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Web Log Teil 82: 5.10.2008-10.10.2008

Sonntag 5.10.2008: Computer in der Raumfahrt - Wann kommt die Leistungsexplosion?

Ein Punkt der viele erstaunt, ist immer wieder, mit wie wenig Computerleistung Raumfahrzeuge auskommen müssen. Das ATV z.B. startet mit einem Sparc V7 kompatiblen Prozessor mit 14 MHz Taktfrequenz. Ein heutiger "Wald und Wiesen PC" ist etwa um den Faktor 1000 schneller. Eine gute Gelegenheit mal zu erläutern warum dem so ist.

Dem war nicht immer so. Als Voyager 1977 starteten waren ihre Borcomputer um einiges schneller als ein Apple II, der damals gerade erst erschien. Aber diese CPU war noch für das Raumfahrzeug entworfen und bestand aus vielen einzelnen Bausteinen. Danach ging man daran handelsübliche Prozessoren einzusetzen, die es auch in einer speziellen "Militärischen" Version gab: Diese Bausteine vertragen höhere Temperaturbereiche und sind unempfindlicher gegen elektrostatische Störungen. Die Raumfahrt hängte sich auch hier an das Militär an, weil es sich für die wenigen Satelliten nicht lohnte, eigene Prozessoren zu entwickeln.

So verwendeten viele Raumfahrzeuge bis in die zweite Hälfte der neunziger Jahren den MIL-STD 1750A, einen 16 Bit Prozessor der vergleichbar mit den MC68000 war. Er wurde vom US Militär für Flugzeuge und Lenkwaffen in den 80 er Jahren entwickelt. Aber auch andere Bausteine fanden ihren Einsatz wie in Europa Transputer (auch davon enthält das ATV noch einige). Selbst wenn man "normale" Prozessoren einsetzte, so waren diese beim Start meist hoffnungslos veraltet: Das ergibt sich aus den langen Projektlaufzeiten. Am Anfang muss festgelegt werden was man verwendet. Schließlich müssen Hardware und Software auf schon existierenden Bauteilen fußen. Man kann schlecht einen Prozessor einsetzen der angekündigt ist, und von dem man nicht weiß ob er rechtzeitig verfügbar ist, die gewünschten Eigenschaften hat, und ob die Software auf ihm korrekt läuft. So wählte man als Galileo 1977 aufgelegt wurde den RCA 1802 Prozessor - das einzige strahlungsresistente verfügbare Design damals. Starten sollte Galileo 1982 - damals gab es dann schon 16 Bit Prozessoren die weit schneller waren, als der 8 Bit RCA 1802. Durch Verzögerungen wurde schließlich 1989 draus und bis die Sonde an Jupiter ankam 1995.

Doch selbst unter Berücksichtigung dessen fällt auf, das in dem letzten Jahrzehnt die Entwicklung von raumfahrttauglichen Prozessoren immer langsamer wurde. Was ist der Grund? Nun neben einer gewissen konservativen Haltung (Prozessoren zu nehmen, die zwar veraltet sind, für die man aber von anderen Projekten schon entwickelte Software hat, so auch beim ATV, welches die Hardware des DMS-R an Bord von Swesda einsetzt) sind es mehrere Punkte. Eines ist das Problem des Bussystems. Bussysteme sind schwieriger zu wechseln als Prozessoren, denn am Bus hängen ja viele Teilnehmer, vor allem die Experimente. So ist heute noch der MILS-STD 1553B Bus gängig, der nur 1 MBit/s Datenrate hat. Die Begrenzungen dieses Bus umgeht man, indem man mehrere Busse kombiniert, beim ATV z.B. 6 pro Rechner. Heute ist PCI der Standard für neue schnellere Systeme - PCI hat eine maximale Datenrate von 133 MByte/s, wovon auf Anwendungsebene etwa noch 100 MByte/s übrig bleiben und das ist etwa 800 mal schneller als der MIL-STD 1553B Bus.

