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Web Log Teil 90: 2.12.2008-

Dienstag 2.12.2008: Konkurrenz ist nicht gleich Konkurrenz

Zuerst einmal das wichtigste (aus meiner Sicht): Ich suche noch immer nach einem Titel und Untertitel für das nächste Buch. (Man schaue sich auch das Inhaltsverzeichnis an). Das Buch hat mich auch inspiriert mal wieder ein neues Lebensmittel in meiner "Was ist drin" Rubrik zu besprechen (Ein Beeren Müsli), das ich im Buch nicht verwenden konnte (dort findet sich schon ein Müsli und ein Bio Produkt). Das Gemini Buch, verkauft sich erfreulich gut: Gestern kamen weitere 40 Exemplar dazu. gekommen. Damit habe ich im November mehr Exemplare verkauft als in allen Monaten zusammen. Das ATV Buch ist mit knapp 40 verkaufen Büchern dagegen noch entwicklungsfähig.

Die Kommentare zu den letzten Blogs kommentiere ich mal nicht getrennt, sondern hier mal als neuer Blogeintrag.

Falcon 9

Fangen wir an mit dem Lärm der Falcon 9: Natürlich ist der Schub geringer als bei einer Saturn V und damit der Lärmpegel in gleicher Distanz kleiner. Doch darum geht es ja nicht. Es geht um die Belastung denen die Bevölkerung ausgesetzt ist. Denn die Tests finden ja nicht in der Wüste statt, sondern in einem ländlichen Gebiet in Waco Texas, und noch bedeutender: Die Bevölkerung wurde vorher nicht informiert. Eine Saturn V entwickelt so viel Schub, dass beim ersten Start in 5 km Entfernung noch die Deckenverkleidung von den Übertragungswagen abgefallen. Die Falcon 9 ist zwar nicht so schubstark, aber sie hebt auch nicht ab, das heißt anstatt etwa 10 Sekunden produziert sie 178 Sekunden lang Schub, die Druckwelle durch die emittierten Gase ist daher stärker. Insgesamt zeigt es aber mehr die Inkompetenz von SpaceX, die normale Regulationen mehr als Schikane, denn als Schutz der Allgemeinheit betrachten. Der Erststart der Falcon 1 sollte ursprünglich ja von Vandenberg aus stattfinden. Als die USAF diesen verschieben wollte, bis die letzte Titan 4 abgehoben hatte, die immerhin eine Milliarden Dollar teure Fracht trug, und von der Nachbarrampe startete wurde dies als Schikane bezeichnet und nach Omelek Island umgezogen. Die USAF Befürchtungen erweisen sich ja dann mit dem Absturz nahe des Startplatzes als nur zu berechtigt. Wenn Elon Musk wirklich so an seine Produkte glaubt, schlage ich vor, steigt er in die erste Dragon Kapsel.

Ariane 5 Konkurrenz

Das zweite sind die Konkurrenten der Ariane 5: Um hier mal etwas gerade zurecht zu rücken: Boeing und Lockheed Martin bieten die Atlas und Delta nicht mehr auf dem internationalen Markt an. Beide konzentrieren sich auf das Geschäft mit der US Regierung. Es gelang beiden Firmen nicht, genügend Aufträge für ihre teuren Raketen an Land zu ziehen.

China war lange Zeit aus dem Rennen, vor allem durch Exportbeschränkungen für US Technologie. Seit Juli 2008 ist dieses (pünktlich vor dem Start der olympischen Spiele) gefallen. Das Manko, das Rückversicherungen keine Satellitenstarts auf chinesischen Trägern mehr versichern, nachdem ein Fehlstart ein Dorf in Schutt und Asche legte, begegnen die Chinesen mit einer eigenen Rückversicherung. Seitdem läuft das Geschäft wieder besser. In wie weit China zu einer Konkurrenz wird, muss sich noch zeigen. Derzeit ist ihre Flotte nicht fähig größere Satelliten zu transportieren.

