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Web Log Teil 76 : 4.9.2008-8.9.2008

Dienstag 4.9.2008: Spionagesatelliten

Ich habe mich ja schon einmal in einem Artikel mit der Problematik von Spionagesatelliten beschäftigt. Heute will ich mein Hauptaugenmerk nicht auf die Optik richten, sondern den Problemen, mit denen zivile Satelliten konfrontiert sind, die hochauflösende Erderkundung betreiben und diese Bilder verkaufen.

Es gibt eine Reihe davon. For wenigen Tagen startete eine Dnepr gleich 5 Satelliten der deutschen Firma RapidEye, jeder nur 150 kg schwer. Ihre Auflösung beträgt nur 5 m, doch dies ist schon deutlich mehr als Erderkundungssatelliten liefern und man für kartographische oder Spektraluntersuchungen braucht. Andere Satelliten von Indien und Israel haben 1-2 m, Auflösung und Digiglobe startet ihren zweiten Satelliten mit 0.6 m Auflösung in einigen Wochen. Für einen Satelliten von 150 kg Gewicht sind 5 m Auflösung nicht so schlecht und die Firma hat ja davon gleich 5 auf einmal gestartet um die globale Abdeckung zu verbessern.

Optische Instrumente für diese Auflösung sind nicht das Problem: Die Kamera HiRISE an Bord von Mars Reconnaissance Orbiter wiegt 65 kg, benutzt ein 50 cm Teleskop und hat eine Auflösung von 1 µrad, das sind aus 500 km Höhe noch 50 cm/Pixel. Erst wenn die Kamera deutlich größer wird, wie man es für die oft postulierten 10 cm eines KH-11/12 benötigt, wird es schwierig - nicht wegen dem Gewicht, das in der Dritten Potenz zur Auflösung ansteigt, sondern vor allem wegen der Tubuslänge und dem begrenzten räumlichen Volumen in einer Nutzlastverkleidung. (Für 10 cm aus 300 km Höhe braucht man ein Teleskop von etwa 180-200 cm Durchmesser. Das wiegt zwar dann etwa 670-810 kg. Bei geschätzten 10-15 t Startgewicht ist das Gewicht eines solchen Teleskops also gar kein Problem).

Das Problem ist die Datengewinnung und Übertragung.

Bei den heutigen Satelliten setzt man TDI Sensoren ein. (TDI = Time Delayed Integration). Die Problematik eines hochauflösenden Satelliten ist die Belichtungszeit: Der Satellit bewegt sich mit 7000 m/s relativ zur Erdoberfläche und wenn Details von 1 m Größe abgebildet werden sollen, so muss die Belichtungszeit deutlich unter 1/7000 Sekunde sein. TDI Sensoren bestehen aus 16-128 Pixelzeilen. Die Information wird dabei von einer Zeile in die nächste kopiert und die letzte Zeile dann ausgelesen. Durch das, zur Bewegung synchrone Kopieren, bekommt jedes Pixel eine viel längere Belichtungszeit. Das ganze ist vergleichbar der mechanischen Bewegung der Zeile synchron zur Bewegung. Im Vergleich zu einem mechanischen Schwenk von Teleskop oder Sensor gibt es aber keinen Zeitverlust um nach dem Schwenk die Ursprungsposition zu erreichen und keinen mechanischen Verschleiß.

Das Limit setzen heute die Ausleseraten. Eines der modernsten TDI Sensoren, wie das CCD21241, hat 24000 Pixel von 8.75 µm Größe. Hier werden bis zu 300 MHz Ausleserate erreicht. Das entspricht etwa 12000 Zeilen pro Sekunde. Bei 7000 m/s ist die Auflösung so beschränkt auf 7000 m/s / 12000 Zeilen/s = 7/12 m also etwa 60 cm. Erfasst wird eine Zeilenbreite von 14.4 km.

