Modele verschiedene Prognosen ergeben. In der Wissenschaft versucht man daher Vorhersagen zu verifizieren oder wenn dies nicht möglich ist, Fehler oder Unstimmigkeiten zu erkennen.

Wenn man über etwas referiert, was schon erforscht ist, (das ist für Schüler wohl besser),  dann geht es darum Informationen aus verschiedenen Quellen zu sichten, zu vergleichen, Übereinstimmigkeiten und Abweichungen zu finden und diese zu diskutieren und dann die eigene Meinung zu begründen. In dem Sinne hat der Autor des Referates versagt, denn er hat nur eine Sicht von einer Fraktion gebracht, die netterweise natürlich die Einwände gegen ihre Theorien in den neueren Büchern aufgenommen hat (Giese hat ja nicht nur ein Buch über das Thema geschrieben). so kann man sich die Recherche schön vereinfachen.

Bei Technik (und damit haben wir es ja in der Raumfahrt zu tun) geht es allerdings meist um andere Dinge: Es geht um Quellen und Werte und deren Richtigkeit. Damit hat man meist kein Problem: Anders ist es wenn das Datenmaterial nur partiell vorliegt und ein Autor etwas selbst ergänzt ohne das zu erwähnen. Die Situation findet man z.B. sehr oft bei Mark Wades Website. Dann braucht man Fachverstand um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Manchmal hat man es aber auch mit Irreführung zu tun und dann hilft Logik. Ich möchte nochmal zur Falcon und SpaceX zurückkommen. Ich halte deren Nutzlastangaben für reine Wunschvorstellungen. Man kann das beweisen, wenn man die Raketengrundgleichung für die Rakete ansetzt (sicherlich mit einer Unsicherheit, da deren Daten nicht vollständig offenliegen). Das kann zugegeben nicht jeder. Doch so weit muss man nicht gehen. Man muss die Rakete nur mit anderen Raketen der gleichen Technologie vergleichen. Die Angara verwendet z.B. den gleichen Treibstoff, aber ist in einigen Parametern "besser": Sie braucht weniger Triebwerke (reduzierte Leermasse) und setzte das Hauptstromverfahren ein, was den Treibstoff effizienter Nutzt (höhere Ausströmungsgeschwindigkeit). Vergleicht man also Startmasse und Nutzlast so müsste die Angara besser abschneiden, aber das Gegenteil ist der Fall:

  Falcon 9 Heavy Angara A5
Startgewicht: 885 t 980 t
Nutzlast LEO 29.6 t 24.5 t
Nutzlast GTO 15.0 t 5.4 t

Wenn man dies nicht nur mit den Angara macht sondern mit anderen Trägern (es gibt eine Reihe mit der Treibstoffkombination LOX/Kerosin die man nutzen könnte), dann wird man sehen, dass die Falcon Daten signifikant besser als die aller anderen Trägerraketen sind. Besonders auffällig ist der hohe GTO Wert. Bei den meisten Raketen beträgt dieser etwa ein Drittel des LEO Wertes, bei der Falcon 9 ist er nur halb so groß.

Mit Logik hätte man auch auf den wohl wahrscheinlicheren Ablauf des Apollo Unternehmens gekommen, selbst wenn man keine Ahnung von Technik und Physik hat. Das grundsätzliche bei allen Moon Hoaxern ist ja, dass sie sich nur einen Aspekt der Mondlandung herausgreifen. Apollo war ein Programm, das von 1961 bis 1972 dauerte, das über 25 Milliarden Dollar kostete und zeitweise 5 % des US Haushaltes ausmachte (heute entspricht dies etwa 120-150 Milliarden Dollar, wenn man die Inflation berücksichtigt). Dabei wurde die Saturn V gebaut, getestet und eingesetzt, die Apollo Raumschiffe wurden gebaut, nach dem Brand von Apollo 1 umkonstruiert und ebenfalls zuerst unbemannt getestet, es gab das Gemini Programm um die Techniken im Erdorbit zu erproben. Es gab vor Apollo 11 vier bemannte Apollo Missionen welche die Kapsel im Erdorbit (Apollo 7), das Einschwenken in eine Mondumlaufbahn und die Navigation erprobten (Apollo 8), die Mondfähre wurde im Erdorbit getestet (Apollo 9) und es gab mit Apollo 10 eine Generalprobe der Landung bei der man sich bis auf einige Kilometer der Oberfläche näherte. Wie der Autor feststellte, es arbeiteten bis zu 400.000 Menschen an diesem Projekt, und dann wenn man das Ziel nach 10 Jahren Arbeit und einem enormen finanziellen und persönlichen Aufwand erreicht hat dann....

