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Web Log Teil 80 : 24.9.2008-29.9.2008

Mittwoch, 24.9.2008: Wann sind Politiker verantwortlich?

Derzeit schlägt ja die Finanzkrise in den USA ihre Wellen und auch bei uns gibt es Ärger um die 350 Millionen Euro Überweisung der KfW. Ich fand ganz besonders gut die Stellungname von Peer Steinrück. Vorstandsmitglieder, wie er, wären nicht für operative Geschäfte verantwortlich. Es gäbe Tausende von Überweisungen jeden Tag und soll er den nun alle überprüfen?

Nein, Tausende nicht, aber wichtige schon. Es handelt sich ja nicht um 350 Euro, sondern 350 Millionen. Was sagt uns denn das?

Also ein Tipp für die Finanzbeamten des Bundes: Einfach mal Geld investieren. Peer Steinbrück ist ja für nichts verantwortlich, auch nicht als Finanzminister. Also mal schnell 350 Millionen für ein deutsches Mondprojekt oder einen Venusorbiter ausgegeben, oder ein Sonderforschungsprogramm für die Universitäten oder vielleicht einige Tausend Lehrer zusätzlich einstellen. Steinbrück ist ja für nix verantwortlich zu machen.

Angesichts des Ausbruchs an BSE in der USA sind wir ja noch gut dran. Erst regiert der reine Kapitalismus, das heißt der Staat meint nichts regeln zu müssen, und Banken machen Gewinne ohne Ende. Dann platzt die Blase und die Banken machen keine Gewinne und zack! schwenkt man um auf Kommunismus auf den Marx und Engels stolz gewesen werden: Das bankrotte Institut wird verstaatlicht und die Allgemeinheit blecht mit 700 Milliarden Dollar für die Schulden.

Hallo? Wo sind wir denn? Habt ihr die Geldruckmaschinen angeworfen? Selbst für die USA sind 700 Milliarden Dollar ne Menge Geld. Das ist 7 x ISS oder 7 x Constellation Programm oder 2 x Irakkrieg. Ich weiß nicht, Georg W. Bush scheint von nichts eine Ahnung zu haben, auf jeden Fall nicht von Haushalten. Manchmal wünsche ich mir wirklich eine Art Gesetz, das Politiker bei gravierenden Fehlentscheidungen dafür verantwortlich macht. Aber da Politiker Gesetze verabschieden, wird es ein solches Gesetz nicht geben.

Neues gibt es auch von meinem Liebling SpaceX. Ach die Firma ist so drollig: Die haben angekündigt den Start zu verschieben, nachdem sie eine statische Zündung der ersten Stufe gemacht haben, aber lesen sie selbst: "The static fire took place on Saturday [20 Sep 2008, CA time], as expected, and no major issues came up. However, after a detailed analysis of data, we decided to replace a component in the 2nd stage engine LOX supply line. " Also: Sie testen die erste Stufe bei einer kurzen Zündung des Triebwerks und bei Auswertung der Daten dieses Versuchs (der ersten Stufe) beschließen sie eine Komponente in der zweiten Stufe zu ersetzen. Ganz klar, kapiert jeder. So verwundert mich die 90+ % Einschätzung bei den bisherigen Starts auch nicht. Wahrscheinlich war die Nutzlast schuld, die die Rakete in den Orbit hätte bringen müssen und schwächlich versagt hat....

Nun ja am 28.9.2008 findet der nächste Versuch statt, Mal einen Tipp an SpaceX. Die Reihenfolge der Stufenzündung ist "Erste Stufe ... warten ... zweite Stufe". Und nicht abschalten, bevor der Treibstoff verbraucht ist, oder der Orbit erreicht. Nur mal so ein Tipp, 3000 andere Starts klappten nach dem Prinzip. Aber ihr könnte ja mal die Reihenfolge umkehren....

