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Web Log Teil 78 : Samstag 13.9.2008- 17.9.2008

Samstag 13.9.2008: Die Rosarote Brille

Nachdem sich die letzten Blogeinträge fast nur um Raumfahrt gedreht haben, heute mal was aus der Kategorie "Alles was Sie nicht wissen wollen", schließlich ist das ja auch das Thema des Blogs

Ich habe mir kürzlich eine Sammlung der Hits von Stock Aitken Watermann (SAW) zugelegt. Für die etwas jüngeren Blogleser: Stock Aitken Watermann waren Mitte der achtziger Jahre bis Anfang der neunziger Jahre das zumindest europaweit erfolgreichste Produzententrio. Dieter Bohlen ist ein kleiner Straßenmusikant gegen SAW und ihre Firma PWL.

Sie produzierten zum einen Hits für schon bekannte Künstler, z.B. Donna Summer (This Time i Know its for real) Pet Shop Boys (Always on my Mind Cover). Vor allem aber für viele Künstler, die heute in der Versenkung verschwunden sind, wie Sinitta, Sabrina, Mel and Kim, Sidney Youngblood, Jason Donovan und Rick Astley. Der einzige Künstler, den sie entdeckten und der heute noch erfolgreich ist, ist Kylie Minogue, die damals ihre Karriere mit SAW Musik begann.

Ich habe SAW Ende der achtziger gehasst und sah damals ein Symptom wie man viel Reibach mit immer denselben Melodien machen kann. Wer mal auf die Links geklickt hat wird auch den immer gleichen Grundrhytmus wiedererkennen. Mit der Masche waren damals ja auch noch Modern Talking erfolgreich und deren Lieder waren noch schlimmer. Diese Fistelstimme von Bohlen und diese dämlichen Texte.

Nun ja, ich war nicht gegen alle SAW Produktionen. Ich fand die Lieder von Sabrina, Sinitta und Kylie eigentlich ganz gut. Da spielt wohl sicher auch das Aussehen der Damen eine Rolle, wie ich beim Rein hören in die Sammlung feststellte, produzieren SAW auch Lieder die ich nicht als SAW Produktionen kannte und die ich gut fand wie "Say im your Number one" von Princess oder "Voyage, Voyage" von Desire. Das lag wohl daran, dass diese noch vor der großen Welle kam und man den Rhythmus ab und

Nun ja, egal. Auf jeden Fall meinte ich habe ich meine Meinung geändert und inzwischen ist die Musik ja noch viel schlechter als zu SAW Zeiten. (Ausnahmen wo 2Raumwohnung, Christina Stürmer und Wir sind Helden bestätigen die Regel). Es reicht sich zu große Klamotten anzuziehen, eine Kapuzzenjacke oder eine Strickmütze überzustreifen und dann mit einer Undurchsichtigen Brille 30 cm vor der Kamera Sprechgesang zu machen und dabei wie wild mit den Händen zu fuchteln.

Alternativ verwurstet man ein altes Lied, die Jugend kennt ja nicht mehr die Originale. (Das ist allerdings keine Besonderheit von heute: In den achtzigern hielt ich den Locomotion von Kylie Minogue und "Everlasting Love" von Sandra auch für neue Lieder).

Kurzum ich dachte ich wäre inzwischen SAW wohlgesonnener und überspielt die "Greatest Hits" von Kylie auf den MP3 Player. Ich hab das genau bis zum 4.ten Titel angehört - dann kam der Griff zum schnellen Vorspulbutton. Der Effekt wie in den achtzigern trat ein: Die Leider sind einzeln gut zu hören, aber nicht in der Folge. Mal ab und an so ein seichtes Liedchen mit Discorhytmus ist nicht schlecht, aber auf Dauer kann man dass nicht mehr hören.

Wikipedia schreibt dass SAW dem begegneten dass sie ihre Lieder anpassten. Kylies "Better the Devil you know" sei ein gutes Beispiel dafür. Ich finde es klingt wie der Rest des Trios. Ich glaube SAW hatten einfach den Bogen überreizt. Es tummelten sich zu viele Lieder von ihnen in der Hitparade - 1989 waren es deren 23 und die Leute hatten sich sattgehört.

