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Web Log Teil 81 : 30.9.2008-

Dienstag 29.9.2008: Visionen und Wirklichkeit

Eigentlich wollte ich heute etwas zum ATV schreiben, doch die Kommentare zum letzten Blog haben mich bewegt, mich nochmals dem SpaceX Thema zuzuwenden. Wenn ich die Kommentare so bisher ganz zusammenfasse, dann kann man folgendes (jenseits persönlicher Diffamierungen) ziehen. "Du magst ja mit den Fakten recht haben, aber Musk hat eine Vision und das wird schon werden, es ist ja erst der vierte Start". Eigentlich denke ich, sollte Schreibern schon bei den Zeilen klar sein, das mit Visionen sich nichts kaufen kann. Eine Vision ist etwas tolles, aber Firmen kaufen keine Visionen sondern Produkte.

Ich habe wirklich die Meinung dass bei SpaceX man etwas abgehoben ist oder es zumindest an technischem Sachverstand fehlt. Neben den Fehlern bei den vergangenen Fehlstarts, die so heute einfach nicht mehr passieren dürfen, weil wir heute die Möglichkeit haben, Systeme vorher zu testen und Qualitätskontrollen durchzuführen, sind es vor allem die Äußerungen Musks, die für einen mit der Materie vertrauten befremdlich wirken. Wenn jemand z.B. hinsichtlich der Ausfallsicherheit den Cluster von Google mit einer Rakete vergleicht, dann hat er keine Ahnung. Ein ausgefallenes Raketentriebwerk kann, anders als ein abgestürzter Computer, andere umliegende Triebwerke beschädigen, zu Schubasymmetrien führen und zu höheren Gravitationsverlusten und es ist zusätzlicher Ballast der mitgeführt werden muss. Dies und vor allem das ersetzen von technischen Angaben durch solche Äußerungen und Vergleiche auf der Website halte ich für einen schwer wiegenden Mangel.

Um mal von mir wegzukommen: Gibt es noch eine unabhängige Quelle die sich mit SpaceX auseinandersetzt? Ich kenne nur ihre Website selbst und einige Typenbeschreibungen, auf anderen Websites die ihre Daten nutzen. Schon alleine das, sollte jemanden zu denken geben. Wenn ich nur die Website von SpaceX als Quelle habe, dann sollte ich sehr vorsichtig sein. Jeder der sich nur ein bisschen journalistisch betätigt sucht nach zwei unabhängigen Quellen.- Und gerade das bin ich. Ich setze mich damit pointiert auseinander, genauso wie bei SpaceX der Jubel vorherrscht.

Aber zu den Tatsachen: Der Transport von Satelliten ist ein Markt, allerdings ein besonderer. Es zählt nicht nur der Startpreis, sondern auch andere Faktoren, die ich mal aufführen will:

Zuverlässigkeit: Ein Begriff, der von SpaceX gerne in Anspruch genommen wird, aber bei dem es gerade hapert. Zuverlässigkeit ist definiert als die Wahrscheinlichkeit, dass eine Nutzlast den Orbit erreicht denn man mit dem Kunden ausgemacht hat. Da jeder Raketentyp (mit Ausnahme der Saturn) Fehlstarts hatte liegt diese immer unter 100 %. Etablierte Typen erreichen nach einigen Jahrzehnten 98 %, so Ariane 4, die Delta 2, Sojus oder die Atlas Familie. Bei "neuen Trägern" muss man mit weniger rechnen, das liegt in der Natur der Sache. Die Rakete als ganzes kann man am Boden nicht testen und z.B. den Betrieb unter Schwerelosigkeit kann man am Erdboden gar nicht testen. Fehler treten daher bei neuen Trägern anfangs häufiger auf. Das kann man auch sehen wenn man die ersten Starts von Ariane 1, Ariane 5, Zenit oder Atlas V ansieht. Es gibt Ausnahmen von der Regel, wie die Delta IV. Trotzdem sind 3 Fehlstarts in Folge einmalig. Bis die Falcon auch nur auf eine Zuverlässigkeit von 90 % kommen soll, müssten die nächsten 26 Starts in Folge alle klappen. Es gibt keinen neuen Träger in den letzten 20-30 Jahren der dermaßen schlecht abschneidet und das ist heute einfach vermeidbar. Wie bei SpaceX üblich wird aber gerade die Zuverlässigkeit besonders hervorgehoben, das ist besonders pikant: Hohe Zuverlässigkeit in Anspruch nehmen und keine haben.

