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Web Log Teil 71 : 28.7.2008-6.8.2008

Montag 28.7.2008: Europas unbekannte ISS Beteiligung

Ich denke jeder weiß, das das Columbus Labor Europas Hauptbeitrag zur ISS ist. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Europa ist viel mehr an der ISS beteiligt als allgemein bekannt.

Cupola, Node 2 und 3 wurden von der ESA kostenlos an die NASA entwickelt für .... tada .. einen Space Shuttle Flug, der das Columbus Labor in den Orbit brachte und die Mitführung von Fracht (die Racks die man nicht beim Start von Columbus mitführen konnte, weil das Space Shuttle es nicht voll beladen transportieren kann.

Angesichts dessen finde ich sind wir wieder übers Ohr gehauen worden, wie damals beim Spacelab das wir entwickelt haben und als Gegenleistung gerade mal einen halben Jungfernflug bekamen. Europa hätte die Fähigkeiten gehabt das Columbus Labor selbst zu starten. Man hätte nur das Druckmodul des ATV durch Columbus ersetzen müssen. 21 t wären so nicht möglich gewesen (doch das schafft das Shuttle ja auch nicht). Aber wir müssen ja die 5 US Experimentracks nicht mitführen. Das reduziert die Masse auf 16 t und das ist durchaus kompatibel mit einer Ariane 5 ES mit 20.75 t Nutzlast.

Europa ist nominell mit 8.3 % am "nicht russischen" Teil der ISS beteiligt. Rechne ich alle Module zusammen so komme ich auf 255 m³ Volumen - deutlich mehr als 8.3 % vom Gesamtwohnvolumen der Station (wie ich den ESA Nachrichten entnehme ist es sogar kurzzeitig noch mehr geworden: Die Astronauten nutzen das ATV um sich in dieses zurückzuziehen und Hygiene zu betreiben. Das ATV liefert weitere 48 m³ Volumen).

Das interessante: Russland hat einen Sonderstatus. Ihm gehören nach wie vor exklusiv die russischen Module. Irgendwie ist es an der ISs beteiligt oder auch nicht. Wenn Putin wöllte könnte Russland seine beiden Module abkoppeln und die (angeblich geplanten) Forschungsmodule dazu nehmen und damit eine Mir-2 aufbauen. Russland taucht so überhaupt nicht im Verteilungsschlüssel der Labor auf weder bei den Versorgungsgütern noch den Ressourcen. Toll, denn die NASA darf so Sojus Flüge und Progressstarts bezahlen. Irgendwie haben wir da was falsch gemacht, selbst im Vergleich zu Japan. Denn Japan steuert nur sein Raumlabor Kibo bei, das zwar größer ist und zudem noch eine Luftschleuse und einen Vakuumteil beinhaltet, aber sonst nichts. Die Anzahl der Racks die Japan so nutzen kann ist größer und die Gesamtbeteiligung an der Station beträgt 12.2 %. Selbst Kanada ist gut weggekommen. Für den Robotarm Canadaarm2 bekommt es satte 2.3 % der Stationsressourcen. Man vergleiche das mit den 0.85 % welches Italien für 3 Versorgungsmodule erhält.... Selbst die NASA hat es sich einfach gemacht und nach dem Verlust der Columbia eigene Module gestrichen und wird dafür das MPLM Donatello als Wohnmodul starten. Von Russland ganz zu schweigen: Vom bescheidenen Anteil von 4 Modulen, davon nur zwei neuen die man nicht von der NASA finanzieren lässt hat man nur die Hälfte gestartet und für diese Module hat auch noch die NASA bezahlt. Russland hat eigentlich die ISS Beteiligung für umsonst bekommen.

Ach ja noch was, man ahnt es vielleicht schon angesichts der Ausführungen: Ich habe die Arbeit an meinem zweiten Buch begonnen. Es handelt vom ATV, den anderen Versorgungsflügen zur ISs und der Trägerrakete Ariane 5. 36 Seiten sind schon geschrieben, aber noch nicht redigiert. es wird wahrscheinlich so dick wie das Gemini Buch werden. Vielleicht sogar etwas mehr, den Abbildungen sind bislang noch gar nicht dran und es kommt sicher nochmal so viel Text dazu.

Freitag 1.8.2008: Olympia? Nein Danke!

