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Web Log Teil 83 : 13.10.2008-17.10.2008

Montag 13.10.2008: Der Ostfildener Gemeinderat entscheidet über seine Wiederwahl

So könnte es am 22.10.2008 kommen. Ich habe ja schon darüber berichtet, dass das Ruiter Hallenbad zum 31.10. schließen muss. Es wurde mehr als 3 Jahre lang von einem privaten Verein betrieben, mit einem Viertel der Kosten, welche die Stadt Ostfildern für ihr eigenes Hallenbad aufwendet. Zieht man die Pacht, welche die Stadt selbst bekommt ab, so sind es sogar nur ein Siebtel. Eigentlich sind das Gründe genug, das Hallenbad weiter zu betreiben. Die Stadt müsste nur einen kleinen Zuschuss leisten, wenig im Vergleich zu ihrem eigenen Hallenbad, mit unattraktiven Besucherzeiten und viel geringeren Besucherzahlen.

Geld wäre da: 7.9 Millionen kostet uns die Renovierung der Stadthalle. 5.4 Millionen Einnahmen-Überschuss weist der aktuelle Haushalt aus. Logisch zu begründen ist dieser Schritt also nicht. Nun hat der Gemeinderat am 22.10. über eine kostenneutrale Entscheidung zu befinden: Der Vorschlag: Der Hallenbad Förderverein Verein Ruit betreibt auch das Hallenbad in Nellingen. Da für private Bäder andere gesetzliche Regelungen, gelten als für öffentliche, braucht man so weniger Personal. Ruit wird mit 3-4 Personen betrieben, Nellingen bei kürzeren Öffnungszeiten mit 9. Daher würden alleine die eingesparten Personalkosten ausreichen, um beide Bäder zu betreiben.

Doch unser Gemeinderat will nicht. Wenn es nur um die Finanzen ginge, dann ist das nicht zu erklären. Die offizielle Begründung sind eventuelle Reparaturkosten die anstehen könnten (könnten weil es derzeit keine gibt und die Heizung erst erneuert wurde). Nun ja, die Stadt hat, seit es 1974 gebaut wurde, nichts investiert. Andererseits gibt es ja Geld für eine Kindertagesstätte, die nach der Schließung am gleichen Platz entstehen soll.

Ich habe in den letzten Wochen mit vielen Bürgern gesprochen. Egal ob sie ins Hallenbad gehen oder nicht. Der Unmut ist enorm. Man erinnert sich daran, dass der Gemeinderat schon einmal das Bad schließen wollte - vor 4 Jahren und ihn nur ein Bürgerbegehren davon abbrachte, aus dem sich dann der Hallenbad Förderverein bildete. Es fallen den Leuten dann Dinge auf, wie Löcher in der Straße die seit Jahren nicht repariert werden, Buckelpisten durch etliche Gas und Wasserleitungsreparaturen, wo ein neuer Belag hätte hin gehört, oder dass bei uns Schulen zumachen und im Scharnhauser Park neue aufmachen. Muss ich erwähnen, dass auch das Ruiter Rathaus praktisch leer ist? Der Tenor ist, dass es offensichtlich nicht um das Hallenbad geht sondern die gesamte Stadtentwicklung und nur Aufrechterhaltung des Zustands nur noch in 2 Stadtteilen stattfindet: Nellingen und dem Scharnhauser Park.

Der Unmut speziell gegen die Ruiter Gemeinderäte ist groß. Gerade von Ihnen hatten sich die Ruiter Bürger Unterstützung erhofft. Die Meinung die ich in den Gesprächen mitbekommen habe ist, dass man bei den bald anstehenden Kommunalwahlen jeden anderen Kandidaten wählen wird, nur keinen der derzeit im Stadtrat ist. Auch von Kemnat dürften sie sich nicht so viele Stimmen erhoffen, schließlich haben sie auch dort das Hallenbad zugemacht. Nun wird es von Vereinen betrieben und ist für die Öffentlichkeit nur einen Tag in der Woche geöffnet - Viele der Besucher des Ruiter Bads kommen aus Kemnat.