Die Zuverlässigkeit ist deswegen wichtig, weil darin das Vertrauen in einen Träger steckt. Was nützt es mir, wenn die Falcon billig ist, wenn ich riskieren muss meinen Satelliten zu verlieren? Selbst ein kleiner wissenschaftlicher Satellit kostet mit mindestens 50 Millionen Dollar weitaus mehr als ein Start. Selbst wenn der Start versichert ist (dann muss man bei der Falcon derzeit mit sehr hohen Prämien rechnen), so habe ich doch einen Verlust an Zeit: Der Satellit muss erst nachgebaut werden.

Nur ein Beispiel: Wie wichtig Zuverlässigkeit ist: Als 2007 eine Zenit auf der Startrampe explodierte, war dies der dritte bei 23 Starts der Zenit, und Kunden sprangen ab und buchten um auf die Ariane 5. Als die Proton M dann ebenfalls zwei Fehlstarts in zwei Jahren hatte und auf 85 % Zuverlässigkeit rutschte, verlor ILS ebenfalls Kunden. Dabei handelt es sich in beiden Fällen um etablierte Träger mit viel mehr Starts als die Falcon. Man möge sich einmal das Backlog der Falcon anschauen und dort nach Nutzlasten von bekannten Firmen oder Satellitenherstellern suchen wie Loral, Hughes oder Aerospatiale. Die Falcon ist derzeit noch nicht von dem Markt akzeptiert.

Technische Kompetenz: Gerade das ist etwas was ich versuche in meinem Blog herauszustreichen: Sie fehlt bei SpaceX. Das ist durchaus keine Nörgelei, sondern es sind einfach Tatsachen, die ich versuche durch Vergleiche klar zu machen. Einige Tatsachen: Retroraketen sind seit 40 Jahren Stand der Technik. Das ist kein Luxus, den man sich leistet, sondern eine Sicherheitsmaßnahme um Stufenkollisionen zu verhindern. Prallbleche braucht man um Treibstoffschwappen zu verhindern. Diese mussten schon in die A-4 eingebaut werden, als diese durch Schwappen unkontrollierbar wurde. Das "weiß" man einfach. Wenn ich, der ich nur interessierter Laie bin, dies weiß und SpaceX nicht. Was würden sie draus schließen?

Das gleiche gilt auch für den jüngsten Start. Das der Orbit nicht der geplante ist, ist durchaus keine Lappalie. Geplant waren 330 x 650 km., Erreicht wurden 328 x 600 km. Diese Daten sind schlechter als die von SpaceX selbst in ihrem Payload Users Guide angegebenen, bei dem als maximale Abweichung 15 km im Apogäum vorgesehen sind. Dieser Wert ist übrigens recht hoch. Eine Rockot erreicht eine Genauigkeit von 9 km und eine Ariane eine von 2.5 km. Mittlerweile hat auch SpaceX die erste Angabe des endgültigen Orbits (nach einer zweiten Zündung) von 600 km kreisförmig auf 500 x 700 km revidiert. Verlässliche Zahlen wird man wohl erst bekommen, wenn die Bahn von den US Frühwarnstationen vermessen ist. Sollte dieser Orbit stimmen, so ist er mit Sicherheit unplanmäßig. Für einen Erdbeobachtungssatelliten wäre er aufgrund des stark wechselnden Erdabstandes (um 40 %) und entsprechend variierenden Geschwindigkeiten unbrauchbar.

Anderes Beispiel: SpaceX betont immer, die Preise wären deswegen so niedrig, weil man die erste Stufe bergen und wiederverwenden will. (Bei Falcon 9 Starts will man auch die zweite Stufe bergen, und wo dies nicht möglich ist, ist ein Start um 10 Millionen Dollar teurer sein). Dies ist bislang nicht gelungen. Auch bei diesem Start nicht. Es wurde nun verlautbart, man hätte nicht die Zeit gehabt eine thermische Isolierung anzubringen. Nun ja,. Andererseits sollen ja bald sehr viele Falcon 1 fliegen, da bleibt bei jedem Start nicht mehr Zeit als jetzt. Andererseits: Wenn ich die erste Stufe wiederverwende und dies wichtig für meinen Business Plan ist, dann bedeutet ein Verlust der Stufe für mich einen großen finanziellen Verlust. Da warte ich eben noch 1,2 Wochen bis die Thermalverkleidung an der Rakete ist.

