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Web Log Teil 75 : 26.8.2008-

Dienstag 27.8.2008: Der Traum vom Raketenschild

Seit die Sowjets über Interkontinentalraketen verfügen hat sich in den USA einiges im Bewusstsein verändert. Die Supermacht bemerkt, dass sie verwundbar ist. Bislang war es doch so: Seit Mitte des 19 ten Jahrhunderts waren die USA die stärkste Macht auf dem amerikanischen Kontinent und brauchten sich vor keinem ihrer Nachbarn fürchten.

Mochten im 20.ssten Jahrhundert andere Staaten Großmächte werden - Deutschland, Japan, Russland, so trennten in jedem Falle mindestens 5000 km Ozean diese Macht von Amerika - Für eine Invasionsarmee kaum zu schaffen und die Luftverteidigung und Marine wurde systematisch aufgebaut. Das gilt übrigens auch heute noch: Ohne die Möglichkeit, die ganzen Truppen in Nachbarstaaten des Irak zusammenzuziehen, hätten selbst die USA es schwer gehabt, den Irak anzugreifen.

Auch die Sowjetunion war keine Gefahr - selbst als sie über die Wasserstoffbombe verfügte Denn die Sowjetunion hatte Mitte der fünfziger Jahre kaum strategische Bomber, welche bis zur USA fliegen konnten, und diese waren vom Modell Tu-95 Bear. Langsame Turboprop Maschinen. Diese hätten etwa 8-10 Stunden gebraucht um bis zu den USA zu fliegen. Genügend Zeit sie im Anflug mit RADAR zu entdecken.

Mit der Einführung der Semjorka, der ersten russischen ICBM änderte sich alles: Die Vorwarnzeit schrumpfte auf weniger als eine halbe Stunde, und es gab keine Abwehrmöglichkeit. Das führte zum einen zu einem enormen Wettrüsten - Mit dem Ziel so viele Waffen zur Verfügung zu haben, das genügend übrig blieben, um selbst bei einem Erstschlag den Gegner noch zu vernichten.

Das zweite war die Arbeit an einem Schutz, die praktisch in den sechziger Jahren begann und bis heute andauert.

Technisch gesehen kann man 3 Phasen unterscheiden:

Die erste Phase in den sechziger Jahren war der Aufbau eines  Systems aus Nike und Sprint Raketen. Mit der damaligen Technik war es unmöglich einen Atomsprengkopf direkt zu treffen. Stattdessen plante man eine Atombombe (Sprint) oder Wasserstoffbombe (Nike) in die Nähe zu bringen und mit dieser Kernexplosion sie zerstören. Nachdem man Milliarden in das System investiert hatte und das erste aufgebaut hatte (mit 46 Raketen bei der Grand Forks AFB) wurde es nach nur 4 Monaten Operation wieder außer Dienst gestellt. Es gab Proteste und Prozessandrohungen von Farmern, die um eine radioaktive Verstrahlung ihres Landes fürchteten. Doch der wichtigste Punkt war, das es 1976, als es in Operation ging, obsolet wurde. Die Entwicklung von MIRV: unabhängig lenkbaren Mehrfach Sprengköpfen - veränderte die strategische Lage völlig. Vorher hatte man eine gewisse Chance mit einem vertretbaren Aufwand einen Sprengkopf abzufangen. Mochte man dafür vielleicht 2-3 Raketen brauchen um sicher zu gehen, so waren diese doch kleiner als eine ICBM - Der nötige Atomsprengkopf egalisierte dann aber diese Einsparungen. In der Summe wäre das Abwehrsystem zwar teurer gewesen, als die Raketen die es schützte, aber der Aufwand war noch vertretbar. Das änderte sich mit den MIRV. In der ersten Generation hatte eine russische ICBM nun 3 Sprengköpfe - man brauchte nun 3 mal mehr Abwehrraketen. Vor allem hatten die USA nun schon die zweite Generation im Dienst - mit 9-10 Sprengköpfen. Russland würde bald nachziehen und auch mehr MIRV pro Rakete installieren. Das machte ein Abwehrsystem unbezahlbar.