Wenn ich logisch denken kann würde ich Möglichkeit B nehmen. Das andere macht logisch keinen Sinn. Es gibt viele Dinge, die man nicht so ohne weiteres verstehen kann, vieles kann einem jemand erklären der sich technisch auskennt. Meiner laienhaften Ansicht müssten ein paar Kilo Sprengstoff ausreichen, um in einem geschlossenen Raum Hitler zu töten, aber es scheiterte und das kann man sicher erklären mit der Position der Bombe und Möglichkeiten der Druckwelle durch Fenster oder ähnliches zu entkommen. Trotzdem würde ich das nicht als einen Fake bezeichnen. Das Ereignis ist nicht umsonst so gewählt: Denn es gab dort wie bei der Mondlandung nur wenige Augenzeugen.

Mit dem System Dinge zu bezweifeln, die man mangels eigener Kenntnisse nicht versteht, oder aus Behauptungen Tatsachen zu machen, könnte man sonst eine ganze Menge Dinge in der Geschichte bezweifeln. Der Unterschied dazu ist nur dass es bei den meisten Ereignissen genügend Augenzeugen gab das daran keiner zweifelt.

Mit Logik kommt man auch weiter bei der Behauptung, das die CIA die Flugzeuge aufs WTC lenkte. Die Frage ist abseits von "Beweisen" doch: Warum sollten die USA das tun? Die Antwort ist: Um die Öffentlichkeit für einen Krieg zu gewinnen. Das ist doch ausgemachter Blödsinn. Die USA haben doch in den vergangen Jahren etliche Kriege angefangen ohne sich um die Öffentlichkeit zu kümmern: Den Golfkrieg von 1991 und die Invasion in Panama sind zwei solche Beispiele. Wie man am späteren Irak Krieg hat braucht man auch keinen großen Aufwand betreiben um einen Krieg anzuzetteln. Es reichen ein paar nette Grafiken über angebliche Fabriken auf Lastwagen und windige Behauptungen und schon hat man die komplette Nation hinter sich und wird sogar wiedergewählt wenn jeder weiß, das es erfunden und erlogen war.

Warum ist das ganze dann heute so "In"? Vielleicht weil es mehr Medien gibt und mehr Möglichkeiten für Spinner die verfügbare Sendezeit zu füllen oder sich selbst darzustellen? Vielleicht aber auch weil dünnbrettbohren heute Mode geworden ist. Denn einen Vorteil haben doch alle Verschwörungstheorien: Sie ersparen einem sich mit dem ganzen zu beschäftigen, Arbeit hineinzustecken sondern sie ersetzten Tatsachen durch erfundene Behauptungen. Ach ist das doch so bequem. Nachdenken macht doch soviel Arbeit.

Für alle die trotzdem gerne nachdenken mein Buchtipp: Ich halte nicht viel von Jesco von Puttkamers Büchern, aber sein Buch über Apollo 11 halte ich für das beste über die Mission und Apollo im deutschsprachigen Raum, voller Daten und Fakten. Von der Mahlzeit die auf der Mondoberfläche gegessen wurde bis zum Kalman Algorithmus zur Navigation. Leider nur noch gebraucht verfügbar. Aber sehr zu empfehlen (zumindest allen die keine Dünnbrettbohrer sind)

Apollo 11, 'Wir sehen die Erde'
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