Das ist mit einer der Punkte die so widersprüchlich sind und die in mir den Eindruck erwecken, dass mich jemand an der Nase herumführen will. Da sind wir bei dem dritten Punkt:

Vertrauen. Kennzeichnend bei SpaceX ist, dass immer alles rosig dargestellt wird und oftmals neuere Statements nicht zu alten passen. Ich habe schon den Orbit erwähnt: Die Einschussgenauigkeit ist eine zugesicherte Eigenschaft, die schriftlich in ihrem Payload Users Guide angeführt ist. Wenn diese nun nicht erreicht wird, wie im aktuellen Fall, dann heißt es nach dem Start eben anders. Was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an? Mir muss man nicht glauben. Ich kann anders als SpaceX auch Zahlen nennen. So die merkwürdige Abnahme der Nutzlast der Falcon 1: Von 670 auf 420 kg. Der Preis steig dabei von 5.9 auf 7.9 Millionen Dollar. Oder man möge doch einmal die Nutzlast der Falcon 9 mit Trägerraketen derselben Technologie vergleichen, wie der Zenit oder Proton. Mir muss man nicht glauben. Ich kann meine Behauptungen mit Daten und Fakten beweisen.

Das ist das wichtigste: Wäre bei SpaceX alles Friede, Freude, Eierkuchen, dann wäre es wirklich nur Nörgelei. Doch dem ist nicht der Fall. Das eine Rakete keinen Orbit erreicht wie bei Flug 2, wird als "95 % Erfolg gefeiert". Sorry, aber das ist Leute-Verdummen. Ich habe nichts gegen neue Visionen und Konzepte. Ich glaube auch, dass man mit vernünftiger Auswahl der derzeit verfügbaren Technologie eine preiswertere Trägerrakete bauen kann, als sie derzeit im Westen auf dem Markt ist. Eine neue Firma hat auch den Vorteil nicht den Wasserkopf an Bürokratie zu haben wie etablierte Firmen und kann dann leicht billiger sein. Aber in realistischen Maßen. Vielleicht 25-30 %. Bei mehr muss man wirklich Abstriche machen und wohin dies führen kann sieht man ja. Ich habe nicht nur an SpaceX was zu kritisieren. ich kritisiere auch die derzeitige ISS Politik, die praktisch ein Alptraum ist oder die fehlende Entschlusskraft für eine neue Oberstufe bei Europa, und ich habe mir auch vorgenommen was zu Orion/Ares I zu schreiben. Visionen sind etwas für Politiker, die sich nicht um deren Umsetzung kümmern müssen. Unter Technikern und Wissenschaftlern spricht man eher von Tatsachen und Fakten. Nach zusammengenommen sicherlich 40-50 Stunden Beschäftigung mit SpaceX Website, dem Vergleich mehrerer Kopien von mehreren Jahren und dem Lesen diverser Interviews und Artikel von und mit Elon Musk habe ich das Gefühl das es an letztem fehlt. Ich bin auch der Meinung, dass wenn man sich in dem Maße wie ich es getan habe, mit SpaceX beschäftigt auch andere auf diese offensichtlichen Widersprüche und Fehler stoßen müssen.

Aber wenn der Blog über SpaceX nur ein paar Leute zum Nachdenken gebracht hat, so war er schon nützlich. SpaceX hat wenig mit Visionen zu tun. Sie ist eine Firma die Leistungen verkauft und das Verkaufen tut sie öffentlichkeitswirksam. Gerade deswegen denke ich müssen Leute die etwas von Raumfahrt verstehen, die Leistung ins rechte Licht rücken. So was nennt man in unserer Gesellschaft Meinungsfreiheit.... Sorry, wenn ich bei meinen Bloglesern Gehirn und Verstand voraussetze, Aber wem das zu schwierig ist, der kann ja andere Quellen nutzen. Warum Politiker für Visionen zuständig sind? Weil sie für alles sonst zu blöd sind. Aktuelles Beispiel: Eine Partei möchte "50 % + X " erreichen und ist enttäuscht... Dabei lernt man schon in der Hauptschule, dass für X=-7 die Gleichung aufgeht. Und so was will regieren....