So kann gut sein dass am 22.10.2008 der Gemeinderat darüber abstimmen wird, ob man ihn wiederwählt. Eigentlich verwunderlich, dass Politiker so an der Bevölkerung vorbei regieren können. Haben Sie nicht schon bei der OB Wahl vor einigen Jahren gemerkt, dass sie nicht mehr im Sinne der Allgemeinheit handeln? Alle Fraktionen haben damals unseren Finanz-Bürgermeister als Kandidaten über den Busch gelobt. Anzeigen für ihn geschaltet. Selbst die SPD Fraktion (unser derzeitiger OB gehört der SPD an). Und dann gewinnt von 4 Kandidaten Christof Bolay von Schorndorf, den hier niemand vorher kannte. Also mir würde das zu denken geben. Aber ich denke auch mal über mein Verhalten nach. Gerade das letzte vermisse ich ja bei unseren Volksvertretern....

Dienstag 14.10.2008: Ein Flug zur ISS kostet 2 Milliarden Dollar

Diese Summe erhält man, wenn die Zahlen der NASA aus einem Bericht an den Kongress nimmt:

"NASA has not provided a cost estimate for the Vision as a whole. Its 2005 implementation plan estimates that returning astronauts to the Moon will
cost $104 billion, not including the cost of robotic precursor missions, and that using Orion to service the ISS will cost an additional $20 billion"

Da 10 bemannte Flüge geplant sind, macht dies 2 Milliarden Dollar pro Flug. Ist die Kapsel wirklich so teuer? Ja und Nein. Nein, weil natürlich diese 20 Milliarden nicht nur die Startkosten für die 10 Flüge umfassen. Die Orion Kapsel für einen ISS Flug unterscheidet sich von der Mission zum Mond. Sie soll mehr Astronauten transportieren, länger im All bleiben und noch Fracht transportieren. Dafür benötigt sie weder ein großes Triebwerk, noch größere Treibstoffvorräte. Das Lebenserhaltungssystem muss mehr Personen, aber für einen kürzeren Zeitraum versorgen. Das alles sind Änderungen die Geld kosten.

Ja, weil ein bemanntes Raumfahrzeug immer teurer wird als ein unbemanntes. Im Westen ist es schwer hier Vergleiche zu ziehen, weil Apollo als letztes Projekt mit einer Kapsel schon lange her ist. Doch es gibt ja das ATV. Ein Vorschlag ist zuerst das ICC durch eine Rückkehrkapsel zu ersetzen um Fracht zur Erde zurückzubringen. Kosten: Etwa 0.8-1 Mrd. Euro. Der nächste Schritt wäre dann der Umbau dieser, für den Transport von bis zu 5 Astronauten. Das würde 2-3 Milliarden Euro kosten. Die bemannte Variante ist also 3 mal teurer. Wenn dies auch bei der Fertigung gilt, dann müsste ein bemannter Transporter auf ATV Basis mindestens etwa 700 Millionen Euro kosten. Dazu kommen die Startkosten. eine "man rated" Ariane 5 dürfte auch etwas teurer sein. Rechnet man hier mit 150 Millionen Euro, so kommt man auf 850 Millionen Euro oder 1.2 Milliarden Dollar. Das ist dann schon nahe den Kosten für Orion. Nimmt man bei Orion noch einige Arbeiten an der Kapsel dazu und die neue Trägerrakete, die sicher auch nicht billiger wird, als nicht "man rated" Atlas oder Delta Typen, dann sind die 2 Milliarden Dollar pro Flug nicht aus der Luft gegriffen.

Man kann es drehen oder Wenden wie man will: Das Grundproblem bei einer bemannten Mission sind die Sicherheitsanforderungen. Sie verteuern alles enorm. Alle Systeme müssen viel zuverlässiger sein als in einem unbemannten Raumfahrzeug. Das schlägt sich in den Kosten nieder. Man sieht es aber auch daran, dass die NASA die Ares I entwickelt - Geeignet wäre auch eine prognostizierte Atlas V Heavy Variante oder eine Delta IV Heavy. Träger die heute zur Verfügung stehen oder schnell zu entwickeln wären. Aber sie erscheinen nicht sicher genug.

Das ist eines der Probleme welche die NASA heute hat. Die Bevölkerung toleriert heute keine Todesopfer mehr unter Astronauten. Aber Raumfahrttechnik hat nun mal nicht die Zuverlässigkeit wie ein Flugzeug. Selbst bei seit Jahrzehnten eingeführten Trägerraketen geht mal ein Flug schief. Auch bei den Raumfahrzeugen gibt es keine 100 % Zuverlässigkeit. Das ATV hat trotz vierfach redundanten System eine von 95 % vom Start bis zum Verglühen - bei einem bemannten Transport würde man dies nicht tolerieren.