Donnerstag: 24.8.2008: Abbildende Spektrometer

Ich will heute mal über eine Instrumentenklasse schreiben die ich sehr interessant finde. Ich glaube auch ich habe das schon mal getan, doch nach Suche hab ich nix gefunden. Grund genug es nochmals zu tun: Es geht um abbildende Spektrometer. Zuerst mal die Erklärung was ein Spektrometer genau tut, besser gesagt eines das im sichtbaren  und infraroten Spektralbereich arbeitet (es gibt auch Instrumente für Gammastrahlen, Röntgenstrahlen und Radiowellen).

Wir haben zuerst einmal eine klassische Optik, also ein Fernrohr. Da Glas sowohl UV wie auch IR Strahlungen nicht gut durchlässt, ist es meist ein Spiegelfernrohr. Dann kommt danach ein Spalt, der das Gesichtsfeld beschränkt. Zum Nutzen dessen später. Dem schließt sich eine Vorrichtung an um das Licht in seine Bestandteile, sein Spektrum aufzuspalten. Klassisch geht das mit einem Prisma, wie mancher es ja auch von der Schule kennt. Verbreiteter ist die Aufspaltung durch Gitter: Kleine Vertiefungen führen zum Aufspalten des Lichts in sein Spektrum. Das kennt jeder: Sie müssen nur eine CD schräg ins Licht halten und an den Vertiefungen auf der Oberfläche wird das Licht gebrochen und ein farbiges Spektrum erscheint. Dieses Streuungsprinzip ist auch Grundlage für den Regenbogen.

Danach kommt nun der Detektor. Das Spektrum des Spaltes ist nun zweidimensional aufgezogen: In der Y Richtung das Licht des Spalts und in der X Richtung das Spektrum. Nun wird auch die Funktion des Spalts klar: Würde man nicht die Breite der Optik beschränken, so würden sich viele Spektren überlagern. So erhält man jeweils nur das Spektrum eines Punktes, bzw. über die Spaltbreite einer Spalte von Punkten.

Wie das Spektrum aufgenommen wird, dafür gibt es verschiedene Methoden. Man kann eine Detektorzeile nehmen, die pro Element einen Meßpunkt liefert oder man kann durch einen Spiegel das Spektrum über einen Detektor bewegen oder den Detektor mit einem Motor über das Spektrum bewegen.

TreibhausgaseDiese klassischen Spektrometer machen eine Punktmessung, oder maximal eine Messung einiger Punkte. Man bekommt Informationen über das Spektrum an diesem Punkt. Was sagt uns dies? Nun charakteristisch für jede chemische Verbindung ist es Licht aufzunehmen, zu absorbieren. Aus dem Sonnenspektrum fehlen dann Teile. Wie genau dies geschieht, das hängt von der Verbindung ab. Es kann bei bestimmten Wellenlängen vorkommen, oder bei einem breiten Bereich, es kann sehr stark oder sehr schwach absorbieren. Auch ist es (abgesehen von einfachen Molekülen) nicht nur ein Einschnitt, sondern pro chemische Gruppe mehrere. Ein Teil der Ausbildung als Chemiker ist es z.B. solche Infrarotspektren zu verstehen und aufgrund der Eigenschaften des Spektrums die Molekülgruppen zu identifizieren und dann daraus das Molekül zu bestimmen.  Das ganze ist nicht trivial und läuft oft auf den Vergleich mit Referenzspektren hinaus. Zudem können optische Dicke, Temperatur und andere Einflüsse das Spektrum beeinflussen. Bei einer Mischung mehrerer Substanzen wird es noch schwieriger.

Das Bild hier zeigt z.B. das Absorptionsspektrum der Erdatmosphäre und einige Kernkomponenten die für den Treibhauseffekt verantwortlich ist. Übertrage wird ein einzelnes Spektrum als eine Summe von Meßwerten: Man stelle sich in der X-Achse eine Detektorzeile an und die Höhe des Spektrums an dieser Stelle wird gemessen.