Das zweite ist es, dass die CPU Entwicklung immer teurer wird. Man braucht für Satelliten spezielle CPUs, die vor allem mit höherer Strahlenbelastung besser zurecht kommen und nicht so empfindlich gegenüber statischer Elektrizität sind. Für die Chiphersteller ist dieser Markt inzwischen zu klein und sie entwickeln keine speziellen Designs dafür. Intel verkaufte das Pentium Design mal an die NASA, die daraus eine eigene CPU entwickeln wollte, aber dies doch einstellte.

Was bleibt, sind Firmen die ein Chip Design nehmen und es verbessern, dass es die Anforderungen erfüllt. BAE und Maxwell z.B. den PowerPC Prozessor. Die Kosten dafür lässt man sich gut bezahlen - ein solcher Prozessor kostet dann gerne 200.000 Dollar pro Stück.

Vor allem aber hat man das Problem der Kühlung. Wer einmal seinen PC aufgeschraubt hat, weiß wie groß heute ein Kühler ist. auf einem Satelliten gibt es keine Luft die man mit dem Ventilator umwälzen könnte, da muss die gesamte Kühlung mit Kühlkörpern und Heatpipes geschehen. Und in der Regel ist auch der Strom begrenzt, so dass man sich Stromfresser wie den Pentium 4 nicht leisten kann.

Der immer noch leistungsfähigste Prozessor ist der RAD750, ein Prozessor der PowerPC Familie, mit 10.4 Millionen Transistoren und 166-300 MHz erreicht er bis zu 300 MIPS. Er ist damit in etwa vergleichbar mit dem 603e oder 604, oder auf dem PC mit einem Pentium II. Seit 2001 verfügbar steht sein Nachfolger noch aus. Maxwell betreibt das Design mit noch etwas höherem Takt und erreicht mit dem 750FX bis zu 1800 MIPS.

In den letzten Jahren hat sich bei Intel eine Abkehr von den stromhungrigen Prozessoren getan. Mit dem Atom Prozessor gibt es seit langem wieder erstmals einen Prozessor, der nur einige Watt Strom verbraucht und ohne Lüfter auskommt. Die Leistung ist zwar nicht riesig - in etwa so viel wie ein 2 GHz schneller Athlon oder Pentium 4 und weitaus langsamer als ein aktueller Doppelkernprozessor - aber das ist immer noch 10 mal schneller als der RAD750. Intel hatte bisher nicht so viel Erfolg beim Vermarkten ihrer CPU im All - das könnte sich ändern. Ein zweiter Trend, denn man vor allem bei den Instrumenten sieht ist der Einsatz von Digitalen Signal Verarbeitungsprozessoren (DSP). Instrumente werden jeweils von einem Institut mit eigener Elektronik entwickelt. Standardisiert muss nur die Datenübertragung über den Bus sein. Daher findet man oft auf Raumsonden in den Instrumenten viel leistungsfähigere Computer als im Zentralrechner. Diese haben dann auch einen eigenen Speicher und verarbeiten die Daten vor. Bei OSIRIS, einem Instrument von Rosetta verfügt z.B. über einen TSC2102F Prozessor, eine weltraumtaugliche Version eines 32 Bit Signalprozessors von Texas Instruments und 4 GBit Speicher. Der Hauptprozessor ist dagegen ein 16 Bit 1750A kompatibles Exemplar mit einer viel geringeren Leistung.

Die Frage ist natürlich auch ob man die Leistung braucht. Vergleiche mit dem PC sind da völlig falsch. Jeder PC ist meistens damit beschäftigt die gesamte grafische Oberfläche darzustellen. Das ist recht deutlich daran zu sehen, wenn das Internet im Browser nicht schneller wird, weil immer mehr grafische Features benutzt werden. Dabei ist der reine Datentransfer (und mehr muss der Prozessor eines Satelliten ja nicht tun) schnell erledigt: Für Bittorrent gibt es z.B. eine Box mit einer 66 MHZ PowerPC 601 CPU. Die reicht dafür völlig aus. Hohe Geschwindigkeiten braucht man bei sehr anspruchsvollen Missionen, wie z.B.. den beiden Rovern, die autonom fahren sollen und dafür die Bilder der Kameras online auswerten oder bei großen Datenmengen, wie den Satelliten WourldView, aber auch Kommunikationssatelliten die große Datenströme übertragen und fehlerhafte Bits mittels Korrekturinformationen rekonstruieren müssen.

