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Web Log Teil 70 : 17.7.2008

Donnerstag 17.7.2008: Werde ich noch eine bemannte Marslandung erleben?

Die Frage ist nur rhetorisch gemeint. Wernher von Braun wollte ja nach der Mondlandung weiter zum Mars. Eine erste Landung war im Zeitraum von 1981-1986 geplant. Seitdem gab es nicht wenige Pläne für eine Marslandung. Sei es von NASA Seite (die eine Marslandung auf Wunsch von Bush Senior ausarbeiten sollte. Sie erwies sich als nicht finanzierbar) wie auch privater Seite. (Zurbrins Mars direct Plan, als bekanntestes Beispiel). Nächstes Jahr ist das 40 Jährige Jubiläum der Mondlandung. Ich glaube nicht, das wir in den nächsten 40 Jahren eine bemannte Marslandung sehen werden. Und danach müsste ich schon viel Glück haben, dass ich sie noch erlebe.

Warum? Zum einen sehe ich nicht mal am Horizont, dass man sie angeht. Selbst die unbemannte Marsforschung wird nun langsam wieder herunter gefahren. Ein Kommunikationsorbiter zum Startfenster 2009 wurde gestrichen. Im Jahre 2011 wird es keine Mission seitens der USA geben. Diese wurde auf 2013 verschoben. Eine Probenrückführmission wurde seit 1997 laufend vorgeschlagen und laufend verschoben. Mittlerweile ist von einem Startdatum nach 2018 die Rede.

Bei der bemannten Raumfahrt ist seitens der Kandidaten für das Präsidentschaftsamts noch nicht sicher, ob sie das Constellation Programm so fortführen werden. Alle sind sich einig, das die Ares I und Orion Kapsel gebaut werden wird, um die ISS zu versorgen. Doch keiner hat sich für eine Rückkehr zum Mond geäußert.

Selbst wenn man das Constellation Programm fortführt, so ist es kein weiterer Schritt auf dem Weg zum Mars. Dabei wird der Mensch für die Forschung immer unwichtiger. Roboter können immer mehr, doch die Fähigkeiten des Menschen bleiben gleich. Man muss sich nur die Fortschritte bei der Entwicklung der mobilen Rover von Pathfinder zum mobilen Marslabor vergegenwärtigen.

Technisch gesehen gibt es schon heute keinen Grund für eine bemannte Marslandung. Doch technisch gesehen gibt es auch keine eine Raumstation zu bauen, trotzdem wurde die ISS gebaut. Auch Apollo war nicht ein wissenschaftliches Programm, sondern ein politisch-technologisches. Das ist meiner Meinung nach der Schlüsselaspekt: Die enormen Finanzmittel für Apollo gab es nur, weil man damit die technologische Führung der USA demonstrieren wollte. Beginnend mit dem Sputnik, hatte sich der Weltraum zu einem friedlichen Kriegsplatz der politischen Systeme von Ost und west etabliert. Meiner Meinung nach ein besserer Wettstreit, als Waffen in die Dritte Welt zu exportieren und diese Stellvertreterkriege austragen zu lassen.

Nur dieser Aspekt führte zu der Freisetzung solcher Mittel. Niemals mehr hat man seitdem in so kurzer Zeit so viel in Raumfahrt investiert. Weder bei der ISS, noch beim Space Shuttle und auch nicht beim Constellation Programm. Es fehlt aber auch heute an dem Konflikt oder irgend einem Antrieb der die USA - und sie sind die einzigen die es finanzieren könnten - zu einem solchen Unternehmen bewegen könnten.

