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Web Log Teil 79 : 18.9.2008-23.9.2008

Donnerstag, 18.9.2008: Warum ich gegen bemannte Raumfahrt bin

Bemannte Raumfahrt in verschiedensten Aspekten, darum drehte es sich in den letzten Wochen hier im Blog. Teilweise wegen aktueller Meldungen, teilweise wegen Fragen die an mich gerichtet wurden. Ich will das Thema heute abschließen und erläutern, warum ich gegen bemannte Raumfahrt bin, zumindest für die ESA und DLR.

Fangen wir an mal die ESA und ihr Engagement in der bemannten Raumfahrt zu beleuchten. Was sind die aufgaben der ESA? Nun es ist:

Wissenschaftliche Forschung - Raumsonden, Satelliten zur Erdvermessung und geophysikalische Forschung

Das ist meine Einteilung, denn sie teilt nach unterschiedlichen Fragstellungen das Budget ein. Wie passt nun bemannte Raumfahrt in dieses Konzept?

Bemannte Raumfahrt passt nicht in den Bereich wissenschaftliche Forschung so richtig hinein. Die meisten Experimente brauchen keine Personen zur Betätigung. Selbst wenn die Rückführung ein Thema ist, kann man dies oft mit den unbemannten Foton Kapseln umsetzen.

Bei der ISS sollte ja vor allem anwendungsorientierte Forschung stattfinden. Früher war ja mal die Rede, die laufenden Kosten der ISS durch Forschung für die Industrie zu finanzieren. Neben der mangelnden Nachfrage gibt es noch drei weitere Einschränkungen. Das eine sind die extrem langen Vorbereitungszeiten für eine bemannte Mission. Columbus wird seit 1995 entwickelt. Nach 13 Jahren findet nun (vielleicht) Forschung statt. Bei einem Satelliten kann man ein Experiment typischerweise in 5 Jahren im Orbit haben. Noch problematischer ist die Sicherheitsproblematik. Sie machen die Experimententwicklung teuer und aufwendig. Zuletzt das politische Risiko, dass man gerade jetzt bei der ISS sieht.

Am ehesten passt bemannte Raumfahrt noch in den Bereich "unabhängiger Zugang" zum Weltraum. Nur eben umgeschrieben in "eigene bemannte Missionen". Es gibt aber einen Unterschied: Ariane 5 und Vega sind ein Garant, dass die anderen Missionen durchgeführt werden. Es ist heute ziemlich unwahrscheinlich, dass man für europäische Satelliten, selbst Spionagesatelliten keinen Start bekommt, aber das ist eine Folge von Ariane und man tut gut daran darauf zu achten, dass man ein eigenes Trägersystem hat.

Die bemannte Raumfahrt ist aber nicht eigenständig. Immer lehnt sich Europa an andere Nationen an. Zumeist an die USA und die Erfahrungen sind meiner Ansicht nach bislang immer enttäuschend gewesen: Die ESA hat das Spacelab entwickelt, ein Exemplar der NASA geschenkt für einen halben Jungfernflug zur Erprobung (und 21 Millionen Dollar Zoll dafür gezahlt!) und dann konnte man kaum Missionen finanzieren, weil die Space Shuttle Starts zu teuer wurden.

Nun ist man bei der ISS beteiligt. Mit Columbus, ATV, ATV Flügen und Cupola, Node 2+3 und diverser kleiner Hardware und vor allem diversen Verzögerungen. hat die ISS die ESA bislang 8 Milliarden Euro gekostet. Das ist doppelt so teuer wie die Ariane Entwicklung. Und was hat man davon? Es ist nicht mal sicher ob man als Europäer nach 2012 dort forschen kann und wenn ja, so ist unser Anteil derzeit 8 % der Crewzeit. Da maximal 4 Personen produktiv arbeiten können, sind dies 0.32 Mann-Tage bei einem Labor, in dem 2 Personen gleichzeitig arbeiten sollen.