1983 kam dann die Vision von Reagan - SDI. Eine Vision, weil die Prinzipien zwar schön in Trickfilmen gezeigt wurden, aber niemals technisch beherrscht wurden. Das System bestand aus verschiedensten Komponenten: Im Weltraum aus Plattformen in Erdumlaufbahnen, mit Partikelkanonen, Railguns, Laserstrahlen welche Raketen möglichst noch in der angetriebenen Phase abschießen sollten, andernfalls die Sprengköpfe. Am Boden dann aus Laserkanonen, Abwehrraketen welche die Projektile im Endanflug abschießen sollten.

Mal abgesehen davon das wesentliche Schlüsseltechnologien fehlten - Die Detektoren die eine Rakete genau orten konnten, die Computerleistung so schnell einen Angriff von 1000 Raketen mit 10000 Sprengköpfen abzufangen, und die Raketen die diese Tausenden von Tonnen in den Weltraum befördern konnten, gab es bald auch prinzipielle Einwände.

Die Partikelkanonen kann man z.B. nicht in Erdmagnetfeld betreiben. Die Laser brauchten so hohe Energie, dass dies im Weltraum nur machbar wäre, über eine Explosion einer Atombombe - Pro Laser genau ein Schuss. Die Railguns schienen technisch möglich, doch die Geschwindigkeiten sind so gering, dass die Gravitation die Projektile über Hunderte von Kilometern stark ablenken würde.

Technisch gesehen war das Projekt praktisch nicht machbar, das war schon gleich zu Beginn klar. Für etwa 10.000 Sprengköpfe hätte man mindestens in dieser Größenordnung auch Abschussstationen gebraucht. Da diese im Orbit sich aber mit 7 km/s über die Erdoberfläche bewegen ist jede nur einige Minuten pro Umlauf in einer Position, wo sie eine Rakete abfangen kann - Man braucht also viel mehr Abwehrstationen als der Gegner Raketen.

Sehr bald zeigte sich, dass schon das einfache Lackieren oder Blankpolieren der Raketen ausreichte, um eine Zerstörung durch einen Laser zu verhindern oder zumindest dafür die 10 fache energiemenge nötig zu machen. Ein Billionen Dollar Programm wäre durch eine Lackierung mit Chromlack im Werte einiger Dollar pro Rakete sinnlos geworden....

Als Clinton 1993 ins Amt kam, wurde SDI erst stark herunter gefahren und dann eingestellt. Gekostet hat es in den 10 Jahren etwa 75 Milliarden Dollar.

Das neueste System versucht nun gar nicht mehr den Ganzheitsanspruch. Das System heute ist konventionell. Das Grundprinzip ist es die andere Rakete mit einem konventionellen Sprengkopf zu treffen. Nachdem die Patriot Raketen im Golfkrieg von 1991 einen gewissen Schutz boten, entwickeln nun die USA unter der Bezeichnung Ground-Based Midcourse Defense ein Abfangsystem für Interkontinentalraketen. Die Programmkosten werden mittlerweile mit über 87 Milliarden Dollar angegeben. Ziel ist es die Rakete oder den Sprengkopf direkt zu treffen. Die Abfangraketen haben eine um so bessere Chance die gegnerische Rakete zu treffen, je früher dies erfolgt, d.h. je langsamer die Rakete ist, und am besten noch in der Flugphase (größeres Ziel). Das ist der wesentlichste Grund, warum die US Regierung diese Raketen so nahe wie möglich bei Iran stationiert haben will, nicht um Europa zu schützen, wie dies so gerne betont wird.

Die bisherigen Versuche, einschließlich des Abfangens eines Spionage Satelliten, hatten einen systematischen Mangel: Sie sind sozusagen Idealbedingungen: Man weiß wo das Ziel kommt, kennt den genauen Zeitpunkt und vor allem befindet man sich in idealer Position. Das alles ist in der Realität nicht gegeben. Trotzdem verliefen nicht alle Tests reibungslos.

Neben diesem technischen Aspekt scheint aber niemand in Amerika ganz einfache Fragen zu stellen. Fragen wie: "Warum sollte Iran auf die Idee kommen eine Interkontinentalrakete auf Amerika abzuschießen?" Manchmal habe ich das Gefühl, das es da eine gewisse Paranoia gibt, zumindest in der politischen Führung. Aber sicher auch in einem Teil der Bevölkerung, denn sonst gäbe es Proteste gegen die Art Geld aus dem Fenster zu werfen.

