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Web Log Teil 84 : 18.10.2008-23.10.2008

Samstag 18.10.1008: Ab zur Demo

... gegen die Schließung des Ruiter Hallenbads. Wie schon an dieser Stelle schon verlautbart will unser Gemeinderat das Bad schließen. Die Abstimmung findet am Mittwoch 22.10.2008 statt. Der Ruiter Hallenbad Förderverein hat zu einer Demonstration am Stadthaus im Scharnhauser Park um 17 Uhr aufgerufen. Ich gehe dahin - Sie auch?

Noch gibt es die Möglichkeit die Gemeinderäte per Mail anzusprechen. Leider haben nicht alle Mail, vor allem in der SPD Fraktion scheint das vollkommen unbekannt zu sein. Hier Die Mails der Gemeinderäte die per Mail erreichbar sind:

Elfi Kolm
E-Mail: eueKolm@gmx.de

Hans Blessing
E-Mail: hans.blessing@t-online.de

Axel Deutsch
E-Mail: deutsch@walterknoll.de

Rose Gehrung
E-Mail: ruw.gehrung@arcor.de

Norbert Simianer
E-Mail: simin@t-online.de

Heinz Vollmer
E-Mail: heinz.vollmer@freenet.de

Theo Hartmann
E-Mail: Theo-Hartmann@freenet.de

Günter Gehrung
E-Mail: sanitaetshaus-gehrung@t-online.de

Petra Hönschel-Gehrung
E-Mail: P.Hoenschel-Gehrung@t-online.de

Dr. Thomas Klein
E-Mail: regthom.klein@gmx.de

Marcel Stick
E-Mail: marcel.stick@web.de

Hans-Joachim Verlei
E-Mail: Hans-Joachim.Verlei@online.de

Birgit Horländer
E-Mail: Birgit.Horlaender@web.de

Stefanie Sekler-Dengler
E-Mail: SeDe@z.zgs.de

Margarete Schick-Häberle
E-Mail: schick-haeberle@web.de

Sonja Abele
E-Mail: ulrichundsonja@t-online.de

Michael Schlecht
E-Mail: micha.schlecht@gmx.de

Oliver Werner
E-Mail: werner.oli@gmail.com

Eberhard Köhler
E-Mail: Eberhardernst@aol.com

Ich empfehle auch jedem Ostfildener Bürger sich zu überlegen ob der Gemeinderat noch seine Interessen vertritt. Das Abstimmungsergebnis über das Bad kann z.B. ein Grund sein sich bei der nächsten Kommunalwahl (die ja schon am 7.6.2009 stattfindet) sich für den einen oder anderen Kandidaten zu entscheiden. Auch das ist eine Möglichkeit die unser demokratischer Staat bietet: Man kann Volksvertreter abwählen, die Politik gegen die Bürger machen. Das haben wir in Ostfildern schon gemacht, als der derzeitige Gemeinderat meinte sein Kandidat wäre der beste für den OB Posten (muss ich erwähnen, dass er gegen das Bad ist und nicht nach der verlorenen Wahl seinen Finanzbürgermeisterposten geräumt hat?). Das haben auch die Bayern vor ein paar Wochen mit der CSU gemacht. Also wenn der Gemeinderat das Bad zu macht, dann wählen wir uns einfach einen neuen. Und ich darf dann schon ankündigen das dies nicht der letzte Kommunalpolitische Blog sein wird. Das wird noch mehr werden, notfalls stelle ich mich selbst zur Wahl.

Sonntag 19.10.2008: Angara oder Dnepr?

Zuerst mal was organisatorisches. Ich habe die Hinweise auf meine Bücher nun gebündelt auf eine Seite und die Links von den Seiten selbst entfernt. Es gibt nun zu jedem Buch auch ein Probekapitel in Form eines PDF's zum Herunterladen. Bei dem Gemini Buch ist es eine Beschreibung der Titan 2 Trägerrakete und beim ATV die Evolution Szenarien der ESA. So müssen potentielle Käufer nicht die Katze im Sack kaufen.