Das kann man unter zwei Gesichtspunkten sehen: Geht es wirklich um Forschung, so ist eigentlich seit Mitte der achtziger Jahre klar, dass die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Warum? Lesen sie oben nach. Der Grundgedanke vom Spacelab war es ja, oft zu fliegen, somit recht schnell Experimente in den Orbit bringen zu können und die systeminhärente Trägheit von bemannter Raumfahrt so zu umgehen. Der Ansatz war nicht schlecht und ich halte ihn besser als den von der ISS. Wer sich nur mal die Entwicklung in anderen Bereichen der Raumfahrt ansieht, wie z.B. Kameras an Bord von Raumsonden rapide besser wurden der versteht,, dass es essentiell wichtig für die ISS ist, die Racks auszutauschen und die Experimente aktuell zu halten. Gerade das wird aber entfallen müssen, wenn das Space Shuttle ausgemustert wird.

Wenn die bemannte Raumfahrt in den Bereich "eigenständiger Zugang" fällt, oder vielleicht eher beschrieben, als Prestigeprojekt, Nationalstolz, etc. dann muss man auch unabhängig sein. Nun steht ja die Entscheidung an, für eine Erweiterung des ATV als ein Rücktransportvehikel, das eine Weichenstellung ist für eine bemannte Version. Wird dies umgesetzt so blättert man nochmal 4 Milliarden hin und die Folgekosten für die ISS werden auch höher. Für die Summe hätte man es auch alleine tun können. Nur hätte man dann eine Raumstation die nicht nur von 0.32 Mann durchschnittlich genutzt wird. Wir hätten sogar die Möglichkeit sie auszubauen - Das ATV soll ja als bemannte Version mindestens 3, sogar bis zu 5 Astronauten transportieren. Heute können wir froh sein, wenn ein Europäer unter der Besatzung ist und das wird bei 8 % von 6 Personen nicht sehr oft der Fall sein.

Das grundsätzliche Problem an der bemannten Raumfahrt ist, dass die wesentliche Triebfeder die Politik ist. Und so wie politische Richtungen sich ändern, ändert sich auch die bemannte Raumfahrt. Man muss sich doch nur mal die Geschichte der letzten bemannten Projekte ansehen:

In Europa verändern sich politische Strömungen weniger stark. Aber dafür haben wir das Konsensproblem. Eigentlich will nur Frankreich das Risiko eingehen, selbst auf eigenen Füssen zu stehen. Deutschland buttert zwar gerne enorme Summen in die bemannte Raumfahrt, aber meist nur wenn wir uns da an die NASA anhängen können. Das ist das Grundproblem. Eine eigenständige Raumstation für 2 Astronauten, vielleicht auch 3 oder 4 wäre sicher nicht teurer als die Beteiligung an der ISS. Nur die Folgekosten wären höher, zumindest wenn man selbst alles machen will.

Solange man nicht dazu bereit ist, sollte man das Geld in unbemannte Forschung investieren. Mal eine andere Rechnung: Die durchschnittlich investierten Summe entspricht 450 Millionen Euro pro Jahr. Würde man dieses Geld in die Planetenforschung investieren, so könnte man sich alle 3 Jahre zwei Mittelkasse Missionen wie Mars Express und eine teurere Mission wie Bepi Colombo leisten. In 20 Jahren also 20 Missionen. Gegenüber den von 1995-2015 finanzierten Missionen (Rosetta, Mars Express, Venus Express, Smart-1, BepiColombo, Exomars) entspricht dies einer Verdreifachung der Missionen.

Selbst unter P&R Aspekten halte ich dies für besser, denn bald würde man sich auch an eine europäische Raumstation gewöhnen, während jede Mission neue Erkenntnisse bringen wird. Aber in P&R Dingen ist ja die ESA noch Entwicklungsland. Man denke nur an den Vorbeiflug von Rosetta an Steins vor zwei Wochen - Eine Konferenz mit 6 Bildern, das wars. Anstatt nun weiteres Material und Erkenntnisse nachzulegen. Leute, leistet euch mal einen Berater, ihr habts nötig.

