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Web Log Teil 85 : 24.10.2008-6.11.2008

Freitag, 24.10.2008: Griff in die Lostrommel

Heute mal ein Blog mit verschiedenen Themen, auch weil es für einige Zeit der letzte sein wird. Ich gehe nächste Woche in den Urlaub und vor dem 3.11 wird es keinen neuen Blog geben. Das ist immerhin die Gelegenheit die doch langen Blogs von mir mal ausführlicher zu lesen. Fangen wir mit zwei aktuellen Themen an:

Wie ich meinem Amazon Bericht entnehme sollten die ersten 3 Exemplare vom ATV Buch nun auf dem Postweg sein. Ich hoffe es gefällt und ich bin gespannt auf die Kommentare wenn ich aus dem Urlaub zurück komme. Inzwischen hat sich - nach 4 Wochen - auch EADS gemeldet. Zu spät für das ATV Buch, aber ich hoffe auf Unterstützung für das nächste Buch über Trägerraketen.

Das nächste ist die Schließung des Hallenbads, das ja hier auch schon Thema war. Das ganze ist nun vertagt. Der Förderverein hat seinen Vorschlag modifiziert und ist nun in Verhandlungen mit der Stadt. Ich werde das Thema noch mal aufgreifen, wenn man etwas mehr als die Pressenotiz weis, die es jetzt gibt. Aber eines ist mir bei der Beschäftigung mit dem Thema klar geworden: Das in unserer Stadt einiges schief läuft. Das sich die einzelnen Stadtteile sehr unterschiedlich entwickeln und das Freizeitangebot in einigen Teilen abnimmt und in anderen zunimmt war mir schon lange offensichtlich. Doch das unser Gemeinderat so weit von den Bürgerinteressen abgehoben ist, das von 19 persönlich angeschriebenen Gemeinderäten nur zwei antworten und diese zeigten, dass es kein finanzielles Problem ist sondern ein politisches. Der eine versteifte sich auf einen Gemeinderatsbeschluss von 2003, der überhaupt nichts mit der derzeitigen Situation zu tun hat und der andere meint, dass Hallenbäder nur für Vereine und Schulen da sein sollten.

Dann habe ich kürzlich einen Beitrag gesehen: Amerikaner wollen aus Kohlendioxid mittel Sonnenenergie Treibstoff gewinnen. Die Grundlagen dafür sind recht alt, sie stammen noch aus dem 19.ten Jahrhundert: Kohlendioxid wird durch Wasserstoff reduziert zu Methanol. Die Besonderheit ist, dass die mindestens 2 Reaktionen die dazu nötig sind durch Sonnenenergie bewirkt werden und kombiniert werden:

Ein keramisches Material das eine Mischung von Kobalt und Eisen enthält rotiert in einem Ring. Wird es von der Sonne durch Parabolspiegel auf 1500 Grad erhitzt gibt das Eisenoxid seinen Sauerstoff ab und wird zu Eisen reduziert. Das noch heiße Material kommt dann mit Kohlendioxid in Kontakt und da die Eisen-Sauerstoff Bindung stärker als die Von Kohlenstoff zu Eisen ist reduziert es das Kohlendioxid zu Kohlenmonoxid.

Derselbe Reaktor kann dann auch genutzt werden um Wasser zu Wasserstoff zu reduzieren - An dieser Technik scheint großes Interesse zu bestehen und Wasserstoff zu erzeugen. Die Gruppe will nun beide Reaktoren kombinieren: Der erzeugte Wasserstoff kann dann mit dem Kohlenmonoxid reagieren und dies ergibt dann Methanol. Methanol ist als Treibstoffzusatz (durch Umbauten auch als Ersatz) für Benzin geeignet.