Dieses System liefert eine Datenrate von nahezu 300 MByte/s, deckt aber nur einen Streifen von 14.4 km Breite ab. So ist es nicht verwunderlich, wenn Digiglobes neuer Vogel, Worldview 1 bei einer Auflösung von 0.41 m/Pixel pro Tag nur eine Fläche von 450.000 km² abbilden kann - Klein im Vergleich zur Erdoberfläche von 500 Millionen km². Trotzdem sollte man das "nur" in Anführungszeichen setzen, denn Monochrom, (8 Bit/Pixel) entspricht diese Fläche einer Datenmenge von 2.7 Terrabyte pro Tag.

Selbst bei der Rekordatenrate von 800 MBit/s braucht man 8 Stunden pro Tag um diese Datenmenge zu übertragen. Dies ist nur mit mehreren Bodenstationen möglich, da Funkkontakt nur über etwa 10 Minuten pro Station bestehen und nur nahe des Pols ein Kontakt pro Umlauf möglich.

Es ist logisch, dass so die Fläche in dieser Auflösung begrenzt ist. Das ist ein Problem für eine Firma, die natürlich nur ein begrenztes Gebiet ablichten kann. Doch eine Firma kann damit leben, sofern sie nicht zu viele Aufträge ablehnen muss. Anders sieht es bei einem militärischen System für die USA aus. Sie haben ein strategisches Interesse an Aufnahmen von der ganzen Welt. Sowohl zur Einschätzung von Konflikten wie auch zur Unterstützung ihrer vielen Truppen in Friedens und Kriegsmissionen rund um die Erde. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass dann ein System mit 10 cm Auflösung das (extrapoliert von den Worldview 1 Daten) weniger als 30.000 km² pro Tag erfassen kann, nicht den strategischen Nutzen hat, das man sich von ihm erhofft.

Die Aufnahmen höchster Auflösung gibt es nur von kleinen Arealen, Flughafen, Testgeländen etc. Diese werden aus den Aufnahmen mittlerer Auflösung herausgesucht.

Dass man dazu eine enorme Manpower braucht dürfte klar sein. Bei einer 600 MBit Leitung kann ein Satellit pro Sekunde 75 Millionen Bildpunkte liefern. Wenn ein Auswerter in 10 Sekunden die Bilder auf einem 1920 x 1280 Pixel Monitor durchsieht, dann braucht man 300 Personen um die Bilder durchzusehen. Sinnvoll ist ein solches System auch nur mit mehreren Satelliten. Ein Satellit kann aus den niedrigen Perigäumshöhen von 300 km nur einen kleinen Streifen auf der Erde verzerrungsfrei erfassen. Nach einem Umlauf ist er aber schon bis zu 2500 km weiter westlich. Für eine zweite Aufnahme kurz danach platziert man ab besten einen weiteren Satelliten so im Orbit, dass er das gleiche Gebiet einen oder zwei Tage später überquert. Weiterhin braucht man für einen vollständigen Funkkontakt mindestens 3 Satelliten im geostationären Orbit, die dann auch bei einem Übertragungskanal pro Satellit ohne Probleme mindestens 3 Satelliten versorgen können. Anders ausgedrückt: Wenn man ein so aufwendiges System betreibt, dann lohnt es sich nur wenn man auch viele Satelliten im Orbit hat. Es gilt allerdings inzwischen als gesichert, dass das DoD Bilder von Digiglobe und anderen Privatfirmen kauft. Dies geht auch einher mit einer rapide gesunkenen Startrate von Aufklärungssatelliten der KH-12 Serie. Für kleinere Staaten oder Länder mit einer geringen globalen Beteiligung an verschiedensten zivilen und militärischen Konflikten ,ist dieser Aufwand zu groß und auch unnötig.

