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Web Log Teil 9: 4.9.2006-17.9.2006

Montag 4.9.2006: Wie man intelligentes Leben entdeckt

Saudi ariabische Wüste fotographiert von NEARIn einem anderen Artikel schrieb ich wie man die Vorbeiflüge von NEAR und Galileo an der Erde um Schwung zu holen nutzte um festzustellen, ob es auf unserer Erde intelligentes Leben gibt. Heute will ich erklären an welchen Tatsachen man dies festmachen kann.

Fangen wir mit dem einfachsten an: Man sieht es. Natürlich kann man mit einer Raumsonde wenn sie die Erde in kurzer Distanz passiert Fotos der Oberfläche machen. Wie gut diese sind hängen von der Güte des Objektives und der Entfernung ab. Doch Cassini und Galileo hatten so gute Teleskope und passierten die Erde in so naher Entfernung, dass man mit Aufnahmen mit einer Auflösung von 10-20 m rechnen konnte, also vergleichbar der welche auch Erderkundungssatelliten haben. Auf solchen Aufnahmen kann man größere Straßen wie Autobahnen, Orte und natürlich die verschiedenen Farben von bestellten Feldern gut erkennen.

Doch es ist reiner Zufall, ob man im Flugpfad über bewohntes Gebiet fliegt. Denken wir daran: 60 % der Erdoberfläche sind mit Meeren bedeckt. Fliegt man über Europa oder die USA so wird man sicherlich spuren menschlicher Aktivität entdecken, doch bei einem Flug über Australien, Afrika, Sibirien und Südamerika ? Zudem können Wolken die Sicht verstellen. So konnte nur die Raumsonde NEAR Spuren menschlicher Besiedlung feststellen - kreisförmige bewässerte dunkle Flächen in der saudiarabische Wüste.

Was gibt es noch ? Nun wir verbreiten enorme Mengen an Funksignalen - Langwelle, Kurzwelle, Mittelwelle, UKW und VHF Band. Sendungen zu Satelliten im C und K Band. Diese senden wir mit hoher Sendeleistung aus und viele davon auch ungerichtet. Die Signale sind moduliert, entweder Frequenzmoduliert oder Amplitudenmoduliert und unterscheiden sich so von natürlichen Quellen. Man müsste diese also leicht erkennen können - Ja wenn man weis wonach man suchen muss. Planetensonden haben in der Regel Breitbandempfänger an Bord. Galileo zum Beispiel einen mit einem Frequenzbereich von 5-5.6 MHz. In diesem können maximal 25200 Messungen pro Sekunde gemacht werden. Die Frequenzauflösung beträgt wegen der hohen Bandbreite in der Regel 0.1 der Zentralfrequenz, d.h. bei 1 MHz ist der Frequenzbereich der abgetastet wird 100 kHz breit.

Das ist ein Problem: Wir benutzen die Signale ja effektiv, d.h. in der Regel schmalbandige Frequenzbänder und hohe Datenraten. Eine Raumsonde soll nicht die Signalmenge in VHF Bereich eines engbandigen Fernsehkanals in Echtzeit analysieren, das wären einige Megabit/sec. Sie soll nach Signalen aus der Ionosphäre suchen und dafür reichen wenige Messungen pro Sekunde aus. In der Folge vermischen sich Signale, die feine Modulation kann nicht zeitlich aufgelöst werden und es ist schwer die künstliche Natur zu erkennen. Es ist als versuchen sie in einem Saal voller Menschen die durcheinander sprechen eine Stimme zu hören - Sie hören nur Gemurmel, Geräusch. Zudem sind die Frequenzbänder welche Raumsonden benutzen auf der Erde unbeliebt. Schließlich soll nach Signalen der Ionosphäre gesucht werden - das ist es hinderlich für irdische Kommunikation, denn die wird durch dieselben Signale gestört.

So verwundert es nicht, das Galileo zwar ein moduliertes Signal empfing, aber man anhand dessen nicht sicher sagen konnte, das es künstlicher Natur ist.