Japans H-2A erwähne ich der Vollständigkeit halber: Seit es sie gibt, hat sie keinen kommerziellen Start absolviert, und das ist (wenn man die H-2 dazu nimmt) kein kommerzieller Start in 14 Jahren. Sie ist einfach zu teuer. Selbst japanische Firmen nutzen sie nicht. Daran ändert auch der Rückzug der JAXA und die neue H-2B nichts . Als ich bei der DLR nach den Startkosten für das ATV Buch fragte wurde mir ein Preis von 150 Millionen Euro für eine H-2B angegeben.- Das ist bei 30 % weniger Nutzlast 20 % teurer als eine Ariane 5.

Es bleiben also heute nur Zenit und Proton, die wieder nach einigen Fehlstarts im Geschäft sind. Das Russland Raketen für konkurrenzlos niedrige Preise anbieten kann, versteht sich von selbst. dass muss man nicht diskutieren. Die Angara gibt es auf dem Papier - aber es gibt sie schon seit Jahren auf dem Papier. Vor allem erreicht sie nur eine höhere Nutzlast als die Proton, wenn sie die KVRM Oberstufe einsetzt. Doch diese Oberstufe soll auch auf der Proton einsetzbar sein, so gesehen würde alleine deswegen die Entwicklung der Angara keinen Sinn machen. Fakt ist: Russland setzt nach wie vor seine alten, 40 Jahre alten Raketen ein und es ist nicht zu erkennen, als dass sich dies ändern könnte. Vor allem für bemannte Einsätze sehe ich hier Probleme: Die Sojus ist erprobt und sicher. Doch wie sieht es mit der Angara aus. Angesichts der Verantwortung Russlands für die Versorgung der ISS und den von den USA gekauften Starts, glaube ich wird man nicht die Sojus ausmustern (zumal sie ja nun auch noch von Kourou aus starten soll). Doch ob sich dann noch die Angara lohnt? Auch internationale Kunden wollen zuerst einmal sehen, wie zuverlässig eine Rakete ist, und so wird vorerst die Proton mehr Starts bekommen, bis die Angara genügend erfolgreiche Starts vorweisen kann.

In etwa die gleiche Argumentation kann man bei den chinesischen Trägern anbringen. Die heutigen Träger sind alle Abkömmlinge von Interkontinentalraketen. Sie befinden sich seit Jahrzehnten im Einsatz und arbeiten mit erprobter, aber nicht gerade aufregender Technologie. Die laufenden Verzögerungen bei der Entwicklung der Langen Marsch 5 Serie, trotz boomender Wirtschaft zeigen, dass man es nicht so eilig hat mit dieser Familie. Warum auch? Umweltfreundliche Triebstoffe sind den Chinesen egal, wie man auch bei anderen Projekten sieht, ist Umwelt in China nichts auf das man achtet. Vielleicht ist der Hauptgrund der gleiche, warum auch die ESC-B Entwicklung sich verzögert: Die Satelliten werden nicht mehr schwerer. somit gibt es auch keinen Bedarf für größere Raketen.

Sojus in Kourou

Nun zur Sojus in Kourou. Ich halte auch nichts davon. Vor allem nicht davon, dass hier auch ESA Mittel eingesetzt werden. Wenn Arianespace die Sojus starten will - okay, aber dann soll sie es auch selbst finanzieren. Die Sojus mag mit 7 t LEO und bis zu 3 GTO Nutzlast gut die Ariane 5 ergänzen, doch für die paar ESA Starts, könnte man auch die Raketen von Baikonur aus starten lassen. Es zahlt der Steuerzahler und das Geschäft machen die Banken.