Ein Marsprogramm ist nicht unfinanzierbar und es gibt auch die Mittel. Die USA haben in den achtzigern und neunzigern etwa 75 Milliarden für die SDI Forschung ausgegeben, das derzeitige Abwehrprogramm für Raketen aus "Schurkenstaaten" hat bislang auch einen zweistelligen Milliardenbetrag gekostet und der Irakkrieg ist bislang 4 mal teurer, als die günstigsten NASA Schätzungen für eine bemannte Marslandung. Aber es ist nun mal so, dass man das Geld lieber für andere Dinge ausgibt, die wichtiger scheinen. Diese Argumentation gilt nicht nur für die USA. Jesco von Puttkamer wies in einem seiner Bücher darauf hin, das die BRD es sich leistet, etwa 100 mal mehr in die neuen Bundesländer "zu pumpen" als sie für Raumfahrt ausgibt. In derselben Größenordnung liegt der Haushaltsposten für Soziales. Trotzdem bezweifele ich das man diesen um 1 Prozent kürzt um den Raumfahrtetat um 100 % zu erhöhen (was angesichts fester ESA Ausgaben einer Verdreifachung der Mittel für nationale Projekte bedeuten würde). Aber glauben sie wirklich, man würde dies tun? Solange es nicht einen übergeordneten Grund gibt, wie nationales Prestige, werden Gelder danach verteilt wer am meisten Lobbyisten hat. Politiker können wochenlang das Thema "Pendlerpauschale" in der Diskussion halten - ein einzelner Steuerposten, der nur zum Tragen kommt, wenn man größere Strecken zurücklegt, aber hat auch nur einer der führenden Politiker sich mit der deutschen Raumfahrt oder irgend einem anderen Forschungsprojekt beschäftigt? Da liegt der Hund begraben.

Ich könnte mir ein bemanntes Marsprojekt vorstellen, wenn eine zukünftige Gesellschaft dieses wiederum als Symbol ansieht: Als Symbol internationaler Zusammenarbeit und den Aufbruch der Menschheit außerhalb des Erde/Mond Systems. Ein Projekt in dem Amerika, Europa, Japan und Russland und vielleicht auch China beteiligt ist. Doch derzeit klappt es ja nicht einmal mit Absprachen, bei einem für die Menschheit viel wichtigeren Themen wie z.B. der Verhinderung des Klimakollaps.

Sonntag 20.7.2008: Kadar Loth

Ich schaue sehr gerne Kalkofes Mattscheibe. Die jetzt laufende Staffel (immer dienstags um 23:15 auf Pro 7) erweckte mein Interesse für Kadar Loth. Zuerst nahm Kalkofe eine von ihr moderierte Literatursendung auf Tier TV aufs Korn, bei der sie offensichtlich weder die Bücher gelesen hatte, noch überhaupt der deutschen Grammatik mächtig war:

In der neuesten Folge teilt und Kadar nun mit, das Deutschland für ihr Talent viel zu klein ist und auch hier weiß Kalkofe die richtige Antwort:

Wer dann noch bei Youtube sucht, findet das absolute Highlight, ein Besuch von RTL bei Kadar Loth. Wo sie gecastete Fans empfängt die sie "bewundern". Sie dem Fernsehen gesteht, das sie Kafka nicht gelesen hat weil "Mit dem Thema konnte ich nach dem Inhaltsverzeichnis mich nicht identifiziert" und sie meint: "Ich brauche jemand der das Potenzial hat mich zu entdecken und die Rede ist natürlich von mich, ich habe mich selbst entdeckt und deshalb verdiene ich einen Nobelpreis".

Eigentlich braucht man nicht Kalkofe um die Clips anzuschauen, die Frau ist eine lebende Realsatire und zum einen der Beweis, dass man auch ohne Gehirn recht weit kommt und zum anderen wie weit dich unser Fernsehen verfallen ist.

Da ich allerdings noch nie vorher von Kadar Loth gehört habe, habe ich mich gefragt warum sie immer so oft im Fernsehen kommt. Nach Wikipedia und ihrer eigenen Homepage besteht die Karriere aus folgenden Ereignissen:

Sagen wir es mal so: Für die paar Auftritte die Kadar Loth aufweisen kann hat sie eine grandiose Selbstüberschätzung. Oder wie auf ihrer Homepage nachzulesen:"So wurde Kaders Wortwahl, ihr Benehmen und ihre unverwechselbare Art, in Verbindung mit den komödiantischsten Momenten dieses Fernsehformates, zum ultimativen Kult für unterschiedlichste Gruppen in unserer Gesellschaft.". Ach ja nun will sie eine Privatdetektei gründen und auch als Mann verkleidet und als Bodyguard auftreten, Bleibt zu hoffen, das zumindest das letzte nicht ihr letzter Auftritt als Kugelfänger bleibt. Nach dem von Sat1 protokollierten Schießtraining (warum wundert es mich nicht, dass dabei wieder das Fernsehen dabei ist) trifft sie immerhin die Wand, nur nicht die Zielscheibe... Leute geht in Deckung wen ihr Kadar Loth seht. Beim zweiten Training mit einem gefakten Fall ist übrigens wieder derselbe gecastete Fan zur Stelle wie schon 2004.... Selbst SAT 1 findet das der Busen wohl das herausragendste an Kadar als Detektiv ist. Zitat "Ich muss unbedingt mir einen Sport-BH kaufen, es war alles zu schwer" Lol!