Nun ja ich habe festgestellt, dass ich nicht in allem die Rosa Brille habe. Jetzt höre ich Transvision Vamp rauf und runter. Auf die bin ich kürzlich gekommen. Ich kannte nur einen Titel von Ihnen: "I want you Love":

Doch beim stöbern in YouTube stellte ich fest dass ich viel mehr kannte, nur es der Gruppe zuordnen konnte. Das ist Musik nach meinem Geschmack, abwechslungsreich, rockig und eine Sängerin mit einer bemerkenswerten Stimme von Weich bis Rockröhre. Dabei bin ich mir sicher, das die Texte von einem der männlichen Bandmitglieder stammen, man möge sich mal den Text von "Baby i don't care" anhören.

Nun ja, warum schreibe ich das. Ging es Ihnen auch mal so, dass sie durch eine rosarote Brille die Vergangenheit gesehen haben und dann bei der Konfrontation bemerkt haben es ist nicht so? Das gibt es ja nicht nur bei der Musik. Mir geht das auch bei Klassentreffen so, wenn die eine oder andere Anekdote von anderen Beteiligten anders erzählt wird und einem plötzliche Details einfallen, die man vergessen hatte, Wenn ja was war der Anlass?

Sonntag 14.9.2008: Buch Nummer 2

Nachdem ich die erste Version meines Programms zur Verarbeiten der Rohbilder der VMC Kamera von Mars Express veröffentlicht habe, konzentriere ich mich nun mehr auf mein zweites Buch, das, wie ich schon angedeutet habe, den europäischen Raumtransporter ATV zum Thema hat. Bis auf das Missionsende, das für den 29.sten September vorgesehen ist, habe ich den Text soweit fertig. Etwa die Hälfte der Bilder sind auch schon eingefügt und so ist der Umfang auch absehbar. Wahrscheinlich wird es zwischen 148 und 156 Seiten haben.

Erscheinen wird es wahrscheinlich im November. Danach kommt erst mal wieder eine Pause, ich habe mir aber vorgenommen noch mindestens ein drittes Buch zu schreiben: Über Europa Trägerraketen. Schließlich musste ich für das ATV ja schon den Artikel über die Ariane 5 neu schreiben und gegenüber dem Web Artikel doch stark erweitern. Geschickt ist, dass ich in einer Woche den Rest meines Jahresurlaubs nehme und dann auch die Zeit habe, das Buch fertig zu stellen. Den Großteil des Buches habe ich ja auch schon im Sommerurlaub geschrieben.

Ich weiß nicht, warum ich so viel Zeit investiere, denn das erste Buch, Das Gemini Programm. Technik und Geschichte verkauft sich eher mau. Genauer gesagt: 67 verkaufte Exemplare. Ab 100 wird es erst interessant, denn dann gibt es neben den 1.01 Euro, die ich pro Buch verdiene, noch 380 Euro von der VG Wort, also den Abgaben die Sie zahlen, wenn sie einen Kopierer oder Scanner kaufen. Vorher ist es angesichts der Arbeit, die drin steckt, eher eine Liebhaberei. Ich habe mir ja schon überlegt ob ich nicht hier aufrufen sollte, doch mal eine Kritik bei Amazon zu schreiben, einen Hinweis an die SuW zu schicken, die ja auch Raumfahrtbücher bespricht (meine Mail, nachdem das Buch rauskam, haben sie nicht beantwortet) oder gar einen Aufruf an die Blogleser, es wenn sie es nicht kaufen wollen, doch vielleicht aus ihrer nächsten Bibliothek ausleihen könnten. Aber so was würde ich doch nie tun, da bin ich doch viel zu anständig....

Vielleicht war ich auch zu nachlässig, denn das der Projekttitel (bei dem ich ein "m" im Webformular vergessen hatte) der Seitentitel wird, der an alle Buchhandlungen übermittelt wird, und es keine Möglichkeit gibt einen Buchtitel anzugeben, habe ich leider zu spät bemerkt. An dieser Stelle mal eine Frage an den werten Leser: Was wäre für das Buch über das ATV denn ein guter Titel? Derzeit habe ich (sehr einfallsreich) nur "Das ATV" mit dem Untertitel "Technik und Geschichte des europäischen Raumtransporters". Also so gut im Werbung machen und originellen Titeln bin ich nicht. Vorschläge sind also willkommen. Das Inhaltsverzeichnis, das Auskunft über den Inhalt und die Länge der Kapitel gibt, kann man hier einsehen.