Auf der anderen Seite schicken die USA Soldaten in den Irak mit einer erheblich höheren Wahrscheinlichkeit getötet zu werden, als bei einem Raumflug. Andere riskante Berufe gibt es genug: Stuntmanner, Feuerwehrmänner etc. Es geht nicht um das Risiko selbst. Die Astronauten würden dieses wohl eingehen. Es geht um die Schlagzeilen die es gibt, wenn jemand im All umkommt. An dieser kann die NASA nichts ändern und das ist ihr Verhängnis. Diese Sicherheit um jeden Preis Philosophie ist aber auch ein Ausweichen: Denn noch fliegen die Space Shuttles und denen attestiert ja die NASA nur noch ein LOC Risiko (Loss of Crew) von 1:60 bis 1:80. Viel besser dürften die Sojus Kapseln auch nicht da stehen. Denn auch dort verloren zwei Besatzungen das Leben. Bei bislang 104 Missionen ist das auch ein LOC Risiko von 1:56. Orion soll dagegen eines von über 1:2000 aufweisen. Doch dass zeigt auch das Problem: Es sind Zahlen, statistische Größen die nur das berücksichtigen was man weiß. Vor Columbia hat keiner das Risiko eines Einschlags von Schaumstoffteilen so hoch eingeschätzt wie es dann tatsächlich war. Damals gab es Abschätzungen von 1:300 bis 1:400 für das LOC Risiko beim Space Shuttle. Wenn ich das Risiko total scheue und Unsummen aufwende um die Sicherheit zu erhöhen, dann muss ich mir die Frage gefallen lassen, ob sich der ganze Aufwand per se lohnt.

Das zweite Problem das die NASA hat, wurde schon in einem Kommentar angesprochen: Das Fehlen eines echten Ziels in der bemannten Raumfahrt. Mercury, Gemini und Apollo hatten jeweils ein Ziel: Bei Mercury erst mal jemanden ins All bringen und dann nach und nach die Aufenthaltsdauer zu verlängern. Bei Gemini waren es die Erprobung von EVA Arbeiten und Kopplungen. Bei Apollo war es die Mondlandung und Erkundung. In allen Programmen wurden Raumkapseln nicht eingesetzt, die bestellt waren und nicht mehr benötigt wurden, als die Missionsziele erreicht waren. Für die Berichterstattung waren diese Programme von Vorteil: Jede Mission wurde anspruchsvoller und es gab Fortschritte. Selbst bei Skylab als erster Raumstation galt dies, da wurde die Aufenthaltsdauer länger und die Station wurde repariert. Aber auch dieses Programm war nach 3 Flügen abgeschlossen. Die NASA konnte bei jedem Flug von neuen Rekorden, Erstleistungen oder ähnlichem berichten - und darum kommt es ja bei bemannten Missionen an.

Mit dem Space Shuttle begann die Misere: Das Space Shuttle hat keine Mission. Es ist ein Transporter. Es gibt über einen Satellitentransport eigentlich nichts zu berichten und einen Spacelab Flug kann man auch nicht vom anderen unterscheiden. Das gilt auch für die ISS: Es wird auf dieser geforscht - na und das reist keinen mehr vom Hocker. Es fehlt die Weiterentwicklung.

Daher ist vom publizistischen Standpunkt aus die Orion/Altair Linie nicht so dumm. Jede Mission bis zu einer Mondbasis wird neues bringen und damit mehr Schlagzeilen. Das ganze könnte die NASA aber auch billiger haben - mit Raumsonden. Wenn ich mir mal die Schlagzeilen in den Nachrichten anschaue, dann wurden die immer von den Raumsonden geliefert. Wenn es um bemannte Raumfahrt ging dann nur als Notiz so nach dem Motto "Heute startete von Baikonur aus eine neue Besatzung zur ISS mit an Bord ist auch der Weltraumtorist XY".