Mittwoch: 1.10.2008: Das ATV, die ISS und Buch Nummer 2

Gestern verglühte das erste ATV Jules Verne nach knapp 7 Monaten über dem Pazifik. Bei diesem Flug achtete man auf eine optimale Sichtbarkeit von der ISS, wie vom Boden aus, was 3 Wochen in einem Orbit bedeutete, bei dem Jules Verne sich langsam an die Position bewegte, von der er aus auch von der ISS beobachtbar war. Damit ist auch der Textteil meines Buches abgeschlossen, das wahrscheinlich 148 Seiten haben wird und 13.80 Euro kosten wird. Was ich noch suche ist ein schlagkräftiger Titel und ein guter untertitel.

Was so im Buch vorkommt kann man an dem Inhaltsverzeichnis hier sehen. Ich rufe nochmals meine Blogleser auf, mir Ideen für Titel und Untertitel zu schicken (auch per Mail an bl @ bernd-leitenberger.de). Wenn ich einen guten Titel/Untertitel finde, so wird der Autor namentlich beim Copyright erwähnt. Ein Gratisexemplar ist leider bei der zu erwartenden, kleinen Auflage nicht drin.

Geklärt ist auch die Rechtssituation bei den Bildern. Beim ersten Buch war das bei der NASA noch einfacher, da man hier die ausdrückliche Erlaubnis hatte, Bilder zu nutzen. Die ESA hat recht schnell geantwortet und will auch ein Referenzexemplar. EADS hat bislang nicht geantwortet, aber das bin ich von der Firma mittlerweile gewöhnt. Bislang wurde keine Anfrage von mir beantwortet. Da von EADS nur 5 Abbildungen sind, ist das zu verschmerzen. Die müssen dann eben entfallen. Was kommt danach? Ich warte noch auf einen Auftrag für Java Programmierung. Sollte der entfallen, so werde ich das nächste Buch in Angriff nehmen, entweder weiter an meinem Buch über Lebensmittelinhaltsstoffe schreiben, oder mich dem Thema europäische Trägerraketen - Also Europa, Ariane 1-3,4,5 und Vega eventuell aber auch Diamant und Blue Streak zuwenden.

Insgesamt scheint sich die ISS Situation nun doch zu entspannen, nachdem man sich praktisch mehrere Jahre lang nicht um die Situation nach dem Ausscheiden der Space Shuttles gekümmert hatte.

In den USA hab es einige Vorstöße in letzter Zeit gegeben. Ein Brief von Präsidentschaftskandidat McCain an das Weiße Haus, in dem man fordert nichts zu unternehmen, was eine endgültige Entscheidung über das Space Shuttle betrifft, bis der nächste Präsident im Amt ist. Dieser Brief, der auch von anderen Senatoren unterzeichnet wurde, blieb bislang unbeantwortet. Nun folgte ein Beschluss des Repräsentantenhauses, eine Ausnahme zu dem Iran, North Korea and Syria Nonproliferation Act) INKSNA zu verlängern. Anders als die Abkürzung INKSNA suggeriert, verbietet dieses Gesetz auch den Kauf von Technologie aus Russland. In diesem Falle Sitze auf der Sojus Raumkapsel.

Die vorliegende Gesetzesvorlage soll eine Verlängerung vom 1.1.2012 bis zum 1.7.2016 erlauben. Genügend Zeit bis 2015 Orion startbereit sein soll. Da nach US Verständnis die Station nur bemannt sein kann, wenn es für jeden Astronaut eine Rettungsmöglichkeit gibt, wäre der Space Shuttle keine Lösung. Das ist derzeit nur mit der Sojus möglich und hier benötigt jeder Astronaut einen eigens angepassten Kontourensitz. Das bedeutet, dass selbst wenn die USA keinen Astronauten mit einer Sojus starten sondern dies mit dem Shuttle tun, sie einen Sitz bei den Russen buchen müssen, die dann eben nur eine teilbesetzte Sojus starten können.