Solche Spektrometer sind auch heute noch wichtig: Sie können zum einen mit verschiedenen Detektorelementen einen sehr breiten Bereich abdecken (Cassinis CIRS z.B. bis 240 µm Wellenlänge, das ist an der Grenze zu Radiowellen). Und die spektrale Auflösung (also die Breite eines Meßpunkts kann sehr gering sein. Für ein Spektrum können so leicht 10.000 Meßpunkte zusammen kommen.

Ein Abbildendes Spektrometer ist eine Abwandlung des Prinzips. Anstatt einem Detektor oder einer Spalte von Elementen positioniert man einen CCD Chip. In der X-Achse verläuft nun das Spektrum und in der Y-Achse der Spalt. So erhält man das Spektrum einer Spalte. Die Anzahl der Bildpunkte in der Spalte und der Meßpunkte pro Spektrum wird nun festgelegt von den Abmessungen des Detektors.

Bewegt man nun das Instrument zeilenweise über ein Objekt (entweder durch einen Schrittmotor oder bei Geräten an Bord eines Orbiters einfach durch dessen Bahn über die Oberfläche) so bekommt man Zeile für Zeile ein Spektrum.

Was kann man damit machen? Nun man hat wie bei einem klassischen Spektrometer pro Oberflächenpunkt ein Spektrum, also die chemische Zusammensetzung dieses Oberflächenpunkts. Da die CCD Elemente meist recht klein ist, erfasst man so einen kleineren Teil der Oberfläche als mit klassischen Spektrometern. Man kann aber sich auch eine Wellenlänge nehmen und hier alle Helligkeitswerte über die Zeilen und Spalten zu einem neuen Bild zusammenfassen. Das kann z.B. die Absorption von Methan in einer Atmosphäre zeigen. Mit mehreren solcher Kanäle kann man Falschfarbenaufnahmen zeigen, bei denen Cassini z.B. die Verteilung von organischen Materialen, Ammoniak und Kohlenmonoxid in den Eismonden den Farben Rot Grün und Blau zugeordnet hat.

Derartige Instrumente sind also sehr vielseitig und sie liefern viel aussagekräftigere Daten als reine Kameras. Doch sie haben auch ein paar Nachteile:

CCD Sensoren für das Infrarot sind selten. Die meisten fallen ab relativ kurzen Wellenlängen in der Empfindlichkeit ab. HgCdTe Sensoren z.B. ab etwa 5 µm Wellenlänge - ausreichend für Mineralien, aber zu niedrig für gasförmige Bestandteile in der Atmosphäre.

Obwohl es mittlerweile CCD Sensoren mit 1024 x 1024 Pixeln gibt resultiert hier eine geringe spektrale Auflösung - moderne diskrete Spektrometer haben 10.000-50.000 Meßpunkte pro Spektrum.

Trotzdem fällt eine große Datenmenge an. Das ist aus dem Prinzip klar: Ein 256 x 256 Pixel Chip liefert nur 256 Meßpunkte, ein 1024 x 1024 Pixel Chip 1024 Meßpunkte. Nicht umsonst redet man von Meßkuben: Die Datenmenge für ein Gebiet ist bei einer Kamera proportional zu n² der Bildpunkte, aber bei einem abbildenden Spektrometer proportional n³.

Daraus resultiert, dass die Datenmenge rapide ansteigt. Denn mit höherer Pixelzahl in der dritten Potenz an. Ein 256 x 256 Pixel Chip liefert so viele Daten von einem Gebiet, das 256 x 256 Pixel abdeckt wie eine 16 MPixel Kamera. Ein 1024 x 1024 Pixel Chip dagegen so viel wie 1024 MPixel. Bei einer 4 mal höheren Auflösung steigt die Datenmenge um 4³ = das 64 fache. Bei einer Kamera nur um 2² = das 16 fache.