Aufgrund der grandiosen Selbstüberschätzung die in diametralem Kontrast zu den bisher nur kleinen Auftritten als Gast in TV Shows steht, den fehlenden Deutschen Sprachkenntnissen, die nicht so recht zu der Biographie "Interesse an fremden Sprachen und Kulturen" passen, wollen ist Kadar Loth interessant. Doch derartiger Ruhm verfliegt rasch, wie man an anderen Eintagsfliegen sieht wie z.B. Daniel Kubelböck. Warum schafft jemand so talentfrei und ohne Kenntnis der deutschen Sprache und getürktem Geburtsdatum (angeblich geboren 1975, wenn das stimmt sieht sie für ihr Alter verdammt schlecht aus) es immer wieder in die Medien? Ich weiß es nicht. aber eines weis ich: Kadar Loth ist ein guter Beweis wie das Fernsehen immer schlechter wird. außerdem muss man damit enorm gut verdienen, denn wenn ich die Spots von Kadar Loth zusammenzähle, dann sind das 2-3 kurze Auftritte im Jahr, und das muss offensichtlich ausreichen um damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, den mehr macht sie ja nicht (zumindest sind ihre beiden Lieder keine Hits geworden).

Dienstag: 22.7.2008: Warum das HTV?

HTVBeim Ansehen der neuesten Nachrichten über Weltraumforschung stolperte ich über diese. Danach soll die NASA planen einige HTV von Japan zu kaufen um damit die Lücke in der Versorgung der ISS zu schließen, die nach der Ausmusterung der Space Shuttles 2010 klafft. Das ganze ist noch vage und ich fand die Meldung auch nur in einem von 4 New Portalen. Trotzdem stellt sich die Frage, warum es das HTV ist.

Wenn man nach den kosten fragt, so wäre sicherlich eine Versorgung mit Progress Transportern das preiswerteste. Auch wenn es dazu keine genauen Zahlen gibt, so gibt es doch Angaben über die startkosten einer Sojus Rakete und die über einen Flug zur ISS mit einer Sojus Kapsel und auf deren Basis kann man leicht errechnen, das die Progress-Transporter, trotz ihrer kleinen Nutzlast preiswerter als ein ATV und HTV sind. Das ist auch logisch, denn schlussendlich ist der größte Posten bei jeglichen Weltraumprojekten der Personalaufwand für Fertigung, Qualitätssicherung und Dokumentation durch gut bezahlte Spezialisten. Da das Lohnniveau in Russland viel geringer als im Westen ist, werden immer russische Angebote billiger sein.

Gegen Progress spricht wahrscheinlich die geringe Kapazität und die Tatsache, dass Sojus Zubringer und Progress Transporter an denselben Docking Adaptern ankoppeln. Wenn man ab 2009 die Stammbesatzung auf 6 Personen erhöhen will braucht man aber doppelt so viele Sojus Raumschiffe nämlich 2 pro Besatzung.

Das HTV kann man in der Technik auch eher mit dem europäischen ATV vergleichen. Beides sind Transporter die nur für die Versorgung der ISS entwickelt wurden. Die Progress Kapseln dagegen umgebaute Sojus Kapseln.

Die Unterschiede liegen im Detail:

Das ATV erscheint also flexibler zu sein als das HTV. Warum habe ich nicht von Verhandlungen mit der ESA gehört?