Zuletzt gibt es natürlich die Veränderungen die der Mensch verursacht. Neben den visuell sichtbaren ist es natürlich die Veränderung der Atmosphäre. Doch sie ist subtil: Für die Emission von Kohlendioxid, Methan und Lachgas die durch Verbrennung und Landwirtschaft entstehen gibt es auch natürlich Ursache. Übrig bleiben nur eine Reihe von Spurengasen die künstlich sind, vor allem die Fluorchlorkohlenwasserstoffe. Diese nachzuweisen von einem Satelliten ist möglich, wenn dieser den Horizont beobachtet wo durch die dickeren Luftschichten man ein deutliches Signal bekommt und gegen das All schaut, d.h. kein Hintergrundspektrum vorliegt. Doch damit man dies von einer Planetensonde aus gegen das Spektrum der Oberfläche nachweisen kann, braucht man schon empfindliche Instrumente. Das ist bislang noch nicht gelungen.

Anders sieht es aus, wenn man nicht nach intelligentem Leben sucht, sondern nur nach Leben. Auch hier fanden die ersten Untersuchungen durch Galileo statt. Galileo konnte molekularen Sauerstoff in der Atmosphäre nachweisen. Das ist nach unserem Verständnis ein starkes Indiz für Leben, denn Sauerstoff reagiert mit Metallen und kommt daher frei kaum in vulkanischen Gasen vor. Vor allem fehlt aber dass dort reichlich vorkommende Kohlendioxid. Doch damit weis man nicht ob es heute Leben gibt oder es nur mal Leben gab und der Sauerstoff geblieben ist, jedoch das Leben heute nicht mehr existiert. Galileo lieferte dafür einen Indiz, indem es die spektrale Signatur einer Substanz auffing die nicht zu den Gasen und Mineralien passte und die wir auf der Erde als Chlorophyll bezeichnen. Zur Auflösung der Natur war Galileos Infrarotspektrometer jedoch nicht empfindlich genug.

Als Mars Express nach dem Start zurückschaute machte es nicht nur Aufnahmen mit der Kamera, sondern auch Spektren der Erde und in diesen fand man einen deutlichen Hinweis für Leben auf der Erde: Neben dem oxidierenden Sauerstoff, Wasser und dem Kohlendioxid gab es auch Signaturen von Lachgas und Methan. Die letzten beiden Gase sind aber in einer Sauerstoffatmosphäre instabil und werden zu Stickoxiden und Kohlendioxid in der Stratosphäre oxidiert. Sie müssen also laufend nachgeliefert werden. Für Methan sind die wesentlichen Quellen Gärungen sowohl in Sümpfen aber vor allem in den Mägen von Wiederkäuern und überfluteten Reisfeldern die der Mensch angelegt hat. Für Lachgas ist die wesentlichste Quelle ebenfalls eine anaerobe Gärung in Sümpfen oder Reisfeldern.

So ist es nicht leicht auf unserem Planeten Leben nachzuweisen, wenn man Pech hat oder das Instrumentarium nicht ausreichend empfindlich ist, kann es einem auch entgehen.

Mittwoch 6.9.2006: Ellenbogen und Spaß

Zwei Begriffe fallen mir immer wieder ein, den von der Ellenbogengesellschaft und der Spaßgesellschaft. Beides Synonyme für gesellschaftliche Tendenzen. Interessanterweise fällt mir auch noch der Begriff FDP dazu ein, denn diese Partei hat solange ich denken kann immer davon gesprochen, dass die gut verdienenden, ihr Klientel zu viele Steuern zahlen und sich Leistung lohnen muss und in den Wahlkampf 2002 ist als "Spaßpartei" untergegangen.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Eigentlich scheinen die Begriffe nicht zueinander zu passen. Wer Ellenbogen zeigt setzt sich meist auf Kosten anderer durch, geht seinen Weg alleine zur Spitze ohne auf andere Rücksicht zu nehmen. Wer in einer Spaßgesellschaft lebt konsumiert gerne, gibt sein Geld mit vollen Händen aus, will eben Spaß haben. Nicht ganz synonym, aber passend dazu könnte man auch von der Konsumgesellschaft reden. Man soll sein Geld also ausgeben und das ist ja inzwischen trotz erhöhter Mehrwertsteuer auch die offizielle Politik der schwarz-roten Koalition.