 Das es diese Anlage in das Fernsehen geschafft hat ist nicht ungewöhnlich, aber es der wesentlichste Punkt kam nur am Ende: Wie effizient ist das Verfahren? Die Sache mit der Sonne ist ja die: Es gibt massig an Energie. Ein Bruchteil der Einstrahlung der Sonne auf die Wüsten unserer Erde würde ausreichen um unseren globalen Energiebedarf zu decken. Das wird gerne zitiert: Doch für unsere heutigen Probleme hilft uns das nicht. Es geht darum möglichst effizient Energie zu gewinnen. Wenn man mit einem Turmkraftwerk Wasserdampf auf 1500 Grad erhitzt, dann kann man einen großen Teil der Energie ausnützen. Der Thermodynamische Wirkungsgrad wird definiert durch den Quotient zwischen Temperatur des Gases bevor es die Turbinen passiert und der Temperatur am Ende. Da Wasserdampf immer heißer als 100 °C (373 K) sein muss um ein Kondensieren zu vermeiden, kann man so viel Energie herausziehen wie man gewinnen kann bis man 100 °C erreicht. Dagegen muss bei der Bildung von Kohlenmonoxid und Wasser die Reaktionskammer dauernd auf dieser Temperatur halten. Nur ein kleiner Teil der Energie wird also genutzt um die Reaktion durchzuführen. Gasturbinen und Dampfkraftwerke erzeugen aus 1230°C heißem Gas Wirkungsgrade von 50 Prozent. Bei einer Temperatur von 1500 °C im Turm sollte man ähnlich hohe Wirkungsgrade erzeugen. Das ist wahrscheinlich um einiges effizienter als die Erzeugung von Methanol

Das gleiche gilt bei anderen Nutzungen der Sonnenenergie, z.B. über nachwachsende Rohstoffe. Der effizienteste Weg ist es Biomasse einfach zu verbrennen. Doch in den Nachrichten ist meist Biosprit. Dieser kann nur aus Öl oder Alkohol gebildet werden, einem Bruchteil der Biomasse und vor allem ist Öl nicht direkt einsetzbar sondern muss erst umgeestert werden. Das ganze ist viel ineffizienter. Warum kommt es dann so viel öfters in den Nachrichten? Weil wir alle wissen, dass die fossilen Brennstoffe zu Ende gehen und dies sich massiv auf unser Leben auswirken wird. Und wir alle wissen, dass Autofahren eine höchst ineffiziente Fortbewegung ist. Selbst ein VW Golf wiegt heute über eine Tonne und in der Regel fährt eine oder zwei Personen damit. 1200 kg werden bewegt um lächerlich 100-200 kg Nutzlast zu transportieren.  Doch daran hat man sich gewöhnt soweit, dass ich mich nicht  mal getraut habe, dass Argument bei der Diskussion um das Hallenbad zu bringen, dass man ein Hallenbad vor Ort braucht und nicht eines in 3-5 km Entfernung vom Wohnort. Diese Beiträge halten die Illusion aufrecht, wir könnten einfach so weitermachen wie bisher. Wir ersetzen einfach Benzin durch Methanol, Diesel durch Rapsöl. Doch so läuft es nicht. Es gibt nicht die Fläche um die enormen Mengen an Triebstoff herzu stellen die heute verbraucht werden. Schon die geringe Zumischung die heute zum Treibstoff erfolgt geht nur weil in der Dritten Welt Dschungel abgeholzt wird um Zuckerrohr und Olpalmenplantagen anzulegen und in der EU Agrarland zu Land zur Gewinnung von Treibstoff umgewandelt wird - mit den Folgen dass die Nahrungsmittelpreise durch Verknappung steigen. Es geht auch ohne Auto. Wenige wissen das besser als ich, denn ich habe nie eines besessen, weil ich keinen Führerschein habe. Den Fetisch um das Auto und warum andere einen vierstelligen Betrag pro Jahr dafür ausgeben (Alle Kosten, auch Anschaffungskosten zusammengerechnet) ist mir völlig unverständlich.

Aber damit bin ich wohl weitgehend alleine. Zumindest jetzt noch....