Das wird gemildert durch die Tatsache, dass jedes Pixelelement nur einen Teil des Spektrums empfängt, die Belichtungszeit also erheblich länger ist. Um dies abzumildern sind die Pixelgrößen von IR Sensoren auch größer: 18-40 µm pro Pixel anstatt 5-10 µm bei normalen CCD. Moderne Instrumente dieser Art sind:

VIRTIS

Moon Mineralogy Mapper

CRiSM

Freitag, 26.9.2008: Internet surfen und die Wissensgesellschaft

Angeblich soll doch das Internet uns schlauer machen, und tatsächlich wenn man etwas wissen will, braucht man nur einen Suchbegriff in Google eintippen und findet bald die Information. Doch das alleine reicht nicht. Also ich stelle bei mir fest, dass ich zwar viel mehr Internet benutze, aber oft zur Recherche von Nebensächlichkeiten und dann meist Zeit vertrödele mir Wissen anzueignen, das vielleicht für die 250.000 Euro Frage bei "wer wird Millionär" nützlich ist, nicht aber nicht im Alltag. Dazu mal ein Beispiel von heute: Ich schaue gerne "Scrubs" an und dank OnlineTVRecorder kann ich das auch, wenn die Wiederholungen um 10 Uhr morgens laufen. Also ich schaue gerade mal die Folgen von gestern an und da kommt eine Stelle wo die Sugarhill Gang ihren Titel "Rapers Delight" spielen. "Hmmm das war doch deren einziger Hit oder?", also mal "Sugarhill Gang" ins Google Suchfeld eingetippt und den Wikipedia Beitrag genommen. "Aha Rapers Delight war wohl wirklich der einzige Hit, die anderen kenne ich nicht. Erstaunlich, schon 1979, ich dachte das wäre von 1981 oder 82. Mal klicken auf den Link". Und ich erfahre das "Rapers Delight" auf dem Chic Titel "Good Times" basiert. Schon wieder was gelernt. Den Chic Titel kenne ich, doch nie ist mir die Ähnlichkeit aufgefallen. Noch seltsamer: Der EAV Titel "Alpenrapp" ist ebenfalls ein Cover und auch das habe ich nie bemerkt. Ich kannte nur die Version mit Gottschalk, Laufenberg und Sexauer.

Nun ja zack ist man 10 Minuten mit Surfen und Lesen beschäftigt und hat sich zwar Wissen angeeignet, aber nützliches Wissen? Ich sehe auch bei Diskussionen, dass man beginnt mit Links um sich zu werfen. Die Sache ist die, dass ein Link alleine ja nicht sagt, dass ich recht habe. Paradebeispiele sind die Webseiten für die verschiedenen Verschwörungstheorien, egal ob 911 oder Moon Hoax. Die Wikipedia will ja auch so was wie qualifizierte Artikel einführen, bei denen nicht jeder herum schreiben kann. Eine gute Idee. Ich würde mir auch wünschen mehr Originalliteratur aus der Wissenschaft im Netz zu finden und dies in einem Umfeld, dass es mir erlaubt auch als Laie die Güte festzustellen, z.B. über Reviews anderer Fachleute oder Angaben über Links zu diesem Dokument. Ich glaube zum einen, dass ich daran ein Recht habe, denn diese Veröffentlichungen entstanden ja im Normalfall in Universitäten, finanziert von unseren Steuergeldern. Zum anderen gibt es auch für die Autoren einfachere Möglichkeiten zu publizieren und sogar bessere Möglichkeiten zu sehen, wie ihre Arbeit ankommt (dies wird üblicherweise daran gemessen, in welchem Magazin sie veröffentlicht wird und wie viele sich auf sie beziehen, also sie zitieren).

Ich ärgere mich immer öfters, wenn ich über Google zu einem Abstract gelotst werde, und dann bei einer IEEE, Axel Springer oder Nature Seite lande, wo ich dann den Artikel gegen Geld herunterladen soll. Das passiert mir sowohl bei neueren Dingen wie die Ergebnisse von Venus Express,  wie auch bei der Recherche zu alten Raumsonden und ihren Ergebnissen. Eigentlich wäre das für unsere Wissensgesellschaft angebracht das öffentlich bezahlte Forschung ihre Ergebnisse öffentlich allen zur Verfügung stellt. Es wäre auch für die Wissenschaftler wichtig, die ja ihre Erkenntnisse an den Mann bringen wollen. (Wer damit Geld verdienen will, lässt sie sich patentieren und veröffentlicht nichts). Je größer der Kreis von Leuten ist die Zugang haben, desto besser.

