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Web Log Teil 74 : 20.8.2008-26.8.2008

Mittwoch 20.8.2008: Gerüchte und die ISS

Vor einiger Zeit habe ich hier über die Meldung berichtet, dass die NASA plane HTV zu kaufen um damit die ISS zu versorgen. Inzwischen hat die NASA dies dementiert. Wahr ist, dass die NASA an die JAXA eine Anfrage gestellt hat, dass sie die ihr zustehenden Frachtkontingente in Anspruch nehmen will. Zum besseren Verständnis: Die Raumfahrtagenturen haben an der ISS eine prozentuale Beteiligung, entsprechend dieser muss Nachschub geliefert werden. Die NASA hat daher zur Schließung der Lücke, die ihr ausstehenden Kontingente bei der JAXA in  Anspruch genommen. Das ist nichts ungewöhnliches: Das ATV hat auch einige Tonnen Nachschub zur ISS gebracht, obwohl noch keine Forschung im Columbus Labor möglich ist.

Die NASA hat auch klar gestellt, dass man von Gesetz her verpflichtet wäre, auf US Services zurück zu greifen. Das ATV und HTV können jedoch auf Umwegen ins Spiel kommen: Bei den COTS Ausschreibungen haben Boeing und Lockheed als ihre Vorschläge Starts des ATV / HTV mit US Trägern angeboten. Ich glaube aber, dass man eher jede andere Lösung wählen wird, als diese. Damit dürfte auch die angebliche Meldung, die NASA plane ein oder zwei ATV zu kaufen, um die ISS zu deorbitieren wohl eher ein Gerücht sein.

Bei der ISS ist vieles unklar. Offiziell, d.h. in den Budget Planungen ist vorgesehen, dass ab 2016/7 die Finanzierung der ISS ausläuft. Nicht weil die ISS dann ausgedient hat,, sondern weil dann die Mittel für das Constellation Programm benötigt werden. Auf der anderen Seite hat NASA Chef Griffin am 5.6.2008 in einer Rede vor dem Französischen Nationalkongress davon gesprochen, die ISS nach 2016 zu betreiben.

Ehrlich gesagt: Etwas anderes macht auch keinen Sinn. Natürlich wird die ISS nicht ewig leben. Sie altert und irgendwann ist ein Zustand wie bei der MIR erreicht, dass die Besatzung mehr damit beschäftigt ist, sie in Schuss zu halten als Forschung zu betreiben. Dann wird zu entscheiden sein was man tut: Die ISS als Ganzes aufgeben, Module komplette austauschen oder - sofern dies ausreicht - einzelne Racks auszutauschen. Das letztere ist anders bei der Mir möglich. Bei Mir war der Nachschub nur durch die Progress möglich, das limitierte das Gewicht, Volumen und die Abmessungen, vor allem aber hat die Lucke nur 81 cm Durchmesser, das erlaubt es nicht sperrige Güter zu transportieren.

Bei der ISS gibt es viele offene Fragen, obwohl alles mit internationalen Verträgen geregelt ist. So ist zwar festgelegt wer wie viel von den Stationsressourcen nutzen darf (ESA 8.3 %, JAXA 12.2 %, NASA 76.6 % CSA 2.3 %). Aber bedeutet das auch, das 8.3 % der Mannstunden von einem ESA Astronauten erbracht werden? Vor allem: In dieser Liste fehlt Russland. In der Tat hat Russland einen Sonderstatus. Die beiden russischen Module (Swesda und Sarja) gehören Russland und können von Russland exklusiv genutzt werden. Das ist sehr komisch, denn diesen Sonderstatus gibt es ja nicht für die anderen Teile. Gedacht war einmal eine andere Konstellation: Es gibt einen russischen Teil und einen "internationalen Teil". Russland setzt auf Module wie man sie von Mir kennt - jedes mit eigener Stromversorgung, eigenem Antrieb und den russischen Kopplungsadaptern und nutzt diese exklusiv und der Rest der Station wird von den anderen Nationen genutzt. Russland hat einen eigenen Zugang (Sojus) und versorgt sich selbst (Progress). Neben den zwei Modulen heute waren noch zwei weitere geplant. ein Labormodul und ein Wohnmodul. Damit wäre der russische Teil praktische eine Mini Raumstation in der ISS.  Nun wird dies aber entfallen. Die Frage ist: Wie sieht dies dann aus, wenn ab 2009 alle Labors der anderen Nationen vorhanden sind und die Stammbesatzung 6 Personen beträgt? Dann ist Russland die einzige Nation ohne eigene Labors. Dabei setzt man auf deren Transportleistung mit der Sojus und den Progress Transportern.