Montag 3.11.2008: Pflichten und Steve Jobs

So, nun bin ich zurück aus dem "Arbeitsurlaub" von unserem Ferienhaus in Nesselwang. "Arbeitsurlaub", weil ich zweimal im Jahr hinfahre um nach dem rechten zu sehen und Großputz zu machen. In einer Woche muss die Arbeit gemacht werden, die bei Ihnen in einem halben Jahr anfällt. Das bedeutet Möbelrücken, um den Dreck hinter den Schränken zu finden, Rückschnitt der Sträucher, Bodenlockerung, Unkraut jäten, Terrassen mit dem Hochdruckreiniger bearbeiten. Ich mache dort Dinge, vor denen ich mich daheim drücke, wie das Badezimmer mit der Zahnbürste putzen (um die Fugen sauber zu bekommen) oder die ganze Küche auszuräumen und zu putzen und wieder einzuräumen. Vor allem jetzt im Herbst graut mir davor, denn da ist das Wetter unbeständig und die Stunden in denen es hell ist sind kurz. Trotzdem zeihe ich mein Arbeitsprogramm durch, auch wenn diesmal die Außenarbeiten teilweise bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt erledigt werden mussten. Doch dank MP3 Spieler und warmer Kleidung war das nicht so schlimm. Warum kann ich mich daheim nicht zum gleichen aufraffen? Ist es der fehlende Zeitdruck oder die fehlende Notwendigkeit? Meiner Meinung nach ist es wohl eher die fehlende Ablenkung. Ich verzichte bewusst auf Internet obwohl es in der Verwaltung Rechner und einen WLAN Hotspot gibt. Man findet doch immer einen Grund Mails zu checken, was nachzuschauen etc. und zack sind ein paar Stunden vergangen.

Oftmals wird das Internet als ein großer Zeitfresser betitelt und da ist sicher auch etwas dran. Aber ich nütze die Zeit auch um etwas zu lesen. Dafür bestelle ich mir immer eine Biographie oder so etwas wie Computer-Geschichte/n) für die 7 Stunden Bahnfahrt (hin und zurück). Diesmal Steve Jobs: Und die Erfolgsgeschichte von Apple. Das führt mich zum zweiten Thema. Ich habe schon von Wozniak iWoz. Die Autobiographie des Apple-Erfinders gelesen. Da kam Steve Jobs schon nicht so gut weg, aber Woz hat sich zurückgehalten, z.B. vieles heruntergespielt, wie die bekannte Episode, das Jobs von seinem damaligen Arbeitgeber Atari den Auftrag ergatterte für 1000 Dollar die Elektronik für das Automatenspiel "Breakout" zu entwerfen. Getan hat die Arbeit aber alleine Wozniak, der dafür die Hälfte des Geldes bekommen sollte. Schon alleine damit hat Jobs seinen Freund übervorteilt. Doch es kam noch schlimmer. Anstatt 1000 Dollar sagte er, betrage die Summe nur 600 Dollar. So strich er 700 ein und Woz, der zwei Tage und Nächte durcharbeitete, nur 300. Diesem Buch zufolge soll Woz geweint haben, als er davon hörte, was auch plausibler klingt. Das Buch zeichnet kein gutes Bild von Jobs, aber das scheint nur den Tatsachen zu entsprechen. Zumindest ist die Liste der Referenzen auf die, die Autoren zurückgriffen recht lang. Er liebt es anscheinend auf dem Flur Leute zu konfrontieren mit Fragen wie "Was machen sie für das Geld das ich ihnen bezahle?" und Fahrstühlfahrten sind berüchtigt dafür, dass sie mit einer Entlassung enden, weswegen einige Mitarbeiter von NeXT prinzipiell nur die Treppen benutzten.

Das Buch zeigt recht klar die Fähigkeiten und Schwächen eines Mannes der ein Talent hat aus dem Stehgreif Leute zu überzeugen und ein enormes Verhandlungsgeschick. Allerdings ist er nicht das technische Genie und hat die Schwäche, seine Maßstäbe als für alle verbindend zu erklären. Sein Talent liegt bei der Produktentwicklung wohl in dem Gespür für ein gutes Design und das richtige Look and Feel. Unter diesem Aspekt sind auch seine Erfolge und sein Scheitern verständlich. Der Apple II war erfolgreich, weil er zum einen durch sein Finanzgeschick das Geld auftrieb - eine Bank hätte Wozniak und Jobs, ohne eigenes Kapital wohl nie Geld geliehen und das Gehäuse stammt von ihm. Aber das technische Innenleben,. weswegen die Leute den Apple kauften - war Wozniaks Werk und seine Voraussicht z.B. Zusatzslots einzubauen machten den Computer so erfolgreich.