Dann möchte ich mal über eine Idee schreiben: Russland plant ja seit mindestens 10 Jahren, eher noch länger die Angara, die dann Sojus und Proton ersetzen soll und andere Träger wie Dnepr, Rockot und Zenit ebenfalls überflüssig machen soll. Die Zyklon und Kosmos werden ja schon nicht mehr produziert und liegen nur noch in Form einiger übrig gebliebener Exemplare vor.

Die nun (gottseidank) wieder sinkenden Erdölpreise dürften die gut gefüllten russischen Kassen wieder etwas leeren. Trotzdem wird Weltraumforschung schon jetzt auf niedrigem Niveau betrieben: Phobos-Grund wurde trotz chinesischer Beteiligung um zwei Jahre verschoben, die russischen Module für die ISS werden auch laufend auf spätere Termine verschoben und mittlerweile redet man ja nur noch von einem Minimodul, dass man auch mit einer Sojus starten kann.  Es boomt nur die militärische Nutzlast. Russland startet derzeit massiv Nachfolgesatelliten für das Glonass System, das russische Gegenstück zum GPS und eine neue Generation von Radarbeobachtungssatelliten hat ihren Einstand gegeben.

Die Angara lässt dagegen immer noch auf sich warten. doch braucht man sie eigentlich? Nein eigentlich nicht. Selbst wenn man alle Raketen ersetzen wöllte könnte dies auch einfacher geschehen: Durch die Dnepr und die Fregat Oberstufe der Sojus.

Die Dnepr ist nichts anderes als die RS-36 Interkontinentalrakete, die größte jemals gebaute. Heute hat sie eine Maximalnutzlast von 3.8 t, das liegt daran, dass die zweistufige Rakete den originalen MIRV Mechanismus als dritte Stufe einsetzt und der hat eine große Leermasse. Als zweistufige Version ohne diesen MIRV Bus, ausreichend für erdnahe Orbits stiege die Nutzlast auf 4.75 t. Mit der Fregat-Oberstufe der Sojus auf 6.2 t. Damit kann man schon fast die Sojus ersetzen.

Doch zweite Stufe und Fregat wären auch kombinierbar zu einem zweistufigen Träger mit etwa 47 t Startmasse und 800 kg Nutzlast  - genügend für kleine Satelliten.

Flanscht man nun an die Dnepr zwei weitere Oberstufen an und zündet alle 3 gleichzeitig, so erhält man einen Träger für 17 t Nutzlast. Verlängert man die zentrale Stufe soweit, das sie doppelt so lange brennt (also 148 t mehr Treibstoff aufnimmt) - dann hat man einen 2.5 stufigen Träger - so kommt man auf 23 t Nutzlast oder 7.6 t in den GTO Orbit.

Das sind in etwa auch die Daten, welche die Angara aufweist. Weitere Verbesserungen wie 3 oder 4 Booster oder eine verlängerte zweite Stufe oder eine Fregat als dritte Stufe wären dabei noch denkbar für noch größere GTO Nutzlasten. Russland hat insgesamt 308 Raketen stationiert. Etwa 20 davon haben schon als Dnepr ihren Weltraumeinsatz hinter sich. Die restlichen könnte man für Starts nutzen. Mit rund 290 Trägern könnte man über fast ein Jahrzehnt auskommen. In den letzten Jahren fanden maximal 12 Sojus und 8 Proton Starts statt. Dazu braucht man dann rund 36 RS-36 pro Jahr (und hat dann noch etwa 16 zweite Stufen übrig, die man mit der Fregat für kleine Nutzlasten einsetzen kann). So reicht der Vorrat an Interkontinentalraketen etwa 8 Jahre lang.

Wenn die RS-36 dann verschossen ist, dann kann man darüber nachdenken ob man noch einen weiteren Träger braucht. Ergänzt könnte sie ja durch die Rockot werden, die mit 1.9 t Nutzlast die Lücke zwischen 0.8 t und 4.75 t füllen kann.