ATVIch denke es gibt zwei sehr wichtige Unterschiede, die für die NASA wichtig sind:

Erstens die Startmasse: Die NASA hat ja die Politik "Ich mach alles selbst". Satelliten der NASA oder des DoD sind noch nie von anderen Trägerraketen gestartet worden und es ist ja auch die Rede von dem Kauf von HTV, aber nicht von deren Start. Es gibt derzeit nur eine US Rakete, welche das ATV transportieren könnte, das ist die Delta IV Heavy. Diese wird aber sehr selten eingesetzt. Mit 10.5 t Startmasse ist das HTV dagegen von allen Atlas Versionen und der Delta 4M (4,2) und (5,4) transportiert werden. Auch die Falcon 9, sollte es sie jemals geben wäre dazu geeignet. Diese Politik ist allerdings schon in der Vergangenheit gebröckelt, zumindest bei der ISS, als man erst die beiden russischen Module Sarja und Swesda kaufte und dann zahlreiche Teile für die Innenausrüstung wie z.B. die Toilette die kürzlich so viel Aufsehen machte. Auch Sojus und Progress Starts wurden gekauft als die Space Shuttles am Boden blieben und Sojus Zubringer Flüge werden ab 2009 ebenfalls bezahlt werden um die Stammbesatzung zu halten.

Zweitens die Kopplungsposition. Das HTV wird vom Canadarm2 an den Verbindungsknoten Harmony bugsiert und dort angekoppelt. Das ATV koppelt dagegen an Swesda an, wo sich auch die Treibstofftanks der Station befinden. Es befindet sich dann damit in der Längsachse und kann so die Station anhebenr. Diese Kopplungsstutzen wird auch für die russischen Progressmodule genutzt. Das ist eine Konkurrenzsituation und wahrscheinlich das wesentliche k.o. Kriterium für das ATV. Den verbunden mit den weitaus günstigeren Startmöglichkeiten einer Ariane 5 ist das ATV die günstigere und flexiblere Lösung für die Versorgung der ISS.

Was mich in diesem Zusammenhang wundert ist, das die NASA so spät reagiert. Tatsache ist doch, das schon Anfang 2004 beschlossen wurde die Space Shuttles nach Fertigstellung der ISS auszumustern. Dies wird Mitte bis Ende 2010 sein. Damit standen 6 Jahre zur Verfügung um ein eine Alternative zu finden. Bei dem bemannten Teil ist das die Orion Kapsel, die langsam Gestalt annimmt, aber wie immer bei bemannten Projekten deutlich länger als 6 Jahre braucht um einsatzfähig zu sein. Ein unbemanntes System hätte man dagegen in 6 Jahren verwirklichen können. doch mehr als zwei Kontrakte zum einen für SpaceX und zum anderen für OSC zur Entwicklung eines Versorgungsraumschiffes gab es bislang nicht. Keinen Auftrag für ein System selbst und vor allem die beiden Kontrakte sind jung - vom letzten und diesem Jahr. Man hat also 3-4 Jahre Zeit unnütz verstreichen lassen.

Insgesamt habe ich den Eindruck bei der ISS, das es hier sowohl an dem politischen Willen, wie auch einem schlüssigen Konzept zur Versorgung und Aufrechterhaltung des Betriebs fehlt.

Donnerstag: 24.7.2008: Über den Umgang mit Toten

Verschiedene Dinge haben mich dazu gebracht, mal darüber nachzudenken wie unsere Gesellschaft mit Toten, menschlichen Überresten und dem Glauben den diese zu Lebzeiten hatten, umgeht. Es waren Berichte über Forschung in Ägypten und an Mumien, aber auch in Europa, wo man aus dem Erbmaterial einer bronzezeitlichen Familie, aus den Gebeinen die in einer Höhle lagerten, rekonstruieren konnte und sogar 3 lebende Nachfahren in der Umgebung heute fand.

Am meisten bewegte mich aber ein Beitrag wo auch Ramses II im ägyptischen Museum gezeigt wurde, angegafft von Tausenden von Besuchern jeden Tag. Die alten Ägypter glaubten, wie viele andere Völker und im Endeffekt auch wir, an ein Leben nach dem Tode. Dafür musste der Körper erhalten werden und dieser Aufwand für die Mumifizierung wurde deswegen betrieben. Zerstörte man die Mumie, so zerstörte man nach deren Ansicht auch die Möglichkeit des Lebens nach dem Tod. Das schlimmste Vergehen das bei den - damals schon vorkommenden - Grabräubereien auftrat, war nicht der Diebstahl von Wertsachen sondern die Störung der Totenruhe oder die Beschädigung der Mumie.

Das mag uns seltsam vorkommen, doch sind wir so weit weg? Wer sich verbrennen lässt, bekommt kein Begräbnis mit Pfarrer, zumindest bei uns ist das so. Anders wird nur auf den letzten Teil des Ritus die Abschiednahme am Grab verzichtet, die immer so gerne im Fernsehen kommt (Asche zu Asche, Staub zu Staub).