Zuletzt noch die Frage von Wyatt Earp. Eigentlich sollte die ja mein kleiner Bruder Billy the Kid beantworten, doch der raubt gerade wieder eine Postkutsche aus . Also ich weiß nicht, was aus den Entwicklungsarbeiten geworden ist. Das ganze ist sehr komisch. Bei den letzten Startlisten ist nun ja auch nicht mehr das umgebaute MPLM dabei, das als Ersatzquartier gedacht war damit die Stammbesatzung 6 Personen betragen kann. Nun soll die Besatzung in den Kopplungsknoten hausen. Sehr toll....

Umgekehrt: Die ISS lag schon 2003 als die Columbia verloren ging so weit hinter dem Zeitplan hinterher (Fertigstellung geplant für 2004) so dass die schon geplanten Module eigentlich weitgehend fertiggestellt sein sollten. Die Frage ist allerdings was es bringen würde. Ein Wohnmodul mehr für die Besatzung wäre okay, doch heute gibt es schon 3 Labors in denen je zwei bis drei Personen arbeiten können für maximal vier Astronauten die nicht mit "Hausarbeiten" beschäftigt sind. Anders gesagt: Die derzeitigen Labore könnte man auch mit 8 Mann Stammbesatzung betreiben, ohne das jemand langweilig werden würde. So viele Personen kann man aber mit der Sojus nicht zur ISS bringen.

So, das wars mit der bemannten Raumfahrt. Freuen wir uns auf echte Erkenntnisse, vermittelt von Cassini beim Vorbeiflug an Enceladus am 9.10.2008 und Messenger an Merkur am 6.10.2008.

Samstag, 20.8.2008: Volksparteien - Stirbt die SPD aus?

Wie schon angekündigt mal für einige Zeit weg von der bemannten Raumfahrt. Vor einigen Wochen ging es durch die Nachrichten: Die CDU hat die SPD bei den Mitgliederzahlen überflügelt. Einige Magazine sprachen schon vom "Tod der Volkspartei". Ich denke das ist ein interessantes Thema. Wenn man es abseits von momentanen politischen Strömungen betrachtet so hat die BRD meiner Ansicht nach drei Phasen durchlaufen:

Interessanterweise korrespondiert dies recht gut mit der wirtschaftlichen Entwicklung: In dem Maße in dem es nach dem Krieg besser ging, wurde die Zahl der Parteien kleiner. Mit größeren wirtschaftlichen Problemen, beginnend Mitte der siebziger Jahre, kamen erst die Grünen dazu, dann rechte Gruppen und nun die Linke.

Ich glaube das hat einen Grund. Solange es allen recht gut geht, ist es den meisten egal was die Regierung macht und die kann ja auch dann nicht viel falsch machen. Wenn die Lage schwierig wird, und man Sparen muss, dann fängt das Nachdenken an und Partien die Unbequeme Entscheidungen machen, werden abgewatscht. Das hat Schröder nach Verabschiedung seiner Agenda 2010 merken müssen.

Ich glaube die SPD hat wirklich ein Problem, dass die anderen Partien in dem Maße nicht haben: Ihnen laufen die Stammwähler weg:

Nur:

Ich wüsste nicht was die SPD gegen diesen Abwärtstrend machen soll. Wenn sie ein realistische Politik einschlägt, die angesichts des Haushalts geboten ist: (Von 282 Mrd. Euro Einnahmen gehen 141, also ziemlich genau die Hälfte in Sozialmaßnahmen: ALG II, Rentenversicherung, ALG I), dann laufen ihr noch mehr Leute weg, die diese Leistungen bekommen. Gleichzeitig verliert sie an Profil zur CDU und die Gefahr ist groß, an diese Wähler von der"Mitte" zu verlieren. Wenn sie sie dagegen noch höhere Geschenke verspricht, dann verliert sie die Wähler in der Mitte, ohne das sicher ist, dass sie von den Linken viele Wähler zurückgewinnen kann. Gleichzeitig kann sie aber diese Politik nicht umsetzen, außer sie will wieder die Steuern erhöhen und die Staatsverschuldung weiter vergrößern. Dann würde sie bald wieder abgewählt werden.