Ein weiterer Vorschlag umfasst 1 Milliarde Dollar mehr für die NASA, um die Entwicklung von Orion zu beschleunigen, und so den Jungfernflug vorzuverlegen, eventuell sogar um ein Jahr. Wenn nun der Senat zustimmt, so ist zumindest der Transport der Besatzung auf die ISs nach 2010 gewährleistet. Es gibt noch zwei offene Dinge: Das eine ist die Versorgung mit Fracht: ATV und HTV werden 12 t bringen. Die Progress weitere 10 t pro Jahr. Dann fehlen aber noch etwa 20 t. Das ist der US Anteil. Und hier gibt es zwar ein bescheidenes US Förderprogramm für private Transporte. Doch es wurde zu spät aufgelegt und ist finanziell nicht besonders gut ausgestattet. Ein zweiter Punkt, der komischerweise nirgendwo groß erwähnt wird, ist die Wohnsituation der Besatzung. Anders als Skylab gibt es auf der ISS keine richtigen Wohnquartiere. Auf Skylab standen dafür der Großteil des OWS zur Verfügung. Bei der ISS wurden beide Wohnmodule seitens der USA und Russland gestrichen. Jetzt wohnt die Besatzung in Swesda - einem funktionellen Modul, das als Hauptzweck die Stationssteuerung und Versorgung hat, aber nicht als Wohnquartier gebaut wurde. Später sollen weitere Besatzungsmitglieder ihre Schlafsäcke in Node 3 aufschlagen - einem Verbindungsknoten mit Lebenserhaltungssystem. So ergibt sich das Paradoxon dass die ISS das 4 fache Volumen von Skylab hat, aber viel weniger Wohnraum. Es gab eine US Lösung eines der MPLM als Wohnmodul umzubauen. Doch das scheint nach dem letzten Manifest nicht mehr geplant gewesen. Dabei wäre dies eine gute Nutzung dieser Module gewesen. Der Platz im Space Shuttle hätte auch für zwei gereicht. Anachronistisch: Auf der schon 280 t schweren ISS ist Wohnraum (nicht Laborraum) so knapp, dass die Astronauten das ATV als Wohnraum genutzt haben - und es schätzten, denn dort sind kaum lärmende Pumpen und keine Lüfter angebracht.

Insgesamt sieht es aber besser aus für die ISS als noch vor ein paar Monaten. Und wenn es knapp ist, kann ja die NASA ATV oder HTV kaufen. Wir liefern gerne und leisten der NASA Schützenhilfe.

Donnerstag 2.10.2008: A day in private TV

Eigentlich wollte ich den Urlaub nutzen, um einiges am Haus zu renovieren, vor allem Streichen. Doch vieles musste entfallen, weil das Wetter zu unbeständig war. Das wichtigste - Den Platz herzurichten wo ich und mein Bruder im Sommer unseren Schuppen abgerissen haben, und eine neue Arbeitsplatte in die Küche einzubauen, ist aber geschafft. Doch so hatte ich Zeit nicht nur an meinem Buch zu schreiben sondern mich nebenher von TV berieseln zu lassen. Das ist eine Angewohnheit von mir: Während andere Musik hören, läuft bei mir der Fernseher, nur schaue ich meist nicht hin, sondern bekomme ihn nur akustisch mit. Doch einige Tage haben ausgereicht meine - eh schon schlechte - Meinung von Privatfernsehen nochmals abzusenken. Als hier mal die Hitparade der Dinge die ich sah:

Platz 4: Britt bei Sat-1 um 13:00. Diese "Talkshow" dreht sich nur um eines: Vaterschaftstests. Pro Sendung erscheinen 3-4 Männer die sich nicht sicher sind. ob das Baby ihrer Freundin von ihnen ist und einen Vaterschaftstest gemacht haben, der nun vor laufendem Publikum verlesen wird. Hallo? Gehts noch etwas tiefer? Wenn der Vater zweifelt und er ist es tatsächlich, dann kann die Mutter ihm die Aufzeichnung noch Jahre später auf die Backe schmieren und das Kind wird auch nicht erfreut sein, wenn es größer ist. Dabei kann man sich nur blamieren. Wer ist so doof und tritt derart Privates vor einem Millionenpublikum breit, nur um einige Euro für einen Vaterschaftstest zu sparen?

Platz 3: Richterin Barbara Salesch. Diese Gerichtsshows laufen seit 10 Jahren. Inzwischen sind ihnen wohl die realistischen Fälle ausgegangen und die Delikte werden abstruser. Also warum ging es gestern? Ein Mann lässt seine Ehefrau durch Schönheitsoperationen so um operieren, dass sie seiner verstorbenen Mutter ähnlich ist. Als sie es erfährt und die Haushälterin ihm Schlafmittel verabreicht, um zu "kuscheln" während er schläft, spritzt sie ihm 400 g Silikon aus dem Baumarkt unter die Brust. Klar, das pure Leben. Wie müssen sich die echten Richter, Staatsanwälte und Anwälte vorkommen, die dort mitspielen? (Anders als der Rest der Besetzung sind dies keine Schauspieler) Ich denke die können nun gar nicht mehr zurück ins "wahre" Leben. Die sind durch diese Show blamiert. Das wäre wie wenn ich "Galileo" moderieren würde. Dann könnte ich diese Website auch einstampfen.