Gibt es eine europäische Alternative? Schwer zu sagen. Die Ariane 4 wäre zu teuer. Sie kostete 116 Mill. $ für eine 44L, wobei die kleineren Versionen kaum billiger waren. Eine Sojus soll für 50 Millionen starten. Eine Alternative wäre es die Vega auf einen EAP Booster zu setzen. In dreistufiger Version beträgt die Nutzlast 7.1 t mit vier Stufen (mit Zefiro 9) 8.4 t, wobei sie in Realität etwas kleiner wäre, da die VEB noch anfällt. In Vierstufiger Ausführung könnten 2.8 t (wiederum ohne VEB) in den GTO Orbit transportiert werden. Bei den bekannten Herstellungskosten für die VEGA und EAP wäre diese Lösung von den Startkosten konkurrenzfähig.

Mittwoch: 3.12.2008: Schlechtes Fernsehen

Am Wochenende bin ich auch die Website www.fernsehkritik.tv aufmerksam geworden. Ich mokiere mich ja gerne über das Fernsehen, meistens über das was mich interessiert also Dokumentationen, Wissenschaft. Ich schaue aber auch gerne Switch und Kalkofe und merke dabei erst, wie viel Scheiß im Fernsehen läuft, das normalerweise an mir völlig vorbeigeht. Die Fernsehsendungen von www.fernsehkritik.tv machten mich auf noch mehr Unsinn aufmerksam. Vor allem führt der Journalist einen Kampf gegen das Call-IN TV wie 9-live. Das Format wird bei mir nur beim Zappen gestreift, weil mir schon die Moderatoren mit ihrem Geschrei und der aufdringlichen Musik so unsympathisch sind. Aber die Art wie dort Leute betrogen werden mit Sachen die man nie erraten kann ist schon eine Unverschämtheit.

Das schlimme ist, dass es ja auch in den öffentlich rechtlichen nicht besser ist. Auch dort nimmt die Seuche "Daily Soap" zu. Meine Mutter hat einen  festen Termin: Zwischen 16 und 17 Uhr ihre Daily Soap. Die ARD hat seit ewigen Zeiten schon die Zeit zwischen 6 und 7 als Soap Zeit und produziert zwar noch Serien, verfeuert diese aber wie gerade "Türkisch für Anfänger" in wenigen Wochen, weil 4 mal pro Woche eine neue Folge kommt. Auch Odysso, das Wissenschaftsmagazin des SWR ist inzwischen zum Medizinjournal verkommen.

Doch davon abgesehen Es nervt vor allem die Werbung. Weil die Leute abschalten wird sie immer perfider. Werbung kommt kurz vor dem Abspann, oder es kommt nach dem üblichen Werbeblock erst die Trailer für andere Sendungen, die ja dann bisher vor dem Spielfilm lief und dann - noch mal ein Werbeblock mit 30 Sekunden runterzuholen. diese Mini-Unterbrechungen die so gemacht sind, damit sie kurz genug sind, damit man nicht zappt oder weggeht nehmen ja geradezu inflationär zu und sie werden länger: Früher waren es 10 Sekunden heute sind es 30.

Mein Vorschlag für neue Fernseher: Liebe Hersteller ihr landet einen Verkaufsschlager, wenn ihr in den Fernseher einen kleinen Signalprozessor mit etwas RAM oder einer kleinen Festplatte einbaut. Nichts aufwendiges, keinen vollständigen Rekorder, denn man eh selten nutzt. Nur eine Lösung die jeder brauchen kann: Der Signalprozessor schaut einfach nach den beiden Kennzeichen für Werbung: Das Senderlogo fehlt und die Lautstärke dreht auf (Leute das nervt!) und schneidet dann einfach das raus. Was man anschaut wenn man von der Toilette oder dem Checken von Mails zurückkommt ist dann das Programm das zwischengespeichert wird ohne Werbung. Wenn unser Gesetzgeber mal Zeit hätte für richtig wichtige Bestimmungen, dann könnte er auch verordnen, dass parallel zum Program ein Bit ausgesendet wird, dass 1 ist bei echtem Programm und 0 bei Werbung, Teilern etc. Dann wäre das Schneiden noch einfacher.