Dabei werden die russischen Module immer unwichtiger. Sarja hat schon seit 2000 nur noch die Funktion als Treibstofflager. Swesda enthält noch die wesentlichen Computersysteme und das Lebenserhaltungssystem sowie Schlafräume für 2 Kosmonauten. Mit Node 3 wird das Lebenserhaltungssystem ersetzt werden und mit dem MPLM Donatello gibt es Wohnraum für 2 Astronauten. Die Labors haben auch alle eigene Computersysteme die für die von Swesda ersetzen können. Wenn die NASA ein zweites MPLM in den Orbit bringen würde, könnte man Swesda ersetzen. Lässt man einen ATV solange angekoppelt bis der nächste startet, so braucht man auch kein Sarja Modul.

So macht es Sinn, das man in Europa an eine bemannte Version des ATV denkt und auch Japan will ihr HTV weiterentwickeln, allerdings nur zu einem Frachter der Fracht zurückbringt. Doch dann wird man einiges an der ISS ändern müssen, wenn Japan und Europa von Junior Partnern aufrücken in eine größere prozentuale Beteiligung am Transport (die ja ab 2010 schon zu einem guten Teil auf den Schultern Japans und Europas ruht) dann muss das auch in mehr Rechten resultieren.

Ich habe den dumpfen Verdacht, dass man uns da wieder mal über den Tisch ziehen will. Auf jeden Dall kommt diese Besinnung auf die ISS recht spät. Seit Januar 2004 wissen wir, dass die Shuttles 2010 ausgemustert werden. Im November dieses Jahres steht die Entscheidung der ESA an, das ATV auszubauen, zuerst zu einem Frachter der auch Fracht zurück bringt. Erst für 2019 wird in einer zweiten Stufe auch an bemannte Transporte gedacht. Leute, dann ist die ISS 21 Jahre alt und Columbus 11 Jahre im All. 10 Jahre Entwicklung ist erst mal recht lang, wenn man schon einen Teil (das ATV) verfügbar hat, und dann hat man fast 5 Jahre Zeit verschenkt, wenn man dieses Crew Transport Vehicle erst jetzt beschließt.

Die NASA macht es auch nicht besser. Das COTS Programm startete auch erst 2006 und die ersten beiden Aufträge gingen an Firmen die Null Erfahrungen im Weltraum haben.  Von den beiden Aufträgen ist Kistler schon wieder draußen und SpaceX hat Probleme den Zeitplan einzuhalten und könnte folgen. Die zweite Runde folgte dieses Jahr und OSC hat wohl mehr Chancen - Schließlich hat diese Firma zwei funktionierende Trägerraketen und zahlreiche Satelliten entwickelt. So oder so: Es wird eine Lücke geben von 2010 bis 2015 wenn Orion zur Verfügung steht. Realistischerweise dürfte auch vor 2012/3 weder die Dragon noch die Cygnus Kapsel zur Verfügung stehen.

Donnerstag 21.8.2008: Treibhauseffekt? Find ich gut!