Aber eines kann ich tun: Werbung für das kommende Buch zu machen. Warum sollte man es kaufen?

Die schlechte Nachricht: Es wird etwas teurer als das Gemini Buch werden. Ich habe mir diesmal eine Gewinnmarge von 25 % vorgenommen, nach 19.9 % beim ersten. Es wird also etwa 14 Euro kosten. Bei BOD ist es zwar einfach Bücher zu drucken und zu verlegen, doch anders als bei "normal" verlegten Büchern sind die Kosten direkt abhängig von der Seitenzahl. Also doppelte Seitenzahl, doppelter Preis. Und etwas teurer als über eine Großauflage ist es auch. Normalerweise wird ein Buch pro Seite um so billiger, je dicker es ist. Immerhin: Bücher mit 200 Seiten über Raumfahrt aus dem Kosmos Verlag kosten auch etwa 20 Euro. So gesehen ist es nicht zu teuer, aus Preisgründen nur eben mit schwarz-weißen Abbildungen (Jede Farbseite kostet 12 ct mehr). Aber ich denke in der Informationsdichte kann es locker mithalten.

Der Erscheinungstermin ist offen, ich denke es wird November werden, vielleicht auch Dezember. Mal sehen, ob wirklich an Weihnachten mehr Bücher verkauft werden.....

Dienstag 16.9.2008: Bigelow: Realismus und Kritik

Ich will mal Vineyards Frage aufgreifen, was ich von Bigelow Aerospace halte. Ich kann nicht so viel sagen, ob diese aufblasbaren Raumstationen funktionieren: Es mag für die Struktur gangbar sein und es gibt sicher die Möglichkeit, diese genauso vor Mikrometeoriten zu schützen, aber eine echte Raumstation hat auch eine Inneneinrichtung. Wenn die Station entfaltet wird, wie geht das mit Trennwänden, Tischen, Zwischenböden, Kabinen? Noch problematischer: Leitungen für Strom, Computernetzwerke aber auch Flüssigkeiten (Kühlflüssigkeit, Wasser) und Gase.

Das die NASA dies erforscht hat, heißt nicht, dass es funktioniert. Es ist der Job der NASA Technologie zu erforschen. Die Liste der Dinge die erforscht und abgebrochen wurden ist lang - Vom Nuklearreaktor für die Stromversorgung (SERT-2) über Staustrahltriebwerke als Antriebe bis hin zum einstufigen Raumtransporter (Venture Star).

Doch das ist auch von untergeordneter Bedeutung, denn das Gewicht einer Raumstation ist nicht der entscheidende Kostenfaktor, für den Weltraumtourismus den Bigelow anstrebt.

Warum? Nehmen wir eine Raumstation aus herkömmlichen Bestanteilen. Ein MPLM (reine Struktur hat 88 m³ Rauminhalt (4.2 m Innendurchmesser, 6.4 m Länge) und wiegt 4.1 t. Nimmt man nochmal 4.9 t für eine Inneneinrichtung, Lebenserhaltungssysteme etc., so ist man bei 9 t bei genügend Raum für etwa 3 Personen. 10 Jahre Einsatz im Orbit, konservativ geschätzte 30 % Nutzungszeit macht dass knapp 20 kg pro Besucherwoche. Das BA330, ein 330 m³ Raumschiff, ist übrigens nicht so viel leichter als die oben skizzierte Lösung - Bei 23 t Startmasse errechne ich 70 kg/m³, gegenüber 102 kg/m³, wobei noch offen ist, ob dies nur ein leeres Modul ist, oder voll eingerichtet.

Da wiegt der Besucher selbst mehr. Im Prinzip könnte man für Weltraumtouristen richtige Luxusherbergen im All erreichten (zumindest was das Volumen und das Gewicht angeht) ohne das dies teuer wird, wenn man es über einen längeren Zeitraum betrachtet.

Die Grundfrage ist doch, wie billig man in den Weltraum kommt. Bigelow muss hier vorhandene Ressourcen nutzen. Bei den Starts gibt es eine Reihe von Möglichkeiten Mit 23 t für das BA330 gibt es eigentlich nur die Delta IV Heavy, doch wenn die Firma etwas runter geht, auf 20 t gibt es als Alternativen die Proton, Ariane 5 oder eine Atlas 551. Soweit könnte es gelingen, gäbe es nur nicht ein Problem: Die Kosten:

Nicht so ganz dazu passen will dass Bigelow die Atlas 401 nutzen möchte. Diese hat nur eine LEO Nutzlast von 12.5 t. Wahrscheinlich fand sich kein anderer Anbieter für das Angebot von 760 Mill $ für 8 Starts, also weniger als 100 Mill $ pro Start.  Egal wie Bigelow ihre Raumstationen ins All bringt: Der Mannschaftstransport ist das teure daran.