Leute, so einen Fernseher würde ich mir sofort kaufen. Ein Grund warum ich inzwischen mehr Fernsehen über den Onlinetvrecorder anschaue ist, dass ich dabei im VLC die Werbung überspringen kann und ich dabei noch am Computer arbeiten kann (na ja zumindest bei Spielfilmen ohne zu viel Actionszenen). Ich glaube auch viele andere würden so was kaufen. Bevor nun jemand sagt: Das gibt es ja schon, das kann ja jeder Festplattenrekorder. Ja kann er, aber dazu muss ich das Programm aufzeichnen. Ich will einfach ein narrensicheressen System mit ein paar Tasten auf der Fernbedienung wie "Cut on/off" (Schneiden aktivieren oder nicht) und "Start" und "Stopp" um auch von Hand mal das Programm anzuhalten. Ich will keine extra Hardware dafür, wo ich Kanäle wechseln muss und was programmieren muss. Ich will eine einfache Lösung die im Fernseher integriert ist. Viel Hardware braucht man dazu nicht. Komprimiertes PAL Video belegt etwa 200 kbyte/s. 1 GByte Speicher kosten heute 20 Euro. das reicht aus um 5000 Sekunden, fast 90 Minuten ohne Werbung abzupuffern.

Ansonsten habe ich wieder was bei der Homepage gemacht. Im Rahmen des Buches gab es einige Produkte die ich nicht in den Was ist drin Teil aufgenommen habe. Sie gaben zu wenig her oder ich wollte eine größere Palette abdecken. so findet sich heute neu ein Artikel über die Unterschiede zwischen verschiedenen Schokoladensorten und ich stelle auch ein neues Programm online, das ich gestern und heute so nebenher programmiert habe. Vielleicht kann es ja jemand brauchen. Es dient dazu aus einer größeren MP2 Sammlung eine Zufalls Playlists zu erzeugen und auf den MP3 Spieler zu kopieren. Ich habe nämlich meistens nicht die Lust ein ganzes Album. Es wird dann langweilig. Daher habe ich mir ein kleines Programm geschrieben, dass diese Sache erledigt. Mehr darüber hier.

Donnerstag: 4.12.2008: So macht man Eindruck

Wie macht man Eindruck? Eigentlich ist das ganz einfach. Das Privat-Wissenschaftsfernsehen verkauft uns die Herstellung einer Gulaschsuppe als ein Wunder und die Shopping Sender machen uns weiß, das ein Satz Schraubenzieher 89,99 kostet, weil der Stahlpreis gestiegen ist, man dieses Wunderwerk der Technik aus hochwertigem Karbonstahl fürs Leben kauft.(Klar in ein paar Jahren gibt es die Firma nicht mehr, dann hat man was fürs Leben - die Lebensdauer einer Firma). Aber auch die NASA macht dies. In einem ist die NASA spitze: Die Webseiten sind voll von Pressemitteilungen selbst über die kleinsten Dinge. Jede Betätigung des Greifers von Phoenix wird protokolliert. Es fehlt an technischen Infos (als das Internet noch "jung" war - so zur Zeiten des Starts von Cassini oder MGS gab es die. Inzwischen gibt es nur noch die Fakten die eine breite Öffentlichkeit wissen will).

Vor allem aber wird alles aufgeplustert. Alles ist etwas besonderes, selbst wenn man wie bei der letzten Shuttle Mission nur etwas Inneneinrichtung zur ISS bringt. Beliebt ist aber auch Vergleiche zu ziehen. Mit einem möchte ich mich mal befassen. Es ist der Vergleich der Genauigkeit der Navigation: Meistens so beschrieben: "Die Raumsonde muss nach einem Weg von 500 Millionen km einen Korridor von 5 km Breite treffen. Das ist wie wenn sie einen Golfball von der Westküste der USA in die Ostküste mit einem Schlag einlochen."