Bei der LISA scheiterte er dagegen grandios. Die Idee einer grafischen Benutzeroberfläche alleine reichte nicht, wenn die Hardware dafür nicht bezahlbar war. Zum Mac, der von Apple Ingenieuren entwickelt wurde die sich selbst keine LISA leisten konnten kam er nur durch Zufall. Als Jobs das Projekt entdeckte, nahm er es für sich ein: Der Mac sollte so schnuckelig und klein sein wie er es wollte. Dass machte Kompromisse wie den kleinen integrierten Monitor und fehlende Erweiterungsslots nötig. Dies und die fehlende Software für den Rechner machten den Rechner letztendlich zum Flop. Das Buch schreibt viel über die Arbeit bei Pixar und NeXT, ohne dass man viel über die NeXT Rechner erfährt, viel mehr über die Zusammenarbeit mit Disney.

Es verwundert nicht, dass der Erfolg den heute Steve Jobs hat, nichts mit Hardware zu tun hat: Der Grundfehler von Jobs war, dass er obwohl er von Hardware nichts verstand, diese bestimmen wollte. Apple wurde in den letzten 10 Jahren erfolgreich, als sie Dienste anboten wie ihr Musikportal - hier konnte er sein Verhandlungsgeschick einbringen - und sich Jobs nur um die Bedienung kümmerte, den Rest, wie z.B. der Ipod intern arbeitete seinen Mitarbeitern überlies.

Was gibt es noch neues? Ich hoffte nach dem Urlaub eine Rückmeldung zu finden wie mein ATV Buch angekommen ist. Ich hoffe das kommt noch. Ich habe jetzt mal die Bücher, die ich im Bereich Raumfahrt empfehle in einem Amazon Shop gesammelt. Es werden noch einige dazu kommen, ich muss dazu bei mir noch meine Bibliothek durchsehen. Doch sind es im deutschen Bereich meist vergriffene Bücher, die allerdings trotzdem ihre Berechtigung haben, da es im deutschsprachigen Bereich kaum Raumfahrtbücher gibt die man als weiterführende Literatur bezeichnen kann, dann sollte man diese im Antiquariat erwerben. Die Liste umfasst nur empfehlenswerte Bücher die ich auch selbst gelesen habe.

Dienstag 4.11.2008: Wahlen in den USA und Hessen

Heute wählen die USA einen neuen Präsidenten. Nach der Wahl von 2000 gibt es mittlerweile sogar unabhängige Wahlbeobachter, so wie wir es von anderen Wahlen kennen, z.B. in undemokratischen Staaten oder Entwicklungsländern. Nein, wich will mich nicht lustig machen über das US Wahlsystem, das können andere besser. Ich weiß auch, das es illusorisch ist dieses System zu reformieren, zumindest von einem Verhältniswahlrecht (wer mehr Stimmen hat bekommt alle Stimmen eines Bundesstaates) in ein Verhältniswahlrecht (entsprechend des prozentualen Anteils gibt es stimmen für jeden Kandidaten). Aber es gibt einige Punkte die zu verbessern sind. Als erstes staune ich darüber, dass selbst bei dem vorzeitigen Wählen, dass zahlreiche Bürger dieses Wochenende schon getan haben, es lange Schlangen und Wartezeiten von mehreren Stunden gibt. Ich kann mich an mindestens ein Dutzend Bundestag, Landestag und Kommunalwahlen erinnern, und nie musste ich länger als einige Minuten warten. Da ich entsprechende Meldungen schon bei der letzten Wahl gehört habe scheint das ein Dauerärgerniß bei US Wahlen zu sein. Es ist mir unverständlich, dass man 300 Millionen Dollar für den Wahlkampf ausgeben kann, aber offensichtlich nicht genügend für die eigentlichen Wahllokale, zumindest nicht so viel, dass man dort nicht Schlange stehen muss. Und dies trotz des Einsatzes von Wahlhilfen wie Maschinen oder Wahlcomputern bei der Wahl. Dabei wählt nur ein Teil der Bevölkerung, denn dazu muss man sich extra registrieren lassen.