Version Nutzlast LEO Nutzlast GTO
Dnepr Zweitstufe + Fregat 0.8 t -
Rockot 1.9 t -
Dnepr zweistufig 4.7 t -
Dnepr + Fregat 6.2 t 1.8 t
Dnepr + 2 Booster 17 t 7.6 t
Dnepr verlängert +2 Booster 23.4 t 7.8 t
Dnepr / Fregat + 2 Booster 24.1 t 8.4 t

So hätte man eine Raketenfamilie für einen breiten Nutzlastbereich für die man nichts extra löhnen müsste, man muss nur die schon vorhandenen Träger einsetzen. Aber das ist wohl zu einfach....

Montag 20.10.2008: Die Frage nach dem Leben auf fremden Planeten

Heute bekam ich eine Mail, in der ich gefragt wurde, wie eine Tauchsonde für einen Europa Lander wohl aussehen könnte. Ich habe geantwortet, dass ich nicht glaube, dass dort Leben vorhanden ist. Ich denke da bin ich nicht alleine. Die meisten Biologen und Astronomen sehen es ähnlich. Die Öffentlichkeit bekommt allerdings ein verzerrtes Bild, weil die wenigen die daran glauben sich sehr lautstark zu Wort melden. Die NASA und auch ESA nimmt so etwas natürlich gerne auf, weil man damit Geld für Missionen zu Mars, Europa oder Titan bekommt. Das ist so ein bisschen wie bei den B und C Promis die dauernd im Fernsehen oder der Presse kommen. Hört man genauso viel von echten Stars? (Oder für die Raumfahrtanhänger: Die SpaceX Fans die ebenfalls sehr lautstark sind, wie ich meiner Umfrage entnehme, aber wohl nur eine Minderheit).

Nehmen wir die Fakten die wir von der Erde über die Entstehung des Lebens kennen:

Wir vermuten,  wie die Uratmosphäre aussieht und wenn man diese - in einem Versuch - mit Gestein und Wasser vermischt, elektrischen Entladungen (Blitze) und UV Licht (Sonneneinstrahlung) aussetzt, bilden sich einfache organische Moleküle wie bestimmte Aminosäuren und einige Zuckermoleküle. Es kommt auch zur Bildung von kugelförmigen Sphären in denen diese konzentriert sind.

Dann gibt es eine Lücke von etwa 1 Milliarde Jahre nach Entstehung der Erde bis die ersten Fossilien von Vorläufern von Bakterien auftauchen. Was es dazwischen gibt ist offen. Wer die Stoffwechselkreisläufe selbst der einfachsten Bakterienzelle Bescheid weiss, so muss man sich eingestehen, dass man über den Sprung von "Bildung einfacher Moleküle" bis hin zu "Bildung komplexer Stoffwechselkreisläufe und einfacher Zellen" nichts wissen.

Was danach passierte, das weiß man wahrscheinlich recht gut: Verschiedene Organismen haben bestimmte Funktionen ausgebildet. Manche entwickelten die Fähigkeit Proteine zu kopieren, andere entwickelten den Weg der oxidativen Phosphorylierung, bei der aus organischen Molekülen viel mehr Energie gewonnen wird. Andere entwickelten die Fähigkeit DNA zu kopieren. Die letzten entwickelten die Fähigkeit aus Licht Energie zu gewinnen und so unabhängig von Nahrung in Form von organischen Molekülen und anderen Zellen zu werden.

Nach der Endosymbiontentheorie haben andere Organismen diese gefressen, einige sie nicht verdaut und so lebten sie als Subzellen im Wirtsorganismus weiter. Das war für beide von Vorteil. So entstanden Ribosomen, Mitochondrien. Zellkern, Chloroplasten. Der Rest ist Evolution: Es bildeten sich immer komplexere Lebewesen, dann mehrzellige Lebewesen und die dadurch mögliche Spezialisierung beschleunigte die Evolution noch mehr. Gleichzeitig wurden die Umweltverbindungen soweit verändert, dass das Leben immer größere Bereiche des Planeten in Besitz nehmen konnte.