Vielleicht verschwindet wirklich einmal die Partei und es gibt nur noch eine Partei der Mitte - Die CSPDU - nachdem  sich die CSU von der CDU gelöst hat und wieder selbstständig wurde. Wundern würde es mich nicht, denn die großen Unterschiede gibt es eigentlich nicht mehr. Es gibt viele Differenzen im Detail, aber nicht mehr in der wesentlichen programmatischen Ausrichtung.

Ach ja heute mal wieder ein passender Musiktipp, ich find das Lied einfach geil....

 

Montag: 22.9.2008: Die 10 Milliarden Dollar Blase

Heute bin ich auf eine Meldung gestoßen nach der die US Regierung erwägt zwei kommerzielle Satelliten zu erwerben, die hochauflösende Bilder machen. Für eine Summe von 1.7 Milliarden Dollar. Der Schritt ist nicht unumstritten, da viele schon den Kauf von Bildern privater Betreiber als eine Quersubvention dieser betrachten. Ich dachte bisher eher, dass dieser Schritt eine Ergänzung der eigenen Systeme darstellt. Zum einen decken sie eine große Fläche ab, zum anderen liefern sie Aufnahmen mit hoher, aber nicht höchster Auflösung. Das entlastet die eigene Flotte von Spionagesatelliten, die ja nun viel mehr Länder abdecken müssen als bisher um nach Terroristen zu suchen oder was die Achse des Bösen so alles macht....

Boeing, die zuvor noch nie einen Spionagesatelliten für das DoD gebaut hatten waren dem Projekt des kommenden Satelliten wohl nicht gewachsen. Zuerst entdeckte man, dass ein optisches System nicht so gebaut werden konnte, wie man dachte und es die Anforderungen nicht erfüllte. Es wurde auf ein Radar System gewechselt. Dann fielen offenbar wesentliche Teile des Satelliten beim Bau aus unter anderem, weil man Zinn in Teilen der Elektronik verwandt hatte - Es versursacht im Vakuum Kurzschlüsse.

Das System sollte aus relativ "preiswerten" Satelliten bestehen, die keine Titan 4 zum Start benötigen. Dafür sollte eine Flotte von Satelliten zum Einsatz kommen, die zusammen mehr Fläche abdecken können. Mit 1 Milliarde Dollar pro Jahr waren die Entwicklungskosten für 5 Jahre veranschlagt. Weitere 5 Milliarden für den Bau der Flotte. Doch das Budget steig kontinuierlich auf 18 Milliarden bis nun das Projekt eingestellt wurde. - auch nachdem es 4 Jahre hinter dem Zeitplan lag. 10 Milliarden Dollar hat man so in den Sand gesetzt, wohl die teuerste Pleite die es bislang gab.

Die Frage ist natürlich was dieses System so viel besser machen sollte, als das alte. Wenn es nur um die Ersetzung eines bisherigen Systems durch ein preiswertes, neues geht und dieses zu teuer wird, dann breche ich doch viel früher ab. Dann betreibe ich das alte eben weiter. Wenn es um neue Fähigkeiten geht dann ist die Frage welche? Noch eine höhere Auflösung? Ich dachte es gäbe einen Wechsel von dem Ziel maximale Auflösung zu mehr fundierten Informationen. Radarsatelliten liefern Daten bei Tag und Nacht und können auch unter Bauwipfel sehen. Der vor einigen Monaten abgeschossene Spionagesatellit war einer Radar - er lag in der Delta II Klasse.