Wie wird es weitergehen? Derzeit offerieren DSP attraktive Performance für die Datenverarbeitung, z. B. Kompression oder Verarbeitung von Daten. Sie sind jedoch nicht so universell. DSP werden auch in der Unterhaltungselektronik eingesetzt und sind daher (man möchte ja im Wohnzimmer keine lärmenden Lüfter haben) meist viel sparsamer im Verbrauich. Ihre Leistung gemessen in MIPS/Watt ist sehr hoch. Bei Zentralcomputern ist die Leistung zwar heute absolut gesehen sehr hoch, aber sie ist gegenüber der Entwicklung von PC Prozessoren langsamer fortgeschritten.

Eigene Linien für weltraumtaugliche Prozessoren lohnen sich immer weniger, weil die Kosten für die Produktion bei kleineren Strukturbreiten immer weiter ansteigen. Der Ausweg aus dem Dilemma könnte es sein Standardbausteine die für Extembedingungen auf der Erde ausgelegt sind, die Motorsteuerung im PKW (Hitze, elektrostatisches Feld durch Zündfunken) zu verwenden und diese besser abzuschirmen gegen Strahlung.

Montag 6.10.2008: Mach keine Fortsetzung....

Ich habe mir gerade Star War es Episode III angeschaut. Verglichen mit dem Original, dass vor 30 Jahren entstand, ist es grafisch viel anspruchsvoller, hat noch mehr Action. Und doch: Mir gefiel die erste Folge besser. Warum? Zu seiner Zeit waren die Trickeffekte revolutionär und diese Mischung aus Science Fiction und Ritterfilm war neu. Auch wenn die Effekte doch manchmal doch wirklich billig waren, so die Laserschwerter. die nicht nur wie Leuchtstoffröhren aussahen, sondern auch wie Leuchtstoffröhren summten, oder das Geräusch von der Atmung von Darth Vader, das irgendwie an ein Beatmungsgerät in der Intensivstation erinnert.

Das ist finde ich bei vielen Filmen so: Es kommt etwas neues. Das kann ein neues Konzept sein, Tricks oder einfach nur eine andere Sicht auf ein schon bestehendes Genre und es wird ein Erfolg oder sogar Kult. Doch mit der Fortsetzung ist das Neue weg und es wirkt irgendwie wie wenn man den Kaffee verlängert.

Ich habe z.B. immer gerne die alten Star Trek Folgen angeschaut, aus den Sechzigern. Das war etwas neues (obwohl es in Deutschland die Raumpatrollie Orion gab, die tricktechnisch manchmal sogar besser war). Filmtechnisch gemacht war es doch recht schlecht: Die Außerirdischen, die eben doch nur schlecht kostümierte Menschen waren, entweder blau angestrichen oder mit einer einfachen Maske. Die Studiobauten mit primitiven Mitteln (wenn die Enterprise durch einen "Ionensturm" flog, mussten sich alle synchron an die Konsolen schmeißen und die Kamera wurde abrupt gekippt, oder die Vorliebe für Wüstenplaneten, weil zu der Zeit meist Western Serien gedreht wurden und man so die Kulisse übernehmen konnte. Aber gerade weil es so einfach war, hatte es einen gewissen Charme. Seitdem gab es mindestens 4 Fortsetzungen und etliche filme. Ich weiß, die Star Trek Reihe hat etliche Fans, aber ich konnte mich nicht für diese "Trekkie Welt" begeistern. Obwohl diese technisch perfekter sind. Weil einfach die Idee schon mal da war und dies nun das ganze nur "aufgewärmt" wurde. Ich stelle sogar fest, dass es technologische Rückschritte gibt: Bei der ersten Enterprise wurde der Computer noch durch Sprache gesteuert, später meist durch Konsolen.