Völlig anders sieht es aus, wenn ein Land nur die eigenen Grenzen schützen will. Für Iran würde es bei der derzeitigen politischen Situation ausreichen, die 437.000 km² des Iraks regelmäßig zu fotografieren. Das schafft schon ein kleiner Satellit in 1 m Auflösung und bei wenigen Funkkontakten pro Tag. Begnügt man sich mit etwa 1 m Auflösung, so kann man aus heute verfügbaren Standardbauteilen und einem kleinen Teleskop arbeiten. Ein Satellit von 200 kg Gewicht wäre ausreichend und diese Satellitengröße ist mit einer Mittelstreckenrakete und ein oder zwei Feststoffoberstufen startbar. Eine Technologie die sich auch kleinere Staaten kaufen können. Die Sensoren sind heute im Handel erhältlich. Die TDI Sensoren haben auch zivile Anwendungen, so überprüfen sie Fertigungsstraßen bei denen Produkte in rasender Geschwindigkeit an den Sensoren vorbeirasen. Selbst wenn der Kauf scheitern sollte - Ein Gang in den nächsten Fotoladen löst auch das Problem: Eine Canon EOS 1Ds Mark III hat auch einen 21 MPixel Sensor mit 14 Bit Farbtiefe und kann über einen Adapter an Teleskope angeschlossen werden. Gekoppelt an ein 10 Zoll Teleskop mit 3200 mm Brennweite gibt dies beugungsbegrenzte Bilder von 2 µrad Auflösung, also 1 m aus 500 km Entfernung. Von Alter gibt es z.B. Maksutov Teleskope mit 258 oder 304 mm Öffnung und 3000 bzw. 3800 mm Brennweite. Das entspricht aus 500 km Entfernung einer Bodenauflösung von 1.07 bzw. 0.85 m.  Beides sind Standardprodukte die man im Internet bestellen kann. Was man braucht ist nur noch ein Standard-T Adapter an das Teleskop und einen Gleichschrittmotor. wie er auch z.B. in Teleskopmontierungen eingesetzt wird.

Einen Satelliten zu bauen ist heute auch kein Problem mehr. Im neuesten ESA Journal kommt ein Artikel über europäische Kleinsatelliten die von Studenten gebaut werden. Darunter ist sogar das Projekt eines Mondorbiters, gebaut von Studenten. Die Lösung mag schwerer oder umständlicher als ein Exemplar von Astrium sein, doch das dürfte für ein Drittweltland nicht das Problem darstellen. Unter diesem Aspekt ist es ein Wunder, dass nicht viel mehr Aufklärungssatelliten die Erde umkreisen.

Freitag 5.9.2008: Kann man die ISS mit einem ATV deorbitieren?

Bei der Recherche, über mein derzeit in Bearbeitung befindliches Buch, über das ATV bin ich auf eine Meldung gestoßen, dass die NASA überlegt, am Ende der ISS Lebensdauer eines oder zwei ATV zu kaufen, um sie zu deorbitieren. Das ist sicher nicht mehr als ein Gedankenspiel. Zum einen weil die ISS ja noch nicht mal fertig ist, und selbst dann noch mindestens bis 2016/7 betrieben wird, inzwischen denkt auch die NASA an einen Betrieb bis 2020.

Tatsache ist: Das ATV ist der Transporter, der am meisten Treibstoff mitführen kann. Auch die zu entwickelnden Dragon und Cygnus Raumschiffe werden erheblich leichter sein und die bemannte Orion Kapsel hat auch nicht die nötigen Treibstoffvorräte. Die Mir wurde mit einem Progress Raumschiff deorbitiert, doch es gibt zwei wichtige Unterscheide zwischen der Mir/Progress und ISS/ATV

Vereinfacht gesagt: Zum Deorbitieren muss man nicht die ganze ISS auf eine Bahnhöhe von 120-130 km bringen, wo sie dann durch die Luftreibung verglüht. Es würde reichen eine elliptische Bahn von 130 x 400 km Höhe zu erreichen. Der Treibstoffbedarf ist dafür natürlich kleiner, als die Bahn von 400 auf 130 km abzusenken. Das ist sogar von Vorteil, weil man so viel einfacher den Wiedereintritt kontrollieren kann, als wenn die Station laufend in niedriger Höhe weiter abgebremst wird.