Doch beide Verhaltensweisen haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind egoistisch. Bei dem, der seine Ellenbogen gebraucht sieht man es ja vor sich, wie er mit den Ellenbogen andere behindert. Selbst wenn er es nicht absichtlich tut, sondern nur Karriere macht, so denkt er doch nicht an andere die mit ihm starteten und mit denen, wenn er sie mitziehen würde, er vielleicht ein gutes eingespieltes Team ergeben könnte. Ellenbogen findet man auch bei Managern die möglichst rasch Profite erwirtschaften wollen, indem sie kurzfristigen Erfolgen den Vorzug vor langen Entwicklungen geben, die auf Dauer viel wichtiger für das Unternehmen wären, deren Früchte sie aber nicht mehr selbst ernten, weil sie selbst nach 2-3 Jahren woanders hin wechseln. Natürlich ist dann auch die Versuchung groß nicht ganz so profitable Bereiche abzuwickeln oder zu verkaufen. Was das für folgen hat, sieht man wenn man abends die Nachrichten hört : Die Gewinne steigen und dafür werden Arbeitsplätze abgebaut.

Die Spaßgesellschaft mit ihren Konsumkindern scheint da ein besseres Renomèe zu haben. Im Prinzip ist es ja kein Verbrechen wenn man das verdiente Geld ausgibt und sich etwas dafür kauft. Die Wirtschaft lebt ja davon, dass dauernd etwas gekauft wird, egal ob man es braucht oder nicht. Mancher gibt soviel für eine Stereoanlage, Beamer und was man noch als Home Entertainment braucht wie ein Kleinwagen kosten würde. Bei Frauen ist die Geldanlage in Damenschuhen sehr beliebt.

Das scheint doch der Wunschgedanke unserer Politiker sein. Geld ausgeben, damit jetzt die Wirtschaft boomt. Schließlich ist seit Jahrzehnten jeder der spart der Dumme - Der Sparerfreibetrag wurde erneut gekürzt, alle Zinserträge müssen versteuert werden und dies bei zinsen die bei der Inflationsrate liegen - Das Geld wird also weniger wert. Doch was ist die Alternative dazu ? Wenn man sein Einkommen ausgibt so, dass man jeden Monat bei 0 herauskommt. was macht man wenn es Rückschläge gibt ? Arbeitslosigkeit, längere Krankheit, Berufsunfähigkeit - das alles kann einem passieren. Dann muss der Staat für die Kinder der Spaßgesellschaft aufkommen. Selbst wenn sie dies nicht betrifft wird dies spätestens beim Renteneintritt sein. Denn das Rentenniveau wird immer geringer werden. Extrem formiert : Die Spaßkinder von heute sind die Sozialfälle von morgen.

Ich rate jedem sich schon heute Gedanken über seine Zukunft zu machen. Denn auch der Staat wird abbauen müssen. In einigen Jahrzehnten wird uns vielleicht Harz IV als eine großzügige staatliche Leistung vorkommen. Wenn es immer weniger Steuerzahler und immer mehr Bedürftige gibt wird man noch mehr sparen müssen. Man muss nur mal in andere Länder schauen und man wird feststellen, dass in vielen die Hilfen noch geringer als bei uns sind.