Falsch

Der wesentliche Unterschied zwischen Orbitalmechanik und einem Golfturnier ist, dass man die Bahn nach dem Start beeinflussen kann. Blicken wir zurück auf die Zeit, als man dies noch nicht konnte. Luna 1 flog in 5955 km Entfernung am Mond vorbei, einem recht nahen und erreichbaren Ziel. 5955 km - Das sind bei der Geschwindigkeit des Mondes von rund 1 km/s eine Abweichung in dem Ankunftszeitpunkt von 6000 Sekunden, oder wenn man die Position nimmt, eine Abweichung von 0.9 Grad oder fast 2 Monddurchmesser.

Die erste Venussonde, Venera 1 hatte auch noch nicht die Fähigkeit zur Kurskorrektur und passierte die Venus in einem Abstand von 100.000 km. Danach bekamen die Sonden Triebwerke, in denen sie den Kurs korrigieren konnten. Mariner 2 hätte z.B. ohne Kurskorrektur nur einen minimalen Abstand von 374.000 km Abstand erreicht. Auch das ist nicht gerade nahe. Die Genauigkeit wurde dann noch gesteigert, aber Fehler von einigen Tausend Kilometern sind normal. Damit man eine Vorstellung bekommt. Eine Bahn zum Mars, bei der die Richtung stimmt, aber die Raumsonde 1 m/s mehr oder weniger Geschwindigkeit bekommt führt zu einer um 6 Stunden früheren oder späteren Ankunft. 6 Stunden reichen bei Mars aus, dass er 500.000 km in der Bahn vor oder nach dem Punkt ist, an dem er die Sonde treffen sollte.

Auch heute ist daher die Abweichung, wenn nicht korrigiert wird, nicht so klein. Nehmen wir einmal New Horizons als Beispiel. Mit New Horizons fliegt auch die Star 48V Stufe zu Jupiter. Anders als Phoenix wurde bei dieser Sonde nicht speziell darauf geachtet, dass die letzte Stufe nicht Jupiter erreichen kann (Bei Phoenix wurde bewusst neben Mars gezielt, damit die Centaur nicht auf dem Mars einschlagen kann). Die Star 48V Stufe wird bei Jupiter um 400.000 km von New Horizons entfernt sein. New Horizons hat zuerst ihre Geschwindigkeit um 18 m/s und dann später nochmals feiner korrigiert.

Üblich sind heute mindestens 3 Zündungen auf einer interplanetaren Bahn. Eine erste kurz nach dem Start um die größten Abweichungen zu beseitigen. Dafür braucht man am meisten Treibstoff, je früher man dies macht, desto weniger braucht man. Eine zweite etwa nach durchlaufen der halben Bahn. Dieses "Broken Plane" genannte Manöver dient dazu die unterschiedliche Neigung der Bahnen von Erde und Ziel anzugleichen. Es kann entfallen wenn zufälligerweise die Ebene nahe beieinander sind /das ist immer zweimal pro Umlauf der Fall) Das letzte kurz vor der Ankunft, um die letzten Ungenauigkeiten auszugleichen.

Bei höherer geforderter Genauigkeit können es durchaus mehr sein. Beim Start hatte Phoenix eine Abweichung von 950.000 km. Vor dem TCM-2 noch 95000 km. Die letzten TCM verschoben die Position noch um 130 und 18.5 km. (TCM-4 wurde gestrichen).

Datum Geschwindigkeit
TCM 1:(8.10.2008) 18.5 m/s
TCM-2: 24.10.2008 3.6 m/s
TCM-3: 10.4.2008: 2.6 m/s
TCM-5 17.5.2008 0,15 m/s

Das ganze ist also durchaus nicht so mysteriös, sondern recht genau geplant mit immer kleinen Korrekturen. Inzwischen gibt es das ja auch auf der Erde, bedingt durch moderne Computer. Es gibt Granaten mit GPS und aerodynamischer Lenkung und auch Bomben mit demselben Mechanismus, die ihre ballistische Bahn korrigieren können und so eine höhere Zielgenauigkeit haben.