Schon jetzt werden Vorwürfe laut vor allem Bürger die Obama wählen, würden durch die langen Wartezeiten benachteiligt. Haben die USA dies nötig? Offensichtlich nicht, Aber sie tun auch sonst alles um das Wählen möglichst kompliziert und fehleranfällig zu machen. Dazu dient schon der Wahltermin: Der erste Dienstag im November. Es ist kein arbeitsfreier Tag. Es ist Arbeitstag, dass bedeutet doch in der Praxis, dass sich vor Arbeitsbeginn, in der Mittagspause und nach Arbeitsende die Leute zu den Wahllokalen strömen. Warum legt man es nicht wie bei uns auf einen Sonntag? Wenn Maschinen so fehleranfällig sind und teilweise durch Ausfall die Wahl eher verzögern, warum setzt man sie immer noch ein?

Rätsel über Rätsel. Aber vielleicht wollten die USA es so. Nicht umsonst ist es das Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten und des unbegrenzten Irrsinns. Das leitet mich zu meinem nächsten Thema über: Wahlcomputer. Diese sind ja nun Thema des Bundesgerichtshofs. Sollte bei uns mit diesen Maschinen gewählt werden, so werde ich auf Briefwahl umschwenken, denn ich kann nicht Computern trauen. Wählen mit Stimmzetteln und der Urne ist idiotensicher und es ist nachvollziehbar und transparent. Trotzdem haben wir dass Endergebnis nach 3-4 Stunden und eine gute Prognose nach einer stunde - in den USA sind sie eher langsamer. Ein Computer ist viel einfacher zu manipulieren. Ich finde es äußerst befremdlich wenn ein Befürworter der Nedap Computer sagt "Eine Urne kann auch in 30 Sekunden ausgetauscht werden". Kann sie, aber das wird wohl bemerkt werden und wenn, dann ist eine Urne ausgetauscht. Nicht mehr. Ein Computer kann vom Hersteller so manipuliert werden, dass er Wahlergebnisse liefert, die nicht dem Votum entsprechen. Er muss nur per Zufallszahl einen Anteil der Stimmen einer anderen Partei zuschlagen. Damit kann man systematisch ein Votum verändern. Es gäbe praktisch nur eine Kontrollmöglichkeit: Der Computer müsste einen Kontrollausdruck im Klartext liefern und dieser wird in einer Urne gesammelt und danach ausgezählt - doch dann braucht man keine Computer.

Zuletzt noch zu unseren Wahlen. Ich bin erstaunt was sich in Hessen tut. Nach 10 Monaten gibt es endlich nach ewigen Verhandlungen einen Anlauf zur Wahl eines neuen Ministerpräsidenten und nun erst bemerken 3 SPD Abgeordnete, dass sie Ypsilanti nicht wählen wollen. Ich kann verstehen, wenn man gegen diese Koalition ist so wie es Dagmar Metzger, von Anfang ist, aber erst nachdem alles festgeklopft ist und die Probebastimmungen gelaufen sind dann plötzlich eine Kehrtwende zu machen, das ist nicht nachvollziehbar. Es freut sich nun der Verlierer der Wahl. Er hatte ein Viertel der Wähler verloren, sank von einem 19 % Vorsprung ab auf das gleiche Niveau wie die SPD und bleibt trotzdem im Amt, weil sich keine Mehrheit gegen ihn findet.

Sorry, das hat nichts mehr mit Demokratie zu tun. Wenn ihr euch nicht einigen könnt und keinen neuen Ministerpräsident wählen könnt, dann macht Neuwahlen. Immer noch besser las dieses Hick-Hack. Irgendwie will die SPD wohl nicht richtig regieren, denn ist nicht auch Heide Simonis an einem Abweichler in den eigenen Reihen gescheitert?

Mittwoch 5.11.2008: Die USA und die Diktatur des Präsidenten

Nun hat also Amerika, oder besser gesagt, die USA neu gewählt. Wird sich nun viel ändern? Auf jeden Fall die Außenpolitik und Wirtschaftspolitik. Doch das US System hat einen entscheidenden Fehler: Es fehlt an demokratischen Kontrollmechanismen. Wir alle haben uns schon daran gewöhnt, dass bei den Präsidentschaftswahlen der USA Leute gewinnen, die kein politisches Amt inne haben sollten, wie Nixon, der keinerlei moralische Skrupel hatte und neben dem Ausspionieren des politischen Gegners auch darüber diskutierte, Deiche in Nord Vietnam zu bombardieren, oder die Atombombe einzusetzen um den Vietnamkrieg zu beenden.