Wie heißt es so schon : Spare in der Zeit, so hast Du in der Not. Oder für die Besserverdienenden die schwäbische Variante "Ma wird net reich vom schaffa sondern vom spare"

Dienstag 12.9.2006: Abdul Ahad Momand

Nein ich schreibe nicht über den 11.9.2001. Das überlasse ich anderen, derzeit wird man ja von den Medien damit zugeschüttet. Es geht heute um Abdul Ahad Momand. Momand war Astronaut, und mir unbekannt bis letzten Freitag. Wer schon mal in meiner Raumfahrtsektion gestöbert hat weis auch warum: Ich interessiere mich nicht besonders für bemannte Raumfahrt und insbesondere bei Astronauten gibt es alleine durch die Space Shuttle Flüge so viele, dass man leicht den Überblick verliert. Warum ich mich für Abdul Ahad Mohmand interessiere ? Nun weil ich erst seit Freitag letzter Woche weis, dass er in dem gleichen Ort lebt wie ich ! Das ist doch Grund genug für einen Aufsatz

Als die USA Mitte der siebziger Jahre ankündigten mit dem Space Shuttle könnten auch ausländische Astronauten mitfliegen, um Experimente zu betreuen, kam es zu einem der letzten Wettrennen der Supermächte um Prestige im Weltraum. Die Sowjetunion initiierte ein Programm, bei dem nun auch ausländische Astronauten (in Russland Kosmonauten genant) mitfliegen konnten. Dieses begann 1978 und als einer der ersten flog auch Siegmund Jähn aus der DDR mit. Einer der letzten in diesem Programm, bei dem die Astronauten aus kommunistischen Ländern kamen war Abdul Ahad Momand. Er wurde am 1.1.1959 in Sardah in Afghanistan. Nach dem Abitur begann er ein Geologiestudium das er an der polytechnischen Hochschule in Kabul abschloss. Danach wurde er zum Militärdienst einberufen. Er meldete sich zur Pilotenausbildung die in dem schon von der Sowjetunion besetztem Afghanistan in der UdSSR stattfand. Danach absolvierte er ein dreijähriges Studium der Luftfahrt in Kiew.

Aufgrund dieser Ausbildung und seiner Geologiekenntnisse wurde er als Astronautenkandidat ausgewählt und absolvierte die entsprechende Ausbildung zum Kosmonauten in der Rekordzeit von 6 Monaten. Dies war nur möglich, weil er nur Aufgaben auf der Raumstation MIR hatte, aber nicht auch das Training für den Start, Ankopplung und Landung wie seine sowjetischen Kollegen absolvieren musste. Der Hauptgrund für das verkürzte Training war aber der bevorstehende Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan, weshalb der Flug von Momad vorgezogen wurde.

Am 29.8.1988 startete er zusammen mit Wladimir Ljachow und Waleri Poljakow mit dem Raumschiff Sojus TM-6 zur MIR. In den nächsten 7 Tagen absolvierte er einige medizinische und biologische Experimente. Insgesamt 24 Experimente wurden von allen 3 Kosmonauten durchgeführt. Die Hauptaufgabe war aber die Fotographie von Afghanistan mit einer hochauflösenden Kamera. Zu der damaligen Zeit war dies im Ostblock die einzige Möglichkeit große Territorien in kurzer Zeit zu erfassen. Aus diesen Aufnahmen wurde später ein erheblich genauerer Atlas von Afghanistan erstellt. Nach etwas mehr als 7 Tagen bestiegen Ljachow und Momand das Raumschiff Sojus TM-5 und bereiteten sich zur Rückkehr zur Erde vor. (Die Sowjetunion vermied es die Sojus Kapseln zu lange im Weltall zu lassen, so dass die neue Besatzung jeweils mit der Kapsel der vorhergehenden Besatzung zurückkehrte).

Nach dem Abkoppeln von der MIR am 5.9.1988 feuerte die Retrorakete der TM-5 nicht. Über den Vorgang gibt es heute noch unterschiedliche Berichte. Nach westlichen Berichten wären die Astronauten verloren im Weltraum gewesen und hätten nicht genug Vorräte für einen längeren Aufenthalt gehabt. Am Tag später konnte das Raketensystem erfolgreich gezündet werden und die Astronauten landeten im Zielgebiet. Das auch die Sowjetunion den Zwischenfall ernst einstufe zeigt sich darin, dass man anders als bei anderen Missionen keine Lifeberichterstattung von der Landung veröffentlichte.