Derzeit gibt es nur eine verfügbare Möglichkeit: Mannschaftstransport mit Sojus Kapseln und Fracht mit den Progress Transportern. Für beiden gibt es keine echten Preise. Warum? Zwar zahlte die südkoreanische Astronautin 25 Millionen Dollar für ihren Flug, doch das ist nicht der Preis für ein Drittel der Sojus Kapsel. Die UdSSR müssen ihre Sojus alle 180 Tage auswechseln und auch die Besatzung sollte nicht viel länger in der Schwerelosigkeit sein. Bei einer Regelbesatzung von 2 Personen verkauft die UdSSR den dritten Sitz. Das gleiche gilt für die Progress Frachter. Für diese habe ich einen Preis von 40 Millionen pro Flug gefunden. Das dürfte aber der auch unter der Voraussetzung gelten, dass die Progress Frachter den russischen Teil der Station versorgen.

Natürlich sind Russlands Preise nicht mit den Westlichen zu vergleichen, doch das ist auch nebensächlich, denn Russland arbeitet inzwischen auch marktwirtschaftlich. Ein Träger wird günstig angeboten bis genügend Kunden da sind, und dann werden die Preise soweit angehoben, bis sie etwas unter den westlichen Preisen liegen. Russland zahlt für die Fertigung einer Proton umgerechnet etwa 25 Millionen Dollar, ein kompletter Start kostet aber 100 Millionen Dollar. (wobei man natürlich erwähnen sollte, das sich Kasachstan die Nutzung von Baikonur vergolden lässt).

Wenn Bigelow Sojus Kapseln für den Transport und Progress Raumtransporter kaufen würde, wie teuer wäre dann ein Aufenthalt? Das ist unter dieser Prämisse spekulativ, aber nehmen wir wirklich mal an, die niedrigen Preise die kursieren würden gelten, also 25 Millionen Dollar pro Sitz und 40 Millionen Dollar für einen Progress Transporter mit 2 t Nutzlast.

Okay. Ein Sojus Raumschiff kostet dann 75 Millionen Dollar (3 Sitze), da ein Pilot mitfliegen muss sind maximal 2 Passagiere möglich. (Meiner Meinung nach sogar nur einer, weil die zweite Person der Bordingenieur ist. Bislang gab es nur immer einen Touristen und jeder Fremdastronaut auf dem zweiten Platz machte eine Ausbildung zum Bordingenieur durch.

Somit kostet der Mannschaftstransport schon mal 37.5 Millionen Dollar pro Person. Doch man braucht ja auch Versorgungsgüter. Bei der ISS sind das 14 kg pro Person und Tag. Ein Progress Transporter ist also nötig für jeweils 52 Crew Tage (Dreierbesatzung). Das macht weitere 2.7 Millionen pro Woche aus. Ein Ticketpreis von 40 Millionen ist also das mindeste. Die 2.7 Millionen decken sich übrigens recht gut mit dem Preis von Bigelow für eine weitere Woche (3 Millionen). Doch wie Bigelow den Preis von 15 Millionen für 4 Wochen einhalten will, ist fraglich. Vielleicht will die Firma ja auch nur ihre Raumstationen selbst vermieten, wie andere Preise für ein halbes Jahr und ein Jahr andeuten. Dann sind das Preise ohne Mannschaftstransport. Solche wären realistisch. Denn ist eine Raumstation erst einmal im All, und sie ist in hinreichender Entfernung von der Erde (500-600 km), dann kann sie dort über lange Zeit bleiben. eine 550 km Bahn ist z.B. über etwa ein Jahrzehnt stabil.