In knapp einer Woche beginnen die olympischen Spiele. In den Schlagzeilen sind sie seit Monaten. Wie soll man damit umgehen? Meine persönliche Entscheidung ist es, meinen persönlichen Olympia Boykott umzusetzen.

Warum? Nun es wird immer deutlicher, dass es bei den Spielen diesmal um einen großen Propaganda Coup geht, in dem ein totalitäres Regime sich nicht nur im besten Licht präsentieren will (was gut und billig ist), sondern auch alles was negativ ist totschweigen und vertuschen will.

Hier einige der Olympiavorbereitungen von China:

Es gibt noch einen zweiten Grund, warum mir das leicht fällt und ich schon von den letzten Spielen weniger und weniger mitbekommen habe. Die olympischen Spiele sind schon lange nicht mehr das "Treffen der Jugend der Welt". Dort agieren inzwischen Profis und gerade China hat dies erkannt. Dort gibt es "Sportschulen", bei denen schon vierjährige Vorschulkindern gedrillt werden, um später als Sportler erfolgreich zu sein. Das hat nichts mehr mit Sport und Freude an diesem zu tun. Das zweite ist, das heute weniger der Sportler als vielmehr sein Umfeld entscheidend über den Sieg ist. Zum einen durch die Technik. So dürften unsere Schwimmer nicht viele Medaillen holen: Es gibt seit diesem Jahr einen neuen Anzug, der bei den meisten anderen Teams eingesetzt wird. Er wird wie eine zweite Haut angezogen und drückt den Körper in aerodynamische Form - 5 % weniger Wasserwiderstand. Das ist bei Disziplinen in denen Sekundenbruchteile zählen, eine enorme Verbesserung.

Das zweite ist die Zunahme es Dopings. Solange es immer noch den Verdacht gibt, dass Leistungen durch Doping erbracht wurden, schwebt eine Wolke über den Spielen. Und diese Wolke kann schlussendlich die Spiele ruinieren. Die Tour de France ist ja heute schon mehr durch Doping in den Schlagzeilen, als durch positive Meldungen. China hat flächendeckende Doping Kontrollen übrigens erst 2007 eingeführt. Für 2008 sind so viele geplant wie in der BRD. Nur hat die BRD zwanzigmal weniger Einwohner und noch weitaus weniger Sportler, die ja nicht so gefördert werden, wie in China. Das zeigt doch, worum es bei diesen Spielen geht. Ein Team von Arte, welches über Doping in China berichtete, konnte durch eine versteckt aufgestellte Kamera beweisen, dass ihre Unterlagen auf den Zimmern durchsucht worden. So viel zum "offenen" China.

Ich habe daher vor mir keine einzige Übertragung anzusehen. Wenn das mehr tun, so kann man eines verhindern: Das China sich propagandistisch sich präsentieren kann. Das wäre vielleicht wichtiger als die Verhinderung des Fackellaufes. Es würde zeigen, dass sich nicht Millionen von Menschen von dieser Menschen- und umweltverachtenden Diktatur blenden lassen - und damit ginge die Rechnung der Partiebonzen nicht auf.

Sonntag 3.8.2008: Schon GEZahlt?

Derzeit läuft ja wieder einmal eine GEZ Werbung. Meistens ist diese ja wirklich mies gemacht um den Leuten Angst zu machen oder ein schlechtes Gewissen einzureden. Die Werbung jetzt mit einer Göre ist eine von der besseren Sorte. Sie bringt zwar ein wichtiges Argument: Das man mit den Gebühren ein Programm finanziert, das nicht von Kommerziellen Interessen bestimmt ist. Das wird andersformuliert "Weil ich unabhängige Medien" brauche. Aber der Vergleich ist falsch: Den GEZ ist eine Zwangsgebühr und nicht wie in dem Spot suggeriert etwas was man sich aussuchen kann. Denn die Brötchen kaufe ich - oder auch nicht - GEZ muss ich zahlen.

Die GEZ ist unbeliebt geworden. Aus vielerlei Gründen. Zum einen weil die GEZ sich selbst präsentiert und sich verhält wie ein Inkasso Unternehmen. Das ist nicht nur bei den Spots so. Wer wirklich nicht mehr fernsieht, vielleicht weil sich seine Gewohnheiten verändert haben oder das Programm nicht mehr interessant findet oder schlicht und einfach mehr Internet nutzt als passiv zu konsumieren, dem glaubt die GEZ nicht. Ich kenne die Leidensgeschichte von jemand der nachdem sein Fernseher defekt war beschloss mal ohne auszukommen und mehrfach abgespeist wurde mit der Argumentation "Jeder hat heute einen Fernseher", Auch auf der GEZ Seite kann man sich leicht anmelden, nur nicht abmelden und dann eben diese penetrante Werbung.