Ich verstehs nicht? Warum beschweren sich alle über den Treibhauseffekt und die Klimaveränderung, reden gar von Klimakatastrophe? Das ganze hat doch viel mehr Vorteile als Nachteile. Die Energiepreise steigen und bald wirds wirklich teuer. Aber.... In Wirklichkeit hat man durch den Treibhauseffekt nur alles verlagert: Anstatt das wir unser Haus heizen, heizen wir eben die Erde. Das hat enorme Vorteile: Im Winter braucht man keine warme Kleidung mehr, wenns erst mal wind paar Grad wärmer wird. Das Schmuddelwetter verschwindet und es gibt keine Unfälle mehr wegen glatten Straßen.

Noch besser: Die abschmelzenden Polkappen und der dadurch ansteigende Meeresspiegel schafft ganz neue Naherholungsgebiete in Norddeutschland. Aus dem trögen Landstrich wird eine lebendiges Urlaubsparadies mit etlichen kleinen Inseln. Die Arbeitslosigkeit in Mac-Pomm geht auf Null, weil es unter Wasser steht. Völlig neue Attraktionen wird es geben, wie das Tauchen in den Unterwasserstädten Kiel, Hamburg und Bremen. In den Alpen wird es zwar keinen Schnee mehr geben, doch durch die abbrechenden Berghänge werden die Wanderrouten viel einfacher, durch das warme Klima die Sommersaison, die heute schon wichtiger als die Wintersaison ist, noch länger.

Orangen, Kiwis und Melonen muss man nicht mehr importieren, sie wachsen bei uns. Die Erträge steigen dank längerer Vegetationszeiten. Sogar soziale Probleme werden gelöst. Die Zahl der Nazis geht zurück: Wer nicht einen Hitzeschlag in den schwarzen Sweatshirts bekommen hat, wird sehr bald an Hautkrebs sterben, der sich bei dem großen Ozonloch auf den Glatzen bildet.

Die Entwicklungshilfe für Afrika kann man weitgehend reduzieren - Dort leben kann dann eh keiner mehr. Ja indirekt tun wir sogar etwas für das Leben an sich: Seit es Lebewesen gibt, nimmt der Kohlendioxidgehalt der Luft rapide ab. Im Jura lag er noch bei 3 %. Als die ersten Lebewesen aufs Land gingen, noch bei 6 %. Dagegen ist doch der kleine Anstieg heute von 0.278 auf 0.381 % nichts. Im Gegenteil: Wenn die Menschheit nichts tut, so wird in 150 Millionen Jahren für die meisten Pflanzen es unmöglich werden, noch Energie aus der Photosynthese zu gewinnen, da sie zur Aufnahme des Kohlendioxids mehr Energie brauchen, als sie aus der Photosynthese ziehen. Die sogenannten C3 Pflanzen, die einen etwas anderen Zyklus haben, dürften noch etwas länger durchhalten.

Die Menschheit sorgt also nur dafür, dass das viele Kohlendioxid, das heute in Form von fossilen Brennstoffen aus dem Kohlenstoffkreislauf entzogen wurde, wieder zurückkommt. In der Atmosphäre sind nur 800 GT Kohlenstoff. Selbst wenn man die 4100 GT Kohlenstoff die heute als Fossile Brennstoffe lagern, verbrennen würde, wäre das nur ein kleiner Teil des gebunden Kohlendioxids. In Karbonaten - zum größten Teil gebildet aus fossilen Kalkalgen - stecken dagegen 60 Millionen GT Kohlenstoff.

Einen Teil kann man praktisch nutzen. Wenn man Kalk brennt, bekommt man Branntkalk, denn man für die Betonherstellung nutzen kann - damit lässt sich das dauernd geforderte Straßennetz (jedem Auto 1000 km Straße) bauen, außerdem will die Weltbevölkerung ja wohnen und dann kann jeder sein eigenes Haus bekommen. Weiterhin kann man en erzeugten Branntkalk nutzen, um die Kraftwerke und Feuerungen daran zu hindern Schwefeldioxid auszustoßen. Schließlich wollen wir es ja nur wärmer und keinen sauren Regen! Dabei entstehen große Mengen an Gips, das man wiederum für die Fassaden der neu gebauten Häuser braucht. Mit dem Rest kann man dann einen Ersatz für den fehlenden Schnee nutzen und Skipisten anlegen. Dann kann man selbst im Sommer Ski Fahren - das ist doch was!