Letztendlich reduziert es sich doch auf die Transportfrage. Bei bemannten Raumflügen ist das noch um einiges schwieriger als bei unbemannten, wo man auf eine Reihe von Trägerraketen zurückgreifen kann. Dabei sind die Sojus durchaus nicht ideal: Die hohe Belastung bei Start und Landung beschränkt die Auswahl auf einen kleinen Kreis trainierter Personen. Doch es gibt nichts anderes und ein ideales Transport System, z.B. ein Shuttle mit zahlreichen Sitzen für Passagieren zu entwickeln kostet viel Geld und das kann Bigelow nicht aufbringen.

Mittwoch 17.9.2008: Passagiertransport und Tourismus in den Orbit

Ich knüpfe mal da an wo ich gestern aufgehört habe: Die Kosten für "Weltraumtouristen" - Wie kann man sie senken? Schauen wir uns an, was es heute so an Systemen gibt: Es gibt heute drei Systeme:

Je nachdem was für mich wichtig ist, werde ich das eine oder andere System wählen. In den USA ist nach dem Tod von 14 Astronauten auf zwei Shuttle Flügen der Sicherheitsaspekt das wichtigste Kriterium. Er führte zum Orion System. Natürlich ist eine Kapsel systeminhärent sicherer. Beim Wiedereintritt z.B. stabilisieren sich die bisher benutzten Formen von selbst. Das war für russische Sojus schon zweimal rettend, als sich das Servicemodul oder die Orbitalsektion nicht richtig abtrennten und diese durch die Atmosphäre taumelten bis die Reibungshitze die letzten Verbindungen kappte. Das Abtrennen von einer explodierenden Trägerrakete ist mit einem Fluchtturm möglich und auch dann hilft die aerodynamische Form bei der richtigen Ausrichtung zur Landung.

An zweiter Stelle fungiert ein Mini Shuttle. Er kann auf die Spitze einer Trägerrakete montiert werden, und dann mit Feststofftriebwerken schnell abgetrennt werden (wie ein Fluchtturm, nur eben am Fuß des Shuttles). Wegen der Position an der Spitze machen auch Schaumstoffstücke nichts aus. Beim Start ist er also sicherer als ein großes Shuttle. Sofern man das Konzept eines Auftriebskörpers wählt, kann er auch seinen Wiedereintritt und den Flug stabiliereren, doch er ist nicht so stabil wie eine Kapsel.

An der dritten Stelle kommt das Space Shuttle. Die NASA schätzt nun die Wahrscheinlichkeit die Besatzung zu verlieren auf 1:80 und will dieses Risiko nicht mehr eingehen. Das Space Shuttle ist gefährdet beim Start (keine Abtrennung solange die Booster arbeiten, Schaumstoff) aber auch beim Wiedereintritt, es ist nicht selbst stabil, ohne Computer könnte man es nicht landen.

Die Sicherheit ist ein Aspekt. Gilt er auch für Touristen? Ja und Nein. Ja, weil natürlich jeder so viel Sicherheit wie möglich haben will. Nein, weil 100 % Sicherheit nicht machbar ist und es rapide teurer wird je näher man an die 100 % herankommt. Der Wechsel zu Orion kommt wegen der Schlagzeilen die Challenger und Columbia machten. Das Risiko von 1:80 ist den Astronauten bekannt und wird auch in Kauf genommen. Sie sind nicht die einzigen die Risiken eingehen. Das tun auch Feuerwehrmänner und Soldaten. Die Bundeswehr hat bei 3500 Soldaten in Afghanistan bislang 28 verloren. Das ist ein Risiko von 1:130. Ich bin mir sicher, das ein Rekrut, wenn er die Wahl hätte, nach Afghanistan zu gehen oder ins All, sicherlich das etwas höhere Risiko eines Weltraumfluges wählen würde.

Das nächste sind die Entwicklungskosten und die Unterhaltskosten. Eine Kapsel ist in den Entwicklungskosten überschaubar. Doch jeder Flug verbraucht eine Kapsel. Solange ich diese günstig fertigen kann oder selten Fliege, kein Problem - Deswegen setzt auch Russland seit 40 Jahren die Sojus ein. Doch dieses Konzept isst nicht auf den Westen übertragbar. Zumindest nicht, wenn man heute eine Kapsel baut, nach heutigen Sicherheitsstandards. In den sechziger Jahren waren Kapseln wirklich preiswert: Eine Gemini Kapsel kostete 13 Millionen Dollar, nimmt man den Preisindex als Maßstab für die Inflation, so sind dies deutlich weniger als 100 Millionen Dollar heute. Allerdings kostete die Entwicklung 450 Millionen. Für Orion rechne ich mit 2-3 Flügen zur ISS pro Jahr oder wenn es mal zum Mond geht, auch nicht mehr als 2-3 Flüge, da kommen also nicht viele Flüge zusammen und so gesehen ist das System preiswert.