Das ganze sind Minimalanforderungen, denn das wichtige ist ja, dass sie ISS gezielt verglüht. Das erreicht man, indem man den erdnächsten Punkt über einem weitgehend unbewohntem Gebiet (oft und gerne benutzt wird dazu der Südpazifik) legt und dieser nochmals deutlich tiefer als 130 km liegt.

Hätte das ATV einen sehr schubstarken Antrieb so wäre das kein Problem: Eine Zündung 180 Grad von dieser Positionn entfernt wurde (bei genügend Treibstoff) ausreichen den Punkt so abzusenken. Doch das ATV hat nur 4 Triebwerke mit je 490 N Schub. Diese müssten fast 10 Stunden arbeiten um die ISS um 160 m/s abzubremsen - In dieser Zeit hat die ISS aber fast 5 Umläufe absolviert - das läuft dann auf eine langsame Absenkung der Bahn heraus - Mit höherem Treibstoffverbrauch.

Hat ein ATV überhaupt genug Treibstoff an Bord dafür ?

Die internen Treibstoffvorräte des ATV umfassen 6760 kg plus 860 kg zum Nachfüllen der ISS. Das reicht gerade mal um die Station um 50 m/s zu verlangsamen. In der Realität sind es weniger, weil das ATV ja selbst auch noch Treibstoff braucht  um zur ISS zu gelangen und abzudocken (von den 6760 kg Treibstoff sind bei einer normalen ATV Mission 2613 kg dafür vorgesehen).

Ein ATV reicht also nicht aus. Mindestens zwei müssten es sein.

Wie würde die Deorbitierung der ISS ablaufen?

Nun vielleicht so:

Das ganze hat nur einen Haken: Alles geschieht nicht auf einmal. Damit das ATV 5.5 t Treibstoff verbraucht müssen die Triebwerke 140 Minuten lang arbeiten. Also wenn man sie jeweils 10 Minuten lang im erdfernsten Punkt betreibt dann zieht sich das über 14 Orbits oder mehr als einen Tag hin, und bei den letzten Orbits ist dann die ISS mit 150 km Höhe schon recht nah an der Erde. Die Gefahr ist also sehr groß, dass die ISS dann unkontrolliert abstürzt.

Optimal ist das ATV nicht zum Deorbitieren der ISS. Was wäre eine optimale Lösung? Nun erstmal bräuchte man mehr Schub. Das kann man erreichen, indem das Aestus Triebwerk zusätzlich eingebaut wird. Dann muss die Treibstoffzuladung erhöht werden. Der ICC müsste weitgehend entfallen und nur der Ankopplungsteil übrig bleiben und dafür das Service Modul vergrößert werden. Der ICC wiegt etwa 5 t. Wenn er auf 1 t abgespeckt werden kann und nur noch Treibstoff befördert werden muss, dann kann das Leergewicht des ATV von etwa 10.5 auf 7.5 t sinken. Entsprechend können dann 13 t Treibstoff zugeladen werden. Zusammen mit dem etwas höheren spezifischen Impuls des Aestus Triebwerks reicht dies aus, die ISS mit einem ATV zu deorbitieren. Das Aestus Triebwerk muss dazu nur etwa 1460 Sekunden arbeiten. Mit zwei Zündungen über zwei Orbits wäre die ISs sicher versenkt.