Was gibt es noch? Ich ärgere mich derzeit über OpenOffice. Damit entsteht mein drittes Buch, wie schon das zweite. So langsam nervt mich, dass dieses Programm nicht nur keinen Fachbegriff kennt, sondern auch nicht viele andere Begriffe, vor allem zusammengeschriebene Worte, die bei Frontpage (mit dem ich fürs Web arbeite) kein Problem sind. Vor allem sind aber die Korrekturvorschläge so idiotisch und weit neben dem Begriff. Wenn ich nicht weiß ob ich was richtig geschrieben habe, tippe ich dann im Zweifelsfall das Wort bei Google ein und bekomme meistens anhand der Fundstellen eine Bestätigung oder einen Korrekturvorschlag. Liebe OpenOffice Entwickler: Wenn ihr es nicht schafft eine gute Rechtschreibprüfung zu integrieren, dann nutzt wenigstens das Google API um dieses Manko auszubügeln. Außerdem: Warum sind Benutzerwörterbücher auf 29 KByte beschränkt? Ich bin nun schon beim zweiten, weil das Programm auch nicht fähig ist einen Begriff in Singular oder Plural oder anderen Deklinationen zu erkennen und man so mehrere Begriffe eingeben muss (Phytosterin, Pytosterine, Phytosterins...). um auf den Titel zurück zu kommen. Die Rechtschreibprüfung von OpenOffice kann mich nicht beeindrucken.

Freitag: 5.12.2008: Verschiedene Sichten

Derzeit bin ich so ziemlich am Ende von Eugene Cernans "The last man on the moon". Das bringt mich auch gleich zu meinem Thema: Man gewinnt mehr Überblick über ein Thema, wenn man verschiedene Seiten hört. Nehmen wir mal Amerikas Weltraumprogramm in den sechzigern. Ich bin ja nicht der Fan von bemannter Raumfahrt und in der Deutschen Sprache gibt es da auch recht wenig dazu.

Ich habe mir vor Jahren, als der Film Apollo 13 rauskam, das gleichnamige Buch Apollo 13 von James Lovell gekauft. Das ist eine gute Beschreibung was dort auf dem Flug passierte, auf dem Boden und in der Kapsel. Die Vorgänge werden plastisch erzählt, die Atmosphäre nachvollziehbar. Kein Wunder dass daraus ein Film wurde. Aber es informiert nur wenig über den genauen Ablauf des Unfalls, und die Vorgeschichte des Tanks, noch über die Apollo Hardware und warum damit die Rettung möglich war.

Das war lange mein einziges Buch speziell zu dem Thema Missionen, also jenseits der Technik. Das hatte zwei Gründe. Das eine ist es, dass ich einige Zeit brauchte bis ich mich getraut habe Bücher über Amazon in den USA zu bestellen, wo sie viel preiswerter als bei uns sind. Das zweite waren meine Englisch Kenntnisse. Mittlerweile bin ich mehr als doppelt so alt wie zu dem Zeitpunkt, wo ich meine letzte englischstunde in der Schule hatte. Zwar bin ich gewohnt Fachbücher in englisch zu lesen, doch das ist etwas anderes. Dort wird ein definiertes Fachvokabular benutzt, dass wenn man es verstanden hat, es einfach macht alle Texte zu verstehen. Im Zweifelsfall geht es meist sowieso um Tabellen, Grafiken oder Codeschnipseln um die wichtigen Infos zu extrahieren.