Auf der anderen Seite haben wir das Space Shuttle - mit immensen Entwicklungskosten, und hohen Wartungskosten. Die Flugkosten sind nicht mal das Problem. Sie liegen bei nur einem Fünftel der Gesamtkosten. Es ist das komplexe System das am Boden so viel Geld verschlingt. Ich rechne übrigens damit, das Orion nicht billiger als das Space Shuttle werden wird: Warum? Nun man braucht eine "man rated" Trägerrakete mit 25 t Nutzlast. Eine nicht "man rated" Atlas 551 mit 20 t Nutzlast kostet aber schon 221 Millionen Dollar. Kommt dazu noch die Kapsel, so kommt man leicht über die 500 Millionen Dollar die ein Space Shuttle Start kostet.

Für den Crew Transport bei mehren Flügen pro Jahr optimal, dürfte ein kleines Shuttle sein, das man mit einer Ariane, Atlas oder Proton starten kann:

Trotzdem: Mit 5-8 Passagieren, die ein kleiner Shuttle der 14-20 t Klasse transportieren kann wird Raumfahrttourismus nie wirklich billig. Was wäre ein wirklich preiswertes System? Nun es sollte vor allem viele Passagiere befördern können, und schon landet man - tada - beim Space Shuttle. Nur mal so als Gedankenbeispiel:

Der Space Shuttle Nutzlastraum hat 18.3 m Länge bei 4.6 m Durchmesser - das ist die Größe einer Kabine eines Passagierflugzeugs. Nun platzieren wir in diesem 3 MPLM (Länge jeweils 6.4 m, Durchmesser 4.6 m, Gewicht 4.1 t) - Wir haben eine Passagierkabine von 18.3 m Länge und 4.6 m Durchmesser bei 12 t Gewicht.

5 Sitze pro Reihen und eine Sitzreihe pro Meter  und man bringt darin 90 Passagiere unter. 6 weitere kann man im vorderen Teil unterbringen.  Mit Raumanzügen, Lebenserhaltung und Vorräten für eine Woche wiegen die zwar mehr als Nutzlast des Space Shuttles für einen mittelhohen Orbit, doch das bekommt man mit einigen Feintunings hin (etwas längerer Tank und längere Feststoffbooster). Selbst bei 500 Millionen pro Flug kann man so einen Flug für 6 Millionen Dollar anbieten - 4 mal billiger als derzeit ein Start auf der Sojus.

De fakto gilt: Je größer der Raum denn man hat, je größer also das Fluggefährt ist, desto mehr Passagiere kann man befördern. Ein Space Shuttle für den Passagiertransport würde z.B. keinen Nutzlastraum haben, sondern eine durchgehende Passagierkabine, die auch die 70 m³ umfasst welche heute Wohnquartier der Besatzung sind. Selbst die Anzahl der Sitzplätze könnte man vergrößern, wenn es eine Möglichkeit gäbe die Kabine sicher abzutrennen, vor Lecks zu schützen und sicher zu landen und die Besatzung keine Raumanzüge tragen müsste. Noch optimaler wäre eine elliptischer Rumpf, der zwei Decks übereinander erlauben würde.

Technisch gesehen wäre ein solches Passagiershuttle optimiert für kurze Flüge (Nur Zubringer) Anstatt 100 fache Wiederverwendbarkeit würde man minimale Kosten anstreben - Wenn das Ersetzen von defekten Hitzeschutzkacheln weitaus teurer ist als ein monolithischer Schutzschild der bei jedem Einsatz ausgewechselt wird, dann sollte die Wahl auf letzteres fallen.

Ob Bigelow ein zweites SpaceX wird? Nein, ihr Geschäftsmodell ist noch schlechter:

Ansonsten noch etwas erfreuliches: Ich habe nach dem Wordpress Update das MyCaptcha Plug-In wieder aktiveren können. Damit konnte ich das Aksimet Plug-In, das SPAM erkennt wieder deaktivieren. Ansonsten: Wer hier kommentiert und der Kommentar erscheint nicht: Mail an mich schicken (bl at bernd-leitenberger.de).


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