Die Überlegung beruhe auf einem Standardorbit der ISS - natürlich würde man beim Deorbitieren die ISS absinken lassen. Den Treibstoff dafür braucht man dann schon nicht. Doch dem sind Grenzen gesetzt: Sinkt die ISS ab, so ist das eine Spirale, das Absinken wird rasch beschleunigt. Sehr schnell wird dann die Zeit knapp in der man die Station gezielt deorbitieren kann. Die ISS sinkt jetzt schon erheblich schneller ab als Skylab oder Mir, die in der gleichen Bahnhöhe waren. Das liegt an den großen Solarzellenflügel die 84 kW Leistung liefern. Ohne Eingriff würde die ISS in 2 Jahren verglühen - Bei Skylab waren es noch 6 Jahre.

Samstag 6.9.2008: Der erste Asterioidenvorbeiflug an (2867) Steins

SteinsAus aktuellen Anlass: Eine Kopie meines letzten Eintrags zur Rosetta Mission:

Nach einigen Monaten im Hibernations (Schlaf) Modus, begann am 5.8.2008, einen Monat vor der Passage die Observation des Kleinplaneten Steins. Ziel dieser Beobachtungen mit der Kamera OSIRIS ist es den Orbit genauer zu definieren. Stein wird gegen den Sternenhintergrund aufgenommen und seine Position anhand der Beobachtungen vorhergesagt. Ohne diese Beobachtungen wäre die Position nur auf 100 km genau - das ist angesichts 800 km Minimaldistanz ein großer Fehler, der 7.1 Grad Unsicherheit in der Position ausmacht - etwa dreimal mehr als das Gesichtsfeld der Telekamera beträgt. Die Beobachtungen von Rosetta sollen die Unsicherheit auf 2 km verringern.

Lange ist Stein nur ein Pixel groß. Bis zum 25.sten August reichen daher 2 Aufnahmen pro Woche. Ab dem 25.sten August bis zum 4. September gibt es tägliche Aufnahmen. Die letzte Möglichkeit zur Feinjustage der Trajektorie gibt es am 4.Septzember einen Tag vor dem Vorbeiflug. Dabei nimmt die Distanz rasch ab, als am 5.8.2008 mit den Beobachtungen begonnen wurde sind es noch 24 Millionen km. Die Eigentliche Beobachtungskampagne beginnt dann 950.000 km Entfernung, einen Tag vor dem Vorbeiflug. Doch selbst aus 800 km Minimalentfernung wird Steins dessen Größe zwischen 2-5 m (irrreguläre Struktur) mit einem mittleren Durchmesser von 4.6 km geschätzt wird klein bleiben. (Er dürfte maximal 300 Pixel groß sein auf den Bildern der Telekamera). Trotzdem haben auch die Aufnahmen aus größerer Entfernung wissenschaftlichen Wert: OSIRIS kann das Licht von Stein messen und damit Informationen über Abmessungen und Rückstrahlfähigkeit liefern und die Erkenntnisse über die Rotationsperiode / Achse verbessern.

Von ESAs originaler Planung des Fly Bys blieb nicht viel übrig: Diese war auf Sicherheit ausgerichtet, so sollte Rosetta nicht zu sehr aufgeheizt werden und nach dem Vorbeiflug sollten keine Beobachtungen mehr stattfinden. No way, sagten die Wissenschaftler! Da haben wir die bislang leistungsfähigste Sonde die an einem Asteroiden Vorbeiflügen soll und dann machen wir keine Kompromisse, also bitte so nah wie möglich an Steins vorbei, Beobachtungen vor, bei und nach dem Vorbeiflug., eine Bahn die volle Ausleuchtung (Sonnenwinkel 0 Grad) gewährleistet und natürlich so viele Instrumente wie möglich im Betrieb. Warum? Nun Steins ist ein E-Typ Asteroid, er besteht zu einem großen Teil aus schweren Elementen wie Eisen und Nickel, vermischt mit Silikaten. Diese Asteroiden sind selten (weniger als 1 % aller Asteroiden sind vom E-Typ). Rosetta ist die erste Sonde die einen E-Typ Asteroiden besucht, also Zeit diese Gelegenheit zu nutzen!