Ist daran etwas zu ändern? Ich glaube nicht. Es ist aber auch normal. Bemannte Raumfahrt ist ein Selbstzweck. Es gibt keine wissenschaftliche Disziplin, die einen Menschen zum Durchführen der Experimente braucht. Es geht nur um Prestige. Es geht darum zu zeigen "Wir können das machen" oder "wir können es uns leisten das zu machen". Das ist auch im wesentlichen der Antrieb von China. Auch Russland sonnt sich in dem Bewusstsein an der ISS beteiligt zu sein und nun auch noch eine vitale Rolle einzunehmen. Aber die USA, die ja sowieso in Technologie und Forschung führend sind, haben es nicht nötig sich über die bemannte Raumfahrt zu definieren. Hier geht es wohl mehr darum zu zeigen wie viel Geld man dafür aufwenden kann.

Zuletzt: Würde sich daran viel ändern, wenn die Kapsel wiederverwendbar ist? Nein. Sicher kann man die Kapsel selbst wieder verwenden. Den Hitzeschutzschild abtragen und erneuern. Fallschirme erneuern und Flüssigkeiten und Vorräte ergänzen. Doch die Kapsel ist ja nur der Teil in der die Astronauten leben. Bei allen Raumschiffen befindet sich das Lebenserhaltungssystem, der Antrieb, die Stromversorgung, kurzum der komplexeste Teil des Raumschiffs in dem Versorgungsteil. Die Kapsel selbst ist nur der Wohnraum für die Astronauten mit minimalen Systemen, die nur für den kurzen Zeit des Wiedereintritts benutzt werden. Bei Orion wiegt die Kapsel 7.3 t - von 22.7 t Gesamtmasse beim Start. Das zeigt recht deutlich, dass man so nicht die Kosten stark reduzieren kann. Es kann durchaus sein, dass es so läuft wie beim Space Shuttle - Das die nötigen Inspektionen und Wartungsarbeiten (schließlich muss die Kapsel nach dem Flug mit etlichen Belastungen immer noch sicher sein) dann teurer werden als eine neue Kapsel.

Mittwoch: 15.10.2008: "Weils einfach Pflicht ist"

... so endet der aktuelle Werbespot der GEZ. Wie der letzte wendet er sich vor allem an jugendliches Publikum. Vielleicht aus dem Grund, dass man nicht dran denkt den Fernseher oder das Radio anzumelden wenn man das erste Geld verdient. Nur habe ich meine Zweifel, dass man Jugendlichen mit dem Argument "Weils einfach Pflicht" ist kommen kann. Schlussendlich war es schon immer so, dass die Jugend rebellieren wollte und mit Pflicht kann man da kaum jemanden kommen.

Ich habe nichts gegen die GEZ und auch nicht gegen die Gebühren. Ich mag allerdings das Gebären der GEZ nicht, die Leute als Kriminelle darstellt, nur weil sie keine GEZ Gebühren zahlen. ABER: Dann sollte man mit diesen Gebühren auch gutes Programm machen. Daher meine Forderung an die Fernsehanstalten:

  1. Macht Qualität statt Quantität. Ich verstehe z.B. nicht warum es neben ARD, ZDF und den Dritten noch so viele Spartensender geben muss wie ZDF Info, ZDF Doku, Einsfestival, Einsplus und was es noch so alles gibt. Es reicht ein Nachrichtenkanal - hier gibt es schon Phoenix - und ein Kultur/Dokukanal - hier gibt es schon 3Sat. Auch bei den Landesrundfunkanstalten kann man ohne Problem entmisten. Der Saarländische Rundfunk und Radio Bremen sind winzig und könnten an den HR und NDR angegliedert werden. Genauso könnte man RBB und MDR fusionieren.
  2. Sucht nach anderen Finanzierungsquellen: Hier sind die Politiker gefordert: Hebt das Werbeverbot nach 20:00 auf. Gerade zur Hauptsendezeit darf keine Werbung ausgestrahlt werden. Nicht dass ich Werbung liebe, aber in Maßen ist sie nicht schlecht. Gibt einem die Gelegenheit aufs Klo zu gehen, Mails zu checken oder die Blumen zu gießen. Solange es zeitlich im Rahmen bleibt, Spielfilme nicht unterbrochen werden und nicht diese Unsitte einreist plötzlich einen 30 Sekunden Spot einzublenden, der so kurz ist, dass man nicht aufstehen (soll) finde ich Werbung als notwendiges Übel um Gelder zu bekommen nicht schlecht. Was mich nervt: Die Vorankündigungen von Sendungen in Spots gibt es ja schon und da verdienen sie ja nichts dran
  3. Investiert in vernünftige Technik: Alle Fernseher die nun verkauft werden sind Flachbildfernseher. Die meisten können mindestens 720p und ich wette in einem Jahr wird es fast nur noch 1080i Fernseher geben, Wann findet HDTV im öffentlich rechtlichen statt?  Frühestens ab Februar 2010 zur Winterolympiade. und dann nur in 720p. Meine Vorstellung: Zieht das vor, macht es in 1080i und stellt auch gleich die DVB-T Übertragung um. Wenn man gleich dabei sind, könnte man auch endlich mal den digitalen Hörfunk einführen, der seit Jahren einen Dornröschenschlaf schläft.
  4. Macht Mediatheken die Sinn machen: Nach der Werbung soll ich mir da das ganze Fernsehprogramm online anschauen können. Doch wie? In kleinen Häppchen, einige Minuten lang, nur als Streaming verfügbar. Eine Sendung anhalten und später an dem Punkt wiederaufnehmen ohne den Inhalt vorher abzurufen scheitert beim ZDF reproduzierbar. Ansonsten soll ich Briefmarkengroße kleine Clips ansehen. Das ist nicht das was ich will. Okay, es gibt bei manchen Sendungen den fall, dass ich nur ein Thema ansehen will. Aber im Normallfall will ich die ganze Sendung ansehen, ohne Störungen und im vollen Format. Fernsehen ist Fernsehen und nicht Internet. Wenn mich was interessiert zoome ich es auf meinen 24" Bildschirm auf und lege mich gemütlich ins Bett. Das geht bei dem Angebot von ARD und ZDF nicht. Also stellt entweder die ganzen Sendungen zum Download zur Verfügung in PAL Auflösung und einem normalen Format wie MPEG4 oder lasst es. Fernsehen ist nicht YouTube.
  5. Ach ja und macht auch besseres Fernsehen anstatt dem Privatfernsehen alles nachzumachen wie Daily Soaps oder Lifestyle Fernsehen. Seit dem Eklat weil Marcel Reich-Ranicki seinen Preis am Sonntag nicht annehmen wollte weiß ich dass das ja auch inzwischen Prominente so sehen. Im Radio haben sie dann einige Promis aus dem Publikum gefragt und - Überraschung, Überraschung - Ingolf Lück meinte auch dass das Fernsehen in den letzten Jahren immer mieser wurde. Dabei steht gerade er am anfang einer der Fehlentwicklungen. Die Wochenshow war ja noch eine der frühen Comedy Sendungen. Inzwischen läuft am Freitag, Samstag und Sonntag Abend auf RTL und SAT1 ja nur noch so Comedy. Die Comedians kann man ja gar nicht mehr alle zählen. Das ist ja eine Symptomatik des heutigen Fernsehens: Hat irgendein Format Erfolg, dann machen es alle so lange nach bis der Zuschauer davon genug hat. Das war bei Comedy so. Nun läuft gerade die Gerichtsmedizin Welle und ich wage zu prognostizieren, dass die "Mystikwelle" wie Galileo Mystery, Supernatural etc. noch wesentlich mehr Sendungen gebären wird. Macht besseres Programm und keine Dauerberieselung. Dazu gehört auch dass man gute Sendungen wie z.B. "Berlin, Berlin" oder "Türkisch für Anfänger" nicht jeden Tag ausstrahlt, sondern einmal pro Woche.

Also macht was am Programm, "Weils einfach Pflicht ist", wenn ihr schon dafür Geld bekommt. Mal was anderes: Durch Mails in den letzten Wochen habe ich erst festgestellt, das mein Blog international gelesen wird: Zu bieten habe ich Spanien, Belgien und Australien. Gibt es noch mehr ausländische Leser?

Ansonsten: Mit dem ATV Buch ging es diesmal richtig schnell. Bei BOD wo ich es verlege, finde ich es schon gelistet, aber noch nicht bei Amazon und Co. Wenn es soweit ist findet ihr hier die Links zu den gängigen Portalen.