Heute findet man Leben selbst in der trockensten Wüste Namibias, in Gebirgen in der Antarktis, wo die Temperur nur selten über den Gefrierpunkt steigt. Spezialisierte Lebewesen leben in vulkanischen Quellen bei hoher Temperatur bis zum Siedepunkt des Wassers, in säurehaltigen Gewässern oder Salzseen.

Gerade der letzte Punkt pusht den Optimismus bei vielen Biologen. Sie meinen, dass durch diese starke Anpassungsfähigkeit das Leben überall Fuß fassen kann. Ich bin gegenteiliger Meinung.

Das erste ist einmal, dass wir immer in der Evolution sehen, wie ein Art beginnt ihren Lebensraum auszudehnen. Sich zu spezialisieren. Nehmen wir die Säugetiere, die lange Zeit nur kleine bodenbewohnende Tiere. Inzwischen leben Säugetiere im Meer, fliegen durch die Luft, es gibt sie in Wüstengebieten und der Arktis. Von der Zwergspitzmaus bis zum Elefanten. Warum soll das Leben selbst nicht anders gewesen sein? Die meisten Wissenschaftler nehmen an, dass die Ursprünge des Lebens in einem kleinräumigen, geschützten Bereich liegen, der nur geringen Austausch mit der Umwelt hatte und so die Umweltbedingungen konstant halten konnte. Das "Erobern" der nicht so optimalen Lebensräume hängt auch mit einem Verdrängungswettbewerb statt. Organismen weichen in Lebensräume aus, die ihnen von anderen nicht streitig gemacht werden.

Das wichtigste Argument dagegen, dass Leben so spontan überall entsteht, liegt jedoch im Aufbau desselben. Aus chemischer Sicht hat sich das Leben beschränkt auf etwa 20 Aminosäuren und 4 Bausteine für die DNA und eine Handvoll Zuckermolekülen. Auch in den Stoffwechselkreisläufen findet man immer wieder dieselben Schlüsselmoleküle. Wenn man dagegen sich die "Ursuppe" ansieht, die entsteht, wenn die Uratmosphäre längere Zeit gekocht wird, dann findet man dort viel mehr Moleküle die heute keine Rolle mehr spielen. So gibt es etwa 120 einfache Aminosäuren. Noch wichtiger: Die Organellen, die ja einmal eigene Organismen waren, haben zwar kleinere Unterscheide im Detail, aber ihr genetischer Code und der Aufbau ihrer Proteine unterscheiden sich nicht voneinander.

Das lässt nur einen Schluss zu: Das gesamte Leben entwickelte sich genau einmal auf der Erde, aus einer "Urzelle". Man sollte annehmen, dass wenn die Annahme stimmt, dass sich Leben bildet wenn die Bedingungen stimmen, es mehr als einmal auf der Erde geschehen musste. Schlussendlich ist die Erde groß. Es gibt zahllose Seen, Ozeane und biologische Inseln wie z.B. bei unterirdischen Vulkanschloten. Eine Annahme ist nun, dass die Zelle aus der sich dann alles andere entwickelte, alle anderen aufgefressen hat. Doch ist dies wirklich glaubhaft? Vor allem wenn wir von allen anderen Organismen wissen, dass es nicht so ist? Die Dinosaurier haben die Säugetiere nicht ausgerottet und nach ihrem Untergang gibt es immer noch Reptilien obwohl heute die Säugetiere die meisten Lebensräume als Großtiere dominieren.

Ich denke das Leben entstand genau einmal auf der Erde. Dafür spricht auch die lange Frist von 1 Milliarde Jahre nach Vorliegen der Bedingungen bis zur ersten Zelle. Es war einfach Zufall. Danach entstand es nicht mehr und weitere 300 Millionen Jahre später, findet man schon Fossilien an unterschiedlichen Stellen der Erde. Es hatte sich dann also schon ausgebreitet.