Das Grundproblem ist, dass die Leute sich aufregen für etwas bezahlen zu müssen, was sie vielleicht nicht nutzen oder eher wahrscheinlich nur zeitweise nutzen. Das ist aber vorwiegend ein Problem wie man dies aufgezogen hat. Die Idee ist ja die, das Radio und Fernsehen unabhängig sein sollen, vor allem in der politischen Berichterstattung als Kontrast zu dem Staatsrundfunk im Dritten Reich und in anderen Staaten die im wesentlichen Regierungserklärungen verlesen haben.

Solange nicht jeder ein Radio und später einen Fernseher hatte war die Idee einer Gebühr für den Finanzbedarf gar nicht so schlecht. Heute jedoch hat wirklich fast jeder einen Fernseher und ein Radio. Es ist kein Luxus mehr, sondern gehört zum täglichen Leben. Selbst Harz-IV Empfänger können einen geltend machen. Entsprechend hat sich das System überholt. Warum bekommt man es nicht gestrickt das System zu reformieren? Wenn öffentlich rechtliches Fernsehen Allgemeingut ist, warum wird es nicht auch finanziert über den allgemeinen Staatshaushalt - Das ist doch auch so bei anderen Dienstleistungen unseres Staates.

Man kann nun argumentieren, dass dann das Fernsehen nicht mehr unabhängig ist, weil es am Staatstropf hängt. Doch ist es das heute den schon? Beim letzten Rundfunkstaatsvertrag, der die Verteilung der Gebühren bestimmt haben die Ministerpräsidenten der Länder festgelegt, wie weit ARD und ZDF ihr Online Informationsangebot ausbauen dürfen - dass zum Thema unabhängige Medien! Auch die Berichterstattung ist nicht so unabhängig. In den Gremien hocken überall Politiker - nach Proporz verteilt. Und wer sich einmal längere Zeit "Report aus Mainz" und "Report aus München" sehen um zu wissen wie es sich auswirkt, wenn in dem Gremien vorwiegend Politiker der CSU sitzen - machen sie nur eine Strichliste wie oft in Report aus München kritisch über die CSU/CDU oder die derzeitige Regierung berichtet wird und wie oft Linke, SPD und Grüne ihr Fett bekommen....

Die GEZ hat jedoch nichts mit dem Programm der öffentlich rechtlichen zu tun. Wenn ich Nachrichten sehe und Reportagen oder Dokumentationen / wissenschaftliches Fernsehen, dann tue ich das im öffentlich rechtlichen. Alles was im privaten läuft hat das Niveau von "Bild" - Warum auch nicht? Jedes Programm muss Quoten erfüllen und weil es immer mehr Zuschauer geben wird die seichte Unterhaltung oder Wissensvermittlung in homöopathischen Dosen einem guten, qualitativ hochwertigen Programm, das vom Zuschauer auch zum Nachdenken verleitet bevorzugt, solange wird es keine Alternative zu ARD & ZDF und den Dritten geben.

Was schlimm ist, ist dass ARD und ZDF angefangen haben das Billigprogramm der Privaten zu kopieren. Mit Daily Soaps oder den Quiz Sendungen. Oder sie machen Sendungen nur noch für Ältere, weil diese vorwiegend ARD & ZDF ansehen- Sie verlieren noch mehr jüngere Zuschauer und es wird ein Teufelskreis.

Zeit für eine echte Reform des Systems - sowohl finanziell wie auch die Art der Bestimmung: Politiker raus aus den Gremien und Festlegung eines Leitbildes welches erfüllt werden muss anstatt einer Politikerversammlung bei den Gremien. Ich denke man bekommt es auch ohne diese Aufpasser hin.

Dienstag: 5.8.2008: Solarzellen oder nukleare Stromversorgung?

Diese Frage scheint auf den ersten Blick recht einfach zu sein. Lange Zeit wurden Solarzellen zur Stromversorgung von Raumsonden eingesetzt, so weit es bis zum Mars ging und nukleare Stromversorgung, genauer gesagt Radioisotopen Thermoelemente Generatoren (RTG) ab Jupiter.