Anders als sonst wurde auf einer Pressekonferenz jedoch die Ursache veröffentlicht - auch ein Resultat von Glasnost und Perestroika. Ursache war ein Infrarotsensor, der auf die Wärmestrahlung der Erde reagierte und an der Grenze zu Tag/Nachtseite ausfiel und so die Bremsraketen abschaltete. Die Kapsel war einfach falsch orientiert gewesen. Ljachov versuchte das System manuell in Betrieb zu nehmen und verursachte erst dadurch weitere Komplikationen. Als man auf das Reservesystem umschaltete fiel es aufgrund desselben Fehlers auch aus. Als man den Fehler nach 7 Minuten erkannt hatte war es zu spät. Sojus TM-5 hatte sich bei 28000 km/h soweit fort bewegt, dass man über China niedergegangen wäre. Da die Landung am Tag erfolgen musste gab es den nächsten Überflug des Zielgebietes in der Sowjetunion erst einen Tag später und so lange mussten die beiden Kosmonauten (Poljakow blieb für einen Langzeitaufenthalt an Bord der MIR) eben in der kleinen Kapsel ausharren. In der Zwischenzeit wurde der Bordcomputer vom Boden aus neu programmiert, so dass er auch mit einem Sensor ausgerichtet an der Tag und Nachtgrenze klar kam. Die Landung war dann auch problemlos.

Nach seinem Astronautenaufenthalts gründete Momand in Kabul das Institut für Luft und Raumfahrt an der Akademie der Wissenschaften und erarbeitete unter anderem aus den Aufnahmen einen Atlas von Afghanistan. Später übernahm er Aufgaben in der zivilen Luftfahrt und des Tourismus. Mit der Machtergreifung der Taliban musste er fliehen und gelangte nach Deutschland, wo sein Bruder lebte. Heute wohnt er in Ostfildern und spielt Volleyball in einem Verein.

Der Name wird in fast allen englischsprachigen Veröffentlichungen als "Mohmand" angegeben, aber er steht als "Momand" im örtlichen Telefonbuch.

Nachtrag Juli 2008: Ich bekomme aufgrund dieses Artikels in letzter Zeit einige Mails und Anrufe weil Journalisten zum 20 jährigen Jubiläum von Sojus TM-6 Momand kontaktieren wollen und er nicht mehr im Telefonbuch steht. Ich habe seine Adresse und Telefonnummer nicht, und wenn ich sie hätte so würde ich den Wunsch nicht von jedem angerufen zu werden respektieren, schlussendlich stehe ich aus genau dem Grunde auch nicht im Telefonbuch : Ich will nicht von jedem Journalisten dauernd angerufen werden.

Sonntag 17.9.2006: Weltraumtourismus

Anousheh AnsariErst mal vielen Dank an die Fans der ISS für die zusätzlichen Werbeinnahmen in den letzten Tagen   Morgen soll die erste weibliche Weltraumtourismus starten. Frau Anousheh Ansari, auch bekannt durch den Preis, den SpaceShip One letztes Jahr bekam für den ersten privaten Parabelflug. 20 Millionen USD zahlt sie für einen Trip an Bord einer Sojus Kapsel. Doch wie billig wird Weltraumtourismus werden ? Blicken wir einmal in eine ferne Zukunft. Nehmen wir an,  Raumtransporter wie der Space Shuttle würden Touristen ins All transportieren. Was könnte das kosten ?

Nun zum einen haben wir natürlich das Hotel. Auch dieses müssen wir zuerst mal in den Orbit bringen. Sofern die Fertigung des Hotels nicht extrem teuer ist, stellt es aber keinen echten Kostenfaktor dar. Auf einem 50.0000 t Passagierdampfer mit 2000 Besatzungsmitgliedern beträgt die Wasserverdrängung pro Passagier 25 t, also 25 m³. Ein Modul für die MIR Station wiegt etwa 20 t und bietet 100 m³ Raum bei normalerweise 2 Astronauten, d.h. selbst wenn die Passagiere 2 mal mehr Raum als auf einem Kreuzfahrtschiff haben (in der Realität natürlich wegen der Lebenserhaltungssysteme, Triebstoff, Energiegewinnung etc weniger)  müssen wir pro Passagier nur 10 t in den Orbit bringen. Betreibt man das Hotel 10 Jahren lang bei 50 Flügen pro Jahr reduziert sich das auf 20 kg pro Passagier - Die Transportkosten für das Hotel sind also vernachlässigbar. 