So in 100 Jahren könnten wir es erreicht haben, eine Welt mit dem Kohlendioxidgehalt wie im Jura, mit üppiger Vegetation, reichen Ernten, warmen Klima weltweit, ohne Polkappen ohne Kälte. Damals wuchs die Vegetation so üppig, dass sie sogar 50 t schwere Saurier ernähren konnte. Alle Lebewesen waren damals viel größer als heute. (Eine gewisse Korrelation besteht darin, dass in Zeiten in denen der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre größer war als zu anderen Zeiten, Tiere einen Riesenwuchs aufweisen. im Karbon wurden Schachtelhalme 20 m hoch und es gab Libellen mit 70 cm Flügelspannweite).

Ich freue mich schon auf meinen Winterurlaub bei 20 °C mit einem Campari in der Hand am Meer in Hannover....

Freita 22.8.2008: ATV Evolution oder ESC-B?

Ende November findet das nächste Ministerratstreffen der ESA in Den Haag statt. Der Ministerrat beschließt über die Laufrichtung der ESA für die nächsten 3 Jahre, sie genehmigen auch alle größeren Projekte. Zwei Dinge sind für mich dort interessant: Das eine betrifft mein aktuelles Buch über das ATV, an dem ich arbeite. DLR und EADS haben einen Vorschlag erarbeitet, den Teil des ATV, welcher derzeit als Druckbehälter Fracht transportiert durch eine Rückkehrkapsel zu ersetzen. Damit könnte das ATV auch Fracht zur Erde zurückbringen etwa 1-1.5 t pro Flug. Die Nutzlast in den Orbit würde aber auf 3 t sinken. Nach Ausscheiden des Space Shuttles gibt es sonst nur die Möglichkeit etwa 30-50 kg mit einer Sojus zur Erde zurück zu bringen. Ein solches Cargo Return Vehicle (CARV) könnte 2013 zur Verfügung stehen.

Das zweite ist die Hoffnung, dass die Entwicklung der ESC-B Oberstufe wieder aufgenommen wird. Diese wird meiner Ansicht nach benötigt wenn die Satelliten schwerer werden. Eigentlich sollte sie schon 2006/7 ihren Erstflug haben, doch 2005 stellte man die Entwicklung ein. Will man nicht nochmals 3 Jahre Warten (bis zur nächsten Ministerratssitzung) muss man jetzt handeln. Selbst dann dauert es noch einige Jahre (wahrscheinlich 4) bis die Stufe zur Verfügung steht. Wir reden also auch hier von einem frühesten Termin für den Jungfernflug ab 2013.

Die Situation ist die, dass derzeit in Europa die Haushalte und politische Stimmung nicht gerade für neue Projekte günstig sind. Dazu kommt, dass ExoMars wesentlich teurer wird als geplant. Der Lander wurde zu schwer für eine Sojus Trägerakete, so dass nun ein Ariane 5 Start anvisiert wird. Das erlaubt es auch einen Carrier mitzuführen der im Orbit bleibt. Ich hoffe nur, wenn man dies schon tut, dass man diesen auch zur  wissenschaftlichen Erkundung des Mars nutzt, alles andere wäre Sparen am falschen Zweck. Derzeit ist noch keine Beschreibung verfügbar was der Carrier im Orbit tun soll.