Platz 3: Die "Life Style" Magazine. Da kommen Themen wie "Eine Frau (31) lässt sich eine G-Punkt Aufspritzung machen. Jau, es gibt anscheinend nichts was es nicht gibt! (Was folgt als nächstes? Klitoris Tieferlegen? Vagina enger machen?) Resultat "Der Orgasmus ist nicht anders als früher, ich komme nur öfters, anstatt 3 von 10 mal nun achtmal". Huuh bei 3 von 10 mal hätte ich wohl eher den Partner in der richtigen Technik geschult, anstatt eine 3000 Euro Operation durchzuführen. Vor allem was sind das für Ärzte, die solche medizinisch völlig sinnlose Operationen durchführen.

Platz 1: Und das hat mich wirklich erschreckt - Eine Folge von "Deutschland deine Teenies". Natali ist 19 und wiegt 114 kg. Sie will abnehmen, hört beim Brustschwimmen aber nach ein paar Runden auf und will gar nicht erst mit einer Diät anfangen. Ihre erste Idee ist es, das Fett absaugen zu lassen. Der (verantwortungsvolle) Arzt sagt, dass dies nicht geht und lehnt dies ab. Außerdem ist die Op zu teuer. Nun kommts: Anstatt eine Diät zu starten oder Sport zu treiben, will sie nun eine Magenverkleinerung. Für diese Op ist das Geld komischerweise da (Gesponsert von dem Institut das mit dem Fall auf der Website Werbung macht, oder von Pro 7?). Die 19 jährige hat sich 4/5 des Magens entfernen lassen. Klar nun klappt das abnehmen und plötzlich kann sie auch Sport treiben. Aber wäre es nicht ohne gegangen? Als ich 18 war habe ihm schon mal 25 kg abgenommen und das fiel mir damals wesentlich leichter als die 30 kg vor einem Jahr. In dem Alter ist das noch wirklich einfach zu erreichen, mit weniger essen und etwas Bewegung. Eine Magenverkleinerung hat sicher eine Existenzberechtigung, aber als letzter Ausweg bei extrem Übergewichtigen, die schon viele Diäten gemacht haben und trotzdem nicht dauerhaft abgenommen haben. Wie soll dies nun weitergehen? Nach dem Fernsehen wurde Natali wirklich 80 % des Magens entfernt. Wenn dieser nicht nachwächst (und das nehme ich an) muss sie ihr ganzes Leben lang immer in kurzen Abständen kleine Mahlzeiten essen und wahrscheinlich eher ungesundes, mit hoher Nährstoffdichte, dass den Restmagen besser füllt. Das ist vielleicht noch tragbar für jemanden bei dem sonst das Übergewicht anders nicht reduzierbar ist, und schon älter ist aber mit 19? Ohne sich überhaupt gekümmert zu haben es "konventionell" zu probieren?

Meine Meinung ist, dass mit solchen Berichterstattungen nur erreicht wird, dass noch mehr Jugendliche auf so tolle Ideen kommen. Sendungen über Schönheitsops bei Minderjährigen haben ja schon zu einer Welle dieser Ops bei Teenagern geführt. Verantwortungsvolles Programm sieht anders aus. Mit dem neuen GEZ Werbespot beschäftige ich mich morgen....

Freitag: 3.10.2008: Luja sag I!

Eigentlich wollte ich den Tag der Deutschen Einheit dazu nutzen mal was darüber zu schreiben wie (meiner Meinung nach) jemand geprägt wird in der Zeit in der er aufgewachsen ist. Schließlich ist jemand der heute 18 ist ohne getrenntes Deutschland, ohne kalten Krieg, ohne Nachrüstungsbeschluss und Demonstrationen gegen sie aufgewachsen. Doch dann hab ich mich morgens dran gemacht bei den chinesischen Trägerraketen was zu ergänzen und mehr und mehr gefunden und ehe ich mich versah wars so viel, dass ich den ganzen Artikel teilen musste.