Was ich dagegen liebe sind - wie ich es nenne - "Verarsche Filme", also Parodien eines Genres. So etwas wie Scary Movie, Hot Shots, Spaceballs, Galaxy Quest oder wenn man ältere Filme nimmt: Steven Spielbergs "1941 - Wo bitte geht's nach Hollywood" oder "40 Wagen westwärts" mit Burt Lancaster.

Ich denke viele reagieren ähnlich. Die letzte Fortsetzung von Star Trek wurde ja mangels Quote eingestellt und eine Fortsetzung gibt es nicht, obwohl diese wieder mehr Action hatte und zu den Ursprüngen zurückkehrte. Die neue "Indy Jones" Verfilmung hat auch recht schwache Kritiken bekommen. Ja manchmal greift das sogar auf Comics über: Die letzten Asterix Hefte fand ich allesamt nicht so berauschend wie die alten. Da kam zu viel aktuelles rein, das es in den alten so nicht gab.

So viel für heute. Zum Schluss noch ein bisschen Nachlese. Ich habe mich ein bisschen über das Ergebnis meiner SpaceX Wetter gewundert. Nur einer glaubt SpaceX? Hat die Firma eine so kleine (aber lautstarke) Fangemeinde? Oder glauben meine Blogleser, ich wäre der Raumfahrt-Guru (Bin ich mit Sicherheit nicht).

Das zweite ist, dass sich auf meine Ankündigung ein Buch über europäische Trägerraketen zwei Leute gemeldet haben, die mir Material und Fotos zur Verfügung stellen wollen. Das nehme ich natürlich gerne an. Vor allem habe ich selbst fast nichts über die Diamant und Black Arrow. Was auch wichtig wäre, wären Fotos die man für ein Buch verwenden kann. Das betrifft zum einen die Rechte (die bei alten Aufnahmen extrem schwer auszumachen sind, und dann ist die Frage ob man sie bekommt - EADS, z.B. als rechtlicher Nachfolger zahlreicher Firmen in Frankreich und Deutschland antwortet überhaupt nicht auf Anfragen) und zum zweiten . die Qualität - Für den Druck reicht die Auflösung eines Bildes im Web meist nicht aus.

So meine Bitter: Wer irgendwelche eigenen Fotos von älteren europäischen Raketen, Triebwerken, Stufen etc. hat (selbst fotografiert) und mir diese zur Verfügung stellen kann, möge sie doch bitte an "bl" @ bernd-leitenberger.de schicken. Bei Verwendung erscheint der Name des Fotografen natürlich in der Bildunterschrift. Solche Bilder können z.B. von dem Besuch eines Museums stammen.

Bis das nächste Buch erscheint, wird es aber noch eine Weile dauern. Ich habe mir meinen Weihnachtsurlaub vorgenommen um das Material zu sichten. Vorerst bin ich in den Endzügen beim Buch über das ATV. Diese Woche werde ich es nochmals Korrekturlesen und dann nächste Woche in den Druck geben. So in 4-5 Wochen könnte es erscheinen. Seit ich einen Link zum Gemini Programm auf jeder Website habe, verkauft es sich auch besser, wer weiß, vielleicht knacke ich dieses Jahr noch die 100 Exemplare Schwelle (derzeit 85). Mal sehen ob das ATV auch so ein "Kassenschlager" wird, Ich suche übrigens immer noch einen guten Titel und Untertitel....

Mittwoch: 7.10.2008: Planetensonden als Piggyback Nutzlast

Im letzten ESA Journal habe ich von Satelliten gelesen, die von Studenten gebaut werden und wie die ESA diese Projekte fördert. Darunter ist auch das Projekt eines Mondorbiters, als Sekundärnutzlast für eine Ariane 5. Das wäre wohl dann die erste Raumsonde, die nicht von einem staatlichen Institut gebaut wurde.

Dann habe ich noch beim Recherchieren über die Triebwerke des ATV bei EADS ein Triebwerk gefunden, das für Satelliten gedacht ist, und mit Wasserstoff/Sauerstoff arbeitet. Der spezifische Impuls ist nicht so groß, er liegt im Mittel bei 4060 m/s. Aber das ist immerhin noch ein Drittel mehr als bei Triebwerken mit MMH/NTO.