Natürlich kann man argumentieren, dass wir nun nur noch von sterblichen Hüllen reden und die Betroffenen lange tot sind und nichts davon merken, dass ihre Knochen wissenschaftlich untersucht oder in aller Öffentlichkeit ausgestellt werden. Doch darum geht es nicht. Es geht um den Respekt, den wir für andere und ihre Vorstellungen haben und dieser sollte nicht beim Tod enden. Auf der anderen Seite gibt es die Wissenschaft, die natürlich mehr über die Menschen und ihr Leben herausfinden will. Ich meine das dies nicht unvereinbar ist: Wissenschaftliche Untersuchungen ja, aber danach bitte wieder zurück in die Begräbnisstätte. Aber keine Ausstellung für die gaffende Volksmenge.  Interessanterweise haben wir hier eine Zweiklassengesellschaft. Von einem Beitrag gestern Abend im ZDF erfahre ich, dass man die etwa 40 bronzezeitlichen Gräber in einer Höhle vollkommen ausgeräumt hat und die Skelette nun alle schön sortiert in Pappkartons in der Kühlkammer lagern. Als man bei Friedrich dem Großen Untersuchungen machte, hat man die Knochen dagegen danach wieder in den Sarg zurückgelegt. Was unterscheidet Friedrich den Großen von Ramses dem II ? Beide waren Herrscher, Ramses der II sogar ein größerer und weltweit bekannterer, als Friedrich. Gibt es eine Zweiklassengesellschaft weil der eine christlich bestattet wurde, und der andere nicht? Was würden Menschen denken, wenn man das Skelett von Friedrich II auf der Berliner Museums Insel ausstellen würde?

Ich denke in keinem unserer Museum muss eine echte Mumie oder ein Skelett ausgestellt sein. Bei sehr alten (und wertvollen) Funden wie Fossilien von Vormenschen ist das auch heute schon der Fall - was sie sehen ist ein Abguss, eine Replik. Warum geht das nicht auch mit Mumien? Die Frage ist auch, was wollen uns Museen vermitteln? Wollen sie Originale ausstellen und diese erklären oder die Kultur und die Vergangenheit erklären? Ich glaube das sehr oft die Menschen mehr von Rekonstruktionen haben, als wenn sie Bruchstücke eines Originals ansehen. Inzwischen eröffnen sich ja dank Computertechnik noch weitere Möglichkeiten - ich kann Dinge tun, die kein Museum leisten kann, wie virtuell durch eine antike Stadt gehen.

Das zweite was mich bewegte, ist wie auch heute mit Verstorbenen umgegangen wird. Wissen sie was passiert, wenn sie als Harz-IV Empfänger sterben und keine sofort fassbaren nahen Verwandten haben? Da man innerhalb weniger Tage bestattet werden muss und das Sozialamt zu langsam und zu träge ist, nach Verwandten zu suchen, werden sie in diesem Falle auf die billigste Art und Weise bestattet: Als anonyme Urne auf einem Gräberfeld. Ohne Kreuz, ohne Schmuck, wer nicht weiß, das es ein Gräberfeld ist, könnte es auch für eine Rasenfläche halten.

Es ist klar, dass wir heute in vielem von dem Abrücken müssen, was früher üblich war, wie ein dauerhaftes Grab, wie man es noch vor 100 Jahren hatte und man es von alten Friedhöfen kennt. Ansonsten gäbe es bald nur noch Friedhöfe in den Städten und kaum noch Wohnraum. Heute ist ein Grab nicht für ewig sondern für 25 Jahre gemietet. Aber wie hier mit Sozialhilfe Empfängern verfahren wird, ist doch nochmal eine andere Dimension. Sie verschwinden eigentlich nach dem Tod. Es gibt kein Grab, kein Kreuz. Darauf bin ich gekommen, durch einen Beitrag als eine Tochter nicht innerhalb der 3 Tage gefunden werden konnte, und diese dann ratlos vor der Rasenfläche stand. Niemand konnte ihr sagen, wo ihre Mutter begraben war "Irgendwo da", sagte der Friedhofsgärtner und machte eine ausholende Armbewegung. Das man jemand verliert, auch wenn man lange von ihm getrennt ist, ist schon schwer. Aber dann nicht mal ein Grab zu haben, wo man Abschied nehmen kann oder das man pflegen und besuchen kann - auch für viele richtig - das ist doch eine andere Dimension.