Es wird Zeit für Wissenschaftsportale in denen Artikel und Aufsätze gesammelt und online veröffentlicht werden. Passend zum Thema mein heutiger Musiktipp:

Thomas Dolbe "She blinded me with Science"

Ostfildern, das Hallenbad und die Politiker

Heute ist es mal Zeit für ein völlig anderes Thema im Blog, ein regionales Thema, aber ein für mich wichtiges: Das Hallenbad in Ruit macht zu! Das ist wahrscheinlich für jeden der nicht in Ostfildern oder Umgebung wohnt, unwichtig, aber ich habe mit dem Schwimmen im Hallenbad 30 Kilo abgenommen und halte auch durch regelmäßiges Schwimmen mein Gewicht. Dahinter steckt aber auch ein Politikum dass seinesgleichen sucht.

Für Außenstehende: Ostfildern ist eine künstliche Stadt aus den bis 1975 unabhängigen Gemeinden Kemnat, Ruit, Nellingen und Scharnhausen. Nach über 30 Jahren ist es noch keine Stadt im eigentlichen Sinn, denn zwischen jedem Stadtteil und dem nächsten liegen 2-3 km landwirtschaftliche Fläche oder Wald. Seit Mitte der neunziger Jahre entsteht ein neuer künstlicher Stadtteil in der Mitte, der Scharnhauser Park, auf einem früheren Gelände der US Army.


Größere Kartenansicht

Die Stadt hat 2005 beschlossen von den drei Hallenbädern zwei zuzumachen. Das Kemnater ist seitdem praktisch für die Öffentlichkeit geschlossen und nur für Vereine offen, das Ruiter, um das es geht, wurde seitdem von einem privaten Verein finanziert, der 310.000 Euro als Startfinanzierung aus einem Bußgeld bekam. Nun ist das Geld zu Ende und das Bad muss zu machen. Soweit so schlecht. Was mich ärgert: Die Stadt will sich praktisch aus der Verantwortung ziehen. Klar, ein kommunales Hallenbad kostet Geld und macht keinen Profit, aber es gehört eben auch zur Lebensqualität einer Stadt. Stadthallen, Büchereien und schulen kosten auch Geld und werden nicht zugemacht. Vor allem hat es der Verein fertiggebracht die Kosten rapide zu senken. Hier einige Fakten:

Anders ausgedrückt: Die Privatisierung hat den Finanzaufwand auf weniger als ein Drittel reduziert, bei viel attraktiveren Öffnungszeiten und einem besseren Angebot. Von dem Verlust entfällt die Hälfte auf die Pacht der Stadt, die vorher Miese machte und nun noch Gewinn herauszieht.

Nun will der private Verein versuchen, das Bad zu retten indem er anbietet das Nellinger mit zu betreuen. So hat man ja in Ruit schon die Kosten rapide gedrückt. Doch für den Gemeinderat kommt das nicht in Frage. Für mich ist das nur der Endpunkt in einer Stadtentwicklung die seit Jahrzehnten zentralistisch läuft:

Wohnqualität heißt für mich auch dass ich in meiner Nähe Sportmöglichkeiten habe, zu kulturellen Ereignissen komme und nicht, dass hier alles zugemacht wird und ich 3 km weit fahren muss, um schwimmen zu gehen. Dabei bin ich noch gut dran: Ich kann die Stadtbahn nutzen. Kemnater und Scharnhauser können das nicht. Neben dem zusätzlichen Zeitaufwand (vor allem abends, wenn die Bahn kaum noch fährt) ist für mich das Nellinger Bad schon alleine wegen der für Berufstätige ungünstigen Öffnungszeiten keine Alternative. Was habe ich von einem Bad, dass zumacht wenn ich abends Zeit habe?