Auf der Erde gab es diese Bedingungen solange sie existiert. Beim Mars gab es sie weniger als 1 Milliarde Jahre lang. Dabei war er immer kälter als die Erde und hatte eine weniger dichte Atmosphäre. Das sind schon mal schlechte Startbedingungen. Europa hat zwar einen Ozean unter dem Eis. Doch woher soll die Energie kommen, damit zuerst Zellen entstehen und dann Leben aufrecht erhalten bleibt? Europa hat anders als die Erde keinen flüssigen Gesteinskern. Der Ozean entsteht durch die Gezeitenwärme von Jupiter. Es gibt aber keine lokale Wärmequelle. UV Strahlung und elektrische Entladungen (die andere chemische Reaktionen ermöglichen als Wärme alleine) gibt es auch nicht. Meine Meinung: Europa hat einen Ozean, aber kein Leben.

Bleibt noch der Titan: Es gibt dort Wasser in Form von Eis, organische Moleküle in Form von Methan und Ethan und dort entsteht durch die solare UV Strahlung auch laufend Aerosole mit komplexen Molekülen, die zum Boden herabregnen. Doch niemals war es dort so warm, dass Leben entstehen könnte. Die Temperatur liegt dort nahe des Punktes, wo Stickstoff und Methan flüssig werden.

Meiner Meinung nach sollte man nicht nach Leben auf anderen Planeten suchen, sondern das auf der Erde erhalten. Da kann ich nicht so viele Bemühungen bei der menschlichen Spezies erkennen. Passend dazu: Exomars ist in massiven Finanzschwierigkeiten. Ursprünglich sollte die Mission 650 Millionen Euro kosten, nun schon 1600. Der Start ist von 2011 über 2013 auf 2016 gerutscht. Nun ist es bei der Ministerratskonferenz über Exomars zu beschließen. Mein Vorschlag: Begraben und die ESC-B wieder aufzulegen und das Geld benutzen um die bisherigen Projekte (BepiColombo ist ebenfalls zu teuer geworden) solide zu finanzieren.

Dienstag 20.10.2008: Von den Wissenschaften

Wie vielleicht der eine oder andere weiß, habe ich zwei Fächer studiert: Einmal Lebensmittelchemie und einmal Softwaretechnik. Ich bin recht vielseitig interessiert, wie man ja auch an meiner Website sieht, die sich auch mit Raumfahrt interessiert. Schon früher habe ich mir Lehrbücher über Ernährungslehre und Biochemie besorgt, Gebiete die nicht zur Lebensmittelchemie gehören, aber doch ganz gut zum Verständnis sind und Vorlesungen in Biochemie, Wasserchemie und Toxikologie besucht.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man die Theorie eines Fachs recht gut aus Lehrbüchern beziehen kann. Die Theorie ist nur ein Teil, dessen was man Wissen muss. Softwaretechnik ohne selbst zu Programmieren, ist weitgehend sinn frei, genauso Chemie ohne Laborpraktika. Aber es gibt Wissenschaften die weitaus mehr Theorie und weitaus weniger Praxis enthalten. Zum Beispiel Geistes- und Wirtschaftswissenschaften. Nun habe ich mir gedacht "Bernd, es wird Zeit was neues zu beginnen" und habe mir ein gut bewertetes und viel gekauftes Lehrbuch über Psychologie gekauft.

Schon nach den ersten Seiten war mir klar, dass zumindest dieses Buch ein "Laberbuch" ist, also eines mit einem geringen Informationsgehalt. Das fängt schon damit an, dass einige Seiten folgen in denen der Leser darüber aufgeklärt wird, wie er das Buch zu lesen hat und was er daraus ziehen kann.