Nun ist der Tag der deutschen Einheit fast vorbei. Aber mir ist noch was anderes eingefallen: Heute ist auch Franz Josef Strauss 20.ster Todestag. (Als der "Tag der deutschen Einheit" auf den 3. Oktober gelegt wurde vermutete ich ja damals dies wäre genau mit Absicht wegen des Todestages von FJAS gewesen. Zu seinen Lebzeiten habe ich FJS nicht ausstehen können. Er war mir zu polternd, zu weit rechts. FJS war auch mit Sicherheit Machtpolitiker von der Zehenspitze an. Aber heute bin ich schlauer. Das die Spiegelaffäre eine Vorgeschichte hatte, in der Augstein nach einem privaten Gespräch beschloss diesen Politiker "zu verhindern" und eine Pressekampagne gegen FJS startete wusste ich z.B. nicht. Mitbekommen habe ich in den achtziger Jahren aber noch einige Wandlungen, wie das Einfädeln des Milliardenkredits für die DDR und die Annäherung an Moskau. Er war einer der ersten Politiker die Kontrakt zu Gorbatschow suchten.

Das ist vielleicht eine der bemerkenswerten Leistungen von FJS.- Anstatt dogmatisch an einem Kurs festzuhalten war er bereit sich zu bewegen, wenn dies vorteilhafter war. Bei uns im Schwabenland sagt man dazu "Was geht mi mei dommes Gschwätz von gestern a". Damit leitet man ganz pragmatisch eine 180 Grad Wende ein. Vor allem aber war FJS noch ein Politiker der vielleicht an die Macht wollte, aber der auch Politik vorantreiben wollte. Heute sind Politiker austauschbar geworden. Die unbequeme Wahrheit die man von FJS zu hören bekam, will heute keiner mehr sagen. Wirklich etwas tun, etwas bewegen will auch keiner (man könnte ja Fehler machen). Und die CSU befindet sich in einer tiefen Krise. Nachdem sie ihren letzten Partievorsitzenden gechast haben ist der derzeitige nach den katastrophalen Wahlen abgetreten. Die Pauli ist mit den Freien Wählern im Parlament. Und nun soll es der Seehofer richten... Der Seehofer, der schon bei der Sozialpolitik so umgekippt ist und uns in der Vergangenheit z.b. ein Verbraucherinformationsgesetz beschert hat das dem Verbraucher keinerlei Informationen liefert. Der ist wahrscheinlich schon überfordert wenn er sich morgens entscheiden soll welche Krawatte er anziehen muss. Aber dazu hat er ja die Ehefrau ;-)

Die CSU ist in der Krise aber nicht nur sie allein. Die CDU hat auch in der 10.ten Landtagswahl in Folge verloren. Die SPD als Koalitionspartner profitiert aber davon auch nicht sondern bleibt schwach. Warum? Meiner Meinung nach weil die Bevölkerung erwartet, dass eine große Koalition die großen Probleme löst und davon haben wir ja nicht wenige:

Und was kommt heraus? Nichts! Keiner will wirklich etwas bewegen, zumindest nicht wirklich etwas reformieren. Paradebeispiel ist der Gesundheitspakt. Nach langer Diskussion zahlen nun alle das gleiche und die meisten mehr. Vorher hieß es die Krankenkasse wählen die am wirtschaftlichsten arbeitet und die niedrigsten Beiträge hat und nun werden die belohnt die das nicht tun.

Gut das FJS das nicht mehr erlebt hat. Ich glaube er wäre auch nicht mit der Bundeskanzlerin einverstanden. Ich denke wenn er im Himmel nun auf die bayrische Staatskanzlei runter schaut wird er anfangen zu fluchen. Wie es ihm wohl dort ergehen könnte hat schon 1911 Ludwig Thoma vorweggenommen. Der folgende Trickfilm ist wahrscheinlich den jüngeren Bloglesern unbekannt, doch er lohnt sich anzusehen. Wer es ganz eilig hat ab 8:00 erfährt man warum heute die CSU ohne den göttlichen Rat von FJS auskommen muss :-)

Wetten dass...? SpaceX-ler!