Das ist nur der Endpunkt, in vielem was mich ärgert. Angefangen hat es mit dem Ausbau des Scharnhauser Parks. Seit die Stadt das Gelände wieder als Eigentum hat, baut sie dort im großen Still aus dem Nichts einen neuen Stadtteil für 10.000 Einwohner. Nur weil man mit dem Verkauf von Grundstücken als Baugrund gute Kasse macht. Was entsteht ist eine seelenlose Vorstadtsiedlung. Alle Häuer mehrgeschossig, mit Flachdächern, nur Mietwohnungen, keine Einfamilienhäuser oder wie es bei vielen hier heißt "Das Ghetto von Ostfildern". Die Folgen sind schon seit Jahren bei uns feststellbar: Lidl hat in den umliegenden Gemeinden alle Filialen zugemacht und dort eine neue, große eröffnet. Der Penny Markt hat dann bei uns auch noch zugemacht. Nachdem es massive Proteste gab, bekam plötzlich dann Aldi einen Bauplatz, der vorher über ein Jahrzehnt nicht möglich war, weil die Interessenvertreter des Einzelhandels im Gemeinderat blockierten. So ist die Lage beim Einkauf nun besser geworden - zumindest in Ruit. Die Kemnater schauen immer noch in die Röhre oder kommen nach Ruit.

Das die Bevölkerung unzufrieden ist, mit der Stadtverwaltung, zeigte sich schon bei den letzten OB Wahlen. Neben 3 völlig Unbekannten Kandidaten trat auch Rainer Lechner an, Finanzbürgermeister bei uns. Und obwohl er von allen Fraktionen des Gemeinderats über den Busch gelobt wurde, und vor der Wahl immer mehr "Wählt Lechner" Anzeigen erschienen, siegte der bei uns völlig unbekannte Christof Bolay im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit. Das sollte unserem Gemeinderat doch zu denken geben. Charakteristisch für dieses Konglomerat aus Verwaltung und Gemeinderat ist auch, das Lechner nach der Wahlniederlage nicht abgetreten ist und immer noch Finanzbürgermeister ist. Charakteristisch ist auch, dass man von der Schließung des Bads hinten in unserem "Mittelungsblatt" informiert wird, bei den Vereinsnachrichten. Der regionalen Kreiszeitung war es einen größeren Artikel wert. Doch bei unserem Mittelungsblatt, das man wohl eher "Völkscher Beobachter" taufen sollte ist wichtiger, dass auf den vorderen Seiten mindestens ein Bild auftaucht in dem man einen Gemeinderat oder den OB sieht.

Für mich steht eines fest: Bei den nächsten Gemeinderatswahlen bekommt keiner, der derzeit im Amt ist von mir eine Stimme. Ich werde mich bei den nächsten Wahlen vorher bei jedem Kandidaten informieren in wie weit er meine Interessen vertritt, egal von welcher Partei er ist. Falls irgend jemand von Ostfildern diesen Blog liest: Überlegen sie sich ob der derzeitige Gemeinerat noch ihre Interessen vertritt: Etwa 50.000 Euro bräuchte man an Zuschuss pro Jahr um das Hallenbad Ruit zu erhalten. Der letzte Haushalt von Ostfildern weist Einnahmen von 84.4 Millionen Euro aus. Ich weiß wir: Schwaben sind phäb, aber das ist nicht phäb, das ist dumm. Für 50.000 Euro das einzige Bad zuzumachen, dass im westlichen teil der Stadt da ist, das einzige das Schwimmkurse, und von der Krankenkasse geförderte Kurse anbietet, und das einzige das auch für Berufstätige nach 8 Uhr offen ist. Aber wer weiß: Vielleicht liest das auch einmal einer unserer Gemeinderäte und es löst einige Schrauben, die vorher locker waren. Dann fällt vielleicht der Groschen....

Montag: 29.9.2008: Beim vierten Mal klappts...