Da dachte ich mir: Könnte man diese Technologien nicht kombinieren um preiswerte Mond-, Venus- und Marssonden zu kreieren?

Am offensichtlichsten ist dies bei einer Mondsonde. Die Flugzeit von weniger als 4 Tagen zum Mond ist noch eine Zeit bei der man mit Isolation und räumlicher Ausrichtung der Sonde den Treibstoff Wasserstoff und Sauerstoff flüssig halten kann. Im geostationären Transfer-Orbit hat ein Satellit eine Geschwindigkeit von 10200 m/s. Mit 750 m/s mehr kommt man auf eine Transferbahn zum Mond. Dort braucht man weiteren Treibstoff um eine Mondumlaufbahn zu erreichen. Mindestens 700 m/s. Besser sind 800 m/s. Dann hat man Spielraum für eine etwas schnellere Ankunft und Verluste durch verdampfenden Treibstoff. Eine Raumsonde die beim Start 600 kg wiegt (Maximum für die zweite Version der ASAP), wiegt nach Verbrauch des Treibstoffs für 1550 m/s Geschwindigkeitsänderung noch 409 kg - Das ist ein Gewicht, das einige Möglichkeiten für die Instrumentierung lässt. Smart-1 wog mit 370 kg deutlich weniger. Die Aufrechterhaltung des Orbits müsste dann mit einem Ionenantrieb erfolgen.

Bei einem lagerfähigen Treibstoff (MMH/NTO) wäre das Trockengewicht mit 363 kg geringer, berücksichtigt man das die Tanks auch etwas größer sind, so resultiert ein Unterschied von 50 kg - nicht viel, aber nicht zu verachten. In etwa die gleiche Nutzlast resultiert auch für einen Flug zu Venus oder Mars. Das hängt von der Position ab. Dort müsste die Raumsonde dann noch konventionell abbremsen - mit Aerobraking und einem chemischen Antrieb. 800 m/s dafür würden immerhin noch etwa 320 kg in einem Orbit um Mars oder Venus platzieren. Das entspricht dann einer Trockenmasse von etwa 260-270 kg ohne Antriebssystem.

Das sind dann sicherlich keine Raumsonden mit 8-10 Instrumenten, doch 3-4 gut ausgewählte Instrumente wären dann noch drin. oder man nutzt sie nur als Relay für eine Landesonde wie das MSL oder Exomars.

Das attraktive sind die Startkosten: Wenn eine Sekundärnutzlast bei Arianespace genauso viel kostet (pro Kilo) wie die Hauptnutzlast, so müssten 600 kg für unter 8 Millionen Euro in den GTO Orbit  gelangen. So billig ist keine russische Rakete (bei der man noch eine zusätzliche Oberstufe bräuchte, die natürlich zusätzliche Kosten aufwirft) . Bislang ist der preiswerteste verfügbare Träger eine Sojus mit 50 Millionen $ also etwa 35 Millionen Euro pro Start. Preiswertere Träger wie Dnepr, Rockot transportieren keine Nutzlast in planetare Umlaufbahnen oder die nötige Oberstufe frisst jede Einsparung ein. US Träger sind noch teurer. Bei den chinesischen Trägerraketen offeriert die LM-3/4 zwar etwa 1100-1400 kg in den GTO Orbit, aber auch zu preisen von 25-45 Millionen Dollar. Man mag es kaum glauben... Ariane 5 ist die billigste Möglichkeit des Transports!