Die Sache ist doch umgekehrt nur denkbar: Iran müsste Angst haben von den USA angegriffen werden. Das gleiche gilt für Nord-Korea. Keines dieser Länder hat in den vergangen Jahrzehnten irgendwann die USA bedroht oder angegriffen? Es war doch immer umgekehrt. Selbst wenn nun Iran über eine Rakete verfügt und vielleicht auch über die Atombombe, so wäre doch ein Angriff auf die USA der Selbstmord. Das ganze macht nur Sinn für einen Angreifer, der sich davor schützen will, dass als Verzweiflungstat dann ein Atomschlag folgt. Angesichts der Invasion des Irak wundert es auch keinen, dass nun in der ganzen Welt Nationen nach der Atombombe streben. Der Irak mag ein Unrechtsregime gehabt haben. Doch die Invasion wurde begründet mit Lügen. Und nicht demokratisch gewählte Regierungen oder einfach Regierungen die den USA nicht passen, gibt es ja mehr auf der Welt. Anstatt die Region sicherer zu machen, hat der Irakkrieg (abgesehen vom Irak selbst) die Weltlage weitaus unsicherer als sicherer gemacht.

Seit den sechziger Jahren haben die USA etwa 130 Milliarden für ein Raketenabfangsystem ausgegeben. Es werden, wenn das derzeitige GBMD System in Betrieb geht über 200 Milliarden sein - das ist so viel wie das Orion Programm und die ISS kosten. Eine enorme Summe, auch für die USA. Das schlimme ist aber dass ein solches System neben dem politischen Kollateralschaden den jetzt schon die Stationierung in Tschechien und Polen angerichtet hat dürfte es das Bestreben von Politikern wie GWB in den USA sich auf militärische Abenteuer einzulassen erhöhen. Es macht die Welt nicht sicherer, hat nur einen noch größeren Keil zwischen Russland und die USA getrieben und vielleicht funktioniert es nicht einmal.

Freitag 29.8.2008: Politikum ISS

Es gibt wieder Neuigkeiten vom Space Shuttle und der ISS: Beide US Präsidentschaftskandidaten sind für mehr Shuttle Flüge. Obama hat ein recht ausführliches Statement über seine Raumfahrtambitionen veröffentlicht, McCain ein weniger deutliches. Doch legte er nun nach, und forderte in einem Brief nicht die Shuttle Infrastruktur lahmzulegen.

Das ist der letzte Schlusspunkt in der nicht enden wollenden Story des politischen Geschachere um die ISS. Eigentlich fing ja schon alles mit Freedom an, doch dann wird der Blog hier zu lange. Also fangen wir mit der ISS an - Die Verträge wurden im November 1993 unterschrieben. Damals nur zwischen Russland und den USA. Der Gedanke war, dass die USA ihren weitgehend unveränderten Alpha Entwurf durch russische Module ergänzten, welche es ermöglichten den USA die Kosten für Wohnmodule, Forschungsmodule und Logisticmodule einzusparen. 3 Milliarden Dollar sollte so die ISS weniger kosten als Freedom.

Europa und Japan kamen erst 2 Jahre später dazu. Sie wurden Juniorpartner, nachdem sie sich vorher bei Freedom nicht mit den USA über die Rechte auf der Station einigen konnten. Russland diente hier so als Druckmittel, nach dem Motto "Wir brauchen euch nicht".

Die Einschätzung über Russland musste schon bald revidiert werden: Sarja wurde von den USA gekauft und das zweite Modul Swesda wurde erst 2 Jahre nach dem Termin geliefert - Die NASA musste einen Space Shuttle Flug starten um die Rumpfstation anzuheben und gelichzeitig wichtige Reparaturen an Sarja durchzuführen. Schon im Jahr 2000 war der Zeitplan Makulatur und aus 3 Milliarden Dollar Einsparungen durch die Hinzunahme Russlands, waren 2 Milliarden mehr Ausgaben geworden.

Mit Dschorge Dabbel-Ju Busch wurde es doch erst richtig schlimm. Schon vor dem Columbia Unglück gab es 2001 den Vorschlag an der ISS die enorme Summe von 2 Milliarden Dollar einzusparen (enorm, weil man dies in Verhältnis zu 100 Milliarden Dollar Gesamtkosten setzen musste). Für diese Einsparung hätte man nur die Stammbesatzung von 7 auf 3 Personen reduzieren müssen. Super! Vor allem, wenn man bedenkt, dass von den 120 Arbeitsstunden pro Woche, welche die 3 Besatzungsmitglieder leisten können, 100 für die Housekeeping arbeiten, also das "In-Schuss" Halten der Station drauf gehen.