Unter diesem Gesichtspunkt ist die Lage für neue Projekte eher schlecht. Trotzdem dürfte das CARV bessere Chancen haben als die ESC-B. Die DLR befürwortet das Projekt. Erste Gespräche mit Italien und Frankreich verliefen auch recht positiv, damit hat man die Zustimmung der drei größten Einzahler in die ESA. Für die ESC-B mag man sich dagegen nicht so erwärmen, obwohl sie weitaus preiswerter ist (Das CARV soll 800-1000 Millionen  Euro kosten, die ESC-B hatte ein Budget von 400 Millionen bevor die Entwicklung eingestellt wurde). Deutschland ist ja traditionell (beginnend vom Spacelab über die D-1 und D-2 Missionen und jetzt bei Columbus und dem ATV) die Triebkraft hinter der bemannten Raumfahrt in Europa.

Meine Meinung ist: Nicht ESC-B oder CARV, sondern wenn schon beides! Die ESC-B nützt ja nicht nur Arianespace. Bei nahezu gleichen Startkosten steigt die Nutzlast zur ISS von 20.7 auf 23.0 t. Das sind auf den ersten Blick nur etwa 14 % - doch da von den 20.7 t beim ATV nur etwa 7.3 t reine Nutzlast sind, steigt diese um 2.3 t oder glatten 33 % an. Die Fertigung eines normalen ATV kostet 219 Millionen Euro (875 für 4 Exemplare). Dazu kommt der Start in Höhe von 125-136 Millionen Euro, zusammen also zirka 350 Millionen Euro. Da spart man pro Start rund 110 Millionen Euro ein.

Die ESA hat vier ATV bis 2013 geordert, dann muss sie neue bestellen. Wenn ab diesem Zeitpunkt die ESC-B zur Verfügung steht und man bis 2017 weiterhin ein ATV pro Jahr startet, dann macht sich die ESC-B Entwicklung schon alleine dadurch bezahlt, denn man kann dann eines der vier ATV einsparen.

Für das CARV wäre der Vorteil noch offensichtlicher, denn die Nutzlast die nach oben befördert würde stiege von 3 auf 5 t, also um 60 %. Ich hoffe dass mal Politiker rechnen können (ich habe angesichts der Staatsverschuldung, der Äußerungen von Gloss und dem Eingeständnis vieler Politiker in Talkshows "Sie hätten Mathematik in ihrem Leben nicht gebraucht" hier ernste Zweifel). Wenn Sie rechnen können, dann ist die Entscheidung einfach.

Das CARV sehe ich kritischer. Warum? Nun, die Rolle Europas bei der ISS ist beschränkt. Es sind 8.3 %, entsprechend diesem müssen wir Versorgungsgüter bringen, wobei damit auch auch die Operationen bezahlt werden (Kommunikation über das TDRS, Bodenkontrolle in Houston und Moskau). Wenn Europa hier mehr leistet, dann nur wenn entsprechend mehr herauskommt. Derzeit darf Europa von den 10 Racks in Columbus nur 5 nutzen. Es müssten dann mehr sein. Es gibt dann noch weitergehende Pläne, wenn die Rückkehrkapselentwickelt wird mit dieser dann Astronauten zu befördern. 5 Personen könnte sie zur ISS bringen. Ich glaube aber das es nicht dazu kommen. Wird Zum einen reden wir dann von deutlich höheren Investitionen von 3 Milliarden Euro. Zum anderen steht dann dieser Zubringer erst so um 2019 als zweite Stufe zur Verfügung. Dann ist aber die ISS am Ende der Betriebsdauer. Die mal mit 15 Jahren insgesamt, davon 5 Jahre Bauzeit, angegeben wurde.

Montag 25.8.2008: Vermischtes

Heute mal eine kleine Nachlese zu verschiedenen Dingen und ein paar Hinweise auf neues.

Also zuerst mal gestern ist Olympia zu Ende gegangen. Wie schon angekündigt, habe ich mir nix life angesehen, doch durch die Nachrichten bekam ich dann doch einiges mit. Das olympische Komitee hat gesagt, China hätte sich "geöffnet". Aha ... Wie bitte? Was ist den Öffnung, wenn nicht mal die Journalisten im Pressezentrum unzensiert berichten dürfen? Ach ja es gibt ja diese drei Demonstrationszonen. Da darf man demonstrieren wenn man einen Antrag stellt und dieser bewilligt wird (Während Olympia waren das genau... lassen sie mich mal zählen... Ja genau, Null Anträge. wer sonst es wagt zu demonstrieren, wird verhaftet und zu Arbeitslager verurteilt, so wie die beiden 77 und 79 Jahre alten Rentnerinnen. die für ihre Demonstration 1 Jahr Arbeitslager bekamen.