Mal dumme gefragt: Ist unser Staat so arm, das er sich nicht ein Holzkreuz und ein paar Grenzmarkierungen leisten kann, die eine Parzelle eingrenzen und die es ermöglichen, wenn es doch noch Verwandte gibt, das diese das Grab schmücken oder sofern sie das Geld haben, auch einen Grabstein kaufen? Angesichts dessen, das der Staat von nun an ja jeden Monat Geld an dem Verstorbenen spart, sollte man das erwarten können.

Samstag 26.7.2008: Plutoide

Vor gut einem Jahr hat die IAU die Nomenklatur in unserem Sonnensystem neu geordnet. (IAU = Internationale Astronomische Union) Pluto wurde von einem Planeten zu einem "Zwergplaneten" degradiert. Auch wenn die neue Nomenklatur nicht ganz ohne Logik ist, so gab es doch Widerstände gegen diese Entscheidung. Sehr populär Fürsprecher für den Erhalt  von Plutos Status war dabei Alan Stern, der Principal Investigator der Raumsonde New Horizons, die dadurch ja von einer Planetensonde zu einer Asteroidensonde wurde.

Nun gab es vor 6 Wochen eine neue Nachricht: Pluto wurde nachträglich "rehabilitiert". Er wird zum Namensgeben einer neuen Klasse von Körpern, den Plutoiden. Derzeit ist noch einfach die Mitglieder zu merken: Es sind nur Pluto und Eris und seit 2 Wochen auch auch Makemake (siehe unten).. Eris, der Name des Kleinplaneten 136199 ist wahrscheinlich größer als Pluto. Alle bisherigen Messungen deuten darauf hin, doch so genau weiß man es nicht, denn er ist derzeit dreimal weiter entfernt als Pluto. Nachdem ich weiß, wie Pluto in den letzten Jahrzehnten "schrumpfte", genauer gesagt die Schätzungen seines Durchmessers von 6800 auf 2284 km abnahmen, bin ich da sehr vorsichtig, und Eris wurde vor 3 Jahren noch auf 2700-3000 km Größe geschätzt und nun nur noch auf 2400 km. Makemake ist mit geschätzten 1800 km Durchmesser kleiner als Pluto.

Nun ja. Diese Benennung mag vielleicht einige versöhnen, aber sie wirft doch mehr Probleme auf als sie löst. Mal zur Geschichte:

Bis etwa 1990 gab es die 9 Planeten und die Planetoiden, Kleinplaneten oder Asteroiden, wie sie im amerikanischen Sprachraum heißen, zwischen Mars und Jupiter. Dazu gab es einige Planetoiden, die nicht in das Schema passten, wie z.B. Chiron zwischen Saturn und Uranus. Es gab keine richtige Erklärung für diese. Vielleicht waren sie einfach übrig geblieben, bei der Bildung des Sonnensystems. In jedem Falle waren die Planetoiden aber bedeutend kleiner als alle Planeten, selbst Pluto. Ceres ist 909-975 km groß, immerhin nur ein Drittel des Durchmessers von Pluto.

Okay, nun findet man mit dem Einzug der CCD Technik in die Astronomie viele neue Planetoiden, lichtschwache, langsam sich bewegende in 100 facher Erdentfernung oder noch größerer Distanz. Automatisierte Suchprogramme die CCD Aufnahmen, mit Aufnahmen von vor einigen Tagen vergleichen, finden auch kleinste Bewegungen, die dem menschlichen Auge beim Vergleichen entgehen. Seitdem gibt es als neue Bezeichnung den Kuiper Gürtel und die Objekte heißen KBO - Kuiper Belt Objects. Kuiper, ein bekannter Planetenforscher des letzten Jahrhunderts hatte aufgrund von Computersimulationen die Existenz eines Gürtels von Planetoiden jenseits von Neptun postuliert. Diese Bezeichnung ist lang und die gängigere Abkürzung KBO klingt wie der Name eines TV Kanals.