Da hatte das Team um die Flugingenieure einiges zu tun. Und sie haben diese Aufgabe bewältigt und Rosetta bis an die Grenzen getrieben. Um Die Bahn von Steins besser zu charakterisieren reichte die Vermessung der Raumsondenbahn alleine nicht aus. Rosetta begann Steins vor dem Hintergrund zu fotografieren und so die Position genauer zu bestimmen. Die  Bahn wurde mehrfach angepasst und 3 Stunden vor dem Vorbeiflug begann man mit den Navigationskameras Steins zu verfolgen und die anderen Instrumente auf ihn ausrichten. Diese optische Navigation ist eine Erstleistung für Europa.

Aktiv waren schließlich 15 Instrumente, 14 auf Rosetta und eines (das Magnetometer) auf Philae. Untersucht wurde nahezu alles : Bilder und Spektren vom UV bis hin zu Mikrowellen. Staubteilchen Detektoren,. Plasmadetektoren und Magnetometer. Leider schaltete die Telekamera 9 Minuten vor der nächsten Begegnung ab, so dass zuerst nur Bilder Weitwinkelkamera präsentiert wurden. Dies wurde von der Software, welchen den Zustand überwachte, veranlasst. Ursache war das der neue "Movie" modus - bei dem die NAC alle 2 Sekunden ein Bild aufnahm wohl die Kamera an die Grenzen trieb und die Software sie daher vorsorglich abschaltete. Einige Stunden später schaltete sie sich ein und arbeitet seitdem problemlos. Ein weiteres Problem war der Ausfall der NASA Goldstone Antenne, über die eigentlich die Daten gesendet werden sollten. So verzögert sich das Rücksenden der Daten die nach dem Vorbeiflügen gewonnen wurden.

Ein 2 km großer Krater nahe des Nordpols hätte Steins fast zertrümmert. 23 Krater von mindestens 200 m Durchmesser (der größte von 2 km Durchmesser) konnten identifiziert werden. Die ersten Farbaufnahmen zeigten Steins in Grau, mit leichtem rötlichem Touch. Auch Stereobilder konnte OSIRIS herstellen

Die VIRTIS Daten sind immer noch in Auswertung, weil dieses Instrument enorme Mengen an Daten liefert. Aufbereitete Bilder sollen folgen. GIADA konnte keinen Staubeinschlag vermelden. Der Asteroid "staubt" also nicht. Schade, das hätte eine direkte Analyse der chemischen Zusammensetzung erlaubt. Allerdings konnte man in 800 km Entfernung auch kaum noch Staub erwarten.

GH. Winter nutzte die Pressekonferenz am 6.9.2008 um ein Programm vorzustellen um Nearth Earth Objects (NEO) zu suchen und überwachen, vor allem um Objekte rechtzeitig zu finden welche der Erde gefährlich nahe kommen oder sogar potentiell einschlagen könnten.

Es umfasst folgende Schritte:

Es soll im November beim Ministerrat in Den Haag vorgestellt werden. Angesichts der Überschreitung der Budgets von BepiColombo und Exomars (beide wurden deutlich schwerer und erfordern nun jeweils einen Ariane 5 anstatt einen Sojus Start, stehen die Chancen für neue Programme aber eher schlecht.

Montag 8.9.2008: Politik und die ISS: Teil 2

Ich sollte mal umsatteln auf Prophet: Was ich kürzlich prognostiziert habe, ist nun eingetreten. Wie Michael Griffin in einem Interview sagte, ist die Situation bei der ISS prekär. Bis 2012 hat die NASA Starts auf russischen Sojus Kapseln gebucht und für die Zeit danach, müsste man Anfang 2009 die Weichen stellen.