Ronald Reagan folgte als der erste Präsident der einen Präsident spielte und weniger Politik machte. Er steht für eine Politik des Schulden Machens, einer enormen militärischen Aufrüstung und einem Abbau der Sozialsysteme, gebündelt mit einer weitgehend nicht regulierten Wirtschaft (Wundert es dass es schon 1987 einen kleinen  Crash gab?).

Und nun George W. Bush, von dessen mangelnden Fähigkeiten man schon vor der ersten Wahl Bescheid wusste. Die US Amerikaner haben trotz des komplexen Systems von Vorwahlen, um den Kandidaten zu bestimmen, die bemerkenswerte Fähigkeit immer den ungeeignetsten zu wählen. Ich habe mal davon gehört, dass US Bürger niemals gerne jemand wählen, der intelligent ist und ein tiefes Misstrauen haben, dass dieser sie betrügen könnte. Das wäre eine einfache Erklärung dieser Tatsache.

Viel schlimmer ist jedoch bei der Machtfülle, die der Präsident inne hat, dass es keine Kontrolle gibt. De Fakto haben die USA zwar zwei Kammern, den Senat und den Kongress, doch in kritischen Entscheidungen sind diese praktisch gelichgeschaltet. Sei es bei der Abstimmung für den Irak Krieg oder vor 40 Jahren bei der Tonkin Resolution, die zum Beginn des Vietnamkriegs führte. Auch damals stimmten Kongress und Senat mit nur zwei Gegenstimmen für den Krieg, obwohl der Zwischenfall nur inszeniert war. Das erinnert fatal an den Irakkrieg. Es hinterfragt in den USA kein Politiker die Angaben des Weisen Hauses, und Kritik wird als unpatriotisch - der Patriotismus ist in den USA wohl wichtiger als Verstand - abgetan. Ein Totschlagsargument, mit dem man dort alle zum Schweigen bringen kann.

Ist erst einmal der Krieg begonnen, so findet sich auch keiner der aussteigen will, denn das sieht ja so aus, als würde man den Krieg verlieren. Selbst nachdem alle wissen, dass es ein Fehler war oder man den Krieg nicht gewinnen kann.

Noch schlimmer ist, dass die Medien noch unkritischer sind. Früher waren die USA stolz darauf, kritische Medien zu haben. Man denke an die Aufdeckung des Watergate Skandals durch Reporter der Washington Post. Heute sind sie weitgehend linientreu. Der Irakkrieg war hier ein gutes Beispiel: Schon vor dem Krieg waren die TV Sender eigentlich nur Sprachrohr des Weißen Hauses. Dort wurde einfach behauptet, der Irak hätte Massenvernichtungswaffen und ohne irgendwelche Beweise, wurde das geglaubt. Es wurde nicht mal nach Beweisen gefragt. Am deutlichsten wurde das bei der Beurteilung der Vorstellung von Powell in der Uno: Während man sich hier fragte, was irgendwelche Computergrafiken mit Massenvernichtungswaffen zu tun haben (ich kann auch ein paar Grafiken von Raketen und anderem erstellen) und warum die Experten der UN vor Ort nichts finden, überschlugen sich die US Medien angesichts der "Flut von Details".

Es folgten dann eingebettete Journalisten, die immer nur die Sicht der US Truppen zeigten, nie das Leid der irakischen Bevölkerung. Das war eine völlig einseitige Berichtserstattung die sich nicht mehr so stark von der in totalitären Regimen unterscheidet. Dass 90 % der Toten im Irakkrieg Zivilisten waren und diese "präzisen Waffen" vor allem zivile Gebäude trafen, es also ein Krieg gegen die Bevölkerung des Iraks war die man ja angeblich befreien wollte, das entging den US Medien komplett.