Donnerstag 16.10.2008: Buch Nummer: Das ATV Jules Verne

Erstaunlich schnell ist es diesmal gegangen. Beim ersten Buch dauerte es noch 4 Wochen, diesmal weniger als eine Woche. Nach knapp 3 Monaten Arbeit ist es nun fertig: Mein zweites Buch. Also nochmal Reklame (ich glaube es kaufen ja eh nur Besucher meiner Website) an dieser Stelle. Es ist für 13.80 Euro erhältlich in jeder Buchhandlung oder Sie leihen es über ihre lokale Bibliothek aus (und fragen dort auch gleich nach dem Gemini Buch). Ansonsten bekommt man es auch online bei Amazon.

ATV BuchDas ATV Jules Verne: Von der Erde in den Orbit - Europas Weg in eine unabhängige Raumfahrt

Ich bin wirklich gespannt wie es ankommt. Zum einen ist es ja ein aktuelleres Thema, als Gemini, zum anderen auch nicht so massentauglich. Die Lieferzeit beträgt am Anfang 1-2 Wochen. Das wird zumindest bei Amazon dann besser. Das Gemini Buch ist bei Amazon wie andere Bücher sofort lieferbar. Hier bin ich bei 92 verkauften Exemplaren, also nahe an der 100 Exemplare Grenze, die ich mir vorgenommen habe. Ein echter Buchautor würde über diesen Anspruch wohl nur lächeln, aber es ist ja mehr ein Hobby zur Selbstverwirklichung denn Einkommensquelle.

An dieser Stelle nochmals vielen Dank für Hilfe bei der Korrektur des Klappentexts und der Untertitel - ich habe ihn aus Vorschlägen von Overlord und tp1024 zusammengesetzt. Bei Overlord konnte ich den echten Namen noch rechtzeitig ermitteln und in die Widmung aufnehmen, bei tp1024 nicht mehr. Doch ich würde dies beim nächsten Raumfahrt Buch "Europäische Trägerraketen" (Arbeitstitel) nachholen. Vorher wird es aber mein erstes Buch über Lebensmittelinhaltsstoffe geben.

Auch hier ein Aufruf: Ein Teil des Buchs wird eine Erklärung des Inhaltsverzeichnisses von Lebensmitteln sein. Wer also etwas interessantes meint gefunden zu haben, möchte mir doch ein Foto oder einen Scan der Verpackung schicken (nicht nur das Inhaltsverzeichnis, sondern auch die Seite die das Produkt anpreist) und eine kleine Beurteilung des Geschmacks Konsistenz oder anderen Auffälligkeiten brauche ich dann noch. Auch hier werden genommene Einsendungen natürlich namentlich erwähnt. Das Buch wird aus 3 Teilen bestehen: Einem Überblick über die gesetzlichen Bestimmungen für die Kennzeichnung von Lebensmitteln (Lebensmittelrecht für Dummies) dann eine Übersicht über die Zusatzstoffe und zuletzt einen Teil mit Beschreibungen im Stile von "Was ist drin". Da suche ich neue Lebensmittel, die da noch nicht drin sind. Eines werde ich heute aufnehmen: Einen Weisskrautsalat mit 12 % Zucker... Und ich wunderte mich schon warum Kraut neuerdings so energiereich ist. :-(

Mein Kontaktseite für Einsendungen. Fotos können durchaus groß sein. Mein Postfach wird nicht so schnell voll.

Donnerstag 16.10.2008: Am falschen Ende gespart

Beim letzten ESA Konzil 2005 hat der Ministerrat beschlossen die ESC-B Entwicklung einzustellen. Nicht abzubrechen, aber einzufrieren. Die 400 Millionen Euro, welche diese umfassen sollte flossen in einen Rettungsplan für die Ariane 5. Das war für Politiker die einfachste Lösung: Es muss kein Geld investiert werden und man greift eben einfach auf Gelder zurück die für Investitionen anstehen. Nun gibt es die Quittung:

Da die ESC-A ist nicht wiederzündbar. Das bedeutet, dass selbst wenn Exomars und BepiColombo weit unter der Maximalnutzlast einer Ariane 5 liegen, kann keine zweite Nutzlast mitgeführt werden. Die Ariane 5 ES hat zwar eine wiederzündbare Oberstufe, doch ihre Nutzlast ist klein. Die wiederzündbare ESC-B hätte es erlaubt einen größeren geostationären Satellit mitführen können, der dann den größten Teil der Startkosten übernommen hätte.