Diese Einteilung ist in den letzten Jahren ins Wanken gekommen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Den Anfang machte Rosetta. Die Kometensonde setzt nur Solarzellen ein, sie entfernt sich bis zu Jupiter von der Sonne - allerdings betreibt sie in dieser Entfernung keine Forschung. Es muss nur eine minimale Stromversorgung zum Aufrechterhalten der wichtigsten Bordsysteme verfügbar sein, das ist normalerweise nur etwa die Hälfte des Maximalbedarfs. Rosetta setzte erstmals spezielle Solarzellen ein, die für den Betrieb bei niedrigen Temperaturen entwickelt wurden.

Nun folgt Juno, der erste Jupitersatellit mit solarer Stromversorgung und eine ESA Studie für eine kombiniete Europa-Orbiter/Jupiter Magnetosphärenmission setzt natürlich auch Solarzellen ein.

Warum dieser Wandel?

Zum einen ist der Wirkungsgrad von Solarzellen immer besser geworden. Vor 25 Jahren waren 16 % ein guter Wert, heute sind 24 % bei Gallium-Arsenit Zellen üblich und die Kombination verschiedener Halbleiter (Triple Junction Solarzellen) erreicht 29-30 %. RTG haben dagegen heute noch den gleichen Wirkungsgrad wie vor 30 Jahren. Allerdings gibt es eine neue Entwicklung, die Sterling Motoren einsetzt, mit erheblich höherem Wirkungsgrad. Diese machen zwar die RTG nicht leichter, aber sie reduzieren vor die benötigte Plutonium Menge drastisch.

Zum anderen ist diese Art der Energieversorgung teurer geworden, während Solarzellen preiswerter wurden. Das Plutonium 238 in den RTG ist ein Isotop, welches in normalen Kernreaktoren kaum anfällt. Um es zu erzeugen muss man Uranbrennstäbe kurz einsetzen, dann das bei dem Kernzerfall entstandene Neptunium extrahieren und dieses wiederum in einen Brutreaktor durch Neutronenstrahlung zu dem Plutonium umwandeln. Lässt man die Brennstäbe längere Zeit im Reaktor so zerfällt das Neptunium, weil es weitere Teilchen einfängt und sich dann zu kurzlebigen Isotopen umwandelt. Dieselben Schritte fallen auch nur mit Plutonium-239 als Material bei der Erzeugung von waffenfähigem Plutonium an. Kurz gesagt: Die Abrüstung bei den Vereinigten Staaten, die weniger Atombomben notwendig machte, hat die RTG verteuert. Ein neuer RTG der GPHS Baureihe, wie ihn Galileo, Ulysses, Cassini und New Horizons einsetzen, kostet neu 90 Millionen Dollar.

Es gibt Techniken den Wirkungsgrad von Solarzellen zu steigern. Das wichtigste ist dabei die Steigerung der Ausbeute pro Kilogramm Gewicht. Neben extrem dünnen Solarzellen, sind dies Techniken wie Linsen auf den Zellen um das Licht zu bündeln oder plane Spiegel neben den Arrays, welche das Licht auf die Solarzellen werden und die viel leichter als die Panels sind. (Sogenannte Solarkonzentratoren).

Es gibt zwei Kriterien für eine Raumsonde, welche Technologie die bessere ist. Das erste ist die Effizienz in Bezug auf emittierte Leistung. Die ESA Studie für den kombinierten Jupiter-Magnetosphären-Europa Orbiter geht davon aus, dass man mit Solarkonzentratoren eine Effizienz von 4.7 W/kg Masse zum Ende der Betriebszeit erreicht. Das ist immer noch schlechter als bei RTG. Die derzeit eingesetzten GPHS haben eine Masse von 56.7 kg und liefern 285 Watt Leistung. das sind 5.0 W/kg, also nur unwesentlich besser. Allerdings sind diese Werte nicht konstant. Bei RTG entfällt der Großteil des Gewichts auf die Abschirmung. Der Anteil wird kleiner wenn das RTG größer wird. Bei Solarzellen nimmt die Leistung quadratisch mit der Entfernung ab. Bei Saturn ist die Leistung mehr als dreimal kleiner als bei Jupiter. Die modernen Stirling RTG haben dieselbe Leistungsdichte wie die GPHS, allerdings sind diese auch für eine 3 mal niedrigere Leistung konzipiert worden.