Ich glaube auch es geht nicht um mehr Details. Bei einem optischen System wiegt das Teleskop so viel, dass eine viel kleinere Trägerrakete kaum in Frage kommt. Radar scheint eine Lösung zu sein. Die relativ kleinen SAR-Lupe Satelliten der Bundeswehr erreichen 1 m Auflösung und vom neuesten Ofeq Späher Israels werden noch bessere Daten genannt. Der Knackpunkt ist doch heute ein anderer: Die enorme Datenmenge die ein Satellit produziert. Ein ziviler Späher wie Worldview 1 lichtet pro Tag 450.000 km² ab, muss um diese Datenmenge übertragen zu können mit 800 MBit/s senden. Dabei beträgt dessen Auflösung "nur" 50 cm. Bei den KH-12 spricht man von 15 cm, das würde also die 12 fache Datenmenge oder nur ein Zwölftel der Fläche bedeuten.

Radar ist da noch kritischer, da es pro Bildpunkt mehr Informationen gibt über Signalstärke, Laufzeit, Polarisation. Ich glaube aber das die geänderte globale Lage eine Neuorientierung der US Satellitenflotte notwendig machte. Bis 1990 war es doch relativ einfach: Es gab die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China und Kuna. Die waren "böse", wie es bei dem einfachen Gemüt einiger US Politkern so heißt. Mit der Überwachung von etwa 30 Millionen km² kam man da aus.

Nun gibt es Spannungen mit der UdSSR, China traut man auch nicht so recht und unzählige "Schurkenstaaten" auf der Welt. Dazu kommen noch die vielen Friedensmissionen und UN Missionen. In der Summe muss viel mehr Fläche abgedeckt werden. Dafür ist es wohl sinnvoller Satelliten zu haben die größere Gebiete in mittlerer Auflösung regelmäßig abdecken können und dann noch 1-2 Satelliten, die Detailaufnahmen machen. Mal sehen wie sich das System entwickeln wird.

Dienstag: 23.9.2008: Miniatur Raumsonden - Spielerei oder ein Ausweg aus der Kostenfalle?

Als Mitte der neunziger Jahre das Discovery Programm aus der Taufe gehoben wurde, gab es auch parallel das New Millennium Program. Wie ja bekannt, war es ein Ziel des Discovery Programmes die Aufwendungen für eine Planetenmission zu senken. Dafür sollte es mehr davon geben und diese schneller umgesetzt werden. Beim Discovery Programm geschah dies durch Verwendung von Grundkonzepten existierender Satelliten, sehr schlankem Management und Verzicht auf "unnötige" Dinge. Wie auch bekannt, zeigten sich die Schwachstellen dieses Konzepts dann ja auch bald durch den Verlust von zwei Marssonden und bei anderen Sonden gab es ebenso Probleme die man im Vorfeld hätte erkennen können und eliminieren können.

Das New Millennium Programm ging noch weiter. Um die Kosten noch weiter zu senken, ging man daran die Sonden zu miniaturisieren. Gedacht war an Raumsonden die in nach einigen Generationen deutlich unter 100 kg wiegen sollten. Erprobt wurde mit Deep Space 1, einer Sonde und mit Deep Space 2 zwei Penetratoren, bei der es noch um Technologietests ging.

Heute ist davon nicht mehr die Rede. Die Frage ist: Ist der Ansatz als solcher falsch? Nun zuerst einmal sollte man sich klar sein, wo Vorteile und Nachteile liegen. Die Idee kam ja durch die Entwicklung der Mikroelektronik. Sie erlaubt es viel mehr Intelligenz an Bord eines Raumfahrzeugs unterzubringen. Neben dem praktischen Vorteil, dass man so auf der Erde weniger Missionspezialisten braucht war auch die Idee dahinter, dass die Sonde die Daten so vorverarbeiten kann und Unwichtiges von Wichtigem unterscheiden kann. Dadurch braucht man eine geringere Datenrate und dies spart wiederum Strom oder eine große Antenne ein. Auch Instrumente sollten intelligenter werden. So verwenden verschiedene Fernerkundungsexperimente Optiken und unterscheiden sich nur in der Art wie das Licht weiter verarbeitet wird. DS-1 erprobte erstmals den Typ eines kombinierten Spektrometers und einer Kamera (MICAS), die 3 konventionelle Instrumente ersetzte.