Öffnung im Bereich Tibet oder Menschenrechte? Also wirklich wichtige Themen, wo sind da die Öffnung? Aber das ist dem IOC egal. Hauptsache der Scheck über 4.5 Milliarden Dollar stimmt. 4.5 Milliarden Dollar, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Dann kann man auch über Kleinigkeiten hinwegsehen, wie gefakte Einspieler bei der Eröffnungsfeier oder das Mädchen, das Playback sang. Geschweige denn von Olympiasiegerinnen die angeblich 16 sind, nach chinesischen Dokumenten aber erst 1994 geboren wurden.

Vielleicht war auch der zu erwartende Scheck das wichtigste für das IOC, denn eines wusste man ja schon vor 7 Jahren: Das die Chinesen Meister sind in der Kommerzialisierung. Die chinesische Mischung von Kommunismus und Kapitalismus ist schlimmer als die Auswüchse beider Systeme zusammen. Im Kapitalismus versuchen zwar alle möglichst viel Geld zu verdienen, auch auf Kosten anderer, aber die Arbeiter begehren auf wenn es zu schlimm wird, gründen Gewerkschaften und Parteien. Schlussendlich reguliert dies die Auswüchse des Systems - zumindest so lange, bis in der jüngsten Zeit dann das Kapital einfach weiterzieht in andere Länder, wo die Leute noch nicht so anspruchsvoll sind.

Im Kommunismus haben die Leute zwar nichts zu sagen, aber das System versucht wenigstens eine Grundsicherung hinzubekommen. Die chinesische Variante hat die Grundsicherung abgeschafft und gegen den Kapitalismus können sich die Leute auch nicht wehren, weil ja die Partei angeblich alle ihre Interessen vertritt. Im Gegenteil: Der Staat hilft mit Enteignungen noch der Wirtschaft. In China gibt es 300-400 Millionen Wanderarbeiter, weil auf dem Land kein Auskommen mehr ist. Umweltzerstörung, die ganze Täler für einen Staudamm überflutet oder der Bau von Fabriken und Kraftwerken ohne Filter - Warum auch Rücksicht auf die Bevölkerung nehmen, die hat ja eh nichts zu sagen!

Ich denke Karl Marx und Baron der Cuppertin würden heute beide im Grab rotieren, nicht nur sich umdrehen.

Was gibt es sonst noch?

Der Start einer iranischen Trägerrakete letzte Woche erreichte wohl keinen Orbit. Die zweite Stufe zerbrach wohl beim Aufstieg in 150 km Höhe. Nicht viel mehr Glück hatte die koreanische Vorläuferrakete Taepodong, von der auch der erste und einzige Start nicht glückte.

Ich glaube es ging auch weniger um den Start eines Satelliten, als vielmehr um den Versuch, denn er beweist ja das Iran über eine Rakete verfügt die einen Orbit erreicht - oder eben Amerika. Das dürfte dem amerikanischen Bestreben nach einem Raketenschild neuen Auftrieb geben.

Auch von anderen Trägern gibt es Neuigkeiten. Die Ares I hat erneut Probleme. Untersuchungen zeigten, dass die Schwingungen in der Längsachse durch den 5 Segment SRB sehr hoch sind und in der Spitze 5-6 G erreichen. Nun wird ein aktives Dämpfungssystem eingebaut welches die Nutzlast um 500-600 kg verkleinern dürfte. Dabei ist diese sowieso rückläufig. Aus 27.67 t am Anfang sind nun noch 23.1 t in einen Parkorbit oder 21.3 t zur ISS geworden. Für die Mondpläne ist das nicht so schlimm, aber für den ISS Transport bleibt immer weniger Nutzlast übrig.