Mit dem Vorstoß der IAU eine neue Klasse namens "Zwergplaneten" zu schaffen, wird dies nicht einfacher, denn nun haben wir 4 Klassen: Planeten, Planetoiden, KBO und Zwergplaneten. Wobei die Zwergplaneten aus Ceres, Pluto und Eris bestehen, bzw. seit dem 14.7.2008 auch noch aus Makemake, der nun auch der dritte Plutoid ist. Ein Zwergplanet unterschiedet sich von den anderen Körpern seiner Umgebung, dass er so viel Masse hat, dass er annähernd rund ist und alleine die Zone in der er sich befindet dominiert. Und nun gibt es noch die Unterklasse der Plutoiden, wobei nun Ceres einen Sonderstatus bekommt, da er der einzige Zwergplanet im Asteroidengürtel ist Da dieser Gürtel recht gut bekannt ist, dürfte es unwahrscheinlich sein, dass man noch mehr findet, außer man entdeckt unter den größeren zufälligerweise einen mit runder Form, wobei das dann wahrscheinlich sofort die Debatte über die Mindestgröße wieder anheizen dürfte.

Wir haben jetzt also Planeten, Planetoiden, KBO, Zwergplaneten und Plutoide - 5 Klassen von Körpern anstatt zweier, wie vor 20 Jahren.

Stop! Was kommt als nächstes? Fangen wir an die Trojaner und erdnahen Planetoiden auch als eigene Klasse einzuführen? Meine Meinung: Nein! Ruder zurück, zurück zu einheitlichen Klassen. Mein Vorschlag:

Entweder wir reden von Planeten (Merkur-Neptun) und Planetoiden (alles andere, egal ob im Asteroidengürtel oder im Kuipergürtel) oder wenn wir eine Unterscheidung nach chemischer Zusammensetzung machen, dann nennen wir die vorwiegend aus Stein bestehenden Planetoiden und die vorwiegend aus Eis und gefrorenen Gasen bestehenden Plutoiden - dann wäre diese Klasse auch wieder größer und sie würde alle KBO umfassen, aber auch die Zentauren die ab Jupiter ihre Kreise ziehen. Das letzte wäre sicherlich versöhnlicher für die Plutofreunde. Der Nachteil: Wir fangen hier an mit einer Differenzierung nach chemischer Zusammensetzung, die wiederum eine Folge des Sonnenabstandes ist: sonnennahe Körper die klein sind, können kein Wasser halten, weil die Sonne es langsam verdampft und die heißen Wassermoleküle dann als Gas genügend Geschwindigkeit haben, die Fluchtgeschwindigkeit des Körpers zu überwinden. Das ergibt zwar zwei sauber getrennte Klassen (wobei ich dann gespannt bin, auf die Zusammensetzung der Trojaner, die in Jupiterentfernung ihre Bahnen ziehen) aber warum machen wir das nur bei den Planetoiden? Genauso gut kann man dann die Planeten unterteilen in Gesteinsplaneten (Merkur, Venus, Erde, Mars) und Gasplaneten (Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun). Das tun wir doch auch nicht, zumindest reden wir von 8 Planeten und nicht zweiGruppen von jeweils 4 Planeten. Vor allem würden dieselben Planetoiden wenn sie eine Macht in Neptunentfernung bringen würde und die Zustände wiederherstellen würde, die bei der Entstehung des Sonnensystems herrschten automatisch zu Plutoiden. In dieser Entfernung kann sich kein Steinkörper halten, ohne das viel häufigere Wasser aufzusammeln.

Passend dazu eine Empfehlung fürs Fernsehen. Ich habe gerade gesehen, dass die Serie "Die Planeten", eine sehr gute BBC Serie über die Planeten, vor allem aber auch über Erforschung mit Raumsonden, auf VOX wiederholt wird. Die ersten zwei Folgen sind schon gelaufen (wer schnell ist, kann die Wiederholung der zweiten Folge morgen am 27.7. um 9:35 noch sehen). Die restlichen 7 folgen laufen jeden Mittwoch um  23:00 und die Weierholung dann am Sonntag um 9:35.

Die Serie ist meiner Meinung nach sehr empfehlenswert, das gilt auch für das Buch, das es mittlereile über Amazon Marketplace auch recht günstig zu erwerben gibt. Die deutsche Auflage stammt leider von 1999 und ist inzwischen vergriffen.

Die Planeten. Das Buch zur großen Fernsehserie
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