Der niedrige Startpreis erlaubt es eine neue Kategorie von Raumsonden zu etablieren - klein und preiswert mit beschränkter Instrumentierung. Das ist ja so neu nicht. das Discovery Programm hatte ja auch die Zielsetzung. Doch da die USA niemals über einen Träger verfügten der unterhalb der Delta lag und fähig war planetare Umlaufbahnen zu erreichen blieb es bei einem Versuch: Lunar Prospektor: Obgleich nur 160 kg Trockengewicht kostete der Start dieser 20-25 Millionen Dollar. Das Gesamtprojekt hatte einen Umfang von 63 Millionen Dollar. Der Start macht alleine 40 % der Startkosten aus - recht viel für eine Planetensonde, bei der normalerweise nur etwa 20 % üblich sind. Das dürfte der Grund gewesen sein, dass es bei dieser einen Sonde bleib. Die Piggybacknutzlast offeriert hier mehr Möglichkeiten:

Der preiswerte Start machte eine Wiederholung der Mission einfach möglich: Man kann bei der Entwicklung mehr Risiken eingehen oder einen Sondentyp entwickeln und diesen unterschiedlich instrumentiert zu Mars, Mond und Venus schicken. Andere denkbare Missionen wären Kurzzeitmissionen vor allem zur Venus. Ich habe vor einiger Zeit mal eine Venus Sonde skizziert, die vor allem beim Abstieg Bilder machen soll - damit man weiß wie die Venusoberfläche aussieht. Das ist ein typisches Projekt: Eine derartige Kapsel überlebt auf der Venus höchstens ein paar Stunden. Selbst wenn es möglich wäre sie billig herzustellen, so stehen dem die Startkosten entgegen. Kleine Überschlagsrechnung: Ein Start von der Erde auf eine Übergangsbahn zur Venus mit minimaler Bahnenergie (11.4 km/s) lässt noch 445 kg übrig. Davon entfallen etwa 420 kg auf den Bus mit der Sonde. Die große Pioneer Venus Sonde wog 317 kg. Das lässt nur etwa 100 kg für einen Bus übrig. Das ist wenig, aber es reicht doch für eine kleine 1 m Parabolantenne zum Empfang der Daten. Der Bus ist nötig zum Datentransfer, weil es auf der Erde nicht möglich ist große Datenmengen mit einer Rundstrahlantenne (und eine andere ist bei einer Abstiegssonde nicht möglich) zu empfangen.

Bei 3 Stunden maximaler Sendezeit und 25 Watt Sendeleistung im X-Band könnte die Abstiegssonde anfangs 14 KBit/s übertragen. Nach einer Stunde, wenn die Oberfläche erreicht ist wären es schon 24 KBit/s. Bei 30 Minuten nutzbarer Sendezeit bis zum Abstieg könnte man bei JPEG Komprimierung 1:8 etwa 36 Bilder im Format 1024 x 1024 S/W übertragen. Nach der Landung (wenn die Sonde sie überlebt) noch mehr, z.B. vorher gespeicherte Daten. Bei adaptiver Anpassung an die Entfernung wäre die Datenrate sogar noch höher. Nicht viel, aber Venera 13+14 machten auch nur einige Aufnahmen von der Venusoberfläche und das ist alles was wir heute haben. Alternativ kann man auch den Bus so verzögern, dass er nur wenige Minuten nach der Landesonde an der Venus vorbeifliegt. Man verschenkt dann zwar die Möglichkeit nach der Landung Daten zu übertragen (eventuell überlebt aber auch die Sonde das nicht), aber die Distanz wäre näher und die Datenrate würde bei 90 Minuten maximaler Sendezeit schon auf 90 KBit/s steigen.

Alternativ könnte man Ballone in der Atmosphäre aussetzen. Auch diese sind leichtgewichtig genug, um mit einer kleinen Sonde transportiert zu werden. Die VeGa Ballone wogen nur etwa 25 kg. Dazu käme noch ein Hitzeschutzschild, da diese sekundärnutzlast waren. Doch selbst bei 50 kg pro Ballon können so leicht 4 von einer kleinen Sonde transportiert werden. Eine Mail hat mich dann noch an das Marsnet erinnert - eine Kette von Penetratoren oder Landesonden auf dem Mars. Auch Penetratoren sind Kurzzeitmissionen. Die Deep Space Penetratoren wogen 3.6 kg, die von Mars 96 46 kg. Doch selbst bei 46 kg Gewicht könnte ein etwa 100 kg schwerer Bus immerhin noch etwa 4-5 dieser Penetratoren zum Mars transportieren. Mehrere diese einfachen Sonden ergäben dann ein Netzwerk über den Planeten mit meteorologischen und geochemischen Informationen von zahlreichen Stellen.