Bleiben die Startkosten für den Trip. Nehmen wir mal an, wir benutzen dazu ein Gefährt wie den Space Shuttle. Man kann an ihm kritisieren, was man will, der Nutzlastraum ist riesig und macht den größten Teil des Orbiters aus. Er hat einen Durchmesser von 4.6 m und eine Länge von 18.38 m. Das reicht für 2 Decks mit je 4 Sitzreihen in der Breite und 18 Sitzreihen in der Länge (weniger als bei einem Flugzeug, weil unsere Reisende Kontourensitze benutzen müssen). Das sind 144 Passagiere oder vielleicht einige wenig, denn man braucht natürlich auch Service Personal. Nehmen wir mal 120 Passagiere an. Jeder möge 100 kg wiegen und 20 kg Gepäck mitführen. Für 7 Tage brauchen wir auch noch etwa 20 kg Essen (Das Trinkwasser kann man recyceln, doch es lohnt sich nicht Nahrungsmittel im All anzubauen. Man braucht dafür viel Personal, zudem kann man die wenigsten Nahrungsmittel roh essen. Es ist ein langer Weg vom Getreide zum Brot und woher bekommt man die Steaks im All her ?

Allerdings braucht man noch eine Druckkabine in der Ladebucht. Das wiegt nach den Erfahrungen mit dem Spacelab etwa 15 t. Zusammen mit 144 Passagieren à 140 kg sind das rund 35 t, also etwas mehr als heute die maximale Startnutzlast des Space Shuttles von 29.5 t. Ein etwas verbesserter Space Shuttle könnte das ohne Problem transportieren. Doch das Gefährt ist teuer. Der letzte der nachgebaut wurde, die Endeavour kostete 2 Milliarden US-$, und das ist 20 Jahre her. Doch nehmen wir mal an, dass wie ihn so billig bauen könnten wie ein Flugzeug, also für etwa 200 Millionen USD. Doch wie oft kann er ins All starten ? Nun da kann ich wenig Hoffnung machen. Der Space Shuttle ist zwar auf 100 Einsätze ausgelegt, doch das gilt nur die Zelle. Die meisten anderen Teile halten lange nicht so lange. Am wenigsten die Hitzeschutzkacheln, dann kommen die Triebwerke. Wenn man das alles auswechseln muss kommen natürlich Zusatzkosten zusammen. Doch nehmen wir an ein kompletter Orbiter würde wirklich 100 Einsätze absolvieren. Dann wären das 2 Millionen USD Abschreibung pro Flug oder 16700 Dollar pro Passagier - Noch zu finanzieren. Dazu käme noch der Tank und die Feststoffraketen. Das dürfte den Preis für ein Ticket auf 25000-30000 Dollar erhöhen. Es ist kein Ausweg Wasserstoff auch in der Unterstufe einzusetzen, dann diese muss dann 10 mal größer als der Orbiter sein und ist auch entsprechend teurer, also wird auch das Ticket entsprechend teurer. 

Doch jetzt kommt der Hammer: Sie ärgern sich über ihre Heizölrechnung ? Tja um 100 t Space Shuttle und Nutzlast zu transportieren braucht man 2000 t Treibstoff oder für jeden Passagier etwa 17 t. Und der Großteil entfällt auf den teuren Feststofftreibstoff. Das folgende ist eine Teilübersicht der Treibstoffkosten des Space Shuttles von 1980:

Kosten [Mill. USD]
1004 t Feststofftreibstoff 4
750 t flüssiger Wasserstoff/Sauerstoff 0.38
10 t OMS Treibstoffe 0.01
Summe 4.39

Tja und diese Stoffe sind seitdem nicht billiger geworden. Grund dafür ist, dass man viel Energie zur Gewinnung braucht. Seit 1980 hat sich der Erdölpreis verdreifacht. Wenn man also 13 Millionen USD nur für die Treibstoffe annimmt, dann liegt man sicher nicht weit von den realen Kosten entfernt. Damit kostet ein Ticket ins All etwa 135000 USD.