Als der Krieg dann nicht so gut lief, dann plötzlich kamen die kritischen Stimmen, doch dann war es zu spät. Wo steht Amerika heute? Es ist isoliert in der Welt. Seine Wirtschaftspolitik hat einen Kollaps der weltweiten Märkte verursacht. Die Europäischen Verbündeten hat man brüskier,t indem man deutlich machte, dass man auf ihre Meinung einen Kehricht gibt und Russland ist aufgebracht wegen der Stationierung des Raketenschutzschildes direkt vor der Haustür - Ein Schutzschild gegen nicht existente irakische Interkontinentalraketen direkt vor Russland mit etlichen Interkontinentalraketen. Wie kann man da nur verärgert sein? Selbst bei arabischen Nationen im mittleren Osten, die froh waren, das Hussein weg ist, ist Amerika schlecht angesehen, weil die Saat des Widerstandes gegen die Besatzungstruppen leicht auf diese Regime übergreifen könnte.

Bush spricht gerne von der Achse des Bösen. doch Korea und Iran haben keine Nation angegriffen. Sie mögen zwar keine Demokratie im Sinne Amerikas haben, doch durch das komplette Versagen der Kontrolle des Präsidenten sind die USA in der Praxis nicht von einer Diktatur zu unterscheiden. Wie ein totalitäres Regime bedrohen sie andere Nationen weil sie eine Regierung haben, die ihnen nicht gefällt oder Atomwaffen entwickeln (über welche die USA zu Tausenden verfügen). Das Reich des Bösen, so nannte Reagan Anfang der achtziger Jahre die Sowjetunion. Inzwischen sind die USA das Reich des Bösen. Sie stehen alleine in der Welt, bedrohen jeden mit Krieg und verursachen Armut durch ihre Immobilienblase rund um den Globus. Obama wird viel zu tun haben, wenn er diese Scherben kitten will.

Donnerstag 6.11.2008: Die verpasste Chance beim Shuttle

Wenn 2010 der Space Shuttle ausgemustert wird - Was wird die Bilanz sein? Das es eine teure Fehlentwicklung war? Das es ein riskantes Gefährt war? Das wiederverwendbare Raumtransporter nicht das halten kann, was man sich von ihnen verspricht?

Es ist wahrscheinlich, dass man zu diesem Schluss kommen wird. Doch musste es so kommen? Das Space Shuttle ist der Prototyp eines neuen Raumfahrzeugs. Prototypen haben die Angewohnheit, dass sie teurer sind, als die folgenden und der Nutzwert geringer ist. Bei bemannten Raumfahrzeugen fällt einem hier der Vergleich Mercury-Apollo ein und Vostok - Sojus. Bei Trägerraketen erinnert man sich an die Europa und die Ariane.

Unter den Vorschlägen, die man in den achtziger Jahren für einen Schwerlasttransporter hatte, war auch der Shuttle-Carrier. Es gab unterschiedliche Konzepte. Das einfachste war, ein normaler Shuttle, mit unveränderten Feststoffboostern und unverändertem Tank. Der Orbiter dagegen wäre erleichtert worden um alle Systeme, die man für die Besatzung braucht. Also die Kabine mit der Inneneinrichtung, die Tanks für Wasser und Sauerstoff, das Lebenserhaltungssystem. Als Folge braucht man auch eine geringen Vorrat an Wasserstoff und Sauerstoff für die Brennstoffzellen und für den Wiedereintritt weniger Treibstoff.

Diese Einrichtungen wiegen 15 t und um diese 15 t steigt die Nutzlast an. Ein derartiger unbemannter Space Shuttle kann kein Spacelab transportieren. Aber er kann alles Transportieren, für das keine EVA notwendig ist. Das betrifft alle Transporte zur ISS (selbst wenn dort eine EVA notwendig ist kann sie von der ISS Besatzung durchgeführt werden). Das Herausheben von Modulen oder anderen ISS Bauteilen und das Ankoppeln an die ISS mittels des Manipulatorarms findet aber heute schon ferngesteuert von der Shuttle Kabine aus statt: Das ist auch vom Boden aus möglich. Kameras an den fenster zeigen dann das was sonst der Missionsspezialist sieht.