Klingt doch nach einer interessanten Idee oder?

Donnerstag 9.10.2008: Korrekturleser gesucht

... Aber nur für einen kleinen Text. Ich habe nun das Buch korrekturgelesen, werde das aber nach dem Ersetzen von (gefühlten) 100 "man" durch aktive Formulierungen nochmals tun. inzwischen ist das Cover fertig designt und da sich ja unter meinen Bloglesern zahlreiche Leute befinden, die erheblich besser in Orthographie und Formulierungen sind, habe ich die Hoffnung, dass sich vielleicht der eine oder andere den Klappentext ansehen könnte, der auch die Beschreibung in den Buchportalen wie Amazon oder Buch.de oder Libri zu finden ist. Das sollte dazu einladen, das Buch zu kaufen.

Von Overlord habe ich den Untertitel genommen, mit dem Titel bin ich selbst nicht so ganz zufrieden, weil er ja die Abkürzung ATV enthält, andererseits ist "Automated Transfer Vehicle" entschieden zu lang. Overlord sollte sich in den nächsten Tagen bei mir melden, wenn er wegen des Untertitels erwähnt werden will, schließlich gab es das als ausgesetzten Preis.

Das war's ganz kurz auch für heute. Ich muss nun zurück, nochmals 148 Seiten durchlesen. Das (und das Positionieren von Bildern die sich so leicht mit Textänderungen verschieben) hasse ich an dem Buch schreiben, sonst gäbe es sich alle 2-3 Monate ein neues Buch. Ich brauche dafür erheblich länger als für die Recherche und das Schreiben und bekomme trotzdem nicht alle Fehler raus. Nun ja, vielleicht wird ja mal ein Verlag auf mich aufmerksam und dieses Geschäft erledigt ein professioneller Lektor :-)

Freitag 10.10.2008: Es ist vollbracht....

Ja das ATV Buch ist auf dem Weg. So in etwa 4 Wochen wird es lieferbar sein. Ich bin ganz froh, dass es nun erledigt ist. Die letzten 2½ Monate habe ich mich nur damit beschäftigt. Kundige der deutschen Sprache wie Daniel werden wahrscheinlich obwohl ich es 2 mal ganz und noch etwas öfters teilweise korrekturgelesen habe immer noch Fehler finden. Aber das ist nun mal so wenn es im Eigenverlag entsteht.

Die Frage ist ob es anders möglich wäre: Schließlich halte ich das Thema nicht gerade für eines, das für so riesige Auflagen gut ist, und ich wende mich ja an Leute mit einer gewissen Vorbildung. Das grenzt den Kreis der möglichen Leser weiter ein. Ein Lektor und ein Verlag wird sich wohl erst finden, wenn ich so was mache wie "50 Jahre NASA auf 50" Seiten oder "Planetenforschung in Farbbildern".

Ich habe die Hoffnung dass es vielleicht ein paar Leser findet, denen fundierte Informationen wichtiger sind und die über den einen oder anderen sprachlichen Schnitzer hinwegsehen können. Leider ist ja heute in dem Sinne kein gutes Raumfahrtbuch mehr auf dem Markt. Also ein Buch, dass weder gedacht ist als Lehrbuch für Studenten noch eines das eben nur eine Einführung macht, sondern eines das ein Thema erschöpfend behandelt. Wenn ich da zurückdenke, dann komme ich schon an das Ende der siebziger Jahre / Anfang der achtziger Jahre und Autoren wie Bruno Stanek, Werner Büdeler und vor allem Horst W. Köhler (nicht zu verwechseln mit unserem Bundespräsidenten), dessen Buch (eigentlich für Jugendliche gedacht 100 x Raumfahrt) ich immer noch für das Buch halte, an dem man kompakt am meisten über das Thema erfährt.