Das ist ein Riesenunterschied zu dein Lehrbüchern über Chemie die ich kenne. Die waren vollgespickt mit Information, die konnte man nicht so einfach mal durchlesen. Gewundert hat es mich dann nicht, als ich durch das Buch erfuhr, dass Psychologie eine Sozialwissenschaft ist. Ich hielt es für einen Zweig der Medizin. Ich habe mein Büro auf einem Stockwerk zusammen mit der Fakultät "Soziale Arbeit Gesundheit und Pflege" also den Sozialwissenschaftlern und bekomme da einiges mit, auch durch Mithören der Unterhaltungen der Studenten im Bus. Mein Eindruck ist dass dies ein Laberfach ist, bei dem der Großteil der Erkenntnisse auf empirischen Wissen, also Erfahrung beruhen. Ich mag solche Fächer nicht, eigentlich haben diese viel mehr mit Handwerk zu tun als mit Wissenschaft. Beim Handwerk werden auch Erfahrungen vermittelt. Eine Wissenschaft besteht bei mir aus Fakten, Theorien und Modellen. Aussagen sind nachprüfbar, Klausurergebnisse nicht von den persönlichen Vorstellungen des Dozenten abhängig. Das schützt einen nicht vor Willkür: Ich erinnere mich noch mit Grauen an meine Vordiplomprüfung in organischer Chemie, als der Professor mich Dinge fragte, die dann erst im Hauptstudium dran kamen und die ich nicht wusste.

Nun ja ich lese mal das Buch durch und sehe ob ich mit meinem Urteil über Psychologie recht behalte. Woran mich das aber erinnerte war die Antipathie die es im Studium zwischen den Physikern und Chemikern. Wir mussten als Chemiker in die Experimentalphysikvorlesung gehen und Übungen besuchen. Diese Vorlesung war für die Physiker gedacht, voller Mathematik, während wir Chemiker kaum Mathematik im Studium hatten. Die Physiker bekamen bei uns zusammen mit Biologen und Geologen eine Extravorlesung: stark abgeschwächt im Anspruchsniveau. Das galt auch für das anorganische Praktikum. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen einige Wochen zusammen mit Physikern dieses zu abzuservieren. Da erkannte man den grundlegenden Unterschied zwischen beiden Fächern und die daraus entstehende Antipathie.

Physik ist eine sehr logische Wissenschaft. Es ist im Prinzip alles berechenbar. Alle physikalischen Theorien führen letztendlich zur Mathematik. Zwar sind physikalische Experimente dafür bekannt, dass sie chronisch schiefgehen, aber das beruht im wesentlichen nur auf den nicht idealen Versuchsbedingungen. Zumindest im Computer ist alles logisch und vollständig berechenbar.

Chemie ist anders. Natürlich gibt es auch hier Gesetze, Theorien, grundsätzliche Reaktionsmechanismen. Doch Chemie hat auch viel mit Gespür zu tun. Chemie ist komplex. Außer im Schulunterricht reagieren nicht A+B zu C+D. Es gibt Nebenreaktionen. Die Produktausbeute liegt bei weit unter 100 %. Auch das Verhalten von Molekülen ist abhängig von ihrer Konfiguration also anderen Gruppen im Molekül. Bis heute kann man einen Wirkstoff nicht berechnen, sondern simuliert im Computer viele Wirkstoffe mit leicht unterschiedlicher Konfiguration, bis man einen ideal gefunden hat.

Die Physiker haben den Analysengang nach einer Kurzvorschrift, bei uns "Kochzettel" durchgeführt, aber ohne jedes Gespür. So wie es eben in der Physik ist: Mach dieses und jenes und du bekommst dieses Ergebnis. Ohne jedes Eingehen auf den Einzelfall. Dazu ein Beispiel: Ein Physiker bekam ein Mineraliengemisch, das Hellblau war. Hellblau, das war eigentlich nur eine Substanz bei den Mineralien: Cobalt(II)chlorid in trockener Form. Die Substanz muss enorme Mengen davon gehabt haben. Ein Chemiker hätte die Probe wohl nie bekommen, weil er sofort ohne jede Analyse schon mal Cobalt als bestimmt angekreuzt hätte.