Die Ansätze sind gut, doch man braucht keine neue Raumsonde um sie umzusetzen. Ein Kombinationsinstrument ist auch auf einer konventionellen Raumsonde einsetzbar. Es ist nicht der "Wunschkandidat" vieler Forscher. Das liegt vor allem daran, dass die Instrumente verschiedene Optiken brauchen - UV Spektrometer arbeiten nur mit Spiegeln, IR Spektrometer brauchen eine Optik mit großem Öffnungsverhältnis, wegen der größeren Wellenlänge, und Kameras brauchen ein sehr langbrennweitiges Instrument. Außerdem kann man nur eines zur selben Zeit nutzen. Doch wenn man so 3 Instrumente unterbringen kann, wo sonst eines hätte weichen müssen, wird man es auch bei konventionellen Raumsonden einsetzen (und hat dies auch schon getan z.B. bei Deep Impact). Mit der Intelligenz bei der Datenvorselektion sollte man dagegen vorsichtig sein. Noch traut keiner einer Raumsonde zu die Daten vorzuselektieren z.B. überlappende Bildbereiche nicht zu übertragen. Im Gegenteil: Viele Wissenschaftler wollen ihre Daten lieber verlustfrei komprimiert übertragen haben, anstatt mehr Daten die verlustbehaftet übertragen werden.

Noch problematischer wird bei kleinen Sonden die Datenmenge, da natürlich auch Sender schwächer sind und Sendeantennen kleiner sind. Das erreicht dann sehr schnell eine Grenze wo dann wirklich ausgewählt werden muss, was gesendet werden kann. New Horizons geht so ein bisschen in diese Richtung. Sie ist nicht wirklich klein, aber ihre 2 m Antenne und ihr schwacher Sender lassen nur eine geringe Datenrate zu. Die Sonde überträgt mit geringerer Datenrate als es Voyager vor 20 Jahren in der gleichen Entfernung konnte. So wird die Sonde auch nur einen Bruchteil der Daten übertragen können, die sie beim Pluto Vorbeiflug gewonnen hat. Hoffen wir, dass auf den weggelassenen Bildern nicht doch noch Infos versteckt sind, wie z.B. noch unbekannte Monde - zwei neue Monde von Pluto hat man ja erst vor zwei Jahren netdeckt.

Das ganze ist so weitgehend wieder verschwunden. Gedacht war es eigentlich für Raumsonden zu den äußeren Planeten. Die ersten Prototypen von Plutosonden wogen so z.B. nur noch 150 kg. Das hätte es erlaubt diese mit einer Delta 3 zui starten, anstatt der 5 mal teureren Titan 4. Sie hätten dann Prototypen für weitere Sonden ins äußere Sonnensystem sein können. Aufgrund der Kosten solcher Missionen - New Horizons ist eine recht einfache und kleine Raumsonde, aber wesentlich teurer als der viel größere und gut instrumentierte Mars Reconnaissance Orbiter - wird man solche Ideen weiterverfolgen. Denn lieber eine kleine Sonde auf den Weg bringen, als eine große Sonde nicht finanziert zu bekommen.

Neuen Auftrieb erhält das Konzept von der Idee mit modernen Ionentriebwerken und ebenfalls effektiveren Stirling RTG Raumsonden in Orbits um Jupiter-Pluto und zu Asteroiden oder KBO zu bringen. Doch selbst diese Konzepte gehen davon aus, dass eine Atlas 551 die Raumsonden auf den Weg bringt und man mit RTG nur dann abbremst um in eine Umlaufbahn zu gelangen. So sind auch hier die Raumsonden klein und wiegen 200-350 kg. Auch hier gäbe es wohl Alternativen wie z.B. mit großen Solarpanels die Sonden zu beschleunigen und dann diese abzutrennen.