Betrachtet man nur die Leistung/Gewicht Relation so können Solarzellen bei Jupitermissionen eine Alternative sein, nicht jedoch bei Missionen weiter von der Sonne entfernt.

Das zweite sind die Kosten und dieser Faktor ist nicht so leicht zu beziffern. Die GPHS RTG sind recht teuer, vor allem durch das Plutonium, das sie enthalten.9.7 kg pro Stück. Ein neuer RTG kostet heute 90 Millionen Dollar - für eine Energiequelle die 285 Watt Leistung liefert - da ist Atomström durchaus nicht die billigste Möglichkeit . Ein Solargenerator ist  trotz der großen Fläche die er braucht erheblich preiswerter. Eine Abschätzung für Jupiter wäre ungefähr ein Zehntel der Kosten eines GPHS. Die Stirling RTG werden dieses Missverhältnis verbessern, denn sie liefern 3.3 mal mehr Strom pro Kilo Plutonium und senken so die Kosten entsprechend, das ein RTG nur noch 3 mal so teuer ist.

Das ganze ist eine grobe Abschätzung, da es leider sehr schwer ist die Kosten für einen Solargenerator zu finden. Ich denke sie liegen eher noch darunter. Doch bedeutet dass, dass man mit Solarzellen nun bis Saturn kommt ? Nicht unbedingt. Der schwerere Solargenerator hat natürlich Folgen: Andere Systeme werden auch schwerer, so muss die Struktur die Last aufnehmen. Reaktionsschwungräder müssen größer sein, um Drehungen durchzuführen - dazu brauchen sie auch mehr Strom. Nicht zuletzt braucht man mehr Treibstoff, weil man ja in einen Orbit einschwenken kann. Das alles frisst natürlich die Vorteile teilweise auf. Saturn ist derzeit noch ein echter Grenzfall. Bei Saturn kommt man auf eine Leistungsdichte von 1.4 W/kg Das erfordert bei einem moderaten Leistungsbedarf von 500 Watt schon ein Gewicht von 357 kg für den Solargenerator. RTG's wögen vielleicht 100 kg. Das macht dann die Raumsonde mit Änderungen an der Struktur und mehr benötigtem Treibstoff etwa 650 kg schwerer - das ist schon eine ganze Menge, wenn diese Masse zu Saturn befördert werden soll.

Aber....

In Erdnähe würde dieser Solargenerator 45 kW erzeugen (wahrscheinlich weniger, weil man ja mit Solarkonzentratoren arbeitet und die kann man wegen der Überhitzungsgefahr nicht in Erdnähe entfalten). Das ist eine Menge Strom, den man gut für ein Ionentriebwerk nutzen kann. Nimmt man die Daten der Triebwerke der Raumsonde Dawn, so kann man bei 25 kW Leistung 10 dieser Triebwerke bei vollem Schub betreiben. In einem Jahr kann man eine Raumsonde von 2800 kg Startgewicht damit von Fluchtgeschwindigkeit auf die Geschwindigkeit für einen Saturn Transfer Orbit beschleunigen. Das erspart einem eine teure Trägerrakete, da 2800 kg auf Fluchtgeschwindigkeit auch eine kleinere Delta 4 oder die kleinste Atlas V Trägerrakete bringen kann. Wenn man es optimiert, schickt man die Sonde zuerst zur Venus, holt dort Schwung (3 km/s sind bei einem nahen Vorbeiflug drin) und beschleunigt danach mit den Ionentriebwerken, solange man noch näher an der Sonne ist.