Also sag ich zu dem Kommilitonen "Du kannst Cobalt schon mal angeben". Doch der glaubt mir nicht (Physiker wissen ja alles besser) und macht eine Vorprobe, die Boraxprobe: Die Substanz wird mit Borax geschmolzen, es entsteht ein Glas und bestimmte Substanzen färben es. Das ist der gleiche Prozess wie bei farbigem Glas oder Glasuren. Kobalt färbt die Perle blau. Bei dem Student war sie schwarz. Also sagt er "Ha von wegen! Kein Kobalt!".  Was war geschehen: Die Probe enthielt so viel Kobalt, dass kein Blau mehr resultierte sondern schwarz. Also nehme ich einen kleinen Krümel, mische es mit viel Borax und erhalte eine wunderschöne, königsblaue Perle.

Das verdeutlicht den Unterschied. Bei Chemie reicht das sklavische Verfolgen von Vorschriften nicht aus. Es gehört Erfahrung, Gespür mit dazu. Oder wie ein Professor sagte: "Ein Chemiker kann ein guter Physiker werden, doch ein Physiker wird nie die Fähigkeiten erwerben, die man als Chemiker braucht". Trotzdem unterscheidet sich Chemie sehr stark von Sozial- oder Geisteswissenschaften. Es ist eine Naturwissenschaft. Ihre Theorien sind verifizierbar. Es sind nicht Vorstellungen wie der Mensch wohl innerlich Dinge verarbeitet oder sein verhalten geprägt wird und die sich von Gelehrten zu Gelehrten unterscheidet. Das unterscheidet Chemie von einer Laberwissenschaft wie Soziologie.

Ich habe nun nach einiger Zeit der Abstinenz wieder Gefallen an Chemie gefunden und scheibe derzeit an meinem dritten Buch, diesmal über Lebensmittelkennzeichnung. 20 Seiten sind schon zu Papier gebracht. Meine Nichte, die Editologie studiert würde das Manuskript durchsehen, weil sie das auch interessiert. Ich hoffe, das sie nicht die einzige ist. Das einzige, womit ich mich schwer tue, ist nach 10 Jahren mich mit den inzwischen einige Male geänderten Gesetzen zu beschäftigen. Das Lebensmittelrecht war schon immer der Teil vom Studium, den ich am unangenehmsten fand. Mal abgesehen davon, dass Juristendeutsch schwer zu lesen ist, gibt es nur einen Rahmen vor. Was wirklich erlaubt und verboten ist, das muss man Kommentaren oder Gerichtsurteilen entnehmen und so sind Unternehmen auch meister an der Grenze des Erlaubten Werbung zu machen, wie z.B. dem verbot der gesundheitsbezogenen Werbung bei vielen Produkten z.B. "aktiven Jogurtkulturen".

Donnerstag 23.10.2008: Der Unterschied zwischen China und Indien

Gestern startete die indische Mondsonde Chandrayaan 1. Es ist die zweite Mondsonde eines Schwellenlandes, nach dem Start von Chang'e-1 zum Mond, fast genau auf den Tag 1 Jahr nach dem Start Chinas Mondsonde am 24.10.2007.So weit so gut. Trotzdem unterscheiden sich beide Sonden dramatisch.

Es gibt über Chandryaan-1 viel mehr Informationen, vor allem aber ist es eine internationale Mission. Zwei Experimente kommen aus den USA, drei aus der ESA. Auch ein technischer Vergleich der beiden Sonden - Leistungen und Anzahl der Experimente verglichen gegen die Startmasse fallen zu Gunsten von Chandrayaan 1 aus. Indien zeigt, dass es technologisch China auf dem Gebiet der Raumfahrt die Stirn bieten kann. Zumindest in diesem Teilgebiet sogar führend ist.