Mit dem Verlust der Columbia kam dann kurzzeitig die Idee auf, doch die Shuttles gleich ganz außer Dienst zu stellen. Schließlich kostet die ISS nur Geld und bringt nichts für die Forschung. Dumm nur, dass diesmal Japan und Europa Verträge abgeschlossen haben, in denen es happige Konventionalstrafen vorgesehen waren. Weiterhin gab es außerhalb der Regierung doch einige Leute, die einen Gesichtsverlust der USA fürchteten.

Also kam man zu dem Plan der heute noch gilt: Fertigstellung der ISS mit einigen Modifikationen (z.B. nur Raum für 6 anstatt 7 Astronauten)  Allerdings Begrenzung des Betriebs bis 2016/7, da dann für das Mondprogramm erheblich höhere Finanzmittel benötigt werden.

Dass ist so eine typische Entscheidung die keinen zufrieden stellt. Man braut also 12 Jahre lang, bis die Station endlich 2010 fertig ist und, dann wird gerade mal 6-7 Jahre lang geforscht. Noch besser: Es gibt ab 2010 eine Lücke in der Versorgung mit Fracht und vor allem Personen. Die Sojus können zwar die 6 Personen befördern, aber keine Versorgungsgüter. Vor allem fehlt das einzige System, welches auch Experimente und Materialen zurück zur Erde bringen kann.

Äh hallo? Was soll das? Welchen Sinn macht dann die Station? Vor allem haben die USA den Hauptanteil an der Station und befördern dann 5 Jahre lang nichts zur Station? So allmählich dämmert das auch in den USA, vor allem, weil man nun ja für den Transport eigener Astronauten vollständig auf die Russen angewiesen ist, das krankt so ein bisschen am Selbstbewusstsein.

Doch müssen dem auch Taten folgen. Die NASA plant zwar nun (zumindest inoffiziell) mit einem Betrieb der ISS bis 2020 und danach. Sie setzt wohl darauf, dass der nächste Präsident das Constellation Programm revidiert. Entweder zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen oder - das ist wahrscheinlicher - die Ares V und den Altair Lander einzustellen. Doch dann ist es zumindest für die Space Shuttles zu spät. Das Haushaltsjahr der NASA beginnt schon im Herbst und die Verträge mit zahlreichen Zulieferern sind gekündigt. Das Grundproblem des Space Shuttles sind die Fixkosten. Von den 3.2-3.5 Milliarden Dollar die das Programm pro Jahr kostet sind 2 Milliarden Fixkosten. Sie fallen an, selbst wenn die Shuttles nicht starten, weil alleine in Florida 6400 Personen fest an dem Programm arbeiten, dazu kommen noch etliche bei den Zulieferern.

So richtig ernst hat aber die NASA schon vorher mit der ISS nicht genommen. Das Problem der fehlenden Fracht hat sie ja mit dem COTS Programm angegangen: Private Firmen sollen den Frachttransport übernehmen. Die Idee ist gut, doch wie geht die NASA es an? Sie vergibt Aufträge an Newcomer, die noch dazu so ausgelegt sind dass die NASA erst zahlen muss, wenn der Newcomer (SpaceX, Rocketplane-Kistler und OSC) ein System hat das auch funktioniert. Auf dieselbe Ausschreibung bewarben sich auch Boeing und Lockheed - mit Adaptionen des ATV und HTV. Also verfügbaren Systemen - Das hätte Entwicklungskosten gespart und die Lösung wäre schnell verfügbar gewesen. Ob die Systeme von SpaceX und OSC funktionieren muss sich noch zeigen (zumindest bei dem von SpaceX habe ich Zweifel). Selbst wenn, dann stehen sie erst in einigen Jahren zur Verfügung.

Aber wie schon gesagt, es geht ja gar nicht um die ISS, Es geht um Politik. In einem gewissen Sinne zeigt die ISS wie tief Raumfahrt nun gesunken ist. War das Raumfahrtprogramm schon immer ein Spielball der Politik, und es gab Hoch-Zeiten und Tief-Zeiten. Aber die betrafen bisher immer die unbekannte Raumfahrt. Da wurden mal anspruchsvolle Missionen gestrichen oder die USA entwickelten ein Jahrzehnt lang keinen Erdbeobachtungssatelliten mehr oder müssen sich von Europa einen Meteosat ausleihen, weil sie selbst keinen Wettersatelliten an der Westküste mehr operationell hatten. Nur: Die bemannte Raumfahrt war immer sicher vor Kürzungen: Egal wie viel Geld die Entwicklung des Space Shuttles zusätzlich kostete : Es wurde fertiggestellt. Egal, ob ein Flug soviel kostete wie zwei Planetensonden - Es gab 6-8 davon jedes Jahr.