Im Gegenzug hat man das Design der Ares V erneut geändert. Nun sollen schon 6 (vorher 5) Triebwerke die erste Stufe antreiben und auch die beiden Booster wurden von 5 auf 5.5 Segmente verlängert. Die Nutzlast steigt so auf 188 t in den Erdorbit - Das reicht auch für eine Marsmission und vielleicht ist das auch der Hintergedanke dabei.

Die ESA hat die VMC wieder in Betrieb genommen. VMC? Sagt Ihnen nichts? Das ist die Ingenieurskamera an Bord von Mars Express, welche die Abtrennung von Beagle dokumentieren sollte - das war ihr einziger Zweck. Nach 4 Jahren kam man auf die Idee mit der Kamera Aufnahmen des Mars zu machen. Nach einigem probieren klappt dies auch und die Bilder gibt es nun auf der VMC Website der ESA.

Die Bilder sind als Rohdaten veröffentlicht. Es gibt einen Aufruf mehr daraus zu machen. Dem bin ich gefolgt und ich würde gerne die Farbbilder rekonstruieren. Dazu muss man aber das Bayer Muster kennen und ich habe mal dort angefragt ob ich die Info bekommen kann, denn es gibt zahlreiche Möglichkeiten diesen Filter anzuordnen (Es ist eine Maske aus grünen, roten und blauen Filtern über den Pixels Die Anordnung des Musters kann variieren).

Wenn was draus wird, werde ich dann das Programm dazu veröffentlichen.

dienstag 25.8.2008: Kalter Krieg und die ISS

Der Georgien Konflikt hat die Beziehungen zwischen den USA und Russland wieder belastet. Die USA stehen auf Seiten Georgiens und machen sich auch sonst unbeliebt, indem sie andere frühere Sowjetrepubliken in die NATO aufnehmen will. Angesichts dessen dass es dort eine ganze Reihe von Gebieten gibt, die unabhängig sein wollen, oder sich an Russland anhängen würde ich damit sehr vorsichtig sein. Nun hat auch noch Polen im Eiltzugstempo die Verträge über das Raketenabwehrsystem unterschrieben, wohl in der Hoffnung die US Truppen würden mehr Sicherheit bieten.

Das ganze wirkt sich aber auch auf andere Gebiete aus. So steht nun die Lösung für die ISS wieder zur Disposition. Von 2010 bis mindestens 2015, bis dann das Orion Raumschiff zur Verfügung steht, ist die Sojus Kapsel der einzige bemannte Flug zur ISS. Anstatt einer sollen dann zwei dauernd angekoppelt sein, was schon jetzt die Grenze von Russlands Kapazität ist (dazu kommen dann auch noch mindesten 4 Progress Transporter pro Jahr). Nachdem 3 der 10 Flüge des Sojus-TMA Raumschiffes Probleme hatten, wurden bei der NASA schon Bedenken laut, was passiert, wenn die Sojus mal ausfällt - das wäre nicht das erste Mal. Als die Sowjetunion zusammenbrach, hatte man keinen Flug mehr, um die Besatzung von der Mir zu holen.

Vor allem aber gilt Russland inzwischen als wackliger Partner. Als die ISS 1995 aus der Taufe gehoben wurde, dachte man noch an eine größere Beteiligung Russlands mit bis zu 6 Modulen. Daraus wurden dann 5, dann vier und jetzt sind es zwei, und es ist offen ob noch zwei weitere kommen. Die NASA musste die beiden Module sogar mitfinanzieren, weil Russland dies nicht selbst konnte.