Es bleibt zu hoffen, dass auch die Informationspolitik so bleibt. Obgleich nicht vergleichbar mit der ESA und NASA gibt es von indischen Trägern erheblich mehr Informationen. Überträgt man dies auf Chandrayaan 1 So wird diese Mission sich recht deutlich publizistisch von Chang'e'-1 unterscheiden.

Das interessante daran ist, dass Chinas Raumfahrtpolitik nicht neu ist. Sie erscheint im wesentlichen als eine Kopie der Raumfahrtpolitik der Sowjetunion in den sechzigern.  Bei der Sowjetunion ging es vor allem um propagandistische Wirkung. Das grundsätzliche Problem war, dass die Sowjetunion technologisch hinter den USA hinterherhinkten. So wurden kaum Angaben über die Technik von Raumsonden oder bemannten Missionen veröffentlicht. Auch gab es kaum Ergebnisse von Sonden. Es ging eigentlich nur um das Erreichen einer Erstleistung. Sehr deutlich ist dies am Luna Programm: Zuerst ging es darum hart auf dem Mond aufzuschlagen. Als dies mit Luna 2 gelang, ging man zum nächsten Projekt über: Der Fotografie der Mondrückseite. Als dies mit Luna 3 gelang, stellte man auch dies ein. Danach war das nächste Ziel die weiche Landung auf dem Mond. Das gelang erst nach zahlreichen Fehlversuchen mit Luna 9. Auch dieses Projekt wurde dann eingestellt. Nur einmal wurde noch ein übrig gebliebener Lander gestartet. Das nächste Projekt war ein Mondorbiter. Von dem ist heute eigentlich nur das Abspielen der "Internationale" zu einem Parteitag in Erinnerung. Danach gab es einen Bruch in der Technologie und größere Sonden wurden eingesetzt. Ziel war es mit ein und demselben Sondentypes nun Bodenproben zur Erde zurückzubringen oder durch Ersetzen der Rückstartstufe durch einen Lander ein Mondauto abzusetzen oder den Lander durch einen Orbiter zu ersetzen.

Von allen Sonden gab es nur wenige Nachrichten - Den Start konnte man nicht mehr verheimlichen wenn er zum Mond führte, also bekam jede Sonde eine Luna Nummer. Danach gab es aber nur noch Erfolgsmeldungen. Über die Mission gab es oftmals Stillschweigen, bis es eine Erfolgsmeldung gab. Mehr aber auch nicht. Ähnliche Tendenzen sieht man auch in der Planetenforschung oder dem Saljut/Mir Projekt.

Chang'e-1 startete vor einem Jahr. Nach dem Einschwenken in den Mondorbit gab es 2 Wochen lang einige Bilder und seitdem hört man nichts mehr von der Sonde. Ist sie überhaupt noch aktiv? Beim bemannten Projekt sieht man deutlicher die Tendenz - 1 Mann Mission - 2 Mann Mission - 2 Mann EVA Mission. Es ist also eine Folge von Erstleistungen, die aber für sich alleine gesehen völlig sinn frei sind, denn es wird an Bord von Shenzhou ja nicht geforscht und eine Raumstation ist auch nicht geplant.

Doch die Zeit hat sich geändert: Schon die NASA hat in den sechzigern erkannt, wie wichtig es war der Öffentlichkeit jede nur erdenkliche Information zukommen zu lassen. Offenheit schafft Vertrauen, es befriedigt aber auch die Neugier und schafft Interesse. Aber es klappt auch nur wenn die Öffentlichkeit einen Sinn erkennt. Das ist der Grund warum die ISS in der Kritik ist und auch Bushs Constellation Program. Das wird auch China bald merken. Nämlich wenn die Phase der Ersatzleistungen vorbei sind - viele gibt es ja nicht mehr: 3 Mann Crew, Längerer Aufenthalt, Kopplung von zwei Kapseln. Also so was wie Woschod 2 und die ersten Sojus Flüge. Was dann? China wird neue Antworten liefern müssen.


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