Gestern hat sie es im vierten Anlauf noch geschafft tatsächlich einen Orbit zu erreichen. Die Falcon 1. Ist damit alles gut? Nein. Es stehen noch viele Starts an. bevor in denen sie zeigen muss wie zuverlässig sie ist. Von SpaceX gab diesmal keinen Webcast mehr und die Firma will das Video erst später veröffentlichen. Nur Statements die teilweise falsch sind (so sollen 5200 m/s für einen Orbit ausreichen). Der Orbit ist auch nicht der geplante. Es war ein höherer Orbit geplant, was auf eine Underperformance der Rakete schließen lässt. Man wird die Nutzlast wohl weiter reduzieren müssen (aufgrund der Angaben über Brennzeiten und dadurch verbliebenen Resttreibstoff kann man erreichen, dass die Falcon in diesen Orbit etwa 160 kg mehr transportiert hätte als sie es tat - das sind dann 330 kg.

Ich finde es belustigend, wie optimistisch Musk in verschiedenen Interviews trällert. Jetzt will er die Demonutzlast (die eigentlich vorgesehene wurde nicht gestartet) ja sogar von seinen Astronauten bergen lassen, die mal in seiner Dragon Kapsel starten. Sofern die jemals in die Lüfte kommt. Aber wofür das alles? Er hat nach eigenen Angaben etwa 100 Millionen Dollar in eine Rakete investiert, die eine Nutzlast von maximal 420 kg hat. Nimmt man noch die Angaben auf der Website für andere Beteiligungen hinzu, so kommt man bestimmt auf die doppelte Summe, also 200 Millionen. Das ist dann nicht mehr billig, die Vega Entwicklung kostet 262 Millionen Euro und ergibt eine Rakete mit 2500 kg Nutzlast. Macht man die Rechnung Millionen/kg Nutzlast, so ist die Vega eindeutig günstiger.

Die konkurrenzlos niedrigen Preise gibt es auch nicht mehr, nachdem der Startpreis der Falcon 1 um 213 % in vier Jahren angestiegen ist (weniger durch Preiserhöhungen als durch die Abnahme der Nutzlast).

Obgleich nun der erste Erfolg erzielt wurde, ist SpaceX einmalig. Ich habe lange gucken müssen bis ich einen Träger fand, der bei den ersten 3 Flügen 3 Fehlstarts hatte. Eingefallen sind mir die Atlas Able und die Europa. Interessanterweise haben beide Träger Gemeinsamkeiten mit der Falcon. Die Atlas Able war der Versuch möglichst schnell einen Mondorbiter zu starten. In dem damaligen Wettlauf im Weltraum wollte man unbedingt vor den Sowjets diese Erstleistung vollbringen, also kombinierte man was man hatte - Die noch unerprobte Atlas (In der C Version, ein Entwicklungsmuster dass nie stationiert wurde) und die Oberstufe der Vanguard, die Able. Alle 3 Starts schlugen fehl.

Die Europa scheiterte beim Versuch den Orbit zu erreichen. Die vorgehenden Flüge mit einer und zwei Stufen waren erfolgreich oder teilweise erfolgreich. Bei Europa waren zwei Gründe ausschlaggeben: Sie war zum einen die erste Weltraumrakete für Europa und jedes Erstlingswerk ist riskanter, weil keine Erfahrungen vorliegen - und die Zusammenarbeit war katastrophal. Im Prinzip arbeitete jeder an seinem System, keiner betrachtete aber das Gesamtsystem - Das war dann auch die Ursache der Fehler.