Ob nun alles besser wird? Ich glaube nicht. Es geht bei den Aussagen von McCain um Wählerstimmen, die, von den Leuten die arbeitslos sind, wenn das Shuttle eingemottet wird. Und auch Obama hat sich nicht gerade geoutet, als jemand der sich viel für Forschung oder Weltraumforschung im Allgemeinen interessiert. Selbst wenn: Die USA haben einige andere Probleme, wie die unter Busch angestiegene Staatsverschuldung. Da werden alle Ressorts erst mal zurückstecken müssen.

Egal wer Präsident wird: Den ersten Haushalt den er beeinflussen kann ist der für 2010. Dann ist es für die Shuttles zu spät. Der Abbau der Einrichtungen für das Schweißen der externen Tanks beginnt z.B. diesen Herbst und wird 2009 abgeschlossen sein. So gesehen bekommt man nur was man gewollt hat.

Sonntag, 31.8.2008: Bequemlichkeitsessen

Es ist Zeit mich mal an meine frühere Profession als Lebensmittelchemiker zu erinnern. Ursache sind einige Werbespots, die ich in der letzten Zeit gesehen habe und die mich ärgern. Es sind Spots für sogenannte "Fruchtdrinks" entweder als "Frühstücksdrink" oder so zwischendurch. Die Werbung springt auf einen Zug auf, genauer gesagt, die Empfehlung der DGE jeden Tag mindestens ein Pfund Gemüse oder Obst zu essen.

Offensichtlich ist das vielen zu aufwendig und da kommt nun die Ernährungsindustrie zu Hilfe und offeriert Obst als Getränk, also im wesentlichen nichts anderes als püriertes Obst, verdünnt mit etwas Wasser, das man es trinken kann. So einfach löst der Bequemlichkeitsesser von Heute das also.

Nur so läuft es nicht. Warum gibt es denn diese Empfehlung? Obst und Gemüse ist nicht gesund, weil es viele Vitamine und Mineralstoffe enthält. Entgegen landläufiger Meinung, ist der Vitamingehalt nicht sehr hoch. Von den Vitaminen findet man Vitamin C in vielen Früchten, Provitamin A in manchen Gemüsesorten und Kalium in Obst und Gemüse, sowie Magnesium in grünem Gemüse. Es gibt dann noch Abweichungen bei einigen Arten, die besondere Inhaltsstoffe haben, doch die Allgemeinheit ist nicht so Vitamin- und Mineralstoffreich. Wahrscheinlich ist das mehr eine der modernen Ernährungsmären, die von Eltern an Kindern weiter gegeben werden, damit diese Dinge essen die sie nicht so arg mögen, aber die ofensichtlich sehr gesund sind.

Natürlich ist Obst und Gemüse gesund, nicht jedoch wegen des Nährstoffgehalts. Im Gegenteil: Das wichtigste ist das Fehlen von Nährstoffen. Dadurch füllt Obst und Gemüse den Magen und man kann nicht so viel essen. Dier wichtigsten Inhaltsstoffe sind in beiden Gattungen sind die unverdaulichen: Zellulose, Hemizellulosen und Pektine, also die Gerüststoffe der Zellen. Daher muss man viel kauen um die Nahrung zu zerkleinern, die Verdauung und Resorption ist auch verlangsamt und der Brei aus unverdauten Zellbestandteilen quillt im Dünndarm auf, muss aktiv transportiert werden und stärkt so die Darmpersistaltik (Darmbewegung), Von letzterem weiß man, dass sie vorbeugend gegen die Entstehung von Dickdarmkrebs wirkt. Ob die in Obst und Gemüse enthaltenen sekundären Pflanzeninhaltsstoffe gesund sind, und welche es sind, ist dagegen noch offen. Wenn dann scheint es nicht ein Stoff sein, sondern eher die Summe.