Da jeder Ariane 5 Start 130 Millionen Euro kostet, im Vergleich zu 50 Millionen Dollar bei einer Sojus bedeuten alleine diese beiden Starts Mehrkosten von etwa 160 Millionen Euro. Das ist schon ein Drittel von dem was man eingespart hat. Doch es kommt noch besser: Bis 2013 sind vier ATV Starts geplant mit 7.667 t Fracht zur ISS bei 20.75 t Gesamtgewicht des ATV. Da die ESC-B 23 t zur ISS bringt und die 2.225 t mehr etwa 2 t mehr Nutzlast entsprechen bedeutet dies, dass die vier Starts auf der Ariane 5 ES nahezu 3 Starts auf der Ariane 5 ESC-B entsprechen. Bei 330 Millionen Euro pro Flug kann also ein Flug eingespart werden. Schon sind wir bei 490 Millionen Euro, die man durch die ESC-B eingespart hätte.

Da haben die Politiker doch wirklich wieder gut gespart oder? Schade dass die ESA keine Bank ist, dann hätte sie sich ein paar Milliarden bekommen....

Freitag 17.10.2008: Die Crux mit der Wiederverwendung

Warum gibt es heute noch keine wiederverwendbare Rakete? Sind die Startkosten doch immer noch hoch und Wiederverwendung könnte sie doch entscheidend senken. Die einzigen die es versuchen sind (neben dem Space Shuttle) sind zwei Startups. Kistler, nun Kistler-Rocketplane wollte beide Stufen bergen und ist bankrott gegangen vor dem ersten Start und bei SpaceX hat es in 4 Versuchen noch nicht geklappt, obwohl dort nur die erste Stufe geborgen werden sollte.

Ich will mal erklären, warum es so problematisch ist. Nehmen wir mal eine normale Rakete und zwar, damit es etwas einfacher ist, eine zweistufige. Um einen Orbit zu erreichen, muss man etwa eine Geschwindigkeit von 9500 m/s erreichen. Das ist mehr als die 7800 m/s im Orbit und umfasst auch Hubarbeit, Luftwiederstand, Steuerungsaufwand etc. Die Geschwindigkeit einer Stufe ist berechenbar nach der Raketengrundgleichung:

v = vgas * ln (Startgewicht/Gewicht ohne Treibstoff)

vgas ist die Ausstömungsgeschwindigkeit des Gasas an der Düsenmündung. Diese ist abhängig von der Treibstoffkombination und der Triebwerkskonstruktion.

Das Startgewicht ist das Gewicht, dass die Rakete bei der Zündung hat und das Gewicht ohne Treibstoff bei Brennschluss. Das ist bei der ersten Stufe z.B. das Leergewicht der ersten Stufe + das Gewicht der zweiten Stufe + die Nutzlast.

ln ist der natürliche Logarithmus zur Basis e = 2,71828182845905 (ln(2,71828182845905)=1)

Wenn ich aus Kostengründen zwei Treibstoffkombinationen wählen muss, z.B. Kerosin/Sauerstoff und Wasserstoff/Sauerstoff, dann sollte ich aufgrund dieser Gleichung die Oberstufe mit der energiereicheren Kombination bestücken.

 Warum?

Nun: Bei gleichem Verhältnis von Start/Leergewicht unterscheiden sich die erreichten Geschwindigkeiten nur durch die Ausströmungsgeschwindigkeit vgas und diese ist bei energiereichen Treibstoffen höher. Also wenn beide Stufen hinsichtlich des Voll/Leergewichtes gleich sind, so spare ich Geld wenn ich die kleinere Stufe mit dem Treibstoff höherer Energie bestücke (der meist auch höhere Fertigungskosten verursacht).

Normalerweise aber müssen Satelliten auch in höheren Bahnen oder sogar auf Fluchtbahnen und diese unterscheiden sich in der Geschwindigkeit. Dann muss die Nutzlast kleiner werden. Für die erste Stufe hat diese kleine Änderung kaum Auswirkungen, weil zum eigenen Leergewicht ja noch die gesamte zweite Stufe kommt. Bei der zweiten Stufe verändert sich dass Voll/Leermasseverhältnis viel stärker. Um nun die gleiche Geschwindigkeit zu erreichen muss sich dieses bei einem niedrigeren Wert für vgas stärker ändern als bei einem höheren. Dafür sorgt die Logarithmus Funktion.