Durch den Einmarsch Russlands in Georgien scheint es nun sehr unwahrscheinlich, dass die NASA diese Option wird wahrnehmen können. Die politische Stimmung im Kongress ist gegen die Zahlung von Geldern an Russland für Sojus Flüge. Was für Optionen hat die NASA nun? Nach Ansicht Griffins derer drei:

Selbst wenn die USA die Space Shuttles im Dienst bleiben: Die US Besatzung wird ohne Rettungsmöglichkeit dann nur einige Tage lang an Bord der ISS bleiben können - Maximal 30 Tage pro Flug, wenn alle Space Shuttles auf Langzeitmissionen ausgerüstet werden.

Griffin sagte, das wäre ein "Feature" der US Politik, das schon bestanden hätte, als er ins Amt kam und er wäre damit nicht einverstanden. Das erste stimmt, das letzte hört man nun zum ersten Mal öffentlich, nun, wo der Präsident bald geht, der ihn eingesetzt hat. Vorher stand er 100 % hinter Bushs Plänen die eben diese Misere beschworen haben.

Oooh kommt nun das Erwachen? Mal ein paar Erinnerungen:

Worüber regen sie sich also auf?

Zusammengefasst: Die USA haben im Kernbereich sich auf die Russen verlassen, die selbst ihre eigene Beteiligung konsequent heruntergefahren haben, aber Geld durch Weltraumtouristen verdienten. Sie haben eigene Projekte für einen zweiten Zugang abgebrochen, selbst welche mit internationaler Beteiligung wie das CRV.

Nun wird erneut Politik und Forschung verquickt: Die ISS hatte ihren Ursprung in der Politik: Vom amerikanischen Teil aus gesehen ist die ISS weitgehend identisch mit der "Alpha", die aber zu teuer für den US Kongress war. Im Zuge der Annäherung an Russland war man bereit aber die ISS - mit denselben Kosten - zu finanzieren. Nun weht der wind genau in eine andere Richtung und man fürchtet, dass Russland Sojus Starts verhindern könnte.

Ich halte das für absoluten Nonsens. Russland hat Probleme seine Raumfahrt zu finanzieren, auch jetzt wo die Staatseinnahmen rapide gestiegen sind. Das zeigte sich bei der ISS oder Mars 96, oder dem verschieben neuerer Projekte wie Phobos-Grunt. Die Russen sind aber immer ihren kommerziellen Verpflichtungen nachgekommen. In den letzten Monaten gab es schon genug Säbelrasseln aus Moskau und in dieser Zeit wurden ein amerikanischer Kommunikationssatellit und ein Spionagesatellit der Bundeswehr mit russischen Raketen gestartet. Wenn die USA Sitze kaufen, dann bekommen sie diese. Die Fakto halte ich die USA für einen politisch unzuverlässigen Partner als Russland. Die USA waren es, die erwogen, die ISS nicht fertig zu stellen. Die USA sind es die immer noch eine Langzeitplanung haben, die keine Mittel für die ISS ab 2017 vorsieht. Russland mag Probleme haben seinen Verpflichtungen nachzukommen. Doch wenn man für die Serviceleistungen zahlt bekommt man sie.

Warum auch nicht? Wir zahlen ja auch an die USA. Nicht mit Geld, aber mit Hardware. Für etwas mehr als einen Shuttle Flug (Den Start von Columbus und den Transport einiger Racks bei einem zukünftigen Versorgungsflug) baute Europa die beiden Node 2+3 und die Cupola. Das war auch nicht umsonst. Was hindert also die USA sich die Sojus Rauschiffe zu kaufen, wenn sie den Russen nicht trauen? Starten könnte sie Arianespace, die auch nicht befürchtet nun keine Satelliten mit der Sojus starten zu können.

Die Frage ist auch was Europa machen wird. Es gibt nun ja die Gelegenheit von 2012 bis mindestens 2015 (jüngste Meldungen vermelden, dass das Design Review von Orion hinter dem Zeitplan hinterherhinkt). Europäer und Japaner zur ISS zu entsenden und die Forschung durchzuführen. Mal sehen was dann bei der NASA erst los ist....


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