Ich denke das ist das absolute Minimum, bei den heutigen Preisen für Außentank und Feststoffraketen (vom Orbiter ganz zu schweigen) müsste man eher von der 10 fachen Summe ausgehen. Doch darum geht es mir nicht. Wie teuer eine Reise ist daran sind auf der Erde in erster Linie die Energiekosten schuld. Eine Concorde verbrauchte ein Vielfaches des Treibstoffes eines Jumbo Jets und war immer ein exklusives und teures Gefährt. Beim Start in den Weltraum kommen die extremen Materialbeanspruchen dazu. Ein Raumtransporter die beim Eintritt bis zu 1650 Grad Celsius aushalten muss wird eben nicht wie ein Flugzeug Tausende von Starts und Landungen absolvieren ohne dass man Teile austauscht, auch ein Einsatz über 20-30 Jahre mit mehreren Hundert Flügen pro Jahr ist illusorisch. Eine Reise ins Weltall wird immer teuer sein. Wie sollte es auch anders sein ? Wenn sie über den Atlantik fliegen so führt das Flugzeug etwa 20 % seiner Startmasse in Form von Treibstoff mit. Beim Space Shuttle sind es 2000 %, also muss ein Ticket in etwa 100 mal teurer sein als ein Flug über den Atlantik - und genau das ist der Fall.

Als man noch optimistischer bei den Space Shuttle Startpreisen war, 1983 gab es eine Studie wie viel ein Flug ins All kosten würde bei einem Startpreis von 60-70 Millionen USD für einen Space Shuttle Flug (etwa ein Achtel der heutigen Kosten). Eine Firma rechnete vor, das eine Passagierkabine im Frachtraum etwa 75 Personen transportieren könnte und ein Ticket etwa 2-3 Millionen USD kosten würde. 350 Personen oder etwa 5 Flüge pro Jahr erwartete man für diesen Startpreis.

Was kostet es heute ? Nun in der Realität fliegt der Space Shuttle natürlich keine Passagiere. Er hat auch nicht die Ausrüstung um so viel Strom für die notwenigen Lebenserhaltungssysteme aufzubringen, aber tun wir mal so als wäre ein solcher Umbau möglich. Die NASA hat bei einer Senatsanhörung vor dem Bau der ISS angegeben, dass ein Flug zur ISS etwa 435 Millionen USD kostet, davon aber nur 83 Millionen auf den Start entfallen, der Rest sind Fixkosten. Das gilt für etwa 7-8 Flüge pro Jahr. Bei maximal 12 Flügen pro Jahr, die möglich wären würde sich der Start also verbilligen auf etwa 280-300 Millionen USD, oder etwa 2.5 Millionen USD pro Ticket. Ich denke ein neues System, das wesentlich weniger wartungsintensiv isst könnte diesen Preis halbieren, mehr sehe ich aber bei der heutigen Technologie nicht.

Bleibt noch die Gretchenfrage: Wenn der Autor das nötige Kleingeld hätte, würde er fliegen ? Ja und Nein. Ja, wenn ich wirklich so viel Geld hätte, das auch 20 Millionen USD nur ein Bruchteil davon wären, vielleicht so ab 100 Millionen USD. Wenn ich weniger hätte, vielleicht 21 Millionen würde ich eher 20 Millionen in eine Stiftung einbringen die ein Teleskop auf der Erde baut (dafür gibt es eines der 3 m Klasse, mit dem kann man schon einiges an Wissenschaft betreiben) und mit der restlichen Million immer noch gut leben. Wissenschaftsmäzen gibt es anders als in den USA bei uns ja nicht. Wenn dann wird lieber Geld für Kultur oder soziales ausgegeben - nichts dagegen, auch das ist wichtig, aber viele sehen die Förderung der Wissenschaft als eine Aufgabe des Staates und das ist falsch.


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