Derzeit sprudelt das Geld in Russland durch die hohen Rohöl und Erdgaspreise, doch gibt es derzeit wenig Anzeichen, dass dies auch wieder eine Neubelebung des zivilen Raumfahrtprogramms bedeuten wird: Es gibt zahlreiche Ideen und Projektvorschläge aber wenig wird angegangen, angefangen vom neuen Kosmodrom über Kliper bis hin zur Angara. Oder gar Plänen für eine neue Venus Landesonde oder Phobos-Grunt.

Der Start von Phobos-Grunt wurde trotz chinesischer Beteiligung verschoben. Die Angara ist seit Mitte der neunziger Jahre in der Planung. Der erste Test ebenfalls kürzlich um 1 Jahr verschoben. Russland will gerne ein neues Kosmodrom Svobodny wird aber aufgegeben und ob man ein neues aufbaut ist fraglich. Bei den letzten Großprojekten mussten die USA und ESA massiv zubuttern. Auch jetzt lässt sich Russland Transporte zur ISS gut bezahlen. Bei Kliper war der Vorschlag Russlands auch der, das die ESA vorwiegend zahlen sollte, aber man die Kernkompetenzen bei sich beließ.

Zum einen ist also Russlands Anteil an der ISS heute bescheiden und er wird kleiner, je mehr Module dazu kommen. 2008 ist hier ein Wendepunkt: Von den nutzbaren Modulen, die also nicht reine Kopplungsadapter sind, sondern entweder Wohnraum oder Arbeitsraum sind, gab es bisher das Swesda Modul und das US Labor Destiny. Nun hat sich die Zahl mit Kibo und Columbus verdoppelt. Russlands Anteil wird immer geringer und vor allem immer unwichtiger. Sarja ist nun nur noch Treibstofflagerraum. Wenn Node 3 installiert wird, so ist auch Swesdas Funktion als Lebenserhaltungssystem ersetzt worden und es ist nur noch Wohnraum.

Gleichzeitig wird die Abhängigkeit von Russland immer größer. Ich glaube, das die USA dies nicht dulden werden. Bei der ISS wollten sie immer der Senior Partner sein. Nun sollen sie im Zugang zu "ihrer" Raumstation von Russland abhängen?

Gleichzeitig denkt man heute über die Space Shuttles neu nach. Die Entscheidung für den Ausstieg war nicht eine wegen der Sicherheit - es war eine wegen der Finanzen. Schließlich will sich Bush in den Geschichtsbüchern auftauchen als Initiators des zweiten Mondprogrammes, doch es soll eben mit Einsparungen finanziert werden. Dazu gehörte auch das Aufgeben der ISS 201677

Ich denke bei der NASA wartet man nur auf einen neuen Präsidenten. Innerhalb der NASA gab es in den letzten Monaten schon Äußerungen die eine Kehrtwende in der ISS Politik andeuten. Zum einen für einen längeren Betrieb der ISS bis 2020 und eventuell darüber hinaus. Zum anderen Abkehr von Russland als zweiter ISS Stütze. In einer Rede von Griffin vor französischen Parlamentariern wurde Russland in der Langezeitplanung nicht mal erwähnt, stattdessen hofft man auf eine stärkere Beteiligung der ESA an der ISS.

Ich glaube mit einem neuen Präsidenten wird auch der NASA Kurs sich wieder ändern. Die Entscheidung die Space Shuttles auszumustern, dürfte zumindest teilweise revidiert werden: Nicht dass diese ewig im Dienst sein werden, aber zumindest bis Orion sie ersetzen kann. Für zwei Besatzungswechsel pro Jahr würde es reichen, wenn ein Space Shuttle weiter im Dienst bliebe.

Umgekehrt sind der Altair Mondlander und die Ares V in einem noch so frühen Entwicklungsstadium, der Design Phase, dass man aus beiden Projekten aussteigen kann, sofern sich der politische Kurs ändert, ohne viel Geld in den Sand zu setzen. Denn eines ist klar: Ein Mondprogramm und die ISS ist zwar möglich, aber auch teurer, Ob es dazu kommen wird, haben Obama oder McCain zu entscheiden.


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