Jetzt habe ich erst mal genug und die Trägerraketen werden wohl warten müssen bis Weihnachten, dann habe ich auch wieder mehr Zeit, denn nun hat ja das Semester angefangen und die Professoren sind aus ihrem 3 monatigen Sommerurlaub zurück. Diese Woche ging es schon los mit den Anrufen für die persönliche 24 Stundenhotline wie ich es nenne (kurzum ich muss mich in allem  auskennen, egal ob plötzlich das große "Y" nicht mehr geht (Tastendruck von Truecrypt abgefangen) oder das Notebook Tastatur und Maus ignoriert (Ursache: Stift auf dem Grafiktablett liegen gelassen)).

Vielleicht schiebe ich doch mal ein Buch über Ernährung ein, da tummeln sich ja schon einige auf dem Markt. Meistens mit dem Tenor, "es ist ja alles Gift was man so isst". Ich wurde diese Woche daran erinnert durch eine Mail bei der die Frau empfindlich ist gegen Salizylsäure, Fructose, Backpulver und sogar Jodsalz. (Bei der Kombination würde ich allerdings auf eine andere, tieferliegende Erkrankung tippen).Da gab es auch die Äußerung "Ich es gar keine E-Nummern". Ich schon. Ich würde wahrscheinlich sogar eher 100 g E-101 als 100 g Schokolade essen. (Für die schlauen Blogleser: Warum?)

Das ist eine typische Generationenfrage. Meine Mutter meinte vor ein paar Wochen angesichts der vielen Würmern in unseren Äpfeln, wir sollten Sie nächstes Jahr spritzen. "Früher gab es da E-605, leider heute nicht mehr". Gottseidank, E-605 oder chemisch Parathion ist ein hochgiftiges Insektizid, das seit Jahren verboten ist. Es gehört zur Gattung der Cholinesterasehemmer und hat anders als moderne Insektizide eine hohe Warmblütertoxizität. 10 mg/kg reichen aus um einen Menschen zu töten - Eine Dosis die man auch leicht durch Haut oder Einatmen aufnehmen kann, wenn die Umstände gegen einen sind. Heute gibt es Leute, die Angst haben vor kleinsten Spuren an Rückständen oder harnlosen Lebensmittelzusatzstoffen und eine Generation früher hat man ein hochgiftiges Mittel eingesetzt, nur das die Äpfel wurmfrei sind.

Da es eine Menge von diesen Gesundheitsratgebern gibt, geschrieben von selbst berufenen Experten, Ärzten (die meist auch nicht so viel Ahnung haben) wäre vielleicht einmal einer von einem Lebensmittelchemiker auch nicht schlecht. Okay da gibt es schon meinen Kollegen Udo Pollmer, aber der polarisiert auch sehr.

Aber vielleicht mache ich auch erst mal nichts. ein paar softwarebaustellen habe ich ja auch noch. So wollte ich seit längerem mal meinen Planetensonden Bilder Konverter so anpassen, dass er das Bildformat der PDS Dateien automatisch erkennt und ich da nicht für jede Raumsonde eine eigene Routine programmieren muss. Jetzt anstehend wären ja neue Formate für die MER, MRO, Venus Express und Mars Express.

Ansonsten danke ich nochmals allen Bloglesern die mir geholfen haben, sei es mit Korrekturvorschlägen oder Titelvorschlägen und schicke euch in ein ruhiges Wochenende - Nach den Statistiken schwankt der Zugriff auf den Blog extrem stark über die Woche, viel stärker als bei der Website. Er geht an Samstag / Sonntag nahezu auf 0 zurück. Also brauch ich ja auch nix schreiben, wenn's keiner liest....

Da gerade im Fernsehen kommt "Die Hitgiganten Cover Versionen". Will ich mal mein Lieblings Cover präsentieren. Die Version von den Pet Shop Boys ist um einiges besser und erfolgreicher als das Original von den Village People. Aber vergleichen sie selbst:

Das Original "Go West" (1979)

Und das Cover von den Neunzigern: (Okay die Kostüme sind genauso bescheuert wie bei den Village People)


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