Das wesentliche dabei ist: Man braucht Zeit um die Nahrung zu zerkleinern und selbst dann wird niemals ein ganz feiner Brei entstehen. Das ganze fällt komplett weg, wenn man einen Brei trinkt, der feiner zerkleinert ist, als man es jemals selbst hinbekommen würde. Ich will das mal an einem Gedankenexperiment verdeutlichen:

Dabei hat Apfelsaft, weil die unverdaulichen Bestandteile wegfallen sogar noch einen höheren Energiegehalt. Das ist nur ein Beispiel wie heute Erkenntnisse der Ernährungsforschung pervertiert werden. In einer Zeitschrift fand ich einen Artikel über die Nährstoffdichte. Dieser Fachbegriff aus der Ernährungslehre ist ganz einfach als Menge eines Nährstoffs, geteilt durch das Gewicht definiert. Im Normallfall benutzt man die Energie als Basis. Nur wenn man ähnliche Produkte vergleicht, kann man einen anderen Nährstoff vergleichen. So kann man Pellkartoffeln, Pommes Frittes und Chips in Bezug auf die Nährstoffdichte von Fett vergleichen, weil es sich um Kartoffelprodukte mit unterschiedlichem Fettgehalt handelt.

Diese Zeitschrift verglich aber den Fettgehalt von Donuts mit weißen Brötchen und suggerierte, das ein Donut äquivalent zu 10 Brötchen ist. Je nach Größe und Glasur des Donuts haben aber schon 2-3 Brötchen den gleichen Energiegehalt, nur eben in Form von Kohlehydraten und nicht als Fett. Mit der Nährstoffdichte werfen inzwischen sogar die Fernsehköche um sich. Nur meist genauso ohne Verstand. Richtig angewandt ist es ein wichtige Kenngröße: Man sollte mehr Nahrungsmittel essen, die eine niedrige Nährstoffdichte haben.

Doch dazu braucht man eigentlich keinen Fachbegriff, dazu reicht auch der gesunde Menschenverstand. Im wesentlichen ist es so: Je leichter verdaulich etwas ist, desto lieber mögen wir es. Aber auch  Daran kann auch die Industrie nichts ändern. Wenn sie uns bequemes Essen offeriert, dann geschieht dies auf Kosten der Nährstoffdichte oder es fallen unverdauliche Bestandteile weg. So ist eine Gemüsepfanne mit Tiefkühlgemüse mit ordentlich viel Fett zubereitet. Der Gehalt an unverdaulichen Bestandteilen ist zwar genauso groß, aber die Nährstoffdichte durch den Fettgehalt viel höher.

Es ist so wie im richtigen Leben - es gibt keinen einfachen Weg. Und billiger ist es noch dazu. Also lieber mal einen Abstecher in die Obstabteilung als einen Griff in das Kühlregal.

´Montag 1.9.2008: Jubiläum

Heute ist ein besonderer Tag für diese Webpräsenz: Es ist ihr 10 jähriges Jubiläum. Nun ja nicht ganz, online ging sie schon einige Tage früher, aber die Besucher werden erst seit dem 1.ten September gezählt. Wobei ich Besucher zähle und nicht Seitenaufrufe. Auf über 3 Millionen Besucher in 10 Jahren. Seit etwa 2001 ist das Besucherniveau auf einem gleich hohen Niveau, nach Google Analystics waren es in den letzten 12 Monaten über 460.000. Die Domain bernd-leitenberger.de ist etwas jünger, die Domain habe ich glaube im Juli 1999 beantragt. Damals gab es schon www.leitenberger.de, eine Firmengruppe, die jedoch als ich letztes mal auf die Website schaute weniger als 100.000 Besucher hatte (inzwischen ist der Counter verschwunden).

Ich habe mir damals vorgenommen etwa pro Woche eine Website online zu stellen. das habe ich auch durchgehalten (Derzeit sind 766 Seiten online). Allerdings gab es in den letzten 2-3 Jahren wenig neues. Dafür gibt es viele Gründe: Zum einen habe ich so das Gebiet weitgehend abgegrast, das mich interessiert, also im Bereich Raumfahrt sind es die Trägerraketen und Planetensonden. Es gibt da wenig neues. Vor allem aber ist die Informationspolitik heute eine andere als vor einigen Jahren. Zu Zeiten von Mars Pathfinder und MGS war es leicht auf den Websites zahlreiche technische Details über die Raumsonden zu finden. Bei den neuesten Projekten wie z.B. Phoenix ist da nicht viel auf der Website zu finden.