Kurzum: Die die Transporte von Modulen zur ISS wäre dieses Shuttle-C ideal. Denn aufgrund ihrer hohen Bahnhöhe kann das normale Shuttle nur ca. 16 t zur ISS befördern. Das Shuttle-C wäre um 15 t leichter, so dass die Nutzlast zur ISS doppelt so hoch ist und bei 31 t liegt. Sofern der Nutzlastraum nicht vollständig belegt wird, kann ein Shuttle-C Flug daher zwei Starts der normalen Shuttle ersetzen. Bei zahlreichen Starts ist das gegeben. Columbus z.B. wiegt im Endausbau 21.2 t. Gestartet wurde es aber mit einer Teilbestückung von 12.2 t. die restlichen Racks werden mit weiteren Flügen zur ISS gebracht. Für das Kibo Labor sind sogar 3 Flüge nötig und anstatt einem Sonnenausleger für die Stromversorgung könnte man zwei transportieren.

Ein umgebautes Shuttle könnte so eine wertvolle Ergänzung beim ISS Ausbau sein. Zeit genug hätte man nach dem Verlust der Columbia gehabt und eines der Shuttle, die Endeavour war damals sowieso im Herstellerwerk zur Umrüstung. Sie hätte zu einem Shuttle-C umgebaut werden können.

Es gibt aber noch einen zweiten wichtigen Grund, warum ich für diese Maßnahme plädiere: Es hätte der NASA erlaubt Erfahrungen mit einem unbemannten Space Shuttle zu sammeln. Wo gibt es Probleme? Wo ist die Besatzung notwendig? Ist der Start genauso aufwendig, wie bei der bemannten Variante, oder geht es schneller und billiger?

Das wären wertvolle Erfahrungswerte gewesen, wenn man irgendwann einmal eine zweite Generation angeht, wären diese von Nutzen gewesen. Technisch gesehen, spricht nichts gegen ein unbemanntes Space Shuttle. Anders als die Apollo Kapseln wird das Space Shuttle vollständig von den 5 Bordcomputern gesteuert. Der Start erfolgt vollautomatisch ohne Eingriffe der Besatzung und auch die Landung. Der Pilot hat das Privileg in den letzten 2 Minuten vor dem Aufsetzen, wenn das Shuttle in der aerodynamischen Gleitphase sich befindet, selbst zu steuern. Er muss es aber nicht. Die Computer können das Shuttle genauso automatisch landen wie die Russen dies mit der Buran taten.

Ich denke sogar die Kosten für einen Umbau - Im wesentlichen ja eigentlich nur einen Ausbau - hätte man leicht durch die eingesparten Flüge hereinholen können. Es gäbe sogar die Möglichkeit die ISS aufzuwerten, indem Module, die beim jetzigen Plan wegfallen mussten gestartet werden können (oder wenigstens die 3 MPLM die man zur Wohnquartieren umgebaut hat).

So noch ein paar persönliche Dinge. Das das ATV Buch wurde bislang 21 mal verkauft. Ich warte hier immer noch auf ein paar Rückmeldungen. Hilfe brauche ich auch noch für mein nächstes Buch über Lebensmittelkennzeichnung, also Scans und Fotos von verpackten Lebensmitteln und ihre Zutatenliste, die sie vielleicht gerne beurteilt hätten, sowie eine kurze Beschreibung was ihnen aufgefallen wird. Ich habe schon eine Kollegin angehauen, da ich natürlich dafür Dinge nehme, die ich selbst kaufe und so die Auswahl subjektiv ist. Derzeit schreibe ich etwa 5 Seiten pro Tag, so dass ich guter Hoffnung bin, dass es noch dieses Jahr erscheint. Positiv ist auch, dass mein erstes Buch über Gemini sehr vom ATV profitiert hat - Die Verkäufe sind angestiegen und ich habe die 100 Exemplare (Zielvorgabe) erreicht.

Bei nächste Buch könnte eventuell später kommen: Ich habe diese Woche ein Angebot für einen zusätzlichen Lehrauftrag ab Januar bekommen, der meine freie Zeit noch etwas mehr einschränkt. Die Zeit wird zeigen wie sich dies auf das nächste Buch auswirkt.


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