Nachdem in diesem Blog hier die Wellen recht hoch geschlagen sind, habe ich mir mal was überlegt. SpaceX Anhänger sind ja Gläubige. Wären sie mit der Materie vertraut, so wären sie keine Anhänger, sondern würden die Fehler im Konzept erkennen. Da nützt es nichts Fakten anzuführen, denn es gibt ja immer neue Ausreden. Daher habe ich mir mal überlegt etwas für die Zukunft zu tun. Ich biete allen SpaceX Anhängern und anderen Blog Lesern eine Wette an und jeder kann entscheiden auf welcher Seite er sich beteiligt. Die Zukunft wird über den Ausgang der Wette entscheiden und dann auch darüber wer mehr von der Falcon versteht - Deren Konstrukteure oder ich, der ich nur ein par angaben von ihrer Website als Datenbasis habe. Also eigentlich habe ich ja da schon verloren oder ?:-(

Es geht dabei um die Phantasieangeben zur Nutzlast. Bei der Falcon 1 hat sich die rapide verringert von 670 kg in einen 28.5 Grad geneigten Orbit auf 420 kg in einen 9.3 Grad geneigten (was angesichts der geringeren Bahnneigung etwa 380 kg in den 28.5 Grad Orbit entspricht). Damit man nicht nur mir glauben muss. Das ist auch jemand anders aufgefallen. Siehe hier.

Für eine Rakete kann man bei gegebener Nutzlast, Startmasse, Leermasse und Ausströmungsgeschwindigkeit der Gase die Endgeschwindigkeit berechnen. Das geht mit der Raketengrundgleichung, auch Ziolkowski Gleichung genannt. Wenn ich nun den Ansatz nehme, dass die Falcon 9 die gleiche Endgeschwindigkeit für einen Orbit erreichen muss, wie die Falcon 1, dann kann ich deren Nutzlast berechnen. Soweit so schlecht, denn von der Falcon 9 liegen keine Stufenmassen vor. Man kann das Vollgewicht abschätzen indem man Falcon 9 und Falcon 9 Heavy vergleicht, die sich ja nur durch zwei zusätzliche erste Stufen unterscheiden. Das Leergewicht bleibt unbekannt und muss aus Erfahrungswerten anderer Typen geschätzt werden.

Tut man dies, so komme ich mit meinen, auf der Website veröffentlichten Falcon 9 Daten zu folgender Nutzlast:
Träger LEO Space X LEO Bernd Leitenberger GTO SpaceX GTO Bernd Leitenberger
Falcon 9 12500 kg 8200 kg 4640 kg 1700 kg
Falcon 9 Heavy 29610 kg 19800 kg 15010 kg 6200 kg

Meine Angaben basieren auf der Website von SpaceX, so wie sie am 3.10.2008 war (da SpaceX laufend die Daten, auch bei der Falcon 9 anpasst, siehe hier, muss diese Angabe als Beweissicherung sein). SpaceX hat sogar noch einen weiteren Vorteil, den man schwer leserlich in hellgrauer Schrift findet: "SpaceX typically reserves 10% of the GTO mass-to-orbit performance, but this is negotiable.". Das bedeutet die Angaben sind konservativ und eine höhere Nutzlast ist möglich (bei der Falcon 9 findet man ja auch bei den Preisen die Klasse 4500-5000 kg, die ja bei 4640 kg Maximalnutzlast überflüssig wäre.

Ich wette nun mit allen meinen Bloglesern:

Wetten dass, wenn die erste Falcon 9 erfolgreich einen Orbit erreicht, die dann gültige Nutzlast näher an meiner Schätzung, liegt als an den derzeitigen SpaceX Angaben?

Die gleiche Wette sinngemäß für die Falcon 9 Heavy. Wäre die Falcon 9 eine "normale" Rakete, dann müsste ich natürlich verlieren. Denn die Nutzlast kann man beim Design recht gut berechnen. Da ändert sich später nur wenig, wenn nicht Veränderungen an der Rakete vorgenommen werden, vielleicht einige Prozent. Bei der Falcon 9 ist die Prognose sogar noch leichter als bei der Falcon 1, weil ja das Merlin 1C schon existiert und wie man auf der Website in Fotos sieht, nimmt auch die erste Stufe schon Gestalt an. Zudem habe ich kein abgeschlossenes Zahlenmaterial vorliegen, sondern muss schätzen. Also alle Trümpfe sind auf der Seite von SpaceX. Trotzdem denke ich habe ich eine gute Chance zu gewinnen. Der Fehler ist naturgemäß wegen der höheren Geschwindigkeit bei GTO Missionen größer, wenn man die genauen Daten nicht kennt, aber wer die Falcon 9 mit vorhanden Typen derselben Technologie vergleicht wird wahrscheinlich wie ich bemerken, dass die Angaben recht optimistisch sind.

Also lieber Blogleser: Sie sind gefragt. Für wen steigen sie in die Wette mit ein: Für mich oder für SpaceX?

Online Abstimmung im Blog.


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