Juno soll ja mit Solarzellen zu Jupiter starten, erstaunlicherweise nutzt man diese aber nicht für Antriebszwecke. Dabei hätte diese Mission es wirklich nötig, den obgleich sie mit der Atlas 551 einen der leistungsfähigsten Träger einsetzt, muss sie mit einem Erdvorbeiflug Schwung holen. Die NASA lässt sich Zeit neue Technologien wirklich konsequent einzusetzen. Es ist jetzt bald 10 Jahre her, dass Deep-Space 1 erstmals Ionentriebwerke nutzte um ihre Bahn gravierend zu ändern. Ich dachte Dawn wäre so was wie ein Neubeginn, weg von dem Start von Raumsonden auf riesigen Trägerraketen um die hohen Geschwindigkeiten zu erreichen die man im äußeren Sonnensystem braucht und hin zu schlaueren Lösungen. Der Flug über die Venus, oder zumindest auf Venus Entfernung wäre durchaus eine intelligente Lösung. Man braucht nur wenig mehr als die Fluchtgeschwindigkeit und erhält dabei 3-4 Monate, in denen das Raumschiff bis zu 90 % mehr Sonnenenergie erhält und in dieser Zeit rapide beschleunigen kann. Natürlich nimmt die Leistung dann ab, aber auch die Sonnenentfernung nimmt nur langsam zu, weil das Raumschiff sich nur langsam hochspielt. Mindestens bis Jupiterentfernung könnte man so RTG und leistungsstarke Trägerraketen durch Solargeneratoren und Ionenantriebe ersetzen. Neben Jupiter ermöglicht dies auch den Besuch aller Asteroiden im Asteroidengürtel, insbesondere wären da die Trojaner interessant die in Jupiterentfernung sich befinden - sind es Stein Asteroiden oder welche aus Eis, oder eine Mischform?

Aus den Nachrichten....

Nahezu unbemerkt verlief der dritte Testflug des Falcon 1 am 3.8.2008: Anders als sonst hatte SpaceX ihn nur wenige Stunden vorher angekündigt. Es gibt keine Bilder auf der Galerie und kurz vor dem entscheidenden Augenblick - der Stufentrennung brach die Webcast Übertragung ab. Wie verlaufen ist? Die Stufentrennung erfolgte nicht....

Ich wünschte mir oft es gäbe auch mal an Bord einer Ariane 5 eine solche "Rocketcam" am besten bei einem der seltenen Tagstarts. Doch dort kann man wenigstens die Trajektorie verfolgen. Ich kann mich noch gut an die Life Übertragung des ersten Ariane 5 ECA Fluges erinnern, als man sehen konnte wie die Rakete vom Kurs abkam. Die Newcomer im Raketenbusiness beeindrucken zwar durch solche Gimmicks, aber sonst wenig durch Öffentlichkeitsarbeit. Das Verhalten von SpaceX erinnert mich an den Fehlstart einer Zenit im letzten Januar, als unmittelbar nach der Explosion auf der Startrampe die Übertragung endete. Und die erinnert mich wiederum an den Fehlstart einer Langer Marsch 2E mit einem INTELSAT 7 Satelliten 1996.

Es gehört zum Geschäft auch mit Fehlschlägen umzugehen, aber das haben die Newcomer noch nicht so recht begriffen. Mindestens ebenso wichtig wie der Startpreis einer Trägerrakete ist das Vertrauen der Kunden in diese. Das kann durch Fakten geschehen, wie eine Serie von fehlerfreien Flügen - oder eben auch wie man mit Fehlschlägen umgeht. Ich denke das hat dazu geführt, das Ariane 5 trotz zweier Fehlstarts bei den Jungfernflügen und zwei Starts bei denen die erreichte Bahn nicht den Vorgaben entsprach, noch immer so gut im Geschäft ist - Trotz einer Konkurrenz mit konkurrenzlos niedrigen Preisen.

Da lese ich ein Interview des früheren Arianespace Chefs Frederick D'Allest: Wenn man die Entwicklung der 12 t Version nicht bald in A angriff nimmt könnte Ariane vom Markt verschwinden. Nun wir ist dies zu sehen? Nun zum einen sind natürlich da einige Dinge die richtig sind:

Das sind sicher gute Gründe jetzt an die Entwicklung wieder aufzunehmen. D' Allest hat das aber nicht nur so gesagt: Im November steht das nächste Ministerratstreffen an und die ESC-B steht nicht auf der Tagesordnung. Wenn man die Entwicklung nun nicht aufnimmt hat man wieder 2,3 Jahre verloren. Da ist es schon gut, mal den Teufel an die Wand zu malen. Etwas ähnliches hat man ja schon vor 3 Jahren gemacht. Da hieß es, man bräuchte derzeit die ESC-B nicht, weil die Satelliten nicht so schnell im Gewicht ansteigen. Besser man sollte nun einen unbemannten Raumpendler entwerfen. Die Absicht war die Gelder für eine Neuentwicklung zu bekommen, doch wie üblich hörten die Politiker nur den Teil bei dem man Geld sparen konnte.