Das ganze ist so wie wenn man einen 299 Euro Computer kauft. Es gibt solche Rechner, aber die Einschränkungen sind dann doch gut sichtbar. Legt man 100 Euro drauf, also 33 % mehr Gesamtpreis, bekommt man schon ein erheblich besseres Gerät. Das gleich gilt bei den Miniaturraumsonden. Eine etwas größere Sonde lässt erheblich bessere Instrumente zu oder verdoppelt den verfügbaren Strom, der dann es zulässt mehr Daten zu übertragen. Ich bin daher dafür eher nach Wegen zu suchen eine mittelgroße Sonde auf den Weg zu bekommen. Die Technologie von Solarsegeln weiter zu erforschen oder eben Ionenantriebe gespeist mit großen Solarzellenflächen. Auch so kann man an der Trägerrakete Einsparungen machen

Sinnvoll wäre eine solche Miniatursonde vielleicht bei einer arg beschränkten Mission. Denken könnte ich mir, dass man z.B. so eine Raumsonde als Sekundäre Nutzlast einer Ariane 5 in einen elliptischen 24 h Orbit bringt (500x 70.000 km Entfernung von der Erde). Da kann sie Jahrelang verweilen. Entdeckt man dann wieder einen dieser Asteroiden die die Erdbahn kreuzen, dann kann man sie von dort aus mit einem eigenen Antrieb losschicken um diesen in Erdnähe schnell zu passieren. Durch die geringe Distanz wäre die Datenrate hoch und auch eine kleine Sonde könnte viele Ergebnisse liefern. Als Sekundärnutzlast gestartet wären die Startkosten auch übersehbar. Alternativ könnte man an einen kleinen Mondorbiter denken, wobei dieser dann schon ziemlich günstig sein müsste. Auch hier profitiere ich von der geringen Distanz. Aber ich halte es für Nischenprodukte. Sie eignen sich für manche Fragestellungen, aber für die meisten eben nicht.

So zuletzt noch ein paar Bemerkungen zu SpaceX, deren nächster Falcon Start wieder ansteht. Tut mir leid aber ich kann es mir nicht verkneifen. Die Firma produziert solche Widersprüche. Da will man die Falcon 1 preiswert anbieten (Der Preis pro Kilogramm ist in 3 Jahren um 113 % gestiegen) und fliegt diese mit einer gecharterten C17 zum Startplatz (Die C17 ist ein vierstrahliges Flugzeug, vergleichbar einem Airbus A340), das dürfte sicher so eine Million gekostet haben, aber man hat es ja....

Dann kündigt man an, dass man massiv Triebwerke und Falcon 1 baut - obwohl die Rakete noch nicht erfolgreich geflogen ist, also noch nicht mal sicher ist, dass man noch alles ändern muss. Das erinnert mich irgendwie an eine Methode in Softwaretechnik, die Microsoft eingeführt hat. Anstatt ein Produkt zu Ende zu entwickeln, bringt man regelmäßig Zwischenreleases raus und verbessert es iterativ (was massiv zu dem schlechten Leumund der Firma beigetragen hat). Nun ja, Musk kommt ja von der Softwareecke, da wäre das ihm zuzutrauen. Ich weis schon eines: Der nächste Flug wir zu >90 % erfolgreich sein, selbst wenn die Rakete auf dem Starttisch explodiert (das waren bislang alle) und es ist nur "ein kleines Problem" (auch das war bislang immer so). Mal sehen ob man diesmal den gesamten Webcast sieht und nicht nur den Teil bei dem es keine Probleme gibt (beim letzten Mal hat man zeitversetzt gesendet und rechtzeitig abgebrochen, angeblich wegen COCOM Bestimmungen wenn man das Heck der Rakete sieht - komisch beim letzten Flug gab es die noch nicht - Die Chinesen freuen sich bestimmt, wenn nun im Westen jemand ihre Methode der kritischen Berichterstattung übernommen hat....)


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