Das ist der Grund warum Wasserstoff in den meisten Oberstufen als Treibstoff benutzt wird. Das ist auch der Grund, warum die Nutzlast der Ariane 5 durch Austausch der EPS zur ESC-A so gravierend ansteigt.

Aus technischer Sicht wird man bei nicht wieder verwendbaren Raketen also die erste Stufe mit dem niedrig energetischen Treibstoff ausstatten. Bei einer wiederverwendbaren Rakete steigt der Aufwand für die Bergung nun rapide an, wenn, je höher die Geschwindigkeit ist. Bei einer Rakete mit flüssigen Treibstoffen will man diese ja möglichst "weich" landen. Idealerweise also wie ein Gleitflugzeug. Eine Bergung nach einer Fallschirmlandung auf dem Meer ist riskanter, einfach weil die Erschütterungen stärker sind und zudem durch den Kontakt mit dem kalten Wasser starker Temperaturstress bei den noch glühenden Teilen der Düse und des Triebwerks auftreten können.

Die erste Stufe hat bei nicht so hoher Abtrennungsgeschwindigkeit noch meist eine Aufstiegsbahn mit geringer horizontaler Geschwindigkeit, da zuerst die Rakete vertikal beschleunigt. Es ist dann möglich nach dem Scheitelpunkt die Stufe zu drehen und nahe des Startplates zu landen. Bei höherer Geschwindigkeit ist die Stufe am Scheitellpunkt ihres Aufstiegs weiter von der Basis entfernt. Ein Gleitflug zu einem Landeplatz in Richtung der Flugbahn wäre möglich - doch existiert ein solcher bei einem Start in Richtung freies Meer? Eine zweite Problematik ist die höhere Geschwindigkeit, die dann auch erheblich höheren Aufwand bedeutet um die Stufe vor der nun stärkeren Reibungshitze zu schützen.

Wir haben also das Paradoxon zu lösen, dass:

Nun die zweite Stufe. Bei dieser wird es noch komplexer. Die Oberstufe erreicht einen Orbit. Beim Wiedereintritt hat man nun zwar die Wahl des Landeorts, aber es muss auch die gesamte Energie abgebaut werden, die ein Raumschiff im Orbit hat. Das erfordert eine dicken Hitzeschutzschild. Es wird Treibstoff benötigt, um die Stufe zu deorbitieren. Dabei sollte die Oberstufe möglichst leicht sein, um die Nutzlast zu maximieren - vor allem für den wichtigsten Orbit, den geostationären Übergangsorbit, der nochmals 2500 m/s mehr Geschwindigkeit erfordert.

Die Frage ist daher ob man die Oberstufe überhaupt deorbitieren sollte, oder der Aufwand die Stufe nur verteuert, aber durch die Nutzlastabnahme, jede Einsparung durch die Bergung zunichte gemacht wird.

So konzentrieren sich heute die Bestrebungen die erste Stufe zu bergen. Entweder durch Modifikation bestehender Stufen, wie der EPC170 oder durch einen neuen Gleiter wie Phoenix. Das erste soll die Startkosten um ein Drittel senken, das zweite halbieren. Trotzdem ist die Entscheidung nicht so leicht. Zum einen ist die Modifikation der bestehenden Stufen billiger und einfacher zu machen als eine Neuentwicklung wie Phoenix und zum zweiten ist Phoenix nur für erdnahe Orbits gedacht. Die im Nutzlastraum platzierte Oberstufe, kann nicht sehr groß sein. Für GTO Starts ist er so kaum geeignet.

Vom operativen Aspekt her hat Russland hier Vorteile: Starts von Baikonur aus führen über fast die gesamte Aufstiegsbahn über russisches Gebiet. Es ist so einfacher die Stufe auf einem Flugplatz weich zu landen. So verwundert es nicht, dass viele Ideen zur Bergung von Stufen auch aus Russland kommen. Man denke hier an die Booster der Energija oder die Baikal Version der Angara. Dummerweise sind die Fertigungskosten in Russland so niedrig, dass sich eine bergung weitaus weniger lohnt als im Westen.


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