Die Situation ist schwer einzuschätzen. Aber ich denke man sollte die ESC-B nun in Angriff nehmen. Wenn die Sojus ab 2010 von Kourou aus startet wird es schwer einen leichten Satelliten zu finden, wenn der schwere 6 t oder mehr wiegt. Das ist heute schon problematisch. Und der Anteil dieser 6 t Monster steigt zwar langsamer, aber er nimmt zu. Bis in 5 Jahren ist er auf jeden Fall höher. Ob ein Verzicht auf die ESC-B gleich das Aus bedeutet ist schwer zu sagen aber mit Sicherheit kostet er Marktanteile. Vor allem war es ja mal Sinn des "Recovery Plans" kurzfristig Geld für die EC-A Version zu bekommen. Die EC-A fliegt nun erfolgreich und konsequenterweise sollte man dann auch wieder da weitermachen wo man aufgehört hat.

Es gäbe noch weitere Optionen zur Weiterentwicklung der Ariane 5, doch dazu mehr - vielleicht bald hier. Derzeit nutze ich meinen Urlaub um an meinem zweiten Buch zu schreiben. Es wird das ATV, die Ariane 5 ES und die Versorgung der ISS (Progress, HTV, MPLM) behandeln. Ich bin noch beim zusammentragen von Fakten, doch es wird deutlich größer als das letzte. Jetzt habe ich schon 70 Seiten und es fehlt noch ein guter Teil der ATV Beschreibung und das Missionprofil. mit Bildern (die kommen erst zuletzt dazu, weil sie so gerne verrutschen) werden es wohl über 100 Seiten werden.

Donnerstag: 7.8.2008: Herr schmeiss Hirn ra!

Wie schon erwähnt im letzten Blog hatte die Falcon 1 ihren dritten Fehlstart vor 4 Tagen.

Einen Tag später gab es dann eine genauere Erläuterung des Verlustes: Die Stufentrennung klappte, doch die erste Stufe kollidierte dann durch den Restschub mit der zweiten. Die Stufentrennung erfolgte nach Musks Angaben zu früh, 1.5 Sekunden nach dem Ausbrennen der ersten Stufe. Bei dem regenerativ gekühlten Merlin !C wäre das zu kurz gewesen, während bei dem ablativ gekühlten Merlin 1 es kein Problem sein. Das sei ein Designfehler der leicht zu korrigieren sei.

Herr schmeiß Hirn ra! Wie kann man so viel Unsinn verzapfen. Erstens hat jede Stufe einen Restschub wenn sie nicht vollständig ausgebrannt ist, weil durch die Leitungen immer noch Treibstoff strömt und in der heißen Brennkammer sich zu Gas verwandelt, das hat absolut nichts mit der Technologie der Düse zu tun. Der Schub resultiert aus der Brennkammer.

Als zweites gibt es Retroraketen, Herr Musk, bitte beim nächsten mal in ihrem Raketenshop wo sie die Einzelteile der Falcon 9 kaufen mit bestellen, die beschleunigen entweder die obere Stufe (und sammeln dabei die Treibstoffe) oder sie bremsen die untere stufe ab. Das ist Standard seit 50 Jahren.

Und "bei dem ablativ gekühlten Merlin 1 war das kein Problem" ist eine glatte Lüge. Schon beim letzten Fehlstart kollidierte die erste und die zweite Stufe, wie man deutlich an den Videos vom Start sehen kann. Das führte dann zum Verlust der zweiten Stufe durch Beschädigung der Düse. Das bedeutet, das sie es nicht mal fertig bringen einen Fehler bis zum nächsten mal zu korrigieren. Dabei startet die Falcon 1 ja nur alle 13-18 Monate einmal.

Der Nächste Flug wird nun wieder ein Demoflug sein. Mein Rat: Stampfen sie das Unternehmen ein und kaufen sie sich von ihren Millionen ein Ticket zur ISS. Da haben sie mehr davon. Oder machen sie es richtig, auch wenn dann ihre Raketen vielleicht so teuer wie die Konkurrenz ist (die ist ja vollkommen verblödet, entwickelt seit 40 Jahren Raketen und verlangt dafür den dreifachen Preis von ihnen.. Aber ihre Satelliten landen wenigsten im Orbit und nicht im pazifischen Ozean).

Noch ne Nachricht: Die neue Version des Planetensonden Bilder Konverters kommt auch mit den Messenger Bildern klar. Ich werde mir mal die Struktur der inzwischen verfügbaren Bilder von MER, MRO und Mars Express ansehen und eventuell die Funktionen zum Dekodieren dieser nachliefern.


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