Bei Phoenix ist es insgesamt schwierig dem Fortschritt zu folgen. Vor allem über Probleme, wie bei dem Befüllen der Öfen erfährt man so gut wie nichts. Dafür wird jede Selbstverständlichkeit - Das Eis im Marsboden vorhanden ist - als Sensation verkauft. doch das eigentliche Ziel - Das finden von Spuren von Leben, also organischen Verbindungen scheint noch nicht gelungen zu sein. Ich glaube daran auch nicht. Als Chemiker kenne ich die Reaktionsfähigkeit von Perchloraten, wie sie das Naßlabor gefunden hat. Das dürften über geologische Zeiträume oxidierbare organische Verbindungen nicht überlebt haben.

Nun ja es gibt auch andere Gründe dafür, dass es wenig neues auf der Website gibt. Ich habe anders als 1998 eine Arbeit, ich finde das Schreiben meines Blogs als interessanter: Hier kann ich mehr meine Meinung wiedergeben als in einer Seite und die Länge kommt dem begrenzten Zeitkontingent auch entgegen. Bei Seiten muss ich mich immer wieder einlesen. Daneben bin ich aktiver als früher: Ich programmiere wieder viel, zur Zeit arbeite ich z.B. an einem Programm zum Auswerten der VMC Bilder, gehe dreimal in der Woche schwimmen, ach ja und ich arbeite an meinem zweiten Buch.

So gesehen wird sich daran wohl nichts ändern. Im Gegenteil: Wie jeder andere Internetuser kann ich nur auf Infos zurückgreifen die es gibt. Ich habe zwar inzwischen einige Routine im Formulieren von Suchanfragen, aber diese können auch nur zutage führen was öffentlich verfügbar ist. Das Problem ist: Dies hat sich verändert. In den "frühen" Zeiten des Internets wurde wirklich viel über technische Details veröffentlicht. Es gab Webseiten mit Antworten auf Fragen und nicht nur FAQ Seiten. Das gab viel Material für meine Webseiten. Heute sind zwar die Webseiten einheitlich im Aussehen, doch die Informationen beschränken sich vorwiegen auf offizielle Presseerklärungen.

Die unbemannte Raumfahrt nähert sich stark an die bemannte an. Bei dieser ist bei einer ISS Mission nicht die Technik wichtig, sondern die Aktionen der Raumfahrer, ihre Biografien etc. Okay, das ist für die breite Öffentlichkeit vielleicht auch interessanter. Das ganze hat aber auch Nachteile: Zum einen denke ich sind private Website Betreiber wie ich, die über Raumfahrt berichten wichtige Multiplikatoren. Zum anderen bedienen sie einen Aspekt den die NASA Website nicht abdeckt: Sie bieten andere oder tiefergehende Informationen.

Ich finde das sehr enttäuschend. Noch schwieriger als in den USA ist es wenn man Informationen von anderen Nationen bekommen will. Sei es Japan, Indien oder China, aber auch die ESA ist da keine Ausnahme. Bei der ESA sind es sogar zwei Punkte die problematisch sind. Neben der Informationsarmut insgesamt - praktisch gibt es nur Infos über die Instrumente aber nicht die Raumsonde - ist es die Zersplitterung. Es gibt nicht eine Mars Express Website, es gibt einige davon. Einmal die allgemeine, dann noch eine bei der Science & Technologie Seite und dann noch eine für die VMC (Specials Gruppe).

Für mich vor allem ärgerlich: Meine Methode Infos auszugraben ist es die Website komplett herunterzuladen und dann diese offline zu untersuchen. Das ist einfacher als im Internet und zielgerichteter. Das klappt bei den dynamisch erzeugten Seiten der ESA nicht. Die VMC Website zeigt allerdings Besserungen: Erstmals gibt es einen Aufruf um Hilfe bei der Auswertung der Bilder und diese werden zeitnahe veröffentlicht.  Nun ja. In 4 Tagen, genauer gesagt am 5.9. um 20:58 fliegt Rosetta an Steins vorbei - Mal sehen ob es diesmal mehr gibt als 3-4 "Best of" Pictures wie bisher.

eines aber ist bei der ESA und auch DLR vorbildlich: Wann immer ich jemanden dort angesprochen habe, bekam ich kompetente Auskünfte oder weitgehende Hilfe. Das genaue Gegenteil kann ich von meiner Korrespondenz mit Arianespace und EADS sagen.


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