Als ich dann vor zwei Jahren über die Internet Sternchen Lynne & Tessa mehr Kontakte zu ihren englischsprachigen Fans bekam, hat sich das geändert. 2 Jahre Mails oder die Übersetzungen der Ergüsse der beiden reichten aus, mein Englisch kräftig aufzufrischen und seit etwa 1 Jahr kaufe ich mir immer wieder englischsprachige Bücher von Beteiligten am Gemini und Apollo Programm.

Den Anfang machte Gene Kranz Failure Is Not an Option: Mission Control from Mercury to Apollo 13 Gene Kranz war Flugleiter ab der Mitte des Gemini Programmes und man bekommt dabei eine gute Einsicht was bei den Flügen damals im Kontrollraum ablief (also die Bodenseite), aber auch welcher Apparat dahinter, stand mit Simulatoren, Experten die Stand By standen etc. Auch hier ist die Atmosphäre plastisch herausgearbeitet und das Buch sehr spannend zu lesen.

Dem folgte David Scotts und Alexej Lenovos Buch Two Sides of the Moon. Our Story of the Cold War Space Race Bei dem man neben den Flügen der beiden (Gemini 8, Apollo 9+15, Woschod 1 und Apollo-Sojus) auch erfuhr, dass es so viel Unterschiede nicht gab zwischen Ost- und West und beide Astronauten/Kosmonauten so ziemlich dasselbe durchmachten und sich dann auch auf Anhieb verstanden als sie sich zum ersten mal trafen.

Danach wandte ich mich wieder dem Boden zu und kaufte mir das Buch von Chris Kraft Flight: My Life in Mission Control. Chris Kraft ergänzt ganz gut Gene Kranz, denn er war Flugleiter von Mercury bis etwa zur Mitte des Gemini Programms und stieg dann in die Missionsbetreuung auf. Dadurch bekommt man auch etwas von höheren Managemententscheiden mit wie z.B. der Apollo 8 zum Mond zu schicken und dem Problem um Weihnachten dann dafür eine 10000 Mann bergungsflotte von er US Navy zu bekommen, wenn auch Matrosen Weihnachten feiern wollen. Das Buch hat eine ziemlich lebendige Sprache, aber es wird auch bald klar, dass Kraft jemand ist der polarisiert. Er neigt dazu etwas schwarz oder weiss zu sehen. Unter Kraft darf man keine Fehler machen, wie Scott Carpenter am eigenen Leibe erfuhr.

Dem folgte Andrew Chalkins A Man on the Moon: The Voyages of the Apollo Astronauts: Dabei geht es nur um die Mondmissionen von Apollo (8,10-17). Aber hier erfährt man recht gut was damals passiert ist und es werden auch die Astronauten beschrieben, allerdings ausnahmslos positiv. Wer nicht einzelne Bücher über die einzelnen Missionen kaufen will, dem ist Chalkin ans Herz zu legen.

Und nun eben noch Eugene Cernans Buch  The Last Man on the Moon: Astronaut Eugene Cernan and America's Race in Space. Es geht dabei um das Leben von Eugene, nicht nur die 3 Raumflüge mit Gemini 9, Apollo 10 und 17, sondern auch die Zeit dazwischen. Ich halte es für das ehrlichste Buch von allen. Er erzählt auch von Animositäten, dem Kampf um einen Flug, dem Training als Backup-Crew, die doch nie starten wird und wie sich dieses Leben auf seine Ehe auswirkt, die (das ahnt man schon vor dem Ende des Buchs) wohl daran zerbrechen wird.