Die Ursachen der bisherigen Fehlschläge der Falcon 1 haben ähnliche Ursachen- mangelnde Erfahrung und fehlende systemische Kenntnisse. So ist dies z.B. die erste Falcon 1, die weitgehend identisch zu ihrer Vorgängerin war. Vorher hat man immer was verändert. Wie soll man einen Fehler finden, wenn man dauernd die Konfiguration ändert? Dazu kommt aber noch etwas anderes: Der Sparzwang, denn die Rakete soll preiswert sein. Wozu braucht man Prallbleche in der zweiten Stufe? Die lassen wir weg?. Wozu Retroraketen, wenn die zweite Stufe doch zündet und sich dann von der ersten wegbewegt? Kann man die auch weglassen? Das ist so wie wenn Chinesen die A-Klasse nachbauen und dann es preiswerter machen? Wozu braucht man Airbags, ABS oder Gurte? Kann man weglassen, das Auto fährt trotzdem - Ja bei Sonnenschein und leeren Straßen, aber wehe es regnet oder man muss überraschend bremsen....

Wie bei SpaceX gearbeitet wird verdeutlicht auch ein Statement in einem Online Chat mit der Washington Post: Must sagte der "Papierkram" der NASA würde die Raketen um 25 % teurer machen. Dieser "Papierkram" ist eine geforderte, lückenlose Dokumentation der Fertigung und der gemachten Arbeiten, die auch bei Arianespace parallel betrieben wird, ohne das hier sie jemand fordert. Bei jeder Schraube wird notiert, mit welchem Drehmoment sie festgezogen wird. Das klingt für Laien perfektionistisch, aber bei Raketen wo kleine Fehler katastrophale Auswirkungen haben, ist dies gängige Praxis. Zum einen bewirkt man damit, dass man sich an vorgegebene Abläufe hält und diese genau so durchführt wie beschrieben. Zum anderen denken die Leute dann nach, was sie tun und ob sie es richtig tun. Und zuletzt hat man eine Möglichkeit Fehler einzukreisen und daran zu arbeiten. Als Apollo 13 verunglückte war sofort klar, als man die Dokumentation durchlas, welche Fehler man bei dem Sauerstofftank gemacht hatte. SpaceX hält das für überflüssigen Ballast - Als die NASA dass auch mal dachte und so Raumsonden billiger machen wollte, verlor sie einige durch ganz dumme Fehler....

Ist nun alles Freude, Freude, Eierkuchen? Nein SpaceX hat bewiesen, dass man mit einer Investition von 200 Millionen Dollar bei vier Starts eine Rakete bauen kann, die einmal in diesen vier Flügen erfolgreich flog - Zuverlässigkeitsquote 25 %. Für einen Kunden wird das nicht reichen. Da werden noch etliche Flüge folgen müssen, bis das nötige Vertrauen da ist Wenn es da ist, ist die Firma gut platziert. Arianespace hat sich solches Vertrauen erarbeitet und weitere Kunden hinzugewonnen selbst als die ersten Flüge der Ariane 5 G und Ariane 5 EC-A fehlschlugen. Bis SpaceX soweit ist werden noch einige Jahre vergehen.

Vor allem lebt SpaceX nicht im luftleeren Raum. Zum einen gibt es Konkurrenz, vor allem in Russland mit der Dnepr und Rockot aber auch Indien mit der PSLV. Zum zweiten haben wir heute 2008 und nicht 1959 oder 1967. Amerika hat 50 Jahre Erfahrung im Bau von Raketen und wenn dann ein Newcomer es nicht schafft, dann zeigt dies, das etwas im Argen liegt. Bei den vergangenen Flügen gab es ja immer wieder Bemerkungen die darauf schließen lassen, dass man nicht mal zugekauftes Equipment richtig einsetzen konnte wie ("Der GPS Sender ist der gleiche wie in Rakete XY, nur bei uns ist er ausgefallen... oder "Der Fallschirm stammt von derselben Firma wie die Space Shuttle Fallschirme, nur bei uns hat er sich nicht geöffnet"). Selbst zum Zusammenbau eines Ikea Regals braucht man handwerkliche Fähigkeiten, wenn man die nicht hat, dann nützen einem die Ferigbauteile nichts

Erst mal hoffe ich auf der Website mehr Fakten vorzufinden um abschätzen zu können wie hoch die Nutzlast wirklich ist. Bislang gibt es da wie immer nur heiße Luft.


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