Ich denke neben den verschiedenen Aspekten von Apollo - aus der Sicht der Astronauten, die Mission neutral nacherzählt, der Blick ins Kontrollzentrum oder bei der Missionsplanung -  nivellieren sich auch persönliche Sichten heraus. Hierzu einige Beispiel:

Chris Kraft hat offensichtlich etwas gegen Deutsche, speziell gegen Wernhers von Braun. Er versucht soweit es geht, in seinem Buch dessen Rolle klein zu machen. Wenn bei den anderen Büchern von Wernher von Braun oder "Den Deutschen" die Rede ist, dann meist in höchstem Respekt. Nicht nur wegen der Saturn V als dem zuverlässigsten Träger den es je gab, sondern auch weil alle wissen, dass er die Kraft war, welche die Politiker von diesem Programm erst überzeugen konnte. David Scott versucht seinen Deal mit Briefen, die er zum Mond und zurück schmuggelte und dann für einen vierstelligen Betrag (pro Stück) verkaufte, herunter zu spielen. Eugene Cernan sagt klipp und klar, dass ihm das die Karriere ruiniert hat und Kraft sagt, das ganze hätte sogar fast noch zum Streichen weiterer Mondmissionen geführt.

Chalkin zeichnet alle Astronauten in Rosa, hebt nur ihre positiven Eigenschaften hervor. Andere sind da nicht so gnädig. Sowohl Kraft wie auch Cernan machen klar, dass Buzz Aldrin meint er wäre der beste und gegen Armstrong gewettert hat um Commander von Apollo 11 zu werden. Beim Gemini 9 Flug schlug er ein waghalsiges Manöver vor um die Nutzlasthülle über die ATDA zu entfernen, dass gottseidank von der Flugleitung abgelehnt wurde. Cernan ist am offensten denke ich. er schreibt auch über die Rivalität um die wenigen vorhandenen Sitze bei immer mehr Astronauten im Programm und wie die Wissenschaftler der vierten Astronautengruppe von allen abgelehnt wurden, weil die anderen Astronauten meinten nur Testpiloten könnten fliegen.

Ich habe vor noch mehr Bücher zu lesen. Als nächstes wahrscheinlich eher was technisches. Ich denke da an Digital Apollo: Human and Machine in Spaceflight  und How Apollo Flew to the Moon.  Wenn ich damit fertig bin, dann gibt es an dieser Stelle auch eine kleine Kritik. Das ganze zeigt aber, dass man vor allem ein so komplexes Thema von vielen Seiten beleuchten muss. Ich denke über Apollo könnte man ganze Regalmeter schreiben: Über die Hardware selbst einige Bücher, über die Missionen einige weitere. Über das Management und die Infrastruktur noch ein paar (BTW: Apollo gilt als eines der am erfolgreichsten gemanagten Programme: Es führte nicht nur neue Konzepte ein wie das heute übliche Setzen von Meilensteinen) sondern es wurde auch innerhalb des geplanten Finanzrahmens in der geplanten Zeit durchgeführt). Dann gäbe es noch Bücher über die Astronauten und ihr Leben nicht zuletzt das Apolloprogramm im Kontext der damaligen Welt: Die politische und historische Bedeutung.

Eine der häufigsten fragen die ich zum Gemini Buch bekomme ist: "Warum ist es so kurz?" Neben dem, dass ich erst mal einen Testballon haben wollte ob es Interesse gibt, spielt auch gerade dies eine Rolle: Wenn man in die Tiefe geht: Wo hört man auf? Über Gemini könnte man leicht auch einen Regalmeter füllen. Daher hielt ich es für besser eine kurze, aber kondensierte Einführung zu machen anstatt mich in dem Dschungel zu verlieren. Ich habe mir vorgenommen, wenn ich noch ein paar Astronautenbiographien mehr gelesen habe vielleicht die Missionen nochmals zu überarbeiten und eine zweite Auflage herauszubringen. auf meiner Liste stehen auch noch die Biographien von Michael Collins (Gemini 10), Neil Armstrong (Gemini 8), Pete Conrad (Gemini 5+11) und natürlich Deke Slaytons Sicht als Leiter des Astronautencorps wäre auch recht interessant. Ich befürchte nur, dann wird es ein Wälzer werden. Schauen mer mal. Erstmal stehen heute wieder einige Seiten beim LM Buch zum Korrekturlesen an.


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